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AUSBILDUNG

KLISCHEE BANKER WAS FÄLLT EUCH DENN EIN?

LERNEN STATT CHILLEN LEUPHANA SOMMERAKADEMIE

NEBENJOB: WELTVERBESSERER EHRENAMTLICHES ENGAGEMENT THE NØRD TIMES

DIE COOLSTEN MOPEDS AUF DIESEM PLANETEN LIBERTA MOTOCYCLES UND ANDERE STORIES

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? N N A D N N WA HIERGEBLIEBEN DIE S CH Ö N S T E N S E I T E N DE INE R R E GIO N: AU S BIL D U N GE N, CO MPANIE S , L EUT E & J O B . B OX w w w.m e 2b e .d e

B R A N D2M EDI A

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H e f t 03

S e p t e m b e r 2013


DEINE ME2BE FAMILY ME2BE ME TO BUSINESS Dein überregionales Magazin für Ausbildung

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NEU

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EDITORIAL

Sich kümmern, etwas anschieben, ermöglichen, entwickeln, bewegen. Engagement liegt voll im Trend. Immer mehr junge Menschen engagieren sich. In der Schule bei der Klimaschutz-AG, bei der Schülerzeitung oder bei Schüler Helfen Leben. In einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder bei der Freiwilligen Feuerwehr. In der Freizeit im Sportverein oder beim Wacken Open Air als ehrenamtliche Helfer. Oder bei der Arbeit als Banker für Sponsoring-Projekte wie „Ball sucht Schule oder Sportverein“. Wir haben für euch mit engagierten jungen Menschen gesprochen, die einfach mal sagen, was daran so einen Spaß macht. Und dass Anerkennung wertvoller sein kann als Geld.

, G I L L I W I E FR T S N O S M U T H C I N R E B A Egal ob Ausbildung oder Studium – durch eine Freiwilligentätigkeit gewinnst du Einblicke und Kompetenzen, übernimmst Verantwortung und organisierst plötzlich Sachen, von denen du noch nie etwas gehört hast. Und manchmal wird deine Berufung sogar zu deinem Beruf.

Viel Spaß beim Lesen und meinen herzlichsten Dank an die vielen engagierten Schüler, Azubis, Studenten und ausbildenden Unternehmen, die dieses Magazin überhaupt erst möglich machen. Euer Team und Josh, Chefredakteur

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Summer Special 06

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Machen 18

Der letzte Sommer

Veljko Tomovic über ehrenamtliches Engagement

20 08

Nebenjob: Weltverbesserer „Wer, wenn nicht wir?“ Elise Zerrath, deine Stimme bei den Vereinten Nationen

„Es lohnt sich, für seine Ideen zu kämpfen“ Ministerpräsident Torsten Albig über seine Träume als Jugendlicher und politisches Engagement

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Ich hab da mal ne Frage Wahlrecht ab 16, gut oder schlecht?

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Jugend debattiert Wahlrecht ab 16 Jahren

Lernen 24

Gutes Benehmen öffnet Türen Interview mit Moritz Freiherr Knigge

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SCIENCE FUN Eine Woche ungehemmt mit Unternehmern reden – die IZET Summer Science School

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Editorial

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Impressum

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Lernen statt Chillen Die Leuphana Sommerakademie

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From coast to coast Lehreraustausch an der Auguste-Viktoria-Schule

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Lernen Inhalt

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Das gute Geld von nebenan Gedanken über das Image der Banken

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Klischee Banker: Was fällt euch denn ein? Friederike Kay, Förde Sparkasse, räumt mit dem Klischee des Bankers auf

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Die Menschen hinter den Zahlen Die zweite Seite der Banker bei der VR Bank Niebüll eG

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Keine Bälle? Kein Sport? Kein Ding! Die Volksbanken Raiffeisenbanken verlosen 3000 Bälle in Schleswig-Holstein

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Ich werde Banker Ausbildung und Studium bei den Volksbanken Raiffeisenbanken und Sparkassen

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Doppelt gut Christoph Sonnberg, dualer Student Business Administration bei der HSBA und Deutschen Bank

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Bei Null angefangen Ein Interview mit Matthias Heinze, Gründer von Jimdo

Leben 54

Arbeiten, wo andere Urlaub machen KiteWorldWide über Kiten und Geld verdienen

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Warum nicht mal zum Äpfelpflücken nach Neuseeland?

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Eine Insel fast für sich allein Vögel zählen mit Jonas im Naturschutzgebiet Oehe-Schleimünde erzählt von seinen Erfahrungen im FÖJ

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Ach, Festivals sind wundervoll Das größte Heavy-Metal-Festival der Welt mit Hanna und über 75.000 anderen

497 Jahre Erfahrung Wie ein Braumeister zu einem der ältesten Handwerksberufe gekommen ist

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In Kiel werde ich zum kleinen Jungen Poetry Slamer Tim Stafford, der Stuntman, Archäologe oder Rockstar werden wollte

Eine knackiger Reisebericht von Lea und Lars

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Die coolsten Mopeds auf diesem Planeten Niels-Peter Jensen, ehemaliger Mountainbike-Profi & Gründer von Liberta Motorcycles

Mein Paradies George aus Kiel hat es gefunden

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Reinfallen gehört auch dazu Von nix kommt nix – die zweifache Wakeboard-Weltmeisterin Sophia Marie Reimers


WENN NICHT JETZT, WANN DANN? W

enn die letzte Prüfung geschrieben, das Zeugnis vergeben, das Material des gesamten Schullebens in den Keller geräumt ist, dann hast du es endlich geschafft. Die Schule ist vorbei. Die lange erwartete Freiheit ist zum Greifen nah… und jetzt? Die neu gewonnene Freiheit kann für manche durchaus beängstigend sein. Plötzlich fallen die bekannten, alltäglichen Strukturen, die einem die Schulzeit vorgab, einfach weg und wichtige Entscheidungen über die eigene Zukunft müssen getroffen werden. Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, noch nie musste man so viel ent-

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scheiden. Ausbildung oder Studium? Oder beides? Oder doch erst ein Praktikum, Auslandsaufenthalt oder Soziales Jahr zur Orientierung? Was euch noch von diesen schweren und folgenreichen Entscheidungen trennt, ist ein Sommer. Euer letzter Sommer, bevor es mit dem Leben als Erwachsene so richtig losgeht. Genau diesem Sommer haben wir uns in diesem Heft gewidmet. Der Gestaltung dieser wundervollen Zeit der Freiheit und Abenteuer. Ihr könnt so vieles machen oder gar nichts davon. Aber eines solltet ihr bedenken: An diese letzte Freiheit werdet ihr euch immer erinnern. Also macht was draus.


