Meakusma Magazin #3

Page 19

19

die stets auf Wachstum zielen, wäre einer tanzenden Lebensweise zuträglicher als ein museales Abbilden einer noch nicht zu Ende geschriebenen Historie. Die nostalgische Geste hin zu einer unschuldigen Zeit bringt zudem die Gefahr, der Gegenwart eine solche abzusprechen. Doch wer jung ist, und das sind die meisten Raver, der ist unschuldig, egal wie viel Zeit die Bewegung, der er anhängt, verlebt hat. Das meist ältere, einstige Gründerväter der Kultur nun die Musealisierung vorantreiben, liegt wohl auch in der Sehnsucht begraben, seine eigene Existenz zu sichern, ohne aktiv durch die Clubs streifen zu müssen. Doch nur dort ist das zu erleben, was sich der Abbildbarkeit entzieht: der Tanz im Rhythmus maschineller Takte. Seine Institutionalisierung übt Betrug am Rausch

auf der Tanzfläche und formt unbewusst eine kulturelle Praxis in eine definierte Ware, die sich eigentlich jeder Produkthaftigkeit entziehen sollte. Sicherlich könnte eine Musealisierung der Ravekultur, wie Beispielsweise im angestrebten Frankfurter Technomuseum, die horizontal rein faktisch historisch darstellt, die Ravekultur vollends bürgerlich etablieren. Doch tun dies nicht schon die vielen Partys und Festivals, die jedes Wochenende zu jeder Jahreszeit global die Vielseitigkeit – von Experiment bis Kommerz – einer Kultur abbilden, die lebendiger und internationaler ist, als jemals zuvor?