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Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

ZEITUNG

Digitaler Nachschlag

Digitaler Nachschlag der Ausgabe 03/11 Mai/ Juni 2011 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de

Krankenpflege als Vorbereitung

Feine Nadeln gegen Niessattacken

Ars-legendi Preis 2011

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Wartesemester können sinnvoll genutzt werden, um sich auf das zukünftige Medizinstudium vorzubereiten. Eine beliebte Option ist die Krankenpflege, die einem erste praktische Einblicke ermöglicht.

Wie in unserer Printausgabe bereits berichtet, werden an der TU Dresden jährlich 2500 Allergie-Behandlungen mit Akupunktur durchgeführt. Mehr Informationen dazu in der Fortsetzung des Artikels.

Dieses Jahr wird die Privatdozentin Jana Jünger mit dem Preis für exzellente Lehre in der Medizin ist von der Medizinischen Fakultät der RuprechtsKarls-Universität Heidelberg ausgezeichnet.

Wechselbad der Gefühle auf einer Intensivstation Der erste Einblick in die Intensivstation von Olga Kogan

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ch suche sie, suche sie überall, doch ich finde sie nicht. Ist sie vielleicht unter dem Krankenbett, unter dem wehenden Kittel eines Arztes? Nein, da ist sie nicht. Ich gucke in die Schränke, wühle zwischen den Sachen, schaue hinter den Geräten nach - vergeblich. Ich finde sie nicht. Auch in meinem Herzen schaue ich umsonst nach – da gibt es nur Dunkelheit, aus der mein Geist erstickend und nach Luft schnappend auftaucht. Soll ich vielleicht einen der lautlos vorbei-

huschenden Ärzte oder Schwestern fragen, ob sie sie irgendwo gesehen haben? Aber nein, ich glaube, sie kennen sie auch nicht. Wo kann sie sich bloß versteckt haben?

dOCh Was Passiert denn da? Ich bleibe mitten im Zimmer stehen, in diesem isolierten, lautlosen Vakuum, zwischen zwei Hälften, die nur von einem dünnen Vorhang abgetrennt sind, zwischen zwei

Welten, zwei unbekannten, mir fremden Menschenleben, zwischen zwei verschiedentickenden Uhren – wann bleiben sie wohl stehen? – zwischen zahllosen Schläuchen und Kabeln, zwischen Leben und Tod und schaue mich hilflos um. Was soll ich denn ohne sie machen an diesem Ort? Ohne sie bin ich verloren! Doch was passiert denn da? Was ist das für ein Kampf vor der Tür des Nachbarraumes? Was für ein Lärm in dieser Isolation? Eine völlig auf-

gelöste Frau versucht ein kleines, zitterndes Wesen ins Zimmer zu ziehen, doch die Schwestern lassen sie nicht. Eine zieht die hysterisch schreiende Mutter weg und die andere knallt auch schon die Zimmertür vor der Nase des kleinen Wesens zu, das doch schon halb hereingehuscht war. Nur nicht das im Koma liegende Kind stören, das wie tot in dem viel zu großen Bett liegt! Keine Besucher erlaubt, nur die allwissenden Götter in Weiß und ihre Helfer, auch noch die Verwandten,


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Der erste Einblick in die Intensivstation Fortsetzung von Seite 1

aber das reicht auch schon. Doch ich bin endlich fündig geworden, denn da ist sie doch, meine Langgesuchte, Vermisste! Da steht sie hinter dem Glasfenster und schaut mit großen, braunen Hundeaugen in die Abteilung rein, hinterlässt feuchte Spuren am Glas mit ihren verschwitzten kleinen Handflächen, mit ihrer ans Glas gepressten Stupsnase, mit ihrem roten, vor Schreck und Enttäuschung leicht geöffneten Mund, aus dem warme Wogen kommen, kratzt ungeduldig am Glas. Warum hat man sie ausgeschlossen, die Hoffnung, warum lässt man sie nicht hier rein? Ist sie etwa nicht steril genug für diese Welt? Dann zieht ihr einen Anzug über, aber lasst sie rein, lasst sie doch helfen!