MACHEN Verbessere die Welt und sie verbessert dich. Engagiere dich und setze deine Fähigkeiten für das Gute ein. Bei Schüler Helfen Leben oder als UN-Delegierte. Wie das geht, zeigen wir dir.

LERNEN Wenn du erlaubst, sagt Moritz Freiherr Knigge dir, wie gutes Benehmen Türen öffnet. Was die IZET Summer Science School ausbrütet oder die Leuphana Sommerakademie, ein Lehrer aus Ghana im hohen Norden macht, wie „Gutes Geld“ geht und was die Banken in Schleswig-Holstein tun, um sich das Vertrauen ihrer Kunden zu verdienen. Und was das für dich bedeutet, wenn du „Guter Banker“ lernen oder studieren oder beides willst.

LEBEN Mal arbeiten, wo andere Urlaub machen? Ein neues Paradies entdecken oder Apfelpflücken in Neuseeland? Oder den Heavy Metal Heaven in Wacken rocken. Wir nehmen euch mit auf ganz persönliche Reisen und Erfahrungen, mal tausende von Kilometern entfernt, mal gleich um die Ecke. Und THE NØRD TIMES zeigt euch die coolsten Mopeds auf diesem Planeten, was man mit 497 Jahren Erfahrung alles brauen kann und wie Poetry Slam in Kiel abgeht. Solltet ihr euch dafür entscheiden, in eurem Sommer mal gar nichts zu tun, dann ist das auch okay. Schließlich habt ihr freie Wahl. Beim Nichtstun sind schon großartige Gedanken in die Welt gekommen.

Text Katharina Grzeca | Foto Teresa Horstmann

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„E S L OHNT SEINE K ÄMPF EN“

TORSTEN ALBIG IM INTERVIEW Ministerpräsident Torsten Albig über seine Träume als Jugendlicher, politisches Engagement und Wählen mit 16


R Ü F , H C I S IDEEN ZU ME2BE: Eine ganz private Frage zuerst, Herr Albig: Wovon träumten Sie mit 16? Torsten Albig: Wenn ich ehrlich bin, ließen mei­ ne politische Sozialisierung und der Wunsch, die Welt zu ändern, noch etwas auf sich warten. Am Anfang der Oberstufe waren meine Träume doch noch ziemlich privater Natur. Ich wünschte mir eine feste Freundin, die ich leider noch nicht hatte. Wünschte mir, dass meine Mannschaft nicht ständig absteigt – vielleicht auch ein Grund dafür, dass ich noch keine Freundin hatte – zu viel Zeit auf dem Fußballplatz verbracht. Wenn man junge Leute fragt, was sie sich wünschen, antworten viele: eine saubere Umwelt, weniger Armut, den Klimawandel bekämpfen. Wie können sich Jugendliche für ihre Träume politisch einsetzen? Indem sie sich mit anderen zusammentun, die dieselben Wünsche und Ziele haben. Sie können in politischen Jugendorganisationen oder in der Gewerkschaftsjugend mitmachen oder auch im Rahmen der Kirche. Sie können sich in Gruppen zu bestimmten Themen engagieren: Umwelt­ schutzorganisationen, Hilfen für arme Men­ schen oder Initiativen gegen Rechtsextremis­ mus. Und wenn sie vor Ort was verändern wollen – da fängt die Arbeit für eine bessere Welt ja an – dann können sie in ihrer Stadt oder Ge­ meinde auf politische Entscheidungen Einfluss nehmen. Dort gibt es Mitbestimmungsprojekte zu bestimmten Themen oder auch Kinder­ und Jugendvertretungen. Das gibt es schon an vie­ len Orten und wo es noch nicht funktioniert, lohnt es sich, dafür zu kämpfen. Was sagen Sie denen, die meinen: Politiker und Parteien sind ja sowieso alle gleich. Da lohnt sich der Einsatz gar nicht! Das Misstrauen ist unbegründet. Wir sind nicht alle gleich. Gerade deshalb gibt es im Parlament ja auch heftige politische Diskussionen darü­ ber, was man tun muss, damit die Schulen gute Arbeit leisten oder die Umwelt bewahrt wird. Zu diesem Ringen um die richtigen Antworten zählt aber auch der Kompromiss, der Ausgleich von verschiedenen Interessen. Ich weiß, dass sich viele junge Leute lieber eine kompromisslo­

se Antwort auf die Probleme wünschen, die sie beschäftigen. Aber kompromisslose Lösungen gibt es nur in einer Diktatur. Sie sind nie rich­ tig und sie führen allein dazu, dass andere In­ teressen und andere Menschen unter die Räder kommen – und vielleicht sogar verfolgt werden. Im Übrigen macht es auch Spaß, sich mit ande­ ren Menschen zu treffen und zu diskutieren, wie ein Problem gelöst werden kann. Man muss aber eben auch aushalten können, dass man nicht immer eine Mehrheit für seine eigene Meinung bekommt. Und man muss auch Kompromisse ein­ gehen können, um eine Mehrheit zu bekommen. Das macht nicht immer Spaß, aber das gehört in der Demokratie dazu, wenn man dafür sorgen will, dass die Menschen und unsere Umwelt es besser haben. Immer weniger Leute gehen zur Wahl. Was muss der Ministerpräsident, was muss die Politik tun, um junge Menschen zu gewinnen? Das Problem muss dringend gelöst werden, weil es zur Gefahr für die Demokratie werden kann. Wir müssen das Interesse für politische Ent­ scheidungen zurückgewinnen. Es geht schließ­ lich um die Lebensbedingungen für jeden von uns. Die Landesregierung versucht dies durch mehr Bürgerbeteiligung. Die Bürgerinnen und Bürger müssen viel stärker in politische Ent­ scheidungsprozesse eingebunden werden. Sie sollen uns auch zwischen den Wahlen ihre Mei­ nung sagen können. Wenn wir die nicht kennen, können wir sie auch nicht berücksichtigen. Po­ litik muss auch viel transparenter, durchschau­ barer werden. Sonst verstehen die Menschen nicht, weshalb wir zu der einen oder anderen politischen Entscheidung kommen. Es geht hier ja nicht um schwarze Magie oder so was, son­ dern um hoffentlich halbwegs nachvollziehbare Entscheidungen, bei denen wir versuchen, Pro­ bleme zu lösen und Interessen auszugleichen. Wir bemühen uns heute besser zu erklären, wie­ so wir eine bestimmte Entscheidung treffen. Das hat die Politik bisher nicht so gut hinbe­ kommen. Wenn wir da besser werden, dann inte­ ressieren sich die Menschen hoffentlich wieder mehr für Politik und strafen die Parteien nicht länger, indem sie von Wahlen fernbleiben. Denn damit schaden sie sich selbst leider am meisten. Bisher gilt das Wahlrecht in SchleswigHolstein erst ab 18 Jahren. Wann dürfen Jugendliche ab 16 endlich bei der Landtagswahl zur Wahlurne gehen? Bei der nächsten Landtagswahl, also im Jahr 2017. Wir haben im Landtag in diesem Jahr ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

