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Das Hammerexamen

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Mit einer ausführlichen Analyse der Fall- und Einzelfragen sowie einer kompletten Liste der geprüften Krankheitsbilder geben wir euch - ergänzt um Interviews mit den ersten Prüfungsteilnehmern - eine hilfreiche Orientierung für die Vorbereitung auf das Hammerexamen an die Hand. Mehr dazu auf den Seiten 6 und 7

ZEITUNG

Ausgabe 01/07 ∙ Januar /Februar 2007 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de ∙ ISSN 1860-8590 ∙ 1,90 €

Kapstadt kompakt Tipps und Tricks für das PJ in Südafrika Die nächste WM findet im Land des Tafelberges statt, doch auch jenseits des runden Leders hat sich Südafrika zu einem beliebten Ziel für Auslandsaufenthalte während des Studiums entwickelt. Arne Driessen gibt hier allen Interessierten wertvolle Tipps.

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Es lohnt sich! Wissenswertes für die USA-Famulatur

Spielt Matthäus noch? Als Volunteer in Südindien

Ohne Kontakte und Verbindungen kommt man im Land der unbegrenzten Mög- lichkeiten nicht weit. Ein Empfehlungsschreiben ist also Gold wert. Dies ist nur eine der Erfahrungen, die Gerrit Montag im Artikel über seinen USA-Aufenthalt für euch parat hat.

Wartezeit sinnvoll genutzt: Während ihrer Zeit im fernen Indien erlebte Marie Christine Kuhl phantastische, aber auch unglaubliche Dinge und reicht vielfältige Impressionen aus einem kleinen Dorf im Land der heiligen Kühe an euch weiter.

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Das etwas andere Praktikum

Die WHO in Genf: Ein Einblick in die Welt des internationalen Gesundheitswesens von Dr. Karsten Lunze

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gegen die drei weltweit größten Killer: HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria. Außerdem treffen sich im Hauptquartier regelmäßig Experten aus aller Welt, um Standards festzulegen, um Definitionen zu ringen, um Programme zu konzipieren.

Evidence and Information for Policy Dazu ist die WHO-Zentrale übergeordnet in Cluster aufgeteilt. Ich war dem Cluster „Evidence and Information for Policy“ zugeteilt. Hier wiederum war ich im Programm „Epidemiology and Burden of Disease“ tätig, und in meiner Arbeit ging es um die Studie „Global Burden of Disease“. Aktuellen politischen Bedürfnissen folgend, sind diese Organisationsformen jedoch ständig im Fluss. Die gängige Arbeitssprache bei der WHO ist Englisch. Offiziell wird alles auch auf Französisch übersetzt. Das spricht man aber eher, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, in der Kantine oder in der Cafeteria – und natürlich zuhause.

Epidemiologisches Modell

Der Genfer See bietet schöne Ausblicke

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as erlebt man bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Mutter der internationalen Gesundheitsorganisationen? Wie sieht die Arbeit dort aus? Was lernt man bei einem Praktikum dort? Um Studenten und Absolventen einen Einblick in die Arbeitsweisen der in-

ternationalen Organisationen zu ermöglichen, unterhalten alle UN-Institutionen eigene Praktikantenprogramme – so auch die WHO. Die WHO hat sich die weltweite Koordination der Bemühungen seiner über 190 Mitgliedsstaaten um die globalen Gesundheitsprobleme auf die

Fahne geschrieben. Im Hauptquartier in Genf arbeitet ständig ein Heer von 2.000 Fachleuten an den verschiedenen Zielen, die sich die WHO gesetzt hat. Dazu gehören die Bekämpfung von Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs und dem Tabakproblem genauso wie Programme

Wie sollen Medizinstudenten geprüft werden? Kompetenzzentrum für einheitliche Qualität in Baden-Württemberg von Dr. Annette Tuffs (Uni Heidelberg)

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rüfungen steuern die Leistung: Ob Medizinstudenten gute Ärzte werden, hängt auch von der Qualität der Prüfungen ab, die sie im Laufe ihres Studiums absolvieren. Das Kompetenzzentrum für Prüfungen in der Medizin Baden-Württemberg an der Medizinischen Fakultät Heidelberg ist ein Garant dafür, dass die Medizinstudenten im „Ländle“ praxisnah, möglichst gerecht und mit hoher Qualität geprüft werden. Ein Beispiel, das mittlerweile bundesweit Impulse gesetzt hat. Zwei Jahre nach der Gründung des Kompetenzzentrums zieht seine Leiterin, Dr. Jana Jünger, eine positive Bilanz: „Wir haben wichtige Grundlagen geschaffen auf dem Weg zu qualitätsgesicherten Prüfungen an den fünf medizinischen Fakultäten Baden-Württembergs“, sagt die Oberärztin der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, die auch maßgeblich an der Einführung des Heidelberger Reformstudienganges HeiCuMed beteiligt war. „Unsere Expertise wird bundesweit nachgefragt. In unseren Workshops haben wir mehr als 300 Dozenten aus 21 Fakultäten geschult –

Auch praktische Fähigkeiten werden in den Prüfungen getestet, Bild: Uni Heidelberg

und damit in Deutschland eine Multiplikatorenrolle übernommen.“

Weniger MC, mehr Praxis

In den Staatsexamina wurde bislang bundesweit einheitlich und zentral gesteuert mit Multiple-Choice-Verfahren das Faktenwissen der Medizinstudenten

geprüft. Dies führte dazu, dass Studierende grundlegende ärztliche Tätigkeiten wie Anamneseerhebung oder das Üben klinischer Entscheidungsprozesse vernachlässigten. Mit der neuen Approbationsordnung wurde ein stärkerer Praxisbezug des Studiums gefordert. In den reformierten Curricula werden Schlüs-

Meine Aufgabe während dieser etwas anderen „Famulatur“ war die Antwort auf ein zunächst banal erscheinende Frage: wie viel an Malaria Erkrankte gibt es eigentlich auf der Welt und welche Bürde macht ihre Krankheit für ihr Leben aus? Die Beantwortung bestand in der Errichtung eines dynamischen epidemi-

selkompetenzen wie das Führen eines guten Arzt-Patienten-Gesprächs und klinisch-praktische Fertigkeiten vermittelt. Gleichzeitig hat die neue Approbationsordnung den medizinischen Fakultäten eine größere Prüfungsautonomie verliehen. Und damit auch Verantwortung: Zentral geprüft wird nur noch nach dem vorklinischen und nach dem klinischen Studienabschnitt. Die Zahl der fakultätsinternen Prüfungen, deren Noten sich im Endzeugnis niederschlagen, schnellte dagegen auf 39 hoch und umfasst 22 Fächer, zwölf Querschnittsbereiche und fünf Blockpraktika in den klinischen Semestern. Dieser großen Herausforderung sind die Medizinische Fakultät Heidelberg und das Land Baden-Württemberg mit der Einrichtung eines gemeinsamen Kompetenzzentrums für Prüfungen in der Medizin begegnet, das zum 1. Juli 2004 seine Arbeit aufnahm. Es berät die Fakultäten des Landes bei der Einführung und Umsetzung neuer Prüfungsformen und entwickelt verlässliche Prüfstandards, fungiert aber auch auf Bundesebene als aktiver Impulsgeber.

Auch kommunikative Fähigkeiten werden getestet

Zu den eingeführten Prüfungsformen zählt die objektive, strukturierte klinische Prüfung (OSCE), die HeiCuMed schon seit einigen Jahren einsetzt. weiter auf Seite 10

ologischen Modells zur Abschätzung der jeweils regionalen und zusammen gesehen globalen Bürde dieser Krankheit. Dazu arbeitete ich an der Einrichtung einer Datenbank mit relevanten und wissenschaftlich fundierten Daten aus der Literatur. Und die musste man erst mal finden und bewerten. Für viele Länder – gerade die am meisten betroffenen – gibt es jedoch keine guten Studien: aus Kostengründen. Hier helfen dann epidemiologische Werkzeuge weiter, zu einer sinnvollen Schätzung zu kommen. Mein Praktikum war entscheidend durch meine Betreuerin geprägt. Claudia Stein ist eine Ärztin und Epidemiologin mit zahlreichen Qualifikationen: sie ist zweifache Doktorin, zweifache Fachärztin und hat zudem noch einen Master. weiter auf Seite 2

Inhalt MEDI-LEARN goes Club Ein neues attraktives Angebot namens MEDI-LEARN Club mit zahlreichen Vorzügen für junge Mediziner wartet bereits auf euch. In unserem Kreuzworträtsel könnt ihr diesen neuen Service ausführlich erkunden und - so Glücksfee will - wertvolle Gewinne mitnehmen. S. 11

Wettbewerb

Reise nach London Benjamin Heine war der glückliche Gewinner des letzten Wettbewerbes für Artikelschreiber und kann nun in die goldene Stadt Prag reisen. Im neu aufgelegten Wettbewerb für studentische Artikelschreiber gibt es eine Reise in die Stadt des Towers zu gewinnen. An die Feder, fertig - los! S. 05

Geschmökert

Allgemeinmedizin im Vergleich Die Medizinstudenten von heute sind oftmals die Allgemeinmediziner von morgen, denn ein Großteil wird später in diesem Bereich tätig sein. In unseren Rezensionen stellen wir euch gängige Lehrbücher für das Fachgebiet der Allgemeinmedizin im Vergleich vor. S. 04

Famulatur

Ohne Bezahlung Ohne Bezahlung keine Behandlung lautet eine der traurigen Schlussfolgerungen, die sich im afrikanischen Togo leider nur allzu oft als Realität erweist. Ute Boenke lernte während ihrer Famulatur in den fernen afrikanischen Gefilden nicht nur Tropenkrankheiten kennen. S. 08

Ausland

Mazedonien Die Ärzte im Balkanland Mazedonien sind gut ausgebildet und gegenüber Studenten sehr erklärungsfreudig. Mathias Kellermann kann nach seiner Famulatur das Fazit ziehen, nicht enttäuscht worden zu sein und kehrte mit illustren Eindrücken medizinischer und kultureller Natur in die Heimat zurück. S. 09


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Kurz notiert

Ein Hörbuch zum Riechen

(idw) Der Geruchssinn ist wahrscheinlich das älteste Sinnessystem der Natur. Verlockende Gerüche hüllten vor kurzem die Besucher von Weihnachtsmärkten ein und ganz gegen ihre Absichten standen sie bald mit Glühwein und Lebkuchen in der Hand da. Nicht der schwache Wille ist die Ursache, sie unterliegen der Verführung von Gerüchen: unterbewusst und mit starker Verknüpfung an unsere Gefühle beeinflussen sie unsere Handlungen. Wie wir Gerüche wahrnehmen und warum sie uns so stark beeinflussen können, erklärt der Bochumer Riechforscher Prof. Hanns Hatt: Sein Hörbuch „Dem Rätsel des Riechens auf der Spur“ ist jetzt bei suppose erschienen. Der Hörer taucht auf 2 Audio-CD´s ein in die Evolution des Geruchssinns und in vielfältige Forschungsgebiete, wie etwa die Gewichtsregulation durch Düfte. Reinriechen, nein: reinhören empfohlen.

Hirntumore aushungern?

(idw) Glioblastome sind die häufigsten und bösartigsten Hirntumore. Sie gehören zu den Tumoren des Menschen, die am besten durchblutet sind, weshalb sie sehr schnell wachsen und meist innerhalb weniger Monate zum Tod des Betroffenen führen. In klinischen Studien in den USA sowie in Deutschland versuchen Ärzte deshalb das Blutgefäßwachstum mit unterschiedlichen Ansätzen zu hemmen und die Hirntumore „auszuhungern“. Die Forschungsgruppe um Prof. Vajkoczy (Mannheim) stellte jüngst die Ergebnisse einer Pilotstudie vor, bei der Patienten statt einer hochdosierten, in Intervallen verabreichten Chemotherapie, kontinuierlich über Wochen hinweg ein niedrigdosiertes Krebsmedikament in Kombination mit einem Entzündungshemmer erhielten. Dabei zeigte sich eine gute Verträglichkeit und die mittlere Überlebenszeit lag mit 17 Monaten höher als bei konventionellen Therapien.

Impfung gegen Nierenkrebs?

(idw) Die Impfung gegen Krebs stellt eine viel versprechende Therapie-Option dar. Ihr Ziel: Die körpereigene Abwehr gegen den Tumor zu verstärken. Ein Team um Professor Stevanovic (Tübingen) hat jetzt spezielle Strukturen und Tumor-Antigene auf Nierenkrebszellen identifiziert, die zur Impfung gegen Nierentumoren eingesetzt werden. Erste klinische Studien mit diesen Antigenen laufen bereits. Der Tübinger Arbeitsgruppe ist es außerdem gelungen, den Bauplan dieser speziellen Tumor-Antigene aufzuschlüsseln.

Deine Meinung ist uns wichtig! Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung? Unter www.medi-learn.de /gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich – unter allen Teilnehmern verlosen wir Fachbücher im Wert von 300 €. Einfach Fragebogen ausfüllen und schon bist du dabei!

Praktikum bei der WHO in Genf Fortsetzung von Seite 1 Außerdem hat sie einen Pilotenschein! Sie hat eine tolle Art, mit Menschen umzugehen, und obwohl ihr Arbeitspensum überwältigend ist, lässt sie das im Umgang mit anderen nie eine Rolle spielen. Schon im Vorfeld war ich beeindruckt von der professionellen Vorgehensweise: stets erhielt ich prompte Antworten, sowohl wenn es um die Arbeitsbeschreibung der Gruppe als auch wenn es um Gutachten für eine Unterstützung durch den DAAD ging oder andere organisatorische Dinge. Dr. Claudia Stein hat immer von sich aus auch meine Seite des Praktikums betrachtet, bis zum letzten Tag. Das Praktikum begann mit einem Lernvertrag, in dem alle ihre Kompetenzen und meine Aufgaben und Lernziele festgelegt wurden. Meine Tätigkeit war durchweg strukturiert geplant und enthielt eine großzügige Einarbeitungsphase: wohl kaum ein deutscher Medizinstudent beherrscht das Handwerkszeug, das man für einen sinnvollen Aufenthalt in der Public-Health-Welt braucht. Daher begann ich zunächst damit, mich mit den Grundlagen der Epidemiologie und Evidence Based Medicine im allgemeinen und der Studie „Global Burden of Disease“ im besonderen (www.hsph.harvard.edu/organizations/ bdu) vertraut zu machen. In regelmäßigen Treffen besprachen wir alle meine Angelegenheiten, und stets bekam ich Feedback und, wenn es mal nötig war, Ansporn oder Trost.

Statistik und Evidence Based Medicine

Ich konnte zahlreiche Fortbildungen wahrnehmen, die von IT-Fähigkeiten über projektverwandte Themen wie Malariaprogramme oder Interventionsstrategien z.B. für Anämien bis hin zu Menschenrechtsthemen reichten.

