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Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

ZEITUNG

Digitaler Nachschlag

Digitaler Nachschlag der Ausgabe 03/08 ∙Juni/Juli 2008 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de

Kleine Tierchen ganz groß

Genetischer Faktor wurde isoliert

Sonographie-Kurs Vorklinik

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Die Fortsetzung des Artikels aus der MEDI-LEARN-Zeitung, welcher sich weiter mit der Madentherapie - der sogenann- ten Biosurgery - auseinandersetzt. Mit noch mehr Info rund um die Therapie.

Prof. Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg auf Suche nach genetischen Faktoren, welche neue Therapieansätze im Rahmen der Leukämie liefern könnten.

Im Interview mit Herrn PD Dr. med. Nawrotzki dreht sich alles um Inhalte, Abläufe und Ergeb- nisse des freiwilligen Kurses für das 2. vorklinische Semester.

Asthma und Raucherlunge: Trockene Atemwege spielen eine Schlüsselrolle Trockene Atemwege: Zentrale Rolle bei Lungenerkrankungen von Mario Strammiello

T

rockene Atemwege spielen nicht nur eine zentrale Rolle bei der Entstehung der angeborenen Lungenerkrankung Mukoviszidose, sondern wahrscheinlich auch bei den viel häufigeren erworbenen, sogenannten chronischobstruktiven Lungenerkrankungen wie dem Asthma bronchiale und der Raucherlunge.

gesundheitsorganisation WHO als weltweit vierthäufigste Todesursache geführt werden. Für ihre Behandlung steht derzeit keine kausale Therapie zur Verfügung stehen; es können lediglich Symptome wie

durch die Zusammensetzung von Sekreten verändert ist. Mit Hilfe eines von ihm entwickelten Mausmodells gelang es Dr. Mall, den direkten Zusammenhang zwischen fehlerhaftem Gen und

Allergische Entzündung und chronische Bronchitis

Damit gibt es einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung dieser

Erkrankungen, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als weltweit vierthäufigste Todesursache geführt werden.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Privatdozent Dr. Marcus Mall vom Heidelberger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und Dr. Richard Boucher von der University of North Carolina, Chapel Hill. Im Tiermodell wiesen sie erstmals nach, dass eine mangelhafte Befeuchtung der Atemwegsoberflächen zu Lungenveränderungen führt, die für die chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen typisch sind. Damit gibt es einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung dieser Erkrankungen, die von der Welt-

Schleim, der nicht abtransportiert werden kann; die Reinigung der Lunge von inhalierten Allergenen und Schadstoffen funktioniert nicht mehr. Eine Verstopfung der Atemwege mit Schleimpfropfen und eine chronische Lungenentzündung mit schweren Störungen der Atmung sind die Folgen.

Atemnot und Sauerstoffmangel behandelt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden im „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ in der Ausgabe vom 1. April 2008 veröffentlicht.

Mukviszidose-Gen lässt die Lunge austrocknen

Bei der Erbkrankheit Mukosviszidose, an der in Deutschland rund 8.000 Menschen leiden, führt ein fehlerhaftes Gen dazu, dass der Salz- und Wassertransport der Schleimhäute in Lunge, Darm und anderen Organen verändert und da-

Entstehung der Lungenerkrankung nachzuweisen: Bestimmte NatriumKanäle, die in der Oberfläche von Atemwegszellen für die Resorption von Salz und Wasser verantwortlich sind, sind „hyperaktiv“.

An der Erbkrankheit Mukosviszidose Leiden in Deutschland rund 8.000 Menschen Die Zellen absorbieren zuviel Flüssigkeit und die Atemwegsoberflächen trocknen aus. Hierdurch entsteht ein trockener, zäher

Das Forscherteam aus Heidelberg und den USA hat nun erstmals den spontanen Verlauf der durch die Austrocknung der Atemwegsoberflächen verursachten Lungenerkrankung im Mausmodell von Geburt bis ins Erwachsenenalter untersucht. „Wir haben dabei Veränderungen gefunden, die nicht nur für die Mukoviszidose typisch sind, sondern auch für andere chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen wie Asthma, chronische Bronchitis und Emphysem“, berichtet Dr. Mall, der als Oberarzt das Heidelberger Mukoviszidose-Zentrum und gleichzeitig ein Forschungsprogramm mit Hilfe eines Marie Curie Excellence Grant der Europäischen Union leitet. So führen zu trockene Atemwege bei jungen Mäusen zu einer allergischen Atemwegsentzündung – gekennzeichnet durch das verweiter auf Seite 2


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Trockene Atemwege spielen eine Schlüsselrolle Fortsetzung von Seite 1

mehrte Auftreten spezifischer weißer Blutzellen, der eosinophilen Granulozyten - die typischerweise bei Asthma beobachtet wird, einer Erkrankung, von der in Deutschland etwa jedes zehnte Kind betroffen ist. Bei erwachsenen Mäusen entsteht allmählich eine chronische Bronchitis (mit neutrophilen Granulozyten), die mit einem Emphysem einhergeht, d.h. der Zerstörung der kleinen Lungenbläschen, die bei der Atmung für den Austausch von

Sauerstoff zwischen der Atemluft und dem Blut verantwortlich sind. Diese Veränderungen sind typisch für die Raucherlunge.

Bessere Befeuchtung durch Hemmung der Natriumkanäle?

Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass zu trockene Atemwegsoberflächen eine Schlüsselrolle in der Entstehung chronischobstruktiver Lungenerkrankungen

spielen könnten. Eine Therapie, so Dr. Mall, könnte deshalb an diesem Mechanismus ansetzen. Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine

verbesserte Befeuchtung der Atemwege und damit der Reinigungsfunktion der Lunge, beispielsweise durch Hemmung der Natrium-Kanäle in den Atemwegszellen, eine erfolgreiche Strategie zur Behandlung chronisch-obstruktiver Lungenerkrankungen unterschiedlicher Ursachen darstellen könnte. Ob diese neue therapeutische Strategie erfolgreich ist, will die Heidelberger Arbeitsgruppe nun zunächst im Tiermodell überprüfen.

Einbindung der Arzthelferin verbessert Therapieerfolg Weniger Schmerzen und Facharztbesuche bei Arthrose /Hausarztprojekt „PraxArt“ der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg

E

ine gute Einbindung von Arzthelferinnen bei der medizinischen Versorgung von Patienten mit Arthrose in der Hausarztpraxis kann die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhen. Als „CaseManagerinnen“ sorgen sie u.a. dafür, dass die Wirkung von Medikamenten besser beurteilt wird.

neuen Newsletter und Internetforum der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung für interessierte Bürger, Ärzte und Politiker dargestellt. Lebensqualität erhöht, Behandlungskosten gesenkt „Eine vergleichsweise einfache und kostengünstige Maßnahme im vertrauten Umfeld der Hausarztpraxis kann die Lebens- und Versorgungsqualität der Betroffenen deutlich verbessern und die Kosten senken“, so Professor Dr. Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor der Abteilung

Ärzte eine Fortbildung zur leitliniengerechten Arthrosetherapie, Schmerzbehandlung und Patientenmotivation. In der zweiten Gruppe wurde pro Praxis jeweils zusätzlich eine Arzthelferin geschult. Die Medizinischen Fachangestellten lernten mit Hilfe eines speziellen Fragekataloges, die Patienten am Telefon zu ihren Schmerzen, zu körperlicher Aktivität und zu Medikamenteneinnahme und Nebenwirkungen zu befragen. Jede Einzelfrage war mit einem Ampelsymbol verknüpft, das die

Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg. Insgesamt 1.021 Arthrose-Patienten aus 75 Hausarztpraxen waren im Mai 2005 mit dem Projekt PraxArt gestartet. Verglichen wurden dabei ein halbes Jahr lang drei Gruppen. Bei der ersten Gruppe erhielten die

Dringlichkeit oder Bedeutung der entsprechenden Information kodiert. So wurden etwa Informationen über verstärkte Schmerzen oder schwere Nebenwirkungen unmittelbar an den Arzt weitergeleitet. Einmal im Monat kontaktierte die Arzthelferin ihre Arthrose-Patienten. Die dritte Gruppe diente

„Die Patienten sind

aktiver, haben weniger

Schmerzen, mehr sozialen Rückhalt, nehmen eher empfohlene Medikamente und suchen seltenereinen

Orthopäden auf.“

Die Patienten sind aktiver, haben weniger Schmerzen, mehr sozialen Rückhalt, nehmen eher empfohlene Medikamente und suchen seltenereinen Orthopäden auf. Dies ist das Ergebnis des bundesweit einmaligen Hausarztprojekts „PraxArt“ der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert worden ist. Seine ersten Ergebnisse werden jetzt in „Versorgungsforschung Aktuell“, einem

als Kontrollgruppe. Hier lief die Betreuung der Patienten ohne vorhergehende spezielle Schulung von Arzt und Arzthelferin ab.

Arthrose wird durch eine chronische, oft schmerzhafte Abnutzung der Gelenke hervorgerufe „Während im Studienteil mit reiner Arztfortbildung im Vergleich zur Kontrollgruppe bereits die Zahl der Röntgenuntersuchungen reduziert wurde, zeigte sich, dass der regelmäßige Telefonkontakt mit der Arzthelferin einen signifikant positiven Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten hat“, berichtet Projektleiter Privatdozent Dr. Thomas Rosemann von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. Die Patienten waren aktiver, hatten weniger Schmerzen, mehr sozialen Rückhalt, nahmen eher empfohlene Medikamente ein und besuchten seltener einen Orthopäden. In der Gruppe 2 (Schulung von Arzt und Helferin) mussten durchschnittlich 13,6 Prozent weniger einen Orthopäden aufsuchen. In Gruppe 1 (nur Arzt) waren dies 5,7 Prozent, bei der Kontrollgruppe gab es keine Veränderungen. Veröffentlichung im Internetforum unter www.versorgungsforschungaktuell.de weiter auf Seite 3


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Arthrose wird durch eine chronische, oft schmerzhafte Abnutzung der Gelenke hervorgerufen und schränkt die Lebensqualität meist erheblich ein, vor allem wenn die Hüft- oder Kniegelenke betroffen sind. Patienten mit Arthrose gehen häufig zum Arzt, nehmen viele Schmerzmittel ein und setzen sich dadurch besonderen Risiken wie Magenblutungen aus. Außerdem leiden sie besonders häufig an Depression. In der Abteilung Allgemeinmedizin untersucht man jetzt, ob weitere Maßnahmen zur Einbindung der Arzthelferinnen die Therapieergebnisse verbessern können, u.a. das Telefonmonitoring bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus Typ II. „Die Professionalisierung von Medizinischen Fachangestellten in Hausarztpraxen ist eine wichtige Säule der wohnortnahen Grundversorgung chronisch kranker Menschen“, betont Professor Szecsenyi.

Kleine Tierchen mit großer Wirkung

Biosurgery – eine etwas andere Therapie von Yvonne Bernsdorf

Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung Das liegt mitunter an den Resistenzen, die sich in den letzten Jahren gegen Antibiotika entwickelt haben, etwa MRSA (Methylcillin resistent Staphylococcus aureus) oder VRE (Vancomycin Resistent Erreger). Und hier hat die Madentherapie wieder eine Lücke gefunden –besonders für sehr schwierige Wunden. Im Gegensatz zu Antibiotika entwickeln Maden keine Resistenz. Im Gegenteil: Der MagenDarm-Trakt der 2 mm großen Tiere ist in der Lage, komplexe Moleküle wie z.B. die der MRSAErreger zu knacken und diese dann vollkom-

„Es zeigte sich, dass der regelmässige Telefonkontakt mit der Arzthelferin einen signifikant

Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten hat“

positiven

Wer Interesse an aktuellen Themen, Projekten und Publikationen ausdem Bereich der Versorgungsforschung hat, kann die Internetseite www.versorgungsforschung-aktuell.de besuchen. Unter dem Menüpunkt „Online Registrierung“ ist die Registrierung möglich. Mit der Registrierung erhält man regelmäßig den Newsletter „Versorgungsforschung Aktuell“ sowie Zugang zum Download-Bereich. Informationen im Internet:

men unschädlich zu machen. „Ist das nicht wunderbar?“, fragt Veith seinen Patienten. „Auf jeden Fall hat vor 25 Jahren erneut ein Amerikaner, Ronald Shermann, die Fliegenmadentherapie wiederentdeckt. Er züchtete verschiedene und begann, sie für die Behandlung schwieriger Wunden einzusetzen. Und seit Mitte der 90er Jahre kommen Maden auch in Deutschland zum Einsatz in der Wundversorgung.“

www.versorgungsforschungaktuell.de

Herr Kuhn, der selbst schon während des Krankenhausaufenthaltes mit MRSA und Isolierung zu tun hatte, ist beeindruckt. „Ja, aber wie habe ich mir die Therapie genau vorzustellen? Haben die Larven kleine Zähnchen, die dann alles abnagen?“. Dr. Veith lächelt: „Nicht ganz. Warten Sie mal kurz, ihre Maden sind schon angekommen. Ich bringe sie Ihnen mal vorbei, da-

www.allgemeinmedizin.uni-hd.de Quelle: Uni Heidelberg

Ihre Maden sind da!

mit Sie sie sich anschauen und Ihre Bedenken abbauen können.“

„Die Tierchen sitzen „schwedischen Gardinen“

hinter

Herr Kuhn macht sich auf das Schlimmste gefasst. Er stellt sich kleine dicke Engerlinge vor, solche, wie er sie schon häufig bei der Gartenarbeit vorgefunden hat. Umso mehr überrascht ist er, als der Doktor mit einem kleinen Plexiglasröhrchen zurückkehrt. „Hier sind Sie!“. Herr Kuhn schaut ein wenig skeptisch. Winzig sind sie, aber die Augen kann man noch erkennen. Und wie beweglich sie sind! „Aber ich dachte, sie würden frei herumlaufen? Die sind ja in einem Netzkissen. Das ist ja ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe.“ „Das Netz ist eine Spezialanfertigung“, erklärt Dr. Veith. „Die Kissen, die auch Biobags heißen, gibt es in verschiedenen Größen: mit 50, 100, 200 oder 300 Larven. Dahinter sind die Larven so sicher, wie hinter schwedischen Gardinen und können nicht ausbüchsen.“ „Ist es schon einmal passiert, dass eine davon ausgebüchst ist?“, möchte Herr Kuhn wissen. „Am Anfang, als die Netze noch nicht so gut waren, sind ein oder zwei Larven entwischt, die ein wenig kleiner waren als die Maschengröße. Aber mit den neueren Kissen passiert das überhaupt nicht mehr. Und dann gibt es ja auch die

