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Leben & Lernen

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Bekommst du einen Platz an deiner Wunschuni? Sozialkriterien bei der Studienplatzvergabe von Ines Behlert (MEDI-LEARN Redaktion)

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ach dem Abi endlich raus. In eine andere Stadt. Größer und aufregender. Oder kleiner und beschaulicher. Vielleicht ziehst du es vor, in deiner Heimat zu bleiben. Das Studium wird schon aufregend genug, bloß nicht noch von einer fremden Umgebung unter Strom gesetzt werden. Vielleicht zieht es dich auch in die Ferne. Aber egal wie es sich bei dir verhält, ob du lieber in die Ferne ziehen oder in angestammten Gefilden bleiben möchtest: Bei der Bewerbung um einen Studienplatz hast du die Möglichkeit, einen Wunschort anzugeben. Möglicherweise wollen sehr viele Studienplatzanwärter in die gleiche Stadt wie du. Dann kommen die sogenannten Sozialkriterien von hochschulstart.de (betrieben von der Stiftung für Hochschulzulassung, SfH; früher Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen – ZVS) zum Tragen. Die Idee dahinter ist, dass soziale Bindungen eine große Rolle im Leben spielen und daher bei der Studienplatzvergabe zu berücksichtigen sind. Hast du wichtige soziale Bindungen an deinen Hochschulort, wird dein Wunsch stärker berücksichtigt. Hochschulstart. de hat festgelegt, welche Sozialkriterien in welcher Reihenfolge bei der Studienplatzvergabe von ihr beachtet werden. Schwerbehinderten Menschen räumt hochschulstart.de Priorität ein, sie spricht ihnen die stärkste soziale Bindung an die gewünschte Hochschule zu. Zählst du in diese Kategorie, ist es bei der Wahl nicht wichtig, ob du dich für eine Hochschule in deiner Heimatstadt oder in einer anderen Stadt bewirbst. Schließlich ist es möglich, dass gerade eine weiter entfernte Hochschule

die Gegebenheiten aufweist, die dir eine Durchführung des Studiums erst ermöglichen. Das kann beispielsweise die rollstuhlgerechte Einrichtung der Örtlichkeiten sein, durch die es dir möglich ist, an allen Veranstaltungen teilzunehmen. Die Bereitstellung eines Gebär-

densprachdolmetschers, falls du gehörlos bist, wäre ebenfalls eine solche Voraussetzung. An zweiter Stelle werden Bewerber berücksichtigt, die mit ihrem Ehepartner und/oder Kind in einer Wohnung zusammen leben und an der nächstgelegenen Uni studieren wollen. Trifft das auf dich zu, erkennt hochschulstart.de an, dass es dir nicht zumutbar wäre, in einer anderen, eventuell weit entfernten Stadt getrennt von deinem Ehe-

partner oder Kind zu leben. Dass du in diese Kategorie gehörst, musst du bei der Bewerbung nachweisen. Dazu lässt

Erste gemeinsame Wohnung Kompromisse vereinfachen das Zusammenleben MEDI-LEARN Redaktion

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om „Hotel Mama“ in die erste eigene Wohnung zu ziehen, war bereits ein aufregender Schritt. Nicht minder aufregend ist die Entscheidung, mit dem Lebenspartner die erste gemeinsame Wohnung zu beziehen. Was einfach und romantisch klingt, kann eine Reihe von Herausforderungen bergen. Gleichzeitig lösen sich Unannehmlichkeiten auf. Schwierigkeiten und Glücksmomente des gemeinsamen Wohnens bereichern das Leben – und diesen Artikel. Haben beide in eigenen Wohnungen gelebt, stellt sich die Frage, wie die Einrichtung der gemeinsamen Wohnung aussehen soll. Können wir uns eine ganz neue Einrichtung leisten oder behalten wir die alten Möbel? Das wiederum führt zur Diskussion, welcher Gegenstand zu behalten ist: mein Bett oder dein Bett, mein Fernseher oder dein Fernseher, der Küchentisch meiner oder deiner Oma? Wenn diese Entscheidung gefallen ist, warten neue: Darf das gemeinsame Wohnzimmer in Rosa gestrichen werden? Und überhaupt, die eine will überall ihren Deko-Kram stehen haben, „weil es so viel gemütlicher ist“. Der andere findet, dass der Schnickschnack bei Ikea gut aufgehoben ist. Hauptsache, es ist Platz für den LCD-Fernseher im XXLFormat für die Fußball-Abende mit

