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Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

ZEITUNG

Digitaler Nachschlag

Digitaler Nachschlag der Ausgabe 01/08 ∙Januar/Februar 2008 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de

Die Akupunktur-Famulatur

Deutscher Lehrstuhl für TCM

Eine Famulatur im fernen Ausland zu machen, das war In Hamburg soll 2007 ein Institut für TCM auf dem Gebiet der Wunsch von Juliane Barth. Einmal eine völlig andere der Forschung, Lehre und Krankenversorgung eingerichKultur eines Landes kennen lernen! Ihre Freutet werden mit dem Ziel, die Wirkungsweise der de war riesig, als die Zusage des dfa kam. fernöstlichen Therapieverfahren zu erforschen.

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Nadeln in Brasilien

Nach Durchlesen der Beschreibung eines Research Exchange Projekts auf der bvmd Homepage für Akupunktur in Brasilien stand für Melanie Schuster fest - das muss es sein!

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Famulaturbericht aus dem Reich der Mitte TCM in Tangshan, China von Heike Seifert

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en ersten Kontakt mit traditioneller chinesischer Medizin, kurz TCM, hatte ich bereits zu Abiturzeiten, als ich eine besondere Lernleistung zum Thema „Schmerzbehandlung durch Ohrakupunktur“ schrieb. Damals fragte mich mein Direktor, ob ich später einmal weiter auf dem Gebiet etwas machen wolle, und ich antwortete mit einem zögernden Nein. Vielleicht war das Zögern schon damals ein schwacher Hinweis darauf, dass es ganz anders kommen sollte.

Dao zhongguo!

Im Dezember 2005 kamen dann die ersten Gedanken in Richtung Famulatur im Ausland auf. Ich stöberte im Internet und stieß schließlich auf eine Seite der DeutschChinesischen Gesellschaft für Medizin (DCGM), die Famulaturen in Tangshan, Wuhan, Guangzhou und Nanjing fördert. Nach einem Bewerbungsschreiben folgte bald der Tag des Auswahlgesprächs. Die Nachfrage war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht allzu groß – es konnten jedoch schon damals nur ca. zehn Studenten genommen werden.

Sieben Millionen Einwohner – durchschnittlich für chinesische

Dimensionen Ich hatte Glück, und kurz darauf hieß es ab nach China oder „dao zhongguo“. Als Vorbereitung habe ich nämlich ein Semester Chinesisch gelernt, was sich später noch als Vorteil erweisen sollte, schließlich standen mir drei Monate in einem doch völlig fremden Land bevor.

Zusammen mit fünf weiteren Studenten aus ganz Deutschland hatte ich mich für Tangshan entschieden, eine Stadt in der Provinz Hebei im Norden Chinas, rund 150 Kilometer östlich von Peking. Für chinesische Verhältnisse eine durchschnittliche Großstadt – sieben Millionen Einwohner. Ansichtssache! Aber wenn man vergleicht, dass in Shanghai soviel Menschen wie in ganz Australien wohnen, ist alles wieder sehr relativ.

TCM ist hochkomplex

In Tangshan am North China Medical Coal College wurden wir sehr herzlich von Zhao laoshi (Dr. Zhao) empfangen, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Er ist Hämatologe und sprach ein sehr gutes Deutsch. Das erleichterte uns den Alltag in der Klinik enorm, denn niemand, außer einigen wenigen Studenten und Ärzten, sprach Englisch. Ich entschied mich, den größten Teil meiner Famulatur in der Ambulanz für Akupunktur zu absolvieren. Schließlich wollte ich soviel wie möglich über chinesische Medizin lernen, die neben Akupunktur auch noch Qi Gong, Kräuterheilkunde, Tai Chi und Tuina-Massage umfasst. Es ist ein gleichermaßen vollständiges wie kompliziertes System: Eine Kombination von Ernährung und Bewegung, von Entspannung und Meditation, von Prävention und Therapie, die auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzt. Es ist demzufolge selbstverständlich, dass man in nur vier Wochen nur einen kleinen Einblick in dieses hochkomplexe System bekommen kann.

Unser Tag begann jeden Morgen um halb sieben mit einer Stunde Tai Chi bei Wang laoshi auf dem Campus der Uni. Dies ist eine Art konzentrierter Bewegungsabfolgen, die Körperbeherrschung und Harmoniegefühl vermitteln sollen. 7 Uhr 45 begann die Arbeit in der Klinik. Zunächst halfen wir in der Ambulanz, Patienten zu akupunktieren, die von außerhalb kamen. In China treffen die meisten Patienten vor allem am frühen Morgen ein, so dass in diesem Zeitraum schon einmal sechs Patienten in einem 18-Quadratmeter-Raum zugleich behandelt werden. Neben Akupunktur kam auch Strom- und Wärmetherapie zur Anwendung, vorwiegend zur Behandlung von Paresen und Schmerzen, aber auch Schröpfen, was vor allem bei Akne indiziert ist.

Das Nadeln gelernt

Zunächst mussten wir die wichtigsten Punkte der Körperakupunktur lernen und auch das Setzen der Nadeln wurde zuerst „trocken“ geübt. Aber die Ärzte haben uns sehr viel machen lassen, sodass es uns auch nicht verwehrt blieb, Patienten

ohne Anleitung zu nadeln. Es war erstaunlich, aber auch ein gleichzeitig schönes Gefühl, wie ein Patient mit Hemiparese nach einer cerebralen Blutung nach vierwöchiger Akupunkturbehandlung wieder in die Ambulanz gelaufen kommt. Gegen neun ging es dann auf die Visite, bei der stationäre Patienten (vorwiegend Neurologie und ITS) behandelt wurden. Die chinesischen Menschen hatten sehr viel Vertrauen in uns deutsche Famulanten, sodass wir viele praktische Erfahrungen sammeln konnten. Wir haben uns immer sehr willkommen gefühlt, sei es bei den Patienten selbst, als auch bei den Ärzten und Studenten. Jeder war bemüht, uns zu helfen.

Es mangelt nicht an Technik, sondern an den einfachsten Dingen Trotz all der positiven Erfahrungen, die wir gesammelt haben, muss man trotzdem auch erwähnen, dass der Standard in der Klinik doch sehr heterogen im Vergleich zu unserem westlichen System weiter auf Seite 2


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TCM in Tangshan, China

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ist. Es mangelt an keinerlei Technik – jeder Patient der Neurologie bekommt ein CT- oder MRT-Bild, Blutproben werden sehr schnell ausgewertet, es gibt alle möglichen invasiven Verfahren, wie bei uns auch. Woran es fehlt: An den einfachsten, grundlegenden Dingen! Keinerlei Desinfektionsmittel, statt dessen Seife auf den Stationen, keine Handschuhe, Butterflys anstelle von Flexülen zur Gabe von Infusionen, kein Mundschutz auf der Pulmonologie, obwohl rund die Hälfte der Patienten eine offene TBC hat – das ist All-

tag! Auch werden die Patienten nicht von den Krankenschwestern gepflegt, wie es bei uns üblich ist, sondern von den Angehörigen, die das Essen in die Klinik bringen. Die meisten der Patienten haben keine Krankenversicherung, sodass alle Untersuchungen und Medikamente zum größten Teil selbst bezahlt müssen. Gegen halb elf gab uns dann Dr. Lu, Ärztin in der Akupunkturambulanz, täglichen Unterricht. Zunächst brachte sie uns das Grundkonzept von Yin und Yang und die Lehre von Qi näher, später lehrte sie uns auch sehr viel

über alle wichtigen Punkte, über Lokalisation, Indikation und wie man diese sticht. Am Nachmittag hatten wir frei, sodass wir auch die Möglichkeit hatten, viele Ausflüge zu machen und in den Genuss der chinesischen Kultur zu kommen. Nach unserer Famulatur in Tangshan sind wir zu zweit noch einen Monat durch China gereist. In dieser Zeit ist uns erst bewusst geworden, wie typisch chinesisch Tangshan doch im Vergleich zu allen anderen größeren Städten ist, die immer mehr von dem Wirtschaftswachstum eingeholt werden und in denen kleine traditionelle Häuschen riesigen Wuchtbauten weichen müssen. Diese Eindrücke rücken jedoch in den Hintergrund,

wenn man in alten Tempeln steht und den Menschen zusieht, wie sie für ihre Gottheiten Räucherstäbchen anzünden.

China pur

Die Reise war schön, jeder Tag brachte neue Eindrücke, jede Stadt hatte ein anderes Flair, dass es zu erkunden galt. Und Erlebnisse wie den heiligsten Berg von China, den Tai shan, bestiegen zu haben und am nächsten Morgen die aufgehende Sonne über dem nebelverhangenen Berg anzuschauen, auf der Großen Mauer gewesen zu sein oder die drei großen Schluchten des Yangtse-Flusses durchquert zu haben, werden sicherlich noch lange in schöner Erinnerung bleiben!

