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Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

ZEITUNG

Digitaler Nachschlag der Ausgabe 05/10 ∙ November/ Dezember 2010 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de

Digitaler Nachschlag

MS-Vorhersage verbessern

Präventivmedizin ist die Zukunft

Doktern in Dänemark

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In einem Gemeinschaftsprojekt entwickeln die Ruhr-Universität Bochum und die Freie Universität Amsterdam im Sinne der Forschung ein Verfahren, das zukünftig bessere MS-Prognosen erlauben soll.

Vorbeugen ist besser als heilen – und dabei spielen Fitness und Wellness eine gewichtige Rolle. Qualifizierte Fitnesszentren und Gesundheitsvereine sind Teil des Gesamtverständnisses dieser Medizin.

Zwei Tage schnuppern Gastfamilienbesuch in den USA von Lisa R.

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eine amerikanische Gastmutter, bei der ich ein High School-Jahr verbracht hatte, wusste von meinem Wunsch, Ärztin zu werden. Bei meinem Besuch zwei Jahre später, ermöglichte sie mir ein zweitägiges Schülerpraktikum am lokalen „Waynesboro Hospital“ als „observing student“, also als „beobachtende Schülerin“. Waynesboro befindet sich im Süden von Pennsylvania und hat ca. 10.000 Einwohner. Es befindet sich im Franklin County und liegt im „Cumberland Valley“ zwischen Hagerstown, Maryland und Chambersburg, Pennsylvania. Das Krankenhaus von Waynesboro wurde 1922, damals grassierte die „Spanische Grippe“, von

Freiwilligen gegründet. 40 Bewohner Waynesboros starben bei der weltweiten Pandemie. Heute hat das Krankenhaus aus 64 Betten und beschäftigt 175 Ärzte, sowie 600 weitere Mitarbei-

ter und über 200 Freiwillige. Im Oktober 2008 erhielt das Krankenhaus nationale Anerkennung, als das Magazin „Modern Healthcare“ es zu „America’s No. 1 Best Place to Work in Healthcare“ ernannte.

Zehn Stunden im OP

Tag eins: Chirurgie. Der Dienst begann um sieben. Die OP-Schwester Nancy zeigte mir den Umkleideraum, in dem ich meine OP-Kleidung erhielt. Ich war sehr aufgeregt, da ich zuvor noch nie einen OP als Zuschauerin betreten hatte. Nachdem ich mit OP-Haube, Mundschutz und Kittel ausgestattet war, ging es in den Operationsraum. Da noch eine Stunde Zeit bis zum ersten Eingriff blieb, zeigte mir die Schwester mir viele Utensilien. Sie erklärte mir unter anderem, wie man die Vitalparameter (Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung) an den

Entspanntes Arbeiten im Krankenhaus, Praxisorientierung, Uni-Kurse in englischer Sprache und viele Freizeitangebote für den Studiosus: Mona gibt Einblicke in ihr Erasmus-Semester in Kopenhagen.

tenschrank zu holen, musste die Schwester eine Art Bestellnummer eingeben, bevor sich die entsprechende Schublade öffnete. Beim ersten Patienten durfte ich beim Legen der Venenverweilkanüle und der Gabe von Medikamenten zuschauen. Dann kam auch schon der Chirurg und es ging los. Vormittags sah ich eine Coloskopie und Endoskopie, sowie mehrere Karpaltunnelsyndrom- und Leistenbruch-Operationen. Die Mittagspause verbrachte ich gemeinsam mit zwei OP-Schwestern in der Cafeteria. Highlight des Nachmittags waren zwei Operationen: Ich durfte bei der Entfernung eines Tumors in der Brust und einer Eierstockentfernung zuschauen. Der Chirurg erklärte mir sehr viel und beantwortete auch gerne meine Fragen, sodass sich der zehnstündige Aufenthalt im OP wirklich sehr gelohnt hat.

Emergency Room

Tag zwei: Ich durfte in „Emergency Room“, die Notaufnahme. Das Team war sehr offen und überrascht, dass eine Deutsche in dem

Überwachungsgeräten ablesen kann.

