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MLZ

Januar 2005

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www.medi-learn.de im Salon angekommen, läuft sie geschäftig in einer stets gleich verlaufenden Wanderschleife – so, als hätte sie die Automatismen in sich – den Weg zur Maschine, zum Automaten, zur Maschine, zum Trockner, zur Schleuder und wieder zum Automaten. Es ist mir ein Rätsel, warum sie dies nicht in einem Gang erledigen kann. Sie hat kleine Füße, die Beine sind geschwollen, sie scheint Herzprobleme zu haben. Ihre Schritte sind klein und schlürfend, die Schuhe ähneln Pantoffeln. Ich versuche, einen Blick auf ihre Hände zu werfen, sie huscht jedoch schnell an mir vorbei und schaut wieder einmal grimmig drein. Auf dem Rückweg sehe ich geschwollene, rote Hände mit Wurstfingern.

KAUM EINE ANDERE TÄTIGKEIT VERRÄT SOVIEL ÜBER DIE PERSÖNLICHKEIT EINES MENSCHEN Mein Blick wendet sich von ihr ab und ich lese weiter im Buch. Ich komme zu dem Schluß, daß Hände nicht nur die Visitenkarte eines Rheumatikers sind. Weiter im Text komme ich gut voran. Ein plötzlicher Blick auf die Uhr läßt mich gewahr werden, daß beide Maschinen durch sein müßten. Ich gehe hin und ich hatte recht, eine Maschine ist durch, die andere läuft noch eine Minute. Zwei Körbe werden schon einmal gesichert, um die Wäsche in Empfang zu nehmen. Neben mir steht ein Maler (man erkennt ihn an seiner für seine Arbeit typischen Kleidung). Auch er öffnet die Türe und ich sehe, wie er Arbeitsklamotten und Tücher hervorholt. „Diese Maschine wird regelmäßig desinfiziert.“ steht über jeder Maschinentüre. Ich versuche, dem Glauben zu schenken, wobei ich meine Wäsche begutachte. Auch einmal im Jahr ist regelmäßig, alles eine Sache der Definition. Zum Glück ist nichts angefärbt. Jetzt der Akt des richtigen Verteilens und Ausbalancierens der Schleuder. Jedes Mal ein Vorgang, der sehr viel

Sorgfalt meinerseits, aber ebensoviel Zufallswahrscheinlichkeit bezüglich der Funktionswilligkeit der Maschine erfordert. Ich werfe die 50 Cent für die Nr. 18 ein, beim Druck auf den Deckel halte ich einen Moment den Atem an. Es fängt an zu rumpeln und zu vibrieren, eine Sekunde, zwei Sekunden… es hat geklappt!… Doch zu früh gefreut – die Schleuder setzt aus und noch einmal wird alles umsortiert. Aber dann ist es erfolgreich! Ich kehre wieder zu meiner Bank zurück. Zehn weitere Minuten zum Studieren bis der Schleudervorgang beendet ist. Freudig registriere ich, daß mein Nachbar die Tür zum Abgang aufsucht… Ein letztes Mal lächle ich, der Dönerduft verflüchtigt sich. Die Differentialdiagnosen sagen mir, daß ich auch mal an eine „Kollagenose“ oder an eine „Brucella-Arthritis“ denken sollte, auch an einen „Morbus Behçet“. Über letzteres habe ich doch erst kürzlich einen Artikel gelesen. Wie war es denn noch mal? Häufig waren doch vor allem Menschen aus mediterranen Ländern betroffen, welche meist erst durch eine Augeneinschränkung den Arzt aufsuchen, vorher aber schon eine Weile Probleme mit den Gelenken und Aphten im Mund haben, diese aber oft nicht registrieren... Zufrieden lese ich weiter. Der Student kommt wieder rein. Er setzt sich auf einen der Tische, die eigentlich dem Falten der Wäsche dienen. Auch er packt ein Buch aus. Ich linse hinüber und entziffere „Handelsrecht“. Aha, ein Jurastudent also. Wenn ich „IMPP-like“ eine Frage beantworten müßte: „Was trifft zu?“ Der Waschsalon... 1) versorgt Stadtstreicher, damit diese ihrer persönlichen hygienischen Grundversorgung nachkommen können, 2) wird von Studenten überwiegend in den frühen Abendstunden aufgesucht, von Medizinstudenten überdurchschnittlich häufig vor den Prüfungsterminen, 3) gibt auch minderbemittelten Familien die Möglichkeit zur Reinigung ihrer Wäsche,

