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MLZ

Januar/ Februar 2010

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Big is beautiful! Oder: Chirurgie bei den Cowboys Famulatur in der Plastischen Chirurgie in Dallas, Texas von Julian Wichmann

B

ig is beautiful: Dieses Motto war während meiner zweimonatigen Famulatur in Dallas, Texas, an allen Ecken und Enden zu sehen. Riesige Einkaufszentren, jeder zweite Wagen auf der Straße ein Pickup oder SUV und ein hauseigener McDonald’s im Klinikgebäude! Und: Es war für mich die bisher mit Abstand beste und lehrreichste Famulatur.

Schnelle Antwort

Ich bewarb mich ungefähr acht Monate vor Beginn per E-Mail, nachdem ich einen Bericht einer ehemaligen Studentin im Internet gelesen hatte, die dort bereits rotiert war. Die Antwort kam schnell, in Amerika ist Kommunikation via Mail mittlerweile Standard. Nach ein paar Mails hin und her, in denen kleinere Fragen über die Dauer der Famulatur geklärt wurden, musste ich die üblichen Papiere dann per Luftpost schicken. Das war nicht ganz so einfach, da man z.B. erst einmal jemanden finden muss, der einem

den USA ständig irgendwelche Rabatte und Shopping ist einfach unglaublich günstig. Nach meinen ersten Tagen in der Klinik entschloss ich mich dann aber, wie alle anderen Ärzte, nur „scrubs“ und Kittel zu tragen. Hemd und Krawatte tragen beispielsweise die Oberärzte, wenn sie Patienten zur Nachuntersuchung sehen. In den USA ist es übrigens auch erlaubt, schon in OP-Kleidung und Kittel zur Arbeit zu kommen und darin auch wieder zu gehen. Das hat durchaus ab und zu für lustige Gespräche gesorgt, etwa wenn einem der Tankwart „you’re gonna be a doctor? I’m proud of you, man!“ zuruft und das tatsächlich ernst meint!

Viel geboten, viel verlangt

In den Kliniken musste ich mich natürlich jede Woche neu orientieren, da ich mit neuen „Residents“ arbeitete, die aber, wie eigentlich ausnahmslos jeder Mensch dort, sehr hilfsbereit waren. Ich

vor, las Artikel und probierte, mir das Vokabular anzueignen. Trotzdem war am Anfang auf jeden Fall eine Sprachbarriere vorhanden, da ich, trotz sehr gutem Englisch, selbst die Eigennamen für jedes einzelne Instrument neu lernen musste. Auch Notizen zu machen oder zu verstehen, war für mich am Anfang schwer, da Abkürzungen in den USA noch viel gebräuchlicher sind und von Fach zu Fach unterschiedliche Bedeutungen haben. Es ist also durchaus sinnvoll, sich vorher im Internet ein paar Anleitungen zum Schreiben der SOAP notes (das steht für: subjective, objective, assessment und plan) zu besorgen. Diese sind unglaublich wichtig und jeder Assistenzarzt wird sich darüber freuen und euch mehr beibringen, wenn ihr morgens die Runde macht und die Kurvendokumentation macht, sodass er sie nur noch unterzeichnen muss. Dieser Punkt ist tatsächlich schwer und erfordert viel

man auch an den Tisch darf, denn das ist nahezu immer „no problem“. Während man in Deutschland in manchen Kliniken wie ein Störenfried behandelt wird, freuen sich Amerikaner immer über Einsatz, Leistung und Initiative. In der ersten Woche war ich im „outpatient building“, wo es größtenteils kosmetische Eingriffe gab. Viele Brustvergrößerungen, viele Bauchdeckenstraffungen („tummy tuck“), viele Laser-Eingriffe. Auch sehr oft: Brust- und Nippelrekonstruktionen.Spitzenreiterin aber war mit Abstand die Fettabsaugung (Liposuktion): Sie wurde bei sehr vielen Eingriffen einfach noch zusätzlich gemacht. Je nachdem, welche Chirurgen gerade im Haus waren, wurden auch viele handchirurgische Eingriffe durchgeführt.

Traurige Schicksale

In der zweiten Woche war ich im „Parkland Memorial Hospital“. Hier werden Patienten mit mangelhaftem Versicherungsschutz behandelt, weswegen ich hier wohl auch die beeindruckendsten OPs und traurigsten Schicksale zu Gesicht bekommen habe. Nahezu jeden Tag gab es mindestens einen „free flap“, um eine Wunde zu decken. Eine junge Patientin hatte nach einem komplizierten Verkehrsunfall und langem Krankenhausaufenthalt einfach niemanden an ihre Wunde am Bein heran-

In den Foren gelauscht

Verrückteste Laborwerte

„Was war der verrückteste Laborwert, den ihr jemals bei einem Patienten gesehen habt?“ möchte Alex1 wissen und erhält zum Beispiel folgende Antworten: Zucker 1,1 mmol/l, Krea 12,4 und Natrium 182! Foren-User Hypnotel wirft zwar ein „Ich frage mich bei fast jedem zweiten Post, ob (Labor/ Abnahme) Fehler.“ Aber der Thread ist ein spielerischer Ansporn, die Referenzwerte zu lernen. Sonst kann dir bei „Troponin 200 ng/ml“ gar nicht der Unterkiefer herunter klappen! www.medi-learn.de/MF37467

Woher kommt der Optimismus?

