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Januar 2006

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Famulatur bei den Kängurus

Impressionen aus dem fünften Kontinent von Susanne Jackowski

on der Wärme erschlagen, stolperte ich aus dem Flugterminal in Brisbane. Gestern noch im kalten Europa und nun im sommerlichen Australien. Es ist Ende Januar, Sonnabend, es bleiben mir jetzt also ganze zwei Tage mich zu akklimatisieren. Ein anderes Land, eine andere Sprache, und diese Hitze! Erstmal ein Backpacker Hotel (Art Jugendherberge) suchen und das ganze Gewicht von meinem Rücken loswerden! Doch schon im ersten Bus wurde ich auf eine erste Bewährungsprobe gestellt. Was sprechen die Australier denn da? Ich dachte, ich könne Englisch. Aber die Menschen hier sind sehr nett, und so wiederholen sie es auch noch ein drittes Mal und diesmal auch langsam und deutlich. Montag, mein erster Arbeitstag. Auf meinem Notizzettel steht: Royal Brisbane Hospital, Haupteingang finden, mit dem Fahrstuhl in die achte Etage fahren, Richtung Süden gehen zur Station für Plastische Chirurgie. Und wenn ich mich verlaufen sollte, dann einfach jemanden fragen, es wäre nicht das erste Mal, dass jemand verloren ginge. Hach, denke ich mir, da fühle ich mich ja ganz wie zu Hause. Da verlaufe ich mich auch immer in unserem Universitätskrankenhaus.

Kuscheln mit Koalas

Im Backpacker hielt ich es schnell nicht mehr aus. Preislich war es zwar okay, aber auf die Dauer in einem 6-Bettzimmer ohne Verstauraum immer seine ganzen Wertsachen mit sich rumschleppen müssen und eine Großraumküche mit überfüllten Kühlschränken vorzufinden, die nicht mehr kühlen, dazu Tausende von Ameisen, nein, das muss nicht sein. Schnell fand ich eine WG ohne Ameisen, nur ab und zu tauchten kleine süße Geckos auf. Und die üblichen Schlangen im Hintergarten eben, die angeblich nicht giftig sind.

… NICHT IM SCHLABBERIGEN POLOSHIRT WIE BEI UNS

GIFTSCHLANGEN? KEINE PANIK, NICHT WEGRENNEN!

Glücklich, meine Station gefunden zu haben, werde ich gleich meinem Team

Wie schon erwähnt, wird keine Anwesenheit überprüft bzw. mir wird teilweise nahe gelegt, dass ich wirklich nicht jeden Tag zu kommen brauche. So lege ich zwischendurch auch mal ein verlängertes Wochenende ein. Sehr weit kommt man allerdings an einem Wochenende nicht, wenn man nicht fliegt, aber auch in Brisbane und Umgebung gibt es einiges zu erkunden. Da gibt es tolle Strände, Inseln und den Regenwald. Kleiner Tipp für alle, die auch mal im Regenwald eine längere Wanderung ma-

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chen wollen: Unbedingt lange Hosen und festes Schuhwerk anziehen, egal wie warm es ist! Denn man weiß nie, ob sich nicht eine giftige Schlange denkt, einfach mal über die Füße des ahnungslosen Touristen zu kriechen. Wichtig dabei: keine Panik, nicht wegrennen. Ich weiß: Das ist einfacher gesagt als getan. Natürlich kann ich nicht sagen, ich war in Australien ohne ein Känguru gesehen zu haben. Erst probiere ich es auf die leichte Tour: Zoo. Dort kann man die Mischungen aus Kaninchen und Reh sogar streicheln! Aber das Highlight des Zoobesuches ist: Kuscheln mit Koalas! Natürlich mit Foto. Doch dann denke ich mir, dass es ja noch schöner wäre diese Tiere in der Natur zu sehen. Und tatsächlich: An meinem dritten Wochenenddausflug in einen Nationalpark hüpfen hie und da zur Abenddämmerung hin ein paar kleine Kängurus durch die Gegend. An einem Sonntag meint mein australischer Mitbewohner: „Komm, ich zeige dir was! Ich kenne einen Baum in der Nähe, da kann man innen drin hoch klettern. Das ist ein Strangeler Fig, ein Baum, der von innen hohl ist. Ist fast wie Leiter klettern.“ Klar, denke ich mir, klingt gut. Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher auf einen Bauernhof einer Freundin von ihm – eine ehemalige Lychee-Plantage. Dort darf ich ungehemmt Passionsfrüchte und Guaven frisch vom Baum essen und eine ganze Tüte voll Macadamia-Nüsse einsammeln. Nach dieser kurzen Stärkung kamen wir nach ungefähr zweistündiger Autofahrt („in der Nähe“) in einem Nationalpark an. Kaum aus dem Auto gestiegen, habe ich einen großen Drang wieder einzusteigen, als ein anderthalb Meter langer Waran auf uns zu kriecht.

