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Famulatur und PJ bei den Kängurus

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Wie es ist, am anderen Ende der Welt zu famulieren und in eine völlig andere Welt einzutauchen, erfahrt ihr in unserem Australien Special. Susanne Jackowski und Ulrike Lother geben praktische Tipps zum Thema Bewerbung, Sightseeing und Reiseplanung. Mehr dazu auf Seite 6 und 7

ZEITUNG

Ausgabe 01/06 ∙ Januar 2006 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de ∙ ISSN 1860-8590 ∙ 1,90 €

Lernen mit Köpfchen

Erasmus-Studium in Paris

Blick hinter die Kulissen

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Die neue MEDI-LEARN Skriptenreihe kommt 2006 in alle Buchläden. Einen kleinen Vorgeschmack mit Tipps zum Examen erhaltet ihr in einem Probekapitel aus dem Band „Lernstrategien“.

N

ach einer tollen achtwöchigen Famulatur in Kanada war mir sofort klar, dass ich auch einen Teil des Praktischen Jahres dazu nutzen wollte, in einem englischsprachigen Land das Gesundheitssystem, die Arbeit im Krankenhaus und natürlich Land und Leute kennen zu lernen sowie Englisch als derzeit wichtigste Fachsprache in der Medizin zu üben. Ich wählte das Chirurgie-Tertial für mei-

nen Auslandsaufenthalt, da ich nicht Chirurgin werden möchte und sowohl Innere als auch mein Wahlfach Pädiatrie, die beiden der-

Studieren in der Stadt der Liebe – für Marie-Luise Matzel wurde der Traum vom Medizinstudium in Paris wahr. Ein spannender Bericht über den Alltag zwischen Champs-Elysées und Sacré Coeur.

Wie entsteht die Zeitschrift Via medici und welche Personen stecken dahinter? Ein Blick hinter die Kulissen verrät, wie viel redaktionelle Arbeit und Kreativität in einer Ausgabe stecken.

Operieren im „theatre“ Chirurgie in Sydney und auf Tasmanien von Ulrike Lother zeitigen Alternativen für meine spätere Spezialisierung, gern in Deutschland absolvieren wollte. Zunächst bewarb ich mich bei fast jeder Uni in Großbritannien und Irland, erhielt aber entweder gar keine Antworten oder nur Absagen, meist begründet mit zu geringen Kapazitäten und zu vielen ausländischen Bewerbern. Aufgrund positiver Erfahrungen von Freunden, die zum PJ oder einer Famulatur in Australien gewesen sind, beschloss ich dann, auch E-Mails an Universitäten am anderen, sonnigen Ende der Welt zu schicken.

Lange Vorlaufzeit

Fast eineinhalb Jahre vor Beginn des Tertials, das ich in Australien verbringen wollte, schrieb ich zunächst formlose EMails an die „electives coordinators“ der Universitäten von Melbourne und Hobart und des Royal Prince Alfred Hospitals der University of Sydney. Ihre Adressen habe ich von einem Freund bekommen bzw. auf der Homepage der Unis gefunden. Daraufhin erhielt ich die offiziellen Bewerbungsformulare. Diese beinhalteten unter anderem ein Gesundheitszeugnis über den derzeitigen Impfstatus inklusive negativem

HIV-Test und dem aktuellen Hepatitis B-Titer. Die Untersuchungen konnte ich unkompliziert und kostenlos bei unserer Betriebsärztin erledigen. Außerdem wurde ein „letter of recommendation“ vom Dekan der Heimatuni verlangt, vom Krankenhaus in Sydney auch ein „letter of motivation“. Sehr schnell erhielt ich aus Hobart die Zusage für 16 Wochen Allgemeinchirurgie und später, ein gutes halbes Jahr vor Beginn des Praktikums, auch Zusagen aus Melbourne und Sydney für jeweils acht Wochen. In Melbourne wurde mir nur Orthopedic Surgery angeboten, was mein Prüfungsamt nicht als ChirurgieTertial anerkennt, sodass ich diesen Platz leider absagen musste. Ich entschied mich, das Tertial zu teilen (was in Mecklenburg-Vorpommern ohne weiteres möglich ist) und jeweils acht Wochen in der Cardiothoracic Surgery in Sydney und acht Wochen in der General Surgery in Hobart zu verbringen. Die Gebühren, die ich dafür zahlen musste, betrugen 660$ in Sydney und insgesamt 2.200$ in Hobart.

Visum nötig oder nicht?

Für alle Praktika, die kürzer sind als drei Monate, reisen die meisten deutschen PJler und Famulanten mit einem normalen Touristenvisum nach Australien. Da mein Tertial allerdings die

Dauer dieses Visums überschritt, musste ich ein „occupational trainee visa“ (subclass 442) beantragen. Genaue Informationen dazu findet man unter: www.australian-embassy.de. Das Visum selbst kostet zurzeit ungefähr 100 Euro, die dafür nötige Untersuchung durch einen von der Australischen Botschaft bestimmten Arzt 140 Euro. Außerdem braucht man eine „nomination“ (Formular 913) von der jeweiligen australischen Universität, die bescheinigt, dass man dort wirklich ein Praktikum machen wird. Da in Hobart häufig PJler ein komplettes Tertial absolvieren, war Mrs. Patterson, die sich dort um die „elective students“ kümmert, daran gewöhnt, diese Formulare zu verschicken, so dass alles sehr schnell ging. Mrs. Varol in Sydney musste ich erst in einigen E-Mails überzeugen, habe letztendlich aber auch von ihr meine „nomination“ erhalten.

A Lonely Planet

An Versicherungen habe ich eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen, die man als PJler zu günstigen Preisen bekommen kann. Der Hin- und Rückflug waren bei unserem Studentenreisebüro günstiger als das billigste Angebot, dass ich zu dem Zeitpunkt im Internet gefunden habe, und haben mich rund 1.100 Euro gekostet.

Welcome to MediZity Online-Medizinstadt für Kinder

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Informationen für Kinder und Eltern

„Wir möchten vor allem kranke, aber auch gesunde Kinder zwischen acht und 14 Jahren erreichen“, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin Renate Sedlak,

Inhalt Angst vor dem Physikum Wer kennt sie nicht: die Angst vor dem Examen? Juliane Nielsen schildert Prüfungsängste und ihren Umgang damit. S. 03

News

SimBaby trainiert! Kenntnisse über den erwachsenen Körper lassen sich nicht einfach auf Säuglinge übertragen. Ein Baby-Simulator ermöglicht ein Üben am Modell. S. 03

Klinik

Gruezi! Geriatrie ist Behandlung über das rein Medizinische hinaus. Dies ist eine der Erfahrungen, die Gerd Fabian Volk während seines PJ in der Schweiz machte. S. 04

Urlaub oder Arbeit? Ein eigenes Heim mitten in Windsor, eine Klinik, die eher ein Wellness-Hotel ist: Anja Edelmann hatte es mit ihrem Pflegepraktikum wirklich gut getroffen. S. 10

Geschmökert

von Renate Sedlak enn Kinder krank werden und in der Klinik behandelt werden müssen, brauchen sie viel Hilfe, denn alles ist neu, vieles undurchschaubar und oft bedrohlich. www.medizity.de, die virtuelle Medizinstadt im Internet, macht sie spielerisch mit ihrer neuen Umgebung vertraut, vermittelt kindgerecht wichtige Information und hilft Ängste abzubauen. „MediZity“ ist ein Projekt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg, das in der Abteilung für Onkologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Dr. Andreas Kulozik) gemeinsam mit der Hochschule für Medien, Stuttgart, entwickelt worden ist. Die Einrichtung von Medizity war nur möglich durch die Unterstützung der Klaus Tschira Stiftung GmbH, Heidelberg.

In Vorbereitung meiner Zeit in Australien habe ich mir außerdem den „Lonely Planet Australia“ gekauft, bin allen Leuten, die ich kannte und die schon mal dort gewesen sind, auf die Nerven gegangen und habe einige schicke Hosen und Blusen sowie das Buch „Medical English“ vom Thieme-Verlag für die Arbeit im Krankenhaus eingepackt. Dieses Buch, vor allem das kleine Heft mit den Bedeutungen vieler Abkürzungen, hat mir damals in Kanada sehr geholfen, in Australien habe ich es dagegen gar nicht benutzt. Das lag zum Teil daran, dass ich wenig Stationsarbeit zu tun hatte und kaum „notes“ schreiben musste, zum anderen waren viele Abkürzungen aber auch ganz anders und nicht in dem Heftchen enthalten. Fortsetzung auf Seite 7

Kritisch beleuchtet die das Projekt initiiert hat und leitet. Ebenso können Eltern die kindgerecht aufbereiteten Informationen nutzen, um ihre kranken Kinder auf Untersuchungen und Eingriffe vorzubereiten. Für Lehrer ist MediZity eine Quelle, mit deren Hilfe sie ihren Unterrichtsstoff auffrischen können. Letztlich lädt das Portal alle zum Besuch ein, die nach verständlicher Information über medizinische Themen suchen. Die Medizinstadt, die in den nächsten Jahren noch wachsen soll, bietet ihren Besuchern schon jetzt ein stattliches Angebot. Ein Wegweiser führt zum Rundgang in der Kinderklinik, ein zweiter in die Praxis des Kinderarztes. Was passiert in einem Krankenhaus hinter den Kulissen? Welche Berufsgruppen gibt es hier? Welche Erkrankungen werden behandelt? Stethoskop, Spritze, Port, Katheter: Wozu werden diese medizinischen Geräte benutzt? Was geschieht bei einer Operation? Tut das weh? Was kann man gegen Schmerzen tun? Auf der Startseite der MediZity locken Bibliothek, Internetcafé, Spielplatz und

ein Fitnessstudio. Dort lädt auch das Quiz „Wie viel weiß ich über meinen Körper?“ ein. Im Internetcafé kann man sich seine E-MailAdresse abholen und mit anderen unterhalten. In der Bibliothek findet man die neusten Highlights aus der Medizin und Wissenswertes wie: Warum sind Zwillinge gleich oder woraus besteht mein Blut?

„Loib“ lässt sich gerne ausfragen

Den jüngeren Besuchern hilft die Spielfigur „Loib“, denn er weiß immer eine Antwort, auch wenn man ihm ein Loch in den Bauch fragt. Loib wurde zusammen mit Prof. Frank Thissen von der Hochschule für Medien Stuttgart entwickelt. Für die Größeren gibt es die aktuellen Kindernachrichten aus der Medizin, eine komfortable Suchfunktion, die dazulernt, wenn Suchbegriffe noch nicht in der Da-

In unserer Rezensions-Reihe haben drei Studenten dieses Mal Lehrbücher zur Orthopädie unter die Lupe genommen. S. 08

Service

Ausland, Bewerbung, Facharzt

tenbank sind, hinzu kommen jede Menge spannende Informationen und weiterführende Links. Dass in der MediZity überall ein buntes und bewegtes Treiben herrscht, ist vor allem dem Medieninformatiker Rico Cofani zu verdanken. Zur graphischen Untermalung hat der Fotograf Joan van Hout Fotos aus seiner Reihe „Medi-Art“ zur Verfügung gestellt. „MediZity lädt alle Kinder zum Mitbauen ein“, sagt Renate Sedlak. Sie sollen dort künftig über ihre eigenen Erfahrungen berichten. Schulklassen haben die Möglichkeit, ihre eigenen Projekte aus der Gesundheitserziehung anderen Besuchern zu präsentieren. www.medizity.de

Rund 100 Tage ist der Sponsored Room der Deutschen Ärzte Finanz online und bietet Service und Informationen nicht nur zu den Themen Ausland, Bewerbung und Weiterbildung. S. 11

Im Gespräch

PJ-Vergütung und Examen Boris Bodelle ist neuer Vorsitzender der Medizinstudenten im Hartmannbund und stellte sich unseren Interviewfragen: eigentlich hatte er Physik oder Jura studieren wollen, bevor er sich dann für ein Medizinstudium entschied. S. 05

Schreibwettbewerb

Reise nach Prag zu gewinnen! Wer schreibt, gewinnt: nicht nur Bücher, sondern vielleicht sogar eine Reise in das Herz Europas nach Prag. S. 2/3


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Januar 2006

www.medi-learn.de

Surftipps

Schreibwettbewerb Reise nach Prag zu gewinnen! Der eine famuliert in Indien, der nächste absolviert sein PJ im Lehrkrankenhaus um die Ecke. Wieder ein anderer hilft mit seinen Erfahrungen medizinischer Art nachfolgenden Generationen von Studenten, sich Gedanken über mögliche Aktivitäten zu machen und inspirieren zu lassen. Und einige schaffen es sogar, eine medizinische Begebenheit zum Anlass zu nehmen und in Erzählform derart spannend und fesselnd zu schreiben, dass man die Story in einem Zug liest. Eines ist allen gemeinsam: die Lust daran, Gedanken und Erfahrungen zu Papier zu bringen. Artikel schreiben soll sich lohnen und hat sich bei MEDI-LEARN immer gelohnt: jeder Artikelschreiber, der einen Erfahrungsbericht anfertigt, den wir auf den Webseiten oder in den Printmedien von MEDI-LEARN veröffentlichen, wird wie bisher mit einem wertvollen medizinischen Lehrbuch als Prämie versehen. Damit sich eure Mühen noch mehr lohnen, werden wir den besten, interessantesten, spannendsten Artikel zusätzlich mit dem Hauptpreis einer Reise nach Prag im Wert von 300 € prämieren. Schreiben möcht´ ich schon, aber... Die Angst vor dem weissen Blatt Nun mag mancher denken: ist ja eine schöne Themenpalette, ich habe auch so eine ungefähre Ahnung, was ich schreiben könnte, aber sobald ich loslegen möchte, bleibt das Blatt Papier jungfräulich weiss und irgendwie will der Motor der Gedankenkette nicht anspringen. Dieses Problem ist normal. Hier helfen z.B. das altbewährte Brainstorming (Gedanken schweifen lassen und alles notieren, was einem zum Thema einfällt, anschliessend die Gedanken und Erlebnisse gliedern und in eine logische Reihenfolge bringen) oder auch die verwandte Methode des Clusterns. Diese und weitere Starthilfen findet ihr im Internet bei MEDI-LEARN unter: www.medi-learn.de/schreibtipps Artikel fertig: der letzte Feinschliff Der eine hat´s von Natur aus im Blut, der andere muss etwas nachhelfen: die Rede ist vom Stil des Schreibens, über den man ebensoviel wie über Politik und Religion oder auch Lieblingsfarben streiten kann. Denn Geschmäcker sind verschieden, die Welt ist weder schwarz noch weiss, sondern bunt und das in den verschiedensten Tönen. Doch es gibt ein paar altbewährte Regeln, mit denen man den ein oder anderen sprichwörtlich störenden Flecken aus dem ersten Entwurf des Artikels im folgenden Feinwaschgang auswäscht. Von der Regel, vieles aktiv und in Handlung auszudrücken, über den Grundsatz, nicht mehr als einen Gedanken pro Satz zu behandeln bis hin zu dem Tipp, dass ein interessanter Artikel Dinge zum Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen und durch Handlung sichtbare Personen bieten könnte, seien hier nur einige Beispiele genannt. Wer sich dafür interessiert, wie man den Text „poliert“, findet Tipps dazu ebenfalls unter: www.medi-learn.de/schreibtipps Fortsetzung in der rechten Kolumnenspalte auf Seite 3.

Lernen mit Köpfchen

Probekapitel aus dem neuen MEDI-LEARN Buch „Lernstrategien“ von MEDI-LEARN

„I

ch weiß, dass ich nichts weiß…“ Dieses resignierende Fazit ist häufig die magere Ausbeute einer wochenlangen, nervenaufreibenden Prüfungsvorbereitung. Nebulöse Vorstellungen vom richtigen Weg zum Prüfungserfolg erzeugen Unsicherheit und Zweifel über das Was, Wann und Wie des Lernens, und nicht selten werden lernstrategische Entscheidungen willkürlich, ja geradezu wahllos getroffen, frei nach dem Motto: „Vorwärts und nicht(s) vergessen…“ So lässt man sich treiben – von Fach zu Fach, von Thema zu Thema, bis der herangerückte Prüfungstermin diesem Geschehen ein jähes Ende bereitet. Was am Ende bleibt, ist der sprichwörtliche Mut zur Lücke, der sich in der Prüfung leider rasch verflüchtigt, während die Lücke in unschöner Deutlichkeit bleibt. Trotz dieses Szenarios ist die Lage keineswegs hoffnungslos, denn: Man muss kein Überflieger sein, um sich eine realistische Bestehenschance zu erarbeiten. Eine sinnvolle Stoffauswahl, eine individuell angemessene Lern- und Zeitplanung sowie das Beherzigen lernpsychologischer Erkenntnisse sind eine sichere Basis für den angepeilten Erfolg.

Aspekt der thematischen Relevanz analysiert haben. Herausgekommen ist die verblüffende Erkenntnis, dass sich die Prüfungsinhalte kaum verändern. Damit sind nicht etwa die Altfragen gemeint, also Fragen aus vergangenen Examina, die in unverändertem Wortlaut erneut gestellt werden. Der Anteil an Altfragen pro Examen ist nämlich eher gering. Neue Prüfungsfragen werden jedoch meist aus den Inhalten von Altfragen kreiert, d.h., sie werden umformuliert und mit neuen Distraktoren (Falschantworten) verse-

Erscheinungstermin

Januar 2006

Titel: Lernstrategien Autoren: B. Müller, V. Lippek Verlag: MEDI-LEARN Verlag ISBN: 3-938802-01-4 Format: 17 x 23,8 cm Preis: 9,95 €

Richtige Stoffauswahl

Angesichts der enormen Stofffülle können logischerweise nicht 100% eines Prüfungsfachs gelernt werden. Um Aufwand und Nutzen in ein sinnvolles Verhältnis zu stellen, empfiehlt es sich daher, zunächst den relevanten Prüfungsstoff zu isolieren. Dazu durchforstet man die Themen der vergangenen 5–10 Examina unter dem Aspekt der Prüfungsrelevanz. MERKE: Nur was gefragt wird, wird gelernt. Während einige Themen die Studenten regelmäßig und in hoher Fragenzahl beglücken, gibt es daneben auch exotische Findlinge, die nur gelegentlich geprüft werden. Diese Tatsache muss sich auch bei der Stoffgewichtung niederschlagen. Häufig Gefragtes sollte anteilig sehr viel ausführlicher behandelt werden als weniger gefragte Randgebiete.

Scannen

Dieser Begriff, der den Freunden des Raumschiff Enterprise nur allzu geläufig sein dürfte, bezeichnet ein überaus effektives Verfahren, um aus der Unzahl von Fachinformationen das erforderliche Prüfungswissen herauszufiltern. Man nehme eine thematisch schon vorsortierte Fragensammlung (Schwarze Reihe) und markiere mit einem Textmarker zunächst das Stichwort, um das es in der Frage geht. Ausgehend von der angegebenen Lösung markiert man anschließend sämtliche Richtigaussagen: Bei „Trifft-zu-Fragen“ markiert man also die eine richtige Aussage, bei „Trifft-nichtzu-Fragen“ werden die vier richtigen Aussagen gekennzeichnet. Das Ergebnis ist eine genaue und hochgradig prüfungsrelevante Stoffsammlung und – vor allem – Stoffreduzierung, denn ihr werdet feststellen, dass zu bestimmten Stichworten immer wieder dasselbe gefragt wird. Für die Leser der vorliegenden Skriptenreihe haben die jeweiligen Autoren diesen Arbeitsschritt bereits erledigt, indem sie die vergangenen Examina unter dem

Randbereiche des medizinischen Wissens reichen. Bei genauerer Betrachtung werden sie jedoch NICHT für die Lösung der Aufgabe vorausgesetzt. Folgt man den Erfahrungsberichten (leid-)geprüfter KommilitonInnen oder erinnert man sich an eigene Prüfungen, gewinnt man zwangsläufig den Eindruck, der überwiegende Anteil der Fragen sei spitzfindig, hochkompliziert und einfach unfair! Zeigarnik sei Dank entpuppen sich jedoch solche Wahrnehmungen meist als Zerrbild der Realität.

