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MLZ

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Januar 2006

www.medi-learn.de

kurz notiert

Lernstudio in Greifswald

Nach Berlin, Göttingen und anderen Unis steht nun auch den Greifswalder Medizinstudenten ein aus sechs Übungsräumen bestehendes Lernstudio zur Verfügung. Es eröffnet den Studierenden neue Lernmethoden, ihre Kenntnisse zu vertiefen und ärztliche Fertigkeiten zu schulen. Im Skills-Lab können unter realitätsnahen Gegebenheiten an verschiedenen medizinischen Übungsmodellen (u.a. fünf lebensechte Dummys), mit modernster Multimedia-Technik und Lern- und Lehrmaterialien zuvor erworbene theoretische und praktische Kenntnisse im Selbststudium vertieft werden. Zusätzlich bietet die Ausstattung im Skills-Lab die Möglichkeit, verschiedene Seminare und Kurse des klinischen Studienabschnittes zu gestalten.

Neurostimulation gegen Schmerzgedächtnis?

Das durch häufige Schmerzattacken entstehende Schmerzgedächtnis mittels elektrischer Neurostimulation zu schwächen oder gar auszulöschen, ist Ziel einer Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jens Ellrich (Universitätsklinikum Aachen). Für ihre Arbeiten wurde die Gruppe jetzt mit dem Europäischen Preis für Schmerzforschung 2005 ausgezeichnet. Im Experiment konnten Ellrich und seine Mitarbeiter bereits zeigen, dass eine elektrische Niederfrequenzstimulation das Schmerzempfinden für Stunden reduziert. Mittels elektrophysiologischer, psychophysischer und bildgebender Methoden soll die schmerzlindernde Wirkung beim Menschen untersucht werden.

Suizidraten bei Ärzten

Ein Beitrag in der Zeitschrift „Psychiatrische Praxis“ beziffert die Suizidraten für Mediziner etwa zwei- bis dreimal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Medizinerinnen setzen im Vergleich mit der weiblichen Allgemeinbevölkerung drei- bis fünfmal häufiger ihrem Leben ein Ende. Risikofaktoren des Arztberufes: Leichter Zugang zu letal wirksamen Medikamenten, depressive Störungen, hohe berufsspezifische und zeitliche Belastungen, ständige Konfrontation mit Leiden oder Tod sowie Versagensängste. Schon im Medizinstudium sollten diese Probleme angesprochen werden – wie es derzeit in Gießen geschieht – um eine emotionale Vorbereitung auf den späteren Berufsalltag zu gewährleisten.

Infektionen auf der Intensivstation

Wenn sich Patienten auf der Intensivstation eine Infektion zuziehen, liegt das seltener als bisher gedacht an Hygienefehlern der Ärzte und des Pflegepersonals. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um den Krankenhaushygieniker Professor Henning Rüden von der Berliner Charité. In Zusammenarbeit mit fünf Intensivstationen wurde der Krankheitsverlauf von fast 1.900 Patienten verfolgt, die länger als zwei Tage auf einer der Stationen verbringen mussten. Aber: Es seien immer noch zu viele, so das Ergebnis der Studie.

Gruezi, spielst du Fußball? Geriatrie-PJ im Spital Bern, Schweiz von Gerd Fabian Volk