so genannten Freiläufer. Diese werden extra auf die Wunde gesetzt, besonders bei tiefen und zerklüfteten Wunden mit vielen Taschen. Die Fliegenmaden fühlen sich vom toten Gewebe angezogen!“ Doch Herr Kuhn hat noch einen Einwand: „Die Larven in den Kissen können doch gar nicht richtig durch das Netz essen, oder?“ Dr. Veith erklärt: „Die Larven nagen das Gewebe nicht ab, sondern geben Enzyme ab, die dann das nekrotische Gewebe verflüssigen. Das gesunde Gewebe wird dabei übrigens überhaupt nicht angegriffen. Die Larven nehmen dann das verflüssigte Gewebe in sich auf. Dadurch kommt es langsam zur Abnahme von fest aufsitzenden Wundbelägen, die die Heilung behindern. Die krankmachenden, pathogenen Keime werden durch die Enzyme auch unschädlich gemacht. Zusätzlich finden sich im Madensekret auch Stoffe, die die Bildung von gesundem Gewebe anregen. Durch die Nahrung wachsen dann die Maden von einigen Millimetern auf bis zu einige Zentimeter und werden zunehmend träger. Am fünften Tag sollte man sie entfernen. Freiläufer ziehen sich dann auch von der Wunde zurück, um sich einen Platz zum Verpuppen zu suchen, doch dazu kommt es nicht, weil sie dann eben vom Personal entsorgt werden.“ „Das heißt, die Larven greifen kein gesundes Gewebe an?“, hakt Herr Kuhn noch einmal nach. „So ist es, es ist das schonendste Wunddébridement, das man sich vorstellen kann! Was halten Sie davon, wenn wir unsere kleinen Helferchen mal ans Werk lassen?“. Herr Kuhn, nun

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www.medi-learn.de/club


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sichtlich beruhigter und positiver gestimmt, ist einverstanden.

Nur eine Fliegensorte kann das

Zusammen mit einer Schwester wird der Verband geöffnet. Seit einigen Tagen ist er zur Vorbereitung nur mit Kochsalzlösung gespült worden. Salben- und Blutreste vertragen die Maden nicht, auch keine Pseudomonaden. Deswegen ist es auch wichtig, vor einer Madentherapie einen mikrobiologischen Abstrich auf Pseudomonaden durchzuführen. Auch jetzt spült die Schwester zuerst die Wunde mit einer sterilen Kochsalzlösung. Dann nimmt Dr. Veith mit einer sterilen anatomischen Pinzette den Biobag aus dem Glasröhrchen und legt ihn vorsichtig auf die Wundfläche. Insgesamt sind zwei Biobags à 100 Larven für die Wunde am Vorfuß und prätibial vorgesehen. Anschließend werden über die Biobags eine mit Kochsalzlösung befeuchte Gaze draufgelegt und mit einer Bandage locker verbunden.

„Der Heilsbringer ist eine gewöhnliche

Stubenfliege“

„Es ist wichtig, dass die Maden ausreichend Luft bekommen und in einem feuchten, aber nicht nassen Milieu leben“ erklärt Dr. Kuhn,

„sonst gehen sie ein! Der Verband bleibt jetzt drei Tage auf der Wunde, bevor wir eine kleine Kontrolle machen.“ Während die Schwester die Verbandsreste wegräumt, hat Herr Kuhn eine letzte Frage: „Kann man eigentlich jede Fliegensorte dafür einsetzen?“. „Um Gottes Willen, nein!“, sagt Dr. Veith. „Es gibt nur eine Fliegensorte, die es schafft, zwischen vitalem und avitalem Gewebe zu unterscheiden und sich somit zur Wundtherapie eignet. Das sind die Larven der Fliege Lucilia sericata, der Goldfliege. Das sind die Stubenfliegen im Sommer, die so einen glänzenden Grünschimmer haben.“ „Wie kommt man an diese Fliegen? Werden Sie eingefangen?“, wundert sich Herr Kuhn. „Könnte man meinen, aber Sie müssen bedenken, dass die Stubenfliegen ein ganz eigenes Keimspektrum mitbringen, weil sie alles Mögliche anfliegen und sich darauf niederlassen. Das kann man keiner schwierigen Wunde zumuten. Nein, die Maden, die zur Wundtherapie gezüchtet werden, sind absolut steril, weil sie unter absolut sterilen Bedingungen aufgezogen werden. Man lockt zunächst die Fliegen im Labor zur Eiablage. Der Köder ist ein Fotofilmdöschen, in dem sich ein Stückchen Schweineleber befindet. Über der Öffnung ist ein Tuch gespannt. Die Goldfliegen fliegen total auf den

Duft und legen große Eierpakete auf das Tuch ab. Eine Fliege kann etwa 15 Mal bis zu 200 Eier ablegen. Diese Eierpakete werden abgewogen, als einzelne Eier in einem besonderen Verfahren sterilisiert und auf Nährböden gebracht. In der Nacht schlüpfen dann die Larven aus den Eiern. Diese werden dann für die Biobags verwendet.“ Dr. Veith verabschiedet sich von Herrn Kuhn mit dem Versprechen, dass die Wunde in einigen Tagen bestimmt viel besser aussieht, wenn sie das nächste Mal wieder kontrolliert wird.

Pappsatte Maden

Die nächsten zwei Tage vergehen eigentlich für Herrn Kuhn sehr schnell. Er bekommt viel Besuch von seiner Frau und seinen vier Enkeln. Und bis auf ein Zwicken ab und an merkt er fast gar nichts, dass er fast vergisst, dass unten am Bein kleine Helferchen fleißig ihr Werk verrichten.

„Man erkennt wieder gutes Granulations gewebe“ Am Tag des Verbandwechsels steigt die Spannung. Die Schwester weicht zunächst den Verband mit Kochsalzlösung ein wenig auf. Dann entfernt Dr. Veith den Biobag mit einer Pinzette von der Wunde. Der einst teebeutelgroße Beutel ist nun fast doppelt so groß und prall

gefüllt. Die Maden bewegen sich nun nicht mehr so lebhaft, sondern scheinen voll gefressen und träge. Doch die Wunden sehen nun richtig schön sauber aus. Man erkennt wieder gutes Granulationsgewebe. Der Beutel soll nun noch einmal für 2 Tage drauf, dann ist die Therapie beendet. Herr Kuhn ist schwer beeindruckt von dem Ergebnis.

Erfreuliches Ergebnis

Einige Monate später: Es ist ein warmer Juninachmittag. Herr Kuhn sitzt in seinem Liegestuhl auf der Terrasse, den linken Fuß hoch auf einen Schemel gestellt. Die Sonne scheint. Seit drei Monaten ist der Fuß nun endlich zugeheilt. Nach der Madentherapie folgte noch eine Spalthauttransplantation. In einer anschließenden Reha hat er dann gelernt, mit der Vorfußamputation umzugehen. Er ist zufrieden mit dem Ergebnis, keine Unterschenkelamputation droht mehr. Das war seine größte Angst. Seine Frau bringt ein Stückchen Stachelbeerkuchen zu ihm nach draußen. Als er gerade in das Stück beißen möchte, fliegt ihn eine Fliege an. Er möchte zuhauen, doch dann erkennt er eine Goldfliege und erinnert sich an die verdienstvolle Tätigkeit, die ihre „Kollegin“ an seiner Wunde verrichtet hat. So wedelt er diese nur weg und genießt sein Stück Kuchen. Wer hätte gedacht, dass Fliegen so nützlich sind!

