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MLZ

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Januar 2005

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Prometheus – Anatomie zum Sattlesen und Lernen

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Titel: LernAtlas der Anatomie, Band 1 Autoren: Schünke, Schulte, Schumacher, Voll, Wesker Verlag: Georg Thieme ISBN: 3-131-39521-4 Preis: 64,95 EUR

ann man sich eigentlich an einem Anatomie-Atlas festlesen? Ein Großteil der Medizinstudenten wird diese Frage ganz sicher mit „Nein“ beantworten, zumindest wenn sie noch nicht das neue Werk namens „Prometheus“ aus dem Georg Thieme Verlag kennengelernt haben. Der gerade erschienene erste Band des dreiteiligen Werkes stellt die Allgemeine Anatomie und den Bewegungsapparat dar. Beim ersten Durchblättern fallen einem bereits die für Anatomie-Atlanten ungewohnt vielen klinischen Verweise (z.B. MRT und CT-Bilder) und vor allem die zahlreichen erläuternden klinischen Texte auf. Der „Prometheus“ vereint Anatomie-Atlas und Lehrbuch in einem und stellt die einzelnen Lernabschnitte jeweils auf einer Doppelseite dar. Neben der Erläuterung der eigentlichen anatomischen Zeichnungen finden zahlreiche klinische Bezüge

Platz und werden sogar ausführlich erklärt. Sobald man beim Durchblättern einmal den Text liest, wird einem auf einmal klar, wofür die anatomischen Kenntnisse in der zukünftigen Tätigkeit als Arzt wichtig sind, und fast spielend erfährt man schon beim Lesen wichtige klinische Fakten und kann diese viel einfacher erfassen, wenn man sie in einen klinischen Gesamtzusammenhang stellen kann. Der „Prometheus“ erfüllt in dieser Hinsicht alle Anforderungen der neuen Approbationsordnung zur Integration klinischer Inhalte in die vorklinische Ausbildung. Neben diesem didaktischen Konzept fallen die klaren Zeichnungen auf, die allesamt komplett am Computer entstanden sind und im Atlas selbst schichtweise um die entsprechenden Strukturen ergänzt werden. Genau anders herum als im Präpariersaal, wo die Leichen von außen nach innen dargestellt werden, baut der Atlas

die Strukturen auf. Zunächst werden die Knochen dargestellt, dann folgen Muskeln, Bindegewebe, Organe und alle weiteren wichtigen Strukturen. Durch die Aufarbeitung am Computer arbeitet man quasi dauerhaft an einem „Modellmenschen“, und das Wiedererkennen bereits erlernten Wissens fällt weitaus leichter. Der jetzt erschienene Band 1 wird im Jahr 2005 um zwei weitere zu den Themen „Kopf und Neuroanatomie“ und „Hals und Innere Organe“ ergänzt werden. Einziger Wermutstropfen ist aus Studentensicht der Preis (Band 1: 64,95 EUR, Band 2: 39,95 EUR und Band 3: 49,95 EUR), doch man darf ganz sicher sein, daß das Geld sehr gut investiert ist und daß der „Prometheus“ zum Begleiter über das Medizinstudium hinaus werden wird. Bleibt nur noch offen, ob man sich nun wirklich an einem AnatomieAtlas festlesen kann oder nicht – mir

ist dies auf jeden Fall passiert, auch wenn ich die Frage vorher genauso wie der Großteil der anderen Medizinstudenten mit „Nein“ beantwortet hätte. Der „Prometheus“ wird neben dem Sobotta und dem Netteratlas einen festen Platz in meinem Bücherregal bekommen. Zukünftige Medizinstudenten-Generationen werden um den Namen „Prometheus“ ganz sicher nicht mehr herumkommen, und das ist auch im Sinne der neuen Approbationsordnung und im Sinne der Verflechtung von klinisch relevanten Ansätzen in die vorklinische Ausbildung gut so. Ich bin sehr gespannt auf die weiteren Bände. Für mich steht klar fest: Der LernAtlas „Prometheus“ ist der Anatomieatlas, der mich schon beim ersten Durchblättern fesseln konnte.

