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Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

ZEITUNG

Digitaler Nachschlag der Ausgabe 04/07 ∙September/Oktober 2007 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de

Schlangengift als Medikament?

Eine Chemikerin der Technischen Universität Wien begibt sich auf die Suche nach ungewöhnlichen Strukturen in Schlangengiften und möchte deren medizi nische Einsetzbarkeit nachweisen..

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Der Bingo-Club kommt zu Besuch

Leben und Lernen in Andalusien? Dieser Gedanke gefiel Franziska Ruhland und so hat sie das Wintersemester 2006/07 in Spanien in der schönen Stadt Cádiz, an der Costa de la Luz verbracht.

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Jenseits des Röschtigrabens

In der „Suisse romande“, der französischsprachigen Schweiz jenseits der Sprachgrenze, hat sich Alexander Rösch für seine Famulatur beworben.

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Mehr als Rotwein und Baguettes Ein Semester in Nancy, Frankreich von Juliane Wilcke

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a ich zu Schulzeiten die Chance nicht genutzt hatte, ins Ausland zu gehen, stand für mich früh fest, dass ich dieses im Rahmen meines Studiums nachholen wollte. Als ich dann vom Forschungssemester im siebten Semester an meiner Uni Halle-Wittenberg erfuhr, in dem nur zwei Kurse stattfinden sollten, stand auch der ideale Zeitpunkt für mich fest. Da von unserer Fakultät aus keine Verbindungen zu Unis im englischsprachigen Ausland bestehen, entschied ich mich für Frankreich. Nach einer formlosen Bewerbung bei unserem ErasmusBeauftragten, galt es ein kleines Bewerbungsgespräch zu überstehen, das mehr als nur eine reine Formalität war, denn in diesem Jahr gab es erstmals mehr Bewerber als Plätze für die Stadt Nancy. Nach einigem Bangen und Zittern erhielt ich einem positiven Bescheid und aus Nancy einen Bogen zugeschickt, mit all den Dingen, die zur Einschreibung benötigt werden, wie z.B. Passbilder, Kopie des Abi-Zeugnisses, der Krankenversicherungskarte, des Impfausweises, Nachweis einer Berufshaftpflicht etc. Da erhält man also schon einen kleinen Eindruck der französischen Bürokratie, die erstaunlicherweise noch ausgeprägter ist als die so viel gerügte deutsche.

Nicht mal Kochplatten vorhanden

Sobald man in Frankreich angekommen ist, sollte man ein Konto eröffnen, um Wohngeld beantragen zu können. Das steht nämlich auch ausländischen Studenten zu und lohnt sich auf jeden Fall! Stichwort Wohnen: Am Unkompli-

Unesco-Weltkulturerbe: Der Place Stanislas, Bild: Juliane Wilcke

ziertesten ist es, sich für einen Platz in einem Wohnheim des CROUS (das französische Studentenwerk) zu bewerben. Für ein halbes Jahr ist das auch völlig okay. Der größte Pluspunkt ist natürlich der Preis, da man mit Wohngeld nur etwa 80 Euro pro Monat bezahlt. Luxus erwarten sollte man jedoch nicht. Die meisten Zimmer sind nicht renoviert, sehr klein und man teilt sich die Toiletten und Duschen mit dem Rest des Flurs. In den meisten Küchen gibt es auch noch nicht mal Kochplatten! Nachdem ich wirklich viele Wohnheime in Nancy gesehen habe, muss ich sagen, dass mein Zimmer noch zu den gemütlichsten gehörte. Ich bin schon 2 Wochen vor offiziellem Beginn der Praktika nach Nancy gereist, was ich auch wirklich empfehlen kann, weil man dann schon mal die ganzen Forma-

litäten erledigen und die Stadt etwas entdecken kann. Außerdem bietet die 1. Universität in Nancy (das ist die geisteswissenschaftliche Uni) auch extra Sprachkurse für Erasmusler vor offiziellem Vorlesungsbeginn an. Der Kurs ist wegen der Sprache, aber auch zum Kennen lernen anderer Erasmus-Studenten Gold wert!

Praktikumstausch möglich

Auf sein Learning Agreement schreibt man schon vor Abreise, welche Praktika man vor Ort belegen will. Dabei kann man ab dem vierten Studienjahr jedes klinisch erdenkliche Fach wählen, nur muss man dabei bedenken, dass ein Praktikum für Erasmus-Studenten eine Dauer von zwei Monaten hat. Kürzer geht es nur, wenn ihr nur fünf

Monate bleibt. Dann ist euer letztes „stage“ (so heißen die Praktika) eben nur einen Monat lang. Ab dem vierten Jahr sind die französischen Studenten drei Monate lang jeden Vormittag auf Station. Von 14 bis 18 Uhr folgen dann die Vorlesungen, die in so genannte „modules“ aufgeteilt sind. So folgen z.B. im 4. Jahr auf drei Wochen Kardiologie zwei Wochen Neuro, gefolgt von zwei Wochen Ortho usw. Da während meines siebten Semesters in Halle wie bereits erwähnt nur zwei Kurse stattfanden (Psychosomatik und Orthopädie), hatte ich ziemlich freie Wahl bei meinen Praktika, da ich in meiner Heimat nicht viel verpassen konnte. Deshalb habe ich mich für Neurologie, Notfallmedizin und Orthopädie entschieden. Auch bei den anderen weiter auf Seite 2


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Ein Semester in Nancy, Frankreich

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gab es keine Probleme bei der Auswahl ihrer Praktika, und selbst ein späteres Tauschen war möglich.

Neurologie

Das Praktikum beginnt täglich um neun und geht bis Mittag. Es soll eines der besten in Nancy sein. Die Klinik für Neurologie bietet vier verschiedene Stationen an, unter denen man als Erasmus-Student frei wählen kann: Allgemeine Neuro, eine neuro-vaskuläre, eine neuro-onkologische Station sowie die Tagesklinik. In der Tagesklinik macht man zwar ständig neurologische Untersuchungen, aber nur zusammen mit den anderen Studenten, ohne Feedback der Ärzte. Das ist leider nicht gerade die beste Art zu lernen. Auf den anderen beiden Stationen war das besser: Hier besteht die tägliche Arbeit im Begleiten der Visite, wobei viel erklärt wird und gerne auch nachgefragt werden kann. Zwischendurch kann man neurologische Untersuchungen üben, bei verschiedenen Untersuchungen zuschauen und, wenn man mutig ist, auch eine Lumbalpunktion durchführen. Empfehlenswert ist es auch, die verschiedenen Professoren oder Oberärzte bei ihren Konsultationen zu begleiten. Dort bekommt man einen guten Einblick in die Arbeit eines niedergelassenen Neurologen. Die mündliche Prüfung macht man dann mit einem Arzt oder Professor der jeweiligen Station. Ich sollte dabei einen beliebigen Patienten befragen, untersuchen und bei der Visite vorstellen. Hier bekam ich dann ein paar Fragen zur neurologischen Untersuchung und zu den Hirnnerven gestellt. Als Austauschstudent bekommt man da definitiv einen Bonus: Ich habe bei weitem nicht alles gewusst, aber trotzdem 18 von 20 Punkten bekommen.

Orthopädie

Es gibt gleich drei Möglichkeiten, Ortho in Nancy zu belegen. Ich entschied mich für die Klinik in meiner Nähe, dessen Chef sich auch immer über ausländische Studenten freut. Man sollte versuchen, möglichst viel Zeit des „stage“ im OP

bin ich nicht vom französischen System überzeugt. Ich bin doch sehr froh, mir meine Famulaturen selbst aussuchen zu können und nicht an Feiertagen arbeiten zu müssen. Die französischen Studenten müssen sich nämlich – wie normale Arbeitnehmer – Urlaub nehmen, denn während der Semesterferien finden zwar keine Vorlesungen statt, doch die „stages“ laufen über das gesamte Jahr!

Viel Party gemacht

Erasmus: feiern mit ganz Europa, Bild: Juliane Wilcke

zu verbringen. Ohne Probleme kann bei allen OPs zugeschaut und auch gerne assistiert werden, wobei man nicht nur zum Hakenhalten verdonnert wird, sondern teilweise auch nähen oder z.B. Schrauben entfernen kann. Die Arbeit auf Station hingegen ist sehr eintönig und wenig lernintensiv ist. Man untersucht nur die schon operierten Patienten nach, aber so gut wie nie sind Ärzte auf Station anzutreffen, die sind allesamt im OP. Eine Prüfung musste ich hier nicht ablegen, bekam aber dennoch meine Scheine unterschrieben, was man natürlich als Glücksgriff bezeichnen kann. Allerdings hätte ich auch ganz gerne gewusst, ob ich mein Wissen denn auch für eine Prüfung gereicht hätte.

Notfallmedizin

Das wohl beste Praktikum in Nancy mit großem Lerneffekt! Man verbringt komplette Tage auf der Notaufnahme im zentral gelegenen Krankenhaus, dafür aber nur zweibis dreimal pro Woche. Erasmusler können praktisch kommen, wann sie wollen, das kontrolliert niemand. Für mich war das besonders praktisch, da ich dann auch mal ein längeres Wochenende frei machen konnte und dann eben an den restlichen Tagen ins Krankenhaus ging. Die Aufgabe der Studenten besteht darin, die (nicht so dringenden) Patienten aufzunehmen und zu untersuchen. Wenn die Assistenzärzte

genug Zeit haben, stellt man ihnen diese vor und bespricht das weitere Vorgehen. Nimmt man jedoch einen Patienten nach dem anderen auf, darf man den Überblick nicht verlieren und sollte immer mal wieder bei den Ärzten nachfragen, was denn aus dem jeweiligen Patienten geworden ist. Außerdem können die Studenten praktisch tätig werden: Auch wenn Blutabnehmen, Flexülen- oder Katheterlegen eigentlich Schwesternarbeit ist, kann man das auf Nachfragen auch erlernen. Schadet nicht! Dinge wie arterielle Blutabnahmen, Nähen und Gipsen sind ohnehin feste studentische Aufgaben, wobei man meist von anderen Studenten „angelernt“ wird. Für den Schein, muss man ein klinischen Fall im wöchentlichen Seminar vorstellen und eine kleine mündliche Prüfung beim wirklich netten Professor Bellou bestehen.