„Bisher habe ich nur positive Resonanz erhalten“ Interview zum Thema Akupunktur mit Li M. von MEDI-LEARN 1. Wie sind Sie zur Akupunktur gekommen? Was interessiert Sie besonders an diesem Bereich der Medizin? Ich bin Chinesin und bin mit der traditionellen chinesischen Medizin groß geworden. Meine Facharbeit auf dem Gymnasium habe ich daraufhin der Akupunktur gewidmet. Ebenso mein Thema bei Jugend forscht. Später habe ich an der Uni Bonn im Akupunkturkurs die Tutor-Rolle übernommen und gleichzeitig mein TCM-Zertifikat an der Uni Witten-Herdecke absolviert. Auch habe ich in der TCMKlinik in Kötzting hospitiert, die ich dafür jedem interessierten nur wärmstens empfehlen kann, der nicht so wie ich öfters mal nach Hong Kong oder Festland China fliegen kann, um so Erfahrungen zu sammeln. 2. Welche Möglichkeiten birgt die Akupunktur, wo sind ihre Grenzen? Akupunktur ist kein Allheilmittel. Wo Strukturen zerstört sind, kann man auch mit Akupunktur nichts mehr retten. „Akupunktur kann nur Qi bewegen, aber nicht aufbauen“. Aber für Schmerzlinderungen, gynäkologische Fragestellungen, Probleme mit der Homöostase, etc. ist Akupunktur sehr gut geeignet.

3. Bei welchen Beschwerden hilft Akupunktur? Gibt es Gegenanzeigen und Nebenwirkungen? Wie gesagt zur Schmerzlinderung, gynäkologischen Fragestellungen, Störungen der Homöostase, aber auch andere internistische Probleme, bei Hauterkrankungen und allgemein bei Allergien, und auch zur Unterstützung bei Suchtproblematiken wie Essstörungen oder Rauchen. Normalerweise gibt es bei der richtigen Anwendung keine Nebenwirkungen. Bei unrichtiger schon, von Hämatomen angefangen bis hin zu Verschlimmerungen der Symptomatik. 4. Ist die Behandlung schmerzhaft? Außer an bestimmten Punkten an den Enden der Extremitäten ist Akupunktur normalerweise nicht schmerzhaft. Man spürt lediglich ein Elektrisieren oder Druckgefühl. 5. In welchen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Akupunktur Behandlung? Bei Schmerzbehandlungen wie z.B. Migräne. 6. Wie viele Sitzungen sind bei einer Behandlung notwendig?

Das darf man pauschal nicht sagen, da jeder Patient anders ist. Außerdem kommt es sehr auf die Fragestellung an. Bei Schmerzen können es zwischen 3-20 sein, je nach Patient. Bei gynäkologischen oder internistischen Fragestellungen manchmal auch mehr. Aber da darf man sich nicht von vornherein festlegen, ohne den Patienten gesehen zu haben.

Die Skeptiker konnte ich nach spätestens 3 Sitzungen eines Besseren belehren

7. Wie lange dauert eine Sitzung? Die erste Sitzung dauert etwa eine Stunde, wegen der ausführlichen Anamnese. Die folgenden etwa eine halbe Stunde, wobei die Nadeln jeweils nur etwa 20 min. liegen. 8. Warum werden die Nadeln zum Teil erhitzt? Das kommt auf die Diagnose an. Meistens aber, um dem Körper fehlende Wärme zu geben oder bei Erschöpfungszuständen. 9. Ist die Akupunktur für alle Altergruppen geeignet, also auch für Kinder und alte Menschen?

Auf jeden Fall. Wobei man bei Kindern sich erst die Eltern dazu anschauen sollte. Sind diese sehr ängstlich, überträgt sich diese Angst auch aufs Kind und es wird unruhig. Wenn es aber ruhig ist, gibt es nichts, was dagegen spräche. 10. Wie reagieren die Patienten auf die Behandlung? Sind sie aufgeschlossen oder eher skeptisch eingestellt? Das hängt vom jeweiligen Patiententyp ab. Die meisten sind eigentlich sehr aufgeschlossen. Die Skeptiker konnte ich nach spätestens 3 Sitzungen eines Besseren belehren. 11. Wie ist die Akzeptanz unter den Kollegen? Bisher habe ich nur positive Resonanz erhalten. 12. Wie sehen Sie die Zukunft der Akupunktur in der westlichen Medizin? Sie wird sich immer mehr und immer besser etablieren, vorausgesetzt, alle erhalten eine richtige Ausbildung und die Patienten werden nicht von den „Scharlatanen“ unter den Kollegen abgeschreckt, die nur „Kochrezeptnadeln“ beherrschen.


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Akupunktur ist hier mehr als ein Placebo Heidelberger Wissenschaftler mit dem Deutschen Akupunkturpreis 2007 ausgezeichnet von Dr. Annette Tuffs

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atienten mit Darmbeschwerden können von Akupunktur profitieren: Beim sogenannten Reizdarmsyndrom beeinflusst die Behandlung mit Akupunkturnadeln das für lebenswichtige Körperfunktionen wie Blutdruck und Atmung zuständige vegetative Nervensystem und geht mit Stressabbau einher. Diese positive Wirkung tritt unter einer Placebo-Behandlung nicht auf. Für dieses innovative Forschungsergebnis wurde Dr. Antonius Schneider, Facharzt in der Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikum Heidelberg, und sein Team mit dem Deutschen Akupunkturpreis 2007 in der Kategorie „beste Forschungsarbeit“ ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Unter einem Reizdarmsyndrom leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Die Krankheitsursache ist nicht bekannt; auch ist sich die Medizin nicht einig, ob und inwieweit die Psyche dabei eine Rolle spielt. Die Patienten klagen über ein schmerzhaftes Spannungsgefühl im Bauch sowie über - im Wechsel mit Verstopfung auftretenden Durchfall, der länger als sechs Monate anhält. Eine wirksame Behandlung gibt es bislang noch nicht.

Höhere Lebensqualität auch bei simulierter Akupunktur

In ihrer Studie gingen die Heidelberger Wissenschaftler zunächst der Frage nach, ob ein Akupunkturverfahren die Lebensqualität der Patienten mit einem Reizdarmsyndrom positiv beeinflusst. Anhand eines speziellen Fragebogens wurden z.B. die Auswirkungen auf Schmerzen, die Tagesaktivität, den Schlaf und die Verdauung untersucht.

Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich

Die Probanden erhielten entweder eine „echte“ (Verum-)Akupunktur oder eine Schein (Placebo)Anwendung, die von dem Heidelberger Anästhesisten Dr. Konrad Streitberger entwickelt wurde: Bei diesem technischen Kunstgriff wird die

Akupunktur nur simuliert, ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden. „Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen, ohne dass zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied festgestellt werden konnte“, fasst Dr. Antonius Schneider das erste Ergebnis der Studie zusammen. In diesem Punkt scheint die Wirkung der Akupunktur auf psychische Faktoren zurückzuführen zu sein - man spricht auch von einem so genannten Placebo-Effekt. Eine Übereinstimmung von Verum- und Placebogruppe kann generell bei Behandlungen festgestellt werden, die der Patient für sich als intensiv und zuwendend erlebt.

Kortisolspiegel im Speichel wird gesenkt

„Wir wissen aber aus experimentellen Untersuchungen bei anderen Krankheitsbildern wie etwa dem Herzfehler oder der Depression, dass Akupunktur auch das vegetative Nervensystem des Patienten beeinflusst“, erläutert Dr. Schneider. Das vegetative Nervensystem regelt die lebenswichtigen Funktionen des Körpers wie Atmung, Herzschlag, Blutdruck, Verdauung und Stoffwechsel. In einem zweiten Schritt untersuchten die Heidelberger Wissenschaftler daher, ob Akupunktur bei Patienten mit einem Reizdarmsyndrom auch physiologische Wirkungen haben kann, also körperliche Funktionen verändert oder beeinflusst.

Dabei konnten sie einen positiven Effekt auf das so genannte parasympathische Nervensystem nachweisen - der Teil des vegetativen Nervensystems, der erholungsund entspannungsfördernde Anreize vermittelt. Durch Messungen im Speichel der Patienten fanden sie heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt. Ein gestärkter Parasympathikus und ein erniedrigter Kortisolspiegel bedeuten auch geringeren Stress. Darüber hinaus ging die Stärkung des Parasympathikus mit einer Besserung der Schmerzen einher. „In der Placebo-Gruppe der Reizdarmsyndrom-Patienten konnte diese eindrucksvolle Stärkung des parasympathischen Nervensystems nicht beobachtet werden“, stellt Dr. Schneider fest. An der Heidelberger Studie nahmen insgesamt 43 Patienten teil, die über fünf Wochen jeweils zweimal wöchentlich akupunktiert wurden. Was die Ergebnisse letztlich für die praktische Medizin bedeuten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar sagen. „Noch überblicken wir den genauen Mechanismus des physiologischen Effekts der Akupunktur nicht in allen Einzelheiten“, erklärt Dr. Schneider. Zusätzliche, breiter angelegte Studien sind notwendig, um diesen Effekt für die Behandlung des Reizdarmsyndroms nutzbarer zu machen.

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Die Akupunktur-Famulatur

die Taiwanesen auch immer helfen. Sie waren sehr aufgeschlossen und stets an unserem Wohlergehen interessiert.

