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Wasserfälle wie aus der Duschgelwerbung

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Nach getaner Arbeit an den weißen Karibikstrand legen: Die Klinik unter Palmen gibt es nicht nur in Fernsehserien, sondern auch live zu erleben. Zum Beispiel im Rahmen eines PJ-Tertials. Antonia Huneus hat es auf der Karibikinsel Guadeloupe absolviert. Mehr dazu auf Seite 9

ZEITUNG

Ausgabe 03/05 · Juni 2005 · In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag · www.medi-learn.de · ISSN 1860-8590 · 1,90 €

Uni-Wechsel – doch wie?

Ausbildung zum Facharzt

Not macht erfinderisch

Ein Großteil der Medizinstudenten wechselt mindestens einmal im Studium die Universität. Doch wie kommt man an die begehrten Plätze und wann sollte man am besten tauschen?

Mit der Approbation geht es erst richtig los: Auf über 30 Gebieten erfolgt die Weiterbildung. Persönliche Vorlieben haben Vorrang, doch Dauer und Verordnungen sollten berücksichtigt werden.

Im britischen Gesundheitssystem herrschen Zeit- und Geldmangel. Ein Erfahrungsbericht schildert, wie diese Bedingungen von allen Beteiligten vorbildlich „gehandlet“ werden.

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Keine zweite Chance für ersten Eindruck! Hilfestellung für die Bewerbungen von Trojan Urban

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Künstlicher Patient verschafft Aha-Erlebnisse Würzburger Studenten lernen OP-Praxis am Dummy von Prof. Dr. Norbert Roewer

ohin soll die Reise nach dem PJ gehen? Spätestens zu Beginn des zweiten Tertials sollte man sich darüber Gedanken machen. Viele Medizinstudenten haben zu diesem Zeitpunkt schon eine ziemlich genaue Vorstellung davon, welche Richtung sie einschlagen wollen. Was ist bei der nun anstehenden Bewerbungsprozedur zu beachten?

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PJ-ler sind in der Materie Wann sollte man anfangen, sich zu bewerben? As soon as possible! „Vorfühlen“ ist jederzeit möglich, besonders natürlich während des Praktischen Jahres. Möchte man auf einer der PJ-Stationen später als Assistenzarzt tätig sein, so empfiehlt es sich, einen Ansprechpartner zu wählen und ihm dieses Ansinnen darzulegen. Das kann ein Oberarzt sein, aber auch der Chefarzt persönlich. Ist eine Einstellung prinzipiell möglich, wird in einem kurzen Gespräch das weitere Vorgehen vereinbart, das von Klinik zu Klinik unterschiedlich geregelt ist. Wird eine Stelle auf einer Station oder in einem Krankenhaus angestrebt, in dem man vorher noch nicht tätig gewesen ist, dann ist es empfehlenswert spätestens im letzten Tertial des PJ mit der Bewerbung zu

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Auch für Mediziner gilt: Der erste Schritt findet schriftlich statt – Bild: www.istockphoto.com

beginnen. So verbleibt noch Zeit bis zum möglichen Arbeitsbeginn und der Bewerber ist als PJ-ler „in der Materie“, was ihm bei einem Vorstellungsgespräch durchaus zu Gute kommen kann.

Ich packe meine Mappe Wenn man nun eine konkrete Stelle anvisiert hat, muss eine Bewerbungsmappe angefertigt werden. Diese sollte am besten aufklappbar und dreiseitig sein. Einbläuen sollte man sich das Sprichwort „You never get a second chance to make your first impression“. Wer Erfolg haben will mit seiner Bewerbung, sollte tunlichst darauf achten, dass Eselsohren und Flecken auf dem Papier

Die Ausnahme ist die Regel Neue Arbeitszeiten noch längst nicht etabliert von Trojan Urban

ebenso wenig vorhanden sind wie Rechtschreibfehler und grobe stilistische Schnitzer. Auch beim Bewerbungsfoto sollten ein paar Dinge berücksichtigt werden. Dass Automatenbilder weniger reizvoll sind als professionell angefertigte Aufnahmen, dürfte jedem einleuchten. Auch auf ein natürliches Aussehen, ein freundliches, aber unaufdringliches Lächeln (und wer nicht lächeln will, sollte zumindest charmant dreinblicken!) und eine angemessene Kleiderwahl sollte geachtet werden. Ob Farbaufnahme oder SchwarzWeiß, ist hingegen dem persönlichen Gusto überlassen. Fortsetzung auf Seite 7

eder Patient erwartet einen perfekt ausgebildeten Arzt. Deshalb müssen Medizinstudenten auch praktische Erfahrungen sammeln und nicht nur theoretische Grundlagen erlernen. Eine schwierige Situation für alle, die sich an der Ausbildung der zukünftigen Ärzte beteiligen, da ein Üben direkt an Patienten nicht möglich ist. Aus dieser Überlegung heraus lernen Anästhesisten und Notfallmediziner an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie der Uni Würzburg an einem „künstlichen Patienten“. Dahinter verbirgt sich eine lebensgroße Puppe, voll gepackt mit Elektronik und Feinmechanik. Die Würzburger Studenten lernen an dieser Puppe in einem OP mit voll funktionsfähigen Narkose-Arbeitsplatz – wie Piloten in einem Flugsimulator – wie eine Betäubung sicher und für den Patienten angenehm durchgeführt wird. Der künstliche Patient wird von Computern gesteuert. Diese ermöglichen es beispielsweise, die Puppe körperlich wie einen alten oder einen jungen, einen kranken oder einen gesunden Menschen reagieren zu lassen. Es können auch vorbestehende Krankheitsbilder und akut auftretende Notfallsituati-

onen simuliert werden. Auf welche Weise die Studierenden die Puppe „versorgen“, wird automatisch dokumentiert und per Videoanlage aufgezeichnet.

Systematischer Einsatz im Seminar Bisher stand dieses Ausbildungskonzept den Medizinstudenten nur eingeschränkt zur Verfügung. Durch den Umzug der Klinik ins neue Zentrum für Operative Medizin (ZOM) konnten die für die Simulation notwendigen Räumlichkeiten jedoch deutlich erweitert werden. Dadurch wurde es möglich, den künstlichen Patienten systematisch in der Ausbildung einzusetzen: Seit diesem Wintersemester können alle Studenten während des Seminars „Anästhesiologie und operative Intensivmedizin“ eine Narkose am Simulator durchführen – auch wenn sie später in anderen Bereichen der Medizin tätig sein wollen. Die Vorteile des simulationsgestützten Unterrichtes sind die Realitätsnähe, das Ausprobieren-Können und Aha-Erlebnisse, die die Wissensaufnahme unterstützen. Fortsetzung auf Seite 5

Mehr Stationsarbeit, weniger Room Service Ein Pflegepraktikum in Kosice, Slowakei

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er sich für den ärztlichen Beruf entschieden hat, weiß, dass es im Gegensatz zu vielen anderen Branchen selten möglich ist, um Punkt 16 Uhr den Hammer bzw. das Skalpell fallen zu lassen. In Abhängigkeit von den Gepflogenheiten der Klinik hat der Assistenzarzt mehrmals im Monat über Nacht Dienst, und auch der Einsatz an den Wochenenden wird verlangt. Zwar ist eine Neuregelung bereits in Kraft getreten, umgesetzt wird sie hierzulande aber nur in Ansätzen.

Beschlossene Sache: Das Arbeitszeitgesetz Da sich der Umgang mit Bereitschaftsdiensten in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU stark unterschied, wurde im September 1993 eine erste EU-Richtlinie zur Arbeitszeitgestaltung erlassen. Ihre Umsetzung in Deutschland fand jedoch bei den Ärzten kaum positive Resonanz, da sie nur diejenige Zeit als Arbeitszeit aner-

kannte, in der die Ärzte auch wirklich beschäftigt waren. Ruhezeiten hingegen galten nicht als Arbeitszeit. Im Jahr 2000 kam die Wende: Nach einer Klage spanischer Ärzte stellte der Europäische Gerichtshof fest, dass Bereitschaftszeit in vollem Umfange als Arbeitszeit anzusehen ist. Die Bundesregierung jedoch stellte sich bei der Umsetzung dieses Urteils für Deutschland quer. Nach erneuter Klage eines deutschen Arztes bestätigte der Europäische Gerichtshof sein Urteil im September 2003. Seit dem 1. Januar 2004 wird nun das neu geregelte Arbeitszeitgesetz der Bundesregierung angewendet. Das neue Arbeitszeitgesetz sieht vor, Bereitschaftsdienste voll als Arbeitszeit anzuerkennen. Ob der diensthabende Arzt durcharbeiten musste oder „mangels“ Notfällen etwas ausspannen konnte, ist dabei unwichtig. Die Wochenarbeitszeit wurde auf 48 Stunden beschränkt. Fortsetzung auf Seite 6

von Anne Seyffarth

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m Rahmen meines Pflegepraktikums hatte ich bereits einen Monat in einem deutschen Krankenhaus abgeleistet und war ziemlich frustriert über die langen Arbeitszeiten und den geringen Bezug zur späteren ärztlichen Tätigkeit. Ich wollte einfach noch etwas anderes erleben. Deswegen erkundigte ich mich beim DFA (Deutscher Famulantenaustausch) und erfuhr, dass die Slowakei das einzige Land ist, das Pflegepraktika anbietet. Ein Auslandspraktikum schien mir eine willkommene Abwechslung, und in der Slowakei war ich zuvor noch nie gewesen. Außerdem hatte eine Kommilitonin dieselbe Idee. Also beschlossen wir, zusammen den Schritt zu wagen.

Unkomplizierte Anreise Die Bewerbung über den DFA musste ich bis zum 15. Januar für den kommenden Sommer abgeben. Ich be-

warb mich für die Städte Bratislava, Kosice und Martin. Zirka zwei Monate später erhielt ich die Zusage für das Faculty Hospital Louis Pasteur in Kosice. Die Stadt liegt im Südosten der Slowakei, nahe der ukrainischen und der ungarischen Grenze. Angereist sind wir mit der Bahn, insgesamt 15 Stunden (mit Umstieg in Dresden und Bratislava) dauerte die Fahrt von Leipzig nach Kosice. Trotz des vielen Gepäcks war die Zugfahrt recht unproblematisch und ist wirklich empfehlenswert. Der Preis lag bei rund 180 Euro für Hin- und Rückfahrt. In Kosice wurden wir dann von unserer Betreuerin vom Bahnhof abgeholt und in einem Wohnheim für Ärzte und medizinische Mitarbeiter untergebracht. Meine Kommilitonin und ich mussten uns ein schlichtes Zimmer teilen. Auf Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher mussten wir

Abseits der Arbeit: Architektur in Kosice

in diesem Monat leider verzichten, und es gab nur eine Küche für die gesamte Etage, die entsprechend „sauber und ordentlich“ aussah. Dafür hatten wir eine Putzfrau, die jeden Tag unseren Müll leerte und eine Empfangsdame, die uns zu jeder Tages- und Nachtzeit unseren Schlüssel aushändigte. Fortsetzung auf Seite 3


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Sonnige Preise!

Uni-Wechsel als Herausforderung und Chance Lehrjahre sind Wanderjahre von Dirk Watermann (Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf) ist unter Studenten ebenfalls hoch im Kurs. Entsprechend schwer ist es auch, hier einen der begehrten Plätze zu bekommen. Zum Zeitpunkt: Durch die Einführung von lokalen Studienordnungen ist ein Uniwechsel während der Studienphasen aufgrund unterschiedlicher Kurssysteme und Anforderungen schwieriger geworden. Zeitlich eignen sich abgeschlossene Studienabschnitte besonders gut zum Wechsel, etwa nach dem Physikum, da in der Klinik vieles aufs Neue beginnt. Ein Umzug zum PJ ist denkbar einfach, zumal jetzt alle lieb gewonnenen Kommilitonen neu anfangen müssen und sich in alle Winde verstreuen.

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Viele Hürden, dafür spannende Perspektiven Am Anfang steht eine wichtige Überlegung: Will man die nicht zu vermeidende Eingewöhnungszeit wirklich noch einmal durchleben und sich wieder wie ein orientierungsbedürftiger Ersti über den Campus und durch die Kliniken bewegen? Schließlich hat man sich trotz aller Ressentiments ganz gut an seiner Uni eingelebt und eine nette Clique gefunden. Ist die Entscheidung zum Wechsel einmal gefallen und der Zulassungsbescheid für die neue Uni liegt vor, ist vor Ort viel zu organisieren. Die Wohnungssuche ist in beliebten Universitätsstädten wie München oder Tübingen gar nicht so einfach. Allerdings stehen diesen Hürden die vielen neuen und spannenden Perspektiven eines Wechsels gegenüber. Ein Beispiel: Timo ist aus Jena nach Tübingen gewechselt. Er hat ein halbes Jahr gebraucht, um sich in der beliebten Studentenstadt einzuleben. Rückblickend sagt er aber, dass er den Studienortwechsel lieber früher hätte wagen sollen. Die guten Freunde an der alten Uni besucht er heute noch regelmäßig. Außerdem hat er an der neuen Fakultät Kommilitonen kennen gelernt, die ebenfalls die Uni gewechselt haben.

Wie komme ich an einen Platz? Informationen über die gewünschte Uni bekommt man über die Homepage, durch Infoblätter und durch Bücher. Am besten aber erkundigt man sich vor Ort bei den Fachschaften. Dort kann man sich mit Studenten der Uni unterhalten und einiges über deren Erfahrungen hören, was die Uni, den Studienort, die Wohnungsmarktsituation und ähnliches angeht. Ich empfehle dringend, Stadt und Uni der Wahl vor dem Wechsel einmal zu besuchen!

Um an die Wunsch-Uni zu kommen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine Direktbewerbung an der Universität ist eigentlich ganz aussichtsreich, da immer wieder durch andere Studienortwechsler und Studienabbrecher Plätze frei werden. Hier gelten ähnliche Kriterien wie bei der ZVS, die Plätze werden nach sozialen und wissenschaftlichen Kriterien sowie nach der Note der vorletzten Prüfung vergeben (nach dem Physikum gilt meist noch die Note des Abiturzeugnisses, nach dem Ersten Staatsexamen das Physikum etc.).

EIN RINGTAUSCH HAT SCHON VIELEN ZU IHREM

WUNSCHZIEL VERHOLFEN Genaue Informationen über Bewerbungsunterlagen, Härtefallanträge (bei besonderen sozialen und familiären Situationen) und über Bewerbungen für einen Wechsel aus wissenschaftlichen Gründen erhält man bei den örtlichen Studentensekretariaten und deren Homepages. Die Bewerbungen für das SoSe sind an den meistens Unis bis zum 15. Januar und für das WiSe bis zum 15. Juli einzureichen. Wie aber einen Platz bekommen? Alternative Wege erhöhen die Chance auf einen Platz in der Wunschstadt. So gibt es im Internet diverse Tauschbörsen, die (teilweise gegen eine geringe Gebühr) Inserate veröffentlichen. Wichtig ist, dass man sich vorher über die Tauschregeln der jeweiligen Universität informiert. Die Tauschbörsen bieten auch die Möglichkeit, den gesuchten Platz durch einen Ringtausch mit verschiedenen Partnern zu bekommen, indem man beispielsweise seinen Platz in Würzburg gegen Heidelberg eintauscht, um diesen wiederum gegen den eigentlich gesuchten Platz in Greifswald zu tauschen. Das hat schon vielen zu ihrem Wunschziel verholfen!

ABCD ist hoch im Kurs Zu den beliebtesten Universitäten zählen natürlich diejenigen der großen deutschen Städte wie Berlin, München oder Hamburg. Weitere begehrte Universitäten sind im Süden Deutschlands mit Freiburg, Tübingen und Heidelberg zu finden. Die so genannte ABCD-Region

Die Wechsel-Wirkung ist positiv

VÄTERN ZU PROMOVIEREN

Was auch immer der individuelle Grund für einen Wechsel sein mag: Fast jeder, der ihn vollzogen hat, bewertet ihn im Nachhinein positiv. Die Universität gewechselt zu haben, beweist Flexibilität, peppt nebenbei den Lebenslauf auf und erweitert vor allem den eigenen Horizont – ob nun sozial, geographisch oder wissenschaftlich gesehen. Und wer ist nicht beeindruckt von den zahlreichen Studien-Stationen, die die Autoren vieler Lehrbücher auf ihren Buchrücken auflisten und so ihre Fachkompetenz untermauern können?