G

erade, weil ich alle Famulaturen in operativen Fächern gemacht hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen und in den 16 Wochen Innere Medizin im PJ möglichst intensiv konservativ arbeiten. Eine Stelle als Unterassistent in der Schweiz schien dieser Voraussetzung am Nächsten zu kommen. Also Alpine Impressionen aus der Schweiz – Foto: Gerd Fabian Volk suchte ich im Internet die vom LPA in der Vergangenheit noch deutlich mehr. Zum anderen ist das anerkannten Spitäler in der deutschspra- Wohnheim mit sonniger Dachterrasse, chigen Schweiz. Per Mail schrieb ich ca. gut ausgestatteten und sauberen Küchen ein Jahr vor Beginn des PJ einige leiten- und gemütlichem Zimmerinventar fast de Ärzte von Abteilungen an, die mich eine Rundum-Sorglos-Lösung. Wobei interessierten. eigene Teller, Besteck und Töpfe dann doch selbst mitgebracht werden sollten. Ein gutes Gehalt Da viele Schwestern und Ärzte Zimmer Die erste Zusage kam von der Geriatri- im Wohnheim haben, diese aber nur geschen Universitätsklinik am SPITAL legentlich nutzten, war es im Vergleich BERN - ZIEGLER. Ohne allzu genaue zum gemeinen Studentenwohnheim Vorstellungen über die Geriatrie nahm schon fast zu still. ich diese Stelle als Unterassistent an, da Aber nach ein paar Tagen hatte ich einige neben freundlichen Worten gleich in der Schweizer und auch die beiden anderen ersten Mail ein Plan der internen Fortbil- PJler im Haus kennen gelernt. Gemeindungen, ein Angebot für eine günstiges sam wurde nicht nur gegrillt und geWohnheimzimmer (250 Franken) und die kocht, sondern auch an zahlreichen WoAnkündigung eines guten Gehaltes (830 chenenden das Umland erkundet. Dass Franken netto) mitgeschickt wurde. die anderen PJler mit dem eigenen Auto Von einigen anderen Häusern bekam da waren, war dabei von großem Vorteil. ich Absagen: Entweder waren die Stel- Zwar ist die Schweizer Bahn sehr gut len schon belegt oder die Stellen waren ausgebaut und pünktlich, aber ohne ein noch für Schweizer Studenten reserviert. „Halbtax-Abo“ (ähnlich der deutschen Im Anschluss an das Vergabeverfahren BahnCard 50) recht teuer. Da es aber für die Schweizer Studenten könnten in der Anschaffung deutlich billiger als diese Stellen wieder frei werden und unsere BahnCard ist, könnte sich der so wären auch Bewerbungen wenige Kauf bei vier Monten intensiver Nutzung Monate vor dem Wunschtermin Erfolg durchaus rechnen. versprechend gewesen, aber dieses Ge- Für den innerstädtischen Verkehr gibt es duldspiel brauchte ich glücklicherweise mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten nicht zu spielen. Dass dies aber tatsäch- geht man zu Fuß, was aber vom Zieglerlich ein möglicher Weg ist, bewies ein spital bis zum Bahnhof mindestens 20 deutscher Freund, dem es in Bern so gut Minuten dauert. Wenn man die Gelegengefiel, dass er statt der geplanten vier heit hat, ein Fahrrad mit zu nehmen, ist Monate für ein zweites Tertial bleiben dies trotz kleiner Steigungen eine gute wollte. Und wirklich fand er nach einem Alternative. Oder man benutzt das Buspersönlichen Bewerbungsgespräch eine und Straßenbahn-Netz. Da man vor dem Folgestelle für sein letztes Tertial. Einstigen aber schon am Automat an der Haltestelle gezahlt haben muss, sind die Lila Pause-Ausweis Sechser-Karten sehr praktisch. Gar nicht Um Visum und Arbeitserlaubnis küm- erst versuchen sollte man die Fahrt mit merte sich die Personverwaltung. Eini- dem Auto in die Innenstadt. Viele Einge Woche vor Arbeitsbeginn bekam ich bahnstrassen und keine oder nur sehr einen Brief mit der Aufenthaltserlaubnis teure Parkplätze verderben einem jeden und der Bitte, mich vor Arbeitsbeginn bei Spaß dabei. der Ausländerpolizei zu melden. Diese stellte mir meinen Lila Pause-farbenen Schöner als Münster Ausländerausweis aus, den danach aber Die Stadt Bern mit ihrem mittelalterlinie wieder jemand sehen wollte. Als chen Kern, der von drei Seiten von der Willkommensgeschenk gab es noch eine Aare umflossen wird, übertrifft an SchönWochenkarte für den ganzen Verkehrs- heit und Charme übrigens selbst meine verbund dazu. Heimatstadt Münster. Und das, obwohl Münster 2004 bekanntlich den Titel „Lebenswerteste Stadt“ tragen durfte. WOHNHEIM ALS Noch einmal zum eigentlichen Grund RUNDUM-SORGLOS-LÖSUNG meines Aufenthalts in der Schweiz: Der Unterassistentenstelle in der Geriatrie. Telefonisch kümmerte ich mich drei An meinem ersten Arbeitstag meldete Monate vor der Anreise bei der Lie- ich mich, wie vorher abgesprochen, bei genschaftsverwaltung um ein Zimmer der leitenden Oberärztin. Diese begrüßte im Personalwohnheim. Dies würde ich mich freundlich und nahm mich mit zur jedem empfehlen, da zum einen ein Abteilungssitzung, die jeden Montag12qm-Zimmer mit ca. 250 SF für Bern morgen stattfand. In dieser Runde waren sehr preiswert ist. Ähnliche Zimmer kos- außer den Ärzten die Stationsleitungen, teten bereits im Personalwohnheim des die Leiter der Physio-, Logo- und ErgoInselspitals ca. 400 SF und privat meist therapie und die Sozialabeiter anwesend.

