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Medizin in Entwicklungsländern

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Ob Afrika oder Amazonien: im Special auf unseren Innenseiten lassen wir euch an den sehr eindrücklichen Erfahrungen teilhaben, die Medizinstudenten in ärmeren Ländern der Welt rund um den Globus sammeln konnten. Mehr dazu auf den Seiten 6 und 7

ZEITUNG

Ausgabe 02/07 ∙ März /April 2007 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de ∙ ISSN 1860-8590 ∙ 1,90 €

Klinik der Königin PJ in Arhus, Dänemark

Vom Spital in den Pool Tertial Kinderheilkunde in Winterthur

Längst nicht erste Wahl in Sachen Auslandsaufenthalt, aber auf keinen Fall zu verachten: Dänemark. Heike Braunsfurth verbrachte über das Erasmus-Programm eine wertvolle Zeit in der größten Orthopädie Nordeuropas in Arhus.

Pädiatrie – ein nach wir vor sehr beliebtes Fach. Die Schweiz – ein beliebtes Land. Nicht nur die Approbationsordnung, auch die Studienplatzvergabe für das Studium der Humanmedizin wurde umgestaltet. Wir haben StuWarum nicht das eine mit dem anderen verbinden? Antje Hundt denten befragt, die das „Bewerbungsgespräch“ für den beabsolvierte eine sehr lehrreiche Pädiatrie-Zeit während ihres PJ gehrten Platz im Hörsaal hinter sich haben. im schweizerischen Winterthur.

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Selbstsicherheit gefragt Das Auswahlgespräch

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Information statt Medikation Ein Public-Health-Einsatz im Regenwald von Amazonien von Dr. Karsten Lunze

den jene kleinen Boote, die den Fluss Amazonas entlang fahren, als „Gaiola“ bezeichnet, dem portugiesischen Begriff für Vogelkäfig. Eng an eng, wie auf einer Hühnerstange, werden die Hängematten aufgespannt, in denen man nun die nächsten Tage bis zur Ankunft verbringt. Die Fahrt ist ebenso lang wie der Name meiner Nachbarin Ahuakuoufeng: drei Tage Fahrt auf engstem Raum geben Zeit und reichlich Muße für ihre Lebens- und – als sie mitbekommt, dass der Hängemattennachbar Mediziner ist – ihre Krankengeschichte. Ziel ist ein kleines Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Santarém, einem der wenigen größeren Orte am Amazonas.

DIE ENTFERNUNGEN SIND SCHIER ENDLOS

Auch die große Anakonda lebt im Amazonasgebiet

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er Flieger zum Urwaldeinsatz geht nur bis Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates von Amazonien. Im Amazonasgebiet, das größer

ist als der indische Subkontinent und in dessen namensgebenden Fluss mehr als ein Fünftel des Süßwassers auf unserem Planeten drainieren, ist Wasser der

Haupttransportweg. Die Entfernungen im Urwald sind weit, Strassen sind mühsam anzulegen und stören das ökologische Gleichgewicht. Nicht von ungefähr wer-

Der MEDI-LEARN Club ist da! Leichter Lernen, Leben und Studieren als junger Mediziner von Jens Plasger, Christian Weier (MEDI-LEARN)

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er MEDI-LEARN Club ist da: zahlreiche, exklusive Leistungen zusätzlich zu den weiterhin frei zugänglichen Diensten von MEDI-LEARN warten auf dich: Ob der Examensservice Deluxe, die regelmäßigen Clubgeschenke, die Semesterausfall-Versicherung oder eine der vielen anderen Leistungen für Mitglieder - der MEDI-LEARN Club begleitet dich Semester für Semester durch deine gesamte Ausbildung. Von der Studienplatzbewerbung über das Studium bis hin zur Facharztprüfung - für alle zukünftigen Mediziner ist etwas dabei. Wir möchten dir dieses neue Angebot samt seiner Leistungen nun ausführlich vorstellen und die Funktionen erläutern.

Schon geht‘s los: Dein Willkommensgeschenk Das freudige Auspacken geht schon kurz nach deinem Eintritt in den Club los. Du erhältst bereits in den ersten Wochen deiner Club-Mitgliedschaft ein ansehnliches Geschenk zur Begrüßung vom Paketboten direkt zu dir nach Hause geliefert. Und da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, hast du die freie Wahl such dir aus drei Geschenkmöglichkeiten das Präsent deiner Wahl aus: Wer es eher

rockig mag, dem empfehlen wir die Musik-CD der Medizinerband Base Excess, gespickt – und zwar randvoll mit Lerntipps – ist der Band „Lernstrategien: MCTechniken und Prüfungsrhetorik“, den wir ebenso zur Auswahl anbieten wie ein kultiges Skat-Kartenspiel mit CartoonMotiven von Rippenspreizer.

Dein Clubgeschenk zweimal im Jahr Semester für Semester bringt dir der Postbote ein Präsent vom MEDI-LEARN Club, das genau auf deinen jeweiligen Studienabschnitt zugeschnitten ist. Nützliche Geschenke wie zum Beispiel ein Studienführer oder Praktisches wie Handschuhe für den Präpkurs oder auch ein EKG-Lineal für den Untersuchungskurs warten bereits auf dich. Was du genau erhältst, bleibt natürlich bis zum Auspacken ein Geheimnis - lass dich einfach vom MEDI-LEARN Club überraschen und genieße die Vorfreude.

Das Approbationsgeschenk Zum Abschluss deines Studiums bekommst du ein ganz besonderes Clubgeschenk, das dich auf deinem Weg durch die Klinik begleiten wird. Welches wert-

volle Präsent dich zum Start ins Berufsleben erreicht, bleibt natürlich vorerst noch ein Geheimnis; nur soviel sei verraten: Ein Grund mehr, um dich schon jetzt auf das Ende deines Studiums zu freuen.

Auf Nummer sicher: Semester-Ausfall-Versicherung Für alle Clubmitglieder stellt die Semesterausfall-Versicherung ein besonderes Highlight dar. Sie ist in dieser Form absolut einmalig! Wenn sich dein Studium unverschuldet auf Grund einer ernsthaften Erkrankung um ein ganzes Semester verlängert, so bietet dir dieser Versicherungsschutz einen finanziellen Ausgleich - denn du kannst dir im Versicherungsfall den Betrag von 500 € auszahlen lassen und damit z.B. die Studiengebühren für ein weiteres Semester begleichen. Egal, ob du wegen der schweren Krankheit nicht an den Vorlesungen teilnehmen konntest oder in den letzten Wochen vor der Prüfung ernsthaft erkrankt bist - mit dieser Versicherung gehst du auf Nummer sicher.

Gratis-Skript vor Ort: Ein Besuch, der doppelt lohnt Zweimal im Jahr touren die Initiatoren

Drei Infektiologen, ebenso viele Chirurgen und zwei Neurochirurgen halten die medizinische Versorgung aufrecht für alle diejenigen, die das Krankenhaus erreichen können. Genau dies ist oft schwierig – weiter entfernt lebende Populationen müssen oft tagelang fahren, bis sie Santarém erreichen. Daher fahren die Infektiologen regelmäßig in entfernte Dörfer, um dort Sprechstunden abzuhalten. Im Urwald Amazoniens treten alle Infektionserkrankungen auf, die weltweit überhaupt existieren, sowie zusätzlich einige, die hier endemisch sind. Das staatliche Gesundheitssystem Brasiliens läuft

der MEDI-LEARN Repetitorien durch Deutschland und halten an durchschnittlich 12 Standorten ein Seminar zur „Effektiven Examensvorbereitung“. Neben Tipps zur Prüfungsvorbereitung gibt es eine Einführung in MC-Techniken und wichtige Hinweise zur mündlichen Prüfung. Das rund dreistündige Seminar begeistert seit Jahren einige tausende Studenten. Für dich als Clubmitglied gibt es am Ende der Veranstaltung als kostenlose Zugabe das Begleitskript „Lernstrategien, MC-Techniken und Prüfungsrhetorik“ oder wahlweise das informative Skript „Hammerexamen“.

Automatisch beruflich und privat auf Nummer sicher Im Falle eines Haftpflicht-Falles bist du als Clubmitglied automatisch gleich doppelt abgesichert: denn mit der Berufsund Privathaftpflichtversicherung kannst du dich in jeder Lebenslage sicher fühlen. Ob im Studium, auf Station oder im Privatleben - gegen Haftpflichtansprüche bist du auf jeden Fall ausreichend versichert. An zahlreichen Fakultäten ist übrigens die Berufshaftpflicht für Studenten schon vorgeschrieben - wie gut, dass du dir als Clubmitglied auch darum keine Gedanken machen musst, denn eine Berufs- und Privathaftpflichtversicherung ist automatisch im Rahmen deiner Clubmitgliedschaft enthalten. weiter auf Seite 11

für lateinamerikanische Verhältnisse recht funktionell. Doch für das AIDSVersorgungsprogramm muss das Labor für T-Zell-Zahl und Viruslast ins über 1.000 km entfernte Uniklinikum von Belém geschickt werden. Allerdings fehlt es oft an geeigneten Antibiotika; behandelt wird mit dem, was halt gerade zur Verfügung steht. Selbst bei akuten Fällen von Tetanus stehen trotz eindrucksvoller Manifestation des typischen „Risus sardonicus“ bisweilen nicht mal Sedativa zur Verfügung. Von den Infektiologen mitversorgt werden die täglich auftretenden Fälle von Schlangen- und Skorpionbissen. Auch dafür gibt es aufgrund der geringen Inzidenz anderswo derzeit keine adäquate Therapie. Die Entfernungen im Gebiet des Amazonas sind schier endlos. weiter auf Seite 6

Inhalt Brüssel? Besser als gedacht! Sie ist nicht nur die Hauptstadt der Europäischen Union, sondern auch ein beliebtes Ziel für das Auslandspraktikum um die Ecke: Brüssel. Anne Seyffarth kann aus erster Hand vom Leben in der Metropole berichten. Und hier gibt es immer etwas zu erleben. S. 10

Praktikum

Afrika? Ich hab´s gewagt! David Simons hat sich das Motto „Wer wagt gewinnt“ zu Herzen und allen Mut zusammen genommen. Er hat den Sprung zu einem medizinischen Abstecher ins afrikanische Eritrea gewagt und durfte beinahe das komplette Repertoire eines Assistenzarztes unter Anleitung erfüllen: auf einmal war er selbst der Operateur. S. 05

Geschmökert

Anatomie? Ein Muss! Um grundlegende Kenntnisse im Fach der Fächer, das der Medizin zu Grunde liegt, kommt kein Student herum. Doch welches Buch ist für die Anatomie das geeignete? Worauf gilt es beim Bücherkauf zu achten? Wir stellen drei profunde Bücher für das wichtige Gebiet vor. S. 04

PJ-Tertial

Kaffee? Zahlt der Chef! Einen Teil des PJ im Ausland zu verbringen, stand für Alicja Zybowski fest. Sie wollte Erfahrungen fernab deutscher Klinikluft schnuppern und entschied sich für das verlockende Australien. In ihrem Artikel erfahrt ihr, wie es ihr down under im Land der Kängurus ergangen ist. S. 08

Ausland

Hakenhalten? Nicht drin! Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit ist Irland ein wirklich reizvolles Ziel. Christian Renckhoff verbrachte 18 Wochen in der Chirurgie im irischen Galway. Wenn gleich nicht alles perfekt lief, und er z.T. nicht einmal Haken halten durfte, gelangt er dennoch zum positiven Fazit: Don´t wanna miss it! S. 09


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Kurz notiert

Medizinradio Podcast ist in vieler Munde, besser gesagt: Ohren. Das Deutsche Medizinradio (dmr.) ist seit Frühjahr 2006 online und versteht sich als Plattform für die Vermittlung von medizinischer Information für die unterschiedlichen Interessensgruppen im deutschen Sprachraum. Es stellt allen Interessierten unterwegs hörbare Informationen und Termine aus der praktischen Wissenschaft Medizin zur Verfügung. Auch wenn sich das Angebot derzeit noch im Aufbau befindet, solltet ihr euch diesen Link einmal anschauen oder besser gesagt: anhören. www.medizinradio.de

Auf den Spuren der Königin PJ in der größten Orthopädie Nordeuropas von Heike Braunsfurth heim (2.000 Kronen sind etwa 270 Euro). Es kommt darauf an, ob man ein Zimmer mit Dusche und WC haben möchte oder es sich mit anderen teilen möchte. Århus ist mit ungefähr 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Dänemarks und liegt direkt an der Ostküste Jütlands. Die Stadt hat einen wunderschönen Stadtkern mit einer großen Fußgängerzone. Außerdem befinden sich in Århus mehrere schöne Badestrände und fantastische Wald- und Erholungsgebiete. Mein Wohnheim war nur zehn Minuten vom Bellevue-Strand im Norden von Århus entfernt. Im August und September konnte man das gute Wetter oft für ausgiebige Strandbesuche nutzen. Außerdem war direkt in der Nähe der Risskoy-Wald, in dem man gut joggen konnte. Abends hat es sich immer gelohnt in die Stadt oder in das Studenterhus zu den permanenten Erasmus-Partys zu gehen. Weggehen ist sehr teuer, weshalb viele Partys in den Wohnheimen gefeiert werden. Das Einkaufen hingegen ist nicht so viel teurer, wenn man nach Angeboten Ausschau hält und gut vergleicht.

1.775 x Multimediales Lernen Die Angebote für Aus-, Fort- und Weiterbildung im Web für die Medizin sind in den letzten Jahren immer umfangreicher und vielfältiger geworden. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „LRSMed“ erleichtert die Suche nach entsprechenden Ressourcen. Der LRSMed bietet eine Suchmöglichkeit nach multimedialen Lehr- und Lernmodulen, die im Web kostenfrei bereitgestellt werden. Diese Module – derzeit stehen 1.775 von Ihnen zur Verfügung – werden nach verschiedenen Gesichtspunkten beschrieben, z. B. nach Fachgebiet oder auch Anwendungstyp. www.medi-learn.de/multimedia

Medi-Netz Ob Allergien auf Nikotinpflaster, Delfine als Therapeuten, eine mögliche Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs oder MedikamentenDepots im Zahn – die Liste und Auswahl medizinischer Informations- und Fachartikel auf der Internetseite www.medi-netz.com ist erstaunlich lang, erfreulich abwechslungsreich und lädt zum längeren Verweilen und Stöbern ein. www.medi-netz.com

Master in Pflege Die Pflegewissenschaftliche Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar (PTHV) bei Koblenz stellt auch für das Wintersemester 2007/ 2008 wieder bis zu 25 Studienplätze im Studienprogramm Master of Science Pflegewissenschaft zur Verfügung. Die PTHV bietet Bewerbern, die ein erstes Hochschulstudium im Bereich Pflege oder Gesundheit absolviert haben, damit die Chance, sich in einem innovativen und zukunftsorientierten Studienprogramm weiter zu qualifizieren. www.pthv.de

Deine Meinung ist uns wichtig! Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung? Unter www.medi-learn.de /gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich – unter allen Teilnehmern verlosen wir Fachbücher im Wert von 300 €. Einfach Fragebogen ausfüllen und schon bist du dabei!

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änemark? Århus? Diese Fragen habe ich nicht nur oft von meinen Kommilitonen gehört, sondern auch – von den Dänen! Mit Dänemark assoziieren wahrscheinlich viele: Norden, Kälte, Regen, Sommerurlaub für Hartgesottene, Kopenhagen und die kleine Meerjungfrau. Aber ein PJ und dann auch noch Århus? Meine Antwort: Ich wollte gerne ins Ausland, Århus hat eine der größten orthopädischen Abteilungen Skandinaviens, mein Freund wohnt in Norddeutschland und Århus hat einen bilateralen Erasmus-Vertrag mit der Uni Bochum. Ganz einfach, die Antwort.

Betreuung Vor meiner Abreise habe ich mich mit meinem Mentor, den ich von der Universität zugewiesen bekommen habe, per E-Mail verständigt. Wir haben uns zum verabredeten Zeitpunkt am 1. August am Wohnheim getroffen. Sehr nett: Er hatte schon meine Schlüssel und das Willkommenspaket am Internationalen Sekretariat abgeholt. Noch netter: Am nächsten Tag haben wir uns in der Stadt getroffen und er hat mich zum Essen eingeladen.

Viel zu tun Der ungefähre Tagesablauf sah in allen Gebieten gleich aus. Gestartet wurde morgens um acht mit einer gemeinsamen Frühbesprechung, an der alle Orthopäden und Traumatologen teilgenommen haben. Dort wurden die notfallmäßigen Neuaufnahmen des Vortages und der Nacht vorgestellt, OP-Kapazitäten besprochen und es gab immer einige besonders interessante Fallvorstellungen.