Soll der Wechsel während der Promotion vollzogen werden, sind Probleme durch die Entfernung zu berücksichtigen! Dafür kann man durch einen Wechsel eine Doktorar-

Praktische Internet-Links zu Tauschbörsen und Informationen: www.zvs-opfer.de www.medi-learn.de/tausch www.thieme.de/viamedici

Mögliches Ziel beim Wechsel? Blick auf Tübingen – Bild: Dirk Watermann

ründe für den Uni-Wechsel gibt es viele: Ein von der ZVS zugewiesener Studienplatz fernab des Wunschziels (weswegen die ZVS so gerne mit „Zentrale Verschickungsstelle“ übersetzt wird), die Entscheidung, doch von der heimatnahen Uni wegzuwechseln, Forschungsinteressen oder Herzensangelegenheiten. Es gilt jedoch, einige Probleme zu überwinden.

beit in einem bestimmten Gebiet anstreben, zu dem an der aktuellen Uni nicht geforscht wird oder erhält die Chance, an der Wunsch-Uni bei besonders renommierten Doktorvätern zu promovieren.

VIELLEICHT ERHÄLT MAN SO DIE CHANCE, BEI RENOMMIERTEN DOKTOR-


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Mehr Stationsarbeit, weniger Room Service Ein Pflegepraktikum in Kosice, Slowakei Fortsetzung von Seite 1

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eider war damit auch eine starke und für mich ungewohnte Kontrolle verbunden – Herrenbesuch auf den Zimmern wird nach 18 Uhr nicht mehr akzeptiert und das Wegbleiben bis drei Uhr wurde mit bösen Blicken bestraft. Im Großen und Ganzen war unsere Bleibe dennoch zweckmäßig und ausreichend.

Viele Einblicke in den Mediziner-Alltag Die ersten beiden Wochen verbrachten wir auf der Traumatologie, was äußerst interessant war. Zu unseren Aufgaben zählten unter anderem das Blutdruckmessen, das Anlegen von Verbänden und der Patiententransport in den OP. Wir erlernten die Verabreichung von Injektionen (intravenös, subkutan, intramuskulär) oder das Entfernen von Nähten und hatten die Möglichkeit, viele Operationen zu beobachten, was für mich persönlich sehr beeindruckend war. Viel Zeit verbrachten wir auch in der Ambulanz und durften bei der Aufnahme von Notfällen mitwirken. Zu Aufgaben wie dem Bettenmachen und der Austeilung von Essen wurden wir nur selten herangezogen, wohingegen dieses in Deutschland zu meinen Hauptaufgaben zählte. Auch die Arbeitszeiten waren um einiges humaner als im deutschen Pflegepraktikum: Der Dienstbeginn lag meist zwischen 8 und 10 Uhr. Am frühen Nachmittag wurden wir oft heimgeschickt – mit der Aufforderung, doch etwas zu unternehmen und das Land besser kennen zu lernen!

DAS KLIMA AUF STATION IST WENIGER HEKTISCH UND PERSÖNLICHER

Die zwei letzten Wochen wurden wir auf der Geburtshilfestation eingesetzt. Aufgrund der Vielzahl von Schwestern gab es dort nicht so viel zu tun. Meistens gingen wir mit der Ärztin, der wir zugeteilt waren, auf Visite oder nahmen an Lehrstunden mit anderen ausländischen Studenten teil. Auch hatten wir das Glück, bei

Kaiserschnitten und Geburten dabei sein zu dürfen. Für das Krankenhaus benötigt man auf jeden Fall eine weiße Hose und ein weißes T-Shirt oder einen Kittel sowie weiße Schuhe. Im Merkblatt des DFA steht, man brauche ein Stethoskop, was aber nur auf internistischen Stationen nötig ist. Die Krankenhäuser in der Slowakei sind auf jeden Fall einfacher eingerichtet als in Deutschland. Dennoch ist das

Sprache als Slowakisch beherrschten. Aber durch Verständigung mit Händen und Füßen konnten wir doch noch einiges von ihnen lernen. Oft wurde es dennoch zum Problem für mich, kein Wort Slowakisch zu verstehen. Gerade bei der Verständigung mit den Patienten hatte ich große Schwierigkeiten, und auch außerhalb der Klinik war die Kommunikation nicht immer ganz so einfach. Unsere Betreuerin kümmerte sich in den ersten Tagen wirklich sehr um unsere Probleme und Belange, später jedoch hörten wir fast nichts mehr von ihr. Zum Glück sind die Slowaken sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, so dass wir schnell Anschluss an eine Gruppe von Stu-

bezahlt die slowakische Austauschorganisation. Eine Vergütung gibt es nicht, Ausflüge und alles andere ist finanzielles Privatvergnügen. Für Deutsche ist das slowakische Preisniveau allerdings sehr niedrig. Besonders Lebensmittel, Restaurants und Bars sind daher sehr erschwinglich, für 100 Slowakische Kronen (ca. 2,50 Euro) bekommt man schon eine große Pizza mit Getränk.

EIN ECHTER LICHTBLICK IN DER VORKLINIK! Für mich war der Aufenthalt eine wirklich wichtige Erfahrung und auf jeden Fall eine Abwechslung zum

kurz notiert

Schweiz erwägt Bologna-Modell Vor dem Hintergrund mangelnder Fachkräfte in den ländlichen Regionen, Problemen bei der Stellenbesetzung in den Kliniken und der schwierigen Situation des Gesundheitssystems insgesamt wird auch in der Schweiz über eine Reformierung der Ausbildung diskutiert. Favorisiert wird dabei das so genannte Bologna-Modell: Das Studium wird in Bachelor- und Masterphase unterteilt, um praxisnäheres Lernen zu ermöglichen. Auch die Einführung des Numerus Clausus steht zur Debatte.

Realistisches Training am Dummy-Patienten

Das Krankenhaus von Kosice – von außen monoton, von innen abwechslungs- und lehrreich – Bild: Anne Seyffarth

Gesundheitssystem nicht schlecht. Vor allem durch die hohe Anzahl an Ärzten und Schwestern ist das Klima auf Station weniger hektisch und persönlicher.

Kommunikation nicht immer ganz einfach Neben der Amtssprache Slowakisch sprechen viele Menschen Deutsch, da einige Gebiete der Slowakei früher deutschsprachig waren. Englisch sprechen die meisten jüngeren Leute. Im Krankenhaus kann man davon ausgehen, dass jeder Arzt entweder des Deutschen oder des Englischen mächtig ist. Die Ärzte freuten sich übrigens sehr darüber, ihre Deutschoder Englischkenntnisse an uns austesten zu dürfen! Der Kontakt mit den Schwestern war leider etwas problematischer, da nur wenige eine andere

denten fanden, mit denen wir abends immer weggingen. Das Nachtleben von Kosice ist nicht mit dem einer deutschen Großstadt zu vergleichen. Dennoch gibt es einige gemütliche Kneipen und Bars, an denen besonders am Wochenende richtige Partystimmung aufkommt. Ausflüge organisierten wir selbst und besuchten unter anderem das Slowakische Paradies, die Hohe Tatra, und die Städte Bardejov, Bratislava und Budapest. Besonders die ungarische Hauptstadt ist wirklich eine Reise wert! Wir nutzten den Zug für all unsere Unternehmungen, denn das Bahnnetz in der Slowakei ist sehr gut ausgebaut und die Preise sind günstig. Im Voraus verlangt der DFA 80 Euro für den Austausch. Für die Anfahrt muss man selbst aufkommen; Wohnheim und Mittagessen in der Klinik

deutschen Krankenhausalltag. Ich habe viele Dinge gelernt und gesehen, die ich sonst wohl erst viel später in der Klinik erfahren hätte – ein echter Lichtblick in der trockenen und anstrengenden Vorklinik! Außerdem habe ich viele neue Bekanntschaften gemacht, die ich nicht mehr missen möchte. Ich kann die Slowakei jedem empfehlen, der mal eine andere Erfahrung machen möchte oder der wie ich einfach nur genervt von der Art des hiesigen Pflegepraktikums ist. Hilfreich für mich war es aber auch, dass ich nicht ganz alleine, sondern zusammen mit einer Kommilitonin dieses Abenteuer eingegangen bin. Die Adresse der Klinik: Faculty Hospital Louis Pasteur Ratislavova 43 04190 Kosice - Slovakia

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Auch die Uni Würzburg nutzt einen Dummy-Patienten für die Ausbildung (siehe Seite 1 & 5).

Uni Bochum übt pflegerischen Blick ein Im Bochumer Modellstudiengang Medizin lernen die Studierenden die Sichtweise des Pflegepersonals kennen: Im erstmals stattfindenden Block „Krankenpflege“ werden sie an den Pflegeschulen der Unikliniken über verschiedene Konzepte unterrichtet und gehen Fallbeispiele an. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften zugunsten der Patienten zu verbessern.

Krebsbehandlung kindgerecht erklärt

Professionelle Examensvorbereitung bei den Repetitorienexperten

Intensivkurs 2. Stex:

Nahezu perfekte Simulation: Mit einem „künstlichen Menschen“, der im OP, auf der Intensivstation oder in der Notaufnahme reagiert wie ein echter Patient, können Anästhesisten, Intensivund Notfallmediziner den Umgang mit kritischen Situationen erlernen. Eines der ersten Modelle steht im Simulationszentrum des Universitätsklinikums Düsseldorf und kann von Ärzten aus ganz NRW für die Aus- und Weiterbildung genutzt werden, steht aber auch Medizinstudenten höherer Semester zur Verfügung. Das Gerät, das zu den so genannten Full Scale-Simulatoren zählt, reagiert direkt auf die Arbeit des Mediziners: So steigen Puls und Blutdruck, wenn die Narkose nicht tief genug ist, Art und Dosis der gespritzten Medikamente werden erkannt und selbst die Pupillen reagieren auf Injektionen in das künstliche Kreislaufsystem. Auch der Umgang mit Narkosezwischenfällen kann eingeübt werden.

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„Was passiert bei einer Chemotherapie?“ „Was sage ich meinen Freunden, wenn mir die Haare ausfallen?“ „Was ist eine Knochenmarkpunktion?“ Diese und andere Fragen werden auf kindgerechte Weise in einem bundesweit einzigartigen Projekt beantwortet: Die Abteilung Pädiatrische Onkologie der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg hat in Zusammenarbeit mit dem Elternverband krebskranker Kinder die CD-Rom „Ich bin ein Onkokid“ entwickelt. Infos unter: www.onko-kids.de


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kurz notiert

Zum Schlafen nach Frankreich Ein Praktikum bei der WHO in Genf

Aufbaustudiengang verbessert Kompetenz

von Benjamin Geisler

(idw) Die Weiterentwicklung der medizinischen Ausbildung an den Universitäten fördern soll der zweijährige, berufsbegleitende Aufbaustudiengang „Master of Medical Education (MME)“, der im Rahmen des Medizinischen Fakultätentages gegründet wurde. Insgesamt sieben medizinische Fakultäten werden zukünftig den Mastertitel verleihen. Neben der federführenden Uni Heidelberg sind Berlin, Dresden, Essen, Köln, München (LMU) und Tübingen an der fakultätsübergreifenden Akademie für Ausbildung in der Hochschulmedizin (AHM) beteiligt. Als Dozenten des neuen Studienganges wirken Ausbildungsexperten nationaler und internationaler Universitäten mit. Die bundesweite Vernetzung soll den Austausch in Fragen des Medizinstudiums fördern und zur seit langem geforderten Einführung von Qualitätsstandards in der medizinischen Ausbildung beitragen.

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Herzchirurgen-Mangel ab 2008 bedenklich (idw) Den deutschen Herzchirurgen geht der Nachwuchs aus: Seit 1991 ist die Zahl neuer Fachkräfte um 40 Prozent gesunken. Ab 2008 wird sich der Mangel negativ auf Klinikbetrieb und Patientenversorgung auswirken, warnte Prof. Dr. Uwe Mehlhorn von der Universitätsklinik Köln zum Auftakt der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). Vor allem die vielen nicht-medizinischen Zusatzaufgaben, die hohe Gesamtbelastung und der Mangel an Zukunftsperspektiven seien Gründe für den Attraktivitätsverlust, wie eine von der DGTHG durchgeführte Umfrage unter herzchirurgischen Assistenten ergab. Eine Nachwuchskommission soll den bedenklichen Entwicklungen gegensteuern helfen.

Österreich befürchtet Mediziner-Ansturm (idw) Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg, Francis Jacobs, hat die Zulassungsbedingungen für ausländische Studierende in Österreich als diskriminierend und benachteiligend eingestuft. Nun befürchtet Wien einen Ansturm vor allem deutscher Bewerber auf das Fach Medizin, berichtet die Ärzte-Zeitung. Bislang müssen Nicht-Österreicher den Nachweis eines Studienplatzes im Heimatland erbringen. Sollten sich die Richter des EuGH in ihrem demnächst erwarteten Urteil der Meinung des Generalanwaltes anschließen, stünde das Medizinstudium deutschen NC-Flüchtlingen offen. Die Einführung eines Numerus Clausus im Falle einer Verurteilung wird bereits diskutiert – die Umsetzung ist jedoch fraglich. Weitere Informationen zum Thema findet ihr in der beiliegenden Via medici.

on August bis Oktober 2003 hatte ich die Möglichkeit, in der Abteilung Stop TB Partnership bei der World Health Organization (WHO) zu famulieren. Die Idee dazu kam mir durch mein Engagement bei der International Federation of Medical Students‘ Associations (IFMSA, www.ifmsa.org). In der Vergangenheit hatten wir verschiedene gemeinsame Projekte durchgeführt, bei denen einige der Studenten als interns (Praktikanten) gearbeitet haben. Zudem habe ich zwei Bekannte, die ein Praktikum beim Eastern Mediterranean Regional Office (EMRO) gemacht haben. Deren Fazit war allerdings, dass ihr Praktikum wenig informativ und effektiv war, so dass für mich – wegen der potentiell besseren Betreuung und der möglichen Ausweichmöglichkeiten – eher ein Praktikum in der WHO-Zentrale in Genf in Frage kam.

Die Bewerbungsunterlagen sollten neben den Standards (Motivationsgrund, Lebenslauf) nach Möglichkeit auch ein Empfehlungsschreiben und Informationen über alles enthalten, was eine Beurteilung erleichtert: z.B. extra-curriculäres Engagement bei der Fachschaft oder anderen Organisationen. Interessenten rate ich, sich auch die Struktur der WHO (siehe Link) anzuschauen und sich direkt bei der für sie attraktivsten Abteilung zu bewerben. Ein Gespräch mit ehemaligen Praktikanten oder WHO-Mitarbeitern ist natürlich ebenfalls hilfreich. In meinem Fall war es so, dass ich mich in mehreren Abteilungen persönlich vorgestellt habe. Mein späterer Supervisor hat sich den Arbeitsplan der Abteilung angeschaut und wir haben gemeinsam überlegt, wo ich am besten mitarbeiten könnte.

etwas beitragen, habe am „relaunch“ (Neugestaltung) der Stop TB Corporate Identity mitgearbeitet und nahm an den meisten Sitzungen teil. Besonders gut habe ich mich mit meinem Supervisor verstanden, einem holländischen Arzt, der lange in Entwicklungsländern gearbeitet hat und daher viel zu erzählen hatte. Ich hatte zudem die Gelegenheit, einen Kriegschirurgen des Internationalen Roten Kreuzes zu interviewen, der aktiv an der Kampagne zum Bann von Landminen beteiligt gewesen ist. Klasse waren auch die „lunch time seminars“ (z.B. über den Stand der Bekämpfung verschiedener weltweit vertretender Krankheiten) und der Epidemiologie-Kurs. Aus den Seminaren heraus haben sich für mich während des Aufenthaltes noch weitere interessante Betätigungsfelder ergeben, z.B. die Erstellung von Analysen. Gemeinsam mit einem intern der Abteilung ethics&health und einem Professor aus Berkeley habe ich ein erstes „systematic review“ entworfen.