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Traditionelle Chinesische Medizin in Taiwan von Juliane Barth

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ine Famulatur im fernen Ausland zu machen, das war mein Wunsch. Einmal eine völlig andere Kultur eines anderen Landes kennen lernen! Asien interessierte mich dabei besonders, und da mich die Famulaturberichte anderer Studenten, die in Taiwan waren, sehr begeisterten, bewarb ich mich. Meine Freude war riesig, als Anfang des Jahres dann die Zusage des dfa (Deutscher Famulantenaustausch) für eine Famulatur in Taiwan kam.

mir in Deutschland geben lassen. Die Impfung gegen japanische Encephalitis hätte hier rund 130 Euro gekostet. Wenn man sich nicht gerade in den Reisfeldern herumtreibt, ist sie aber nicht unbedingt angezeigt. Da ich ja in Taiwan im Krankenhaus praktisch an der Quelle war, habe ich mich dort doch dagegen impfen lassen – für umgerechnet neun Euro. Ein merklicher, kaum zu übersehender Unterschied!

Den Flug buchte ich im Mai. Mit China Airlines kostete der Flug von Frankfurt nach Taipeh 893 Euro, was letztendlich das günstigste Angebot war. Wenn man den Flug später bucht, wird es nicht unbedingt teurer, es kann aber sein, dass keine Plätze mehr frei sind.

Die Landessprache in Taiwan ist Mandarin, welches uns als das „Standard-Chinesisch“ bekannt ist. Ohne jegliche Sprachkenntnisse bin ich angereist, und es hat dennoch geklappt. Die Ärzte und die Kontaktpersonen können recht gutes Englisch. In kleinen Läden oder an Ständen sieht das Ganze schon anders aus. Da funktioniert es eher, mit Händen und Füßen zu kommunizieren oder ganz einfach mit Draufzeigen. Am Ende bekommt man meistens doch was man will, auch wenn es manchmal etwas länger dauert.Man kann sich auch von den Kontaktpersonen Begriffe aufschreiben lassen und diese dann vorzeigen. Das Sprechen an sich ist nämlich teilweise sehr schwierig, da es im Chinesischen vier verschiedene Tonhöhen gibt. Man sollte sich auf keinen Fall scheuen, seine neu gelernten Wörter zu sprechen. Meistens wird einem von den hilfsbereiten Tai-

Wer nicht durch Reisfelder watet, braucht keine EncephalitisImpfung Touristenvisum wählen!

Wenn man länger als 30 Tage in Taiwan bleiben will, muss man sich zusätzlich noch ein Visum besorgen. Das kostet 28 Euro. Ich habe es mir in der taiwanesischen Botschaft in Berlin ausstellen lassen. Tipp: Man sollte lieber ein „visitor´s visum“ beantragen, denn wenn man sagt, dass man in Taiwan arbeiten oder ein Praktikum machen möchte, könnte das Probleme geben. Wichtig zu bedenken sind ebenfalls die Impfungen, wenn man nach Asien fährt. In Taiwan werden Hepatitis A und B (welche ich schon hatte), Typhus und japanische Ence phalitis empfohlen. Die Typhusimpfung habe ich

Mit Händen und Füßen

wanesen schnell und unkompliziert weitergeholfen.

Zwischen Bergen und Meer

Für jemanden wie mich, der noch nie in Asien war, ist Hualien ein sehr guter Einstieg. Hualien ist nicht allzu groß, die Stadt hat etwa 200.000 Einwohner. Für europäische Verhältnisse würde ich Hualien nicht gerade als schön bezeichnen, was die Architektur betrifft. Das ist aber fast überall in Taiwan der Fall. Dafür wird man nicht gleich vom Großstadt-Getümmel erschlagen, es ist überschaubar und fast ein bisschen gemütlich, so dass man sich dort recht wohl fühlen kann. Außerdem liegt Hualien direkt zwischen den Bergen und dem Meer, und die Natur in der Umgebung ist sehr schön. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass ich die Zeit meiner Famulatur in Hualien verbringen konnte. Die Bevölkerung in Taiwan ist im Allgemeinen sehr freundlich, und da wir als Deutsche zwischen den ganzen Asiaten sehr aufgefallen sind (man hat wirklich so gut wie keine Nichtasiaten gesehen), wollten uns

Meistens arbeitet die TCM mit anderen medizinischen Gebieten zusammen

Wir waren im August vier deutsche Famulanten. Unsere freundlichen und hilfsbereiten Kontaktpersonen organisierten für uns ein Willkommens- sowie ein Abschiedsessen am Ende. Sie regelten für uns die Formalitäten im Krankenhaus und halfen uns bei anderen Dingen, wie z.B. dem Ausleihen eines Mietwagens. Wenn wir Fragen hatten, ließen sie uns nie im Stich. Wir sind sehr dankbar dafür!

TCM hautnah

Meine Famulatur habe ich in dem buddhistischen Tzu Chi Hospital absolviert und war dort auf der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Ich musste täglich, entweder vormittags oder nachmittags, drei bis fünf Stunden ins Krankenhaus und war dort einer kleinen Gruppe von drei bis sechs Studenten zugeteilt, die dem Arzt zusahen. Der Klinikalltag bestand hauptsächlich aus der Sprechstunde und Akupunkturen. Die Patienten, die zur


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Das Akupunktieren war für mich sehr interessant und man konnte bei einigen Patienten wirklich gute Fortschritte sehen. Besonders gefallen hat mir, dass wir anfangs selbst ein paar Nadeln an uns gegenseitig ausprobieren konnten und später dann auch die Patienten akupunktieren durften. Die Ärzte haben uns dabei stets viel erklärt und gezeigt, so dass wir in dem Monat einiges lernen konnten. In der Sprechstunde selbst konnte ich nicht so viel verstehen, weil sich der Arzt mit seinen Patienten auf Mandarin unterhielt. Meist hat er uns aber doch gesagt, um was es geht, sonst hat es uns einer der taiwanesischen Studenten übersetzt. Neben dem Akupunktieren konnten wir u.a. bei Moxibutionen, Aderlässen und beim Schröpfen zusehen oder es selbst ausprobieren. Eigentlich war es von den Kontaktpersonen so vorgesehen worden, dass ich die ersten zwei Wochen zur TCM und die nächsten zwei Wochen in die Gynäkologie gehen sollte. Da es mir bei der TCM aber so gut gefiel, blieb ich den ganzen Monat dort. Die Ärzte waren so freundlich und überhaupt nicht so arrogant, wie man es des Öfteren bei uns erlebt. Das ganze Arbeitsklima war sehr angenehm und hat richtig Spaß gemacht! Bewundernswert fand ich auch die Schwestern, die noch nach 12 Stunden Arbeit immer noch ein Lächeln im Gesicht hatten. Wenn man aber eventuell in einem anderen Fach eine Famulatur machen will, ist das ebenso ratsam, denn die medizinische Ausstattung der Geräte und Techniken ist in Taiwan sehr modern.

Isomatte mitnehmen!

Die Studenten sind in einem Wohnheimkomplex untergebracht, welcher nicht weit von der Uni und dem Krankenhaus entfernt ist. Es gibt zwei Wohnheime, nach Geschlechtern getrennt. Die Zimmer sind für vier Studenten ausgelegt, aber wenn man Glück hat, bekommt eines alleine zugeteilt. Was für uns Europäer sehr gewöhnungsbedürftig war, ist, dass die Taiwanesen auf dem Holzboden schlafen! Zum Glück bekam ich von einer Kontaktperson eine Bastmatte zum Drunterlegen. Es ist also ratsam, sich eine Isomatte mitzunehmen. Ansonsten waren auf dem Unigelände noch Lehrgebäude, die Mensa, die Bibliothek, in der man das Internet nutzen konnte, ein Sportplatz mit Laufbahn und ein Sportgebäude mit Turn- und Schwimmhalle sowie Fitnessraum. Praktisch alles vorhanden!

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18.08.2006

15:56 Uhr

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SCHMITTGALL, STUTTGART

Abteilung der TCM kamen, waren oft solche, bei denen andere Fachrichtungen der Medizin sich als nicht wirksam erwiesen haben. Meistens war aber die Zusammenarbeit der TCM mit anderen medizinischen Gebieten Voraussetzung für eine Therapie. Die Krankheitsbilder in der TCM waren sehr vielfältig: Von einfachen Muskelverspannungen über Stress, Schlafstörungen und Menstruationsbeschwerden bis hin zu Schlaganfällen und Lähmungen, um nur einen kleinen Einblick zu geben.

Besonders begeistert haben mich die hilfsbereiten

Menschen

Von der Uni aus bekamen wir Studenten drei Mal täglich in der Mensa Verpflegung gestellt. Da die Uni buddhistisch ist, ist die Mensa vegetarisch und – ganz anders als der deutsche versorgungsgastronomische Alltag – wirklich lecker! Es ist aber kein Problem, sich etwas in den typischen Garküchen oder Nachtmärkten zu holen. Da ist es aber vielleicht besser, man nimmt sich einen Landeskundigen mit, der erklären kann, was es so gibt. Probierfreudig sollte man aber schon sein, das kann in Taiwan nun wirklich nicht schaden.

Medizinische Fachbegriffe sucht man nicht im Grünen

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Das Land des Lächelns

Taiwan ist ein schönes Land mit einer traumhaften Natur! Besonders begeistert haben mich die hilfsbereiten Menschen, die immer ein Lächeln auf ihren Lippen tragen. Auch fachlich war der Aufenthalt ein großer Zugewinn, da ich in der Famulatur sehr viel über Akupunktur lernen konnte. Von negativen Erfahrungen kann ich in der Tat nichts berichten. An meine Zeit in Taiwan erinnere ich mich sehr gerne zurück und würde jedem dort eine Famulatur empfehlen.