Wie sich die Prometheus-Graphiker einen Kopf machen Die links stehenden Graphiken wurden freundlicherweise vom Georg Thieme Verlag zur Verfügung gestellt. Sie zeigen beispielhaft wie die anatomischen Zeichnungen im „Lernatlas der Anatomie (Prometheus)“ entstanden sind. Beginnend mit der groben Skizze zeichnet Karl Wesker, einer der beiden Graphiker des Prometheus, Anatomie-Atlanten, einen Schädel, färbt diesen im Anschluß mit dem „Airbrush“-Werkzeug grob ein und gibt Schatten hinzu. Im dritten gezeigten Schritt folgt die Feinmodellierung des Schädels mit allen Einzelheiten, bevor die Muskeln zunächst als Skizze dazugesetzt werden. Schicht für Schicht, von innen nach außen, entsteht so das anatomische Modell, das in seiner endgültigen Form im letzten Bild gezeigt ist. Graphik: Karl Wesker

Tillmann – Viel Anatomie für wenig Geld

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Titel: Atlas der Anatomie des Menschen Autor: Bernhard Tillmann Verlag: Springer ISBN: 3-540-66651-6 Preis: 79,95 EUR (Ladenpreis)

ünktlich zu Semesterbeginn bietet der Springer-Verlag mit dem „Tillmann Atlas der Anatomie des Menschen“ ein neues Werk für dieses Grundlagenfach der Vorklinik und belebt damit das Segment der Atlanten und Bildwerke für die Lehre vom Aufbau des menschlichen Körpers. Neugierig wie wir in der Redaktion auf neue Bücher zu wichtigen Fächern immer sind, haben wir uns dieses Werk betrachtet und stellen es Euch nun vor. Thematisch ist der Atlas in sieben überschaubare Einheiten (Allgemeine Anatomie, Kopf, Hals, Rumpf, Situs, Obere Extremität, Untere Extremität) gegliedert. Positiv sticht das jeweils zu Beginn der einzelnen Kapitel aufgeführte Verzeichnis hervor, das die Orientierung deutlich erleichtert. Der mit beinahe 70 Seiten sehr ausführliche Anhang erlaubt das zielgerichtete Ansteuern der anatomischen Details, ohne daß zuviel Zeit für die Suche

verloren geht. Man findet sich also dank der guten Aufteilung in Kapitel, die noch zusätzlich mit Farbcodes hinterlegt sind, und Dank des ausführlichen Anhangs gut in diesem Werk zurecht. Auch beim spontanen, ziellosen Umherblättern bleibt man neugierig an vielen Stellen hängen. „Begriffe ohne Anschauung sind leer und Anschauungen ohne Begriffe blind“ – so lautet ein Sinnspruch des Königsberger Philosophen Immanuel Kant. Der „Tillmann Atlas“ widmet sich mit seinen Abbildungen den zahlreichen Begriffen aus der Anatomie und vergißt auch die für das Lernen notwendige Anschauung nicht: Begriffe und Fakten werden mit Leben gefüllt, und mit seinen beinahe 1.400 Abbildungen bietet das Werk viel Anschauungsmaterial. Das doppelseitige, von Medizinstudenten „qualitätskontrollierte“ didaktische Konzept bietet zu den einzelnen Themenbereichen einen

überschaubaren und nachvollziehbaren Lernweg, ohne daß man durch Überfrachtung mit zu zahlreichen oder zu bunten Abbildungen gestört wird. Der separat als kleine Broschüre ausgelagerte Muskeltrainer erleichtert das oftmals Knoten im Kopf verursachende Lernen von Ursprung, Ansatz, Funktion und Innervation der Muskulatur. Die Abbildungen im Tillmann sind durch ein besonderes Konzept zusätzlich aufbereitet. Wichtiges wird durch Fettdruck, Einfärbungen etc. deutlicher hervorgehoben, die Leitungsbahnen z.B. können so leichter gelernt werden, und man wird beim Betrachten des Bildmaterials allein schon durch diesen Kunstgriff auf Wichtiges hingewiesen. An zahlreichen Stellen finden sich auch für den Vorkliniker verständliche und vor allem nicht detailüberfrachtete klinische Bezüge des anatomischen Grundlagenwissens, die eine Antwort

auf die studentische Frage ‚Und wozu ist das wichtig?“ geben. Der „Tillmann Atlas der Anatomie des Menschen“ bietet auf rund 620 Seiten mit 1.363 Abbildungen die gesamte Anatomie in einem Band, so daß man ihn ohne Probleme auch mit in den Präpkurs nehmen kann und dabei das komplette Wissen‚ mit an Bord hat‘. Für alle Studenten, die einen Anatomie-Atlas in einem Band zu einem günstigen Preis wünschen, empfiehlt sich der Blick in dieses Buch.

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MEDI-LEARN Zeitung 01/2005  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

MEDI-LEARN Zeitung 01/2005  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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