schen, bloß erreicht er das Gesicht nie – die Muskeln zucken unkontrolliert, der Atem wird unregelmäßig...Kein Schnaufen, kein Piepsen mehr im Raum....Mein Herz bleibt stehen, im Hals ein Kloß, die Augen vernebelt. Oh, Gott sei Dank! Das Piepsen setzt wieder ein und schöne, gleichmäßige Sinuskurven laufen wieder über das Geräte-Display. Ich atme aus... Gibt es etwas Schlimmeres als ein lebendes Wrack zu sehen, als ei-

schrecklich leer vor Entsetzen, vor der Empfindung des Todes, der hier wie eine schwarze, haarige Spinne in der Ecke lauert und die Hoffnung nicht reinlässt, die Worte „Glauben“, „Leben“ nicht zulässt. Was hat er von den Bemühungen, von dem Vorhang, der die Illusion eines eigenen Zimmers, von der Abgeschiedenheit erweckt? Irgendwann reicht die Kraft nicht mehr aus, um diese Qualen länger zu beobachten und mit dem Rinn-

nen Körper ohne Verstand, ohne Bewusstsein vor sich liegen zu haben? Und unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf, ob es in seinem Leben eine Familie, Kinder, Arbeit gab. Unglaublich ist es, aber wahr: Irgendwann hat auch er gelacht, gesprochen, gearbeitet, gelebt... Und nun? Und nun liegt er im weißen Zimmer, mit der riesigen Uhr, mit dem schönsten Ausblick auf die Stadt, mit den hundert Geräten und verdrehten Kabeln, die ihm aus allen Körperöffnungen herausragen, mit allen möglichen Maßnahmen, um ihm das Leben, besser gesagt, das Vegetieren zu versüßen. Ich sehe ihn an und alle diese Gedanken schwirren durch meinen Kopf und gleichzeitig ist er so

sal des Speichels schwindet meine Fähigkeit zu atmen. Langsam drehe ich den Kopf zum Glasfenster und schaue der Hoffnung eine lange, lange Zeit in die braunen, traurigen Hundeaugen und ich weiß nicht, ob es ihre oder meine Tränen sind, die über die Wangen laufen, ich weiß nur, dass die Seele brennt und ich raus will und doch um nichts in der Welt hinausgehen würde. Ich schaue aus dem Fenster – eine Märchenwelt mit Sonne, Mond und Sternen, mit Menschenstimmen und sich bewegenden Uhrenzeigern. Hier steht die Zeit still. Ich sehe alles verschwommen durch den Vorhang meiner Tränen. Die Augen der Ärzte spiegeln das Leid der Pa-

und nun Liegt er iM ziMMer, Mit der riesigen uhr

Weissen

Wo bleibt die Hoffnung, die hier doch alle brauchen? Man möchte glauben, an Gutes glauben und ich schaue aus dem Fenster, von dem mich keine Vorhänge trennen. Die ganze Stadt liegt auf der Hand – der Dom, das Schloss, die Universitäten, die Parks, das Dach des Lebens, das schützend über den Menschen, über den Lebenden hängt, erzittert von den Geräuschen des Alltags, die man hier auf der isolierten Intensivstation nur erahnen kann. Die ganze Stadt in einem Zimmer gepachtet. Für wen gepachtet? Für die, die mit einem Bein schon drüben sind, für die Sterbenden, für die Abwesenden? Verstehen sie überhaupt, dass sie noch hier, auf der sicheren Seite sind, zwischen den Lebenden, zumindest formell? Ich schaue mich im sterilen, strahlend-weißen Zimmer um. Stille. Entsetzen. Eine abgetrennte Welt. Ich dürste nach einem Geräusch, aber außer dem Piepsen des Herzkontrollsystems und dem Saugen des Schlauchs in der Nase des Mannes neben mir, gibt es nichts. Er liegt mit weitgeöffnetem Mund, aus dessen Winkeln Speichel rinnt. Er hebt den Arm, wie um ihn abzuwi-