Ausgabe 2007/2008

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Akupunktur bei Kniearthrose Als Erfolg definierte man eine mindestens 36%ige Verbesserung von Dr. Annette Tuffs

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n der soeben publizierten geracGonarthrosestudie* - eine von vier kontrollierten Studien des gerac-Modellprojekts** - linderte eine Akupunkturbehandlung Schmerzen und Funktionseinschränkung bei Kniearthrose signifikant besser als die Standardtherapie mit Medikamenten und Krankengymnastik. Dabei war allerdings eine „Schein“Akupunktur mit oberflächlicher Nadelung an Punkten, die nicht als Akupunkturpunkte definiert sind, ebenso wirksam wie die Akupunktur nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), betont Prof. Norbert Victor vom Institut für Medizinische Biometrie und Informatik (IMBI) der Universität Heidelberg.

Als Erfolg definierte man eine mindestens

36%ige Verbesserung Die dreiarmige Studie an über 1000 Patienten wurde von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg geplant, durchgeführt und ausgewertet. Alle Patienten erhielten die Standardversorgung mit Medikamenten nach Bedarf und Krankengymnastik. In allen drei Behandlungsgruppen gab es zehn Arztbesuche. In den beiden Akupunkturgruppen erhielten die Patienten zusätzlich entweder 10 Behandlungen mit einer TCMAkupunktur nach Lehrmeinungen der Deutschen Akupunkturgesellschaften bei Knieschmerzen, oder eine „Schein“-Akupunktur. Hierbei wurden insgesamt zehn Nadeln oberflächlich und ohne Stimulation an ausgewählten Punkten gestochen, die nicht definierten Akupunkturpunkten entsprachen und nicht unmittelbar am Knie, sondern im Bereich des Knöchels, der Oberschenkel und am Arm lagen. Als Erfolg definierte man eine mindestens 36%ige Verbesserung auf einer international anerkannten Bewertungsskala (WOMAC-Score), die sowohl Schmerz, Funktionali-

tät als auch Gelenksteifigkeit erfasst. Die Messung erfolgte nach 26 Wochen. Die Erfolgsraten betrugen 29% für die Standardtherapie, 53% für die TCM-Akupunktur und 51% für die Sham-Akupunktur. Beide Akupunkturtechniken waren deutlich wirksamer als die Standardtherapie, ein merklicher Unterschied zwischen den beiden Akupunkturbehandlungen zeigte sich nicht. Neben der langfristigen Verbesserung des Befindens der Patienten war auch der wesentlich geringere Verbrauch an Schmerzmedikamenten in den beiden Akupunkturgruppen gegenüber der Standardtherapiegruppe bemerkenswert. Die beobachtete gleiche Wirksamkeit beider Akupunkturschemata zeigt, dass für eine erfolgreiche Behandlung die Punktauswahl nicht zwingend nach den Kriterien der TCM erfolgen muss und außerdem ein oberflächliches Stechen ausreicht. Da diese Aussage streng genommen nur für die in der Studie gewählten Therapieschemata zutrifft, kann daraus nicht gefolgert werden, dass es gleich ist, wie und wohin man sticht, betont Prof. Victor. Somit kann die gerac-Studie keinen Beweis für oder gegen eine spezifische Wirksamkeit einer TCMbasierten Akupunktur bieten. Vermutlich tragen drei Komponenten zur Wirkung bei: - Das Stechen „an sich“, - die intensivere Zuwendung der behandelnden Ärzte, und - die Erwartungshaltung der (von etablierten Therapien enttäuschten) Patienten.

Forschung im Bereich Patientenverweitere

sorgung ist dringend notwendig.

Auf der Basis der Ergebnisse dieser Studie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 18.04.2006 empfohlen, dass (neben Rückenschmerzen) Akupunk-

tur - als Teil einer multimodalen Behandlung - bei chronischen Knieschmerzen zukünftig Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen wird. Grundlage des Beschlusses der GBA war die in den gerac-Studien festgestellte Überlegenheit der Akupunktur über die Standardtherapie in den Indikationen Knieschmerz und Rückenschmerz. Dies war bei Migräne und Spannungskopfschmerz nicht der Fall, weshalb die Akupunktur für diese beiden Indikationen nicht als Kassenleistung anerkannt wurde.

Fazit:

Die derzeitige Standardversorgung von Patienten mit chronischen gonarthrosebedingten Schmerzen ist unzureichend, daher ist weitere Forschung im Bereich Patientenversorgung dringend notwendig. * Durch Einbeziehung einer Akupunkturbehandlung in ein multimodales Behandlungskonzept kann das Befinden der Patienten und die Wirksamkeit deutlich verbessert werden. * Gleichzeitig kann der Bedarf an Schmerzmitteln (und das damit verbundene Risiko unerwünschter Nebenwirkungen) reduziert werden. * Wesentliche Unterschiede in der Wirkung einer TCMAkupunktur und einer „Schein“-Akupunktur mit oberflächlichem Stechen an

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*

Nicht-TCM-Punkten existieren nicht; die Notwendigkeit eines Stechens tiefer als 0.5 cm ist daher zu hinterfragen. Offenbar wurde auch die Bedeutung der Punktspezifität der Akupunktur bislang überschätzt. Bei dem für die Studie definierten „Schein“-Akupunkturschema handelt es sich wahrscheinlich um eine „echte“ Akupunktur im Sinne einer Minimalakupunktur und nicht um eine Placebo-Akupunktur, bei der - für die Patienten nicht ersichtlich - gar nicht gestochen wird. Die Kritiker der Akupunktur werden durch die Ergebnisse aufgefordert, ihre ablehnende Haltung zu dieser Therapieform kritisch zu überdenken. Die Vertreter der Akupunktur nach Regeln der TCM sind durch die Ergebnisse aufgefordert, ihre Akupunkturschemata zur Behandlung chronischer Knieschmerzen im Sinne eines wirksamen minimal-invasiven Vorgehens zu optimieren. Patienten mit chronischen Knieschmerzen können in Zukunft (wahrscheinlich ab dem 1.Oktober 2006) Akupunkturtherapie auf Kassenkosten beanspruchen, allerdings nur einmal pro Jahr und nur bei qualifizierten Ärzten (dies wären momentan lediglich 1.400 im gesamten Bundesgebiet!). An einer Akupunkturbehandlung interessierte Patienten sollten sich deshalb umgehend bei ihrer Kasse über in Frage kommende Ärzte und Behandlungsmethoden informieren.


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Deutscher Lehrstuhl für TCM private Krankenversicherungsunternehmen Deutschlands und die Muttergesellschaft der HanseMerkur Versicherungsgruppe, des einzigen selbstständigen und konzernunabhängigen Assekuranzunternehmens am Finanzplatz Hamburg, das bundesweit tätig ist. Die HMK hat 800000 Kunden und

bieten, hat sich die HanseMerkur erfolgreich im Markt positioniert. Dazu kommt die führende Position bei der Erstattung naturheilkundlichmedizinischer Leistungen. Auch mit ihrem aktiven Gesundheitsmanagement sowie im Beratungsservice für Kunden, zum Beispiel über ein Gesundheitstelefon mit Fachärzten zum Ortstarif und eines der umfangreichsten Gesundheitsportale im Internet (www.diegesundheitsprofis.de), setzt die HanseMerkur Akzente.

erwirtschaftete in 2005 ein Beitragsvolumen von 401,6 Millionen Euro. Als Spezialist für den privaten Ergänzungsversicherungsschutz hat sich die HMK bundesweit einen Namen gemacht. Schon im Jahre 1989 war das Unternehmen der erste Krankenversicherer, der die Leistungskürzungen der Blümschen Gesundheitsreform mit dem Tarif ES ausglich. Heute ist die HanseMerkur durch Kooperationen mit den Ersatzkassen DAK, Hamburg Münchener und HEK sowie mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) und der Drogeriekette Budnikowsky (BUDNI) drittgrößter Anbieter von privatem KrankenZusatz¬versicherungsschutz für gesetzlich Versicherte. Eine Brillenversicherung wurde 2004 für Deutschlands größte Optikerkette Fielmann entwickelt, die bislang über 1,6 Millionen Mal verkauft wurde. Aber auch über innovative Krankenvollversicherungs-Tarife, die attraktive Leistungsvorteile für Frauen, Kinder und höherverdienende Angestellte sowie Selbstständige

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) umfasst heute in 15 Zentren mehr als 80 interdisziplinär zusammenarbeitende Kliniken, Polikliniken und Institute. Mit 1495 Betten ist es eines der größten Krankenhäuser in Hamburg. Jährlich nimmt das Klinikum etwa 52 000 Patienten stationär auf. Hinzu kommen 200 000 ambulante Behandlungen und rund 50 000 Notfälle. Wie alle Universitätskliniken leistet das UKE eine umfassende Krankenversorgung, alle bekannten und verbreiteten Krankheiten werden behandelt. Neue Forschungserkenntnisse und Behandlungsmethoden finden Eingang in die Diagnose und Therapie von Erkrankungen. Viele Therapien können in Hamburg und Umgebung nur hier erfolgen - zum Beispiel Transplantationen von Herz, Lunge, Leber, Niere und Knochenmark. In über 160 Spezialsprechstunden finden Patienten Rat und Hilfe - besonders bei chronischen, seltenen und schwierig zu behandelnden Krankheiten. Von den rund 6500 Beschäftigten des UKE sind über 1300 Ärzte und Naturwissenschaftler. Im Pflegedienst arbeiten fast 3000 Menschen als Krankenschwestern, Pfleger oder Therapeuten. Rund 1000 Mitarbeiter sind in den Laboren oder Untersuchungsbereichen beschäftigt, während mehr als 1000 Menschen in der Technik, der Verwaltung und den Betriebsdiensten tätig sind.