Praktische Franzosen

Insgesamt lässt sich sagen, dass die französischen Studenten praktischer als wir ausgebildet werden. Da man auf den normalen Stationen nur wenige Stunden pro Tag anwesend ist (anders als bei unseren Famulaturen), dort häufig nur der Visite folgt und nicht für eigene Patienten zuständig ist und als Franzose auch nur selten die Praktika belegen kann, die man wirklich möchte (das Auswahl- und Losverfahren ist unheimlich kompliziert),

Die Stadt hat mit ihren 250.000 Einwohnern wirklich einiges zu bieten für Studenten, auch extra für die ausländischen! So wurde noch im Oktober ein Treffen im Rathaus veranstaltet mit folgendem DiskoBesuch, Stadtführung und kostenlosem Kinobesuch. Das Angebot zum Weggehen ist groß, es gibt viele Diskos und Kneipen, sodass es nicht schwer sein sollte, bald seinen Favoriten zu finden. Behaltet es für euch: Ich habe in Nancy mehr Party gemacht als gelernt. Aber auch kulturell ist Nancy fantastisch, hat viele Museen, eine schöne Innenstadt (teilweise noch aus der Renaissance) mit vielen Jugendstil-Häusern und reizvollen Parks. Auch die Umgebung Nancys lohnt sich zu entdecken. Bis nach Strasbourg ist es nur ein Katzensprung, ebenso nach Luxemburg. Nach Paris sind es nach Einführung der neuen TGV-Linie auch nur noch gut zwei Stunden Fahrzeit – und Paris muss man natürlich vor der Rückkehr nach Deutschland besucht haben!

Unkompliziert ins Ausland

Ich kann einen Auslandsaufenthalt im Rahmen von Erasmus wirklich nur jedem empfehlen. Man sollte sich von der Bürokratie oder sprachlichen Hemmungen nicht abhalten lassen. Schließlich kann man nie wieder so unkompliziert ins Ausland gehen und dabei so einfach viele Leute unterschiedlicher Länder und Kulturen kennen lernen! Nach meinem Auslandsaufenthalt war ich auch wieder richtig motiviert, Medizin in Halle weiterzustudieren. Ich wünsche allen, die auch während ihres Studiums ins Ausland gehen wollen, eine ebenso tolle Zeit dort!


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Der Jetlag und unsere Gene Steuerung der inneren Uhr durch Licht von Dr. Christoph Nothdurft (idw)

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lle Pflanzen und Tiere besitzen innere Uhren, die ihren Tagesablauf steuern und bei Tieren unter anderem den Schlaf- und Wachrhythmus bestimmen. Diese Uhren laufen biochemisch und werden durch ein komplexes Wechselspiel von Genen und Licht reguliert. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus der Abteilung von Prof. Gregor Eichele am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen hat jetzt einen neuen Mechnismus entdeckt, wie diese inneren Uhren auf Licht reagieren - ein Problem, dem wir bei Flugreisen ständig ausgesetzt sind. (Neuron, 7. Juni 2007) Ein inneres Uhrwerk sorgt in uns allen dafür, dass wir tagsüber wach sind und nachts schlafen, und das Tag für Tag im gleichen Rhythmus. Diese sog. „zirkadiane“ Uhr (vom Lateinischen „circa“ - ungefähr - und „dies“ - der Tag) hat zwei besonders wichtige Eigenschaften: Sie folgt einem exakten inneren Rhythmus und ist durch Zeitgeber von außen verstellbar. Bei den meisten Pflanzen und Tieren ist Licht das wirksamste Signal zur Anpassung der zirkadianen Uhr an die „externe“ Zeit. Das wird z.B. beim Jetlag offenkundig: Auf Flugreisen nach Osten oder Westen verschiebt sich der Tag-Nacht-Rhythmus der Umgebung. Am Zielort angekommen, kann man an sich selbst beobachten, wie sich die eigene innere Uhr über ein paar Tage hin an den neuen Rhythmus anpasst. Dies geschieht primär durch den Einfluss von Licht. Um die direkte Wirkung von Licht auf die innere Uhr zu erforschen, setzt man den Organismus kurz einem Lichtpuls aus und studiert dann, wie sich der Schlaf-/ Wachrhythmus am Tag darauf verschiebt, z.B. an Mäusen. Mäuse sind in der Nacht besonders aktiv und mögen es, wenn sie dann in einem Laufrad rennen können. Die Forschung macht sich das zunutze, indem sie die Umdrehungen des Laufrades über Tage und Wochen hin aufzeichnet. So erkennt man, dass die Nager beim Einbruch der Dun-

Prof. Gregor Eichele und Dr. Vladia Jakubcakova untersuchen die Steuerung der inneren Uhr durch Licht und Gene an Mäusen, die während bestimmter Zeiten ihres Tagesablaufs besonders aktiv sind.

kelheit zu laufen beginnen und in den frühen Morgenstunden ruhen. Wenn man nun nur ein einziges Mal zu Beginn der Nacht einen 20minütigen Lichtpuls gibt, kann man beobachten, dass sich der Aktivitätsrhythmus abrupt verschiebt. Am nächsten Tag beginnt das Tier etwa eine Stunde später zu laufen: Die innere Uhr wurde zurückgestellt. Wie funktioniert das? Schon einige Zeit ist bekannt, dass die zirkadiane Uhr durch Uhrengene und deren Proteine gesteuert wird. Ein Schlüsselprotein ist dabei das „PERIOD2“-Protein (PER2). Die Menge von PER2 im Nucleus Suprachiasmaticus (SCN) - einem winzigen Kern im Gehirn und Sitz der zirkadianen Zentraluhr bei Säugetieren - nimmt im Laufe des Tages zunächst zu. Wie alle Proteine befindet sich das neu produzierte PER2 zunächst im Zellplasma. Wenn es allerdings in großen Mengen vorliegt, dringt PER2 auch in den Zellkern ein und schaltet dann dort sein eigenes Gen ab. Dieser als negative Rückkopplung bezeichnete Prozess bewirkt einen selbstregulierenden Rhythmus der PER2-Produktion im SCN, eine Art molekularer Oszillator im 24-Stunden-Takt, ein zelluläres Uhrwerk. Darüber hinaus ist PER2 auch in die Lichtregulation der zirkadianen Uhr eingebunden. Es wurde z.B. beobachtet, dass Licht den Tran-

skriptionsfaktor „CREB“ aktiviert, der dann an die Kontrollregion des Per2-Gens bindet und dadurch dessen Aktivierung bewirkt, d.h. neues PER2-Protein wird produziert. In der jetzt publizierten Arbeit konnten konnten Gregor Eichele und Mitarbeiter zeigen, dass es noch mindestens einen weiteren Mechanismus gibt, über den ein Lichtpuls die innere Uhr verstellen kann. Vladia Jakubcakova, Wissenschaft-lerin in Prof. Eichele‘s Abteilung, konnte zeigen, dass Licht zu einer vorübergehen-den Bindung des PER2-Proteins an die Proteinkinase C alpha (PRKCA) im Zellplasma führt. Als Folge dieser Komplexbildung wird die negative Rückkopplung verstärkt, die Uhr dadurch vorübergehend verlangsamt und so der

Rhythmus ebenfalls nach hinten verschoben. Wie kamen die Wissenschaftler zu dieser Schlussfolgerung? In Proteinextrakt aus der SCN-Zentraluhr findet man normalerweise nur geringe Mengen des PER2/PRKCAProteinkomplexes. Wenn man aber im SCN einer Maus nachschaut, die vor kurzem einem Lichtpuls ausgesetzt war, kann man eine deutliche Zunahme an PER2/PRKCA-Proteinkomplexen feststellen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Erasmus-Universität in Rotterdam, Niederlande, konnten Gregor Eichele und Mitarbeiter zeigen, dass die PRKCA das PER2-Protein im Zellplasma zurückhält und es zusätzlich stabilisiert. Dadurch bildet sich nach einem Lichtpuls vorübergehend ein erhöhter Vorrat an stabilisiertem PER2 im Zellplasma. Die negative Rückkopplung durch in den Zellkern fließendes PER2 wird dadurch verzögert - und hält danach dann länger an, da ja durch die vorübergehende Interaktion mit PRKCA der Vorrat an PER2 im Zellplasma vergrößert wurde. Dadurch wird das Uhrwerk velangsamt und der nächste „innere Tag“ beginnt etwas später. Dass es genaue und synchronisierbare innere Uhren gibt, die von komplexen Regelwerken gesteuert werden, ist eine spannende Angelegenheit, die zu erforschen sich lohnt. Aber man kann auch über mögliche Anwendungen aus diesen Befunden spekulieren. So könnten Substanzen, die die Proteinkinase C alpha blockieren, dabei helfen, die Lichtsteuerung des zirkadianen Uhrwerks abzuschwächen, die beim Jetlag die innere Uhr „aus dem Takt“ bringt.

