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Im Dienste der Lachmuskeln

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Viele von euch kennen unsere knollennasigen Cartoon-Figuren von Rippenspreizer sicher längst, denn seit einigen Jahren illustrieren sie unsere Beiträge und Publikationen. Wie ein Bilderwitz entsteht, verrät jetzt der Cartoonist und Arzt Daniel Lüdeling. Mehr dazu auf den Seiten 6 und 7

ZEITUNG

Ausgabe 03/07 ∙Juni /Juli 2007 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de ∙ ISSN 1860-8590 ∙ 1,90 €

Zauberpflaster für Kids Ein Jahr in Stendal Viel wusste Miriam Schütz nicht über Stendal. Die Stadt liegt in der Altmark in Sachsen-Anhalt und befindet sich direkt an der ICE-Strecke Berlin-Wolfsburg. Das PJ gestaltete sich als sehr lehrreich und war alles andere als langweilig.

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Flip Flops statt Birkis Innere Famulatur in Ghana

Aus dem Reich der Mitte Traditionelle Chinesische Medizin in China

Für Ghana hat sich Janine Hübl wegen der politisch stabilen Situation ent schieden. Sie war gespannt auf ein neues Gesundheitssystem und besonders darauf, ob man mit begrenzten Möglichkeiten trotzdem gute Medizin praktizieren kann.

Heike

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Wie ein Göttertrank

Medizinisches Studium und Forschung an der Harvard Universität von Dr. Karsten Lunze

Seifert

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stöberte im Internet und stieß schließlich auf die Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Medizin (DCGM), die Famulaturen in Tangshan, Wuhan, Guangzhou und Nanjing fördert. Sie hatte Glück und kurz darauf hieß es: ab nach China!

33 Harvard-Nobelpreisträger gehören der medizinischen Fakultät an), auch die Lehre ist traditionell herausragend. An der Medical School hat man als erste einen neuen Weg der Lehre beschritten, der das selbstgeleitete Lernen in den Vordergrund rückt und das problemorientierte Lernen in die medizinische Ausbildung gebracht hat. Der Unterricht findet prinzipiell in Blockkursen statt, Evaluation ist ein essentieller Bestandteil, um eine ständige Anpassung an die Lernbedürfnisse zu gewährleisten. Mit diesem Modell wurden inzwischen im Rahmen der Reformstudiengänge auch in Deutschland positive Erfahrungen gemacht (DÄ 2003; 100: A 686-689 Heft 11). Jeder immatrikulierte Student der Med School wird einer der vier Gesellschaften zugeordnet: Cannon, Castle, Holmes oder Peabody Society, in denen das akademische wie soziale Leben organisiert wird. Die 13 selbständigen privaten Lehrkrankenhäuser sind der Medical School assoziiert, jedoch auch als „teaching affiliates“ unabhängig von ihr.

Bekannt sind die langen Arbeitszeiten Die City skyline von Boston

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ie Harvard Universität genießt nicht nur traditionell einen weltweit exzellenten Ruf, sie liegt auch seit Jahren auf Platz 1 der jährlich von der Jioa Tong

Universität von Shanghai herausgegebenen weltweiten Rangliste der Unis. Sie gehört zum Kern der Ivy-League, der acht besten Hochschulen der USA. An

der Harvard Medical School, der medizinischen Fakultät mit 9.000 Ärzten und Forschern, hat nicht nur die Wissenschaft eine vielbeschworene Exzellenz (18 der

Alarmanlage für die Nerven Monitoring-System warnt den Chirurgen während der OP von Dr. Janine Drexler (Fraunhofer-Gesellschaft)

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erletzt der Chirurg bei einer Operation die Nerven des Patienten, kann dies gravierende Folgen haben. Forscher entwickeln jetzt ein Monitoring-System, das die Nerven während des Eingriffs kontinuierlich überwacht und den Arzt bei Gefahr warnt. Alarm während der Operation: Das Messer des Chirurgen kommt dem Stimmbandnerv bedenklich nahe – der piepsende Ton weist den Arzt darauf hin, dass der Druck auf die Nerven zu stark ist. Mit bloßem Auge sind Nerven schwer erkennbar, denn sie gleichen in Struktur und Farbe dem Bindegewebe und den kleinen Blutgefäßen. Das Risiko ist groß: Wird etwa bei Schilddrüsenoperationen der Stimmbandnerv beschädigt, drohen chronische Heiserkeit, Stimmlosigkeit und Atemnot.

Kompetenzen bündeln

Für die Entwicklung eines Alarmsystems bündeln Forscher ihre Kompetenzen: Neben dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, der Universitätsklinik Mainz und dem Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus sind die Firmen Dr. Osypka GmbH, Reinhardt Micro-

Beispielhaft für die klinische Ausbildung steht die neurochirurgische Abteilung am Brigham and Women’s Hospital unter Professor Peter Black. Er leitet gleichzeitig die Abteilung am Children’s Hospital und hat eine sehr empfehlenswerte

es prinzipiell möglich ist, den Stimmbandnerv kontinuierlich zu überwachen. Die beiden Elektrodenpaare sind auf dem Tubus angebracht, der zur Beatmung des Patienten in seine Luftröhre gelegt wird.

Die Schädigungen könnten zurückgehen

Flexible Elektroden überwachen die Stimmbandnerven bei Schilddrüsenoperationen

tech GmbH und Inomed Medizintechnik GmbH beteiligt. Das Projekt war einer der Gewinner beim Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik 2006. Am Beispiel von Operationen der Schilddrüse und im kleinen Becken entwickeln die Forscher flexible Elektroden, die die Nerven erstmals kontinuierlich überwachen und den Chirurgen recht-

zeitig warnen. „Momentan kann man erst nach der Operation prüfen, ob die Nerven des Patienten noch reagieren“, sagt Klaus Peter Koch, Projektleiter am IBMT. „Denn für den kontinuierlichen Einsatz konventioneller Elektroden ist das Operationsfeld zu klein.“ In einem Pilotprojekt bei Schilddrüsenoperationen konnten die Forscher bereits zeigen, dass

Eines der Elektrodenpaare stimuliert – von einer speziellen Software gesteuert – den Stimmbandnerv, der daraufhin den Stimmbandmuskel erregt. Das zweite Elektrodenpaar erfasst die Reaktion dieses Muskels, die von der Software sofort ausgewertet wird. Gegen Verrutschen der Elektroden und Fehler beim Anbringen ist das geplante System gefeit: Je nach Elektrodenposition berechnet die Software, über welche der zahlreichen Elektrodenkontakte der Nerv bestmöglich stimuliert wird. Während zu den Stimmbändern nur ein einzelner Nervenstrang führt, gibt es bei der Blase ein ganzes Nervengeflecht. Über welchen Nerv die Forscher dieses Geflecht am besten stimulieren können, soll eine Studie zeigen. Ist das Monitoring-System erfolgreich, könnte es die Nerven auch bei anderen Operationen schonen: Die Schädigungen, so hofft Koch, könnten um mehr als die Hälfte zurückgehen. Weitere Informationen: www.ibmt.fraunhofer.de

Einführung in sein Fach herausgegeben, das als Vorbereitung und Begleitung für einen Einsatz auf dem Gebiet sehr empfehlenswert ist. Hier fand ich meinen klinischen Einsatz. Bekannt sind die langen Arbeitszeiten. Die Neurochirurgen fangen morgens um sechs Uhr an und operieren nicht selten bis in die Nacht. Dazu kommen Bereitschaftsdienste jede vierte Nacht. Nicht von ungefähr werden die Ausbildungsassistenten im ersten Jahr „Interns“ genannt... Diese harten Bedingungen sind der Preis für eine systematische Ausbildung der Assistenten: Vom ersten Tag ihrer Residency an steht der Ausbildungsplan der folgenden drei bis fünf Jahre fest, und auch Anfänger werden konsequent in die Operationen mit eingebunden. weiter auf Seite 2

Inhalt Cartoonkreuzworträtsel Für alle Rippenspreizer Fans gibt es ein Rätsel besonderer Art: Die Sprechblasen von acht Cartoons sind lückenhaft und die fehlenden Begriffe müssen in einem Kreuzworträtsel ergänzt werden. Zu gewinnen gibt es ein lebensgroßes Skelett und zehn humorige Cartoontassen. S. 11

Interview

Studieren mit Kind Gut 6 Prozent aller Studierenden haben Kinder. Es ist nicht immer leicht, die Anforderungen eines Studiums mit den Aufgaben der Kinderbetreuung und -erziehung zu vereinbaren. Wie es den Eltern ergeht, wie sie ihren Alltag organisieren und welche Tipps sie haben, erfahrt ihr in unserem Interview. S. 05

Geschmökert

Pädiatrie Unsere Buchrezensionen beschäftigen sich in dieser Ausgabe der MLZ mit dem interessanten Fachgebiet der Pädiatrie. Im Hinblick u. a. auf Inhalt, Zielgruppe und Preisleistungsverhältnis werden drei Lehrbücher unterschiedlicher Verlage genauer unter die Lupe genommen. S. 04

Famulatur

TCM in Taiwan Juliane Barth hat ihre Famulatur in der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) im buddhistischen Tzu Chi Hospital absolviert. Sie arbeitete hier in den Sprechstunden mit und gewann einige Erfahrungen in der Kunst der Akupunktur. S. 09

Frauen und Männer

(Vor)Urteile Frauen sind anders. Männer auch. Ganze Literatur- und Filmgenres leben von diesem unerschöpflichen Thema. Auch an den Arbeitsplatz bringt man geschlechtstypische Kommunikation, Talente und Schwächen unweigerlich mit. Diese sind zum Teil biologisch begründet. Bei Mann und Frau gibt es gewisse Unterschiede. S. 10


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Kurz notiert

Probanden-Börse

Klinische Studien sind ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Forschung. Im Frühjahr startete mit www.probanden.info eine Vermittlungsstelle für Probanden und Patienten von klinischen Studien im Internet. Auf dem Portal können Interessenten kostenlos nach aktuellen Studien in ganz Deutschland suchen. Der Informationsbereich bietet neutrale Informationen über Risiken und Nutzen von klinischen Studien samt Glossar mit Erklärungen von Fachwörtern, die auch der Laie versteht.

Jeder Einzelne zählt

Jeder Einzelne zählt - so lautet ein Motto der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS. Nur durch eine Knochenmarkspende kann in vielen Fällen bei bösartigen Leukämien wertvolles Leben gerettet werden. Es reicht zunächst aus, sich als potentieller Spender registrieren und typisieren zu lassen (z.B. durch einen Mundhöhlen-Abstrich). Erst im Falle einer positiven Übereinstimmung mit einem Erkrankten (kommt in ca. 5 % der Fälle im Zeitraum von 10 Jahren vor) wird dann bei Bedarf auf den Typisierten für eine lebensrettende Entnahme von Stammzellen zugegangen. Ausführliche kostenlose Informationen sind unter www.dkms.de erhältlich.

Übergewicht

Gemäß einer Studie der EU sind in Deutschland rund 75 % der Männer und rund 60 % der Frauen übergewichtig, Tendenz derzeit steigend, denn immer mehr Kinder tragen auf Grund von Bewegungsmangel zu viele Pfunde auf den Rippen. Nach den Rauchern geht es jetzt dem wohlbeleibteren Anteil unserer Bevölkerung gesundheitspolitisch an die Fettpölsterchen. Aufgrund der hohen Kosten, die dem Gesundheitssystem durch die Folgeerkrankungen der Adipositas entstehen, sind Steuererhöhungen auf „ungesunde“ Lebensmittel erste Denkspielchen der Politiker.

Medizinisches Studium und Forschung an der Harvard Universität Fortsetzung von Seite 1

Unter den Residents, den Ärzten in Weiterbildung, herrscht trotz der harten Arbeitsbedingungen ein gutes Verhältnis zueinander. Mit meiner Betreuerin, einer ehemals professionellen Geigerin, die nun als eine der wenigen Frauen eine Weiterbildung zur Neurochirurgin machte, waren wir am Wochenende durchaus auch mal zusammen tanzen. Das Team funktionierte gut miteinander – Frucht einer exzellenten Leitung.

Boston ist das Eldorado der biomedizinischen Forschungen

Wer die imposante Longwood Avenue entlang geht, der kommt nicht nur an der legendären Harvard Medical School vorbei, sondern auch an seinen berühmten Lehrhospitälern mit ihren Forschungseinrichtungen. Die Welt der Forschung lernte ich im Rahmen meiner medizinischen Doktorarbeit kennen: am Brigham and Women’s Hospital unter Dr. Berthold Struk im Labor von Professor Klaus Lindpaintner, beide weltweit anerkannte Experten für die Genetik komplexer Erkrankungen. Die Internationalität der Longwood Medical Area, so heißt die Gegend um die Harvard Medical School herum, ist sofort auffällig:

Was zählt, ist nicht die Herkunft, sondern die Leistung Der Chef meiner Arbeitsgruppe, selbst beruflicher Kosmopolit, leitete ein Team, in dem Amerikaner und Chinesen, Italiener und Koreaner, Deutsche und Inder, Spanier und Australier miteinander kooperieren. Diese wird stimuliert durch Exzellenz in der Führung: Harvards Arbeitsgruppenleiter sind durchweg führend auf

Unter www.medi-learn.de /gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich – unter allen Teilnehmern verlosen wir Fachbücher im Wert von 300 €. Einfach Fragebogen ausfüllen und schon bist du dabei!

Steigende Studiengebühren

Diese Finanzausstattung ermöglicht die internationale Anwerbung der besten Professoren, die zudem weniger Lehrverpflichtungen haben und sich ihre Studenten selbst aussuchen können – Freiheiten, von denen deutsche Unis auch nach der jüngsten Reform der Professorenbezahlung und vor der bevorstehenden Abschaffung der „Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen“ weit entfernt sind. Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang auch Beispiele, die nicht nachahmenswert sind: Das Studium in den USA wird nicht nur wegen der stetig steigenden Studiengebühren immer teurer. Auch Vorbereitungskurse für Aufnahmeprüfungen, Staatsexamina wie das USMLE und dem jüngst für alle Medizinstudenten verbindlich eingeführte CSA machen das Medizinstudium für viele gerade aus sozial benachteiligten Verhältnissen immer unerschwinglicher. Immerhin gibt es in den USA ein funktionierendes Stipendiensystem. An Universitäten wird ein Großteil der Studenten durch Stipendien unterstützt, anders als

Die Zusammenhänge zwischen Tiefschlaf und Langzeitgedächtnis von Dr. Christian Jung (idw)

Universität Lübeck jüngst in Versuchen im Schlaflabor nachweisen. Gemeinsam mit Forschern an der Pariser Universität klärte das Team in den vergangenen drei Jahren die zentralen Mechanismen der nächtlichen Datenarchivierung auf. Die Volkswagen Stiftung unterstützte das Vorhaben mit insgesamt 454.000 Euro.

Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ist auch der elektronische Arztausweis zwingend erforderlich geworden; Er ist die Eintrittskarte in die Gesundheitstelematik. Mit Hilfe des elektronischen Arztausweises können Ärztinnen und Ärzte zukünftig auf die Patientendaten der elektronischen Gesundheitskarte zugreifen, elektronische Dokumente rechtsgültig signieren und für den Versand über Datenleitungen sicher verschlüsseln.

Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung?

vermögen, das sich aus 8.600 Einzelstiftungen zusammensetzt und sich auf 19,3 Milliarden US $ beläuft. Einen weiteren Anteil haben die rund 270.000 Alumni, die Ehemaligen, die ständig zum Fundraising beitragen. Neben diesen Rücklagen macht die konsequente Vermarktung des Namens Harvard – von der Baseballmütze bis zur Schreibtischlampe – die Uni zu einer der reichsten des Landes. So werden optimale Bedingungen ermöglicht: In Harvards Bibliotheken, zugänglich allerdings nur für Universitätsmitglieder, warten fünfzehn Millionen Bücher auf zahlreiche Wissensdurstige.