Medikamente bestellen

Der OP-Bereich erschien mir sehr modern. Um beispielsweise ein Medikament aus dem Medikamen-

kleinen, ländlichen Krankenhaus ein Praktikum macht. Sie schwärmten, wie viele andere Amerikaner, von den

deutschen Autos und erzählten mir von ihrem Wunsch, einmal auf der „Autobahn“ zu fahren. Auch das deutsche Gesundheitssystem interessierte sie. Zuerst zeigten sie mir die Räumlichkeiten wie den Schockraum und Geräte wie Defibrillator und Tubus. Im Anschluss machten sie mich mit dem ManchesterTriage-System vertraut, einem in den USA standardisierten Verfahren zur Ersteinschätzung in der Notaufnahme. Mit ihr ist es möglich, schnell und sicher Behandlungsprioritäten festzulegen. Ich konnte auf einer großen Computertafel anhand der fünf Farben die Dringlichkeit (blau = nicht dringlich, rot = sofort) erkennen. Der nette Arzt nahm mich mit ins Untersuchungszimmer und erklärte mir in Anwesenheit des Patienten genau, was er tut und welche Diagnose er weshalb stellt. Mir wurde bewusst, welch breites medizinisches Wissen ein Arzt in der Notaufnahme besitzen muss. Im einen Moment liegt eine Hornhautverletzung vor, im nächsten diagnostiziert er einen Herzinfarkt und muss die weiteren Maßnahmen in die Wege leiten.

Im Einsatz

Der Rettungsassistent bot mir an, bei Einsätzen mitzufahren. Dieses Angebot nahm ich gerne an und bekam so bei drei Einsätzen einen noch besseren Einblick in den Bereich der Notfallmedizin. Somit hat sich auch der zweite Tag im Waynesboro-Hospital dank des netten Personals mehr als gelohnt!


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MS besser vorhersagen Neues Verfahren erlaubt zukünftig bessere Prognosen von Dr. Josef König (idw)

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in neues Verfahren erlaubt zukünftig bessere Prognosen über den Verlauf der tückischen Multiplen Sklerose (MS): Mediziner der Ruhr-Universität Bochum und der Freien Universität Amsterdam messen mit Hilfe der Kernspintomographie (MRT) die Ausweitung der Hohlräume (Ventrikel) im Gehirn der Patienten. Die Zunahme des Ventrikelvolumens geht einher mit der für MS typischen Schrumpfung der Hirnmasse (Hirnatrophie). Bereits im Frühstadium der Krankheit lassen sich mit MRT-Bildern Veränderungen im Gehirn messen und damit der weitere Krankheitsverlauf genauer beobachten und bewerten. Die Ergebnisse ihrer Langzeitstudie veröffentlichten die Forscher vor kurzem in der renommierten Zeitschrift „Jour-

nal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry“.

Fortschritte Belastend: der ungedurch Bildgebung wisse Krankheitsverlauf Untersuchungen mit modernen MS ist eine chronisch entzündliche und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie tritt schon bei relativ jungen Menschen auf und kann zu dauerhaften schweren Behinderungen führen. Die Zahl der MS-Patienten in Deutschland wird derzeit auf ca. 120.000 geschätzt. Die Krankheit ist nicht heilbar, auch die Ursache ist noch nicht genau geklärt. Für die Patienten besonders belastend ist der bisher ungewisse und nur schwer vorhersehbare Verlauf. Bei der MS treten im Gehirn und im Rückenmark verstreut Entzündungen auf, die vermutlich durch den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf

Klinische Notfallmedizin Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung

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er Generalist in der Notaufnahme versteht sich zunächst einmal keinesfalls als Ersatz der anderen Fachdisziplinen, er versteht sich als Feuerlöscher, Detektiv und Patientenmanager in einem, in Zukunft hoffentlich mit einer Ausbildung als Facharzt für Notfallmedizin versehen, optimal ausgebildet, um vielschichtigste Patienten unter zunehmend erschwerten Arbeitsbedingungen optimal erstzuversorgen und sicher zu disponieren.

Große Zukunft

Die Klinische Notfallmedizin ist ein Fachgebiet mit großer Zukunft, und auch gerade deshalb interessant für Studenten und junge Mediziner. Mangels deutschsprachiger Literatur auf dem Gebiet der Klinischen Notfallmedizin muss vorerst noch zu großen Teilen auf

die Ummantelung der Nervenzellen (Myelin) verursacht werden. Außerdem kommt es aus verschiedenen Gründen zu einer Schädigung der Nervenfasern (Axone).