Kumpels. Deswegen sollten Sofa und Couchtisch unbedingt fleckenresistent sein. Falls mal ein Bier umkippt. Wo wir schon beim Bier sind: Wer bezahlt das Bier denn nun? Oder anders gefragt: Gibt es eine gemeinsame Haushaltskasse oder zahlt jeder für sich? Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Bei einer gemeinsamen Kasse muss geklärt werden, ob der eine seinen wöchentlichen Kasten Bier braucht und ob die andere nur Bio-Frischkornmüsli aus dem Reformhaus essen kann, ohne Pickel zu kriegen. Bei getrennten Kassen muss dagegen bei jedem gemeinsamen Kochen entschieden werden, wer die Zutaten bezahlt. Eine grundsätzliche Entscheidung im Bereich Finanzen erleichtert den Alltag deutlich. Auch das Lieblingsthema jeder WG hält Einzug in die Pärchen-Wohnung: Putzen. Während sie zu jeder Zeit von jedem beliebigen Fußboden essen können muss, findet er, dass die Reinigung des Badezimmers alle drei Wochen vollkommen ausreichend ist. Möglicherweise liegen die Vorstellungen dichter beisammen, decken sich aber dennoch nicht. Wie in einer WG müssen Kompromisse gefunden werden. Von der totalen Gleichberechtigung bis hin zu Aufteilungen wie „du die Küche, ich die Wäsche“ ist alles denkbar.

Von all den eher organisatorischen Aspekten abgesehen, hat das Alltagsleben seine Tücken. Die Vorstellung, zusammenzuleben bedeute automatisch mehr gemeinsame Zeit, wird oftmals durch das intensive Studium mit Lerndruck und Klausuren, den Nebenjob und das Treffen mit Freunden Lügen gestraft. Manchmal entsteht der Eindruck, dass ihr euch seltener seht als vorher. Wenn ihr es dann doch tut – morgens direkt nach dem Aufstehen und ungeduscht –, kann es durchaus passieren, dass die schlechte Laune am anderen ausgelassen wird. Was die Freude am Zusammenleben nicht unbedingt fördert. Doch das Gegenteil birgt ebenfalls Stolperfallen. Wer nur noch gemeinsam kuschelnd auf dem Sofa sitzt und sich von der Außenwelt isoliert, der wird seinen Freundeskreis reduzieren. Unter Umständen so weit, dass am Ende keiner mehr übrig ist und sich die ganze Welt nur noch um den Partner dreht. Was nicht glücklich macht. Zumal dann, wenn du feststellst, dass der andere doch nicht perfekt ist. Dann gilt es, sich in Toleranz zu üben, die Bedürfnisse des anderen zu respektieren und sich nicht an jeder Macke aufzureiben. Gegen einen gemeinsamen SofaAbend ist zwar nichts einzuwenden,

Juni/Juli 2012

du deine Angaben auf dem Formular der Meldebescheinigung von der entsprechenden Behörde bestätigen. Schau auch auf die Entfernungstabelle von hochschulstart.de, um herauszufinden, welche Uni die nächstgelegene ist. Haben zwei Universitäten die gleiche Entfernung von deiner Heimatstadt, kannst du zwischen diesen beiden frei wählen. Wohnst du beispielsweise in Duisburg, hast du nach diesem Prinzip die Auswahl zwischen der Uni Duisburg-Essen und der Uni Düsseldorf. Manchmal ist die Entfernung zu einer Hochschule in einem angrenzenden Bundesland die kürzeste. Ähnliche Besonderheiten gelten für Bewohner der grenznahen Regionen Frankreichs und der BeneluxStaaten. Ein Blick in die Entfernungstabelle lohnt also unbedingt. Dann kommen Bewerber zum Zuge, die sogenannte „besonders zwingende Bindungen“ an den Hauptwunschort haben. Hochschulstart.de versteht darunter soziale oder wirtschaftliche Gründe, die so schwerwiegend sein müssen, dass ein Platz an einem anderen Studienort mit erheblichen Nachteilen verbunden wäre. Die bisher genannten Kriterien der Schwerbehinderung und des Zusammenlebens mit Ehepartner und/oder Kind sowie das Zusammenleben mit den Eltern fallen nicht darunter. Ein sozialer Grund wäre für hochschulstart.de beispielsweise die Pflege eines Angehörigen, vor allem dann, wenn niemand anders diese Pflege übernehmen kann. Dagegen ist ein wirtschaftlicher Grund zum Beispiel ein unbefristeter Arbeitsvertrag zum Zeitpunkt der Antragstellung. Das kann der Fall sein, wenn du vor