Der Mensch lernt im Schlaf

e-Arztausweis

Deine Meinung ist uns wichtig!

ihrem Gebiet. Zudem kommen regelmäßig Forscher von Weltrang zu Vorträgen und zum Austausch. Klangvolle Namen sind die Regel: Bei Bagel und Kaffee aus dem Pappbecher trifft man herausragende Köpfe in ganz privatem Rahmen. Im Vergleich zu Deutschland bedeutet forschen hier, optimale Bedingungen mit konstanter Stimulanz zu verbinden. Für den deutschen Neuankömmling scheint entscheidend, dass selbst ein Student, der seine Ausbildung noch vor sich hat und vieles noch nicht beherrscht, als Mensch ernst genommen und an universitären Entscheidungen beteiligt wird: Von der Auswahl der Bewerber über die Gestaltung der Vorlesungen und Seminare bis hin zur Auswertung der Lehrveranstaltungen. Das gilt auch für die Forschung: Von der Konzeption bis zur Finanzierung hatte ich volle Freiheit und konnte gleichzeitig auf die uneingeschränkte Unterstützung meiner Mentoren, Dr. Berthold Struk und Professor Klaus Lindpaintner, zählen. Bedingungen, die sich in Deutschland selten finden. Grund für die Mühe um die Studenten sind sicher nicht zuletzt die immensen Studiengebühren, die Studenten im Gegensatz zu Deutschland hier zahlen: Im nächsten Jahr werden sie wohl die Schwelle von 40.000 US $ überschreiten – ohne die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Freizeit dazu zu zählen. Um diese aufbringen zu können, werden wesentlich mehr Studenten durch ein funktioniertes Stipendiensystem und subventionierte Darlehen gefördert, als dies in Deutschland üblich ist. Die Studiengebühren, die noch nicht einmal zu den Spitzenreitern im amerikanischen Vergleich zählen, machen jedoch nur ein Teil von Harvards Reichtum aus: Die Universität verfügt über ein Stiftungs-

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a muss ich erst einmal eine Nacht drüber schlafen! Was manchen wie ein unnötiges Aufschieben von Entscheidungen oder Taten dünkt, ist in Wahrheit ein sinnvoller Mechanismus. Denn der Körper nutzt den Nachtschlaf nicht nur, um sich zu regenerieren, sondern auch um Erlebtes und Erlerntes dauerhaft zu speichern. Und mehr noch: Beim Aufbau des Langzeitgedächtnisses wird im Kopf aufgeräumt, nicht selten mit dem Ergebnis einer zündenden Idee am nächsten Morgen. Diese Zusammenhänge konnte der Neurobiologie Professor Dr. Jan Born vom Institut für Neuroendokrinologie der

Tagsüber fungiert das Gehirn als Sammelstelle von Daten; nachts, wenn der beständige Input an Eindrücken und Informationen versickert, kann es sich auf das Sortieren und dauerhaftes Archivieren umstellen. Wie unser Hochleistungsrechner im Kopf diesen Datentransfer bewältigt, fand Born heraus, indem er bei freiwilligen Versuchsteilnehmern neurophysiologische und kognitive Untersuchungen zur Gedächtnisbildung durchführte. So konnte er unter anderem beweisen, dass an der Gedächtnisbildung sogenannte Deltawellen beteiligt sind: Langsam oszillierende elektrische Signale, die das Gehirn im Tiefschlaf aussendet. Wurden diese bei den Probanden über Elektroden verstärkt, schnitten die Testpersonen am nächsten Tag deutlich besser im Gedächtnistest ab, als die unbeeinflussten Schläfer. Ein spektakuläres Ergebnis, das Jan Born und sein Team im November vergangenen Jahres in Nature veröffentlichten. Weitere Einblicke in die Hirnaktivität im Schlaf lieferte das Part-

nerteam um Professorin Dr. Susan Sara, die an der Universität Paris Versuche an Ratten durchführt. Diese Experimente machten sichtbar, dass frisch erworbene Lerninhalte zunächst im Hippokampus abgelegt und zwischengespeichert werden. Am Ende eines langen Tages dann wird dieser nicht etwa ausgeschaltet, sondern nach dem Eintauchen in den Tiefschlaf werden die Erlebnisse noch einmal aufgerufen und zur Hirnrinde gesendet. Dort können sie in das Netzwerk bestehender Langzeitgedächtnisinhalte fest integriert werden. Dabei ist es die Hirnrinde, die über die genannten Deltawellen signalisiert, wann der Erinnerungsspeicher zur Aufnahme bereit ist. Dieses Signal geben die elektrischen Wellen über biochemische Botenstoffe an den Hippocampus weiter. Während die Konzentration der Neurotransmitter Acetylcholin und das Stresshormon Cortisol im Tiefschlaf auf ein Minimum absinken, bleibt die Ausschüttung von Noradrenalin erhalten, wird aber – durch den synchronisierenden Einfluss der langsamen Deltawellen – genau auf die Momente abgestimmt, zu denen der Hippocampus seine Informationen an die Hirnrinde überspielt. Die Experimente an Ratten zeigten deutlich, dass die zellulären Prozesse der Gedächtnisbildung verzögert ablaufen, wenn die Wirkung von Nor-

in Deutschland, wo der Anteil der derart geförderten Studenten verschwindend gering ist. Boston, Harvards Heimat, ist weit entfernt vom Inbegriff des Amerikas der Vorabendserien. Vielmehr ist es von seiner Akademia und ihren Persönlichkeiten geprägt. Gekennzeichnet von neuenglischem Flair, dazu eine kräftige Portion Kultur, wird es ergänzt durch einen Schuss Multikulti und eine Prise Geschichte. Unverwechselbar schimmert überall ein gewisser europäischer Aspekt durch. Mit europäischen Städten kann Boston, im Gegensatz zu vielen anderen Orten der USA, durchaus mithalten. Auch die Natur der Umgebung hat einen großen Erholungswert.

Stadt von hoher Lebensqualität Das Leben und Arbeiten an der Harvard Universität vereinigt die Privilegien eines Studiums an einer der weltbesten Universitäten mit den Annehmlichkeiten einer Stadt von hoher Lebensqualität. Adolf Butenandt bemerkte – nachdem Adolf Hitler ihm die Annahme des Nobelpreises 1939 verboten hatte und er zehn Jahre später die Urkunde ohne die verfallenene Geldprämie von einem schwedischen Konsul bekam – als er nach Boston eingeladen wurde: “Ich habe diesen Morgen wie einen Göttertrank genossen. Ich bin wirklich von der Wissenschaft hier bis ins Mark getroffen.” MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es online auch als AudioDatei zum Download unter: www.medi-learn.de /podcast

adrenalin im Schlaf durch ein Medikament verzögert wird. Die Lübecker Neurowissenschaftler prüften das Konzept der Gedächtnisbildung in einer Studie mit 66 freiwilligen Versuchsteilnehmern, die aus einer vorgegebenen Zahlenreihe eine neue Ziffernfolge ableiten sollten. Bei dieser Aufgabe waren mehrere Lösungen möglich, von denen ausgerechnet die einfachste auf den ersten Blick nicht zu erkennen war. Erst nach acht Stunden Schlaf fanden die Prüflinge des Pudels Kern. Nachtschwärmer hingegen blieben erfolglos: Ihnen fehlte ganz offensichtlich der segensreiche Tiefschlaf, der über Gedächtnisbildung zu neuen Einsichten führen kann. „Da muss ich erst einmal eine Nacht drüber schlafen!“ Es kann sich also wirklich lohnen, den Dingen einen nächtlichen Aufschub zu gönnen. Wer bei der Vorbereitung für eine Prüfung auch an seinen Schlaf denkt, hat gute Chancen, den gelernten Stoff auch im entscheidenden Moment zu erinnern. Auf das dicke Buch unter dem Kissen kann man dabei getrost verzichten. Und auch der Umkehrschluss des Konzepts ist alltagstauglich: Wer Erlebtes möglichst schnell vergessen möchte, sollte sich die Nacht um die Ohren schlagen.

Wir ver­losen ein Exemplar „Lernstrategien“ aus der MEDI-LEARN Skriptenreihe – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw220


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Zauberpflaster für die Kids

Auslandsstudium

Ein Jahr in Stendal von Miriam Schütz

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tendal. Viel wusste ich vor Dienstantritt nicht darüber. Die Stadt liegt in der Altmark, das gehört zu Sachsen-Anhalt, und befindet sich direkt an der ICEStrecke zwischen Berlin und Wolfsburg. Die Klink ist offizielles Lehrkrankenhaus der Uni Magdeburg. Mit diesem Wissen trat ich meinen Dienst an.

Erstes Tertial: Geriatrie

Mein erster Tag begann um halb acht. Natürlich waren wir zu früh da: Meine Kommilitonin Esra absolvierte das Innere-PJ zeitgleich mit mir in Stendal und pendelte ebenfalls von Berlin. Wir hatten uns für den ersten Tag als Fahrgemeinschaft zusammen getan und wollten herausfinden, ob es möglich ist, täglich zu pendeln. Vorweggenommen: Es ist möglich. Im Sekretariat bekamen wir dann von unserer PJ-Beauftragten einen Laufzettel ausgehändigt, den wir in den ersten Tagen erst mal abarbeiten durften. Von Wäscheausgabe bis zur Pflegedirektorin war alles dabei. In der gemeinsamen Frühbesprechung der Internisten wurden wir dann aufgeteilt: Esra kam auf die Kardiologie und ich auf die Geriatrie. Wechsel war nach zwei Monaten geplant. Da mag man denken: Wieso gerade Geriatrie am Anfang? Dachte auch ich, aber für den Start hätte mir eigentlich nichts Besseres passieren können. Neben älteren Patienten und den geriatrischen Frühreha-Patienten befanden sich hier zahlreiche weitere Patienten, daher wurde die Station von mir liebevoll als „Abschiebestation“ bezeichnet.

Bei älteren Patienten zieht sich die Visite oft in die Länge Wenn die anderen Stationen voll waren, wurden die Patienten nämlich einfach auf die Geriatrie gelegt. Und so fanden sich hier diverse Krankheitsbilder ein: Von den klassischen wie Demenz/Alzheimer, HOPS, Inkontinenz, Gangunsicherheiten, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Apoplex, TIA und pAVK bis zur Cholezystolithiasis und pseudomembranösen Kolitis. Nicht zu vergessen MRSA-Fälle (meist importiert aus den Heimen). Der typische Tagesablauf bestand aus den vielen morgendlichen Blutentnahmen, gefolgt von einem meist kurzen Ausflug an den PC (Anforderungen abschicken, Ver-

schlüsseln, Neuzugänge sichten) und der Visite. Diese konnte sich ganz schön hinziehen, vor allem wenn Chef-Visite war. Das liegt meist weniger an den Ärzten, sondern vor allem an den Patienten und deren Angehörigen. Logisch, denn bei älteren Patienten gibt es viel mehr zu bedenken: Banale Dinge wie Versorgung, langsame Verständigung, aber auch Themen wie Betreuung, Pflegestufen, Vormundschaft, Patientenverfügung ziehen das Patientengespräch in die Länge. Nachmittags hab ich dann oft bei Untersuchungen zugesehen oder assistiert: Von der Sonographie (Prof. Bleck ist auf dem Gebiet ziemlich populär, von Feinnadelbiopsie, Endosonographie und der normalen Sono an einem super Gerät war alles dabei) über Endoskopie bis zur Lumbalpunktion. Natürlich gab es wie auf allen Stationen für PJler immer zahlreiche Aufnahmen, die untersucht werden mussten. Zum Ende hatte ich dann meine eigenen Patienten, habe Teamkonferenzen geleitet (Frühreha), zahlreiche Patienten- und Angehörigengespräche geführt und durfte alles in allem unheimlich viel machen. Selbst einfache Dinge wie Katheter oder Magensonde legen muss man einfach mal gemacht haben. Nach etlichen frustrierenden Versuchen war ich schließlich fit im Flexülenlegen!

Umlernen angesagt

Auf der Kardiologie musste ich erst einmal umlernen: Am Tag kamen manchmal bis zu neun Aufnahmen rein, dass heißt: Relativ wenig Zeit für die klinische Untersuchung und Anamnese. Nach der anfänglichen Umgewöhnungsphase holte mich die Routine jedoch schnell ein. Die Kardiologie ist in zwei Stationen aufgliedert: Auf der 8 befanden sich die Monitorbetten und die Palliativbetten. Auf meiner Station, der 9, befanden sich die weniger intensiven kardiologischen Patienten, da es zu meinem Zeitpunkt dort noch keine Monitorbetten gab. Nach der Frühbesprechung sah man sich die Coro-Ergebnisse vom Vortag an, später folgte die Visite – deutlich kürzer als auf der Inneren. Der Großteil der Patienten kam elektiv zur CORO. Daneben fanden sich Fälle mit hypertensiven Entgleisungen, Lungenembolie, Herzinsuffizienz und Herzschrittmacherimplantationen. Besser vorher Physiologie wiederholen – Spezialität des Chefs! Gegen 15 Uhr trifft man sich zur ECHOShow und

anschließend visitierte man mit dem Chef die für den nächsten Tag geplanten Coro-Patienten. Auch hier durfte ich nach anfänglicher Anleitung relativ viel selbst machen. Der theoretische Lerneffekt war hier sicher höher als auf der Geriatrie, wo die Praxis mehr gefragt war. Man wiederhole besser vorher Physiologie – das ist die Spezialität des Chefs. Am eindrucksvollsten war neben unerwarteten Reanimationen das Assistieren bei einer offenen Herz-OP. Verblüffend war zudem, wie es durch eine scheinbar banale übergreifende Diarrhöe fast zur Schließung der Station gekommen wäre. Da kam die Hygiene-Schwester aber ganz schön auf Trab!

Zweites Tertial: Chirurgie

Begonnen habe ich mit der Unfallchirurgie. Von dem klassischen hierarchischen Prinzip der Belegschaft und ihren gelegentlichen Disputen abgesehen, hatte ich eine nette, aber sehr heiße Zeit: Es war Sommer und vom OP abgesehen gab es keine Klimaanlage! Im OP bin ich in den ersten beiden Wochen kaum gewesen, auf der Station konnten sie PJler mehr gebrauchen. Beginn war hier schon sieben Uhr mit dem Unterschied, dass hier Pünktlichkeit oberstes Gebot war. Die Visite war kurz und knapp, viele Verbandwechsel und oft wenig Zeit für die einzelnen Patienten, weil der OP wartet. Gut war, dass die Aufnahmen am Nachmittag besprochen wurden und der Chef sich die Aufzeichnungen ansah. Im OP war man oft zu Eingriffen an den Hüften zugeteilt, natürlich als dritte Person, das dürften die meisten kennen. Aber manchmal ergab es sich auch, dass ich als erste Assistenz mitoperieren konnte, z.B. bei einer Schulter-OP, und das macht das vieles wieder wett. Zum meinem Glück gab es nicht allzu viele Fragen, denn ich war entsetzt, wie viel ich aus der Anatomie bereits vergessen hatte. Am eindrucksvollsten waren die Dienste, die ich mitgemacht habe. Reposition von Gelenken, Wundversorgung und Nähen, Gipsen und einfach die Atmosphäre in der Notfallambulanz. Oft riss der Strom von Patienten erst um halb vier morgens ab, aber als PJler darf man morgens ja auch in die dienstfreie Zeit gehen.