„Spongebob88“ war als Zivi im Rettungsdienst ein Jahr lang in verschiedenen Krankenhäusern unterwegs. Er hat mit vielen Ärzten gesprochen und immer wieder die Überstunden, die beachtliche Wochenarbeitszeit und viele, viele Dienste miterlebt. Jetzt hat er die Möglichkeit, Medizin zu studieren. Doch möchte er wirklich einmal so arbeiten? Woher kommt der Optimismus der Studenten; die Freude auf den Arztberuf? Interessante Ansichten findest du hier: www.medi-learn.de/MF52742

Studium - und dann?

„Nutellator83“ ist dort angekommen, wo sich viele hin wünschen: Am Ende des Studiums, kurz vor einer Stelle als Arzt. Im Stress der Prüfungsvorbereitung hat er sich noch gar nicht um seine Bewerbung gekümmert. Da ist er nicht der Einzige. Wie ist das jetzt mit Einstellungschancen, Urlaub, Doktorarbeit oder mit Hartz IV? Jedes Jahr schließen Tausende ihr Studium ab, Erfahrungen und Tipps gibt es also viele: www.medi-learn.de/MF55000

Lern- und Motivationstipps Bei 12 Semestern, 19 Monaten unbezahlten Praktika und unzähligen Prüfungen kann einem schon die Puste ausgehen. Doch: Tausende Leute haben das Medizinstudium vor dir bewältigt, irgendwie muss es möglich sein. Die meisten Studenten zögern nicht, ihre Tipps im Forum preiszugeben oder zu schreiben, wie du die scheinbar unendliche Stoffmenge bewältigen kannst. Nellya87 hat sogar eine Seite mit „Do's und Don'ts eines erfolgreichen Medizinstudiums“ zusammengestellt. Neugierig? Hier geht’s zur Diskussion: www.medi-learn.de/MF54584

PJ und Fehltage

Willkommen im Staate Texas

ein englisches Zertifikat über einen negativen Mendel-Mantoux Test ausstellt. Danach ging aber alles problemlos und ich hatte meine Bestätigung.

Scrubs statt Anzug Am Wochenende vor Beginn der Famulatur nutzte ich noch den Schlussverkauf in den riesigen Shopping Malls und kam so günstig auch an ein Outfit mit feiner Hose, Hemd und Krawatte. Es gibt in

war immer um ca. sechs Uhr früh mit ihnen auf Visite, abends verließ ich die Klinik meist zwischen 18 und 19 Uhr.

ABKÜRZUNGEN FÜR

FACHBEGRIFFE SIND IN DEN USA SEHR GEBRÄUCHLICH

In den USA wird Studenten viel geboten, es wird aber auch viel verlangt. So weit das also ging, bereitete ich mich auf OPs

Eigeninitiative und Mut, wird euch aber sehr viel bringen!

Nip/Tuck Der erste Monat war sehr erfüllend und aufregend. Bei OPs war ich fast immer steril am Tisch dabei, wenn sich nicht zu viele Assistenzärzte darum drängelten. Die Atmosphäre war immer freundlich und man muss dann einfach aus sich herauskommen und eigenständig fragen, ob

gelassen, da sie sehr schmerzempfindlich war. Es kam, wie es kommen musste, die Osteomyelitis verlangte nach einem weiteren Eingriff. Eine andere Patientin gab an, unter einer Heizdecke eingeschlafen zu sein und wachte mit Verbrennungen dritten Grades auf. Da waren sich auch die „Residents“ nicht sicher, ob das Ganze nicht unter Drogeneinfluss passiert war.

Im PJ gibt es keinen Urlaub. 20 Fehltage sind erlaubt. „Fehltage sind – wie der Name schon sagt – keine Urlaubstage. Deshalb muss sie Dir auch Niemand genehmigen.“ Schreibt „Rico“ im MEDI-LEARN-Forum. Ob es möglich ist, diese Tage gebündelt ans Ende des PJ zu legen, und wie das mit gesplitteten oder Auslands-Tertialen ist, kannst du hier nachlesen: www.medi-learn.de/MF22197

Sicherheit weltweit Mit dem neuen Haftpflichtschutz ins Pflegepraktikum, in die Famulatur oder ins Praktische Jahr. www.aerzte-finanz.de

Fortsetzung auf Seite 12

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MEDI-LEARN Zeitung  

Ausgabe 01/2010

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