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Der „Female Shift“

Die Zeitung für Medizinstudenten und junge Ärzte

Die Medizin wird immer weiblicher: Schon jetzt sind 60% der Neuanfänger in der Humanmedizin Studentinnen. Das bietet Chancen: Studien zeigen, dass weibliche Ärzte ihre Patienten besser und fürsorglicher therapieren. Doch wie lassen sich gerade in der Medizin Karriere- und Kinderwünsche vereinbaren. Welche Rechte haben Frauen, welche Unterstützung steht ihnen zu?

ZEITUNG

Mehr dazu auf den Seiten 6 und 7

Ausgabe 05/09 ∙ November/ Dezember 2009 ∙ In Kooperation mit dem Georg Thieme Verlag ∙ www.medi-learn.de ∙ ISSN 1860-8590 ∙ 1,90 €

Selbstbestimmte Patienten Neuregelung der Willenserklärungen

Die eigene Praxis BWL-Wissen ist unerlässlich

App geht die Post! iPhone-Tools speziell für Mediziner

Was soll im Endstadium einer unheilbaren Krankheit von Ärzten noch getan werden, was unterlassen? Der Gesetzgeber hat das Recht von Patienten gestärkt, darüber selbst zu bestimmen. Wir berichten was sich verändert hat, was zu beachten ist und welche Konflikte die Novelle birgt.

Ein Ziel vieler junger Mediziner: irgendwann eine eigene Praxis zu führen. Doch bis die Patienten hereinspazieren können, gilt es einige Hürden zu überwinden. Zum Beispiel Gebietsbeschränkungen und Rahmenbedingungen. Betriebswirtschaftliches Know-how ist essentiell.

Das iPhone ist nicht nur ein grandioses Spielzeug für große Mädchen und Jungs, sondern erleichtert auch das medizinische Studenten- und Arbeitsleben: Wir stellen euch Applikationen aus dem iPhone-Universum vor, die euch beim Büffeln oder bei aufkommenden Fragen auf Station helfen.

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Fassungsvermögen eines mittelgroßen Ikea-Regals Neugieriger Blick in die Kitteltaschen von Assistenzärzten Redaktion MEDI-LEARN

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ür viele ist er das Markenzeichen der ärztlichen Zunft schlechthin – der weiße Kittel. Sicher nicht modisch und im Sommer viel zu warm. Doch einen Vorteil hat das traditionsreiche Kleidungsstück immerhin gegenüber dem lässigen Kasack und dem viel schickeren Polohemd: tiefe Taschen! Die Redaktion fragte nach, was ihr in denen so alles verstaut, und staunte nicht schlecht über die Antworten. Manche Kittel haben offenbar das Fassungsvermögen eines mittelgroßen Ikea-Regals.

ders häufig genannt, dicht gefolgt vom Stauschlauch. Wenn es aber irgendeinen Gegenstand gibt, den wirklich jeder junge Mediziner immer und überall dabei hat, dann ist das definitiv der Kugelschreiber. Meist sind es gleich mehrere, vor allem weil Oberärzte sie oft ausleihen und selten wieder zurückgeben. Erst wenn mehr als drei Stifte in der Brusttasche deines Kittels stecken, wird es Zeit zu überlegen, wo du sie geklaut hast.

Checkliste Neurologie und so weiter mit in den Kittel. Mit 170 Gramm besonders gewichtig ist die Liste der Pillen und Tabletten – das Arzneimittel pocket. Die Sonderausführung mit integriertem Therapie-Teil bringt sogar fast ein halbes Pfund auf die Waage.

Erwartungsgemäß wurden Stethoskop und Pupillenleuchte natürlich beson-

Gut organisierte Zeitgenossen bevorzugen Notizbücher

Wer einen Schreiber hat, braucht natürlich auch Papier, und das ist in der Tat ebenfalls in mindestens einer Tasche jedes anständigen Kittels vorhanden. Die gut organisierten Zeitgenossen bevorzugen ein Notizbuch, in das gegebenenfalls Rezepte und Konsilscheine hineingelegt werden können. So bleiben die länger frisch und faltenfrei. Andere haben zu Papier ein weniger fürsorgliches Verhältnis und tragen nach eigenen Angaben „fliegende Blätter diverser Art“ mit sich herum.

Bücher sind eben immer das schwerste, zeigt sich bei jedem Umzug aufs Neue. Und es bewahrheitet sich auch beim Blick in bundesdeutsche Kitteltaschen. Ein Reflexhammer – Berliner Modell – wiegt vergleichsweise gut tragbare 130 Gramm. Wenn du also das Buch in die eine Seitentasche und den Reflexhammer plus Verbandsschere zuzüglich einer Rolle Leukosilk in die andere steckst, ist dein Gleichgewichtssinn schon halbwegs wieder hergestellt. Die Pupillenleuchte findet ihren Platz neben den Kugelschreibern in der Brusttasche, und hinter die Palisade der diversen eigenen oder geklauten Stifte passen außerdem Winkelmesser und EKG-Lineal.

Bei genauem Hinsehen sind das überwiegend Listen, die es in allen Formen, Farben und Größen gibt: Stationslisten, Patientenlisten, To-do-Listen, Pieperlisten, Telefonlisten und als Spezialfall die Liste mit den Telefonnummern der Hintergrunddienste. Je nach Fachrichtung kommen dann noch die Checkliste Innere, Checkliste Traumatologie,

Klinisches Wörterbuch im privaten Handy installiert

Damit wären die sperrigsten Gegenstände bereits gut untergebracht. Das aus der Sicht

deines Arbeitgebers unentbehrlichste Utensil aber ist der Pieper. Mit Glück brauchst du nur einen davon, aber es können auch zwei oder drei sein, nicht zu vergessen das Diensthandy. Wenn du dich damit nicht erreichbar genug fühlst, nimm besser zusätzlich dein privates mit. Bei den gehobenen Modellen lässt sich ja inzwischen so ziemlich alles bis hin zum kompletten klinischen Wörterbuch installieren. Man weiß schließlich nie, wann man so was mal braucht… Spätestens jetzt kommen die Hosentaschen als weiterer Stauraum ins Spiel: Telefon auf die eine Seite, Schlüsselbund als Gegengewicht auf die andere. Pieper lassen sich fast immer irgendwo anklemmen und das Stethoskop erforderlichenfalls um den Hals tragen. Doch Mitarbeiter-Ausweis, Namensschild, Röntgenplakette, Chipkarte für die Zeiterfassung, Chipkarte für die Kantine, Lippenbalsam, Handcreme und Kleingeld für den Naschkram-Automaten wollen ebenfalls untergebracht sein. Von nun an hilft nur Fingerspitzengefühl wei-

von Nina Dalitz (MEDI-LEARN)

Vorher im Forschungsbericht der Uni blättern

Es lohnt sich, mehrere Adressen heraus zu finden, viele E-Mails zu verschicken, öfter zum Telefon zu greifen oder ans

Schwarze Brett zu laufen und zu hoffen, dass drei bis vier Gespräche dabei heraus springen. Blättere im aktuellen Forschungsbericht deiner Uni. Informiere dich auf Webseiten der Kliniken, deren Fächer dich interessieren. Frag Kommilitonen, die gerade ihre Doktorarbeit machen und halte die Augen offen nach Zetteln an schwarzen Brettern, in der Mensa oder in Instituten.

weit wie möglich nicht lange von Sekretärinnen aufhalten. Persönliche Kontakte oder Referenzschreiben erleichtern dir den direkten Zugriff auf ein wertvolles Professoren-Gespräch. Augen auf in Famulaturen oder bei Jobs im Krankenhaus.

Viele Promotionsversuche

Hier erfährst du als Erster, wenn eine Doktorarbeit angeboten wird. Auch über den „Unterricht am Krankenbett“ oder durch die Hausarbeit sind schon entscheidende Kontakte entstanden.

scheitern

Es gibt auch Börsen im Internet. Nach der Recherche wendest du dich einfach an die jeweiligen Kliniken und Institute und stellst freundlich und direkt die Frage nach einer medizinischen Doktorarbeit.

Augen auf in Famulatur, Job und Untersuchungskurs

Lass dich auf dem Weg zum Prof. so-

Rezensionen Irren ist menschlich. Diesmal widmet sich dieser Teil der Psychiatrie bzw. Psychotherapie. Welches Lehrbuch wählen, wenn es um die „Seelenheilkunde“ geht? Auch in dieser Ausgabe der MLZ haben wir wieder drei Medizinstudenten jeweils ein Buch ausgiebig testen lassen. Und natürlich könnt ihr wieder jedes der vorgestellten Werke bei uns gewinnen!  S. 04

Praktikum

TCM auf Malta Um sich der Traditionellen Chinesischen Medizin durch „learning by doing“ anzunähern, braucht man kein Fernflugticket zu lösen. Nach zwei Stunden landet der Flieger im südlichen Mittelmeer: Auf Malta gibt es TCMPraktikumskurse, die unser Korrespondent nur empfehlen kann.  S. 02

Akupunktur aus zwei Sichten

Die Suche nach einer medizinischen Doktorarbeit echtzeitig zum PJ sollte sie fertig sein. Später ist kaum Zeit, sich mit der Doktorarbeit zu beschäftigen. Bis zur Abgabe ist es aber ein weiter Weg. Du musst dir die Fakten erarbeiten, die Arbeit schreiben und ein Literaturverzeichnis anlegen. Und davor musst du erst einmal eine finden! Bevor du dich auf die Suche nach der Doktorarbeit machst, sollte dir klar sein, was für eine Arbeit es werden soll: Klinisch, also in Form einer Patientenstudie? Statistisch, also in der Auswertung von Archiven? Oder doch lieber experimentell, also eine langwierige, aber hoch angesehene Arbeit im Labor? Steht das fest, kannst du dich auf die Suche nach einem Doktorvater machen.

Inhalt

Arzt-Patient-Verhältnis

Ran an den Prof! R

ter, um beim tastenden Graben in den Tiefen der Taschen das ganze Zeug noch einigermaßen auseinander halten zu können. Und eine insgesamt kräftige Statur, denn dein Kittel hat längst die ergonomischen Eigenschaften einer Bleiweste – die Sorte, mit der Triathleten trainieren. Gängige Lösung des Problems: Zu Dienstbeginn an einen stabilen Haken gehängt, wird der Kittel für die kommenden Stunden zu deiner persönlichen Basisstation. Plötzlich passt du wieder durch jede Tür, und weiße Polohemden sehen sowieso viel schicker aus.

Patientenstudie, Statistisch oder Experimentell?

Sorgfältig auswählen

Doch Vorsicht: Viele Promotionsversuche scheitern. Verbringe lieber etwas mehr Zeit mit der Auswahl deiner Arbeit, als Monate oder Jahre in eine Arbeit zu investieren, die du nie zu Ende bringst.

Lass dir deine Arbeitsstätte (Labor, Station, etc.) zeigen. Dort solltest du dich wohl fühlen. Schon beim ersten Kontakt sollten dir die Fragestellung und das Ziel der Promotion klar werden. Führe ruhig mehrere Gespräche mit verschiedenen potentiellen Doktorvätern. Nach dem Gespräch musst du dich nicht sofort entscheiden. Mach einen Tag ein oder zwei Wochen später aus, an dem du deine Entscheidung mitteilst. Und höre dich zu guter Letzt dann nochmals bei Kollegen oder Doktoranden um, wie sie die dir angebotene Arbeit bewerten. Und dann heisst es: Entschließen, zusagen und Augen auf und durch! Wir verlosen Promotion (Weiß) von Thieme – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw250

Nadeln setzen gegen Schmerzen und Unwohlsein: Akupunktur hat sich zur landläufig eingesetzten Alternativ-Therapie entwickelt. MEDI-LEARN stellt Erfahrungsberichte, Pros und Contras aus zwei Betrachtungsrichtungen vor: Einmal aus Sicht der Patienten und einmal aus Sicht praktizierender Ärzte.  S. 03

Medizinstudium

Freizeitgestaltung Was machen Medizinstudenten, wenn sie ausnahmsweise mal nicht hinter ihren Büchern hocken oder dem Ausbildungsarzt über den Gang folgen? Wir haben im Frühjahr dazu eine Umfrage gemacht und präsentieren euch jetzt, wie eure Kommilitonen ihre kostbare Freizeit gestalten. S. 09

Klinik

Lesestoff und Schlafanzug Da kommt kein Mediziner drum herum: Nachtdienst ist gerade in den ersten Berufsjahren obligat. Wie das „erste Mal“ war und welche Tipps es für diejenigen gibt, die es noch vor sich haben: Das erfahrt ihr in unserem Erfahrungsbericht über das Dienstschieben in dunkler Nacht.  S. 12


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Studenten aufgepasst!

Die 3. Auflage der Skriptenreihe mplett o k d n u Neu arbeitet! über

Chinesische Heilkunde auf Malta erlernen

Erfahrungsbericht aus dem Mediterranean Centre for TCM von Thomas Hartmann

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CM in Malta: Als ich davon hörte, war ich etwas verwundert. Ich war fest der Überzeugung, dass man eine fundierte praktisch ausgelegte TCM nur in China finden könne. Nach einigen weiteren Basisinformationen entschloss ich mich aber dann doch, ein Praktikum in Malta zu absolvieren. Dafür sprach zunächst einmal die geografische Nähe. Zudem war das Praktikum schwerpunktmäßig auf Praxis ausgerichtet. Der größte Vorteil aber war wohl die Möglichkeit, ohne Übersetzer mit den Ärzten in Englisch sprechen zu können.

Cupping angeboten. In der TCM-Klinik in Kordina praktizierten die chinesischen Mediziner, neben Akupunktur, Cupping und Moxibution, ebenso Tuina und das auch an Samstagen...

Kommunikation

Die Verständigung auf Englisch stellte von Anfang an keine Probleme dar, was sich im Verlauf des Praktikums als groß-

kum von vielen anderen: Hier fanden Nachfragen und Erörterungen der Indikationen nicht irgendwann in sterilen Räumen, sondern direkt im Beisein der Patienten während der Behandlung statt. Dies mag verwundern, aber der Umgang mit dem Patienten und seiner Krankheit ist in Malta nicht so steril und steif wie hierzulande. Für die Patienten war es auch völlig normal, dass ein Praktikant

Schulter-, Rücken-, Nacken-, Arm- und Beinprobleme sowie Verspannungen und Migräne, zehn Prozent innere Krankheiten und zehn Prozent Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung oder ähnliches. Hervorzuheben ist die individuelle Betreuung und die Gelegenheit, im Laufe des Praktikums allen Ärzten über die Schulter zu schauen. Die angenehme Umgebung, und die fast schon

anwesend war und unter der Aufsicht des Arztes bestimmte Anwendungen vornahm. Diese erstreckten sich auf die gesamte Bandbreite der dort angebotenen TCM.

familiäre Betreuung, zeigte sich auch in der Möglichkeit des gemeinsamen chin. Mittagessens und anderer Aktivitäten mit den Ärzten und weiteren Praktikanten in der Freizeit.

Durch die Vielzahl der Patienten, besonders in den staatlichen Kliniken, zum Teil bis zu 15 Patienten in drei Stunden, konnte ich reichlich praktische Erfahrung in Akupunktur, Diagnose und Therapie sammeln. Diese wurde dann am Nachmittag in der TCM-Klinik, mit durchschnittlich 10 Patienten erweitert. Ich stellte während meines Praktikums fest, dass die erweiterten Anwendungen, Tuina und Moxibution, zwar die Verweilzeit der Patienten verlängerte, aber die Erfolge waren durchwegs rascher und andauernd.

Fazit

Ankunft

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Das Gehirn Median geschnitten, 5-teilig. Qualität von 3B Scientific. Preis:

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Angekommen in Malta war ich erfreut über den herzlichen Empfang des Praktikumskoordinators und die nette private Unterkunft, die mich nun zwei Monate beherbergen sollte. Noch am gleichen Tag fand die erste Kontaktaufnahme mit den chinesischen Ärzten statt. Sie war von einer mir bis dahin von Asiaten nicht bekannten Offenheit geprägt. Die reservierte Zurückhaltung und Distanz, die man mit Chinesen verbindet, schien auf der Strecke von China nach Malta verloren gegangen zu sein. Alle vier Doktoren sind Consultants of Traditional Chinese Medicine, sowie Senior Lecturers of Nanjing University of Traditional Chine- TCM im Mittelmeer - wer hätte das gedacht? se Medicine mit langjähriger praktischer Erfahrung, sowohl in westlicher er Vorteil erweisen sollte. Es ermöglichte Medizin als auch besonders in der TCM. mir auch schwierige „westliche Indikationen“ mit den Ärzten direkt zu diskutieren. In diesen Gesprächen wurden Behandlung in dann auch die chinesischen Indikationen verschiedenen Kliniken erörtert. Durch die Aufgeschlossenheit Als Praktikant erlebte ich, dass die Be- der Ärzte war es auch möglich, jederzeit handlung der Patienten in zwei verschie- nachzufragen, etwa warum jetzt diese denen Kliniken stattfindet. In einer staat- Punkte gewählt wurden und nicht andere. lichen Poliklinik in Floriana und in einer privaten TCM-Klinik in Kordina. Aufgeschlossene Ärzte erDiese zwei Praktikumsorte wurden dann möglichten Nachfragen noch von einem wöchentlichen Ausflug in eine staatliche Klinik auf der Nachbarin- Diese Fragen wurden immer geduldig und sel Gozo ergänzt, die in wenigen Minuten mit fundierten Argumenten erklärt. In den per Schiff erreichbar ist. Es sollte sich Mittagspausen und wann immer sich sonst auch noch herausstellen, dass es zwischen Gelegenheit dazu bot, brachten die chinediesen Arbeitsstandorten große Unter- sischen Mediziner dem westlichen Newcoschiede im Behandlungsumfang gab: mer auch die Theorie der TCM nahe In den staatlichen Kliniken, wurde bedingt durch die Vorgaben der öffentDer Unterschied lichen Hand nur Akupunktur und Noch etwas unterschied dieses Prakti-

Die zu behandelnden Krankheiten setzten sich so zusammen: Rund 80 Prozent

Wer durch „Learning by Doing“ seine TCM-Kenntnisse intensivieren und vertiefen möchte, wird von dem Praktikum in Malta sehr stark profitieren. Alles in allem hat mir mein Aufenthalt auf Malta sehr gefallen. Mehr Infos: www.tcm-malta.com MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es online auch als Audio-Datei zum Download unter: www.medi-learn.de/podcast


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Selbstbestimmung des Patienten gestärkt Vielfältige Konsequenzen für die behandelnden Ärzte Redaktion MEDI-LEARN

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as soll im Endstadium einer unheilbaren Krankheit von Ärzten noch getan und was unterlassen werden? Mit umfassenden Neuerungen hat der Gesetzgeber das Recht von Patienten gestärkt, darüber selbst zu bestimmen. Zwar konnten schon bisher durch entsprechende Verfügungen Wünsche angemeldet werden. Doch erst durch den am 1. September 2009 in Kraft getretenen Paragrafen 1901a des Bürgerlichen Gesetzbuches sind derartige Willenserklärungen für die behandelnden Mediziner verbindlich und sogar gerichtlich durchsetzbar. Immer geht es um Situationen, in denen sich der Betroffene wegen anhaltender Bewusstseinstrübung oder Bewusstseinsverlust nicht mehr selbst äußern kann. Zentrale Bedeutung bei der Entscheidung über Einleitung, Fortführung oder Abbruch beispielsweise einer Sondenernährung oder künstlichen Beatmung erhält dann entweder ein zuvor vom Patienten schriftlich Bevollmächtigter oder ein gerichtlich bestellter Betreuer. Dieser hat den mutmaßlichen Wunsch der von ihm vertretenen Person zu ermitteln und für die Umsetzung zu sorgen.