Zusätzlich zu unseren regelmässigen Konsultationen und ihrer mannigfaltigen Inanspruchnahme von den verschiedensten Seiten veranstaltete Dr. Claudia Stein eigens für ihre Praktikanten einen Unterricht zu Statistik und Evidence Based Medicine, der von höchstem Lerneffekt war. Diesen Unterricht schloss sie mit einer schriftlichen Prüfung ab, auch hier wieder mit ausführlichem Feedback. Alles in allem war ihr Unterricht eine einmalige, exklusive Lernerfahrung. Ihren Praktikanten hat sie in der Kompetenz, wissenschaftliche Arbeiten adäquat zu bewerten, entscheidend vorangebracht. Eine besonders nachhaltige und außergewöhnliche Erfahrung war es, die anderen Praktikanten zunächst der WHO, später dann auch anderer internationaler Organisationen kennen zu lernen. Es fing damit an, dass wir uns – über eine E-MailListe organisiert – sehr oft trafen, anfangs meist zum Mittagessen, später dann auch oft abends und an den Wochenenden. Wir haben viel Spaß miteinander gehabt, viel miteinander und übereinander gelacht, in gemeinsamen Ausflügen die Umgebung erkundet und so manche Auseinandersetzung gehabt. Dabei ging es häufig um Themen, die das Praktikum anbetrafen (Die Methodologie der Studie „Global Burden of Disease“ ist nicht ganz unumstritten, und Einwände und Fragen dazu haben in meinen Augen sehr interessante Aspekte aufgeworfen). Der Wunsch, die eigene Tätigkeit in einen weiteren Zusammenhang zu stellen, gipfelte schließlich in einem Treffen der Praktikanten mit der Generalsekretärin der WHO, das einer der Praktikanten, der damalige Medizinstudent Sven Volkmuth, in eigener Initiative engagiert organisiert hatte. Für internationale Begegnungen aller Art bietet die Stadt Genf den passenden

Kapstadt kompakt Tipps und Tricks fürs PJ in Südafrika von Arne Driessen

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as Krankenhaus Groote Schuur liegt am Fuße des Devil’s Peak, einem Ausläufer des Tafelberges und ist von verschiedenen Stadtteilen umgeben (Observatory, Mowbray, Woodstock, Rondebosch). Um in der Nähe des Krankenhauses zu wohnen, bietet sich also einer der genannten Stadtteile an. Ich habe das Innere-Tertial im GSH absolviert und hatte wirklich Glück – sowohl was die „interns“ anging, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, als auch den Professor, der hier leitend tätig war. In der Regel waren die Visiten informativ und gaben dem Begriff „bedside teaching“ für mich eine neue Dimension. Allerdings gab es auch PJler, die weniger zufrieden waren, so in der Cardiothoracic Unit, dem eigentlichen Flagschiff des Krankenhauses, da die Handgriffe hier rar und die „consultants“ nicht ganz so kommod gewesen sein sollen. Empfehlenswert ist auch die Casualties Unit, in der alle Notfälle der Inneren landen und die von einem begnadeten Erklärer namens Dr. Aboo geleitet wird. Prinzipiell ist zu sagen, dass sowohl Ärzte als auch Schwestern an Studenten gewöhnt sind und man herzlich empfangen wird. Wer sich einbringt, darf auch zupacken! Über das britische System in den Krankenhäusern gibt es ja bereits einige Berichte, weshalb ich lieber versuchen möchte, ein paar hilfreiche Tipps weiterzugeben, die mir in der Zeit in Kapstadt weitergeholfen haben. Neben dem GSH habe ich

mich auch am Tygerberg Hospital beworben und bin rückblickend froh, dort abgelehnt worden zu sein. Denn Tygerberg ist ein Stadtteil relativ weit außerhalb des Zentrums, so dass ein Mietwagen obligat und damit auch viel Fahrerei verbunden ist. Der Vorteil dort ist, dass die Verwaltung den internationalen Studenten einen eigenen Bungalowkomplex zur Verfügung stellt – also entfällt die Wohnungssuche. Die Zimmer sind okay, es gibt Gemeinschaftsküchen, allerdings nur mit Mikrowelle. Jedoch fielen uns bei Besuchen von Kommilitonen, die in Tygerberg PJ gemacht haben, Big Brother-ähnliche Verhältnisse auf: Die Studenten (überwiegend deutsche Medizinstudenten) lebten eng zusammen und da kollert es dann auch schon mal im Lager. Deshalb im Anschluss die Empfehlung für das GSH und ausreichend Adressen, um die Wohnungssuche zu vereinfachen.

Rahmen: eine wunderschöne Uferpromenade, eine geschichtsbeladene, reizvolle Altstadt – und auf den zweiten Blick weit mehr als dies. Wer sich auf seinen Aufenthalt in Genf vorbereitet, findet wenig mehr über die Stadt selbst als Angaben über die Internationalen Organisationen. In der Tat sind mehr als 60 Prozent der Genfer Nichtschweizer. Genf ist eine internationale Stadt, die exotische wie benachbarte Einflüsse vermischt. Die Stadt ist aber eben nicht französisch, nicht typisch schweizerisch, obwohl sie es jedem überlässt, sich benachbarte Lebenselemente wie französische, italienische oder deutschschweizerische herauszuwählen. Genf hat auch eine große portugiesische Gemeinde.

Der Berg ruft!

Das Nahverkehrssystem ist gut ausgebaut und erlaubt, nicht nur die Stadt bequem zu erkunden, sondern auch den gesamten Kanton mit der sehr anziehenden Umgebung Genfs. Ein ausgedehnter Spaziergang führt einen recht bald von einer städtischen in eine ländliche Umgebung. Von meinem Zimmerfenster aus konnte ich auf das Juragebirge blicken, und an klaren Tagen, wenn auch nicht allzu häufig, kann man bis in die Alpen und auf den imposanten Mont Blanc sehen. Man versteht dann, was es heißt: Der Berg ruft!

Es gibt nur wenige kostspieligere Städte Allerdings ist Genf, dessen Banken einen nicht unbeträchtlichen Teil des globalen Kapitals verwalten, mehr als teuer. Weltweit gibt es nur wenige kostspieligere Städte. Viele pendeln daher zum Einkaufen über die nahe Grenze ins benachbarte Frankreich, wo es wesentlich

Auswahlbüro

Wer Ms. Jacobs eine Mail mit dem Wunsch nach einem PJ-Tertial schreibt, der bekommt einen Bewerbungsbogen per Post, in dem alles weitere erklärt ist. Insgesamt sind das Bewerbungsverfahren und die Bestätigung des PJ gut organisiert. Allerdings: Eine Unterschrift vom Dekan für die LPA-Formulare verweigert Ms. Jacobs hartnäckig, was allerdings in meinem LPA (Baden-Württemberg) bekannt und deshalb dort kein Problem ist. Mail: elective@curie.uct.ac.za

Visum

Ein Studienvisum für den Zeitraum des Aufenthaltes kann beim südafrikanischen

weniger teuer ist. Ob Konzert, Oper, Theater oder einfach mal Kino – Kultur ist, in Form von Studentenkarten oder über das Kulturbüro der Uni (4, Rue De-Candolle; hier kommt man auch an Sportmöglichkeiten), sehr zugänglich und hochkarätig. Die übersichtliche und sehenswerte Gemäldesammlung (Musée des Beaux-Arts) ist bei freiem Eintritt zu besichtigen, und auch unbezahlbare Vergnügen wie Stadtbummel, Promenadenspaziergänge, der Blick auf die Berge oder über den See sind kostenlos.

Tätigkeiten in einem globalen Kontext sehen Mein persönlicher Eindruck von der WHO lässt sich kaum in wenige Worte fassen. Ich fand ein großes intellektuelles Potential, das an einem Ort zusammenkommt, an dem hochqualifizierte Wissenschaftler eine Vision vorantreiben. Ich hatte die außergewöhnliche Chance, direkt mit den Machern von Konzepten und Programmen zu sprechen und auch persönliche Kontakte zu knüpfen. Natürlich bringt eine derart große Organisation bei allem guten Willen auch erschwerte Verständigungsbedingungen mit sich. Es war ein entscheidender Gewinn dieses Praktikums, einen ersten Einblick in die Prinzipien der Funktionsweise einer Internationalen Organisation zu bekommen. Auch wenn das nicht gerade bescheiden klingt: In Genf hat man die Gelegenheit, Tätigkeiten in einem globalen Kontext zu sehen. Dass Nachhaltigkeit kein Fremdwort unter den Praktikumsabsolventen darstellt, haben unsere informellen Nachtreffen gezeigt: bisher trafen wir uns in London, Amsterdam, Berlin – und auch noch mal in Genf.

Generalkonsulalt München für Bürger Bayerns und Baden-Württembergs sowie bei der Botschaft in Berlin für die Bürger anderer Bundesländer beantragt werden. Eine Bearbeitungsgebühr von ca. 50 Euro, eine Einlage von 767 Euro und ein Nachweis über Tuberkulose-Freiheit wird verlangt. Mein Antrag wurde in München bearbeitet; das dortige Konsulat verfügt aber nicht über ein Konto (!) sodass ich den Betrag in bar (!) dort hingeschickt habe. Das Visum habe ich zwar bekommen, aber für die Rückerstattung des Geldes wird der original Reisepass und die original Quittung benötigt. Kurzum: Erspart Euch den Aufwand und die Demütigungen des Konsulates, reist als Touristen ein und zu gegebener Zeit wieder aus, um euer weiter auf Seite 3


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Tipps und Tricks fürs Praktische Jahr in Südafrika Fortsetzung von Seite 2 Touristenvisum zu verlängern (90 Tage Aufenthaltsgenehmigung). Das funktioniert auch und erspart Aufwand und unnötige Kosten.

Handy im Socken

Die Vorsichtsmaßnahmen, die einem angeraten werden, seien an dieser Stelle nicht noch mal wiederholt. Allerdings sollte man einige wirklich beherzigen, da man sich schnell in gefährliche Situationen manövrieren kann. Besonders im Stadtteil Observatory traten vermehrt Überfälle auf, da es als das Viertel mit vielen internationalen Studenten gilt. So ist es besonders nach 22 Uhr abends ratsam, nicht alleine aus dem Haus zu gehen, das Handy in den Strumpf zu stecken und lediglich eine gewisse Summe für ein paar Bier in der Tasche zu haben. Glücklicherweise wird selten physische Gewalt angewendet. Alles in allem kein Grund zur Sorge, wenn man ein paar Dinge beachtet.

Trommeln und Feuerbälle

Telefonanrufe von Kapstadt aus sind mit Worldcom oder Eurocall-Karten am günstigsten. Prepaid-Karten fürs Mobiltelefon sind in Supermärkten erhältlich. Guthaben für die Karten gibt es an den meisten Tankstellen oder Supermärkten. Während der Sommermonate findet in Kapstadt Montags abends am Clifton II Strand eine Art Fackel- und Feuerfest statt. Leute versammeln sich mit Trommeln und Feuerbällen am Strand und feiern den Sonnenuntergang (gegen 19.30 Uhr). Spannend! Sonntag abends findet im La Mer (zwischen Camps Bay und Clifton) regelmäßig eine Inn Party statt. Recht junges Publikum, aber Spitzenstimmung! Eigentlich lassen sich so ziemlich alle Infos über Reisen und Trips aus dem Lonely Planet ziehen – für günstige Unterkünfte lohnt es sich aber, nach dem Backpacker Hostel Guide „Coast to Coast“ Ausschau zu halten, der umsonst in den Touristen-Infos oder auch in Hostels zu finden ist. Super Tipp für eine einmalige Afrika-Erfahrung: Malealea Lodge im gleichnamigen Village in Lesotho. Von hier aus werden Reittouren mit Übernachtung in einem Dorf angeboten, was nicht nur wegen der Landschaft und der Stille eindrucksvoll ist, sondern auch, weil die Menschen dort noch beinahe wie im Mittelalter leben. Observatory bietet einiges an Restaurants und abgefahrenen Kneipen – sicherlich kann man mehr als einen Abend dort verbringen, da sich hier internationales Publikum und die „locals“ am Tresen treffen.

Der Hausdrachen

Wohnungen und Zimmer für Studenten gibt es en masse – anbei ein paar Nummern und Adressen. Auf der Suche nach Wohnungen lohnt es sich aber auch, nach Angeboten an Schwarzen Brettern in der Universität (Upper Campus), am Spar Markt in der Station Road oder am Pick’n’Pay Markt St. Peter Square zu schauen. Wie das Tygerberg Hospital hat auch das Groote Schuur Hospital eine „students residence“, die sich Rochester House nennt. Leider – und das liegt an einem Hausdrachen namens Ms C. – ist es internationalen Studenten nicht möglich, dort ein Zimmer zu bekommen. Kapazität gäbe es dort eigentlich genug. Ms C. ist aber auch für heimische Südafrikaner eine echte Hürde – so musste

Arne und die Kids, Bild: Arne Driessen

sogar ein „registrar“ ein Dringlichkeitsschreiben seines „consultants“ vorlegen, welches die Notwendigkeit auf ein Zimmer rechtfertigte.

David´s student lodge

David vermietet zwei super ausgestattete Häuser in Observatory (Internetzugänge, Pool) allerdings normalerweise an amerikanische Studenten, die an der University of Cape Town studieren. Während der Semesterferien jedoch hat er Kapazitäten frei – sehr empfehlenswert. Leider ist David sehr unkoordiniert und verliert des Öfteren den Überblick, wer und wie viele Studenten bei ihm wohnen.

Ann Chapple real estate

Ann ist so eine Immobilienvermittlerin, die aber auch Häuser oder Zimmer an Studenten vermittelt. Einfach mal anrufen und fragen, was Sie anbieten kann schadet sicherlich nicht. Versucht den Preis zu drücken – Sie vermietet überwiegend an amerikanische Studenten und die scheinen jeden Preis zu zahlen!

Bernie Wenzel

Ausgezeichnete Mitwohngelegenheit bei einem Südafrikaner! Mail: bernie_w@hotmail.com oder berniewentzel@yahoo.co.uk

Nelly’s lodge Observatory

Nelly und ihre Tochter Charmaine betreiben eine „lodge“, die aus fünf Häusern in Observatory besteht. Vermietet werden hier Betten pro Nacht, so dass der Zimmermitbewohner schon mal wechselt. Meine Erfahrung: Für den Beginn eine super Adresse, um Kontakte zu knüpfen, da Anlaufstation für viele internationale Studenten (besonders Niederländer). Aber günstiger wohnt man sicher privat! www.thelodgeobs.co.za ‘Nelly’s’ The Lodge. 36 Milton Road. Observatory 7925. Cape Town. Mail: thelodge@mweb.co.za

Toni Sylvester

Tonys Häusle befindet sich bereits in Mowbray, dem östlich an Observatory angrenzenden Stadtbezirk, was den Fußweg zum Krankenhaus verlängert. Die

Unterkunft ist jedoch okay und günstig. Mail: tonisylv@iafrica.com

Fahrbare Untersätze

Am besten kümmert man sich vor Ort um ein Auto, das ist ratsam, wenn man wie ich vier Monate bleibt und in den vollen Genuss der Stadt kommen möchte. Andere PJler haben eines gekauft. Wir hatten ein Mietauto, da wir immer die Möglichkeit hatten, die Kosten zu teilen. Je länger der Aufenthalt ist, umso eher lohnt es sich, ein eigenes Auto zu kaufen. Kosten für Ersatzteile und Reparaturen muss man dann natürlich selber tragen. Autos kaufen kann man von privat (z.B. PJler die Kapstadt verlassen) oder von Händlern, von denen einige sogar eine Rückkaufgarantie zu einem bestimmten Preis für den Wagen geben. Allerdings ist der Rückkaufpreis selten höher als die Hälfte des Kaufpreises. Günstige Mietwagen gibt es von verschiedenen Unternehmen, z.B. bei Student Car Rental.

Township Touren

Besichtigungen von Townships werden von den örtlichen Tour-Büros angeboten, man kann sich die Besichtigung aber auch privat organisieren, was die preiswertere Variante darstellt. Besonders lohnenswert ist ein Besuch eines Gottesdienstes an einem Sonntag!

Shark Diving

Beim Shark Diving werden bis zu vier Leute in einem Käfig unter die Wasseroberfläche gelassen, um den Kick durch die extreme Nähe zu den Haien zu bekommen. Die Haie werden mit Fleisch angelockt, was derzeit kontrovers diskutiert wird, da es kürzlich vermehrt Haiattacken auf Kanuten oder Surfer gab. Wer es mag, muss rund 150 Euro pro Person hinlegen.

Addo Elephantpark

Der etwa 72 km nördlich von Port Elisabeth gelegene Addo Park ist sicherlich eine gute Adresse zum Abschluss einer Tour entlang der berühmten Garden Route. Durchqueren kann man das Gelände im eigenen PKW, was bequem und eindrucksvoll zugleich ist, da man gute Chancen hat, Kudus, Warzenschweine,

Wasserbüffel und Elefanten aus nächster Nähe zu betrachten. Äußerst empfehlenswert ist eine Übernachtung in einem der Bungalows direkt am Begrenzungszaun, da sich von hier nachts schon viele Tiere beobachten lassen. Generell wird empfohlen die Game Drives am frühen Morgen und am Nachmittag zu machen, da hier die Chancen auf zahlreiche Tiere am höchsten sind. www.addoelephantpark.com

Private Game Reserves

Die Privaten Game Reserves sind ebenfalls empfehlenswert und bieten oft eine Art „Garantie“ auf das Sehen der interessantesten Tiere. Übernachtungen sind leider sehr teuer, da ein recht exklusives Ambiente angeboten wird. Allerdings ist es aber gut möglich, außerhalb der Reservate in Hostels oder Backpackern zu übernachten und dann am Morgen ein bisschen Fahrt in Kauf zu nehmen. Die Game Drives werden in der Regel von erfahrenen Wildführern gemacht, die die bevorzugten Plätze der Tiere kennen.