WIRBELSÄULENOPERATIONEN DAUERTEN BIS ZU ZEHN

STUNDEN

VISITEN UND ARZTBRIEFE DIKTIEREN KONNTE ICH BALD AUF

DÄNISCH

Auch während des Semesters bietet das Sprachcenter Kurse an. Sie sind zweimal wöchentlich abends oder jeden Tag vormittags. Neben dem PJ ist es allerdings recht schwer, die Zeit dafür zu finden und außerdem lernt man beim Sprechen im Krankenhaus viel mehr. Ich konnte

Bewerbung Die Bewerbung lief über das Auslandsbüro der Uni Bochum. Das Ausfüllen eines Erasmus-Antrags, ein schriftliches Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf und der „Letter of motivation“ waren schnell gemacht. Der Kommentar: „Århus – Oh, da war seit vielen Jahren niemand mehr“ hat mich kurz zweifeln lassen, aber immerhin war schon einmal jemand dort. Die dänische Universität hat mich dann zuerst per E-Mail kontaktiert und mir dann eine schriftliche Zusage geschickt. Alle weiteren Schritte wurden mir von der Sekretärin der Medizinischen Fakultät dort erklärt. Ich konnte mich für einen Wohnheimplatz bewerben, mich für den Sprachkurs anmelden und sogar schon einen Rotationsplan für mein Tertial in der Orthopädie dort erstellen.

Im Børglumkollegiet Ich habe von der Uni ein Zimmer im Børglumkollegiet bekommen. Dieses hatte ich auch als Wunsch-Wohnheim angegeben. Ich hatte ein eigenes kleines Bad und habe mir eine sehr gut ausgestattete Küche mit 14 dänischen Studenten geteilt. Wir haben oft etwas zusammen unternommen und ich habe viele dänische Traditionen kennen gelernt. Jeder hatte eine Woche Küchendienst – und die Dänen sind wirklich sehr ordentlich.

BADESTRÄNDE UND WALDGEBIET IN UNMITTELBARER NÄHE Man kann sich auch selber etwas suchen, was aber meistens stressiger und auch teurer ist. Die Preise schwanken zwischen 1.500 und 2.000 Kronen für ein ca. 10 qm großes Zimmer in einem Wohn-

Weißes Kreuz auf rotem Grund: Die Flagge von Dänemark

Die Medizinische Fakultät bezahlt das nämlich für Austauschstudenten. Später hat er mir die Stadt, die Universität und das Krankenhaus gezeigt. Die Uni ist sehr bemüht, einen Mentor aus demselben Fach und demselben Semester zu finden. Von der Universität werden auch viele Freizeitangebote organisiert. Diese finden meist durch das International Student Center (ISC) statt. Im ISC wird jeden Dienstag auch eine so genannte International Party veranstaltet, wo sich die internationalen Studenten sämtlicher Fächer treffen, sich unterhalten, günstig Bier trinken und Billard oder Tischfußball spielen. Hier finden auch regelmäßig andere Partys statt.

Forstår du det? Die Uni Århus bietet einen kostenlosen Sprachkurs für alle Erasmus-Studenten an („Denmark Today”). Er findet jeweils im August und im Januar für vier Wochen statt. Die Unterlagen schickt die Uni zu. Wenn man die Zeit hat, sollte man daran teilnehmen, weil es die beste Möglichkeit ist, schon vorher die Leute und die Stadt kennen zu lernen. Ich habe den Kurs im August gemacht. Vormittags gab es drei Stunden Unterricht, nachmittags waren verschiedene Aktivitäten (z.B. Stadtrundfahrt, Barbecue, Museen, Ausflüge, verschiedene Seminare) angesetzt.

Abteilungen verteilt. So ist maximal ein Student auf einer Station. In allen Krankenhäusern gibt es Kantinen und kleine Kioske, außerdem gibt es regelmäßig gemeinsame Frühstücksrunden.

vor meinem Aufenthalt in Dänemark kein einziges Wort dänisch. Nach dem Sprachkurs konnte ich mein Bankkonto auf Dänisch eröffnen, und während des Tertials habe ich den Rest gelernt. Patientengespräche, Visite und auch das Diktieren von Arztbriefen waren bald kaum noch ein Problem. Wenn man doch mal Schwierigkeiten hat, können einem die Dänen auch mit ihrem meist perfekten Englisch weiterhelfen.

Riesige Orthopädie In Århus gibt es drei Uni-Kliniken. Das Kommunehospital, das Skejbyhospital und das Amtssygehus. Seit einiger Zeit gehören sie aber alle zusammen und heißen Universitetshospital Århus. Man unterscheidet sie dann, indem man die Straße dazusagt. Das Kommunehospital ist „Nørrebrogade“, das Amtssygehus ist „Tage-Hansens-Gade“, nur Skejby im Norden der Stadt bleibt Skejby. Ich war in der Orthopädie von „Nørrebrogade“. Meinen Rotationsplan durfte ich mir selbst erstellen und so war ich die ersten Wochen in der Wirbelsäulenchirurgie, dann in der Tumor- und Infektionsorthopädie. Die letzten Wochen habe ich in der Kinderorthopädie verbracht. Die Orthopädie ist riesig und die dänischen Studenten werden auf die verschiedenen

Danach haben sich alle auf ihre Stationen verteilt. Mittwochs gab es noch eine Fortbildung für alle Studenten und Assistenten. Ansonsten hatte jede Station ihre eigene Röntgenkonferenz und ihre eigene Stationskonferenz zusammen mit den Krankenschwestern. Das Verhältnis zwischen Ärzten und Krankenschwestern und sowieso mit dem gesamtem Personal war ausgezeichnet und harmonisch. Meine Aufgabe war die Assistenz bei Operationen, bei denen ich auch sehr viel selbst machen durfte. Die komplexen Wirbelsäulenoperationen haben dann auch mal bis zu zehn Stunden gedauert! Dafür gab es meistens drei oder vier Kinder-OPs an einem Tag. An einigen Tagen war ambulante Sprechstunde. Am Anfang war ich immer zusammen mit einem der Ärzte unterwegs und durfte die Untersuchungen durchführen. In den letzten Wochen konnte ich die Patienten selbständig voruntersuchen. Und dann gab es noch die Skadestue. Die Notaufnahme musste immer von einem der Studenten mit besetzt werden. Man hatte also immer zwei bis drei Dienste in der Woche. Im Anschluss an die normale Stationsarbeit ging es dann um 16 Uhr los. Ich bin meistens bis 23 Uhr geblieben. Einige Male war man aber so eingespannt, dass ich auch bis ein Uhr morgens gearbeitet habe. Am nächsten Tag war man ganz normal auf seiner Station tätig. In Dänemark gibt es nicht so viele Krankenhäuser wie bei uns, und so kommt alle fünf Minuten ein neuer Patient herein. Mit drei Turnuslaeger (quasi die dänischen jungen Assistenzärzte) konnte man sich dann die Patienten teilen. Nach den ersten Wochen, in denen ich mehr mitgegangen bin, konnte ich mir zutrauen, die Patienten selbst zu untersuchen, Röntgenscheine zu schreiben, Schnitte zu nähen und anschließend die Berichte zu diktieren.

Nie bloß Hakenhalter Was bleibt von Ǻrhus? Eine sehr lehrreiche, schöne und spannende Zeit mit netten Kollegen. Dänisch kann man sehr gut in vier Monaten lernen und ich hatte sehr viel und guten Kontakt zu den einheimischen Studenten. Wer als Wahlfach Orthopädie machen möchte, dem kann ich Århus nur empfehlen, da es die größte Orthopädie Nordeuropas ist und man nie bloßer „Hakenhalter“ bei Hüft- oder Knie-TEP‘s sein muss. Und für die Güte der Arbeit gibt es einen Garanten von ganz oben: Die dänische Königin lässt sich in Århus operieren und nicht in Kopenhagen!

Wir verlosen ein Exemplar „Orthopädie“ aus dem Springer Verlag – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw783


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Vom Spital in den Pool Tertial Kinderheilkunde in Winterthur von Antje Hundt

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er Entschluss, ein PJ-Tertial in der Schweiz zu absolvieren, ist schnell gefasst. Man hört fast ausschließlich von positiven Erfahrungen anderer Studenten, die dort waren. Und so war es dann auch in meinem Fall. Dennoch ist es gerade auf Grund der damit einhergehenden Beliebtheit der Schweiz zunehmend schwerer, auch die gewünschte Stelle zu bekommen. Schon deswegen empfiehlt sich eine frühzeitige Planung. Auch wenn es fast unmöglich ist, bereits anderthalb bis zwei Jahre im Voraus feste Termine zu machen, sollte man sich – zumindest, wenn man konkrete Pläne bezüglich des gewünschten Tertials hat – bereits zu diesem frühen Zeitpunkt über freie Unterassistentenstellen informieren. Für Kurzentschlossene gibt es immer noch die Möglichkeit, wenige Wochen vor Beginn des einzelnen Tertials eine telefonische Anfrage zu starten. Denn meist gibt es, vor allem in Fächern wie Chirurgie und Innere, noch kurzfristig freie Stellen, weil andere Studenten abgesprungen sind. Im Grunde also wie beim Buchen einer Reise: Frühbucher ergattern am ehesten freie Plätze, Last Minute kann man noch ein Schnäppchen abgreifen.

Ein Anruf lohnt sich immer! Die Bewerbung gestaltet sich recht unkompliziert mit dem üblichen Bündel aus Bewerbungsschreiben, Lebenslauf und den Prüfungszeugnissen. Um einen guten Überblick über sämtliche Kliniken mit ihren Fachabteilungen zu erhalten, empfiehlt sich der Blick ins Internet (www. doktor.ch oder www.medi-learn.de/jobs). Dort findet ihr auch die Ansprechpartner mit E-Mail-Adresse, so dass sich unverbindliche Anfragen einfach gestalten. Ebenfalls sind dort sämtliche Telefonnummern angegeben. Es sei hier erwähnt, dass sich ein Anruf vor Ort immer lohnt! Nicht nur, dass man seine Informationen sofort erhält, es ist auch einfach beeindruckend, wie freundlich die Menschen am anderen Ende der Leitung reagieren und wirklich versuchen, einem weiterzuhelfen. Da man in der Schweiz als Unterassistent eingestellt wird, ist es notwendig, eine Arbeitserlaubnis zu beantragen. Das übernimmt aber meistens die Klinik selbst, so dass weder Wartezeiten noch unnötige Kosten entstehen. Ebenfalls notwendig für den Zeitraum des Aufenthaltes ist der Abschluss einer privaten Krankenversicherung – sofern noch nicht vorhanden. Der entsprechende Nachweis wird in der Schweiz nachgefragt.

Zürich ist nah Da ich mich für Winterthur entschieden hatte, das nur 20 km von Zürich entfernt und sehr verkehrsgünstig gelegen ist, beschloss ich, mich mit dem Auto auf den Weg zu machen. Da man durch die Nähe zu Zürich Anschluss an alle Verkehrswege hat, ist eine Anreise per Bahn oder

Flugzeug natürlich auch kein Problem. Mit dem Auto vor Ort gestaltet sich die Erkundung der wunderschönen schweizerischen Landschaft jedoch um einiges einfacher und kostengünstiger. Denn Bahnfahrten innerhalb der Schweiz sind deutlich teurer, als man es hierzulande gewohnt ist. Zudem liegt der Benzinpreis in der Schweiz – im Gegensatz zu fast allen anderen Gütern – unter dem deutschen Niveau und erleichtert die Entscheidung für das passende Verkehrmittel. Es ist lediglich daran zu denken, die aktuelle Autobahnvignette (27 Euro pro Jahr) zu besorgen. Das ist z.B. beim ADAC, aber auch über das Internet möglich. Das Kantonsspital Winterthur hat eigens für seine Mitarbeiter ein Personalhaus, das nur zwei Minuten fußläufig vom Spital entfernt ist und außerdem über einen Garten mit Pool und Liegewiese verfügt, was man vor allem im Sommer nach einem anstrengenden Tag zu schätzen lernt!

Haus mit Pool Die Zimmer verteilen sich auf drei Etagen und sind zum großen Teil innerhalb der letzten Jahre renoviert worden. Dennoch muss man zum Duschen und zu den Toiletten über den Flur. Jeweils sechs Zimmer teilen sich eine gemeinsame Küche, die man aber im Grunde nicht in Anspruch nehmen muss, da die Verpflegung in der Klinik ausgesprochen gut ist. Waschmaschinen und Trockner befinden sich im Keller, bereits bei der Reservierung des Zimmers wird danach gefragt, ob man einen Internetzugang haben möchte, der 35 Franken im Monat kostet. Das Zimmer selbst wird kostenfrei vom Spital zur Verfügung gestellt. Telefon befindet sich ebenfalls auf dem Zimmer und mit den richtigen Vorwahlnummern lässt sich sowohl aus Deutschland als auch der Schweiz recht günstig telefonieren.

UM ACHT UHR MORGENS GEHT DER DIENST LOS Im Gegensatz zu den meisten anderen schweizerischen Spitälern zahlt das Kantonsspital in Winterthur seinen Unterassistenten kein Gehalt aus. Es wird lediglich zu Beginn des Monats ein Betrag von 450 Franken auf die persönliche IDKarte übertragen. Mit diesem Guthaben kann man sowohl im Personalrestaurant als auch in der Cafeteria zahlen, so dass praktisch keine Kosten für die Verpflegung anfallen. Kleiner Tipp: Da es fast unmöglich ist, das Guthaben für die Verpflegung völlig aufzubrauchen, man aber auch den Restbetrag nicht ausgezahlt bekommt, ist es sinnvoll, für seine Kollegen mitzubezahlen und sich das Geld ggf. von diesen wiedergeben zu lassen. Um acht Uhr morgens geht der Dienst los. Zunächst mit der Morgenrunde, auf der die neu aufgenommenen

Patienten vom Vortag und der Nacht vorgestellt werden sowie Vorkommnisse auf den einzelnen Stationen besprochen werden. Im Anschluss daran findet ein etwa dreißigminütiges Morgenteaching statt, das abwechselnd von Assistenten und Oberärzten gestaltet wird. Diese Form der internen Weiterbildung habe ich persönlich als sehr lohnend empfunden, da auch immer die Zeit blieb, ein paar Fragen zu stellen oder aktuelle Fälle zu besprechen. Nach einem Kaffee begannen gegen neun Uhr die Visiten auf den einzelnen Stationen.

Vom Neugeborenen bis zum Teenager Die Kinderklinik in Winterthur verfügt über zwei allgemeinpädiatrische Stationen, auf die die Kinder entsprechend ihres Alters (null bis zwei und drei bis 18 Jahre) aufgeteilt werden. Hinzu kommt eine Neonatologie und Kindernotaufnahme/Ambulanz. In der Regel arbeitet jeweils ein Assistenzarzt auf einer Station zusammen mit einem Oberarzt, der Unterassistent ergänzt das Assistententeam. Es bleibt immer genügend Zeit, auch auf den Visiten seine Fragen zu stellen. Abhängig vom eigenen Engagement kann man bereits nach kurzer Zeit eigene Patienten betreuen und diese dann auch auf den Visiten vorstellen.

ALLES GANZ WIE IN DEUTSCHLAND Teilweise während, meist jedoch im Anschluss an die Visiten, die sich auch manchmal über mehrere Stunden hinziehen können, sind neue Patienten aufzunehmen, sofern sie nicht als Notfall kommen. Somit gibt es ausreichend Möglichkeiten die körperliche Untersuchung vom Neugeborenen bis hin zum Teenager zu üben. Anschließend werden die Aufnahmen mit dem zuständigen Assistenten oder Oberarzt besprochen und Formalitäten erledigt. Hat man seine eigenen Patienten, so ist es durchaus üblich auch die Verordnungen für diesen selbst zu schreiben. Alle aufkommenden Fragen kann man natürlich an den jeweiligen Assistenten richten. Aufgaben wie das Schreiben von Austrittsberichten, Nachfragen von Untersuchungs-Ergebnissen, Organisieren von Nachuntersuchungen usw. können weitestgehend selbständig erledigt werden, der Stationsassistent ist für jede Hilfe dankbar. Um 16:30 Uhr findet eine kurze Besprechung und Vorstellung der Geschehnisse bzw. Neuaufnahmen des Tages statt, im Anschluss daran wird meist noch Schreibkram erledigt – alles ganz wie in Deutschland. Und auch das: In arbeitsintensiven Zeiten ist es meist nicht möglich, vor 18 Uhr die Klinik zu verlassen. Die „Uhus“, so die umgangssprachliche Schweizer Bezeichnung für die Unterassistenten, teilen sich auf zwi-

schen der Neonatologie, den zwei allgemeinpädiatrischen Stationen und der Kindernotaufnahme und rotieren etwa monatlich. In der Notaufnahme variieren die Arbeitszeiten: Hier wird um 12 Uhr begonnen und bis 20 Uhr gearbeitet. Es wird erwartet, dass auch am Wochenende einer der Unterassistenten das Notfallteam unterstützt. Die Arbeitszeiten dauern dann von 10 bis 20 Uhr. Auch wenn das sehr arbeitsintensiv klingt, so ist meiner Meinung nach die Kindernotaufnahme, der Ort, an dem man den besten Überblick über das weite Spektrum der Kinderheilkunde bekommen kann. Das Patientengut entspricht im Wesentlichen dem eines niedergelassenen Pädiaters. Zudem lernt man, seine Untersuchungstechniken zu optimieren, Diagnosen in angemessener Zeit zu stellen und Therapieoptionen zu erwägen.