tienten wider, sind so tief, so unendlich tief geworden von den zu vielen Dramen, die sie gesehen haben, von den zu vielen Schmerzen, die ihnen Falten ins Gesicht geritzt haben. Ich schleppe meine zitternden Beine auf die andere Seite des Vorhangs und dann geht es nicht mehr weiter – eine Grenze für den Körper, ein Limit für die Seele. Zum ersten Mal im Leben blicke ich dem Tod offen ins Auge, nur die Decke trennt mich von der Leiche, deren Konturen sich deutlich unter dem Stoff abzeichnen. Und ich stehe mitten zwischen den Leuten, im Weg der vorbeirasenden Ärzte, der jungen Schwestern und werde angerempelt und trotzdem bin ich so schrecklich einsam, verloren, isoliert und um mich herum ist Leere, ist Schmerz und ich weiß nicht, wohin damit, wohin mit dem inneren Schrei, mit den ungesagten Wahrheiten, mit meinem viel zu lebendigen Körper zwischen diesen Leichen. Noch nicht mal die Hoffnung kann mir helfen, denn mein Kopf ist wie festgeschraubt auf dem Hals, der sich nicht zu ihr drehen kann. Ich weiß auch so, dass sie nicht reingelassen wird, in diese Welt des Grauens, des ständigen Abschieds. Und doch ist dieser Alptraum irgendwann vorbei und ich befinde mich im Aufzug, doch die Lähmung will nicht weichen, genauso wenig wie der Kloß im Hals. Bevor ich aus der Klinik nach draußen trete, kneife ich fest die Augen zu und mache einen großen, entscheidenden Schritt... erwarte peitschenden Regen und schneidenden Wind, doch nichts geschieht, nur Wärme und Sonne empfangen mich, aber auch sie können den Schatten von meinem Herzen nicht vertreiben. Mich überkommt der Wunsch mich umzudrehen und auf die Fenster der weißen Zimmern zu schauen, noch einmal in die Hundeaugen der Hoffnung zu schauen, aber ich kann nicht und so setze ich meinen Weg fort, in die Stadt, ins Leben, ins Reich der Gesunden. Wo ist die Hoffnung für die Sterbenden, für die Ärzte, wo ist sie? Ausgeschlossen, hinter der Tür, denn für sie gibt es hier keinen Platz, sie wird gewaltsam hinausgedrängt. Es gibt keine Hoffnung für diese Leute, keine Hoffnung für mich, wenn ich sie sehe, es gibt nur Hoffnung im Leben...


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Wie ein Vorbereitungskurs für das Medizinstudium Ausbildung in der Krankenpflege während der Wartesemester Redaktion (MEDI-LEARN)

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ranken Menschen helfen wollen wohl alle, die sich für ein Medizinstudium interessieren. Doch je nach Abitur-Notenschnitt kann es lange dauern, bis du diesen Wunsch als Arzt praktisch umsetzen darfst. Kranken Menschen helfen ist aber auch in der Krankenpflege möglich, und so entscheiden sich viele, die auf ihren Studienplatz voraussichtlich lange

nimmst du auch an Nachtwachen Teil. Die Ausbildungsinhalte stellen beinahe einen Vorbereitungskurs für das Medizinstudium dar. Du lernst vieles über Aufbau und Funktionen des menschlichen Körpers, Krankheiten und ihre Ursachen, wie Blut entnommen und im Notfall Erste Hilfe geleistet wird. Den Schwerpunkt bildet natürlich die Pflege und Begleitung der Patienten im Krankenhaus-Umfeld von der Aufnahme bis zur Entlassung. Dazu gehören die Ermittlung des individuellen Pflegebedarfs, Pflegetechniken einschließlich der Wundversorgung und die psychologischen Aspekte des Arbeitens mit kranken oder hilfsbedürftigen Menschen.

entgeLt zWisChen 600 und 850 eurO

MOnatLiChes

Später ist eine Spezialisierung auf die Stations-, die Intensivpflege oder den Operationsdienst möglich, außerdem eine