Shamwari Game Reserve

Das Shamwari Game Reserve erstreckt sich etwa 65 km nördlich von Port Elisabeth und bietet auch Tagestouren (Lunch inklusive etwa 120 Euro) an. Faszinierend ist nicht nur die Tierwelt, sondern auch die afrikanische Landschaft! www.shamwari.com

Kariega Game Reserve

Privates Game Reserve etwa 141 km nördlich von Port Elisabeth wurde von Freunden empfohlen. www.kariega.co.za Das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in Südafrika neben der medizinischen Arbeit möglich ist. Viel Spaß allen, die sich für dieses Land entscheiden! Adresse des Krankenhauses: Groote Schuur Hospital Health Park, Observatory, 7937 Cape Town www.gsh.co.za Weitere Infos und Telefonnummern teilen wir euch gerne mit. Einfach eine E-Mail an redaktion@medi-learn.de schicken.

Studentenleben

(K)ein Buch mit 7 Siegeln

von Karl-Heinz Silbernagel Zu den Lieblingsthemen zählen sie sicherlich nicht, aber – Versicherungen gehören zum Alltag von Medizinern, denn auch als Student und junger Mediziner lebt man nicht im rechtsfreien Raum. Die Gretchenfragen dabei lauten: Wieviel Versicherung braucht der Student der Medizin? Was braucht man wirklich, was kann man lassen? Lassen wir daher einmal zum besseren Verständnis die bislang in der MLZ des vergangenen Jahres erschienenen Anregungen von Fachautoren Revue passieren. Ein Muss: Die Berufshaftpflichtversicherung, denn Haftung kann immer eingefordert werden, wenn ein Schaden durch Eigenverschulden entstanden ist. Sei es im Beruf oder im privaten Bereich. Wenn sich auch der Student unter der Obhut der jeweiligen Uni bzw. Uniklinik befindet, so ist es durchaus möglich, dass die in Haftung genommene Uni bzw. der ausbildende Arzt den Studenten „in Regress“ nehmen will. Dieses nicht zu vernachlässigende Risiko des Medizinstudenten lässt sich durch eine Haftpflichtversicherung abfedern. Achtung Rechtsstreit - ein weites Feld, sei es mit dem Vermieter, in Verkehrssachen, nach Abschluß eines Kaufvertrages oder beim Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung. Wichtig für Studenten: Zum Privatrechtsschutz gehört auch der Verwaltungs-Rechtsschutz vor Gerichten, zum Beispiel bei einem Rechtsstreit um die Bewertung einer Prüfung. Nächster „Big Point“ ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) für den Mediziner - eine unverzichtbare Versicherung. Die Frage ist, wie diese Vorsorge ausgestaltet sein muß, um den Bedarf des Arztes zu treffen. Auch hier ist kompetente Beratung gefordert. Generell gilt: Es lohnt sich, frühzeitig einzusteigen, denn je älter ein Kunde ist, desto teurer wird der Versicherungsvertrag und zunehmend greifen dann Ausschlüsse und sogar Beitragszuschläge bei gesundheitlichen Problemen. Last but not least sei der Famulatur oder dem PJ im Ausland noch Aufmerksamkeit zu schenken. Praktisches Tun steht da oft an der Spitze, also ist natürlich die Haftpflichtversicherung ein absolutes Muss. Wichtig in diesem Fall auch eine Unfallversicherung, denn sie schützt weltweit und rund um die Uhr. Die Absicherung sollte neben dem unerlässlichen Invaliditätsschutz in jedem Fall auch Bergungskosten enthalten. Hier ist nun auch die Krankenversicherung anzusprechen. Natürlich hat jeder Student eine Krankenversicherung. Diese gilt jedoch, wenn sie über eine gesetzliche Krankenkasse besteht, nur für Deutschland. Das bedeutet im Klartext, dass das Kostenrisiko beim Studenten liegt. Eine Auslandskrankenversicherung einschließlich angemessener Regelung für den Fall eines Rücktransportes aus medizinischen Gründen ist daher unbedingt zu empfehlen. Übrigens: dies war gewissermaßen nur ein Schnellflug über das Land der Versicherungswelt. Die kompletten Artikel zu den hier auszugsweise vorgestellten Bereichen findet ihr in einem lesenswerten Sonder-PDF zum Download zusammengefasst: www.medi-learn.de/versicherungen


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BASICS Allgemeinmedizin, Lehmeyer, Lukas (Elsevier)

In den Foren gelauscht

Phantastisch

In der guten alten Stammkneipe um die Ecke konnte man schon vor Generationen den grauen Alltag einfach mal Alltag sein lassen und sich mit Freunden und Bekannten über all diejenigen Dinge austauschen, für die in der Hektik keine Zeit bleibt. Wer sitzt nicht gerne beim Bierchen (oder Wasser) mit Menschen zusammen, mit denen man sich frank und frei austauschen kann? Wir haben für euch in den Foren ebenfalls eine Stammkneipe namens OFF TOPIC eingerichtet, in der in einer Ecke des Lokals seit langem jeder seine Meinung zur Frage „Was findest du wirklich phantastisch?“ kund tun darf. Was ist für dich persönlich nicht zu überbieten? Verrate es unter: www.medi-learn.de/MF13027

Von Witwen und Waisen

Beim Buchdruck bezeichnet man als Witwen und Waisen einzelne Zeilen, die ganz am Anfang oder Ende einer Seite stehen und damit das optische Bild des Textes stören. Spätestens beim Verfertigen einer professionell gesetzten Doktorarbeit, die immer auch den Anforderungen des lokalen Dekanates entsprechen muss, ist mehr als Basiswissen in Sachen Schriftarten und Textgestaltung nötig. Unser Forenmitglied Tombow hat sich die Mühe gemacht, einen CrashKurs in Typographie zu verfassen, der schon auf dich wartet unter: www.medi-learn.de/MF34352

von Matthias Huck (3. klinisches Semester, Uni Heidelberg)

Titel: BASICS Allgemeinmedizin Autor: Lehmeyer, Lukas Verlag: Elsevier ISBN 10: 3-437-42246-4 Preis: 14,95 €

Kurzbeschreibung „BASICS Allgemeinmedizin“ liefert einen knappen, aber anschaulichen Überblick über das umfassende Gebiet der

MEDI-LEARN Zeitung Schon gewusst? Die MLZ gibt es auch per E-Mail. Weitere Infos und kostenlose Bestellung unter: www.medi-learn.de /zeitung

Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw115

von Katharina Rösmann (3. klin. Semester, Uni Münster)

Titel: NETTERs Allgemeinmedizin Autor: Netter Verlag: Georg Thieme Verlag ISBN 10: 3-13-135881-5 ISBN 13: 9783131358813 Preis: 59,95 €

Kurzbeschreibung Der Netter Allgemeinmedizin vermittelt dem Leser ein breitgefächertes Spek-

trum an Krankheitsbildern aus der allgemeinärztlichen Praxis. Zielgruppe Das Buch Netters Allgemeinmedizin richtet sich sowohl an Studierende aus dem klinischen Studienabschnitt, die sich gerade mit dem Fach Allgemeinmedizin auseinander setzen, als auch an PJ´ler und Ärzte in Weiterbildung und Praxis. Inhalt Der Netter Allgemeinmedizin vermittelt dem Leser auf 1.445 Seiten einen Überblick über zahlreiche Krankheitsbilder, mit denen der Allgemeinmediziner in der Praxis konfrontiert wird. Die menschlichen Organe und ihre Erkrankungen sowie sämtliche Fachgebiete der Medizin werden behandelt. Besonderen Wert wird auf das visuelle Lernen gelegt: 4.500 Einzeldarstellungen auf 678 Farbtafeln ermöglichen dem Leser, das Gelesene besser nachzuvollziehen und im Gedächtnis zu speichern. Auf den Farbtafeln sind nicht nur detaillierte Illustrationen von verschiedenen

Krankheitssymptomen zu finden, sondern auch Röntgenbilder, Arteriogramme, histologische und pathologische Bilder, Pyelogramme, Stammbäume, fotographische Aufnahmen und die zeichnerische Darstellung von verschiedenen Untersuchungs- und Therapieverfahren. Didaktik Das Buch eignet sich meiner Meinung nach nicht nur sehr gut zur Vorbereitung auf die Semesterabschlussprüfung im Fach Allgemeinmedizin, sondern auch für andere Fächer wie z.B. Innere Medizin, Gynäkologie, Dermatologie. Es lohnt sich sicherlich kurz vor der Prüfung einen Blick in dieses Buch zu werfen, da das Wissen kompakt und in sehr flüssiger und gut verständlicher Sprache vermittelt wird. Aufbau Direkt auf der ersten Seite erscheinen alle Themen des Buches auf einen Blick. Ein paar Seiten weiter folgt dann ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, in dem die 22 Kapitel mit

den verschiedenen Unterpunkten benannt werden. Das Buch ist insgesamt sehr sinnvoll und übersichtlich gegliedert. Der Text ist ganz klar strukturiert. Preis Der Kaufpreis von 59,95 Euro ist für so ein hervorragend gestaltetes und umfangreiches Buch durchaus angemessen. Fazit Der Netter Allgemeinmedizin ist ein sehr empfehlenswertes Buch. Sowohl für den Studienabschnitt Allgemeinmedizin, als auch während des PJ und später in der Praxis ist er ein wertvoller Begleiter und ein gutes Nachschlagewerk. Er zeichnet sich besonders durch seine Kompaktheit, seine klare Strukturierung und seine farblich wunderschön gestalteten und exakten Abbildungen aus. Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw127

Duale Reihe Allgemeinmedizin, Kochen (Thieme) von Anke Strauß (Ärztin in der Weiterbildung, Kronberg)

Praxisversager

Aller Anfang ist schwer – dieser Spruch aus dem Volksmund trifft für die meisten haargenau auf die praktischen Tätigkeiten zu, die es im Laufe des Studiums und spätestens im PJ zu erlernen gilt. Vom Blutabnehmen über Knochenmarkpunktionen bis hin zum Intubieren reicht die Palette an handwerklichen Grundfähigkeiten der Mediziner. Doch nicht jeder ist praktisch veranlagt und so mancher Student schaut lieber drei Mal hin, bevor er selbst Hand anlegt. Steig ein in die Diskussion unter: www.medi-learn.de/MF34610

z. B. KHK, GI-Beschwerden u.v.m., werden besprochen und auch immer wieder anhand von Bildern visualisiert. Didaktik So kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig. So in etwas lautet das Konzept, das hinter der BASICS-Reihe steht. Rot hervorgehobene Überschriften, zahlreiche Tabellen und Bildern kennzeichnen die einzelnen Kapitel. Am Ende jeder Doppelseite werden die wichtigsten Fakten noch einmal kompakt zusammengefasst. Den eigentlichen Lehrbuchkapiteln schließen sich Fallbeispiele an, in denen Leitsymptome wie z. B. Fieber, Thoraxschmerzen oder Kreuzschmerzen behandelt werden. Anhand drei verschiedener Szenarien zu einem Leitsymptom lernt man auch die Differenzialdiagnosen kennen. Aufbau Das Buch ist aufgeteilt in mehrere Kapitel von A bis E. In Teil A („Grundlagen“)

NETTERs Allgemeinmedizin, Netter (Thieme)

Welcome back Medizinertest

„Ich hatte das schon mal gelesen und find es auch echt gut.“ – so lautet die eine Seite des Meinungsbildes in unseren Foren. Die andere Hälfte ist eher der Ansicht „Was ist denn bitte schön an dieser Nachricht gut?“. Doch worum geht es überhaupt? Die Rede ist von der Neueinführung des Medizinertestes, der schon in guten alten Zeiten die Gemüter landauf und landab spaltete. Denn in BadenWürttemberg findet aller Voraussicht nach bereits im Mai 2007 der erste wieder eingeführte Medizinertest statt. Klar ist bereits, dass das Ergebnis im Medizinertest gemeinsam mit der Abiturnote „verrechnet“ wird, unklar ist noch der Rechenweg, der über den Test dann zum Studienplatz führt. Wer mitdiskutieren möchte, ist herzlich eingeladen unter: www.medi-learn.de/MF32824

Allgemeinmedizin. Wie bei allen Büchern aus der BASICS-Reihe wird immer auf einer Doppelseite ein Thema behandelt und am Ende der Doppelseite werden die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst. Ein ausführliches Lehrbuch kann das „BASICS“ nicht ersetzen, aber diesen Anspruch hat es auch nicht. Zielgruppe Interessant ist dieses Lehrbuch vor allem für Medizinstudenten im klinischen Studienabschnitt. Doch auch für Vorkliniker bietet es einen geeigneten Einstieg in die Allgemeinmedizin. Inhalt Laut Autor will „BASICS Allgemeinmedizin“ „den perfekten Überblick über die gesamte Bandbreite der Allgemeinmedizin“ vermitteln. Über weite Strecken gelingt dies auch. Die wichtigsten und häufigsten Erkrankungen, die man in einer Allgemeinarztpraxis zu sehen bekommt,

erfährt man Wissenswertes über das Gesundheitssystem, Bürokratie, Medikamente etc. Teil B („Spezieller Teil“) führt in die wichtigsten Krankheitsbilder ein, die man als Allgemeinmediziner kennen muss. Die letzten drei Teile decken die Bereiche Fallbeispiele, Anhang und Register ab. Preis Mit knapp 15 € sicher ein fairer Preis. Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Fazit „Allgemeinmedizin“ ist ein gutes (Kurz-) Lehrbuch, um kurz vor Prüfung noch einmal einen Überblick über das Gelernte zu erlangen. Für das erstmalige Lernen empfehle ich aber doch eher ein ausführlicheres Lehrbuch, das auch in die Tiefe geht.

Titel: Duale Reihe Allgemeinmedizin und Familienmedizin Autor: Kochen Verlag: Georg Thieme Verlag ISBN 10: 3-13-141383-2 ISBN 13: 9783131413833 Preis: 39,95 €

Kurzbeschreibung Bei dem Buch „Duale Reihe – Allgemeinmedizin und Familienmedizin“ handelt es sich um ein gut 630 Seiten starkes

broschiertes Buch in knapp DIN-A4-Größe. Das Buch ist in fünf Teile gegliedert: „Spezifische Problemfelder der Allgemeinmedizin“, „Häufige Behandlungsanlässe“, „Theoretische Grundlagen der Allgemeinmedizin“, „Qualifikation in der Allgemeinmedizin“ und „Wichtige Formulare im hausärztlichen Alltag“. Diese Teile sind jeweils in mehrere Kapitel und Unterkapitel geteilt. Am Ende des Buches ist ein recht ausführliches Sachverzeichnis abgedruckt. Auf der Innenseite des Vordereinbandes ist eine Übersicht über die Teile, auf der Innenseite des Rückeinbandes eine Übersicht über die häufigsten Behandlungsanlässe zum schnellen Wiederfinden eines Themas. Aufbau Wer die „Duale Reihe“ kennt, der kennt den Aufbau des Buches: Eine Zweiteilung in Text und Repetitorium. Ein ausführlicher (Lehr-)Text findet sich in den inneren zwei Dritteln der Seiten. Überschriften, Unterüberschriften etc.

sind blau und in einer größeren Schrift hervorgehoben, z. B. sind Schlagwörter in Fettdruck geschrieben. Im Text finden sich ausführliche Fallbeispiele, die durch einen Rahmen hervorgehoben sind. Außerdem beinhaltet das Buch sehr viele blau hinterlegte bzw. farbig dargestellte Tabellen und Abbildungen. Beide veranschaulichen die im Text erläuterten Fakten und lockern das ganze Layout sehr schön auf. Didaktik Das äußere Drittel des Buches ist rosafarben hinterlegt und bietet neben dem Text an den entsprechenden Stellen mit den zugehörigen Überschriften eine Art Zusammenfassung bzw. Repetitorium des Lehr-Textes. So kann man nach Interesse und vorhandener Zeit die Abschnitte lesen, die man möchte. Insgesamt ist der Text leicht verständlich und ansprechend geschrieben, die benötigten Fachwörter werden benutzt, aber es handelt sich nicht um eine Fremdwörterwüste.