Who is WHO? Vor dem Praktikumsbeginn wollte ich zunächst einmal klären, was sich hinter den drei Buchstaben WHO eigentlich verbirgt und habe mir einige Fragen formuliert. Was zum Beispiel macht die WHO im Vergleich zu anderen internationalen Organisationen aus? Wo ist sie überall tätig und welche Strukturen und Hierarchien gelten innerhalb dieser riesigen Organisation? Wie sind die regionalen Dependancen und Länderbüros angegliedert und wie kooperiert die WHO mit den anderen UN-Organisationen wie Unicef und UNHCR? Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Missionen und para-staatlichen Organisationen (wie die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ) und die viel zitierten NGOs (non-governmental organizations, z.B. Ärzte ohne Grenzen). Natürlich wollte ich über das Praktikum auch herausfinden, ob die WHO für mich später als Arbeitgeber in Frage kommt, zum Beispiel nach einem Public Health-Aufbaustudium. Im Vorfeld habe ich mich ausführlich über die Bewerbung als Praktikant informiert. Bei der WHO möchten sehr viele Studenten ein Praktikum machen und Graduierte als Freiwillige arbeiten. Leider werden entsprechend viele abgelehnt. Die Bewerber kommen übrigens (wie alle anderen Mitarbeiter auch) nicht nur aus der Medizin, sondern auch aus Studiengängen wie Public Health, Politologie, Internationale Beziehungen, Jura, (Web-) Design und Nachhaltige Beziehungen. In einigen Abteilungen sind auch Studenten und Absolventen aus Philosophie und Volkswirtschaft beschäftigt.

WIR HABEN GEMEINSAM ÜBERLEGT, WO ICH AM BESTEN MITARBEITEN KANN

Anfragen sollten, wenn möglich, mindestens drei Monate vor Praktikumsbeginn eingereicht werden. Ich empfehle aber eine wesentlich längere Vorlaufzeit, um Komplikationen vorzubeugen. Andererseits wurde mir bei einem Schnupperbesuch ein sofortiger Arbeitsbeginn angeboten, kurzfristige Chancen bestehen also in manchen Fällen auch.

Aussicht von Pont du Mt. Blanc nach Bain de Paquis – Bild: Benjamin Geisler

Der Kampf gegen Tuberkulose

Viele pendeln nach Frankreich

Nach all den Formalia endlich ein paar Worte zur Arbeit: Meine Aufgabe war es, die Medizinstudenten weiter in die Arbeit der Stop TB Partnership und der nationalen Tuberkulose-Programme zu integrieren. Dies wurde mir sehr erleichtert durch das Netzwerk der IFMSA, bei der ich seit einiger Zeit mitarbeite. Fokussiert haben wir uns auf die so genannten high burden countries, das sind 22 Länder der Zweiten und vor allem der Dritten Welt, in denen zusammen 70% aller Tuberkulose-Fälle weltweit auftreten. Meine Abteilung hat zwei verschiedene Kompetenzen: Sie ist nicht nur der WHO zugehörig, sondern gleichzeitig eine eigene Organisation mit mehreren hundert Mitgliedsorganisationen (verbunden in der Stop TB Partnership). Im zuständigen Sekretariat wird in Aufgabenfeldern wie DOTS Expansion (Ausbau der Strategie und standardisierten Therapie), Global Drug Facility (Angebot günstiger und hochqualitativer Medikamente), DOTS Plus (Therapie der multi-resistenten TB) und an der Entwicklung einer Impfung gearbeitet. Als besonders interessant haben sich die beiden „retreats“ (Planungsworkshops) herausgestellt, bei denen wir strategisch und operational die nächsten zwei Jahre vorbereitet haben. Das Verhältnis zu den Mitarbeitern der Abteilung war sehr gut, ich wurde aktiv in viele Aufgabenfelder einbezogen. So konnte ich zu den retreats aus einer externen Sichtweise

Leider ist das Wohnen und Leben in Genf alles andere als günstig. Mieten ab 600 Franken im Studentenwohnheim gelten da noch als preiswert! Ich hatte allerdings das Glück, für relativ wenig Geld bei Freunden im sehr nahen Frankreich unterzukommen. Das machen auch viele Genfer Studenten täglich! In Frankreich ist das Niveau der Mieten und aller anderen Preise (bis auf Benzin) wesentlich niedriger. Wer nicht immer pendeln will, kann aber alle paar Tage mit dem Bus über die Grenze fahren, um dort günstig einzukaufen. Dafür hat Genf ein wunderschönes Stadtbild und eine traumhafte Lage. Im Sommer kann man an einem Badesteg direkt in der Stadt in den Genfer See hüpfen, den die Einheimischen Lac Léman nennen.

IM UNIVIERTEL IST MAN „DOWN TO EARTH“!

NOCH

Die umgebenden Berge bieten ein faszinierendes Panorama, besonders reizvoll ist der Blick auf den Mont Blanc. Für meinen Geschmack gibt sich die Stadt allerdings ein bisschen zu reich. Am besten gefallen hat es mir im Universitätsviertel. Dort ist man noch mehr „down to earth“ und man trifft viele junge Leute aus aller Welt. Es gibt viel zu besichtigen; besonders interessierte mich das Palais des Nations mit dem Denkmal gegen Landminen und das Museum des Internationalen Roten Kreuzes.

Mit den anderen interns habe ich viel unternommen. Wir sind gemeinsam ausgegangen oder haben an den Wochenenden Ausflüge gemacht, unter anderem nach Bern und Paris. Teilweise sind echte Freundschaften daraus entstanden! Übrigens: Auch den Neuankömmlingen wird von den interns gleich geholfen. Anfängern empfehle ich, sich gleich mit der @who.int-Email-Adresse bei WHO_ intern-subscribe@yahoogroups.com anzumelden. Und unbedingt nach dem WHO Intern Help Word-Dokument fragen!

Die WHO erreicht ihre Vorgaben Mein Praktikum hat sich als absolut lohnend herausgestellt: Ich habe viel über die Krankheit Tuberkulose gelernt, auch über die Gefahr, die sozioökonomisch von ihr ausgeht und wie beides global bekämpft wird. Ich habe auch herausgefunden, dass die WHO eine relativ bürokratische UN-Organisation ist, in der die Mühlen entsprechend langsam mahlen. Gleichzeitig – und das ist bemerkenswert – werden aber alle wissenschaftlichen und politischen Vorgaben erreicht. Ein Großteil der Aufgaben besteht aus technischer Zusammenarbeit, Normierung und Entscheidungsprozessen darüber, was auf die politische public health-Agenda kommt. Für mich persönlich habe ich entschieden, dass ich als junger Mensch dort nicht berufstätig sein, sondern mir zunächst einmal einen soliden klinischen Hintergrund erarbeiten möchte. Gleichwohl hat mir das Praktikum die Augen für die Wichtigkeit eines globalen Denkens geöffnet.

Passend zu dem Artikel verlosen wir drei Exemplare des Buches „Gesundheitsökonomik - Fleßa“. Einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw222

Welche Bedingungen gelten für ein Praktikum bei der WHO? Das Mindestalter für Bewerber ist 18 Jahre. Studenten sollten sich in einer formalen Ausbildung eines WHO-relevanten Faches befinden. Die Praktikumsdauer liegt zwischen sechs Wochen und drei Monaten, längere Praktika müssen extra beantragt und begründet werden. Eine Vergütung erfolgt nicht, auch keine Übernahme von Reisekosten oder Miete. Visa müssen gegebenenfalls selbst beantragt werden und der Nachweis über eine gültige Krankenversicherung für die Praktikumsdauer ist zu erbringen. Es darf nicht mehr als ein Praktikum bei der WHO absolviert werden. Die kompletten Unterlagen mit dem Betreff „Intern“ an folgende Adresse schicken: Head Management Support Unit World Health Organization 20 avenue Appia 1211 Geneva 27 Switzerland Die Struktur der WHO: www.medi-learn.de/ST0011


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Künstlicher Patient verschafft Aha-Erlebnisse

Im Forum gelauscht

Würzburger Studenten lernen OP-Praxis am Dummy Studienfinanzierung

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Mediziner-Ausbildung wieder attraktiver machen

Studenten lernen unter Anleitung am Dummy – Bild: Kuhnigk, idw

S

o wird bei vielen Studierenden ein größeres Interesse für das Fach Anästhesie geweckt, als herkömmliche Ausbildungskonzepte es hervorrufen können. „Auch als Dozent merkt man, wie das Verständnis für die Lehrinhalte durch die praxisnahe Ausbildung deutlich wächst“,

freuen sich Dr. Mathias Kilian und Dr. Gerd Wettengel, die die ersten Studenten unterrichtet haben. Insgesamt vier Ärzteteams, bestehend aus einem Ober- und einem Assistenzarzt, betreuen für den Zeitraum einer Woche jeweils eine Gruppe von zehn Studenten.

Das aufwändige Konzept soll auch die Bedeutung der Lehre am Universitätsklinikum stärken: „Es ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Dr. Herbert Kuhnigk, der die Grundlagen für das Unterrichtsmodell an der Klinik für Anästhesiologie erarbeitet hat. Auch Studiendekan Professor Dr. Matthias Frosch lobt das Konzept: „Das ist ein innovativer Unterricht, der bei den Studenten sehr gut ankommt.“ Immer weniger Medizinstudenten ergreifen nach dem Studium den Beruf des Arztes und arbeiten stattdessen in anderen Berufsfeldern, die attraktiver erscheinen. Gründe dafür sind beispielsweise der Kostendruck und die Ökonomisierung der Arbeitsabläufe in den Kliniken, wodurch die Ausbildung von Studenten

und jungen Ärzten wirtschaftlich immer unattraktiver wird. Das Würzburger Uniklinikum will den Gegenweg beschreiten: Genauso wie Spitzenleistung in der Forschung gefördert wird, soll auch die medizinische Ausbildung der Studenten auf höchstem Niveau stattfinden. Mit dem Unterricht am künstlichen Patienten geht die Uniklinik hier sicher in die richtige Richtung. Praxisnahe Ausbildung, wie in der neuen Approbationsordnung gefordert, wird damit in Würzburg unmittelbar umgesetzt – nicht zuletzt zum Wohle der zukünftigen Patienten. Weitere Infos unter: www.klinik.uni-wuerzburg.de Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, www.idw-online.de

Kammerflimmern und Herzflattern

www.medi-learn.de/MF19814

Trainingscenter Der eine stemmt im Fitnessstudio seine Hanteln, der andere stemmt neue klinische Fälle. Wo? Im Trainingscenter in den Foren von MEDI-LEARN könnt ihr euer klinisches Wissen in Befundung und Anamneseerhebung üben. Ältere Fälle gibt es zum Nachlesen, bei aktuellen Fällen könnt ihr mitmachen! Die lehrreiche Trainingsstube findet ihr unter: www.medi-learn.de/MF10073

36 Lokalforen

Von der Rettung eines Retters

Ob externes Studium, Studienplatztausch oder Auswahlgespräch: Die Themenliste der aktuellen Beiträge unserer Lokalforen ist lang. Welche Events in eurer Unistadt anliegen, wie schwer einzelne Klausuren vermeintlich sein werden, das erfahrt ihr speziell für eure Uni in den 36 Lokalforen. In Halle z.B. widmet man sich gerade der Frage, wie schwer die Chemie- oder Physikklausuren sein werden. Mehr unter:

von Daniel Lüdeling

N

otfallserien bietet das Fernsehen zu Genüge. Manche sind für den Mediziner nicht auszuhalten, andere erreichen Kultstatus wie beispielsweise Emergency Room. Dass der Rettungsdienst aber auch im Kino eine gute Figur machen kann und dabei kein medizinisches Kauderwelsch produzieren muss, zeigt der Film „Kammerflimmern“. Regisseur Hendrik Hölzemann erzählt von der Macht der Träume und davon, dass es immer einen Weg gibt – wenn man nur nicht aufhört zu atmen.

www.medi-learn.de/MF16692

Bewerbungsgespräch Wie verläuft eigentlich ein Bewerbungsgespräch? Eine Frage, der man sich spätestens im PJ mit vermehrter Aufmerksamkeit widmet. Welche Erfahrungen die jungen Ärzte gemacht haben und worauf es bei einer Bewerbung ankommt, wird ebenfalls in den Foren ausführlich diskutiert. Die Diskussion gibt es unter:

Vom Crash zum Crush Anfang der 80er Jahre ist die Welt noch in Ordnung für den siebenjährigen Paul. Bis zu dem Tag, an dem der Wagen der Familie während eines fröhlichen Ausflugs von der Straße abkommt. Seine Eltern verunglücken bei dem Unfall tödlich, Paul passiert nichts – zumindest äußerlich. Nur eine Narbe auf der Wange bleibt zurück. Fast zwanzig Jahre später ist Paul (Matthias Schweighöfer) Rettungsassistent und wird von allen nur Crash genannt, denn er ist selbst wie ein Unfall, finden seine Kollegen Fido (Jan Gregor Kremp) und Richie (Florian Lukas). Als Rettungsassistenten sind die drei tagtäglich konfrontiert mit Kummer und Schmerz, Krankheit und Tod. Sie wissen genau, dass die verletzte Albanerin, die sie in die Klinik bringen, schon bald wieder Prügel von ihrem Mann beziehen wird, und dass die 16-jährige Säuferin, die sie zur Ausnüchterungszelle bringen, schon bald wieder im Vollrausch über die Straße torkeln wird. Trotzdem träufeln die Sanitäter Nacht für Nacht Tropfen auf heiße Steine, retten fremden Menschen das Leben – und haben dabei ihr eigenes kaum im Griff. Aus der harten Realität flüchtet sich Crash in Träume, an dessen Ende stets das lächelnde Gesicht einer jungen Frau steht. Eines Nachts trifft der hilflose Helfer bei einem Einsatz auf November (Jessica Schwarz): Sie

Sechs Jahre Medizinstudium und nicht selten Lehrveranstaltungen vom Morgengrauen bis in den Abend hinein: Für all diejenigen, die ihr Studium ganz oder teilweise selbst finanzieren, bleibt da oft wenig Spielraum für Nebenjobs. Wie also soll man sich über Wasser halten? In den Foren werden Studienfinanzierung, Nebenjobs oder BAföG eifrig diskutiert. Schaut vorbei unter:

Auf und ab – nicht nur im EKG!

ist zweifelsohne die Frau aus seinen Träumen! Crash fühlt sich, als sei er endlich erwacht. Eine zarte Liebesbeziehung beginnt. Zum ersten Mal spürt Crash so etwas wie Glück. Doch dann kommt der Tag, an dem sich das Schicksal zu wiederholen scheint.

www.medi-learn.de/MF19637

Frust, Angst und Blockade Beiträge zur Motivation im Studium gibt es in den Foren immer wieder: Viele Medizinstudenten (ver)zweifeln zwischendurch mindestens einmal an ihrem Studium oder haben Zukunftsängste. „Warum mache ich das eigentlich?“, lautet die Frage eines aktuellen Beitrags zum Thema Motivation im Studium. Lest mehr unter:

Halbwissen bleibt dem Fachmann erspart Der Film nutzt die Umgebung des Rettungsdienstes lediglich als Rahmen für eine aufregende Geschichte über Selbstfindung und Liebe. Dabei ist positiv zu bemerken, dass der Regisseur Hendrik Hölzemann das Wissen seines abgeleisteten Zivildiensts im Rettungsdienst nutzt, um den Alltag der Retter authentisch darzustellen. Nur selten erscheint die Handlung überspitzt, dann aber dramaturgisch völlig vertretbar. Die fachliche Sinnfreiheit von Medicopter & Co., die sich dem Mediziner oft schmerzhaft bemerkbar macht, sucht man hier glücklicherweise vergebens. So ist „Kammerflimmern“ auch für den notorischen Fachmann ein aufregend schöner Film im Gefühls-Wechselbad zwischen Romantik, Witz und Tragik. Mit innovativer Kamera-Arbeit und tollen Bildern inszeniert Hölzemann

www.medi-learn.de/MF19539

Oma's Hausmittelchen

in seinem Regiedebüt eine schicksalhafte, beinahe mystische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des knallharten Alltags im Kölner Rettungsdienst. Kammerflimmern ist ein Film über die Rettung eines Retters – eine Rettung durch Liebe. Denn das Herz ist mehr als nur ein Muskel…

Die Musik von Lee Buddah und Blackmail wurde von Hölzemann für diesen Film mehr als sorgfältig ausgewählt. Unser Prädikat: sehenswert. Kammerflimmern erscheint auf DVD (Constantin), so dass einem netten Heim-Kinoabend nichts im Wege stehen dürfte.