Mehr Infos und Bestellmöglichkeit: www.medi-learn.de/skripte

hen. Daher existiert ein recht hoher Anteil an Altfakten, die sich in rund 80-90% der Examensfragen wiederfinden. Die genaue Analyse der Examina Herbst 2002 bis Frühjahr 2004 ergab z.B. für das Fach Psychologie, dass pro Prüfungstermin durchschnittlich nur 6 neue Inhalte abgeprüft werden. Das sind mit 6 von 60 Fragen gerade mal 10 Prozent. Die übrigen 54 Fragen enthielten Inhalte, die in ähnlicher Form bereits in vergangenen Examina geprüft wurden. Leider lassen sich die Inhalte der jeweils zu 10% neuen Prüfungsthemen kaum vorhersagen. Daher ist es sinnvoll, sich beim Lernen auf die kalkulierbaren 90% zu konzentrieren. Für andere Fächer gelten ähnliche Verhältnisse. Ü b r i g e n s ... Sollte kurz vor der Prüfung noch Zeit übrig sein, kann man diese – gewissermaßen als Kür – zur Lektüre aktueller in der Tagespresse diskutierter Themen nutzen.

Schriftliches & mündliches Prüfungswissen

Viele Studenten bemängeln, dass das erforderliche Wissen für die schriftliche und mündliche Prüfung nicht oder nur wenig übereinstimmt und somit doppelt gelernt werden muss. Aus unserer Sicht trifft dies allerdings nicht ganz zu. Unsere jahrelange Fragenanalyse mündet in das unpopuläre Fazit, dass ein großer Teil dessen, was das IMPP fragt, gleichzeitig auch für das mündliche Prüfungsgespräch geeignet ist. Ein kleinerer Teil der Fragen ist knifflig und ein ganz geringer Teil auch strittig, weil Aufgaben entweder zweideutig formuliert sind oder auf Inhalte abzielen, die erst in einem späteren Studienabschnitt gelehrt werden. Es ist unstrittig, dass in den Fragen des schriftlichen Examens Begriffe verwendet werden, die tatsächlich bis in die

Übrigens ... Der in der Psychologie bekannte Zeigarnik-Effekt beschreibt die Tatsache, dass wir unerledigte Dinge besonders gut und lange behalten. Demzufolge behalten wir diejenigen Prüfungsfragen am besten, die wir NICHT beantworten konnten und überliefern sie in nicht gerade ermutigenden Erfahrungsberichten der Nachwelt. Dass ein ungebührlicher Schwierigkeitsgrad der gestellten Fragen ursächlich für unser Nicht-Wissen war, ist dabei eine zur Aufrechterhaltung unseres Selbstbewusstseins notwendige Annahme. Entgegen solcher „Frontberichte“ fällt jedoch sicher niemand durch, nur weil er bei exotischen Themen oder spitzfindigen Fragestellungen passen muss. Betrachtet man nämlich den Wissensschatz, der ausreicht, um das schriftliche Examen sicher zu bestehen, so umfasst dieser in erster Linie Grundlagen und die Kenntnis großer Zusammenhänge, wie sie auch in mündlichen Prüfungen immer wieder gefragt werden. Trotz dieser Tatsachen wird insbesondere in Bezug auf das Prüfungsgespräch immer wieder eine hemmungslose Prüferwillkür beklagt, der selbst gut vorbereitete Kandidaten zum Opfer fallen. Doch die Tatsache, dass die mündlichen Prüfungen bundesweit um etwa eine Note besser bewertet werden als die schriftlichen, lässt die Wahrscheinlichkeit, von einem besonders harten Prüfer rausgeprüft zu werden, doch eher gering erscheinen.

Individuelle Zeitplanung

In kaum einem anderen Bereich der Prüfungsvorbereitung gibt es derart viele unterschiedliche Auffassungen. Ob genial-chaotisches Laisser-faire oder das Arbeiten nach festen Größen wie Aufnahmefähigkeit und Biorhythmus: Individualität als Lernprinzip verheißt nur dann Erfolg, wenn sie Teil eines durchdachten Systems ist.

Wer das Etappenziel der prüfungsrelevanten Stoffauswahl und –eingrenzung erreicht hat, sollte sich daher der Erstellung eines geeigneten Zeitplans widmen. Dabei sollten die individuelle Zeitkapazität und tatsächliche Lernleistung ebenso Berücksichtigung finden wie die Gewichtung der vorgesehenen Arbeitszeit nach Prüfungsschwerpunkten.

Grobplanung

Für die grobe Zeitplanung eignet sich ein Kalender, auf dem als Eckdaten zunächst das Datum des Lernbeginns und der Examenstermin eingetragen werden. Um realistisch zu bleiben, werden im nächsten Schritt sämtliche Tage, an denen man nicht lernen kann oder will, gestrichen. Dabei sind Job- und Semesterverpflichtungen eine ebenso abzugsfähige Größe wie der Geburtstag von Tante Berta oder der erfahrungsgemäß verkaterte Tag nach der Party beim besten Kumpel. Ein schlechtes Gewissen ist dabei völlig deplatziert, denn: Bei einer langfristig angelegten Prüfungsvorbereitung sind Pausen als Energiequelle und Zwischenmotivation unerlässlich und – so unglaublich das klingen mag – leistungssteigernd. Die Erfahrung zeigt, dass ein Plan ohne vorgesehene Pausen so gut wie nie eingehalten wird. Früher oder später nimmt sich jeder seine unvermeidbare Auszeit, deren Erholungswert wegen des prompt einsetzenden schlechten Gewissens jedoch gegen Null tendiert. Sollte allerdings unvorhergesehenerweise geplante Lernzeit entfallen, muss neu disponiert werden. Je nach Wichtigkeit des betroffenen Themas, kann dieses auf die noch verbleibende Lernzeit verteilt oder – bei nur geringem Fragenanteil in der Prüfung – einfach gestrichen werden. Achtung: Dieses Vorgehen sollte nur die Ausnahme sein! Übrigens ... Wer unsere Ausführungen zur individuellen Zeitplanung überzeugend findet, jedoch den damit verbundenen Aufwand scheut, sei auf unseren interaktiven Lernplaner hingewiesen: www.medi-learn.de/planer.

Planung des Tagesablaufs

Um dem stets lauernden Schlendrian keine Chance zu geben, sollten bei der Planung des Tagesablaufs feste Zeiten eingerichtet werden. Als realistischer Richtwert für ein konzentriertes Arbeiten kann eine Zeit von ca. 6-8 Stunden täglich angenommen werden. Wichtig ist dabei, dass ausreichend Pausen eingeplant werden. Etwa stündlich sollte man sich einen Break von 10 Minuten gönnen – länger ist nicht nötig, da der Erholungswert zu Pausenbeginn am größten ist. Nach ca. 3 Stunden Lernzeit brauchen Körper und Geist dann eine längere Pause zum Regenerieren. Bei der Verteilung der einzelnen Lerntätigkeiten auf die tägliche Arbeitszeit sollten physiologische Einschränkungen unbedingt berücksichtigt werden: • Maximal 3-4 Stunden täglich können mit Lernen, d.h. der Aufnahme neuer Informationen verbracht werden, da diese Tätigkeit ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Entsprechend sollte das Lernen in leistungsstarken Phasen (in der Regel am Vormittag und am späten Nachmittag) erfolgen. • Die übrige Zeit sollte für Lerntätigkeiten verwandt werden, die weniger beanspruchend sind, wie z.B. Fragenkreuzen. • In den Abendstunden kann Zeit zum Üben für die mündliche Prüfung eingeplant werden, wobei z.B. der Lernstoff des Vormittags vortragsweise (lautes Selbstgespräch oder Prüfungsgruppe) rekapituliert wird.


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Panische Angst vor dem Physikum… …und wie ich es trotzdem geschafft habe von Juliane Nielsen

„V

iele hören auf, bleiben einfach weg und melden sich zum nächsten Semester nicht zurück“, antwortete eine Mitarbeiterin des Studiendekanats meinem Vater auf seine Frage hin, welche Erfahrungen das Dekanat mit Prüfungsängsten der Studierenden hat, „aber ich kann ihnen gerne ein paar Anlaufstellen für ihre Tochter nennen, wenn Sie sich eventuell Hilfe holen möchten.“ Dramatische Momente. Dabei hatte ich mich nach der Schule erst einmal sehr auf das Studium gefreut. Eine eigene Wohnung, neue Leute und weg von den Eltern. Doch an der Uni wehte ein anderer Wind: Die Professoren machten Druck, es wurden viele Testate und Prüfungen geschrieben und die Stimmung unter den Studenten war sehr wenig Mut machend. Ständig wurde man gefragt, wie weit man denn mit dem Lernen sei und ich bekam Angst, wenn andere erzählten, dass sie schon viel weiter seien als ich. Es kam mir vor, als seien viele um mich herum viel schlauer und schneller im Lernen. Ich bekam Panik, wenn ich an die bevorstehenden Klausuren dachte. Habe ich genug gelernt? Kann ich zu jedem Thema etwas sagen? Reicht es?

ICH HATTE ANGST. JEDEN TAG, JEDE MINUTE Doch das alles ging nicht nur mir, sondern allen so. Allein: Keiner von uns gab seine Sorgen zu. Ich hoffte, dass meine Versagensängste nach dem Semester aufhören würden. Dem war nicht so. In den ersten Semesterferien ging es erst so richtig los. Ich hatte Angst. Jeden Tag, jede Minute, einfach immer. Ich lenkte mich mit Fernsehen und anderen Aktivitäten ab, doch auch das half bald nicht mehr. Ich konnte nicht mehr alleine sein und fuhr sogar mit meiner Mutter ins Büro.

In dieser Zeit nahmen meine Eltern die Sache in die Hand. Sie telefonierten mit dem Dekanat, begleiteten mich in die Verhaltensambulanz einer Psychiatrie. Wir waren kurz davor zu entscheiden, dass ich das Studium abbreche. Mein Vater war damals eigentlich der einzig Objektive. Er meinte, ich solle weiter machen, nur so könne ich meine Angst bewältigen. Nun weiß ich, dass das die einzig richtige Entscheidung war! Ich ließ mich auf die Warteliste von Verhaltenspsychologen stellen und ging in der Zwischenzeit zur Beratung zum Studentenwerk.

von Stefan Weller

Kenntnistransfer problematisch

Nur etwa zwei von hundert Operationen mit Narkose werden an kleinen Kindern durchgeführt. Die Erfahrungen von Anäs-

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ICH WURDE ZUM APOTHEKENDAUERBESUCHER

thesisten und Notärzten im Umgang mit Säuglingsnotfällen und -narkosen sind daher häufig gering. Kenntnisse über den erwachsenen Patienten lassen sich nicht einfach auf Säuglinge übertragen: Die kleinen Patienten sind anders proportioniert, Medikamente müssen anders dosiert werden. Zudem neigen Säuglinge zu sehr speziellen Notfällen. „Man kann einem Patienten nicht zumuten, dass an ihm Notfälle geübt werden. Deshalb sind die Simulatoren so wichtig. Jeder approbierte Arzt sollte regelmäßig lebensbedrohliche Fälle an Simulatoren trainieren“, sagt Prof. Dr. Bernhard Graf, Direktor der Abteilung Anaesthesiologie I des Bereichs Humanmedizin Göttingen. Graf hat das 35.000 Euro teure SimBaby an das Universitätsklinikum geholt. Im ZARI Göttingen trainieren Anästhesisten und Studierende schon seit Jahren Zwischen- und Notfälle an interaktiven Puppen. Drei integrierte Erwachsenensimulatoren namens „Eagle“, „SimMan“ und „METI“ hat das Universitätsklinikum Göttingen bereits im Einsatz.

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Apotheken-Dauerbesucher. Baldrian für den Tag und Schlafmittel für die Nacht, „ganz normal bei Prüfungen,“ wie mir die Apothekerin sagte! Doch trotz Ängsten und schlafloser Nächte zwang ich mich jeden Tag, früh aufzustehen. Hätte ich ausgeschlafen, wären die Ängste nur größer geworden, weil ich dann in Verzug gewesen wäre. So entwickelte ich meine Strategien. Zu den Prüfungen kam jeweils meine Mutter immer zu Besuch und wir machten uns vor den Prüfungen einen netten Abend mit DVD und Pizza.

Flucht nach vorne antreten!

Das Studentenwerk war eine große Hilfe. Man kümmerte sich sofort sehr intensiv um mich. Da ich mittlerweile eine Verhaltensstörung entwickelt hatte, begann ich eine Therapie. Ich hatte mir Angst antrainiert und musste sie nun wieder „entlernen“. Ich musste mir immer wieder sagen und sagen lassen, dass meine Ängste von den tatsächlichen Herausforderungen losgelöst seien und nicht real sind. Denn: Eine gute Studentin war Erleichterung bei Juliane – es ist geschafft! ich weiterhin. Zeitweise bekam ich auch Antidepressiva als Unterstüt- Mit meinen Eltern entwickelte ich am zung. Mit Hilfe der Psychologin und vor Telefon ein Konzept. Ich zwang mich, allem meiner Eltern erlernte ich hilfrei- jeden Tag zum Lernen in die Bibliothek che Mechanismen, die ich in Angstsitua- zu fahren, weil ich dort nicht alleine war. tion anwandte und probierte verschiede- Abends rief meine Mutter an das war das ne Strategien aus. Signal, die Bücher aus der Hand zu legen. Mir ging es besser mit der Zeit, weil mir Optimal wäre wahrscheinlich eine Lernklar wurde, dass ein Weglaufen, zum gruppe gewesen, um zu merken, dass es Beispiel nicht zu einer Prüfung zu er- den anderen ähnlich erging. Doch leider scheinen oder gar das Studium abzubre- war kaum einer meiner Freunde zugelaschen, kontraproduktiv war. Ich musste sen worden und ich stand somit ziemlich mich immer wieder zwingen, die Flucht alleine da! Vor lauter Angst bekam ich nach Vorn anzutreten. Schlafstörungen und wurde somit zum

Göttinger Ärzte üben Säuglingsnotfälle ein er bundesweit erste universitäre Kursus für Zwischenfallmanagement in Anästhesie und Notfallmedizin mit einem Baby-Simulator fand Ende November 2005 am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen statt. Zwölf Anästhesisten und Notärzte trainierten an der neuen, interaktiven Baby-Simulationspuppe „SimBaby“ medizinische Notfälle mit Säuglingen. Veranstalter war das Zentrum Anaesthesiologie, Rettungsund Intensivmedizin (ZARI).

Unmittelbar vor dem Physikum wurden die Ängste wieder schlimmer: „5 Wochen noch. Wie soll man das schaffen? Geht doch gar nicht!“ Und es ging doch! Nachdem bei uns in Rostock schon mal 60% der Studenten unseres Jahrganges ausgesiebt wurden, standen wir Übriggebliebenen vor einem riesigen Berg an zu lernendem Stoff. Ich machte mir einen Zeitplan, den ich schon am ersten Tag nicht einhalten konnte. Ich hatte mir einfach viel zu viel vorgenommen. Diese Situation jagte mir eine riesige Angst ein. Ich bekam Panik, dass ich nicht alles perfekt schaffen könnte und war kurz vorm Aufgeben.

Psychologische Betreuung

SimBaby trainiert D

Per Telefon Konzept entwickelt

„SimBaby bereichert unsere Göttinger Simulatorenfamilie. Wir haben einen hohen Ausbildungsbedarf und eine große Nachfrage nach unseren Kursen“, sagt Dr. Christoph Eich vom ZARI. Bis zu sechs zweitägige Simulationskurse pro Jahr für externe Teilnehmer bietet das Göttinger Lehr- und Simulationszentrum bereits an – neben den laufenden Kursen für die über 3.000 Studierenden der Medizin im Bereich Humanmedizin. „Mit seinen Räumlichkeiten, seiner hochwertigen Ausstattung und vor allem seinem professionellen Team besitzt das Uniklinikum Göttingen eines der größten und innovativsten Simulationszentren Deutschlands“, sagt Dr. Eich.

Training im Team schweißt zusammen

Der Ablauf eines simulierten Szenarios kann etwa so aussehen: Das Team wird zu einem Notfall gerufen. Ein Säugling bekommt schlecht Luft. Eine Trainerin spielt die völlig verzweifelte Mutter. Das Baby wimmert. Jetzt heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Über einen Computer steuert ein zweiter Trainer die Körperfunktionen und die Reaktionen des Babys auf die Maßnahmen des Teams. Der Teamleiter muss jetzt rasch handeln und klare Anweisungen geben.

Im Endeffekt verlief das Physikum super. Die Prüfungen waren machbar und auch meine „unfairen, gemeinen und strengen“ Prüfer entpuppten sich als nette Menschen, die uns ängstlichen Studenten, so kurz vorm Ziel, auch keine Steine mehr in den Weg legen wollten! Die mündliche Prüfung war sogar die leichteste Prüfung meines bisherigen Studiums. Ich kann denjenigen, die auch sehr mit Ängsten zu kämpfen haben, nur raten: Tretet die Flucht nach vorne an und scheut nicht davor, euch helfen zu lassen. Auch ärztlichen oder psychologischen Beistand zu erfragen, ist vollkommen legitim. Die Physikumszeit ist nun mal eine Ausnahmesituation, für die alle vollstes Verständnis haben. Man muss sich einfach damit abfinden, dass man nicht alles perfekt schaffen kann. Und: Nicht einmal für eine Eins muss man alles beantworten können. Ich wünsche euch für eure Prüfungen viel Glück. Kopf hoch, der Spruch „es ist alles halb so schlimm“ – er stimmt in diesem Fall!