Das Schöne an diesem Buch ist seine Vielseitigkeit. Es werden Bereiche der Medizin angesprochen, die es in dieser Kompaktheit in anderen Fachrichtungen kaum gibt, wie etwa Besonderheiten bei verschiedenen Altersstufen, Inhalte der Arzttasche beim Hausbesuch, Formularkunde und Gesprächsführung in der Arzt-Patienten-Beziehung. Fazit Insgesamt handelt es sich um ein ausführliches Lehrbuch und ein Kurzlehrbuch in einem, das durch sein abwechslungsreiches Layout sehr ansprechend ist sowie Spaß am Lernen bereitet. Es ist auf jeden Fall für Studenten geeignet, aber sicher auch für Ärzte in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner oder einfach nur mit Interesse am Fach. Auch der Preis von ca. 40 Euro ist damit angemessen. Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw210


MLZ

Januar/Februar 2007

Seite 

www.medi-learn.de

Neuer Schreibwettbewerb!

In den Foren gelauscht

Ab auf die Schulbank

Benjamin Heine gewinnt Wettbewerb 2006 und reist in die goldene Stadt Prag von Simone Arnold (MEDI-LEARN)

Der eine spaziert gerade stolz mit geschwollener Brust und druckfrischer Approbation in den Händen wehenden Kittels durch die Krankenhausflure, der andere hat alles noch vor sich und wäre dankbar, wenn er sich wenigstens schon mal einen Kittel für den Präpkurs kaufen könnte. In unseren Foren geben sich Assistenzärzte und Schüler bereits die Hand: im umfangreichen Beitrag namens „Für alle, die noch die Schulbank drücken“ habt ihr die Gelegenheit, mit eurem Wissen den Schülern von heute, Studenten von morgen und somit Ärzten der Zukunft die sprichwörtliche Hand zu reichen. Zur Schulbank hier entlang: www.medi-learn.de/MF23975

I

m letzten Schreibwettbewerb stellten wir eine Reise in die goldene Stadt nach Prag in Aussicht. Wir haben gesucht und – gefunden: und zwar den Gewinner, der die Jury mit seinem Text am meisten erfreute. Im Vorwege möchten wir uns noch einmal herzlich bei allen Artikelschreibern bedanken, die uns im letzten Jahr außergewöhnliche Berichte aus aller Herrenländer zugesandt haben. Die Auswahl ist der Jury wahrlich nicht leicht gefallen.

Der glückliche Gewinner: Benjamin Heine

Wir freuen uns, bekannt geben zu dürfen, dass Benjamin Heine mit seinem Famulaturbericht über das Herzzentrum der Universität Dresden gewonnen hat. In der Ausgabe 02/2006 der MLZ überzeugte uns Benjamin durch seinen sehr gut formulierten und kurzweiligen Schreibstil. Als Leser bekamen wir das Gefühl, unbedingt mehr erfahren zu wollen und den Artikel nicht eher aus den Händen zu legen bis wir ihn beendet hatten. Zudem waren wir angenehm überrascht, dass es so viele interessante Informationen über ein nicht-exotisches Reiseziel zu lesen gab. Gratulation noch einmal an Benjamin!

Ur-Oldies

Nachfolger im neuen Wettbewerb gesucht

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Studium genug: Versorgt uns mit euren Berichten, um die einmalige Chance auf eine tea time in London zu wahren. Da lohnt es sich doch zum Stift zu greifen: An die Feder, fertig, los! Weitere Infos für alle Artikelschreiber findet ihr unter der Adresse: www.medi-learn.de/artikel

18.08.2006

15:56 Uhr

Seite 1

SCHMITTGALL, STUTTGART

Wir möchten alle Artikelschreiber anspornen, uns mit weiterem Material zu versorgen, denn wir bekommen nie genug und haben einen neuen Wettbewerb für alle Artikelschreiber ins Leben gerufen! Alle Berichte, die noch nicht veröffentlicht wurden, sowie alle zukünftigen haben nun wiederum Gelegenheit, in unserem neuen Wettbewerb berücksichtigt zu werden. Ab sofort dürft ihr euch auf die nächste Reise freuen, die es zu gewinnen gibt und diese geht in die Supermetropole LONDON. Für jeden eingesendeten Artikel gibt es zudem ein wertvolles Lehrbuch. Also, ladies and gentlemen: Erfahrungen sammelt ihr im

Das erste Mal

Wir ver­losen drei Exemplare „Medical English“ aus dem Thieme Verlag – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw763

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Angelika Lehle, Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld

Nicht nur Oldies, sondern auch UrOldies spielen mit dem Gedanken, ein Medizinstudium zu beginnen. So auch unser Forenmitglied killekille, der die Altersgrenze von 50 überschritten hat und nun ernsthaft mit dem Gedanken spielt, noch einmal die Hörsaalbank zu drücken. Welche Motivation bewegt ihn und andere, sich noch einmal auf das vermeintliche Abenteuer eines Studiums einzulassen? Welche Fragen hat die – zumindest dem Personalausweis nach – ältere Generation an die jungen Hasen? Lest mehr im Bereich Oldies & Family unter: www.medi-learn.de/MF11269

Medizinische Fachbegriffe sucht man nicht im Grünen

Lektorat: Jan-Peter Wulf, Simone Arnold Layout & Graphik: Angelika Lehle, Daniel Lüdeling (Cartoons) Berichte: Dr. Karsten Lunze, Arne Driessen, Jan-Peter Wulf, Mathias Kellermann, Ute Boenke, Gerrit Montag, Marie-Christine Kuhl, Dr. Annette Tuffs, Karl-Heinz Silbernagel Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de. - Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005.

● Topaktuell:

Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, Universität Heidelberg

● Extraprall:

Ausgabe 2007/2008 75000 Stichwörter

Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zu­ stimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de.

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Der eine malträtiert die Venen von jedem nur verfügbaren Familienmitglied, der andere hilft in der Hausarztpraxis aus und spielt hier den Blut saugenden Vampir. Einige sammeln ihre ersten Erfahrungen während der Famulatur oder im Hämatologie-Praktikum – das erste Mal Blutabnehmen findet also an unterschiedlichsten Orten und zu verschiedensten Zeiten statt. Wenn ihr wissen wollt, wo die anderen das erste Mal zu stachen und mehr oder minder trafen – zum Blutabnehmen folge diesem Link: www.medi-learn.de/MF34285

Freier Wille oder Vorbestimmung?

Was sagt eigentlich die moderne Neurobiologie zur Grundlage der Steuerung unseres Verhaltens? Dieser interessanten Frage widmet sich ein lesenswerter Beitrag aus der Fachsimpelei-Ecke in unseren Foren. Handeln wir – ausgerüstet mit einem Grundmuster an Neuronen und ihrer Verschaltung – im Groben und Ganzen vorherbestimmt und damit vorhersehbar? Oder liefert das Basispaket an Neuronen lediglich die Grundausstattung, die dann durch einen freien Willen moduliert werden kann? Wo sitzt eigentlich der freie Wille im Gehirn? Und wie funktioniert die Entscheidungsfindung? Wenn du mehr lesen willst, entscheide dich für den Beitrag unter: www.medi-learn.de/MF34229

Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluss ist am 30. April 2007. Die Gewinner werden schriftlich be­nachrichtigt und in der nächsten Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungs­ berichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.

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MLZ

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Januar/Februar 2007

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Die Stimmung nach dem „Hammer“ Erfahrungen der ersten Examenskandidaten von Jan-Peter Wulf

V

om 17. bis 19. Oktober 2006 fanden die ersten „echten“ Prüfungen im zweiten Staatsexamen nach der neuen Approbationsordnung statt. „Echt“ insofern, als im Sommer 2005 bereits ein umfangreicher Pretest zum neu geregelten Prüfungsablauf durchgeführt wurde. In dem MEDI-LEARN Skript „Hammerexamen, das ist wichtig“ wurden ausführliche Analysen des Pretestes veröffentlicht. Diese Analyse bestätigten sich weitgehend. Sogar die durchschnittlichen Leistungen der Prestetkandidaten mit ca. 65 % richtig gelöster Fragen entsprach denen des „echten Hammerxamens“ . Diese durchschnittlichen Leistungen lagen ca. 15 % unter den normalerweise erzielten Leistungen des Zweiten Staatsexamens nach Alter AO. Die Durchfallquote erreichte einen historischen Höchststand. Während im „Alten Zweiten“ im Herbst 2005 3,6 % der 4.599 Kandidaten durchgefallen waren, sind es von den ca. 700 Kandidaten im Herbst 2006, die das „Neuen Zweite“ absolvierten, fast 10 % gewesen. MEDI-LEARN fing nach dem Examen Erfahrungswerte und Tipps der Teilnehmer ein. Ein Stimmungsbild aus rund 50 Antworten.

Womit sollen wir lernen?

Das große Fragezeichen vor der neugestalteten Prüfung: Worauf soll ich das Lernen stützen? Altfragen kreuzen? Welche Bücher heranziehen? Erfahrungswerte gab es nicht, also mussten die Teilnehmer sich ihr „Set“ selbst zusammenstellen. Dabei wurde auf Altbewährtes und neu Publiziertes zurückgegriffen: „Ich habe während des PJ mit der alten Schwarzen Reihe gekreuzt und abends im Exaplan geschmökert“, erklärt ein Teilnehmer, „nach dem PJ dann die neue Schwarze Reihe herangezogen und Kurzlehrbücher.“ „Zusätzlich zur Schwarzen Reihe habe ich die CD-ROM Hammerexamen benutzt“, so ein anderer Prüfling. „Ich habe den Intensivkurs bei MEDI-LEARN gemacht, vorher habe ich die Schwarze Reihe nach alten GK2 und GK3 gescannt und gekreuzt und die CD zum Hammerexamen im Lernund externen Prüfungsmodus gekreuzt, bis ich bei 100 Prozent lag! Als Bücher habe das 2. STEX und Kurzlehrbücher verwendet“, lautet der umfangreiche Lernkatalog einer Dritten. „Leider habe ich an keiner Lerngruppe teilgenommen, bedauert ein Kandidat, „neben Schwarzer Reihe, Mediscript und Exaplan kamen bei mir vor allem die Skripten Hammerexamen und Hammerfragen von MEDI-LEARN zum Einsatz.“

Gemeinsam die schwierigen Beispieltexte durcharbeiten Stichwort Gruppe: Tatsächlich raten viele dazu, neben dem Literaturkanon aus Standardlehrwerken, Kurzlehrbüchern, Altfragen, Skripten und CDs in Kleingruppenarbeit zu lernen, um sich gemeinsam auf die Fallbeispiele und freien Fragen in der Prüfung vorzubereiten. „Gemeinsam konnten wir uns aufbauen und die schwierigen und langen Beispieltexte durcharbeiten“, wird berichtet.

PJ: Einschränkung oder Praxis-Kick?

Doch es wird auch zur Vorsicht geraten: „Lerngruppen sind meiner Ansicht nach nur so gut wie die Leute darin“, erklärt ein Umfrage-Teilnehmer. „Ich habe von mehreren Lerngruppen gehört, deren

Ergebnisse schlecht ausgefallen sind. Sicher sollte man unklare Dinge mit anderen besprechen, aber bitte sicherstellen, dass man das richtige Ergebnis erlangt!“ Die Lerndauer (Gesamtdauer und Stunden pro Tag), die von den Umfrageteilnehmern angegeben wird, entspricht in etwa derjenigen, die auch für das alte 2. Staatsexamen anberaumt wurde. Die meisten fingen etwa drei bis vier Monate vor dem Termin an, häufig mit einem „Gewöhnungspensum“ von zwei bis drei Stunden pro Tag. Spätestens acht Wochen vor dem Examenstermin wurde dieses auf acht bis sogar 12 Stunden am Tag hochgeschraubt. Wesentlicher Unterschied zur alten Modalität: Vielen stand am Anfang der angesetzten Lernzeit noch das PJ im Wege. Zumindest zeitlich: „Das Lernen im PJ war für mich überhaupt nicht effektiv“, berichtet ein Teilnehmer. „Ich hatte ständig Überstunden zu machen, konnte deswegen im PJ überhaupt nicht lernen und musste die letzten drei Monate jeden Tag durchlernen“, so das Statement eines weiteren Examenskandidaten.

Ich habe auf Station die Kollegen ausquetschen können! Andere weisen darauf hin, dass ihnen die tagesaktuell aufgetretenen Fälle hilfreich waren: „Die Fragen, die sich am Tage in der Klinik stellten, habe ich abends nachgelesen. Das war ein guter Einstieg!“ Oder: „Das, was auf Station los war, habe ich theoretisch aufbereitet. Und ich konnte bei Problemen meine Kollegen ausquetschen!“ Das scheint sich zu lohnen, denn laut Angabe eines Teilnehmers macht die PJ-Erfahrung in der Prüfung „über 20% der Fragen“ aus. Viele raten dazu, sich einen Teil des PJ-Urlaubs zum Lernen aufzusparen, aber auch, zumindest während des PJ Wochenende zu machen, also auch nicht zu lernen. In der „heißen Phase“ stellten dann viele auf die Sieben-Tage-Woche um, wie von den alten Examina bekannt.

Drei Tage überstehen

„Wichtig ist nur aufm Platz“ heißt ein hinlänglich bekanntes Fußball-Motto. Und wie sieht es aus, wenn der Platz der Examenssaal ist und das Spiel nicht 90 Minuten, sondern drei Tage dauert? Hier macht natürlich jeder „Spieler“ seine eigenen Erfahrungen. Entsprechend heterogen das Stimmungsbild: „Subjektiv gesehen waren die Einzelfragen einfacher, als ich das von den 2. Stex-Altfragen her gewohnt war. Die Fälle haben doch sehr speziell fast nur auf ein vorgestelltes Krankheitsbild hin abgezielt. Nach dem zweiten Tag weiß man ja schon via Ausschlussprinzip, was am dritten Tag kommen wird. Ich habe die Zeit dann genutzt, und mein Kurzzeitgedächtnis nochmals richtig voll zu packen!“, so der Tipp einer Teilnehmerin. “Die Einzelfragen waren ähnlich wie bei den alten Examina. Das war irgendwie gewohnt, obwohl es teilweise lange Aufgabentexte waren. Da gab es einiges zu lesen und viele Informationen!“ „Wie Kaugummi“ ziehe sich das Beantworten der Fragen hin, so ein weiterer Examenskandidat, „insbesondere, wenn einem das Fach nicht liegt (bei mir z.B. Ophtalmologie), ist es nur nervend. Besonders anstrengend sind die zunehmend langen Texte zu Einzelfragen, z.B. Neurologie und Psychiatrie.“

Letztere Auffassung teilt ein Kommilitone: „Die langen Fallbeispiele sind anstrengend, da zuerst ein zweiseitiger Text gelesen, verstanden und verarbeitet werden muss. Zu jedem Fallbeispiel gibt es rund 12-15 Fragen. Was hingegen angenehm ist: Zu den Bildbeilagen gibt es auch Referenzwert-Tabellen für Kinder und Erwachsene.“

Viele Fallbeispiele verlangen Facharzt-Wissen Neben der Länge der Aufgaben ein häufiger Kritikpunkt: Viele Fallbeispiele gingen schon in den Bereich des Facharzt-Wissens. Sie wurden im Vergleich zum Pretest als schwieriger und komplexer eingestuft: „Im Pretest waren es allgemeine Erkrankungen, die anhand der Fälle abgefragt wurden. Im Examen hat man eher die seltenen Erkrankungen abgefragt.“ „Man kann man sich schon die Frage stellen, welchen Sinn es macht, an einem Prüfungstag mehr als zehn Prozent der Fragen zu einer einzigen Erkrankung, z.B. dem Morbus Perthes, zu stellen. Facharzt-Niveau und Vokabeltest!“

Ergänzend merkt eine Studentin an: „Leider wurden wir Erstteilnehmer in unserem Studium nicht auf dieses fächerübergreifende und komplexe Denken vorbereitet, das hier abgefragt wurde.“