Material aus dem angloamerikanischen Sprachraum zugegriffen werden. Wie in kaum einem anderen Fachgebiet sind in der Klinischen Notfallmedizin andere Informationsressourcen im Web erhältlich, ein großer Anteil davon kostenlos. Zahlreiche, exzellent recherchierte englische Blogs und Podcasts existieren in England, Kanada, USA und Aus-

bildgebenden Verfahren wie MRT ergaben in den letzten Jahren, dass die Beeinträchtigung der Axone (u. a. gemessen an der globalen Schrumpfung der Gehirnmasse) der wesentliche Faktor bei der Entwicklung bleibender Behinderungen ist. Die Schädigungen treten nicht nur in chronischen Verlaufsformen oder späten Stadien der MS auf, sondern schon sehr frühzeitig – im Grunde von Anfang an.

Bisherigen Methoden überlegen

Dr. Carsten Lukas, Leiter der Arbeitsgruppe MR Bildanalyse am St. Josef-Hospital, Klinikum der RUB,

tralien, der Zugriff auf diese ist als Mail, RSS-Feed oder via Website unkompliziert möglich. Im Folgenden sind einige besonders gelungene Exemplare als Links aufgeführt. Im Gegensatz zu den Ressourcen im deutschen Sprachraum enthalten diese nicht nur interessante medizinische Informationen, sondern verfügen zudem über einen hohen Unterhaltungswert. Meines Wissens nach existiert derzeit kein vergleichbares Angebot im deutschen Sprachraum,

hat gemeinsam mit Kollegen vom MS Center der Freien Universität Amsterdam 54 MS-Patienten im Frühstadium über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. Die Zunahme des Ventrikelvolumens (Aufweitung der inneren Liquorräume) zu messen und über den Beobachtungszeitraum zu vergleichen, erwies sich als „überlegen gegenüber den bisherigen Methoden“, so Dr. Lukas. „Das Verfahren ist geeignet, um eine Prognose der zukünftigen Behinderung durch die Erkrankung abzugeben.“ Bereits im Frühstadium der MS lassen sich geringe krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn anhand von MRT-Bildern nachweisen. Damit seien gute Voraussetzungen für die genaue Beobachtung und Bewertung des weiteren Krankheitsverlaufs gegeben, sagt der Facharzt für Neurologie und Radiologie im Klinikum der RUB. „Auch bei zukünftigen Therapiestudien ist das Verfahren ein vielversprechender prognostischer Ansatz.“

Blogs und Podcasts: • www.lifeinthefastlane.com • www.keepingupinem.com • www.academiclifeinem. blogspot.com • www.emergentprocedures. com/emergentprocedures. com/Procedures.html • http://blog.emcrit.org Blog von Lars Lomberg: • www.medi-learn.de/blog_lars ich versuche mich aktuell unter dem unten angegebenen Link an einem deutschen Äquivalent. Leider fehlt mir aktuell als „One-ManShow“ noch die Expertise und Erfahrung mit diesem Medium, ich bin über jede Art konstruktiver Kritik jedoch sehr dankbar. Mein Blog enthält weitere interessante Links zum Thema, eigene Meinungen, Ideen und Geschichten rund um das Thema Klinische Notfallmedizin/ Interdisziplinäre Notaufnahme.


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Karriere fernab von Krankenhaus oder Praxis Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung

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mentelle Doktorarbeit unbedingt zu empfehlen. Durch sie kannst du deine Eignung, wissenschaftlich im Labor zu arbeiten, frühzeitig unter Beweis stellen. Zudem sind selbstständige Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Magazinen eine sehr gute Referenz. In der Pharmaindustrie kannst du an der Erforschung neuer Arzneistoffe mitwirken, klinische Studien betreuen und vieles andere mehr. An der Hochschule steht dir die ganze Palette jener Fächer zur Auswahl, für die im Rahmen von Klinik, Lehre und Krankenversorgung Institute gegründet wurden: Von Anatomie bis Sozialepidemiologie reicht die Bandbreite unterschiedlichster Fachgebiete, in denen du dich an der kontinuierlichen Vermehrung medizinischen Wissens aktiv beteiligen kannst. Ganz gleich, für welches alternative Berufsfeld du dich in-

