Meakusma Magazin #3

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▶ Die Trillerpfeife ist ein kostengünstiger Tonerzeuger. Gerne wird sie eingesetzt, um in geräuschvollen Umgebungen leicht zu hörende Signale auszusenden. Verwendet wird sie etwa von Polizist*innen, um flüchtige Verbrecher*innen zum Stehenbleiben zu animieren und Verstärkung herbeizurufen oder von Schiedsrichter*innen, um ein Foul zu signalisieren. Auch eine Gewerkschaftsdemonstration ohne den mannigfachen Einsatz von Trillerpfeifen, der die Forderung nach Lohnerhöhungen oder besseren Arbeitsbedingungen unterstreichen soll, ist nur schwer vorstellbar.

man diese Vielstimmigkeit in seiner ganzen Räumlichkeit erleben konnte, musste man erst an einer neun Meter hohen Staumauer voreikommen, die im vorderen Teil des Pavillons angebracht war. Denn die Stimmen der Migration sind unseren Gesellschaften meist ausgeschlossen und schwer zu hören. Neben der Soundinstallation präsentierte Happelmann drei Videos, in denen sie mit einem Stein aus Pappmaché auf dem Kopf zu Orten der Migration wandert. In einem der Videos sieht man sie vor einer italienischen Tomatenplantage, in der hauptsächlich

Der Beitrag zum diesjährigen Meakusma Festival ist Teil einer Projektreihe, die das Goethe-Institut im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 organisiert. Kernanliegen dieser Projekte ist die Stärkung gemeinsamer Solidarität und der europäischen Integration. Dafür initiiert das Goethe-Institut Plattformen des Austauschs und der Begegnung zwischen Menschen aller EU-Mitgliedsstaaten – um die europäische Zivilgesellschaft zu stärken und einen Beitrag zu leisten für eine europäische Öffentlichkeit.

Grusswort Die Trillerpfeife kann demnach sowohl ein Instrument zur Bekräftigung bestehender Ordnungen sein, aber auch für subversive, die Ordnung unterminierende Zwecke verwendet werden. So wird sie im Zuge globaler Migrationsbewegungen zunehmend von Geflüchteten eingesetzt, um sich gegenseitig vor Abschiebungen zu warnen.

Migrant*innen unter schlechtesten Bedingungen arbeiten. Auf der Soundspur hört man Sprechchöre von einer Demonstration in Rom am 15. Dezember 2018. Die Demonstrierenden skandieren: „Lavoro: per tutti!, Casa: per tutti!“ (Arbeit für alle, Häuser für alle) unterstrichen wird diese Forderung von vielstimmigen Pfiffen aus einer Trillerpfeife.

Diese letztgenannte Verwendung der Trillerpfeife bildete den Anknüpfungspunkt für den Beitrag der Künstlerin Natascha Süder Happelmann auf der Venedig Biennale 2019. Dort präsentierte sie eine Klanginstallation auf acht Kanälen und insgesamt 48, auf einer Stahlkonstruktion installierten, Lautsprechern. Für die Installation beauftragte sie sechs mit ganz unterschiedlichen Mitteln arbeitende Musiker*innen aus verschiedenen Teilen der Welt mit der Komposition eines auf Trillerpfeifenlauten basierenden Musikstücks. In der Installation im deutschen Pavillon wurden diese aber nicht einfach synchronisiert, sondern überschnitten, überlagert, verschmolzen, wieder getrennt und von Momenten der Stille eingeholt. Doch bevor

Wir freuen uns, dass die Macher*innen des Meakusma Festivals sich in diesem Jahr - trotz der schwierigen Corona Situation nicht haben entmutigen lassen und kurzerhand ein experimentelles Meakusma Radiolab auf die Beine gestellt haben. In diesem Rahmen präsentieren wir im IKOB die vom Goehte-Institut entwickelte mobile Hörstation „Ankersentrum (surviving in the ruinous ruin)“. Diese basiert auf Süder Happelmanns Biennalen Beitrag. In der Hörstation können Sie die Musikstücke aus der Soundinstallation nachhören und sich Süder Happelmanns Videotrilogie anschauen. Zudem wird DJ Marfox, der ein Stück für die Installation beigetragen hat, Teil des Radiolabs sein.

Ganz herzlich möchten wir uns bei dem Team des Meakusma Festivals für unsere tolle, langanhaltende Kooperation bedanken. Wir wünschen Ihnen ein tolles Meakusma Radiolab 2020 und freuen uns darauf, Sie im nächsten Jahr wieder persönlich auf dem Meakusma Festival antreffen zu können. • Aloña Elizalde Julian Volz • Kulturprogramm Goethe-Institut Brüssel