Tipps für die Nächsten

Welche Tipps haben die Studenten, die es hinter sich haben, für diejenigen, die beim nächsten Mal wissen müssen, wo der „Hammer hängt“? „Möglichst viele Fragen klicken, um ein breiten Überblick zu bekommen. Keine Fächer aus dem 1. Stex lernen – die kamen nicht vor!“ Ebenfalls wird vom reinen Auswendiglernen alter Fragen abgeraten: „Bloß nicht! Es kommen so gut wie keine Altfragen dran.“ Ein anderer Teilnehmer ergänzt: „Die altbekannten Schlüsselwörter gibt es natürlich immer noch, aber es muss vor allem die Theorie sitzen.“ Nicht überraschend: Das Kreuzen ist und bleibt Zentrum der Vorbereitung. „Vor allem sollte man rechtzeitig mit dem Kreuzen anfangen – und dann kreuzen, kreuzen, kreuzen!“ Wobei aber nach Aussage eines Kandidaten zu beachten ist: „Wichtig ist, dass ihr zuerst kreuzt und dann nachlest. So könnt ihr

euren aktuellen Wissenstand überprüfen.“ Für die Fallbeispiele wird geraten, Krankheiten bildlich zu begreifen: „Neben dem Auswendiglernen von Termini und wichtigen Namen sollte man sich künftig mit viel Fantasie die gleichen Patienten ausmalen, die auch in den letzten Jahren geprüft worden sind. Es wird helfen, die Krankheitsbilder zu visualisieren, eine Idee dafür zu entwickeln, welches Symptom durch welchen Umstand bedingt sein kann und was man im Allgemeinen und gerade im Speziellen tun wird.“

Visualisierung der

Krankheitsbilder für die Fallbeispiele „Merkt euch die klinischen Bilder! Das ist das A und O!“, rät ein Kommilitone für diesen Abschnitt der Prüfung. Darüber hinaus wird betont, sich auf die Prüfung stärker als beim alten Modell auch mit Fallbüchern vorzubereiten. Und das nicht nur für die zu lösenden Fallbeispiele: „Selbst in den Einzelfragen wurden viele Fallbeispiele aufgeführt. Fall- oder Frage-Antwort-Bücher haben mir da sehr geholfen.“ Für die Lektüre raten viele Teilnehmer, die Lernzeit zu nutzen, die sich mit dem PJ überschneidet. So berichtet eine Teilnehmerin: „Meist war ich am Ende des Arbeitstages zu geschafft, um noch konzentriert zu kreuzen. Da ist es sinnvoll, Bücherstudium zu betreiben!“ Zu guter Letzt wird, bei aller Intensität, an der das Hammerexamen sicher nicht verloren hat, auch zum Durchatmen geraten: Neben „regelmäßigen Pausen“ und „festem Tagesplan mit Freiräumen“ sollten die Examenskandidaten der Zukunft „auch mal freie Tage einplanen“ und nicht vergessen, „was man außerhalb des Lernens sonst so gerne macht!“ Extraseite Hammerexamen Im Web bieten wir euch neben der Download-Möglichkeit eines Sonderdrucks dieser Innenseite zusätzlich eine nützliche Zusammenstellung mit hilfreichen Links rund zum Thema Hammerexamen. Kostenloser Download unter: www.medi-learn.de/hammer-spezial


MLZ

Januar/Februar 2007

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Fakten zum Hammerexamen Ablauf und Inhalte des neuen 2. Staatsexamens von MEDI-LEARN

D

ie Experten der medizinischen Repetitorien von MEDI-LEARN haben die Examensfragen im Rahmen des Hammerexamens (Einzelfragen und Fallfragen) ausführlich analysiert. Im folgenden Artikel findet ihr ausführliche Infos zu Art und Inhalt des Examens nach neuer Approbationsordnung.

Bestehensgrenze und Misserfolge

Aufbau der Prüfung

Verteilung auf die Fächer

Während im alten 2. Staatsexamen an vier Tagen 580 Fragen bearbeitet werden mussten, sind im Hammerexamen an drei Tagen insgesamt 320 Fragen zu lösen. Beim ersten Hammerexamen wurden dabei 150 Einzelfragen und 170 Fallfragen gestellt. Die Prüfung dauerte an jedem der drei Prüfungstage insgesamt 5 Stunden, so dass durchschnittlich 2,8 Minuten (= 168 sec.) pro Frage zur Verfügung standen (altes 2. Stex: 1,5 Minuten bzw. 90 sec.).

Verteilung der Fragen auf die Tage

Von den insgesamt 320 Fragen wurden an jedem Tag zunächst 50 Einzelfragen gestellt, die in Form und Inhalt den Fragen des „Alten 2. Staatsexamens“ ähnlich waren. Weitere 57 Fragen (am ersten und zweiten Tag, bzw. 56 Fallfragen) bezogen sich auf jeweils 4 Fälle. Übersicht: 1. Tag: (107 Fragen insgesamt), davon 50 Einzelfragen und 57 Fallfragen (verteilt auf 4 Fälle) 2. Tag: (107 Fragen insgesamt), davon 50 Einzelfragen und 57 Fallfragen (verteilt auf 4 Fälle) 3. Tag: (106 Fragen insgesamt), davon 50 Einzelfragen und 56 Fallfragen (verteilt auf 4 Fälle)

Fragentypen

Die Bestehensgrenze im neuen 2. Staatsexamen lag mit 54,75 % (172 Punkte) unter der bisherigen Grenze von 60%. Die Misserfolgsquote war mit 9,8 % deutlich höher als bisher. Im alten 2. Staatsexamen fielen weniger als 5 % durch.

Während im „alten 2. Staatsexamen“ die Fächer den einzelnen Prüfungstagen zugeordnet werden konnten, wurden im Hammerexamen die Fächer über alle Tage verteilt geprüft. So wurde früher beispielsweise das Fach Innere Medizin immer am ersten Tag geprüft, im Hammerexamen wurde dieses Fach an allen Tagen geprüft. Die nachfolgende Tabelle führt die Fächer absteigend nach

Fach

Innere

Fragen (absolut)

Anzahl der gestellten Fragen auf und verdeutlicht zusätzlich die Verteilung auf die drei Prüfungstage. Weiterhin ist der Schwierigkeitsgrad angegeben, der als Prozentwert der richtigen Antworten durch die Prüfungsteilnehmer ermittelt wurde. Diese differenzierten Statistiken ergeben sich auf Grundlage der während des Examensservices erfassten MEDILEARN Statistiken. Das IMPP selbst veröffentlicht keine so differenzierte Analyse nach Fächern. Da sich aber die MEDI-LEARN-Gesamtstatistiken mit den IMPP-Gesamtstatistiken weitgehend entsprechen, ist davon auszugehen, dass die differenzierten Statistiken auch nur mit einem geringen Schätzfehler behaftet sind. In folgender Tabelle findet sich eine Analyse der Examensfragen auf Fächerebene.

Fragen (Anteil in %)

Tag 1

27

• Chlamydien-Pneumonie 66 % • Diabetische Retinopathie 58 % • Lungenembolie 77 % • Psoriasis 59 % Schwierigkeit aller 57 Fallfragen: 65 % Schwierigkeit aller 50 Einzelfragen: 68 %

64 %

34

11

4

22

8

67 %

Pharmakologie

28

9

1

12

15

64 %

Chirurgie

24

8

23

1

74 %

Orthopädie

22

7

17

Gynäkologie

16

5

Pädiatrie

15

5

Psychiatrie

14

4

12

2

76 %

Dermatologie

10

3

8

2

57 %

HNO

5

64 %

12

16

66 %

3

65 %

10

3

4

1

5

60 %

Radiologie

9

3

3

3

3

68 %

Anästhesie

8

3

6

Ophthalmologie

8

3

Arbeitsmedizin

7

2

2

51 %

Hygiene

7

2

3

4

78 %

Pathologie

6

2

2

4

52 %

Rechtsmedizin

5

2

1

4

82 %

Sozialmedizin

4

1

3

Mikrobiologie

4

1

1

60 %

Urologie

3

1

3

67 %

Naturheilverfahren

2

1

2

73 %

• Herzrhythmusstörungen 74 % • Normaldruckhydrocephalus 50 % • Poststreptokokkenglomerulonephrititis 63 % • Wegener-Granulomatose 61 % Schwierigkeit aller 56 Fallfragen: 62 % Schwierigkeit aller 50 Einzelfragen: 72 %

Liste der geprüften Krankheitsbilder Teil 1 von A bis F

A.-spinalis-anterior-Syndrom, Abortus incipiens, Abruptio placentae, Adenokarzinom des distalen Ösophagus, Agoraphobie, akute Pankreatitis, akute polymorphe psychotische Störung, akuter Mesenterialinfarkt, akutes Abdomen, Alkoholhalluzinose, Analer Abszess , Analfistel, Anastomoseninsuffizienz, Antiphospholipid-Syndrom, Aortenaneurysma, Aortenbifurkationsverschluss / Leriche-Syndrom, Aortenklappeninsuffizienz, Arteriitis temporalis, Asthma bronchiale, benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, Bizepssehnenausriss am distalen Ansatz, Blasenmole mit Luteinzysten, Bronchialkarzinom, Chlamydien-Pneumonie (Fall), Choledocholithiasis, chronische lymphatische Leukämie, chronische Polyarthritis,

chronische taktile Halluzinose, CLL (Fall), Dermatomyositis, Diabetes, Diabetische Retinopathie (Fall), Dissektion der A. carotis interna, distales Gallengangskarzinom, Divertikulose, Duchenne-Muskeldystrophie , einseitige Ammonshornsklerose, Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Encephalomyelitis disseminata, epiduraler Abszess, Erysipel, Erythema exsudativum multiforme, Esstörung, exokrine Pankreasinsuffizienz, extrahepatische Cholestase, Felty-Syndrom, follikuläres Schilddrüsenkarzinom, Fraktur des Processus styloideus radii, funikuläre Spinalerkrankung

Liste der geprüften Krankheitsbilder Teil 2 von G bis M

2

59 %

8

52 %

5

Fälle Tag 3

Fälle Tag 2

31

Neurologie

Fall- und Einzelfragen

• CLL 53 % • Hirschsprung 65 % • Perthes 60 % • HWK-4-Fraktur 60 % Schwierigkeit aller 57 Fallfragen: 60 % Schwierigkeit aller 50 Einzelfragen: 67 %

Schwierigkeitsgrad (% RichtigAntworten)

26

Tabelle: Analyse der Examensfragen Hammerexamen Herbst 2006 auf Fächerebene

Fälle Tag 1

25

Tag 3

83

Das IMPP stellt nach wie vor MC-Fragen mit 5 Antwortalternativen A-E. Es finden sich jedoch nur noch Trifft-zu-, Trifftnicht-zu- und Listenfragen, der größte Anteil entfällt dabei auf die Trifft-zu-Fragen. Anteil der Fragen: • Trifft-zu-Fragen: 291 Fragen ( 91 %) • Trifft-nicht-zu-Fragen: 27 Fragen (8 %) • Listen-Fragen: 2 Fragen (<1%).

Im Hammerexamen wurden die Fragen sehr klinisch gestellt. So bezogen sich nicht nur die Fallfragen auf konkrete Krankheitsbilder, auch fast jede Einzelfrage beinhaltete Erkrankungen. Auffällig war dabei, dass jeweils noch das Alter des Patienten genannt wurde. Im Folgenden findet sich eine Darstellung der Fälle sowie der in den Fallfragen erwähnten Krankheitsbilder. Der Schwierigkeitsgrad ist als Prozentwert der richtigen Antworten durch die Teilnehmer des Examensservice von MEDI-LEARN angegeben.

Tag 2

Granulosazelltumor, Guillain-Barre-Syndrom, Herpes, Herpes zoster, Herpes-simplex-Enzephalitis, Herzrhythmusstörungen (Fall), Herzschrittmacher, Hörsturz, HWK-4-Fraktur (Fall), Hyperthyreose l, hypertrophe Kardiomyopathie, hypertrophe Pseudarthrose der Fibula, Hypophysenadenom, Hypospadie, Impetigo contagiosa, Impingementsyndrom, inkarzerierte Skrotalhernie, intraduraler

1 3

61 %

extramedullärer Tumor, isolierte Aortenklappenstenose, Karpaltunnelsyndrom beidseits, Katarakt, Kollumkarzinom, kolorektales Karzinom, Konkremente im Gallengang, konstriktive Perikarditis, Läsion des R. profundus n. radialis, Lichen ruber planus, Lithium-Intoxikation, Lungenembolie (Fall), M. Crohn, M. Meniere, M. Paget, Magenfrühkarzinom, Magenulkusperforation, malignes neuro-

leptisches Syndrom , medulläres Schilddrüsenkarzinom, Meningeom, Meralgia paraesthetica, Migräne, Morbus Hirschsprung (Fall), Morbus Pertes (Fall), Mukozele der Stirnhöhle, myasthenes Syndrom Lambert-Eaton, Myokardinfarkt

Liste der geprüften Krankheitsbilder Teil 3 von N bis Z

Narkolepsie, Normaldruckhydrocephalus (Fall), Optikusneuritis, organische Halluzinose, Ovarialendometriose, Pankreaskarzinom, paranoidhalluzinatorischen Psychose, perilunäre Luxationsfraktur, Pneumothorax rechts, Polytrauma, Poststreptokokken-Glomerulonephrititis (Fall), posttraumatische Belastungsstörung, primärer Hyperparathyreoidismus, Prostatahyperplasie, Psoriasis (Fall), Radialisdruckläsion, Reisekrankheit, Restless-Legs-Syndrom, rheumatoide Arthritis, schizoaffektive Störung, Schlaganfall, Sinusthrombose, Skabies, somatoforme autonome Funktionsstörung, Steatohepatitis, subkutaner Strecksehnenriss, Tibialis-anterior-Syndrom, toxisches Megakolon, transiente globale Amnesie, Trisomie 18 (Edwards-Syndrom), Tubarabort, Tumor in der hinteren Schädelgrube, Überstimulationssyndrom (Grad II), unerfüllter Kinderwunsch, Ureter-Scheiden-Fistel, Uterus myomatosus, Verletzung des Kreuzbandes, Vestibularisausfall links, Wahnwahrnehmung, Wegener-Granulomatose (Fall), Wurzelirritation oder -kompression L5 rechts, zervikale Dystonie mit dystonem Kopftremor, Zwänge, Zyklusstörungen MEDI-LEARN wünscht allen Examenskandidaten für die anstehenden Prüfungen viel Glück und Erfolg!

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ogo, ein kleiner Streifen Erde in Westafrika östlich von Ghana, ist in Deutschland wohl fast nur als ehemalige Kolonie bekannt, wenn überhaupt. Auch ich musste erst einmal auf der Karte nachschauen, als mir eine französische Freundin vorschlug, dort mit ihr eine Famulatur zu machen. Togo hat rund fünf Millionen Einwohner, Landeshauptsprache ist Französisch, daneben die häufigsten afrikanischen Sprachen Ewé (Mina) und Kabyé. Meine Freundin hatte über ein Austauschprogramm ihrer Universität Lille in Frankreich einen Platz in der Gynäkologie des Universitätsklinikums in der Hauptstadt Lomé bekommen. Auch ich faxte an das C.H.U. Tokoin eine Bewerbung, diese blieb jedoch einige Wochen liegen, so dass ich zunächst keine Zusage von dort bekam. Über das Internet erfuhr ich von dem Bethesda-Krankenhaus in Agou-Nyogbo, einem Dorf etwa 100 Kilometer nordwestlich von Lomé. Das Krankenhaus mit rund 100 Betten wird von der EEPT (Église évangélique presbytérien de Togo) geführt und von der Norddeutschen Mission in Bremen unterstützt. Ich schrieb also eine EMail mit Anschreiben und Lebenslauf in Deutsch und Französisch an den Leiter der Norddeutschen Mission. Unbürokratisch und schnell bekam ich den Famulaturplatz vermittelt: Bereits 10 Tage nach meiner Anfrage hatte ich eine Zusage aus Togo! Auch im weiteren Verlauf stand mir die Norddeutsche Mission jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Visum oder Sammel-Visum?