Schwarzer Darm live

In der Allgemeinchirurgie ging es dann etwas ruhiger zu. Für eine chirurgische Abteilung war ich total positiv überrascht von der Arbeitsatmosphäre, es gibt dort auch eine Oberärztin im Team. Als ich begann, hatte gerade ein neuer Chefarzt angefangen. Für mich nicht schlecht, denn ein neuer Chef ist in der Regel sehr motiviert und erstrebt Veränderungen. Um seine Mannschaft etwas unter die Lupe zu nehmen, operierte er viel und stellte viele Fragen, die mir sehr zu Gute kamen. Natürlich fand ich mich auch bald in prüfungsähnlichen Situationen, eines seiner Spezialgebiete war die Embryologie. Und Embryologie hatte ich seit der Uni völlig verdrängt! Aber er konnte gut erklären und das PJ hat mir in der kurzen Zeit so einiges mehr vermittelt, als im Studium in Chirurgie je rüber gekommen ist.

Das erste Mal erlebt, wie spannend Anästhesie sein kann

Da der Oberarzt für den gemeinsamen chirurgischen Dienstplan verantwortlich war, ergriff ich die Chance und ließ mich zum OP-Rufdienst einteilen. Mit Erfolg:

Auslandsstudium und Berufserlaubnis von Reinhard Karasek

MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es auch online als AudioDatei zum Download unter: www.medi-learn.de /podcast In der Zeit durfte ich nachts eine inkarzerierte Hernie operieren und habe einen schwarzen Darm live gesehen – und habe dafür noch Geld bekommen! Ansonsten standen auf dem OP-Plan viele Strumen, Gallen, Würmer usw. Sicher nicht vergessen werde ich, wie aus einer einfachen Abszess-Spaltung und Entleerung eine waschechte Lobektomie der Lunge wurde: Der Anästhesist meinte, es pfeife aus der Wunde. Und tatsächlich: Wenn man leise war, konnte man beim Beatmen die Ventilation hören. Die Patientin hatte einen Abszess unklarer Genese, der vom Hals bis ins Abdomen reichte und der sich entlang der Faszie wohl ausgebreitet hatte. Im CT war die Lungenbeteiligung jedoch nicht zu sehen gewesen, intraoperativ erwies sich die Lunge als am Oberlappen regelrecht zerfressen. Da habe ich übrigens das erste Mal erlebt, dass die Anästhesie echt spannend sein kann!

Drittes Tertial: Pädiatrie

Die Pädiatrie und die Gynäkologie liegen in einem separaten Gebäudekomplex, praktischerweise direkt gegenüber des Bahnhofs. Dadurch ist man allerdings sehr separiert von dem Rest der Klink. Die Patienten müssen also für viele Untersuchungen mit dem Krankentransport rüber gefahren werden. In ein paar Jahren soll jedoch alles auf einem Gelände zu finden sein.

Zauberpflaster, Urkunden und Belohnungen für tapfere Patienten Auf der Kinderstation angekommen, erwartet einen erst einmal ein ganz anderer Geräuschpegel als gewohnt! Auch hier gab es morgendliche Blutentnahmen, allerdings sind die Nadeln kleiner, manchmal nimmt man nur Kanülen (und selbst die sind manchmal noch zu groß), man braucht fast immer eine weitere Person zum Festhalten und häufig wurde Blut aus dem Kopf abgenommen. Hört sich brutal an, aber es gibt ja Zauberpflaster, Urkunden und Belohnungen. Und ganz wichtig, man darf sich nicht durch die Unruhe der Umgebung beeinflussen lassen! Die Fortsetzung findet ihr im Digitalen Nachschlag. Wir ver­losen ein Exemplar „Checkliste Innere Medizin “ aus dem Thieme Verlag – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw221

I. Wenn man sich entschließt, das Medizinstudium im Ausland fortzusetzen, so sollte man sich grundsätzlich vorher bei dem zuständigen Landesprüfungsamt erkundigen. Es ist sehr wichtig, dass man vorab klärt, ob ausländische Studienleistungen später in Deutschland anerkannt werden. In der Regel geben die Prüfungsämter bereitwillig Auskunft. Diese Behörden entscheiden später ja auch über die Anerkennung der ausländischen Studienleistungen und über die Erteilung der Berufserlaubnis. II. Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum Medizinstudium in Österreich kann man sich in Österreich jetzt auch bewerben, wenn in Deutschland kein Prüfungsversuch existiert. Über die Aufnahmebedingungen kann man sich am besten „vor Ort“ auf den entsprechenden Internetseiten informieren. In rechtlicher Hinsicht gab es immer wieder Probleme für „Rückkehrer“, die ihr Studium in Österreich oder in anderen EU-Ländern fortgesetzt hatten. Anerkannt ist inzwischen, dass ausländische Studienleistungen, soweit sie in den Ländern der EU absolviert wurden, grundsätzlich anerkannt werden müssen. Die Frage ist nur, ob dies auch nach endgültig nicht bestandener Prüfung in der Bundesrepublik gilt (mit Fortsetzung und Abschluss im Ausland und anschließender Antragsstellung/Approbationsantrag in Deutschland). In der Humanmedizin ist nach derzeitiger Praxis der Prüfungsämter nicht mit einer positiven Entscheidung – also der Erteilung der Berufserlaubnis – zu rechnen. Möglicherweise gibt es aber eine Entwicklung hin zur grundsätzlichen Anerkennung – ohne Beachtung der früher absolvierten Prüfungsversuche. Nach einer Entscheidung eines Bayerischen Verwaltungsgerichts zum Studiengang Zahnmedizin ist die Erteilung der Approbation auch dann möglich, wenn man zuvor in Deutschland eine Zahnmedizinprüfung endgültig nicht bestanden hat. Das Gericht hat die Vorschriften der EU zur Niederlassungsfreiheit im europäischen Raum zum Anlass genommen, zu Gunsten einer Zahnärztin zu entscheiden, die ihr Studium in Österreich fortgesetzt hat und in Deutschland die Approbation als Zahnärztin beantragt hatte. In der Approbationsordnung für Zahnärzte ist zwar extra geregelt, dass in einem solchen Fall eine Approbation nicht erteilt werden darf. Wegen des Verstoßes gegen das EU-Recht ist diese Vorschrift aber in Zukunft nicht zu beachten. Ob dies auch für die Humanmedizin (später) gelten wird, werden wir an dieser Stelle zu gegebener Zeit mitteilen. Dieser Artikel wurde verfasst von Rechtsanwalt Reinhard Karasek Wilhelm-Roser-Str. 25, 35037 Marburg Tel. 06421/16896-0, Fax. 06421/16896-78


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Intensivkurs Pädiatrie, Muntau (Urban & Fischer)

In den Foren gelauscht

ADH

von Christian Klein (8. Semester, Rostock)

Bei der Abkürzung ADH handelt es sich nicht nur um ein körpereigenes Hormon, sondern auch um ein neues Unterforum innerhalb der Diskussionsforen von MEDI-LEARN. Hier dreht sich thematisch alles um das Auswahlgespräch der Hochschulen, das in immer mehr Beiträgen in den Foren vertreten ist. Interessierte finden hier vielfältige Tipps zur Vorbereitung auf diesen wichtigen Schritt im Rahmen der Bewerbung um einen Studienplatz. Mehr unter: www.medi-learn.de/MT170

Assistenzarzt und Co.

Immer mehr Stammbesucher von MEDI-LEARN sind mit unseren Webseiten groß geworden und stehen mittlerweile bereits mitten in der Weiterbildung, einige kurz vor der Facharzt-Prüfung. Speziell für diese und andere Belange junger Assistenzärzte bietet das Forum „nach dem Studium“ einen beliebten Tummelplatz zum Informationsaustausch. Ob pfiffige Bewerbung oder Gehalt und Arbeitsbedingung als junger Arzt - kaum eine Frage bleibt unbeantwortet unter: www.medi-learn.de/MT143

Titel: Intensivkurs Pädiatrie Autor: Muntau Verlag: Urban&Fischer ISBN: 978-3-437-43390-0 Preis:27,95 €

Kurzbeschreibung Im typischen Stil der Intensivkurs-Reihe vermittelt der Muntau das relevante Wissen der Pädiatrie kurz, bündig und ver-

Hmmm - lecker!

Sie brodelt und brutzelt schon seit einiger Zeit in den Foren. Die Rede ist nicht von der Gerüchteküche, denn von derlei Gerichten wird man bekanntlich nicht satt, sondern vom Rezepte-Thread in der OFFTOPIC-Stammkneipe. Hier läuft euch das Wasser beim Lesen schon im Munde zusammen. Wer ist nicht auf der Suche nach ´nem neuen Rezept, von dem andere schon in höchsten Tönen lobend berichtet haben. Wenn ihr den anderen in die Töpfe und Pfannen schauen möchtet - auf in die Kombüse der Foren unter: www.medi-learn.de/MF16585

MEDI-LEARN Zeitung Schon gewusst? Die MLZ gibt es auch per E-Mail. Weitere Infos und kostenlose Bestellung unter: www.medi-learn.de /zeitung

Zielgruppe Das Buch richtet sich vor allem an Studenten im klinischen Abschnitt, die für Prüfungen oder Blockpraktika im Fach Pädiatrie lernen wollen. Auch zur Vorbereitung auf das Staatsexamen oder auf Famulaturen ist der Intensivkurs geeignet.

Didaktik Die leicht verständliche Sprache und der flüssige Stil ersparen ein häufiges Nachlesen. Der Inhalt wird in kurzen Sätzen kompakt vermittelt und das Layout ist ansprechend. Viele hochwertige Abbildungen, Tabellen und farbige Übersichten ergänzen sinnvoll den Text und erleichtern das Lernen.

Inhalt Der Leser bekommt ein solides Grundwissen und einen breiten Überblick über alle relevanten Themen der Pädiatrie. Auch Themen wie Kinderpsychologie, Unfälle im Kindesalter und Vorsorgeuntersuchungen werden berücksichtigt. Vorkenntnisse aus der Vorklinik, insbesondere in der Embryologie, sind hilfreich, da auf eine lange Einführung in

Aufbau Der Intensivkurs Pädiatrie ist konsequent und durchdacht gegliedert. Die Einteilung erfolgt nach Organsystemen und nach organübergreifenden Erkrankungen (z.B. Genetik, Ernährung, Endokrinologie, Infektiologie). Die Struktur der einzelnen Kapitel ist klar und eingän-

von Stefanie Deucker (10. Semester, Heidelberg)

Titel: Kinderheilkunde und Jugendmedizin Autor: Koletzko Verlag: Springer Verlag ISBN: 978-3-540-44365-7 Preis: 39,95 €

Zielgruppe Der Herausgeber richtet sein Buch an Studenten im klinischen Abschnitt sowie

Preis Das Buch kostet im Handel 27,95 Euro. Für ein 496 Seiten starkes Buch in sehr guter Aufmachung ist der Preis wirklich günstig. Der Intensivkurs Pädiatrie ist in jedem Fall sein Geld wert. Fazit Das Buch ist für mich eine gelungene Alternative zwischen Standardwerk und Kurzlehrbuch. Für alle, die es gerne besonders aktuell haben, erscheint im Juni 2007 die aktuelle Auflage dieses Buches, dann zu einem Preis von ca. 39.95 Euro. Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw113

an Ärzte aller Fachrichtungen und andere Berufsgruppen, denen es als Überblick über die Kinderheilkunde und Jugendmedizin dienen soll.

geprüftes Thema – ausführlich behandelt werden, geben die Autoren über Tumoren des zentralen Nervensystems nur einen Überblick .

Inhalt Mit gut 700 Textseiten zuzüglich Register mag dieses Lehrbuch zunächst vielleicht etwas abschreckend wirken für Studenten, die später nicht in der Pädiatrie arbeiten möchten. Bei näherer Beschäftigung mit der Kinderheilkunde merkt man jedoch schnell, dass die Seitenzahl für ein so breitgefächertes Fach durchaus angemessen ist, andernfalls droht schnell eine reine, unter Umständen sogar unvollständige Faktenauflistung ohne Erklärungen und Zusammenhänge. Die Ausführlichkeit der verschiedenen Themen ist gut gewählt. Während beispielsweise die angeborenen Herzfehler, – nicht nur die häufigsten kongenitalen Fehlbildungen, sondern auch ein gerne

Didaktik Zur Hervorhebung wichtiger Inhalte finden sich immer wieder Merkkästen, auch die zahlreichen Schemazeichnungen erleichtern das Lernen. Am Ende der Kapitel findet man zusätzlich eine Zusammenfassung der Kernaussagen sowie Fallbeispiele. Der frisch gelernte Stoff lässt sich so leicht wiederholen und gleich anwenden. An einigen Stellen würde ich persönlich allerdings etwas ausführlichere Zusammenfassungen des Lehrbuchtextes bevorzugen. Aufbau Die Aufteilung der Kapitel erscheint logisch, das sehr ausführlich gestaltete Register hilft, schnell die gewünschten In-

formationen zu finden. Zu Beginn jedes Kapitels wird eine kurze Einführung in die jeweilige Thematik gegeben; die Unterkapitel sind logisch nummeriert. Preis Bei einem Preis von 39,95 € ist das PreisLeistungs-Verhältnis in meinen Augen verglichen mit anderen Büchern dieses Umfangs gut bis sehr gut. Fazit Schwerpunktsetzung, Umfang und Didaktik des Buches überzeugen. Bei einem Preis von rund 40 Euro würde ich das Buch jedem empfehlen, der sich nicht völlig minimalistisch mit der Kinderheilkunde beschäftigen möchte.

Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw124

Duale Reihe Pädiatrie, Sitzmann (Thieme) von L. Kurch (Leipzig)

und Jugendalter. Insgesamt handelt es sich um ein recht ausführliches Lehrbuch mit integriertem Repetitorium zur effizienten Vorbereitung auf Prüfungen. Es richtet sich eher an den an der Pädiatrie interessierten Medizinstudenten, ist bestens geeignet für das Praktische Jahr und kann ebenfalls dem Assistenten als wertvoller Begleiter bzw. wertvolles Nachschlagewerk dienen.

Dauerbrenner USA

Es muss nicht immer gleich Harvard sein, denn die USA sind groß und bieten glücklicherweise zahlreiche Unis als Ziel für den auslandsambitionierten Studenten. Nach wie vor gut besucht ist daher auch die Ecke unseres großen Bruders: Ob Famulatur in Miami oder PJ in New York - alle Amerikaverliebten unter euch werden garantiert fündig unter: www.medi-learn.de/MT158

die einzelnen Themen verzichtet wurde. Die Stärke des Muntau liegt darin, viele Informationen in verständlicher Form kompakt zu vermitteln.

Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Koletzko (Springer)

Ohne Flieger und Visum

Viele Studenten zieht es in illustre Länder rund um den Globus, doch zahlreiche Studenten sind auch mit den hiesigen Kliniken zufrieden. Vom Geldbeutel mal abgesehen, gibt es gute und triftige Gründe, seine Famulaturen daheim zu absolvieren. Und so finden sich im Famulaturforum bei MEDI-LEARN denn auch zahlreiche Berichte von Kliniken, zu deren Erreichen man nicht in den Flieger steigen oder ein Visum beantragen muss. Zur Famulatur um die Ecke klickst du hier: www.medi-learn.de/MT95

ständlich. Optisch ansprechend und didaktisch hervorragend konzipiert, ist das Buch gut geeignet, um die Kinderheilkunde schnell und mit Freude zu lernen.

gig. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis am Anfang des Buches und eine inhaltliche Übersicht zu Beginn jedes Kapitels erleichtern die Orientierung.