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Schlangengift als Medikament? Medizinische Einsetzbarkeit von Werner Sommer (idw)

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ine Chemikerin der Technischen Universität (TU) Wien begibt sich auf die Suche nach ungewöhnlichen Strukturen in Schlangengiften und möchte deren medizinische Einsetzbarkeit nachweisen. Was in den fünfziger Jahren bereits in Form des blutdrucksenkenden Mittels Captopril® gelang, erfährt in der Analyse der Gifte von südamerikanischen Grubenottern und tropischen Klapperschlangen eine interessante Fortsetzung mittels neuer proteomanalytischer Werkzeuge. Wien (TU). - „Das Schlangengift bekommen wir in Form eines gelblich kristallinen Pulvers in Ampullen direkt aus Brasilien vom ‚Instituto Butantan‘ www.butantan.gov. br/) in São Paulo. Letzteres ist eine nicht nur unter Touristen beliebte und bekannte wissenschaftliche Einrichtung, die sich mit der Erforschung der giftigsten Schlangenarten dieser Erde auseinandersetzt“, erklärt Universitätsassistentin Martina Marchetti vom Institut für Chemische Technologien und Analytik der TU Wien. Im Zentrum ihrer Untersuchungen stehen die Gifte von vier verschiedenen Grubenottern (Bothrops) sowie einer tropischen Klapperschlange (Crotalus durissus terrificus). Alle fünf Spezies sind in Südamerika angesiedelt. Dort zählen sie zu den aggressivsten Schlangenarten. Jährlich werden in Südamerika 2,5 Millionen Menschen von Schlangen gebissen. Rund 100.000 sterben in Folge daran. Martina Marchetti analysiert die Schlangengifte mit verschiedenen Methoden. Über die Lab-on-a-chipTechnologie („Proteinchemisches Labor am Mikrochip“) stellen sie und ihre MitarbeiterInnen die Zusammensetzung der Toxine (Giftstoffe) fest und analysieren Peptidketten (lineare Aneinanderreihung von Aminosäuren). Alle Glieder dieser Ketten werden anschließend mit Hilfe der laserbasierenden Tandemmassenspektrometrie strukturell aufgeklärt. Die zweidimensionale Gelelektrophorese bietet eine weitere Möglichkeit Proben nach dem isoelektrischen Punkt und dem

Proben von Schlangengift aus Brasilien

auf die Spur zu kommen. Nicht zuletzt möchte man auch schnell wirksame Gegengifte entwickeln, die laut Marchetti „irgendwann einmal in Form von Tabletten eingenommen werden könnten.“ Martina Marchetti führte die Untersuchungen in Zusammenarbeit mit der Johannes Kepler Universität Linz (Walter Welz) durch. Auf die pharmakologische Wirksamkeit der Schlangengifte stießen Forscher erstmals im Zuge der Entwicklung von Antiseren. So entstand in den fünfziger Jahren auch das blutdrucksenkende Mittel Captopril, wofür ein isoliertes Peptid aus Schlangengift die Bauanleitung lieferte.

Grubenotter (Bothrops)

Molekulargewicht aufzutrennen. Marchetti: „Nicht jedes Schlangengift ist gleich aufgebaut. Es gibt immer wieder neuartige ungewöhnliche strukturelle Besonderheiten. Ziel unserer Forschung ist es herauszufinden, warum einzelne Bestandteile des Giftes in bestimmter Weise wirken und warum sie für die Pharmaindustrie interessant sein könnten.“ Eine bewusst herbeigeführte Toxinwirkung (giftige Wirkung) im passenden Maßstab (Homöopathie) kann für den Menschen und seine Gesundheit förderlich sein. Die Schlangengifte weisen

ein sehr breites Anwendungsfeld auf, das von bakterientötend über zellwachstumshemmend, nervenstimulierend, blutverdünnend und blutgerinnend reicht. Mittlerweile wird ihre Wirkung auch bei der Behandlung von Alzheimer getestet. Durch die in den vergangenen Jahren populär gewordene Proteomforschung entstanden in der Analytik eine Reihe von neuen Methoden. Die Kombination dieser erlaubt nun auch dem „Rätsel“ um die medizinische Wirksamkeit und Brauchbarkeit der Schlangengifte

Martina Marchetti


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Den Studentenströmen entgegen

Entspannt durchs Examen MEDI-LEARN Kurse für Physikum und Hammerexamen

Als österreichische Medizinstudentin in Regensburg von Nicola Schöppl Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung

Informative Einführungstage

Etwas ganz Tolles für mich waren die Einführungstage an der Regensburger Uni. So etwas gibt es in Österreich nicht! Die einzelnen Unterrichtsfächer wurden informativ vorgestellt, man konnte sich bei der Fachschaft Kittel und Präp-Besteck kaufen, lernte gleich andere Erstsemestrige kennen – die ersten Kontakte zu Mediziner-Erstis hatte ich übrigens über das MEDI-LEARNForum geknüpft und dadurch tolle Freundinnen gefunden. Eine Wahnsinnsgeschichte war vor allem die Stadtrallye und Kneipentour am zweiten Einführungstag. Das muss man einfach einmal erlebt haben! An den ersten Tagen kam ich mir manchmal übrigens wie eine kleine Sensation an der Uni, in der Mensa oder im Wohnheim vor. Sobald ich den Mund aufmachte und in meinem österreichischen Dialekt

Bahnhofstr. 26b 35037 Marburg Tel: 064 21/68 16 68 Fax: 064 21/96 19 10 info@medi-learn.de

sprach, versammelten sich Leute um mich: „ Sag noch was, das klingt so süß, wie im Schiurlaub“, bekam ich mehrmals zu hören. Also auch meinem Dialekt verdanke ich viele neue Bekanntschaften! Mittlerweile ist das erste Semester geschafft. Ich wusste zwar, dass das Medizinstudium anstrengend werden würde. Wie viel aber zu lernen ist, hatte ich allerdings vorher wirklich nicht geahnt. Aber ich glaube, ich habe mich ganz gut geschlagen, auch wenn besonders Chemie mit dem geringen naturwissenschaftlichen Vorwissen aus einem musisch orientierten Gymnasium ein wirklich harter, fast unüberwindbarer Brocken ist. Toll fand ich auch den Präp-Kurs im ersten Semester, da merkt man sofort zu Beginn, dass man wirklich und wahrhaftig Medizin studiert. Man kann sich anfangs kaum vorstellen, dass man sich alle Begriffe, die in den drei Bänden des Prometheus vorkommen, tatsächlich merken kann. Aber jetzt ist sogar der SitusBlock-Kurs in den Semesterferien geschafft und ich habe alles bewältigt: die gesamte makroskopische Anatomie und jedes Testat auf Anhieb!

Weitere Infos und Anmeldung unter:

www.medi-learn.de /kurse

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18.08.2006

15:56 Uhr

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SCHMITTGALL, STUTTGART

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ie schriftliche Zusage war nämlich erst nach Ende der Einschreibefrist bei mir angekommen! Aber ich hatte es bereits geahnt, EU hin oder her, für die österreichische und deutsche Post sind Wege über die Grenze noch immer nicht so einfach zu überwinden. So bin ich einfach ohne schriftliche ZVS-Bestätigung nach Regensburg zum Einschreiben gefahren und habe mich darauf verlassen, dass es im Studiensekretariat doch hoffentlich Listen mit den Namen aller zugewiesenen Studenten geben müsse. Das war auch der Fall. Die ZVS-Bestätigung habe ich dann einfach nachgeschickt. Einige Hürden waren dann noch bürokratischer Natur zu bewältigen, mit meiner österreichischen Krankenversicherung, mit dem Anlegen eines deutschen Kontos, der Anschaffung eines deutschen Handys, der Wohnsitzmeldung etc. Gegen das Hoffen und Bangen zuvor war das aber geradezu mühelos.

Medizinische Fachbegriffe sucht man nicht im Grünen

Eine gute Entscheidung

Ich bin froh über meine Entscheidung, in Regensburg Medizin zu studieren. Auch wenn sich bisher nicht viele Österreicher dafür entschieden haben, den umgekehrten Weg zu gehen, so denke ich: Es war eine gute Entscheidung!

� Topaktuell:

Ausgabe 2007/2008

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Der Bingo-Club kommt zu Besuch Auslandssemester in Cádiz, Spanien von Franziska Ruhland

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eben und Lernen in Andalusien? Dieser Gedanke gefiel mir und so habe ich das Wintersemester 2006/07 in Spanien verbracht. Die schöne Stadt Cádiz liegt an der Costa de la Luz und hat ca. 130.000 Einwohner. Sie wurde angeblich bereits 1100 v. Chr. gegründet und gilt laut Reiseführer als die älteste Stadt des Okzidents. Geographisch befindet sie sich auf einer Landzunge in der Bahia de Cádiz, wodurch die Altstadt an drei Seiten von Wasser umgeben ist. Viele enge Gassen prägen das Bild, in denen man sich leicht verlaufen kann. Es gibt einen kleinen Stadtstrand, exotische Parkanlagen und zwei Kastelle, die besichtigt werden können. Die Neustadt ist architektonisch nicht so reizvoll, dafür besitzt sie aber einen wunderschönen, kilometerlangen Sandstrand, der bei Spaziergängern wie Surfern gleichermaßen beliebt ist. Neugier geweckt? Dann berichte ich jetzt über das Studium. Sprachprobleme trotz Vorbereitung Anderthalb Jahre vor Beginn meines Auslandssemesters hatte ich mich erstmals mit dem Gedanken auseinander gesetzt, eine Zeit im Ausland zu studieren. Nachdem meine Bewerbung in Cádiz angenommen wurde habe ich mich vor allem auf das Erwerben weiterer Spanisch-Kenntnisse konzentriert und absolvierte vor Reisebeginn die Niveaustufen A1 und A2 an der Volkshochschule. Im August 2006 hieß es dann: Aufbruch! Die erste Woche habe ich in Madrid verbracht, da ich unbedingt die Hauptstadt und ihr kulturelles Angebot kennen lernen wollte. Im September habe ich einen vierwöchigen Spanisch-Sprachkurs für Fortgeschrittene in Salamanca belegt. Hier konnte ich das Sprachdiplom B1 erwerben und meine Sprachkenntnisse in der spanischen Realität erproben. Trotz des sprachlichen Rüstzeugs hatte ich anfangs mitunter Probleme, dem Unterricht zu folgen. Einige Dozenten sprechen sehr schnell und mit stark ausgeprägtem andalusischem Akzent. Das Vorteilhafte an der medizinischen

Meerblick in Cadiz, Bild: Franziska Ruhland

Fachsprache ist, das die Wurzeln bekanntermaßen im Lateinischen und Altgriechischen liegen. Somit sind die meisten Fachtermini in allen Sprachen ähnlich und bereiteten mir weit weniger Probleme als das Alltagsspanisch. Da aber gleichzeitig mit dem Studienbeginn auch die Sprachkurse anfingen, konnte ich mich mit Hilfe der Sprachlehrer schnell besser im Andalusischen zurechtfinden. In den Uni-Sprachkursen kann man viele Studenten aus unterschiedlichen Fachbereichen kennen lernen – gerade am Anfang sind diese Kontakte sehr wichtig. Nach Ende des Kurses finden Sprachprüfungen statt, bei Bestehen bekommt man eine Diplom-Urkunde.