Verfügung als Grundlage der Entscheidungsfindung

Sofern vorhanden, dient eine Patientenverfügung als Grundlage der Entscheidungsfindung. Von den zahlreichen im Vorfeld der Gesetzesänderung diskutierten Mindestanforderungen an dieses Dokument ist letzten Endes nur eine

übrig geblieben: Es muss schriftlich abgefasst werden, jedoch im Unterschied zu einem Testament nicht unbedingt handschriftlich. Vom Tisch sind Überlegungen, die Gültigkeit zeitlich zu begrenzen sowie eine notarielle Beglaubigung oder vorherige ärztliche Beratung zur Pflicht zu machen. Zwischen der Niederschrift der Verfügung und ihrer Anwendung können also etliche Jahrzehnte liegen. Umso bedeutsamer ist eine überlegte und eindeutige Formulierung. Hilfestellung gibt eine auf den Internet-Seiten des Bundesministeriums der Justiz im PDF-Format erhältliche Broschüre. Neben ausführlichen Erläuterungen der neuen Rechtslage enthält sie Textbausteine, mit denen im Fall der Fälle unter anderem eine Dialyse, Wiederbelebungsmaßnahmen, Bluttransfusionen oder die Gabe von Antibiotika jeweils gewünscht oder abgelehnt werden können.

Im Notfall: Neues Recht führt zu Unsicherheiten

Lassen die Formulierungen den Willen des Patienten klar erkennen, so kann und soll die Ausführung vom Bevollmächtigten oder gerichtlich bestellten Betreuer veranlasst werden. Zuvor hat eine Auf-

klärung durch den Arzt zu erfolgen, der seinerseits ausreichend Gelegenheit zur medizinischen Beurteilung des Falles haben muss. Gerade in diesem Punkt wird

schlossen wurden. Hier gilt es dennoch in jedem Fall tätig zu werden, da insbesondere im Notfall vor Ort und bei unbekannten Patienten die vom Gesetzgeber vorausgesetzte Beurteilung der medizinischen Gesamtsituation natürlich nicht geleistet werden könnte.

Widerruf durch den Verfasser jederzeit möglich

Keine Rolle spielt hingegen, wann das Schriftstück entstand. Für alle neuen und schon vorhandenen Erklärungen dieser Art wurde vom Gesetzgeber einheitlich bestimmt, dass sie zeitlich unbegrenzt gelten. Der Widerruf ist ausschließlich durch den Verfasser jederzeit und ohne alle Formalitäten möglich. Ob man überhaupt eine Patientenverfügung hinterlegt, ist stets Sache der eigenen, unabhängigen Entscheidung, darf also niemandem – zum Beispiel im Rahmen eines Vertrags über Pflegeleistungen – zur Auflage gemacht werden.

es wenigstens in der Übergangszeit vom alten zum neuen Recht sehr wahrscheinlich zu Missverständnissen und Unsicherheiten kommen. Leicht vorstellbar ist beispielsweise, dass aufgeregte Angehörige den wegen eines vermuteten Herzstillstands gerufenen Rettungskräften beim Eintreffen eine Patientenverfügung präsentieren, in der Wiederbelebungsmaßnahmen ausge-

Allerdings ist gerade wegen der veränderten Rechtslage die Abfassung einer Patientenverfügung empfehlenswert. Hatte bei der Beendigung lebensverlängernder Maßnahmen in der Vergangenheit vielfach ein Gericht das letzte Wort, reicht neuerdings die einvernehmliche Entscheidung von Arzt und Betreuer. Liegen keine Hinweise auf dem entgegen stehende Wünsche des Patienten vor, wird seine Zustimmung etwa zur Beendigung lebensverlängernder Maßnahmen unterstellt, so als habe er sie in einer entsprechende Verfügung selbst gegeben.

Berufsunfähigkeit - Das unterschätzte Risiko

Jeder 5. verabschiedet sich vorzeitig aus dem Berufsleben – aber was dann? von Karl-Heinz Silbernagel (Deutsche Ärzteversicherung)

Ä

rzte gehören – wie alle akademischen Heilberufe, aber auch z.B. Rechtsanwälte oder Architekten – zu den sogenannten „verkammerten Berufen“, denen der Staat ein hohes Maß an Selbstverwaltung zugestanden hat. Ausdruck dieser Selbstverwaltung sind die Ärztekammern und deren wichtigste Aufgabe ist es, für ihre Angehörigen, also die Ärzte, eine angemessene Versorgung im Alter wie auch bei Berufsunfähigkeit sicherzustellen.

gesamte ärztliche Tätigkeit einstellt. Und das Versorgungswerk leistet nur bei 100%iger Berufsunfähigkeit – nicht also bei lediglich teilweiser Berufsunfähigkeit.

Doch „Vorsorge für das Alter?“ und „Absicherung der Familie?“ sind Fragestellungen, die am Anfang der Berufskarriere zunächst auf wenig Interesse stossen, scheinen diese doch noch in weiter Ferne zu liegen. Aber das Thema „Berufsunfähigkeit“ ist schon virulenter, erst recht bei Medizinstudenten, die mit diesem Thema schon „berufsmäßig“ viele Berührungspunkte haben. Man hat schließlich die Aufgabe, die Arbeitskraft vieler Patienten zu erhalten oder wieder herzustellen. Zurück zu den Versorgungswerken. Sie garantieren die Grundversorgung – im Falle der Berufsunfähigkeit jedoch nur mit entscheidenden Einschränkungen und die Leistungen sind in Umfang und Höhe nicht ausreichend, den Einkommensverlust zu kompensieren. Beispielsweise zahlt das Versorgungswerk erst dann, wenn der Arzt gar nicht mehr in der Lage ist, ärztlich tätig zu sein und seine

Nicht umsonst lautet somit der eindringliche Rat, den die Verbraucherzeitschrift „Finanztest“ den Lesern mit auf den Weg gibt: „Kümmern Sie sich möglichst früh um eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Je jünger und gesünder Sie sind, desto leich-

ter bekommen Sie einen guten Vertrag zu einem akzeptablen Preis." Eine wichtige Aussage der Verbraucherschützer, die auch seit vielen Jahren die Fachleute aus der Versicherungsbranche propagieren. Denn sie kennen die Statistik genau: Immer mehr Menschen müssen sich vorzeitig aus dem Berufsleben verabschieden. Jeder 5. Berufstätige wird während seines Berufslebens berufsunfähig: Krankheiten am Bewegungsapparat, Herzund/

Kreislaufsystem, psychische Erschöpfung und Sportunfälle sind die häufigsten Ursachen. Die Konsequenz ist also der Abschluss einer privaten Absicherung des Berufsunfähigkeits-Risikos. Doch das Thema Berufsunfähigkeit hat viele Facetten. Wichtig ist, dass man zu einem Spezialisten geht. Die Deutsche Ärzteversicherung als Spezialversicherer für akademische Heilberufe bietet eine

Berufsunfähigkeitsversicherung, die außergewöhnlich leistungsstark ist und den ärztlichen Bedürfnissen genau entspricht. Sie erhielt deshalb Bestnoten von namhaften Rating-Agenturen und der Stiftung Warentest. Kurz - was sind die Vorteile? Zunächst leistet sie auch bei nur teilweisem Verlust der Arbeitskraft. Der Arzt erhält die volle Leistung bereits bei 50 % Berufsunfähigkeit. Dieses Ersatzeinkommen wird auch bei Bezug anderweitiger Versorgungsleistungen und bei nur vorübergehender Berufsunfähigkeit bezahlt. Ganz wichtig: Die Deutsche Ärzteversicherung verweist den Arzt nicht in einen anderen Beruf oder auf eine andere ärztliche Tätigkeit! Und für Medizinstudenten und Berufsstarter bietet der Standesversicherer, wie die Deutsche Ärzteversicherung auch genannt wird, preiswerte und leistungsstarke Produkte zur Absicherung dieses existentiellen Risikos. Übrigens: Informieren Sie sich einfach und unverbindlich über den besonderen Berufsunfähigkeitsschutz für die Angehörigen der akademischen Heilberufe. Fordern Sie dazu einfach unter service@aerzteversicherung.de oder unter Telefon 0221 148-22700 die Broschüre „Berufsunfähigkeit“ an. Sie zeigt, wie die Berufsunfähigkeitsrente im Laufe der Jahre durch die Überschussbeteiligung wächst und wie auch eine zusätzliche Altersvorsorge als weitere Option zu nutzen ist.

In den Foren gelauscht

Die ganze Weisheit raus?

Anilinas Zahnarzt möchte ihre 8er, also die Weisheitszähne, entfernen. Als Humanmedizinerin fragte sie lieber noch mal im Zahni-Forum nach: Gleich alle auf einmal? Braucht sie eine Vollnarkose? Müssen die Zähne überhaupt entfernt werden? Was steht mir jetzt genau bevor? Prompt wurde Anilina mit Erfahrungsberichten überhäuft, mit denen bestimmt Fragen zu euren speziellen Beißerchen, sofern noch vorhanden, beantwortet werden: www.medi-learn.de/MF51569

Wie lerne ich am besten?

„Super, super, super, ich bin sehr beeindruckt von den ganzen Antworten und Hilfen von euch. Vielen Dank. Leider musste ich dann auch einsehen, dass es eine einzige richtige Patentlösung scheinbar leider nicht gibt“ schreibt clavicula2 im Forum. Aber: Auf mehreren Seiten wurde heiß diskutiert, wie man am besten lernt und sich die Zeit zwischen Kreuzen, Lesen und den verschiedenen Fächern aufteilt. Kein Patentrezept, aber sicherlich ist der eine oder andere Tipp für die persönliche LernStrategie dabei! www.medi-learn.de/MF52012

Tricks fürs Blutabnehmen

Als Pflegepraktikant sehnst du dich danach. In der Famulatur musst du es plötzlich können: Blut abnehmen. Doch nicht immer hat jemand Zeit, es dir zu erklären. Und falsch machen lässt sich viel, das weiß jeder Medizinstudent. Glücklicherweise bist du nicht der erste Mensch, der das „Abzapfen“ lernen muss. Viele Foren-Mitglieder haben ihre Geheimtipps verraten. Du hast auch noch einen oder bist auf der Suche nach dem perfekten Trick? Klick dich rein auf unserer Seite: www.medi-learn.de/MF52943

OP-Gebote

Einfach (halb-)göttlich: Rund 230 OP-Gebote haben unsere ForenNutzer zusammengetragen. Zum Beispiel Gebot 6: Nicht in den Situs kippen. Plus Absatz Gebot 6.1: Bevor Du kippst, lasse die Haken los! Auch gut: Gebot 8: Praktikanten und Studenten stehen im Weg. Wenn sie es schaffen, einmal nicht im Weg zu stehen, dann wird der Weg geändert, so dass sie wieder im Weg stehen. Gebot 27: Falls du nicht weißt, ob wirklich DU gemeint warst, frag niemals: "Ich?!" Oder: Gebot 56: Ziehe im Gyn-OP nie deine Lieblingssocken an. Mehr davon fndest du auf unserer Internetseite: www.medi-learn.de/MF31555

Sicherheit weltweit Mit dem neuen Haftpflichtschutz ins Pflegepraktikum, in die Famulatur oder ins Praktische Jahr. www.aerzte-finanz.de


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Kurzlehrbuch Psychiatrie (Steinkopff)

Kurz notiert

von Manuela Zirk (8. Semester, Universität Erlangen-Nürnberg)

Unis verweisen auf MEDI-LEARN Ranking

Die Regensburger Medizinstudenten schnitten im Herbst 2009 zum wiederholten Male als Beste in der bundesweit einheitlichen 1. Ärztlichen Prüfung ab. Mit einem Durchschnittswert von 74,7% richtig beantworteter Aufgaben – insgesamt wurden 319 Aufgaben gestellt – lagen sie vor der zweitplatzierten Uni Heidelberg mit 74,5 %. Die Uni Regensburg verweist in ihrer Presse-Mitteilung dabei auch auf unser MEDI-LEARN Uni-Ranking, in dem Regensburg in der Kategorie „Qualität der Vorklinik“ den ersten Platz belegt. Zusammen mit der Uni Leipzig, die sich ebenfalls auf unsere Erhebung bezieht. Unser UniRanking ist online verfügbar unter: www.medi-learn.de/CA0728

Cannabis lindert Morphin-Abhängigkeit

Französische Forscher haben in einem Versuch junge Ratten von ihrer Mutter getrennt und machten sie so besonders anfällig für eine Morphin-Abhängigkeit. Erstaunliches Ergebnis: Abhängige Jungratten, die eine regelmäßige Dosis THC erhielten, zeigten im Erwachsenenalter kein typisch morphinabhängiges Verhalten mehr. Die gewonnenen Ergebnisse bilden die Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung von Entzugserscheinungen und zum Unterdrücken der Drogenabhängigkeit.

schaulich unterteilten Kapiteln alle relevanten Themen zu psychiatrischen Störungen, deren Behandlung sowie rechtlichen Fragen und Forensik.

Titel: Kurzlehrbuch Psychiatrie Autoren: B. Bandelow, O. Gruber, P. Falkai Verlag: Steinkopff ISBN: 978-3-7985-1835-3 Preis: 24,95 €

Kurzbeschreibung Das Kurzlehrbuch vermittelt in 27 an-

Das Herz Detailtreue Anatomie zum Anfassen. Qualität von 3B Scientific. Preis:

40,46 €

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Preis Das Buch kostet im Handel 24,95 € und ist sein Geld auf jeden Fall wert. Fazit Psychiatrische Krankheiten werden anschaulich präsentiert, es ist ein gelungenes Werk für Studenten und Wissbegierige mit anschaulich dargestellten Fällen und schöner Gegenüberstellung von Syndromen sowie Abgrenzungshilfen. Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medilearn.de/gw251

von Sandra Funke (8. Semester, Universität Wien) auf insgesamt 468 Seiten in fünf Kapitel: Allgemeiner Teil, Krankheitslehre, Therapie/Versorgung/Prävention, besondere Bereiche und zu guter letzt den Anhang.

Titel: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie Autoren: Volker Arolt, Christian Reimer, Horst Dilling Verlag: Springer ISBN: 978-3-540-32672-4 Preis: 19,95 €

Kurzbeschreibung Das handliche Taschenbuch gliedert sich

Zielgruppe Meiner Meinung nach sollte man allerdings schon Vorkenntnisse in Psychologie und Psychiatrie aufweisen, um mit diesem Buch zu lernen, da psychologische Grundlagen in diesem Buch kaum behandelt werden. Deswegen ist dieses Buch wohl eher für die Klinik geeignet oder für Studenten, die das Fach schnell und effizient hinter sich bringen wollen. Inhalt Die einzelnen Themen werden in knapper Form beschrieben und geben einen guten Überblick. Möchte man allerdings ein detaillierteres Fachwissen erlangen, muss man auf ausführlichere Bücher zurückgreifen. Am Ende der Kapitel finden sich Fallbei-

spiele zu ausgewählten Themen, die gut zur Vertiefung des gerade Gelesenen beitragen.

und Register ermöglichen durch eine klare Gliederung ein schnelles Nachschlagen.

Didaktik Es ist gut geeignet, um einen schnellen Überblick über psychiatrische Krankheitsbilder sowie psychiatrische Diagnostik, Psychotherapie und Psychopharmakologie zu bekommen. Wer gerne viele Farbabbildungen hat, ist bei diesem Buch an der falschen Adresse, da das Layout eher schlicht und schnörkellos gehalten ist.

Preis Das Buch kostet im Handel 19,95 € und ich finde den Preis absolut angemessen.

Aufbau Eine große Stärke dieses Werkes ist der klare Aufbau und die gelungene Didaktik. Eine klare Sprache, ein großer Zeilenabstand und eine gute Seitenaufteilung ermöglichen es, die Kapitel relativ zügig durchzuarbeiten. Einige Kästen mit übersichtlicher Darstellung tragen zum besseren Verständis bei (z.B. Formen des Alkoholismus nach Jellinek). Inhaltsverzeichnis

Fazit Wer bereits über Vorkenntnisse in Psychologie/Psychiatrie verfügt und ein kleines Buch mit den wichtigsten Fakten zum Nachschlagen sucht ist mit diesem Werk gut beraten. Für tiefere Einblick sollte man sich nach einem umfangreicheren Lehrbuch umschauen, denn dieses Werk vermittelt zunächst grundlegendes Basiswissen. Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medilearn.de/gw252

Duale Reihe - Psychiatrie und Psychotherapie (Thieme)

Blutdruckmittel gegen Multiple Sklerose

Als ACE-Hemmer und AT1R-Blocker bezeichnete Blutdruckmittel können das Auftreten von Entzündungsherden bei Mäusen unterdrücken, die an einer der Multiplen Sklerose (MS) vergleichbaren Autoimmunerkrankung leiden. Das Renin-AngiotensinAldosteron-System (RAAS) ist entscheidend an der Blutdruckregulation beteiligt. In ihren Versuchen wiesen Heidelberger Wissenschaftler nach, dass das RAAS in MS-Herden im Gehirn vermehrt vorkommt. Der Studie werden bald weitere klinische Untersuchungen direkt am Patienten folgen können.