Medizinische Gastgeschenke sind willkommen Famulatur in Kamerun

von Franz Leidl und Thomas Meisl Fortsetzung aus der MEDI-LEARN Zeitung

N

atürlich stößt man aber auf Dankbarkeit, wenn man den Schwestern Arbeit abnehmen möchte.

„Ausbüchsen“ wird verhindert

Bei vital bedrohlichem oder ernsthaftem Krankheitsbild wird der Patient aufgenommen. Hier spielt traurigerweise die finanzielle Situation des Patienten ebenfalls eine Rolle, da der Krankenhausaufenthalt teuer ist. Dementsprechend

sind die Ein- und Ausgänge des Krankenhauses auch bewacht, um flüchtige Patienten, die ihre Rechnungen noch nicht bezahlt haben, am „Ausbüchsen“ zu hindern.

Insgesamt ähneln sich jedoch die einzelnen medizinischen Abteilungen

Je nach Krankheitsbild werden die Patienten auf die einzelnen medizinischen Abteilungen eingewiesen. Hier besteht als Student die Möglichkeit, den Patienten in der Folge weiter zu betreuen. Doppelt

gut: Man kennt seine Vorgeschichte und erhält Einblicke in die anderen Stationen des Krankenhauses.

Insgesamt ähneln sich jedoch die einzelnen medizinischen Abteilungen von Aufbau, Arbeitsweise und diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten. Eine Ausnahme bildete die Kardiologie, die über ein italienisches Subventionsprojekt mit EKG und neuem Echokardiographiegerät ausgestattet ist. Weitere allgemeine rare Materialien wie Blutzuckermessgeräte, Pulsoxymeter oder Blutdruckmessgeräte konnte man sich ebenfalls am ehesten in der Kardiologie ausleihen. weiter auf Seite 5


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Mein Partner Thomas, der den Hauptteil seiner Famulatur in der Gynäkologie und Geburtshilfe verbrachte, war Montags und Freitags im Primary Health Care Center (PHC) tätig und musste bei den Schwangerschaftsuntersuchungen im wahrsten Sinne des Wortes Hand anlegen. Untersucht wird nicht per Ultraschall (der nur bei Komplikationen angefordert wird), sondern durch Abtasten des Bauches wird die Lage des Kindes bestimmt sowie mit dem Hörtrichter der Herzschlag beurteilt. Die Hebammen zeigen einem gern diese handwerklichen Fähigkeiten, die man nach etwas Übung einigermaßen beherrscht und die in der westlichen Apparatemedizin immer mehr verloren gehen.

„Auch die Betreuung einer Geburt ist drin“ Ansonsten verbrachte er viel Zeit auf der „Maternaty Ward“, wo auch die gynäkologischen Out Patients untersucht werden. Zusätzlich zur normalen Stationsarbeit wird man zu jeder Geburt gerufen und darf mithelfen. Je nach Eigeninitiative darf man nach zwei Wochen auch mal selbst eine Geburt betreuen, wobei die erfahrenen Schwestern nicht weit sind, wenn Probleme auftauchen. Es empfiehlt sich auch, einen Nachtdienst zu machen, da die meisten Geburten nachts oder in den frühen Morgenstunden stattfinden und man dann eher die Möglichkeit hat, mit anzupacken oder bei einem Kaiserschnitt zu assistieren.

Nachhaltige Tätigkeiten

Erfahrungsberichte aus afrikanischen Krankenhäusern, in denen häufig davon berichtet wird, endlich sein medizinisches Handwerkszeug für die Zukunft zu lernen, kann ich nur zum Teil bestätigen. Man kann bei entsprechender Erfahrung durchaus selbst Verantwortung übernehmen, auch wenn man als Student in unserem Krankenhaus zu keinem Zeitpunkt dazu gedrängt wurde. Diese selbst ausgeführten Tätigkeiten sind nachhaltig, da sie Konsequenzen für den Patienten

haben, ohne Mehrfachabsicherung und Gegenkontrollen von gut ausgebildeten deutschen Assistenzoder Oberärzten. Möglicherweise kann man in Krankenhäusern der so genannten Dritten Welt schneller mehr Verantwortung übernehmen und dementsprechend auch praktisch tätig sein. Jedoch sind sowohl die OP-Methoden als auch die OP-Materialien nicht auf dem Niveau, wie man sie von heimischen Krankenhäusern kennt. Diese nur begrenzten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten – und nicht zu vergessen, die finanzielle Situation des Patienten – machen deutlich, dass man zum Teil vor Ort gelerntes und angewendetes Wissen an einem deutschen Patienten, ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen, nicht als First-lineTherapie anwenden würde.

Entspannt durchs Examen MEDI-LEARN Kurse für Physikum und Hammerexamen

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Physiologie – Der Mensch im Mittelpunkt! WEBSITE

Man lernt eine gelassene Lebensmentalität kennen, eine Mentalität, die wenige an die Zukunft denken und nicht lange über aktuelle Probleme grübeln lässt.

Kapitel 19

Reiztrans

NEU

ä 19.2. Riechstörungen

rungen sind häufig, wobei die Ursachen meist in einem

19

433 en auf einer respiraten Störungen des Geruchssinns beruhen ierzu zählen neben torischen oder konduktiven Störung. Hierzu den Grippehyposmien und -anosmien auch Nasenfremdakologisch chemische körper, Tumoren, Polypen und pharmakologisch anid- und Chlorverund industrielle Schadstoffe (Blei-, Zyanidbindungen). Riechstörungen, die ihre e Ursache im zentralen Bereich haben, sind meist traumatisch, h, degenerativ oder durch hirnorganische Prozesse bedingt. ngt. Hierbei spielen Schädel-Hirn-Traumen nach schweren en Kopfverletzungen, moren der vorderen sowie subdurale Blutungen und Tumoren Schädelgruppe eine wichtige Rolle.. Auch bei einem Teil der ten GeruchshalluzinatioSchizophrenien und Epilepsien treten rkrankungen, wie Alznen auf, und neurodegenerative Erkrankungen, e ausgeprägte Hyposmie heimer oder Parkinson, zeigen eine als Erstsymptomatik.