Neue Fächer kennen gelernt

Ich habe mich schließlich in folgende Fächer eingeschrieben: Chirurgie, Orthopädie und Traumatologie, Hals-Nasen-Ohren-Heil-

kunde, Präventivmedizin und Public Health, Tropenmedizin, Notfallmedizin, klinische Pharmakologie und Ernährung. In den ersten zwei Monaten fanden lediglich die Vorlesungen und Kurse statt, die Krankenhauspraktika begannen erst Ende November. Besonders interessant waren für mich die Vorlesungsreihen „Ernährung“ und „Tropenmedizin“, da beide Fächer an meiner deutschen Universität nicht angeboten werden und ich so etwas ganz Neues kennen lernen konnte.

Die Krankenschwestern und -pfleger studieren an der Uni Längere Praktika fallen in Spanien in das sechste Studienjahr. Sie ähneln im Aufbau ein wenig dem deutschen Praktischen Jahr. Unterschiede zwischen deutschem und spanischem PJ liegen jedoch darin, dass spanische Studenten durch

zahlreiche Fachgebiete rotieren bei einem Aufenthalt von jeweils maximal vier Wochen. Zudem erlernen sie deutlich weniger praktische Dinge: Blutabnehmen, Infusionen anhängen oder Fäden ziehen gehören nicht in das Aufgabenfeld eines spanischen PJ-Studenten. Auch im OP ist es sehr ungewöhnlich, wenn ein Student bei einer Operation assistieren darf. Ich denke, dass diese Unterschiede zum Teil darin begründet liegen, dass in Spanien Krankenschwestern und -pfleger drei Jahre lang an der Universität studieren und somit fachlich noch besser ausgebildet sind als das deutsche Pflegepersonal. Aufgrund dessen übernehmen sie viel größere Aufgabenbereiche: Nahezu die ganze Stations-Routine wird hier vom Pflege-Team übernommen, nur bei größeren Schwierigkeiten oder Fragen wird ein Arzt hinzugezogen. Das Patientenbett immer im Blick Über organisatorische Dinge hinaus gibt es große Unterschiede zwischen dem Uniklinikum Cádiz und deutschen Kliniken. In Spanien gilt es anscheinend als abweisend, Zimmertüren zu schließen. So stehen die Patientenzimmer stets offen und man hat vom Stationsflur aus stets Einsicht auf die Patientenbetten.

Selbst der Bingo-Club macht Krankenbesuch Was mich jedoch am meisten in Erstaunen versetzte, waren die vielen Besucher, die tagtäglich den Patienten ihre Aufwartung machten. Generell scheinen die Angehörigen eine Art Schichtsystem entwickelt zu haben, da ich so gut wie nie einen Patienten alleine im Zimmer gesehen habe. Es kamen auch nicht nur Angehörige zu Besuch, sondern auch Nachbarn, Nonnen, Gemeinde- und Chormitglieder oder gleich der ganze Bingo-Club! Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt offizielle Besuchszeiten gab. Wenn ja, dann wurden sie nicht eingehalten. Bei meiner ersten Nachtschicht habe ich gegen 22 Uhr 30, erstaunt über das rege und auch laute Besuchertreiben, den diensthabenden Arzt gefragt, ob denn heute etwas Besonderes los sei. weiter auf Seite 7


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Auslandssemester in Cádiz

sienreise mit den Zielen Córdoba, Granada und Gibraltar, an die ich mich noch lange zurückerinnern werde. Absolute persönliche Höhepunkte waren der Besuch der Mezquita in Córdoba und der Alhambra in Granada.

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Der Höhepunkt: Übernachtung in der Sahara bei Vollmond

Die Kathedrale von Cadiz Cadiz, Bild: Franziska Ruhland

Er konnte über meine Frage nur lachen, denn Besuche bis spät in die Nacht sind im Krankenhaus völlig normal. In einem Dienst wurden wir um halb zwei morgens auf die Intensivstation gerufen und fanden an jedem der zehn Betten zwei Besucher vor.

Traumatologie und Orthopädie

Mein erstes Monatspraktikum habe ich in der Abteilung für Traumatologie und Orthopädie verbracht. Der Tagesablauf unterschied sich jedoch deutlich vom Alltag in einer deutschen Klinik: Gegen acht Uhr morgens traf sich das Ärzteteam zu einer Patientenbesprechung, bei der die Neuaufnahmen der letzten Nacht besprochen und Röntgenbilder gezeigt wurden. Anschließend gab es oft einen kurzen wissenschaftlichen Vortrag oder Berichte von zurückliegenden Kongressen.

Nach Besprechungsende gehen alle erst einmal in die

Cafeteria

Nach Besprechungsende gingen sowohl Ärzte als auch Studenten in die Cafeteria, um den Krankenhaustag mit einem „Café con leche“ oder einem zweiten Frühstück beginnen zu lassen. Sehr entspannt.

Vor halb zehn Uhr morgens gab es so gut wie nie eine Operation oder eine Sprechstunde. Zwischen 14 und 16 Uhr – Siesta –fanden für gewöhnlich auch keine Operationen statt, dafür gab es aber zusätzlich zum normalen Dienst jeden Werktag ein Team aus zwei Ärzten, das am Nachmittag eine geplante Operation durchführte. Wir Studenten wurden in Zweiergruppen in wöchentlichem Rhythmus jeweils einer Untereinheit (z.B. „Knie“ oder „Schulter“) zugewiesen und hatten Gelegenheit, Visiten, Sprechstunden, den Stationsalltag und den Operationssaal kennen zu lernen. Die uns betreuenden Ärzte waren sehr freundlich und haben bei gezeigtem Interesse viel erklärt. Zusätzlich gab es eine interessante Seminarreihe, die zweimal wöchentlich stattfand und von den Oberärzten persönlich geleitet wurde. Am Ende des Praktikums stand eine 40-minütige mündliche Einzelprüfung beim Chefarzt und eine Facharbeit über das Thema „Lumbalgie“.

einen guten Überblick über das Aufgabenfeld eines Allgemeinchirurgen bekommen. In Verlaufe des Praktikums haben wir den Operationssaal, den Stationsalltag und die Sprechstunden („consultas“) kennen gelernt. Zum Praktikum gehörten ebenfalls wöchentliche Seminare, ein 45-minütiges Einzelreferat über ein bestimmtes Krankheitsbild und eine mündliche Prüfung. Vom Umgang mit den Patienten war ich positiv überrascht, da in Spanien generell sehr viel mehr Nähe zugelassen wird. Patienten und Arzt (selbst Oberarzt) duzen sich in der Regel, der Arzt setzt sich bei der Visite oft auf das Krankenbett und spricht so im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe mit dem Patienten. Oft kommt es zu Berührungen, gerade bei älteren Damen werden häufig Hände und Wangen gestreichelt, worüber diese sich sichtlich freuen. Küsse auf die Wange gelten als selbstverständlich und werden von den (meist älteren) Patienten sogar von deutschen Erasmus-Studentinnen eingefordert

Chirurgie

Freizeit:

Im Januar habe ich einen Monat lang Praktika auf der Station für Allgemeinchirurgie absolviert. Wir Studenten wurden in Zweiergruppen eingeteilt und haben in einem wöchentlichen Rotationsrhythmus

In meiner Freizeit bin ich sehr viel gereist: Neben zahlreichen Tagesausflügen an kleinere Küstenorte wie Tarifa und Ronda standen auch größere Fahrten an. Besonders schön war eine fünftägige Andalu-

Silvester habe ich vier Tage lang mit meinem Freund in Sevilla verbracht, ebenfalls eine Stadt, in der die andalusische Lebensfreude selbst im Winter überall zu spüren ist. Direkt im Anschluss bin ich mit zwei Erasmus-Studenten nach Marokko aufgebrochen, wo wir in recht abenteuerlicher Weise eine Woche verbracht haben. Dies war meine erste Reise in ein Land mit für mich fremder, islamischer Kultur. Da wir uns zu großen Teilen abseits von touristischen Routen bewegten, hatten wir die Möglichkeit, das Land auf eine besondere Art und Weise kennen zu lernen. Der Höhepunkt dieser MarokkoReise war eine Übernachtung in der Sahara – in Berberzelten bei sternenklarem Nachthimmel und Vollmond!

Europa hat eine neue Bedeutung für mich

Insgesamt habe ich dieses Semester als ungemein bereichernd empfunden für meine persönliche, berufliche und sprachliche Entwicklung. Auch wenn es meist nicht möglich war, an den offiziellen Abschlussprüfungen teilzunehmen (diese finden nur noch im Juli statt), habe ich vor allem in den diversen Praktika im Krankenhaus viele neue Fähigkeiten erwerben können. Hinzu kommen natürlich die Begegnungen mit Menschen aus Spanien, Europa, aber auch aus aller Welt. Ich denke, dass ich aufgrund der vielen internationalen Erfahrungen toleranter und noch aufgeschlossener für andere Kulturen geworden bin. Die geschlossenen Freund- und Bekanntschaften werden hoffentlich noch lange halten und mich zu vielen weiteren Reisen inspirieren. Der Begriff „Europa“ hat für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen!


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Wenn die Notaufnahme zum Wissenstest wird

Einblicke in den Dienst eines PJlers

von Yvonne Bernsdorf Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung

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benfalls sehr wichtig bei einer akuten Pankreatitis ist die ausreichende Volumen-; Elektrolytund Glukosesubstitution. Aufgrund der Schocksymptomatik sollten in 24 Stunden mindestens drei bis vier Liter Volumen unter regelmäßiger Kontrolle des ZVD (Zielwert 6-8 cm H20) gegeben werden. Bei leichten Schmerzen kann man Tramadol oder Buprenorphin geben, bei starken Schmerzen sollte z.B. 50 mg Dolantin (Pethidin) intravenös gegeben werden. Kontraindiziert sind Morphinderivate, da diese einen Papillenspasmus erzeugen könnten, welcher die Situation verschlimmern würde. Bei beginnender nekrotisierender Pankreatitis oder aber bei einer biliären Verlaufsform wäre sicher auch eine Antibiose zur Vermeidung einer Sepsis sinnvoll. Dann ist am besten Carbapeneme oder Ciprofloxacin in Verbindung mit Metronidazol für die Anaerobier geeignet.