Ich wurde im großen Kreis kurz vorgestellt, dann ging es erstmal um Organisatorisches zwischen den Abteilungen, um die Fortschritte einzelner Projekte und um personelle Angelegenheiten. Am Ende berichteten die diensthabenden Ärzte noch über die Ereignisse des vergangenen Wochenendes.

Spielst Du Fußball?

Nach der Besprechung begrüßten mich einige der Ärzte noch mal persönlich. Und dann kam die Frage, die mich ein so verblüfftes Gesicht hat machen lassen, das einer der Assistenzärzte vier Monate später noch darüber lachen musste: „Ich bin Jon Lory, der Klinikleiter. Spielst Du Fußball?“ Dazu muss man wissen, dass ich ohne mir noch präsente Gründe seit frühester Kindheit eine Abneigung gegen Fußball habe. Und diesen Sport bis auf wenige Ausnahmen im Schulsport auch immer vermieden habe. Nun stand ich also vor einem Dilemma: Integrativer Betriebssport jeden Montag in der Mittagspause, bei dem fast alle männlichen Ärzte mitspielten, oder doch lieber Blessuren und Blamagen verzichten?

TROTZ ETLICHER EIGENTORE NICHT BEREUT

Weil ein Auslandsaufenthalt ja vor allem zum Kennenlernen von Neuem dienen soll, entscheid ich mich zu meiner eigenen Überraschung zum Spielen. Und bereue es trotz zweier blauer Zehen, Oberschenkelzerrungen und etlicher Eigentore nicht. Aber keine Angst, auch ohne Fußball bietet die Abteilung viel Integratives: Gemeinsame Frühstücks- und Mittagspausen, auch viele gemeinsame Feiern am Abend, Fortbildungen im kleinen Kreis der Abteilungen oder im großen der Universitätsklinik. Und immer viel Teamgeist und Menschlichkeit im Umgang miteinander und mit den Patienten. Die Geriatrische Universitätsklinik hat sechs Stationen, davon eine Privatstation und zwei Übergangsstationen für Patienten, die keine Indikation für eine Akutbehandlung mehr haben, deren Zustand aber keine Rückkehr nach Hause ermöglicht und die deshalb noch auf einen Platz in einem Alten- oder Pflegeheim warten müssen. Des Weiteren gehört eine Tagesklinik dazu. Damit ist die Geriatrie eine der größten Abteilungen des Spital Berns. Sowohl bei der Patientenbetreuung als auch auf Forschungsebene genießt sie einen hervorragenden Ruf. Die Dienstkleidung besteht übrigens aus einer Schürze statt des in Deutschland üblichen Kittels (also Knöpfe hinten statt vorne) und kann jederzeit frisch aus einem Automaten im Keller bezogen werden. EIN VERLÄNGERTES