Titel: Duale Reihe Pädiatrie Autor: Sitzmann Verlag: Thieme Verlag ISBN: 978-3-131-25333-0 Preis: 49,95 €

Zielgruppe Das Lehrbuch Pädiatrie der Dualen Reihe beschreibt in detaillierter Form alle wichtigen Krankheitsbilder im Kindes-

Inhalt Der Sitzmann hat meiner Meinung nach eher den Charakter eines guten Lehrbuches mit integriertem Kurzlehrbuch. Man hat die Möglichkeit, sich einen guten Überblick über das Fach Pädiatrie zu verschaffen und erhält genügend Informationen, um für Prüfungen (Abschlussklausuren, Testate am Krankenbett im Rahmen der Praktischen Ausbildung, Staatsexamen) gerüstet zu sein. Man kann sich ebenfalls einen guten Wissensgrundstock für ein mögliches PJ-Tertial in diesem Fachgebiet erarbeiten. Die gewählten Abbildungen illustrieren oft auch

schwieriger zu verstehende Sachverhalte wie etwa Herzfehler sehr gut und tragen zum besseren Verständnis der jeweiligen Thematik bei. Didaktik Didaktisch ist an diesem Buch nichts zu bemängeln. Die Texte sind einfach und gut verständlich geschrieben und werden durch eine Vielzahl guter Abbildungen illustriert. Die gewählten Fallbeispiele wiederholen einerseits das Gelesene und geben andererseits dem jeweils vermittelten Stoff die vom Studenten gewünschte Praxisrelevanz. Sowohl die Merksätze als auch das unschlagbare Repetitorium erleichtern die Vorbereitung auf eine Prüfung ungemein und lassen effektive Wiederholungsphasen am Ende eines Lerntages nicht zur Qual werden. Aufbau Wie bereits zu Beginn beschrieben ist die sehr gute Gliederung eine weitere Stärke dieses Buches. Die Texte sind übersichtlich geschrieben und alle relevanten In-

formationen sind perfekt eingearbeitet. Wichtige Informationen werden in Form von Merksätzen hervorgehoben und finden Eingang in das Repetitorium. Häufig sind einem neuen Kapitel Leitsymptome vorangestellt, die einen generellen Einstieg in ein neues Kapitel ermöglichen. Preis Insgesamt ist das Preis-Leistungsverhältnis für dieses Buch sehr gut. Dieses Werk ist für 49,95 Euro echt günstig und für den Studenten relativ gut erschwinglich. Fazit Insgesamt hatte ich viel Freude beim Lesen dieses keinesfalls langweiligen Lehrbuches und kann es daher nur weiterempfehlen.

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Es ist sehr wichtig, dass man Leute hat, die einen unterstützen

Doktorarbeit (dafür ist sie jetzt fertig). Beim nächsten Kind bleibe ich auch auf jeden Fall wieder ein Jahr daheim, bis ich mit dem PJ weitermache; das ist einfach auch Lebensqualität und ich will auch von meinem Kind was haben.

„Studieren mit Kind“– Interview mit Elisabeth Balint von MEDI-LEARN

11. Wie hat der Berufseinstieg ausgesehen, ist deiner Einschätzung nach Karriere mit Kind möglich? Möchtest du in deinem Beruf arbeiten, strebst du evtl. eine Teilzeitstelle an? Bin ja noch nicht im Beruf. Ich strebe keine Karriere an; ganz abgesehen von den Kindern wüsste ich nicht einmal, wie sich die mit einer eng gelebten Partnerschaft verbinden ließe. Allerdings möchte ich selbstverständlich in meinem Beruf arbeiten.

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ut 6 Prozent aller Studierenden haben Kinder. Es ist nicht immer leicht, die Anforderungen eines Studiums mit den Aufgaben der Kinderbetreuung und -erziehung zu vereinbaren. Welche Tipps für junge Eltern Elisabeth Balint hat, verriet sie uns in unserem Interview. 1. Wo studierst du? Ich studiere in Ulm im 13. Semester. 2. Wie alt ist dein Kind/deine Kinder? 18 Monate und das zweite ist noch im Bauch (21. SSW). 3. Bist du allein erziehend oder mit Partner? Ich bin verheiratet. 4. Wie wird das Kind versorgt? (Tagesmutter, staatl. Kindergarten, Kita oder Hort, privat z.b. durch Großeltern) Halbtagsgruppe in der Kinderkrippe des Studentenwerks. 5. Wie ist der Tag organisiert, sind Lernzeiten eingeplant? Gibt es viele Vorlesungen an denen du nicht teilnehmen kannst, z.B. Abends? Nach der Geburt habe ich die Doktorarbeit gemacht, dabei konnte ich mir ja die Zeit frei einteilen. Jetzt mache ich PJ in Teilzeit (80%), was hauptsächlich durch die Kinderkrippenzeit vormittags gedeckt wird. Mittags holt mein Mann den Kleinen ab und lässt ihn bei sich im Büro schlafen, zwischen 14 und 15 Uhr hole ich ihn dann ab und kümmere mich den restlichen Tag um ihn. Lernzeiten sind nicht eingeplant; wenn ich etwas nachlesen will, mache ich das in der Klinik. 6. Gibt es Kinderbetreuungsangebote von der Universität? Was wäre wünschenswert? Es gibt die Kinderkrippe des Studentenwerks, die Kinder zwischen 1 und 3 Jahren nimmt. Wünschenswert wäre auch ein Kindergarten, den gab es auch einmal, aber er wurde geschlossen (vielleicht wegen zuwenig Nachfrage, bin mir nicht sicher). Die Uniklinik hatte einen Kindergarten und schließt diesen zugunsten einer Kinderkrippe für Kinder bis zu 3 Jahren, die neu gebaut wird, was an und für sich sehr unlogisch ist: wo sollen die Klinikleute jetzt ihre Kindergartenkinder hinbringen, normale Kindergärten haben dafür keine brauchbaren Öffnungszeiten? 7. Nimmst du das Kind manchmal mit in die Vorlesung, stößt du auf Verständnis bei Kommilitonen und Dozenten? Während meiner Doktorarbeit habe ich

ein paar Wahlfächer besucht und den Kleinen mitgenommen. Da bin ich gut aufgenommen worden; allerdings waren es auch Fächer im Bereich Gynäkologie/Pädiatrie, da können die Leute ja schlecht was sagen... Ab einem Alter von ca. 6 Monaten konnte ich ihn nicht mehr mitnehmen, weil er einfach zu lebendig war, rumkrabbeln und -brabbeln wollte; als er noch klein war, hat er ja entweder geschlafen oder ich hab ihn gestillt. Ich bin wirklich auf viel Verständnis gestoßen, viele Dozenten haben es sogar ausdrücklich gelobt, so jung Kinder zu kriegen, und ich bin in guter Erinnerung behalten worden, als ich später noch mal was von den Dozenten gebraucht hab. (“Ach, Sie waren die mit dem Baby? Natürlich kann ich Ihnen das Material geben, das Sie brauchen...“) Mit den Kommilitonen gab es auch keine Probleme. 8. Wie ist die finanzielle Situation, gibt es ausreichende staatliche Unterstützung? Musst du noch nebenbei jobben? Wir hatten mit Kind mehr Geld als ohne, müssen wir ganz ehrlich sagen. Da wir beide Studenten waren, konnten wir alle möglichen Hilfen beantragen. Erstmal einen einmaligen Zuschuss zur Erstausstattung von der Stiftung „Mutter und Kind“ von ca. 800 Euro, dann haben wir Erziehungsgeld als Budget beantragt, das waren 450 Euro (dafür nur ein Jahr lang, aber dann war mein Mann fertig und hat angefangen zu arbeiten) und dann gibt es ja noch Kindergeld. Jetzt ist man als Student schon der Depp mit dem neuen Elterngeld, da bekommt man ja nur noch 300 Euro ein Jahr lang, also deutlich weniger. Da unser Lebensunterhalt schon gedeckt war (ich Stipendium, mein Mann Bafög), mussten wir nicht nebenbei jobben. Sinnvoll ist immer eine Beratung bei der Schwangerschaftsberatung, da die einem viele Hinweise auf Hilfen geben können. Im Nachhinein hätten wir sogar zu zweit gehen sollen, sprich zur staatlichen und katholischen; ich war nämlich bei der staatlichen und jetzt in der zweiten Schwangerschaft bei der katholischen, und die wussten noch ein paar Hilfen mehr... 9. Wie ist die Wohnraumsituation? In Ulm gestaltet sich das leider eher schwierig; große Wohnungen sind recht selten und dann meist teuer. Deshalb sind wir das erste Jahr in unserer 2-ZimmerWohnung geblieben und haben uns erst dann eine große 3-Zimmer-Wohnung gesucht, als mein Mann zu arbeiten anfing und eine feste Stelle hatte.

10. Ist dein Studium in der Regelstudienzeit möglich? Möglich ist alles, aber die Frage ist, ob es Sinn macht. Das erste halbe Jahr hätte ich unmöglich vernünftig studieren können, weil der Kleine sehr schlecht geschlafen hat und ich dementsprechend auch, und das zweite halbe Jahr habe ich zum erholen gebraucht. Ich habe kein Urlaubssemester gemacht, habe aber jetzt praktisch 3 Semester nichts anderes gemacht als

12. Würdest du ein Studium mit Kind noch einmal auf dich nehmen? Klar! Hab mich ja sogar für ein zweites entschieden! Meiner Meinung nach ist sehr wichtig, dass man Leute hat, die einen unterstützen, z.B. der Partner. Sonst kommt irgendwas zu kurz, entweder das Studium oder das Kind oder man selber oder mehreres gleichzeitig... Vielen Dank für das Interview!

Ohne Ballast zum Physikum

Perfekt vorbereitet für die Prüfung: ▪ kurze, prägnante Darstellung des Stoffes ▪ Merksätze und Tipps zum Lernen ▪ „Das bringt Punkte“ fürs Schriftliche ▪ „Facts fürs Mündliche“

Wir ver­losen ein Exemplar Niessen „Pädiatrie“ aus dem Thieme Verlag – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw220 Effektiver Lernen ▪ lernpsychologische Aufteilung der Inhalte

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Im Dienste der Lachmuskeln Rippenspreizer im Portrait von Jan-Peter Wulf

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leißige MEDI-LEARNUser und Leser der MEDI-LEARN Zeitung kennen unsere knollennasigen Cartoon-Figuren sicher längst, denn seit vielen Jahren illustrieren sie unsere Beiträge und Publikationen. Protagonist ist der aus Finn-Land stammende Narkosearzt Finn van Onken, der sich tapsig durch seinen Berufsalltag kämpft, immer von der verhängnisvollen Frage geplagt, die Fachärzte anderer Richtungen ihren Anästhesie-Kollegen gerne mal unterstellen: „Kaffeetrinken oder doch in den OP gehen?“ Finn und Konsorten sind die Schöpfung des Cartoonisten und hauptberuflichen Arztes Daniel Lüdeling, der gemeinsam mit dem Team von MEDI-LEARN das Portal unter Rippenspreizer.com betreibt und seine Comic-Helden in immer neue Herausforderungen des medizinischen Alltags hineinschlittern lässt.

Wider den medizinischen Ernst

Von wegen „Herr Onkel Doktor, ich…“: Nicht wenige der Rippenspreizer-Cartoons lassen den unvoreingenommenen Betrachter erstmal schlucken. Wenn plötzlich „Game Over“ auf dem XX-Gerät steht oder der Sanitäter-Azubi dem am Kopf Verblutenden einen Schockver-

band als Wadenwickel legt, dann ist feinherbster englischer Humor am Werke. Und das ist gut so: Rippenspreizer reflektiert ein zwar ungewohntes, dafür aber ehrliches Bild der Medizin. Und da es kaum etwas Unehrlicheres gibt als politisch korrekte Betroffenheit und trügerische Toleranz gegenüber Behinderten und Kranken, weisen die Cartoons einen anderen Weg auf, mit dem Leid anderer umzugehen – und wer macht mehr Roll-

stuhlwitze als Rollstuhlfahrer selbst? Das wusste schon Deutschlands ungekrönter Humor-König, Harald Schmidt. Warum die Helden von Rippenspreizer sozusagen als Spiegel- und Zerrbild des Medizinerstandes fungieren, erklärt Daniel so: „Fast nirgendwo anders wird mit einer fast krankhaften Ernsthaftigkeit und zum Teil heuchlerischen Betroffenheit gearbeitet wie im Gesundheitswesen. Dabei sollten gerade hier Werte wie Ehrlichkeit und Verantwortung so wichtig sein. Dazu gehört meiner Meinung nach im Wesentlichen auch der Humor.“ Nebenbei werden auch die Halbgötter in Weiß und ihre Kollegen aus Pflege und Rettungsdienst mit den Bilderwitzen ordentlich auf die Schippe genommen. Auch das ist gut: Jede Branche entwickelt in Bezug auf ihre Umgangsformen, Riten und Floskeln einen gewissen blinden Fleck. Auch die Medizin. Auf diese Weise ein paar Seitenhiebe, sprich Hinweise zu bekommen, dass man doch nicht immer alles ganz so ernst nehmen sollte, hat noch keinem geschadet. „Dass Lachen gesund ist, lässt sich inzwischen sogar medizinisch beweisen“, erklärt Daniel. „Dabei geht es weniger darum, Dinge ins Lächerliche zu ziehen oder Zustände zu bagatellisieren. Aber nicht nur Kinder merken doch schnell, ob der Arzt authentisch ist und eine sympathische Grundeinstellung besitzt. Und dabei geht es natürlich um die Reduk-

tion von Angst und die Linderung von Schmerz.“ Sicherlich könne man nicht alles „bespaßen“, meint Daniel, aber es bestehe auch nicht die Notwendigkeit, mit einer zum Teil sehr verbissenen Ernsthaftigkeit ärztlich tätig zu sein: „Für viele Kolleginnen und Kollegen scheint Humor das Gegenteil von Profession zu sein. Hier sollte man meiner Meinung nach ansetzen und auch mal den Mut haben, gemeinsam zu lachen. Und wenn wir Mediziner über uns selbst lachen können, dann ist dies ein guter Schritt auf dem Weg in eine Medizin der Gleichbehandlung und des gegenseitigen Respekts!“

Das Alter Ego auf dem Papier

Nach der Schulzeit absolvierte Daniel seinen Zivildienst beim Arbeiter-SamariterBund in Bielefeld und war im Anschluss beim Roten Kreuz tätig. 1996 begann er dann, Medizin an der Ruhr-Universität in Bochum zu studieren. Dem DRK blieb er während des Studiums treu und war regelmäßig im öffentlichen Rettungsdienst in Bielefeld tätig. Auch heute, längst auf dem Weg zum Facharzt, arbeitet er nebenbei noch als Bereitschaftsarzt im DRK-Ortsverband Bielefeld-Mitte. Daniel Lüdeling arbeitet derzeit im Evangelischen Krankenhaus in Bielefeld, Standort Gilead in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Notfallmedizin. Derzeit ist er im vierten Weiterbildungsjahr zum Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Die Figuren – Zivis, Sani-

täter, Ärzte – spiegeln allesamt zu einem gewissen Grad seinen persönlichen Werdegang wieder. Besonders Finn van Onken trägt – nicht nur optisch – viele Züge seines Schöpfers, denn wie Daniel selbst ist auch sein Alter Ego auf dem Papier als Anästhesist tätig. Wie kam Daniel eigentlich dazu, sein Berufsbild in humoristischer Form zu skizzieren? „Zeichnen tue ich schon seit der Schulzeit. Unsere damalige, gerade neu gegründete Schülerzeitung „Virus“ an der Gütersloher Anne-Frank-Gesamtschule suchte einen Zeichner, und glaubte diesen in mir – einem 14-jährigen und zeichnerisch hochgradig unbegabten Schüler – gefunden zu haben.“ Den ersten Cartoon, gibt er heute zu, hat sogar noch sein Vater gezeichnet. Doch der Ehrgeiz packte ihn schnell und er übernahm die Zeichner-Aufgabe der Schulzeitung dauerhaft. „Von da an entwickelten sich meine Fähigkeiten vom ersten geraden Strich ohne Lineal bis zum computercolorierten Hochglanzkalender.“ Gutes Ventil für die Belastung. Trotz des hohen Drucks, dem auch Daniel in seinem Medizinerberuf unterliegt, hat er bis heute nicht davon abgelassen, seinen schrulligen Figuren weiter lustiges Leben einzuhauchen. „Für mich ist das ein Ausgleich und ein gutes Ventil für die Belastungen in der Klinik. Statt eines auf Dauer zerstörerischen Zynismus pflege ich lieber eine ehrliche und sympathische Art der Verarbeitung. Es muss Spaß machen, sonst ist es nicht lustig!“, resümiert Daniel. Wie solch ein Cartoon entsteht, verrät Daniel im nächsten Beitrag.