„Heute wird das nichts mit viel

Schlaf“ Inzwischen sind wir schon beim Nahtverschluss angelangt. Dr. Shaik setzt die Fasziennähte. Ich führe die Schere. Seit dem Wechsel sind vier Stunden vergangen. Bei Dr. Mehl und Dr. Shaik sehe ich dicke Augenränder.

„Mein Sohn hat heute Nachmittag Schulfest“, seufzt Dr. Shaik. Heute wird das nichts mit viel Schlaf – die Familie gibt es ja auch noch. In der Umkleide schaue ich auf meine Uhr: Schon 14 Uhr. Der Pieper ist wie erwartet voll – acht Rückrufe. Ich beende den Rest meiner Blutrunde. Gegen 16 Uhr bin ich endlich durch und kann mich in den Notfallbereich begeben. Der hat sich inzwischen gefüllt. Ich entdecke Matthias in Kabine 6. Er interpretiert gerade mehrere Röntgenbilder. Der Patient, ein junger Herr in Radsportklamotten, hat überall Schürfwunden. Er sei zu schnell einen Berg hinab gefahren und hätte den Laternenpfahl zu spät gesehen. „Hatten Sie denn auch Bewusstseinsverlust?“, will Matthias wissen. „Ja, kurzfristig“, antwortet der Patient, aber auf dem Boden sei er sofort wieder zu sich gekommen. Es seien auch sofort Passanten herbei geeilt. „Also, nach den Röntgenbildern zu urteilen haben Sie großes Glück gehabt. Es ist nichts gebrochen,

Sie haben nur einige Prellungen davon getragen. Zur Sicherheit werden wir aber noch ein SchädelCT anfertigen, um eine Blutung im Gehirn auszuschließen. Ich denke, Sie haben eine kräftige Gehirnerschütterung. Ich werde noch einmal Rücksprache mit dem Oberarzt halten, aber zur Sicherheit werden wir Sie eine Nacht da behalten.“ Während Matthias sich mit Dr. Rommel, dem ersten diensthabenden Arzt kurzschließt, reinige ich die Schürfwunden des Patienten am Bein mit Bethaisodona. “Ganz schön fies das Zeug, das brennt wie Hölle“, jault der Patient. „Es reinigt aber auch gut“, antworte ich. „Na, da haben Sie sich aber ganz schön flach gelegt. Nächstes Mal trainieren Sie besser mit einem Radhelm.“ Der Patient grinst. Matthias kehrt mit Dr. Rommel zurück. Auch dieser befürwortet die Nacht im Krankenhaus und der zunächst wenig begeisterte Patient ist einsichtig.

Die DMS-Überprüfung

Nebenan erwartet mich schon eine Frau mittleren Alters mit ihrem Ehemann. Die Frau ist in Arbeitskleidung und hält sich mit einem Tuch ihren rechten Daumen. „Das

dauert ja ewig, bis man hier dran kommt“, schimpft der Mann zur Begrüßung. „Wir warten schon seit zwei Stunden. Zu Hause warten drei kleine Kinder!“ Ich versuche die Situation zu entschärfen und entschuldige mich, indem ich sage, dass wir nur drei Personen sind und unser Bestes geben würden. Auch hätten wir noch keine Pause gemacht. Doch die Miene des Mannes bleibt verärgert. Auch solche Situationen bestimmen häufig den Dienst. Die Frau wirft ihrem Ehemann ermahnende Blicke zu und zeigt mir den Grund ihres Kommens. Beim Heckenschneiden habe sie ihren rechten Daumen erwischt. Beim Betrachten des Fingers sehe ich eine tief klaffende Wunde. Während ich die ersten Notizen mache, kommt schon Matthias hinzu. Auch er schaut sich den Daumen an und versucht diesen zu bewegen. „Wichtig ist, die DMS zu überprüfen“, sagt er zu mir. „Weißt Du, wofür DMS steht?“ Zum Glück hatte ich das zuvor noch gelesen: „Durchblutung, Motorik und Sensibilität“, antworte ich. „Ganz genau.“ Matthias ist zufrieden. Die Frau hat Glück. Sowohl die Durchblutung als auch Motorik und Sensibilität erscheinen intakt. Nach gründlicher Reinigung und einer kleinen Lokalbetäubung wird die Wunde mit drei Einzelknopfnähten versorgt. Nachdem die Schwester auch noch den Daumen verbunden hat, können beide die Notfallambulanz mit einem Brief für den Hautarzt wieder verlassen. Im Koordinationszimmer treffen wir auf Dr. Rom-


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Einblicke in den Dienst eines PJlers Fortsetzung von Seite 8 mel. „Matthias, ich gehe gleich mit Lea in den OP. Mediale Schenkelhalsfraktur bei einem 55-jährigen Mann. Er wollte Kirschen in seinem Garten pflücken und ist dabei von der Leiter auf seinen rechten Oberschenkel gefallen. Du wirst eine Zeit lang alleine in der Ambulanz sein. Solltest Du Fragen haben, dann kannst mich anpiepen.“ Jetzt schaut Dr. Rommel mich an.

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Bahnhofstraße 26b 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0 Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de Internet: www.medi-learn.de ISSN: 1860-8590 Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Angelika Lehle, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf Layout & Graphik: Angelika Lehle Berichte: Juliane Wilcke, Dr. Christoph Nothdurft, Werner Sommer, Nicola Schöppl, Franziska Ruhland, Yvonne Bernsdorf, Dr. Michael Welling, Michael Alexander Rösch, Marita Voelker Albert Anzeigenbetreuung: Christian Weier Olbrichtweg 11 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0 Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn. de – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: istockphoto.com, photocase.com, stock.xchng, Böttcher MPIbpc Göttingen, Technische Universität Wien, Franziska Ruhland, Juliane Wilcke Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungs­berichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel

“Na, haben wir noch Zeit für ein kleines Teaching? Warum kann die OP nicht bis morgen warten? Warum ist sie ein unfallchirurgischer Notfall?“ Ich muss passen. Dr. Rommel gibt mir einen Tipp. „Denk mal an die Durchblutungssituation im Hüftkopfbereich.“ Jetzt habe ich eine Idee. „Wahrscheinlich würde dann eine Hüftkopfnekrose drohen.“ „Genau. Deswegen muss eine frühe Operation innerhalb von sechs Stunden angestrebt werden. Aber ist das bei allen Patienten so?“ Ich schaue ihn ratlos an. “Wenn ich so schon frage: Nein! Den Patient operieren wir, weil er noch jung ist. Hier ist das Therapieziel, kopferhaltend zu operieren, um eine sofortige Belastbarkeit und Bewegung des Hüftgelenkes wieder herzustellen. Es soll einer Pseudoarthrose vorgebeugt werden. Eine Altersgrenze zieht man ungefähr bei 65 Jahren. Wenn ein Patient älter ist, dann ist ein künstliches Hüftgelenk vorzuziehen, da das die Pflege erleichtert und die Patienten schneller mobilisiert werden können. Schenkelhalsfrakturen sind Verletzungen des älteren Menschen. Warum ist das so?“ Ich denke an die Osteoporose und liege richtig. Wie mir der Arzt erklärt, verdoppelt sich das Risiko bei Frauen nach der Menopause alle fünf Jahre.

Fraktur-Klassifikation

Da wir noch etwas Zeit haben, weil sich der Patient noch in der Einleitung befindet, zeigt mir Dr. Rommel jetzt noch das Röntgenbild des Patienten. Es ist im anterioren-posterioren Strahlengang aufgenommen worden. Ich erkenne eine Frakturlinie durch den Schenkelhals. “Ja, und wenn Du jetzt den Winkel zwischen der Horizontalen und der Frakturlinie nimmst, dann hast Du die Pauwels-Einteilung. Bei einem kleinen Winkel, d.h. bis 30° könnte man gut konservativ behandeln, weil nicht so große Scherkräfte auf den Bruch wirken und diesen dislozieren könnten. Dieser Patient hat aber nach meiner Schätzung einen Winkel um die 50°. Das wäre ein Pauwels-Grad zwischen

II und III und demnach eine instabile Fraktur. Eine modernere Einteilung ist die AO-Klassifikation nach Müller. Das würde einer 31B 2-Fraktur entsprechen: Die 3 steht für den Femur, die zweite Zahl 1 für das proximale Ende, B für die Region, nämlich Schenkelhalsfraktur und die 2 dahinter für die Art der Fraktur, nämlich transzervikal. Am besten liest Du das noch einmal in einem Lehrbuch nach. Und wenn Du noch eine Weile in der Unfallchirurgie bist, dann wirst Du bestimmt auch mal bei so einer OP assistieren. Schenkelhalsfrakturen sind häufig.“

Eigene Anamnese

Ich bedanke mich bei dem Arzt für das gute Teaching. Gegen 22 Uhr bin ich wieder in die Notfallambulanz. Es ist ruhig geworden. Ich bewege mich in Richtung des Aufenthaltsraums, um ein wenig Pause zu machen, als ich dem Assistenten der Allgemeinchirurgen begegne, Dr. Sven Bach. “Hast Du im Moment nichts zu tun? Wir haben eben einen jungen Patienten bekommen mit unklaren Bauchschmerzen. Wie wäre es: Du schaust Dir den Patient zuerst an, erhebst alles und ich komme dazu?“ Ich willige ein und begebe mich in Kabine 5. Und in der Tat liegt in dort auf der Liege ein junger Mann mit Dreadlocks, karierter Latzhose und einem Che Guevara T-Shirt, dem es offenbar nicht sehr gut geht. Seine Freundin, die ebenfalls Dreadlocks hat, sitzt neben ihm.