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf richtet TCM-Institut ein von Dr. Marion Schafft

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ie private HanseMerkur Krankenversicherung aG, Partner der CHINA TIME 2006 in Hamburg, ist Stifter des ersten deutschen Lehrstuhls für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Hier soll Anfang 2007 ein Institut für TCM auf dem Gebiet der Forschung, Lehre und Krankenversorgung eingerichtet werden mit dem Ziel, die Behandlungserfolge der fernöstlichen Heilkunst einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen und die Wirkungsweise der TCM-Therapieverfahren zu erforschen. Die Finanzierung der Stiftungsprofessur, die den Titel „HanseMerkur-Lehrstuhl für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) am UKE“ tragen wird, ist zunächst auf fünf Jahre angelegt

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eines der ältesten medizinischen Diagnose- und Heilverfahren der Welt. Ihre Anfänge liegen 6000 bis 8000 Jahre zurück. Die ersten bekannten Textbücher sind über 2000 Jahre alt. Therapiemethoden der TCM (Arzneitherapie/Kräuterheilkunde, Akupunktur und Moxibustion, Tuina-Massage, Diätetik sowie Qigong und Taijiquan) werden weltweit an jährlich 800 Millionen Menschen auch außerhalb

„Wir erwarten,

Qualitätsstandards für die TCM-Medizin neu zu definieren“ Chinas angewendet. Der geschätzte Umfang aller Dienstleistungen und Waren der TCM wird in Deutschland auf über drei Milliarden Euro jährlich geschätzt. Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach ergab 2005, dass sich zwei von drei Deutschen im Krankheitsfall am liebsten durch eine Kombination aus Schulmedizin und TCM behandeln lassen würden. „Wir freuen uns, dass wir mit dem UKE eine der renommiertesten deutschen Universitätskliniken als Partner gewinnen konnten“, erklärte Fritz

Horst Melsheimer, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur Versicherungsgruppe aus Anlass der Bekanntgabe der TCM-Stiftungsprofessur. „Die HanseMerkur hat als eines der ersten Unternehmen der Privaten Krankenversicherung auf den Trend zur immer stärkeren Nachfrage nach alternativmedizinischen Verfahren reagiert. Wir bieten bereits seit 1992 marktführende Ergänzungsschutzund Krankenvollversicherungsta-

rife bei der Erstattung naturheilkundlich-medizinischer Leistungen an. Dazu zählen auch Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Wir erwarten, dass die wissenschaftliche Untersuchung dieser asiatischen Heilverfahren dazu beitragen wird, transparente Qualitätsstandards für die TCM-Medizin in Deutschland zu definieren. Nur so können wir unseren Kunden neben hochwertigen schulmedizinischen Leistungen auch optimale und damit effizientekomplementärmedizinische Behandlungsverfahren anbieten.“ Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor des UKE, ergänzt: „Als Verfechter einer evidenzbasierten Medizin freue ich mich sehr, dass die HanseMerkur dem UKE die Möglichkeit gibt, die Wirkungsmechanismen von TCMVerfahren zu erforschen und damit einen wissenschaftlichen Beitrag zu mehr fundiertem Wissen über TCM zu leisten. Mit dem Stiftungslehrstuhl wollen wir die nachweislichen Erfolge der TCM klar von dem Graubereich der Paramedizin abheben, in dem noch allzu viel Glauben statt Wissen floriert.“ Die HanseMerkur Krankenversicherung aG (HMK) ist das zweitälteste


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„Es war ein wohliges Gefühl“ Interview zum Thema Akupunktur mit Nadine Pohlmann von MEDI-LEARN 1. Wegen welcher Beschwerden lassen Sie sich akupunktieren? Nach einem Trauma habe ich eine Epicondylitis (ulnaris humeri) entwickelt. Auch bekannt als “Golferarm“. 2. Aus welchen Gründen haben Sie sich für Akupunktur entschieden? Mein Arzt hat mir zahlreiche Therapiemöglichkeiten angeboten. Über Akupunktur hatte ich schon viel gelesen. Nun entschied ich mich also auch für diese schonende Methode. 3. Sind Sie eigenhändig auf den Arzt zugegangen oder hat Ihnen Ihr Arzt zur Akupunktur geraten? Mein Arzt empfahl mir die Akupunktur. Ich wusste, dass er sehr gut weiter gebildet war und somit nahm ich seinen Vorschlag an. 4. Welchen Effekt haben Sie bereits nach der ersten Sitzung verspüren können? Wie hat sich die Akupunktur langfristig ausgewirkt? Nach der ersten Sitzung habe ich gemerkt, dass in meinem Körper etwas passiert ist. Es war ein wohliges Gefühl. Ich lag auf der Liege, war leicht zugedeckt und spürte einen Fluss von Energie. Nach der ersten Sitzung waren die Beschwerden sofort etwas besser geworden. Da meine Verletzung akut war, war ich erstmal erleichtert. Langfristig habe ich ein positives Gesamtergebnis verzeichnen können. Natürlich musste ich auch andere Dinge unbedingt einhalten, wie Ruhigstellung und nachts Verbände, dass ich den Ellenbogen nicht zu sehr beuge. Aber alles zusammen führte zur Beschwerdefreiheit.

Es gab auch Stellen, wo ich einen leichten

Stromschlag bekam. 5. Hatten Sie „Angst“ vorm ersten Mal „gestochen werden“ oder haben Sie alles auf sich zu kommen lassen?

Ich habe es auf mich zukommen lassen. Und als ich die Nadeln gesehen habe, mein Arzt mir alles im Detail erklärt hatte, war ich gespannt wie es sich anfühlt. Die Nadeln sind so dünn, das ist wirklich nichts, wovor man sich fürchten muss. 6. Wie viele Sitzungen sind notwendig und wie lange dauert eine Sitzung und wie läuft sie grundsätzlich ab? Werden die Nadeln eingestochen und dann an einem Ort belassen oder wechselt der Akupunkteur im laufe einer Sitzung auch die Einstichstellen? Bei mir waren 12 Sitzungen nötig. Zeitlich war es wenig aufwendig, 25-30 Minuten durfte ich ruhen. Jede Sitzung wurde ich in ein Zimmer gebeten und zog meine Kleidung soweit wie nötig aus und legte mich auf eine Liege. Der Arzt platzierte die Nadeln. Diese wurden an der Einstichstelle belassen. Am Ende der Sitzung hat mein Arzt jedoch noch etwas provoziert und die Nadeln etwas gedreht.

9. Haben sich die Beschwerden gebessert? Ging die Verbesserung schlagartig vor sich oder stellte sie sich eher stufenweise ein? Meine Beschwerden haben sich sehr gebessert. Anfangs konnte ich kaum eine Bewegung mit meinem Ellenbogen machen. Die ersten Sitzungen haben die Beschwerden deutlich gebessert. Das war ein toller Erfolg. Die Schmerzen ließen schnell und deutlich nach. Dann hat es jedoch noch einige Sitzungen gedauert, bis die Schmerzen ganz weg waren.

Komplette Schmerzfreiheit habe ich dann schließlich durch Schonung und eine Bandage erreicht. 10. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Zu dem Zeitpunkt war ich Privat versichert. Meine Kasse hat die Kosten voll übernommen. 11. Würden Sie Akupunktur weiterempfehlen? Ja, auf jeden Fall. Es ist eine schonende Methode. Es nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, aber diese Zeit lohnt sich, um sie in die eigene Gesundheit zu investieren. Ein Versuch ist die Akupunktur allemal wert!

7. Wie fühlt sich der Einstich einer Nadel an und womit ist er vergleichbar? Kaum zu spüren, eher ein leichtes Zwicken oder doch der merkliche Pieks, der weh tut? Das war unterschiedlich. Bei einigen Nadeln hatte ich das Gefühl kaum etwas zu spüren. Es gab jedoch auch Stellen, besonders am Fußgelenk, an denen ich das Gefühl hatte, einen ganz leichten Stromschlag zu bekommen. Das war jedoch nicht schlimm. Manchmal hatte ich das Gefühl, bei 1-2 Nadeln, dass es etwas „drückt“. Sonst war es sehr gut auszuhalten. 8. Gibt es Nebenwirkungen? Bei mir gab es keine Nebenwirkung. Da die Einstichstellen gut desinfiziert werden ist das Risiko einer lokalen Infektion minimal. Ich rate jedoch nicht dazu, sich bei einer Erkältung akupunktieren zu lassen. Ich hatte das Gefühl, dass die Akupunktur mir die Kräfte für das Immunsystem geraubt hat. apoBank Anzeigen 105-07.indd 1

18.12.2007 9:43:37 Uhr


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Wer heilt, hat Recht?