Und außer der Arbeit? Natürlich bleibt immer noch genügend freie Zeit, um das Land kennen zu lernen. Auch in Winterthur lässt sich einiges Sehenswertes finden. Das gute kulturelle Angebot, z.B. das weltberühmte Fotomuseum oder die Interaktiv-Ausstellung Technorama dürfte für jeden Kunstgeschmack etwas dabei haben, und falls man doch nichts Passendes finden sollte, bleibt immer noch die Möglichkeit, ins nahe Zürich zu fahren. Neben der Kultur hat auch die Natur in dieser Gegend einiges zu bieten. Für alle, die gern wandern, ist es geradezu paradiesisch in der Schweiz. Zürichs, dem Hörnli und dem Schnebelhorn. Ebenfalls sehenswert und mit dem Auto in nur knapp einer Stunde zu erreichen ist der Säntis. Von diesem Berg aus hat man bei gutem Wetter einen Ausblick auf Zürichsee, Bodensee bis hin ins Vorarlberg nach Österreich. Da Winterthur nur eine halbe Stunde von der deutschen Grenze entfernt liegt, sollte man auch die Gelegenheit nutzen und sich Konstanz oder Stein am Rhein ansehen.

Bestenfalls winkt eine Stelle! Für alle, die gern selbständig arbeiten, Interesse an Kinderheilkunde haben und auch mit einem Zehn-Stunden-Arbeitstag leben können, lohnt sich ein Tertial in der Kinderheilkunde in Winterthur auf jeden Fall. Je mehr Engagement man zeigt, desto selbständiger kann man arbeiten. Das Assistententeam ist sehr jung und motiviert, so dass man ein angenehmes Arbeitsklima vorfindet. Wer mit dem Gedanken spielt, nach dem Studium vielleicht ganz in die Schweiz zu gehen, für den lohnt sich ein PJ-Tertial dort erst Recht. Häufig kann man während des PJs ausreichend Kontakte knüpfen oder bekommt im besten Falle sogar ein Stellenangebot! Wir verlosen zwei Exemplare „Niessen Pädiatrie “ aus dem Thieme Verlag – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw784

Studentenleben

Basisinvestment auf dem Prüfstand von Karl-Heinz Silbernagel Selten sind die sich eher distanziert gegenüberstehenden Verbraucherschützer und Versicherungsunternehmen so einig wie bei der Beurteilung der Wichtigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Die einhellige Meinung ist: Man muss sie haben. Berufsunfähigkeit ist ein Risiko, das von heute auf morgen eine hoffnungsvolle Karriere beenden kann und damit existentielle Auswirkungen auf den Lebensweg eines Menschen hat. Aber – so die berechtigte Frage eines Medizinstudenten – wer spricht hier von berufstätig, ich arbeite doch noch gar nicht, weshalb jetzt schon eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Die Antwort der Experten: Sie ist, gerade für junge Menschen, die wichtigste Versicherung überhaupt, denn junge Menschen in der Ausbildung, also auch Studenten, haben keinen gesetzlichen Versicherungsschutz und bekommen keinen Euro • wenn nach einem Sportunfall die Verletzung so schwer ist, dass der angestrebte Beruf als Arzt nicht mehr zu realisieren ist oder • wenn während einer Auslandsfamulatur Krankheiten oder Unfälle die weitere Karriere als Arzt ausbremsen. Die Statistik ist klar: etwa jeder 5. Berufstätige wird vor Erreichen der Altersgrenze berufsunfähig, bei den jüngeren Menschen sind Erkrankungen des Bewegungsapparates mit fast 35 % der Fälle die Hauptursache für Berufsunfähigkeit. Glück im Unglück haben Menschen, die das Schicksal in reiferen Jahren trifft. Hier kann die Altersrente vorgezogen werden, da in der Regel anderweitig Vermögen aufgebaut wurde. Härter getroffen werden jüngere Jahrgänge, denn für sie gibt es noch keinen „Rettungsfallschirm“. So ist eine bedarfsgerechte Absicherung der Berufsunfähigkeit keine Frage „ob“, sondern „bei wem?“. Ein Blick in die Publikationen der Verbraucherschützer hilft weiter. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass neben dem Preis vor allem eine Versicherung mit erstklassigen oder – besser noch – berufsbezogenen Bedingungen ausgewählt werden soll. Als Entscheidungsstütze bei der Wahl des richtigen Versicherers sollte der Student neben seinem noch freien Etat also auch auf folgende Kriterien achten und im Gespräch mit seinem Versicherungsvertreter zur Diskussion stellen: Ist es ein „Ärzte-Versicherer“, mit dem ich es zu tun habe oder ein Unternehmen, das ein Standardprodukt für alle anbietet? Wird das Unternehmen von führenden Rating-Agenturen (Stiftung Warentest, Morgen & Morgen, Franke & Bomberg) mit Bestnoten bewertet? Und – was sagen die ärztlichen Organisationen und Berufsverbände zu dem Unternehmen? Kooperieren sie und empfehlen die Produkte? Ein weiteres: Wie hoch ist eigentlich die Prozessquote, die aussagt, ob der Versicherer im Schadensfalle fair ist oder zuerst nach den Juristen ruft? Und last, but not least – wie sehen die Produkte aus, gibt es Varianten im Angebot und günstige Tarife speziell für Berufseinsteiger?


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Lehrbuch Anatomie, Lippert (Elsevier)

In den Foren gelauscht

Wie viel Natur? Wie viel Natur, genauer gesagt Naturwissenschaft? Eine in den Foren immer wieder gestellte Frage, mit der sich insbesondere die Studienbewerber beschäftigen: Wie hoch sind Anteil und Aufwand für naturwissenschaftliche Fächer im Medizinstudium? Mit welchem Zeitbedarf und Schwierigkeitsgrad darf man für Bio, Physik und Chemie rechnen? Wenn gleich man hier bei über 30 bundesweiten Universitäten keine generelle Antwort erwarten darf, so lohnt sich für die grobe Richtung dennoch der Blick ins Forum unter: www.medi-learn.de/MF35744

Man trifft sich Man sieht sich bzw. trifft sich – und in unseren Foren haben sich mittlerweile einige Treffpunkte angesammelt, an denen sich „Genervte“ treffen. So füllt der Treffpunkt für genervte Prüfungskandidaten, denen das Hammerexamen ins Haus steht, mittlerweile stattliche 17 Seiten. Für alle, denen das Lernen auf die Nerven geht und die mit Leidgenossen einfach mal „nur Dampf ablassen“ möchten: www.medi-learn.de/MF34701

von Christian Hübel (3. Semester Modellstudiengang RWTH-Aachen)

Titel: Lehrbuch Anatomie Autor: Lippert Verlag: Urban&Fischer ISBN: 978-3-437-42362-8 Preis: 49,95 €

Kurzbeschreibung Das „Lehrbuch Anatomie“ von H. Lippert, erschienen bei Urban&Fischer in der 7. Auflage 2006, ist ein Lehrbuch der

Sinnkrise „Also, der Streß im Studium ist wirklich kein Problem, habe wirklich alles gut geschafft bis jetzt. Was mir Sorgen macht, ist, dass ich absolut kein gutes Gefühl habe beim Gedanken an so Dinge wie PJ. Das Studium ist interessant, sonst wäre ich nicht mehr dabei, aber die viele Auswendiglernerei geht mir auf den Senkel. Dazu die trübe Aussicht auf 80h-Wochen in einer Klinik.“ Kommen euch diese Gedanken bekannt vor? Habt ihr Ratschläge, wie man diese Situation meistern kann? www.medi-learn.de/MF35781

MEDI-LEARN Zeitung Schon gewusst? Die MLZ gibt es auch per E-Mail. Weitere Infos und kostenlose Bestellung unter: www.medi-learn.de /zeitung

Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw218

von Ulf Schürch (5. Semester, Ulm)

Titel: Duale Reihe Anatomie Autor: Wurzinger Verlag: Georg Thieme Verlag ISBN: 9783131360410 Preis: 54,95 €

Kurzbeschreibung Bei dem Band ,Anatomie von L. Wurzinger, handelt es sich um ein umfassendes

Lehrwerk, das auf etwa 1.400 Seiten dem Leser v.a. die makroskopische Anatomie erklärt. Dies gelingt durch vielfältige gute Abbildungen, Merkkästchen, Tabellen und einer beiliegenden CD-Rom. Zielgruppe Das Buch ist eindeutig auf Studierende in der Vorklinik ausgerichtet, die sich auf anatomische Seminare und/oder den Präp-Kurs vorbereiten müssen. Aber auch nach dem Physikum wird das Buch nicht im Regal verstauben. Entstandene Wissenslücken wird man mit diesem Buch gerne wieder schließen können. Inhalt Im Allgemeinen werden die Themen in ausreichender Tiefe abgehandelt. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig in der Makroskopie. Man wird um den Kauf eines Embryologie- und eines Histologiebuches nicht herumkommen. Mit den großen Standardlehrbüchern und Nachschlagewerken, wie dem Benninghoff oder Grey’s Anatomy, kann und will es nicht konkurrieren. Aber als gutes Lehr-

buch, in dem das nötige Wissen steckt, kann es den Kampf gegen Moll und Co aufnehmen. Viele Abbildungen aus der Bildgebung (CT, MRT, Sono), deren Grundlagen in einem eigenen Kapitel erklärt werden, runden das Bild ab. Didaktik Die Stärken des Buches liegen in der Qualität der Abbildungen, die aus den Prometheus Atlanten schon bekannt sind, und den Text sehr gut verdeutlichen. Damit der Leser die Motivation für das Lernen behält, sind sogenannte „ver(k)lin(i)kte Vorklinik“ Kästen eingefügt, in denen ein klinischer Fall präsentiert wird. Der Text ist flüssig und leicht verständlich geschrieben, relevante Stichwörter sind hervorgehoben. Wie bei allen Büchern aus der Dualen Reihe ist in die Randspalte ein Kurzlehrbuch integriert. Aufbau Das Buch ist in vier große Abschnitte gegliedert: Allgemeine Anatomie, Bewegunssystem, Brust-, Bauch- und Beckensitus und Kopf, Hals, ZNS mit Sinnesorganen. Innerhalb dieser Abschnitte

erfolgt die Gliederung in Regionen und Systeme. Ein gutes Inhaltsverzeichnis, viele Überschriften und ein ausführliches Sachverzeichnis erleichtern die Suche nach einem Sachverhalt. Preis Das Buch kostet im Handel 54,95 €, und das ist es meines Erachtens auch angemessen für ein Werk dieser Ausstattung Fazit Der Leser bekommt ein Lehrbuch inklusive CD-ROM – so macht das Lernen richtig Spaß. Trotz kleiner Defizite in der Detailtiefe erhält man eine solide Grundlage der Anatomie. Das tolle Layout, die guten Abbildungen und die leicht verständliche Sprache werden dem Buch viele Anhänger bescheren. Wer den Prometheus mag, wird von diesem Buch nicht enttäuscht sein. Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw236

Anatomie, Schiebler (Springer) von Annett Linge (9. Semester, Dresden)

Der gute alte Spickzettel Klarer Fall: Die Gefahr, erwischt zu werden besteht. Ein genauso klarer Fall: Seit Menschengedenken haben sich Prüflinge auf die ein oder andere Art Zugang zur „Extraportion Wissen in Notsituationen“ in Form diverser Praktiken – im Volksmund Spickzettel genannt – verschafft. Der eine mag sie, der andere kommt ohne sie aus. Lesenswert sind die Ausführungen allemal, die ihr im Forenbeitrag findet: www.medi-learn.de/MF35640

zu nehmen. Neu bei Urban&Fischer ist „student consult“. Über eine PIN-Nummer kann man online auf das jeweilige Buch zugreifen. Didaktik Fragen zur Selbstkontrolle sind nicht vorhanden – mir persönlich haben sie nicht gefehlt. Lernhilfen in Form von knappen Merksätzen sucht man auch vergeblich, macht aber nichts – der Text ist flüssig lesbar und gibt ohne große Ausschweife das Wesentliche wider. Aufbau Die knapp 900 Seiten sind in 9 Kapitel mit jeweils bis zu 9 Unterkapiteln übersichtlich gegliedert. Ergänzungstexte werden farblich hervorgehoben, sodass ohne viel Mühe diese Abschnitte übersprungen oder expizit aufgefunden werden können. Das detaillierte Inhaltsverzeichnis enthält alle auf einen Suchbegriff zutreffenden Textstellen, wobei die Formatierung der Ziffern auf ausführ-

Duale Reihe Anatomie, Wurzinger (Thieme)

Alternativen gesucht Ob Clinical Research Associate, Pharmareferent, Ernährungsberater oder Medizin-Informatiker – die Palette beruflicher Möglichkeiten ausserhalb der Klinik ist weit gefächert. In Anbetracht der Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern mehrt sich die Zahl derer, die damit spekulieren, den weissen Kittel an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen. Welche Erfahrungen und Tipps diejenigen, die den Absprung geschafft haben, weitergeben können, lest ihr unter: www.medi-learn.de/MF34999

kompletten Anatomie des menschlichen Körpers mit vielen Praxisbezügen und weiterführenden Inhalten. Zielgruppe Das Buch ist für Studenten ohne jegliche Vorkenntnisse im vorklinischen Studienabschnitt gedacht. Er eignet sich v.a. für die grundlegende Vermittlung der anatomischen Sachverhalte und ist in meinen Augen eher ein Buch für den „Beginner“. Inhalt In die Kategorie ,Nachschlagewerk‘ oder ,Kurzlehrbuch‘ kann der Lippert nicht einsortiert werden – fürs erste zu kurz, fürs zweite zu lang – er ist nunmal ein einfaches Lehrbuch. Viele gute Abbildungen erleichtern das Textverständnis – teilweise sind sie aus Standardwerken wie dem Sobotta oder Benninghoff entnommen. Auch im Textteil wird kein Detailwissen vermittelt. An manchen Stellen ist aber gerade die Vereinfachung das Manko und es ist nötig, andere Quellen hinzu

liche Textstellen, Abbildungen und Detailabbildungen hinweisen. Das Buch hat etwas kleinere Maße als DIN A4 und ist für meine Begriffe handlich genug, um es z.B. im Bus oder im Bett zu lesen. Preis Im Handel ist das Buch für 50 Euro erhältlich. Für ein Werk mit der kompletten Anatomie erscheint dies zwar relativ preiswert, doch leider reichen die Inhalte an manchen Stellen nicht für eine ausreichende Prüfungsvorbereitung, zumindest an der Uniklinik Aachen. Der Kauf eines weiteren Buches relativiert den Preis somit ein wenig. Fazit Die praxisbezogene Ausrichtung des Buches hat mir sehr gefallen. Trotz einiger Schwächen die wohl jedes Lehrbuch hat und die auch von persönlichen Vorlieben abhängen, würde ich dieses Buch jederzeit weiterempfehlen.

Titel: Anatomie Autor: Schiebler Verlag: Springer Verlag ISBN: 978-3-540-21966-8 Preis: 39,95 €

Kurzbeschreibung Dieses Anatomiebuch umfasst die Histologie, die Embryologie sowie die mikroskopische und makroskopische

Anatomie. Leitsätze führen in gut strukturierte, übersichtliche und aufeinander aufbauende Kapitel ein. Mit Hilfe dieses Buches ist es dem Leser möglich, sich einen umfassenden Überblick über die Anatomie des Menschen zu verschaffen. Zielgruppe Das Buch richtet sich primär an Studenten des vorklinischen Studienabschnittes bis hin zum ersten Staatsexamen. Des Weiteren kann es später zur schnellen Rekapitulation wesentlicher Grundlagen hilfreich sein, wenn man sich vorher mit diesem Buch vertraut gemacht hat. Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Inhalt Der Autor geht in diesem Lehrbuch auf nahezu alle relevanten Themen ein. Er beginnt mit den Grundlagen und baut dann darauf auf. Zahlreiche Schemata ergänzen den Text und fördern so das Vorstellungsvermögen, notfalls auch, wenn der Atlas mal nicht zur Hand ist. Besonders gut sind die Kapitel der Makroskopie gelungen. Lernfakten werden in Tabellen zusammengestellt und parallel dazu im

Text abgehandelt. Somit prägen sich die puren Fakten besser ein. Leider werden die Histologie und Embryologie nur im Überblick vermittelt. Ich wünsche mir v. a. in der mikroskopischen Anatomie wesentlich mehr sowie originalgetreue, farbige Abbildungen. Die Neuroanatomie wird leider auch nur im Überblick abgehandelt und macht damit die Verwendung eines weiteren Buches erforderlich. Didaktik Das Lehrbuch enthält zahlreiche Lernhilfen. Merkkästen, Tabellen sowie klinische Hinweise machen den Studenten auf Schwerpunkte aufmerksam. Wichtige Fakten werden am jeweiligen Kapitelende noch mal zusammengefasst. Die Sprache ist flüssig und verständlich, sodass man dieses Buch zügig lesen kann. Aufbau Das Buch verfügt über eine anschauliche, übersichtliche Gliederung. Vom Allgemeinen zum Speziellen lautet die Devise. Wichtige Fakten werden durch Fettdruck hervorgehoben bzw. wiederholend betont. Damit weiß man, worauf es

am Ende ankommt. Des Weiteren ist der Schiebler in Schwarz/Rot gehalten, was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Preis Das Buch kostet im Handel 69,95 Euro. Im Vergleich zu anderen Büchern ist es ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Fazit Das Lehrbuch ist ein zuverlässiger Begleiter des Präpkurses, in Kombination mit einem Atlas. Der Autor vermittelt in angemessenem Umfang das Wesentliche. Somit ist es für den Studenten machbar, sich in knapper Zeit trotzdem ausreichend auf die bevorstehenden Anatomietestate vorzubereiten. Dennoch muss sich jeder im Klaren sein, dass es sich hier um ein mehr oder weniger ausführliches Kurzlehrbuch handelt.

Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw263


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Assistenzarzt im fünften Semester Humanitärer Einsatz in Eritrea

Bau des I.O.C.C.A.) größtenteils nach Deutschland geflogen werden müssen. Das ist nicht nur sehr kostspielig, sondern reisst die Kinder aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld, zumal das Außenministerium die Einreise der Eltern als Begleiter nicht erlaubt. Auch wir haben fast ausschließlich hier operiert und in den ersten zwei Wochen des Einsatzes war es auch fest in „orthopädischer Hand“. Außer dem Professor als Operateur und mir als Assistenten bestand das OP- und Pflegeteam ausschließlich aus Eritreern. Auch ein eritreerischer „orthopaedic surgeon“, Dr. Solomon, war während des gesamten Einsatzes dabei und operierte unter Anleitung auch.

von David Simons

Pavillonhospital zwischen Palmen, ein ganz angenehmer Einstieg im Mekane Hiwot Hospital

MEINE FREUNDIN KONNTE MEINE EUPHORIE NICHT SO GANZ TEILEN… Bereits zwei Tage später erhielt ich die Rückantwort. Mir wurde aufgrund der Empfehlung meines Freundes ohne zu zögern zugesagt. Auch mein Studienstand sei kein Problem, da ich die Grundkenntnisse, die ich in Eritrea bräuchte, auch während einer Famulatur in Deutschland erwerben könne. Ich konnte mein Glück fast gar nicht fassen. Schade war eigentlich nur, dass meine Freundin meine Euphorie so gar nicht teilen mochte. Der Gedanke, mich nach Afrika in ein ehemaliges Kriegsgebiet entlassen zu müssen, wollte ihr so gar nicht behagen. Wahrscheinlich muss man selber Medizin studieren, um diese Begeisterung verstehen zu können!

Vorab lernte ich den Einsatzleiter dann auch persönlich kennen. Wir hatten uns bei ihm verabredet, um noch ein paar Details zu erörtern und Fragen von mir zu klären. Prof. von Andrian-Werburg ist emeritierter Professor der Orthopäde. Er hatte vor diesem Einsatz bereits neun humanitäre Einsätze in Eritrea durchgeführt und war auch schon in Indien, Afghanistan, im Kosovo und im Irak medizinisch tätig. Bevor der Einsatz begann, galt es zunächst, zur Vorbereitung eine einmonatige Famulatur in der Orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Gießen zu absolvieren.

Nach der Visite im Mekane Hiwot Hospital, statteten wir auch dem nahe gelegenen Halibeth Hospital einen Besuch ab, da der Professor dort einen jungen Mann betreute, der nach einem Verkehrsunfall eine Fraktur der Wirbelsäule erlitten hatte. Das Halibeth selbst war während des Krieges ein Militärhospital und vom hygienischen Standard her äußerst gewöhnungsbedürftig. Das Krankenhaus und der Geruch im OP haben mir fast schon Angst gemacht. Der hohe medizinische Standard des I.O.C.C.A. hat sich leider

Alltag in Eritrea Nach der morgendlichen Visite startete das Operationsprogramm. Spannend für mich: Waren meine Aufgaben in Deutschland als Famulus doch eher auf „stilles Hakenhalten“ beschränkt, fand ich mich hier fast immer als erster Assistent am Tisch wieder. Der eritreische Arzt, Dr. Solomon, war morgens immer im Gipszimmer und versorgte dort die kleinen Patienten, so dass ich viel Zeit hatte, OP-Erfahrungen zu sammeln. An meinen ersten OP-Tag dort erinnere ich mich noch sehr gut. Meist wurden während des Einsatzes so genannte Klumpfüße operiert, ein sehr verbreitetes Leiden in Eritrea. So war auch die erste OP eine Klumpfußoperation eines sehr kleinen Jungen. Fortsetzung im Digitalen Nachschlag www.medi-learn.de/mlz-nachschlag

Perfekt vorbereitet für die Prüfung: ▪ kurze, prägnante Darstellung des Stoffes ▪ Merksätze und Tipps zum Lernen ▪ „Das bringt Punkte“ fürs Schriftliche ▪ „Facts fürs Mündliche“

▪ lernpsychologische Aufteilung der Inhalte

Famulatur zur Vorbereitung

Mit Springer durchs Studium!

Hier lernte ich vor allem, mich im OP zu „bewegen“. Auch einige Grundgipstechniken wurden mir dort erläutert, die ich dann an Kommilitonen erproben konnte. Anfang Oktober war es dann endlich soweit. Nach achtstündigem Flug endlich angekommen, wurde ich gleich von Prof. von Andrian-Werburg in Empfang genommen, der bereits einige Tage zuvor angereist war. Er bot mir gleich das „Du“ an, das ist im Einsatz nämlich so üblich. Da Sonntag war, führten wir im Mekane Hiwot Hospital („Pavillonhospital zwischen Palmen“, auf dessen Grundstück wir arbeiteten) nur Visiten bei Patienten durch, die von ihm in der Woche zuvor operiert worden waren. Ein ganz angenehmer Einstieg. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass während des Einsatzes ausschließlich Kinder operiert oder konservativ versorgt wurden. Koordiniert wurde der ganze Einsatz nämlich vom Hammer Forum, einer Hilfsorganisation für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten. Das Hammer Forum ist eine relativ kleine Hilfsorganisation, die sich mithilfe von Spenden finanziert und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten medizinisch zu versorgen.

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Kurz und prägnant

Nach neuem GK 2

▪ 30 handliche Lernhefte ▪ mit Tipps für Pausen

Viele Lerntabellen und Übersichten Verständliche, studentengerechte Darstellung

2007. 1010 S., 620 Abb., Brosch. € (D) 49,95; € (A) 51,35; sFr 76,50 ISBN 978-3-540-33725-6

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Sogar herzchirurgische Eingriffe In Eritrea hatte das Hammer Forum zusammen mit der Karl Bröcker-Stiftung sogar ein eigenes Operationszentrum (International Operation Centre for Children in Asmara, kurz I.O.C.C.A.) aufbauen können. Das I.O.C.C.A. selbst befindet sich auf dem Grundstück des oben erwähnten Mekane Hiwot Hospitals. Hier können so ziemlich alle Operationen durchgeführt werden, sogar komplizierte herzchirurgische Eingriffe und das auf sehr hohem hygienischem und technischem Standard. Die Maxime hier lautet, dass die Kinder in ihrer Heimat operiert werden und nicht (wie vor dem

Ohne Ballast zum Physikum

Effektiver Lernen

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A

nfang Juni 2005 bekam ich einen überraschenden Anruf von einem guten Freund. Er erzählte mir, dass einer unserer Professoren noch einen Assistenten für seinen Herbsteinsatz in Eritrea suche. Ich wusste sofort, was er dort ansprach: Er hatte zu diesem Zeitpunkt unserem Prof. bereits drei Mal in Eritrea assistiert, hatte ein Tertial seines Praktischen Jahres ebenfalls im angrenzenden Äthiopien absolviert und verfügte dementsprechend über sehr viel Erfahrung mit dieser Region. Erst 1993 wurde Eritrea unabhängig, zuvor stand es unter äthiopischer Herrschaft und erst 2002 (nachdem es 1998 zu erneuten Kampfhandlungen kam) wurde der endgültige Grenzverlauf des Landes von einer unabhängigen internationalen Gruppe festgelegt. Seitdem wird der Grenzverlauf durch UN-Truppen gesichert. Als er mir damals von seinen Erlebnissen aus Eritrea berichtete, war ich fasziniert. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang meines Medizinstudiums im vorklinischen Abschnitt. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich aber noch nicht daran, später selber einmal dorthin zu gehen. Umso überraschender dann sein Anruf. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt noch relativ am Anfang des klinischen Abschnitts (5. Semester) und hatte gerade erst etwas Krankenhausluft geschnuppert. Ich fragte mich zwar, ob es mit meinem jetzigen medizinischen Kenntnisstand überhaupt schon möglich sei, an solch einem Einsatz teilzunehmen, aber er bestärkte mich darin und schlug mir vor, mich zu bewerben. Getreu dem Motto „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ setzte ich mich sofort an den Computer, schrieb eine Bewerbung und schickte sie ab.

ES KANN SCHON VORKOMMEN, DASS SICH ZWEI KINDER EIN BETT TEILEN MÜSSEN

noch nicht auf den Rest der Krankenhäuser übertragen. Eine Ausnahme bildete hier lediglich das von Chinesen ebenfalls auf dem Grundstück des Mekane Hiwot errichtete Orotta Hospital, welches unter anderem eine tolle Intensivstation besitzt. Ansonsten muss man sich in den anderen Häusern daran gewöhnen, dass die Patientenzimmer von unzähligen Fliegen bewohnt sind. Die Schränke sind dreckig, der Geruch streng. Bei hohen Patientenzahlen kann es auch schon mal vorkommen, dass sich zwei Kinder ein Bett teilen müssen.

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März/April 2007

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Vom Abi zum „Arzt“ Als Freiwillige in Ghana von Sara Loetz

N

ach dem Abi war für mich klar, dass ich aufbrechen will auf meine eigene Erkundungsreise. Und zwar auf den Kontinent, über den in allen Medien ein Bild des Hungers und des Elends gezeichnet wird. Ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen. Vorweg sei gesagt, dass dies die bisher schönste, intensivste und lehrreichste Zeit in meinem Leben war, eine Zeit, die ich keinesfalls missen möchte. Auch, wenn nicht immer alles einfach war.

Erst Grundschullehrerin… Da ich erst 19 Jahre alt war und meine medizinischen oder pflegerischen Kenntnisse sich auf ein dreiwöchiges Praktikum und eine DLRG-Sanitäterausbildung beschränkten, teilte mir die Organisation, die mir eine Tätigkeit vermittelte mit, dass ich nicht in einem Krankenhaus untergebracht werden konnte. So arbeitete ich zunächst in einer Grundschule und gab zwei Monate mein Bestes, 40 bis 50 Kindern (je nach Ernte- und Tageszeit) aus der 2. und 3. Klasse Mathe, Religion, Sachkunde und Englisch beizubringen. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich Ghana als sehr unkompliziertes Land kennen gelernt. Schließlich konnte ich hier direkt nach dem Abi als Lehrer arbeiten! Und wo auch immer ich hinreisen wollte, welche Probleme sich mir auch gezeigt haben – sobald ich um Hilfe bat, war sehr bald alles für die Obrunni (Wort für alle Weißen, weit Gereisten) organisiert. Regnete es einmal, während ich über den Markt schlenderte, überstürzten sich die Ghanaer beinahe, um mich zu sich nach Hause einzuladen und mich mit Fufu, dem ghanaischen Nationalgericht, in riesigen Mengen zu beköstigen. Ghana ist sicherlich eines der friedlichsten afrikanischen Länder. Ein Vorreiter in Demokratie und vor allem in Freundlichkeit. Als ich nun aber nach der Grundschule doch lieber im health center mitarbeiten wollte, waren die Mitarbeiter des Hauses

zutiefst betrübt, da sie mir nicht direkt helfen konnten. Der Direktor der Klinik, dem das Zentrum in Akroso unterstand, war einfach nicht zu erreichen. So musste ich warten. Für Ghanaer vollkommen normal, für mich ziemlich anstrengend. Ich saß mehrere Tage auf der Terrasse meiner Gastfamilie und wartete auf eine positive Nachricht.

…dann Krankenschwester

gehen. Die meisten hatten Malaria, wir wuschen sie, wir gaben ihnen Antimalariamittel, Medikamente gegen das Fieber und Vitamintabletten. Viele hatten aber auch allerlei Würmer, Bilharziose, Diarrhoe. Viele Wunden, kleine Verrenkungen, aber auch einen Schlangen- und sogar einen Menschenbiss erlebte ich.

ICH LERNTE DIE REGIONALSPRACHE UND KONNTE BALD DIE

ANMELDUNG BESETZEN

Endlich war es dann soweit. Ich bekam meine Arbeitserlaubnis und durfte mich ein bisschen umsehen. Das health center in Akroso besteht aus einigen Schwestern, die durch das Krankenhaus stöbern. Ärzte gab es keine. Ausgestattet ist es mit mehreren Behandlungsräumen, einer kleinen Apotheke, einem kleinem Labor, einer Geburtsstation und einigen Büros. Die Patienten, die wir versorgten, waren nie länger als 24 Stunden bei uns. Sollte doch eine ernsthafte Krankheit vorliegen, wurden sie an die Klinik in Oda überwiesen, wo es ein gut ausgebildetes Ärzteteam gab. Die medizinische Ausbildung in Ghana ist für afrikanische Verhältnisse gut. Medizinstudenten kommen aus ganz Westafrika an die Universität Lagos, vor den Türen der Hauptstadt Accra gelegen. Problematisch ist jedoch, dass die Mediziner aus dem Land strömen sobald sie ihre Ausbildung beendet haben. Es zieht sie nach Europa und Amerika, wo sie freilich ein Vielfaches dessen verdienen, was sie in afrikanischen Krankenhäusern erzielen könnten.

Ich half, wo ich konnte, verband hier und dort, packte Medikamente ab. Oder ich machte mich im Büro nützlich. Die Bürokratie hat auch in der ghanaischen Medizin Einzug gehalten: Ich half der Oberschwester, Unmengen von Statistiken anzufertigen oder zu kopieren. Es gab zwar einen Kopierer, aber im nächsten Dorf, so schrieben wir ab. Es dauerte zwar etwas länger, aber das machte nichts: In Afrika spielt Zeit eine andere Rolle. Dinge dauern nun einmal so lange wie sie dauern. Hetzen ist unbekannt, Kommunikation hingegen ist wichtig. So verbrachte ich auch viel Zeit damit, Twi zu lernen, das ist die Sprache der Ghanaer in der zentralen Region. Die Krankenschwestern und die Familie, mit der ich lebte, konnten zwar recht gutes Englisch, die offizielle Amtssprache, aber mit vielen der Patienten über 25 Jahren konnte ich mich nur schlecht englisch verständigen. So machte ich schnell einige sprachliche Fortschritte und konnte bald die Anmeldung alleine besetzen. Hier galt es, Blutdruck, Temperatur, Gewicht, Puls und Größe festzustellen.

Wir waren die Ärzte

Heimliches family planning

Unsere Arbeit im health center in Akroso war trotzdem vielfältig – vielleicht auch weil wir keine Ärzte hatten und diese Aufgaben selbst übernahmen. Morgens war ich gegen acht Uhr im Haus. Wenige allerdings kamen vor Mittag. Die Frauen und Männer mussten sich erst um ihre Felder kümmern, die Ernte zu den Häusern schaffen, die Erträge auf dem Markt verkaufen. Die Kinder mussten Wasser heranschaffen und dann in die Schule

Die Armut in den Entwicklungsländern steht nicht zuletzt auch mit der hohen Kinderzahl in Zusammenhang. Deswegen praktizieren Viele das family planning, so die offizielle Bezeichnung, oft von den Frauen hinter dem Rücken ihrer Ehemänner betrieben. Viele kamen alle drei Monate zu uns, um sich eine Spritze geben zu lassen, die eine Befruchtung verhindert. Zwei oder drei Tage in der Woche fuhr ich gemeinsam mit einer

Krankenschwester in die umliegenden Dörfer. Wir hatten stets einen weiten Weg und brachen früh morgens auf, um fernab von befestigten Straßen mit veralteten, verrosteten, aber fahrbaren Taxis in noch entlegenere Dörfer zu fahren. Im Gepäck hatten wir immer eine Menge Impfungen, einiges Verbandsmaterial und eine Waage. Diese hingen wir in einen Baum und wogen in ihr alle Kinder bis zu einem Alter von vier Jahren. Die Impfungen wurden von der UNO bezahlt und penibel dokumentiert. Die Mütter hatten Bücher, in denen auch sie die Entwicklung ihrer Kinder festhielten. Stellten wir eine rückläufige Gewichtsentwicklung fest, so bekamen die Kinder Zusatznahrung. Wenn wir mit unseren Behandlungsmöglichkeiten nicht weiterkamen, nahmen wir die Kranken mit ins health center oder überwiesen sie in die Klinik nach Oda. Zudem hielten wir eine Unterrichtseinheit ab, behandelten meist ein hygienisches Thema wie Körperpflege oder die Zubereitung von Speisen. Aber auch Malariaprävention oder das Baden in offenen Gewässern kamen zur Sprache.

ihn mitgearbeitet werden. Unvorstellbar wäre gewesen, Frau und Kinder eines malariageplagten Mannes verhungern zu lassen! Übrigens: Kurz vor meinem Aufenthalt hatte die ghanaische Regierung damit begonnen, eine Krankenversicherung aufzubauen. Doch der Gedanke, im Voraus eine Geldsumme zu bezahlen, war den Ghanaern zum großen Teil noch suspekt. Mein Fazit nach dem Aufenthalt in Ghana: Die Ghanaer mögen finanziell, gesundheitlich und in ihrer Bildung hinter unserem Stand liegen – und doch besitzen sie etwas, um das sie zu beneiden sind: Sie halten zusammen und sind zufrieden.