Ich weiss nicht, ob es die Kombination aus Bier und Chili con Carne war“ Ich stelle mich vor und frage, weswegen er kommt. Wie sich herausstellt ist der junge Mann ein Politologiestudent. Er hätte gestern Abend noch eine wichtige Sitzung mit dem Asta gehabt und danach noch ein wenig gefeiert. „Ich weiß nicht, ob es die Kombination aus dem Bier und dem Chili con Carne war, aber mir

ist seit heute Morgen so übel. Ich habe mich schon mehrfach übergeben. Und vor allem tut es mir hier so weh.“ Er zeigt auf das Epigastrium. Noch bevor ich ihn weiter untersuche, nehme lege ich ihm erst einmal einen Zugang und nehme ein Labor mit Gerinnung, Blutbild und Elektrolyte ab. Ich frage den Studenten, was er gegessen hat, wann die Symptome aufgetreten seien und auch ob er Veränderungen des Stuhlgangs bemerkt hätte. Er verneint. Im Gesicht stelle ich fest, dass er Schweiß auf seiner Stirn hat und blass aussieht. Ich messe die Temperatur sowohl axillär als auch rektal aber sie scheint nicht besonders erhöht. Die restliche körperliche Untersuchung ist wenig ergiebig. Erst, als ich mich dem Abdomen zuwende, kann ich seine Beschwerden ein bisschen mehr eingrenzen. Er ist im Epigastrium absolut schmerzempfindlich, sodass eine weitere Untersuchung kaum möglich ist. Auch den konralateralen Loslassschmerz, indem ich auf der linken Seite den Bauch eindrücke, empfindet er als unangenehm. Die Darmgeräusche sind nicht besonders auffällig. Schließlich führe ich noch das Psoaszeichen durch und hebe sein rechtes Bein hoch. Es ist positiv, denn der Patient krümmt sich vor Schmerzen. „Das ist ja die reinste Folter hier!“ Noch weniger begeistert ist er von meinen Vorschlag, ihn rektal zu untersuchen. Ich erkläre ihm, dass ich seine Vorbehalte verstehen könne, aber dass man z.B. rektal noch genauere Aussagen über die Schmerzlokalisation machen kann. Ich frage ihn, ob er noch seinen Blinddarm habe. Er bejaht. Schließlich ist er einverstanden mit der rektalen Untersuchung, die jedoch keine neuen Erkenntnisse bringt.

Der Klassiker

Dr. Bach kommt hinzu. „Und, schon fertig? Stell mir doch einmal den Patienten vor. Wie lautet Deine Verdachtsdiagnose?“ „Da der Patient mit 24 Jahren noch recht jung ist und da er tatsächlich einige positive Zeichen gezeigt hat, denke ich an eine akute Appendizitis“, antworte ich ihm. weiter auf Seite 10


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CRP-Wert ist mäßig erhöht mit 20, aber dafür sieht man doch eine Leukozytose, also einen Anstieg der weißen Blutkörperchen. Der Wert ist bei Ihnen um die 11.000. Ich werde Rücksprache mit dem ersten diensthabenden Arzt halten, dann müssen wir möglichst schnell handeln und den Übeltäter Ihres Leidens entfernen.“ „Aber ich habe doch nichts für das Krankenhaus mit?“ äußert der Patient besorgt. „Kann ich nicht noch einmal nach Hause?“ „Darum wird sich bestimmt Ihre Freundin kümmern“, sagt Dr. Bach. „So eine Appendizitis muss man ernst nehmen, wir wollen keine kostbare Zeit verlieren.“

Schon kommt uns gelber, übel riechender Eiter entgegen Dr. Bach ist einverstanden. „Ja, ich denke auch, dass es der Klassiker ist. Warten wir noch die Laborwerte ab.“ „Ich habe eine Blinddarmentzündung?“, fragt der Student ungläubig. „Ich glaube mehr, dass es

das Essen war!“ „In Ihrem Falle denke ich, dass es nur ein unglücklicher Zufall war, aber das Essen ist nicht Auslöser für ihr Unwohlsein“, erklärt der Arzt. Endlich kommen auch die Laborwerte. „Na ja, der

Wenig später ist die Aufklärung unterschrieben. Ich stehe mit Frau Dr. Kahler und Dr. Bach am OPTisch und halte die Haken. „Du musst noch ein wenig mehr ziehen, damit wir mehr Sicht haben“, höre ich und bin plötzlich wieder wach.

Zecken auf dem Vormarsch Verbreitung und die Symptome von Lyme-Borreliose und FSME von Dr. Michael Welling (idw)

I

n den Medien ist in den letzten Wochen viel über Zecken berichtet worden. Besteht das Interesse an den unliebsamen Mitbringseln aus Wald und Flur zu Recht? „Zweifellos“, sagt Dr. Jochen Süss, Leiter des Nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). „Krankheiten durch Zecken nehmen in Deutschland und vielen europäischen Ländern zu“. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins ForschungsRe-

port berichten er und seine Mitarbeiterin Dr. Christine Klaus über die Verbreitung und die Symptome von Lyme-Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), über Vorbeuge- und Impfmöglichkeiten und über noch offene Fragen. Warum zum Beispiel sind Zecken an manchen Stellen in Massen vorhanden, wenige Meter weiter jedoch nicht mehr? Wieso werden in Deutschland Zeckenarten heimisch, die zuvor nur aus Mittelmeerländern bekannt waren? Welche Rolle spielt das Klima? Immerhin wurden bei uns im letzten Winter zwischen November und Februar wirtssuchende, aktive Zecken gefunden. Keine guten Nachrichten, erkranken doch 60-70.000 Personen pro Jahr in Deutschland

an Lyme-Borreliose. Auch die Infektionsrate mit dem FSME-Virus vorherrschend in Süddeutschland ist bei uns steigend. Dass dies nicht zwingend so sein muss, zeigt das Beispiel Österreich: Dort stagniert die Häufigkeit der FSME-Fälle seit einigen Jahren aufgrund des hohen Durchimpfungsgrades der Bevölkerung. Trotz des Gefährdungspotenzials durch Zecken wollen Jochen Süss und Christine Klaus niemandem die Freude an Spaziergängen durch Wald und Wiese nehmen. In ihrem Beitrag geben sie praktische Tipps, wie man das Risiko von Infektionen durch Zeckenstiche verringern kann. So sollte man nach einem Aufenthalt an Zeckenstandorten Körper und Kleidung nach Zecken

Nach dem Öffnen des Bauches kommt uns schon gelber, übel riechender Eiter entgegen und kurz danach ein ziemlich geröteter und verquollener Appendix. Der Eiter wird abgesaugt. „Da hat unser Freundchen aber bis auf die allerletzte Minute gewartet. Eine perforierende Appendizitis! Er wird auf jeden Fall noch eine Spülung und eine wirksame Antibiose bekommen“, gibt Frau Dr. Kahler als Anweisung. Jetzt geht alles recht schnell. Bei der letzten Naht darf ich helfen. Dr. Bach entscheidet sich für eine Allgöwer-Naht.

Endlich ins Bett!

Gegen ein Uhr nachts verlassen wir den OP und ich darf mich endlich ins Bett begeben. Es war ein lehrreicher, aber doch sehr anstrengender Tag. Völlig erschöpft falle ich ins Bett, den Pieper neben am Nachttisch aufstellend, in der Hoffnung, dass ich die paar Stunden bis Morgen durchschlafen kann. Ich schlafe felsenfest, als es piept. Den Schlaf aus den Augen reibend schaue ich auf meinen Pieper. Hoffentlich kein Polytrauma! Doch es ist schon sieben Uhr morgens und es war nur mein Handy-Wecker. Glück gehabt!

absuchen, denn die Parasiten krabbeln zum Teil ziemlich lange herum, bis sie eine „passende“ Hautstelle zum Einstechen gefunden haben. Auch nach dem Einstich kommt es erst einige Stunden später zur Übertragung von Borrelien, sodass es in jedem Fall sinnvoll ist, angesogene Zecken möglichst rasch zu entfernen. Das FSME-Virus wird dagegen sofort nach dem Einstich übertragen. Der reich bebilderte Artikel „Zecken auf dem Vormarsch“ findet sich neben Beiträgen zu funktionellen Lebensmitteln und zum Einsatz von Nützlingen bei der Zierpflanzenproduktion in der neu erschienenen Ausgabe 1/2007 des ForschungsReports. Das 56-seitige Magazin kann kostenlos bezogen werden über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig


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Ein Rösch jenseits des Röschtigrabens

PJ in der französischsprachigen Schweiz von Michael Alexander Rösch

Schweizer in der Assistenzarztausbildung nicht länger als ein Jahr an einem Krankenhaus bleiben. Daher suchen sich viele von ihnen gar nicht erst Wohnungen, sondern nehmen mit der einfacheren Variante des Wohnheims Vorlieb.

Ähnliche Strukturen

Ich sollte mich dann am nächsten Morgen um acht Uhr in der Personalabteilung vorstellen, wo mich dann eine Dame empfing, die mit

D

ie Schweiz: Mein Ziel. Ich hatte zwei Jahre zuvor über das Erasmusprogramm meiner Medizinischen Fakultät ein Auslandssemester in Frankreich studiert und wollte mein Französisch wieder etwas aufbessern. Zudem eilt der Schweiz generell ein exzellenter Ruf für die PJ-Ausbildung voraus. Ich hatte mich auch für die deutschsprachige Schweiz beworben. Um dort jedoch eine Stelle zu bekommen war eine Bewerbung selbst ein Jahr im Voraus schon zu spät. In der deutschsprachigen Schweiz bewirbt man sich nämlich direkt in den Kliniken bei den entsprechenden Chefärzten. In der „Suisse romande“, der französischsprachigen Schweiz jenseits der Sprachgrenze, die die Schweizer „Röschtigraben“ nennen (nach einem Nationalgericht, das fast nur im deutschsprachigen Teil gegessen wird), bewirbt man sich bei einer der beiden Medizinischen Fakultäten der Universität Genf oder der Universität in Lausanne. Diese vergeben dann die Plätze für die entsprechenden Krankenhäuser zentral. Hierbei muss man jedoch die Bewerbungsfristen beachten. Mein erstes Tertial hatte im Wintersemester 2006 begonnen, die Bewerbung musste ich bis zum 31. Oktober des Vorjahres einreichen. Bewerbungsunterlagen hatte ich direkt an der Medizinischen Fakultät in Genf erfragt. Es hat übrigens auch keinen Sinn, sich in Lausanne und in

Genf gleichzeitig zu bewerben, da die Plätze zentral vergeben werden und so Doppelbewerbungen von vornherein herausgefiltert werden.