ängst nicht alle Mediziner tragen nach ihrer Approbation den sprichwörtlichen weißen Kittel. Aus ganz unterschiedlichen Gründen liebäugeln viele mit den so genannten alternativen Berufsfeldern fernab von Universitätskrankenhaus, Klinik und Praxis. Sei es, dass sie dort mehr verdienen oder sich familienfreundlichere Dienstzeiten wünschen: Etwa 20 Prozent der Ärzte in Deutschland üben keine rein kurative Tätigkeit aus, sondern

teressierst: Ein entsprechendes Praktikum ist immer anzuraten, damit du den Alltag in der Branche aus eigener Anschauung kennen lernst und deine KarriereEntscheidung nicht lediglich auf Wunschvorstellungen gründest. Denn diese Entscheidung lässt sich nicht so leicht revidieren: Eine Rückkehr in den eigentlichen Arztberuf würde nämlich mit jedem Jahr schwieriger, das du nicht in einer Praxis oder Klinik tätig warst. Daher solltest du diesen Weg nicht aus einer spontanen Laune heraus einschlagen, sondern erst nach reiflicher Überlegung. Weitere Informationen: In unserer aktuellen Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung findest du weitere Infos zu mediznischen Berufen fernab des Krankenhauses oder der Praxis: • Unternehmensberater • Medizinjournalist • Public Health • Medizininformatiker • Krankenhausmanagement und Medizin-Controlling

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Verlag GbR, ISSN 1860-8590 Elisabethstraße 9, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Dr. Marlies Weier, Dr. Lilian Goharian, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf Layout & Graphik: Kristina Junghans

arbeiten in der freien Wirtschaft, Forschung, Verwaltung oder den Medien. Mit der Einrichtung von Studiengängen, in denen man zum Beispiel den Medizin-Bachelor mit einem Informatik- oder Journalismus-Master kombinieren kann, dürfte sich dieser Trend noch verstärken. Eine kleine Auswahl derartiger Berufsbilder haben wir dir bereits in der MEDI-LEARN Zeitung vorgestellt, hier folgen weitere Bereiche.

Berichte: Lisa R., Lars Lomberg, Mona Mähler, Dr. Josef König (idw), Wolfgang Müller (idw), Katrin Braun (idw) Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, www.flickr.com, http://www.goisrael.com/

Forschung oder Pharmaindustrie

Falls du in der Forschung an einer Universität oder in der Pharmaindustrie arbeiten möchtest, ist eine experi-

Erscheinungsort: Marburg Der digitale Nachschlag erscheint zu jeder MEDI-LEARN Zeitung als Ergänzung, die du dir als PDF auf der MEDI-LEARN Seite herunterladen oder online anschauen kannst. Er beinhaltet Fortsetzungen von Artikeln aus der aktuellen Zeitung sowie weitere interessante Artikel und Berichte rund um die Medizin. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel. Dieser Digitale Nachschlag ist Teil der MEDI-LEARN Zeitung. Die bisherigen Ausgaben findest Du unter: www.medi-learn.de/ MLZ-Online


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Die Zukunft gehört der Präventivmedizin Sportmedizinische Aspekte zu Fitness und Wellness

von Wolfgang Müller (idw)

„Die Zukunft der Medizin wird der Präventivmedizin gehören“, so der Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wildor Hollmann, in einem am 27. 10. 2010 im e-Portal "German Medical Science" der AWMF erschienenen Tagungsbericht über sportme-

heitliche asiatische Gesundheitsansätze und Bewegungskünste, wie Akupunktur, Tai Chi Chuan, Qi Gong, Yoga, Ayurveda, Taekwondo und Aikido, dargelegt.