Wir verlosen vom Buch „Lernstrategien“ (MEDI-LEARN) unter allen Teilnehmern fünf Exemplare – einfach deinen Namen eintragen und schon bist du dabei:

Das SimBaby verfügt über anatomische und klinische Funktionalitätsmerkmale

Das gesamte Szenario wird gefilmt und aufgezeichnet. Auf dem Computer sind der Zustand des Kindes und die Erfolge der medizinischen Eingriffe gespeichert. Im Anschluss an das Szenario folgt die ausführliche Nachbesprechung: Was ist gut gelaufen, was hätte besser sein können? Hätte eine Kollegin die Mutter beruhigen sollen? Wurde das Kind richtig behandelt? „Wir kombinieren die medizinische Simulation bewusst mit Rollenspielen, um die Authentizität zu fördern. Zusätzlich bauen wir belastende Störfaktoren ein. Der Simulator steht dann nicht mehr alleine im Mittelpunkt“, sagt Dr. Eich. „Das Training im Team schweißt dieses zusammen und schafft Vertrauen untereinander.“ Weitere Informationen unter: www.med.uni-goettingen.de

Surftipps

Schreibwettbewerb Reise nach Prag zu gewinnen! Fortsetzung von Seite 2

Soweit zum Thema Stil, doch hier gilt es eher locker und pragmatisch vorzugehen und - ganz wichtig: sich nicht von der Fülle möglicher Stiltipps verwirren lassen oder die Sache zu ernst nehmen: immer zunächst schreiben, wie einem der „Schnabel“ gewachsen ist und dann anschliessend mit der ein oder anderen Überarbeitung den Text „polieren“. Laut lesen hilft ebenfalls, holprige Textstellen zu erkennen und auszubügeln. Ein Lehrbuch schon mal sicher Was gibt es weiterhin zu gewinnen? Bislang wurden und in Zukunft werden alle Artikelschreiber von uns für ihre Mühen mit einer Lehrbuchprämie „entschädigt“. Für den Schreibwettbewerb haben wir aber noch ein paar Ellenlängen tiefer in die Preiskiste gegriffen und möchten euch mit einem ganz besonderen Hauptpreis die Teilnahme schmackhaft machen. Lange Rede kurzer Sinn: beim Schreibwettbewerb von MEDILEARN gibt es eine Reise für zwei Personen im Wert von 300 € mit Rainbow-Tours nach Prag zu gewinnen. Das sollte Ansporn genug sein, den Griffel zu spitzen, zum Blatt zu greifen und sich dem Artikelschreiben zu widmen - oder? Und für den Fall, dass es nicht der Hauptpreis sein sollte, ist ein medizinisches Lehrbuch als Dankeschön für jeden Artikelschreiber natürlich sicher. Gleich ob Reise oder Lehrbuch: zwei triftige Gründe, beim Schreibwettbewerb mitzumachen und es einfach mal zu versuchen. Und ab dafür... Wo kann ich meinen Artikel abliefern? Du kannst deinen Artikel einfach als MS WORD-Dokument oder als EMail mit der Betreffzeile „Schreibwettbewerb“ an die E-Mailadresse artikel@medi-learn.de schicken. Gib bitte direkt beim Einsenden auch deine Postanschrift an, damit wir gleich für den Fall eines Gewinnes und für den Versand der Lehrbuchprämie deine Kontaktdaten erhalten. Wenn du über digitales Bildmaterial verfügst, kannst du die Dateien ebenfalls per E-Mail an uns schicken (bitte separat im Anhang und nicht in das MS Word-Dokument integriert). Alle Unklarheiten beseitigt? Falls nicht - du kannst dich natürlich jederzeit gerne mit deinen Fragen zum Schreibwettbewerb per E-Mail an unsere Redaktion unter der Adresse artikel@medi-learn.de wenden. Alles auf einen Blick: Infoseite zum Wettbewerb Mehr Informationen zum Schreibwettbewerb, eine Liste mit hilfreichen Schreibtipps und Hinweisen zum Thema haben wir im Internet auf einer speziellen Webseite rund um diesen Schreibwettbewerb zusammengefasst: www.medi-learn.de/schreiben2006 MEDI-LEARN freut sich auf eure zahlreichen Einsendungen und ist schon jetzt gespannt auf eure Artikel!


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Januar 2006

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kurz notiert

Lernstudio in Greifswald

Nach Berlin, Göttingen und anderen Unis steht nun auch den Greifswalder Medizinstudenten ein aus sechs Übungsräumen bestehendes Lernstudio zur Verfügung. Es eröffnet den Studierenden neue Lernmethoden, ihre Kenntnisse zu vertiefen und ärztliche Fertigkeiten zu schulen. Im Skills-Lab können unter realitätsnahen Gegebenheiten an verschiedenen medizinischen Übungsmodellen (u.a. fünf lebensechte Dummys), mit modernster Multimedia-Technik und Lern- und Lehrmaterialien zuvor erworbene theoretische und praktische Kenntnisse im Selbststudium vertieft werden. Zusätzlich bietet die Ausstattung im Skills-Lab die Möglichkeit, verschiedene Seminare und Kurse des klinischen Studienabschnittes zu gestalten.

Neurostimulation gegen Schmerzgedächtnis?

Das durch häufige Schmerzattacken entstehende Schmerzgedächtnis mittels elektrischer Neurostimulation zu schwächen oder gar auszulöschen, ist Ziel einer Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jens Ellrich (Universitätsklinikum Aachen). Für ihre Arbeiten wurde die Gruppe jetzt mit dem Europäischen Preis für Schmerzforschung 2005 ausgezeichnet. Im Experiment konnten Ellrich und seine Mitarbeiter bereits zeigen, dass eine elektrische Niederfrequenzstimulation das Schmerzempfinden für Stunden reduziert. Mittels elektrophysiologischer, psychophysischer und bildgebender Methoden soll die schmerzlindernde Wirkung beim Menschen untersucht werden.

Suizidraten bei Ärzten

Ein Beitrag in der Zeitschrift „Psychiatrische Praxis“ beziffert die Suizidraten für Mediziner etwa zwei- bis dreimal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Medizinerinnen setzen im Vergleich mit der weiblichen Allgemeinbevölkerung drei- bis fünfmal häufiger ihrem Leben ein Ende. Risikofaktoren des Arztberufes: Leichter Zugang zu letal wirksamen Medikamenten, depressive Störungen, hohe berufsspezifische und zeitliche Belastungen, ständige Konfrontation mit Leiden oder Tod sowie Versagensängste. Schon im Medizinstudium sollten diese Probleme angesprochen werden – wie es derzeit in Gießen geschieht – um eine emotionale Vorbereitung auf den späteren Berufsalltag zu gewährleisten.

Infektionen auf der Intensivstation

Wenn sich Patienten auf der Intensivstation eine Infektion zuziehen, liegt das seltener als bisher gedacht an Hygienefehlern der Ärzte und des Pflegepersonals. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um den Krankenhaushygieniker Professor Henning Rüden von der Berliner Charité. In Zusammenarbeit mit fünf Intensivstationen wurde der Krankheitsverlauf von fast 1.900 Patienten verfolgt, die länger als zwei Tage auf einer der Stationen verbringen mussten. Aber: Es seien immer noch zu viele, so das Ergebnis der Studie.

Gruezi, spielst du Fußball? Geriatrie-PJ im Spital Bern, Schweiz von Gerd Fabian Volk

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erade, weil ich alle Famulaturen in operativen Fächern gemacht hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen und in den 16 Wochen Innere Medizin im PJ möglichst intensiv konservativ arbeiten. Eine Stelle als Unterassistent in der Schweiz schien dieser Voraussetzung am Nächsten zu kommen. Also Alpine Impressionen aus der Schweiz – Foto: Gerd Fabian Volk suchte ich im Internet die vom LPA in der Vergangenheit noch deutlich mehr. Zum anderen ist das anerkannten Spitäler in der deutschspra- Wohnheim mit sonniger Dachterrasse, chigen Schweiz. Per Mail schrieb ich ca. gut ausgestatteten und sauberen Küchen ein Jahr vor Beginn des PJ einige leiten- und gemütlichem Zimmerinventar fast de Ärzte von Abteilungen an, die mich eine Rundum-Sorglos-Lösung. Wobei interessierten. eigene Teller, Besteck und Töpfe dann doch selbst mitgebracht werden sollten. Ein gutes Gehalt Da viele Schwestern und Ärzte Zimmer Die erste Zusage kam von der Geriatri- im Wohnheim haben, diese aber nur geschen Universitätsklinik am SPITAL legentlich nutzten, war es im Vergleich BERN - ZIEGLER. Ohne allzu genaue zum gemeinen Studentenwohnheim Vorstellungen über die Geriatrie nahm schon fast zu still. ich diese Stelle als Unterassistent an, da Aber nach ein paar Tagen hatte ich einige neben freundlichen Worten gleich in der Schweizer und auch die beiden anderen ersten Mail ein Plan der internen Fortbil- PJler im Haus kennen gelernt. Gemeindungen, ein Angebot für eine günstiges sam wurde nicht nur gegrillt und geWohnheimzimmer (250 Franken) und die kocht, sondern auch an zahlreichen WoAnkündigung eines guten Gehaltes (830 chenenden das Umland erkundet. Dass Franken netto) mitgeschickt wurde. die anderen PJler mit dem eigenen Auto Von einigen anderen Häusern bekam da waren, war dabei von großem Vorteil. ich Absagen: Entweder waren die Stel- Zwar ist die Schweizer Bahn sehr gut len schon belegt oder die Stellen waren ausgebaut und pünktlich, aber ohne ein noch für Schweizer Studenten reserviert. „Halbtax-Abo“ (ähnlich der deutschen Im Anschluss an das Vergabeverfahren BahnCard 50) recht teuer. Da es aber für die Schweizer Studenten könnten in der Anschaffung deutlich billiger als diese Stellen wieder frei werden und unsere BahnCard ist, könnte sich der so wären auch Bewerbungen wenige Kauf bei vier Monten intensiver Nutzung Monate vor dem Wunschtermin Erfolg durchaus rechnen. versprechend gewesen, aber dieses Ge- Für den innerstädtischen Verkehr gibt es duldspiel brauchte ich glücklicherweise mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten nicht zu spielen. Dass dies aber tatsäch- geht man zu Fuß, was aber vom Zieglerlich ein möglicher Weg ist, bewies ein spital bis zum Bahnhof mindestens 20 deutscher Freund, dem es in Bern so gut Minuten dauert. Wenn man die Gelegengefiel, dass er statt der geplanten vier heit hat, ein Fahrrad mit zu nehmen, ist Monate für ein zweites Tertial bleiben dies trotz kleiner Steigungen eine gute wollte. Und wirklich fand er nach einem Alternative. Oder man benutzt das Buspersönlichen Bewerbungsgespräch eine und Straßenbahn-Netz. Da man vor dem Folgestelle für sein letztes Tertial. Einstigen aber schon am Automat an der Haltestelle gezahlt haben muss, sind die Lila Pause-Ausweis Sechser-Karten sehr praktisch. Gar nicht Um Visum und Arbeitserlaubnis küm- erst versuchen sollte man die Fahrt mit merte sich die Personverwaltung. Eini- dem Auto in die Innenstadt. Viele Einge Woche vor Arbeitsbeginn bekam ich bahnstrassen und keine oder nur sehr einen Brief mit der Aufenthaltserlaubnis teure Parkplätze verderben einem jeden und der Bitte, mich vor Arbeitsbeginn bei Spaß dabei. der Ausländerpolizei zu melden. Diese stellte mir meinen Lila Pause-farbenen Schöner als Münster Ausländerausweis aus, den danach aber Die Stadt Bern mit ihrem mittelalterlinie wieder jemand sehen wollte. Als chen Kern, der von drei Seiten von der Willkommensgeschenk gab es noch eine Aare umflossen wird, übertrifft an SchönWochenkarte für den ganzen Verkehrs- heit und Charme übrigens selbst meine verbund dazu. Heimatstadt Münster. Und das, obwohl Münster 2004 bekanntlich den Titel „Lebenswerteste Stadt“ tragen durfte. WOHNHEIM ALS Noch einmal zum eigentlichen Grund RUNDUM-SORGLOS-LÖSUNG meines Aufenthalts in der Schweiz: Der Unterassistentenstelle in der Geriatrie. Telefonisch kümmerte ich mich drei An meinem ersten Arbeitstag meldete Monate vor der Anreise bei der Lie- ich mich, wie vorher abgesprochen, bei genschaftsverwaltung um ein Zimmer der leitenden Oberärztin. Diese begrüßte im Personalwohnheim. Dies würde ich mich freundlich und nahm mich mit zur jedem empfehlen, da zum einen ein Abteilungssitzung, die jeden Montag12qm-Zimmer mit ca. 250 SF für Bern morgen stattfand. In dieser Runde waren sehr preiswert ist. Ähnliche Zimmer kos- außer den Ärzten die Stationsleitungen, teten bereits im Personalwohnheim des die Leiter der Physio-, Logo- und ErgoInselspitals ca. 400 SF und privat meist therapie und die Sozialabeiter anwesend.

Ich wurde im großen Kreis kurz vorgestellt, dann ging es erstmal um Organisatorisches zwischen den Abteilungen, um die Fortschritte einzelner Projekte und um personelle Angelegenheiten. Am Ende berichteten die diensthabenden Ärzte noch über die Ereignisse des vergangenen Wochenendes.

Spielst Du Fußball?

Nach der Besprechung begrüßten mich einige der Ärzte noch mal persönlich. Und dann kam die Frage, die mich ein so verblüfftes Gesicht hat machen lassen, das einer der Assistenzärzte vier Monate später noch darüber lachen musste: „Ich bin Jon Lory, der Klinikleiter. Spielst Du Fußball?“ Dazu muss man wissen, dass ich ohne mir noch präsente Gründe seit frühester Kindheit eine Abneigung gegen Fußball habe. Und diesen Sport bis auf wenige Ausnahmen im Schulsport auch immer vermieden habe. Nun stand ich also vor einem Dilemma: Integrativer Betriebssport jeden Montag in der Mittagspause, bei dem fast alle männlichen Ärzte mitspielten, oder doch lieber Blessuren und Blamagen verzichten?

TROTZ ETLICHER EIGENTORE NICHT BEREUT

Weil ein Auslandsaufenthalt ja vor allem zum Kennenlernen von Neuem dienen soll, entscheid ich mich zu meiner eigenen Überraschung zum Spielen. Und bereue es trotz zweier blauer Zehen, Oberschenkelzerrungen und etlicher Eigentore nicht. Aber keine Angst, auch ohne Fußball bietet die Abteilung viel Integratives: Gemeinsame Frühstücks- und Mittagspausen, auch viele gemeinsame Feiern am Abend, Fortbildungen im kleinen Kreis der Abteilungen oder im großen der Universitätsklinik. Und immer viel Teamgeist und Menschlichkeit im Umgang miteinander und mit den Patienten. Die Geriatrische Universitätsklinik hat sechs Stationen, davon eine Privatstation und zwei Übergangsstationen für Patienten, die keine Indikation für eine Akutbehandlung mehr haben, deren Zustand aber keine Rückkehr nach Hause ermöglicht und die deshalb noch auf einen Platz in einem Alten- oder Pflegeheim warten müssen. Des Weiteren gehört eine Tagesklinik dazu. Damit ist die Geriatrie eine der größten Abteilungen des Spital Berns. Sowohl bei der Patientenbetreuung als auch auf Forschungsebene genießt sie einen hervorragenden Ruf. Die Dienstkleidung besteht übrigens aus einer Schürze statt des in Deutschland üblichen Kittels (also Knöpfe hinten statt vorne) und kann jederzeit frisch aus einem Automaten im Keller bezogen werden. EIN VERLÄNGERTES

WOCHENENDE IST SCHON MAL DRIN

Während der vier Monate arbeitete ich primär gemeinsam mit einer jungen Assistenzärztin auf einer Station, half ihr morgens bei der Visite (sobald ich mich etwas ins Bern-Deutsch reingehört hatte, was zunächst übrigens erstaunlich schwer fällt), nahm Patienten auf, machte Tests und Untersuchungen und durfte später auch den einen oder anderen Tag die Stationsärztin vertreten. Mit den großzügigen Pausen war ich täglich etwa von 8 bis 17 Uhr in der Klinik. Studientage gab es offiziell nicht, aber wenn man freundlich fragte, war schon mal ein verlängertes Wochenende möglich.

Kontinuierliche Patientenbeobachtung

Ich als Student profitierte vor allem von der Möglichkeit, die von mir in aller Ruhe aufgenommenen Patienten, bei denen sich oft die verschiedensten Pathologien fanden, dem geduldigen und erfahrenen Oberarzt vorstellen zu können, der alles wichtige nachuntersuchte, auf Übersehenes hinwies und die Therapieoptionen mit mir diskutierte. Die Geduld des ganzen Teams und der großzügige Zeitrahmen gehören zu den großen Vorteilen der Stelle: Wo sonst hat man die Möglichkeit, seine Patienten so eingehend und kontinuierlich zu beobachten, dass man einen Blaseninfekt an einer plötzlich neu aufgetretenen Verwirrtheit erahnt, oder die verblassende Demenz im Laufe der Re-Hydrierung beobachten kann? Besonders beeindruckend und spannend war es, die Erfolge in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten zu verfolgen. Gerade hier zeigten die interdisziplinären Konzepte der Geriatrie ihre Stärke: Mit einem intensiven Wochenplan aus Ergo- und Physiotherapie, aktivierendem Gemeinschaftsprogramm durch die Pflege und den täglichen ärztlichen Kontrollen gelang es oft, in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten die Patienten wieder „auf die Beine“ zu kriegen. Nach einigen Wochen Behandlung wurden meist die erwachsenen Kinder bzw. Betreuer zu einem Gespräch über den Verlauf der Behandlung und die Zukunftsplanung eingeladen. In diesen Gesprächsrunden, an denen auch ein Sozialarbeiter des Spitals teilnahm, ging es oft um die Frage der Rückkehr nach Hause: Was musste noch verbessert werden, was organisiert werden, um das möglichst selbstständige Leben zu Hause zu ermöglichen? Waren einige Stunden häuslicher Pflege täglich ausreichend oder war der Umzug in eine Wohnung in einem Altenheim unumgänglich? Beim Besichtigen von und gegebenenfalls dem Anmelden in Altenheimen waren die Sozialarbeiter mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihren Kontakten zu den Heimen unersetzlich.

Geriatrie: Behandlung über die Medizin hinaus

So umfasste die geriatrische Behandlung nicht nur das Sanieren von akuten medizinischen Problemen wie der Einstellung eines entgleisten Diabetes, sondern auch der möglichst langfristigen Erhaltung dieses Zustands. Dies konnte etwa im Falle des Diabetes die Umstellung auf eine orale Therapie bedeuten oder die Organisation einer Betreuung, die die Medikamente täglich stellte und auf deren korrekte Einnahme achtete. Dieser nicht-medizinische bzw. über das rein medizinische hinausgehende Teil der geriatrischen Behandlung hat mir sehr gefallen und ich hoffe, dieses Denken und Handeln auch in Zukunft in anderen Fachbereichen anwenden zu können.