Text Joachim Welding

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ICH HAB DA MAL NE FRAGE Wahlrecht ab 16, gut oder schlecht?

Niedersachsen war das erste Bundesland, das 1996 die Teilnahme von 16-Jährigen an Wahlen auf kommunaler Ebene ermöglichte. Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein zogen nach. Doch die Wahl auf Landes- oder gar Bundesebene für 16-Jährige steht in der Kritik. Jugendliche interessieren sich nicht für Politik, seien zu leicht beeinflussbar und verstünden die politischen Zusammenhänge noch nicht. Die Befürworter halten dagegen und argumentieren, dass gerade eine Wahl das Interesse junger Menschen für die Politik wecken würde und dass sie auch besser die demokratischen Prozesse verstünden – außerdem wären sie sowohl rechts- als auch religionsmündig und müssten Steuern zahlen. Warum dann nicht auch wählen? So denken vier Schüler der 10. Klasse der Gemeinschaftschule am Hamberg darüber...


„Das wäre gar nicht schlecht. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass man mit 16 noch keine eigene Meinung dazu hat und sich viel zu stark beeinflussen lassen würde.“ Andreas Riedel, 15 Jahre


„Persönlich würde ich es gut finden wählen zu dürfen, aber es gibt zu viele, die sich beeinflussen lassen und nicht wissen, wer und was genau hinter den Parteien steht.“ Simon Schuldt, 15 Jahre

„Ich würde es gut finden, weil man dann mitbestimmen dürfte. Ich habe durchaus schon eine politische Meinung und die dürfte ich in einer Wahl dann auch ausdrücken.“ Nele Blanck, 15 Jahre

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„Für mich wäre das nicht schlecht, weil ich damit meine Meinung äußern könnte. Aber eigentlich habe ich noch zu wenig Ahnung von Politik. Mit 15 oder 16 kennt man sich einfach noch nicht gut genug aus.“ Monique Harbeck, 15 Jahre

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Kathi Kolbe (vertritt die Pro-Seite)

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WAHLRECHT A B 16 JA H R EN Für und wider, pro und contra. So viele Gesprächsthemen sich täglich finden, so viele unterschiedliche Meinungen können sich bilden. Und hier geht es nicht darum, wer Recht hat, sondern wer seine Argumente am geschicktesten vertritt: Der Wettbewerb „Jugend debattiert“ ist ein Projekt der Hertie-Bertelsmann-Stiftung. Unsere Debattanten (nein, Debatonkel gibt es nicht) heißen Christoph und Kathi. Beide konnten „Jugend debattiert“-Wettbewerbe sogar auf Bundesebene für sich entscheiden. Für beide begann alles im Deutschunterricht bei Frau Gebel an der Friedrich-Junge-Schule (FJS) in Kiel. Seit neun Jahren leitet sie das Projekt. Mit Erfolg: Die FJS ist die einzige teilnehmende Realschule – heute Gemeinschaftsschule – im Kieler, Neumünsteraner und Lübecker Verbund. Bisher waren sonst nur Gymnasien dabei. „Gerade bin ich mit einer Schülerin zum Bundeswettkampf in Berlin gewesen“, sagt Margrit Gebel. „Die Wettkampfthemen werden eine Woche vorher bekannt gegeben. Und ob der Teilnehmer die Pro- oder Contra-Seite vertritt, erfährt er erst 15 Minuten davor. Man muss sich also gründlich auf beide Seiten vorbereiten und dabei jeweils unterschiedliche Ansätze durchexerzieren, den juristischen, den wirtschaftlichen und auch mal den ethischen. Die Wettkampfbedingungen sind hart, das kann man nicht anders sagen. Das Debattieren ist aber eine tolle Vorbereitung für den Unterricht auf weiterführenden Schulen, für Bewerbungen und Assessment-Center. Es übt die Sicherheit im Umgang mit Menschen und hilft Hemmungen zu überwinden.“ Auf geht’s...

DIE ERÖFFNUNGSREDE K: Heute debattieren wir über das Thema, ob ein Wahlrecht ab 16 Jahren eingeführt werden sollte. Zunächst müssen wir das Thema aber erst einmal genau defi nieren. Wählen ab 16 Jahren heißt, dass Jugendliche schon vor dem Beenden des 18. Lebensjahrs wählen dürfen, also vor dem Eintritt der Volljährigkeit. In vielen Bundesländern dürfen Jugendliche ab 16 Jahren bereits bei kommunalen Wahlen ihre Stimme abgeben. Da Jugendliche schon mit 16 Jahren das nötige Verantwortungsbewusstsein haben und auch erwachsen genug sind, um politische Zusammenhänge zu begreifen, spreche ich mich für das Wahlrecht ab 16 Jahren aus. C: Wie die Pro-Seite bereits gesagt hat, debattieren wir heute über das Thema, ob ein Wahlrecht ab 16 Jahren eingeführt werden sollte. Das heißt, die Jugendlichen ab 16 Jahren dürfen nicht nur wie bislang in manchen Bundesländern nur bei den kommunalen Wahlen ihre Stimme abgeben, sondern jetzt deutschlandweit bei Bundestagswahlen oder auch Europawahlen. Ich spreche mich gegen das Wahlrecht ab 16 Jahren aus, da 52 Prozent der zwischen 12- und 25-Jährigen selbst das Wahlrecht ablehnen wegen zu geringer Kenntnisse und zu wenig Lebenserfahrung.


