Meakusma Magazin #3

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▶ 1) Was die Systemmedien verschweigen:

Der beste Plattenladen Deutschlands liegt in Köln, heißt A-Musik und kann sein 25-jähriges Bestehen in diesem Jahr nicht richtig feiern, weil Bill Gates die Welt mit einem Virus überzogen hat, das es gar nicht gibt, um von der Virenanfälligkeit seiner Produkte abzulenken. Beweis: Wenn man in Gates’ Suchmaschine Bing „A-Musik“ eingibt, kommt als erster Treffer gleich die A-Musik-Homepage. Zufall? Wohl kaum.

2) Was die bürgerliche Wissenschaft verdrängt: Vor A-Musik gab es die A-Gruppen. Das waren konspirative WGs, die in der alten BRD militanten Utopien anhingen. Aus einer Kölner Zelle (Odijk, Dommert, Schmickler, Werner, Schulz, Randomiz, Suchy, Zimmermann, Stockhausen, Czukay, Niedecken) bildeten sich nach einer Serie von Spaltungen und gegenseitigen Ausschlüssen um den Mauerfall herum die Tonträgerfirmen Entenpfuhl, Erfolg und Gefriem, 1993 dann A-Musik, erst inoffiziell als Mailorder,

• zusammengegoogelt von Johannes Ullmaier •

native Tentacles“, „Axis“, „Alga Marghen“, „Atavistic“, „Ariola“, „Apple“ oder „Amazon“ nennen können. Haben sie aber nicht. 4) Von Discogs-Surfern lang enttarnt: In Wahrheit ist der Name „A-Musik“ von der japanischen Freejazz-Avantgarde-Bigband „A-Musik“ geklaut, die 1984 eine Platte mit dem Titel E Kú Ìrójú herausgebracht hat. Beweis: Das japanische Label, auf dem (nur) diese Platte rauskam, heißt: „Zeitgenössische Musik Disk“, mit harten, deutschen Kraftwerk-„K“s, so wie in „A-MusiK“ – wo was verkauft wird? Richtig: „Zeitgenössische MusiK DisKs.“ Schon die Japaner haben ihren Namen also aus der rheinländischen Zukunft, was auch das Japan-Faible des späteren Kölner Ladens erklärt. 5) Wat dä kölsche Klüngel klönt: Als örtliche Institution agiert A-Musik nach dem kryptokatholischen Segensprinzip „urbi et orbi“, also: starke Verwurzelung in der

mutiert („Idiotensicher. Virensicher. Zukunftssicher.“), hätte es seit dieser Zeit dort keine unvermuteten Bekanntschaften oder freudigen Wiederbegegnungen mehr gegeben, keine sagenhaften Spätkauf-Events, keine spontanen Diskussionen, keine kollegiale Nachbarschaft zum Normal Mailorder, zum Institut für Feinmotorik, zum Institut für Betrachtung, zum Basspräsidium, zu supposé, Auf Abwegen, Unrock etc., keine kritischen Reinhörsessions oder analogen Überraschungsfunde, auch keine Möglichkeit, im Keller mal aufs Klo zu gehen und dort der Tödlichen Doris zu begegnen. Dafür wäre der Firmensitz jetzt auf den Cayman-Islands, A-Musik müsste keine Steuern oder Miete zahlen, würde in Sibirien ein Gaskraftwerk für seine Server bauen, auf Sitzbällen Kreativimpulse optimieren und Aktienpakete an sich selber schnüren. Beweis: Bei A-Musik gibt es Schallplatten zu kaufen. Diese stehen physisch in einem Laden, wo man sie physisch durchforsten kann. CDs, Kassetten, Singles, DVDs, Zeitungen und Bücher

a conspiracy ab 1995 offiziell als Plattenladen, Label und Vertrieb. Beweis: Bis heute gibt es allein auf der Start-Homepage drei verschiedene Schreibungen des Firmennamens: „a-musik“, „A-Musik“ und „a-Musik“ – untrügliches Indiz der frühen Flügelkämpfe innerhalb der Kölner A-Gruppe: avantgarde-kleinschreibung versus Duden-Signifying versus querfront-Stuss.

eigenen Stadt (reiheM, Gebäude 9, Dublab etc.) einerseits und im ganzen Erdkreis (unter besonderer Berücksichtigung von Belgien) andererseits. Bei eklatanter Überspringung von Nation und Kontinent. Beweis: siehe 6

6) Was die Wirtschaftsweisen nie erwähnen: Wenn A-Musik 2000 nicht nur innerhalb von Köln umgezogen wäre, nämlich vom Belgischen Viertel in die Altstadt Süd zum Kleinen Griechenmarkt 28-30, sondern – wie damals 3) Anders als offiziell behauptet, steht das alle – nach Berlin, hätte es 2010 schon über „A“ in „A-Musik“ nicht bloß für das „A“ in hundert A-Musik-Filialen gegeben, hätte der Adresse „Brüsseler Platz 10A“, wo im Joachim Gauck 2013 den A-Tower am Souterrain der erste Laden war, sondern als Potsdamer Platz eingeweiht, würde A-Musik minimalistische Chiffre für die Utopie eines heute Milliardensubventionen abkassieren, Zugleichs von „Avantgarde“, „Art“, „Anti“, „Anarchie“, „Aktivismus“, „abgefahren“, „an- fette Dividenden ausschütten und mit Corostrengend“, „angenehm“, „absurd“, „aktuell“, na-Rettungsgeldern überflutet werden. Beweis: A-Musik ist noch in Köln „Archiv“, „akademisch“, „albern“, „anders“, und wird nicht mit Rettungsgeldern „autonom“ und „all in one“, kurz: „A“ als überflutet. dritter Weg jenseits von „E“ und „U“. Beweis: Sonst hätte „A-Musik“ sich auch gleich „Atatak“, „Artware Audio“, 7) Wovor sich Gates und Bezos wirklich fürchten: Wäre A-Musik 2005 zur Strea„Age d’Or“, „Ant Zen“, „Aggressive ming-Plattform und 2012 zur puren App Rockproduktionen“, „AMM“, „Alter-

auch. Dabei fallen keine Metadaten an. Man kommt dort ohne Passwort rein, braucht kein PayPal, keine Schufa-Auskunft, nicht einmal einen Vermögensnachweis seiner Eltern. Die Preise sind fast immer mit der Hand geschrieben und ändern sich nicht automatisch mit dem Konkurrenzpreis oder Dollarkurs. Alles, was da steht, hat jemand mal dorthin gestellt und könnte dafür einen Grund angeben. Wenn man nach etwas fragt, hört man dazu etwas, was nicht Werbung ist. Wenn auf irgendwas ein Post-It klebt, wo TIP draufsteht, hat jemand es dort hingeschrieben und sich dabei etwas gedacht. Und den Leuten, die sich da etwas gedacht, die darin etwas gehört, gefühlt, erkannt haben, kann man vor Ort begegnen und mit ihnen reden. Gern empfehlen sie algorithmische Musik, sind aber selber keine Algorithmen. Für dieses durchgeknallte, in seinem Eigensinn profitgefährdende, aber auch visionäre Marketingkonzept hat die Betriebswirtschaft bislang noch keinen Namen. Hilflos redet man von