Nicht immer muss es ein Antibiotikum sein. Ein Extrakt aus Zwiebeln leistet der Gesundheit in Erkältungsfällen ebenfalls wertvolle Hilfe. Dies ist nur eines der „von Oma“ empfohlenen alten Hausmittelchen, die zu kennen sich auch für angehende Ärzte lohnt – ob für Selbst- oder Fremdbedarf. Mehr zu den Hausmittelchen: www.medi-learn.de/MF5190


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Die Ausnahme ist die Regel Neue Arbeitszeiten noch längst nicht etabliert Fortsetzung von Seite 1

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n der momentanen Übergangsphase bestehen allerdings viele Ausnahmeregelungen. Auch aus eigener Erfahrung werden viele wissen, dass es noch ein weiter Weg bis zur vollständigen Etablierung des neuen Arbeitszeitgesetzes ist. Dass eine komplette Umstellung von heute auf morgen nicht möglich ist, dürfte nachvollziehbar sein. Nicht hinzunehmen ist jedoch, dass sich im Verlauf der Übergangszeit nach Aussage vieler Ärzte noch immer reichlich wenig geändert hat. Die meisten Kliniken verfügen nicht über genügend ärztliches Personal, um die Wochenarbeitszeit tatsächlich auf 48 Stunden begrenzen zu können und die Schichten entsprechend dem Arbeitszeitgesetz einzuteilen. Neu ist nun, dass der Assistenzarzt nach dem Dienst theoretisch und mehr oder weniger auch praktisch die Klinik verlässt und den Tag nach dem Dienst frei hat. Was er an Freizeit (sprich: Schlaf!) hinzugewinnt, büßt er finanziell ein, da dieser Tag natürlich nicht Arbeitszeit ist und somit auch nicht bezahlt wird.

FINANZIELLER AUSGLEICH IST DIE AUSNAHME, ABBUMMELN DIE REGEL In der Theorie ist die Arbeitszeit eines Arztes eigentlich gar nicht so weit von einem klassischen „Nineto-Five-Job“ entfernt: Die meisten Krankenhäuser haben, abhängig vom Fachgebiet, Tagesarbeitszeiten von 7:30 bis 16:00 Uhr, eine halbe Stunde Pause eingerechnet. Dass man die Arbeit in dieser Zeit oft nicht schafft, ist bekannt. Der Umgang mit den dadurch anfallenden Überstunden ist von Klinik zu Klinik verschieden; ein finanzieller Ausgleich ist die Ausnahme, Abbummeln die Regel.

Warten, dösen, schlafen… Einsatz! Der Bereitschaftsdienst ist faktisch Arbeitszeit. Der Assistenzarzt beginnt ihn regulär nach der Tagesarbeitszeit und beendet ihn meistens mit der Übergabe am nächsten Morgen. Wie verbringt er nun diesen zusätzlichen Dienst? Übrig gebliebene Stationsarbeit wird erledigt, Briefe werden diktiert oder der Assistent zieht sich in das Dienstzimmer zurück (schließlich hat er schon einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich) und sieht fern, wartet, döst, schläft ein… bis der Pieper anspringt und ihn zum Einsatz ruft. Was ihn dort erwartet, variiert von Fachgebiet zu Fachgebiet und von Dienst zu Dienst. Eines ist jedoch sicher: Auch wenn er etwas Schlaf finden sollte, ist der Arzt im Bereitschaftsdienst immer mit einem Ohr wach und lauscht, ob sich der Pieper meldet. Ist das Ruhezeit?

IRGENDWANN KOMMT DER ENTSCHLUSS, DIE ARBEIT ZU HAUSE ZU ERLEDIGEN Arbeit mit nach Hause nehmen – was sich der Laie da in Bezug auf einen Arzt vorstellen mag, kann zum Schmunzeln verleiten. Dass dieses in der Realität aber durchaus vorkommt, macht eher traurig. Oft hat man es nicht geschafft, das Pensum an Briefen zu diktieren, die aber allesamt wichtig sind, den Reha-Antrag auszufüllen oder das Gutachten zu schreiben. Irgendwann kommt der Entschluss, diese Arbeit nach dem Dienst zu Hause zu erledigen. Ebenso müssen Dienstpläne erstellt, Fortbildungen vorbereitet und Richt linien ausgear-

Jede Menge Papierkrieg Beantragung der Approbation von Trojan Urban

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uch die Abergläubischen sollten aus Zeitgründen bereits kurz vor dem Dritten Staatsexamen den Antrag für die Approbation stellen. In der Regel ist es derselbe Bereich des Landesverwaltungsamtes, dem auch das Landesprüfungsamt unterstellt ist. Die Stellung eines formlosen Antrags genügt, manchmal wird eine Vorlage schon mit der Zulassung zum Dritten Staatsexamen zugeschickt. Zu den erforderlichen Dokumenten zählt die Geburtsurkunde (liegt sie dem LPA bereits vor, kann darauf verzichtet werden), eine beglaubigte Kopie des Personalausweises oder Reisepasses, ein Führungszeugnis der „Belegart O“, das 13 Euro kostet und vom ausstellenden Einwohnermeldeamt direkt an die Behörde geschickt wird (Adresse vorher raussuchen!) sowie eine Erklärung über Straffreiheit an Eides Statt. Zuletzt muss der Antragsteller noch eine Bescheinigung beilegen, die seine gesundheitliche Eignung (Suchtfreiheit, keine schweren körperlichen und geistigen Schäden) für den Arztberuf versichert. Diese Versicherung ausstellen kann jeder approbierte Arzt, der einen Stempel besitzt, sei es der Hausarzt, der Stationsarzt oder ein bereits approbierter Ex-Kommilitone. Je nach Bundesland kostet die Approbation 80 bis 200 Euro. Dann bekommt man per Post einen Großbrief zugeschickt, der die staatliche Berufserlaubnis als Arzt enthält. Ein großer Augenblick! Aber weiter geht es im Papierkrieg: Jeder Arzt muss Mitglied in der Ärztekammer des Bundeslandes werden, in dem

er seinen Erstwohnsitz hat. Nach einem Anruf erhält man die Meldeunterlagen, die auszufüllen und zurückzuschicken sind. Auf Antrag erhält man auch einen Arztausweis, für den man ein Passfoto beilegen muss.

Stationsarbeit ist immer Bestandteil Eine Stellung gefunden? Glückwunsch! Es winkt der Arbeitsvertrag und mit ihm – wieder einige Formalia. Im Arbeitsvertrag werden Aufgaben, Rechte und Pflichten des Arbeitnehmers festgelegt. Der individuelle Tätigkeitsbereich wird umrissen, die Arbeitszeit wird festgelegt, Gehaltsbezüge angegeben und eventuell die Laufzeit genannt. Es gibt Arbeitsverträge, die befristet sind; das Arbeitsverhältnis endet dann automatisch zum angegebenen Zeitpunkt, wenn man sich nicht vorher um eine Verlängerung bemüht. Je nach Klinikträger kann die Entlohnung unterschiedlich ausfallen. Im öffentlichen Dienst, das trifft für die meisten Krankenhäuser und Unikliniken zu, wird nach BAT bezahlt; bei kirchlicher Trägerschaft gilt der Kirchentarif AVR, der dem BAT sehr

Nach der Approbation ist vor dem Arbeitsbeginn Tipps für die Zeit dazwischen von Trojan Urban

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beitet werden. Diese Dinge gehören zum ausgewiesenen Arbeitspensum eines Arztes, und kommt er erst daheim dazu, so erhält er für die zusätzliche Arbeitszeit bisher weder Bezahlung noch Überstundenausgleich. Nichts Genaues weiß man nicht: Welche Arbeitszeitmodelle sich in der Zukunft schließlich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Bis dahin dürften Ausnahme-, Sonder- und Übergangsregelungen in vielen Kliniken in Deutschland an der Tagesordnung sein. Die ersten Schritte sind gemacht: Jetzt heißt es abwarten!

Der Papierkrieg beginnt nicht erst im Patientenarchiv – Bild: www.istockphoto.com

wischen der Erlangung der Approbation und dem Arbeitsbeginn verbleibt oftmals eine mehr oder weniger große Zeitspanne. Diese bringt auch eine Lücke im persönlichen Haushalt mit sich: Die Vergünstigungen, die man als Student genießen durfte, entfallen jetzt, BAföG und Kindergeld sind ausgelaufen. Wie kann man diese Übergangsphase finanziell überbrücken?

Der Gang zur größten Agentur Deutschlands Jede erwerbsfähige, in Deutschland lebende Person hat bei Mittellosigkeit den Anspruch auf „Hilfe zum Lebensunterhalt“. Was bis zum 31.12.2004 als „Sozialhilfe“ bezeichnet wurde, ist nun zusammen mit der so genannten Arbeitslosenhilfe in das „Arbeitslosengeld II“ aufgegangen, bekanntlich „Hartz IV“ genannt. Der Antrag kann bei den jeweiligen Anlaufstellen der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden. Ihm sind zahlreiche Nachweise beizufügen (Mietvertrag, Nebenkostennachweis, Kontoauszüge etc.). Nach Prüfung

wird dann bei Bedürftigkeit die Zahlung von Arbeitslosengeld II gewährt. Der Empfänger erhält rund 340 EUR zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes, die Miete wird ebenfalls übernommen. Kosten für Strom und Telefon sind jedoch in der Regel vom Empfänger selbst zu tragen. Auch bei der Stellensuche hilft die Arbeitsagentur. Dann hat man auch Anspruch auf Kostenübernahme für die Fahrt zu Vorstellungsgesprächen. Ebenso werden Bewerbungskosten für Fotos, Mappen, Kopien und Porto auf Antrag erstattet; hierzu sind sämtliche Quittungen vorzulegen.

Kreditprogramme für Mediziner Eine Alternative ist die Studienfinanzierung der Deutschen Apothekerund Ärztebank. Sie bietet für Studenten in der Vorbereitungsphase auf das 2. Staatsexamen und im PJ sowie für die Phase danach bis zum 3. Staatsexamen kostengünstige Kreditprogramme an. Man erhält während des ersten halben Jahres monatlich 300 Euro und kann diesen Betrag auf bis zu 700 Euro während des PJ aufstocken. Dazu muss der Student im

ähnlich ist. Private Träger bezahlen meistens übertariflich. Zuletzt wird oft eine Einstellungsuntersuchung beim Betriebsarzt gefordert. Das kennt man schon vom PJ: Impfungen werden aufgefrischt und eine körperliche Untersuchung samt Anamnese und Bluttest wird durchgeführt. Dann sollte es endlich losgehen mit der Arbeit. Aber vielleicht hält der jeweilige Arbeitgeber ja noch ein uns unbekanntes Formular für euch parat...

Weitere Informationen: Zahlreiche weitere Informationen für den Start als Arzt in den Berufsalltag und die Weiterbildungszeit in der Klinik findet ihr online auf den Seiten von MEDI-LEARN. Neben Artikeln rund um den Berufsstart findet ihr auch Interviews mit Ärzten, die über ihre eigenen Erfahrungen berichten und wertvolle Tipps geben. Der neue Bereich ist unter der folgenden URL zu finden: www.medi-learn.de/arzt

PJ Mitglied einer der Ärtzevereinigungen sein (z. B. Hartmannbund). Sicherheiten werden nicht verlangt; auch die Höhe des BAföG-Satzes bleibt davon unbeeinflusst. Man muss sich jedoch verpflichten, eine Zeit lang sein Gehaltskonto bei der Apotheker- und Ärztebank zu führen. Übrigens: Je nach Einzelfall kann die Bank nach dem 3. Staatsexamen noch einen weiteren Kredit gewähren.

Tipps zur Rentenbefreiung Der Rententräger der Ärzteschaft ist das „Ärztliche Versorgungswerk“. Nach der Pflichtanmeldung bei der Ärztekammer wird jeder Arzt hier automatisch Mitglied. Zum Schutz des Berufsanfängers besteht die Möglichkeit, sich in der Phase zwischen Approbation und Arbeitsbeginn von den zu leistenden Beitragszahlungen befreien zu lassen. Wenn der Befreite unter 45 Jahre alt ist, wird er auf Antrag im Anschluss an diese Zeit wieder aufgenommen; vergeht zwischen Befreiung und Antrag zur Wiederaufnahme mehr als ein halbes Jahr, kann eine ärztliche Untersuchung gefordert werden, deren Kosten man selbst zu tragen hat. Beim Beitritt sollte man sich auch von der allgemeinen BfA-Rente befreien lassen (ist man nicht automatisch), denn das Ärztliche Versorgungswerk bietet eine weitaus gesichertere Rentenzahlung.


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Keine zweite Chance für ersten Eindruck! Hilfestellung für die Bewerbungen Fortsetzung von Seite 1

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ine Bewerbungsmappe setzt sich zusammen aus dem Anschreiben, dem Lebenslauf, einem Deckblatt sowie Zeugnissen und anderen Nachweisen. Das Anschreiben sollte eine DIN A4Seite nicht überschreiten. Der Text sollte darauf hinweisen, wie man auf die Klinik aufmerksam geworden ist und warum man sich als geeigneter Mitarbeiter für das Haus einschätzt.

Information ist alles! Fitmachen für den Start in die Karriere von Peter Dahlhausen

In einer kleinen Selbstdarstellung sollte der persönliche Werdegang dargelegt werden. Dabei sollte Wichtiges von Entbehrlichem getrennt werden, denn die Beschreibung des Profils dient, wie der Name schon sagt, dazu, sich zu profilieren. Alles, was für einen potenziellen Arbeitgeber interessant ist (z.B. Auslandsaufenthalte, eigene Forschungsschwerpunkte und außeruniversitäre

dessen ist auch das Wissen über die Möglichkeiten und Bedingungen der Weiterbildung meist unzureichend.

JEDER WEITERBILDUNGSSCHRITT IST ZU DOKUMENTIEREN UND

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indestens sechs Jahre lang hat man sich durch die universitäre Ausbildung gearbeitet und sich doch eigentlich etwas Ruhe vom Lernen verdient. Aber: Mit Pauken und Prüfungen ist noch lange nicht Schluss. Weiterbildung ist nun angesagt, und zwar mindestens 48 Monate oder mehr, abhängig von der gewählten Fachrichtung. Erst nach erfolgreich abgeschlossener Weiterbildung stehen die Türen zu einer Karriere im Krankenhaus oder in der eigenen Praxis offen.

Vorstellungen sind oft recht diffus Spätestens während des PJ stellt sich die Frage, welche Fachrichtung angestrebt werden soll. Für die nun bevorstehende Stellensuche ist sie von entscheidender Bedeutung: Wer in die Chirurgie möchte und langfristig an eine Krankenhauskarriere denkt, wird seine Bewerbungsstrategie ganz anders ausrichten als derjenige, der die Niederlassung als Kinderarzt anstrebt. Die Erfahrungen mit den einzelnen Fächern während der Ausbildung sind aber eher theoretischer Natur, von den Famulaturen und dem PJ selbst einmal abgesehen. So sind die Vorstellungen über die konkrete Tätigkeit als Arzt im entsprechenden Fachbereich bei vielen Studenten denn auch recht diffus. Infolge-

NACHZUWEISEN

Struktur, Inhalt und Umsetzung der Weiterbildung ist Sache der regionalen Landesärztekammern und wird in der jeweiligen Weiterbildungsordnung festgelegt. Diese orientieren sich an der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer, die als Richtschnur für die Umsetzung in den einzelnen LÄK gilt. Derzeit wird die Weiterbildung überwiegend nach der MWBO von 1992 praktiziert. Seit 2003 gibt es eine neue Ordnung, die sich derzeit in der Phase der Umsetzung in den einzelnen LÄKs befindet. Bei Stellenantritt ist also unbedingt zu klären, welche Weiterbildungsordnung aktuell gilt! Die MWBO von 2003 definiert: „Ziel der Weiterbildung ist der geregelte Erwerb festgelegter Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten, um nach Abschluss der Berufsausbildung besondere ärztliche Kompetenzen zu erlangen. Die Weiterbildung dient der Sicherung der Qualität ärztlicher Berufsausübung“. Was sich so plausibel anhört, entpuppt sich als ein 181 Seiten starkes Regelwerk, in dem die einzelnen Gebiete definiert, die genauen Weiterbildungszeiten aufgeführt und die Inhalte der Weiterbildung beschrieben werden. Jeder Schritt der Wei-

Aktivitäten, die auf Engagement hinweisen) findet hier seinen Platz. Auch der tabellarische Lebenslauf kann dazu dienen, eigene Vorzüge hervorzuheben. Neben den reinen Personalausweisdaten, dem schulischen und dem akademischen Werdegang sollte man Alleinstellungsmerkmale wie persönliche Interessengebiete und Zusatzkompetenzen aufführen. Gängiges wie Lesen, Schwimmen und Reiten, die Vorliebe für italienisches Essen oder die beliebten „Grundkenntnisse in MS Word“ gehören hier also nicht hinein. Keine Sorge: Jeder findet garantiert etwas, was nur er oder sie besonders gut kann! Das Deckblatt wird über den Zeugnissen und den Nachweisen eingeordnet; auf ihm werden die eigene Adresse und die des Klinikums platziert. Kleiner Tipp: Die Klinikumsadresse mit der Überschrift „Bewerbungsunterlagen für ...“ versehen und das Ganze in KAPITÄLCHEN schreiben – sieht toll aus. Schließlich wird das Bewerbungsfoto auf das Deckblatt geklebt. Die Zeugnisse und Nachweise werden chronologisch eingeordnet: Begonnen wird mit der zuletzt verliehenen Urkunde (z.B. Approbation), danach geht es zeitlich zurück bis zum Abizeugnis. Erst jetzt folgen

die Nachweise, beispielsweise über Famulaturen und das PJ. Allerdings sind diese Unterlagen nicht zwingend notwendig; wichtiger sind qualifizierte Arbeitszeugnisse, etwa über Tätigkeiten als Nachtwache oder als studentische Hilfskraft. Hier gilt: Alles, was im Lebenslauf oder im Anschreiben als Nebentätigkeit angegeben wird, muss unbedingt belegt werden! Das Ganze einpacken, am besten in einen Umschlag mit verstärktem Rücken, und ab die Post. Übrigens: Selbst eine schöne Briefmarke kann das Ihrige tun.

terbildung ist zu dokumentieren und als Nachweis für die Anmeldung zur abschließenden mündlichen Prüfung vorzulegen.

dizin bis zu zwölf Monate in einem Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie gutschreiben lassen. Diese so genannten „Anrechnungsfächer“ sind für den Einstieg in die Weiterbildung besonders interessant, denn sie erhöhen die Anzahl der möglichen Arbeitsstätten ganz erheblich.