C: Zweifelsohne kann man sich fragen, warum junge Leute beim Thema Wahlen noch nicht deutschlandweit mitbestimmen dürfen, aber auch in einer Ausbildung ist das nötige Allgemeinwissen beschränkt. Viele können nicht mal den Namen des derzeitigen Bundeskanzlers nennen. Ein weiterer Nachteil wäre, dass die Wahlbeteiligung sinken würde, wenn Jugendliche schon ab 16 Jahren wählen dürften, denn sie wollen selbst noch gar nicht wählen. K: Du sagtest, die Jugendlichen fühlen sich noch nicht bereit zum Wählen. Aber wenn sie Wissen, dass sie ihre Stimme abgeben dürfen, also mitreden und mitbestimmen können, fordert sie das in ihrer Persönlichkeit. Dadurch wird das politische Interesse später höher. C: In dem Punkt kann ich dir zustimmen. Ein weiteres Argument meinerseits ist, dass Jugendliche in dem Alter anfällig für radikale Gedanken sind. Das zeigten Studien an verschiedenen Schulen in ganz Deutschland. Daraus kann man schließen, dass die Reife noch nicht weitestgehend vorhanden ist und die Folgen einer solchen Wahl nicht abgesehen werden.

Christoph Schwarz (vertritt die Contra-Seite)

DIE FREIE AUSPRACHE K: Christoph, du erwähntest in deiner Eröffnungsrede, dass die Jugendlichen sich selbst nicht genug informiert fühlen. Wenn dieses Defi zit vorhanden ist, müssen mehr Informationsprogramme an Schulen und Unternehmen durchgeführt werden, um dieses Defi zit aufzuheben und Wissen zu festigen und auszuweiten. Eine Studie besagt, dass schon mit 14 Jahren der Wahlvorgang verstanden und nachvollzogen werden kann. C: Wenn die Jugendlichen das Wissen haben, können Wahlvorgänge verstanden werden. Aber viele lassen sich trotzdem von ihren Eltern und ihrem gesamten Umfeld beeinflussen und wählen nicht aus ihrer eigenen Überzeugung, sondern weil die Eltern das tun. K: Natürlich könnte das passieren, aber nicht wenn die nötigen Kenntnisse bestehen. Viele 16 Jährige fangen nach ihrem Real-Abschluss eine Ausbildung an. Das heißt also, dass sie Steuern zahlen und für sich und andere Verantwortung übernehmen. Warum werden sie dann von der Wahlberechtigung ausgeschlossen?

K: Heute debattierten wir über das Thema, ob ein Wahlrecht ab 16 Jahren eingeführt werden sollte. Die Contra-Seite nannte als ihr stärkstes Argument, dass die Jugendlichen noch nicht reif genug wären und sich selbst nicht genug informiert fühlen. Ich als Vertreter der Pro-Seite habe ich gesagt, dass junge Leute im Alter von 16 Jahren oder älter das Recht zur Mitbestimmung haben und nicht ausgeschlossen werden dürfen. Trotz der guten Argumente der Contra-Seite bleibe ich weiterhin bei meiner Meinung, dass das Wahlrecht für Jugendliche ab 16 Jahren eingeführt werden sollte, man aber für mehr Informationsprogramme sorgen muss.

DIE SCHLUSSRUNDE

C: Wie schon erwähnt wurde, debattieren wir heute über das Thema, ob ein Wahlrecht ab 16 eingeführt werden sollte. Ein starkes Argument der Pro-Seite war, dass die Jugendlichen durch das Wahlrecht in ihrer Persönlichkeit gefördert werden und später größeres politisches Interesse zeigen. Uneinig waren wir uns in dem Punkt, was die Reife der Jugendlichen ab 16 Jahren betrifft und über die Kenntnisse, die wichtig sind, um richtig mitzustimmen. Trotz guter Argumente der Pro-Seite bleibe ich bei meiner Meinung und spreche mich gegen ein Wahlrecht für Jugendliche ab 16 Jahren aus.

Text Tina Denecken | Foto Julia Eickmeyer

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NEBENJOB: WELTVERBESSERER 25.000.000 Menschen soll es in Deutschland geben, die sich ehrenamtlich engagieren. Warum nicht nur diese Gesellschaft, sondern auch du persönlich was davon hast, wenn du etwas für andere tust, will ich euch hier erzählen. Mein Name ist Veljko Tomovic, ich bin 17 Jahre alt, komme aus Kiel und habe mich in den vergangenen Jahren in verschiedenen Organisationen engagiert. Viele meiner Freunde sagen, dass Engagement nichts bringt. Dass es ja schön ist, dass ich so überzeugt bin, aber die Zeit doch lieber besser investieren sollte. Ich sag diesen dann: schau dir die ehrenamtliche Arbeit mal einen Tag an und wenn du das Lächeln eines Menschen siehst, dem du geholfen hast, wirst du anders denken. Genau das war meine Motivation zu sagen: Ich will mich mehr engagieren! Bereits mit 13 Jahren habe ich im Rahmen einer Schularbeitsgemeinschaft mit einem Freund jede Woche eine ältere Dame im Altersheim besucht. Mehr als einmal stand dann diese alte Dame mit einem vor Glück strahlenden Gesicht vor uns, als wir kamen und einem weinenden Gesicht, wenn wir gingen. Meist fügte sie noch hinzu, dass diese 2 Stunden jede Woche, die wir zu ihr kommen, sie so sehr aus ihrem gewöhnlichen Alltag rausreißen würde und sie sich schon die ganze Woche auf unseren Besuch gefreut habe. Da habe ich gemerkt, dass jeder kleine Einsazt etwas bringt. „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Afrikanisches Sprichwort Daraufhin habe ich angefangen, ehrenamtlich Nachhilfe zu geben, mich in einer politischen Jugendorganisation eingesetzt, im Weltladen mitgeholfen, in der Bahnhofsmission mitgearbeitet, bei dem Projekt Young Voice mitgestaltet, mich im Leo-Club engagiert, die Schülervertretungsarbeit auf Schul- und Landesebene organisiert und bei Veranstaltungen der größten Jugendorganisation Deutschlands „Schüler helfen Leben“ teilgenommen. Durch meine Mithilfe bei der Organisation und gleichzeitigen Teilnahme am Friedenscup 2013 habe ich mich durch Fußball für Frieden stark gemacht und dann sogar ein eigenes neues Ehrenprojekt gegründet. Weiterhin habe ich für „Schüler helfen Leben“ den sozialen Tag an meiner Schule organisiert und auch an anderen Schulen vor riesigen Men-