Persönlicher Brief des Chefarztes

Ich hatte mich für das Universitätskrankenhaus in Genf beworben, doch diese Plätze sind sehr begehrt und daher primär den Schweizer Studenten vorbehalten. Eine Zusage bekam ich dennoch schon im Januar – allerdings nicht für Genf, sondern für Neuchâtel. Im April bekam ich dann einen bereits vom Chefarzt des Krankenhauses unterzeichneten Vertrag zugesendet, den ich unterschrieben und zurückgeschickt habe. Dem Vertrag lag ein überaus freundlicher und persönlicher Brief des Chefarztes bei, in dem er mir mitteilte, wie sehr er sich auf die Zusammenarbeit freue. Das hat mich sehr gefreut. Gleichzeitig bat er an, mir ein Zimmer „Pavillon du Personnel“ des Krankenhauses zu besorgen. Im Mai waren bereits alle Vorbereitungen getroffen und das Zweite Staatsexamen konnte kommen! Als ich am 16. Oktober, einem Sonntagabend, in Neuchatel ankam, erwartete man mich bereits und übergab mir das Zimmer. Anschluss findet man in einem Wohnheim relativ schnell. Es sollte sich herausstellen, dass hier auch die meisten meiner Assistenzärzte wohnten. Dies liegt daran, dass die

mir alle Formalitäten durchging und mich daraufhin durch das Krankenhaus führte. Schon dieser herzliche Empfang vermittelte mir die typische Schweizer Gemütlichkeit und Gelassenheit. Das Krankenhaus besorgte mir auch die Arbeitsgenehmigung beim Einwohnermeldeamt, so dass ich mich darum überhaupt nicht kümmern musste. Eingeteilt war ich für die Viszeralchirurgie. weiter auf Seite 12

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PJ in der französischsprachigen Schweiz Fortsetzung von Seite 11

Da es sich in meinem Fall jedoch um ein sehr kleines Krankenhaus handelte und ich nicht im Kantonsspital war, war die Chirurgie insgesamt recht übersichtlich. Überwiegend operierte man dort viszeralchirurgische und orthopädische Patienten. Die Hierarchie ist der deutschen ähnlich: Es gab einen „médecin chef“, den Chefarzt, einen „chef de clinique“, den Oberarzt, den médecin assistant (Assistenzarzt) und mich, den „stagiaire“. Üblich war es dort, das medizinische Personal bis zum Oberarzt zu duzen. In der Chirurgie war ich der einzige „stagiaire“. In der Abteilung der Inneren gab es noch zwei weitere, ebenfalls aus Deutschland stammende PJler. Generell arbeiteten in diesem Krankenhaus relativ viele Deutsche und Schweizerdeutsche. Nun zum Tagesablauf eines gleich vorweg: Wer sich in seinem PJ Tertiär eher etwas ausruhen möchte, der sollte sich nicht unbedingt die Schweiz aussuchen. Die Schweizer Ärzte haben eine reguläre Fünfzig-Stunden-Woche, und häufig kommen auch noch Überstunden dazu, die jedoch vergütet werden. Da man gerade als deutscher „stagiaire“ als Arzt angesehen wird, gelten auch für einen PJler diese Arbeitszeiten. Als vollwertiger Assistenzarzt eingeteilt Ein Arbeitstag begann um halb acht mit der Röntgenvisite, die jedoch nicht ein Radiologe machte, sondern der „chef de clinique“ abhielt. Dies ist jedoch nicht typisch, sondern lag an der geringen Größe des Krankenhauses. Diese Visite dauerte dann meist fünfzehn bis zwanzig Minuten, sodass man pünktlich im OP sein konnte. Der Beginn der Operationen war für acht Uhr vorgesehen. Hierbei entsprach die zeitliche Genauigkeit jedoch nicht den berühmten Schwei-

zer Uhren. Häufig ging es gegen hab neun los. Eingeteilt wurde ich vom ersten Tag an als vollwertiger Assistenzarzt, und das nicht nur wegen der Freundlichkeit der Schweizer, sondern auch weil der Bedarf dazu bestand. Operiert wurde je nach Operationsprogramm bis Mittag. Man konnte dann kurz in der Cafeteria etwas essen, wurde dann jedoch schnell wieder angepiept für die „Prehospitalisations“. Hierbei handelt es sich um Patienten, die sich circa eine Woche vor ihrer regulären Operation noch einmal vorstellen, um sicher zu gehen, dass es in der Zwischenzeit keine wichtigen Veränderungen gegeben hat. Eine komplette Anamnese wurde erhoben und eine vollständige körperliche Untersuchung unter besonderer Beachtung der Operationsindikation durchgeführt. Im Anschluss wurde dann auch schon der Brief diktiert. Dies bereitete mir anfänglich doch etwas Schwierigkeiten, da ich vorher noch keinen Arztbrief geschrieben hatte und diesen auch noch auf Französisch verfassen musste. Zwischen gesprochenem und geschriebenem Französisch gibt es einen doch recht großen Unterschied. Da man jedoch relativ schnell Schwimmen lernt, wenn man einfach ins Wasser geworfen wird, hatte man nach einigen Tagen Routine darin.

Viel Praktisches gelernt

Die „Prehospitalisations“ ließ man sehr gern den stagiaire machen, da sich die Ärzte in der Zwischenzeit um den Stationsablauf kümmern konnten. Im Schnitt hatte ich vier bis fünf Patienten pro Tag. Gegen halb fünf war ich dann eigentlich fertig, musste jedoch noch in der Klinik bleiben, da halb sechs erst die „contre visite“ begann. Dort wurde der Tag in Anwesenheit des Chef- und des Oberarztes Revue passieren gelassen und die Ärzte für den Operationsplan am nächsten Tag eingeteilt. Dies dauerte meist eine halbe Stunde, sodass man gegen 18 Uhr Feierabend hatte. So verlief in etwa jeder Tag. Einmal in der Woche fand morgens zuerst eine Fortbildung im Kantonsspital

statt, das sich direkt nebenan befindet. Dieser recht gefüllte Tagesablauf ermöglichte mir, viel zu lernen. Im Operationssaal konnte man alle Fragen stellen und bekam diese freundlich und geduldig beantwortet. Auf rein praktischer Ebene lernte ich dort nähen und knoten, die vorstationären Sprechstunden am Nachmittag übten sowohl in der Sprache, als auch im Patientengespräch unter vier Augen. Wochenenddienste oder Nachtdienste musste ich nicht machen, wobei das von Krankenhaus zu Krankenhaus verschieden ist.

Jenseits des Röschtigrabens

Am 24. eines jeden Monats konnte man sich sein Gehalt in der Personalabteilung abholen, das im Land der Banken in bar ausgezahlt wurde – zumindest an meinem Krankenhaus. Nach Abzug der Steuern und der 110 Franken Miete für das Zimmer, blieben mir im Monat 460 Franken. Ob man damit über die Runden kommt, hängt wohl von jedem selbst ab. Persönlich halte ich die Schweiz mittlerweile für nicht mehr viel teurer als Deutschland. Freizeitmäßig hat die Schweiz gerade im Winter viel zu bieten. Angefangen vom Alpinski über Langlaufski bis zu Städtetouren nach Zürich, Lausanne, Genf oder Bern ist alles gerade auch aufgrund der relativ geringen Entfernungen möglich. Daher empfehle ich jedem, ein Tertiär in der Schweiz zu absolvieren. Gerade für die, die ihr Französisch auf- oder verbessern möchten, empfiehlt sich die Suisse romande um Genf und Lausanne. Man braucht auch keinen sonderbaren Akzent wie den des Schweizerdeutsch zu befürchten, da man jenseits des Röschtigrabens ein sehr klares Französisch spricht. In diesem Sinne: Bonne chance! Tipp: In der MEDI-LEARN Zeitung 3/2006 findet ihr einen umfangreichen Bericht über das Studium und das Arbeiten als deutscher Mediziner in der Schweiz. Online findet ihr die MLZ unter: www.medilearn.de/files/mlz/mlz0306.pdf


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Akupunktur ist für alle Altersgruppen geeignet Interview mit Sina Heidtmann zum Thema Akupunktur von MEDI-LEARN

1. Wie sind Sie zur Akupunktur gekommen? Was interessiert Sie besonders an diesem Bereich der Medizin? Akupunktur hat mich schon immer interessiert. Als erstes habe ich einen Akupunktur-Kurs für Studenten an der Uni besucht und später die Akupunktur-Ausbildung bei der Daegfa begonnen. Insgesamt habe ich mich stets für alternative Heilmethoden interessiert, die auf sanftem Wege Leiden lindern. Die Akupunktur finde ich besonders spannend im Bereich Schmerzbehandlung, aber auch für die Behandlung psychischer Leiden. 2. Welche Möglichkeiten birgt die Akupunktur, wo sind ihre Grenzen? Möglichkeiten der Akupunktur sind Beschwerden zu lindern ohne dass Medikamente zum Einsatz kommen oder eine psychische Komponente mitursächlich ist (z.B. Obstipation bei Reizdarm. Grenzen sind ganz klar zu sehen bei bösartigen Erkrankungen z.B., die Schmerzen und Appetitlosigkeit sind unterstützend zu behandeln, aber das Grundleiden gehört in andere Hände. Genauso z.B. substantielle Herzerkrankungen und Bluthochdruck 3. Bei welchen Beschwerden hilft Akupunktur? Gibt es Gegenanzeigen und Nebenwirkungen? In der Schmerzbehandlung und