Inhalt Einzelne Themen werden in der Regel entsprechend ihrer Wichtigkeit und Häufigkeit des Auftretens behandelt, sodass ein gelungenes Kurzlehrbuch auf 315 Seiten entsteht, das sich mit allen Themen der Psychiatrie eingehend beschäftigt. Es liefert vor allem farblich hervorgeho-

Didaktik Das Buch enthält viele Merkkästen, die Zusammenfassungen oder Antworten auf Hammerexamensfragen liefern. Zudem sind sehr anschauliche Fallbeispiele angeführt, anhand derer man das Gelernte des jeweiligen Kapitels rekapitulieren kann. Es ist in einfachen Worten geschrieben und erzeugt so einen angenehmen Lesefluss. Zudem sind sehr anschauliche Fallbeispiele angeführt, anhand derer man den Stoff des jeweiligen Abschnitts rekapitulieren kann. Auch die farblich hervorgehobenen Symptomchecklisten lassen auf einen Blick alles Relevante erkennen.

Aufbau Das Buch ist in 27 Kapitel untergliedert, sodass man einen guten Überblick behält. Die Abbildungen veranschaulichen die im Text behandelten Themen gut und übersichtlich.

Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie (Springer)

Oberflächenrezeptoren feuern auch im Zellinneren

Ein Großteil der heutigen Medikamente greift an G-Protein-gekoppelten Rezeptoren an. Diese sitzen auf der Zelloberfläche und leiten Signale von außen in die Zelle. Werden die Rezeptoren länger gereizt, so nimmt sie die Zelle in sich auf. Wissenschaftler vermuteten bisher, dass der Rezeptor dort inaktiv wird. Würzburger Forscher zeigten jedoch, dass er im Zellinneren weiter feuert. Wird der Transport des Rezeptors ins Zellinnere blockiert, so nimmt seine Aktivität ab. Weitere Untersuchungen sollen jetzt herausfinden, ob dies ein genereller Mechanismus ist. Dann könnte gezielt der Transport ins Zellinnere blockiert werden: ein ganz neuer pharmakologischer Ansatz für eine Vielzahl von Erkrankungen.

Zielgruppe Das Buch ist durch die vielen Fakten auf jeden Fall für Studenten ausgelegt, eignet sich hervorragend zur Vorbereitung auf die Psychiatrie-Vorlesung und für die zum 2. Staatsexamen. Außerdem ist es auch für Assistenzärzte ein gelungenes Nachschlagewerk. Vorkenntnisse sind teilweise erforderlich auf verschiedenen Gebieten. Einige Fachbegriffe werden ebenfalls als bekannt vorausgesetzt.

bene Fachbegriffe zu den entsprechenden Krankheitsbildern. In meinen Augen reicht das Kurzlehrbuch aus, um das Wissen für dieses Fach abzudecken. Seine Stärken hat es sicherlich in der Auflistung und schönen Erklärung von Symptomen, wohingegen teilweise zu viel neuer Input eher nachteilig wirkt.

von Karina Hechtel (6. Semester in Rostock) tenden Prüfungen vor. Es werden weitaus mehr Themen als die Grundlagen des Faches sehr gut dargestellt und verständlich gegliedert. Auch das Themengebiet Kinder- und Jugendpsychiatrie findet sich in diesem Buch in adäquater Weise wieder. Zielgruppe Die Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie richtet sich an Studierende im klinischen Abschnitt ihres Medizinstudiums.

Titel: Duale Reihe – Psychiatrie und Psychotherapie Autor: Hans-Jürgen Möller, Gerad Laux, Arno Deister Verlag: Thieme ISBN: 978-3-131-2854-47 Preis: 49,95 €

Kurzbeschreibung Das Buch umfasst 620 Seiten und bereitet sehr gut auf die semester-/trimesterbeglei-

Inhalt Nachvollziehbar und anschaulich werden alle wichtigen Inhalte zur Psychiatrie und Psychotherapie vermittelt. Durch zahlreiche klinische Fallbeispiele, Patientenschilderungen, Patientenbilder und eindrückliche Videos mit Original-Patienteninterviews werden die Inhalte lebendig. Der Haupttext bietet die Inhalte sehr verständlich und gut strukturiert. Eine Vielzahl sehr guter Abbildungen und Tabellen erleichtern das Lesen und Lernen.

Mit den integrierten klinischen Fallbeispielen wird der notwendige Praxisbezug vermittelt. Didaktik Diese Duale Reihe holt den Leser von Anfang an gut ab und bedarf keiner Einstiegslektüre davor. Es bietet für Einsteiger bis zum Beginn des Facharztes ein Fachwissen, welches keine Fragen offen lässt. Sehr hilfreich sind besonders in diesem Fach die eindrücklichen Patientenbeispiele, welche dazu beitragen, sich die Rolle des Patienten noch besser vorstellen zu können. Aufbau Das Buch verfängt sich nicht in Detailwissen sondern behandelt die wichtigen psychiatrischen Erkrankungen in ihren wichtigen Bezügen. Wie alle Lehrbücher aus dieser Reihe besticht das Buch durch die guten zusammenfassenden Lerninhalte, die Abbildungen ergänzen diese.

Sehr gut ist die CD-Rom zum Buch mit aufgezeichneten Patientengesprächen. Preis Das Buch kostet im Handel 49,95€. Der Preis ist angemessen für den Umfang des Buches und seinen gut aufgearbeiteten Inhalten. Fazit Die Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie ist ein ideales Nachschlagewerk, welches auch nach dem Studium im Bücherregal nicht fehlen sollte. Deshalb ist es eine gute Investition bereits im Studium. Auf diesem Fachgebiet ist es meiner Meinung nach längst ein Standardwerk, das seines Gleichen sucht. Von diesem Buch ver­losen wir unter allen Teilnehmern ein Exemplar – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medilearn.de/gw253


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Mit Nadeln zur Beschwerdefreiheit

Der Mini-Torso In halber natürlicher Größe, z.B. für den Schreibtisch. Qualität von 3B Scientific.

Akupunktur aus Patientensicht von Nina Dalitz (MEDI-LEARN)

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ie haben sich wie ein Nadelkissen gefühlt. Oder wie im Himalaja. Oder einfach ganz normal. Dies sind Eindrücke von Patienten, die über ihre Erfahrungen mit der Akupunktur berichten. Alle fühlten sich auf jeden Fall aber ernst genommen und gut behandelt. Es gibt immer mehr Patienten, die Erfahrungen mit Akupunktur gemacht haben. Wir haben einige von ihnen interviewt. Einen kleinen Eindruck bieten wir dir mit diesem Artikel.

ten, bei der ersten Sitzung länger. Der Patient legt sich hin und dann geht es los: Der Akupunkteur setzt die Nadeln und verlässt den Raum. Für 10 bis 20 Minuten bleiben sie stecken. Die normalen Nadeln werden anschließend entfernt. Wurden Dauernadeln gesetzt, werden sie nur mit einem kleinen Patch abgeklebt.

de, Rückentraining oder Medikamente, Rücken schonende Gestaltung des Alltags oder eine Gewichtsreduktion. Ein Patient berichtet: „Vielleicht hat das auch etwas mit einer gewissen positiven psychischen Beeinflussung zu tun.“

Häufig Besserung schon nach der ersten Sitzung

Manche Patienten haben das Glück, überhaupt keine Nebenwirkungen bei der Behandlung zu spüren. Bei sachgerecht durchgeführter Akupunktur durch einen

Bei akuten Beschwerden spüren die Betroffenen schon nach der ersten Sitzung

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Migräne, Kreuzschmerzen, Golferarm

Wegen welcher Beschwerden haben Patienten diese Therapieform in Anspruch genommen? Besonders beliebt ist Akupunktur bei Schmerzen wie Migräne, Rücken- und Hüftproblemen sowie Menstruationsbeschwerden. Aber auch chronische Leiden wie Rheuma oder Heuschnupfen kann man mit Nadelstichen behandeln lassen. Einzelne Patienten sind sogar mit einem „Golferarm“ oder vorzeitigen Wehen zur Akupunktur gegangen.

Den Arzt sehr gut aussuchen

Der Arzt schlug es mir vor und ich probierte es

Grundsätzliches Interesse war bei allen Personen vorhanden, die von ihrem Arzt eine Akupunktur durchführen ließen. Sie hatten Gutes gehört, etwas darüber gelesen oder bereits selber positive Erfahrungen gemacht. Kein Patient ist von sich aus auf den Akupunkteur zugegangen. Der Hausarzt oder Orthopäde hatte es vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde gerne angenommen, in der Hoffnung, endlich wiederkehrende Beschwerden los zu werden. Und, um eine wirksame Alternative zu Medikamenten kennen zu lernen.

Eine Sitzung dauert etwa eine halbe Stunde

Jede Therapie-Sitzung beginnt mit einem Gespräch. Das dauert rund zehn Minu-

schwerden übernehmen viele Kassen nur auf gesonderten Antrag. Dieser wird bewilligt, wenn der Nutzen der Akupunktur erwiesen ist. Manchmal lassen sie sich erweichen, zumindest einen bestimmten Anteil zu zahlen. Ein Patient berichtet „Meine Krankenkasse übernahm die Kosten für die ersten sechs Sitzungen. Auf Grund des Heilungserfolges übernahm sie dann auch die weiteren Kosten für vier Sitzungen.“ Selten gibt es die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Studie z.B. an einer Universitätsklinik akupunktieren zu lassen. In diesem Fall entstehen keine Kosten. Einfacher ist es bei privaten Kassen, sie zahlen häufig den vollen Preis.

Akupunktur: Eine Therapiemethode, die unter Patienten immer beliebter wird

eine Besserung oder zumindest wie ein Befragter beschreibt, „dass in meinem Körper etwas passiert ist.“ Chronisch Kranke konnten erst nach mehreren Sitzungen einen Effekt spüren. Dieser wird überwiegend als lang andauernd, arm an Nebenwirkungen und schmerzlos beschrieben. Die Patienten spüren mehr Energie. Die positiven Veränderungen führen sie nicht nur auf die Akupunktur zurück. Häufig werden nebenbei noch andere Maßnahmen getroffen, wie Verbän-

erfahrenen Arzt mit Zusatzqualifikation sind sie tatsächlich extrem selten. An den Einstichstellen kann es zu blauen Flecken, Rötungen oder Schwellungen kommen. Übelkeit und Schwindel sind möglich.

Die letzte Frage im Interview war, ob sie die Akupunktur weiter empfehlen würden. Die Antworten sind einstimmig. „Ja, weil ich mit meinem eigenen Körper erfahren konnte, wie positiv sich Akupunktur auswirken kann.“ „Ja, es nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, aber diese Zeit lohnt sich.“ „Ja, weil ich es für eine sinnvolle Alternative halte." Und: „Ja, es kann nicht schaden und ist einen Versuch wert.“ Man sollte sich den Arzt gut aussuchen. Empfehlenswert sind Humanmediziner mit einer Zusatzqualifikation im Bereich Akupunktur, man sollte sich den Therapeuten gut aussuchen und ggf. auch einmal im Freundes- oder Bekanntenkreis umhören. ®

Kostenübernahme nur bei erwiesenem Nutzen

Für Migräne und einige Gelenkbeschwerden ist die Akupunktur so etabliert, dass jede Krankenkasse die Kosten dafür übernimmt. Die Behandlung anderer Be-

Das SEIRIN -Akupunktur-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Akupunktur, den wir euch in Kooperation mit 3B Scientific und SEIRIN in der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/akupunktur

Von Scharlatanen, Migräne und fehlender Wärme Akupunktur aus Medizinersicht von Nina Dalitz (MEDI-LEARN)

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ie blicken optimistisch in die Zukunft. Erstens sind Aufwand und Kosten der Behandlung überschaubar. Zweitens machen immer mehr Patienten gute Erfahrungen und geben diese weiter. Deshalb wird sich Akupunktur aus Sicht praktizierender Ärzte weiter etablieren. Vorausgesetzt, sie wird von gut ausgebildeten Medizinern durchgeführt und niemand lässt sich von „Scharlatanen“ unter den Kollegen abschrecken. Weitere Ergebnisse der Akupunkteur-Interviews bieten wir in diesem Artikel.

Rundum wirksam

Die Anwendungsbereiche sind bekannt. Häufigstes Einsatzgebiet ist die Schmerzlinderung: Ob an Rücken oder Zähnen, ob bei Migräne, Rheuma oder Muskelverspannungen. Viele Patienten, bei denen andere Therapien versagt haben, fühlen sich durch die Akupunktur endlich gut behandelt. Atemwegsbeschwerden wie Bronchitis, Heuschnupfen oder andere Allergien können behandelt werden. Nicht zu vergessen sind Suchtprobleme (Essstörungen, Rauchen, und anderes), bei denen eine psy-

chische Komponente beteiligt ist: Schlafstörungen, Stress und Angsterkrankungen. bis zwei

Behandlungen Woche

pro

Kein Aufbau zerstörter Strukturen möglich

Ein Allheilmittel ist Akupunktur aber nicht. Sie kann regulieren und helfen, aber Zerstörtes kann sie nicht wieder aufbauen. So wirkt sie bei Begleiterscheinungen einer bösartigen Krebserkrankung, gegen das Geschwür selber wirkt sie nicht. Sie wirkt gegen die Symptome einer Arthrose, nicht aber gegen die Krankheit selber. Mit Nebenwirkungen ist bei richtiger Anwendung kaum zu rechnen. Bei Fehlern können Hämatome an der Einstichstelle oder sogar eine Verstärkung der Beschwerden auftreten.

Nadelstiche nicht schmerzhaft

Wie stark das Eindrehen der Nadel schmerzt, hängt von der Einstichstelle ab. An den meisten Stellen, auch am Ohr,

sind die Stiche fast nicht zu spüren. An bestimmten Punkten an den Extremitäten, wie Fußknöcheln, Ellenbogen, Fingern oder Zehen sowie im Gesicht werden die Stiche wie ein leichter Stromschlag oder ein dumpfer Druck empfunden.

die Nadeln gezielt Wärme einer ganz bestimmten Wellenlänge ausstrahlen. Sie gibt dem Körper Energie wieder, die zum Beispiel bei Erschöpfung fehlen kann.

Ausführliches Gespräch gehört zur Therapie

Die praktizierenden Ärzte berichten, dass fast alle Patienten gegenüber der Akupunktur sehr aufgeschlossen sind, sicher auch wegen der breiten öffentliche Diskussion. Skeptiker sind nach wenigen Therapiesitzungen überzeugt. Einem Patienten, der sagt, dass er von der Akupunktur gar nichts hält, würden sie eine Behandlung aber nicht anbieten. Die Akzeptanz unter Ärzte-Kollegen ist unterschiedlich, mittlerweile aber größtenteils positiv und von der Tendenz her zunehmend aufgeschlossen.

Pro Sitzung liegen die Nadeln 15 bis 20 Minuten. Eine halbe Stunde dauert eine vollständige Einheit inklusive Gespräch, Setzen und Entfernen der Nadeln. Die erste Sitzung kann eine ganze Stunde dauern, da hier zusätzlich die Anamnese erhoben wird und der Arzt sich ein individuelles Bild vom Patienten macht. Je nach Patient und Beschwerde finden ein bis zwei Behandlungen pro Woche statt.

Wärme, die dem Körper Energie geben soll

Bei manchen Therapieformen werden die Nadeln erhitzt. Bei der so genannten Moxibustion wird das Moxa-Kraut verwendet, eine chinesische Beifuß-Art. Die Methode soll dem Körper Energie zuführen, indem

Die meisten Patienten sind sehr aufgeschlossen

®

Das SEIRIN -Akupunktur-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Akupunktur, den wir euch in Kooperation mit 3B Scientific und SEIRIN in der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/akupunktur

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Kurz notiert

Was ist der MFT?

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) ist eine Konferenz der medizinischen Universitäten mit Sitz in Berlin. Mitglieder dieses Vereins sind die 36 medizinischen Ausbildungsstätten und zwei Gastfakultäten. Der MFT sieht sich als Vertretung der medizinischen Universitäten und vertritt die Interessen z.B. als Ansprechpartner für Bund, Länder, Institutionen und Verbände der Hochschul- und Gesundheitspolitik. Der MFT fördert die autonome Gestaltung von Forschung und Lehre in der Medizin. In jüngster Zeit bezog der MFT z.B. Stellung gegen eine Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Medizin und setzt sich für eine Beibehaltung der Studienstruktur mit Staatsexamina ein.

Wie alt sind Studenten bei Beginn?

Wie viele „Opas“ sitzen eigentlich im Hörsaal? Auf jeden Studienplatz kommen vier Bewerber. Der Zugang zum Medizinstudium ist hart umkämpft. Wer in der Hochschul- oder Abiturquote seine Chance verpasst hat, kann in der Wartezeitquote – auf Kosten einiger Jahre – zum Zuge kommen. Man könnte denken, dass ein hoher Anteil erst in späteren Jahren mit dem Studium beginnt. Mehr als die Hälfte ist zwischen 18 und 20 Jahren alt, weitere 40 % kommen auf 21 bis 26 Lenze. Die Oldie-Fraktion wird von 10 % der Studis gebildet, die bereits zu Studienbeginn auf mehr als 27 Jahre zurückblicken.

Leider leidet die Lehre

Der mit der neuen Ärztlichen Approbationsordnung erzeugte Prüfungsdruck muss laut Medizinischem Fakultätentag (MFT) einer Analyse unterzogen werden. Prüfungszeiten dürfen nicht weiter auf Kosten einer nachhaltigen Lehre erhöht werden. Der MFT wird sich intensiv mit der Frage eines nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs auseinandersetzen. Ehemalige MFT-Präsident Dr. von Jagow dazu: „Wir beobachten mit Sorge, dass eine Erweiterung der Prüfungs-fächer im Medizinstudium stattfinden soll, ohne dass Mittel für bessere Ausbildungsverhältnisse bereitgestellt werden. Die Prüfungs- und Ausbildungsregularien müssen reformiert werden.“

Wie gut ist die ärztliche Weiterbildung?