Schwerpunktbildung in einem bestimmten Fach wie Gynäkologie oder Dermatologie. Auf jeden Fall ist es notwendig, durch kontinuierliche Weiterbildung fachlich auf dem Laufenden zu bleiben, denn der medizinische Fortschritt betrifft den pflegerischen Bereich kaum weniger als das ärztliche Tun. Dabei wird zwischen der reinen Anpassungsweiterbildung und der Aufstiegsweiterbildung beispielsweise zum Fachwirt in der Altenund Krankenpflege unterschieden. Für diese oder für ein nachfolgendes Medizinstudium werden unter bestimmten Voraussetzungen Stipendien vergeben. Während der eigentlichen Berufsausbildung erhältst du je nach Bundesland ein monatliches Entgelt zwischen 600 und 850 Euro. Später richtet sich die Vergütung nach einem Tarifvertrag oder nach hausinternen Vereinbarungen. Im öffentlichen Dienst werden bei einer Eingruppierung in die Entgeltgruppen 7 oder 8 zwischen 2350 und 2780 Euro brutto gezahlt.

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Verlag GbR, ISSN 1860-8590 Elisabethstraße 9, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de

warten müssen, in der Zwischenzeit eine dreijährige Berufsausbildung in diesem Bereich zu machen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Du verdienst bereits vor deiner Zeit an der Uni Geld und kannst das höchstwahrscheinlich auch als Student nebenher oder in der vorlesungsfreien Zeit tun. Eine abgeschlossene Berufsausbildung führt meist zu einem BAFöG-Anspruch unabhängig von der Höhe des Einkommens deiner Eltern. Außerdem lernst du auf jeden Fall eine Menge über Medizin und verbesserst deine Chancen im Auswahlverfahren der Hochschulen. Nicht zuletzt wird dir das Arbeiten in einer Klinik schon sehr vertraut

sein, lange bevor sich deine Kommilitonen ihren ersten weißen Kittel kaufen.

sPäter ist eine

sPeziaLisierung MÖgLiCh Denn die Ausbildung von Krankenschwestern bzw. Krankenpflegern besteht aus theoretischem Unterricht, der in Krankenpflegeschulen im Klassenverband erteilt wird, und praktischer Arbeit auf etlichen verschiedenen Stationen eines Krankenhauses, ergänzt durch Einsätze in der häuslichen oder der Gemeindekrankenpflege. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr

Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Dr. Marlies Weier, Dr. Lilian Goharian, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Kare Ahlschwede, Jens Plasger Layout & Graphik: Kristina Junghans Berichte: Kirsten Standke, Natalie Oberländer, Olga Kogan, Susanne Eichacker (idw), Luise Dirscherl (idw), Ingrid Rieck (idw), Susann Huster (idw) Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Artikelautoren, www.flickr.com Erscheinungsort: Marburg Der digitale Nachschlag erscheint zu jeder MEDI-LEARN Zeitung als Ergänzung, die du dir als PDF auf der MEDI-LEARN Seite herunterladen oder online anschauen kannst. Er beinhaltet Fortsetzungen von Artikeln aus der aktuellen Zeitung sowie weitere interessante Artikel und Berichte rund um die Medizin. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungsberichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel. Dieser Digitale Nachschlag ist Teil der MEDI-LEARN Zeitung. Die bisherigen Ausgaben findest Du unter: www.medi-learn.de/ MLZ-Online


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Ansteckungsgefahr von Hepatitis-C-Viren bislang unterschätzt Präventionspreis der DGIM für Forscherin aus Hannover

Pressemeldung DGMI (Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung 03/2011)