Problemen psychischer Natur, wie Schlafstörungen bei Stress und Ängsten lassen sich tolle Erfolge erzielen. Besonders auch akut, z.B. bei Lumboischialgie sind die Ergebnisse beeindruckend. Migräne, Gelenkschmerzen, (allergisches) Asthma und Heuschnupfen sind einige Beispiele bei denen Akupunktur gut wirksam ist. Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind größtenteils relativ zu sehen, z.B: würde ich beim marcumarisierten Patienten auf eine tiefe Nadelung verzichten und eher Ohrakupunktur anwenden, ggf. auf die Behandlung verzichten. Horrorgeschichten wie Pneumothorax durch Akupunktur sind eher als Behandlungsfehler zu sehen. 4. Ist die Behandlung schmerzhaft? Die Behandlung ist nicht schmerzhaft. Bei einer gut durchgeführten Akupunktur spürt man einen kleinen Stich der Nadel und anschließend ein ausstrahlendes dumpfes Gefühl, das sog. De-Qui. 5. In welchen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Akupunktur Behandlung? Die meisten Krankenkassen übernehmen Kosten für chronische Rückenschmerzen und bei Knieschmerzen. Andere Indikationen gehören nicht in den generellen

Leistungskatalog, manche Kassen erstatten Kosten auf Antrag. 6. Wie viele Sitzungen sind bei einer Behandlung notwendig? Wie viele Sitzungen notwendig sind hängt vom jeweiligen Krankheitsbild ab. Wenn man generelle Empfehlungen abgeben möchte, die im Einzelfall nicht zutreffen, kann man von 10-15 Sitzungen in Abständen von 1-2x Pro Woche ausgehen. 7. Wie lange dauert eine Sitzung? Eine Sitzung dauert ungefähr 30 Minuten. Die erste Konsultation länger, da eine ausführliche Anamnese und Untersuchung Voraussetzung für die Akupunktur ist. Die Akupunkturnadeln bleiben je nach Indikation für ca. 15-30 Minuten liegen. 8. Warum werden die Nadeln zum Teil erhitzt? Moxibustion ist ein Teil der Akupunktur, wird besonders bei sog. „Schwäche-Störungen“ eingesetzt und führt dem Körper Energie zu. 9. Ist die Akupunktur für alle Altergruppen geeignet, also auch für Kinder und alte Menschen? Akupunktur ist für alle Altersgruppen geeignet, wobei natürlich jeweils auf die Besonderheiten der

Altersklassen eingegangen werden sollte. So haben besonders Kinder häufig Angst vor Nadeln und können nicht lange ruhig liegen bleiben. Bei Ihnen kann häufig Akupressur eingesetzt werden. 10. Wie reagieren die Patienten auf die Behandlung? Sind sie aufgeschlossen oder eher skeptisch eingestellt? Meiner Erfahrung nach sind die meisten Menschen gegenüber Akupunktur aufgeschlossen. Ich denke auch die breite öffentliche Diskussion hat dazu beigetragen, dass mehr Menschen etwas über Akupunktur wissen und sich dieser Behandlungsmethode öffnen. Gelegentlich begegne ich auch skeptischen Patienten, häufigste Aussage ist: \“erstmal abwarten was geschieht\“, da ist das Vertrauen in die Schulmedizin größer. Aber nach den ersten Behandlungen sind auch die Skeptiker überzeugt! 11. Wie ist die Akzeptanz unter den Kollegen? Unter den Kollegen ist die Akzeptanz mittlerweile sehr groß. Viele interessieren sich für Akupunktur. Durch die wissenschaftliche Untersuchung der Akupunkturwirkung können auch die größten Skeptiker der Akupunktur ihre Wirkung nicht absprechen. 12. Wie sehen Sie die Zukunft der Akupunktur in der westlichen Medizin? Ich denke, dass die Akupunktur ihren Stellenwert auch in der westlichen Medizin weiter ausbauen wird. Durch sie lassen sich beeindruckende Behandlungserfolge direkt erzielen und die Kosten der Behandlung sind überschaubar. ®

Das SEIRIN -Akupunktur-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Akupunktur, den wir euch in Kooperation mit 3B Scientific und SEIRIN in den kommenden Ausgaben der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/akupunktur


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Quit the Shit

denn Cannabis ist eine illegale Droge mit einem erheblichen Gefährdungspotenzial für die Konsumenten. Außerdem beeinträchtigt Cannabiskonsum die Konzentrationsfähigkeit, das Denkvermögen und die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler. Die körperlichen Beschwerden reichen von Übelkeit, Schwindel bis hin zum Kreislaufkollaps.

Cannabis - Ein europaweites Problem von Marita Voelker Albert (BZgA)

Q

uit the Shit - das Internetausstiegsprogramm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt gute Erfolge in Deutschland. Gestern und heute findet im Rahmen der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft in Berlin eine Tagung von Vertretern aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten zur aktuellen Cannabisproblematik in Europa statt. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, sowie die Deutsche (DBDD) und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) haben dazu eingeladen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist einer der drei Knotenpunkte in Deutschland für die Europäische Beobachtungsstelle. Die der Beobachtungsstelle vorliegenden Daten zeigen, dass in den vergangenen Jahrzehnten der Cannabiskonsum in vielen Ländern Europas gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen stetig gestiegen ist. Das trifft auch für Deutschland zu. Nach Angaben der repräsentativen Drogenaffinitätsstudie der BZgA haben etwa ein Drittel (31 Prozent) der 12- bis 25-Jährigen schon einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert. 1979 lag diese Zahl noch bei 16 Prozent. Cannabis ist damit das Suchtmittel mit dem stärksten Anstieg in der Probierbereitschaft. Für die meisten Jugendlichen ist der Cannabiskonsum allerdings eine kurze Phase. 12 Prozent der Befragten geben an, Cannabis in den letzten 12 Monaten konsumiert zu haben, bei den verbleibenden 19 Prozent liegt der Drogenkonsum länger als ein Jahr zurück. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen im oberen Drittel, was den Cannabiskonsum betrifft. Angesichts der Ausbreitung des Cannabiskonsums unter jungen Menschen hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Internet unter www.drugcom.de

Vor diesem Hintergrund hat die BZgA den Leitfaden „Schule und Cannabis“ entwickelt, der sich an Lehrpersonen der weiterführenden Schulen richtet und Vorschläge zum Umgang mit Cannabis im schulischen Rahmen enthält. Die Handreichung vermittelt Ideen zur Entwicklung eines schulinternen Regelsystems und gibt Lehrerinnen und Lehrern Hinweise, wie sie im konkreten Fall auf Problemsituationen adäquat reagieren können.

die Ausstiegshilfe „Quit the Shit“ entwickelt. Jugendliche und junge Erwachsene, die ihren Cannabiskonsum beenden oder reduzieren wollen, finden mit „Quit the Shit“ ein speziell auf sie zugeschnittenes anonymes Beratungsangebot. Ergebnisse zeigen, dass drei Monate nach Beendigung des Programms diejenigen, die diese Ausstiegshilfe im Internet durchlaufen haben, im Durchschnitt ihre Konsummenge auf ein Drittel reduzieren. Die Tage, an denen sie Cannabis konsumieren, gingen um 50 Prozent zurück. Dies ist als Erfolg zu bewerten, weil es sich um eine Gruppe hochgradig abhängiger junger Menschen mit intensivem Cannabiskonsum handelt, die bislang von den herkömmlichen Beratungsangeboten nicht erreicht wurden.

gramm zu nutzen. In dem noch bis Mai 2007 laufenden Projekt soll getestet werden, wie eine dezentrale Nutzung von „Quit the Shit“ möglich ist und welche Maßnahmen der Qualitätssicherung erforderlich sind.

Aufgrund dieser positiven Ergebnisse und der starken Inanspruchnahme des Angebotes besteht bei den Drogenberatungsstellen in Deutschland ein großes Interesse an „Quit the Shit“. Deshalb hat die BZgA in einem ersten Modellprojekt 12 Drogenberatungsstellen aus dem Bundesgebiet angeboten, das internetbasierte Ausstiegspro-

Auch die Schule bleibt vom Cannabiskonsum nicht unberührt. Laut Daten zur Hamburger Schüler- und Lehrerbefragung zum Umgang mit Suchtmitteln (Schulbus) aus dem Jahr 2004 war jeder 6. Hamburger Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren (17,3 Prozent) als aktueller Cannabiskonsument einzustufen. Das kann nicht toleriert werden,

„Der Anstieg des Cannabiskonsums in der jüngeren Bevölkerung gibt uns ernsten Anlass zur Sorge und ich hoffe, dass die BZgA mit ihrem sehr niedrigschwelligen Entwöhnungsangebot ‚Quit the Shit’ gerade solche Konsumentinnen und Konsumenten erreichen kann, die über das herkömmliche Suchthilfesystem nur schwer angesprochen werden können“, betont Harald Lehmann, stellvertretender Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

„Der begonnene Dialog zwischen Suchtprävention und Beratung muss fortgesetzt und vertieft werden“, ergänzt Harald Lehmann. „Konsumentinnen und Konsumenten, die bisher über das herkömmliche Suchthilfesystem nur schwer erreichbar waren, müssen im Vorfeld einer Abhängigkeit angesprochen werden. Die Kooperation in dem internetgestützten Modellprojekt ‚Quit the Shit’ ist ein großer Schritt in diese Richtung. Das Internet gewährt in diesem Zusammenhang flexible Einsatzmöglichkeiten mit geringem Personalaufwand.“ Weitere Informationen zum Cannabis-Ausstiegsprogramm „Quit the Shit“ unter www.drugcom.de. Der Leitfaden „Schule und Cannabis“ richtet sich ausschließlich an Schulen und Lehrpersonen und kann aus diesem Grund nur an Schuladressen ausgeliefert werden. Die Basisinformationen „Cannabis“ beinhaltet ein breites Spektrum an Informationen wie Konsummuster, Wirkungen und Risiken, Abhängigkeit, Suchtvorbeugung und Tipps für Eltern, rechtliche Hintergründe etc. Die Materialien sind kostenlos und können unter folgender Adresse bestellt werden: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Internet: www.bzga.de.

Digitaler Nachschlag 04/2007  

Zusätzlich zur eigentlichen Zeitung bieten wir euch zudem seit der Ausgabe 04/2005 den sogenannten Digitalen Nachschlag: nicht alle Artikel...

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