Fast 30.000 Ärztinnen und Ärzte haben im Rahmen einer Online-Umfrage der Bundesärztekammer Auskunft über die Situation der Weiterbildung in Deutschland gegeben. Mit den Ergebnissen soll eine Strategie entwickelt werden, wie die Qualität der Weiterbildung gesichert und der Ärztemangel behoben werden kann.

DocD´or Verbands- und finanztestgeprüfter Berufsunfähigkeitsschutz für junge Mediziner auf www.aerzte-finanz.de


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Umfassender Schutz in Schwangerschaft und Stillzeit

Deutsches Recht gilt im internationalen Vergleich als besonders streng Redaktion MEDI-LEARN

I

n überraschender Weise verändert die so genannte „Schweinegrippe“ in diesen Wochen den Alltag in nordrheinwestfälischen Kliniken und Arztpraxen: Wegen der Gefahr einer Ansteckung mit dem neuen Influenza-Typ hat das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit empfohlen, schwangere Mitarbeiterinnen sofort von der Arbeit freizustellen. Bei einem eventuellen Kontakt mit infizierten Patienten seien sie besonders gefährdet, argumentiert die Behörde. Die Rechtsgrundlage für diesen Schritt findet sich im

mehr als 50 Jahre alten Mutterschutzgesetz sowie der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz. Beide betreffen ausschließlich Arbeitnehmerinnen, also zum Beispiel nicht Studentinnen, die ein Praktikum ableisten. Ob in Voll- oder Teilzeit gearbeitet wird, spielt dagegen ebenso wenig eine Rolle wie eine Befristung des Beschäftigungsverhältnisses. Vielmehr gilt ein fast lückenloser Kündigungsschutz vom Beginn der Schwangerschaft bis mindestens vier Monate nach der Entbindung.

Weder Nachtdienste noch Arbeit an Sonn- und Feiertagen

Die eigentliche Mutterschutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und dauert nach der Entbindung noch weitere acht Wochen. Aber schon ab dem Zeitpunkt der Meldung der Schwangerschaft beim Arbeitgeber sind sehr zahlreiche Vorschriften zu beachten. Es darf von nun an nicht mehr nachts (zwischen 20 und sechs Uhr), sonntags oder an Feiertagen gearbeitet werden. Innerhalb von zwei aufeinander folgenden Wochen sind nicht mehr als insgesamt 90 Stunden erlaubt.

Regelungen gelten während gesamter Stillzeit Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass der Mutterschutz vom Gesetzgeber nicht ausdrücklich befristet wurde. Beinahe alle Regelungen sind nicht nur während der Schwangerschaft und nach der Geburt während der achtwöchigen Schutzfrist anzuwenden, sondern grundsätzlich während der gesamten Stillzeit. Ein Weitergelten beispielsweise für ein ganzes Jahr nach der Entbindung ist in der Rechtsprechung unstrittig, falls noch gestillt wird. Das betrifft die oben genannten Beschränkungen der Arbeitszeit ebenso wie die Vo r s c h r i f t e n bezüglich der Art der Tätigkeit und der Arbeitsumgebung. Letztere sind im medizinischen Bereich besonders zahlreich und gehen über das Verbot schwerer körperlicher Arbeit, häufiges Bücken, Beugen, Strecken und die Vermeidung von Verletzungen durch Stürze oder Ausrutschen weit hinaus. Als „erhöhte Unfallgefahr“ wird auch der Umgang mit unruhigen und potenziell aggressiven Patienten angesehen. Tätigkeiten mit Notfallcharakter sind generell untersagt, sei es im Rettungswagen oder der Klinik.

Vorschriften sichern Schutz vor Infektionen

Vorrangig im Hinblick auf mögliche Infektionen ist Schwangeren jedes Han-

tieren mit Injektionsnadeln und Skalpellen verboten. Daher besteht ein Beschäftigungsverbot für Blutabnahmen, Injektionen, chirurgische Eingriffe jeder Art sowie Labortätigkeiten mit dem Risiko eines ungeschützten Blutkontakts. Ebenfalls wegen der Infektionsgefahr ist schwangeren Medizinerinnen der Umgang mit Kindern nur erlaubt, wenn sie selbst einen nachgewiesenen Titer gegen Röteln, Ringelröteln, Zytomegalie, Windpocken, Pertussis, Masern und Hepatitis haben.

Gefährdungen am ArbeitsSeltenheit

platz sind keine

Zahlreich sind zudem die chemischen Stoffe, mit denen werdende und stillende Mütter am Arbeitsplatz nicht in Kontakt kommen sollen. Auf der Liste der so genannten CMR-Stoffe, die krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend wirken können, stehen Labor- und Röntgenchemikalien, Narkosegase, Zytostatika und anderes mehr. Beim Umgang mit ionisierenden Strahlen und Radionukliden besteht ein generelles Beschäftigungsverbot im Sperrbereich und gleichermaßen für den Umgang mit Patienten, denen radioaktive Stoffe appliziert wurden. Beim Einsatz mobiler Röntgengeräte zum Beispiel auf der Intensivstation muss die werdende Mutter während des Aufnahmevorgangs den Raum verlassen. Lassen sich Gefährdungen nicht durch eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes ausschließen, kommen ein Arbeitsplatzwechsel oder in letzter Konsequenz die Freistellung infrage, wie sie jetzt von Behörden in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit der Neuen Influenza dringend empfohlen wurde. Ohnehin gelten die bundesdeutschen Mutterschutz-Regelungen im internationalen Vergleich als äußerst streng.

Zahlreiche Einschränkungen vor allem in der Medizin Für Medizinerinnen kämen sie allerdings faktisch einem Berufsverbot während der Schwangerschaft und in der Stillzeit gleich, beklagt die Bundesärztekammer und fordert eine Modernisierung der Vorschriften. Andernfalls gebe es für werdende und stillende Müttern im Klinikalltag kaum einen anderen Platz als den am Schreibtisch. Wir verlosen Checkliste Gynäkologie von Thieme – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw254


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Geld vom Staat hilft jungen Müttern und Vätern Rund ein Jahr gibt es bis zu 1.800 Euro monatlich Redaktion MEDI-LEARN

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eit mit dem eigenen Kind ist unschätzbar wertvoll. Damit sie insbesondere kurz nach der Geburt dennoch kein seltener Luxus bleibt, bietet der Staat jungen Müttern und Vätern einen Ausgleich für entgangenes Einkommen an: Wer sich zu Hause um den Nachwuchs kümmert, anstatt in Vollzeit zu arbeiten, kann das so genannte Elterngeld beantragen. Dessen Höhe hängt davon ab, wie viel in den zwölf Monaten vor der Geburt verdient wurde. maximal

1.800 Euro im Monat

Anspruch auf Elterngeld haben im Prinzip alle Mütter und Väter, die mit ihrem Kind im selben Haushalt wohnen und seinetwegen in der Zeit nach der Geburt auf Einkommen ganz oder teilweise verzichten. Sie erhalten zwei Drittel des durchschnittlichen Nettoverdienstes im vergangenen Jahr (maximal 1.800 Euro pro Monat) ausgezahlt. Mindestens sind es 300 Euro, die bis zum ersten Geburtstag des Kindes regelmäßig überwiesen werden.

Eltern können den Zeitraum aufteilen

Von dieser Faustregel gibt es ein paar Ausnahmen. Falls beide Eltern bereit sind, wegen des Kindes ganz oder teilweise zu Hause zu bleiben, erhöht sich der gemeinsame Anspruch auf 14 Monate. Diesen können sie fast beliebig unter sich aufteilen, also beispielsweise gleichzeitig je sieben Monate nehmen oder nacheinander verschieden lange Zeiträume. Jedoch darf jeder Elternteil die Leistungen für höchstens zwölf Monate beantragen – wenigstens zwei sind für den Partner reserviert. In der Praxis stammt allerdings nur etwa jeder zehnte Antrag von einem Mann. Alleinerziehende Mütter und Väter können für insgesamt 14 Monate Elterngeld erhalten, also die beiden „Partner-Monate“ zusätzlich für sich beanspruchen. Voraussetzung ist, dass sie das alleinige Sorgerecht für das Kind haben, im Jahr vor der Geburt über ein eigenes Einkommen verfügten und auf dieses nun ganz

oder teilweise verzichten. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, haben auch Alleinerziehende lediglich den regulären Anspruch auf Elterngeld bis zum ersten Geburtstag ihres Kindes. Gezahlt wird faktisch zumeist nur für zehn Monate, denn das Elterngeld wird mit dem Mutterschaftsgeld verrechnet. Da dieses in den ersten acht Wochen nach der Niederkunft in der Regel die höhere Leistung darstellt, wirkt sich der Anspruch auf Elterngeld nicht aus. Das kann nach Mehrlingsgeburten anders sein: Wer Zwillinge bekommt, erhält 300 Euro, bei Drillingen 600 Euro, mehr. Für ältere, aber noch nicht schulpflichtige Geschwisterkinder wird zudem ein Bonus von je zehn Prozent (mindestens 75 Euro) gewährt.

Nettoeinkommen in den zwölf Monaten vor der Geburt und dem danach erzielten. Spätestens hier wird ein genereller Nachteil der Berechnungsweise staatlicher Leistungen im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes deutlich, den insbesondere Ärztinnen erleiden: Während der Schwangerschaft sind ihnen viele Tätigkeiten und das Arbeiten nachts sowie an Sonn- und Feiertagen untersagt. Ihr Einkommen kann deshalb gerade in jenem Zeitraum erheblich sinken, der die Bemessungsgrundlage von Mutterschaftsgeld und Elterngeld darstellt. Eine nach Ende der Mutterschutzfrist aufgenommene Teilzeittätigkeit unterliegt diesen Einschränkungen nicht mehr. In der Folge reduziert sich der Auszahlungsbetrag ein zweites Mal.

Ärztinnen werden benachteiligt

Werdende Mütter sollten sich deshalb zum Beispiel Überstunden gegebenenfalls noch vor der Geburt auszahlen lassen. Bei gemeinsamer steuerlicher Veranlagung mit dem Ehepartner kann außerdem der Wechsel in die Steuerklasse 3

Bis zu 30 Stunden pro Woche darf während des Elterngeld-Bezugs gearbeitet werden. Ausgezahlt werden in diesem Fall zwei Drittel der Differenz zwischen dem

sehr lohnenswert sein, wenn er unabhängig von der bevorstehenden Elternschaft einen steuerlichen Vorteil mit sich bringt und schon deutlich vor der Geburt erfolgt.

Gezahlt wird faktisch zumeist nur für zehn Monate Andernfalls berechnet die bewilligende Behörde das Nettoeinkommen wahrscheinlich auf Grundlage des vorherigen Steuersatzes. Zeit lassen kann man sich hingegen mit der Antragstellung, denn geleistet wird für bis zu drei Monate rückwirkend. Auch der Gesetzgeber weiß: Frisch gebackene Eltern haben zunächst ganz anderes im Sinn, als Formulare auszufüllen. MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es online auch als Audio-Datei zum Download unter: www.medi-learn.de/podcast

Die Zukunft der Medizin ist weiblich

Herausforderung und Chance für alle: Deutscher Ärztinnenbund bietet Broschüren Redaktion MEDI-LEARN

D

ie Feminisierung der Medizin schreitet in Deutschland rapide voran und erreicht auch die Patientinnen und Patienten. Mindestens sechs von zehn Erstsemestern im Fach Humanmedizin sind Frauen, bei den Berufseinsteigerinnen stellen Ärztinnen knapp 60 Prozent. Die Perspektiven für Medizinstudierende, eine Stelle zu bekommen, scheinen insgesamt so gut wie nie zuvor. Der Deutsche Ärztinnenbund fordert daher, dringend notwendige familien- und frauenfreundliche Arbeitsbedingungen in Kliniken und Praxen forciert umzusetzen, statt den Ärztemangel zu beklagen. Die Präsidentin des Deutschen Ärztin-

nenbundes, Dr. med. Astrid Bühren: „Ich betrachte die Feminisierung der Medizin als große Chance für Ärztinnen und Ärzte und auch für die Patienten: Immer mehr wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass weibliche Ärzte ihre Patienten besser therapieren: sie sind deutlich zugewandter, fürsorglicher und empathischer. Und sie bereichern die Medizin indem sie zunehmend erforschten Geschlechtsunterschiede in der Medizin berücksichtigen, so dass Frauen mit chronischer Herzschwäche bei einer Ärztin tatsächlich in besseren Händen sind“. Familienfeindliche Arbeitsbedingungen in Kliniken und Praxen erschweren es

Ärztinnen, im gewünschten Ausmaß ärztlich tätig zu sein oder reduzieren ihre Karrierechancen. Dr. med. Katrin Welcker, Leitende Oberärztin am Klinikum Bremen-Ost: „Kinder und Karriere – das geht immer noch nicht. Ohne massive Unterstützung ist dies vor allem auch für alleinerziehende Mütter gar nicht zu schaffen. Nach sechs Jahren hartem Studium sind die Bedingungen in einer Klinik für hochmotivierte Ärztinnen – von Ausnahmen abgesehen – alles andere als familienfreundlich. Ich konnte Familie und Beruf nur unter einen Hut bringen, weil ich von meiner Familie unterstützt wurde.“ Die Feminisierung in der Medizin wird

jedoch in der ärztlichen Selbstverwaltung, in den Fachgesellschaften durchaus als Bedrohung empfunden und negative thematisiert. So wird inzwischen das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe absolut von Frauen dominiert. Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): „Die zunehmende Feminisierung in unserem Fach ist eine große Herausforderung. Das Fach und das Berufsbild muss in vielen Teilen völlig neu gestaltet werden, insbesondere in Anbetracht der existierenden Arbeitszeitgesetze und auf

Grund der Anforderungen an die Ausund Weiterbildung. Beruf und Familie müssen in Zukunft in viel stärkerem Maße in Einklang gebracht werden. Wichtig ist, dass Ärztinnen auch in leitende Positionen Eingang finden.“ Der Deutsche Ärztinnenbund hat Checklisten „Das familienfreundliche Krankenhaus“, „Studieren mit Kind“ sowie „Die familienfreundliche Niederlassung“ erarbeitet. Diese Checklisten sind auf der Homepage des DÄB abrufbar. Ebenso findet sich dort eine Liste mit Kliniken, die Kinderbetreuung anbieten. www.aerztinnenbund.de


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Stiftung Nordlicht vergibt Stipendien

Die Stiftung Nordlicht vergibt für 2010 Stipendien für einen Workand-Travel-Aufenthalt, Auslandspraktika im Wert von über 10.000 Euro. Alle jungen Erwachsene, die gerne ein Auslandsprogramm absolvieren möchten, damit verbundene Kosten aber nicht aus eigener Kraft aufbringen können, haben noch bis zum 30. November die Möglichkeit, sich für das Nordlicht Stipendium zu bewerben. Entscheidend für die Vergabe eines Stipendienplatzes ist vor allem das soziale Engagement. Als Belohnung lockt z.B. das DKB Stipendium für einen Work-andTravel-Aufenthalt inklusive Flug nach Australien.

Bio oder Normalprodukte?

Der Markt mit Biolebensmitteln boomt. Die Verbraucher sind überzeugt, dass Bio einen größeren Nährwert beinhaltet. Wissenschaftlich fundierte Daten zum Nährstoffgehalt sind jedoch Mangelware. Wie die MMW in ihrer 36. Ausgabe berichtet, werteten Wissenschaftler aus London über 50.000 Publikationen der letzten 50 Jahre zum Thema Bio aus. Ergebnis: Es gibt keine Beweise dafür, dass die ökologisch produzierten Lebensmittel vom Nährstoffgehalt her den konventionellen vorzuziehen sind. Es ist nicht zu erwarten, dass einige wenige unterschiedliche Faktoren die Gesundheit wesentlich beeinflussen.

Last-MinuteStudienplatz

Es gibt gute Gründe, einen OnlineMarktplatz für freie Studienplätze im Internet bereit zu halten: Immer mehr Studiengänge sind zulassungsbeschränkt, viele Interessenten bewerben sich für mehrere Studiengänge oder erhalten Zusagen für einige Studienplätze und können nur einen annehmen. Und dann wären da noch die Nachrückrunden, die ebenfalls noch einmal dafür sorgen, dass neue Plätze besetzt werden. Daher gibt es unter www. freie-studienplaetze.de ein Webangebot mit einer Übersicht der noch zu vergebenden Plätze an den Unis. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und ZVS.

Studieren in Nachbarländern

Ein Studium im europäischen Ausland ist für viele deutsche Schulabgänger eine Alternative zum heimischen Angebot. Besonders in den NC-Fächern Medizin, Psychologie und Tiermedizin ist es für einige sogar die einzige Möglichkeit, eine lange Wartezeit zu vermeiden, indem sie sich um Studienplätze im Ausland bemühen. Das CHE-HochschulRanking lädt ausländische Hochschulen, die für deutsche Studierende von Interesse sein können, zur Teilnahme am Ranking ein. 110 Fachbereiche an 36 Hochschulen haben im letzten Ranking diese Möglichkeit genutzt und damit den deutschen Studieninteressenten ihr Angebot präsentiert.

Betriebswirtschaftliches Denken unerlässlich

Auf dem Weg zur eigenen Praxis Redaktion MEDI-LEARN

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ie eigene Arztpraxis – für viele ist sie der Inbegriff beruflicher Freiheit, Unabhängigkeit und nach oben offener Einkommenschancen. Doch der Schritt in die Selbstständigkeit will wohl überlegt sein, denn die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Neben fachlicher Kompetenz sind bereits im Vorfeld unternehmerische Qualitäten unerlässlich. Und der Weg zur Niederlassung als Arzt gleicht in der Bundesrepublik einem Hürdenlauf.