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PJ-Vergütung, Hammerexamen und Fakultätenpreis

Interview mit Boris Bodelle, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudenten im Hartmannbund

Name: Boris Bodelle Studienort: Justus-Liebig-Universität Gießen Studium: im 6. Fachsemester

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ir möchten in unserer Interviewreihe an dieser Stelle das Gespräch mit Boris Bodelle, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudenten im Hartmannbund, veröffentlichen. Er stellte sich freundlicherweise den Interviewfragen von Jens Plasger (MEDI-LEARN). Boris, du studierst augenblicklich. Wie weit bist du im Medizinstudium? Ich studiere an der Justus-Liebig-Universität Gießen im 6. Fachsemester Medizin. Somit befinde ich mich innerhalb der Klinik im zweiten Semester. Mit welcher Motivation hast du dein Medizinstudium aufgenommen? Welche Studienalternativen hattest du vor Augen? Vor vier Jahren hatte ich mich nach einem Schnupperstudium der Physik dann doch für die Medizin entschieden. Kurzfristig stand auch Jura zur Diskussion, doch die Medizin schien mir von allen Studiengängen und unter den dreien, die letztlich zur Auswahl standen, die beste Wahl. Die Motivation kam sicherlich durch die Schwerstbehindertenbetreuung im Zivildienst, aber auch daher, dass die Medizin nichts einschränkt. Ich will damit sagen, dass die Medizin so unglaublich themenreich ist, dass ich auch noch nach dem durchaus abwechslungsreichen Studium eine Vielfalt an Fachrichtungen zur Auswahl habe, die mein späterer Beruf sein können. Was gefällt dir am Medizinstudium? Was macht dir eher wenig Spaß? Wie schon gesagt die Vielfalt. Klar, es gibt immer wieder Dinge, die man zuge-

gebenermaßen nur für die Klausur lernt, aber es gibt auch viele Themen, die mich mitreißen. Biomathematik war beispielsweise nicht gerade der Renner, aber früher oder später ist man doch auf den Rat eines Statistikers angewiesen, wenn es an die eigene Doktorarbeit geht. Wenn man die Grundlagen dann verstanden hat, ist das schon eine enorme Hilfe. Was sollte deiner Ansicht nach im Medizinstudium unbedingt geändert werden? Schade finde ich, dass teilweise ein riesiger Wust an Dingen gelehrt und abgeprüft wird, der viel zu speziell ist, ohne dass die grundsätzlichen Fragstellungen innerhalb einer angemessenen Zeit verinnerlicht werden konnten. Es wird viel zu sehr ins Detail gegangen, sodass der Student im Nachhinein die Grundzüge der Thematik schon wieder verdrängt hat, weil er sich zig Sonderformen einprägen musste. Wie beurteilst du die neue Approbationsordnung? Die neue AO wurde eingeführt, um eine größere Praxisnähe und eine integriertere Ausbildung zu gewährleisten, als es zuvor in einem theorielastigen und zu wenig berufsbezogenem Studium der Fall war. Neu sind praxisbezogene Blockpraktika in Kleingruppen, das bedside teaching, und interdisziplinäre Querschnittsbereiche. Besonders wichtig ist, dass die Hochschulen nun mehr Freiheit in der Gestaltung der Lehre haben. Diese Profilbildung hat jedoch auch ihre Nachteile, wenn auf einmal ein Uni-Wechsel ansteht. Querschnittsbereiche sind

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Peter Wollny, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf Layout & Graphik: Stephanie Landskron, Daniel Lüdeling (Cartoons) Berichte: Ulrike Lother, Renate Sedlak, Juliane Nielsen, Gerd Fabian Volk, Boris Bodelle, Susanne Jackowski, Nicolas Vanin, Thorben Müller, Inga Volk, Jens Plasger, Marie-Luise Matzel, Anja Edelmann, Jan-Peter Wulf Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de - Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: Photocase, istockphoto, Artikelautoren Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de. Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluß ist am 31. März 2006. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt und in der nächsten Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.

dann oft an der ehemaligen Hochschule anders geprägt als an der zukünftigen, was zwangsläufig zu Anerkennungsproblemen führt, die spätestens bei der Zulassung zum PJ eine prekäre Situation begründen. Wenn nun aber auch noch beim bedside teaching die Dozenten aufgrund von chronischem Personalmangel fehlen, dann wünscht man sich im Sinne der Ausbildung doch manchmal den Unterricht in größeren Gruppen zurück, um überhaupt praktische Erfahrungen zu machen. Insofern nimmt die neue AO auf die reale Situation an unseren Universitätskliniken keine Rücksicht. Ob das neue zweite Staatsexamen in seinem thematischen Umfang sinnvoll ist oder nicht, dass werden wir in der Zukunft sehen. Doch kann man schon jetzt prognostizieren, dass sich das Studium durch die zu lernende Menge an Stoff wohl eher um ein Semester verlängern wird, da freie Zeit innerhalb des PJ zur Prüfungsvorbereitung doch zu spärlich ist. Viele junge Ärzte werden somit ein halbes Jahr später in den Beruf eintreten, als es bis jetzt noch machbar ist. Das langwierigste Studium der Bundesrepublik somit de facto noch einmal künstlich in die Länge zu ziehen, ist eine massive Fehlplanung, die wir auch angehen wollen. Wie sieht die Arbeit der Studenten im Hartmannbund aus? Kannst du Interessenten vorstellen, was sie dort erwartet? Der Hartmannbund hat als einziger Ärzteverband eine funktionierende Studentenschaft, die sich bisher erfolgreich positionieren konnte. An nahezu jeder Uni haben wir einen Univertreter mit Stellvertretern und oft auch aktive studentische Mitglieder, die sich zu einer Unigruppe zusammengeschlossen haben. An jeder Uni werden eigenständige Seminare zu den vielfältigsten Themen organisiert, die nicht nur den Mitgliedern selbst, sondern auch allen Medizinstudierenden vor Ort zugänglich sind. Unser Motto ist dabei „von Studenten für Studenten“ und wir sind damit sehr erfolgreich. So gibt es eine hartmannbundeigene Veranstaltungsreihe „Karriere in Weiß“ die von der Auslandsfamulatur über die bevorstehende Promotion bis zu den alternativen Berufsfeldern sehr viele Themen abdeckt. Es gibt auch gemeinsame Stammtische der Unigruppe, bei denen das gesellige Element nicht zu kurz kommt. Oft finden diese Stammtische auch unter dem Thema „Kliniker trifft Niedergelassenen“ statt, wobei ein klinisch tätiger und ein niedergelassener Arzt „aus dem Nähkästchen“ plaudern. Neben den Unigruppen treffen sich alle Univertreter und Stellvertreter zum ständigen Ausschuss der Medizinstudenten im Hartmannbund, den ich als Vorsitzender leite. Dieser findet zwei Mal im Jahr statt. Hier werden die berufspolitischen Grundsatzfragen bearbeitet und als Handlungsanweisungen an den Vorstand verabschiedet. Als fünfköpfiger Vorstand bereiten wir Themen zur Präsentation im Ausschuss vor und versuchen sie nach dem Beschluss umzusetzen, was teilweise ein langwieriger Prozess ist. Was motiviert dich persönlich zu deinem Engagement? Der Spaß bei der gemeinsamen Arbeit mit freundlichen, offenen Menschen aus allen Ecken Deutschlands. Wenn es bei uns nicht guten Mutes zuginge, dann wären wir auch nicht für die gemeinsame Sache motiviert. Und guten Mutes muss ich auch sein, wenn ich an all die Themen denke, die wir umsetzen wollen.

Einen langen Atem brauchen wir da sicherlich, aber einen langen Arm haben wir als Verband ja schon, sodass wir den einen oder anderen Hebel an der richtigen Stelle ansetzen können. Welche Ziele hast du dir für deine Amtszeit als Vorsitzender gesetzt? Als ich im Zug zur entscheidenden Sitzung in Münster saß, hatte ich bereits einen ganzen Notizzettel voll mit Themen, die wir angreifen oder unbedingt weiter vorantreiben müssen. Mittlerweile ist aus dem Notizzettel ein Notebook geworden, um all die wichtigen Dinge beisammen zu halten. Das wichtigste Thema aber ist sicherlich die Umsetzung der Neuen AO mit all ihren Vor- und vor allem Nachteilen. Es wird eine bundesweite Aktion gegen das Hammerxamen geben. Genauso ist die Vergütung des PJ eines unserer großen Themen. Es kann nicht sein, dass Juristen und Lehrämtler ihre Referendariate bezahlt bekommen und wir als Mediziner unseren Lebensunterhalt innerhalb des PJs nicht bestreiten können, weil wir keine Zeit mehr zum Arbeiten haben, denn viele unserer Kommilitonen sind darauf angewiesen. Dass mittlerweile Studiengebühren in manchen Bundesländern schon umgesetzt sind und andere noch folgen, ist ein unaufhaltbarer Trend. Wogegen wir uns aber massiv wehren werden, ist die Einführung von Studiengebühren auch im PJ. Außerdem wird bald der Preis der besten Medizinischen Fakultät verliehen werden. Dies werden wir auch in Zukunft vorantreiben, um eine Evaluation der Lehre auch unabhängig von den Hochschulen zu gewährleisten. Und nicht zuletzt wollen wir unser Serviceangebot an den Hochschulen für die Studenten ausbauen und ein verlässlicher Partner in allen Situationen des medizinischen Studiums sein. Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit und findest Ablenkung? Generell sagt man ja dem Medizinstudenten nach, dass er neben dem Studium noch nicht mal die Zeit fürs Schlafen hätte. Dem kann ich ganz vehement widersprechen. Auch neben dem Studium habe ich mir für die vielfältigsten Aktivitäten die Zeit genommen, die ich brauchte, und das ist auch durchaus möglich. Doch inzwischen verbringe ich meine wertvollen Stunden mit meiner Freundin, zusammen mit unserem Hund, was mich neben ein bisschen Kommunalpolitik und meiner interessanten Doktorarbeit vollends ausfüllt. Welche ganz persönlichen Tipps möchtest du den Lesern mit auf den Weg geben? Im Studium habe man noch Narrenfreiheit, sagte mir mal ein Oberarzt, als ich mein erstes EKG diagnostizieren sollte und eher einen Druckfehler als eine Extrasystole erkannt habe. Diesen Tipp kann ich so nur weitergeben und meinen Kommilitonen sagen, dass sie eigentlich nichts falsch machen können und so viele Dingen wie möglich im Studium ausprobieren sollen: Lernt Fachrichtungen kennen, die ihr vorher noch nicht mal aussprechen konntet. Denn die Möglichkeiten in der Medizin sind immens und dementsprechend die Möglichkeit, dass einem etwas entgeht. Und vielleicht probiert Ihr ja auch mal den Hartmannbund aus – die Tür steht euch offen! Herzlichen Dank für das Gespräch! Mehr Informationen unter: www.jungemediziner.de

Im Forum gelauscht

Studieren in Holland

Sind die Niederlande eine Alternative, wenn man in Deutschland keinen Studienplatz bekommt? Zunächst muss man wissen, was Medizin eigentlich auf holländisch heißt, um im Web weitere Informationen zu finden: „geneeskunde“ – diese und viele weitere Infos sowie die Frage, ob unser kleiner Nachbar wirklich ein adäquater Ersatz ist, diskutieren zukünftige Studenten im MEDI-LEARN Forum. www.medi-learn.de/MF25549

Den richtigen Studiengang per Test

Per Test zum richtigen Studiengang: 19 Fragen und man kann sich langes Überlegen sparen. Ist das wirklich so? Zu welchem Testergebnis kommen gestandene Medizinstudenten bzw. junge Ärzte? Macht selbst den Test und vergleicht euch mit anderen. Der Spiegel-Fachsimpel-Test wird in diesem Beitrag besprochen und getestet. Spaßfaktor garantiert. www.medi-learn.de/MF25486

Erstis in freier Wildbahn

Die ersten Tage und Wochen in der Uni sind alles andere als ein Zuckerschlecken. Hat man sich erstmal von den Strapazen der Einschreibung, der Einführungswoche und der Ersti-Party erholt, beginnt der Ernst des (Studenten-) Lebens. Welche Sorgen und Nöte Erstis haben, was bedrückt – und auch, was man dagegen tun kann, verrät dieser Thread. www.medi-learn.de/MF25197

Qual der Klinik

Vielen Unis ziehen ihren Betrieb an: 7 bis 16 Uhr heißt es für die meisten Studenten. Vormittags vor allem Vorlesungen und nach dem Gang zu den Trögen Praktika, Seminare und Kurse. Immer mehr Veranstaltungen werden obligat; da bleibt kaum Spielraum für eigene Gestaltungen des Studienablaufes. Wann soll man sich bei einem so straffen Programm noch auf Klausuren vorbereiten oder gar an seiner Doktorarbeit schreiben? Fragen, die im Forum eingehend diskutiert werden. www.medi-learn.de/MF224607

3. Stex – doch welches Buch?

Das Dritte Staatsexamen ereilt irgendwann jeden Studenten, der nach alter Approbationsordnung studiert. Analog dazu absolvieren Studenten nach neuer AO das Hammerexamen. Doch mit welchem Buch soll man sich auf das Examen vorbereiten – vor allem auf die beiden großen Fächer Innere und Chirurgie? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, dafür aber Hilfestellungen, welches Buch je nach Wissensstand optimal ist. www.medi-learn.de/MF225272

Arbeitszeiten

Das Arbeitszeitgesetz ist mittlerweile ein weit über medizinische Fachzeitschriften hinausreichendes Reizthema. Doch wie sieht es vor Ort aus und welche Erfahrungen machen junge Ärzte mit der Umsetzung? Viele Einrichtungen hangeln sich mit Übergangsregelungen von Monat zu Monat und versuchen, die die laut Expertenmeinung irgendwann zwingend werdende Umsetzung hinauszuzögern. www.medi-learn.de/MF15288


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Famulatur bei den Kängurus

Impressionen aus dem fünften Kontinent von Susanne Jackowski

on der Wärme erschlagen, stolperte ich aus dem Flugterminal in Brisbane. Gestern noch im kalten Europa und nun im sommerlichen Australien. Es ist Ende Januar, Sonnabend, es bleiben mir jetzt also ganze zwei Tage mich zu akklimatisieren. Ein anderes Land, eine andere Sprache, und diese Hitze! Erstmal ein Backpacker Hotel (Art Jugendherberge) suchen und das ganze Gewicht von meinem Rücken loswerden! Doch schon im ersten Bus wurde ich auf eine erste Bewährungsprobe gestellt. Was sprechen die Australier denn da? Ich dachte, ich könne Englisch. Aber die Menschen hier sind sehr nett, und so wiederholen sie es auch noch ein drittes Mal und diesmal auch langsam und deutlich. Montag, mein erster Arbeitstag. Auf meinem Notizzettel steht: Royal Brisbane Hospital, Haupteingang finden, mit dem Fahrstuhl in die achte Etage fahren, Richtung Süden gehen zur Station für Plastische Chirurgie. Und wenn ich mich verlaufen sollte, dann einfach jemanden fragen, es wäre nicht das erste Mal, dass jemand verloren ginge. Hach, denke ich mir, da fühle ich mich ja ganz wie zu Hause. Da verlaufe ich mich auch immer in unserem Universitätskrankenhaus.

Kuscheln mit Koalas

Im Backpacker hielt ich es schnell nicht mehr aus. Preislich war es zwar okay, aber auf die Dauer in einem 6-Bettzimmer ohne Verstauraum immer seine ganzen Wertsachen mit sich rumschleppen müssen und eine Großraumküche mit überfüllten Kühlschränken vorzufinden, die nicht mehr kühlen, dazu Tausende von Ameisen, nein, das muss nicht sein. Schnell fand ich eine WG ohne Ameisen, nur ab und zu tauchten kleine süße Geckos auf. Und die üblichen Schlangen im Hintergarten eben, die angeblich nicht giftig sind.

… NICHT IM SCHLABBERIGEN POLOSHIRT WIE BEI UNS

GIFTSCHLANGEN? KEINE PANIK, NICHT WEGRENNEN!

Glücklich, meine Station gefunden zu haben, werde ich gleich meinem Team

Wie schon erwähnt, wird keine Anwesenheit überprüft bzw. mir wird teilweise nahe gelegt, dass ich wirklich nicht jeden Tag zu kommen brauche. So lege ich zwischendurch auch mal ein verlängertes Wochenende ein. Sehr weit kommt man allerdings an einem Wochenende nicht, wenn man nicht fliegt, aber auch in Brisbane und Umgebung gibt es einiges zu erkunden. Da gibt es tolle Strände, Inseln und den Regenwald. Kleiner Tipp für alle, die auch mal im Regenwald eine längere Wanderung ma-

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chen wollen: Unbedingt lange Hosen und festes Schuhwerk anziehen, egal wie warm es ist! Denn man weiß nie, ob sich nicht eine giftige Schlange denkt, einfach mal über die Füße des ahnungslosen Touristen zu kriechen. Wichtig dabei: keine Panik, nicht wegrennen. Ich weiß: Das ist einfacher gesagt als getan. Natürlich kann ich nicht sagen, ich war in Australien ohne ein Känguru gesehen zu haben. Erst probiere ich es auf die leichte Tour: Zoo. Dort kann man die Mischungen aus Kaninchen und Reh sogar streicheln! Aber das Highlight des Zoobesuches ist: Kuscheln mit Koalas! Natürlich mit Foto. Doch dann denke ich mir, dass es ja noch schöner wäre diese Tiere in der Natur zu sehen. Und tatsächlich: An meinem dritten Wochenenddausflug in einen Nationalpark hüpfen hie und da zur Abenddämmerung hin ein paar kleine Kängurus durch die Gegend. An einem Sonntag meint mein australischer Mitbewohner: „Komm, ich zeige dir was! Ich kenne einen Baum in der Nähe, da kann man innen drin hoch klettern. Das ist ein Strangeler Fig, ein Baum, der von innen hohl ist. Ist fast wie Leiter klettern.“ Klar, denke ich mir, klingt gut. Unterwegs machen wir einen kleinen Abstecher auf einen Bauernhof einer Freundin von ihm – eine ehemalige Lychee-Plantage. Dort darf ich ungehemmt Passionsfrüchte und Guaven frisch vom Baum essen und eine ganze Tüte voll Macadamia-Nüsse einsammeln. Nach dieser kurzen Stärkung kamen wir nach ungefähr zweistündiger Autofahrt („in der Nähe“) in einem Nationalpark an. Kaum aus dem Auto gestiegen, habe ich einen großen Drang wieder einzusteigen, als ein anderthalb Meter langer Waran auf uns zu kriecht.

Wahrzeichen im Herzen Australiens: der Ayers Rock

Praktische Tipps

Die Bewerbung hatte ich schon ungefähr ein Jahr vorher geschrieben. Es ist vorteilhaft, sich zeitig darum zu kümmern, da man gegebenenfalls noch einige Sachen besorgen muss. In Queensland werden die Plätze zentral von der Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland (PMEFQ) vergeben. Bewerbungsunterlagen kann man im Internet runterladen, ausfüllen und zurückschicken (www.pmefq.com.au). Man muss eine Studiengebühr zahlen und erhält dann einen Platz in Queensland, wobei persönliche Wünsche nach bestimmten Krankenhäusern und Fachrichtung berücksichtigt werden. Um einen möglichst günstigen Flugpreis zu bekommen, habe ich mich schon ein halbes Jahr vorher darum gekümmert. Natürlich braucht man einen Reisepass. Über die Bestimmungen für das Visum informiert die australische Botschaft in

Berlin (www.australian-embassy.de). Dort gibt es auch eine Liste der anerkannten Ärzte, falls man ein ThoraxRöntgenbild für sein Visum braucht.

Fazit

Eine Auslandsfamulatur ist eine einmalige Gelegenheit, ein anderes Land und Gesundheitssystem kennen zu lernen. Wem sich diese Chance bietet, der sollte sie nutzen!