schenmengen dafür Werbung gemacht. In der Bahnhofsmission habe ich das erste Mal mit Blinden und Obdachlosen zusammengearbeitet. Ich durfte bei Leo-Club eine eigene Lebensmittelsammelaktion auf die Beine stellen und habe durch mein politisches Engagement viele persönliche Kontakte zu Politikern knüpfen dürfen. Besonders im letzten Jahr hat mich dies viel Kraft gekostet, denn ich hatte jeden Tag nach der Schule mehrere Termine und Veranstaltungen, am Wochenende Seminare und Diskussionen, nebenbei Treffen und Projekte zu planen, Schulaufgaben zu erledigen und das Wissen, dass ich die nächste Nacht wieder erst um 4 Uhr morgens schlafen gehen werde. Trotzdem hat das Ganze viel Spaß gemacht und diese Erfahrungen haben mich für mein ganzes Leben geprägt. Und euch sage ich: „Engagiert euch!“ Denn ihr werdet viele neue Menschen kennenlernen, Freundschaften schließen, Kompetenzen erhalten, die ihr nicht in der Schule lernt, selbstbewusster werden und ein anderes Gefühl für Glück bekommen. Auch eurem zukünftigen Arbeitgeber wird es wohl gefallen, dass ihr soziale Kompetenzen besitzt. Auch habe ich durch Titel und Ehrungen viel Anerkennung und Aufmerksamkeit für mein Engagement bekommen. So bin ich zum Beispiel Held des Nordens, Gewinner des Queisser Juniorenpreis, Jugendbotschafter des Lions Club und auch Stipendiat der Start-Stiftung. Tausende von Möglichkeiten stehen dir für dein Engagement offen. Sei es in der Schule, Kindergarten oder Altersheim, im Umweltschutz, Tierschutz oder Politik, in den Unfall- und Rettungsdiensten oder im Sport, in der Musik oder in der Kultur. Ja, du musst dich schon vorher ein wenig informieren, in welche Richtung du gehen willst, wie viel Zeit du aufbringen kannst und willst und was deine Stärken sind. Aber dann kannst du einfach zu der Organisation oder dem Projekt hingehen und du wirst auf viel Freundlichkeit und Offenheit stoßen. Also engagier dich und sei auch du nebenberuflich Weltverbesserer! Oder glaubst du immer noch, es bringt nichts? Dann rechne 25.000.000:24:365. Dann kommst du auf die Zeit, die sich jeden Monat in Deutschland engagiert wird, wenn diese 25 Millionen Menschen 1 Stunde jeden Monat spenden und damit 2853 Jahre ehrenamtliche Arbeit pro Monat leisten!

Text Veljko Tomovic

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„Auch eurem zukünftigen Arbeitgeber wird es wohl gefallen, dass ihr soziale Kompetenzen besitzt.“

Veljko hilft in der Bahnhofsmission Kiel allen Menschen, die am Bahnhof Hilfe benötigen. Sei es, dass ein Bedürftiger reden will, ein Kind ein Pflaster benötigt, oder einer alten Dame in den Zug geholfen werden muss. Foto: Uwe Paesler/Kieler Nachrichten

Willst du das passende Engagement für dich finden? Dann google Ehrenamt und deine Stadt oder Region und du wirst bestimmt Projekte oder gar eine eigene Ehrenamtsberatungsstelle finden. Die Aktion-Mensch hat zurzeit die größte deutschlandweite Engagementdatenbank: www.Aktion-Mensch.de/freiwillig Ansonsten gibt es bestimmt auch ein Altersheim, Kindergarten, Kirche oder Schule in deiner Nähe, die deine Hilfe und Kreativität brauchen können! Bei Fragen wendet euch gerne an mich:

Engagement kann auch Spaß machen, wie die Aktiven von Schüler helfen Leben beweisen. Foto: Schüler helfen Leben

Veljko Tomovic https://www.facebook.com/Tomovic.Veljko Veljko.Tomovic@gmail.com 0178/1340550

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„WER, WENN NICHT WIR?“ Elise Zerrath, deine Stimme bei den Vereinten Nationen

Wie genau sieht dein Engagement aus? Gemeinsam mit meinem Mitstreiter, Florian, bin ich UN-Jugenddelegierte. Zusammen sind wir die Stimme der deutschen Jugend bei den Vereinten Nationen. Was machst du? Wir touren schon seit April durch die ganze Bundesrepublik und sammeln Forderungen von jungen Menschen zu internationalen Themen wie Globalisierung, Migration oder Menschenrechte. Dabei gehen wir an Jugendzentren, Schulen, zu Pfadfinderverbänden, politischen und kirchlichen Jugendorganisationen – waren aber auch schon im Frauenhaus, in einem Gefängnis für junge Straftäterinnen und bei einer Anlaufstelle für junge Obdachlose. Die gesammelten Forderungen werden wir bei der Generalversammlung von den Vereinten Nationen in einer Rede und einer Resolution einbringen. Wie bist du dazu gekommen? Jede und jeder zwischen 18 und 25 Jahren kann sich bewerben, ab September wird auf unserer

Elise Zerrath (Foto: Paul Wagner)