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epatitis-C-Viren, die Erreger einer schweren Leberentzündung, bleiben außerhalb des Körpers wesentlich länger infektiös als bisher angenommen. Dies konnte Dr. med. Sandra Ciesek von der Medizinischen Hochschule Hannover jetzt mit einem neuen Zellkulturmodell zeigen. Ihre Tests ergaben außerdem, dass die verdünnte Anwendung verschiedener Desinfektionsmittel nicht zu einer vollständigen Inaktivierung der Viren führt. Für ihre Erkenntnisse zeichnet die Deutsche Stiftung Innere Medizin (DSIM) die Medizinerin im Rahmen des 117. Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) mit dem Präventionspreis der DGIM aus. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert. Mit bis zu 130 Millionen Infizierten gehört Hepatitis C zu den weitest verbreiteten Infektionskrankheiten der Welt. In Deutschland leben nach Angaben des Robert Koch- Instituts etwa eine halbe Million Virusträger. Sie erleiden nach anfänglich nur grippeähnlichen Symptomen unbehandelt eine Leberentzündung bis hin zum Leberkrebs. Zwischen

15 und 60 Prozent der Betroffenen stecken sich beim Arzt oder im Krankenhaus an. Diese sogenannte nosokomiale Infektion erfolgt ausschließlich über den Blutweg. Ausreichende Hygiene könnte dies verhindern. Jedoch müsste diese sehr viel weiter reichen, als bisher angenommen, folgert Ciesek aus ihren Ergebnissen. Lange Zeit war es nicht möglich, das Hepatitis-C-Virus in Zellkulturen zu vermehren. Die Überlebenszeiten der Viren außerhalb des Körpers waren unbekannt. Sandra Ciesek entwickelte deshalb ein neues Zellkulturmodell. „Es zeigt uns, dass wir die Stabilität des Virus bisher deutlich unterschätzt haben“, so die 1978 geborene Assistenzärztin: Bei Raumtemperatur sei das Virus noch nach 28 Tagen ansteckend, bei vier Grad Celsius sogar noch nach 150 Tagen. Zudem überlebt es nicht nur, wie bisher an-

genommen, in sichtbaren Verunreinigungen mit menschlichem Blutserum. Auch auf vermeintlich sauberen Oberflächen wie Plastik, Stahl oder auf Handschuhen verbirgt es sich. Selbst wenn Ärzte das Virus nicht mit einem Gentest nachweisen könnten, bestünde Ansteckungsgefahr, so die Preisträgerin. Weitere Tests ergaben, dass bestimmte Desinfektionsmittel die Viren nur bei unverdünnter Anwendung voll-

Schiffsarzt aus Dresden brachte die ersten Nadeln mit Jährlich 2500 Allergie-Behandlungen mit Akupunktur

von Holger Ostermeyer (Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung 03/2011)

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it ein paar Dutzend Akupunkturnadeln fing alles an Grundstock für die Dresdner Erfolgsgeschichte waren ein paar Dutzend Akupunkturnadeln und zwei vom Pioniergeist beseelte Mediziner: Der Dresdner Internist Dr. Heinz Langer hatte als junger Schiffsarzt China bereist und dabei die Akupunktur erlernt. Ihm war deshalb auch die abschwellende Wirkung der Nadelstiche bekannt. Gerade Menschen mit einer Pollen- und Hausstauballergie oder mit allergischem Asthma leiden

sehr unter Atemwegsproblemen, die sich in der Regel mit Medikamenten behandeln lassen. Doch in den 1980er Jahren waren die in der DDR Mangelware. Müdigkeit als Nebenwirkung dieser Arzneien sorgte zudem für eine geringe Akzeptanz der Patienten von Dr. Bettina Hauswald. Als Dr. Langer 1986 der HNO-Ärztin anbot, Allergiker zu akupunktieren, nutzte sie diese Chance. Doch was als Initiative gegen den allgegenwärtigen Mangel begann, entwickelte sich dank des Engagements der Dresdner Ärztin

weiter. Dazu beigetragen haben die große Nachfrage der Patienten, aber auch das universitäre Umfeld sowie die weitverbreitete Skepsis der Medizin gegenüber alternativer Heilverfahren, deren Wirkungen wissenschaftlich nicht belegt sind. Aufgrund der vielen von ihr behandelten Allergiepatienten startete Dr. Hauswald bereits ein Jahr nach ihrer ersten Akupunktur mit einer Studie. Deren Ergebnisse wurden 1989 veröffentlicht und gelten als eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen weltweit, die den