Achtung, jetzt kommt ein Cartoon! Daniel Lüdeling verrät, wie ein Bilderwitz entsteht von Jan-Peter Wulf

ab. Schließlich muss beim CartoonProduzieren auch die Quote stimmen: Krankenschwestern wollen genauso berücksichtigt werden wie Wasserretter, Löschknechte, niedergelassene Ärzte oder die Ärzte im Klinikum.

Einsatz für den Schul-Tuschkasten

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anz am Anfang steht sicherlich die anspruchvollste Aufgabe: Die Ideenfindung. Neben persönlichen Eindrücken und Ereignissen fließen hier auch vielfach Ideen von Kolleginnen und Kollegen ein, nicht zuletzt aber liefert das Unterforum „Cartoonideen“ im Rippenspreizer-Forum einen wertvollen Pool an tollen Ideen und Anregungen. Hier stöbert Daniel häufig auch für den Cartoon der Woche im Fundus und holt sich direkte oder indirekte Inspirationen – auch hier also wird user generated content genutzt! Der nächste Schritt ist die Ideenstrukturierung. Welcher Protagonist soll Zentrum des Witzes sein? Soll das Geschehene eine KrankenhausSituation oder einen Einsatz im Freien widerspiegeln? Die Vielfältigkeit der beteiligten Personen und festen Elemente (Fahrzeuge, Feuerwehrleute, Patienten & Angehörige etc.) runden die Planung

Nachdem die Planung steht, wird losgezeichnet. Was braucht Daniel dafür? „Notwendige Voraussetzung für einen Cartoon sind natürlich gutes Papier, Bleistift & Radiergummi, ordentliche Tuschestifte, einige filigrane Pinsel und üppig Wasserfarben. Dabei bediene ich mich meist ganz ordinärer PelikanWasserfarben, die wir noch alle aus der Grundschule kennen. Sicherlich kann man mit Aquarell- oder Pastellfarben ähnlich ordentliche Ergebnisse erzielen, aber ich hab mich irgendwie an die Wasserfarben gewöhnt!“ Auf festem DIN A3Karton entstehen zunächst mit einem HB-Bleistift erste Skizzen, danach die Hintergründe. Abschließend wird der feine Bleistiftstrich durch markante Tintenliner (Copic Multiliner 0,5-1,0 mm) nachgezeichnet und verfeinert. Hier werden Details addiert und auch die Sprechblasen formuliert. Nach diesem so genannten „Inken“ übernehmen die Wasserfarben die Regie. Diesen Arbeitsschritt bezeichnet man als „Coloration“. Dabei wird Farbe für Farbe aufgetragen: Fleischfarben für die Gesichter und Hände, Rot, Blau bzw. „Schmutzweiß“ (Nomen est Omen!) für die Bekleidung und abschließend die Hintergrundfarben. Dieser Arbeitsschritt

Die Fleckenzwerge von Daniel Lüdeling

ist der zeitintensivste und benötigt im Schnitt pro Bild zwei bis drei Tage!

Fine Tuning muss sein

Abschließend müssen nochmals alle Konturen mit dem Tintenliner nachgezogen werden, da selbst bei sorgfältigster Coloration die ursprünglichen Linien über-

malt werden. Am Ende bleiben auf jedem Bild aber noch zahlreiche weiße Flecken. Diese werden nach dem Einscannen im Computer mit einem Grafikprogramm digital nachgefüllt. Hierbei handelt es sich meist um homogene Flächen, die kaum über Wasserfarben darstellbar sind. Tapeten, Himmel oder graue Straßenbeläge

werden so eingefügt und dabei möglichst harmonisch an den handgezeichneten Hintergrund angepasst. Ihr seht: Bis zum fertigen Bilderwitz ist es ein langer Weg. Die Resultate dieses langen Weges können sich sehen lassen: Schaut euch Daniels Cartoons an – auf www.rippenspreizer.com!


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Wissenschaft am Objekt Spaß Interview mit Humorforscherin Eva Ullmann von Jan-Peter Wulf

am Objekt Spaß, die seit rund 20 Jahren unter dem Begriff Humorforschung zusammengefasst wird, auch in Europa institutionalisiert: An den Schweizer Universitäten Zürich und Fribourg beispielsweise beschäftigen sich Psychologen mit verschiedenen Aspekten des Humors und des Lachens. Eine europäische Summer School findet seit 2001 jährlich statt, um eine Methodologie für die junge Wissenschaft zu entwerfen und Einsteigern theoretisches Wissen liefern zu können. Weltweit vernetzt sich die Disziplin beispielsweise in der International Society for Humor Studies.

Humortraining für Medizinstudenten

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achen ist gesund: Das ist ein Allgemeinplatz. Dass Lachen jedoch als therapeutische Maßnahme eingesetzt werden kann, Depressionen lindern, Ängste überwinden helfen kann und im tagtäglichen Ernst der Medizinwelt Patienten wie Ärzten dienlich sein kann, wird noch immer unterschätzt bzw. gar nicht in Betracht gezogen. An dieser Stelle wäre etwas mehr Ernsthaftigkeit in Bezug auf den Humor durchaus angebracht – als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand. In den USA beispielsweise ist die Gelotologie – so heißt die Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens nämlich offiziell – Teilgebiet der Psychoneuroimmunologie, die die Bedeutung positiver Gemütszustände für die körpereigene Abwehr von Krankheitserregern untersucht.

Interdisziplinäre Wissenschaft

Das Rüstzeug für die Humorforschung ist – wie fast jede neu entstehende Wissenschaft – interdisziplinär: Aus Psychologie, Soziologie, Biologie, Physiologie und Neurowissenschaften, aber auch aus der Sprachwissenschaft werden verschiedene Ansätze eingebracht und für die Lachforschung aufbereitet. Beispielsweise wird der Einfluss des Humors auf die Gesundheit untersucht, wie Humor im Gehirn verarbeitet wird, welchen Einfluss Persönlichkeitsfaktoren haben oder wie formale Elemente von Cartoons sich auf die kognitive Humorverarbeitung auswirken. Mittlerweile hat sich die Wissenschaft

Bleistiftskizze, grobe Umrisse und Konturen

Auch in Deutschland wird ernsthaft am Spaß gearbeitet: Zum Beispiel in Leipzig. Hier hat die Pädagogin Eva Ullmann das Humorinstitut gegründet und berät Unternehmen, Institutionen und auch Krankenhäuser dabei, wie Humor und Optimismus für das tägliche Arbeiten genutzt werden können. Speziell für Medizinstudenten der Uni Leipzig unterrichtet sie im Fach Gesprächsführung praxisorientiertes Kommunikationstraining: Themen wie Aktives Zuhören, Ich-Befinden und Rollenbeispiele zu Arzt-PatientenSchwerpunkten stehen auf dem Lehrplan. Wir haben mit Frau Ullmann über die Arbeit mit Humor gesprochen. Liebe Frau Ullmann, eine Frage vorneweg: Wer braucht Humorforschung? Prinzipiell entstand sie wie alle anderen Forschungsgebiete aus Neugier, nicht aus Notwendigkeit. Wenn man Menschen vergleicht, die Lebensbereiche erfolgreich bewältigen, hat man angefangen zu untersuchen: Warum sind manche glücklich und zufrieden? Warum bekommen Menschen kein Burn Out-Syndrom oder bleiben 40 Jahre glücklich verheiratet? Humor ist dabei ein interessanter Bereich für Forschung. Daraufhin merkte man, dass sich Chefärzte in Krankenhäusern mit einer Studie zur Wirksamkeit von Humor eher für den praktischen Einsatz von Humor (Klinikclowns, Comedy, Filme, Kabarett etc., Humor als medizinische Pille sozusagen) begeistern lassen, als von einem Clown, der vor ihnen steht. Aus neugierigem Forscherdrang wird nützliche Anwendbarkeit, in der Medizin und in der Therapie. Warum haben Sie dafür gleich ein ganzes Institut gegründet? Das Humorinstitut gibt es in erster Linie, weil es einfach Spaß macht. Au-

ßerdem verstehen viele Laien die reinen Forschungsstudien nicht, das gilt auch für die Humorforschung. Die ist ebenso wenig einfach und humorvoll, wie Depressionsforscher depressiv und Sexualitätsforscher sexy sind! Wir stellen einen Transfer her zwischen Forschung und Wirtschaft, Forschungsergebnissen und Anwendung. Wenn man versucht, Humor auf einer wissenschaftlichen Ebene zu verarbeiten, nach welchen Parametern kann man da forschen? Das kommt darauf an, was man herausfinden will. Die Medizin beispielsweise will herausfinden, ob Humor das Immunsystem beeinflusst. Das ist bei Krankheit geschwächt. Kann es durch gezielten Einsatz von Humor gestärkt werden? Also sind die Parameter der Blutkreislauf, die Atmung und vieles andere aus dem Bereich der Biochemie und Physiologie. Eine große Studie in Zürich beschäftigt sich mit der Schmerzreduzierung durch Humor (die so genannte cold pressor task-Studie, d. Red.). Wie sieht es neben den physiologischen mit den psychologischen Auswirkungen aus? Die Psychologie interessiert, ob man bei psychisch kranken Menschen mit Humor intervenieren kann, ob er therapeutisch einsetzbar ist. Also gibt es in dem Bereich Studien zur Lebenszufriedenheit und zu den Stärken des Menschen. Humor ist eine der 24 kategorisierten Stärken. Korreliert es mit Lebenszufriedenheit, mit Glück, mit Sicherheit oder mit Kreativität? Man untersucht, ob Humor als Stärke ausbaubar ist, ob sich Psychosen wie Schizophrenie präventiv vielleicht verhindern lassen. Oder ob man Krankheitszustände verbessern kann. Parameter sind hier psychologische Beschreibungen und Bewertungen von Situationen, Erlebnissen, Lebensentscheidungen, die von Versuchspersonen erfragt werden. Sie unterrichten an der Uni Leipzig Medizinstudenten im Bereich Gesprächsführung. Ein Themenfeld, bei dem viele Medizinstudenten beklagen, es werde viel zu selten gelehrt, so dass sie beim Start in den klinischen Alltag unvorbereitet sind. Was wird konkret trainiert? Das Prinzip ist das praktische Training von Studenten durch Tutoren. Schwerpunkte sind die Wahrnehmung von Kommunikationsprozessen und die Vermittlung von Handwerkszeug. Also z.B. Tools wie Aktives Zuhören, Ich-Bot-

Reinzeichnung, Fixierung mit Copicliner (Tusche)

schaften, das Vermitteln von infausten Prognosen. Es geht darum, den Studenten eine Plattform zu geben, auf der sie Funktionierendes und Hemmendes in der Kommunikation entdecken und reflektieren können. Dazu gibt es Übungen und Rollenspiele, Schauspiel- und LivePatienten. Und der Humor? Das Thema Humor ist spezifisch je nach Tutor. Ich selbst mache oft eine Einheit zu humorvoller Kommunikation. Zur Wirkung paradoxer, also widersprüchlicher Empfehlungen, die ich auch als Arzt geben kann, um das Gegenteil zu erreichen. Manchmal haben Medizinstudenten Vorurteile gegenüber dem Kurs und sehen sich in ihrer Rolle als Arzt nicht in einer Rolle, in der man mit Patienten kommunizieren muss oder kann. Dann ist Humor sehr hilfreich, um sich als Psychotante vorzustellen und einige Fachbegriffe oder Situationen des Kommunikationsalltags zu karikieren. Zum Beispiel die handelnde Ärztin, die gar nicht zuhört, aber immer gleich eine Spritze gibt. Wenn man die als Tutorin vorspielt, erzeugt das Lachen. Diese gelockerte Atmosphäre kann man nutzen, um sich der Bedeutung und der Wirkung bei Kommunikation bewusst zu werden. Wie kann der (junge) Mediziner Humor-Einsatz am Patienten durchführen, ihn zum Lachen bringen und so Ängste, Stress, körperliche Abwehrreaktionen lindern – ohne dabei unseriös zu wirken? Viele junge Mediziner sind geradezu verschreckt aufgrund der Hierarchien im Krankenhaus oder werden von Patienten nicht als kompetent angesehen, weil sie für Pflegepersonal gehalten werden. Wenn ein Mediziner die im Raum befindliche Angst (von Patient oder ihm selbst) karikiert und humorvoll zum Ausdruck bringen, kann das eine sehr Angst oder Stress lösende Wirkung haben. Grundsätzlich gehe ich von einem emphatischen (einfühlsamen) und konstruktiven Humor aus, nicht auf Kosten eines Patienten. Patient und Arzt sind dann gelockert und ernste Inhalte können vermittelt werden. Was nützt ein permanentes Wiederholen der Fakten, wenn mir der Patient überhaupt nicht zuhört? Humor kann man für verschiedene Bereiche nutzen und damit sehr seriös wirken. Zur schnellen Vertrauensbildung – was bei der Kürze gerade von Arztgesprächen von entscheidender Wichtigkeit ist – zur Konfliktentspannung, zur Angstlösung. Die Situation für einen Patienten im Krankenhaus ist in jedem Fall eine extreme Situation, in der ein Patient nicht den vollen Umfang seiner sonstigen Leistung besitzt. In dieser Situation eine humorvolle, vertraute Atmosphäre zu erzeugen, in der der Pa-

Primäre Coloration, Grundflächen

tient mir als Arzt vertraut, gefolgt von Diagnose und Therapieplan, ist meines Erachtens eine große Kunst. Auch für das Thema Hierarchien ist Humor ein Ventil, um Strukturen zu bewältigen, die einen Mediziner stören oder in seiner Arbeit eher behindern. „Der Beruf des Mediziners ist kein Spaß“, hört man oft: Es geht um Leben und Tod, und der Job ist stressig. Haben Sie konkrete Humor-Tipps bzw. HumorÜbungen, mit denen der Mediziner durch Lachen auch seine eigene, nicht selten vernachlässigte Gesundheit etwas robuster machen kann? Ich bin der Überzeugung: Wir sollten weiterhin die Erwartung des Gottes in Weiß pflegen, der von der Unibank direkt fehlerfrei an den Operationstisch kommt und dann in perfekter Handwerkskunst bis an sein Lebensende diagnostiziert und operiert. Im Ernst: Gesellschaftlich und innerhalb des Medizinstudiums, aber auch in Krankenhäusern könnte man vielleicht auch bei Ärzten von Menschen ausgehen. Menschen, die Fehler machen und dadurch lernen. Auch am Patienten lernen. Diese Perspektive wird natürlich gefördert, wenn es mir gelingt, mich auch auf die Schippe und nicht immer zu ernst zu nehmen. Konkret sollte man sich fragen: Was bringt mich zum Lachen? Welcher Kabarettist, welche Freunde? Wie viel Zeit verbringe ich mit ihnen und was davon kann ich mit in den Krankenhausalltag nehmen? Geschichten, Witze, Anekdoten. Welcher Humor von Kollegen kommt gut an bei Patienten oder bei mir selbst? Nachmachen. Ausprobieren. Was nicht funktioniert: weglassen, worüber gelacht wird: wieder erzählen. Und dann ein Training bei mir machen zur Vertiefung. Frau Ullmann, vielen Dank für das Interview! Online geht es weiter: Wir haben noch einige Fragen zum deutschen Humor gestellt – und worüber eine Humorforscherin eigentlich lacht. www.medi-learn.de/mlz-nachschlag

Weiterführende Links zum Thema Humorforschung: Humorinstitut Eva Ullmann, Leipzig www.humorinstitut.de Humorforschung Universität Zürich www.psychologie.unizh.ch/perspsy/home Humorforschung Universität Fribourg www.unifr.ch/psycho/humor Humorforschung und Online-Trainings zum Ausprobieren (Uni Zürich) www.psychologie.unizh.ch/perspsy/online

Sekundäre Coloration, Schattierungen, Musterelemente


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Studentenleben

Intelligente Strategie bringt bares Geld

Flip Flops statt Birkis Innere-Famulatur in Ghana von Janine Hübl

Schon mal was von dem Alterseinkünftegesetz gehört? Alterseinkünftegesetz? Was muss ich als Student oder Berufsstarter darüber wissen?

of Medicine empfehlen. Das benutzen in Ghana fast alle und es ist einfacher, besprochene Krankheiten in Englisch nachzulesen, damit man direkt die englischen Vokabeln parat hat. Wenn ihr Euch ans Packen macht, kann ich Euch nur raten nicht zu viel mitzunehmen, da ihr auf dem Rückweg garantiert einiges an Platz für Souvenirs braucht. Ich wollte noch nie soviel Souvenirs wie in Ghana kaufen. Im Krankenhaus erwartet man von den Männern Stoffhosen, Lederschuhe und (kurzärmelige) Hemden.