ICH SAH IN DANKBARE GESICHTER Auch wenn die Armut in diesen Dörfern mich wie ein Peitschenhieb ins Gesicht traf, so sah ich doch nach der Erholung von meinem ersten Schock die dankbaren Gesichter der Familien. Ich sah das Strahlen in den Augen der Kinder, das starke Band der Zusammengehörigkeit zwischen den Frauen, die Erhabenheit der Dorfältesten. Natürlich gab es nicht selten ein finanzielles Problem bei der Bezahlung der Medikamente. Familien, die von dem leben, was sie selbst anbauen und nichts zum Verkauf übrig haben, besitzen leider kein Geld. Doch stets konnten die Frauen irgendwie die Kosten für die Malaria-Medikamente aufbringen.

Zusammenhalt ist groß Der familiäre Zusammenhalt ist allgegenwärtig und die soziale Basis des Systems. Fiel jemand aus, so musste für

Ein Public-Health-Einsatz in Amazonien Fortsetzung von Seite 1 Die Wege zum Krankenhaus in Santarém sind schwer zugänglich – Grund für die örtliche Initiative „Saúde e Alegria“, zu deutsch „Gesundheit und Freude“, auch weiter gelegene Ortschaften in den Tiefen des Dschungels selber aufzusuchen und hier aktiv Prävention zu betreiben. Statt Medikamenten oder Therapien bringen sie die Utensilien für einen Zirkus mit. „Circo Mocorongo“ heißt er stolz, benannt nach Mocorongo: der Name, den die Caboclos, das sind die Nachfahren der portugiesischen Eroberer und einheimischen Indios, dieser Gegend von Santarém gegeben haben. Zusammen mit den Einwohnern der Urwalddörfer üben die Mitarbeiter von „Saúde e Alegria“ ein Programm mit den Dorfeinwohnern ein, mit kleinen Kunststückchen und Sketchen. Sie haben Themen wie Trinkwasserhygiene, Schwangerschaftsvorsorge, gesunde Ernährung oder Zahnpflege zum Gegenstand. Auf spielerische und kreative Weise wird so Vorsorge betrieben in einer Gegend, in der medizinische Versorgung zu weit entfernt ist und in der mit Information weit mehr Nachhaltigkeit bewirkt wird als mit Medikamenten. Abends wird dann das mit Kindern wie Erwachsenen gleicher-

maßen eingeübte Programm aufgeführt vor den Dorfeinwohnern. Alle sind Akteure und Zuschauer zugleich – eine willkommene Abwechslung in einer Region, in der der aggregatbetriebene Satellitenfernseher irgendwo in einem entfernten Nachbardorf höchstens mal anlässlich eines Spiels der „Seleccao“, der brasilianischen Fußballnationalmannschaft, in Betrieb gesetzt wird.

Amazonastypischer Urwalddampfer Auch „Saúde e Alegria“ verfügt über eine eigene Gaiola, den amazonastypischen Urwalddampfer. Er wird über den Zirkus hinaus beispielsweise zur Versorgung von Patienten in Gebieten mit erhöhter Inzidenz an Malaria, für Impfkampagnen in abgelegenen Gegenden oder für Reihenuntersuchungen von Kindern in bekannten Regionen mit Unterentwicklung genutzt. Größter Wert wird dabei auf den präventiven Aspekt der Arbeit gelegt. Wichtige Themen sind hier, in einer Gegend, in der das nasse Element in Übermengen vorkommt, Wasser und Abwasser – damit das Antihelmitikum nicht gleich wieder mit wurmhaltigem Wasser heruntergeschluckt wird. Daher unterstützt „Saúde e Alegria“ auch den Bau einfacher Latrinen. Primär steht die nach-

haltige Entwicklung der Bevölkerung in den entlegenden Gebieten im Vordergrund, kurative Einsätze erfolgen gewissermaßen bei Bedarf und bei Gelegenheit.

DER TAGESABLAUF WIRD VON DER SONNE BESTIMMT Die Caboclos des Regenwaldes von Amazonien leben relativ autark als Fischer und Kleinbauern. Ihr Tagesablauf wird vom Aufgehen und Untergehen der Sonne bestimmt. Gesundheit und Krankheit werden hier, fernab von Strom und Kanalisation, als schicksalhaft aufgefasst. Im Rahmen der möglichen Versorgung mit endemischen Naturheilmitteln sind wundersame Wässerchen oft das einzige Mittel gegen Schlangenbisse oder Malaria. Beispielhaft für die noch vorherrschende Auffassung von Gesundheitsversorgung steht die Anekdote einer mitreisenden Zahnärztin: auf die Aufforderung eines Caboclo, ihm doch einen Zahn zu ziehen, gab sie die Auskunft, alle Zähne seien doch in Ordnung. Der Caboclo insistierte jedoch und gab zu bedenken, man müsse die Gelegenheit nutzen und trotzdem einen Zahn ziehen: denn wer wisse schon, wann sich in diese

Gegend mal wieder ein Zahnarzt verirrte. Auf den oft tagelangen Gängen durch den Urwald, von Siedlung zu Siedlung ziehend, werden wir von den jeweiligen Dorfvorstehern (zumindest in der Gegend um Santarém sind das nicht selten Frauen) mit Wasser und Verpflegung versorgt. Wir führen lediglich unsere Hängematten zur Übernachtung mit uns und eine alte Werkzeugkiste, die neben Kokosseife zur Beseitigung von Ungeziefer ein wenig medizinisches Material enthält. Allerdings keine Medikamente, da eine regelmässige, kurative Versorgung ohnehin nicht möglich ist und keine dementsprechenden Erwartungen geweckt werden sollen. Information soll die nicht mögliche Medikation ersetzen.

Geheimnisvolles Gerät Ein Blutdruckmessgerät hingegen findet gerade bei Kindern oft großes Interesse. Einmal kommen auf Betreiben der Kinder sämtliche Einwohner eines Dorfes, stellen sich brav in einer Reihe an und drängen darauf, sich einer nach dem anderen den Blutdruck mit diesem geheimnisvollen Gerät messen zu lassen um dann erleichtert mit der Diagnose eines normalen Blutdrucks von dannen zu ziehen. Das Projekt „Saúde e Alegria“ versucht in einem unzugänglichen

Gebiet die schwierigen Wege zu gesundheitsversorgenden Strukturen zu bahnen. Aus eigenem Antrieb und mit einfachen Mitteln arbeiten die Mitarbeiter an einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität. Sie nennen ihr Vorhaben „Gesundheit und Freude“, denn, wie sich einer der Beteiligten ausdrückt, „Gesundheit ist die Freude des Körpers und die Freude ist die Gesundheit der Seele.“


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AIDS/HIV – eine Krankheit ohne Gesicht Aufklärungsarbeit in Namibia von Simon Breidert

W

ieso ausgerechnet Afrika?“ Diese Frage stellten mir die meisten Leute nach meiner Rückkehr, als ich ihnen von meiner Arbeit im namibischen AIDS-Projekt ELCAP berichtete. Um ehrlich zu sein, 13 Jahre Schulbank drücken war mehr als genug, ich wollte die Welt endlich kennen lernen und Afrika

einer Partnergemeinde zu leben und zu arbeiten.Während ich ins südliche Afrika nach Namibia entsandt wurde, verschlug es die neun anderen in den Kongo, nach Ruanda, Tansania und auf die Philippinen. Einige arbeiteten in Organisationen für Menschenrechte, andere übernahmen die Aufgaben eines Englischlehrers, wieder andere arbeiteten in Straßenprojekten oder Waisenhäusern. Ich versprach mir von meiner Stelle in Namibia Einblicke in die sozialmedizinischen Aspekte von HIV und AIDS..

WIR SCHOSSEN DURCH DIE ATEMBERAUBENDE

LANDSCHAFT Am Tag nach meiner Ankunft in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, wurde ich von Pastor D. und seiner Frau abgeholt. Zu Kolonialzeiten war er Gefängniswärter gewesen, später hatte er dann Theologie studiert und nun war er der Leiter des kirchlichen AIDS-Projekts ELCAP. In einem weißen, sportlichen Nissan, den die Amerikaner gesponsert hatten, schossen wir mit gut 160 km/h durch die atemberaubende Landschaft. Die Sonne ging gerade unter und tauchte die hügelige Steppenlandschaft und die ohnehin schon roten Berge in ein einziges rotes Sonnenmeer. Durch den offenen Fensterspalt wehte mir der trockene warme Wind entgegen. Es roch nach vertrocknetem Gras. Ich atmete tief ein und aus und spürte, dass ein Jahr voller Abenteuer und bunter Erfahrungen vor mir liegen würde!

Ein üppiges Gericht

war schon immer ein Traum gewesen. ELCAP steht für Evangelical Lutheran Church AIDS Program. Kurz gesagt: AIDS-Projekt der Lutherischen Kirche in Namibia. Ich war einer von zehn Freiwilligen, die sich für den Dienst im Ausland bei einer nordrhein-westfälischen Missionsgemeinschaft beworben hatten, um ein Jahr in einem fremden Land in

Am Abend zeigte mir Pastor D. meine Wohnung, ein wirklich stattliches Apartment. Dann lud er mich zu seiner Familie zum Abendessen ein. Er hat eine große Familie mit vier Töchtern und zwei Söhnen, worunter auch Adoptivkinder waren. Eines der jungen Mädchen erwartete ein Kind. Es gab ein üppiges Gericht aus Reis, Kürbis und Rinderfleisch, und obgleich sonst alle ihre Teller zu nehmen pflegten, um sich dann vor dem Fernseher oder im Freien zu verteilen, wurde heute Abend mir zuliebe eine Ausnahme gemacht. Zu Tisch berichtete ich von Deutschland, mir und meiner Familie. Die ersten Tage vergingen rasch und überall begegnete man mir mit viel Offenheit, Neugier und Respekt. Ich wurde häufig eingeladen und lernte schnell eine Menge netter Leute und Jugendgruppen kennen, die ich regelmäßig besuchte. ELCAP besteht aus vielen Regionalbüros, von denen dieses hier das Hauptbüro darstellte. Hier wurden die Projekte und Veranstaltungen geplant, die von den einzelnen Gemein-

den Namibias in Zusammenarbeit mit den örtlichen Pfarrern und Regionalbüros umgesetzt werden sollten. Jedem Regionalbüro, so auch unserem, war ein kleines testing center angeschlossen, wo Leute zu freiwilligen Tests kommen konnten oder sich mit geschulten Beratern über ihre Ängste und Fragen unterhalten konnt e n .

Menschen mit positivem HIV-Test wurden ermutigt, ins Krankenhaus zu gehen. Patienten wurden hier auf die Anzahl ihrer T-Helferzellen untersucht. Bei einem Wert unter 200 wurde mit der Behandlung begonnen. Außerdem gab es hier kostenfreie Prophylaxe, psychosoziale Beratung und Medikamente zum HIV-Schutz von noch ungeborenen Kindern. ELCAP organisierte auch Schulungen und bildete insbesondere Pfarrer, aber auch andere Freiwillige für die öffentliche HIV-Arbeit und psychologische Hilfe aus. Zum Teil gab es spezielle Trainingsfahrten für Jugendliche, um Gruppen von Altersgenossen über HIV und AIDS informieren zu können. Daneben fanden Übungen zur häuslichen Pflege von Erkrankten statt.

Aufklärung per Theater Dreimal die Woche half ich der Suppenküche. Das heißt: Erst musste eingekauft und gekocht werden, anschließend fuhren wir mit dem Fahrer durch die Stadt und hielten bei Häusern von registrierten Witwen, Betroffenen und Waisenkindern. Dann kamen die Kinder angeflitzt und hielten uns hungrig ihre Schüsseln entgegen, um ein paar Scheiben Brot und etwas Suppe für ihre Familien zu bekommen. Zweimal wöchentlich fuhr ich auch mit der Jugendkoordinatorin von ELCAP ins Armenviertel von Rehoboth, wo wir mit der Jugend Spiele, Lieder, Tänze, Theateraufführungen und Diskussionen rund um das schwierige Thema HIV/AIDS organisierten. Von Zeit zu Zeit traten wir auch mit der Jugend öffentlich auf. Für die Jugendlichen, die fast alle arbeitslos waren, stellten diese Treffen in der Kirche eine willkommene Abwechslung dar und gaben ihnen das Gefühl, selbst etwas im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit bewirken zu können.

AUSSER DEN KINDERN WAR KEINER DER ANWESENDEN NÜCHTERN

Letztendlich wurde das Gotteshaus noch voll, doch war abgesehen von ein paar Kindern keiner der Anwesenden nüchtern! Schlagartig wurde mir klar, dass HIV und AIDS trotz der Tatsache, dass jeder Fünfte das Virus in sich trug, in vielen Regionen gar nicht das primäre Problem war, sondern der Alkohol. Väter brachten das monatliche Einkommen oft innerhalb der ersten Woche durch, so dass den Familien in der zweiten Woche nur noch von Wasser und Maisbrei leben konnten und die letzte Woche sogar Hunger leiden mussten. Ein Freund bestätigte mir, was ich bereits ahnte: Seiner Meinung nach lassen sich mehr als 95 Prozent der Neuinfizierungen auf eine Nacht im Vollrausch zurückführen. Nicht selten waren auch Kinder davon betroffen.

WIE SOLL MAN ANGST VOR EINER KRANKHEIT HABEN, WENN ANGEBLICH NIEMAND SIE HAT? Wie sollte man in diesem Land Aufklärung betreiben, wenn sich die Leute aufgrund des Suffs an nichts mehr erinnern konnten? Obgleich mindestens 20 Prozent infiziert waren, kannte angeblich niemand jemanden der HIV hatte. Unter

den 30.000 Einwohnern gab es nur eine einzige Frau, die den Mut hatte, sich zu ihrem Schicksal öffentlich zu bekennen. Diese Frau hieß Selma und war 32 Jahre alt.Als sie zwei Jahre zuvor ihr drittes Kind zur Welt brachte, gab man ihr das Baby in den Arm und teilte ihr dessen HIV-Infektion mit. Selma musste erkennen, dass ihr Baby sterben würde, dass ihr Freund sie betrogen hatte und dass auch sie die Krankheit in sich trug. Der Schock führte dazu, dass sie für eine Weile erblindete und sie sich nur im Rollstuhl fortbewegen konnte. Mit Hilfe von Antidepressiva und Psychotherapie wurde sie von den meisten dieser Symptome befreit. Obgleich sich Familienmitglieder von ihr distanzierten, blieb Selma stark: Heute arbeitet sie bei ELCAP und ist, wie ich meine, die wichtigste Person der gesamten Organisation, da sie die einzige in der Stadt ist, die sich „geoutet“ hat! Nur dadurch bekommt die mysteriöse Krankheit ein festes Bild, ein Gesicht, und wird als real wahrgenommen. Wie kann man sonst vor einer Krankheit Angst haben, wenn man niemanden kennt, der sie hat?

Zum Praktikum zurückgekehrt Namibia war eine wunderschöne Zeit, doch stellte sich nach einem halben Jahr heraus, dass mein oberster Chef eigentlich gar nicht an einem volunteer interessiert gewesen war. Und so musste ich nach der Hälfte der anberaumten Zeit ganz unerwartet wieder nach Hause reisen. Doch hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt so viele Freunde und Bekannte, sprach die örtliche Sprache so flüssig und war in dem Ort so tief verwurzelt, dass ich beschloss, einige Monate später zurückzukommen, um hier in Rehoboth im Krankenhaus mein Pflegepraktikum abzuleisten. Einige Monate später hatte es wirklich geklappt und neue Aufgaben sollten auf mich warten!

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Ein paar Mal fuhren wir auch raus in die Armenviertel, in denen die Menschen vom Vieh leben. Wie auch in den Townships von Rehoboth gab es hier eine Arbeitslosigkeit von 80 bis 90%. Hier war die HIV-Rate besonders hoch, auch wenn die Menschen selber nicht wussten, dass sie bereits infiziert waren. Beispielsweise war da der Ort „Banhoof“, der etwas außerhalb lag. Ein trostloser Ort mit vielen Blechhütten. Als wir wie angekündigt hier einige Sketche und Lieder aufführen wollten, war keiner in der kleinen zerfallenen Kirche. Wir mussten die Leute zusammen trommeln, in dem wir singend durch die staubigen Straßen zogen.

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In den Foren gelauscht

Der Prof spendiert den Kaffee

Den Dr. verteidigen

Innere-Tertial in Australien

Einige fangen sie bereits in der Vorklinik an, andere sehen die Sache gelassener und legen in der Klinik oder im PJ erst richtig los. Die Rede ist von der Doktorarbeit. Unabhängig von Anfang und (dem hoffentlich irgendwann absehbaren, dann greifbaren und schließlich erreichten) Ende liest man über einen Aspekt im Rahmen der Promotion bislang recht wenig: Wie läuft eigentlich das sog. Rigorosum, also die Doktorarbeitsprüfung bzw. „Verteidigung“ ab? Unserem Forenuser Zoidberg war diese Frage wichtig. Gebt eure Erfahrungen weiter oder habt an denen der anderen teil unter: www.medi-learn.de/MF35922

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Einen ganzen Tag lachen Rund um die Uhr etwas zu lachen zu haben – das wäre doch was – oder? Prinzipiell möglich, denn: In unserer Lachparade in den Foren findet sich mittlerweile auf 131 Beitragsseiten so viel Futter für die Lachmuskeln, dass sie lange etwas zu tun hätten, würde man sich die Überdosis Humor in einem Zuge zu Gemüte führen. Also: Sparsam dosieren und immer wieder mal köstlich amüsieren unter: www.medi-learn.de/MF30766

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ach positiven Famulaturerlebnissen im Ausland war für mich klar, dass ich auch einen Teil des PJ im englischsprachigen Ausland verbringen wollte. Außerdem kann ich mir sehr gut vorstellen, nach Abschluss meiner ärztlichen Ausbildung außerhalb Deutschlands zu arbeiten. Die Wahl fiel dann aufgrund eines ähnlichen medizinischen Standards und dem Reiz des Landes auf Australien. Ich versprach mir von der Zeit am anderen Ende der Welt ein klares didaktisches System und eine kollegiale Atmosphäre. Im Hinterkopf bestand außerdem die Hoffnung, der doch oft rigiden hierarchischen Arbeitssituation an deutschen Krankenhäusern für eine gewisse Zeit zu entkommen. Eine andere Kultur kennen zu lernen und auch sprachliche Fortschritte zu erzielen, waren weitere Anreize. Die Bewerbung gestaltete sich relativ unkompliziert.