Sport: Geschichte, Entwicklung, Aufgaben

In den 1950er Jahren stellten Hollmann wie auch einige andere Untersucher wesentliche gesundheitliche Schädigungsmöglichkeiten durch längere Bettruhe fest. Andererseits konnte schon durch Minimal-Trainingsverfahren den

bilisation, Bewegungstherapie und Rehabilitation, die heute international selbstverständlich sind. Durch Vermeiden von Risikofaktoren, wie Bewegungsmangel, Rauchen, Bluthochdruck und Übergewicht, kann Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten präventiv entgegen gewirkt werden. Ausreichende körperliche Aktivität, vor allem Ausdauertraining, bringt eine Reihe gesundheitlicher Vorteile, wie Schutz des Herzens aufgrund vermindertem Sauerstoffbedarf bei größerem Sauerstoffangebot, Vorbeugung

venneubildung und die Hirnplastizität gefördert werden. Damit sind speziell beim älteren Menschen Verbesserungen geistiger Fähigkeiten verbunden. Da der niedergelassene Arzt das wünschenswerte körperliche Training mit seinem Patienten im Regelfall weder selbst durchführen noch beaufsichtigen kann, sind Einrichtungen wie qualifizierte Fitnesszentren oder Gesundheitssportvereine aus medizinischer Sicht sinnvoll. Eine ärztliche klinische Untersuchung mit Leistungsdiagnostik sollte dem Training vorangehen, das Trainingsprogramm sollte individuell in Rücksprache mit dem Arzt festgelegt und das weitere Vorgehen unter Berücksichtigung der Trainingsbefunde und der ärztlichen Einschätzung gewählt werden.

Techniken und Wirkungen der Massagen

dizinische und präventivmedizinische Aspekte zu Fitness und Wellness. Sowohl die leistungsdiagnostisch-sportmedizinische Entwicklung der letzten ca. 60 Jahre als auch die heute vom Einzelnen ziehbaren Handlungskonsequenzen (z.B. genügend Bewegung) und die Zukunftsperspektiven werden erläutert. In zwei weiteren Beiträgen u.a. der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Charité Berlin werden Techniken und Wirkungen der klassischen und der asiatischen Massage sowie ganz-

Auswirkungen von Trainingsverlusten entgegengewirkt werden. 1966 wandte sich eine ad-hocKommission des Weltverbandes für Sportmedizin an die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf mit der Bitte um Überprüfung des damals international üblichen Behandlungsschemas von Herzinfarktpatienten mit einer mehrwöchigen Bettruhe. Ab 1977 konnte durch die Luxemburger Resolution der WHO das Herzinfarkt-Therapieprinzip endgültig umgewandelt werden in Frühmo-

arteriosklerotischer Gefäßveränderungen, günstige Beeinflussung des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels, Blutdrucksenkung, Gewichtsreduktion und Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Krafttraining kann sich günstig auf Muskulatur und Knochenstabilität auswirken. Durch die heutigen bildgebenden Verfahren hat sich das Wissen um Zusammenhänge zwischen Struktur und Biochemismus des Gehirns einerseits, körperlicher Aktivität andererseits stark vergrößert. Durch geeignete körperliche Bewegung können Gefäß- und Ner-

Massage ist eines der ältesten Heilverfahren der Menschheit und wird in vielen Weltkulturen angewendet. Massage wird definiert als eine befundorientierte, manuelle Behandlungstechnik. Viele Studien zeigen sichere Wirkungsnachweise mit positiven Effekten der klassischen Massage, wie Schmerzlinderung, Verbesserung des psychischen Wohlbefindens und Funktionsverbesserung. In der Literatur gibt es viele Beschreibungen der asiatischen Massageformen, jedoch sind kontrollierte Studien nur zur Akupressur zu finden. Entsprechend der Auffassung der Ursache von Erkrankungen und deren Therapie liegen bei asiatischen Massageformen spirituelle Hintergründe vor. Daneben werden jedoch auch Tastbefunde behandelt, die den Triggerpunkten in der klassischen Massage ähneln.