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN.net, Bahnhofstraße 26b, 35037 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/68 16 69, Fax: 0 64 21/96 19 10 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Peter Artz Layout & Graphik: Stephanie Landskron Erfahrungsberichte: Robert Kapelle, Yvonne Bernsdorf, Alicja Zybowski, Dr. med. Andrea Weinbrenner, Bettina Kofler, Vera Preller Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/30 03 43 02, Fax: 04 31/30 03 40 40 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de Es gilt die Anzeigenpreisliste 01/2005. Bildnachweis: Photocase.de, Artikelautoren Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint sechsmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest Du unter: www.medi-learn.de/artikel.

kurz notiert...

Rasierschaum gegen Quallen „Wer mit Feuerquallen in Berührung kommt, sollte das Wasser sofort verlassen und die betroffenen Hautstellen mit Essig oder Rasierschaum einreiben. Den Schaum trocknen lassen und mit einem stumpfen Gegenstand wie einem Messerrücken oder einer Plastik-Kinderschaufel abreiben, um so die Nesseln von der Haut zu lösen. Danach die Körperregion ruhigstellen. Bei starken Schmerzen und Hautrötungen sollte zur Vorsicht der Arzt aufgesucht werden.“, rät Hautarzt Dr. Matthias Gerber in einer Pressemitteilung des DLRG – wer hätte das gedacht!

Berufsunfähigkeit top

Foto: www.photocase.de, Michael T.

4) dient zur Reinigung von Wäschestücken, die im Privathaushalt nicht gereinigt werden können oder gereinigt werden wollen, 5) ist ein internationaler und multikultureller Treffpunkt von sich auf der Durchreise befindenden Menschen. So müßte ich nach fast vier Jahren empirischer Beobachtung die Antwort E „alle Aussagen treffen zu“, ankreuzen. Der Waschsalon ist ein Treffpunkt von sehr interessanten und verschiedenen Menschen, die für ein oder zwei Stunden dieselbe Tätigkeit, eine für alle unabdingbare Notwendigkeit, verbindet. Wenn man schon seit längerer Zeit waschen geht, dann stellt sich einem häufig die Frage, warum jemand, wenn er nicht zu den oben genannten Gruppen gehört, den Waschsalon aufsucht. Meistens gebe ich mich dann mit der Theorie zufrieden, daß die Waschmaschine desjenigen defekt sein muß. Aber natürlich bleibt dies nur eine Theorie. Ab und zu ergeben sich im Waschsalon auch Kontakte, doch meistens ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Der Waschvorgang ist im Grunde genommen eine private Angelegenheit, ebenso wie der Toilettengang oder die Körperpflege eine Privatangelegenheit ist. Kaum eine andere Tätigkeit verrät soviel über die individuelle Persönlichkeit eines Menschen wie die des Waschens. Angefangen bei den Kleidungsstücken: Trägt er Tennissocken oder Boxershorts? Mag sie Spitzenunterwäsche oder lieber Baumwolle? Wie sehen die Handtücher aus?... Auch die kleinen Tätigkeiten wie, ob jemand seine Wäsche trocknet, sortiert und faltet oder lieber gleich nach Beendigung des Waschvorgangs diese naß und vollgesogen wieder in die Reisetasche stopft, damit ja keiner mitbekommt, was Sache ist und ausgerechnet dann eine graue häßliche Tennissocke zu Boden fällt, so daß diese mit verkniffenem roten Gesicht aufgelesen werden muß, verraten etwas über den Menschen. Auch meine Wäsche verrät viel über mich. Warum Medizinstudenten überdurchschnittlich häufig vor Prüfungsterminen den Waschsalon aufsuchen? Nun, dieses sicher nicht, weil es sich dort so gut lernen läßt, obwohl sie dieses auch tun (in Anbetracht der Nähe der Prüfung), sondern um ihre Kittel für die Prüfung wieder leinenweiß zu bekommen, denn ein Präpkurs hinterläßt so seine Spuren. Und Präp-Kittel wäscht

man nicht zu Hause, somit trifft auch Aussage 4 zu. Doch die Maschinen werden ja regelmäßig desinfiziert! Die Schleuder ist durch. Die trocknerungeeignete Wäsche kann schon verpackt werden, der Rest wandert in den Trockner. Meistens nehme ich zwei oder drei Trockner, um die Wartezeit zu verkürzen.