SOLL ICH DA WIRKLICH HOCHKLETTERN? Nach dem wir rund vier Kilometer gelaufen sind, bleibt mein Mitbewohner plötzlich mitten im Regenwald stehen und sagt:„Voilà!“ Ich drehe mich um und vor mir erstreckt sich ein riesiger Baum. „Das ist nicht der Baum, oder?“, frage ich. Ich sehe keine Leiter oder ein Schild, das besagt, dass man darauf klettern kann. Soll ich da wirklich hoch? Doch der Ergeiz packt mich und so klettere ich Stück für Stück im Inneren dieses Baumes aufwärts. Nach einigen Metern traue ich mich, aus einem Spalt herauszuschauen und blicke nach unten: Gott, ist das hoch, dabei bin ich doch nicht schwindelfrei! Egal. Nach geraumer Zeit komme ich ganz oben an. Schätzungsweise 40 Meter! Und Touristen machen im Vorbeigehen Fotos von mir, wie ich oben aus dem Baum herausschaue. So erlebe ich jedes Wochenende ein Abenteuer nach dem anderen. Das Outback muss ich natürlich auch gesehen haben. Mit Freunden setze ich mich in einen Mietwagen und wir fahren immer gen Westen – einen ganzen Tag lang. Wir passieren ein Schild: Welcome to the Outback. Wir haben es geschafft. Denken wir. Doch gleich werden wir von zwei „Einheimischen“ belehrt: „Ach, da müsst ich noch einen Tag weiter nach Westen fahren und dann links abbiegen, da ist das Outback!“ Hier sehen wir noch mehr Kängurus, rote Erde, riesige Kakteen, Gräser, Rinder und einen herrlichen Sonnenuntergang!

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V

vorgestellt. Erste Überraschung: Keiner trägt einen Kittel. Also umsonst gestern Abend gebügelt. Dafür tragen die Männer alle Hemden und Krawatte und auch die Frauen ordentliche Kleidung – nicht wie bei uns ein weißes, schlabberiges Poloshirt. Nächste Überraschung: Es gibt keine Türen zu den Zimmern. Diese sind alle offen zum Gang und Männlein und Weiblein sind gemixt, abgetrennt durch Vorhänge. Das erinnert ein wenig an ITS. Und aller guten Dinge bzw. Überraschungen sind drei: Arbeiten wie Blutabnehmen oder Flexülen legen, wie man das von zu Hause kennt, sind in Australien nicht Aufgabe der Studenten. Dafür gibt es einen speziellen Dienst im Krankenhaus. Auch nicht schlecht. Nach der Visite gehe ich mit in die Abteilung „minor procedure“. Dort werden hauptsächlich kleinere Sachen gemacht, wie die Entfernung von Basaliomen und Spinaliomen. Ich darf auch gleich Hand anlegen. So gestalteten sich denn auch die nächsten 8 Wochen: Nach der Visite mal OP, „outpatient“ (Ambulanz) und mal „minor procedure“. Die OPs waren schon abwechslungsreicher, zumal es mir freigestellt war, auch anderen Operationen zuzuschauen. Anwesenheit wurde nicht geprüft und so konnte ich meine Zeit frei einteilen. Es dauerte nicht lange, und schon fanden sich alle internationalen Studenten zusammen, um gemeinsam abends etwas zu unternehmen. Ich hatte Glück und in der Zeit, in der ich da war, rotieren die australischen Studenten des 3. Jahres (gleichzusetzen mit unserem 5. Jahr) auf der Chirurgie. Somit lernte ich einige kennen und durfte auch an den Seminaren teilnehmen.

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Operieren im „theatre“ Chirurgie in Sydney und auf Tasmanien Fortsetzung von Seite 1

Die Arbeit im Royal Prince Alfred- und im Royal Hobart Hospital

Der PJ-Alltag in einem öffentlichen australischen Krankenhaus unterscheidet sich deutlich von dem, was wir aus Deutschland gewöhnt sind. Als ausländischer „elective student“ hat man dafür bezahlt, einen Teil seiner Ausbildung in dem jeweiligen Krankenhaus zu absolvieren, wodurch man Rechte und in der Regel auch keine Pflichten wie Haken halten oder Blut abnehmen erhält.

DIE MEISTE ZEIT IM „THEATRE“ VERBRACHT In der Cardiothoracic Surgery des Royal Prince Alfred Hospitals, Sydney habe ich zusammen mit einer deutschen Famulantin in einem großen Team bestehend aus insgesamt fünf „consultants“ (etwa Ober- bzw. Chefärzte), sieben „registrars“ (Fachärzte) und drei „residents“ (Assistenzärzte) mitgearbeitet. Von etwa 7:00 bis 8:30 Uhr fanden täglich zuerst die Besprechung aktueller Röntgenbilder und die Visite statt, danach noch eine „ward round“. Außerdem gab es jeden Donnerstagmorgen ein Meeting mit Fallvorstellungen oder Vorträgen. Den Rest des Tages habe ich meistens im OP verbracht, da die Stationsarbeit der Residents hauptsächlich aus dem Schreiben sehr standardisierter „notes“ sowie „discharge summaries“ bestand. Im „theatre“, wie der OP in Australien genannt wird, wurden von unserem Team hauptsächlich Bypass-Operationen, aber auch Klappenersatz, OPs bei Aneurysmen des Aortenbogens, pulmonale „wedge resections“ und Pleurodesen durchgeführt. Ich konnte entweder unsteril auf der Anästhesieseite stehen und zugucken, wobei man ja in der Herz-Thorax-Chirurgie oft ziemlich gut sehen kann, oder gewaschen mit am Tisch sein. Für letzteres haben sich vor allem die Bypass-Operationen, bei denen Beinvenen als graft verwendet wurden, angeboten. Ich konnte dem jeweiligen „registrar“ bei der Venenpräparation helfen und anschließend sowohl sub- als auch intrakutan nähen oder die Haut klammern. Das hat Spaß gemacht und war so viel praktische Chirurgie, wie ich mir für mein PJ-Tertial gewünscht habe. Bei den OPs, bei denen es nichts für mich zu tun gab, wurde mir mal mehr, mal weniger erklärt. So war ich nach einigen Wochen mit den wesentlichen Abläufen der häufigsten Operationen vertraut, bekam aber keine anderen Aufgaben, so dass das Zugucken im OP gegen Ende des Praktikums leider etwas langweilig geworden ist.

MEIN „CASE REPORT“ WIRD HOFFENTLICH PUBLIZIERT

Weiterhin habe ich einen eigenen Patienten bekommen, dessen Geschichte ich nachgelesen und dessen Werdegang ich verfolgt habe. Über ihn konnte ich dann einen „case report“ schreiben, der (hoffentlich) bald veröffentlicht wird. Es war grundsätzlich meine eigene Entscheidung, wie viel Zeit ich im Krankenhaus verbringe, so dass ich jederzeit gehen konnte, wenn mich etwas nicht in-

teressiert hat. Nachmittags war für deutsche Studenten meistens ohnehin frei und wir wurden teilweise komisch angeguckt, falls wir uns dann noch im Krankenhaus aufgehalten haben.

Arbeiten in Tasmanien

Aus der modern ausgestatteten, hoch spezialisierten Cardiothoracic Surgery in Sydney bin ich für die zweite Hälfte des Tertials in die General Surgery des recht kleinen Royal Hobart Hospitals auf Tasmanien gewechselt. Dort habe ich in einem der drei allgemeinchirurgischen Teams mit einem „registrar“ und einem „intern“ (entspricht in etwa dem AiP) zusammengearbeitet. Außerdem gab es für unser Team drei Consultants, die abwechselnd operiert und Visiten gemacht haben. Obwohl Hobart eine Uniklinik und das größte Krankenhaus Tasmaniens ist, hatten wir oft weniger als zehn Patienten zu betreuen und waren neben der Allgemeinen auch für Unfall- und Kinderchirurgie zuständig. Für mich als PJlerin war es gut, auf diese Art verschiedenste Krankheitsbilder und Operationen sehen zu können. Ich durfte im OP zwar nicht viel machen, stand aber immer mit am Tisch, um besser sehen zu können und bekam viel gezeigt und erklärt. Auch hier brauchte ich fast nie Haken halten, da das in Australien keine typische Studentenaufgabe ist, sondern es verschiedenste Systeme zum Einspannen oder Festschrauben der Haken gibt.

KONTAKT ZU VERSCHIEDENSTEN „ECHTEN“ TASMANIERN IN SPRECHSTUNDEN Außerhalb des OPs habe ich täglich an den Visiten teilgenommen und war mittwochs bei den „x-ray and pathology meetings“, bei denen die Bildgebung aktueller Patienten bzw. die OP-Präparate der letzten Woche gezeigt und besprochen wurden. Außerdem durfte ich die „outpatient“ und „preassessment clinics“ alleine befragen und untersuchen, die sich vor einem elektiven Eingriff oder zu Nachfolgeuntersuchungen vorgestellt haben. Hinterher habe ich meine Befunde und das weitere Vorgehen mit dem „registrar“ besprochen, bin mit ihm zusammen noch einmal zu den Patienten gegangen und habe die Notizen für die Akten geschrieben. Die Sprechstunden in den „clinics“ haben mir am meisten Spaß gemacht, weil ich

Insgesamt habe ich in den beiden Krankenhäusern, in denen ich gearbeitet habe, die Atmosphäre als sehr angenehm empfunden. Es gab nicht die ausgeprägten hierarchischen Strukturen, die wir aus Deutschland kennen, und Stress ist eigentlich nie aufgekommen.

Diskrepanzen in der Versorgung

Besonders in Hobart ist mir der große Unterschied zwischen der öffentlichen und privaten australischen Patientenversorgung aufgefallen. Trotz vieler leerer Betten gibt es lange Wartelisten für gewisse Operationen. So ist eine Wartezeit von über einem halben Jahr für eine Cholezystektomie normal. Die Ursache dafür liegt darin, dass die „consultants“ in der Regel nur einen Tag pro Woche im öffentlichen und den Rest der Zeit in privaten Krankenhäusern operieren, in denen sie deutlich besser bezahlt werden. Da die „registrars“ wenn möglich den „consultants“ assistieren, um dabei zu lernen, bleiben oft hauptsächlich „interns“ für die Betreuung der öffentlichen Patienten übrig, nötige Untersuchungen werden zu lange aufgeschoben. Ich denke, dass die Versorgung zumindest der Kassenpatienten bei uns in Deutschland deutlich besser ist als in Australien. Noch, zumindest.

Bunte Runde am Abendtisch

In Sydney habe ich bei einer Frau und ihren zwei Kindern gewohnt, die insgesamt vier Zimmer ihres Hauses größtenteils an Sprachstudenten vermietet. Neben den drei Australiern hatte ich während der acht Wochen Mitbewohner aus Spanien, Italien, Brasilien, Taiwan und Japan. Die Verständigung war zwar manchmal ein bisschen schwierig, da viele von ihnen für Englisch-Anfängerkurse nach Australien gekommen sind, aber die gemeinsamen Abendessen sind trotzdem oft sehr lustig gewesen. Eine wöchentliche Miete von 210 australischen Dollar klingt ziemlich teuer, ist aber für Sydney normal. Vor allem, weil das Haus nur ca. 15 min Busfahrt vom Royal Prince Alfred entfernt ist, einen Pool hat, die Wäsche gewaschen wird und Frühstück und Abendessen im Preis enthalten sind. Das mag nach Landschulheim klingen – aber keine Angst, man muss nicht immer pünktlich zum Essen zu Hause sein. Es steht dann einfach im Kühlschrank und kann jederzeit aufgewärmt werden. Ich kann diese Unterkunft in Sydney wirklich sehr empfehlen! Für Kontakte: D.Mann@sdn.org.au.

MITBEWOHNER KAMEN AUS VIER KONTINENTEN

dort ein ganz kleines bisschen selbstständig arbeiten konnte und direkten Kontakt zu den verschiedensten „echten Tasmaniern“ hatte. Auch in Hobart hatte ich oft nachmittags frei, vor allem weil mein „intern“ mich immer nach Hause geschickt hat, wenn es nur noch den Papierkrieg zu gewinnen galt.

In Hobart war ich wie die meisten overseas students in einem der Wohnheime der Tasmania University Union (www. tuu.com.au) untergebracht. Unser Haus lag sehr zentral in der Innenstadt, war nur zwei Minuten vom Krankenhaus, aber recht weit vom Campus der Uni entfernt, so dass ich fast nur mit anderen Medizinern zusammengewohnt habe. Wir hatten alle ein Einzelzimmer, leider nur eine Küche für 17 Leute, vier Bäder, ein Wohn- und ein Esszimmer. Auch hier hat es mir wieder gut gefallen, Mitbewohner aus Europa, Amerika, Australien und Asien zu haben. Der Preis der Wohnheimzimmer lag je nach Größe zwischen 140 und 160$ pro Woche.

Das sprichwörtliche „no worries“

Empfehlenswerte Ausflugsziele sind der Freycinet National Park mit der WineIch habe Australien als ein Land mit sehr glass Bay, Maria Island, die ehemalige offenen, freundlichen Menschen erlebt, Strafgefangenenkolonie in Port Arthur in dem durch das sprichwörtliche „no und natürlich Cradle Mountain und der worries“ eine sehr entspannte Atmosphä- berühmte Overland Track. Sowohl in Sydney als auch in Hobart re herrscht. Sydney ist für mich eine wirklich großar- habe ich jeweils eine gute Woche „Urtige Stadt. Um einen Eindruck vom Le- laub“ bekommen, die mir von vorn herben in dieser Metropole zu bekommen, ein angeboten wurde. Die meisten Ärzte haben fast erwartet, dass man einige Zeit frei nimmt, um sich etwas von Australien anzusehen. Außerdem gab es lange Wochenenden durch Public Holidays wie Ostern und den ANZAC Day. Somit hatte ich die Möglichkeit, zusammen mit Freunden von ZuEin Blick auf das Stadtviertel The Rocks – Foto: Ulrike Lother hause und einer anderen deutschen PJlerin an den lohnen sich Bummel durch die verschie- Whitsunday Islands zu segeln, auf Fraser densten Stadtviertel wie The Rocks als Island mit 4-Wheel-Drives umherzufahältester und sehr touristisch orientierter ren und zu zelten. Unsere Osterfeiertage Stadtteil, Chinatown, das alternative haben wir am Ayers Rock (oder Uluru, Newtown, Paddington mit seinen vielen wie er von den Aborigines genannt wird) schicken Geschäften entlang der Oxford verbracht. Es war ein besonderes ErlebStreet (vor allem samstags, wenn dort nis, dort draußen in der roten Wüste in Markt ist) sowie Manly und Bondi mit „swags“ unterm Sternenhimmel zu schlaihren berühmten Stränden. fen. Abschluss und absoluter Höhepunkt Toll fand ich es auch, im Sonnenschein meiner Zeit in Australien war allerdings auf dem Rasen des Botanischen Gartens zu sitzen und den Blick auf das Opera House und die Harbour Bridge zu genießen, wobei Ibisse, Papageien und Kakadus um mich herum flogen. An Wochenenden oder freien Tagen bieten sich außerdem Ausflüge in die nahe gelegenen Blue Das Opera House in Sydney – Foto: Ulrike Lother Mountains oder an die zahlreichen Strände in und um Sydney ein dreitägiger Tauchausflug von Cairns an. Ein besonderes Erlebnis ist es, mit aus zum äußeren Great Barrier Reef. Ich einer Fähre (Fahrpreis im wöchentlichen kann jedem nur raten, dort tauchen zu Buspass für 32$ enthalten) nach Watsons gehen! Bay zu fahren, um die dortige Steilküste Verschiedenste Reisebüros sind darauf und anschließend die hinter der Silhou- spezialisiert, Backpackern möglichst ette der Innenstadt untergehende Sonne günstige Touren anzubieten. Am billigsanzusehen. ten ist wahrscheinlich Peterpan’s Adventure Travel (www.peterpans.com). Je Seafood Sensations günstiger die Angebote sind, umso vorDer Wechsel aus der größtenteils sonni- sichtiger sollte man allerdings vor dem gen Großstadt Sydney ins recht kleine, Buchen sein und nach Möglichkeit anruhige und relativ kalte Hobart ist mir zu- dere Backpacker nach ihren Erfahrungen erst nicht leicht gefallen. Auf den zweiten fragen. Blick und nachdem man sich an die Tem- In einem so großen Land wie Australiperaturen des tasmanischen Herbstes ge- en ist Fliegen vor allem bei begrenztem wöhnt hat, ist das Leben in Hobart aller- Zeitrahmen die beste Möglichkeit, sich dings auch sehr nett. Schon nach einigen fortzubewegen. Günstige Flüge kann Wochen gehörte ich irgendwie zur Stadt man im Internet z.B. bei www.webjet. dazu und habe auf den Straßen Leute ge- com.au buchen. troffen, die ich gekannt und gegrüßt oder ein bisschen mit ihnen gesprochen habe. Höhepunkt des Studiums Hobart hat einen schönen Hafen, an dem Mein PJ-Tertial in Australien ist für mich man bei „seafood sensations“ leckere ein Höhepunkt meiner Studienzeit und Fish&Chips essen kann. eine persönliche Bereicherung gewesen. Es war interessant, Einblicke in ein anderes Gesundheitssystem und die Arbeit TASMANIEN ERINNERT AN in zwei sehr verschiedenen australischen MITTEL- UND NORDEUROPA Krankenhäusern zu erhalten. Besonders gut gefallen hat mir das freundliche, Am Battery Point befindet sich das ältes- lockere Miteinander von Ärzten, Stute Wohnviertel mit sehr englisch wirken- denten und Pflegepersonal. Andererseits den Einfamilienhäusern und vom Mount sind mir aber auch positive Aspekte der Wellington hat man bei gutem Wetter deutschen Patientenversorgung bewusst einen tollen Blick auf die Stadt und die geworden. ganze umgebende Bucht bis hin zur Tas- Von den unterschiedlichen australischen man Peninsula. Landschaften, die ich gesehen habe Da Tasmanien mit ca. 250 km Nord- – der von Meer und Stränden geprägten Süd-Ausdehnung relativ klein ist, kann Ostküste, der Wüste im Red Centre und man viele Ziele mit einem Mietwagen dem grünen, hügeligen Tasmanien – war am Wochenende gut und günstig errei- ich sehr begeistert und werde bestimmt chen. Die Landschaft ähnelt viel mehr eines Tages zurückkommen, um noch Mittel- und Nordeuropa als dem australi- mehr von diesem großen, beeindruckenschen „Mainland“ und ist wunderschön. den Land kennen zu lernen!


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Januar 2006

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Orthopädie, Krämer (Springer)

kurz notiert

von Nicolas Vanin, 9. Semester in Hannover

Energy-Drinks statt Fasten

Energizer vor der OP: Dadurch sollen Eingriffe patientenfreundlicher werden, ohne dass das Risiko für Komplikationen steigt. Zwar hat das Gebot für den Verzicht auf feste Nahrung Bestand, kohlenhydrathaltige Getränke bis zu zwei Stunden vor der OP seien jedoch dem Wohlbefinden der Patienten äußerst zuträglich, so der Münsteraner Narkosespezialist Prof. Hugo Van Aken mit Verweis auf aktuelle Studien.