3Adapt ation. An diesen tige Ca 2+-Empfindli CNG-Kanäle n wurde eine chkeit Innenseite funktionell der Membran, gefunden. Je weniger 2+ wichCa -Ionen desto keit des Kanals. auf der Da Ca 2+ durch höher ist die Öffnungsw . Abb. 19.8. Kanalöffnu den Kanal ahrscheinlic Schema der ng die Ca 2+ fließt, wird her Transdukti A Die Bindung -Konzentra sich kurze Mitwirkung tion in der onskaskad Zeit nach eines Duftstoffm von Calmodulin e in Riechzellen Zelle erhöhen tstoffmolek protein bewirkt Riechz Prozess, der oleküls den Kanal üls an ein und unter . eine G-Protein-v abschalten zur spezifische otein-verm zyklase (AC), (. Abb. 19.8 strömende 2+ Adaptation auf zellulärer Rezeptorittelte Aktivierung s Rez die einen Anstieg ermittelte D). Ein Ca kann Ebene beiträgt. stieg kann direkt zusätzlich 2+ und durch Ade einen unspezifisc von cAMP in der Zelle der AdenylatCa -aktivierte Das einden erhöhten fischen Sinneszelld hervorruft. hervorruf Chloridkan Chloridauss risation beitragen. endriten öffnen. hen Kationenkanal cAMP trom zur Verstärkung äle öffnen in der Membran n. fleckchens aus dem Zilium B Schema der Entnahme Membra der Depolades clamp-Pipe einer eines Mem Membrantte. Die zytoplasma Riechsinneszelle Elektrische . Abb. bran 19.7.zeigt Riechrezeptorproteine. A Schematische Darstellung Riechschleimhaut, die den Rezeptor R14 bzw. R18 exprimieren. mithilfe matische tische Zellsignale patch nach außen Seite der entnomme der pa pressionsmuster von olfaktorischen Rezeptorder sieben transmembranen Domänen Riech-nen D Topographisches Expressionsmuster (inside die Wirkung de eines menschlichen MemMe von Reizsubstan out-Konfiguration). thel der Ratte. Die Rezeptormarkierung wurde rezeptorproteins. subtypen im Riechepithel Auf diese MembraninB Dreidimensionales ! Die Reaktione nzenModell eines Riechrezeptors, nenseite getestet zen auf Rezeptor-Kanal-Komp Weise kann n der Sinneszell idisierungstechnik erreicht. (Nach Professor durch die in situ Hybridisierungstechnik abgeleitet des Sehfarbstoffes Rhodopsin. C Ver-lexe zelleaus t werden. aufStrukturdaten Zugabe von bis auf das der d en auf Duftreize C Reaktion Duftstoff. molekular henheim, mit freundlicher Genehmigung) Breer, Universität Hohenheim, von zwei unterschiedlich gefärbten Riechsinneszellen in der einer Riechsinne Riechsinnes Öffnung können teilungdie e Niveau mit von Ionenkanäl ff. Nach kurzer Latenz Methoden elektrophysiologisc (ca. 200 ms) vierung einer verfolgt werden en n erfolgt erf second messenger-in der Zellmembran, hen die auf der beruht. Die er-vermitte vermittelte AktiAkt untersten lten n Transduktio Die Elektroph Spuren zeigen in höherer nskaskade cAMP-aktiv Zeitauflösu ysiologie (Elektroo ierte Kationenka ng. (Nach blockiert mithilfe potenziale, h Zufall et näle nä al. 1993). D Aktionspotenziale lfaktogramm, Rezeptor- tionenkana von Kalziumcalm Kalziumein almodulin der Sinneszel odulin den strom stro cAMP-aktiv len auf Duftreize ) ermöglicht, die Reaktion Frosches, l (Adaptation). E Rezeptorpo zeptorpote ierten Kadie mit otenzial nzial einer zu registriere (links) und Riechzelle p-Hydroben -Hydrobenz n. Die Ampli- wurde. Beachte den des aldehyd (rechts) großen Wirkungsun zaldehyd lichen Struktur kungsunter stimuliert stimulier terschied der Duftmolekü schied trotz der sehr ähnle e

30. neu bearb. u. akualis. Aufl. 2007. 1030 S. 1129 Abb. Geb. € (D) 79,95, € (A) 82,19, sFr 130,50 ISBN 978-3-540-32908-4

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WEBSITE

III · Allgemeine Allgeme gemeine und Spezielle Sinn Sinnesphysiologie nesphysiologie

duktion. Der Kontakt zwischen Defekt des Rezeptorproteins zu suchen sind, seltener Rezeptor löst einen intrazellu spielen zentrale Missbildungen eine Rolle. Eine angeboDuftstoff chanismus und (second messenger lären Signalverstärkungs rene komplette Anosmie ist eine seltene Erkrankung. Biochemische me-Kaskade) aus (. Am Methoden wird sie für das sog. Kallman-Syndrom beAbb.häufigsten 19.8 A). Duftmoleküls zeigten, dass die Bindung an den spezifisch schrieben, ebenso beim Turner-Syndrom (X0). Die meisaktiviert und eines dies wiederum en Rezeptor ein G -Protein olf Dies führt das Enzym dazu, dass Adenylatz die Konzentr Zelle schnell ation von cAMP yklase. ansteigt und wieder abfällt. clamp-Technik in der Mithilfe der war Zilienstrukturen es möglich, selbst patch aus den (< 0,5 μm) zustanzen kleine Membran sehr feinen (. Abb. 19.8 flecken B). Experime von der zytosolisc nte daran zeigten, aushen Seite der cAMP direkt dass Zellmembran Ionenkanäle aus durch ein- und zweiwerti unspezifisch permeabel ge Kationen (. Abb. 19.8 für geöffnet werden C). Sie gehören können klische Nukleotid zur Superfam ilie der durch e (cAMP/c näle, den sog. zyCNG-Kanälen GMP) aktivierten IonenkaAktivierung (s. eines einzigen auch Sehtransduktion). Duftmolekül Die Rezeptorproteins kann 1.000–2.0 durch ein erzeugen und 00 solcher entsprechend cAMP-Moleküle erklärt die viele Ionenkan ungewöh äle öffnen. stimmte Duftstoff nlich niederen Schwellen Dies e. Die einström werte Ca 2+) bewirken enden Kationenfür beeine Depolaris der Zelle. Am ation, das Rezeptorp (Na+, Übergang otenzial zum Nervenfo lokalen Potenzial rtsatz e in eine Erhöhung werden diese frequenz umgesetz der Aktionsp t. otenzial-

Man lernt, dass es auch anders geht

Eine Zeit im peripheren Krankenhaus in Kamerun kann eine sehr intensive Erfahrung mit vielen Impressionen werden. Gleiches gilt für die Zeit, die man auf seiner Reise durchs Land erlebt. Man lernt eine gelassene Lebensmentalität kennen, eine Mentalität, die wenige an die Zukunft denken und nicht lange über aktuelle Probleme grübeln lässt. Schwere Krankheiten, Tod und Sterben gehören im Krankenhaus zum Alltag. Bei den Patienten und Angehörigen der Betroffenen herrscht meist eine stille Akzeptanz der Situation. Eine Anspruchshaltung von Seiten des Patienten auf Versorgungsqualität besteht zu keinem Zeitpunkt. Auch nicht bei Patienten aus privilegierten Verhältnissen. Dementsprechend wohltuend ist die Herzlichkeit, die einem für jede Untersuchung am Patienten entgegnet wird.

432

· Geschmac Geschma hmackk und Geruch Geru ruch

transmembranäre Verlaufsformen. Bei Riechstörungen kann man verschieDomänen besitzen Riechzelle (. Abb. stellt den19.7 schwere Verlaufsformen unterscheiden: A, B). Jede von Rezeptorp vermutlich nur einen oder 5 wenige Anosmie ist der komplette Verlust des Geruchsroteinen her, Typen unter den Riechsinneszellen sodass es ca. 350sinnes, Spezialisten IIIgibt (. Abb. 19.7 der In-situ-H ybridisierungstechn 5 von partieller Anosmie spricht man bei teilweisem C). Mithilfe ordnung spezifisch ik konnte eineVerlust Duftklassen, solchevon zonen – symmetri er Rezeptorneurone Anin vier 5 Expressio von Hyposmie bei verminderter Riechleistung. sch für beide sen werden nsNasenhälften (. Abb. topie des olfaktoris 19.7 D). Sie ist Grundlag – nachgewieUrsachen. Genetische bedingte partielle Geruchsstöe der Chemochen Systems.