Für einen Aufenthalt in Togo muss bei der togolesischen Botschaft ein Visum angefordert werden, die Preise betrugen in Paris 20 Euro für einen bzw. 50 Euro für 3 Monate. Die Bearbeitungszeit war in meinem Fall bei persönlichem Erscheinen 2 Tage. Die Botschaften von Togo und Benin in Frankreich bieten zudem das so genannte „Visa d’entente“ an, ein Sammelvisum der Staaten Togo, Benin, Niger, Burkina Faso und Mali, welches zwei Monate gültig ist und 40 Euro kostet.

Abfahrt ist, wenn das Auto voll ist Die togolesische Botschaft in Deutschland stellt dieses Visum allerdings laut telefonischer Auskunft nicht aus! France Air bietet mehrmals wöchentlich Direktflüge von Paris nach Lomé an, allerdings sollte man besonders in der Hauptsaison sehr früh buchen, um noch einen der begehrten Jugendpreise für 800 Euro zu bekommen. Kostengünstige Alternative: Afriqiyah Airways bietet Flüge ab Brüssel, Paris oder Genf für 600 bis 800 Euro an, mit einem Zwischenstopp in Tripoli, Lybien, beträgt die Flugzeit insgesamt acht bis zehn Stunden. Die Fahrt von Lomé nach Agou Nyogbo habe ich mit den lokalen Transportmitteln zurückgelegt: Los ging es an der Busstation in

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Ohne Bezahlung keine Behandlung Famulatur in Togo, Westafrika von Ute Boenke

kenhaus die Kostenfrage, und so konnte notwendige Diagnostik oftmals nicht durchgeführt werden, da die Patienten das Geld nicht aufbringen konnten.

Dunkelheit beschneidet Freizeitleben

Lebensfreude in Afrika

Lomé per Sammeltaxi. Dabei handelt es sich um alte Toyota-Minibusse, die für ca. 10 Personen konzipiert sind, meistens sitzen aber 15-20 Personen darin. Abfahrt ist, wenn das Auto voll ist. Die Wagen selbst sind von zahlreichen Unfällen verbeult und der Rost hat oftmals bereits die Türverkleidungen zerfressen, so dass auch im geschlossen Zustand ein angenehmer Fahrtwind herrscht! Das Krankenhaus liegt in dem 5.000-Seelen Dorf Agou-Nyogbo am Fuße des Pic d’Agou, das ist mit 986 Metern Togos höchster „Berg“. Das Team besteht aus drei Ärzten (ein Chirurg, ein Pädiater und Allgemeinmediziner sowie ein Gynäkologe), hinzu kommen ein assistant médical sowie drei Anästhesiepfleger, mehrere Hebammen und das Pflegepersonal. Neben einer kleinen Intensivstation mit maximal sieben Betten gibt es drei Krankensäle zu je 10 Betten für die Chirurgie, mehrere Zwei- und Dreibettzimmer für Innere Krankheiten und Pädiatrie sowie eine Station für Gynäkologie und Geburtshilfe mit jeweils etwa 15 Betten. Der Kreisssaal sowie die beiden OP-Räume waren mit den notwendigen technischen Geräten ausgestattet. Zusätzlich verfügt das Krankenhaus noch über einen ophthalmologischen Untersuchungsraum und einen OP unter Leitung der Christoffel-Blindenmission sowie über eine von einer Krankenschwester betreute zahnärztliche Ambulanz.

Tropenkrankheiten kennen gelernt

Der Schwerpunkt meiner Famulatur lag in der Pädiatrie, aufgrund der dort geringen Patientenzahlen konnte ich aber auch in die anderen Fachgebiete einen guten Einblick bekommen. Mein Arbeitstag begann um 7.30 Uhr mit der Frühbesprechung und der gemeinsamen Visite. Anschließend hielt ich montags, mittwochs und freitags mit dem Pädiater und Allgemeinmediziner die ambulante Sprechstunde ab, dienstags und donnerstags begleitete ich die Ärzte in den OP. Hier konnte ich je nach Laune assistieren oder den Anästhesiepflegern zur Hand gehen. Das OP-Programm bot die breite Palette allgemein- und unfallchirurgischer Eingriffe (Hernien, Appendix, zahlreiche Frakturversorgungen) sowie zahlreiche gynäkologische Eingriffe (Kaiserschnitte, Myomektomien, Hysterektomien). In den Sprechstunden

bekam man zudem ein breites Spektrum tropischer Infektionskrankheiten zu Gesicht. Fast täglich kamen Patienten mit Malaria tropica, parasitären Darmerkrankungen oder Typhus. Auch im Rahmen von AIDS auftretende Erkrankungen waren nicht selten. Leider sprachen die meisten Patienten hauptsächlich die lokale Sprache Ewé, so dass der Arzt für mich ins Französische übersetzen musste. Eigenständige Untersuchungen waren somit selten möglich. War die Sprechstunde früh vorbei oder war es im OP gerade ruhig, konnte ich bei den Hebammen vorbeischauen. Zwei Tage begleitete ich auch das augenärztliche Team der Christoffel-Blindenmission bei ihren Feldeinsätzen in entlegene Dörfer.

Wirtschaftlichkeit für viele tödlich

Ein großes Problem in Togo ist sicherlich das mangelhafte Gesundheitssystem. So haben nur Reichere eine Krankenversicherung, während die normale Bevölkerung sich eine medizinische Behandlung kaum leisten kann. Der Staat greift hier leider nicht ein, sondern versucht, seine Krankenhäuser „wirtschaftlich“ zu führen. Dies wird besonders bei Notfällen deutlich: Ohne vorherige Bezahlung verweigern die staatlichen Krankenhäuser jegliche Behandlung, auch lebensrettende Maßnahmen. So musste meine Freundin in der Gynäkologie des Universitätsklinikums in Lomé während ihrer Diensten mehrmals miterleben, dass Frauen und ihre Neugeborenen unter der Geburt starben, da die Familienangehörigen das Geld für die Behandlung nicht rechtzeitig aufbringen konnten.

Während das Dorf Agou-Nyogbo selbst sehr wenig zu bieten hat, findet man in der nahen Kleinstadt Kpalimé einen großen afrikanischen Markt sowie kleinere Läden, auch mit europäischen Produkten, ein Internetcafé sowie mehrere Restaurants und Hotels. Allerdings ist die Fahrt mit den lokalen Transportmitteln nach Kpalimé in den Abendstunden oftmals beschwerlich und nach dem rapiden Einbruch der Dunkelheit vor 19 Uhr aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse auch sehr gefährlich, so dass ich die Abende meist im Dorf verbracht habe. Anfangs kann man sich da schon einsam fühlen! Das Personal des Krankenhauses war allerdings sehr nett, besonders mit den Anästhesiepflegern in meinem Alter habe ich mich angefreundet und zusammen haben wir viele europäisch-afrikanische Abende verbracht. Die Region um Kpalimé ist bekannt für ihr mildes Klima und die vielseitigen Ausflugsmöglichkeiten, absolut empfehlenswert ist die Besteigung des Pic d’Agou, eine Fahrt zu den Wasserfällen von Kpimé sowie ein Besuch bei den Mönchen auf dem Danyi-Plateau. Insbesondere für letzteren Ausflug sowie für

Touren in den Norden Togos empfiehlt sich ein privater Geländewagen, da die Straßen oftmals in sehr schlechtem Zustand sind und nur wenige Taxis verkehren. Mehr Infos dazu findet ihr im „Lonely Planet“ oder „Routard“.

Französischkenntnisse zwingend notwendig

Eine Famulatur im Bethesda-Krankenhaus lohnt sich auf alle Fälle, wenn ihr Erfahrung im Umgang mit Tropenkrankheiten und dem afrikanischen Gesundheitssystem bekommen möchtet. Natürlich ist der medizinische Standard in einem solchen Entwicklungsland keinesfalls mit europäischen Verhältnissen zu vergleichen. Die Ärzte im Bethesda sind jedoch gut ausgebildet und können euch eine Medizin ohne große Apparate und technische Hilfsmittel vermitteln. Die Atmosphäre im Krankenhaus war sehr gut, das Personal stets offen und freundlich. Allerdings ist das Krankenhaus recht klein und die Patientenzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen, so dass es meiner Meinung nach schwierig wird, wenn mehr als eine Person auf einmal dort famuliert. Praktisch könnt ihr im Bethesda-Hospital jedenfalls so viel machen, wie ihr euch zutraut, wobei die Sprache (viele Patienten sprechen nur Ewé) leider oftmals eine Barriere darstellt. Schon deswegen: Absolut notwendig für einen Aufenthalt in Togo sind gute Französischkenntnisse!

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Notfallpatienten konnten auch nach der

Behandlung zahlen Die Situation im Bethesda-Krankenhaus war zum Glück anders. So wurden akute Notfälle zunächst behandelt, erst anschließend wurde mit dem Patient die Bezahlung besprochen. Eine Maßnahme war zum Beispiel, dass die Betroffenen auch nach ihrer Heilung das Krankenhaus erst verlassen durften, wenn sie für die entstandenen Kosten aufgekommen waren. Während der ambulanten Sprechstunde oder bei Routineeingriffen dominierte aber auch im Bethesda-Kran-

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Ein fast vergessenes Land Famulatur in Mazedonien von Mathias Kellermann

E

her aus dem Bauch heraus als wohl durchdacht: Ganz nach dem Motto „Ab ins Unbekannte“ habe ich mich etwa ein halbes Jahr vor meinem Aufenthalt in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, beim DFA für eine Famulatur in Mazedonien beworben. Trotz vieler bekannter Ressentiments gegenüber dem Balkan war ich immer der Überzeugung, dass die Famulatur sicherlich gut werden wird. Mazedonien hat mich nicht enttäuscht und ich bin froh, dieses Land gewählt zu haben, selbst wenn die Famulatur manchmal nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen hat.

Die City von Ohrid ragt als Landzunge in das Wasser

Geld. Die Medizin ist zum Teil wirklich Blutbefunde und dem Hormonstatus von archaisch, aber sie funktioniert trotzdem. Patienten konnte ich hier relativ wenig In der zweiten Woche wechselte ich auf sehen. Doch die für mich abgestellte die Pulmologie. Eine der am besten aus- Mentorin Dr. Katerina versuchte mir viel gerüsteten Abteilungen in der Inneren zu erklären und schickte mich oft in die Medizin hier in Skopje. Die Abteilung Ambulanz, auf der ich dann doch einiges Kein großer Akt wird vom japanischen Staat gesponsert, gesehen und gelernt habe. Bis zum Ende Ich musste hundert Euro anzahlen, ei- deswegen auch das neue und gute Equip- meiner Famulatur bin ich auf der Endonen Nachweis über das Beherrschen der ment! Auch hier bekam ich einen persön- krinologie geblieben, denn hier hatte ich englischen Sprache bei der Uni organi- lichen Mentor. Auf der „Pulmo“ habe ich neben der Pulmologie den besten sozisieren und das Bewerbungsformular des ebenfalls vor allem endoskopische Un- alen Anschluss an die Ärzteschaft! DFA korrekt ausgefüllt an die Vertretung tersuchungen gesehen und durfte manchin Bonn senden. Eigentlich kein großer mal auch Pleurapunktionen vornehmen. Schlechte Bezahlung, Akt, abgesehen von den Verzögerungen, Sonographische Untersuchungen und gute Ärzte vor allem wenn man als Mediziner ein Ambulanzarbeit ergänzten meinen ein- Die Innere Klinik in Skopje war für Zeugnis von einem Doktor der Anglistik wöchigen Aufenthalt. Aber auch hier war mich ein echter Schock, als ich sie zum braucht. Na ja, aber das ist eine andere mir die Stationsarbeit nicht vergönnt. Die ersten Mal gesehen habe. Das Gebäude Geschichte. Nach meiner Bewerbung Arbeit ist hier eben anders aufgeteilt als ist heruntergekommen und wirkt marode. bekam ich relativ schnell eine Zusage in Deutschland. Nach einer recht lehr- Doch die Arbeit, die hier von den Ärzten vom DFA und auch die verantwortlichen reichen Woche auf der Pulmologie wech- verrichtet wird, ist echt gut. Es wird mit Anzeige 67_1 26.09.2006 16:19 Uhr Seite 1 Studenten in Skopje meldeten sich sehrapoBank selte ich auf die Endokrinologie. Diese primitiven Mitteln das best Mögliche für C M Y CM MY CY CMY K schnell. Schon im Vorfeld der Famulatur Abteilung war für mich die langweiligste, den Patienten erzielt. Die Ärzte haben entstand eine nette Korrespondenz mit denn außer ständigen Diskussionen über noch viel Ahnung über konventionelle den mazedonischen Studenten und ich fühlte mich schon im Voraus gut betreut. Am 27. Februar ging es für mich los. Den Flug nach Skopje hatte ich schon zwei Monate vor Abflug bei Alitalia gebucht. Zwar war dieser kein Non-Stop-Flug, dafür kostete er aber nur 250 Euro hin und zurück! Im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften ist das echt billig! Angekommen am Airport Skopje, erwarteten mich schon die beiden Studenten, die während meines Austauschs in Mazedonien für mich verantwortlich waren. Sie brachten mich in meine Wohnung, in der ich die nächsten fünf Wochen untergebracht war. Die Wohnung gehörte einer Familie, die Zimmer an Studenten vermietet. Die Wohnung war klein, aber fein und ich hatte familiären Anschluss. Prima! Mazedonisches Familienleben live – was will man mehr?

Archaisch, aber funktional

Am 1. März wurde ich meinem persönlichen Assistenten auf der Gastroenterohepatologie vorgestellt. Nach kurzer Einweisung konnte ich auch schon den ersten Koloskopien beiwohnen. Ich habe so ziemlich alle endoskopischen Eingriffe auf dieser Abteilung mitverfolgen können. Mithelfen konnte ich aber leider nicht sehr viel. Wie mir schnell auffiel, ist die Aufgabe der Ärzte hier in Mazedonien beschränkt auf invasive Untersuchungen. Stationsarbeit war stets Sache der Schwestern, so konnte ich leider fast nie den Stationsalltag miterleben.

Mazedonische Pulmologie, gesponsert aus Japan Trotzdem habe ich viele interessante Dinge gesehen. Krankheiten, die bei uns so selten sind, dass man Glück haben muss, sie einmal im Studium zu sehen, treten hier teilweise häufig auf. Auch die Methoden und Techniken, die in Mazedonien angewendet werden, sind nicht mit Deutschland zu vergleichen. Koloskopie mit Narkose ist hier ein Fremdwort. Das Gesundheitssystem und die Patienten haben für so etwas einfach kein

Untersuchungsmethoden und brauchen nicht für alles Geräte und Maschinen. Dennoch sind die Arbeitsbedingungen nicht besonders berauschend. Der Lohn für die Ärzte ist sehr schlecht und trotz sehr guter Ausbildung, die auf dem neuesten Stand der Wissenschaft beruht, können die Ärzte hier vieles nicht umsetzen. Mazedonien ist ein kleines Land und alles zentriert sich auf Skopje, doch leider wird kein Geld in die Uniklinik investiert. Und so dümpelt das Gesundheitssystem in Mazedonien nur so vor sich hin. Es herrscht kein Klima für Innovationen, oft habe ich während meiner Famulatur mit den Ärzten in einem Café auf dem Campus herumgesessen, um die Zeit totzuschlagen. Trotzdem will ich den Ärzten hier meinen Dank aussprechen, die mir trotz aller widrigen Umstände immer geholfen haben und mir viel erklärt und beigebracht haben.

Eine politische Katastrophe

Mazedonien ist ein sehr armes Land. Vieles wirkt für einen Deutschen chaotisch und unkoordiniert. Überall in Mazedonien sticht einem die Armut ins Auge: Bettelnde Kinder und Pferdekarren als Fortbewegungsmittel sind in Skopje Alltag, und wenn man die Hauptstadt verlässt, verstärkt sich dieses Bild noch. Trotzdem sind die Menschen sehr herzlich und gastfreundlich. Politisch gesehen ist Mazedonien echt eine Katastrophe. Korruption an allen Enden, ethnische Konflikte im Inland zwischen Slawen und Albanern und außenpolitische Zankereien mit den Nachbarn bestimmen den Alltag. Mazedonien existiert erst seit 1991, es wird eigentlich von keinem seiner Nachbarn anerkannt und so sind die Menschen sehr empfindlich, wenn es um ihr Land geht. Orient und Okzident prallen hier aufeinander. Manchmal friedlich, manchmal eben nicht. Vor allem der Konflikt zwischen den Albanern und den slawischen Makedoniern ist ein echt großes Problem. 2001 wäre dieser Konflikt ja fast in einen Bürgerkrieg ausgeartet, und so kann man im Klinikalltag auch gelegentlich auf Patienten treffen, die in einer bewaffneten Auseinandersetzung verletzt wurden. Als Student rate ich, sich am besten aus politischen Diskussionen herauszuhalten, auch wenn das nicht immer gelingt. Zum Land, geographisch gesehen, kann ich nur sagen: traumhaft! Berge, Wälder und Seen laden ein, entdeckt zu werden. Da Mazedonien so gut wie keine Industrie hat, findet man seltene Tiere und Pflanzenarten. Die Fauna und Flora ist sehr ursprünglich und es gibt viel zu entdecken.