WARUM SUCHEN MEDIZINSTUDENTEN ÜBERDURCHSCHNITTLICH HÄUFIG VOR DEN

PRÜFUNGSTERMINEN WASCHSALON AUF?

Auch die Maschine des Jurastudenten ist durch. Hastig öffnet er die Türe und stopft alles schnell in seinen Reiserucksack, welcher sichtlich schwerer wird. Seinem Gesicht sieht man die Anstrengung an. Mit Mühe ist auch das letzte Handtuch verstaut. Ausgebeult und unförmig verläßt der Rucksack mit seinem Besitzer den Salon, beide suchen das Weite. Auch bei mir startet die letzte Runde, die Trockner laufen auf Hochtouren. Zweimal zwanzig Minuten – 1 Euro, das muß genügen, mehr will ich nicht ausgeben. Im Herold ist auch ein Ende in Sicht. Die medikamentöse Therapie ist vielfältig und unübersichtlich, mein Magen beginnt zu knurren. „MTX und Sulfasalazin“ verpasse ich einen gelben Anstrich. Wieder öffnet sich die Türe. Zu der Mutter gesellt sich ein Mann, vermutlich ihr Freund. Viele goldene Kettchen verzieren seine Brust, lässig nimmt er seinen Sohn auf den Arm. Wie sein Sohn trägt auch er ein Käppi. Die Mutter ist gereizt, sie fährt ihn an, er solle doch aufhören herumzualbern und lieber helfen. Das paßt ihm nicht. Beide werden laut.Der Satz will einfach nicht mehr in meinen Kopf, völlig entnervt schließe auch ich nun das Buch. Ich gebe auf! Für heute ist genug. Da naht auch für mich die Rettung. Die riesigen Trocknertrommeln haben aufgehört, sich zu drehen, das rote Licht aufgehört zu leuchten. Zum letzten Mal hole ich zwei Rollkörbe. Nachdem alles sorgfältig gefaltet, sortiert und eingepackt ist, heißt es auch für mich Abschied zu nehmen. Müde und geschafft, aber mit sauberer Wäsche und neu gewonnener Erkenntnis über Rheumatoide Arthritis verlasse nun auch ich endlich den Salon.

Zum wiederholten Male wurde die Berufsunfähigkeits-Versicherung der Deutschen ÄrzteVersicherung von der Stiftung Warentest mit dem Testurteil „sehr gut“ versehen. Der Spezialanbieter für Heilberufe erlangte damit den Rang 1 von 79 getesteten Unternehmen.

Rekord in Witten-Herdecke Das Humanmedizin- oder Zahnmedizinstudium an der Universität Witten/Herdecke (UWH) wird immer beliebter. Die Fakultät für Medizin zählte in ihrem gerade abgeschlossenen Bewerbungs-Verfahren für das Sommersemester 2005 rekordverdächtige 850 Bewerber – für 42 Studienplätze. Prof. Dr. Peter Gängler, Dekan der zahnmedizinischen Fakultät und wissenschaftlicher Geschäftsführer der UWH, sieht in diesen Zahlen „einen eindrucksvollen Beleg für die Qualität von Lehre und Forschung an der Universität Witten/Herdecke. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, daß Studierende bei uns optimal betreut werden und später hervorragende Berufsaussichten genießen“, so der Dekan. Für diejenigen, die jetzt nicht zum Zuge gekommen sind: Das nächste Bewerbungsverfahren im Fach Medizin endet am 15. Juli 2005, im Fach Zahnmedizin am 15. Juni 2005.

Neues Portal Der Informationsbedarf junger Ärzte und Medizinstudenten ist hoch. Was geschieht mit meiner Stelle, wie sehen die aktuellen Arbeitszeitmodelle aus? Diese und andere Fragen bestimmen den Alltag junger Ärzte und Studenten. Der Hartmannbund hat auf diesen Bedarf reagiert und bietet mit dem gemeinschaftlichen Angebot der Arbeitskreise „Aus-, Weiterbildung und Niederlassung“ „Junge Ärzte“ und des Ausschusses „Medizinstudenten im Hartmannbund“ unter www.jungemediziner.de ein umfassendes Informationsportal an. Hier findet Ihr unter anderem auch das kostenlose Informationspaket für Berufsstarter inkl. einer Checkliste zum Berufseinstieg im PDF-Format zum Download.

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MEDI-LEARN Zeitung 01/2005  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

MEDI-LEARN Zeitung 01/2005  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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