Zeitspektrum von 48 bis 72 Monaten Die MWBO von 2003 sieht insgesamt 32 Gebiete vor, in denen Facharztkompetenzen erworben werden können. Überwiegend ist jeweils der Erwerb eines Facharzttitels pro Gebiet vorgesehen, zum Beispiel der Facharzt für Neurologie in der entsprechenden Disziplin. In den großen Gebieten Chirurgie, Innere Medizin und Allgemeinmedizin sowie in einigen kleineren Gebieten ist der Erwerb unterschiedlicher Facharztkompetenzen möglich, teilweise durch Bildung von Schwerpunkten.

ANRECHNUNGSFÄCHER SIND EINSTIEG BESONDERS

FÜR DEN

INTERESSANT

Zu den einzelnen Bereichen regelt die MWBO neben den Zielen und Inhalten vor allem die erforderliche Mindestweiterbildungszeit. Diese beträgt für viele Fächer 60 Monate, deckt aber ein Spektrum von 48 Monaten für Anatomie bis zu 72 Monaten für die chirurgischen Fächer ab. Es wird auch festgelegt, wie viele Monate der Weiterbildung gegebenenfalls bei niedergelassenen Ärzten abgeleistet werden können. Wichtig ist außerdem zu wissen, welche Zeiten sich auch auf andere Gebiete anrechnen lassen. So kann man sich beispielsweise auf die Weiterbildung in der Kinder- und Jugendme-

DER LUSTIGE ULI STEIN SCHLIPS BLEIBT IM SCHRANK Erfolgt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, gibt es ebenfalls einiges zu beachten. In punkto Kleidung kann Mann mit einem Anzug oder einer Kombination kaum etwas falsch machen; es sollte aber auf eine gedeckte Krawatte zurückgegriffen werden. Der Schlips mit dem lustigen Uli Stein-Motiv bleibt also im Schrank… Für die Damen gilt ebenso wie für die Herren: Was im Staatsexamen angemessen war, kann im Vorstellungsgespräch nicht verkehrt sein. Der Auftritt sollte bescheiden, nicht aber unterwürfig sein. Den Blickkontakt zum Gesprächspartner suchen und, wenn er spricht, regelmäßig „Rückmeldung“ z.B. durch Kopfnicken geben! So wird dem anderen bedeutet, dass er uneingeschränkte Aufmerksamkeit genießt. Natürlich sollten die nonverbalen Rückmeldungen nicht übertrieben werden.

Weiterbildung ist ein Karriereinstrument Natürlich sollte die persönliche Neigung bei der Wahl der Weiterbildung höchste Priorität haben. Dennoch müssen stets die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen der Fächerwahl berücksichtigt werden. Ausschlaggebend ist dabei sicher nicht nur das Angebot an Weiterbildungsstellen im Wunschfach: Die Festlegung in Hinblick auf eine mögliche Karriere in Krankenhaus oder Praxis ist ebenso zu durchdenken wie die Frage der Niederlassungsperspektiven in diesem Fach heute und in Zukunft. Zu prüfen ist, inwieweit sich demografische Entwicklungen (z.B. der Geburtenrückgang) auf die Berufsausübung auswirken, wie sich die Verdienstmöglichkeiten darstellen und durch welche Spezialisierungen ein zusätzliches Einkommen erzielt werden kann. Nicht zuletzt müssen Änderungen der Rahmenbedingungen (aktuelles Beispiel: Medizinische Versorgungszentren) im Auge behalten werden. Diese unterschiedlichen Aspekte sollten rechtzeitig einer individuellen Bewertung unterzogen werden, bevor es aufgrund der fortgeschrittenen Weiterbildung dafür vielleicht schon zu spät ist und ein Umsteuern zu aufwändig wird.

Fragen stellen können zeigt auch Interesse Besonders wichtig ist es, die Unterhaltung im Fluss zu halten. Ein Vorstellungsgespräch beginnt meistens mit etwas small talk (z.B. „Wie war Ihre Anreise?“ oder „Haben Sie leicht zu uns gefunden?“), worauf dem Bewerber dann einige Informationen über die Klinik und den Arbeitsplatz vermittelt werden. Doch bald schon muss Aktivität gezeigt werden: Man sollte vorbereitet sein, seine eigenen Stärken und Schwächen zu benennen und seine Berufsziele zu formulieren. Zudem sollte man Fragen stellen können. Oft kommt auch das wissenschaftliche Profil der Klinik zur Sprache, über welches man sich vorher ein wenig schlau machen sollte. Keine Sorge, Experte auf dem Gebiet muss man nicht sein! Ist die eigene Promotion in Arbeit oder bereits abgeschlossen, sollte man freilich in der Lage sein, das Wichtigste zu Versuchen und Ergebnissen wiedergeben zu können. Man sollte zwar gut vorbereitet sein, den Dingen aber gelassen entgegen sehen können. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Sollte nach dem Gespräch dennoch eine Absage erfolgen, sollte man das „Nein“ in keinem Fall persönlich nehmen. Beim nächsten Mal läuft es bestimmt besser! Übrigens: Die Anfahrtskosten zum Vorstellungsgespräch trägt die Klinik, wenn sie nicht ausdrücklich darauf hinweist, dass dies nicht möglich ist. Bitte auch daran denken, die Fahrkarte aufzuheben und im Sekretariat kopieren zu lassen! Viel Glück für die Bewerbungen!

Übrigens: Mit der erfolgreich abgeschlossenen Weiterbildung hört das Lernen immer noch nicht auf. In der Berufsordnung hat die Fortbildung der Ärzte nämlich ihren festen Platz. Die Politik hat diese Anweisung bereitwillig aufgegriffen und im Zuge des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) sogar eine Fortbildungspflicht daraus gemacht! Peter Dahlhausen Deutsche Ärzte Finanz Die neue Weiterbildungordnung von 2003 ist derzeit schon gültig in: Bayern, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen. (Stand 01.05.05)

Weitere Informationen: Die komplette MWBO 2003 gibt es als pdf-Datei zum Download unter www.medi-learn.de/mlz244 Mit dem Online-Weiterbildungsplaner unter www.weiterbildungsplaner.de bietet die Deutsche Ärzte-Versicherung interessierten Studenten und Berufsanfängern ein interaktives Tool rund um die Weiterbildung, mit dem man sich „auf einen Klick“ über den besten Weg zu seinem Lieblingsfach informieren kann – und dies sowohl nach der „alten“ MWBO von 1992 als auch nach der „neuen“ Ordnung von 2003. Wer seine Facharztausbildung planen möchte, sollte auf jeden Fall vorbeischauen.


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Surftipps

Praxiseinblicke Wer in der Unfallchirurgie famulieren oder arbeiten möchte, sollte die Prinzipien und Methoden der operativen Knochenfixierung verstehen. Agnieszka Wolf verschafft Famulanten, PJlern und jungen Ärzten einen Praxiseinblick in den Ablauf einer unfallchirurgischen Operation und stellt die Prinzipien der Knochenfixierung dar. www.medi-learn.de/ST0007

PathoBasiliensis Dahinter verbirgt sich eine frei zugängliche Online-Lernumgebung für Studierende der Medizin, Ärztinnen und Ärzte sowie interessierte Laien, erstellt von Dr. med. Katharina Glatz-Krieger und Herrn Dr. Dieter Glatz (Institut für Pathologie, Uni Basel). Das Angebot setzt sich aus Online-Lernmodulen sowie Tools zur Selbstevaluation zusammen, die alle Gebiete der Pathologie wie Autopsie, Makroskopie, Histologie und Zytologie abdecken. www.medi-learn.de/ST0008

Staatsexamen CH Diese Webseite ist eine Informations-Plattform von Studierenden für Studierende an der Uni Zürich. Im Unterpunkt Skripte sind von den Professoren die wichtigsten Prüfungsinhalte für die klinischen Staatsexamina zusammengefasst. Die Infos könnt ihr euch auch als pdf-Dokumente downloaden.

Interview mit praktizierenden Ärzten Eine intellektuelle Herausforderung! Name: Dr. med. Andreas Jerrentrup Studienort: Marburg Studium: März 1990 – November 1996 Facharztrichtung: Internist Alter: 36 Jahre

I

n der Reihe „Interview mit Ärzten“ veröffentlichen wir an dieser Stelle das Gespräch mit Herrn Dr. med. Andreas Jerrentrup, der unseren kleinen Fragenkatalog freundlicherweise beantwortet hat. Beschreibe bitte kurz Deinen Werdegang (Studienverlauf etc.). Welche Höhepunkte und welche Tiefpunkte gab es im Medizinstudium? Das Studium habe ich direkt nach meinem Zivildienst begonnen, Physikum habe ich nach dem 4. Semester gemacht. Das 1. Staatsexamen kam nach dem 6. Semester, das 2. Staatsexamen nach dem 11. Semester, nachdem ich mir ein Semester Auszeit zum Lernen genommen hatte. Im Anschluss daran habe ich das PJ absolviert. Zwischenzeitlich habe ich natürlich diverse Famulaturen gemacht, zum Teil im Ausland. Im siebten Semester habe ich mit einer experimentellen Doktorarbeit

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zwai Aus ains (Anästhesie-Intensivmedizin-Notfallmedizin-Schmerztherapie) mach zwai: Der Kooperationspartner von MEDI-LEARN www.zwai.net betreibt unter Federführung von Hanno H. Endres und Holger Beuse ein Webportal zum Bereich Anästhesie- und Intensivpflege, das auch für Medizinstudenten mehr als einen Besuch wert ist. Ihr findet hier Buchvorstellungen und Fachartikel aus dem Bereich Anästhesie- und Intensivpflege und nicht zuletzt eine ordentliche Portion schreiberischen Humors unserer Kollegen aus Münster. Der Besuch der Webseite lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht. www.zwai.net

Was hast Du am Tag Deines 3. Stex gemacht, nachdem Du die Prüfung hinter Dir und damit das Medizinstudium abgeschlossen hattest? Mit den anderen Prüflingen richtig gefeiert und ausgelassen das Examen begossen!

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Kurzlehrbuch Pointenkunde Vor dem Hintergrund der mittlerweile fast unüberschaubaren Witzfülle ist es für eine effektive Partyvorbereitung absolut unerlässlich, eine am Besucherkreis orientierte Witzauswahl zu treffen. Hierfür hat Rippenspreizer die Partys und medizinischen Aufenthaltsräume der letzten zehn Jahre analysiert und ausgerechnet die Witze extrahiert, die immer wieder erzählt werden. Diese Sammlung ist exakt am Pointenkatalog (PK1 bis PK3) orientiert.

in der Inneren Medizin begonnen. Was die Tiefpunkte betrifft: Da erinnere ich mich an die demotivierenden, weil teilweise sehr theoretischen und praxisfernen Momente in den ersten sechs Semestern und die völlige Fehleinschätzung des Zeitbedarfs einer experimentellen Doktorarbeit: Statt anderthalb Jahren, quasi neben dem Studium, hat es letztendlich fünf Jahre gedauert. Die Höhepunkte waren für mich die Freiheiten des Studierens, die letzten 4 klinischen Semester mit zum Teil exzellenten Kursen und das PJ, besonders die Tertiale Anästhesie und Innere Medizin.

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Mit welcher Motivation hast Du Dich entschieden, Medizin zu studieren? Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Physik studieren. Die Motivation für das Medizinstudium hat sich erst durch den Zivildienst im Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes ergeben. Wie bewertest Du die Motivation rückblickend? Heute mache ich genau das, was ich mir damals für die Zukunft vorgestellt habe. Ich arbeite in einer Klinik schwerpunktmäßig in der internistischen Intensivmedizin und gleichzeitig als Notarzt auf einem von der Klinik besetzten NEF (Notarzteinsatzfahrzeug). Rückblickend war die Entscheidung, Medizin zu studieren, genau richtig! Wie sieht der Alltag als Arzt für Dich heute aus? Was macht Dir am meisten Spaß? Was am wenigsten? Der Alltag ist durchaus anspruchsvoll und dabei sehr abwechslungsreich – einer der großen Vorteile der Medizin. Neben der eigentlichen Stationsarbeit bin ich in die Funktionsdiagnostik eingebunden (an einem Tag Endoskopie, am nächsten Ultraschall, dann Ergometrien, Lungenfunktionsuntersuchungen usw.). Dazu springt man immer wieder tageweise in die Notaufnahme oder in den Notarztdienst. So ist kein Tag wie der andere, man macht jeden Tag immer noch neue Erfahrungen. Die Arbeit mit den Patienten und die ständige intellektuelle Herausforderung, denn kein Patient ist wie der andere, selten sind die Symptome einer Krankheit bei zwei Menschen wirklich gleich, die Diagnostik und Therapiemöglichkeiten werden immer weiter entwickelt. Das ist es, was die Medizin für mich ausmacht – und was auch unglaublichen Spaß macht.