100 80 60 40 20 0

34 6522 84 6876 57 6402 11 7110 30 6592 80 6040 92 3 0 0 6 87 6155 91 7884 186 1486 74 8384

59 4952 59 4802 90 5416 89 5817 40 5846 89 5166 04 7389 80 5861 43 6555 350 1488 17 6950

Teils rigorose Beschränkungen

Viel hängt davon ab, in welcher Region eine neue Praxis gegründet oder eine schon bestehende übernommen werden soll. Neben drastisch unterversorgten Gebieten gibt es solche mit rigorosen Beschränkungen. Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) führt daher eine mehr oder weniger lange Warteliste für die Zulassung als Vertragsarzt. Nur mit einer solchen Zulassung sind Mediziner berechtigt, ihre Leistungen mit den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung abzurechnen. Voraussetzung für die Aufnahme in diese Warteliste ist der Eintrag in das Arztregister des KV-Bezirks, in dem man seinen Wohnsitz hat. Beim Antrag sind unter anderem die Approbation, Weiterbildungen und sämtliche ärztlichen Tätigkeiten seit dem Staatsexamen nachzuweisen.

die Auswahl von Wandfarben und Kübelpflanzen erheblich mehr Spaß als die Berechnung von Buchwerten oder der Rendite des Betriebsvermögens. Aber gerade bei Immobilien hat die mangelnde Beachtung der Konditionen und tatsächlichen Kosten viel weitreichendere Folgen als die Entscheidung für einen falschen Vorhangstoff.

% 31,70 % 43,19 % 18,20 % 22,21 % 12,76 % 16,91 5% -18,7 5,02% % 20,28 % -0,15 % 20,64

% 41,95 5,44% % -6,90 % 11,05 % -7,28 % -8,37 % -0,61 2,53% % 28,09 % 88,48 8% -43,5

Versicherungen gegen wirtschaftlichem Schaden

Viele Vermieter fordern nämlich Vertragslaufzeiten von fünf oder sogar zehn Jahren, und ohne weitere Regelung wäre der Mietzins in jedem Fall ohne Wenn und Aber für die gesamte Zeit zu entrichten. Gerade bei Neugründungen sollte daher eine Ausstiegsklausel beispielsweise für den Fall wirtschaftlicher Er-

Die erfolgreiche Bewerbung um einen Arztsitz und Zulassung als Vertragsarzt sind nun möglich, aber alles andere als eine Erfolgsgarantie. Die Rahmenbedingungen für das Arbeiten auf eigene Rechnung haben sich seit etlichen Jahren immer weiter verschlechtert: Während die Zahl der Ärzte zunahm, wurde ihre Einkommensbasis durch Budgetierungen und Kürzungen im Gesundheitssektor schmaler. Die Vermittlung betriebswirtschaftlicher Kenntnisse ist während der gesamten Mediziner-Ausbildung nirgends vorgesehen. Bedrückende Folge: Mehr als ein Fünftel der deutschen Arztpraxen muss hierzulande wenigstens zeitweise unter Aufsicht der Gläubigerbanken wirtschaften.

folglosigkeit oder andauernder Berufsunfähigkeit ausdrücklich vereinbart werden. Für den durch zeitweise Erkrankung des Inhabers entstehenden wirtschaftlichen Schaden kann zugleich mit einer Betriebsunterbrechungs-Versicherung vorgesorgt werden. Zwingend notwendig ist in jedem Fall die Berufshaftpflicht-Versicherung. Seinen Platz weit vor dem Eröffnungstag hat nicht zuletzt der kritische Blick auf die eigene psychische Belastbarkeit. Neben rechtlichen und finanziellen Belangen erscheinen ethische Fragen des Berufs in einem anderen Licht. Schon aus Kostengründen kann nicht jedem Kranken die bestmögliche Versorgung angeboten werden. Doch was geht und was nicht, entscheidet nun nicht mehr die Klinikverwaltung vom Schreibtisch aus. Ähnliches gilt für das Praxispersonal. Die aus dem Gebot der Wirtschaftlichkeit sich ergebenden persönlichen Konflikte sind für manchen Mediziner schwer erträglich und können einen gewichtigen Grund darstellen, auf die Niederlassung letztlich zu verzichten. MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es online auch als Audio-Datei zum Download unter: www.medi-learn.de/podcast

Mehrzahl haftet mit dem Privatvermögen

Von zentraler Bedeutung für den Erfolg der Freiberufler im weißen Kittel ist deshalb längst die Planung, Steuerung und Kontrolle – neudeutsch „Controlling“ – von allem, was auch nur entfernt mit Geld zu tun hat. Das gilt schon während der Vorbereitung der Niederlassung und kann gerade dann sehr wohl ausschlaggebend für das spätere wirtschaftliche Überleben sein. Schließlich muss die Mehrzahl der nach Selbstständigkeit strebenden Mediziner das gesamte Geschäftskapital selbst aufbringen, das unternehmerische Risiko allein tragen und für Verbindlichkeiten auch mit ihrem Privatvermögen haften. Gutes Beispiel für die Wichtigkeit vorausschauenden ökonomischen Denkens und Handelns ist die Wahl der Praxisräume. Sicher machen kreative Überlegungen zur Gestaltung des künftigen Wartezimmers,

Berufsunfähigkeit kommt oft. Doch für Dich gibt es einen besonderen Schutz. Als angehende Ärztin oder als angehender Arzt weißt Du: Jeder Fünfte wird berufsunfähig. Gerade für Berufsanfänger kann es dann finanziell ganz schön eng werden. Schütze Dich: Mit der mehrfach ausgezeichneten Berufsunfähigkeitsversicherung der Deutschen Ärzteversicherung. Sichere Dir Bestnoten für Deine Zukunft auch bei Berufsunfähigkeit. Rufe uns an unter 02 21/14 82 27 00 www.aerzteversicherung.de


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Sport schafft Ausgleich fürs lange Sitzen Wie Studenten ihre freie Zeit nach dem Lernen nutzen Redaktion MEDI-LEARN

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orlesungen, Seminare, Lerngruppen – viel Zeit bleibt da nicht. Nur etwa zehn Stunden pro Woche hätten sie wirklich mal frei, schätzen viele junge Mediziner. Vielleicht sind es auch doppelt so viele, meinen die Optimisten unter ihnen.

der langen Liste der bevorzugten Sportarten stehen Joggen und Inlineskaten, außerdem natürlich Klassiker wie Fußball, Handball, Schwimmen und Radfahren. Aber auch an Exoten mangelt es nicht: Beachvolleyball, Ballett und Kickboxen

schen fünf und 20 Euro im Monat wert. Die Gebühren für eine Mitgliedschaft im Uni-Fitnesszentrum bewegen sich typischerweise in dieser Spanne. Auch deutlich höhere Beträge werden akzeptiert, zumal wenn Tennis, Windsurfen

oder Golf angegeben wurden. Prestige hat gerade im Sport eben seinen Preis – und selbst der Jogger im Stadtpark braucht ja schließlich irgendwann mal neue Schuhe.

An zweiter Stelle auf der Liste der Freizeitaktivitäten folgt ein bis vier Mal im Monat das „Weggehen“, womit vorwiegend das Feiern mit Freunden gemeint ist, alternativ an einem oder zwei Abenden „kulturelle Veranstaltungen“. Theoretisch zählen die Oper, klassische Konzerte und Besuche in Museen mit dazu, doch spielen sie statistisch keine nennenswerte Rolle. Wenn schon Kultur, dann bitte Kino. Die Karten dafür sind selbst mit Studentenausweis noch teuer genug. „Geld und Freizeit“ ist bei genauem Hinsehen ein recht heikles Thema: Zwar sollen beim Weggehen pro Abend möglichst nicht mehr als zehn oder auch 15 Euro ausgegeben werden, doch ist das Feiern insgesamt um einiges teurer als der Sport. Wenn es um die monatlichen Kosten für Baileys oder Ballett, Tequila oder Taekwondo geht, setzten fast alle Umfrage-Teilnehmer 098974 apoAnzeige 208x214 studi_2:Layout 1 15.07.09 17:05 Seite 1 klare Prioritäten.

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Laufen im Fitnessstudio: Viele Studis sparen sich das Geld lieber und drehen Park-Runden

Was auf dem Programm steht, nachdem am Abend das Lehrbuch zugeklappt wird, stellte sich bei einer MEDI-LEARN-Umfrage im Frühjahr 2009 heraus. Sport soll bei gut der Hälfte den Ausgleich für langes Sitzen im Hörsaal oder am Schreibtisch schaffen. Weit oben auf

wurden ebenso aufgelistet wie Tauchen und Wellenreiten. Von guten Vorsätzen immerhin und zudem einer soliden Kenntnis der neuen Rechtschreibung zeugt der Eintrag „evtl. bald Fitnessstudio“. Jeder Fünfte will für seinen Sport keinen Cent herausrücken. Den meisten jedoch ist die Sache immerhin zwi-

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Meist kommt das Geld von den Eltern Medizinische Berufe führen die Liste an Redaktion MEDI-LEARN

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hren Lebensunterhalt bestreiten junge Mediziner in der Hauptsache aus zwei Quellen. Drei Viertel werden ganz oder überwiegend von den Eltern finanziert, die anderen können sich mit wenigen Ausnahmen über eine regelmäßige Überweisung vom BAföG-Amt freuen. Geld aus Nebenjobs hingegen wird vorzugsweise in Dinge investiert, die das Leben schöner machen. Das kam bei einer MEDI-LEARN-Umfrage im Frühjahr 2009 heraus. Offenbar orientieren sich viele Eltern in Deutschland recht genau an dem, was laut Bundesausbildungförderungs-Gesetz als angemessen gilt. Zurzeit sind das theoretisch bis zu 643 Euro, doch in der Praxis erfüllen die wenigsten die Bedingungen für diesen so genannten BAföG-Höchstsatz. Tatsächlich erhalten Studierende, die nicht mehr zu Hause wohnen, deshalb von der Behörde oder eben von der Familie zumeist zwischen 550 und 580 Euro im Monat. Für angemessen halten die Studierenden selbst aber eben doch eher den Höchstsatz, also ungefähr einen Hunderter mehr. Um den zusätzlich zur Verfügung zu haben, hat fast genau die Hälfte der Befragten minde-

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stens einen Nebenjob, jeder Dritte sogar mehrere. Häufigstes Motiv ist die Steigerung der Lebensqualität. Die Mehrheit gibt an, dass sie auch ohne diese Einnahmen zurechtkommen könnte.

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Gleichwohl zeigen sich junge Mediziner in Sachen Nebenverdienst durchaus erfindungsreich: Sie jobben als HiWi an der Uni oder als Aushilfe in Arztpraxen, verteilen Prospekte auf Messeständen, verbringen ganze Wochenenden im Rettungswagen oder Nächte auf der Pflegestation, geben Nachhilfe und füllen im Einzelhandel Regale auf. Die Liste ließe sich beinahe endlos fortsetzen. Gezahlt werden üblicherweise acht bis zehn Euro pro Stunde, und wohl nicht nur deshalb bekommen diese Jobs fast immer die Note „eins“ oder „zwei“.

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Generell gilt, dass die unter anderem für die Sozialversicherungspflicht im laufenden Semester geltende Freigrenze von 20 Wochenstunden für Studentenjobs sehr selten ausgeschöpft wird. Kaum jemand arbeitet mehr als zehn Stunden pro Woche nebenher. Freizeit ist ohnehin knapp, und Lernen geht allemal vor.

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NEU! Der Hammerplan von MEDI-LEARN

Dem Tod mit Respekt begegnen Momentaufnahmen aus dem Präparationskurs von Olga Kogan

M In 100 Tagen zum 2. Staatsexamen Der 2. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung umfasst laut neuer AO das gesamte klinische Wissen, so dass die geforderte Stoffmenge kaum zu bewältigen scheint. Eine genauere Analyse der bisherigen Hammerexamina hat jedoch gezeigt, dass inhaltlich eine große Übereinstimmung mit dem alten 2. Staatsexamen gegeben ist, während der Stoff des alten 1. Staatsexamens kaum geprüft wird.

Dieser Analyse folgend haben wir einen Lernplan zusammen gestellt, in dem der Lernstoff auf das Wesentliche reduziert, strukturiert und auf 100 Tage verteilt wurde. Der 100-Tage-Lernplan und ausführliche Erläuterungen mit zusätzlichem Kreuzplan stehen im Internet zur Verfügung unter: www.medi-learn.de/ hammerplan Deine Meinung ist uns wichtig!

it einem Schlag kehrte Ruhe ein, als der Leiter des anatomischen Instituts uns zum Semesteranfang begrüßte und mit der Einführung in den Präparationskurs begann. Die Tatsache, dass es schon mein zweites Semester war, minderte die Aufregung kein Stück. Nicht nur ich, sondern wir alle taten so, als ob nichts wäre. Wir rutschten jedoch unruhig auf unseren Stühlen hin und her. „Vergessen Sie nie, Ihre Körperspender mit derselben Vorsicht und mit demselben Respekt zu behandeln wie Ihre künftigen Patienten. Der einzige Unterschied zwischen ihnen ist nur, dass die Körperspender geduldiger sind.“ Dieser Gedanke des Professors war mir bis dahin noch nicht bewusst gewesen, blieb jedoch als Dogma in meinem Bewusstsein hängen.

lie? Was hatte ihn dazu bewogen, sich der Wissenschaft zu vermachen, und wo war er jetzt? Ich hielt es für angebracht, für ihn zu beten. Diese Handlung brachte mir wenigstens etwas Wärme und minderte mein Gefühl der Einsamkeit und Isolation inmitten der vielen Menschen.

An die frische Luft, in die Sonne, ins Leben. Es schien ein Traum gewesen zu sein Dann wurde er wieder zugedeckt. Wir stürmten, einander überholend hinaus an die frische Luft, in die Sonne, ins Leben.

der Mann auf dem Bauch lag und ich nicht in sein Gesicht sehen, nicht seinem getrübten, starren Blick begegnen musste.

Den Menschen entdecken

Im Laufe der Zeit lockerte sich die Stimmung. Man lachte, man redete, man tat so, als ob nichts wäre, als stünde man in der Küche und würde statt menschlichem Fleisch eine Hähnchenbrust auseinander schneiden. Wie gut wir es doch gelernt haben, die Wahrheit zu verdrängen! Wie undurchsichtig war doch der Vorhang, den wir uns vor die Augen gehängt hatten! Aber es war vielleicht die einzige Möglichkeit,

Die Komplexität des Körpers

Dem Tod ins Auge blicken

Nach dem Kennenlernen des Tischbetreuers und der beiden Vorpräparanten versammelten sich die Gruppen um ihre Körperspender. Wir bildeten einen Kreis um den silbernen Stahltisch herum. Alle Augen richteten sich auf die Umrisse des Körpers unter dem formalindurchtränkten Tuch. Die Vorpräparanten, studentische Hilfskräfte höherer Semester, sahen uns prüfend an und schlugen das Tuch zur Seite. Wie lange hatte ich mir Gedanken über diesen Moment gemacht, wie viele verschiedene Bilder hatten sich vor meinem inneren Auge abgespielt! Nun stand ich vor ihm, vor diesem Mann, der etwas hinter sich gebracht hatte, woran sich die meisten Menschen noch nicht mal zu denken trauen – er hatte dem Tod ins Auge geblickt. Stille. Beklommenes Schweigen, verlegenes Starren auf den Boden, nervöses Lachen: Jeder reagierte auf seine eigene Art. Der scharfe, ungewohnte Formalingeruch stieg mir in die Nase. Irgendwas ließ mich schwanken. Ich griff nach dem Tisch – eisige Kälte. Fühlte sich so der Tod an? In meinem Kopf drehte sich alles, als hätte ich zu viel getrunken. Ich hörte ein lautes Schlucken. War ich das? Mein Blick glitt über den Körper. Meine Erfahrung aus dem Krankenpflegepraktikum sagte mir, noch bevor ich das Stroma entdeckte: onkologischer Patient, wahrscheinlich Colon CA. Ich hatte diese Patienten zur Genüge gesehen. Diese riesigen, vor Schmerz und Hoffnungslosigkeit lautlos um Hilfe schreienden Augen in einem winzigen, zusammengeschrumpften, abgemagerten und wie eine trockene Pflaume dehydrierten Gesicht! Wie viel dieser Mann durchgemacht haben musste. Ich spürte, wie meine Augen anfingen zu brennen.

Wer war dieser Mensch?

Stille. Jeder verarbeitete diese Begegnung für sich. Ein Vakuum um jeden Einzelnen im großen, kahlen Saal ohne Fenster, ohne Wärme. Eine Schweigeminute folgte. Was mochten die anderen wohl denken? Wahrscheinlich Ähnliches wie ich: Wer war dieser Mensch? Wie hieß er? Welchen Beruf hatte er ausgeübt? Was war mit seiner Fami-

schimmernden Venen an der Oberfläche und tastete den Arterienpuls in der Tiefe ab. Die Krönung meiner freudigen Entdeckungstour war schließlich, als ich den Nervus ulnaris an meinem Ellenbogen entdeckte und ein in den vierten und fünften Finger ausstrahlendes Kribbeln verspürte. Wie unglaublich war dieses Entdecken! Nicht nur des Menschen an sich, sondern insbesondere des eigenen Körpers. Der namenlose Mann vor mir war auf einmal nicht mehr fremd, sondern vertraut und nah. Ich lief jedes Mal zu ihm hin wie zu einer Verabredung, wartete mit Ungeduld auf ein Stückchen mehr der neuen Welt, die er mir zu zeigen vermochte.

Dem Tod ins Auge blicken: Der Präp-Kurs ist für jeden Mediziner eine neue Erfahrung

Es schien alles nur ein Traum gewesen zu sein. Ich konnte mich noch nicht mal mehr an die Details seines Gesichts erinnern. Nur die buschigen Augenbrauen und die unter ihnen liegenden starren, blau-trüben Augen verfolgten mich noch bis tief in die Nacht und in meinen unruhigen Schlaf. Und irgendwie wurde ich das Bild eines verschleierten Spiegels nicht los, des Spiegels der Seele, die entwichen war und nur Leere hinterlassen hatte.