Bitte mitbringen: reichlich Appetit! Moscheen und Kirchen aus einem ganzen Jahrtausend Baukunst laden zur Besichtigung ein. Von römischen, griechischen über osmanischen und slawischen Kulturschätzen wird man alles in Mazedonien finden. Überall kann man sich noch ein bisschen als Pionier fühlen, denn Touristen gibt es kaum. Auch das Essen in Mazedonien ist eine Mischung aus slawischem und türkischem Geschmack.

Überraschend westlich

Die Preise sind so moderat, dass man für ein komplettes Menü etwa nur drei bis vier Euro zahlen muss. Man sollte viel Appetit nach Mazedonien mitbringen, denn sonst verpasst man einen essentiellen Teil der Kultur. Essen und Trinken ist hier nämlich ein wichtiger gesellschaftlicher Akt! Skopje bietet Annehmlichkeiten jeder westlichen Hauptstadt. Fortsetzung im Digitalen Nachschlag www.medi-learn.de/mlz-nachschlag

Kurz notiert

Die Dosis macht`s!

(idw) Seit einigen Jahren stellen Untersuchungen zum Vitamin DStoffwechsel und zur Wirkung des Sonnenlichts einen Schwerpunkt der Forschungen von Professor Reichrath an der Hautklinik in Homburg dar. Ein Dilemma ist, dass Sonnenlicht sowohl negative als auch positive Effekte auf die Haut hat. Setzt man sich zu lange intensiver Sonnenstrahlung aus, bedeutet dies einen wesentlichen Faktor für die Entstehung von Hautkrebs. Andererseits weiß man heute, dass ca. 90% des vom menschlichen Organismus benötigten Vitamins D in der Haut unter Einfluss der ultravioletten Strahlung (UV-B) gebildet werden muss: so geht man zur Zeit davon aus, dass alleine in den USA jährlich mehr als 20.000 hellhäutige Amerikaner aufgrund eines aus ungenügender UVExposition resultierenden Vitamin D-Mangels an Krebserkrankungen versterben. Prof. Reichrath wurde nun für seine Forschungsarbeite auf diesem Gebiet mit dem Arnold-Rikli-Preis ausgezeichnet.

Molekulare Hirn-Karte

(idw) Welche Gene braucht unser Gehirn? Welche Hirngebiete benutzen welche Gene? Für Mäuse liegt jetzt erstmalig ein umfassender Atlas der räumlichen Expression von Genen im Gehirn vor. Er zeigt, welche genetische Information wo abgelesen wird. Der „Allen Brain Atlas“ (ABA) wird von Fachleuten als ähnlich wichtig angesehen wie die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Der „ABA“ ist erreichbar unter www.brainatlas.org/aba und umfasst nicht nur ca. 20.000 Expressionsmuster, sondern zeigt diese Information auf aneinander gereihten Schnitten durch das Gehirn und erschließt damit selbst kleine Teilbereiche dieses wichtigen Organs.

Leitlinien

(idw) Ärzte und Patienten brauchen eine einheitliche Informationsbasis, um gemeinsam Entscheidungen bezüglich der geplanten Behandlung und Versorgung zu treffen. Für Ärzte spielen in diesem Zusammenhang die so genannten Leitlinien eine große und wichtige Rolle. Jedoch sind die Inhalte ärztlicher Leitlinien für die betroffenen Patienten nicht immer auf Anhieb verständlich. Eine mögliche und brauchbare Lösung für dieses wichtige Problem stellen spezielle Informationen für Patienten dar, die nicht nur den Inhalt der ärztlichen Leitlinie in verständlicher Form vermitteln, sondern auch darüber hinaus gehende Informationen und Hilfestellungen bieten. Mit der Patienten-Leitlinie zum Formenkreis der Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) liegt nun eine solche Entscheidungshilfe für Patienten vor. Im Internet finden sich unter www.versorgungsleitlinien.de zahlreiche weitere Informationen und Entscheidungshilfen für Ärzte und betroffene Patienten.

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Die MEDI-LEARN Foren sind der Treffpunkt für Medizinstudenten und junge Ärzte – pro Monat werden über 10.000 Beiträge von den rund 18.000 Nutzern geschrieben. Mehr unter www.medi-learn.de /foren

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Eine Empfehlung ist viel wert Wissenswertes für die USA-Famulatur von Gerrit Montag

W

er geplant hat, mindestens eine Famulatur in den USA zu absolvieren, dem kann ich nur gratulieren. Es lohnt sich! Und das nicht nur wegen der neuen medizinischen Erfahrungen, sondern auch wegen der Ausflugsmöglichkeiten, der Menschen und wegen des positiven Nebeneffekts, sein Englisch zu verbessern. Mit weniger Geld als vermutet lässt sich eine voll anerkannte Famulatur organisieren. Von der Anreise über die Tricks, eine Famulantenstelle zu ergattern bis zur Unterkunft sind im Folgenden ein paar Hinweise aufgelistet.

Ein Umweg ist billiger

Egal, wo eure Destination in den Staaten liegt, über einen kleinen Umweg, meist innerhalb Europas, lässt sich ein günstiger Flug planen. Die Europäischen Fluggesellschaften (z.B. British Airways, Air France) bieten Flüge ab fast allen großen deutschen Flughäfen an, fliegen dann zu ihrem Heimatflughafen und meist per Umsteigen geht es dann in die USA. Das ist meist viel billiger, einziger Nachteil ist eine längere Reisedauer. Eine weitere Alternative sind asiatische Fluggesellschaften, die oft ebenfalls in die Staaten fliegen.

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Wer keine Bekanntschaft oder Verwandtschaft in den Staaten hat, der sollte die Hilfsbereitschaft der Krankenhausdirektion in Anspruch nehmen. Man glaubt gar nicht, welche Verantwortung Arbeitgeber in den Staaten übernehmen und welche Kontakte sie spielen lassen können! Viele Krankenhäuser bieten Gemeinschaftsunterkünfte an, stellen den Studenten und residents Appartements zur Verfügung oder kümmern sich darum, Wohnungsangebote zu finden.

Einfaches Krankenhaus auswählen

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Dies ist meiner Meinung nach die wichtigste Entscheidung! Grundsätzlich gilt: An vielen Universitätskrankenhäusern trifft man zwar mehr Studenten, aber das hat seinen Preis! Wer nämlich an einer Uniklinik famulieren möchte, muss für diesen Zeitraum ordentlich löhnen. Und was ein amerikanischer Medizinstudent zahlen muss, ist weit mehr als eine deutsche Semestergebühr. Es empfehlen sich

also die „einfachen“ Kreiskrankenhäuser, die in der Regel medical centers heißen. Diese Kliniken sind aber keineswegs einfach strukturiert. Gerade für uns deutsche Studenten sind sie meist nicht zu überblicken, auch nicht auf deren Websites im Internet. Und da haben wir schon das erste Problem, das es zu lösen gilt: Solche Krankenhäuser s i n d meist in privater Trägerschaft. Unser Famulatursystem ist nicht bekannt und da-

Visum ist besser

her gibt es keinen direkten Ansprechpartner für unser Anliegen. Nebenbei hat ganz Amerika ein Belegarztsystem, wir müssen einen speziellen Arzt finden, der bereit ist, uns in seine Obhut zu nehmen. Meist gestaltet sich das schwierig und für den jeweiligen Arzt wäre es salopp gesagt ohne großen Nutzen. Hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Wer keinen direkten Kontakt zu einem Belegarzt hat, der einen ausländischen Studenten mit in die Klinik nehmen könnte, hat weniger gute Chancen.

Folget dem hospitalist!

Die Lösung des Problems heißt hospitalist: Das sind Ärzte, die ausschließlich an Krankenhäusern tätig sind. Bei den Hospitalisten handelt es sich um ein recht neues System in den USA, welches in den 90er Jahren begann und immer weiter ausgebaut wird, bisher jedoch nur an den nicht-universitären Krankenhäusern. Meist arbeitet ein Team aus rund 20 Internisten (internal med), Allgemeinmedizinern (family oder general practitioners) oder auch anderen übergreifenden Fachbereichen zusammen und teilt die Patienten im Krankenhaus unter sich auf, die nicht von ihrem hauseigenen Arzt (also

den Belegärzten) betreut werden. Genial also für den Studenten, einem solchen Arzt zu folgen! Hat man also einen hospitalist gefunden, gilt es, ihnen unser Anliegen erklären: Was wir studieren, in welchem Jahr, warum wir eine Famulatur machen möchten, wie lange diese dauern sollte. Wir sollten verständlich machen, dass wir uns der Tatsache bewusst sind, keine Patienten anfassen zu dürfen (so ist das eben nach amerikanischem Gesetz!) und keinen Anspruch auf Einkommen zu haben. Um dem Hospitalist-Team ein Gesamtbild von uns zu liefern, legen wir den Unterlagen einen übersetzten Lebenslauf bei. Als Bonus servieren wir noch ein Empfehlungsschreiben (natürlich auch auf Englisch). Zum Thema Empfehlungsschreiben: Die Amerikaner stehen darauf und es ist in den USA gang und gäbe, über Beziehungen und Empfehlungen beruflich voranzukommen.

Nachhaken!

Wenn euer Doktorvater oder eure Doktormutter nicht bereit ist, ein Empfehlungsschreiben zu formulieren, dann fragt einfach Dozenten, bei denen ihr als studentische Hilfskraft mitgearbeitet

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Fortsetzung von Seite 1 OSCE soll nun auch auf andere Fakultäten übertragen werden. Die Prüfkandidaten stellen nicht nur ihr Fachwissen, sondern auch soziale und kommunikative Fähigkeiten unter Beweis. Auf einem Trainings-Parcours sind mehrere Teststationen zu absolvieren, an denen die Studenten jeweils mehrere Minuten Zeit haben, um z.B. ein EKG auszuwerten, einer Puppe eine Magensonde zu legen, die Anamnese eines Patienten mit Bauchschmerzen zu erheben, Blut abzunehmen oder eine Fallgeschichte zu analysieren. Bei OSCE-Prüfungen wird jeder Studierende von mindestens zehn Prüfern beurteilt, so dass subjektive Vorurteile

habt. Andernfalls kann man auch Dozenten ansprechen, bei denen ihr schon irgendein Praktikum hattet. In der Regel sollte dies kein Problem sein. Und wenn doch, dann schreibt selber eins und findet jemanden, der es euch unterschreibt. Guten Dozenten dürfte es bekannt sein, welche Bedeutung ein Empfehlungsschreiben in den USA hat! Falls ihr jetzt alles an die angegebene Adresse der Website abgeschickt oder dies alles per Fax gesendet habt, solltet ihr nicht warten, bis man Euch antwortet. Lasst ein, zwei Tage vergehen und ruft dann selbst noch einmal an. Man wird euch nicht als aufdringlich empfinden. Die Dame oder der Herr sind meist überaus freundlich und zuvorkommend. Entweder sagen sie dann aber gleich ab oder vertrösten euch noch auf einige Zeit. Wenn ihr eine Absage erhaltet, fragt auch hier nach anderen Möglichkeiten, an practical experiences zu kommen. Ich bin damals nur mittels abermaligen Nachfragens zu einer Famulatur in den USA gekommen. Und wenn ihr warten sollt, dann übt euch in Geduld! Erledigt in dieser Zeit alles andere: rechtzeitig einen Flug buchen, den Reisepass aktualisieren, Visa beantragen, gegebenenfalls einen Leihwagen mieten und vielleicht sogar schon Ausflüge planen?

nicht ins Gewicht fallen sollten. Wichtiger Bestandteil der OSCE-Prüfungen sind Übungen an standardisierten Patienten, gemimt von Laienschauspielern, die Krankheitsbilder in Wort und Tat simulieren, so dass die Studierenden realitätsnah ihre Kenntnisse beweisen können. Trainingseinheiten für den Einsatz solcher „Patienten“ bietet das Kompetenzzentrum genauso an wie Workshops zur Erstellung fachspezifischer MultipleChoice-Tests oder Beratungen bei der Einführung von schriftlichen Patientenberichten als Prüfungsform. „Um die Prüfungsgerechtigkeit zu wahren, prüfen wir mit verschiedenen Me-

thoden zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Fähigkeiten“, erklärt Frau Dr. Jünger. Nur so könne verhindert werden, dass ein Student schlecht abschneidet, weil er gerade einen schlechten Tag hat oder einseitig geprüft wird. „Wenn Sie in der mündlichen Prüfung im Fach Innere Medizin nur das Herz zum Thema machen, Nieren, Leber und Magen aber völlig ausblenden, ist das ungerecht.“ Das Kompetenzzentrum soll dafür sorgen, dass in den 39 klinischen Prüfungen alle Teilbereiche ihrer Bedeutung entsprechend abgedeckt sind. Auch bei der Frage, wie die Prüfungsformen dabei sinnvoll gemischt werden – etwa mit

Grundsätzlich sollte für ein Praktikum in den USA ein Visum vorgelegt werden können. Da ihr aber weder einen Lohn erhaltet noch einen Arbeitsvertrag eingeht, hinterlasst ihr auch nirgends eure Personalien. An Universitätskrankenhäusern kann es eventuell auch offizieller ablaufen. Man könnte die Zeit in den USA auch als Urlaub betrachten. Dazu braucht man in den USA bis zu einer Aufenthaltsdauer von drei Monaten kein Visum. Mich hat niemand nach einem Visum gefragt, aber sicher ist sicher. Und dann heißt es: warten oder weiter probieren!

Wann? Frühzeitig!

Alles, was ich oben beschrieben habe, kostet eine Menge Zeit. Je eher ihr mit einer Famulatursuche anfangt, umso weniger Stress bereitet ihr euch! Ich habe damals ein halbes Jahr vorher amerikanische Krankenhäuser angeschrieben und habe letztendlich erst vier Wochen vor dem geplanten Famulaturintervall eine feste Zusage bekommen. Also frühzeitig nach Krankenhäusern suchen, alle Unterlagen vorbereiten und dann ab damit in die Post. Im digitalen Nachschlag: Gerrit liefert euch zwei Vorlagen für Anschreiben und Bewerbung in englischer Sprache! Schaut vorbei unter: www.medi-learn.de/mlz-nachschlag

Multiple-Choice-Fragen, OSCE-Parcours oder Patientenberichten – berät das Kompetenzzentrum die Prüfungsverantwortlichen.

Rot-Gelb-Grün: Klare Kriterien für gute Prüfungen

Klare Kriterien für gute Prüfungen hat das Heidelberger Kompetenzzentrum zusammengestellt, um den Status der Prüfungspraxis an den baden-württembergischen Medizinfakultäten zu messen. Die Beurteilungen erfolgen nach einem einfachen Ampelsystem, wobei „Rot“ auf deutliche Probleme, „Gelb“ auf Mängel, „Grün“ dagegen auf die Erfüllung des jeweiligen Kriteriums hinweist. Der Statusbericht für die Heidelberger Fakultät liegt schon vor. In der Beurteilung des Kompetenzzentrums ergibt sich noch eine bunte Mischung – aber schon deutlich dominiert von der Farbe Grün.


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Jetzt Mitglied im MEDI-LEARN Club werden und Vorteile sichern

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Gewinnspiel: Im neuen Rätsel dreht sich alles um den MEDI-LEARN Club – einem neuartigen Angebot für junge Mediziner. Um die Begriffe zu erraten, findet ihr den MEDI-LEARN Club unter www.medi-learn.de/club ausführlich vorgestellt. Trage einfach das Lösungswort unter www.medi-learn.de/clubraetsel ein und gewinne ein Skelett, eines von je fünf Büchern Lernstrategien, Hammerfragen oder Fakten Arzneimittel. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Gewinnspiel läuft bis 30. April 2007.