Webseite www.jugenddelegierte.de die Ausschreibung für die UN Jugenddelegierten 2014 veröffentlicht. Was man mitbringen sollte: Soziales Engagement, ein Interesse für die Vereinten Nationen und Spaß an Jugendpolitik. Florian und ich haben uns beide in Sachen Jugendpolitik engagiert: Florian bei den Jusos und ich bei der Jungen Union. Außerdem war Florian bei der Evangelischen Jugend und ich bei Schüler Helfen Leben aktiv. Was hast du mit diesem Engagement schon erreicht? Wir konnten bereits über 1000 Jugendliche treffen und haben Einblick in die Lebenswelt von sehr vielen unterschiedlichen jungen Menschen gewonnen. Bei jeder Begegnung versuchen wir jungen Menschen nicht nur die Arbeit der Vereinten Nationen etwas greifbarer zu machen, sondern wir versuchen auch dazu zu motivieren, selbst aktiv zu werden und sich für eine Sache stark zu machen. Das ist uns ein sehr wichtiges Anliegen: Sich einzubringen und die eigene Welt mitzugestalten. Ein direkter Erfolg war da-


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bei, dass nach einem Schulbesuch von uns eine Schülervertretung gegründet worden ist. Was gibt es dir für dein Leben und für deine Zukunft? Es macht unheimlich viel Spaß, sich zusammen mit anderen motivierten jungen Menschen für eine gemeinsame Sache stark zu machen. Für mich ganz persönlich sind die vielen spannenden Begegnungen unheimlich bereichernd – in wohl keinem anderen Jahr meines Lebens habe ich so viele unterschiedliche Menschen und ihre Forderungen kennengelernt. Wie kann man damit beginnen, sich zu engagieren? Es kann schon im Kleinen beginnen: In der Schule in der Schülervertretung, im Sportverein, bei Jugendorganisation oder anderen Gruppen. Wie macht man den ersten Schritt bzw. wie hast du ihn gemacht? Ich habe mich schon während der Schulzeit angefangen zu engagieren, bei mir war das damals Schüler Helfen Leben – die größte deutsche Schülerhilfsorganisation. Der erste Schritt muss gar nicht so schwer sein, wenn man sich einfach überlegt: Was macht mir Spaß? Wofür möchte ich mich einsetzen? Und dann einfach mal bei einer Gruppe vor Ort vorbeischauen, vielleicht mit einem guten Freund im Schlepptau.

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Auf was kann man sich freuen? Seid gespannt auf unsere Rede vor den Vereinten Nationen in New York. Und natürlich freuen wir uns immer wieder über Einladungen zu Jugendorganisationen, schreibt uns einfach eine Nachricht.

(Foto: Frédéric Loew)

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Was bekommt man alles „zurück" für sich? Mitsprache! Gestaltungsmacht! Die Welt – ob im Großen oder Kleinen – ein Stückchen aktiv mitformen zu können. Und ganz persönlich: Sich in einer Gruppe für etwas zu engagieren ist häufig der Anfang von lebenslangen Freundschaften und prägend in der Persönlichkeitsentwicklung. Nebenbei gewinnt man an Selbstbewusstsein, eignet sich wichtige Sozialkompetenzen an und bekommt natürlich eins: jede Menge Spaß und Lebensfreude!

Florian Nowack und Elise Zerrath reisen im Oktober zur UN Generalversammlung nach New York.

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Warum sollten junge Menschen sich in ihrer Stadt, regional, national oder international engagieren? Wer, wenn nicht wir? Wir als junge Menschen wissen selbst am besten, was wir verändern wollen und haben häufig kreative, innovative Lösungen. Gerade Politik über junge Menschen sollte von, oder zumindest mit, jungen Menschen gestaltet werden. Jugendpolitik, die gemeinsam mit Jugendlichen gestaltet wird, hat nicht nur eine stärkere Legitimation, sondern auch bessere Aussichten auf Erfolg. Letztendlich sind Jugendliche Expertinnen und Experten in den Politikbereichen, die sie betreffen, und haben das größte Interesse an effektiven und nachhaltigen Lösungen.

UN Jugenddelegierte treffen UN Generalsekretär Ban Ki-moon. (Foto: UN DESA)

Weitere Infos www.jugenddelegierte.de www.facebook.com/jugenddelegierte

Text Elise Zerrath

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GUTES BENEHMEN ÖFFNET TÜREN Interview mit Moritz Freiherr Knigge

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utes Benehmen öffnet Türen, erobert Herzen und hilft im Supermarkt an der Schlange, wenn man es mal eilig hat und vorgelassen werden möchte. Was aber ist gutes Benehmen? Gespräch mit einem, der es wissen muss: Moritz Freiherr Knigge ist ein Berater für Umgangsformen und ein Nachfahre von Adolph Freiherr Knigge (1752 – 1796), nach dem Dutzende von Benimmratgebern benannt wurden (z.B. „Der neue große Knigge: Gutes Benehmen und richtige Umgangsformen”, „Knigge, Kleider und Karriere: Sicher auftreten mit Stil und Etikette”).

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Was glaubst du, warum „Knigge” heute noch so ein bekannter Name in Deutschland ist? Der Begriff „Knigge” ist seit dem Erscheinen des Buches „Über den Umgang mit Menschen“ im Jahr 1788 von Adolph Freiherr Knigge in den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch zur Beschreibung richtigen Handelns übergegangen. Man muss aber betonen, dass das Werk selbst keine Etikettebuch ist. Viele stellen sich vor, dass Knigge wie eine Art Haushofmeister den Kindern von Königen und Fürsten das richtige Essen mit Messer und Gabel beigebracht hat. Da kann ich immer nur sagen, dass ihn die damaligen Fürsten nie an ihre Kinder herangelassen hätten. Knigge galt als Querdenker und hat sich in seinem Stand extrem unbeliebt gemacht. Er hat sogar im Gefängnis gesessen, weil er für die Französische Revolution eingetreten ist. Für Knigge war gutes Benehmen selbstverständlich. Es gibt in seinem Buch nur eine Stelle, wo er über Etikette schreibt. Da listet er die damaligen Benimmregeln auf und beendet den Satz mit der Bemerkung: „Dies sind nur die kleinen Dinge der Welt, aber jeder kluge Mensch sollte sich darüber bewusst sein, dass er in seinem Leben immer wieder Menschen treffen wird, denen diese Regeln wichtig sind. Deshalb wäre es dumm, sie zu missachten.” Was ist die Grundregel von gutem Benehmen? Für mich ist die Basis immer anzufangen, bewusst zu handeln, also wirklich den Kopf einzuschalten und sich Gedanken zu machen, wo ich bin, mit wem ich zusammen bin und was in der konkreten Situation angemessen ist. Der Gedanke der Angemessenheit ist dabei sehr wichtig. Ich lehne deshalb auch die meisten steifen Etikettekurse ab, die bringen gar nichts und sind eher kontraproduktiv. Da lernen die Menschen irgendwelche komischen Regeln auswendig, die teilweise nicht einmal miteinander übereinstimmen. Da sagt der eine das und ein anderer sagt etwas völlig anderes. Da frage ich mich, was mir solche Regeln bringen sollen. Soll ich Menschen, die andere Etiketteregeln gelernt haben, sagen: „Sie sind ja ein Banause, was machen Sie denn da?” Das Verhalten eines anderen Menschen öf-