An Mediziner mit Kind An alle Eltern unter den Ärzten und Ärztinnen richtet sich der Forenbeitrag von tine74. Sie ist neugierig, wie man Beruf und Familie unter einen Hut bekommt und auf der Suche nach Tipps und Anregungen. Nicht alle Eltern verfügen über die beinahe schon anästhesiologisch anmutende Fähigkeit, die lieben Kleinen durch elterliche Kunstgriffe in den Schlaf zu wiegen. Das zu Bett bringen ist nur eine der Aufgaben, die in diesem Rahmen immer wieder ansteht. Wie also bekommt man als Mediziner den Spagat zwischen Erfolg und Zufriedenheit in Job und Familie kunstgerecht hin. Mehr unter: www.medi-learn.de/MF34622

The show must go on! Im Trainingscenter der Foren könnt ihr eure diagnostischen Fertigkeiten auf die Probe stellen, bevor es dann in den Prüfungen des realen Lebens „ernst wird“: Mittlerweile ist das Trainingscenter getreu dem Motto „The show must go on“ auch mächtig gewachsen, bietet es mit chirurgischen, internistischen, pädiatrischen und weiteren Ambulanzen schon eine stattliche Anzahl verschiedener Möglichkeiten unter: www.medi-learn.de/MT87

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Über die Homepage der University of Sydney suchte ich mir ein Krankenhaus heraus und habe mit dem Studentensekretariat per E-Mail circa ein Jahr vor dem Aufenthaltsbeginn Kontakt aufgenommen. Für die sprachliche Vorbereitung bietet sich auf jeden Fall ein Wörterbuch an. Ich bin mit dem Werk „Medizinisches Englisch pocket“ sehr gut zurechtgekommen. Um diverse Abkürzungen zu entschlüsseln und den Aufbau der Anamnese kennen zu lernen, ist auch das „Medical English“ aus dem Thieme-Verlag eine gute Wahl. Für die wichtigsten Fachinformationen in Englisch empfiehlt sich die Oxford Handbook-Reihe. Sofort nach Erhalt der Zusage sollte man sich um sein Visum kümmern, da es mindestens zwei Monate dauert, bis man es schließlich in den Händen hält. Da ich vier Monate in Australien bleiben wollte, habe ich über das Internet ein working holiday-Visum beantragt, das mich 130 Euro kostete. Allerdings kam noch eine medizinische Untersuchung von 220 Euro hinzu, was ich für sehr überteuert halte.

Kein stundenlanges Blutabnehmen Meine acht Wochen Innere teilten sich auf in vier Wochen Onkologie und vier Wochen Rheumatologie/Sportmedizin. Der erste Abschnitt war sehr abwechslungsreich. Auf Station habe ich an den Visiten teilgenommen und wurde von dem mir zuständigen Arzt praktisch überall hin mitgenommen. Eigene Verantwortung für bestimmte Patienten hatte ich allerdings nie. In der Inneren Medizin bestehen die Aufgaben des Studenten in Sehen und Verstehen, und das liegt dem gesamten Team am Herzen. Keiner will den Studenten ausbeuten, sondern ganz im Gegenteil helfen, um die Abläufe verständlich zu machen. Aber das Wichtigste war: Es gab kein stundenlanges Blutentnehmen wie in Deutschland, das man spätestens nach einer Woche drauf hat und einen fachlich

nicht weiterbringt. An manchen Tagen fanden die out patient clinics statt, eine Art ambulante Versorgung. Mit den Patienten und Angehörigen wurde dabei die Diagnostik und Therapie (insbesondere Chemotherapie) von diversen Krebserkrankungen besprochen. Zwischendurch gab es noch diverse Fortbildungen für alle Ärzte des Fachbereiches, z.B. Röntgenbesprechung, Fallvorstellungen und interne Weiterbildungen. Donnerstags trafen wir uns mittags zur grand round, eine fächerübergreifende Weiterbildung. In Rotation durch alle Fachbereiche wurden jede Woche ein oder zwei interessante Fälle vorgestellt und anschließend im Auditorium diskutiert.

KEINEM FIEL ES SCHWER, AUCH MAL LOBENDE WORTE AUSZUSPRECHEN

Meine letzten vier Wochen in der Rheumatologie/Sportmedizin waren ähnlich gestaltet. Allerdings waren weniger Patienten auf Station. Vor allem die Sportmedizin hat mich als Sportlerin sehr interessiert. Montags und donnerstags gab es spezielle sportmedizinische Sprechstunden. Die Chefärzte haben sich persönlich um die Studenten gekümmert und haben mit Freuden alle Einzelheiten erklärt, was ich in Deutschland noch nie erleben durfte. Auch um die Arbeitsatmosphäre war jedes Teammitglied ständig bemüht. Keinem fiel es schwer, auch einmal lobende Worte auszusprechen. In Deutschland hatte ich den Eindruck, dass es so etwas an der Uniklinik gar nicht mehr gibt. Auch ein informelles Treffen bei einem Kaffee – den der Prof ausgibt – fand häufig statt und ich hatte das Gefühl, dass der breite Meinungsaustausch durchaus den Patienten zu Gute kam. Aufgrund meiner eher negativen Erfahrungen im PJ in Deutschland bin ich im Nachhinein umso erfreuter, den Mut gehabt zu haben, diese lange Reise um die Welt auf mich genommen und mein PJ mit so vielen positiven Erfahrungen bereichert zu haben.

dürftig, denn viele Patienten in Sydney stammen ursprünglich aus Griechenland und Italien. In dieser multikulturellen Stadt kann man sich eigentlich gar nicht als Ausländer fühlen, was ein unglaublich angenehmes Gefühl ist!

Berufsversicherung ist Pflicht Es bietet sich an, ein Konto bei der Deutschen Bank zu eröffnen – durch die Partnerschaft mit der Westpac Bank findet man überall Geldautomaten, an denen man kostenlos abheben kann. Die Deutsche Ärztefinanz bietet verschiedene Versicherungen z.B. kostenlose Privatund Berufshaftpflichtversicherungen an, die man unbedingt in Australien benötigt, da sie Bedingung für einen PJ-Platz darstellen. Sydney ist bezüglich der Lebenshaltungskosten etwa so teuer wie die deutschen Großstädte – Milchprodukte, Fleisch und Gemüse sind allerdings teurer. Die Australier sind weitestgehend relaxt und immer freundlich und hilfsbereit. „No worries“ ist die Devise und wird auch gelebt. Ein kleiner Smalltalk ist schnell initiiert und man tauscht sich über Land, Leute und weitere Lebenspläne aus! Die Menschen waren immer interessiert, wo ich herkomme und machten meist auch noch ein paar Reisevorschläge. Ein Highlight war immer die Fahrt in die Innenstadt mit der „Rivercat“ auf dem Parramatta River, direkt an dem weltberühmten Opernhaus vorbei. Sydney ist

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mit 4 Millionen Einwohnern die größte Stadt Australiens und bietet ein vielfältiges kulturelles Angebot. Von hier aus kann man leicht Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung machen (Blue Mountains, Hunter Valley, diverse Strände, Nationalparks), aber auch in Sydney gibt es ständig Neues zu entdecken. Ausflüge sind günstig, da es viele Studentenrabatte gibt. Bus- und Bahnfahrten bzw. Autofahren ist vergleichsweise preiswert.

Kein Heimweh nach Medizin-Deutschland Meine Erwartungen wurden zum großen Teil erfüllt. Das Land und die Natur sind einzigartig und man sollte auch ein wenig Zeit zum Reisen einplanen. Ein Teil des PJ im Ausland zu verleben, ist für jeden zu empfehlen. Ich bin der Meinung, dass sich die deutschen Ärzte der Welt und anderen Kulturen öffnen sollten. Die medizinischen Teams werden immer internationaler und Ärzte kommen aus vielen verschiedenen Ländern. So ist Englisch oft die einzige Verständigungsmöglichkeit. Auch in der Wissenschaft kommt man um Fachliteratur und Forschungsberichte in Englisch nicht herum. Von den Studenten bzw. Ärzten wird einfach erwartet der Sprache mächtig zu sein, doch Kurse werden nur selten angeboten. Ich hatte eine traumhafte Zeit in Australien und bin sehr begeistert von einem patientenorientierten Gesundheitssystem und praxisnahen Medizinstudium. Ein Praktikum kann ich deshalb nur jedem Medizinstudenten empfehlen. Der Abschied von Australien fiel mir alles andere als leicht.

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Behandlung in zwei Klassen Der medizinische Standard in Australien ist mit Deutschland zu vergleichen. Mir ist aber aufgefallen, dass es dort eine echte Zwei-Klassen-Behandlung gibt. Eine Krankenversicherung ist in Australien keine Pflicht und so bekommen die privat Versicherten oft eine bessere Therapie angeboten. Die Ausbildung der Medizinstudenten in Australien ist mehr an der Praxis orientiert als in Deutschland. Schon ab dem 3. Studienjahr werden sie in die Diagnostik und Therapieplanung einbezogen. Das Studium dauert vier Jahre. Unser PJ ist in seinen Aufgaben mit dem australischen intern zu vergleichen, das sich an das Studium anschließt.

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MAN KANN SICH HIER GAR NICHT ALS AUSLÄNDER FÜHLEN! Wirkliche Sprachprobleme mit den Patienten und Ärzten gab es keine. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kann man den Gesprächen und dem typisch australischen Akzent meist gut folgen. Die Patienten waren mit dem “normalen Schulenglisch” gut zu verstehen. Und auch die Ärzte sind bemüht, ein verständliches Englisch zu sprechen. Viele kommen auch selbst aus dem Ausland. Insbesondere Asiaten sind in fast jedem Team vertreten. Lediglich die Aussprache der Fachtermini ist gewöhnungsbe-

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Nicht mal Hakenhalten ist drin Chirurgie-PJ in Irland von Christian Renckhoff

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ür alle, die ebenfalls daran denken, einen Teil des PJ in Irland zu absolvieren, schildere ich hier meine Erfahrungen und Eindrücke, die ich bei meinem 18-wöchigen Aufenthalt in Galway gewonnen habe. Zu Beginn nenne ich einige Dinge, über die man sich bereits im Vorfeld klar sein sollte: Irland ist teuer. Ich habe in dem Zeitraum gut 4.000 Euro ausgegeben. Zugegebenermaßen bin ich viel gereist, habe viel auswärts übernachtet, aber selbst wenn man sehr sparsam ist, bleiben Lebensmittel- und andere Lebenshaltungskosten deutlich höher als in Deutschland. Dafür ist das Telefonieren sehr preiswert. Irland ist nass. Es gibt zwei Jahreszeiten: Im Sommer ist es „mild and wet“, im Winter ist es „mild and wet“. Ohne Gore-Tex und Überhosen ist eine Anreise nicht zu empfehlen. Iren reden schnell und undeutlich. Wenn man einigermaßen des Englischen mächtig ist, hat man sich aber nach spätestens zwei Monaten daran gewöhnt! Irland ist theoretisch. Zumindest die Arbeitswelt der Medizinstudenten. Wer viel praktisch und eigenverantwortlich im PJ arbeiten möchte, der sollte woanders hingehen. Mehr als Zugänge legen, Anamnese und Untersuchungen ist nicht drin, selbst im OP ist Rumstehen angesagt, kein Nähen, noch nicht mal das berühmte deutsche Hakenhalten. Das änderte sich für mich erst in der Notaufnahme. Wer jetzt meint, das lohne sich ja gar nicht, dem sei gesagt: Iren sind freundlich. Die Menschen, vor allem auch die Studenten, sind sehr freundlich und sehr aufgeschlossen. Irland ist schön. Die Landschaft ist grün und sehr eindrucksvoll, wenn auch etwas karg. Irland pulsiert. Die Städte, neben Dublin insbesondere Galway, bieten eine Unmenge an Nachtleben mit Pubs und Clubs, in denen zudem schon Rauchverbot herrscht! Die Möglichkeiten, auch an der Uni soziale Kontakte zu knüpfen, sind gigantisch. Irland ist theoretisch. Das mag im PJ manchmal einschränken, doch was die Theorie anbelangt, kann man sehr viel lernen! Abgesehen von der Hygiene sind die Standards und Techniken genauso hoch wie bei uns. Und vieles wird unbürokratischer geregelt, als es bei uns der Fall ist.

Viel zu früh angereist Und jetzt der eigentliche Erlebnisbericht: Ich flog zwei Wochen vor Beginn des Tertials nach Irland, um eine Unterkunft etc. zu organisieren. Von Dublin fuhr ich mit dem Bus (Citylink) nach Galway. Das war viel zu früh! Eine Woche Vorlauf hätte völlig genügt. Aber egal. Beim Faculty Office teilte man mir mit, wann und wo es losgehen würde und was ich mitzubringen hätte: Kittel, Stethoskop, Hemd, Krawatte. Keine Jeans! Auf der Insel kleidet sich der Mediziner schick. In der Chirurgie des University College Hospital Galway schloss ich mich zunächst der Visite an, danach ging es in den OP. Ich wurde sehr freundlich behandelt, war aber, wie erwähnt, bloß Zuschauer, was sich auch auf wiederholte Anfrage sowohl bei den Ärzten als auch bei der Auslandsbeauftragten nicht ändern ließ. Ansonsten konnte man sich auf den Stationen Patienten ansehen, untersuchen oder auch mal die Kanüle schwingen. Richtig in den Arbeitsablauf eingebunden wurde ich dennoch nicht. Darum hat es auch keinen gestört, wenn man zeitig ging oder gelegentlich auch

Kurz notiert

Krebs-Webweiser© mal gar nicht erschien. Ähnlich verhielt es sich mit den clinical attachments, das sind sozusagen U-Kurse der irischen Studenten, für die Ende September das Semester beginnt und denen es im Prinzip selbst überlassen bleibt, ob sie kommen oder nicht. Jedenfalls traf ich im Hospital mehrere andere deutsche PJler und auch Studenten aus ganz Europa, mit denen ich viel in meiner Freizeit unternahm. Gemeinsam wunderten wir uns über recht lässige hygienische Verhältnisse und die teils chaotische „Organisation“. Bei den general surgeons blieb ich insgesamt sieben Wochen und wechselte zum Beginn des Semesters zusammen mit den irischen final year students dann jeweils zwei Wochen zu den Gefäß- und den plastischen Chirurgen. Hier musste ich feststellen, dass die dortige Ausbildung noch viel unpraktischer als die deutsche ist – wer hätte es für möglich gehalten – und die Profs genauso „motiviert“ unterrichten!

Der krebs-webweiser© des Tumorzentrums an der Uni Freiburg wendet sich an PatientInnen, Angehörige, Fachleute und Interessierte. Er bietet eine Zusammenstellung von über 1.000 nützlichen InternetAdressen zu über 350 Stichworten rund um das Thema Krebs, die unter verschiedenen Oberbegriffen zusammengefasst sind. Es wurden dabei fast ausschließlich deutschsprachige Webseiten berücksichtigt, die in einer sorgfältigen Auswahl zusammengestellt sind. Erfreulicherweise steht auf dieser Webseite auch ein PDF-Dokument zum kostenlosen Download bereit, das zu zahlreichen Krebsarten wertvolle Links aufführt. www.krebs-webweiser.de

Achtung, Vitaminpillen

Endlich Arbeit! Insofern überraschte es mich dann, als ich für die letzten fünf Wochen in die Notaufnahme kam und dort ganz viel machen durfte – vor allem nützliche Dinge! Meistens ging ich mit einem der Aufnahmeärzte mit; wir untersuchten zusammen die Patienten, ich füllte die Anforderungszettel aus und legte anschließend Zugänge. Gelegentlich durfte ich dann auch nähen oder ähnliche Dinge verrichten. Die Notfallversorgung ist in Irland, wie in allen angelsächsischen Ländern, anders organisiert als bei uns: Auf dem Unfallwagen fahren bloß paramedics mit, die ärztliche Versorgung beginnt erst im Krankenhaus. Meist lief es so ab, dass ein Notfall angemeldet wurde, sich einige Ärzte im Schockraum (resuscitation room) versammelten und ich mich auch beim Eintreffen nützlich machen durfte, z. B. mit einer Herzdruckmassage.