ständig abtöten. “Diese neuen Erkenntnisse sind für den klinischen Alltag und den sicheren Umgang mit HCV-haltigem Material von großer Relevanz”, begründet die Jury aus Vorstand und Ausschuss der DGIM ihre Entscheidung. Die Tests könnten helfen, das Risiko nosokomialer Infektionen künftig zu senken. Die DGIM verleiht den Präventionspreis der Deutschen Stiftung für Innere Medizin jährlich für herausragende Publikationen aus dem deutschsprachigen Raum über Themen der Primärund Sekundär-Prävention innerer Erkrankungen. Sowohl experimentelle Ergebnisse als auch epidemiologisch interessante Fragestellungen kommen für die Preisverleihung in Betracht.

Einsatz dieser Therapie bei Allergiepatienten untersucht haben. Diese Studie und das Engagement – aber auch die überzeugenden Ergebnisse ihrer Therapien sorgten dafür, dass Dr. Bettina Hauswald mehr Räume und Personal für die Akupunktur zur Verfügung gestellt bekam. Erst in einigen Räumen des Untergeschosses, dann ab Mai 2006 im neu ausgebauten Dachgeschoss der Klinik. Dort verbesserten sich die Bedingungen für die Patienten, wie auch für Ärzte und Schwestern deutlich. Acht Arzt- und Behandlungszimmer, zwei für wissenschaftliche Studien ausgestattete Räume sowie ein heller, großzügiger Raum mit drei Akupunkturliegen stehen nun für die Therapie der Allergiepatienten zur Verfügung.


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Warum Medizin?

MEDI-LEARN Interviewserie mit Studienbewerbern Redaktion (MEDI-LEARN)

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arum möchtest du Medizin studieren? Seit wann hegst du diesen Berufswunsch? Ich bin schon einige Jahre berufstätig, allerdings in einem ganz anderem Bereich. Der interessiert mich von Jahr zu Jahr weniger, und ehrlich gesagt hat er mich noch nie interessiert, geschweige denn erfüllt. Schon während der Schulzeit war ich darauf angewiesen, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, so dass ich das Gymnasium ohne Abitur verließ, um meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Der Mensch und seine Funktionsweise haben mich schon seit frühester Kindheit interessiert. Damals verschlang ich die „Was ist was“-Bücher und später Einsteigerliteratur. Den Lebensweg kann man sich leider nicht immer aussuchen, manchmal kommt etwas dazwischen. Mein Abitur habe ich dann neben dem Beruf an einer Abendschule nachgeholt, weil mir der Gedanke an Medizin nie aus dem Kopf gegangen ist und ich mich mit dem Beruf, der mich ernährt, nicht identifizieren konnte. Mit zunehmenden Alter und Berufserfahrung bin ich mir immer sicherer geworden, dass es für mich wichtig ist, etwas „Sinnvolles“ zu tun, auch wenn für die Dauer des Studiums die Ansprüche zurückschraubt und wirtschaftlich gesehen meine jetzige Beschäftigung lukrativer ist als die Tätigkeit nach dem Studium. Dennoch bin ich bereit, mein jetziges Leben für die Medizin aufzugeben. Wann wirst du dich voraussichtlich für das Studium bewerben bzw. wann hast du dich zum ersten Mal für das Studium beworben? Mein Abiturzeugnis erhielt ich im Dezember 2006. Im Januar 2007 habe ich mich zum ersten Mal beworben. Ich konnte die Zahlen (NC und Wartezeit) auf der Seite der ZVS

damals kaum fassen. Ich dachte zunächst, ich hätte da was nicht richtig verstanden. Zwei Jahre zuvor, als mich auf der Abendschule anmeldete, sah das alles noch erreichbar aus. Dementsprechend machte ich mir im Abitur Druck, um einen guten Schnitt zu erreichen. Leider hat es trotzdem nicht ganz gereicht, und ich werde nun erneut auf die Probe gestellt, ob das Medizinstudium wirklich DAS ist, was ich will.