aber: Zur Pflege und Belebung der Beziehung sind gemeinsame Aktivitäten nötig, ob allein oder mit Freunden. Gemeinsamer Sport, ein Ausflug am Wochenende, sich zum Kaffeetrinken zu treffen oder ein Kino-Besuch halten die Beziehung lebendig und verringern die Gefahr, im Nebeneinander-her-leben zu versumpfen. All diese Schwierigkeiten sind jedoch nichts gegen die schönen Momente des Zusammenlebens: abends nebeneinander einschlafen und morgens nebeneinander aufwachen – und das jeden Tag. Lebensmittel sind nicht mehr in verschiedenen Wohnungen verteilt und schimmeln dort vor sich hin, weil einer beim anderen weilt. Die Wäsche in der Waschmaschine bestimmt nicht mehr den Ort der gemeinsamen Übernachtung („Können wir heute bei mir schlafen? Ich habe noch Wäsche in der Maschine.“). Keine genervten Mitbewohner fragen, ob dein Partner jetzt hier wohnt und ob er sich an der Wasserrechnung beteiligen wird. Ein kleines Glanzlicht im Alltag ist es dafür, aus der Uni zu kommen und vom Partner bekocht zu werden. Wie du siehst, hat das Zusammenleben mit dem Partner neben einigen Tücken sehr viele schöne Seiten. Wenn einmal das Grundsätzliche geregelt ist und ihr euch an die Macken des anderen gewöhnt habt, dann steht einer aufregenden Zeit nichts im Wege und das Zusammenleben macht richtig Spaß.

dem Studium eine Ausbildung gemacht hast und in diesem Beruf arbeitest. Dass du dich selbst unterhalten kannst, wertet hochschulstart.de als zwingende soziale Bindung. Wie bei allen anderen Sozialkriterien musst du deine Angaben durch beglaubigte Kopien belegen, die du deiner Studienplatzbewerbung beifügst. Sodann werden diejenigen Bewerber berücksichtigt, die noch bei ihren Eltern gemeldet sind und die am nächstgelegenen Hochschulort studieren möchten. Ist dies bei dir der Fall, lässt du dir deine Eintragungen im Formular „Meldebescheinigung“ von der Meldebehörde bestätigen. Für dich gilt das gleiche wie für die Bewerber der zweiten Kategorie: Die nächstgelegene Hochschule kannst du der Entfernungstabelle entnehmen. Hast du dich bisher keiner Gruppe zuordnen können, fällst du unter das Sozialkriterium 5. Das bedeutet, dass hochschulstart.de davon ausgeht, dass deine Bindungen an den gewählten Studienort weniger stark sind. Deswegen wird dein Wunsch erst berücksichtigt, wenn die Bewerber der Sozialkriterien 1 bis 4 einen Platz an der gewünschten Hochschule erhalten haben. Es gibt trotz allem keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen, wenn du keinen Platz an deiner Wunschuni erhalten hast. Manchmal erweist sich die zweite oder auch dritte Wahl als goldrichtig. Und wenn das nicht der Fall ist und du unbedingt woanders studieren möchtest, gibt es ja immer noch die Möglichkeit des Studienplatztausches.

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Wie immer gibt es auch zu dieser Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung wieder eine Extraportion für besonders MLZHungrige: Unser Digitaler Nachschlag präsentiert dir weitere spannende Artikel – dieses Mal unter anderem zum Thema Vorklinik, Famulatur und Auslandserfahrungen – und die Fortsetzung eines Beitrags aus der gedruckten Version. All das findest du im Digitalen Nachschlag. Er steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung. Einfach die folgende Seite aufrufen:

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Nachschlag Die Extraportion Diesen Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Famulatur

Ausführliche Erklärungen und immense Freizeitmöglichkeiten Vor Abschluss des Studiums noch einmal ganz neue Erfahrungen sammeln in einer anderen Kultur, aber auch einem anderen Gesundheitssystem. Das war Motivation genug, sich an deutschsprachigen Krankenhäusern der Schweiz zu bewerben. Belohnt wurde dies Engagement mit einem bezahlten PJ-Tertial, in dem der Jungmediziner die Vorteile flacher Hierarchien und Schwyzerdütsch kennenlernte. Jeder selbst erhobene Befund wurde durchgesprochen und auch im OP wurden jederzeit gerne Erklärungen angebracht.

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MEDI-LEARN Zeitung 03/2012  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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