Gesundheitsansätze und Bewegungskünste

Asiatische Methoden zur medizinischen Behandlung von Erkrankungen bzw. zur Förderung und

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zum Erhalt der Gesundheit sind in zunehmendem Maße auch in Europa anzutreffen. Einige davon gingen (z.B. als „traditionelle chinesische Medizin“) in das Repertoire europäischer Ärzte über. Andere Anwendungen trifft man häufig im Bereich von Wellness-Angeboten an; sie versprechen dort einen positiven Einfluss auf das körperliche und psychische Wohlbefinden. Beispiele sind Akupunktur, Tai Chi Chuan, Qi Gong, Yoga und Ayurveda. Daneben fanden auch sportliche Disziplinen aus Fernost weite Ver-

breitung. Dabei handelt es sich häufig um Kampfkünste, deren Betreiben gewisse körperliche Voraussetzungen erfordert und die im Wettkampf zu Verletzungen führen können. Quasi zwei Pole des asiatischen Kampfkunst-Spektrums sind die japanische Disziplin Aikido und das koreanische Taekwondo. Neben den Aspekten des (Wett-) Kampfes beinhalten fernöstliche Sportarten aber auch Elemente, wie sie als Ziele im Gesundheitssport zu finden sind: aufrechte Haltung, Koordination, ausreichendes Muskelkorsett, Ausdau-

Dr. Suchmaschine Mehr Vertrauen zum Online-Doktor von Katrin Braun (idw)

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andscheibenvorfall, Sodbrennen oder eine akute Grippe – wer krank ist, fragt nicht nur seinen Arzt, sondern ruft immer häufiger Informationen aus dem I n t e r n e t ab. Dabei

benötigen anders geschriebene Texte als Mediziner, die mit der Fachsprache vertraut sind. Diesen Herausforderungen widmet sich das neue, vierjährige Projekt „Knowledge Helper for Medical and Other Information Users“ (KHRESMOI). Medizinische Inhalte sollen transpa-

erleistungen und Stresstoleranz. Der Deutsche Olympische Sportbund erarbeitete vor einigen Jahren das Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ für besonders gesundheitsbewusste Angebote seiner Sportfachverbände. Die entsprechende Lizenzierung von Vereinsangeboten bestätigt qualitätsgesicherte Leistungen im Bereich der Prävention nach § 20 SGB V, für welche die gesetzlichen Krankenversicherungen ihren Mitgliedern Zuschüsse oder Boni geben können. Voraussetzungen bestehen u.a. in einem

ausgearbeiteten und anerkannten Gesundheitssport-Programm sowie einer spezifischen Qualifikation der Übungsleiter/-innen. Der Deutsche Aikido-Bund gehört zu den wenigen Sportfachverbänden, die ein Sport-pro-GesundheitProgramm anbieten dürfen.

und Bildern soll sie Kurzzusammenfassungen enthalten. Davon profitieren alle Internetnutzer, aber auch Ärzte, die schnellen Zugriff auf relevante Informationen benötigen, wie in der Radiologie. „Gerade dort ist man zunehmend einer Flut von Röntgen-, Magnetresonanz- und Computertomographiebildern ausgesetzt, die mit herkömmlichen Suchtechniken nicht mehr zu bewältigen ist“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Norbert Fuhr, der die Arbeitsgruppe in der

zurück, bei denen beispielsweise erforscht wurde, wie bei der Suche nach langen Dokumenten (z.B. wissenschaftlichen Aufsätzen oder Wikipedia-Artikeln) anstelle der vollständigen Texte nur die relevanten Passagen lokalisiert werden können.

Fieber, Halsschmerzen, Ausschlag, ....

werden gängige Suchmaschinen genutzt, doch es gibt keine Garantie für die Qualität und Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Das will ein neues europäisches Forschungsprojekt ändern, an dem 12 Institutionen aus neun Ländern beteiligt sind. Dazu gehört die Arbeitsgruppe Informationssysteme an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Suchmaschinen positionieren oft Diskussionsforen (Blogs) oder Wikis ganz vorne in den Resultaten und ermöglichen so, dass ungeprüfte Dokumente aus manchmal fragwürdiger Quelle vertrauenswürdig erscheinen. Zudem wird der Wissensstand der Nutzer nicht berücksichtigt, was die Suche zusätzlich erschwert: Laien

renter und zuverlässiger werden. Mit rund acht Millionen Euro unterstützt die

EU das Vorhaben, knapp eine Million beträgt dabei das Budget der UDE-Arbeitsgruppe. Das EU-Projekt will den Zugang zu vertrauenswürdigen Berichten für Patienten und Fachleute vereinfachen. Durch die Qualitätsprüfung gesundheitsbezogener Online-Dokumente und die Einbeziehung des Wissensstands der Informationssuchenden entsteht eine mehrsprachige, multimodale Plattform. Neben Dokumenten