Don´t wanna miss it Was die Freizeitgestaltung anging, konnte ich mich überhaupt nicht beklagen. Zum einen waren da zahlreiche societies und Sportclubs an der Uni, zum anderen hat man in vielen Pubs abends nette Unterhaltung in angenehmer Atmosphäre – untermalt von den Klängen irischer Musik. Einziger Wermutstropfen: Alkoholische Getränke sind reichlich teuer. Abgesehen davon: Wer jemals in Irland Urlaub gemacht hat, weiß, was man dort unternehmen kann! Neben Galway habe ich mir noch die nahe gelegenen Aran-Islands, Connemara (rauhes Hügelland), die Dingle-Halbinsel (westlichster Punkt Irlands), Cork, Westport und natürlich Dublin angeschaut. Es lohnt sich! Insgesamt möchte ich den Aufenthalt in Galway doch nicht missen. Zwar habe ich – was die Medizin angeht – eher weniger als in Deutschland gelernt, dafür aber viele wertvolle Erfahrungen gemacht und meine sprachlichen Fähigkeiten verbessert, unheimlich viele Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt und eine Menge Spaß gehabt.

Nützliche Adressen

Die Universität Galway, Bild: Christian Renckhoff

Wenn auch seit dem Zeitalter der guten, alten weisen Griechen etliche Jahre vergangen sind, so ist mit der goldenen Mitte eine der Weisheiten von Sokrates und Co. zeitlos gültig: Denn Viel hilft nicht immer viel und Weniger kann manchmal mehr sein - so auch bei den Vitaminpräparaten. Vor einigen Jahren sind die kleinen praktischen Vitalpillen im Zuge der modernen Zeiten in die Mode gekommen: Immer weniger Menschen nahmen sich die Zeit, in einen saftigen Apfel zu beißen und vertrauten stattdessen auf die Vitaminpille. Und es gab darunter sicherlich einige, die doch mal zu viel des Guten taten. Jetzt könnte die Vitaminpille in die Jahre gekommen sein und zunächst einmal ist erhöhte Vorsicht angeraten. Denn wie der Focus im Februar berichtete, haben große Meta-Studien gezeigt, dass einige künstlich zugeführte bzw. eingenommene Vitamine u.a. zu einer Erhöhung der Sterberate geführt haben. Für die Vitamine A, E und Betacarotin gilt daher zukünftig: bedenkenlose Einnahmen vermeiden und wirklich den Arzt oder Apotheker fragen bzw. sich selbst an profunden Stellen informieren. Nützliche Angaben zu diesem wichtigen Thema liefern Wissenschaftler der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer Vitamintabelle, in der sie für die einzelnen Vitamine auf die möglichen Gefahren bei erhöhter Aufnahme hinweisen. Oder wie Oma sagen würde: von jedem ein bisschen und von keinem zu viel - das ist auch beim Essen des Lebens´ Spiel.

Süßes Deutschland Glaubt man führenden Ernährungswissenschaftlern, dann dürfte sich das Leben in Deutschland in Zukunft merklich versüßen. Dies ist im sprichwörtlichen Sinne kein Witz, sondern bitterer Ernst. Denn Diabetes nimmt immer mehr zu, so dass Professor Klaus Eder (Uni Halle) die Prognose wagt, dass im Jahr 2030 rund 40 Prozent der Deutschen zuckerkrank sein werden.

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Die Webseite für Medizinstudenten junge Ärzte www.medi-learn.de

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Die Praktikanten-Hauptstadt Famulieren in Brüssel Studenten haben im Semester nur rein theoretischen Unterricht in den einzelnen Fächern. Dafür haben sie dann mehr Praktika (stages), die man in externe (Praktikum halbtags, im ersten Abschnitt der Klinik) und interne (ganztags, fortgeschrittenere Klinik) unterscheidet. Ich wurde somit als Interne eingestuft. Übrigens: Insgesamt hat ein belgischer Student nur zwei Wochen Ferien im Jahr!

von Anne Seyffarth

Oberarzt hatte jedoch wirklich Freude daran, Studenten etwas zu erklären, deswegen konnte ich mich mit fachlichen Fragen immer an ihn wenden. Die Arbeitszeiten erwiesen sich meist als äußerst angenehm. Dienstbeginn war neun Uhr, Ende meist schon mittags um zwei, manchmal aber auch erst 18 Uhr. Als sehr positiv habe ich die lockere Atmosphäre auf Station empfunden. Ich durfte meinen Oberarzt, die Assistenten sowie alle Pflegekräfte mit Vornamen ansprechen. Immer half mir jemand, wenn ich mal wieder mit den Tücken der französischen Sprache zu kämpfen hatte.

Auf der Kardiologie Die MEDI-LEARN Foren sind der Treffpunkt für Medizinstudenten und junge Ärzte – pro Monat werden über 10.000 Beiträge von den rund 18.000 Nutzern geschrieben. Mehr unter www.medi-learn.de /foren

Der breitgefächerte redaktionelle Bereich von MEDI-LEARN bietet unter anderem Informationen im Bereich „vor dem Studium“, „Vorklinik“, „Klinik“ und „nach dem Studium“. Besonders umfangreich ist der Bereich zu dem medizinischen Examen. Mehr unter www.medi-learn.de /campus

Das Atomium, das Wahrzeichen von Brüssel

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Einmal pro Woche digital und fünfmal im Jahr sogar in Printformat. Die MEDI-LEARN Zeitung ist „das“ Informationsmedium für junge Ärzte und Medizinstudenten. Alle Ausgaben sind auch rückblickend Online kostenlos verfügbar. Mehr unter www.medi-learn.de /mlz

Studienplatztauschbörse, Chat, Gewinnspielkompass, Auktionshaus oder Jobbörse – die interaktiven Dienste von MEDI-LEARN runden das Onlineangebot ab und stehen allesamt kostenlos zur Verfügung. Mehr unter www.medi-learn.de

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igentlich wollte ich meine letzte Krankenhaus-Famulatur in einem deutschen Krankenhaus verbringen. Dann bekam mein Freund einen Praktikumsplatz am Europäischen Parlament in Brüssel und schlug vor, dass wir doch zusammen nach Brüssel gehen könnten. Dennoch war ich recht skeptisch, da meine Französischkenntnisse äußerst gering waren, nach fünf Jahren Schulfranzösisch hatte ich es nie wieder gesprochen. Also beschloss ich, noch zusätzlich einen Französischkurs für Mediziner an der Uni zu belegen. Leider scheiterte dieses Vorhaben, da der Kurs sich mit einer Vorlesung überschnitt. Ungefähr ein halbes Jahr vor Famulaturbeginn suchte ich mir Adressen von Brüsseler Kliniken im Internet heraus und schrieb Bewerbungen. Bis auf wenige Ausnahmen erhielt ich nur Zusagen! Der weitere Kontakt erfolgte per E-Mail und war äußerst unproblematisch. Letztlich entschied ich mich für die Klinik, die am nächsten an unserer Bleibe gelegen war – das Hôpital Ixelles.

Tausend Wege führen nach Brüssel Brüssel als Europas „Hauptstadt“ ist natürlich mit allen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Billige Flüge gibt es bei www. virginexpress.com ab Berlin oder München oder bei www.fly.de. Da ich mit meinem Freund fuhr und wir gemeinsam jede Menge Gepäck hatten, entschieden wir uns, mit dem Auto zu fahren. In der Innenstadt ist es natürlich sehr kompliziert, Stellplätze für den Wagen zu finden. In unserer Wohngegend gab es aber genügend kostenlose Parkplätze. Dennoch hatten wir auch nach einigen Wochen ein paar Kratzer und Beulen mehr an meinem Auto. Ohne Hinweis auf den Verursacher. Wie in guten alten französischen Filmen!

Billiger Wohnraum? Fehlanzeige!

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Die Unterkunft wurde vom Krankenhaus nicht gestellt. So mussten wir uns selbst eine Bleibe im Internet suchen. Brüssel ist eine „Praktikantenstadt“. Wohnraum ist richtig teuer und abenteuerlich. Wir fanden ein Zimmer in Ixelles, einer der

besseren Wohngegenden mit vielen Studenten. Zum Krankenhaus waren es zwei Minuten zu Fuß, für mich also super gelegen. Das Zimmer war äußerst karg eingerichtet und verfügte über ein Doppelbett, einen Schreibtisch und zwei Schränke. Dafür mit Internetzugang. Das Ganze kostete 425 Euro im Monat. Obgleich wir nur sechs Wochen da waren, mussten wir für volle zwei Monate bezahlen. Also nicht ganz billig. In der WG befanden sich noch zwei weitere Zimmer, die von einem Deutschen und einem Spanier bewohnt waren. Insgesamt wirkte die Wohnung schlecht ausgebaut und war nur sehr einfach eingerichtet. Und doch musste ich mir sagen lassen, dass sie für Brüsseler Verhältnisse noch recht annehmlich war!

Französisch dringend empfohlen Brüssel ist offiziell zweisprachig (Flämisch und Französisch). Dennoch wird überwiegend Französisch gesprochen. Im täglichen Leben kommt man natürlich auch gut mit Englisch zurecht. Im Krankenhaus sieht es da schon etwas anders aus: Hier sind gute Französischkenntnisse von großer Bedeutung. Obgleich die Ärzte alle Englisch sprechen, merkt man, dass es einfach nicht gern gehört wird. Auch im Patientenkontakt ist Französisch enorm wichtig. Allerdings konnte ich mich auch mit einigen Patienten auf Deutsch unterhalten, was für mich angenehm war. Ich kann nur jedem empfehlen, der in Brüssel Famulatur oder PJ machen will, ausreichende Französischkenntnisse mitzubringen, denn sonst wird es gerade in der ersten Zeit sehr schwierig.

BELGISCHE STUDENTEN MÜSSEN MIT ZWEI WOCHEN FERIEN AUSKOMMEN Das Krankenhaus Ixelles ist ein kleineres Lehrkrankenhaus der Universität Brüssel. Deswegen trifft man dort häufig auf belgische Studenten. Das belgische Medizinstudium unterscheidet sich stark von unserem und dauert sieben Jahre. Die

Ich wurde einer inneren Station mit Schwerpunkt Kardiologie zugeteilt. Sie hatte 30 Betten und wurde von einem Oberarzt und zwei Assistenten geführt. Außer mir war noch eine belgische Studentin auf Station, was sich als enorm hilfreich erwies. Da ich zu Beginn der Sprache nicht wirklich mächtig war, habe ich mich einfach an die Studentin „gehängt“ und geschaut, was sie so alles tat. Leider war nach einer gemeinsamen Woche ihre Famulatur bereits beendet und ich musste mich allein durchschlagen. Da auf dieser Station Blutentnahmen, das Legen von Flexülen sowie das Anhängen von Infusionen von den Schwestern erledigt wurde, blieb für uns Studenten nicht viel Praktisches übrig. Unsere Aufgabe war es, neue Patienten zu untersuchen und eine ausführliche Anamnese anzufertigen. Dann wurden die Ergebnisse mit dem Assistenten besprochen, der dann weiter Untersuchung und Therapiemaßnahmen anordnete. Allerdings musste man manchmal ganz schön nachhaken, um zu erfahren, was denn nun weiter geschah. Allerdings durfte man dann die aufgenommenen Patienten über den gesamten Aufenthalt weiter betreuen und Vorschläge zum weiteren Vorgehen machen.

SCHÜTZENHILFE IM KAMPF MIT DER FRANZÖSISCHEN SPRACHE Leider waren die Assistenten und der Oberarzt oft sehr beschäftigt, so dass ich mich manchmal langweilte und auf eine Besprechung mit ihnen wartete. Der

Schoko-Suchtgefahr! Wie schon erwähnt ist Brüssel eine Praktikantenstadt, in der immer etwas los ist. Man braucht nur einfach am Abend auf den Platz vor dem Europäischen Parlament oder den Marktplatz gehen und bleibt nicht allein. Es gibt viele tolle Restaurants und Kneipen in Brüssel, die man unbedingt mal ausprobieren sollte. Auf keinen Fall vergessen, das für Belgien typische Bier zu probieren, wobei es mir besonders das Kirschbier angetan hat! Auch ganz lecker sind die tollen belgischen Schokoladen und Pralinen, die es an jeder Ecke in Brüssel zu kaufen gibt. Der Mediziner warnt: Suchtgefahr! Am Wochenende bieten sich Ausflüge in die Umgebung Brüssels an. Da das Bahnnetz sehr gut ausgebaut ist, ist ein Auto nicht unbedingt nötig. Absolut sehenswert sind die belgischen Städte Brügge, Gent und Antwerpen. Bei schönem Wetter unbedingt an die Nordseeküste fahren! Auch wenn der Lerneffekt durch die anfänglichen sprachlichen Probleme vielleicht etwas geringer als in Deutschland war: Für mich hat sich die Famulatur in Brüssel gelohnt. Die nette Atmosphäre auf Station und die Hilfsbereitschaft des Teams haben mir vieles erleichtert und mein Französisch hat letztlich einen großen Sprung nach vorne gemacht!

Adresse des Krankenhauses Hôpitaux IRIS Sud Site Etterbeek-Ixelles Rue Jean Paquot 63 B-1050 Bruxelles

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Angelika Lehle, Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf, Simone Arnold Layout & Graphik: Angelika Lehle, Daniel Lüdeling (Cartoons) Berichte: Dr. Karsten Lunze, Heike Braunsfurth, Antje Hundt, David Simons, Sara Loetz, Simon Breidert, Alicja Zybowski, Christian Renckhoff, Anne Seyffarth, Karl-Heinz Silbernagel, Jan-Peter Wulf, Christian Hübel, Ulf Schürch, Annett Linge Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de. – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, Fraunhofer IBMT Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de. Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluss ist am 30. Juni 2007. Die Gewinner werden regelmäßig im Internet unter www.medi-learn.de/gewinner bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.


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Auf den Spuren von Sherlock Holmes: Logikrätsel Tübingen

Marburg

Magdeburg

Kiel

Hannover

Assistenzarzt

PJ

klinische Ausbildung

Vorklinik

vor dem Studium

31 Jahre

30 Jahre

27 Jahre

23 Jahre

21 Jahre

Was geschah in der WG?

Andre Angelika Claudia Nina Stefan Hannover Kiel

Die Infos: 1. Der Älteste studierte in Hannover. 2. Nina befindet sich in der Vorklinik. 3. Andre will am nördlichsten Unistandort studieren. 4. Stefan und Claudia sind nicht die Jüngsten. 5. Angelika feierte gerade ihren 30. Geburtstag. 6. Der 23-jährige studiert noch nicht und beabsichtigt weder in Magdeburg noch in Marburg zu studieren. 7. In Hessen studiert die 27-jährige. 8. Claudia ist nächstjünger als die Studentin, die in Tübingen studiert und sich im PJ befindet.

Magdeburg Marburg Tübingen vor dem Studium Vorklinik klinische Ausbildung PJ Assistenzarzt

Vorname

Alter

Studienort

Ausbildungsabschnitt

Leichter Leben als junger Mediziner Fortsetzung von Seite 1

Einfacher orientiert : Das Umzugspaket Wenn du während deines Studiums oder zum Berufsstart deinen Wohnort wechselst, unterstützt dich der MEDI-LEARN Club mit einem exklusiven Umzugspaket. Dieses steht für alle 36 Unistandorte in Deutschland zur Verfügung und umfasst neben zahlreichen Checklisten für den Umzug und einem Stadtplan für deine neue Heimatstadt zum Beispiel eine aktuelle Zeitung mit Wohnungsanzeigen, einen Uniplan, eine Liste mit wichtigen Adressen und Kontaktdaten und viele andere hilfreiche Utensilien, die dir den Umzug in dein neues Domizil und die ersten Schritte dort erleichtern werden.

Der Club wächst weiter Schon in wenigen Wochen werden wir den Club mächtig in seiner Palette an Angeboten erweitern. Nachfolgend erhältst du einen kleinen Einblick in die vielfältigen Leistungen, auf die du nach Eintritt in den Club nur noch kurze Zeit warten musst, bevor wir dir ganz am Ende des Artikels einen Blick auf weitere, ebenfalls noch in 2007 erhältliche Clubleistungen ermöglichen.

Verbessere dein Lernen: Der Schnelltest Nachdem du einige Fragen zu deinem jetzigen Lernverhalten beantwortet hast, erstellt dir das System automatisch eine Analyse mit zahlreichen Empfehlungen für dein zukünftiges Lernen. Dieser spe-

Eine WG möchte eine Party veranstalten und nun gilt es die offiziellen Einladungsbriefe zu schreiben. Beinahe wäre die Gästeliste von Bello, dem WG-Hund komplett zerissen worden. Bello hat nämlich gerne seine Ruhe und mag Partys überhaupt nicht. Aus Angst vor Stan, dem WG-Skelett, spuckte Bello jedoch den Zettel wieder aus. Einige Angaben zu den Gästen waren zum Glück noch erkennbar. Nun seid ihr an der Reihe: Auf den Spuren von Sherlock Holmes müsst ihr die vorhandenen Informationen - das was sie jeweils bedeuten oder auch nicht bedeuten - wieder zur Gästeliste zusammenfügen, damit einer gut besuchten, illustren Party nichts mehr im Wege steht. Eine ausführliche Anleitung findet ihr unter www.medi-learn.de/logik.

zielle Lerntest für Clubmitglieder ist von Psychologen und Examensexperten der MEDI-LEARN Repetitorien speziell für junge Mediziner ausgearbeitet worden.