Muss es unbedingt Medizin als Studienfach sein oder welche Alternativen kommen für dich eventuell auch noch in Betracht? Ich hatte bei meiner ersten ZVSBewerbung noch die Hoffnung, über einen Quereinstieg in die Medizin zu kommen. Leider war das an der Uni, die mich für Zahnmedizin zugelassen hatte, nicht möglich. Ich entschied mich gegen Zahnmedizin und den sofortigen Start, da ich mir eine Tätigkeit als Zahnarzt für mich nicht vorstellen kann. Aber ich bereue es nicht zu warten, denn ich bin mir sicher: Es kann nur Humanmedizin sein. Mit welchen Tätigkeiten überbrückst du die Wartezeit? Ich arbeite weiterhin, und es wird immer schwerer für mich. Ich lege etwas Geld beiseite um Reserven für das Studium zu schaffen. Hätte ich nicht die finanziellen

Verpflichtungen, hätte ich meinen Job schon lange gekündigt und eine Ausbildung im medizinischen Bereich angefangen. Leider deckt das Ausbildungsgehalt nicht mal meine Miete. Mein Krankenpflegepraktikum habe ich größtenteils schon abgeleistet. Zwar geht jeweils ein Großteil meines Jahresurlaubs dafür drauf, aber das war es mir wert. Welche Leistungskurse hast du belegt? Was findest du so gut an diesen Fächern? Physik und Mathe – Bio und Chemie kamen leider nicht zu zustande. Ich erhoffte mir von diesen Fächern Grundlagen für die Vorklinik. Hast du die Leistungskurse bewusst ausgewählt, um bei der Bewerbung später bessere Chancen zu haben? Oder hast du sie ausgewählt, um auf die Inhalte im Studium besser vorbereitet zu sein? Manchmal ärgere ich mich, dass ich nicht Deutsch und Geschichte als LK genommen habe. Da wäre mit Sicherheit die 10tel Note drin gewesen, die mir gefehlt hat. Die Kurswahl war leider sehr eingeschränkt, und nicht alle Kombinationen möglich. Physik habe ich wegen der Vorklinik gewählt, Mathe als Werkzeug. Hast du schon einmal irgendwo einen konkreten Einblick in den realen Arbeitsalltag eines Arztes gewinnen können? Ja. Mir wurde von meinem Vorhaben abgeraten. Die Arbeitsbelastung sei sehr hoch, man verbringe mehr Zeit mit Verwaltungsarbeiten als mit dem Patienten. Abläufe und abrechnungstechnische Vorgaben können frustrieren. Schreckt dich die zum Teil sehr negativ gefärbte Berichterstattung in den Medien über mangelnde Praxis im Studium, Überstunden und schlechte Arbeitsbedingungen als Arzt ab? Die Arbeitsbedingungen finde ich

skandalös. Ich hoffe, dass sich in den kommenden Jahren etwas tut. Abschrecken lasse ich mich nicht – ich hoffe das durchzustehen. Was würdest du alternativ in Erwägung ziehen, falls du beim nächsten Mal keinen Studienplatz bekommst? Dich weiter bewerben oder doch noch mal neu orientieren? Natürlich weiter bewerben! Nach all den Jahren gebe ich doch jetzt nicht auf. Hast du in Erwägung gezogen, im Ausland zu studieren, wenn du in Deutschland keinen Studienplatz bekommst? Ja. Allerdings habe ich mich aus finanziellen Gründen und wegen der eingeschränkten Anerkennung bzw. fehlender Möglichkeit des Wechselns nach Deutschland dagegen entschieden. Würde es für dich in Frage kommen, einen medizinischen Hilfsberuf im Rahmen einer betrieblichen Ausbildung zu ergreifen? Wenn ja, welchen? Zwischenzeitlich habe ich mit dem Gedanken gespielt, GesundheitsKrankenpfleger oder Operationstechnischer Assistent zu werden, um schon mal medizinische Einblicke erhalten zu können. Leider könnte ich von dem Ausbildungsgehalt nicht leben. Wo hast du dich über die Studienbewerbung informiert? Bei der ZVS, in Foren und bei MEDI-LEARN. :-) Weißt du nach welchen Kriterien die Studienplatzvergabe verläuft? Könntest du es erklären? Ja, mittlerweile schon. Kennst du den Studienführer von MEDI-LEARN? Nein, den habe ihn selbst nie gelesen. Haben wir etwas zu fragen vergessen, das für Studienbewerber interessant sein könnte und zu dem du dich gerne äußern möchtest? Vielleicht noch die Möglichkeit des Rechtsweges, wobei dies mittlerweile auch eher dem Losverfahren gleicht.