WOCHENENDE IST SCHON MAL DRIN

Während der vier Monate arbeitete ich primär gemeinsam mit einer jungen Assistenzärztin auf einer Station, half ihr morgens bei der Visite (sobald ich mich etwas ins Bern-Deutsch reingehört hatte, was zunächst übrigens erstaunlich schwer fällt), nahm Patienten auf, machte Tests und Untersuchungen und durfte später auch den einen oder anderen Tag die Stationsärztin vertreten. Mit den großzügigen Pausen war ich täglich etwa von 8 bis 17 Uhr in der Klinik. Studientage gab es offiziell nicht, aber wenn man freundlich fragte, war schon mal ein verlängertes Wochenende möglich.

Kontinuierliche Patientenbeobachtung

Ich als Student profitierte vor allem von der Möglichkeit, die von mir in aller Ruhe aufgenommenen Patienten, bei denen sich oft die verschiedensten Pathologien fanden, dem geduldigen und erfahrenen Oberarzt vorstellen zu können, der alles wichtige nachuntersuchte, auf Übersehenes hinwies und die Therapieoptionen mit mir diskutierte. Die Geduld des ganzen Teams und der großzügige Zeitrahmen gehören zu den großen Vorteilen der Stelle: Wo sonst hat man die Möglichkeit, seine Patienten so eingehend und kontinuierlich zu beobachten, dass man einen Blaseninfekt an einer plötzlich neu aufgetretenen Verwirrtheit erahnt, oder die verblassende Demenz im Laufe der Re-Hydrierung beobachten kann? Besonders beeindruckend und spannend war es, die Erfolge in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten zu verfolgen. Gerade hier zeigten die interdisziplinären Konzepte der Geriatrie ihre Stärke: Mit einem intensiven Wochenplan aus Ergo- und Physiotherapie, aktivierendem Gemeinschaftsprogramm durch die Pflege und den täglichen ärztlichen Kontrollen gelang es oft, in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten die Patienten wieder „auf die Beine“ zu kriegen. Nach einigen Wochen Behandlung wurden meist die erwachsenen Kinder bzw. Betreuer zu einem Gespräch über den Verlauf der Behandlung und die Zukunftsplanung eingeladen. In diesen Gesprächsrunden, an denen auch ein Sozialarbeiter des Spitals teilnahm, ging es oft um die Frage der Rückkehr nach Hause: Was musste noch verbessert werden, was organisiert werden, um das möglichst selbstständige Leben zu Hause zu ermöglichen? Waren einige Stunden häuslicher Pflege täglich ausreichend oder war der Umzug in eine Wohnung in einem Altenheim unumgänglich? Beim Besichtigen von und gegebenenfalls dem Anmelden in Altenheimen waren die Sozialarbeiter mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihren Kontakten zu den Heimen unersetzlich.

Geriatrie: Behandlung über die Medizin hinaus

So umfasste die geriatrische Behandlung nicht nur das Sanieren von akuten medizinischen Problemen wie der Einstellung eines entgleisten Diabetes, sondern auch der möglichst langfristigen Erhaltung dieses Zustands. Dies konnte etwa im Falle des Diabetes die Umstellung auf eine orale Therapie bedeuten oder die Organisation einer Betreuung, die die Medikamente täglich stellte und auf deren korrekte Einnahme achtete. Dieser nicht-medizinische bzw. über das rein medizinische hinausgehende Teil der geriatrischen Behandlung hat mir sehr gefallen und ich hoffe, dieses Denken und Handeln auch in Zukunft in anderen Fachbereichen anwenden zu können.

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MEDI-LEARN Zeitung 01/2006  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

MEDI-LEARN Zeitung 01/2006  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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