Das Problem der sozialen Alterssicherungssysteme lässt sich recht einfach darstellen: Immer weniger Berufstätige finanzieren immer mehr Rentner und Pensionäre, die immer länger leben und ihre Altersrenten beziehen. Oder, wie der renommierte Finanzwissenschaftler Prof. Raffelhüschen locker feststellte, die Alterspyramide wird zum DönerSpieß: unten schlank (Berufstätige) und ab der Mitte nach oben dick (Rentner und Pensionäre). Die Antwort der Politik heißt Alterseinkünftegesetz (AlteinkG). Zwar werden die Renten künftig besteuert und diese Neuregelung führt de facto zu einer Kürzung der Nettorente, es steht also weniger Geld für den Lebensstandard im Alter zur Verfügung. Dennoch, oder gerade deshalb, fördert der Gesetzgeber gleichzeitig die Bemühungen, schon frühzeitig etwas für den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge zu tun: Beiträge, also bei Ärzten insbesondere das ärztliche Versorgungswerk, werden z.B. bis zu einer Höchstgrenze von 20.000 Euro von der Steuer befreit. Doch was ist als Student und Berufseinsteiger zu tun, um schon in jungen Jahren zu günstigen Beitragskonditionen einzusteigen? Die Deutsche Ärzteversicherung entwickelte in Zusammenarbeit mit Standesorganisationen das speziell für den Aufbau einer eigenen Altersversorgung geeignete Konzept namens DocD´or: Ob Student, Berufsstarter, etablierter Mediziner im Krankenhaus oder in der eigenen Praxis - DocD´or ist ein Sicherheits- und Vorsorgekonzept, das mit der beruflichen und persönlichen Entwicklung Schritt hält. Es ist besstens an die Vorteile des AlteinkG angepaßt und bietet flexible Möglichkeiten (Einkommenssicherung, Sicherung bei Berufsunfähigkeit, Altersvorsorge). Mit DocD´or startet der Student (Eintrittskriterium ist „bestandenes Physikum“) bzw. der Berufseinsteiger in den ersten Jahren mit der Zahlung eines äußerst niedrigen Beitrags bei vollem Risikoschutz. Ein Beispiel: Ein 23jähriger Medizinstudent wünscht sich den Einstieg in die private Altersvorsorge. Seine Konditionen: Absicherung bei mind. 50prozentiger Berufsunfähigkeit über 1.000 Euro monatlich, Absicherung über 1.000 Euro monatlich ab Alter 65 oder 100.000 Euro einmalige Kapitalzahlung. Der monatliche Beitrag für dieses Versorgungspaket beträgt lediglich ca. 17,69 Euro im ersten Jahr. Also, - heute schon an die Altersvorsorge denken, denn Zeit ist Geld. So preisgünstig wie der Einstieg in jungen Jahren geht es nie mehr. Mehr Infos unter: www.medi-learn.de/vorsorge

Mädchen dürfen im Dienst sogar Flip Flops tragen

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ohin gehen zum Famulieren im Ausland? Für mich kam nur ein englischsprachiges Land in Frage, da ich mich trotz zwei Jahren Schulfranzösisch und drei Semestern Spanisch an der Uni nur im Englischen fit genug fühlte, um im Krankenhaus zurecht zu kommen. Es sollte nicht Europa sein, ich wollte weiter weg. Asien kannte ich teils schon, Australien und die USA auch, außerdem sollte es kein westliches Land sein. Südund Mittelamerika fiel wegen der Sprache weg. Also blieb eigentlich nur Afrika. Ein Kontinent, der mir noch völlig fremd war, der mich aber doch interessierte. Für Ghana habe ich mich dann wegen seiner politisch stabilen Situation entschieden. Ich war gespannt auf ein neues Gesundheitssystem und besonders darauf, ob man mit begrenzten Möglichkeiten trotzdem gute Medizin praktizieren kann. Außerdem erhoffte ich mir, mehr über Tropenmedizin zu erfahren. Ein Gebiet von dem man im Medizinstudium meiner Meinung nach eher wenig hört, das ich aber schon immer sehr spannend fand.

Mitarbeit beim DFA hilfreich

Die Vorbereitung fiel mir relativ leicht, da Ghana über den dfa (Deutscher Famulanten Austausch) angeboten wird und ich selbst als LEO (local exchange officer) beim dfa in Köln gearbeitet hatte. Ich kannte die geforderten Unterlagen und wusste, wo man alles bekommt. Als da wären: Viermal das Anmeldeformular (ausgefüllt in Englisch), einen Letter of Motivation (in Landessprache), vier Passfotos, das Physikumszeugnis, Letter of Recommendation (vom Studiendekan), Sprachzeugnis (vom Spracheninstitut), Auslandsversicherung (z.B. die DÄV) und der Einzahlungsnachweis. Alles über die Unterlagen für den dfa steht auch auf der Homepage www.dfa-germany.de bzw. www.ifmsa.com, oder fragt in eurer Lokalvertretung nach! Buchtipps vor der Abreise: Es gibt nur einen deutschsprachigen: Reiseführer Ghana, Peter Meyer Verlag, Jojo Cobbinah für circa 25 Euro. Ich habe außerdem noch ein Kauderwelsch-Buch aus dem Reise Know-how Verlag mitgenommen, eine Reihe, die einem helfen soll, eine Sprache leicht zu erlernen. In diesem Falle Twi: Das ist einer der Akan-Dialekte, den etwa 70% der Menschen in Ghana verstehen. Akan ist die wichtigste Sprache in Ghana, so dass jeder sofort begeistert ist und einen ins Herz schließt, wenn man ein paar Brocken spricht und versteht. Wenn ihr in der Inneren arbeitet, kann ich außerdem das Oxford Handbook

Von den exchange students wird das nicht ausdrücklich verlangt, aber die einheimischen Studenten sind alle sehr ordentlich gekleidet. Bei den Mädels wird das schon viel lockerer gesehen. Hier sind Hosen und Röcke, T-Shirts und sogar Flip Flops erlaubt und möglich! Früh genug solltet ihr natürlich auch zur Impfberatung gehen. Hier könnt ihr entscheiden, welche Impfungen ihr machen wollt, Gelbfieber braucht ihr auf jeden Fall. Als Malariaprophylaxe habe ich Lariam genommen. Repellent in großen Mengen ist sehr zu empfehlen und ich würde mir unbedingt ein Spray für die Kleidung mitnehmen, da die Moskitos durch alles durchstechen. Ins Gepäck gehören außer den normalen Dingen noch Schnur und Klebeband zum Befestigen des Moskitonetzes, ein leichter Schlafsack bzw. ein Bettlaken als Decke, ein Thermometer (wenn es einem nicht gut geht, wird der Europäer in Afrika meist doch etwas nervös), ein Namensschild, Stromadapter (den englischen) und Händedesinfektionsmittel (auf Station gibt es nur ein Stück Seife und Handtücher!). Dann kann es eigentlich schon losgehen.

din-Englisch, das fast überall im englischsprachigen Afrika gesprochen wird. Ein ungrammatisches Englisch, gespickt mit lokalen Wörtern und vor allem mit einem starken Akzent. Nach einer Zeit hört man sich ein und es wird leichter.

Fachlich hatte ich mir etwas mehr erhofft

Leider habe ich fachlich nicht soviel lernen können, wie erhofft: Ich habe einen

Eindruck des Gesundheitssystems bekommen und erfahren, wie es ist, wenn ein Patient jeden einzelnen Handschuh selbst bezahlen muss, es vielleicht aber gar nicht kann und die Krankenschwestern die Medizinstudenten um Spenden bitten. Ghana baut gerade ein Krankenversicherungssystem auf, so dass sich bald vieles bewegen wird. Die Fortsetzung findet ihr im Digitalen Nachschlag. MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es online auch als Audio-Datei zum Download unter: www.medi-learn.de /podcast

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Vorlesung mit Comedy-Charakter

Wenn ihr die Famulatur über den dfa macht, müsst ihr euch darum keine Gedanken machen, denn entgegen mancher Ankündigungen und eigener Befürchtungen wurde ich vom Flughafen abgeholt. Das Team der Ifmsa in Accra ist eigentlich sehr gut organisiert. Auch die Austauschstudenten sind wahnsinnig nett und man findet ganz schnell Anschluss. Im Krankenhaus werdet ihr einer Gruppe zugeteilt. Es ist nicht mit einer deutschen Famulatur zu vergleichen, sondern es ist eher so, als würdet ihr in Accra studieren. Da das Studium in Ghana aber sehr praxisbezogen ist, ist das nicht so schlimm. Morgens bin ich mit den anderen um acht Uhr zur Vorlesung gegangen, die hier das gesamte Semester zusammen hat. Danach bin ich mit meiner Gruppe (etwa 12-20 Studenten) auf Station gegangen, wo die Studenten sich selbstständig ihre zugeteilten Patienten anschauen. Später kommt dann ein Arzt dazu, am Krankenbett werden Fälle besprochen. Danach hat man Mittagspause und es gibt meist eine weitere Vorlesung am Nachmittag. Die Vorlesungen sind wie in Deutschland sehr vom Dozenten abhängig, ich hatte längere Zeit einen Professor, bei dem die Vorlesung wirklich Comedy-Charakter hatte. Er erinnerte mich an Bill Cosby, und die ghanaischen Studenten kommentierten alles mit Zwischenrufen! Generell geht alles etwas lauter zu, sehr amüsant! Große Probleme hatte ich mit dem Pig-

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Die Akupunktur-Famulatur Traditionelle Chinesische Medizin in Taiwan

von Juliane Barth

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ine Famulatur im fernen Ausland zu machen, das war mein Wunsch. Einmal eine völlig andere Kultur eines anderen Landes kennen lernen! Asien interessierte mich dabei besonders, und da mich die Famulaturberichte anderer Studenten, die in Taiwan waren, sehr begeisterten, bewarb ich mich. Meine Freude war riesig, als Anfang des Jahres dann die Zusage des dfa (Deutscher Famulantenaustausch) für eine Famulatur in Taiwan kam. Den Flug buchte ich im Mai. Mit China Airlines kostete der Flug von Frankfurt nach Taipeh 893 Euro, was letztendlich das günstigste Angebot war. Wenn man den Flug später bucht, wird es nicht unbedingt teurer, es kann aber sein, dass keine Plätze mehr frei sind.

Touristenvisum wählen!

Wenn man länger als 30 Tage in Taiwan bleiben will, muss man sich zusätzlich noch ein Visum besorgen. Das kostet 28 Euro. Ich habe es mir in der taiwanesischen Botschaft in Berlin ausstellen lassen. Tipp: Man sollte lieber ein „visitor´s visum“ beantragen, denn wenn man sagt, dass man in Taiwan arbeiten oder ein Praktikum machen möchte, könnte das Probleme geben.

Wer nicht durch Reisfelder watet, braucht keine Encephalitis-Impfung Wichtig zu bedenken sind ebenfalls die Impfungen, wenn man nach Asien fährt. In Taiwan werden Hepatitis A und B (welche ich schon hatte), Typhus und japanische Encephalitis empfohlen. Die Typhusimpfung habe ich mir in Deutschland geben lassen. Die Impfung gegen japanische Encephalitis hätte hier rund 130 Euro gekostet. Wenn man sich nicht gerade in den Reisfeldern herumtreibt, ist sie aber nicht unbedingt angezeigt. Da ich ja in Taiwan im Krankenhaus praktisch an der Quelle war, habe ich mich dort doch dagegen impfen lassen – für umgerechnet neun Euro. Ein merklicher, kaum zu übersehender Unterschied!

Mit Händen und Füßen

Die Landessprache in Taiwan ist Mandarin, welches uns als das „StandardChinesisch“ bekannt ist. Ohne jegliche Sprachkenntnisse bin ich angereist, und es hat dennoch geklappt. Die Ärzte und die Kontaktpersonen können recht gutes Englisch. In kleinen Läden oder an Ständen sieht das Ganze schon anders aus. Da funktioniert es eher, mit Händen und Füßen zu kommunizieren oder ganz einfach mit Draufzeigen. Am Ende bekommt man meistens doch was man will, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Man kann sich auch von den Kontaktpersonen Begriffe aufschreiben lassen und diese dann vorzeigen. Das Sprechen an sich ist nämlich teilweise sehr schwierig, da es im Chinesischen vier verschiedene Tonhöhen gibt. Man sollte sich auf keinen Fall scheuen, seine neu gelernten Wörter zu sprechen. Meistens wird einem von den hilfsbereiten Taiwanesen schnell und unkompliziert weitergeholfen.

Zwischen Bergen und Meer

Für jemanden wie mich, der noch nie in Asien war, ist Hualien ein sehr guter Einstieg. Hualien ist nicht allzu groß, die Stadt hat etwa 200.000 Einwohner. Für europäische Verhältnisse würde ich Hualien nicht gerade als schön bezeichnen, was die Architektur betrifft. Das ist aber

fast überall in Taiwan der Fall. Dafür wird man nicht gleich vom Großstadt-Getümmel erschlagen, es ist überschaubar und fast ein bisschen gemütlich, so dass man sich dort recht wohl fühlen kann. Außerdem liegt Hualien direkt zwischen den Bergen und dem Meer, und die Natur in der Umgebung ist sehr schön. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass ich die Zeit meiner Famulatur in Hualien verbringen konnte. Die Bevölkerung in Taiwan ist im Allgemeinen sehr freundlich, und da wir als Deutsche zwischen den ganzen Asiaten sehr aufgefallen sind (man hat wirklich so gut wie keine Nichtasiaten gesehen), wollten uns die Taiwanesen auch immer helfen. Sie waren sehr aufgeschlossen und stets an unserem Wohlergehen interessiert. Wir waren im August vier deutsche Famulanten. Unsere freundlichen und hilfsbereiten Kontaktpersonen organisierten für uns ein Willkommenssowie ein Abschiedsessen am Ende. Sie regelten für uns die Formalitäten im Krankenhaus und halfen uns bei anderen Dingen, wie z.B. dem Ausleihen eines Mietwagens. Wenn wir Fragen hatten, ließen sie uns nie im Stich. Wir sind sehr dankbar dafür!

