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September/Oktober 2011

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MLZ

Digitaler Nachschlag

möglich zu machen, was mitunter bis zur Selbstverleugnung geht. Sehr zurückhaltend ist der Umgang mit Kritik. Sie wird kaum geäußert, wenn jedoch nötig, wird eher ein Hinweis formuliert. So hilfreich das sein mag, als Ausländer ist es dadurch nur mit viel Feingefühl möglich zu erkennen, ob man mit seinem Verhalten aneckt. In der Slowakei nur von Slowaken zu sprechen, ist nicht ganz zutreffend. Es gibt noch zwei wesentliche andere Bevölkerungsgruppen: die Ungarn und die Sinti und Roma. Die Integration beider Gruppen hat ihre jeweils eigene Problematik. Die Integration der Ungarn ist eher politisch kompliziert, bei den Sinti und Roma spielen eher soziale Faktoren eine Rolle. Einige haben an-

dere Vorstellungen von Arbeit und Moral, andere müssen hart gegen bestehende Vorurteile ihnen gegenüber kämpfen. Nun noch einmal kurz zu unserer Freizeitgestaltung: Neben Bratislava selbst, wo man immer wieder etwas Neues entdecken konnte, besuchten wir zum Beispiel die Burgruinen von Devin oder Cerveny Kamen, probierten die Kuranlagen in Piestany und nutzten ausgiebig die Lage Bratislavas im Herzen Europas und reisten nach Wien, Brno, Prag, Budapest, Dresden oder Krakau. Für meine Famulatur war es äußerst hilfreich, den Laptop und Lehrbücher für Innere und Pädiatrie dabei zu haben! Sonst gab es eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes. Man sollte an Badesachen

denken. Es gibt hier nicht nur viele Bademöglichkeiten, sondern ebenso Möglichkeiten, Kurbäder mit verschiedenen Anwendungen zu nutzen wie zum Beispiel in Piestany. Was ich gern anders gemacht hätte: Ich hätte mir Zeit nehmen wollen, um mehr darüber zu erfahren, wie die Slowakei funktioniert (politisch, gesundheitspolitisch und wirtschaftlich).

Fazit Dieser Auslandsaufenthalt hat sich wirklich gelohnt, nicht zuletzt weil es eine geniale Möglichkeit war, mit Menschen aus ganz verschiedenen Ländern in Kontakt zu kommen. Meine Erwartungen an das Krankenhaus mit Blick auf das

Gelernte wurden nicht ganz erfüllt, was aber die Gesamterfahrung nicht schmälert. Auch wenn ich mir aus vielen Gründen nicht vorstellen kann, in der Slowakei zu arbeiten, bin ich ziemlich sicher, dass ich noch oft dahin zurück kehren werde. Leider ist für mich die Famulaturzeit nun schon zu Ende. Wenn ich aber die Möglichkeit hätte, würde ich mich sicher noch einmal für einen Austausch dieser Art bewerben. Ich komme allerdings zu dem Schluss, dass ich kein PJ-Tertial in einem Land machen möchte, dessen Landessprache ich nicht spreche. Eine weitere Konsequenz ist, dass ich die Studienbedingungen und die Arbeitssituation in Deutschland wieder mehr schätzen gelernt habe.

Leibniz-Preis für Wissenschaftler an der Uni Bonn Gunther Hartmann und Christian Kurts für herausragende Arbeit ausgezeichnet von Johannes Seiler (Universität Bonn)

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wei Wissenschaftler der Universität Bonn teilen sich den Leibniz-Preis: Prof. Dr. Gunther Hartmann und Prof. Dr. Christian Kurts erhalten für ihre herausragende Arbeit auf dem Gebiet der Immunologie die mit 2,5 Millionen Euro dotierte Auszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Rektor Prof. Dr. Jürgen Fohrmann und Kanzler Dr. Reinhardt Lutz gratulierten den Wissenschaftlern persönlich zum „deutschen Nobelpreis“. Mit dem Gottfried-WilhelmLeibniz-Preis, den sich Prof. Hartmann und Prof. Kurts teilen, werden hervorragende Forscher für herausragende wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet. Prof. Dr. Gunther Hartmann, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie des Universitätsklinikums Bonn, seien bahnbrechende Entdeckungen in der Aufklärung der Wirkungsweise der körpereigenen Abwehr gelungen. Er habe einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung neuer Behandlungsmittel geleistet, begründet die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Preisverleihung. Prof. Dr. Christian Kurts, Direktor des Instituts für Experi-