Infarkt-Risiko bei Frauen Neue Studienergebnisse von Prof. Dr. Eckart, Chr. Limberg

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isikofaktor Geschlecht: Die Chance, einen akuten Herzinfarkt zu überleben, ist für Männer deutlich besser als für Frauen, berichten Experten beim Deutschen Kardiologenkongress in Mannheim. Das dürfte allerdings weniger medizinische Gründe haben als gesellschaftliche. Weil das Herzinfarktrisiko von Frauen noch immer unterschätzt wird, werden sie später und weniger intensiv behandelt als Männer. Das Risiko, einen akuten Herzinfarkt und die Reanimation vor Einlieferung in ein Krankenhaus nicht zu überleben, ist für Frauen um ein Drittel höher als für Männer. Das ist das Ergebnis einer Studie von Dr. Birgit Frilling aus Ludwigshafen. „Kardio-vaskuläre Erkrankungen sind die Haupttodesursache von Frauen, ihr Risiko für solche Erkrankungen wird jedoch noch immer sowohl von den Frauen selbst als auch von den behandelnden Ärzten unterschätzt“, sagt Dr. Frilling. Diese Tatsache hat auch massive Auswirkungen auf ihre Überlebenschancen bei einem aku-

Am wenigsten Spaß machen naturgemäß die patientenfernen reinen Verwaltungstätigkeiten (DRG-Kodierung, Beantwortung von Anfragen der Krankenkassen, der Verwaltung etc.). Zum Glück sinkt langsam der Zeitaufwand für solche Tätigkeiten, da unter dem Druck der DRG-Abrechnung die Krankenhaus-EDV tatsächlich verbessert wird und dadurch etwas Arbeitserleichterung bietet. Welche Tipps würdest Du Studenten, die jetzt vor der Entscheidung stehen, Medizin zu studieren, mit auf den Weg geben? Der Beruf „Arzt“ ist ganz klar immer noch (m)ein Traumberuf. Die Chancen für den ärztlichen Nachwuchs stehen in den nächsten Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach sehr gut, so dass man sich um eine Arbeitsstelle eher wenig Sorgen machen muss. Aber auch das Studium kann man so planen und gestalten, dass man für den zukünftigen Chef richtig interessant wird: Gerne gesehen werden neben einem kurzen Studium Aufenthalte im Ausland (Auslandsfamulaturen, Auslandssemester, PJ-Tertial im Ausland). Solide Englischkenntnisse sind mittlerweile fast ein Muss, zumal die ganz aktuelle Fachliteratur für Kliniker praktisch nur noch in Englisch zur Verfügung steht. EDVGrundkenntnisse werden ebenfalls erwartet. Falls man sich schon während des Studiums auf eine Fachrichtung festlegt, ist es günstig, in dieser seine Doktorarbeit zu schreiben. Engagierte Doktoranden werden insbesondere in den forschenden Kliniken und Abteilungen gerne nach dem Studium übernommen! Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Von dem Buch „Greten, Innere Medizin“ verlosen wir unter allen Teilnehmern drei Exemplare – einfach Namen eintragen und schon bist Du dabei: www.medi-learn.de/gw435

ten Herzinfarkt. Dr. Frilling und ihr Team hatten in ihrer Untersuchung den Krankheitsverlauf von knapp 1.000 Herzinfarktpatienten untersucht, ein Viertel davon Frauen. Der Vergleich ergab zahlreiche Geschlechterunterschiede: Die so genannte Prähospitalzeit – also die Zeitspanne zwischen Auftreten des Herzinfarkts und Einlieferung in ein Krankenhaus, die für die Überlebenschancen bei einem Infarkt entscheidend ist – war bei Frauen deutlich länger als bei Männern, nämlich 90 Minuten versus 76 Minuten. Ein anderer entscheidender Unterschied: Frauen bekamen seltener eine akute Reperfusionstherapie als Männer (71,3 Prozent versus 77,4 Prozent). Das alles hat dramatische Folgen für die Frauen: „Sie haben eine um ein Drittel höhere Mortalität als Männer“, fasst Dr. Frilling zusammen. „Effektive und wiederholte Aufklärungsmaßnahmen sind notwendig, um das Bewusstsein von Frauen für ihre Gefährdung zu schärfen sowie ihre medizinische Versorgung im Rahmen des akuten Myokardinfarktes zu verbessern“, fordert die Ludwigshafener Herzspezialistin. Weitere Infos: http://www.dgk.org Quelle: http://www.idw-online.de


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Wasserfälle wie aus der Duschgelwerbung

kurz notiert

Drinks per Oberarm bezahlen

PJ-Tertial auf Guadeloupe von Antonia Huneus

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in Tertial Kinderheilkunde im Kreise netter Kollegen zu absolvieren, dabei vieles zu lernen, das eingerostete Französisch aufzufrischen und sich nach getaner Arbeit noch an einen reisekatalogstauglichen Karibikstrand zu legen – was spricht eigentlich dagegen? Von Anfang August bis Ende November 2004 absolvierte ich ein Tertial meines Praktischen Jahres auf Guadeloupe. Die Insel verfügt über ein Universitätskrankenhaus mit zirca 990 Betten und 37 Abteilungen von Anästhesie bis Zahnheilkunde. Grundsätzlich ist ein „externat“ in jeder Abteilung möglich, und da Guadeloupe zu den Départements d´Outre-Mer (DOM) gehört, also französisches Staatsgebiet ist, bekommt man relativ leicht eine Anerkennung des Landesprüfungsamtes. Theoretisch bestehen dieselben Standards, Maßstäbe und Vorgehensweisen wie im Mutterland Frankreich, praktisch ist jedoch alles mit einer Prise Antillen-Charme gewürzt: So gibt es mal zwei Wochen lang keine CRP-Bestimmung, weil Reagenzien ausgegangen sind, hin und wieder fallen die Operationen eines Tages aus, weil es nicht genug Anästhesisten gibt, dann können keine CT-Bilder mehr gemacht werden, weil der Hafen bestreikt wird und das Material fehlt.

tion, die man während eines Tertials alle besuchen kann. Die Arbeit in der Notaufnahme gestaltet sich mit allerlei Husten, Schnupfen und kleinen Wehwehchen relativ unspektakulär, ist aber eine gute Gelegenheit, eine zielgerichtete Anamnese und die Untersuchung von Kindern aller Altersklassen einzuüben. Als sehr angenehm empfand ich, dass es überall möglich ist, so viel Verantwortung zu übernehmen, wie man möchte: Man darf Kinder untersuchen, die Visite selbst durchführen, Medikamente anordnen und natürlich Arztbriefe schreiben. Letzteres ist jedoch mit den Gepflogenheiten in Deutschland nicht zu vergleichen, da der durchschnittliche Arztbrief aus wenigen handgeschriebenen Sätzen besteht und sich in maximal zehn Minuten sogar von einer Deutschen fertig stellen lässt, die mühsam nach den passenden Begriffen sucht. Die Krankheitsbilder, die man zu Gesicht bekommt, sind eine interessante Mischung aus dem, was auch bei uns häufig ist, wie Gastroenteritis, Asthma, Bronchitis und Diabetes und aus Europäern etwas weniger geläufigen Diagnosen wie Sichelzellanämie, HIV, TBC, Parasitenbefall und Fehlernährung. Diese sind teils durch das tropische Klima und die genetische Struktur der Bevölkerung überwiegend schwarzafrikanischer

Überall darf Verantwortung übernommen werden Die Ausbildung in der Kinderheilkunde war jedoch durchgehend gut. Besonders mit den „internes“ (Jungassistenzärzte) entwickelte sich eine enge freundschaftliche Zusammenarbeit. Es gibt neben der pädiatrischen Notaufnahme zwei Normalstationen für Kinder ab einem Monat sowie die Neugeborenen- und die Intensivsta-

Händlerin auf einem Inselmarkt

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Peter Artz, Peter Wollny, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf Layout & Graphik: Stephanie Landskron Berichte: Anne Seyffarth, Dirk Watermann, Benjamin Geisler, Antonia Huneus, Martin Warnke, Daniel Lüdeling, Peter Dahlhausen, Dr. med. Andreas Jerrentrup, Meike Jungen, Christoph Geier, Christian Klein Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de - Es gilt die Anzeigenpreisliste 01/2005. Bildnachweis: Photocase.de, istockphoto.com, Artikelautoren, Kuhnigk, idw Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de. Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluß ist am 30. September 2005. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und in der nächsten Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Strand auf Guadeloupe – Bilder: Antonia Huneus

Herkunft bedingt, teils durch die Nähe zu ärmeren Ländern wie Haiti oder Dominica.

ANAMNESE AUF KREOLISCH: TI-MOUN-LA KA FÉ KAKA? Y KA VOMI? Nach einer ein- bis zweiwöchigen Eingewöhnungsphase wurde auch die sprachliche Barriere zunehmend geringer, so dass ich immer produktiver im Stationsbetrieb mitarbeiten konnte. Gegen Ende kannte ich dann sogar die Schlüsselsätze für die Anamneseerhebung in den Urgences auf Kreolisch: Ti-mounla ka fé kaka? (Hatte das Kind Stuhlgang?) und Y ka vomi? (Hat das Kind erbrochen?).

Langweilig wird es garantiert nicht Von einem französischen „externe“ wird grundsätzlich nur halbtägige Anwesenheit erwartet, so dass ich nachmittags schon mal mit einem Kopfschütteln gefragt wurde, warum ich denn immer noch da sei. So entwickelte man also auch kein schlechtes Gewissen, wenn man sich hin und wieder einen Nachmittag frei nahm, um die Insel zu erkunden. Und das lohnt sich wirklich! Neben den sich wie selbstverständlich aneinander reihenden Traumstränden, die zum Faulenzen, Baden und zum Wassersport einladen, gibt es einen aktiven Vulkan zum Ersteigen, einen zum Wandern animierenden tropischen Regenwald mit Flüssen und Wasserfällen wie aus der Duschgelwerbung, wunderschöne Parks und Gärten, Ausfahrten zum Wale- und Delphine-Beobachten und und und. Langweilig wird es garantiert nicht! Nicht zu toppen sind Erlebnisse wie jenes: Nach stundenlangem Marsch durch den Urwald, quer durch Flussbetten, bis über die Knöchel im Matsch versinkend und in bester Indiana-Jones-Manier über steile Felstreppen von Baumwurzel zu Baumwurzel kletternd, endlich vor einem Wasserfall zu stehen, der direkt aus den Wolken zu stürzen scheint.

Die Formalia sind überschaubar Nach all diesen Schwärmereien für die Schönheit der Insel noch einige praktische Informationen. Eine frühzeitige Bewerbung ist ratsam. Ich habe mich ein Jahr im Voraus angemeldet. Einreiseformalitäten (Visum etc.) entfallen, da Guadeloupe politisch zur EU gehört. Das Krankenhaus verlangt eine Studienbescheinigung/Kopie des Stammblattes, die Bescheinigung über eine zivile Haftpflichtversiche-

rung, idealerweise auf Englisch oder gar Französisch verfasst sowie eine Einverständniserklärung der eigenen Fakultät. Während des Aufenthaltes kann man im Internat direkt neben dem Krankenhaus wohnen, muss das Zimmer ab dem zweiten Monat allerdings bezahlen. Die Höhe der Miete hängt etwas vom Diensthabenden an der Kasse ab (!), ist in der Regel jedoch niedriger als angekündigt. Die Verhandlungen mit den Services Economiques für das Zimmer können ausgesprochen zäh verlaufen. Nicht den Mut verlieren, irgendwie regelt sich immer alles! Essen und Kittel werden kostenlos zur Verfügung gestellt.

FAHRRADFAHREN GUADELOUPE LEBENSGEFÄHRLICH!

IST AUF

Für hinreichende Mobilität während des Aufenthaltes auf der Insel ist ein Mietauto definitiv notwendig, da die Busse an Wochenenden nur sehr eingeschränkt und abends gar nicht verkehren. Achtung: Fahrradfahren ist auf Guadeloupe lebensgefährlich! Ein Auto in landesüblicher Qualität ist aber schon ab zweihundert Euro im Monat zu haben. Die Nummer des Vermieters kennt jeder im Internat. Ich hoffe, euch mit diesem Bericht eine Famulatur auf Guadeloupe schmackhaft gemacht zu haben. Ich kann nur sagen, dass meine Zeit in Guadeloupe unvergesslich war, ich sie auf keinen Fall missen möchte und ich jedem einen ähnlichen Aufenthalt wärmstens empfehlen kann. Zum Abschluss noch die drei überlebenswichtigen kreolischen Worte, die man innerhalb der ersten zwei Minuten nach der Ankunft am Flughafen lernt: Pa ni pwoblèm – Kein Problem!

Weitere Informationen: Die Adresse der Uniklinik ist in der Liste der zugelassenen Krankenhäuser des LPA Nordrhein-Westfalen zu finden und lautet: Direction des Affaires Médicales Centre Hospitalier Universitaire de Pointe-à-Pitre/Abymes 97159 Pointe-à-Pitre cedex Guadeloupe Weitere Informationen über das Krankenhaus gibt es auf der Homepage www.chu-guadeloupe.fr Das Tagesgeschehen, den Wetterbericht (inklusive Hurricane-Warnungen), das Kinoprogramm und andere nützliche Infos gibt es auf www.maximini.com

Das lohnt sich: 1.000 Euro bezahlen, für 1.500 Euro trinken. Was die Stammgäste der Diskotheken-Kette „Baja Beach Club“ in Rotterdam und in Barcelona für diesen Rabatt tun müssen? Sich einen Chip in den Oberarm spritzen lassen, über den abgerechnet wird! Die Clubs veranstalten so genannte „Implantation Nights“, auf denen medizinisches Fachpersonal die „VIP-Chips“ subkutan implantiert. Die glasverkapselten Chips der US-Firma Applied Digital Solution sind reiskorngroß, neben ihrer Bezahlfunktion dienen sie auch als Identifikationsmittel. In Südafrika werden sie seit längerem für den Zugang zu Bürogebäuden eingesetzt. Deutsche Datenschützer dürften aufheulen: Eine Kölner Disco hat bereits Interesse bekundet.

Hamburg: Wieder Examenshefte einbehalten Wie schon vor zwei Jahren sind in Hamburg die Examenshefte nach dem Physikum nicht herausgegeben worden. Hatten Proteste von Studenten nach der damaligen Einbehaltung zunächst eine Rückgängigmachung in den Folgeexamina bewirkt, durften die Prüflinge des Physikums in diesem Frühjahr die Hefte wiederum nicht mit nach Hause nehmen. Einige Hamburger Studenten, die ungenannt bleiben möchten, waren so freundlich, MEDI-LEARN ein Interview zu geben. Ihr findet es online unter: www.medi-learn.de/hh-physikum

Sportlerin des Jahres ist Medizinstudentin Völlig überrascht über ihre Wahl zu Hamburgs Sportlerin des Jahres war die Medizinstudentin Johanna Rönfeldt. Die U-23-Vizeweltmeisterin im Rudern, die zur Zeit der Verleihung mitten im Prüfungsstress steckte, wollte eigentlich gar nicht zu der Veranstaltung kommen. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich gewählt werde“, verriet sie den rund 250 anwesenden Sportlern, Trainern und Funktionären im Großen Festsaal des Rathauses und versuchte dann amüsiert, dem Auditorium den Unterschied zwischen Riemen und Skulls zu erklären. Nominiert für den Titel waren neun Frauen, allesamt Olympiateilnehmerinnen und WM-Medaillengewinnerinnen.

Gewinnspiel-Kompass Ohne Quiz wäre Fernsehen langweilig. Warum? Nun, meist weil es dort etwas zu gewinnen gibt. Auch bei MEDI-LEARN hat die Glücksfee von Zeit zu Zeit alle Hände voll zu tun. Wir bieten euch im Gewinnspiel-Kompass eine Landkarte aktuell laufender Gewinnspiele auf unseren Webseiten. Es gibt u.a. Sachbücher, Premium-Mitgliedschaften für Rippenspreizer und von Zeit zu Zeit auch Reisen an lohnenswerte Orte zu gewinnen. Mehr Infos unter: www.medi-learn.de/kompass


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Buchtipps

Notfälle in der Tasche Wer kennt nicht das mulmige Gefühl vor dem ersten Dienst in der chirurgischen Notaufnahme! Oft erfordert die Versorgung von Notfällen das Treffen von Entscheidungen unter zeitlichem Druck. Aus diesem Grund ist das Konzept des „Notfall pocket“ dahingehend angelegt, in wenigen Minuten die wichtigsten Informationen für die Versorgung der häufigsten chirurgischen Notfälle zu liefern. Das pocket bietet die wichtigsten Informationen auf einen Blick und stets griffbereit durch sein handliches Format.

Lehrbücher im Test:

Kurzlehrbuch Physiologie von Hick von Meike Jungen, 2. Semester in Hannover Tabellen und Schemazeichnungen zum besseren Verständnis ergänzt. Das Buch ist aufgeteilt in Allgemeine Physiologie, Zellphysiologie, Neurophysiologie und Reproduktionsphysiologie.

Zielgruppe

Chirurgische Notfälle pocket Kiesewalter, Braun Börm Bruckmeier Verlag – 14,80 EUR ISBN: 3898622282

Quer durch die Klinik Ausgehend von typischen klinischen Grundsituationen erläutert das Buch „Klinische Pharmakologie“ pharmakotherapeutische Vorgehensweisen. Die am häufigsten anzutreffenden Erkrankungen zahlreicher medizinischer Fachbereiche sind berücksichtigt. Durch seinen breit gefächerten thematischen Ansatz besitzt das Buch einen hohen Nutzwert für den gesamten klinischen Studienabschnitt und ebenso für die ärztliche Tätigkeit.