An die Arbeit

Am nächsten Tag – jeder hatte sein Präparationsgebiet und hielt ein Hautmesser in der Hand – hieß es: „Bitte den ersten Schnitt setzen.“ Wie? Wie sollte ich es tun? Etwas hinderte mich daran anzusetzen. Die Ehrfurcht vor dem Tod vielleicht, das Zittern meiner Hände oder einfach das Widerstreben, einem anderen Menschen körperliche Gewalt anzutun. Schließlich atmete ich tief durch und setzte den ersten Schnitt. Nichts geschah. Ich hatte wohl zu oberflächlich geschnitten. Noch ein Versuch. Die Messerklinge verschwand in der Tiefe und die Haut klaffte auseinander. Ein hässlicher, blutloser Abgrund. Während der nächsten Tage, als die Haut wie eine leere Hülle, wie ein Kleidungsstück nach und nach abgezogen und das gelbe, schaumige Fett entfernt wurden, war es so gut, dass

Wie gefällt dir diese Ausgabe unserer MEDI-LEARN Zeitung? Unter www.medi-learn.de/gw121 findest du einen kurzen Fragebogen mit drei Fragen zu dieser Ausgabe. Wir würden uns freuen, wenn du uns deine Meinung mitteilst. Mitmachen lohnt sich. Unter allen Teilnehmern verlosen wir Fachbücher im Wert von 300 Euro. Einfach Fragebogen ausfüllen und schon bist du dabei!

sich selbst zu schützen und diese Situation überhaupt bewältigen zu können.

Der namenlose Mann war mir auf einmal vertraut und nah

Die roten Muskelfasern durchzogen in verschiedenen Mustern den starren Körper. Voller naiver Verwunderung wurde mir bei jeder Bewegung bewusst, dass auch ich genau solche Muskeln unter meiner Haut habe. Ich erkannte ihre Umrisse und wiederholte mit Begeisterung die Termini. Ich suchte die durch meine Haut blau

Noch nie hatte ich mich so sehr mit dem Unterschied oder Zusammenhang zwischen Körper und Seele auseinandergesetzt. Erst dort am Tisch, inmitten der vielen Menschen, die um mich herum standen, wurde mir bewusst, wie kompliziert der menschliche Körper wirklich ist und wie sehr er an eine eigene Stadt mit Leitungsbahnen, Fabriken und Angestellten erinnert. Und in Anbetracht dieser Komplexität verschwanden auch die leisesten Zweifel an der Existenz eines Schöpfers, denn solch ein Wunder, solch eine Planung kann sich nicht selbst erschaffen. Oft dachte ich nach, was denn den Mensch an sich ausmachen würde, und kam zu dem Entschluss, dass der Körper ohne die Seele nicht leben könne. Also müsste es die Seele sein, die den Menschen ausmacht. Fortsetzung im Digitalen Nachschlag

Das 3B-Scientific Anatomie-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Anatomie, den wir euch in Kooperation mit 3B Scientific und in der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/anatomie

IMPRESSUM Herausgeber: MEDI-LEARN, ISSN 1860-8590 Elisabethstraße 9, 35037 Marburg/Lahn Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: redaktion@medi-learn.de, www.medi-learn.de Redaktion: Jens Plasger (Redaktionsleitung), Christian Weier (V.i.S.d.P.), Trojan Urban, Dr. Marlies Weier, Dr. Lilian Goharian, Dominika Sobecki, Dr. med. Dipl.-Psych. Bringfried Müller, Thomas Brockfeld Lektorat: Jan-Peter Wulf und Thomas Trippenfeld Layout & Graphik: Kristina Junghans Berichte: Redaktion MEDI-LEARN, Nina Dalitz, Thomas Hartmann, Daniel Lüdeling, Olga Kogan Druck: Druckerei + Verlag Wenzel, Am Krekel 47, 35039 Marburg/Lahn Tel: 0 64 21/17 32 60, Telefax: 0 64 21/17 32 69 Anzeigenbetreuung: Christian Weier, Olbrichtweg 11, 24145 Kiel Tel: 04 31/780 25-0, Fax: 04 31/780 25-29 E-Mail: christian.weier@medi-learn.de. – Es gilt die Anzeigenpreisliste 02/2005. Bildnachweis: www.photocase.com, www.istockphoto.com, www.sxc.hu, www.pixelquelle.de, Grenada Tourism, Artikelautoren, www.flickr.com Erscheinungsort: Marburg Die MEDI-LEARN Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr und wird als Beilage der Zeitschrift Via medici aus dem Georg Thieme Verlag, Stuttgart, zugelegt. Der Bezug ist für Abonnenten der Via medici in deren Abonnement bereits enthalten. Der Einzelpreis beträgt 1,90 €. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos etc. kann der Verlag keine Gewähr übernehmen. Nachdruck – auch in Auszügen – nur mit vorheriger schriftlicher Zu­ stimmung. Der Verlag kann für Preisangaben keine Garantie übernehmen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bei allen Gewinnspielen und Aktionen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Anregungen und Redaktionskontakt per E-Mail unter: redaktion@medi-learn.de. Verlosung: Bei allen Verlosungen in dieser Ausgabe ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Der Einsendeschluss ist am 30. Januar 2010. Die Gewinner werden regelmäßig im Internet unter www.medi-learn.de/gewinner bekannt gegeben. Dein Artikel bei MEDI-LEARN? Wir freuen uns über die Zusendung von Erfahrungs­ berichten und anderen Artikeln und belohnen die Autoren mit Fachbüchern. Alle weiteren Infos findest du unter www.medi-learn.de/artikel.

Schnitt um Schnitt eröffnet sich eine geheimnisvolle Welt


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Das 3B-Wortsalat Rätsel

Rippen spreizer .de . .LACHEN BIS DIE RIPPEN KRACHEN

So geht's durch den Buchstaben-Salat F

inde dich zurecht im 3B ScientificBuchstaben-Salat! Und so geht‘s: Für die 3B Scientific Specials (Anatomie, Seirin®-Akupunktur) haben wir uns ein Rätsel ausgedacht, das Lösungswörter aus den Bereichen Anatomie & Akupunktur enthält. Zunächst müssen die Suchwörter an sich herausgefunden werden. Suche alle 18 Begriffe heraus, die senkrecht, waagerecht, diagonal oder

rückwärts geschrieben sind. Dabei hilft dir ein Blick auf unsere Webseite: Unter www.medi-learn.de/wortsalat findest du die richtigen Lösungswörter.

So kommst du zur Lösung

Um den ersten Buchstaben des Lösungswortes zu bekommen, suche dir die Begriffe von unten nach oben im Buchstabenrätsel (z.B. wie im Bild rechts der Begriff Herz).

Trage danach den Buchstaben oberhalb des ersten Buchstabens (hier oberhalb des Buchstabens „H“) als Lösungsbuchstaben ein (im Beispiel wäre der Lösungsbuchstabe „A“). Die Reihenfolge im Lösungswort ergibt sich automatisch, wenn du im Rätsel von unten nach oben (von Zeile zu Zeile) und von links nach rechts (innerhalb einer Zeile, falls zwei Begriffe hier zu finden sind) vorgehst. Wenn du alle Buchstaben

zusammen hast, ergibt sich daraus – tada! – das Lösungswort. Das Mitmachen lohnt sich: Tolle Gewinne warten auf dich!

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Die Lehrtafeln 18

Gewinnspiel: Trage einfach die Lösung unter www.medi-learn.de/wortsalat ein. Hier erhältst du auch Hinweise, die dir das Rätseln erleichtern. Zu gewinnen gibt es ein Skelett von 3B Scientific und wertvolle Fachbücher vom Georg Thieme Verlag. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Das Gewinnspiel läuft bis 30. Januar 2010.

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Optimisten bringen Lesestoff und ihren Schlafanzug mit Auch nach Jahren können sich Ärzte gut an den ersten „Dienst“ erinnern Redaktion MEDI-LEARN

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elten gehen die Meinungen von Assistenzärzten so weit auseinander wie beim Thema Nachtarbeit. Die einen leiden unter dem Schlafdefizit, die anderen genießen das selbstständige Arbeiten und die ungewohnte Stille auf den Stationen und Fluren ihrer Klinik. Praktisch alle aber können sich noch Jahre später sehr genau an den allerersten „Dienst“ und ihre Aufregung in den Stunden davor erinnern. Ein Grund für die große Uneinigkeit ist sehr wahrscheinlich, dass mit dem gängigen Begriff ganz Unterschiedliches bezeichnet wird. In Sachen Arbeitszeit gibt es in deutschen Krankenhäusern offenbar nichts, das es nicht gibt: 24-StundenDienste mit einem oder zwei Ärzten, 19-Stunden-Dienste mit fünfstündiger Pause, 12-Stunden-Dienste, DreiSchicht-Modelle, Spät-, Nacht-, Hauptoder Nebendienste, Rufbereitschaften und manches mehr. So verwundert es nicht, dass einige Neulinge schon nach zwei Wochen auf Station zu einem Dienst eingeteilt werden, während das bei anderen frühestens nach einem halben Jahr der Fall ist. Ob die erste Nacht ruhig wird, man vielleicht sogar die meiste

Zeit schlafen kann, ist ohnehin schwer vorhersehbar. Immerhin packen Optimisten neben Kulturtasche und Wäsche zum Wechseln ein bisschen Lesestoff für die erhofften ruhigen Stunden, den Laptop und manche sogar ihren Schlafanzug ein.

deuten, den Oberarzt morgens um drei aus dem Schlaf zu klingeln. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Er wird Verständnis dafür haben, denn Neulinge genießen diesbezüglich Welpenschutz, und irgendwann ganz früher war er ja selbst einer.

Erheblich größerer Entscheidungsspielraum

Tipps und Unterstützung kann und sollte man sich zudem von erfahrenen Schwestern und Pflegern holen. Die wissen in aller Regel genau, welche Maßnahmen in Standardsituationen üblicherweise ergriffen werden. Ein gutes Verhältnis zu den Kollegen scheint das Erfolgsgeheimnis schlechthin für Nachtdienste zu sein – und nicht nur für die. Werden Jungmediziner nach besonders positiven oder negativen Erinnerungen an ihren ersten Dienst befragt, steht nämlich genau das durchweg im Mittelpunkt der Antworten.

Eher noch als die Anliegen der Patienten hindert dann jedoch die eigene Anspannung den Nachtdienst-Anfänger am erholsamen Schlafen. „Bammel gehört dazu“, spricht ein Nachwuchs-Arzt sicher den meisten Novizen aus der Seele. Erst nach etlichen Nächten beginnen viele von ihnen den im Vergleich zur Arbeit bei Tageslicht erheblich größeren Entscheidungsspielraum zu schätzen: „Man lernt immer was dazu. Jedes Mal!“ Und unter allen Umständen gelte es natürlich, „immer schön Kompetenz auszustrahlen…“ Ruhe zu bewahren ist deshalb einer der wichtigsten Ratschläge erfahrener Assistenzärzte. Nichts werde in Diensten so heiß gegessen wie gekocht. Jedoch müsse man seine Grenzen kennen und rechtzeitig um Hilfe bitten. Das könne eben auch be-

Lieferdienste räumen Sonderkonditionen ein

Im Team wird für die Kranken gesorgt, und ebenso für die eigene Verpflegung. Nach Patienten und dem medizinischen Personal bilden offenbar nachts in deutschen Kliniken Pizzafahrer die drittgrößte Personengruppe. Auf den Stationen liegen die Prospekte gleich mehrerer

Lieferdienste, die nicht selten Sonderkonditionen einräumen. Die Debatte darüber, was und wo bestellt wird, ist ebenso ein Gemeinschaft stiftendes Ritual wie die kollektive Order und das Essen in großer, eventuell stationsübergreifender Runde. Mit einer Stulle von zu Hause würde man da schnell zum Außenseiter. Legitim ist hingegen ein Salat anstelle von Pizza oder Pasta – als Alternative für jene, die sich über Kalorienzahl und Fettgehalt ihrer Ernährung ernsthaft Gedanken machen. Die gemeinsame Essensbestellung zu später Stunde und das Klönen mit der Nachtschwester sind ebenso typisch für das nächtliche Arbeiten in der Klinik wie die ungewohnte Ruhe, die sich irgendwann am Abend im ganzen Haus ausbreitet. Gerade altgediente Assistenzärzte nehmen selbst nach Jahren noch den verblüffenden Gegensatz zur Betriebsamkeit des Tages wahr. Schön und gespenstisch zugleich sei diese Stille, und für manche Jungmediziner ein Hauptgrund, sich trotz möglichem Schlafdefizit auf ihren nächsten Dienst sogar ein bisschen zu freuen.

iPhone-Apps speziell für Medizinstudenten und Ärzte Stündlich neue Produkte zur Erweiterung der Software-Ausstattung Redaktion MEDI-LEARN

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an mag es kaum als Handy bezeichnen. Das iPhone ist eher ein sehr kleiner, leistungsfähiger und überaus schicker Computer. Dass man mit ihm telefonieren kann, ist nicht der Rede wert angesichts der unüberschaubaren Fülle weiterer Anwendungsmöglichkeiten des Geräts. Immer neue Ergänzungen der ohnehin umfangreichen Software-Ausstattung des iPhone sorgen dafür, dass diese Fülle ständig größer wird. Einige der so genannten Apps wurden speziell für Mediziner entwickelt. Das digitale Zubehör fürs iPhone in der Kitteltasche lässt sich grob in drei Gruppen unterteilen: Nachschlagewerke für die schnelle Beantwortung häufiger Fragen, Programme zur Berechnung beispielsweise von Dosierungen sowie Lernhilfen für Studierende und für Ärzte, die ihr Wissen auffrischen wollen. Hier eine Auswahl von Angeboten auf Deutsch sowie einiger auf Englisch, bei denen die Sprache aber im Grunde keine Rolle spielt: „iMed Blut- und Laborwerte“ ist zurzeit (Stand 09/2009) das populärste Produkt für Mediziner im App Store des iPhoneHerstellers Apple und dort für moderate 0,79 € zu haben. 52 übersichtliche Tabellen enthalten den vollen Namen des jeweiligen

Elements oder der Verbindung, die gängige Abkürzung, MesswertNormbereiche für Männer und Frauen sowie kurze Texte zur physiologischen Bedeutung.

Nachschlagewerke für Schulmedizin und Naturheilkunde

Auf Rang 2 der Favoritenliste medizinisch interessierter iPhone-Besitzer behauptet sich die „Medikamente“-Applikation, obwohl es das mit Abstand teuerste unter den 20 meistgekauften Angeboten seiner Kategorie ist: Für rund 25 Euro bekommt man allerdings eine komplette digitale Fassung der „Roten Liste“ mit Angaben zu Dosierung und Darreichungsformen, Stoffgruppe und Wirkmechanismus der auf dem deutschen Markt verfügbaren Arzneimittel. Auf zahlreichen Texttafeln informiert „iHomöopathie“ zum Preis von 2,99 € über Anwendungsgebiete, Wirkung und üblichen Verdünnungen von 82 Mitteln. Einen Euro mehr kostet die sehr ähnlich gestaltete Sammlung „Schüssler Salze“ mit Wissenswertem über die klassischen Funktions- und Ergänzungsmittel. Zum

gleichen Preis erhältlich ist „Heilkräuter“ aus der Natur, ein Nachschlagewerk mit Texten und Fotos zu 45 Gewächsen von Ackerschachtelhalm bis Wermut. Kostenlos ist hingegen „Bachblüten“, das Erläuterungen zu allen 39 Essenzen nach Dr. Edward Bach und farbige Abbildungen der jeweiligen Pflanzen bietet. Das Schwergewicht unter den speziell fürs iPhone aufbereiteten Text-Sammlungen heißt „Medizinrecht“. Es umfasst die deutschen Gesetze und Vorschriften zum Berufsrecht der Ärzte und Gesundheitsberufe, zu Medizinprodukten, Arznei- und Betäubungsmitteln, Heil- und Hilfsmitteln, Strahlenschutz, Humangenetik sowie der gesetzlichen Krankenversicherung und der Krankenhausfinanzierung. Orientierungshilfe im Paragrafen-Dschungel geben ein alphabetischer Themen-Index und eine Volltext-Suche. Im Preis von 9,99 € sind etwaige Aktualisierungen bis Ende 2009 enthalten.

Kostenlose App stürmt Hitliste

Den Markt der Berechnungs-Programme mit medizinischem Schwerpunkt beherrschte lange „MedCalc“

(0,79 €) praktisch allein. Seit Ende September gibt es nun als kostenlose Alternative den „Medical Calculator“, der binnen weniger Tage buchstäblich die Hitliste der Medizin-Apps stürmte. Beide sind mehrsprachig und die Liste ihrer Funktionen ist ellenlang. Das Pauken der Aminosäuren mithilfe des iPhones ermöglicht „iAmino“. In der Art von tabellarischen Karteikarten vermittelt es zum Preis von 2,39 € Fakten wie Polarität, Säurewert und molare Masse. Eine Grafik veranschaulicht die chemische Struktur der Verbindung. Kostenlos sind „Muscle Head“ and „Neck System”, ein dreidimensionaler Anatomie-Atlas dieser Körperpartie, und das Programm „iAnatomy”. Letzteres enthält mehr als 60 Computertomografie-Bilder, auf denen sich Hinweise auf Details ein- und ausblenden lassen. Beide sind bisher ausschließlich in englischer Sprache verfügbar. Zurzeit kommen stündlich neue Apps auf den Markt, und schon deshalb erhebt die obige Auswahl keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Das Apps-Phänomen erinnert stark an die frühen Jahre der Heimcomputer: Die Bereitschaft zum Ausprobieren war immens und der Zugang zu den neuen Möglichkeiten in vieler Hinsicht spielerisch. Die Frage nach ihrem Nutzen beantwortet sich irgendwann ganz von selbst.