Abteilung für Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft an der UDE leitet. Eine spezielle Suchmaschine soll deshalb neu zu entwickelnde Techniken für solche Bilder implementieren, damit Mediziner rasch und effizient die gesuchte Datei finden. Sein Team hat neben Suchmaschinen die Benutzerschnittstellen im Blick. Eine hier entwickelte Schnittstelle wird an den Anforderungen des klinischen Alltags ausgerichtet, denn zum Konsortium gehören auch Vertreter der Ärztegesellschaft Wien, der Radiologieabteilungen der Medizinischen Universität Wien und des Universitätsspitals Genf. Sie lassen ihre Erfahrungen in die Arbeit einfließen. Außerdem greift die die Arbeitsgruppe von Professor Fuhr auf Ergebnisse früherer Evaluierungen

Weitere Informationen: www.medi-learn.de/sportmed (PDF) www.medi-learn,de/sportmed2 (HTML)

Verschiedene Technologien verknüpfen

Im Gegensatz zu anderen eHealthForschungsprojekten spezialisiert sich KHRESMOI nicht auf die

Suche

elektronische Krankenakte, sondern analysiert und verarbeitet unzählige publizierte Angaben und deren Bezug zu Patientendaten. Die Plattform stützt sich dabei nicht nur auf frei verfügbare Inhalte, sondern auch auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und medizinische Datenbanken, einschließlich Bilddatenbanken. Hauptziel ist die erfolgreiche Integration heterogenen Wissens und verschiedener Verfahren. Dafür werden unterschiedliche Technologien kombiniert: Textund Bildsuche, semantische Analyse, mehrsprachige maschinelle Übersetzungstools und FrageAntwort Schnittstellen. Die neu entwickelten Technologien werden fortlaufend für die Suchmaschine „Health on the Net“ bereitgestellt.


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Doktern in Dänemark Ein Erasmussemester in Kopenhagen von Mona Mähler

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ie Universität Kopenhagen ist sehr gut organisiert, was ihre internationalen Studenten angeht und man tritt schon früh in Kontakt mit seinen Ansprechpartnern. Die für internationale Studenten zuständige Koordinatorin ist Suzanne Andersen, die sehr bemüht, ist schon im Vorfeld alles Nötige zu organisieren und Unklarheiten zu beseitigen. Das International Office kümmert sich auch darum, für Gaststudenten eine Unterkunft zu organisieren, man muss ihnen lediglich mitteilen, wie lange man bleibt und was man für Preisvorstellungen hat. Ich habe auch tatsächlich ca. einen Monat vor meiner Anreise ein Wohnungsangebot vom International Office bekommen, das sowohl in Preis als auch in Wohnlage meinen Vorstellungen entsprach und habe dies nur deshalb nicht angenommen, weil ich vorher schon privat eine Unterkunft gefunden hatte. Soweit ich weiß hat die Wohnungsvermittlung auch bei allen anderen Studenten wunderbar geklappt, daher muss man sich darum – besonders angesichts des eher problematischen Wohnungsmarktes in Kopenhagen – schon mal keine Sorgen machen. Angereist bin ich ein paar Tage vor Beginn meines ersten Kurses mit der Bahn, es gibt aber auch günstige Flüge mit Cimber, Norwegian oder SAS. Wichtig zu wissen ist, dass man als ausländischer Student im Vorfeld

einen MRSA-Test braucht, um in Dänemark klinische Kurse belegen zu dürfen. Diese Info habe ich leider erst einen Tag vor meiner Abreise vom International Office bekommen und dementsprechend stressig war es, den Test noch schnell machen zu lassen. Nach Ankunft unbedingt daran denken, Aufenthaltsgenehmigung beim Volksregister und CPR-Nummer beim Bürgerservice zu beantragen und seinen Studentenausweis im International Office in der Fiolstraede abzuholen!