Akrinor: Mix it yourself

Nachdem der Vertrieb des Präparats Akrinor ab 2006 eingestellt wird und ein Ersatzpräparat mit den gleichen pharmakologischen Eigenschaften nicht verfügbar ist, hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zwei Alternativen benannt: Entweder den finanziell und bürokratisch aufwändigen Import von im angloamerikanischen Raum zugelassenen ephedrinhaltigen Fertigarzneimitteln oder der Selbstherstellung in der Krankenhausapotheke

Titel: Orthopädie Autoren: Krämer, Grifka Verlag: Springer ISBN: 3540219706 Preis: 24,95 €

Kurzbeschreibung: Das Buch richtet sich laut Vorwort an den Studenten im klinischen Abschnitt, der nicht Orthopäde werden möchte. Dies trifft in der

Medizin im Fernsehen

Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw106

von Thorben Müller, 5. klinisches Semester in Gießen

Titel: Orthopädie und Unfallchirurgie Autor: Wülker Verlag: Georg Thieme ISBN: 3131299711 Preis: 29,95 €

Kurzbeschreibung: Der „Wülker“ ist ein Taschenlehrbuch der Orthopädie und Unfallchirurgie, welches durch systema-

Neu bei MEDI-LEARN: Medizin im TV. Wann läuft welche medizinische Sendung auf welchem Programm? In der Übersicht findet ihr typische Informationssendungen, medizinische Serien und Highlights bestimmter Talkshows – übersichtlich und taggenau zusammengestellt. Die Zusammenstellung wird ebenfalls im Newsletter integriert werden. Zu finden unter www.medilearn.de/medizinstudium/tv/ learn.de/medizinstudium/tv/.

tischen Aufbau, gute Gestaltung und Inhalte überzeugt. Das Lehrbuch vermittelt ein solides Grundwissen und ist durch seine Aufmachung außerordentlich angenehm zu lesen. Zielgruppe: Das Buch ist auf Studenten der klinischen Semester und auch für Absolventen des Praktischen Jahres ausgerichtet. Beim Lesen des Buches sind keine Vorkenntnisse nötig. Inhalt: Das Werk ist in die Kategorie der Kurzlehrbücher einzuordnen. Je nach Prävalenz einer bestimmten Erkrankung erhält der Leser sehr detaillierte Informationen oder einen Überblick über die Erkrankung. Der „Wülker“ bietet auf alle Fälle eine sehr gute Möglichkeit, sich das Grundwissen der Orthopädie und der Unfallchirurgie anzueignen. Dadurch ist es ein gutes Buch für die Prüfungsvorbereitung. Es wird mit vielen Zeichnungen, Röntgenbildern, Fotos und Tabellen gearbeitet, was dem Leser das Verständnis der

Krankheiten und der Therapiemöglichkeiten erleichtert. Zudem fördert das angenehme Layout die Motivation, das Buch zu studieren. Die Inhalte der Texte sind einleuchtend dargestellt und klar verständlich. Kein wichtiger Aspekt wird ausgelassen. Didaktik: Jede Erkrankung wird zu Beginn durch eine kurze Definition oder Beschreibung erklärt. Auf fast jeder Seite findet man farbliche Abbildungen zu den Erkrankungen, welche begleitend zum Text das geschilderte Krankheitsbild erklären. Aufbau: Die ersten Kapitel sind anatomisch gegliedert. Die Kapitel mit Systemerkrankungen und Tumoren sind am Ende des Buches zu finden. Das Inhaltsverzeichnis und das Sachverzeichnis sind ausführlich und übersichtlich gestaltet. Jedes Kapitel beginnt mit der Anamnese und der klinischen Untersuchung, gefolgt von den spezifischen Erkrankungen der entsprechenden Körperregion. Danach

werden die einzelnen Erkrankungen erklärt, gegliedert in Definition, pathologische Anatomie, Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik und Therapie. Relevanz für die örtliche Uni: Das Buch ist an der Uni Gießen zur Prüfungsvorbereitung für das Fach Orthopädie geeignet. Preis: Das Taschenlehrbuch kostet im Handel 29,95 Euro - sicher für jeden erschwinglich, zumal zwei Fächer in einem Buch abgedeckt werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut. Fazit: Der „Wülker“ vermittelt die Inhalte der Orthopädie und Unfallchirurgie anschaulich und interessant: das Buch ist jedem Studenten zu empfehlen. Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw009

Orthopädie und Unfallchirurgie, Rössler (Elsevier) von Inga Volk, 3. klinisches Semester Universität Halle

Qualifizierte Weiterbildung zum Andrologen

Wissenschaftlich gibt es sie schon lange – von medizinischer Seite hat sich die Männerheilkunde erst in den letzten Jahren als eigenständiges Aufgabengebiet darstellen können. Mediziner und Wissenschaftler haben vor 30 Jahren die Deutsche Gesellschaft für Andrologie (DGA) gegründet, um diesem Aufgabengebiet gerecht werden zu können. Mit der aktuellen Weiterbildungsordnung, die vor kurzem von den Landesärztekammern eingeführt wurde, besteht erstmals die Möglichkeit, die qualifizierte Zusatzweiterbildung zur Andrologin oder zum Andrologen zu erwerben.

Didaktik: Das Buch ist didaktisch recht ausgefeilt. Am Anfang jedes Kapitels steht eine kleine Zusammenfassung. Wichtige Inhalte sind noch einmal mit Merkkästen hervorgehoben. Als nette historische Zugabe ist bei der Verwendung von Eigennamen für Krankheiten der Namensgeber mit Daten und Orten seiner Arbeit vermerkt. Mir hat dieses geholfen, die Namen im Kopf zu behalten und nicht mehr zu verwechseln Als Zugeständnis an die neue AO sind die wichtigsten Krankheitsbilder als kurzes Fallbeispiel aufgearbeitet. Ob dies aber eine bessere Vorbereitung auf das Hammerexamen ermöglicht, ist jetzt noch nicht vorherzusagen. Aber für die „alten“ MC-Fragen ist man gut gerüstet. Die Sprache liest sich angenehm, schnell und es bleibt dabei viel Wissen hängen. Aufbau: Die Gliederung teilt sich, wie im GK, in Allgemeine und Spezielle Orthopädie. Dies ist sicherlich sinnvoll, da die speziellen Krankheitsbilder die Kenntnis der Untersuchungen, Therapien

Orthopädie und Unfallchirurgie, Wülker (Thieme)

Stammzellen 800fach vermehrt

Mesenchymale Stammzellen können sich durch Teilung vermehren und unterschiedliche neue Funktionen übernehmen, etwa als Muskel-, Knochen-, Knorpel-, Gefäß- oder Nervenzellen. Der Körper setzt sie dort ein, wo Reparaturen nötig oder wo Zellen kurzlebig sind. Doch nur eine hohe, den Patienten belastende Dosis gewährleistet Erfolg in der Stammzelltherapie - etwa 500 ml bis 1.500 ml Knochenmark. Mit einem neuen Verfahren reichern Forscher der Uni Bochum die wenigen Stammzellen an und bringen sie zum Wachsen. Bei dem speziellen, automatisierten Prozess nutzen sie das patentierte Zellkultursystem der Firma Aastrom Bioscience, USA. Das fertige Produkt ist ein um das 800fache angereichertes, für den Patienten individuell erzeugtes Arzneimittel.

Tat zu: Es ist ein Kurzlehrbuch, das sich am GK orientiert. Es werden die wichtigen und häufigen Krankheitsbilder der Orthopädie erklärt. Selteneres wird man nicht finden. Zielgruppe: Der Krämer eignet sich also sehr gut zur Prüfungsvorbereitung unter Zeitdruck, ob Klausur oder Examen. Im Falle eines PJ-Tertials in der Orthopädie oder danach wird man sicher zu einem der dickeren Nachschlagewerke greifen müssen. Vorkenntnisse sind nicht nötig, da das Buch alles sehr gut erklärt. Einzig in der Anatomie sollte man ein Grundwissen mitbringen. Inhalt: Inhaltlich wird ein Basiswissen der Orthopädie vermittelt. Das Buch versucht durch die vielen (selbst gezeichneten) schwarzweißen Abbildungen das biomechanische Verständnis des Lesers zu schulen. Die dadurch erlernten Inhalte bleiben so besser im Gedächtnis. Leider bleibt die Traumatologie etwas im Hintergrund, nur die allerhäufigsten Krankheitsbilder sind enthalten.

usw. aus dem allgemeinen Teil voraussetzen. Es gibt aber auch Querverweise für den eiligen Leser, der den allgemeinen Teil überschlagen hat. Dadurch sind auch kaum unnötige Wiederholungen enthalten. Abgerundet wird das Ganze durch ein ausführliches Sachregister und ein Raritätenlexikon, das die Krankheitsbilder skizziert, die nicht im Buch vorkommen. Relevanz für die örtliche Uni: Das Buch reicht aus, um sich auf die Orthopädieprüfungen in Hannover vorzubereiten. Preis: Das Buch kostet im Handel 24,95 €. Ich denke der Preis ist gerechtfertigt. Allerdings sollten, wie ich finde, Farbabbildungen bei diesem Preis vorhanden sein. Fazit: Insgesamt ist der Krämer ein empfehlenswerter Titel für das Fach Orthopädie: das Buch vermittelt ein solides Wissen für dieses Gebiet.

Titel: Orthopädie und Unfallchirurgie Autoren: Rössler, Rüther Verlag: Urban & Fischer ISBN: 3437425919 Preis: 34,95 €

Kurzbeschreibung: Das Buch „Orthopädie und Unfallchirurgie“ von Rössler und Rüter bietet eine umfassende Darstellung der Orthopädie. Auch die Unfallchirurgie wird mit angeschnitten. Das Buch richtet sich hierbei nach dem Gegenstandskata-

log und ist daher für Prüfungsvorbereitungen angebracht. Zielgruppe: Dieses Buch ist sowohl für das Studium als auch PJ gedacht. Für die Zeit danach ist es sicherlich auch einmal zum schnellen Nachschlagen des einen oder anderen Krankheitsbildes gut geeignet. Inhalt: Dieses Orthopädiebuch stellt ausführlich und anschaulich die Vielfalt der Krankheitsbilder dar. Gerade ein Fach wie die Orthopädie lebt von Abbildungen und Darstellungen der Fälle. Auch hier wird dieses Buch seiner Aufgabe mit vielen ergänzenden und erklärenden Fotos, Röntgen- und CT-Bildern, aber auch zahlreichen anatomischen Farbzeichnungen gerecht. Ein Manko bei diesem Buch ist allerdings die Unfallchirurgie: Sie wird, wie in jedem Orthopädiebuch, kurz abgehandelt. Dafür, dass der Begriff Unfallchirurgie allerdings im Titel erscheint, ist dieser Teil zu knapp geraten und weckt so falsche Hoffnungen, daher der Punktabzug. Für das Studium jedoch ist dieses Buch ausreichend und deckt das Feld der Orthopädie gut ab.

Didaktik: Das Buch liest sich insgesamt recht flüssig, so dass so manche Lektürestunde wie im Fluge vergeht. Vorteilhaft zum Lernen und Einprägen ist die übersichtliche Gliederung jeder Krankheit bzw. Störung nach einem konstanten Schema: Definition, Ätiologie/Pathogenese, Klinik, Diagnostik sowie Therapie. Auch das Inhaltsverzeichnis besticht durch seine Übersichtlichkeit und lässt keine Themen vermissen. Aufbau: Grundlegende Dinge zu Bau und Funktion von Knochen, Knorpel und Gelenk werden zu Beginn des Buches kurz repetiert, ebenso finden sich anatomische Abbildungen am Anfang des entsprechenden Kapitels. Somit ist gewährleistet, dass sich auch der anatomieverdrängende Student schnell wieder in die Materie hineinfindet und lästiges Nachschlagen entfällt. Praxisbezug stellen hierbei einige Fallbeispiele her, welche allerdings nicht so zahlreich sind, wie man es aus vergleichbaren Büchern kennt. Zusätzlich zu farblich hervorgehoben Merksätzen gibt es an jedem Kapitelende eine kurze Zusam-

menfassung. Außerdem erfolgt eine detaillierte Darstellung der klinischen Untersuchungsmethoden, nicht zuletzt auch mit Hilfe zahlreicher Bilder. Dem Buch beiliegend ist eine Untersuchungskarte, welche die Neutral-Null-Methode darstellt und gut in jede Kitteltasche passt. Preis: Das Buch kostet im Handel 34,95 € und schlägt somit mäßig im StudentenBudget zu Buche. Das Preis-LeistungsVerhältnis ist sehr gut. Fazit: Dieses Buch ermöglicht einen guten Einstieg in das Fach Orthopädie, wobei allerdings die Unfallchirurgie zu kurz gekommen ist. Der schnellen Prüfungsvorbereitung dienen die Zusammenfassungen am Kapitelende und das Bildmaterial. Ich würde dieses Buch in jedem Fall weiterempfehlen, nicht zuletzt wegen des ansprechenden Preis-LeistungsVerhältnisses. Von diesem Buch verlosen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw815


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Ein Jahr Erasmus-Studium in Paris von Marie-Luise Matzel

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rankreich sieht aus wie ein Garten, wo man die schönsten Blumen pflückt, um sie zu einem Strauße zu binden, und dieser Strauß heißt Paris! (Heinrich Heine) Eine gute Beschreibung, um die Bedeutung der französischen Hauptstadt für ihr Land dazustellen. Ein Jahr lang habe ich als Erasmusstudentin in dieser Stadt verbracht, mit all ihren Strömungen und Möglichkeiten im und neben dem Studium. Ich war

eingeschrieben an der Université Pièrre et Marie Curie, Paris 6. Die medizinische Fakultät heißt Pitié-Salpêtrière. Hier haben namhafte Männer gewaltet, deren Entdeckungen wir heute auswendig lernen, wie z.B. Babinski. Nicht immer war es leicht, gerade die Anfangsbürokratie erforderte Geduld und Optimismus. Eine richtige Vorstellung des Auslandsaufenthaltes kann man sich vorher einfach nicht machen, trotz Erfahrungsberichten und anderen Arten der Vorbereitung. Doch der Charme der Stadt versöhnt, so vieles gibt es zu entdecken… ein grandioses Jahr!

Eine Frage des Preises

Möglichkeiten gibt es viele, es ist alles eine Frage des Preises. Studentenwohnheime sind einige vorhanden. Unter ausländischen Studenten besonders gefragt ist die Cité Internationale Universitaire de Paris (CIUP), in der die Häuser unterschiedlicher Länder ihre Kandidaten untereinander verteilen, um für eine größtmögliche internationale Durchmischung zu sorgen. Das Gelände ist aufgebaut wie eine eigene kleine Stadt, mit Theater, Kinoaktionen, eigener Post- und Bankfiliale und räsonablen Zimmerpreisen. Man muss sich früh bewerben, die Unterlagen können per Mail angefordert werden und gehen an das deutsche Heinrich-HeineHaus. Leider ist die Zahl der Plätze gering im Vergleich zur Bewerberzahl.

FERNSEHZIMMERSCHLIESSUNG UM 23 UHR

Nôtre Dame – Bild: Marie- Luise Matzel

Eine Möglichkeit bei Absage ist die Anfrage beim sozusagen uninternationalen Gründerhaus der Cité U, das „Deutsch de la Meurth“. Für Mädchen gibt es so genannte „Foyers“. Die Regeln reichen von offen bis streng, je nach Institution. Außergewöhnlich für freigeistige Studenten ist z.B. das Besuchsverbot (geschlechtsunabhängig!) auf dem Zimmer und Fernsehzimmerschließung um 23 Uhr. Trotzdem ist es eine preiswerte Alternative, wenn auch ungewohnt nach deutschem Studentenmaß. WGs (Collocation) sind in Frankreich weniger populär als bei uns. Viele Wohnungen sind leider auch nicht entsprechend aufgebaut, häufig gibt es Durchgangszimmer. Eine typische Wohnart für Studenten sind die Chambre de Bonnes, die ehemaligen Bedienstetenzimmer in den alten Stadthäusern, meist mit Waschbecken und kleinster Kücheneinrichtung ausgestattet. Toilette und Dusche befinden sich hier oft auf dem Flur.

Echtes Pariser Leben

Ich hatte an der Cité U leider kein Glück, genauso wenig mit meinen Versuchen, von Deutschland aus schon etwas zu regeln und machte mich zwei Wochen vor Semesterbeginn in Paris auf Wohnungssuche – wie die große Zahl aller Studenten. Unglaubliche und freche Angebote boten sich hier feil, hohe Preise für unmögliche Wohnverhältnisse. Trotzdem: Mit Geduld und Optimismus findet man etwas und ich bin im Nachhinein auch froh, nicht in der Cité U untergekommen zu sein. Zwar lassen sich Kontakte anfangs ein bisschen schwieriger aufbauen als auf einem Campus, aber dafür findet man echtes Pariser Leben. Haushälterin, die Concierge, am Eingang wohnend, der typische Hinterhof, in meinem Fall täglicher Markt direkt vor der Haustür… es war toll! Außerdem läuft man nicht Gefahr, über die Möglichkeiten der Cité U die Stadt Paris zu vergessen und braucht nicht so lange, um in die Stadt zu gelangen.

Behördengänge und Papierkrieg

Einmal eine Wohnungsmöglichkeit gefunden, sollte man gleich der Bürokratie den Kampf ansagen! Der wichtigste Wegesparer vorweg: Immer ausreichend Passbilder dabei haben!

WOHNGELD KANN VIEL AUSMACHEN! In Frankreich kann man bei der Caisse d‘allocations familiales (CAF) Wohngeld beantragen. Wirklich lohnend, denn die Unterstützung kann viel ausmachen! Das passende Formular kann aus dem Internet (www.caf.fr) www.caf.fr) gezogen werden, bitte www.caf.f unbedingt dafür sorgen, dass der Vermieter seinen Teil ausfüllt. Solltet ihr ein Konto in Frankreich eröffnen wollen (notwendig für CAF-Geld), legt ihr ihm das Formular der Bank gleich mit vor. Leider entspricht sich keine Bank in ihren Forderungen an Nachweisen, darum am besten vorher erkundigen. Eine sehr gängige Institution ist BNP Parisbas, sie steht in Kooperation mit der Deutschen Bank. Um preiswert Bus und Bahn zu fahren, gibt es für Studenten unter 26 Jahren die Carte ImagineR, eine Art Jahresabo, das sich wirklich lohnt. Die Unterlagen erhält man an den Ticketverkaufsschaltern.

Uni und Studienaufbau

Das französische Medizinstudium wird in zwei große Abschnitte geteilt. Der zweite Teil beginnt nach 2 Jahren, ab jetzt arbeitet man vormittags im so genannten „stage“ täglich auf einer bestimmten Station und ist als „externe“ fest in alle Abläufe integriert. Ich wurde dem 4. Studienjahr zugeordnet, das DCEM 2 (deuxième cycle des études médicales, 2ème année) genannt wird und pro Jahr drei „stages“ von ungefähr je 3,5 Monaten beinhaltet. Die „stages“ dauern von 9 bis 13 Uhr unter der Woche, teils auch am Wochenende. Meist befinden sich mehrere Studenten auf einer Station, man teilt sich die Betten untereinander auf und kümmert sich um seine Patienten. Neben Kleinkram wie Laborergebnisse und ähnliches wegzuordnen beinhaltet dies sämtliche Untersuchungen. „Learning by doing“ lautet die Devise. Bei den ersten Malen schaut man noch zu, dann ist man ganz schnell selber dran: Blutgasabnahmen, Lumbal-/ Lungenpunktionen gehören, je nach Arzt und Fachrichtung, dazu, wobei natürlich wie überall viel von der Lust und Unlust der Vorgesetzten abhängt. Verbandswechsel, Blutabnahmen oder Zugänge legen wird von den Krankenschwestern erledigt.