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Seite 6

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Juni/Juli 2008

Digitaler Nachschlag

Chronische B-Zell-Leukämie: Neuer genetischer Faktor isoliert

von Bernhard Knappe, Vorstand Wilhelm Sander-Stiftung (idw) Die Therapie der B-Zell-chronisch-lymphatischen Leukämie ist schwierig und der Erfolg stark von genetischen Veränderungen in den Tumorzellen abhängig. Auf der Suche nach neuen genetischen Faktoren, die die Entwicklung dieser Leukämie beeinflussen und Ansatzpunkte für neue Therapieansätze bieten, isolierte das Forschungsteam um Prof. Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg das neue Gen BRWD3. Sie wiesen nach, dass BRWD3 in den Leukämiezellen weniger aktiv ist als in normalen Lymphozyten. In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt versuchen die Forscher nun, die Funktion von BRWD3 zu identifizieren und zu klären, inwiefern sich eine Inaktivierung auf das Wachstum der Leukämiezellen auswirkt.

D

ie B-Zell-chronisch-lymphatische Leukämie (B-CLL) ist die häufigste Leukämie des Erwachsenenalters in Westeuropa. Sie ist charakterisiert durch die

hinweg ohne Symptome und Progredienz bleibt, schreitet sie bei anderen Patienten schnell fort und führt rasch zum Tode, wenn sie nicht therapiert wird. Im Gegensatz zu akuten Leukämien ist die B-CLL jedoch nach wie vor schwierig zu therapieren oder gar zu heilen. Dabei spielen verschiedene genetische Faktoren eine Rolle, deren heterogene Ausprägung in den Leukämiezellen offenbar für den sehr unterschiedlichen Krankheitsverlauf und Therapieerfolg verantwortlich ist.

Ein sinnvoller Ansatz Entwicklung neuer Leukämietherapien besteht darin, deregulierte Signalwege zu korrigieren, die das Wachstum und Überleben der Tumorzellen stimulieren. zur

Zu den bisher identifizierten prognostischen Faktoren für einen aggressiven Krankheitsverlauf gehört u. a. der Verlust bestimmter Regionen auf den Chromosomen 11 und

Leukämiezelle mit einem intakten und einem gebrochenen BRWD3-Gen

Akkumulation reifer B-Lymphozyten und einen sehr variablen Krankheitsverlauf: Während die Erkrankung bei einigen Patienten ohne Behandlung über viele Jahre

17 in den Tumorzellen. Die wissenschaftliche Forschung konzentriert sich derzeit darauf, weitere genetische Faktoren zu identifizieren und die molekulare

Basis der B-CLL aufzuklären, mit der Zielsetzung 1) anhand prognostischer Faktoren Risikopatienten erkennen zu können, 2) effektive und gerichtete Therapien zu entwickeln und 3) diese unter Berücksichtigung der individuellen Ausprägung der Faktoren anwenden zu können. Ein sinnvoller Ansatz zur Entwicklung neuer Leukämietherapien besteht darin, deregulierte Signalwege zu korrigieren, die das Wachstum und Überleben der Tumorzellen stimulieren. Auf diese Weise kann eine effektive Bekämpfung der Tumorzellen bei minimaler Toxizität gegenüber normalen Zellen erreicht werden. Einen besonders interessanten Ansatzpunkt für neue Therapien stellt der STAT-Signalweg dar, da er an der Regulation des Zellwachstums beteiligt und in vielen hämatologischen Tumoren, auch in B-CLL, inadäquat aktiviert ist. Mit dem Ziel, genetische Faktoren zu identifizieren, die die Entwicklung der B-CLL beeinflussen, untersuchten Dr. Claudia Kalla und Mitarbeiter in der Gruppe von Prof. Lichter einen spezifischen Chromosomenbruch in den Leukämiezellen. Sie isolierten das neue Gen BRWD3 auf Chromosom X, das durch diesen Bruch inaktiviert wurde, und fanden heraus, dass es generell in B-CLL-Zellen im Vergleich zu normalen B-Lymphozyten weniger aktiv ist. Diese Daten lassen darauf schliessen, dass BRWD3 an der Entwicklung von B-CLL beteiligt ist. Diese Hypothese wird durch eine Studie von Martin Zeidler und Mitarbeitern gestützt, die nachweist, dass die Entstehung eines leukämieähnlichen Blut-Zell-Tumors in Fruchtfliegen von der Aktivität des Drosophila-BRWD3 beeinflusst wird. Diese Gruppe konnte auch zeigen, dass das Drosophila-BRWD3 als Teil des STAT-Signalweges wirkt. Mit einer Serie verschiedener Experimente versuchen Dr. Kalla und Prof. Lichter derzeit, die Funktion

des humanen BRWD3 zu identifizieren und zu klären, ob das Gen 1) in Analogie zum DrosophilaBRWD3 als Bestandteil des STATSignalweges aktiv und 2) an der Entwicklung von B-CLL beteiligt ist. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die gezielte Veränderung der Aktivität des Gens, um Informationen darüber zu erhalten, welche Gene von BRWD3 reguliert werden und inwiefern sich eine Inaktivierung von BRWD3 - wie in B-CLL-Zellen nachgewiesen - auf das Zellwachstum auswirkt.

Die Wilhelm SanderStiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 180.000 €. Um die Bedeutung von BRWD3 für den Krankheitsverlauf von B-CLL beurteilen zu können, sollen die genetischen mit klinischen Daten korreliert werden. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 180.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist. Weitere Informationen: www.wilhelm-sander-stiftung.de Quelle: idw - Informationsdienst Wissenschaft


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Digitaler Nachschlag

Gemeinsamer Nenner von Entzündung und Fettleber von Dr. Stefanie Seltmann, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg Krebsforscher finden Schlüsselmolekül für Tumorkachexie

V

iele Krebspatienten verlieren während ihrer Krankheit stark an Gewicht: Fett- und Muskelmasse wird abgebaut, freigewordene Fettsäuren werden in der Leber eingelagert, was schließlich bei den betroffenen Patienten zur Fettleber führt. Die Ursache für die sogenannte Tumorkachexie scheinen Signale zu sein, die der Tumor selbst aussendet. Doch trotz intensiver Suche konnten diese „AbbauSignale“ des Tumors bisher nicht dingfest gemacht werden.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Krebserkrankung, insbesondere bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse und der Lunge, leiden die Patienten häufig an der sogenannten

Tumorkachexie:

Ein Forscherteam im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ging deshalb den umgekehrten Weg: Statt im Tumor nach Hungersignalen zu fahnden, untersuchten sie das andere Ende der Signalkette: die Leberzellen von an Krebs erkrankten Mäusen. Und dabei stießen sie auf einen molekularen Marker, der sowohl Stoffwechselvorgänge als auch Entzündungsreaktionen kontrolliert. Im fortgeschrittenen Stadium einer Krebserkrankung, insbesondere bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse und der Lunge, leiden die Patienten häufig an der sogenannten Tumorkachexie: Sie sind stark abgemagert und geschwächt, nicht selten droht Organversagen. Insbesondere das Körperfett wird abgebaut und in der Leber eingelagert, eine Fettleber entsteht. Ursache hierfür scheinen Signale vom Tumor selbst zu sein, die die Stoffwechselvorgänge im Körper radikal in Richtung Abbau dirigieren und eine chronische Entzündung im Körper bewirken. Trotz intensiver Suche konnten diese Signale bislang nicht dingfest gemacht werden.