Studium

Ich habe in Kopenhagen die englischen Kurse in Gynäkologie und Pädiatrie belegt. Obwohl alle Lehrveranstaltungen in englischer Sprache sind, ist es doch ziemlich hilfreich zumindest Grundkenntnisse in Dänisch zu haben, da man sehr viel Patientenkontakt hat. Gerade in der Pädiatrie ist es nur mit Englisch manchmal etwas schwierig. Beide Kurse fanden komplett im Krankenhaus statt, man musste jeden Tag von 8 bis 15 Uhr (freitags nur bis 14 Uhr) dort sein. Der Tag begann mit der Morgenkonferenz und anschließend wurde jedem Student ein Arzt zugeteilt, den er den Tag über begleiten sollte. Von 14 bis 15 Uhr gab es jeden Tag eine Vorlesung. Sieben Stunden täglich im Krankenhaus habe ich manchmal als etwas zuviel empfunden, besonders an Tagen, an denen es nicht soviel zu tun und zu sehen gab, vor allem weil man zu-

Das Hvidovre Hospital: Hier finden die englischsprachigen Kurse statt

sätzlich noch abends für die Prüfung lernen musste. Der Kurs war sehr praktisch ausgerichtet, man bekam ein Logbuch mit verschiedenen klinischen Tätigkeiten (z.B. Ultraschall einer Schwangeren, APGAR-Score eines Neugeborenen bestimmen), für deren Ausführung man Unterschriften sammeln musste. Der klinische Alltag in Dänemark ist wesentlich entspannter als in Deutschland, die Ärzte hatten oft zwischendrin Zeit um Kaffee zu trinken, immer eine Stunde Mittagspause (!) und die meisten gehen dann auch um 15 oder 16 Uhr nach Hause in den Feierabend. Das schlägt sich natürlich auch im Arbeitsklima nieder, es herrschte durchweg eine sehr freundliche und angenehme Atmosphäre und die Ärzte hatten Zeit, um viel zu erklären und einen vieles selber machen zu lassen. Insgesamt glich der Kurs mehr einer Famulatur. Die Prüfungen fanden am Modulende statt und waren mündlich. Man bekam einen klinischen Fall und musste dann Vorgehen, Untersuchungen, Differenzialdiagnosen etc. erläutern. Die Prüfungen waren nicht gerade einfach, aber durchaus machbar. Wer vorhat die englischen Kurse zu belegen sollte wissen, dass diese immer im Hvidovre Hospital stattfinden, das etwas außerhalb liegt; falls möglich, ist es sinnvoll, sich eine Unterkunft in der Nähe zu suchen.

Extrauniversitäres

Kopenhagen ist eine unglaublich facettenreiche und interessante Stadt, in der es sehr viel zu sehen gibt. Ich empfehle einen guten Reiseführer mitzunehmen, der alles Wichtige und

Sehenswerte abdeckt. Besonders zu empfehlen ist eine Tour nach Louisiana in Humblebaek, einem der schönsten Kunstmuseen in Dänemark. Viele der Museen in Kopenhagen haben mittwochs freien Eintritt, was mich zum nächsten Punkt bringt: Kopenhagen ist ansonsten unglaublich teuer. Daran kann man leider nicht viel machen, daher sollte man sich zumindest darauf einstellen. Es gibt aber einige Dinge, die man beachten kann: Günstige Nahrungsmittel kauft man am besten bei Fakta oder Netto. Sollte man vorhaben, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, bietet es sich an, eine Monatskarte zu kaufen, das ist am günstigsten. Ansonsten kommt man auch ziemlich gut mit einem Fahrrad durch die Gegend, das man am besten aus Deutschland mitbringt. Von Kopenhagen aus kommt man verhältnismäßig günstig und unkompliziert nach Schweden (z.B. mit Swebus Express), hier ist auch alles viel preiswerter und eine Fahrt über die Öresundbrücke ist außerdem ein Erlebnis für sich. Für internationale Studenten gibt es das Studenterhuset in der Kobmagergade, hier findet immer mittwochs ein International Cafe statt, es gibt Bier zu erschwinglichen Preisen und auch sonst kann man sicher sein, immer Studenten aus aller Herren Länder zu treffen. Trotz der Preise kann man in Kopenhagen sehr viel Spaß haben und unvergessliche Erfahrungen machen. Ich bin sehr froh, hier Erasmus gemacht zu haben und wünsche allen zukünftigen Erasmus-Studenten viel Spaß und Erfolg in Kopenhagen!

Digitaler Nachschlag 05/2010  
Digitaler Nachschlag 05/2010  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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