Komplementär- und Alternativmedizin als Wirtschaftsfaktor von Dr. Heinrich Cuypers

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er heilt, hat Recht? ist eine der zentralen und provokanten Fragestellungen der 3. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft, die in Anwesenheit der Bundesministerin für Gesundheit, Ulla Schmidt, und auf Einladung des Landes MecklenburgVorpommern von Donnerstag, 24. Mai 2007, bis Freitag, 25. Mai 2007, im Kongresszentrum der Yachthafenresidenz Hohe Düne in Rostock/ Warnemünde stattfindet (siehe Programm-Anhang und Anmelde-Fax

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN Bahnhofstraße 26b 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0 Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de Internet: www.medi-learn.de ISSN: 1860-8590 Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Marlies Lehmkuhl, Lilian Goharian, Angelika Lehle, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf Layout & Graphik: Kjell Wierig Berichte: Martin Wendland, Beata Hajduk, Petra Schultze, Rudolf-Werner Dreier, Reinhilde Ziegler, Marita Voelker Albert, David Simons Anzeigenbetreuung: Christian Weier Olbrichtweg 11 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0 Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn. de – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: istockphoto.com, photocase.com, stock.xchng, Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungs­berichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel

für Medienvertreter). Rund 600 geladene nationale und internationale Branchenexperten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik werden auf der zweitägigen Konferenz die zunehmende Bedeutung der Komplementär- und Alternativmedizin als Wirtschaftsfaktor analysieren sowie deren Chancen, Grenzen und Standards diskutieren.

Etwa zwei Drittel aller Deutschen wenden pro Jahr eine Therapie an

Die Debatte um die Wirksamkeit der komplementär- und alternativmedizinischen Methoden ist so alt, wie die Schulmedizin selbst. Andererseits ist die ökonomische Bedeutung der Komplementär- und Alternativmedizin in den letzten Jahren enorm ge-

stiegen. Etwa zwei Drittel aller Deutschen wenden pro Jahr mindestens eine komplementäre oder alternative Therapie an. Über Akupunktur und Ayurveda bis hin zu Anwendung von Heilpflanzen und Reiki - die Vielfalt der Methoden scheint unerschöpflich. Insbesondere im Gesundheitstourismus kommt heutzutage kaum ein Anbieter an den Angeboten der Komplementär- und Alternativmedizin vorbei. Jedoch werden diese Methoden vielfach noch nicht von den Experten der traditionellen (Schul-) Medizin anerkannt. Weshalb? Zum Erfahrungsaustausch zwischen westlicher und fernöstlicher Medizin mit ihren über 3.000jährigen Wurzeln referiert der Direktor des renommierten Medizinischen Klosterzentrums Manba Datsan (Ulaanbaatar/ Mongolei) Khamba Lama Prof. Dr. Damdinsuren Natsagdorj. „Khamba Lama“ steht für „Großer Lehrer“ und

nimmt in der Rangfolge der Buddhistischen Medizin-Lehre eine herausragende Position ein. Insbesondere Menschen mit chronischen Leiden, denen mit der sogenannten Schulmedizin oftmals nur unzureichend geholfen werden kann, fragen verstärkt nach fernöstlichen Heilverfahren als Ergänzung zu den herkömmlichen Methoden. Hier erweist sich die Mongolische Medizin als besonders erfolgreich. Offizielles Partnerland der 3. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft ist die Republik Island, die mit einer Regierungsdelegation in Rostock/Warnemünde vertreten sein wird. Durch das weitere Fachprogramm führen hochrangige Referenten und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Eine begleitende Ausstellung führender Unternehmen und Institutionen der Gesundheitswirtschaft in der Bundesrepublik sowie die angenehme Gesprächsatmosphäre in der Yachthafenresidenz direkt am Meer bieten wieder Gelegenheit zum Meinungsaustausch und fachlichen Diskurs.

„Nein, ich hatte keine Angst“ Interview zum Thema Akupunktur mit Simone G. von MEDI-LEARN

1. Wegen welcher Beschwerden lassen Sie sich akupunktieren? Wegen Rückenschmerzen 2. Aus welchen Gründen haben Sie sich für Akupunktur entschieden? Es kam irgendwie so, der Arzt schlug es vor und ich versuchte es. 3. Sind Sie eigenhändig auf den Arzt zugegangen oder hat Ihnen Ihr Arzt zur Akupunktur geraten? Es entstand in einem Gespräch über andere Themen, dass man eben auch Akupunktur machen könnte, neben Spritzen. 4. Welchen Effekt haben Sie bereits nach der ersten Sitzung verspüren können? Keinen Effekt nach der ersten Sitzung, Langzeiteffekte sehe ich nur bedingt. Rücken ist aber insgesamt besser. 5. Hatten Sie „Angst“ vorm ersten Mal „gestochen werden“ oder haben Sie alles auf sich zu kommen lassen?

Nein, ich hatte keine Angst, es tat nur doller weh als erwartet 6. Wie viele Sitzungen sind notwendig und wie lange dauert eine Sitzung und wie läuft sie grundsätzlich ab? Ich ging 8x hin, die Stellen waren wohl meist identisch, es wurde auch nicht nachstimuliert, als ich allerdings mir eine Prellung zuzog, kamen noch weitere Stellen hinzu. 7. Wie fühlt sich der Einstich einer Nadel an und womit ist er vergleichbar? Kaum zu spüren, eher ein leichtes Zwicken oder doch der schermzhafte Pieks? Es war doch ein deutlicher Stich, v.a. am kl. Finger und am Ellbogen. 8. Gibt es Nebenwirkungen? Nein 9. Haben sich die Beschwerden gebessert? Ja insgesamt sind die Beschwerden deutlich besser, aber woran

es nun lang, weiß ich nicht genau (Lebensveränderung, mehr Stehende Tätigkeit als vorher, weniger schreiben, Spritzen oder Akupunktur). 10. Falls konventionelle Therapien ebenfalls zuvor versucht wurden: wie würden Sie den Effekt der herkömmlichen Therapie mit dem der Akupunktur vergleichen? Die herkömmliche Therapie wirkte auf jeden Fall direkter und war auch spürbarer nach den Sitzungen, ich weiß nur nicht, wie lange der Effekt der Kon. Therapie anhielt. 11. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Jein, 70% 12. Würden Sie Akupunktur weiterempfehlen? Jein, ggf. bei Kopfschmerzen . Bei Rückenschmerzen würde ich es erst mal mit Krankengymnastik versuchen.


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Ohne Ballast zum Physikum

Nadeln in Brasilien Das SEIRIN®-Akupunkturspecial von Melanie Schuster

A

Perfekt vorbereitet für die Prüfung:

kupunktur in Brasilien!? Copacabana, Zuckerhut und Karneval - beim Gedanken an Brasilien ist Akupunktur vielleicht nicht das erste was einem in den Sinn kommt. Doch nach Durchlesen der Beschreibung eines Research Exchange Projekts auf der bvmd homepage für Akupunktur in Brasilien stand für mich fest - das muss es sein!

▪ kurze, prägnante Darstellung des Stoffes

Bewerbung

▪ Merksätze und Tipps zum Lernen ▪ „Das bringt Punkte“ fürs Schriftliche ▪ „Facts fürs Mündliche“

Effektiver Lernen ▪ lernpsychologische Aufteilung der Inhalte ▪ 30 handliche Lernhefte ▪ mit Tipps für Pausen

Da ich mich sowohl für Brasilien als auch für Akupunktur begeistere bewarb ich mich im März 2006 beim bvmd Austausch für einen Platz beim Research Exchange. Im Vergleich zum großen Bruder, der Professional Exchange (Famulantenaustausch) hat man beim Research Exchange noch wenige Monate vor dem gewünschten Beginn die Chance auf einen Platz im Ausland. Des weiteren können sich sowohl Vorkliniker als auch Kliniker bewerben. Aus der enorm großen Datenbank an interessanten Projekten muss man sich für drei unterschiedliche Projekte entscheiden und mit etwas Glück kann man in das gewünschte Land zum präferierten Projekt.

Vorbereitung

So war es auch bei mir als ich bereits wenige Wochen nach meiner Bewerbung eine Zusage aus Brasilien bekam. Da ich früh den Bescheid bekam konnte ich den Flug nach Brasilien bereits Mitte April buchen wodurch ich noch einen

verbreitet ist war in der Hinsicht keine Gefahr gegeben. Sprachlich gesehen ist es hilfreich einen Portugiesisch oder Spanisch Kurs zu machen da vor allem die Patienten in den wenigsten Fällen Englisch sprechen.

Vor Ort

Am Flughafen holte mich Julia ab und brachte mich zu meinen „Hosts“- zwei Medizinstudenten, Roani und Jackson, die ihr freies WG-Zimmer gerne Austauschstudenten zur Verfügung stellten. Unterkunft und Verpflegung ist beim bvmd Research Exchange mit enthalten. Die beiden Jungs waren vom ersten Moment an super freundlich wenn auch teilweise etwas chaotisch. Doch trotz nächtlicher Fußballspiele und Gesangseinlagen in der Wohnung fühlte ich mich dort sehr wohl.