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Waagerecht

1. Für Clubmitglieder sind über 100 dieser lustigen Zeichnungen eines bekannten Humormalers aus dem medizinischen Bereich verfügbar 7. Gesucht ist der erste Wortteil: Zu ihnen gehören z.B. „Physikumsfakten“, „Tabellenskripte“ und das Skript „Hammerexamen“ 8. Mit diesem Service erleichtert dir der Club den Wohnortwechsel und das Einleben in der neuen Stadt 11. Staatliche Genehmigung zur Berufsausübung als Arzt („Bestallung“) 14. Zahnfäule 16. Bei Eintreten dieses Ereignisses (z.B. wenn du durch Unfall oder Krankheit ein Studienhalbjahr verlierst) zahlt dir der Club durch diese besondere Versicherung einen Betrag von 500 € 18. Clubmitglieder erhalten diese maßgeschneiderte Terminvorgabe als „Tourneeplan zum Pauken“ für die Examensvorbereitung 19. Zweimal pro Jahr bringt der Paketbo-

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te allen Clubmitgliedern dieses Präsent 22. Abk.: Elektroventrikulographie 23. Ohne Moos nichts los: in diesem Club-Seminar erläutern dir Experten, wie du das Geld zur Bezahlung des Studiums zusammen bekommst 25. Anderes Wort für Preisnachlässe. Du erhältst sie als Clubmitglied z.B. auf Premiumskripte von MEDI-LEARN 26. Mit dieser Versicherung schützt dich der Club im Privat- sowie Berufsleben vor verpflichtenden Haftungsansprüchen 28. Allgemeines Wort für Pilzerkrankungen von Haut und Schleimhäuten 30. Wer einen Job möchte, muss sich bei Arbeitgebern vorstellen und „seine Dienste anbieten“. Clubmitgliedern wird in diesem Seminar von Experten verraten, worauf es bei der Stellensuche ankommt 34. Den monatlichen Lohn nach allen Abzügen stellt dieses Tool automatisch für alle Clubmitglieder dar 36. Leitet sich ab vom lateinischen Wort für Schreiben (scribere) und bezeichnet ein gedrucktes Werk

38. Der gesuchte Wortteil steht für das Halbjahr, in das das Studium aufgeteilt ist 42. Wer ein mündliches Examen hat, kann hinterher als Hilfe und „Nachschlagewerk für Kommilitonen“ diesen Bericht verfassen 45. Deutsches Wort für welcome present, das alle Clubmitglieder zur Begrüßung erhalten 46. Anderes Wort für die Darstellung des Prüfungsergebnisses als Zahl 48. Frz. Wort: es leitet sich ab vom Wort Luxus und bezeichnet eine besondere, erweiterte Variante

Senkrecht

2. als Clubmitglied zeigen dir Experten in diesem Seminar, worauf es beim gelungenen Vortrag oder bei der Posterpräsentation ankommt. 3. Service zum Wechsel des Studienortes, um geeignete Studenten in anderen Städten zu finden: der Club bietet die deluxe-Variante dieser Börse bei MEDI-LEARN

4. Meinungsforscher beschäftigen sich häufig damit. Und Chefärzte geben Clubmitgliedern gesonderte Tipps für die Bewerbung 5. Abk.: Traditionelle chinesische Medizin 6. Anderes Wort für Rektumprolaps 9. Abk.: short message service 10. Anderes Wort für Formsache. Alle papierlastigen und behördenverdächtigen Formulare gehören zum meist lästigen …enkram 12. dreikantiger, durchsichtiger Glaskörper, der das einfallende Licht in ein Spektrum zerlegt 13. Gespräch in helfender Absicht. Dieses bietet dir der Club zu zahlreichen Gelegenheiten im Studium und als junger Arzt 15. Für Verbände verwendetes weitmaschiges Baumwollgewebe 17. Abk.: fokal noduläre Hyperplasie 20. Erbanlage 21. Abk.: Allgemeiner Studentenausschuss 24. Abk.: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

27. engl.: Turm 29. Damit kannst du als Clubmitglied computergestützt nach Beantwortung gezielter Fragen dein Lernverhalten in Zukunft verbessern. 30. Abk.: Basaltemperatur 31. Abk.: red blood cells (Erythrozyten) 32. Abk.: Hinterwandinfarkt 33. Abk.: Plättchenaggregationstest 35. Austrocknung des Körpers durch Abnahme des Gesamtkörperwassers 37. Fachbegriff für Staubkrankheit 39. Abk.: Adenosindiphosphat 40. mikroskopische Untersuchung der Faserbestandteile von Sputum etc. nach enzymatischer Andauung 41. Engl. Wort für Einkaufsladen, den es auch online gibt. 43. Stoffwechselkrankheit mit erhöhtem Harnsäure-Spiegel 44. Beuger, Beugemuskel 47. Abk.: Nierentransplantation


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Spielt Matthäus noch für Deutschland? Als Volunteer in Südindien

Leider sind Seitenzahl und Erscheinungshäufigkeit der MEDI-LEARN Zeitung begrenzt, so dass wir nicht immer alle Texte berücksichtigen können, die ihr uns zusendet. Genauer gesagt: berücksichtigen konnten, denn nun gibt es den Digitalen Nachschlag bereits zum achten Mal mit weiteren spannenden Artikeln – aktuell über Diabetes und einen Therapiehund – und Ergänzungen zu den Berichten der Print-Ausgabe. Der Digitale Nachschlag steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung. Einfach die folgende Seite aufrufen:

von Marie-Christine Kuhl

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chon lange stand für mich fest: Mein Traum ist es, Medizin zu studieren! Doch schon bald nach meinem Abitur stellte sich leider heraus, dass sich dieser Wunsch schwerer in die Tat umsetzten lassen sollte als erhofft. Denn trotz eines recht guten Abiturs erhielt ich in Deutschland keinen Studienplatz. Nun stand ich wie viele andere vor der schwierigen Entscheidung, was ich bis zum Beginn des Studiums machen wolle. Nach vielen Überlegungen entschied ich mich dafür, ins Ausland zu gehen, um dort freiwillig in einem Krankenhaus mitzuarbeiten. Und auch das Ziel der Reise stand schnell fest: Indien. Denn dort, in einem derart armen, stark bevölkerten Land, so glaubte ich, wäre meine Unterstützung am hilfsreichsten. Auch war ich schon immer fasziniert von diesem Land, seiner Kultur und seiner Geschichte. Deshalb schrieb ich eine Organisation (Teaching and Projects abroad) an, die mir bei dem Auffinden von Krankenhäusern behilflich sein sollte und auch die Unterbringung bei indischen Gastfamilien organisierte. Und dann endlich, nach etwa fünf Monaten Vorbereitungsphase und einem vorhergehenden Krankenpflegepraktikum in Deutschland, flog ich in die beiden südlichsten Bundesstaaten Indiens, Tamil Nadu und Kerala. Ich hatte natürlich vorher viel über Land und Leute gelesen. Aber was mich in den folgenden knapp dreieinhalb Monaten wirklich erwarten sollte, damit hätte ich nicht gerechnet.

nalmannschaft spiele. Und eine Ähnlichkeit zu Steffi Graf wurde mir nachgesagt, worüber ich sehr schmunzeln musste. Im Allgemeinen hatten die Inder ein sehr positives Bild von den Deutschen, das auch durch unsere politische Vergangenheit nicht getrübt wurde. Dass der Hund einer Ärztin (!) erschreckender Weise „Hitler“ hieß, zeigt, wie entfernt Deutschland und seine Geschichte von hier ist. Alle haben mich gastfreundlich, neugierig, interessiert und offen empfangen. Viele Male wurde ich zum Essen eingeladen, und das, obwohl viele Menschen oft selbst nicht viel Geld und Nahrung besaßen. Krankenschwestern verdienen zum Beispiel im Schnitt 25 Euro im Monat und müssen davon oft die ganze Familie ernähren.

Holzkasten mit Stehlampe gleich Brutkasten

Bei meiner Ankunft im Shanti-Hospital in Shenkottai wurde ich sehr freundlich empfangen. Eigentlich ist das Shanti ein Geburtskrankenhaus, aber man behandelt hier auch so ziemlich alles andere. Ich war täglich bei den Sprechstunden und den Visiten zugegen. Mir wurde viel von den zuständigen Ärzten erklärt und die Auskünfte der Patienten ins Englische übersetzt. Die Kommunikation mit den Patienten und dem Krankenhauspersonal war bisweilen schwierig, selbst die Krankenschwestern konnten meist nur

Schon bei meiner Ankunft am Flughafen in Chennai war ich überwältigt. Wenn man das erste Mal in einem Land wie diesem ankommt, ist es schwer, sich in dem vollkommenen Durcheinander zurechtzufinden. Alles um einen herum ist dreckig und laut, überall sind Menschen, die einem etwas verkaufen möchten oder ein Taxi anbieten, fremde Gerüche umgeben einen. Die Luft war stickig und schwül, auf den Straßen befanden sich außer vielen alten „Ambassador“-Autos auch Kühe, die schwer beladene Karren hinter sich herzogen. Ein Affe versuchte mir – ungelogen – meine Banane zu stehlen, Moskitos schwirrten durch die Luft, sogar Schweine und Hühner liefen durch die Gassen dieser Sechs-Millionen-Metropole. Erschöpft, müde und mit Heimweh kämpfend war ich erleichtert, als ich den Zug erreichte, mit dem es zum ersten Krankenhaus meiner Etappe gehen sollte: einem Geburtskrankenhaus mit zwei Ärzten in Shenkottai, einem kleinen Dorf in Südindien.

Spielt der Lothar noch in der Nationalmannschaft? Doch auch auf der siebenstündigen Zugfahrt fand ich keine Ruhe, denn wie in den ganzen folgenden Wochen zeigte sich schon hier das große Interesse der Einheimischen an meiner Person. Alle wollten Fotos oder gar Autogramme von mir, ich fühlte mich oft wie ein berühmter Star. Sie fingen, falls es ihre Englischkenntnisse zuließen, Gespräche mit mir an, in denen sie mehr über das Leben in Europa wissen wollten oder baten auch nur mal darum, meine blonden Haare anfassen zu dürfen. Einigen war Deutschland sogar ein Begriff und ich wurde seltsamer Weise gleich mehrmals gefragt, ob Lothar Matthäus noch immer in der deutschen Fußball-Natio-

www.medi-learn.de /mlz-nachschlag Frauen werden in Indien immer noch als minderwertig angesehen

wenige Worte Englisch. Dafür durfte ich meine ersten praktischen Erfahrungen sammeln, Wunden zunähen und Operationsbesteck halten. So assistierte ich bei mehreren operativen Eingriffen wie Hysterektomien. Aber auch Geburten, Kaiserschnitte, Abtreibungen, Sterilisationen und das Einsetzen von Spiralen gehörten zu den täglichen Aufgaben der Ärzte, denen ich zusehen durfte. Ich war erstaunt, mit welchen geringen Mitteln und hygienischen Maßnahmen diese Operationen ausgeführt wurden. Operationsbesteck wurde nur vorher in Wasser abgekocht, Handschuhe wurden oft mehrmals verwendet oder kurz abgewaschen und neu gepudert, Desinfektionsmittel gab es keine. Im OP-Saal fiel

sehr häufig der Strom aus und auch Ratten waren keine Seltenheit. In der Nachbehandlung fehlten ebenfalls viele Dinge, die für mich seit dem Praktikum in einem deutschen Krankenhaus als selbstverständlich galten. Ein Brutkasten bestand aus einem selbst zusammengebauten Holzkasten, über dem eine Stehlampe aufgestellt wurde. Dies waren Zustände, die mit denen in Deutschland leidlich zu vergleichen sind, und das, obwohl ich bereits in einem privaten indischen Krankenhaus arbeitete. Die staatlichen Krankenhäuser in Indien sind noch wesentlich schlechter ausgestattet und ich vermochte mir kaum vorzustellen, wie es dort aussieht.

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Selbstmordversuch wegen Schwangerschaft Trotz dieser Bedingungen haben sogar extreme Frühgeburten überlebt und auch sonst schienen die Inder wesentlich weniger anfällig für Krankheiten zu sein als wir Europäer. Andere Krankheiten, mit denen ich dort konfrontiert wurde waren unter anderem Malaria, Tuberkulose und Polio. Aber das wohl schockierendste Erlebnis war die Einlieferung einer Frau, die versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Wie ich später erfuhr, hatte sie ihre Schwangerschaft zum Anlass eines Suizidversuchs genommen, da sie noch nicht verheiratet war und diese Schwangerschaft somit als große Sünde und Verletzung der Familienehre galt. Wenige Tage später wurde wieder eine Frau eingeliefert, auch sie nahm aus einem ähnlichen Grund eine Überdosis Tabletten.

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Diese Vorkommnisse hielten mich dazu an, mich weiter mit den Problemen und dem gesellschaftlichen Status der Frauen zu beschäftigen. Dass die Frauen hier immer noch als minderwertiger angesehen wurden, wurde mir davor schon oft deutlich. Aber über die Tatsache, dass in dem Gebiet in dem ich lebte, weibliche Föten immer noch abgetrieben wurden oder kleine Mädchen sogar nach der Geburt ausgesetzt wurden, weil Väter für die Heirat ihrer Töchter hohe Mitgiften zahlen müssen, das war mir nicht bewusst. Dass die Mädchen aus ärmeren Familien oft nicht in die Schule gehen dürfen, da die Schulkosten lieber in die Söhne investiert werden, erstaunte mich doch sehr. Die Fortsetzung findet ihr im Digitalen Nachschlag. Wir ver­losen 3 hochwertige Lederfußbälle für die Sportfans unter euch – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw217

Nachschlag Die Extraportion Diese Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Forschung

Therapiehund Die guten Riecher unserer vierbeinigen Gefährten sind allgemein bekannt. Sie werden seit langem als Spürhunde bei Zoll und Polizei oder auch als Blindenhunde eingesetzt. Doch auch im stationären Bereich leistet des Menschen treuester Begleiter hilfreiche Dienste.

Ausland und PJ

Ein Jahr in Katalonien Katja Goebbels hat zwei Semester an der UAB studiert, der Universitat Autonoma de Barcelona, die vier Lehrkrankenhäuser in Barcelona besitzt. Katalonien ist zusammen mit dem Großraum Madrid die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens, wodurch sich aus wirtschaftlicher Sichtweise heraus der Wunsch einiger Katalanen nach Unabhängigkeit und mehr Rechten verstehen lässt. Wie es Katja erging, erfahrt ihr im Digitalen Nachschlag.

Sechzehn Wochen Humangenetik Wiebke Krügers Traum-Wahlfach seit sie das erste Mal mit diesem Gebiet in Kontakt gekommen war: Humangenetik. Doch um sich diesen Traum zu erfüllen, musste sie Hürden überwinden. Von der Wirklichkeit jenseits des Traumes handelt der PJBericht im Digitalen Nachschlag.

News

Diabetes vorprogrammiert Insulinresistenz, ein Risikofaktor für HerzKreislauferkrankungen, ist bereits beim Neugeborenen vorhanden Das weist nun erstmals eine Studie nach, die in der Fachzeitschrift Circulation erschienen ist. Genaueres könnt ihr im digitalen Nachschlag der MEDI-LEARN Zeitung nachlesen.

Horchen statt Röntgen Eine neue Untersuchungstechnik für Lunge und Atemwege, die ohne strahlenintensives Röntgen auskommt und verbesserte diagnostische Perspektiven eröffnet, erforscht die Abteilung für Pneumologie und Allergologie des Klinikums der J. W. Goethe-Universität in Frankfurt. Lest mehr über dieses neuartige Bildgebungsverfahren der Zukunft.

Wo Erinnerungen gespeichert sind In seiner Studie ging Jan Peters, Doktorand der an der Ruhr-Universität, Erinnerungsprozessen im Gehirn auf den Grund und erhielt für seine Darstellung der Ergebnisse einen Nachwuchsforscherpreis. Alle Artikel findet ihr kostenlos unter:

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MEDI-LEARN Zeitung 01/2007  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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