MAN DÖST NICHT SO LEICHT WEG WIE BEIM HAKENHALTEN Im OP hält man eher keine Haken, die Studenten reichen hier die Instrumente an. Im ersten Moment Angst einflößend, stellt es sich als gar nicht so schlimm heraus. Die Chirurgen sind instrumentenunkundige Studenten gewohnt und nehmen sich die „Klemme de Koschäääär“ auch mal selber. Der Vorteil: Man folgt der OP zwangsläufig, versteht die Abläufe besser und döst dank wechselnder Beschäftigung nicht so leicht weg wie beim Hakenhalten. Weiter geht es online im Digitalen Nachschlag. Alle Infos dazu gibt es im Infokasten auf Seite 12.

kurz notiert

Radikalfänger gegen Unterernährung

In einer Studie der Uni Giessen wurden Kinder mit schwerem Kwashiorkor mit der derzeit etablierten Therapie behandelt und über 20 Tage klinisch überwacht. Als Nahrungszusatz erhielten sie verschiedene antioxidativ wirksame Substanzen. Sowohl Glutathion als auch Liponsäure senkten die Sterblichkeit der Kinder im Vergleich zur Kontrollgruppe um mehr als die Hälfte. Auch der klinische Zustand sowie die Blutwerte der Kinder verbesserten sich auffällig. Die Wissenschaftler schlagen daher eine so genannte multizentrische Studie vor, auf deren Basis die Gabe von Glutathion beziehungsweise Liponsäure in die internationalen Therapieempfehlungen übernommen werden kann.

Volkskrankheit auf dem Vormarsch

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland erkrankt jährlich an der Urolithiasis, der schmerzhaften Bildung kristalliner Festkörper in der Niere oder Blase. Damit hat sich die Zahl der Steinerkrankungen innerhalb der letzen 20 Jahre verdreifacht. „Es reicht daher nicht aus, den Stein zu zertrümmern oder endoskopisch zu entfernen. Vielmehr müssen wir mit einer Nachbehandlung dafür sorgen, dass es bei einem einzigen Stein bleibt“, so der Harnstein-Experte PD Dr Wolfgang Berb von der Uni Jena. Die zunehmende Erkrankungszahl und hohe Anzahl wiederholter Steinvorfälle benötigten andere Lösungen, so Berb.

Kostenlose CD zum Physikum

Fehlen euch für die Physikumsvorbereitung noch die MC-Fragen der aktuellsten Examina? Erstmalig besteht die Möglichkeit, eine CD mit Abfrageprogramm und den neusten Fragen im originalen IMPP-Layout bei eurer Fachschaft kostenlos abzuholen. Ratiopharm sponsert diese CD, es fallen bei Sammelbestellung über die Fachschaft oder über einen „Semestersprechen“ auch keine Portokosten an. Die CD wird halbjährlich um die neuen Prüfungen erweitert und jeweils zum Semesteranfang verteilt werden.

Neue Behandlung bei M. Bechterew

Patienten mit der rheumatischen Erkrankung Morbus Bechterew profitieren klinisch von einer Behandlung mit Antikörpern gegen TNF-alpha. Wie jetzt erneut in einer Studie gezeigt werden konnte, kam es bei einem Großteil der Patienten, die mit dem TNF-alpha-Antikörper „Infliximab“ behandelt wurden, zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome. „Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob sich der Verlauf der Erkrankung auch strukturell langfristig positiv beeinflussen lässt“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Braun vom Rheumazentrum Ruhrgebiet. MEDI-LEARN Zeitung Online gibt es wöchentlich weitere interessante Artikel und Nachrichten rund ums Medizinstudium – mehr Infos unter: www.medi-learn.de /zeitung


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kurz notiert

My Heart Will Go 3D

Der modernste Computer-Tomograph (CT), ein so genannter 64Zeiler (Volumen-CT), und neueste Rechnertechnologie machen es möglich: In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) können Radiologen ihre Patienten nun noch genauer untersuchen. Erstaunliche Aufnahmen des Knochengerüstes, der Organe und Blutgefäße zeigen dreidimensionale Farbbilder des Körperinneren. Der neue Computer-Tomograph liefert binnen fünf Sekunden gestochen scharfe dreidimensionale Bilder, beispielsweise des Herzens: Das Hightech-Gerät gehört zu den 64-Zeilern – so genannt, weil 64 Röntgenstrahlen-Empfänger (Detektorzeilen) gleichzeitig Bilder erzeugen. Diese Aufnahmen setzt dann ein Rechnersystem mit Hilfe der Daten eines gleichzeitig aufgenommenen EKGs in dreidimensionale Bilder um. „Damit können wir sehr viel besser das schlagende Herz untersuchen und Veränderungen wie verengte Herzkranzgefäße feststellen“, sagt Professor Dr. Michael Galanski, Direktor der MHH-Abteilung Diagnostische Radiologie. Zudem eignet sich der Computer-Tomograph für die Notfalldiagnostik bei Brustschmerzen, da die Radiologen hiermit sowohl einen Herzinfarkt, einen Aortenriss oder ein Blutgerinnsel in den Lungengefäßen (Embolie) in wenigen Sekunden feststellen können. „Nur wenige Kliniken in Deutschland verfügen über diese modernsten Geräte“, sagt Professor Galanski. Hightech hat ihren Preis: Die Kosten liegen bei über einer Million Euro. Nicht mehr so lange die Luft anhalten Der Computer-Tomograph ist nicht nur schneller als sein Vorgängermodell, er liefert auch mehr Daten. Röhre und Detektor drehen sich dreimal in der Sekunde um den Patienten. Weil der Untersuchungstisch gleichzeitig verschoben wird, tastet der CT die Patienten spiralförmig ab. Die Aufnahme des kompletten Herzens ist so in rund fünf Sekunden möglich – wesentlich schneller als bisher. Da die Patienten währenddessen die Luft anhalten müssen, bietet der 64-Zeilen-CT einen großen Vorteil: „Auch Menschen mit Atemnot können wir nun besser untersuchen“, sagt Dr. Herbert Rosenthal, Oberarzt der MHH-Abteilung Diagnostische Radiologie. Die dreidimensionalen Bilder des bewegten Herzens zeigen selbst kleinste Details: Herzkranzgefäße, die durch Kalk verengt sind oder durch fettige Ablagerungen- die so genannten Soft-Plaques. Andere Organe lassen sich ebenfalls genauer und schneller darstellen. Die Vorteile ergeben sich besonders in der Notfallmedizin für Schwerverletzte, bei denen Knochenbrüche und innere Verletzungen schnell und präzise erkannt werden müssen. Weitere Informationen Dr. Herbert Rosenthal, MHH-Abteilung Diagnostische Radiologie, E-Mail: rosenthal.herbert@mhhannover.de.

Ein Fachwerkhaus für mich allein Krankenpflegepraktikum in England

Ein halbes Jahr vor meinem gewünschten Aufenthalt habe ich etwa 20 Bewerbungen abgeschickt und nur Absagen oder gar keine Antwort erhalten. Nach ziemlich langer Zeit kam dann doch noch ein Brief mit einer Zusage von der Cardinal Clinic aus England.

de jeden Tag von der Putzfrau aufgefüllt, ich bekam täglich frische Handtücher und konnte alles dort benutzen (Waschmaschine, Wäschetrockner, Bügeleisen, Spülmaschine etc.).

WIE EIN SCHLOSS MITTEN IM ALTEN WINDSOR

Nach meiner Ankunft habe ich einen Rundgang durch die Klinik und in der Umgebung gemacht. Eine traumhafte Lage, mitten in der Natur. Die Klinik hat zahlreiche Gärten und ist von riesigen Feldern und Weiden umgeben, so dass im Sommer die Therapien auch im Freien durchgeführt werden. In der Klinik ist Platz für etwa 30 Patienten, die stationär aufgenommen werden können. Allerdings sieht das Ganze nicht wie ein Krankenhaus aus, sondern eher wie eine familiär geführte Pension. Weiterhin gab es Tagespatienten, die morgens bis abends zu allen Therapien gegangen sind, aber die Nacht zu Hause verbracht haben. Eine andere Möglichkeit war ein stundenweiser Aufenthalt oder eine einzelne Sitzung mit einem Arzt. Die Patienten fühlten sich alle sehr wohl, sie wurden zu den Mahlzeiten wie im Restaurant bedient und hatten zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. Es gab dort unter anderem einen großen Swimmingpool, der nicht nur zu Therapiezwecken genutzt wurde. Patienten sowie Personal durften auch alleine in ihrer Freizeit schwimmen gehen. Ich als Wasserratte nutzte diese Gelegenheit jeden zweiten Abend. Des Weiteren verfügte die Klinik über eine große Turnhalle, in der Yogakurse und dergleichen angeboten wurden sowie einen Kunstraum. Dieser war von allen sehr begehrt, da man hier seine kreativen Fähigkeiten auslassen konnte und alles basteln durfte, was man wollte.

von Anja Edelmann

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achdem ich bereits zwei Monate Pflegepraktikum in Deutschland hinter mich gebracht hatte, entschloss ich mich, meinen letzten Monat im Ausland zu absolvieren. Für mich kam in erster Linie ein englischsprachiges Land in Frage, da ich mein medizinisches Fachenglisch verbessern und gleichzeitig einen Einblick in die medizinische Versorgung und Organisation eines anderen Landes bekommen wollte. Ich entschied mich für Großbritannien.

Bewerbung

Ich habe im Internet über die englische Suchmaschine www.yell.com nach Krankenhäusern in ganz Großbritannien gesucht. Die Region war mir in erster Linie egal, obwohl ich schon gerne ans Meer gegangen wäre. Doch das stellte sich als nicht so einfach heraus. Ich habe zahlreiche Bewerbungen schriftlich an die Klinikleitung verschiedener Krankenhäuser geschickt und darin genau erklärt, was wir in Deutschland bei einem Pflegepraktikum machen müssen, das es Vergleichbares in Großbritannien nicht gibt.

Mir wurden Prospekte der Klinik mitgeschickt und ich war begeistert. Zunächst dachte ich, es würde sich um eine Herzklinik handeln, da „cardinal“ ein bisschen nach Herz klingt. Nachdem ich allerdings die Prospekte gelesen hatte, wurde mir klar, dass es sich um eine Psychiatrie handelt. Ich wollte ursprünglich eher in die chirurgische oder orthopädische Fachrichtung gehen. Doch die Klinik hat mich überzeugt. Es handelte sich um eine Privatklinik, die mir sogar kostenlose Unterkunft und Verpflegung zugesichert hatte. Ich konnte meinen Augen nicht glauben, als ich die Klinik auf den Bildern sah. Ein altes Fachwerkhaus, das eher aussah wie ein Schloss – mitten im alten Windsor, umgeben von Feldern und Natur. Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen: Meine 30 Tage Pflegepraktikum im August/September 2005 würde ich in der Cardinal Clinic durchführen.

Vorbereitungen für den Aufenthalt Das „Old Farmhouse“ aus dem 15. Jahrhundert als Unterkunft – Foto: Anja Edelmann

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Ich hatte vor meinem Aufenthalt noch einen regen Schriftverkehr mit der Klinikleitung, um noch möglichst viele Informationen zu erhalten. Mir wurde mitgeteilt, dass ich während der Dienstzeit keine Hosen tragen durfte und mir stattdessen als Dienstkleidung einen schwarzen Rock und eine weiße Bluse besorgen sollte. Das hatte mich natürlich sehr verwundert, da wir in Deutschland ja immer alle ganz in Weiß gekleidet sind. Aber anderes Land, andere Sitten! Der kürzeste Weg, von Deutschland aus in die Klinik zu kommen, ist per Flug bis zum Heathrow Airport und dann noch mal etwa 30 Minuten mit dem Bus, der fast vor der Klinik hält. Meine Reise konnte also beginnen.

Residieren im „Old Farmhouse“

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Ich kam an einem Sonntagnachmittag in der Klinik an. Die erste Person, die mir im Klinikgelände über den Weg lief, sagte „Hello, you are Anja from Germany, aren‘t you?“ Mir verschlug es fast die Sprache. Ich konnte kaum glauben, dass dort die halbe Klinik über meinen Aufenthalt informiert war. Aber die gleiche Reaktion stellte ich auch bei den nächsten Personen fest, die ich dort traf. Das machte einen sehr positiven und familiären Eindruck auf mich und ich war froh, dass ich nach meiner langen Reise gleich so nett begrüßt wurde. Die Krankenschwestern halfen mir beim Tragen meiner Koffer und brachten mich in meine Unterkunft.

VIER BADEZIMMER, DREI WOHNZIMMER – UND ICH Ich wohnte im „Old Farmhouse“, einem großen Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert direkt neben der Klinik. Hier gab es fünf Wohnungen. Ab und an übernachtete mal ein Psychotherapeut oder ein Arzt der Klinik hier, ansonsten hatte ich das ganze Haus für mich allein! Echt unglaublich: Es gab dort vier Badezimmer, drei Wohnzimmer mit mehreren Sofas und einem Klavier, eine riesige Küche und viel Luxus. Mein Kühlschrank wur-

Eher Pension als Krankenhaus

Ausschlafen bis Dienstantritt

An meinem ersten Arbeitstag bekam ich erst einmal einen Einblick in den Ablauf und meine Tätigkeiten als Pflegepraktikant. Man musste dort etwa 6-8 Stunden pro Tag arbeiten und es ging alles sehr gemütlich zu. Ich hatte entweder Frühdienst, der begann morgens 7.30 Uhr, oder Spätdienst von 12 bis 20 Uhr. Ich hatte natürlich auch noch den Vorteil, dass ich gleich direkt neben der Klinik gewohnt habe und somit morgens bis kurz vor Dienstantritt schlafen konnte! Zu Beginn jeder Schicht wurden die aktuellen Patienteninformationen an alle Schwestern weitergegeben, so wie ich auch die Übergabe aus deutschen Kliniken kannte. Darauf musste aber in der Psychiatrie besonderer Wert gelegt werden, da dort jedes veränderte Verhalten auch für den Arzt von großer Bedeutung sein konnte. Morgens bin ich durch die Zimmer gegangen, habe die Patienten aufgeweckt und deren leere Wasserflaschen aus ihren Zimmern genommen. Das war eine gute Gelegenheit, sich jedem Patienten vorzustellen und die Namen zu lernen. Ohne die Namen der Patienten war man aufgeschmissen, denn ich musste sie zu den einzelnen Mahlzeiten wie in einer Gaststätte bedienen. Dabei war das gewählte Essen schon mit Namensschild für jeden bereitgestellt. Die meiste Zeit habe ich mit den Psychologiestudenten zusammengearbeitet, was für mich auch von der fachlichen Seite sehr interessant war. Mit der Sprache hatte ich keine Probleme, das Englisch in dieser Region ist ohne Dialekt und sehr gut verständlich. Die Engländer freuen sich sehr, wenn jemand ihre Sprache beherrscht. Sie selbst lernen erst sehr spät Fremdsprachen in der Schule, so dass sie die Sprachkenntnisse Fortsetzung auf Seite 11


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www.medi-learn.de anderer Menschen bewundern. Man hat mich jeden Tag gelobt, dass mein Englisch sehr gut sei und sich immer mehr verbessere.

NATÜRLICH HATTE ICH NACH VIER WOCHEN EIN PAAR KILO ZUGENOMMEN… Ich wurde allen in der Klinik vorgestellt. Mittlerweile kannte mich dann jeder Arzt, alle Hausmeister, die Putzfrauen und nicht zu vergessen das Küchenpersonal. Den Chefkoch konnte ich nur jeden Tag erneut loben, denn das Essen dort war sehr gut. Dem gesamten Klinikpersonal wurde kostenlose Verpflegung gewährleistet. Man konnte zu allen Mahlzeiten ein 4-GängeMenü auswählen, das sehr reichlich und von ausgezeichneter Qualität war. Natürlich hatte ich nach vier Wochen dann auch ein paar Kilo zugenommen.

Patienten zu den einzelnen Sitzungen begleiten, so z.B. zu verschiedenen Gruppentherapien (gegen Angst, zur Stressbewältigung oder bei Alkoholproblemen). Das war recht interessant, weil man die Probleme der Patienten nicht nur aus der Akte studiert hatte, sondern miterleben und darauf eingehen konnte. Zur Erholung der Patienten (und für mich) gab es dann „relaxation“ (Entspannungsübungen), flower arranging (Anfertigen von Blumengestecken), Kunstsitzungen, Theatergruppen und vieles mehr. Ich genoss es sehr, einen Einblick in alle Angebote zu bekommen. Einen Tag habe ich in der Theatergruppe mitgespielt, was eine große Herausforderung für mich war, da man sofort auf die Handlung seines Partners reagieren musste. Es hat aber alles sehr großen Spaß gemacht. Mit der Zeit habe ich nicht nur mit den Krankenschwestern und Psychologiestudenten zusammengearbeitet, sondern

Herausforderung und Entspannung Das Leben in nie langweilig. tagfüllendes, Programm: Ich

der Klinik war Es gab ein vielfältiges durfte die

auch einige Ärzte kennen gelernt. Die meisten von ihnen waren sehr unscheinbar, da keiner ein Namensschild oder weiße Kleidung trug. Meistens wurde ich von Ihnen angesprochen, da sie auf meinem Namensschild erkennen konnten, dass ich Medizin studiere. Anscheinend waren in der Klinik bisher fast nur Psychologiestudenten. FÜR MICH WURDE

EXTRAUNTERRICHT ORGANISIERT

Die Ärzte waren jedenfalls begeistert und haben mich dann gleich in fachliche Gespräche verwickelt. Es wurde extra meinetwegen eine Art Unterricht organisiert. Zweimal pro Woche habe ich mich dann mit dem Chef der Klinik zusammengesetzt, der mich über verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder informierte. Daraus konnte ich sehr viel lernen und für mein späteres Arztdasein mitnehmen. Ein anderer Arzt bat mich, ein Interview mit einem Patienten durchzuführen. Ich sollte herausfinden, ob die kognitiven Fähigkeiten aufgrund von Alkoholkonsum eingeschränkt waren. Dafür hatte ich mich vorher noch ein bisschen eingelesen und den Fall mit den Kranken-

schwestern diskutiert. Neben meinem Leben in der Klinik hatte ich natürlich auch noch Freizeit, was für mich wie ein schöner Urlaub war. Ich bin sehr oft nach Windsor gefahren (mit dem Fahrrad 15 Minuten), habe dort eine Stadtrundfahrt sowie eine Bootstour auf der Themse gemacht. Ansonsten hatte ich auch in der nahen Umgebung die Möglichkeit, lange Spaziergänge und Fahrradtouren in der Natur zu machen. Erstaunlicherweise hat sogar das Wetter mitgespielt. Dadurch konnte ich den großen Garten vor meinem Farmhaus oft nutzen. Während meiner freien Zeit lag ich in der Sonne und habe ein Buch gelesen, während die Gärtner um mich herum den Rasen mähten und faulige Äpfel auflasen.

Mein bestes Pflegepraktikum

Alles in allem war es das beste Pflegepraktikum, das ich je gemacht habe. Ich konnte die Zeit dort richtig genießen; es war eine tolle Kombination aus Arbeit, Lernen und Erholung. Sicherlich ist es dem Zufall zu verdanken, dass ich an so eine gute Adresse gelangt bin. Aber im Vergleich zu Deutschland, wo man beim Pflegepraktikum nur ausgenutzt wird und sich die Streitigkeiten zwischen Arzt und Schwester anhören muss, kann ich ein Praktikum im Ausland nur wärmstens empfehlen. Ich würde aufgrund meiner positiven Erfahrungen und den schönen Erinnerungen nicht zögern, so etwas noch einmal zu machen.