Die Akupunktur

Roani, bei dem ich wohnte brachte mich am ersten Tag in die Akupunktur- Ambulanz. Sie bestand aus drei kleinen Räumen mit 8 Liegen die von verschiebbaren Trennwänden in Frauen und Männerbereich unterteilt waren. Die vier Residents (Assistenzärzte) und die beiden Oberärzte empfingen mich mit ihrer warmen brasilianischen Art sehr herzlich. Nach einer kurzen Einführung kamen um halb neun die er-

sten Patienten. Die Diagnosen waren weitreichend- von Gelenkschmerzen über Migräne bis hin zu Tumorschmerzen. Die ersten Tage durfte ich den Assistenzärzten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und nach einiger Zeit unter Anleitung selber Nadeln setzen. Mittwochs und freitags fanden Weiterbildungsseminare für die Assistenzärztinnen statt an denen ich teilnehmen konnte. Diese Seminare beinhalteten neben der klassischen Lehre der Akupunktur auch das Betrachten der Akupunkturpunkte im Sektionssaal und Tai Chi Kurse. Allzu anstrengend war der Klinikalltag jedoch nicht. Mittags hatte man oft frei und konnte im Fakultätseigenen Pool direkt hinter der Klinik baden gehen.

Die Freizeit

Außer mir waren noch drei weitere Austauschstudenten an der Klinik, zwei Israelis und eine Slowenin. An den Wochenenden und abends unternahmen wir viel zusammen. So fuhren wir an einem verlängerten Wochenende nach Bonito (16h Busfahrt!) ein wunderschöner Ort mit glasklaren Bächen und Höhlen zum Schnorcheln und Baden. Die Brasilianer waren auch sehr um uns bemüht von kleinen Sambasessions über bis spät in die Nacht reichenden Partys war immer was geboten! Unter der Woche ging ich mit Raoni ins Karate oder schaute mir mit Jackson Fußballspiele des SPFC (Club von Sao Paolo) an.

Das Fazit

Vom medizinischen her habe ich viel über Akupunktur

Online-Service: ▪ über 300 medizinische Abbildungen in hoher Auflösung zum kostenlosen Download als PDF im Internet ▪ Volltextsuche im Internet über den gesamten Inhalt aller bislang erschienenen Skripte e enlos Kost oben r p Lese e! onlin

Die MEDI-LEARN Skriptenreihe www.medi-learn.de/skripte

„relativ“ billigen Flug für 800 Euro bekam. Meine Koordinatorin vor Ort, Julia, ebenfalls Studentin, kontaktierte mich vor dem Abflug um meine genauen Ankunftsdaten zu erhalten. Mit meinen Fragen konnte ich mich ebenfalls an sie wenden. Vorbereitende Impfungen waren nur die Gelbfieberprophylaxe und Hepatitis A und B. Da Malaria im Bundesstaat Sao Paolo nicht

und Traditionelle Chinesische Medizin gelernt. Darüber hinaus hatte ich eine Menge Spaß und habe viele nette Leute kennen gelernt. Brasilien ist ein wunderschönes Land mit noch freundlicheren Menschen, daher kann ich nur wiedergeben was die slowenische Austauschstudentin gesagt hat- It’s hard not to have fun in Brazil!


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„Auch als entspannendes Verfahren kann ich die Akupunktur empfehlen“ Interview mit einer Ärztin im Rahmen des SEIRIN®-Akupunkturspecials von Petra Schultze 1. Wie sind Sie zur Akupunktur gekommen? Was interessiert Sie besonders an diesem Bereich der Medizin? Durch Freunde, die selber Akupunkturkurse besuchen wollten und nun noch Mitstreiter suchten, dachte ich, na ja, mal sehen, machen wir uns halt eine lustige Woche in den Semesterferien und vielleicht wird es ja doch ganz interessant. 2. Welche Möglichkeiten birgt die Akupunktur, wo sind ihre Grenzen? Nachdem ich mich doch eingehender, auch mit dem Hintergrund und der Geschichte der Akupunktur beschäftigt habe, weis ich, dass die Akupunktur eine ganze Menge Möglichkeiten bietet, sei es nun über die Therapie von ganz bestimmten Erkrankungen, oder auch als Ergänzung zur konservativen westlichen Medizin (Zum Beispiel bei Chemotherapie anstelle oder auch in Verbindung mit Antiemetikern zur Linderung der Übelkeit.) Ganz oft hilft aber einfach auch nur das gezielte zeitliche und räumliche “Ausschalten“ des Patienten aus seiner Umwelt...lassen Sie einfach mal einen gestressten Manager 40 min allein in einem Behandlungszimmer mit angenehmer Athmosphäre und Ruhe, einige Nadeln an bekannt entspannenden Punkten ... die meisten werden gerne wiederkommen. Die Grenzen der Akupunktur liegen dort, wo sie auch im chinesischen definiert werden, denn die Akupunktur ist kein “Heilendes“ Verfahren: Sie kann regulieren und helfen, aber Zerstörtes heilen kann sie nicht (z.B. kann man die Symptome einer Arthrose lindern, aber nicht heilen im eigentlichen Sinne). 3. Bei welchen Beschwerden hilft Akupunktur? Gibt es Gegenanzeigen und Nebenwirkungen? Persönlich habe ich sehr gute Erfahrungen bei Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates, und dort v.a. bei akuten Erkrankungen, wie z.B.

Lumbalgien gemacht. Auch als entspannendes Verfahren kann ich die Akupunktur empfehlen. Bei chronischen Erkrankungen im Bereich der Inneren Medizin war ich bisher wenig erfolgreich, allerdings könnte dies ja auch an noch eingeschränkter Erfahrung und dem falschen Patientenklientel liegen. 4. Ist die Behandlung schmerzhaft? Oftmals. Ich weis gar nicht, wer den Unsinn verbreitet, dass Akupunktur nicht schmerzhaft wäre. Es gibt sicherlich Punkte die mehr schmerzen als andere (vor allem die Ting-Punkte der Akren, sprich meist genau dort wo der Nagel endet) und diese lassen einem schon mal die Tränen in die Augen steigen - und da spreche ich auch aus eigener Erfahrung. Auch Punkte im Gesicht werden als sehr unangenehm empfunden. Andererseits sind oft Punkte, die auf großen Muskeln oder mit viel Unterhautfettgewebe liegen, meist wenig schmerzhaft. Auch die Ohrakupunktur wird zumeist gut toleriert. Auf jeden Fall sollte man vorher mit dem Patienten über Schmerzen sprechen und ihm erklären, daß natürlich ein durchstechen der Haut schmerzhaft ist und das ein dumpfer Schmerz in der Akupunktur auch durchaus gewollt ist. 5. In welchen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Akupunktur Behandlung? Leider nur in sehr wenigen, durch die Kasse zugelassenen Diagnosen im Bereich des Bewegungsapparates. Aus diesem Grund liquidieren viele Kollegen die Akupunktur auch ausschließlich privat. 6. Wie viele Sitzungen sind bei einer Behandlung notwendig? Das kommt ganz auf das Krankheitsbild an. Akute Erkrankungen, z.B. eine akute Lumbalgie ist oft schon mit einer Sitzung deutlich besser. Chronische Erkrankungen,

die schon über lange Zeit bestehen, bedürfen auch mehreren Sitzungen. Deswegen kann man dies pauschal so nicht sagen. 7. Wie lange dauert eine Sitzung? Meist zwischen 30 und 45 Minuten. Aber auch diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Denn auch der Zeitansatz einer Behandlung hat etwas mit dem Krankheitsbild und dem Menschen zu tun, den ich behandle: Ist es eher eine Erkrankung und ein Menschentyp dem ich Energie geben muss, oder eher eine Erkrankung/ein Menschentyp dem Energie entzogen werden muss. Bei ersterem Fall wird die Behandlung länger dauern als bei dem Zweiten.

Komisch nur, dass die Chinesen sich zur Zeit immer mehr der westlichen

Medizin zuwenden, oder? 8. Warum werden die Nadeln zum Teil erhitzt? Dies wird meist mit Moxa-Kraut gemacht. Eine chinesische Beifuss-Art. Diese strahlt eine Wärme in einer ganz bestimmten Wellenlänge ab, die dem Körper Energie geben soll. Mittlerweile gibt es auch Lampen, die der Wellenlänge des MoxaKrauts angepasst sind, und die man ähnlich einer Rotlichlampe auf ein bestimmtes Körperareal, in dem sich dann oftmals auch Akupunkturnadeln befinden, richten kann. Dies hat ein ganz entscheidenden Vorteil zum Moxa-Kraut - es riecht (eigentlich muss man fast schon von stinken reden) nicht und raucht nicht so wahnsinnig wie das echte Moxa, das es aber auch schon in einer fast “rauch-u.stinkfreien“ Version gibt. 9. Ist die Akupunktur für alle Altergruppen geeignet, also auch für Kinder und alte Menschen? Prinzipiell ja. Allerdings werde ich persönlich, und auch viele Kollegen, mich hüten, ein Kind zu nadeln. Denn wie oben schon beschrieben, ist es auch oft mit