mentelle Immunologie, erhält den Leibniz-Preis unter anderem für seine Arbeiten zur Aufklärung der Funktion der Kreuzpräsentationen von Antigenen. Dabei geht es um ein lange ungeklärtes Rätsel, wie Immunantworten gegen Viren und Krebs zustande kommen. Prof. Kurts zähle zu den angesehensten deutschen Immunologen, der auch international höchste Wertschätzung genieße, so die DFG in ihrer Begründung. „Die Ehrung ist für die beiden Wissenschaftler hoch verdient“, sagte Rektor Prof. Dr. Jürgen Fohrmann. „Ich freue mich sehr darüber. Der Leibniz-Preis zeichnet die herausragenden Leistungen von Professor Hartmann und Professor Kurts aus, gleichzeitig ist er ein Gütesiegel für die Immunologie und die medizinische Forschung unserer Forschungsuniversität.“ Prof. Dr. Gunther Hartmann (45) studierte Medizin in Ulm und forschte unter anderem in Iowa (USA). 1999 habilitierte er sich in München und leitete dort die Forschung in der Klinischen Pharmakologie. Im Jahr 2005 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Klinische Pharmakologie an der Universität Bonn. Seit 2007 leitet

er das Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie. Darüber hinaus ist Prof. Hartmann seit 2008 Vorsitzender der BONFORKommission zur Förderung der Forschung an der Medizinischen Fakultät. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem BioFuture-Preis des Bundesforschungsministeriums. Prof. Dr. Christian Kurts (47) studierte Medizin in Göttingen und promovierte in Immunologie. Drei Jahre forschte er in Melbourne (Australien) bei dem berühmten Immunologen Jacques Miller. 1999 folgten in Hannover die Habilitation und 2000 der Facharzt für Innere Medizin. Anschließend leitete Prof. Kurts am Universitätsklinikum Aachen eine Forschergruppe. Bevor er im Jahr 2003 einen Ruf auf die Professur für molekulare Immunologie an die Universität Bonn erhielt, war Prof. Kurts noch einige Monate Gastwissenschaftler in San Diego (USA). Seit 2009 ist der Wissenschaftler Direktor des Instituts für Experimentelle Immunologie. Er wurde unter anderem mit dem Sir Hans Krebs-Preis ausgezeichnet. Die Wissenschaftler sind auch in den Antrag für das Exzellenzclu-

ster „ImmunoSensation“ im Rahmen der Exzellenzinitiative eingebunden. Mit dem Vorhaben soll das Verständnis immunologischer Vorgänge grundlegend erweitert werden. Daran sind neben der Universität Bonn auch das Forschungszentrum Caesar und das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn beteiligt. Der Antrag hat die erste Hürde genommen, eine endgültige Entscheidung wird für Mitte nächsten Jahres erwartet. Die DFG ehrt mit dem LeibnizPreis insgesamt elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Prof. Hartmann und Prof. Kurts von der Universität Bonn sind die einzigen Wissenschaftler in Nordrhein-Westfalen, die nun den Leibniz-Preis erhalten. Die Ehrung gilt als „deutscher Nobelpreis“ und ist einer der höchst dotierten Preise, die in Deutschland regelmäßig an Wissenschaftler vergeben werden. Das Preisgeld von bis zu 2,5 Millionen Euro ist für Forschungsarbeiten vorgesehen. Den Preisträgern werden bei der Verwendung der Mittel größtmögliche Freiheiten eingeräumt. Die Preisverleihung findet am 27. Februar 2012 in Berlin statt.

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Digitaler Nachschlag 01/12  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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