Online geht's weiter

Wie immer gibt es auch zu dieser Ausgabe der MEDI-LEARN Zeitung wieder eine Extraportion für besonders MLZHungrige: Ausgabe 25 unseres Digitalen Nachschlags präsentiert dir weitere spannende Artikel – dieses Mal unter anderem zum Thema Wartezeit – und Fortsetzungen von Beiträgen aus der gedruckten Version. Außerdem: ein Bericht aus der Gehirnforschung. All das erfährst du im Digitalen Nachschlag. Er steht kostenlos als PDF im Internet zur Verfügung. Einfach die folgende Seite aufrufen:

www.medi-learn.de /mlz-nachschlag

Nachschlag Die Extraportion Diese Artikel findest du im Online-Teil unserer Zeitung:

Medizinstudium

Anthropologie und Medizin Die Erforschung des menschlichen Körpers ist nicht nur Bestandteil des medizinischen, sondern auch des anthropologischen Studiums. Anthropologie-Studenten nehmen zum Beispiel am Anatomie-Unterricht teil, um Knochen und Muskeln benennen zu können. Nicht nur in der so genannten physischen und der biologischen Anthropologie, sondern auch in der sozialen Anthropologie tauchen Aspekte auf, die für den Medizinberuf relevant und hilfreich sind. Weil es so viele Engführungen gibt, hat sich unser Berichterstatter entschieden, neben der „Wissenschaft vom Menschen“ Medizin als Zweitstudium zu beginnen.

Medizin mit 3,0? Eine glatte Drei im Abitur: Nicht gerade die ideale Voraussetzung für die Aufnahme eines Medizinstudiums. Doch wer hartnäckig ist, kann – wie unser Erfahrungsbericht zeigt – sogar mit dem Warteplatz Nr. 10.009 letztlich einen Studienplätze ergattern. Das Wichtigste bei einem solchen Vorhaben ist, die nicht unerhebliche Zwischenzeit in medizinischer Hinsicht sinnvoll zu nutzen. Zum Beispiel, indem eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger aufgenommen wird.

Respekt gegenüber dem Tod Fortsetzung der Momentaufnahme aus dem Präparationskurs: Stück für Stück entdecken die Teilnehmer des Präp-Kurses die unbekannte Welt des toten menschlichen Körpers. Ein Wechselbad der Gefühle: Horror-Szenarien ob der vielen zerschnittenen Leichname werden abgelöst von Dankbarkeit, dass hier ein Mensch seinen Körper der Ausbildung junger Mediziner zur Verfügung gestellt hat.

Forschung

Gefühle steuern Gedächtnis An einen schönen Urlaub, aber auch an einen Unfall können wir uns oft noch Jahre später sehr gut erinnern. Alltägliche, gefühlsneutrale Geschehnisse werden hingegen nur oberflächlich abgespeichert und schneller vergessen. Forscher der Universität Basel wiesen nach, dass eine genetisch verankerte Variante des alpha-2B-adrenergerRezeptors, Andockstelle für den Botenstoff Noradrenalin, dazu beiträgt, dass man sich besonders stark an emotionale Information erinnert. Ihr Ziel ist nun die Entwicklung neuer Therapiestrategien zur Behandlung von Gedächtnisstörungen. Alle Artikel findet ihr kostenlos unter:

www.medi-learn.de /mlz-nachschlag PS: MLZ im Digitalabo Unter www.medi-learn.de/mlz kannst du die MEDI-LEARN Zeitung ab sofort im Digitalabo als PDF gratis bestellen.


November/Dezember 2009 Der Club für Medizinstudenten und junge Ärzte

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Club

MLZ-Sonderbeilage

Als Flying Doctor in den Alpen unterwegs Eine Woche mit dem Flieger unterwegs von Daniel Lüdeling

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amstag, 7. Februar, 9 Uhr, am Flughafen Münster-Osnabrück. Das Abenteuer beginnt: Ich fliege nach Wien, wo mich eine aufregende Woche im Dienst Während meiner einwöchigen Bereitschaftszeit wird es zu meinen Aufgaben gehören, erkrankte oder verletzte Patienten aus verschiedensten Ländern in ihre Heimatländer zurück zu bringen und dabei gegebenenfalls medizinisch zu versorgen. Die Transporte werden in der Regel im Auftrag der Kranken- oder Reiseversicherung durchgeführt.

Wenig medizinische Optionen an Bord

Die Einweisung ist umfangreich und verdeutlicht mir, dass die medizinische Versorgung innerhalb eines Learjet in 10.000 Metern Höhe nur wenige Optionen bietet. Die wesentlichen Vorbereitungen müssen zwingend vor dem Start stattfinden. Die Firma besitzt vier Ambulanzflugzeuge, welche speziell für die Überwachung und Versorgung von leicht- bis hochkritischen Patienten aus-

rekrutiert sich die MedCrew aus einem Pool frei- und nebenberuflicher Mitarbeiter. Die Ärzte werden u.a. durch das in Deutschland ansässige Unternehmen NotarztService.de vermittelt.

Auf Standby

Am Montagvormittag erreicht mich der mit Spannung und Vorfreude erwartete Anruf der Zentrale: In Luxor (Ägypten) befindet sich ein älterer Patient mit einer Schenkelhalsfraktur. Er soll im Tagesverlauf in eine Klinik seiner Heimatstadt Manchester (UK) transportiert werden. Geplanter Start: 14 Uhr. Eine Stunde zuvor ist die Crew komplett und der Learjet 35A aufgerüstet. Es bleibt noch Zeit für einen Kaffee und ein Briefing zum bevorstehenden Flug. Doch es scheint noch ein Problem mit der Klinikaufnahme in Manchester zu geben. Nach einer zweistündigen Wartezeit dann die vorläufige Stornierung der Mission. Solange die Aufnahme des Patienten in England nicht geklärt ist, bleibt das Flugzeug am Boden und die Crew auf Standby.

über der Adria und trotz der sehr kurzen Nacht ist für mich an Schlaf gar nicht zu denken. Um sieben Uhr verlassen wir unsere Flughöhe und der afrikanische Kontinent erlaubte erste Eindrücke: Jeder grüne Fleck scheint hier mühsam der ansonsten staubtrockenen Landschaft abgerungen. Trotz eindrucksvoller Sichtweite: keine Pyramiden in Sicht. Nach der sanften Landung am Luxor International Airport zeigt sich das Klima zwar deutlich milder, doch aufgrund starken Windes erstaunlich frisch. Erwartungsgemäß ist der Patient noch nicht eingetroffen. Der bereits am Vortag übermittelte „Medical report“ ließ uns einen 80-jährigen Patienten mit einer bislang unversorgten linksseitigen Schenkelhalsfraktur erwarten. Zudem bestand ein Diabetes mellitus, ein Bluthochdruck sowie ein M. Parkinson.

Auf eine fünfminütige Einreise verzichten wir und benutzen die

Toilette vor dem Schalter

übertrifft aber dennoch die Kompetenz der Insassen. Wie sich die Trage mit dem Patienten aus dem Fahrzeug ziehen lässt, ist allen Beteiligten zunächst unklar. Auch über die medizinische Situation ist der begleitende ärztliche Kollege überhaupt nicht informiert. Wie sich später herausstellt, durfte die ursprüngliche Besatzung des Fahrzeuges vermutlich aufgrund sicherheitstechnischer Bedenken nicht auf das Gelände, so dass speziell vorgehaltenes Flughafenpersonal inklusive einem eigenen Flughafenarzt den kurzen Transfer übernommen hatte. Nach kurzer Untersuchung legen wir dem Patienten vor Abflug einen intravenösen Zugang und führen eine milde Analgesie zur Umlagerung durch. Der Patient ist vermutlich aufgrund seiner Vorerkrankungen, aber auch wegen seines bereits mehrtägigen Klinikaufenthaltes ohne nennenswerte Mobilisierung in einem reduzierten Allgemeinzustand. Seine Atmung wirkt zunächst schwerfällig, war aber subjektiv und nach SpO2 ausreichend. Um zehn Uhr sind alle erforderlichen Vor-

rung als optimale Lösung. Auch, um ihm etwas mehr Sauerstoff via Maske zufüh ren zu können. Das Konzept geht auf. Allerdings nur bis etwa 30 Minuten vor der Zwischenlandung in Wien. Über einen relativ kurzen Zeitraum entwickelt der Patient eine deutliche Dyspnoe und die O2-Sättigung unterschreitet die Grenze von 80%, trotz einem hohen O2-Flow von 8 L/min. Entsprechend der Sauerstoffbindungskurve überschlagen sich nun die Ereignisse. Bereits im deutlichen Sinkflug fällt die Entscheidung zur notfallmäßigen Intubation. Der Patient hat zu diesem Zeitpunkt keine ausreichende Spontanatmung, so dass eine Beatmung als die einzige sinnvolle Lösung erscheint. Allerdings sind die Begleitumstände denkbar ungünstig: Das Flugzeug ist mitten in der Landevorbereitung und der verfügbare Platz entspricht in etwa einer Röhre mit 1,5m Durchmesser und 2,5 m Länge. Innerhalb dieses Raumes befindet sich neben uns beiden und unserem Equipment auch noch die Ehefrau des Patienten!

Patient stabil, Turbine kaputt

Bild: Innenbereich des Flugzeugs

gestattet sind. Mit dem umfangreichen Monitoring (ProPaq) können neben den klassischen Vitalparametern auch invasive Drücke gemessen werden. Zum Transport beatmeter Patienten steht ein Breas LTV zur Verfügung. Es garantiert eine optimale Ventilation von Patienten aller Altersklassen. Auch an Bord: Eine Absaugeinheit, ein mobiles BGA-Gerät, ein AED, das großzügig ausgestattete Ampullarium, zahlreiche Perfusoren sowie ein redundantes Materialmanagement. Die reguläre Crew besteht aus einem Piloten, einem Copiloten sowie der MedCrew. Die besteht aus einem Krankenpfleger bzw. einer Krankenpflegerin sowie einem Arzt oder einer Ärztin mit jeweils langjähriger intensivmedizinischer Erfahrung. Während der MJS die Piloten hauptberuflich beschäftigt,

Die beiden 3.500 Newtonmeter starken Triebwerke schieben uns in den Himmel Nachts um eins kommt dann das telefonische Go für den Flug Luxor-Manchester. Offenbar konnte die britische Bettennot bezwungen werden. Die erwarteten 24 Grad in Luxor entschädigten für die eiskalten Morgentemperaturen, pünktlich um vier schieben uns die beiden jeweils 3.500 Newtonmeter starken Triebwerke unseres Learjet in den schwarzen Himmel.

Keine Pyramiden in Sicht

Über das ehemalige Jugoslawien und Griechenland führt unser Flug tief ins ägyptische Hinterland. Der Sonnenaufgang begeistert mich bereits irgendwo

Ägypten ist das Land der Pharaonen, Jahrtausende alter Kultur und eindrucksvoller Bauwerke. An jenem Dienstag scheint Ägypten aber eher das Land misstrauischer Sicherheitsleute zu sein. So wurden wir in gesundem Abstand von wartenden Uniformierten stets im Auge behalten, deren Wachsamkeit deutlich wird, als ein kurzer Toilettenbesuch im Flughafengebäude zwingend notwendig wird. Auf eine fünfminutige Einreise (Gebühr von 15 USD) verzichten wir und nutzen, sehr zum Argwohn unserer Begleiter, die Toilette vor dem Einreiseschalter.

Medizinische Situation: unklar

Um neun trifft endlich der Patient am Flugzeug ein. Der Krankenwagen ist erwartungsgemäß nur spärlich ausgestattet,

bereitungen abgeschlossen und wir machen uns auf nach Manchester.

Zwischenfall vor Zwischenlandung

Auf halber Strecke ist ein kurzer Tankstopp in Wien geplant. Die Teilstrecke bis Wien ist mit drei bis vier Flugstunden kalkuliert, der Patient macht einen stabilen Eindruck und das Monitoring bestätigt diesen. Einzig die O2-Sättigung ist eingeschränkt und die Nutzung einer O2-Maske stieß auf keine Akzeptanz bei unserem Patienten.

Intubation vor der Landung: Die Ereignisse überschlagen sich

Da sich ein erheblicher Stress zu seiner bereits bestehenden motorischen Unruhe gesellt, erscheint uns die milde Sedie-

Glücklicherweise gestaltete sich die Intubation einfach. Unter laufender Beatmung stabilisiert sich die gesamte Situation innerhalb weniger Minuten. Die Landung erfolgt nur kurz nach der Intubation um 14 Uhr. Ziemlich verschwitzt, aber erleichtert führen wir eine Evaluation der neuen Situation durch. Für den Weitertransport erschien uns nun die invasive Druckmessung erforderlich. Zusätzlich installieren wir eine Sedierung und informieren unsere Zentrale über die veränderte Gesamtlage. Wenn schon ein einfacher Bettplatz in Manchester ein Problem ist, wie erfreut würden die britischen Kollegen sein, einen beatmeten Patienten übernehmen zu dürfen? Zunächst allerdings muss zu allem Überfluss auch noch das Flugzeug ausgetauscht werden. Eine unserer Turbinen hatte offenbar einen kleinen Vogelkontakt hatte. Ein verbogenes Turbinenblatt konnte einen sicheren Weiterflug nicht garantieren. Unser komplettes Material und der beatmete Patient mussten also umziehen! Um 17 Uhr können wir trotz starkem Schneefall endlich in die zweite Etappe der Reise starten. Mit Hilfe eines kräftigen Rückenwindes sollten wir knapp zwei Stunden später in Manchester landen. Der Patient war durchgehend stabil, alle Vitalparameter im Normbereich und sogar die auf knapp 40.000 Fuß durchgeführte BGA lieferte gute Werte.

Vollgas durch den Kreisverkehr

Der Krankenwagen wartet bereits am Vorfeld, lediglich der irritierte Blick der Schwester bestätigt unseren Verdacht, weiter auf der folgenden Seite


Seite 14 Der Club für Medizinstudenten und junge Ärzte

November/Dezember 2009

Club

MLZ-Sonderbeilage

Mit dem Flieger unterwegs

Die Community für Medizinstudenten junge Ärzte www.medi-learn.de

&

Fortsetzung von Seite 13 dass die Info über den nun beatmeten Patienten nicht übermittelt wurde. Es folgen zahlreiche Telefonate, wechselnde Zugeständnisse und letztendlich der Transport in eine Emergency Unit mit Beatmungskapazität. Eines der eindrucksvollsten Erlebnisse dieser Woche wird das trotz Blaulicht und Sirene viel zu schnelle Befahren der linken Straßenseite inklusiver mehrerer Kreisverkehre!

Keine Atempause: Von Manchester geht es weiter nach Tallinn Eigentlich ist nach der freundlichen Übergabe unseres Patienten um 20 Uhr mein Bedarf an körpereigenem Adrenalin gedeckt. Allerdings wussten wir bereits seit unserem Zwischenstopp in Wien, dass uns direkt im Anschluss ein Folgeauftrag zunächst nach Tallinn und von dort weiter nach London führen sollte. Tallinn ist Hauptstadt der jungen Republik Estland und liegt schräg gegenüber von Helsinki. Dort erwartet uns ein 27-jähriger Patient mit einer traumatischen Subarachnoidalblutung. Laut Medical Report war er offenbar schon vor einigen Tagen gestürzt und bereits umfangreich diagnostiziert worden. Ein CT offenbarte eine stabile Schädelfraktur sowie eine geringe SAB. Geplant war ein Rückflug auf „Sea

Level“ zur Minimierung etwaiger Druckprobleme sowie die heimatnahe Weiterversorgung der Verletzungen in London. Ich nutzte die dreistündige Flugzeit und machte es mir auf dem Stretcher so bequem wie möglich. Da wir seit etwa 20 Stunden unterwegs waren, dauerte es keine fünf Minuten, bis ich unter dem Rauschen der Turbinen eingeschlafen war.

Der Patient wartet im Hotel

Durch das Rumpeln des Fahrwerkes wache ich kurz vor Mitternacht auf. Wir sind im Landeanflug und nur wenig später setzten wir sanft in Tallinn auf. Kurioserweise befindet sich unser Patient nicht wie erwartet in einem Krankenhaus, sondern in seinem Hotel. Sein Zustand scheint weit weniger dramatisch als zunächst angenommen. So ist es letztendlich auch. Mit geschultertem Gepäck, einem Brillenhämatom und in Begleitung eines Freundes machen wir uns nach kurzer Begrüßung und Basisdiagnostik auf den Rückweg zum Flughafen.

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Man muss auch mal „Nein“ sagen können Besser vorher die rosarote Brille abnehmen Redaktion MEDI-LEARN

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ndlose Dienste und umso kürzere Essenspausen. Freizeit gibt es fast nie, stattdessen Arbeit am Wochenende oder bis tief in der Nacht. Müde, hungrig und enttäuscht – ungefähr so stellen sich manche am Medizinstudium Interessierte ihr Schicksal nach dem Examen vor. Ist das nur Schwarzmalerei oder blanker Realismus? Im MEDI-LEARN-Forum „Studium – Allgemeines“ wurde im Sommer 2009 heftig über diese Frage diskutiert. Die große Mehrheit meint: Lasst euch nicht verrückt machen! Der Arztberuf ist sicher kein Traum in weiß, aber Frustrationen gibt es schließlich überall.

„Woher nehmen andere Jungmediziner eigentlich ihren

Optimismus?“

Die Visionen der Pessimisten klingen allerdings schauerlich: Von „unmenschlichen Arbeitsbedingungen“ ist in einigen Beiträgen die Rede, angesichts wöchentlicher Arbeitszeiten jenseits der 50 Stunden und ständiger Hektik in den Kliniken. Die Niederlassung in eigener Praxis komme erst nach Jahren in Betracht, und auch dort sei das Leben sicher kein Zuckerschlecken. Ansonsten gebe es für Absolventen nach der Zeit an der Uni kaum Alternativen. „Woher nehmen andere Jungmediziner eigentlich ihren Optimismus?“, wundern sich die Besorgten. Sind die einfach blauäugig, oder fehlt ihnen die Erfahrung? Wahrscheinlich reicht das dreimonatige Pflegepraktikum gar nicht aus, um zu wissen, was später auf mich zu kommt. Soll ich angesichts solch miserabler Zukunfts-

aussichten mit dem Studium überhaupt anfangen? Am Anfang überwiegt vielleicht noch die Euphorie, vermutet einer, aber irgendwann zermürbt es einen… Die meisten Forums-Teilnehmer beweisen hingegen Gelassenheit: Niemand weiß wirklich heute schon, wie es um seine Arbeitsbedingungen nach dem Studium bestellt sein wird. In etlichen Kliniken gibt es bereits Freizeitausgleich für Überstunden oder sogar persönliche Arbeitszeitkonten. Und nicht nur das Berufsleben – auch du selbst veränderst dich enorm in den sechs Jahren, die das Studium in der Regel dauert. Zugegeben: Frustrationstoleranz ist auf jeden Fall erforderlich. Wohl in jedem Krankenhaus wirst du mit sinnlosen Vorschriften und ineffizienten Abläufen konfrontiert. Aber vor Frustrationen bist du in keinem Beruf sicher. Viel wichtiger ist letztlich, ob dir die Arbeit an sich Spaß macht. Dann kannst du trotz Überstunden zufrieden sein. Und niemand sagt, dass du alles hinnehmen musst. Die berüchtigte Hektik des Klinikalltags sei in den allermeisten Fällen schlicht eine Folge schlechter Arbeitseinteilung, geben einige Praktiker zu bedenken. Am besten schon während des Studiums sollte es ihrer Meinung nach einen Kurs

mal mit einem Streik aufmerksam machen. Arbeitslosigkeit nach dem Abschluss ist für sie übrigens so gut wie ausgeschlossen. Ihr Beruf erweist sich im Gegenteil als besonders krisensicher: Laut Bundesärztekammer gibt es in deutschen Krankenhäusern zurzeit 4000 offene Stellen.