Schmerzen behaftet und dies kann man einem Kind nicht unbedingt erklären, warum es dass jetzt über sich ergehen lassen sollte. Aber es gibt Laser mit denen man die Akupunkturpunkte sozusagen “beschießen“ kann, die absolut schmerzfrei sind. Damit kann man dann auch Kinder behandeln, allerdings sind diese Geräte auch sehr teuer. 10. Wie reagieren die Patienten auf die Behandlung? Sind sie aufgeschlossen oder eher skeptisch eingestellt? Die meisten Patienten, die mit der Frage zu mir kommen, ob ich sie akupunktieren kann, sind meistens schon sehr aufgeschlossen und auch oftmals mit der Materie etwas vertraut. Manche allerdings sehen die Akupunktur als ihre letzte Hoffung an, da sämtliche konventionelle Therapien schon gescheitert sind, sind aber auch nicht wirklich davon überzeugt, daß so eine kleine Nadel irgendetwas bringen könnte. Da muss man dann schon einige Überzeugungsarbeit leisten, wobei die beste natürlich die Besserung der angegebenen Beschwerden ist. Aber einem Patienten, der von vorne herein sagt, daß er von der Akupunktur gar nichts hält, würde ich dies auch nicht anbieten. 11. Wie ist die Akzeptanz unter den Kollegen? Unterschiedlich. Die einen sind der Akupunktur vollkommen abgeneigt, die anderen finden für sich selber nichts daran, aber sind doch so offen eingestellt, daß sie auch Patienten die Akupunktur empfehlen und sie dann evtl. bei mir vorstellen. Wieder andere haben die Akupunktur in ihren Praxis- und auch Klinikalltag so mit eingebunden, daß sie gar nicht mehr wegzudenken ist. 12. Wie sehen Sie die Zukunft der Akupunktur in der westlichen Medizin? Ich denke, Sie wird noch mehr Einfluss in der westliche Medizin bekommen. So wie auch die restlichen alternativen Heilverfahren immer mehr Zuspruch finden. Komisch nur, daß die Chinesen sich zur Zeit immer mehr der westlichen Medizin zuwenden, oder?


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TCM-Famulatur in China Der Pieks gegen alles! von Sabine Gerich

N

eun Millionen Einwohner! Für chinesische Verhältnisse ist Guangzhou (Kanton) dabei noch eine mittelgroße Stadt. Gelegen ist sie im Landesinneren am Perlfluss, etwa zwei Zugstunden entfernt von Hongkong. Auf den ersten Blick ist die Stadt sehr unübersichtlich, doch dank der zwei Metro-Linien und einiger Erkundungsausflüge (Shopping und Sightseeing) fanden wir uns dann doch bald ganz gut zurecht. Der Campus liegt leider etwas außerhalb, so dass man bis „downtown“ etwa 45 Minuten Fahrzeit (je nach Verkehrslage) einkalkulieren musste. Guangzhou hat subtropisches Klima. Während unseres Aufenthaltes (August/September) war es jeden Tag mindestens 35 Grad heiß, und das bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Einige Male hat es geregnet oder gewittert, zwar nie wirklich lange dafür aber gab es extrem heftige Schauer. Darum ein Ratschlag: Am besten abwaschbare, offene Schuhe tragen (Trekkingsandalen), einen Knirps-Regenschirm mitnehmen (oder billig in China kaufen) und in der Mittagspause möglichst nicht das klimatisierte Zimmer verlassen.

Hausschuhe vorhanden!

Der Campus unserer Gastuniversität Jinan war überraschend groß und hübsch angelegt. Es gab drei kleine Seen, ein kleines Einkaufscenter mit Wäscherei (selber waschen lohnt sich hier wirklich nicht!), ein Freibad, Tennisplätze, ein Stadion und diverse andere Sportmöglichkeiten. Wir waren während der chinesischen Semesterferien dort, so dass nicht viele Menschen auf dem Campus waren, jedoch wohnen außer Studenten auch noch viele Krankenschwestern, Dozenten, Hausmeister und andere Angestellte hier, oft auch mit ihren Familien.

Auf Hühnerkrallen und Schweinemagen

verzichteten wir dankend

An allen Toren stehen Wachen und kontrollieren, wer das Gelände betritt. Unsere Gruppe, die aus sechs Leuten bestand, war in drei Doppelzimmern in einem Wohnheim direkt auf dem Universitätsgelände untergebracht. Die Zimmer waren sauber und gut ausgestattet, sogar Hausschuhe, Zahnbürste und ein Wasserkocher waren vorhanden. Nachdem wir an unserem ersten Abend von der uns betreuenden Frau Dr. Zhou in die Geheimnisse des chinesischen Essens (Shrimps in Salzkruste, süß-saurer Fisch, gebratene Auberginen, Kürbisgemüse, dünne Pfannkuchen) und das Benutzen der Stäbchen eingeführt worden waren, verpflegten wir uns meist selbst (bis auf einige Essenseinlagen von Ärzten).

Auf Hühnerkrallen und Schweinemagen verzichteten wir dankend Manches war extrem scharf und bei Innereien, Hühnerkrallen oder Schweinemagen haben wir dankend verzichtet. Ansonsten ist aber Probieren angesagt! Essen ist in China nirgendwo ein Problem, da es wahnsinnig wichtig für die Kultur ist. Man kann praktisch überall irgendwelche Kleinigkeiten (Tintenfisch am Spieß, Fischbällchen, gefüllte Teigtaschen etc.) kaufen. Außerdem erhielten wir eine Berechtigungskarte für die Krankenhauskantine, in der man dann mittags für weniger als einen Euro wirklich gut und relativ abwechslungsreich essen konnte.

TCM und Akupunktur

Frau Dr. Zhou führte uns in den ersten Wochen in die Geheimnisse der Traditionellen Chinesischen Medizin ein. Sie erklärte uns die Zungen- und Pulsdiagnostik, die wir gleich an uns üben durften. Wir lernten die Grundlagen der TCM und die Theorie der Fünf Elemente, sowie diverse Kräuter und Zutaten und deren verschiedene Zubereitungsarten kennen. Bei Lehrvisiten auf der TCM-Station, einem Besuch der TCM-Apotheke und der Ambulanz konnten wir dann unser Wissen gleich testen und vertiefen. Wir erfuhren auch, dass die westliche Schulmedizin zumindest an der Uni-Klinik in etwa gleich gestellt ist und ebenso angewendet wird. So werden bei allen stationären Patienten auch die gängigen Blut-Laborparameter bestimmt. Da die meisten Chinesen jedoch keine Krankenversicherung haben, werden sie oft trotzdem mit den billigeren „herbs“ behandelt. Andere wiederum sträuben sich aus Überzeugung gegen westliche Medikamente und Therapien.

Akupunktur-Pieks bei verschiedensten Krankheitsbildern

Nach einem eher beschwerlichen Beginn auf der Akupunktur-Ambulanz, wir hatten leider keinerlei Vorkenntnisse auf diesem Gebiet, studierten wir gemeinsam mit Dr. Zhou an Modellen und an uns selbst. Wir bestimmten die Meridi-

ane und suchten Akupunkturpunkte. Wir stachen uns gegenseitig, moxibustierten eifrigst und ließen uns sogar schröpfen. Es war für uns enorm überraschend, bei welch unterschiedlichen Krankheitsbildern hier akupunktiert wird: Rückenschmerzen, Tinnitus, Inkontinenz, Diabetes. Sehr wirksam ist sie bei Halsschmerzen und Schnupfen. Das haben wir am eigenen Leib erfahren, da ein paar von uns wegen der Klimaanlage mit Erkältung zu kämpfen hatten. An einem anderen Nachmittag erklärte Dr. Zhou uns noch die Ohr-Akupunktur, die gute Erfolge bei Hypertonie, Suchterkrankungen und Verdauungsproblemen erzielt. Sie ist jedoch ziemlich kompliziert, da die Punkte sehr nah beisammen liegen. Einige von uns haben auch noch ein paar Tage auf anderen Stationen verbracht (Orthopädie, Gynäkologie, Onkologie). Im Prinzip entspricht der Ablauf dort in etwa dem in unseren Krankenhäusern. Auf den chirurgischen Stationen ist jedoch die Infektionsrate aufgrund der mangelnden Sterilität höher. Die Patienten werden oft von ihren Angehörigen versorgt und gepflegt, denn der Krankenhausaufenthalt ist teuer und Einzelzimmer gibt es meines Wissens gar nicht. Die Zimmer haben normalerweise vier bis sechs Betten. Noch etwas zum Thema Gesundheit: AIDS und vor allem Hepatitis sind in China ein großes Problem. Handschuhe werden jedoch meist nur im OP getragen (am besten selbst mitbringen). Einen Mundschutz trägt aber jeder Arzt in der Ambulanz.

TCM weiterstudieren

Ich habe meine Zeit in China sehr genossen und viel gelernt. Auch unsere sechsköpfige Gruppe hat sich sehr gut verstanden und wir hatten viel Spaß. Zwar war es oft etwas schwierig, zurechtzukommen, doch eine Lösung gab es immer und im Nachhinein kann man stolz darauf sein, das Problem gelöst zu haben! Ich werde mich mit TCM und Akupunktur auf jeden Fall in Deutschland weiterhin beschäftigen, da ich denke, dass die Kombination mit westlicher Schulmedizin vor allem bei der Schmerztherapie sehr sinnvoll und wirksam ist.

Digitaler Nachschlag 01/2008  

Zusätzlich zur eigentlichen Zeitung bieten wir euch zudem seit der Ausgabe 04/2005 den sogenannten Digitalen Nachschlag: nicht alle Artikel...

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