Titel: Kurzlehrbuch Physiologie Autoren: Christian und Astrid Hick Verlag: Urban&Fischer

Das Kurzlehrbuch Physiologie eignet sich in erster Linie für Studenten des vorklinischen Studienabschnittes, insbesondere zur Praktikums- und Physikumsvorbereitung. Im Gegensatz zu umfangreicheren Werken, aus denen die Themen mühsam herausgearbeitet werden müssen, liegen die Fakten mit diesem Werk in komprimierter Form vor. So lassen sich verschiedene physiologische Sachverhalte schnell nachschlagen oder auffrischen – durchaus auch während der Arbeit in der Klinik.

ISBN: 3-43-741891-2 Preis: 29,95 EUR

Kurzbeschreibung Das Kurzlehrbuch von Christian und Astrid Hick dient der schnellen und effektiven Vermittlung wichtiger klinischer Bezüge und des prüfungsrelevanten Basiswissens in der Physiologie. Der Lerntext wurde durch

Inhalt Auf 452 Seiten vermittelt der Hick ein Wissen, dass im Wesentlichen dem IMPP-Katalog angepasst wurde. Der klar strukturierte Inhalt wurde durch vereinfachte und übersichtliche Zeichnungen gelungen ergänzt. Durch die kurzen klinischen Bezüge wird der Stoff selbst für Physiologiemuffel interessant.

Als Kompendium ist der Hick meiner Meinung nach weniger geeignet, da er einige Lücken aufweist. Die vereinfachte und kurze Darstellung des Stoffs und das Fehlen eingehender Erklärungen vermitteln bisweilen den Eindruck von Oberflächlichkeit, so dass man sich hin und wieder einen etwas tieferen Einstieg in die Materie wünscht. Zum Auswendiglernen eignet er sich bestens, dazu tragen auch seine übersichtlichen Tabellen und die grün hinterlegten Merksätze bei. Vor allem die vereinfachten Schemazeichnungen lassen sich gut ins Gedächtnis einspeichern. Weiterer Bonus: Auf besonders prüfungsrelevante Fragen wird durch Textmarkierungen hingewiesen, spezielle Merk-Kästchen dienen der schnellen Einprägung.

Aufbau Das Buch ist mit einem gut aufgeschlüsselten Inhaltsverzeichnis versehen, das nach Fachthemen wie Blut, Immunsystem oder Herz gegliedert ist. Die Fachthemen wiederum sind sinnvoll unterteilt. Auch das Aufsuchen spezifischer Sachverhalte über das Inhaltsverzeichnis ist über diese Gliederung möglich. Die einzelnen Kapitel werden durch die IMPP-Hitliste eingeleitet. Die Anzahl von Ausrufezeichen, die den einzelnen Unterthemen zugeordnet sind, lässt sofort erkennen, welche Bereiche besonders physikumsrelevant sind. Ein übersichtlicher Index rundet den guten Aufbau ab.

Relevanz für die örtliche Uni Bei den Testaten und mündlichen Prüfungen an der Uni geht es oft auch darum, Detailwissen oder bestimmte Passagen der bekannten Lehrbücher im Gedächtnis zu haben. Der Hick vermittelt jedoch nur das solide Basiswissen und reicht somit vielleicht aus, um die Testate zu bestehen. Eine sehr gute bis gute Prüfung kann mit dem Buch allein nicht erreicht werden.

Preis-Leistungsverhältnis Preislich liegt das Buch mit knapp 30 Euro auf dem Niveau vergleichbarer Kurzlehrbücher.

Fazit Wird das hier betrachtete Kurzlehrbuch der Physiologie – und nur diesem Anspruch hat es ja zu genügen – als Ergänzung eines Standardwerks genutzt, ist es als nützliche Lern- und Nachschlagehilfe zu bewerten. Der umfangreiche Stoff der Physiologie wird in knappen und übersichtlichen Abschnitten aufbereitet und so dargestellt, dass ein zielgerichtetes Auffrischen der Inhalte möglich ist. Alles in allem kann ich es empfehlen, da es sich sowohl zur Vorbereitung auf Testate im Praktikum als auch zum Lernen für das Physikum eignet. Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern drei Exemplare – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw215

Klinische Pharmakologie Wehling Georg Thieme Verlag – 59,95 EUR ISBN: 3131268212

Intensive Psyche Kurz und bündig fasst das Buch „Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie“ die relevanten Fakten beider Fächer zusammen. Eingebettet in einen klinischen Gesamtzusammenhang, werden Fakten von Randgebieten integriert und der Leser sowohl auf die schriftliche als auch mündliche Prüfung vorbereitet. Die Eingliederung praktischer Beispiele macht den Nachvollzug noch einfacher. Damit qualifiziert sich das Buch zum klaren Wegweiser durch einen Themenbereich, der von vielen als schwer zu durchschauen angesehen wird.

Lehrbücher im Test:

Kurzlehrbuch Physiologie von Huppelsberg und Walter von Christoph Geier, 4. Semester in Regensburg eingeschüchterten Einstiegs-Medizinstudenten gibt es einen Überblick über das große Fach Physiologie, das manchem zunächst wie ein Fass ohne Boden erscheinen mag. Vorkenntnisse sind in der Regel nicht vonnöten, ein Grundlagenwissen in Histologie und Biochemie ist jedoch oft hilfreich.

Didaktik Inhalt

Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie Brunnhuber, Lieb, Frauenknecht Elsevier Verlag – 29,95 EUR ISBN: 343742131X

Bunte Kleinigkeiten Der Schwerpunkt des Buches „Histologie“ liegt in der Darstellung der Grundlagen der Zytologie, der Histologie und der mikroskopischen Anatomie unter Berücksichtigung ihrer Beziehungen zur Physiologie und Biochemie. Zahlreiche klinische Hinweise verknüpfen das Grundwissen mit der Klinik. Die vielen farbigen Abbildungen machen das Lernen im Reich des Mikroskops für jeden Studenten leichter. Histologie Junqueira, Carneiro, Gratzl Springer Verlag – 39,95 EUR ISBN: 354021965X

eignet sich der Huppelsberg hervorragend: Er behandelt jedes Thema sehr übersichtlich, einfach und dennoch erstaunlich vollständig. Die Grafiken, insbesondere die Diagramme, sind verständlich und sinnvoll dargestellt. Im Gegensatz zu ausführlicheren Lehrbüchern beschränkt sich die Auswahl jedoch auf Standard-Darstellungen, so dass man in der Klausur leicht auf Diagramme stößt, die man in dieser Konfiguration noch nicht kennen gelernt hat. Schon deswegen empfiehlt es sich, auch einmal einen Blick in ein großes Lehrbuch zu werfen.

Titel: Kurzlehrbuch Physiologie Autoren: Huppelsberg, Walter Verlag: Georg Thieme Verlag ISBN: 3-13-136431-9 Preis: 24,95 EUR

Kurzbeschreibung Der Huppelsberg ist ein Kurzlehrbuch für das Fach Physiologie, das den gesamten für das Physikum relevanten Stoff kompakt, aber dennoch verständlich und hinreichend detailliert darstellt.

Zielgruppe Mit seiner starken Orientierung am neuen GK1 ist das Buch maßgeschneidert für Studenten in der Vorklinik. Insbesondere dem durch die Fülle des Physikum-Stoffes etwas

Wie der Titel bereits verrät, handelt es sich nicht um ein detailliertes Physiologie-Lehrbuch, sondern um ein Kurzlehrbuch. Trotzdem sollte man nicht gleich abwinken und dem gut gemeinten Rat vieler Professoren folgen, lieber gleich ein „richtiges“ Lehrbuch wie den großen Silbernagl oder den Schmidt/Thews zu kaufen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass bei der Verwendung eines solchen großen Werks zur erstmaligen Erarbeitung eines Themengebiets zwar tatsächlich alles äußerst ausführlich vermittelt wird, man aufgrund der Fülle an Informationen aber schier erschlagen ist. Mangels Überblick über den Stoff fällt der Lerneffekt letztlich sehr gering aus. Meiner Meinung nach ist es gerade in einem großen Fach wie der Physiologie sehr wichtig, zunächst die Grundlagen zu verstehen, um Zusammenhänge herstellen zu können. Anschließend kann man sich ja immer noch anhand eines ausführlicheren Lehrbuches mit Detailfragen beschäftigen! Für diese Lernstrategie

Die Autoren legen besonders viel Wert auf Verständlichkeit. Mit Hilfe eines „Lerncoaches“ zu Beginn jedes Kapitels wird zunächst kurz verdeutlicht, was im folgenden Kapitel behandelt wird und worauf man beim Durchlesen besonders achten sollte. Im Text finden sich immer wieder farbig hervorgehobene Tipps zum Lernen und Hinweise auf „beliebte“ Prüfungsfragen. Zahlreiche klinische Beispiele stellen einen Bezug zur Praxis her. Jedes Kapitel schließt mit einem „Check-up“, in dem der Inhalt kurz resümiert und auf den Punkt gebracht wird, was man nun wissen und verstanden haben sollte. Damit eignet es sich sowohl für die erstmalige Erarbeitung eines neuen Themengebiets als auch für die unmittelbare Prüfungsvorbereitung.

Aufbau Das Buch ist sinnvoll nach Themengebieten gegliedert, wobei zunächst die absoluten Grundlagen wie die Zellphysiologie behandelt werden. Die Kapitel bauen jedoch größten-

teils nicht aufeinander auf, so dass es auch ohne größere Verständnisprobleme möglich ist, später im Buch behandelte Themenbereiche separat durchzuarbeiten.

Relevanz für die örtliche Uni Obwohl die meisten PhysiologieProfessoren generell von Kurzlehrbüchern eher abraten, bin ich der Meinung, dass der Huppelsberg zum Bestehen des Physiologie-Praktikums und der Klausur völlig ausreichend ist.

Preis-Leistungsverhältnis Den Preis von 24,95 Euro halte ich für angemessen. Im Vergleich zu anderen Physiologie-Büchern ist das sogar relativ günstig.

Fazit Trotz seiner Bezeichnung als „Kurzlehrbuch“ ist der Huppelsberg als ein vollwertiges Physiologie-Lehrbuch einzustufen. Seine äußerst verständliche Schreibweise und seine übersichtliche Gliederung machen es zu einem idealen Einstiegsbuch in die Themen der Physiologie. Einziges Manko sind die etwas dürftig ausfallenden Abbildungen und Diagramme, was aber durch Hinzuziehen eines umfassenderen PhysiologieBuches leicht ausgeglichen werden kann. Alles in allem halte ich den Huppelsberg für ein sehr gelungenes Kurzlehrbuch. Es kann durchaus mit seinen „dickeren“ Kollegen mithalten! Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern drei Exemplare – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw782


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Lehrbücher im Test:

hinausgehende Details, wird die nötigen Zusammenhänge aber vermissen. Damit ist der „kleine Schmidt“ nicht isoliert von einem großen Lehrbuch nutzbar. Zu den Stärken gehört vor allem die sehr gute Übersichtlichkeit, auch der Abbildungen, die teilweise in ähnlicher Form auch im „großen Schmidt Thews“ zu finden sind.

Physiologie kompakt von Christian Klein, 4. Semester in Rostock die kurz vor der Prüfung die wesentlichen Punkte wiederholen. Daneben ist das Büchlein auch für den Einstieg in ein neues Thema nützlich, da wichtige Begriffe definiert und relevante Fakten in Übersichten präsentiert werden. In wenigen Minuten erhält der Leser einen ersten Eindruck und kann sich anschließend an die Lektüre größerer Bücher wagen. Durch seine Übersichtlichkeit und Kompaktheit eignet sich der Wissensspeicher auch als kleines Nachschlagewerk für die Zeit nach dem Studium, wenn man zwar die Zusammenhänge noch kennt, die genauen Werte aber zwischenzeitlich vergessen hat.

Didaktik und Aufbau Sehr gut gelungen ist die übersichtliche Gliederung der Themenkomplexe, die mittels Farbleitschema eine schnelle Orientierung ermöglicht. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis trägt ebenfalls seinen Teil dazu bei. Die Merksätze in leicht verständlicher Sprache gehen einher mit gut positionierten Tabellen und hochwertigen Abbildungen. Durch die Verzahnung der verschiedenen Präsentationsweisen des Stoffes erhält der Leser ein abwechslungsreich aufgemachtes Buch. Das Fehlen von Fallbeispielen ist ein kleiner Minuspunkt.

Inhalt Titel: Physiologie kompakt Autor: Robert Schmidt Verlag: Springer Verlag ISBN: 3-540-41346-4 Preis: 22,95 EUR

Kurzbeschreibung Das Buch „Physiologie kompakt“ von Robert Schmidt ist als kleiner Wissensspeicher konzipiert, der kurz und knapp die Fakten präsentiert.

Zielgruppe Der „kleine Schmidt“ richtet sich besonders an Studenten der Vorklinik,

Vorklinik maximal komprimiert: Zu allen prüfungsrelevanten Gebieten der Physiologie (Allgemeine Zellund Muskelphysiologie, Allgemeine und Spezielle Sinnesphysiologie, Nervenphysiologie, Organphysiologie sowie Stoff- und Energiewechsel) findet der Leser Begriffsdefinitionen, Übersichten, Grafiken und Tabellen. Erklärtes Ziel des Buches ist die Präsentation von Wissen in Schlagworten, auf die Verknüpfung der einzelnen Fakten wurde bewusst verzichtet. Lediglich Seitenverweise sind am Ende einer Begriffsdefinition zu finden. So erhält der Leser zwar ein Grundwissen und darüber

Relevanz für die örtliche Uni An der Universität Rostock wird das Buch von unseren Seminarleitern und Professoren empfohlen, da es genau das Mindestwissen enthält, das von jedem Studenten abgefordert wird. Die meisten prüfen nur Fakten ab, die in diesem kleinen Wissensspeicher enthalten sind. Auch im Blockpraktikum der Physiologie war das Buch schon vielen Studenten ein treuer Begleiter. Viele meiner KommilitonInnen benutzen den „kleinen Schmidt“ auch zum Selbsttest vor den Klausuren.

Preis-Leistungsverhältnis Der Ladenpreis des Buches beträgt 22,95 Euro. Angesichts der Tatsache, dass man mindestens noch ein Lehrbuch dazu benötigt, ist das natürlich nicht gerade günstig. Auf der anderen Seite lohnt sich die Investition, da man sich zum einen ein Stückchen Sicherheit im Hinblick auf die Selbstkontrolle („Was weiß ich zu den einzelnen Begriffen?“) und zum anderen die Möglichkeit zur LastMinute-Wiederholung erkauft.

Fazit Zusammenfassend kann ich sagen, dass „Physiologie kompakt“ von Robert Schmidt sehr zu empfehlen ist. Der Leser erhält ein unglaublich übersichtliches Buch mit hochwertigen Abbildungen. Die hervorragende Verzahnung von Tabellen, Merksätzen und Grafiken ermöglicht eine schnelle Orientierung in der gesamten Physiologie. Studenten mit wenig Zeit wissen diese Beschränkung auf das Notwendigste zu schätzen! Als kleines Manko ist der Mangel an klinischen Bezügen anzumerken. Da jedoch ohnehin ein ergänzendes Lehrbuch der Physiologie benötigt wird, kann man Fallbeispiele dort aufsuchen. Kurz und knapp: „Physiologie kompakt“ hält, was der Name verspricht! Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern drei Exemplare – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw492

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1x KlassikSkelett Stan

2. Zusammenfassungen lesen Lesen Sie anschließend nur die Zusammenfassungen am Anfang oder Ende eines Kapitels. Dadurch wird der Gesamtzusammenhang des Themas deutlich und Details können später besser eingeordnet und behalten werden.

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3. Fragen stellen Notieren Sie sich Fragen an den Text! Notfalls können Sie auch die Überschriften in Fragen verwandeln. Dieser Schritt ermöglicht ein bewusstes selektives Lesen auch fremder Themen unter dem Aspekt wichtig/unwichtig.

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17. Kurzform für Intrazellularraum

Die Gewinner der MLZ 01 lauten: 1 Klassik-Skelett Stan: Helen Wesselink, Aachen

Das Lösungswort war: Repetitorium Mit freundlicher Unterstützung von: Deutsche Ärzte Finanz, 3B Scientific und DocCheck Shop

Gewinnspiel: Im Internet unter www.medi-learn.de/quiz kannst du dein Lösungswort eintragen. Wir verlosen 1x Klassik-Skelett Stan und 3x DocCheck® Advance II Stethoskop. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Gewinnspiel läuft bis zum 30.09.2005.

