Meakusma Magazin #3

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25 den. Die war nun wieder da, und so wurden DJ-Mixe zu einem wichtigen Format, um den Prozess voranzubringen. „Connected to my question ‚How should electronic music sound today?‘ my relation to selection changed. What I am interested in is music that has the potential to bare intense listening experience, with a demanding presence of nearly physical tension. I find more and more records of that kind, reaching a point where I am wondering: Will ever someone listen to this? Why do I still try to make a compromise here and there? But it is getting better and I hope to be brave enough and get beyond compromises of any kind very soon! This mix definitely marks the point of my decision not to play sweet sounding music anymore. Well, at least for now.“ Interview mit Vice en Español, Mix: The Pastel Days are Over „I’ve also realized that I fell in love with electronic music for its role as a listening experience—the moment when all of your

euphony in electronic music – I want to see artists and genres reflecting themselves, questioning themselves. I appreciate sharp artistic ideas, though I am not sure if I have any to offer myself. I am trying to come as close as possible to this focus and energy,” she continues, “struggling with borders of audibility and my own traditional vocabulary (I grew up with Tchaikowsky and a piano teaching grandmother). Though I feel it is not radical enough yet I also have to admit that playing a consequent brutalistic selection didn’t work either – or am I not brave enough yet?” Interview mit The Wire, Mix: Wire Mix Nach diesen Mixen mitsamt Interviews – der dankbaren Notwendigkeit einer Reflektion und Verschriftlichung – war ich auf dem Weg ein gutes Stück weiter. Nur: Die Selektion für DJ-Mixe bedeutet die Beschäftigung mit fertigen Stücken. Der Schritt, die sich nun präziser abbildende musikalische Idee produktionstechnisch umzusetzen, fehlte noch. Wieder kam eins zum anderen, denn in der darauf folgenden

sen Zustand gibt es im Kleinen, Persönlichen, wie der anfangs beschriebenen Reibung einer jungen Erwachsenen an unstimmigen äußeren Umständen. Diesen Zustand gibt es im Großen: Blickt man auf unsere Welt, von patriarchalen Machtkonzepten verunstaltet, die Mehrheit aller Menschen auf irgendeine nur denkbare Art unterdrückt und ausgegrenzt, dann findet man diesen Zustand in allen Formen. „Die Welt brennt.“ Es ist bitter nötig, hinzuschauen und etwas dagegen zu tun. „Wer soll diese Gesellschaft aufklären, wenn nicht die Schriftsteller, Denker, Dichter, Historiker, Wissenschaftler und Künstler?“ (Philipp Ruch: Schluss mit der Geduld) Als der Titel Music For People Who Shave Their Heads im Raum steht, macht es klick. Gäbe es für mich einen Grund, sich den Kopf zu rasieren, dann wäre es Schmerz: Ausdruck der inneren Reibung an inakzeptablen politischen Umständen, und ich leide mit jedem Opfer, das diese Umstände fordert. Auch Reibung an den kleinen Umständen, die mich direkt umgeben und mich

Ein Albumtitel und seine (arbeits)politischen Folgen oder: Wie Musik manchmal nicht reicht senses are stimulated and attached to certain sounds. This is why I got more and more disspointed by what happened to club music. I started searching, and today I find more and more records that feed my senses, music of a nearly physical quality—rough, brutal, archaic. I enjoy being surprised when I listen to tracks and find such intensity, focus, and energy. It’s probably a logical reaction after the many years electronic music concentrated on atmospheric, warm beauty; I am tired of sweetness and I don`t believe we can afford staying in that comfort zone. I think it is time for artistic self-reflection and confrontation. Don’t we have a mission? What does electronic music mean today?“ Interview mit Self-titled Magazine, Mix: Consider Noise “What recently has been interesting me is a precisely bundled and very focussed expression of tension and energy: when a track has the ability to manifest a strong will, a concrete thought, an intention; when I can hear a loud and clear yes or no, a statement, when I feel attitude. I guess I got a bit bored of randomness, self-referentiality and

Zeit trudelten drei Bitten um Remixe ein und eine soundfokussierte, rohe, sagen wir, brutalistische Neuinterpretation machte bei allen Originalen Sinn. Als es dann zu der Idee des Mixtapes kam, ich dafür zwar eigenes Material aber noch kein neues Soloalbum wollte, da fielen mir die Remixe ein, und sie passten perfekt ins Konzept – wie auch der Titel. Denn: Das musikalische innere Thema und seine Übertragung nach Außen, als Titel braucht vergleichbar starke Motive, einen ähnlich starken Antrieb. Also, worum geht es hier? Was ist der Kern all dieser Beschäftigung? Wie lässt sich ihr allgemeingültiges Wesen benennen? Es geht um eine starke innere Reibung an einer Umgebung, die einem schon lange vertraut ist, weshalb sie wärmt, die aber gleichzeitig kratzt, wie ein alter Wollpullover. Ein Zustand, für viele alltäglich, ein menschliches Dilemma, das sich in vielen unterschiedlichen Kontexten und Qualitäten finden lässt und persönliche, soziale, gesellschaftliche, politische, kulturelle, künstlerische – hängen sie zusammen? – Dimensionen haben kann. Die-

an vorherrschenden Themen, Meinungen und Wertvorstellungen verzweifeln lassen. Mein Wollpullover kratzt ebenfalls gewaltig, andauernd, seit vielen Jahren – der innere Antrieb des Themas. Der Titel bricht diese großen Zustände auf die Ebene des alltäglichen Miteinanders herunter: Wie gehen wir miteinander um? Wie blicken wir auf andere Menschen? Wie betrachten, wie lesen und deuten wir sie? Wie behandeln wir sie daraufhin? Die Fragekette lässt sich weiter denken. Es geht um Vorurteile und darum, dass wir tagtäglich dazu bereit sind, auszugrenzen. Dass wir den Menschen nicht wohlwollend begegnen, und dass das schon bei der Frisur losgeht. Und das hat eine Menge mit Mitmenschlichkeit zu tun; das ist die vielleicht kleinste Anwendungsform, die Menschenrechte haben können. Auch nach den Gründen für die Wahl einer Kopfrasur fragt das Album. Es gibt die Kopfrasur aus traditionellen, kulturellen, religiösen Gründen. In weiten Teilen Afrikas ist sie eine