Neben dem Akupunktieren konnten wir u.a. bei Moxibutionen, Aderlässen und beim Schröpfen zusehen oder es selbst ausprobieren. Eigentlich war es von den Kontaktpersonen so vorgesehen worden, dass ich die ersten zwei Wochen zur TCM und die nächsten zwei Wochen in die Gynäkologie gehen sollte. Da es mir bei der TCM aber so gut gefiel, blieb ich den ganzen Monat dort. Die Ärzte waren so freundlich und überhaupt nicht so arrogant, wie man es des Öfteren bei uns erlebt. Das ganze Arbeitsklima war sehr angenehm und hat richtig Spaß gemacht! Bewundernswert fand ich auch die Schwestern, die noch nach 12 Stunden Arbeit immer noch ein Lächeln im Gesicht hatten. Wenn man aber eventuell in einem anderen Fach eine Famulatur machen will, ist das ebenso ratsam, denn die medizinische Ausstattung der Geräte und Techniken ist in Taiwan sehr modern.

dass die Taiwanesen auf dem Holzboden schlafen! Zum Glück bekam ich von einer Kontaktperson eine Bastmatte zum Drunterlegen. Es ist also ratsam, sich eine Isomatte mitzunehmen. Ansonsten waren auf dem Unigelände noch Lehrgebäude, die Mensa, die Bibliothek, in der man das Internet nutzen konnte, ein Sportplatz mit Laufbahn und ein Sportgebäude mit Turn- und Schwimmhalle sowie Fitnessraum. Praktisch alles vorhanden! Von der Uni aus bekamen wir Studenten drei Mal täglich in der Mensa Verpflegung gestellt. Da die Uni buddhistisch ist, ist die Mensa vegetarisch und – ganz anders als der deutsche versorgungsgastronomische Alltag – wirklich lecker! Es ist aber kein Problem, sich etwas in den typischen Garküchen oder Nachtmärkten zu holen. Da ist es aber vielleicht besser, man nimmt sich einen Landeskundigen mit, der erklären kann, was es so gibt. Probierfreudig sollte man aber schon sein, das kann in Taiwan nun wirklich nicht schaden.

Das Land des Lächelns

Taiwan ist ein schönes Land mit einer traumhaften Natur! Besonders begeistert Isomatte mitnehmen! haben mich die hilfsbereiten Menschen, Die Studenten sind in einem Wohnheim- die immer ein Lächeln auf ihren Lippen komplex untergebracht, welcher nicht tragen. Auch fachlich war der Aufenthalt weit von der Uni und dem Krankenhaus ein großer Zugewinn, da ich in der Faentfernt ist. Es gibt zwei Wohnheime, mulatur sehr viel über Akupunktur lernen nach Geschlechtern getrennt. Die Zim- konnte. Von negativen Erfahrungen kann mer sind für vier Studenten ausgelegt, ich in der Tat nichts berichten. An meiapoBank Anzeige 4_07 30.01.2007 14:13 Uhr Seite 1 in Taiwan erinnere ich mich sehr TCM hautnah aber wenn man Glück hat, bekommt ne Zeit M Y und CM würde MY CYjedem CMY Kdort eine Meine Famulatur habe ich in dem bud- eines alleine zugeteilt. Was für uns Euro- gerneC zurück dhistischen Tzu Chi Hospital absolviert päer sehr gewöhnungsbedürftig war, ist, Famulatur empfehlen. und war dort auf der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Ich musste täglich, entweder vormittags oder nachmittags, drei bis fünf Stunden ins Krankenhaus und war dort einer kleinen Gruppe von drei bis sechs Studenten zugeteilt, die dem Arzt zusahen.

Meistens arbeitet die TCM mit anderen medizinischen

Gebieten zusammen Der Klinikalltag bestand hauptsächlich aus der Sprechstunde und Akupunkturen. Die Patienten, die zur Abteilung der TCM kamen, waren oft solche, bei denen andere Fachrichtungen der Medizin sich als nicht wirksam erwiesen haben. Meistens war aber die Zusammenarbeit der TCM mit anderen medizinischen Gebieten Voraussetzung für eine Therapie. Die Krankheitsbilder in der TCM waren sehr vielfältig: Von einfachen Muskelverspannungen über Stress, Schlafstörungen und Menstruationsbeschwerden bis hin zu Schlaganfällen und Lähmungen, um nur einen kleinen Einblick zu geben. Das Akupunktieren war für mich sehr interessant und man konnte bei einigen Patienten wirklich gute Fortschritte sehen. Besonders gefallen hat mir, dass wir anfangs selbst ein paar Nadeln an uns gegenseitig ausprobieren konnten und später dann auch die Patienten akupunktieren durften. Die Ärzte haben uns dabei stets viel erklärt und gezeigt, so dass wir in dem Monat einiges lernen konnten. In der Sprechstunde selbst konnte ich nicht so viel verstehen, weil sich der Arzt mit seinen Patienten auf Mandarin unterhielt. Meist hat er uns aber doch gesagt, um was es geht, sonst hat es uns einer der taiwanesischen Studenten übersetzt. ®

Das SEIRIN -Akupunktur-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Akupunktur, den wir euch in Kooperation mit 3B Scientific und SEIRIN in den kommenden Ausgaben der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/akupunktur

Akupunktur-Special

Das SEIRIN® Akupunktur-Special

In den kommenden Ausgaben der MEDI-LEARN Zeitung (MLZ) wie auch auf unseren Internetseiten www.medi-learn.de/akupunktur stellen wir euch das Thema Akupunktur in den kommenden Monaten in einem Themenspecial ausführlich vor. Gemeinsam mit SEIRIN®, einem führenden Anbieter im Akupunkturbereich, und 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, stehen uns zwei kompetente Partner auf diesem Gebiet zur Verfügung, die das Special freundlicherweise unterstützen.

Akupunktur-Infos

Mit zahlreichen Artikeln und Hintergrundberichten werfen wir zunächst einen Blick zurück auf die Geschichte der Akupunktur und stellen die grundlegenden Wirkungsmechanismen und Prinzipien vor und bieten euch damit einen profunden Einstieg in die Thematik. In den Artikeln der Folgezeit werden wir dann immer weiter ins Detail gehen: von rechtlichen Aspekten über aktuelle, wissenschaftliche Studien bis hin zu Weiterbildungsmöglichkeiten und Kursen reicht die Palette der Themen. Abgerundet wird das SEIRIN®-Akupunkturspecial durch Erfahrungsberichte von Studenten, die einen Bezug zur Akupunktur haben und den Blick über die Schulter von Kommilitonen erlauben.

Akupunktur-Interviews

Natürlich möchten wir im SEIRIN®Akupunkturspecial neben redaktionellen Artikeln auch diejenigen einmal ausführlicher zu Wort kommen lassen, die sich intensiv mit Akupunktur beschäftigt haben. Freut euch also schon jetzt auf Interviews mit Studenten und jungen Ärzten, die von ihren Erfahrungen berichten und Tipps zur Weiterbildung auf diesem Gebiet oder zur Integration in die Arbeit der täglichen Praxis geben. Schließlich werden wir euch in der vor-Ort Reportage „Wo heilsame Nadeln geboren werden“ einmal den Werdegang einer Akupunkturnadel illustriert vorstellen.

Akupunktur-Quiz mit Stipendiengewinn

Das SEIRIN®-Akupunkturspecial soll natürlich neben der Wissensvermittlung auch Spaß machen. Ihr dürft euch schon an dieser Stelle auf das SEIRIN®-Akupunkturquiz freuen, bei dem es u.a. AkupunkturStipendien zu gewinnen gibt.

Online geht es weiter

Wie ihr seht, haben wir rund um den Bereich der Akupunktur einiges für euch vorbereitet. Damit ihr auch online den Anschluss halten könnt, werden wir die Artikel, Interviews und Reportagen in den kommenden Monaten im Rahmen des SEIRIN®Akupunkturspecial als feste Rubrik in unsere wöchentlich erscheinende Online-Zeitung integrieren. Alle weiteren Informationen zum SEIRIN®Akupunkturspecial online unter: www.medi-learn.de/akupunktur


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Männer und Frauen sind verschieden – aber wie? Redaktion „forsch“ / Bonner Universitäts-Nachrichten

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as ist der rote Aktenordner rechts. Der Kollege guckt erstmal links nach dem grünen. Sie grinst oder ist genervt, je nach Stimmung. Dafür steht sie etwas später an der Kaffeemaschine mit Kolleginnen zusammen, flüstert und kichert. Nun ist er genervt. Oder lächelt in sich hinein: Typisch! Wirklich? Frauen sind anders. Männer auch... Ganze Literatur- und Filmgenres leben von diesem unerschöpflichen Thema. Auch zum Arbeitsplatz nimmt man geschlechtstypische Kommunikation, Talente und Schwächen unweigerlich mit. Die sind zum Teil biologisch begründet. So sitzt zwar in jedem menschlichen Gehirn links das Sprachzentrum und rechts die räumliche Orientierung. Aber bei Mann und Frau gibt es Unterschiede, die beeinflussen, wie Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Der andere Teil wird durch Erziehung und Geschlechterrollen beeinflusst.

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„Dass Männer häufiger rechts und links verwechseln als Frauen stimmt nicht“, sagt der Entwicklungspsychologe Dr. Michael Kavšek. „Bei ihnen ist die Asymmetrie der Gehirnhälften – rechts sitzt die Raumorientierung, links die Sprache – deutlich ausgeprägter. Das hilft bei der Zuordnung.“ Aber eine RotGrün-Schwäche haben definitiv mehr Männer. „Diese Sehschwäche ist angeboren und im X-Chromosom verankert, das von der Mutter kommt – ohne sich jedoch zwangsläufig bei ihr auszuwirken. Sie ist also ‚Schuld‘, wenn ihr Sohn nicht Jetpilot werden kann“, schmunzelt Kavšek, „aber sonst ist das nicht weiter tragisch.“ Eine Hypothese zum männlichen Orientierungsvermögen bezieht sich auf die Evolution: Dass der Mann als Versorger sich räumlich orientieren können musste, habe sich bis heute erhalten. Der Geograph Wolfgang Schmiedecken hat die Erfahrung gemacht: „Wenn wir auf Exkursionen nach Karte herumlaufen, klappt das – oder auch nicht. Egal, ob ein Mann oder eine Frau die Ansage macht.“ Das wiederum würde zu den Erkenntnissen der „Berliner Altersstudie“ passen: Demnach können Bildung und Erziehung geschlechtsspezifische Anlagen verstärken oder auch ausgleichen.

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tum, körperlicher Reife und Sprache als auch bei der Entwicklung des Gehirns.“

Ein Haar in der Suppe

Voraus sind Frauen gleichaltrigen Männern später allerdings auch in negativ empfundener Weise: Warum gelten Männer mit grauen Schläfen eher als attraktiv, Frauen als alt? Durch die nachlassende Produktion des Pigments Melanin wird das Haar immer heller; graue Haare werden als Zeichen für fortgeschrittenes Alter gewertet. Einerseits symbolisiert es Dominanz durch Erfahrung, zum anderen aber auch ein Ausscheiden aus dem Kampf um Fortpflanzung. Das stimmt zumindest bei Frauen und gibt als deutlicher Lebenseinschnitt zu denken. Ein Mann dagegen kann theoretisch auch in weitaus höherem Lebensalter noch Nachwuchs zeugen. Robert Lembke hat einmal gesagt: „Alt werden ist natürlich kein reines Vergnügen. Aber denken wir an die einzige Alternative.“ Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion „forsch“ / Bonner Universitäts-Nachrichten

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Männer. Aber warum reden Männer und Frauen so oft aneinander vorbei? „Da muss man sich fragen, ob wirklich nur Männer und Frauen aneinander vorbei reden, oder ob das nicht auch sonst passieren kann“, erklärt Sprachwissenschaftler Dr. Jan Seifert. „Auch hat man unterstellt, dass Männer sich häufiger durchsetzen können, indem sie Gesprächspartner unterbrechen. Aber Untersuchungen zum ‚Rederechts-Management‘ deuten eher darauf hin, dass das eine Typ-Frage ist.“ Ebenso verhält es sich mit der Annahme, dass Klatsch und Tratsch Frauensache sei. Häufig passiert es, dass man von Einzelbeobachtungen zu schnell auf allgemeine Verhältnisse schließt und Stereotype bedient. „Wir wissen, dass wir alle unterschiedlich sprechen. Das hängt von Einflussfaktoren wie der Herkunft, der Generationszugehörigkeit, der Bildung, allgemein von der Sozialisation ab“ so Seifert. „Um eine spezifische Männeroder Frauensprache zu zeigen, müsste man den Einflussfaktor ‚Geschlecht‘ isolieren, und das ist problematisch.“

wiegend von Männern begangen. Bei Ladendiebstahl, anderen Eigentums- und Vermögensdelikten, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Aussagedelikten und Schwarzfahren haben wir nicht so gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern“, weiß Verrell. „Offenbar ist es so, dass Frauen auf Probleme seltener durch nach außen getragene Aggression reagieren, sondern andere Problemlösungstechniken haben oder eher als Männer selbstschädigendes Verhalten wie Medikamentenmissbrauch zeigen. Interessant ist auch, dass der Frauenanteil von der polizeilichen Registrierung bis zur Verurteilung immer geringer wird und vor allem unter den zu einer Gefängnisstrafe Verurteilten besonders niedrig ist.“ Ob das daran liegt, dass die Schwere der Taten geringer ist, und/oder Frauen häufiger eine günstigere Bewährungsprognose gestellt wird, oder ob Frauen nachsichtiger behandelt werden, lässt sich nicht genau sagen. Mädchen sollen in ihrer Entwicklung schneller sein als Jungen. „Das stimmt tatsächlich“, sagt Dr. Kavšek. „Und zwar sowohl in punkto Wachs-

„Bei Frauen ist das Sprachzentrum deutlicher lokalisierbar als bei den Männern, vorwiegend in der linken Gehirnhälfte, aber auch in der rechten“, erklärt Dr. Kavšek. „Außerdem regen die weiblichen Östrogene die Nervenfasern an, mehr Verbindungen zu schaffen. Frauen können deshalb intuitiver und in mehr Zwischentönen sprechen und verstehen.“ Die geradlinigen Männer kennen das – sie bevorzugen eine klare Ansage. „Außerdem wird die sprachliche Veranlagung von Mädchen zusätzlich gefördert: Man hat herausgefunden, dass Mütter mit ihren Töchtern mehr reden als mit den Söhnen.“ Dass Frauen tatsächlich mehr Worte verwenden, wurde in Studien bestätigt: Nämlich fast doppelt so viele wie

Frauen sollen mehr Schmerz aushalten können nach dem Motto: Wenn Männer die Kinder kriegen müssten, gäbe es noch weniger davon. Stimmt das? „Nein!“ sagt Dr. Kavšek. „Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Frauen definitiv schmerzempfindlicher sind als Männer. Aber ein und dieselbe Frau empfindet Schmerz zu unterschiedlichen Zeiten verschieden – dafür sind auch wieder die Hormone verantwortlich.“ So ist im gebärfähigen Alter die Schmerzempfindlichkeit tatsächlich geringer. Frauen hören sensibler in sich hinein und suchen eher Hilfe, während Männer Schmerzen zunächst zu ignorieren versuchen, bis es womöglich zu spät ist. Denn wer als Mann von körperlichem Unwohlsein oder Schmerzen spricht, gilt schnell als „Weichei“. Frauen dagegen bekommen oft keine angemessene Schmerztherapie, weil Ärzte ihre Beschwerden nicht ernst nehmen. Die relativ symmetrische Aufteilung ihres Gehirns gewährt den Frauen dagegen einen Rekonvaleszenzvorteil: Ihnen gelingt es nach einer einseitigen Hirnverletzung besser als Männern, einen Teil der Defizite auszugleichen.