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fentlich zu bewerten ist das Unhöflichste, was man überhaupt tun kann. Der höfliche Mensch beobachtet und schweigt, außer jemand handelt respektlos und verstößt gegen die guten Sitten. Wie schätzt man in einer neuen Situation, die man nicht kennt, ab, was angemessen und unangemessen ist? Sollte man sich dem Verhalten der Mehrheit anpassen oder sollte man es doch so machen, wie man es selber gelernt hat? Wenn man unsicher ist, rate ich immer, einfach zu fragen. Wenn man auf eine Veranstaltung eingeladen ist und mit dem Dresscode auf der Einladung nichts anfangen kann, würde ich den Gastgeber fragen, was er etwa mit „Black Tie” meint. Die meisten Menschen, die fehlgekleidet erscheinen, fühlen sich ja selbst unwohl – es sei denn, sie wollen bewußt wie ein bunter Hund zwischen den anderen Gästen herausstechen. Das finde ich persönlich aber als respektlos gegenüber dem Gastgeber, der sich bei dem Dresscode ja etwas gedacht hat. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, als Gast dem Wunsch meines Gastgebers nachzukommen. Wie handelt man, wenn man im Ausland ist und gröbere nationale Sitten live erlebt? In China ist öffentlich rülpsen oder auf den Boden spucken völlig normal. Rülspst man da mit oder hält man sich besser vornehm zurück? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Was man aber auf keinen Fall tun sollte, ist es offen als ekelig zu bewerten und zu kritisieren. Die meisten Asiaten empfinden das Naseputzen ja als unangenehm, da wird eher hochgezogen. Ich habe sogar ein gewisses Verständnis dafür, dass man es komisch findet, seine Nase mit einem Tuch zu putzen und es anschließend wieder in die Tasche zu stecken. Es ist aber auch völlig egal, wie ich das bewerte. Es ist da so. Der wertschätzende Mensch schaut sich das an und entscheidet sich dann, wie er sich verhält. Niemand zwingt einen hochzuziehen, wenn man Schnupfen hat. Man muss aber auch nicht vor anderen in ein Taschentuch schnäuzen, wenn man sich darüber bewusst ist, dass das eher


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Text Slaven Marinovic

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Wie bewertest du das Benehmen der Jugendlichen von heute? Siehst du einen Trend zu mehr oder weniger Benehmen? Es gibt schon seit Menschengedenken einen Konflikt zwischen älteren und jüngeren Menschen. Du kannst dir Texte von Sokrates durchlesen, wo er auf die jungen Menschen schimpft. Irgendwie scheinen junge Menschen völlig anders zu kommunizieren als ältere Menschen und beide Gruppen fühlen sich deshalb immer wieder voneinander provoziert. Bemerkungen wie „Junge Menschen sind immer respektlos” halte ich für total albern. Das stimmt einfach nicht. Was sich geändert hat und was ich gut finde ist, dass es nicht mehr diesen unbedingten Kadavergehorsam gegenüber älteren Menschen gibt. Junge Menschen sind ein wenig mutiger geworden im Umgang mit Älteren und lassen sich nicht mehr so einfach den Mund verbieten. Was ich aber generell ablehne, ist respektloses und unverschämtes Verhalten gegenüber anderen Menschen. Dabei ist es völlig egal, ob es junge oder alte Menschen sind.

ein abgeschickter Brief weg ist.” Was weg ist, ist weg. Das sage ich Menschen heute noch. Da kann man auch nichts mehr machen, wenn man etwas aus einer Laune heraus geschrieben hat. So entstehen Hassnachrichten, in denen man sich gegenseitig nur noch beschimpft. Meistens ist der Ursprung ein Missverständnis – wie übrigens fast alle Konflikte zwischen Menschen.

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kritisch beäugt wird. Ich würde raten, kurz zu verschwinden und sich auf der Toilette die Nase zu putzen. Wenn man in das Ausland reist, kann man sich vorab gut im Internet informieren. Dort findet man Verhaltenstipps zu fast allen Ländern auf der Erde.

www.freiherr-knigge.de

Fotos Moritz Freiherr Knigge

Bei Facebook wird gerne aus der sicheren Deckung heraus provoziert und beleidigt. Wer seinen Kopf einschaltet, dem muss doch klar sein, dass ich im Internet nicht anonym bin –völlig egal, was für einen Usernamen ich benutze. Zu Knigges Zeiten gab es zwar kein Internet, es gab aber das Briefeschreiben und Knigge schreibt an einer Stelle: „Vergiss niemals, dass

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Samanta Rohm, 17 Jahre, 12. Jahrgang, Kaiser-Karl-Schule Itzehoe: „Bei uns gibt es nur noch das sprachliche Profil und deswegen fehlt mir jetzt Chemie und Physik. Als wir wählen sollten, haben sich halt alle für Bio entschieden. Jetzt hatte ich natürlich gedacht, dass mir dann fürs Studium jede Menge fehlt, aber die Referenten haben gesagt, dass das Niveau sehr niedrig ist. Klar, ich werde dann trotzdem nicht zu denen gehören, die eine gute Grundlage haben, aber beruhigt hat es mich trotzdem. Allerdings habe ich auch schon überlegt, im Bereich Tourismus etwas zu machen und dann über Umwege zu meinem Ziel zu kommen. So könnte ich vielleicht meinen sprachlichen Vorteil nutzen.“

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Lernen

SCIENCE FUN Eine Woche ungehemmt mit Unternehmern reden – die IZET Summer Science School

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ie Atmosphäre ist einfach richtig cool. Ich meine, wir sitzen hier nach einer Woche zusammen, grillen und unterhalten uns mit den Unternehmern auf Augenhöhe.“ Diesen Satz, den man am letzten Abend von vielen Schülern hörte, ist in jedem Jahr das Ziel der Summer Science School in Itzehoe, die bereits zum siebten Mal im Innovationszentrum (IZET) Itzehoe stattfand. Diese einzigartige Veranstaltung in Norddeutschland lockte wieder rund 200 naturwissenschaftlich interessierte Gymnasiasten aus dem Kreis Steinburg ins IZET – und das ganz freiwillig neben der Schule.