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Für exzellente Lehre in der Medizin ausgezeichnet ie Preisträgerin des diesjährigen Ars legendi-Fakultätenpreises für exzellente Lehre in der Medizin ist Privatdozentin Dr. Jana Jünger von der Medizinischen Fakultät der RuprechtsKarls-Universität Heidelberg. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Medizinische Fakultätentag (MFT) vergeben den mit 30.000 Euro dotierten Preis damit an eine interdisziplinär wirkende Hochschullehrerin und Oberärztin. „Die Lehre zu stärken ist eine zentrale Aufgabe der Universitäten.

kultätenpreis einen bedeutenden Beitrag“, sagt Arend Oetker, der Präsident des Stifterverbandes. „Frau Dr. Jünger ist in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterin für die exzellente medizinische Lehre in Deutschland“, ergänzt der MFTPräsident Professor Dieter BitterSuermann.

„Jana Jünger trägt dazu bei, dass die Ausbildungsforschung in der Medizin systematisch weiterent-

Jana Jünger blickt auf ein langes Engagement für die medizinische Lehre zurück. In Heidelberg hat sie bereits in den 90er Jahren die Entwicklung des reformierten Regelstudiengangs mit vorangetrieben. Maßgebliche Impulse für die Einrichtung eines Skillslab, die Einführung von Kommunikationstrainings für Studierende und des „Kompetenzzentrums für Prüfungen in der Medizin Baden-Württemberg“ gingen von ihr aus. Durch die Leitung des Kompetenzzentrums gibt sie länderübergreifend wichtige Anregungen für die Einführung klinisch-praktischer Prüfungsformate und Prüferschulungen. So wird sie u.a. am 23. Juni 2011 in Rostock einen entsprechenden Workshop für die Medizinischen Fakultäten ausgestalten. Beson-

Wir brauchen noch mehr Hochschullehrerinnen, die sich auch über ihre ärztlichen Aufgaben hinaus für die Weiterentwicklung der medizinische Lehre einsetzen. Dazu leistet der Ars legendi-Fa-

wickelt wird. Die neuesten Erkenntnisse fließen dadurch umittelbar in die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten ein. Damit wird auch die Arzt-Patienten-Beziehung verbessert.“

dere Verdienste erwarb sich Frau Jünger auch bei dem postgraduierten Studiengang „Master of Medical Education (MME)“. Der interfakultäre Studiengang fungiert nunmehr seit dem Jahr 2004

Ars legendi-Fakultätenpreis für Privatdozentin Jana Jünger Verena Wirwohl (idw)

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Lehre zu stärken ist zentrale Aufgabe der Unis

als Gütesiegel für Lehrende an Medizinischen Fakultäten. Träger des Studiengangs ist der MFT mit seiner Akademie für Ausbildung in der Hochschulmedizin (AHM). Als Betreuerin, Modulleiterin und Mitglied der Studiengangsleitung an der Universität Heidelberg unterstützt sie die Teilnehmer aus den deutschsprachigen Fakultäten dabei, die Lehre in der Medizin auf höchstem Niveau zu praktizieren. In Ergänzung zum „Ars legendiPreis für exzellente Hochschullehre“, den der Stifterverband auf Vorschlag der Hochschulrektorenkonferenz jährlich in einer anderen Disziplin verleiht, richtet sich der von MFT und Stifterverband ausgeschriebene Preis ausschließlich an herausragende und innovative Leistungen an Medizinischen

Fakultäten. Die Preisträgerin erhält ihre Auszeichnung auf der festlichen Abendveranstaltung des 72. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages am 23. Juni 2011 in Rostock.

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Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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