Meakusma Magazin #3

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DT: Beides. Es war mir sehr wichtig, dass es sich um einen geschlossenen oder umzäunten Bereich handelt, der im Grunde einen Teil des Parks besetzt – mit einer Tür zum Museum hin und einer nach draußen. Er liegt also auf der Grenze. Außerdem war es entscheidend, dass ich rund um die Uhr Zugang habe. Ich kann also Sachen organisieren, wann immer ich möchte. So haben wir das gewissermaßen schon immer gehandhabt, beispielsweise früher in den besetzten Häusern. Es ist der Versuch einen Raum zu schaffen, der für immer dort bleiben oder zumindest schwer zu beseitigen sein wird, immerhin ist das Ganze aus Beton. Im Vertrag ist auch festgehalten, dass es dann vorbei ist, wenn diese Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Ich bin gespannt. In dem Sinne ist es wiederum eine temporäre Arbeit. Ich möchte, dass sie eine aktive Rolle spielt und gleichzeitig aktiviert wird. Im Sommer organisiere ich dort jeden Samstag etwas.

PH: Ich frage deshalb, weil gerade Skulptur im öffentlichen Raum, im Gegensatz zu anderen Medien, eine besondere Rezeptionsweise mit sich bringt. Sie ist per se wechselseitig, etwas steht de facto vor den Rezipierenden. Dein skulpturales Konzept beginnt aber bereits bei den Rechnungen, findet im Radio statt, und auch mit den Tattoos wird, wenngleich auf intime Weise, Öffentlichkeit thematisiert – eine gleichzeitig sehr begrenzte Form von Öffentlichkeit: Es geht lediglich um eine Person, vielleicht noch zwei, drei weitere, die diese Person mit dem Tattoo regelmäßig sehen. Wenn ich den Buchladen betrete und der oder die Buchhändler_in die Tätowierung sieht, dann spielst du in dem Moment als Autor ja keine Rolle. Für ihn oder sie ist es ein Tattoo, nicht ein No Choice Tattoo von Dennis Tyfus, es ist auch nicht signiert. Das Tattoo funktioniert in dem Moment völlig anders als eine Skulptur, die im Park aufgestellt wird.

PH: Zumindest auf dem Papier versuchst du die prekären Umstände von Hausbesetzungen herauszukürzen.

DT: In sämtlichen Fällen geht es darum sich mithilfe von Kunstwerken in soziale Zusammenhängen einzuschreiben. Wenn

DT: Im Vertrag ist auch festgelegt, dass im Falle meines Ablebens andere Organisationen, zum Beispiel Kraak, De Player in Rotterdam, Oto in London oder auch Meakusma die Sache weiterführen dürfen. Aber ich möchte eben festlegen, wer dafür in Betracht kommt.

ich alleine im Atelier bin, eine Zeichnung anfertige, rahme und in eine Galerie bringe, um sie dort zu zeigen, ist es gewissermaßen das Gegenteil davon. Aber eben auch ein Teil meiner künstlerischen Praxis. PH: Kannst du etwas mehr zum Tätowieren als künstlerische Praxis sagen?

PH: Was hältst du eigentlich von der Rezeption deiner künstlerischen Arbeit?

DT: Ich war eigentlich nie besonders an tattoo art interessiert. Meine eigenen Tätowierungen waren eigentlich immer Zeichnungen, mit denen ich in das Tattoo-Studio ging, um sie mir dann tätowieren zu lassen. Irgendwann fing ich bei Ultra Eczema an mit der Idee der Katalognummer herumzuspielen. Eines Tages entstand eine Zeichnung, in der jemand UE50 auf die Fingerknöchel tätowiert hatte – also die Katalognummer für das fünfzigste Release. Sieben Jahre lang war ich der einzige, der dieses Tattoo hatte.

DT: Für gewöhnlich bin ich davon ziemlich genervt, aber ich kann nicht wirklich begründen warum. Es klingt vielleicht etwas pubertär, aber ich mag es nicht kategorisiert zu werden. Wie dem auch sei, die Leute machen’s nun mal – wenn ich mir eine Platte anhöre, packe ich sie ja auch in Kategorien wie Folk oder Elektronische Musik, selbst wenn die diejenigen, die das fabriziert haben, etwas ganz Anderes im Sinn hatten. Es hat wirklich lange gedauert bis ich nicht mehr als Graffiti-Künstler wahrgenommen wurde, was ich ja in keinster Weise bin und was ich auch nicht besonders mag. Ich bin eigentlich am meisten daran interessiert Dinge anders zu tun als ich es in der Vergangenheit getan habe.

PH: Und es geht auch nur das Tattoo. DT: Genau, die Katalognummer ist der Release. Dann zog mein Freund Allon Kaye, der das Label Entr’acte betreibt, nach Antwerpen. Auf allen Veröffentlichungen ist auf der Vorderseite des Covers lediglich die Katalognummer in großen Lettern zu sehen.

Wir haben eine Veröffentlichung getauscht, er bekam ein UE50 Tattoo auf den Arm und ich E103, eine Nummer, die speziell für meine Finger konzipiert wurde. Nachdem er die zweite Person mit einem UE50 Release auf dem Körper war, habe ich beschlossen daraus eine auf 50 Exemplare limitierte Auflage zu machen. Eine Tätowiererin aus Deutschland, eine Freundin von mir, fertigte die Tattoos im Rahmen einer Galerieeröffnung umsonst an. Als Bezahlung wollte sie eine Tätowierung von mir mit ihrer Maschine haben – ich hatte das bis dahin noch nie gemacht. Im Middelheim Museum habe ich die Kuratorin mit meinen andauernden Vorschlägen in den Wahnsinn treiben: Der Flyer, die Einladung, alles war sehr weit von der eigentlichen Ausstellung entfernt. Jedes einzelne Element sollte Räume für etwas Anderes öffnen, so arbeite ich in der Regel. Irgendwann sagte ich zu ihr, „I will do it, but you have no choice.“ So kam letztlich der Name zustande. PH: Auf Ultra Eczema erscheinen Bücher, Druckgrafiken, Schallplatten und Tätowie-

rungen. Die meisten Publikationen sind von dir, die meisten Platten allerdings nicht. DT: Aber ich mache die Zeichnungen für die Cover, das Artwork ist immer von mir. Und ich arbeite eng mit dem Grafikdesigner Jef Cuypers zusammen. Meine Interessen haben sich verlagert, es begann in den 1990er Jahren mit einem Fanzinze für Punk, Hardcore, Grindcore und Crust, fünf Jahre später gab es eine Ausgabe mit Fotografien von Zeichnungen, dann begann ich Platten zu produzieren und so weiter. Es hat sich zu dieser Releases-Reihe entwickelt, sogar die Orte haben eine Katalognummer, also auch De Nor. PH: Alles ist also letztlich an die Labelstruktur zurückgebunden. DT: Ja, es funktioniert wie ein Kleiderständer, eine gute Option um Sachen unterzubringen. PH: Ein Teil dieses Ganzen ist ja auch der Plattenladen a-Musik in Köln. DT: Es ist ein Ort, an dem all meine Veröffentlichungen schon seit langem erhältlich sind, wie auch bei Fusetron in New York oder Art into Life in Japan. Es gibt ein inter-