Extraportion Humor: Über 100 Premium-Cartoons Clubmitglieder genießen den Vorzug, eine Auswahl von über 100 medizinischen Premium-Cartoons aus der Feder des Zeichners und Arztes Daniel Lüdeling kostenlos einsehen zu können. Seit Jahren tritt Rippenspreizer den Beweis an, dass Humor und Medizin sich nicht widersprechen müssen und sorgt für die nötige Prise Humor im ansonsten eher bierernsten medizinischen Bereich. Mittlerweile gibt es kaum ein Stationsoder Arztzimmer, das nicht durch einen Cartoon für das willkommene Training der Lachmuskeln sorgt. Wir stellen exklusiv für Clubmitglieder im Bereich Rippenspreizer Premium light eine stattliche Anzahl an Cartoons zur Verfügung, die deinen Humor auf Trab bringen und sonst nur einem auserwählten Zahlpublikum einsehbar sind.

Auf dem Silbertablett: Die Semester-Info-Mails Als Mitglied im MEDI-LEARN Club versorgt dich das Semester-Info-Mailing rund um´s Jahr mit zeitlich passenden Informationen - punktgenau abgestimmt auf dein jeweiliges Semester. Das Semester-Info-Mailing stellt dir neue, empfehlenswerte Bücher vor, sucht dir aus dem

Fundus an Erfahrungsberichten von Studenten sehr lesenswerte Artikel heraus, durchstöbert für dich die Service-Datenbanken von MEDI-LEARN (z.B. Jobbörse, Klinikwahrheiten, Studienplatztausch) nach gehaltvollen Beiträgen und liest im Forum für dich mit. Du brauchst nichts weiter zu tun, als dich entspannt zurück zu lehnen und neugierig abzuwarten, was dieser Service für dich brühwarm auf dem Tablett serviert. So sparst du wertvolle Zeit und bist dennoch rund um bestens informiert.

Sicherheit beim Uni-Tausch: Studienplatz-Tausch Deluxe Wer als Clubmitglied die Uni wechseln möchte, kommt automatisch in den Genuss der Deluxe-Variante in der Studienplatztausch-Börse von MEDI-LEARN: Dein Eintrag in dieser Datenbank wird mit einem speziellen graphischen Symbol als verifiziertes Mitglied besonders kenntlich gemacht und „fällt somit einfach mehr in der Masse auf“. Zudem wissen potentielle Tauschpartner in anderen Städten auf den ersten Blick, dass es Erfolg versprechend ist, mit dir als Mitglied im MEDI-LEARN Club Kontakt aufzunehmen: Sie können davon ausgehen, dass du rasch auf Anfragen antwortest und deine Kontaktdaten hochaktuell sind. So wird keine unnötige Zeit verloren. Für Club-Mitglieder ist die Wahrscheinlichkeit höher, in kurzer Zeit mehr Anfragen zu erhalten und schneller an ihre Wunsch-Uni zu gelangen.

Der neue Service: Examensservice Deluxe Zusätzlich zum altbewährten MEDILEARN Examensservice, der die Bekanntgabe der voraussichtlichen Lösungen der Examina umfasst, erhälst du als Clubmitglied den Examensservice Deluxe: Dieser umfasst zunächst die Erstellung eines Lernplanes, der auf deine Fähigkeiten in den einzelnen Fächern abgestimmt ist. Dazu bekommst du eine Prognose deiner Examensnote auf Basis deiner individuellen Kreuzergebnisse kurz vor dem Examen. Am Examenstag kannst du dir exklusiv die Examensergebnisse per SMS auf dein Handy schicken lassen und bekommst bei Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse des IMPPs ebenfalls einen Hinweis per SMS auf dein Handy.

Ohne Moos nix los: Studienfinanzierung Semestergebühren, Fachbücher, Miete, Telefonanschluß – das Studium kostet sehr viel Geld! Wie soll ich das eigentlich alles finanzieren? Wenn du dir diese Frage auch immer wieder stellst, haben wir genau das Richtige für dich: Das exklusive Clubseminar „Studienfinanzierung“ - in diesem erläutert dir ein Finanzexperte der Deutschen Ärzte Finanz, welche Kosten du als Student erwarten musst, an welcher Stelle du geschickt sparen kannst und welche Geldquellen dir als Student zur Verfügung stehen. Zum Abschluss des Seminars gibt es ein Skript mit allen

Gewinnspiel: Trage einfach die Lösung unter www.medi-learn.de/logik ein und gewinne ein Skelett, eines von je fünf Büchern Lernstrategien oder Hammerfragen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Gewinnspiel läuft bis 30. Juni 2007

wichtigen Fakten zum Thema „Studienfinanzierung“. Dieses geballt präsentierte Wissen wird sich ganz schnell in deiner Geldbörse bemerkbar machen.

Skripte zum vergünstigten Preis Als Clubmitglied erhältst du PremiumContent von MEDI-LEARN zum vergünstigten Preis und sparst hier wertvolle Euros, für die du sicher andere Verwendung findest. Auf dich warten z.B. die folgenden, jeweils mehrere hundert Seiten umfassenden Skripte: Die „Physikumsfakten“ sowie die „Tabellenskripte“ und das Skript „Hammerexamen - Das ist wichtig“ liefern dir komprimiertes examensrelevantes Wissen, mit dem du dich zeitsparend und effektiv auf die Prüfung vorbereitest. Mit dem „Uni-Ranking“ erhältst du einen profunden Überblick über das Medizinstudium an Deutschlands Universitäten.

Ausblick auf den MEDI-LEARN Club in 2007 Der Club wächst und wächst auch im Laufe des Jahres 2007 weiter und gedeiht prächtig: Ob das Seminar „Perfekt präsentieren“ oder die Tipps aus dem Munde von Chefärzten auf den Bewerber-Workshops wie auch vergünstigte Shopangebote für Medizinbedarf, die noch in diesem Jahr erhältlich sein werden: Genieße schon jetzt die zahlreichen Vorteile als Mitglied im MEDI-LEARN Club.

Neugierig? Bist du neugierig auf den MEDI-LEARN Club? Mach dir dein eigenes Bild unter: www.medi-learn.de/club


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Selbstsicher, aber bitte nicht arrogant Auswahlgespräch: Kein Verhör, aber auch kein Kaffeekränzchen

Leider sind Seitenzahl und Erscheinungshäufigkeit der MEDI-LEARN Zeitung begrenzt, so dass wir nicht immer alle Texte berücksichtigen können, die ihr uns zusendet. Genauer gesagt: berücksichtigen konnten, denn nun gibt es den DIGITALEN NACHSCHLAG bereits zum neunten Mal mit weiteren spannenden Artikeln – aktuell über Parkinson und E-Health – und Ergänzungen zu den Berichten der PrintAusgabe. Der DIGITALE NACHSCHLAG steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung. Einfach die folgende Seite aufrufen:

von Jan-Peter Wulf

F

rüher brauchte man für einen Platz im Medizinstudium vor allem eines: ein gutes, sehr gutes Abitur. Ein ordentlicher Notenschnitt schadet freilich auch nach der Neuregelung der Studienplatzvergabe im Jahre 2005 nicht. Allerdings werden nur noch 20 % der Studienplätze nach Abiturnote, weitere 20 % nach Wartezeit vergeben. Der Löwenanteil von 60 % der Studienplätze wird über das so genannte Auswahlverfahren der Hochschule (AdH) verteilt.

Verteiler bleibt die ZVS Wichtig ist zunächst, dass die ZVS insgesamt das zentrale Verteilungsorgan bleibt – sowohl für die Plätze als auch für diejenigen, die am Auswahlverfahren der Hochschulen teilnehmen dürfen. Die Auswahl der AdH-Teilnehmer, meist dreimal so viele, wie letztlich zugelassen werden, an einigen Unis aber sogar sechsmal so viele, erfolgt nach der Durchschnittsnote. Eine Vorauswahl findet nicht statt. Die Bewerbung muss also weiterhin direkt bei der ZVS erfolgen, Unterlagen an die Hochschule zu schicken, bringt nichts ein. Damit ist ebenfalls klar: Ein gutes und sehr gutes Abitur bleibt auch für das AdH weiterhin vorteilhaft. Mit welchen Dingen gepunktet wird und was man sonst noch beachten sollte, haben drei Teilnehmer im Interview preisgegeben.

das Auswahlgespräch an der Uni EssenDuisburg mitgemacht. „Vor dem Gespräch habe ich mich über den Aufbau des Studiengangs informiert, was auch gefragt wurde. Auch über weitere Ausbildungsmöglichkeiten sollte man sich ebenso informieren wie über die aktuelle Gesundheitspolitik, den Marburger Bund oder Hartmannbund oder auch die Grundsätze der Versicherungsleistungen!“

SELBST GRUNDSÄTZE DER VERSICHERUNGSLEISTUNGEN SOLLTE MAN KENNEN! Wie Sebastian konnte auch sie mit einschlägigen Ausbildungserfahrungen Punkte sammeln. „Ich habe meinen Rettungshelfer beim Deutschen Roten Kreuz gemacht und bin anderthalb Monate nach dem Abi Krankenwagen gefahren. Als Leistungskurse im Abi hatte ich Biologie und Chemie, so wurde mein Interesse an Naturwissenschaften und am sozialen Engagement zumindest nicht bezweifelt.“ „Man sollte das Berufsbild des Arztes gut kennen und seine Pläne für die eigene ärztliche Tätigkeit darlegen können. Es wurde sehr präzise nachgehakt, warum man was später machen möchte! Und es ist ratsam, Informationen zu aktuellen medizinischen und gesundheitspolitischen Themen parat haben. Zeitungen

www.medi-learn.de /mlz-nachschlag

lesen!“, rät Alexandra Kulicki, die ebenfalls an der Ruhrgebiets-Uni zum Auswahlgespräch eingeladen wurde.

Eigensinn zeigen „Man sollte zeigen, dass man einen gewissen Eigensinn hat, das Studium auch durchzuziehen. Zum Beispiel habe ich ehrlich zugegeben, dass meine Eltern mich lieber in einer Ausbildung oder in einem Lehramtsstudium sehen wollten, ich aber unbedingt meinen eigenen Weg gehen und Medizin studieren wollte!“ Alexandra hatte Essen-Duisburg auf Position Drei ihrer Wunschliste gesetzt, Lisa auf Zwei – und hatte bei der Frage, warum sie sich „ausgerechnet Essen“ ausgesucht habe, so ihre Probleme. „Ich wollte eigentlich ja woanders hin.“ Ihre

Die Fakten zählen Sebastian Steven hat an der Uni Göttingen ein Auswahlgespräch mitgemacht. „Ich hatte Göttingen auf Position Eins angegeben, bis zur dritten Ortswahl wird man überhaupt eingeladen. Zwei Personen waren außer mir beim Gespräch anwesend: eine Psychologin und ein Anästhesist.“ Wer bei diesen Berufsgruppen die Augenbrauen heben muss, dem kann Sebastian die Sorge nehmen: „Ich konnte meine Situation in einer angenehmen Atmosphäre schildern. Aber Daherschwafeln interessiert die nicht. Es zählen die Fakten, die für die Auswahl relevant sind, danach werden Punkte vergeben und ein Ranking durchgeführt.“ Fachfragen musste Sebastian nicht beantworten, dafür wurde die persönliche Einstellung und Tätigkeiten abgeklopft.

DIE HABEN BEI MIR IM KITTEL DAGESESSEN „Hier konnte ich mit meiner Ausbildung als Rettungssanitäter punkten, und mit Bissfestigkeit, also allen Herausforderungen, die man angenommen hat, um etwas zu erreichen. Das waren bei mir sportliche Erfolge, aber ebenso interessierte es, dass ich mich in Göttingen bereits für ein Teilstudium eingeklagt hatte.“ Sebastian hat einen Platz ergattern können. Was rät er, neben den genannten persönlichen Vorzügen noch an Rüstzeug mitzubringen? „Klar ist, dass man den Ablauf des Studiums kennen sollte. Schriftliche Belege von allem, was man gemacht hat, und sei es nur ein vierwöchiges Praktikum: mitbringen! Empfehlungsschreiben von Lehrern oder Ausbildern ebenfalls.“ Und der Auftritt? „Selbstsicher, aber bitte nicht arrogant. Und nicht im Anzug auflaufen, die machen das während der Arbeitszeit und haben bei mir im Kittel dagesessen.“ „Ich habe eine ordentliche Jeans mit Turnschuhen angezogen und darüber einen Blazer mit Top, weil ich mir nicht sicher war, was die Leute von mir erwartet haben“, berichtet Lisa Rauschen. Sie hat

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Fragensteller – ein Pathologieprofessor und ein Doktor – schwärmten ihr denn auch „zwischendurch immer wieder von Essen vor“ und dem guten Angebot der Uni. Eine lockere Plauderei war es für Lisa und Alexandra aber nicht:

NACH DEM GESPRÄCH HATTE ICH ÜBERHAUPT KEIN GUTES

GEFÜHL

Beide beschreiben die Gesprächssituation durchaus als prüfungsähnlich. „Ich musste meine Antworten sehr häufig belegen oder immer wieder Nachfragen beantworten, die einem das Gefühl gaben, in die Ecke gedrängt zu werden oder das Falsche gesagt zu haben“, so Alexandra. „Insgesamt waren die beiden Herren sehr nett, haben mich mit ihren Fragen jedoch manchmal ein wenig aus der Fassung gebracht, wenn ich die Antwort nicht wusste. Der Professor hat jedoch teilweise die Fragen selber beantwortet und mir den Sachverhalt erklärt, was recht lange dauerte und mir vor Augen führte, dass meine Antwort ziemlich falsch war. Deswegen war ich auch nach dem Auswahlgespräch ziemlich fertig und hatte überhaupt kein gutes Gefühl“, fügt Lisa hinzu. „Aber auch ein subjektiv nicht so gut verlaufendes Gespräch bedeutet nicht sofort, dass man ‚durchgefallen’ ist“, kann Alexandra beruhigen. Schließlich hat sie – wie auch Lisa – einen der begehrten Plätze für das Medizinstudium in Essen bekommen. „Ich kann nur raten, ganz ruhig zu reden und auf Themen umschwenken, die man besser darstellen kann, wenn es die Situation erlaubt.“

Nach wie vor gilt: Gut vorbereiten! Fazit: Kein Verhör, aber auch kein Kaffeekränzchen. Wer an einer Uni einen Platz in der Medizin haben will, der sollte sich gut vorbereiten. Information über das Studium und das Berufsbild des Arztes, über Rahmenbedingungen und medizinische und aktuelle gesundheitspolitische Themen gehören genauso zur „Prüfungsvorbereitung“ wie persönliche Erfahrungen, Praktika, Kurse und vor allem: die unbedingte Motivation, genau dieses Fach zu studieren. Insofern ist das neue Verfahren denjenigen zuträglich, die neben guten Noten auch den echten Willen mitbringen, Mediziner zu werden. Wie Sebastian Steven es formuliert: „Man muss den Eindruck erwecken, es wirklich zu wollen.“ Und wie könnte man das besser, als es in der Tat wirklich zu wollen? Wir verlosen drei Exemplare „Lernstrategien“ von MEDI-LEARN – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw764

Nachschlag Die Extraportion Diese Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Forschung

Zelltherapie bei Parkinson Traditionelle Medikamente wirken bei M. Parkinson bislang leider lediglich indirekt und nur für einige Jahre. Doch die Fortschritte der Medizin machen auch vor dieser verbreiteten Erkrankung nicht halt: Erstmals kommen menschliche Stammzellen in die klinische Prüfung. Sie sollen die Beschwerden auf direktem Weg an Ort und Stelle im Gehirn beheben.

Blutdruck in der Vorschule Wie sinnvoll ist ein Blutdruck-Screening im Vorschulalter? Ob regelmäßige Blutdruckmessungen bei Kindern dazu beitragen können, ein erhöhtes Risiko für frühzeitige Organschäden aufzuspüren, soll eine bundesweite Studie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Uni Heidelberg klären. Die Studie möchte darüber hinaus die Normwerte für erhöhten Blutdruck im Kindesalter überprüfen.

Ausland

Externo in Ecuador 2002 Die Geburt eines Kindes einmal hautnah mitzuerleben, war schon immer ein Wunsch von Peter Karsten gewesen. Die Erfüllung blieb ihm allerdings während des Studiums in Deutschland (fast immer) versagt. Bereits vor dem Studium hatte er eine Zeit im südamerikanischen Ecuador verbracht – ein Land, in dem er nun den lang gehegten Wunsch während seiner Zeit in der Gynäkologie verwirklichen konnte.

News

Dr. Computer Jede Krankheit ist gekennzeichnet durch eine Reihe spezifischer Symptome und Ergebnisse einschlägiger Untersuchungen. Es ist daher nahe liegend und reizvoll, sich nach Eingabe wichtiger Befunde und Symptome die Diagnose von einem Computer vorschlagen zu lassen. Was darf man sich von Dr. Computer erwarten?

E-Health Ein Beitrag der Zeitschrift „Krankenhauspsychiatrie“ (Thieme) stellt Internet-Angebote von Kliniken und Arztpraxen vor: Aus Patientensicht ist es sehr nützlich, sich z.B. über die Leistungen einer Klinik bereits im Vorfeld ausführlich zu informieren. Ob Erklärung von Fachbegriffen, Vorstellung möglicher Therapieformen oder interaktiver Selbsttest per Computer – die technische Entwicklung im Bereich e-Health macht rasche Fortschritte und bietet immer neue Möglichkeiten. Alle Artikel findet ihr kostenlos unter:

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MEDI-LEARN Zeitung 02/2007  
MEDI-LEARN Zeitung 02/2007  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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