„Wie organisiere ich meinen Arbeitstag?“ geben. Mindestens ebenso wichtig ist die Fähigkeit, ab und zu „Nein“ zu sagen. Vielen fällt gerade das sehr schwer, weil sie Angst vor den vorwurfsvollen Blicken ihrer Kollegen oder den Erwartungen der Vorgesetzten haben. Vieles hast du selbst in der Hand. Das beginnt mit der überlegten Auswahl der Stelle, an der deine Weiterbildung stattfinden soll. Gerade in Sachen Arbeitszeit gibt es zwischen den Verträgen gravierende Unterschiede. Und wenn die Wirklichkeit in vielen Häusern sich auf Dauer allzu weit von den typischerweise vorgesehenen 40 oder 42 Wochenstunden entfernt, dann dürfen auch Mediziner auf diese Fehlentwicklung zum Beispiel

So sieht die große Mehrheit der ForumsTeilnehmer keinen Anlass zur Schwarzmalerei. Sie rät gleichwohl dazu, rechtzeitig vor dem Studium die rosarote Brille abzunehmen. Offenbar tun das die meisten jungen Mediziner: Mit fünf Prozent ist die Abbrecherquote außergewöhnlich niedrig. Um die sechs Jahre durchzustehen, brauche man allerdings ein Ziel und einen kleinen Traum, heißt es. Nicht wenige sehen in der Entscheidung für dieses Fach eine Chance, die Welt ein klein wenig besser zu machen. „Und warum soll man nicht träumen oder hoffen dürfen?“ Wir verlosen Lernstrategien von MEDI-LEARN – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw255

MEDI-LEARN wird lokal. Für jede Uni in Deutschland hat MEDI-LEARN eine eigene Seite mit diversen Informationen rund um Finanzen & Wohnen, Freizeit & Party, Ausbildung & Lehr u.v.m. Mehr unter www.medi-learn.de /

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NEU! Der große Lokalbereich von MEDI LEARN

Viele Bewerber haben schon eine Ausbildung Medizinische Berufe führen die Liste an Redaktion MEDI-LEARN

V

on der Schule direkt an die Uni kommen längst nicht alle angehenden Jungmediziner. Etliche machen erstmal eine Berufsausbildung, bevor sie sich um einen Studienplatz bewerben. Dass die künftigen Ärzte am Tag der Einschreibung ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen und nicht durchweg einen NC-Schnitt mit „eins“ vor dem Komma haben, zeigen die Ergebnisse einer MEDI-LEARN Umfrage im Sommer 2009.

Infos zu allen 36 Unis Mit dem neuen Lokalbereich bleibt beinahe keine Frage mehr zu den einzelnen Unis offen. Zu allen 36 Fakultäten findest du dort ausführliche Informationen zu allen vor Ort relevanten Themen. Wie hoch ist eigentlich die monatliche Durchschnittsmiete? Wie bewerten die Studenten die Ausbildung? Und wie schneiden die Studenten in den Examina ab? Wo gibt es welche Wohnheime und Mensen? Wie lange hat die Bibliothek auf? Welche ZVS-Kriterien gelten? Nicht nur auf diese, sondern auf zahlreiche weitere Fragen bekommst du unter www.medilearn.de/lokal umfassende Antwort. Wir haben den Bereich in die Themenfelder Campus & Leben, Wohnen & Finanzen, Freizeit & Party sowie Ausbildung & Lehre samt PJ gegliedert. Wenn du wissen möchtest, was wir für deine Uni dort bieten, klick dich rein unter: www.medi-learn.de/lokal

Bewerberworkshop Worauf legen Chefärzte wert? Ansprechpartner und Termine unter www.aerzte-finanz.de

Sehr gemischt fällt das Bild schon bei den Leistungskursen und gewählten Profilen aus. Mathe und die Naturwissenschaften liegen auf der Beliebtheitsskala nur leicht vorn. Deutsch und Englisch kommen beinahe ebenso häufig vor, und auch andere Sprachen werden immer wieder genannt. Lediglich Kunst und Geschichte bleiben Einzelfälle. Sofern sie noch zur Schule gehen, sind die Teilnehmer zwar fast immer in der 12. Klasse, halten sich aber in Sachen Abschlussnote trotzdem noch recht bedeckt: Kaum einer mag einen Tipp abgeben. Ist das Abi bereits bestanden und

die Endnote folglich bekannt, liegt sie typischerweise zwischen 1,3 und 2. Wo es mit dem NC-Schnitt hapert, helfen wahrscheinlich Wartesemester weiter: Nahezu ein Viertel der angehenden Jungmediziner hat zwei bis vier davon vorzuweisen, nicht wenige sogar mehr als zehn. Auf die Frage, was in den manchmal mehr als fünf Jahren zwischen Abitur und Studium passiert ist, gibt es eine verblüffende Antwort: Mehr als 35 Prozent der Umfrage-Teilnehmer haben vor ihrer Bewerbung um einen Studienplatz zunächst eine Ausbildung gemacht und zumeist auch schon gearbeitet. Die lange Liste unterschiedlicher Abschlüsse, die Jungmediziner vor dem Studium erworben haben, wird von medizinischen Berufen angeführt: Viele Rettungsassistenten, Zahntechniker, Augenoptiker, Krankenschwestern und –pfleger hoffen ebenso auf einen Studienplatz wie Medizinisch-technische Assistenten, Physiotherapeuten und Arzthelferinnen. Erfahrung im medizinischen Bereich bereitet also häufig den Weg ins Medizinstudium, aber auch ganz andere

Karrieren kommen vor: So beteiligte sich beispielsweise ein Rechtsanwalt an der Umfrage, der seinen schwarzen Talar gegen einen weißen Kittel einzutauschen plant. Und ein gelernter Elektroinstallateur möchte künftig bei Hausbesuchen lieber Leukoplast als Isolierband im Koffer haben.

Vorbilder in der Familie beeinflussen Berufswahl Medizinische Berufe führen die Liste an Redaktion MEDI-LEARN

O

b Jurist oder Pfarrer – manche Berufe stehen im Verdacht, erblich zu sein. Auch bei angehenden Medizinstudenten wird häufig angenommen, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. In der Tat möchten Arztkinder auffällig häufig später selbst einen weißen Kittel tragen, wurde bei einer MEDI-LEARN Umfrage im Sommer 2009 deutlich.

Jeder Siebte: Arzt als Vater bzw Ärztin als Mutter Jeder zwölfte Teilnehmer gab an, dass zumindest ein Elternteil in eigener Praxis tätig ist. Ob der Nachwuchs die später übernehmen will und kann, steht auf einem anderen Blatt. Aber manch ein Schild an deutschen Praxistüren lässt in der Tat vermuten, dass hier die Frage der Nachfolge schon lange vor dem Ruhestand des Seniors geklärt wurde: Der Betrieb bleibt in der Familie. Noch deutlicher die Antwort auf eine andere Frage: Gibt es in der Familie bereits einen Mediziner? Bei mehr als einem Viertel der Studienplatz-Bewerber ist das so. Jeder Siebte hat sogar einen Arzt als Vater oder eine Ärztin als Mutter. Zufall als Erklärung für dieses Phänomen scheidet da wohl aus. Das Vorbild der Eltern beeinflusst ganz offensichtlich in vielen Fällen die Berufswahl der Sprösslinge positiv.

Viele hoffen zudem auf einen abwechslungsreichen Beruf Ob die Söhne von Chirurgen später selbst zum Skalpell greifen, die Töchter von Radiologen schon zum Abitur ihre eigene Bleischürze geschenkt bekommen und

so weiter, lassen die Umfrage-Ergebnisse nicht erkennen. Immerhin wäre es möglich, denn weit mehr als die Hälfte der angehenden Jungmediziner meint schon vor dem ersten Semester zu wissen, für welche Fachrichtung sie sich später entscheiden wird. Statistik hin oder her – die Umfrage-Teilnehmer selbst nennen für ihre Berufswahl ganz andere Gründe als das Vorbild von Eltern und Verwandten. Da gibt es kaum eine Antwort, die nicht das Verb „Helfen“ enthält. Das nämlich wollen beinahe alle Studienplatzbewerber spätestens nach der Approbation. Zweitwichtigstes Motiv für das Ausfüllen der ZVS-Unterlagen ist naturwissenschaftliches Interesse, genauer die Faszination des menschlichen Körpers. Viele hoffen zudem auf einen abwechslungsreichen Beruf.

Wunsch nach einem

sicheren Arbeitsplatz

Kein Wort also vom Vorbild in der eigenen Familie als Beweggrund. Nur eine einzige der häufiger vorkommenden Antworten könnte hier und da auf die Absicht hindeuten, später mal die elterliche Praxis zu übernehmen: der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz. Doch den hegen heute ohnehin vermutlich mehr als 99 Prozent derer, die sich für ein Studium entscheiden – ganz unabhängig vom Fach. Wir verlosen Lernstrategien von MEDI-LEARN – einfach Namen eintragen und schon bist du dabei: www.medi-learn.de/gw255

Früh übt sich

MEDI-LEARN PODCAST Diesen Artikel gibt es online auch als Audio-Datei zum Download unter: www.medi-learn.de/podcast


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Geeignet fürs Medizinstudium? Zensuren sagen wenig über deine Eignung Redaktion MEDI-LEARN

B

in ich der geborene Arzt, oder werde ich ohnmächtig beim Anblick von Blut? Kann ich mir wirklich den ganzen Stoff für die Prüfungen merken? Und komme ich später mit dem Stress des Klinikalltags zurecht? Solche Sorgen und Zweifel im Vorfeld der Bewerbung um einen Studienplatz in Medizin waren in den vergangenen Wochen Thema eines Beitrags in einem MEDI-LEARN Forum. Studierende aus höheren Semestern gaben Tipps und machten Mut. Die mit Abstand häufigste Empfehlung: Schau dir schon vor dem ZVS-Antrag oder Uni-Auswahlverfahren die berufliche Wirklichkeit an – so früh und so oft wie möglich. Ein dreimonatiges Pflegepraktikum ist ohnehin für alle angehenden Mediziner vorgeschrieben. Wer es bereits zwischen Abitur und Studium ableistet, hat schon viel gesehen und kann außerdem während der ersten Semester mit gutem Gewissen mal einen ganzen Sommer richtig Urlaub machen. Auch als Schüler hast du verschiedene Möglichkeiten, dir das Mediziner-Dasein aus der Nähe anzuschauen. Zwar darfst du noch kein anrechenbares Pflegepraktikum machen, kannst aber beispielsweise in den Ferien ein, zwei Wochen auf einer Station mitlaufen. Dort stellst du wahrscheinlich bald fest, ob du mit dem Anblick von Blut, offenen Wunden oder dem Geruch von Körperausscheidungen überhaupt ein Problem hast.

gefühlsmäßige Herausforderung dar. Möglicherweise ist es der Anblick eines schwer verletzten Kindes, vielleicht das Gespräch mit einem Tumorpatienten im Endstadium. Du bist sicher kein schlechter Arzt, wenn solche Eindrücke nicht wirkungslos an dir abperlen. Eher im Gegenteil: Empathie, also die Fähigkeit zum angemessenen Anteilnehmen, wird in vielen Forums-Beiträgen als unerlässliche Eigenschaft des Mediziners genannt. Patienten wollen mit dir über Leiden, Krankheit, Verzweiflung, Ängste und eventuell auch über das Sterben und den Tod sprechen, wird aus eigener Erfahrung berichtet. Freundliches Lächeln und höfliche Floskeln allein reichen da keinesfalls.

Ebenfalls vorteilhaft ist Selbst wenn das der Fall sein sollte, ein gewisses Geschick brauchst du die Flinte nicht gleich ins beim Hantieren mit Korn zu werfen. Im Laufe der Zeit ge- Nadeln, wöhnt man sich an vieles. Zum Glück, denn es gibt kaum einen jungen Mediziner, der nicht irgendwann an seine Grenzen stößt. Das kann bei der ersten miterlebten Operation passieren, oder erst bei der hundertsten. Längst nicht für jeden stellt das Umgehen mit Leichen im Präparationskurs die größte Entscheidung zum Medizinstudium: Meist mehr als nur eine spontane Überlegung

Pizza statt Tofu-Schnitzel Beim Essen geben sich junge Mediziner konservativ und sparsam Redaktion MEDI-LEARN

B

eim Essen geben sich junge Mediziner konservativ und sparsam: Mittags steht Mensa-Essen auf dem Speisezettel, abends Toast von Aldi. Die Angaben zu den Ernährungs- und Einkaufsgewohnheiten wurden im Frühjahr 2009 im Rahmen einer MEDILEARN-Umfrage gemacht. Die große Mehrheit der Teilnehmer gibt lediglich 15 bis 30 Euro in der Woche für die Ernährung aus. Zum Vergleich: Fürs Wohnen in Uni-Nähe ist mehr als das Doppelte zu zahlen. Familienbesuche am Wochenende und in der vorlesungsfreien Zeit dürften ebenso ihr schmales Budget schonen wie das durch Zuschüsse verbilligte Mensa-Essen, das rund drei Viertel regelmäßig in Anspruch nehmen. Was aufs Mensa-Tablett kommt, erhält zwar im Großen und Ganzen nur die Schulnote „drei“. Da aber Jungmediziner am liebsten sehr traditionell einmal täglich und vorzugsweise mittags warm essen, gibt es für sie zumindest während des Semesters kaum Alternativen zur Großküche auf dem Campus oder im Uni-Klinikum. Mensa steht

für kurze Wege, preiswerte Mahlzeiten und für geselligen Klönschnack beim anschließenden Becher Latte Macchiato oder Chai-Tee. Dass zudem der Abwasch im Preis enthalten ist, hilft Streit in der WG-Küche zu vermeiden. Insbesondere finanzielle Überlegungen sind offensichtlich beim Einkaufen ausschlaggebend: Die meisten Jungmediziner schauen nach Feierabend schnell noch bei Aldi vorbei. Mit mehr als 30 Prozent Marktanteil verweist das Handels-Imperium der Gebrüder Albrecht andere Discounter, beispielsweise Lidl, Rewe und Penny, auf die hinteren Plätze. Supermärkte wie Edeka und Kaisers spielen nur Nebenrollen. Auch wenn Gesundheit ihr Metier ist, kaufen von den mehr als 1000 Befragten die wenigsten im Reformhaus oder Körnerladen ein. Neben den dort deutlich höheren Preisen sagt wohl auch deren stark auf die Bedürfnisse von Vegetariern ausgerichtetes Sortiment nicht zu. Kaum jeder Zehnte isst nämlich konsequent

fleischlos, und gerade einmal fünf Personen gaben an, außerdem auf Milch und Eier zu verzichten, also vegan zu leben. Statt Tofu-Schnitzel und Sesampaste mit Meersalz kommen zu Hause fast überall eher Pizza und Nutella auf den Tisch.

Skalpellen und ähnlichem. So was lässt sich üben und stellt keine ernsthafte Hürde im Medizinstudium dar. In etwa dasselbe gilt für die individuelle Gedächtnisleistung. Es kann sich auf Dauer sowieso niemand all das merken, was er für die Prüfungen mal lernen musste. Aber das macht nichts, solange die Grundlagen „sitzen“ und langfristig die Bereitschaft besteht, im konkreten Fall erneut in die Lehrbücher zu schauen.

gendeiner Form von Intelligenz sind, ist höchst umstritten.

Definitiv keine Rolle sollten bei der Entscheidung für oder gegen dieses Fach der Abi-Schnitt oder irgendwelche Schulzensuren spielen. Dass du in Geschichte gut, in Mathe schlecht oder überall einfach Durchschnitt warst, sagt über deine Eignung für den Arztberuf schlicht gar nichts aus. Und ob gute Noten generell das Ergebnis ir-

Dieser Wille kommt nicht von ungefähr. Wie kaum jemand sonst an deutschen Universitäten identifizieren sich junge Mediziner offenbar mit ihrem Fach. Nur rund fünf Prozent brechen das Studium ab – in fast allen anderen Fakultäten sind die Zahlen weitaus höher. Einige Forums-Teilnehmer sprechen sogar von Leidenschaft, und praktisch alle finden: Du kannst dir zwar vorher nie ganz sicher sein. Aber du kannst und solltest den Mut haben, es zu versuchen.

Weitgehende Einigkeit dagegen herrscht darüber, dass persönliche Eigenschaften wie Fleiß und Frustrationstoleranz im Medizinstudium nützlich, vielleicht sogar entscheidend für den Erfolg sind. Oft geht es dort um das beharrliche Abarbeiten von immer neuen Aufgaben. Mit Spaß hat es vielfach nicht das Geringste zu tun, aber schon der Wille zum Bestehen der kommenden Prüfung kann während des Lernens regelrecht Bücherberge versetzen.

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MEDI-LEARN Zeitung 05/2009  
MEDI-LEARN Zeitung 05/2009  

Die MEDI-LEARN Zeitung im Printformat. Sie enthält auf 12 Zeitungsseiten News und Informationen für Medizinstudenten und Jungärzte und ersc...

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