Stephan Herzig, Leiter der Emmy Noether und Marie Curie Nachwuchsgruppe Molekulare Stoffwechselkontrolle des Deutschen Krebsforschungszentrums, wandte sich mit seiner Gruppe dem anderen Ende der Signalkette zu: Die Wissenschaftler untersuchten die Leberzellen von Mäusen, die Tumoren trugen und starke Anzeichen einer Tumorkachexie zeigten. Insbesondere fahndeten sie nach dem Molekül RIP 140, das Herzig zuvor als Hemmschalter des Fettabbaus in der Leber gesunder Mäuse identifiziert hatte. Und tatsächlich zeigten die an Krebs erkrankten Mäuse eine hohe Aktivität von RIP 140, und entsprechend wies ihre Leber Merkmale einer Fettleber auf. Schaltete Herzig das Molekül gezielt in den Leberzellen der tumortragenden Mäuse aus, so normalisierte sich der Fetthaushalt der Leber innerhalb weniger Tage. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „Hepatology“. Neben der Fettleber sind auch hochaktive Immunzellen ein kennzeichnendes Merkmal der Auszehrung von Tumorpatienten: Makrophagen wandern vermehrt ins Fett- oder Lebergewebe ein und schütten Botenstoffe wie Interleukin 6 oder Tumornekrosefaktor alpha aus: Die Folge ist eine Entzündungsreaktion in diesen Organen, die schließlich

zur Fehlfunktion des Stoffwechsels und zum Energieverlust der Patienten beiträgt. In London haben Kooperationspartner von Stephan Herzig Mäuse gezüchtet, denen das RIP-140 -Molekül komplett fehlt:

„Damit haben wir ein Puzzlesteinchen

weiteres

eingefügt in die grosse unbekannte

Signalkette“

Die Tiere sind rank und schlank und bleiben dies auch bei üppiger Kost. Beim Vergleich mit normalen Mäusen entdeckten die Forscher um Stephan Herzig jetzt, dass ihre Makrophagen auch kaum entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten. Dabei übt das RIP-140Molekül seine Wirkung in diesen Entzündungszellen über einen weiteren „Chef-Regulator“ aus, den Transkriptionsfaktor NFkB. Diese Ergebnisse wurden gerade in der Fachzeitschrift „Blood“ publiziert. „Damit haben wir ein weiteres Puzzlesteinchen eingefügt in die große unbekannte Signalkette vom Tumor bis zur Tumorkachexie“, beschreibt Stephan Herzig die Bedeutung seiner beiden Arbeiten. „Jetzt suchen wir natürlich nach dem Aktivator von RIP 140“, erklärt er sein nächstes Ziel, „und so arbeiten wir uns langsam von Glied zu Glied vor, bis zum Tumor.“ Um eines Tages hoffentlich das „Hungersignal“ des Tumors zu finden.

Mauricio Berriel Diaz, Anja Krones-Herzig, Dagmar Metzger, Anja Ziegler, Alexandros Vegiopoulos, Martin Klingenspor, Karin MüllerDecker, Stephan Herzig. Nuclear receptor co-factor RIP140 controls hepatic triglyceride metabolism during wasting in mice. Hepatology 2008, DOI: 10.1002/hep.22383 Zschiedrich, I., Hardeland, U., Krones-Herzig, A., Vegiopoulos, A., Berriel Diaz, M., Müggenburg, J., Sombroek, D., Hofmann, T., Zawatzky, R., Yu, X., Gretz, N., Christian, M., White, R., Parker, M.G., and Herzig, S. Co-activator function of RIP140 for NFkB/p65dependent cytokine gene expression. Blood 2008 May 9 (epub ahead of print) Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Wenn das Gehirn dicht macht Bessere Epilepsie-Therapie dank Prävention von Luise Dirscherl, Ludwig-Maximilian-Universität München

E

pileptische Anfälle werden durch unkontrollierte Entladungen bestimmter Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Krampfunterdrückende Medikamente können dem vorbeugen - wenn die Patienten auf die Behandlung ansprechen. „Bis zu 40 Prozent der Epilepsiepatienten sind aber therapieresistent“, berichtet Professor Heidrun Potschka von der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Unter ihrer

Leitung konnte ein internationales Forscherteam nun eine mögliche Ursache dieser Resistenz auf molekularer Ebene aufklären. Wie in der aktuellen Ausgabe Fachzeitschrift Molecular Pharmacology berichtet, setzen epileptische Anfälle einen Botenstoff frei, der letztlich die Produktion des Moleküls P-Glycoprotein initiiert. „Dieser bereits bekannte Arzneimitteltransporter verhindert wohl die Aufnahme der Medikamente in das Gehirn und damit auch deren

Wirkung“, sagt Potschka. „Unsere Ergebnisse könnten helfen, eine präventive Strategie für Epilepsiepatienten zu entwickeln, um die Therapie effektiver zu machen. Möglicherweise profitieren davon auch Patienten mit Schlaganfall, Infektionen wie HIV und anderen Erkrankungen des Zentralnervensystems. Es gibt nämlich Hinweise, dass P-Glykoprotein auch in diesen Fällen Resistenz verursachen kann.“ weiter auf Seite 8


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Viele Epilepsiepatienten sind therapieresistent

Fortsetzung von Seite 7

Therapieresistente Bakterien machen derzeit viel von sich reden. Nicht immer aber sind es nur die Krankheitserreger, die Medikamente wirkungslos machen. Bei vielen Epilepsiepatienten etwa leitet der Körper selbst die unerwünschte Reaktion ein. „Dieses Problem hat eine erhebliche Relevanz“, meint Potschka. „Es leiden ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an Epilepsie.“ Bis zu fünf Prozent erleiden wenigstens eine vorübergehende epileptische Episode. Von einer Epilepsie spricht man aber erst, wenn wiederholt Anfälle aufgetreten sind.

Charakteristisch für das Leiden sind sekunden- oder minutenlange Krampfanfälle

Dennoch ist die Epilepsie die häufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland alleine sind rund eine halbe Million Menschen betroffen. Charakteristisch für das Leiden sind sekunden- oder minutenlange Krampfanfälle, die im schlimmsten Fall den gesamten Körper betreffen und zur Bewusstlosigkeit führen. Möglich sind auch unkontrollierte Zuckungen einzelner Muskelpartien, Halluzinationen oder eine so genannte Aura, also ein unbestimmtes negatives Gefühl, das von Missempfindungen begleitet sein kann. Ursache dieser und anderer Symptome der Epilepsie ist eine plötzliche Entladung von Neuronenverbänden - gewissermaßen ein Kurzschluss im Gehirn. Epilepsie als Erkrankung kann einerseits vererbt werden und kann andererseits als Folge einer Gehirnschädigung auftreten. So können zum Beispiel ein Schädelhirntrauma, ein Schlaganfall oder Tumoren Auslöser der Erkrankung sein. In der Regel werden Medikamente in der Therapie eingesetzt. Die so genannten Antikonvulsiva sollen Krampfanfällen vorbeugen. Doch erreichen sie dieses Ziel nicht immer - dank der Blut-Hirn-Schranke. Diese physiologische Barriere ver-

hindert den Eintritt von Fremdstoffen in das Gehirn. „Wir konnten zeigen, dass dieser Schutzmechanismus während eines epileptischen Anfalls noch verstärkt wird“, berichtet Potschka. „Dabei wird der Neurotransmitter Glutamat in hohen Konzentrationen freigesetzt, was eine Kaskade an Reaktionen auslöst, die auch bei Entzündungen eine Rolle spielt. In einem letzten Schritt wird dann der Arzneimitteltransporter P-Glykoprotein produziert, der den Übertritt der Therapeutika in das Gehirngewebe verhindert.