Wahrzeichen im Herzen Australiens: der Ayers Rock

Praktische Tipps

Die Bewerbung hatte ich schon ungefähr ein Jahr vorher geschrieben. Es ist vorteilhaft, sich zeitig darum zu kümmern, da man gegebenenfalls noch einige Sachen besorgen muss. In Queensland werden die Plätze zentral von der Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland (PMEFQ) vergeben. Bewerbungsunterlagen kann man im Internet runterladen, ausfüllen und zurückschicken (www.pmefq.com.au). Man muss eine Studiengebühr zahlen und erhält dann einen Platz in Queensland, wobei persönliche Wünsche nach bestimmten Krankenhäusern und Fachrichtung berücksichtigt werden. Um einen möglichst günstigen Flugpreis zu bekommen, habe ich mich schon ein halbes Jahr vorher darum gekümmert. Natürlich braucht man einen Reisepass. Über die Bestimmungen für das Visum informiert die australische Botschaft in

Berlin (www.australian-embassy.de). Dort gibt es auch eine Liste der anerkannten Ärzte, falls man ein ThoraxRöntgenbild für sein Visum braucht.

Fazit

Eine Auslandsfamulatur ist eine einmalige Gelegenheit, ein anderes Land und Gesundheitssystem kennen zu lernen. Wem sich diese Chance bietet, der sollte sie nutzen!

SOLL ICH DA WIRKLICH HOCHKLETTERN? Nach dem wir rund vier Kilometer gelaufen sind, bleibt mein Mitbewohner plötzlich mitten im Regenwald stehen und sagt:„Voilà!“ Ich drehe mich um und vor mir erstreckt sich ein riesiger Baum. „Das ist nicht der Baum, oder?“, frage ich. Ich sehe keine Leiter oder ein Schild, das besagt, dass man darauf klettern kann. Soll ich da wirklich hoch? Doch der Ergeiz packt mich und so klettere ich Stück für Stück im Inneren dieses Baumes aufwärts. Nach einigen Metern traue ich mich, aus einem Spalt herauszuschauen und blicke nach unten: Gott, ist das hoch, dabei bin ich doch nicht schwindelfrei! Egal. Nach geraumer Zeit komme ich ganz oben an. Schätzungsweise 40 Meter! Und Touristen machen im Vorbeigehen Fotos von mir, wie ich oben aus dem Baum herausschaue. So erlebe ich jedes Wochenende ein Abenteuer nach dem anderen. Das Outback muss ich natürlich auch gesehen haben. Mit Freunden setze ich mich in einen Mietwagen und wir fahren immer gen Westen – einen ganzen Tag lang. Wir passieren ein Schild: Welcome to the Outback. Wir haben es geschafft. Denken wir. Doch gleich werden wir von zwei „Einheimischen“ belehrt: „Ach, da müsst ich noch einen Tag weiter nach Westen fahren und dann links abbiegen, da ist das Outback!“ Hier sehen wir noch mehr Kängurus, rote Erde, riesige Kakteen, Gräser, Rinder und einen herrlichen Sonnenuntergang!

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V

vorgestellt. Erste Überraschung: Keiner trägt einen Kittel. Also umsonst gestern Abend gebügelt. Dafür tragen die Männer alle Hemden und Krawatte und auch die Frauen ordentliche Kleidung – nicht wie bei uns ein weißes, schlabberiges Poloshirt. Nächste Überraschung: Es gibt keine Türen zu den Zimmern. Diese sind alle offen zum Gang und Männlein und Weiblein sind gemixt, abgetrennt durch Vorhänge. Das erinnert ein wenig an ITS. Und aller guten Dinge bzw. Überraschungen sind drei: Arbeiten wie Blutabnehmen oder Flexülen legen, wie man das von zu Hause kennt, sind in Australien nicht Aufgabe der Studenten. Dafür gibt es einen speziellen Dienst im Krankenhaus. Auch nicht schlecht. Nach der Visite gehe ich mit in die Abteilung „minor procedure“. Dort werden hauptsächlich kleinere Sachen gemacht, wie die Entfernung von Basaliomen und Spinaliomen. Ich darf auch gleich Hand anlegen. So gestalteten sich denn auch die nächsten 8 Wochen: Nach der Visite mal OP, „outpatient“ (Ambulanz) und mal „minor procedure“. Die OPs waren schon abwechslungsreicher, zumal es mir freigestellt war, auch anderen Operationen zuzuschauen. Anwesenheit wurde nicht geprüft und so konnte ich meine Zeit frei einteilen. Es dauerte nicht lange, und schon fanden sich alle internationalen Studenten zusammen, um gemeinsam abends etwas zu unternehmen. Ich hatte Glück und in der Zeit, in der ich da war, rotieren die australischen Studenten des 3. Jahres (gleichzusetzen mit unserem 5. Jahr) auf der Chirurgie. Somit lernte ich einige kennen und durfte auch an den Seminaren teilnehmen.

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MEDI-LEARN Zeitung 01/2006  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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