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Ausland, Bewerbung und Weiterbildung 100 Tage Sponsored Room der Deutschen Ärzte Finanz von Redaktion MEDI-LEARN

B

ereits über 100 Tage liefert der neu aufgebaute Sponsored Room als Serviceangebot der Deutschen Ärzte Finanz auf den Webseiten von MEDILEARN profunde Informationen und Servicedienstleistungen für junge Mediziner: wir stellen euch im folgenden 3 typische Studenten vor – Henrike aus Heidelberg, Bernd aus Hamburg und Felicitas aus Berlin. Sie stehen stellvertretend für viele Studenten in ähnlichen Situationen und finden das für sie passende Serviceangebot im Sponsored Room auf den Webseiten von MEDI-LEARN.

Auf ins Ausland – doch wohin?

Henrike M. aus Heidelberg hat gerade ihr Physikum absolviert und endlich geht es in die klinischen Semester. Sie möchte wie viele andere auch nach den ersten vier, doch eher theoretischen Semestern endlich Klinikluft schnuppern und ist mit den Vorbereitungen für eine Famulatur beschäftigt. Schon immer reiselustig zieht es sie in ferne Länder – doch wohin und was gibt es über einzelne Länder an wichtigen Informationen? Vom Heidelberger Schloss blickt sie in einem Cafe sinnierend auf den Neckar und die Weinberge: „Die Welt ist gross und es gibt über jedes Land so viele Dinge zu erfahren und auch zu beachten. Wenngleich ich schon einige Favoriten in der engeren Auswahl habe, gerne nach Asien oder Lateinamerika möchte, fällt

mir die Wahl dennoch schwer“, denkt sie sich. Für Henrike ist der Länderinformationsdienst im Sponsored Room eine willkommene Fundgrube an nützlichen Informationen: kostenlos sind hier zu über 60 Ländern Info-Pakete erhältlich, die die Wahl und Vorbereitung eines Auslandsaufenthaltes deutlich erleichtern.

Bewerben, aber richtig

Ganz anders Bernd L. aus Hamburg: als waschechter Hanseat steht er bereits an der Klippe in das ärztliche Berufsleben und braucht sich um Famulaturen nicht mehr zu kümmern: gerade hat er sein erstes PJ-Tertial im Lieblingsfach Chirurgie hinter sich gelassen und kümmert sich an einem verlängerten Wochenende schon während des PJ´s um seine ersten Bewerbungen. Obschon er das ein oder andere über die professionelle und Erfolg versprechende Bewerbung um eine Stelle als Assistenzarzt aus Internet und Büchern in Erfahrung bringen kann, bleibt bei ihm ein Rest an Unsicherheit: „Ich möchte mit meiner Bewerbung einen soliden Eindruck hinterlassen und habe trotz allem Wissen Bedenken hier folgeträchtige Fehler zu machen, die meine Wunschstelle vielleicht doch in weite Ferne rücken lassen. Ideal wäre auch eine Art Training oder Übung für ein Bewerbungsgespräch“, erläutert er. So wie Bernd ergeht es vielen PJ´lern. Da wird er auf den PJ-Info-Treff und die Be-

All around the world: kostenloser Länderinformationsdienst

werberworkshops der Deutschen Ärzte Finanz aufmerksam: hier geben Experten Antworten auf Fragen, die für den Berufsstart als Assistenzarzt am wichtigsten sind.

Informationen über die Möglichkeiten und Anforderungen in den unterschiedlichen Fachrichtungen, die ihr helfen, das Facharztziel ohne Zeitverluste und zielgerichtet zu erreichen.

Zielgerichtet zum Facharzt

Information und Service für junge Mediziner

Während Henrike aus Heidelberg mit der Planung ihrer Auslandsfamulatur beschäftigt ist und sich Bernd aus Hamburg Gedanken über seine Bewerbung macht, hat Felicitas aus Berlin diese Hürden bereits genommen – auf sie wartet eine neue, gänzlich andere Herausforderung: die Weiterbildung. Fachärztin für Anästhesiologie oder für Kinder- und Jugendmedizin – beides sind Fachrichtungen, die für sie in die engere Auswahl kommen. „Jetzt heißt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Für mich sind Informationen über die Anerkennung von möglichen Anrechnungszeiten in meinen Lieblingsfachrichtungen nun sehr wichtig und hier heißt es, wohlüberlegt zu entscheiden und sich über die verschiedenen Wege der Weiterbildung zu informieren“, gibt sie über ihre Beweggründe preis. Im Weiterbildungsplaner im Sponsored Room findet sie schließlich ausführliche

Neuerscheinungen

Arzneimittel pocket plus Die Zusammenführung der beiden Kitteltaschenbücher „Arneimittel pocket“ und „Arzneimittel Therapie pocket“ geht in die zweite Runde. Der Börm Bruckmeier Verlag bietet damit auf rund 600 Seiten einen Überblick über 1.200 Wirkstoffe, stellt Dosisangaben und Präparatnamen übersichtlich zusammen. Neuerung der 2. Auflage: Die Q0Werte zur Berechnung der Dosisanpassung bei Niereninsuffienz sowie das lang gewünschte Kapitel Antineoplastika. Arzneimittel pocket plus 2006 Ruß, Endres Börm Bruckmeier Verlag - 18,80 € ISBN: 3898622568

Fakten. Arzneimittel 2006

Im Georg Thieme Verlag erscheint die 2. Auflage des Kitteltaschenbuches „Fakten. Arzneimittel“ mit über 1.100 Wirkstoffen auf einen Blick. In der zweiten, korrigierten und überarbeiteten Auflage wurden unter anderem die „Tagestherapiekosten“ und Infos zur Medikamentenanpassung in der „Schwangerschaft und Stillzeit“ hinzugefügt. FAKTEN. Arzneimittel 2006 Detlev Schneider, Frank Richling Georg Thieme Verlag - 12,95 € ISBN 3131405422

Ich werde untersucht, aber wie?

Dieses medizinische Vorschulbuch wendet sich an Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Von der Aufnahme bis zur Operation werden die häufigsten Untersuchungen im Kinderkrankenhaus oder in der Kinderarztpraxis vorgestellt und kindgerecht beschrieben. In einfühlsamen Beschreibungen werden Themen wie die Aufnahmeuntersuchung, die Untersuchung im Labor, die Röntgenuntersuchung, das EKG und das EEG und der Ultraschall mit Bilder und Texten beschrieben. Natürlich dürfen auch die Operationen nicht fehlen und werden kindgerecht dargestellt. In einem Spiel am Ende des Buches können die Kinder ihre Kenntnisse spielerisch einsetzen. Ich werde untersucht, aber wie? Mechthild Hoehl, Gisela Dürr Georg Thieme Verlag - 12,95 € ISBN 3131414618

Klinische Ethik

Feedback erwünscht!

Mit der neuen Approbationsordnung (AO) ist die Klinische Ethik zum Querschnittsfach aufgewertet worden. Aus gutem Grund: Die moderne Medizin hält für den Arzt Situationen bereit, in denen er in ethisch-moralische Konflikte gerät: Patientenverfügung, Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik. Themen, mit denen es umzugehen gilt. Dabei hilft das neue Lehrbuch aus dem Heidelberger Verlag. Klinische Ethik Hick, Christian (Hrsg.) Springer Verlag - 19,95 € ISBN: 3540218920

Kritik und Anregungen sind natürlich erwünscht: wenn ihr Verbesserungsvorschläge habt oder zusätzliche Informationen auf den Seiten des Sponsored Room wünscht, so sind uns eure Anregungen per E-Mail an redaktion@medi-learn.de natürlich jederzeit willkommen.

MEDI-LEARN Zeitung 5x im Jahr als Printausgabe und 1x wöchentlich als Newsletter. Mehr Infos zur Onlineausgabe findet ihr unter: www.medi-learn.de /zeitung

Auslandsaufenthalt, Bewerbung und Weiterbildung sind nur einige der Themen, zu denen ihr im Sponsored Room aussagekräftige Informationen oder passende Seminare findet. Auch zum Thema Finanzen und Absicherung seid ihr mit einem Besuch auf diesen Webseiten gut beraten. Also: gleich unverbindlich vorbeisurfen im Sponsored Room: www.medi-learn.de/aerzte-finanz


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Ein Blick hinter die Kulissen Redaktionsarbeit bei Via medici von Jan-Peter Wulf

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is ihr die fertige Ausgabe der Via medici in eurem Briefkasten habt, ist ein langer Weg zu beschreiten: Erste Redaktionssitzung, Autorenbriefing, Überarbeitung der eingeschickten Manuskripte, Redaktionsschluss, Layout und Druckabgabe. Insgesamt fünf Monate dauert es so von der ersten Heftplanung bis zum Erscheinungstermin. Bei Via medici sind drei feste Mitarbeiter an der Produktion beteiligt, dazu kommen eine Volontärin und ein Praktikant. Diese sind meist Medizinstudenten mit journalistischer Neigung, die ihre Ideen und ihre Erfahrungen aus dem Studienalltag in das Heft einbringen. Und: „Ganz wesentlich“ tragen die Leserinnen und Leser an den Inhalten von Via medici bei, wie uns Chefredakteurin Annette Steigert erklärt, „da sie in Leserbriefen und Gesprächen immer wertvolle Anregungen geben.“ Die Diplom-Biologin ist seit 1991 journalistisch für das Verlagshaus Thieme tätig und war maßgeblich am Aufbau der Via medici beteiligt. Bereits während des Studiums schrieb sie wissenschaftliche Pressetexte über Studien, die im Lancet und anderen internationalen Fachzeitschriften erschienen. Nach Abschluss ihres Biologie-Studiums, das sie von 1984 bis 1991 an der Uni Ulm und als DAADStipendiatin in Costa Rica verbrachte, ging sie zunächst als Praktikantin, dann als Volontärin zum Hippokrates-Verlag. Sie erhielt den Friedrich-Deich-Preis für Wissenschaftsjournalismus und verbrachte dann einige Monate im Ausland. Nach zwei Jahren als Redakteurin bei Hippokrates kam sie schließlich als Chefredakteurin zu Thieme.

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Was macht denn die Arbeit an einer Zeitschrift so interessant? Steigert: „Reizvoll finde ich, dass die Arbeit in einer Zeitschriften-Redaktion sehr schnelllebig und abwechslungsreich ist. Man hängt sich 2 bis 3 Monate voll in die Themen der nächsten Ausgabe rein – und schon folgt die nächste Ausgabe mit neuen Inhalten. Man beschäftigt sich mit Sprache und Bild und ist dabei ständig den Sorgen, Nöten und Bedürfnissen der Leser auf der Spur.“ Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das kann auch der Redaktionskollege Dr. Schmid bestätigen: „Wenn wir gerade ein Heft fertig haben, müssen wir sehr viel besprechen. Das neue Heft muss geplant werden, Serviceaktionen werden in die Wege geleitet, wir müssen uns mit der Online-Redaktion abstimmen und überlegen wie die einzelnen Artikel bebildert werden. Dann werden die Autoren gesucht und gebrieft. Danach geht’s ans Schreiben und Bearbeiten der Artikel.“

Seit acht Jahren ist Dr. Schmid im Team der Via medici. Nach dem Medizinstudium an der Uni Mainz von 1990 bis 1996 und fertig geschriebener Doktorarbeit (Thema war ein Vergleich der Behandlung von Koronar-Patienten mit komplexen Stenosen) stand bei ihm eigentlich das AiP an. Eigentlich. „Eben, als ich mich fürs AiP bewerben wollte, kam mir das Angebot von Via medici dazwischen. Natürlich habe ich sofort zugegriffen.“ Es muss nicht immer der Arztberuf sein Schmids Biographie verdeutlicht, dass ein Medizinstudium nicht zwangsläufig zu einer klinischen Tätigkeit im weißen Kittel führt: Auch in „alternativen Berufsfeldern“ außerhalb der Klinik kann man das Wissen aus dem Studium anwenden – ein Positivbeispiel für diejenigen, die nach Verlassen des „Elfenbeinturms“ feststellen, dass die Tätigkeit als Arzt doch nicht das Richtige ist. Er resümiert: „Für mich waren diese sechs Jahre Studium ein einziges faszinierendes Aha-Erlebnis.

„HABE MEDIZIN ERST OHNE WEISSEN KITTEL LIEBEN GELERNT“ Ich hab das ganze Fachwissen nur so in mich hineingefressen. Leider hab ich dabei übersehen, dass der berufliche Alltag eines Arztes mit einem Medizinstudium nix zu tun hat. Und das ist auch das Hauptdefizit des Studiums. Die meiste Zeit während diesen 12 Semestern befindet man sich in einer Art Scheinwelt. Wird man dann im Praktischen Jahr mit dem ärztlichen Alltag konfrontiert, kann das für den einen oder anderen ein ziemliches Schockerlebnis sein.“ Den Wechsel in die schreibende Zunft hat Schmid nie bereut: „Arzt zu sein ist sicher ein wunderbarer Beruf. Aber in der klinischen Medizin habe ich immer die kreativen Momente vermisst. Als Journalist hat man sehr viel mehr Freiheiten, man ist nicht so auf ein Fachgebiet eingeengt, man ist ständig Neuem auf der Spur und bleibt deswegen natürlich auch fachlich am Ball. Ich kann von mir sagen, dass ich Medizin erst richtig lieben gelernt habe, seit ich keinen weißen Kittel mehr anhabe.“ Dem kann die Volontärin Silja Schwencke nur beipflichten: „Während des Studiums habe ich geglaubt, dass ich verflucht bin, weil ich mich nie für ein Fach entscheiden konnte. Egal, ob Chirurgie oder Psychiatrie – ich fand alles faszinierend. Bei der Via medici kann ich meine Neugier endlich einmal austoben!“

Auch hier herrschen Stress und Zeitdruck

Redaktionsalltag ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Das Glitzerimage der Medienbranche hat einen ähnlich geringen Wahrheitsgehalt wie jenes scheinbare „Halbgötter in Weiß“-Bild, das so oft in klinisch tätige Mediziner hineinprojiziert wird. Auch hier regiert oft der pure Stress, wie Dr. Schmid bestätigen kann: „Leider haben wir oft so viel Arbeit, dass man vieles nur noch mit Hektik erledigen kann. Richtig schwierig wird es, wenn man nach einem langen Arbeitstag noch einen Text schreiben muss und einem eigentlich nur noch der Bildschirm vor den Augen verschwimmt.“ Eigene Artikel zu verfassen, das schafft Annette Steigert aufgrund des hohen Zeitdrucks, der zu redigierenden Autorenbeiträge und der vielen leitenden Aufgaben nur noch selten. Doch unliebsam ist ihr das keinesfalls: Auf die Frage, was ihr an ihrem Beruf nicht gefalle, muss sie passen. Dennoch: Auch Medienschaffende haben ein Privatleben und brauchen Entspannung von der Berufstätigkeit. Und wie sieht die im Konkreten aus? „Entspannung heißt für mich Freizeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen, so viel wie möglich draußen in der Natur zu sein, Sport zu treiben und den vielen spannenden Geschichten meiner Kinder zuzuhören“, verrät Steigert. Dr. Schmid entspannt sich am liebsten vor dem heimischen PC. „Kein Witz: Ich gehe heim und schreib für mich noch ein bisschen zuhause am Computer oder lese ein Buch“, so Schmid. „Aber natürlich nicht nur: Ich arbeite ganz gern mit Holz, mache Möbel und so. Auch Musik eignet sich ganz gut zum Entspannen: Ich spiele immer noch bei uns zuhause in der Blaskapelle. Das ist eine totale Gegenwelt, die all die Sinne und Emotionen mobilisiert, die unter der Woche bei der Arbeit am Computer verkümmern.“

Den richtigen Weg finden

Zum Abschluss interessierte uns natürlich, ob die beiden Experten in Sachen medizinischer Redaktion noch einen Ratschlag für ihre Leserschaft parat haben. Haben sie. Annette Steigert: „Schon während des Studiums sollten die Studierenden – z.B. durch Nachtwachen – möglichst viel Erfahrungen in der Klinik direkt am Patienten sammeln und sich erfahrene Ärzte als Vorbilder suchen, die einen professionellen und einfühlsamen Umgang mit Patienten pflegen.“ Und als „Queraussteiger“ rät Dr. Schmid: „Medizin ist wunderschön. Aber sie ist nicht alles. Jeder muss den Weg finden, der für ihn der richtige ist.“

Die kostenlose Extraportion MEDI-LEARN Zeitung

Leider sind Seitenzahl und Erscheinungshäufigkeit der MEDI-LEARN Zeitung begrenzt, so dass wir nicht immer alle Texte berücksichtigen können, die ihr uns zusendet. Genauer gesagt: berücksichtigen konnten, denn zum Glück gibt es auch zu dieser Ausgabe der MLZden DIGITALEN NACHSCHLAG mit weiteren spannenden Artikeln – aktuell mit dem zweiten Teil des Berichtes Paris – und weiteren Ergänzungen zu dieser Print-Ausgabe. Der DIGITALE NACHSCHLAG steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung – einfach die folgende Seite aufrufen: www.medi-learn.de /mlz-nachschlag

Nachschlag Online geht es weiter Diese Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Studienplatztausch

Neue Tauschbörse online! Endlich: die neue Tauschbörse für Medizinstudenten von MEDI-LEARN ist online - ein frisches Layout, verbesserte Funktionen und erweiterte Möglichkeiten machen es nun einfacher, den passenden Wunschkandidaten für den Wechsel des Studienortes zu finden. Wir stellen euch die wesentlichen neuen Features vor.

Ausland

Erasmus in Paris - Teil II Im zweiten Teil lest ihr die weiteren Erfahrungen und Eindrücke, die Marie-Luise Matzel während ihres Auslandsstudiums im Rahmen des Erasmus-Programms in Frankreichs Metropole und Welthauptstadt der Liebe hat sammeln können.

Klinik

Massage vor Beatmung Herz-Kreislaufstillstand: Statt lange und manches Mal auch umständlich Vitalfunktionen zu prüfen, sollte sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden - zuallererst mit der Herzmassage.

Traurige Nummer 1 Jahr für Jahr erleiden 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, über die Hälfte überlebt ihn nicht. Welche Risikofaktoren gilt es zu kennen? In einem Überblicksartikel bieten wir euch die neuesten Erkenntnisse über diese Zivilisationskrankheit.

News

Generation Kopfschmerz Kinder, Erwachsene, alte Menschen: Ein Land leidet unter Kopfschmerzen. Wir stellen euch die bundesweit bislang größte Studie zum Phänomen Kopfschmerz vor.

Die Welt im Gehirn Neurodegenerative Erkankungen im Visier: Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose. Prof. Noth aus Frankfurt referiert über die Welt im Gehirn.

Deine Meinung ist uns wichtig!

Spritze verhindert Zucker

Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung? Unter www.medi-learn.de /gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich – unter allen Teilnehmern verlosen wir Fachbücher im Wert von 300 €. Einfach Fragebogen ausfüllen und schon bist du dabei!

Hoffnung für Zuckerkranke: Mäuse mit Typ-I Diabetes blieben gesund, wenn sie mit einem immunregulierenden Präparat behandelt wurden.

You´re my heartmate Ein neues Kunstherz rettet, wo Transplantation nicht möglich ist. Faszinierende Einblicke in die Welt der Technik. So entsteht die Via medici: Überschriftenkonferenz am PC

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MEDI-LEARN Zeitung 01/2006  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

MEDI-LEARN Zeitung 01/2006  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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