Multitasking

Die geschmeidige Verknüpfung beider Hirnhälften bei Frauen sorgt auch für das sogenannte „Multitasking“ – mehrere Dinge gleichzeitig tun zu können. So lässt Mama einen Ordnungsruf an den Nachwuchs los, der in der Küche heimlich an den Kühlschrank gegangen ist. Dabei telefoniert sie doch mit der Freundin, redet, hört zu – und verfolgt gleichzeitig einen Film... Papa liest und nimmt die Umwelt nicht mehr wahr. Es sei denn, er wird direkt angesprochen oder die Katze setzt sich auf die Zeitung.

Raub oder „einfacher“ Diebstahl?

Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt es definitiv, wenn sie straffällig werden. Dr. Torsten Verrel, Professor für Kriminologie, Strafvollzugswissenschaft und Jugendstrafrecht, bestätigt: Bei den polizeilich bekannten Gewaltdelikten sind fast 90 Prozent der Tatverdächtigen männlich.“ Gibt es typisch männliche, typisch weibliche Delikte? „Raub – also Diebstahl unter Gewaltanwendung oder -androhung – und Körperverletzung werden, auch im Dunkelfeld, ganz über-

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Angelika Lehle, Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf, Simone Arnold Layout & Graphik: Angelika Lehle, Daniel Lüdeling (Cartoons) Berichte: Dr. Karsten Lunze, Dr. Janine Drexler, Dr. Christian Jung, Miriam Schütz, Christian Klein, Stefanie Deucker, Elisabeth Balint, Jan-Peter Wulf, Janine Hübl, Juliane Barth, Heike Seifert, L. Kurch, Redaktion „forsch“ / Bonner Universitäts-Nachrichten Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de. – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, Fraunhofer IBMT Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zu­ stimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de. Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluss ist am 30. September 2007. Die Gewinner werden regelmäßig im Internet unter www.medi-learn.de/gewinner bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungs­ berichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.


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MEDI-LEARN Cartoons von Rippenspreizer: Das Rätsel 3

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Weitere Begriffe: Senkrecht

9. Lippenblütlergewächs, dessen Öl eine stark antiseptische Wirkung hat. 10. Abkürzung für zellgebundene Immunitätsreaktion 11. Wangenbrand 12. Knochengerüst 13. feste Kruste auf der Haut

Waagerecht

8. Fähigkeit, Krankheitserreger ohne pathologische Erscheinung zu eliminieren. 14. Abkürzung für Regenerationsfaktor

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Gewinnspiel: Online findet ihr unter www.medi-learn.de/cartoon eine Sondergalerie mit diesen und weiteren Cartoons, um euch das Lösen des Rätsels zu erleichtern. Zu erraten sind die fehlenden Begriffe aus den Sprechblasen der abgebildeten Cartoons. Zusammen mit den nebenstehenden Fragen zu weiteren Begriffen ergeben sie ein Kreuzworträtsel zu den MEDI-LEARN Cartoons von Rippenspreizer. Trage einfach die Lösung unter www.medi-learn.de/cartoon ein. Zu gewinnen gibt es ein Skelett, 10 Cartoontassen und 10 Wahnsinnsplakate. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Das Gewinnspiel läuft bis 30. September 2007.

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Famulaturbericht aus dem Reich der Mitte TCM in Tangshan, China von Heike Seifert

sieben mit einer Stunde Tai Chi bei Wang laoshi auf dem Campus der Uni. Dies ist eine Art konzentrierter Bewegungsabfolgen, die Körperbeherrschung und Harmoniegefühl vermitteln sollen. 7 Uhr 45 begann die Arbeit in der Klinik. Zunächst halfen wir in der Ambulanz, Patienten zu akupunktieren, die von außerhalb kamen. In China treffen die meisten Patienten vor allem am frühen Morgen ein, so dass in diesem Zeitraum schon einmal sechs Patienten in einem 18-Quadratmeter-Raum zugleich behandelt werden. Neben Akupunktur kam auch Strom- und Wärmetherapie zur Anwendung, vorwiegend zur Behandlung von Paresen und Schmerzen, aber auch Schröpfen, was vor allem bei Akne indiziert ist.

Der Besuch der Großen Mauer ist ein beeindruckendes Erlebnis

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en ersten Kontakt mit traditioneller chinesischer Medizin, kurz TCM, hatte ich bereits zu Abiturzeiten, als ich eine besondere Lernleistung zum Thema „Schmerzbehandlung durch Ohrakupunktur“ schrieb. Damals fragte mich mein Direktor, ob ich später einmal weiter auf dem Gebiet etwas machen wolle, und ich antwortete mit einem zögernden Nein. Vielleicht war das Zögern schon damals ein schwacher Hinweis darauf, dass es ganz anders kommen sollte.

Dao zhongguo!

chinesische Medizin lernen, die neben Akupunktur auch noch Qi Gong, Kräuterheilkunde, Tai Chi und Tuina-Massage umfasst. Es ist ein gleichermaßen vollständiges wie kompliziertes System: Eine Kombination von Ernährung und Bewegung, von Entspannung und Meditation, von Prävention und Therapie, die auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzt. Es ist demzufolge selbstverständlich, dass man in nur vier Wochen nur einen kleinen Einblick in dieses hochkomplexe System bekommen kann. Unser Tag begann jeden Morgen um halb

Im Dezember 2005 kamen dann die ersten Gedanken in Richtung Famulatur im Ausland auf. Ich stöberte im Internet und stieß schließlich auf eine Seite der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft für Medizin (DCGM), die Famulaturen in Tangshan, Wuhan, Guangzhou und Nanjing fördert. Nach einem Bewerbungsschreiben folgte bald der Tag des Auswahlgesprächs. Die Nachfrage war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht allzu groß – es konnten jedoch schon damals nur ca. zehn Studenten genommen werden.

Zunächst mussten wir die wichtigsten Punkte der Körperakupunktur lernen und auch das Setzen der Nadeln wurde zuerst „trocken“ geübt. Aber die Ärzte haben uns sehr viel machen lassen, sodass es uns auch nicht verwehrt blieb, Patienten ohne Anleitung zu nadeln. Es war erstaunlich, aber auch ein gleichzeitig schönes Gefühl, wie ein Patient mit Hemiparese nach einer cerebralen Blutung nach vierwöchiger Akupunkturbehandlung wieder in die Ambulanz gelaufen

Chirurgie komplett und kompakt! • Kapitelgliederung mit Wichtig-

Sieben Millionen Einwohner – durchschnittlich für chinesische Dimensionen

und Cave-Hervorhebungen, Praxisboxen etc.

• Zusammenfassungen nach jedem wichtigen Krankheitsbild

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Ich hatte Glück, und kurz darauf hieß es ab nach China oder „dao zhongguo“. Als Vorbereitung habe ich nämlich ein Semester Chinesisch gelernt, was sich später noch als Vorteil erweisen sollte, schließlich standen mir drei Monate in einem doch völlig fremden Land bevor. Zusammen mit fünf weiteren Studenten aus ganz Deutschland hatte ich mich für Tangshan entschieden, eine Stadt in der Provinz Hebei im Norden Chinas, rund 150 Kilometer östlich von Peking. Für chinesische Verhältnisse eine durchschnittliche Großstadt – sieben Millionen Einwohner. Ansichtssache! Aber wenn man vergleicht, dass in Shanghai soviel Menschen wie in ganz Australien wohnen, ist alles wieder sehr relativ.

8., überarb. Aufl., 2006, 1226 S., 1527 Abb., Geb. € (D) 74,95; € (A) 77,06; sFr 115,00 ISBN 978-3-540-30450-0

• Knapp und kompakt mit klar strukturierten Texten

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TCM ist hochkomplex

In Tangshan am North China Medical Coal College wurden wir sehr herzlich von Zhao laoshi (Dr. Zhao) empfangen, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Er ist Hämatologe und sprach ein sehr gutes Deutsch. Das erleichterte uns den Alltag in der Klinik enorm, denn niemand, außer einigen wenigen Studenten und Ärzten, sprach Englisch. Ich entschied mich, den größten Teil meiner Famulatur in der Ambulanz für Akupunktur zu absolvieren. Schließlich wollte ich soviel wie möglich über

Das Nadeln gelernt

1. Auflage, 2007, ca. 680 S., 500 Abb. Brosch. ca. € (D) 29,95; € (A) 30,79; sFr 46,00 ISBN 978-3-540-29918-9

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kommt. Gegen neun ging es dann auf die Visite, bei der stationäre Patienten (vorwiegend Neurologie und ITS) behandelt wurden. Die chinesischen Menschen hatten sehr viel Vertrauen in uns deutsche Famulanten, sodass wir viele praktische Erfahrungen sammeln konnten. Wir haben uns immer sehr willkommen gefühlt, sei es bei den Patienten selbst, als auch bei den Ärzten und Studenten. Jeder war bemüht, uns zu helfen.

Es mangelt nicht an Technik, sondern an den einfachsten Dingen Trotz all der positiven Erfahrungen, die wir gesammelt haben, muss man trotzdem auch erwähnen, dass der Standard in der Klinik doch sehr heterogen im Vergleich zu unserem westlichen System ist. Es mangelt an keinerlei Technik – jeder Patient der Neurologie bekommt ein CToder MRT-Bild, Blutproben werden sehr schnell ausgewertet, es gibt alle möglichen invasiven Verfahren, wie bei uns auch. Woran es fehlt: An den einfachsten, grundlegenden Dingen! Keinerlei Desinfektionsmittel, statt dessen Seife auf den Stationen, keine Handschuhe, Butterflys anstelle von Flexülen zur Gabe von Infusionen, kein Mundschutz auf der Pulmonologie, obwohl rund die Hälfte der Patienten eine offene TBC hat – das ist Alltag! Auch werden die Patienten nicht von den Krankenschwestern gepflegt, wie es bei uns üblich ist, sondern von den Angehörigen, die das Essen in die Klinik bringen. Die meisten der Patienten haben keine Krankenversicherung, sodass alle Untersuchungen und Medikamente zum größten Teil selbst bezahlt müssen. Gegen halb elf gab uns dann Dr. Lu, Ärztin in der Akupunkturambulanz, täglichen Unterricht. Zunächst brachte sie uns das Grundkonzept von Yin und Yang und die Lehre von Qi näher, später lehrte sie uns auch sehr viel über alle wichtigen Punkte, über Lokalisation, Indikation und wie man diese sticht. Am Nachmittag hatten wir frei, sodass wir auch die Möglichkeit hatten, viele Ausflüge zu machen und in den Genuss der chinesischen Kultur zu kommen. Nach unserer Famulatur in Tangshan sind wir zu zweit noch einen Monat durch China gereist. In dieser Zeit ist uns erst bewusst geworden, wie typisch chinesisch Tangshan doch im Vergleich zu allen anderen größeren Städten ist, die immer mehr von dem Wirtschaftswachstum eingeholt werden und in denen kleine traditionelle Häuschen riesigen Wuchtbauten weichen müssen. Diese Eindrücke rücken jedoch in den Hintergrund, wenn man in alten Tempeln steht und den Menschen zusieht, wie sie für ihre Gottheiten Räucherstäbchen anzünden.

China pur

Die Reise war schön, jeder Tag brachte neue Eindrücke, jede Stadt hatte ein anderes Flair, dass es zu erkunden galt. Und Erlebnisse wie den heiligsten Berg von China, den Tai shan, bestiegen zu haben und am nächsten Morgen die aufgehende Sonne über dem nebelverhangenen Berg anzuschauen, auf der Großen Mauer gewesen zu sein oder die drei großen Schluchten des Yangtse-Flusses durchquert zu haben, werden sicherlich noch lange in schöner Erinnerung bleiben! ®

Das SEIRIN -Akupunktur-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Akupunktur, den wir euch in Kooperation mit 3B Scientific und SEIRIN in den kommenden Ausgaben der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/akupunktur

Online geht es weiter

Leider sind Seitenzahl und Erscheinungshäufigkeit der MEDI-LEARN Zeitung begrenzt, so dass wir nicht immer alle Texte berücksichtigen können, die ihr uns zusendet. Genauer gesagt: berücksichtigen konnten, denn nun gibt es den Digitalen Nachschlag bereits zum neunten Mal mit weiteren spannenden Artikeln – aktuell über ein neues Krebsgen – und Ergänzungen zu den Berichten der Print-Ausgabe. Der Digitale Nachschlag steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung. Einfach die folgende Seite aufrufen:

www.medi-learn.de /mlz-nachschlag

Nachschlag Die Extraportion Diese Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Forschung

Seheindrücke für Blinde Blinde können mit dem Netzhaut-Chip wieder erste Seheindrücke wahrnehmen. Das ist das Ergebnis einer Entwicklung der Retina Implant GmbH und der Universitäts-Augenklinik Tübingen und weiterer Projektpartner. Ein winziger mikroelektronischer Chip, der seit Herbst 2005 erstmals sieben blinden Patienten direkt unter die Netzhaut (Retina) eingepflanzt wurde, ersetzt dort die abgestorbenen Sehzellen und soll den Patienten wieder einen Teil ihres Sehvermögens vermitteln.

Neues Krebsgen entdeckt Forscher haben ein Gen identifiziert, dessen Mutationen zu verschiedenen Krebserkrankungen führen. Sind seine beiden Kopien defekt, besteht bereits ab dem frühen Kindesalter ein stark erhöhtes Risiko für Hirn- und Nierentumoren sowie für Leukämien.

Ausland

Public Health in Indonesien Für Annika Hanning war der Aufenthalt in Indonesien eine sehr bereichernde Erfahrung. Zum einen hat sie tropische Krankheitsbilder wie Typhus, Durchfallerkrankungen und einen Leprafall kennengelernt, zum anderen hat sie erfahren, wie schwierig es sein kann, Diagnosen zu stellen. Sich nicht mit dem Patienten unterhalten zu können, ist ein fast unüberwindliches Problem, aber selbst Blickdiagnosen gestalten sich ziemlich schwierig.

Praktikum und Famulatur

Chirurgie in Lippstadt Die Entscheidung, seine erste Famulatur im Heimatort Lippstadt zu machen, stand für Peter Vomhof schon sehr früh fest. In anderen Famulaturberichten hatte er häufiger die Empfehlungen gelesen, zunächst ein kleineres Haus zu wählen, um wirklich viel selbst machen zu können und – wenn möglich – in ein Haus zu gehen, das einem schon beispielsweise durch ein Pflegepraktikum bekannt ist. Beides traf für ihn zu und hat sich im Endeffekt als sehr vorteilhaft erwiesen!

Einsatz auf der „KAR O2“ Für einen ganz kurzen Moment hat Michaela Butryn überlegt, ob und wie sie sich um das „Pflegepraktikum“ herumdrücken könnte. Aber ohne Nachweis dieses dreimonatigen, unbezahlten Krankenpflegedienstes gibt‘s nun mal später keine Zulassung zum Physikum, einer wichtigen Prüfung im Medizinstudium. Alle Artikel findet ihr kostenlos unter:

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MEDI-LEARN Zeitung 03/2007  
MEDI-LEARN Zeitung 03/2007  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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