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4. Lesen Beginnen Sie erst jetzt mit der eigentlichen Lektüre.

je 1 DocCheck Advance II Stethoskop: Constanze Falk, Kiel Bernhard Klefer, Lübeck Carla Weigel, Würzburg



7. Kurzform für eine Virengruppe namens arthropode-borne viruses 11. Kurzform für einen Abschnitt der menschlichen Wirbelsäule, die sich an den Brustabschnitt anschliesst 13. Abkürzung für die glomeruläre Filtrationsrate 14. Tumorklassifikation für multiple endokrine Neoplasien 16. Abkürzung für das z.B. bei Tuberkulose verabreichte Therapeutikum Isoniazid

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1. Überblick gewinnen Lesen Sie zunächst Inhaltsverzeichnis, Kapitelüberschriften und -untertitel. Auf diese Weise wird die logische Struktur des Stoffes erkennbar.



1. Fachgebiet, das sich mit den allergischen Erkrankungen beschäftigt 2. Besonderer mikrobiologischer Nährboden, der mit Lebenssaft getränkt ist 3. Abkürzung für: Zervikal-IntraFalloppian-Transfer 4. Künstlicher Nachbau von menschlichen Nervenzellen, der es z.B. zukünftig erlauben könnte, dass Blinde wieder sehen oder Gelähmte wieder gehen könnten 6. Im Lateinischen nennt es sich bovis, doch auch mancher Homo sapiens könnte gelegentlich so bezeichnet werden, wobei man ihm meist noch die Schlussilbe „-vieh“ verpasst

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Der größte Teil des Wissenserwerbs im Vorfeld einer Prüfung erfolgt durch die Lektüre von Texten. Aus Zeitgründen können die ausgewählten Bücher in den meisten Fällen nicht mehrfach gelesen werden. Um zeiteffektiv zu lernen und im ersten Durchgang bereits alle wesentlichen Informationen zu beziehen, ist eine geeignete Lesetechnik eine wertvolle Hilfe. Die so genannte FünfSchritt-Methode orientiert sich an der Funktionsweise unseres Gedächtnisses. Danach wird am besten gelernt und behalten, was in einen Zusammenhang eingeordnet oder mit bereits vorhandenen Vorkenntnissen verknüpft werden kann. Die Faustregel beim Lernen lautet daher generell: „Skelett vor Detail“ oder Allgemeinwissen vor Detailwissen. In Anlehnung daran umfasst die Fünf-Schritt-Methode verschiedene Lesestufen:



Senkrecht:

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Prüfungslektüre: Skelett vor Detail



1. Die Ärzte dieses Fachgebietes befassen sich z.B. mit berufsrelevanten Verordnungen und Grenzwerten 5. Während der Schwangerschaft befindet sich der zukünftige neue Erdenbürger in... 8. Fachwort für den Bruch eines menschlichen Knochens 10. Beliebtes Ziel in Famulatur und PJ mit Wasserfällen wie aus der Duschgelwerbung 12. „Künstlicher Ausgang“ am menschlichen Kehlkopf, der z.B. bei hochakuten Atemstörungen notfallmässig vorgenommen wird 15. Das menschliche Denk- und Gefühlszentrum zu mikroskopischen Zwecken mit einem Messer aufbereitet 18. Fachwort für einen Teilabschnitt des menschlichen Rachens

MEDI-LEARNtipp

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5. Rekapitulieren Zur Festigung des aus dem Text Gelernten ist eine Wiederholung nötig. Beantworten Sie deshalb (mündlich oder schriftlich) die Fragen, die Sie sich im 3. Leseschritt gestellt haben oder versuchen Sie, das gelesene Kapitel mündlich zusammenzufassen.


MLZ

Seite 12

Juni 2005

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Rechtsfragen

Problemlösung bereits am Telefon Kosten killen und Zeit sparen im britischen Gesundheitswesen

Fragenrügen – wie funktioniert das? Das Multiple-ChoiceSystem bei den Medizinerprüfungen hat einige Besonderheiten. Da man in der Prüfung nicht nachfragen kann, müssen alle möglichen Interpretationen vorab berücksichtigt werden. Nach unserer Auffassung gelingt dieses allerdings nicht immer (hierfür gibt es u. a. das Eliminierungsverfahren). Darüber hinaus können fehlende Punkte „eingeklagt“ werden. Hier gibt es eine sehr weit reichende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahre 1991. Danach muss eine Frage „gutgeschrieben“ werden, wenn man beweisen kann, dass die eigene Lösung neben derjenigen des Instituts richtig ist. Maßstab ist die Ausbildungsliteratur, wobei man sich manchmal nur auf ein Standardwerk berufen muss. Wir kritisieren nach wie vor die Hinweise in den Aufgabenheften, dass im Zweifelsfall die so genannte Bestantwort angekreuzt werden muss. Inzwischen haben einige wichtige Verwaltungsgerichte festgestellt, dass eine Frage immer dann richtig beantwortet worden ist, wenn die Lösung „vertretbar“ ist. Die Frage nach der Bestantwort wurde von den Gerichten deutlich kritisiert. Beim Einklagen zusätzlicher Fragen gibt es ein großes Problem: Die Verfahren dauern sehr lange. Ein Eilverfahren ist nach der Rechtsprechung nur nach nicht bestandenem dritter Versuch erlaubt. Ohnehin besteht eine realistische Chance nur bei ein oder zwei fehlenden Fragen. Möglich ist auch ein Widerspruch nach nicht bestandener zweiter Prüfung. In diesem Fall sollte man beim Prüfungsamt um Aussetzung des Verfahrens bis zum dritten Versuch bitten. Wird dem Antrag stattgegeben, kann man das Verfahren später wieder aufgreifen, falls es notwendig werden sollte. Der Artikel wurde verfasst von: Rechtsanwalt Reinhard Karasek Wilhelm-Roser-Str. 25 35037 Marburg Tel. 06421/16896-0, Fax. 06421/16896-78 Rechtsanwalt Reinhard Karasek hat weitere Artikel geschrieben, die sich mit Rechtsfragen im Medizinstudium befassen und für Medizinstudenten wichtige Informationen bieten. Ihr findet sie auf den Webseiten von MEDI-LEARN unter der Adresse: www.medi-learn.de/recht

von Martin Warnke

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n Großbritannien beherrschen ein ständiger Kostendruck und extreme Zeitlimits für die Patientenbehandlung das Gesundheitssystem. Das sind bekanntlich auch hierzulande Reizthemen. Doch der Umgang mit diesen Problemen ist auf der Insel oftmals pragmatischer. Und manchmal sogar ziemlich pfiffig.

Das englische System unterscheidet sich stark vom deutschen: Jeder Einwohner ist im Gesundheitssystem registriert und hat daher Anspruch auf alle Standardleistungen, die vom Staat bezahlt werden. Diese umfassen alle lebensnotwendigen Behandlungen und Operationen, ungeachtet des Patientenalters. Nicht eingeschlossen sind die zahnärztliche Behandlung im Erwachsenenalter, kosmetische Operationen und nicht durch eindeutige Studien nachgewiesene Behandlungsmethoden wie Akupunktur und Homöopathie. Jeder Patient hat zwar die Möglichkeit der freien Arztwahl, muss sich jedoch in einer selbst ausgesuchten Praxis registrieren lassen. Es ist nicht ohne weiteres möglich, bei Wunsch in eine zweite Praxis zu gehen und sich dort eine Zweitmeinung einzuholen. Allerdings werden die Praxen meist von vier bis sechs Ärzten betrieben, so dass der Patient innerhalb der Praxis mit einem anderen Arzt sprechen kann. Ohne Überweisung von seinem GP (General Practitioner) hat kein Patient Zugang zu Fachärzten, Krankenhäusern oder apparativen Untersuchungsmethoden.

Patienten, der einen Termin nicht wahrnimmt, den er am selben Tag beantragt hat. Dadurch fallen keine Leerzeiten für den Arzt und die Schwestern an. Der Nachteil besteht natürlich darin, dass sich nicht alle Probleme in dermaßen knapp angesetzter Zeit lösen lassen. Die Anmeldung nimmt der Patient am digitalen „Check-In Counter“ vor. Per Touch-Screen gibt der Patient seine persönlichen Daten ein und wird vom System als anwesend registriert. Durch dieses Verfahren können wöchentlich mehrere Stunden Arbeitsaufwand am Empfang reduziert werden. Der Arzt sieht nun auf seinem PC im Sprechzimmer seine aktuelle Warteliste und ruft den nächsten Patienten auf. Körperliche Untersuchungen werden zunächst kaum vorgenommen, es wird mehr Wert auf die Anamneseerhebung und die Evaluation des sozialen Hintergrunds des Patienten gelegt. Nur in Einzelfällen kommen basale Untersuchungen zum Einsatz, ansonsten verschreibt der Arzt die nötige Medikation/Folgemedikation oder überweist den Patienten zum Spezialisten ins Krankenhaus. Patienten mit unkomplizierten Erkrankungen werden von der Kran-

Arzt. Auf dessen Bildschirm erscheinen die Daten des Patienten und sein Problem. Der Arzt ruft den Patienten zurück und versucht ebenfalls, das Problem telefonisch zu lösen, was in rund 90% der Anfragen gelingt. Alle weiteren Patienten werden entweder einbestellt oder werden zu Hause besucht. Bei Notfällen wird direkt der Paramedic verständigt.

OFT GEHT ES JA NUR DARUM, PATIENT DIE NACHT

DASS DER

GUT ÜBERSTEHT

Dieses System erfordert vom Arzt freilich ein hohes Maß an Erfahrung, um wichtige von eher unwichtigen Erkrankungen unterscheiden zu können. Hausbesuche muss er möglichst umgehen, da er während dieser Zeit nicht erreichbar ist und es zu einer Fülle von unbearbeiteten Fällen kommen kann. Andererseits kann durch moderne Technik und diese unkonventionell anmutenden Lösungen den Patienten zeitnah und ausreichend weitergeholfen werden. Denn oft geht es ja nur darum, dass der Patient die Nacht gut übersteht und am nächsten Morgen seinen Allgemeinarzt aufsucht.

Wartezeiten entfallen praktisch Eine Praxis mit sechs Partnern versorgt in der Regel zirca 12.000 Patienten und hat rund 30 halb- und ganztägig Angestellte. Einige Praxen verfügen über ein EKG-Gerät. Sonographiegeräte und andere technische Hilfsmittel kommen in der Allgemeinarztpraxis hingegen nicht zum Einsatz. Patienten ohne Termin werden nur in Notfallsituationen vom Duty Doctor (jeweils einer der Partner im Rotationsprinzip) gesehen, alle anderen bekommen in der Regel für den gleichen Tag einen Termin, der immer auf zehn Minuten angesetzt ist und nicht für einen anderen Tag im Voraus gebucht werden kann. Für Pendler bestehen Ausnahmen. Das System verlangt von allen Beteiligten äußerste Disziplin: Die aufnehmenden Telefonistinnen müssen die Dringlichkeit der Anfragen unterscheiden können, der Arzt muss ständig die Uhr im Blick haben und nach spätestens acht Minuten das Gespräch zu einem Ende bringen. Der Patient seinerseits darf nicht erwarten, dass alle Probleme in nur einer Sitzung behandelt werden, sondern muss bei Bedarf einen weiteren Termin ausmachen.

UNTERSUCHUNGEN KOMMEN NUR IN EINZELFÄLLEN ZUM EINSATZ Der Vorteil des Systems liegt klar auf der Hand: Wartezeiten entfallen praktisch, da jeder Patient termingerecht ins Wartezimmer gebeten wird. Gleichzeitig gibt es nahezu keinen

vorstellig wird, ist eine Sicherheitskontrolle gewährleistet. Das etwaige Übersehen einer Lungenentzündung wird also auch ausgeschlossen. Hätte der Arzt etwas anderes getan, wenn er den Patienten persönlich aufgesucht hätte?

Belohnung statt Bestrafung Die Anreizmechanismen in England sind besser als bei uns: Will die Regierung eine Änderung des Systems herbeiführen, dann stellt sie jedem sich beteiligenden Arzt finanzielle Mittel zur Verfügung. Der GP erhält beispielsweise bei Einhaltung des neu angesetzten Budgets eine Belohnung und wird nicht, wie hierzulande üblich, zur Kasse gebeten, wenn er es überzogen hat. Am Ende des Allgemeinarztblockes denke ich, dass das englische System an einigen Stellen sehr effizient organisiert ist. Dadurch, dass Labormedizin nicht extra bezahlt wird, werden kaum entsprechende Untersuchungen angewendet. Da die apparative Diagnostik den Klinikern vorbehalten ist, werden auch weitaus weniger Röntgenaufnahmen gemacht und Sonographieuntersuchungen oder Magenspiegelungen durchgeführt. Die Ressourcenknappheit ist allgegenwärtig. Jeder Arzt überlegt sich daher sehr genau, für welchen Patienten er welche Diagnostikmethode einsetzt. Letztlich bekommt jeder Patient die notwendige Untersuchung, auch wenn er lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss: Für eine Ultraschalluntersuchung ist gegenwärtig ein Vorlauf von 13 Wochen einzuplanen. Wer dies nicht in Kauf nehmen will, kann eine private Zusatzversicherung abschließen und erhält in jeder Privatklinik einen sofortigen Untersuchungs- oder Operationstermin.

WIR „ERZIEHEN“ UNSERE PATIENTEN ZU OFT UNNÖTIGEN STANDARDUNTERSUCHUNGEN

Problemlösung per Telefon spart Zeit und Kosten – Bild: www.istockphoto.com

kenschwester behandelt, die auch die Impfungen durchführt. Es gibt spezielle Diabetikersprechstunden, die von einer „Diabetes-Nurse“ gehalten werden. Die Betreuung während der gesamten Schwangerschaft übernehmen Hebammen, lediglich zwei Ultraschall-Untersuchungen werden vom Gynäkologen durchgeführt.

90% der Notdienstanfragen werden per Telefon geklärt Der kassenärztliche Notdienst wird von mehreren Praxen zusammen organisiert und in einer zentralen Praxis ausgerichtet. Jeweils ein Arzt hat am Abend Dienst. Die Patienten melden sich bei einer festen Rufnummer. Hier werden sie mit einer Krankenschwester verbunden, die kleinere Probleme bereits am Telefon zu lösen versucht. Andernfalls schickt sie per E-Mail eine Anfrage an den diensthabenden

Ein Beispiel: Ein 55 Jahre alter Patient klagt spät abends über Husten, Heiserkeit und Abgeschlagenheit und weißen, jetzt gelblich gewordenen Auswurf. Seine Temperatur beträgt 38,5° C. Der Arzt entschließt sich, ein Antibiotikum zu verschreiben und faxt das Rezept an die dem Patienten nächstgelegene Apotheke. Der Patient fährt direkt dorthin und kann, nachdem er sich ausgewiesen hat, das Medikament entgegennehmen. Zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung erhält er noch Paracetamol 500 sowie einen Husten- und Schleimlöser. Am nächsten Morgen wird er sich dann bei seinem Allgemeinarzt vorstellen. In diesem Fall ist dem Patienten sehr schnell und hinreichend weitergeholfen worden, ohne dass der Arzt sein Büro verlassen musste. Da der Patient am nächsten Morgen bei seinem GP

Ansonsten denke ich, dass der Patient am Ende hier genauso zufrieden ist wie bei uns – wenn nicht gar noch etwas zufriedener. Statt ihm neue Möglichkeiten aufzuzeigen, was er noch alles an sich testen lassen kann, wird der Patient dort eher beruhigt. Statt vieler apparativer Untersuchungen werden vermehrt persönliche Gespräche geführt, was unter dem Strich auch Ressourcen schont. Natürlich unterstelle ich keinem Arzt, dass er nur aus reinen Profitgedanken seine Ausstattung einsetzt. Aber ich denke, dass unser System sehr viel zu unseren heutigen Problemen beigetragen hat. Wir sollten uns fragen, ob wir unsere Patienten möglicherweise zu oft unnötigen Standarduntersuchungen „erziehen“ und damit ein erhöhtes Anspruchsdenken verursachen, das nirgendwo zur Zufriedenheit führt.

Deine Meinung ist uns wichtig! Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung? Auf der Seite: www.medi-learn.de /gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du dir ein paar Minuten Zeit nimmst und uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich – unter allen Teilnehmern verlosen wir drei hochwertige DocCheck Advance II Stethoskope.


MEDI-LEARN Zeitung 03/2005