Die Ergebnisse könnten Schritt sein

nun ein erster

hin zu einer präventiven

Strategie, um Resistenzen dieser Art zu verhindern. Damit konnten wir einen wesentlichen Teil der Kaskade aufklären, die im epileptischen Gehirn Phar-

makoresistenz vermitteln kann.“ Die Ergebnisse könnten nun ein erster Schritt sein hin zu einer präventiven Strategie, um Resistenzen

dieser Art zu verhindern. So gelang es bereits, durch die Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase die Induktion von P-Glykoprotein durch epileptische Anfälle zu verhindern. Inhibitoren des Enzyms gibt es bereits, nicht zuletzt auch frei erhältliche Enzündungshemmer wie die Acetylsalicylsäure - besser bekannt als Aspirin - gehören dazu. Möglicherweise kann eine Präventionsstrategie damit sogar kurzfristig umgesetzt werden, wobei mögliche Nebenwirkungen zu berücksichti-

gen sind und zu klären ist, wie gut Epilepsiepatienten diese Medikamente vertragen. „Das ist ein wichtiges Einsatzgebiet, aber vielleicht nicht das einzige“, meint Potschka. „Denn auch bei anderen Erkrankungen des Zentralnervensystems, etwa Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Gehirntumoren und auch Infektionen wie HIV kommt es zu einer erhöhten Produktion von P-Glykoprotein und zu Pharmakoresistenz. Vermutlich laufen in diesen Fällen dieselben Mechanismen ab. Wir wollen daher zunächst klären, welche Moleküle genau an der Kaskade beteiligt sind, die zur überhöhten Produktion von P-Glykoprotein im epileptischen Gehirn führt. Vielleicht können wir dann weitere Zielstrukturen für eine Präventionsstrategie identifizieren. Langfristig arbeiten wir an der Möglichkeit, Patienten zu identifizieren, die von derartigen Strategien dann auch tatsächlich profitieren - also letztlich an einer individualisierten Anwendung der neuen Behandlungsoptionen.“

Sonographie-Kurs in der Heidelberger Vorklinik Interview mit Herr PD Dr. med. Nawrotzki von Sylvia Zayer

„Fallen dir noch alle Zystenkriterien ein? Ich glaube ich habe eins vergessen: echofrei, dorsale Schallverstärkung, betonte Randschatten,….?“

W

as eher klingt wie das Gespräch unter Klinikern, ist so während 4 Wochen am Anfang des Sommersemesters in Heidelberg unter Studenten des 2. vorklinischen Semesters die Regel. Während einer arbeits- und lehrreichen Woche erlernen 140 Studenten in einem freiwilligen Sonographie-Kurs die Grundlagen des Ultraschalls. Ne-

ben der korrekten Schalltechnik üben die Studenten ganz nebenbei die komplizierte topographische Anatomie auf Schnittbilder anzuwenden - Wissen, das in der Klinik bei der Beurteilung von MRT- und CT-Bildern sicher Gold wert sein wird. Der Kurs, welcher letztes Jahr seine Premiere in Heidelberg gefeiert hat, beruht auf einem etablierten Konzept von Dr. med. Matthias Hofer, der schon seit vielen Jahren den Ultraschall in die Lehre in Düsseldorf integriert hat. Mit großem Engagement haben die Dozenten des Instituts für Anatomie zusammen mit den studentischen Tutoren, die für den Unterricht der Kleingrup-

pen verantwortlich sind, das Konzept auf Heidelberger Bedürfnisse angepasst.

Obwohl vor allem die Tage anstrengend sind, ist der Lernerfolg.

ersten

Die Studenten, die für den Kurs zugelassen wurden, werden in 5erGruppen von einem studentischen Tutor unterrichtet. Die strukturierte Untersuchung des Abdomens, welche am Ende des Kurses von den Studenten beherrscht werden soll, ist in 5 Lehreinheiten aufgeteilt. Jeden Tag der Kurswoche wird so ein weiter auf Seite 9


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Grundlagen des Ultraschalls Fortsetzung von Seite 8

anderes Organsystem behandelt. Obwohl vor allem die ersten Tage anstrengend sind, ist der Lernerfolg so deutlich, dass die Motivation nie darunter leidet. Im Folgenden nun ein kurzes Interview mit PD Dr. med. Ralph Nawrotzki, dem Verantwortlichen des SonographieKurses und Lehrbeauftragten der Anatomie: Der diesjährige Kurs ist letzte Woche abgeschlossen worden.

Sind Sie mit dem Verlauf zufrieden gewesen? Der Kurs fand dieses Jahr das zweite Mal statt. Und auch diese Jahr war der Kurs ein voller Erfolg - wie die Evaluationen wieder zeigen. Dies wäre ohne das Engagement der Tutoren und der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten nicht möglich gewesen. Wie kommt der Kurs bei den Studenten an? Der Kurs kommt sehr gut an. Wir

boten. Würde solch ein Kurs nicht besser in den klinischen Studienabschnitt passen? Bei der Kursdurchführung werden wir sehr von klinisch tätigen Kollegen unterstützt. Das Ziel dieses Kurses soll jedoch nicht die Erkennung von Pathologien sein, sondern die Studenten sollen Handwerkzeug bekommen, um sich in der komplizierten topographischen Anatomie zurechtzufinden. In der Klinik ist es dann egal, ob sie dann ein Ultraschall-, ein CT-, oder ein MRT-Bild

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Bahnhofstraße 26b 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0 Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de Internet: www.medi-learn.de

Lektorat: Jan-Peter Wulf

Berichte: Mario Strammiello, Yvonne Bernsdorf , Franz Leidl, Thomas Meisl, Bernhard Knappe, Dr. Stefanie Seltmann, Luise Dirscherl , Sylvia Zayer Anzeigenbetreuung: Christian Weier Olbrichtweg 11 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0 Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn. de – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: istockphoto.com, photocase.com, stock.xchng Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungs­berichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel

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müssen die beschränkte Anzahl Plätze auf die Bewerber aufteilen. Wir haben uns aber entschlossen, die Gruppengröße nicht zu verändern, um die hohe Qualität des Unterrichts zu gewährleisten. Die Studenten schätzen die kleinen Gruppengrößen von 5 Studenten pro Tutor und die klare Struktur des Kurses. Das ist jedoch auch immer wieder Kritikpunkt gewesen, da die Studenten sich mehr Zeit zum selbstständigen Üben wünschten. Soll der Kurs langfristig den Präparierkurs ersetzen? Nein, der Sonographie-Kurs verlangt von den Studenten fundierte anatomische Kenntnisse. Der Kurs dient der Vertiefung des anatomischen Wissens und der Anwendung auf die Schnittbilder, welche von dem Ultraschallgerät generiert werden. Der Kurs wird vom Institut für Anatomie in der Vorklinik ange-

beurteilen müssen. Dazu ist direkt nach dem Präparierkurs der ideale Zeitpunkt, da dann das anatomische Wissen noch frisch ist. Der Unterricht findet in Kleingruppen zu 5 Studenten statt, die von einem studentischen Tutor betreut werden. Wie sichern Sie die Qualität des Unterrichts? Die erste Tutorenkohorte, mit der die Kurse 2007 und 2008 durchgeführt wurden, erhielte ein intensives Training bei Dr. med. Matthias Hofer in Düsseldorf, der einen ähnlichen Kurs dort seit über 10 Jahren sehr erfolgreich durchführt. Es ist nun geplant, Tutoren für die nächsten Jahre vor Ort selbst auszubilden. Dabei wird nicht nur auf hohe fachliche Kompetenz geachtet, jeder Tutor soll 4 Wochen in der Sonographie famuliert haben, sondern es wird auch auf die didaktischen Fähigkeiten großen Wert gelegt, welche den zukünftigen Tutoren in Seminaren beigebracht werden.

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