Was ist die Summer Science School Itzehoe (SSSI)? Wie der Name schon sagt, geht es bei der SSSI um Naturwissenschaft und auch um Technik. Da werden eine Woche lang jeden Nachmittag Vorträge zu bestimmten Themen gehalten, die sich ein Unternehmer, ein Doktor, Mitarbeiter einer Firma oder ein Professor von der FH oder Uni ausgedacht haben. Und das ist gar nicht so einfach, denn solch komplexe Themen für Schüler aufzudröseln und spannend zu gestalten, erfordert Übung. Zum Glück fand die SSSI nicht zum ersten Mal statt, sodass die meisten Referenten wussten, auf was sie sich einließen. Neben den Vorträgen zu Themen wie Logistik, Energie, Mikrotechnologie, Biologie und dem Ingenieurwesen gab es auch Betriebsbesichtigungen. Den meisten Schülern gefiel der Besuch des Reinraumes und der Chipproduktion bei Vishay Siliconix Itzehoe am besten. „Ich hätte nicht erwartet, dass es in Itzehoe so viel High-Tech gibt. Das hat mich beeindruckt“, sagte Norman Söngen vom Detlefsen-Gymnasium aus Glückstadt. Auch auf die Besichtigung bei SIHI hatten sich einige Teilnehmer sehr gefreut. Die Idee, eine Woche für Schüler zu gestalten, in der sie ungehemmt mit Unternehmern in Kontakt kommen und mehr über die verschiedensten Berufe lernen, ist aus der Wirtschaft heraus entstanden. „Es geht nicht vorrangig um Wissen, was sich die Schüler hier aneignen sollen, sondern um Interaktion“, erklärte Prof. Dr. Ralf Thierike vom IZET. Auch die Lehrer sollen sich beteiligen, die Unternehmer kennenlernen, um ihre Schüler bestmöglich beraten zu können. „Zudem müssen wir Fachkräfte binden“, sagte Prof. Thierike. Zum Abschluss der Woche gab es eine kleine Podiumsdiskussion mit anschließender Grillparty

„Bei uns haben die Schüler die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit Unternehmern zu sprechen. Das ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation.“ Prof. Dr. Ralf Thierike vom IZET

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im Garten – mit Musik von „Just Connected“, der Schülerband der Kaiser-Karl-Schule. Die Jungs und Mädels waren mittlerweile aufgetaut und trauten sich, Fragen zu stellen und kritisch zu sein. Weil aller Anfang aber schwer ist, half Prof. Thierike bei der Diskussion mit der ersten Frage auf die Sprünge: „Welche Berufe haben Zukunft?“ Dabei gingen die Meinungen auseinander. Während Dr. Heiner Kösters von Sterling SIHI den Spaßfaktor in den Vordergrund bei der Berufswahl stellte, fand Torge Thönessen von Custom Cells Itzehoe, dass man vor allem im Studium die bestmögliche Qualifizierung anstreben sollte. „Später kann der Weg überall hingehen“. Auch das duale Studium war Thema. Wer bietet das an? Ist das sinnvoll? Oder lieber erst eine Ausbildung machen? Dr. Michaela Gorath von Pohl Boskamp riet, nur mit einem durchdachten Plan erst die Ausbildung und dann das Studium zu machen: „Die meisten, die ich kenne, haben nach der Ausbildung einen gewissen Lebensstandard, vielleicht schon das erste Auto, eigene Wohnung. Im Studium muss man all diese Dinge wieder aufgeben, weil der Geldhahn zugedreht wird. Und dann studieren noch die wenigsten.“ Prof. Dr.-Ing. Michael Berger von der Fachhochschule Westküste gab noch den Tipp, lieber erst zu studieren und nebenbei arbeiten zu gehen. „Als Student muss man nicht in der Kneipe nebenan jobben. Ich sage jedem Studenten, dass er sich nur bei mir zu melden braucht. Ich kriege jeden in einem Unternehmen unter, dass zum jeweiligen Studium passt. Und dann fließt gutes Geld“, war sich Prof. Berger sicher. Bei Bratwurst, Kartoffelsalat, Limo und einem Pils gerieten alle – Referenten, Schüler, Lehrer und Organisatoren – ins Plaudern über die Woche, die Zukunft oder auch ganz andere tagesaktuelle Themen, worüber es sich zu diskutieren lohnte.

„Hier bin ich kein Werbeobjekt“ Silja Paul, 15 Jahre, 11. Jahrgang, Kaiser-Karl-Schule Itzehoe: „Ich habe mich schon früh für Naturwissenschaft interessiert, deswegen dachte ich, dass es nie falsch ist, sich hier mal zu informieren. Bei dem ersten Vortrag hat mir allerdings ein bisschen der Bezug zum wirklich Beruf gefehlt. Das ändert sich hoffentlich in der Woche noch.“

Anna-Lena Ittner, 17 Jahre, und Oleg Alexejew, 19 Jahre, 12. Jahrgang, Auguste-Viktoria-Schule Itzehoe

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Mirco Spiering, 18 Jahre, Regionales Berufsbildungszentrum Itzehoe: „Ich erhoffe mir Tipps und Tricks für die Unternehmensgründung, weil wir da so ein Projekt in der Schule haben. Das wäre hilfreich, aber eigentlich bin ich wegen SIHI hier. Heute besichtigen wir die Firma und ich möchte mich da halt bewerben, deswegen ist das besonders interessant für mich.“


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Matthes: „Mich hat die Aussage von Prof. Berger irritiert, dass es bei den Nebenjobs im Studium ums Geld verdienen geht. Für mich stand immer die Praxiserfahrung im Vordergrund. Aber so lässt sich beides vereinen. Mein Vater ist Maschinenbauingenieur und er sagt immer, dass den Wirtschaftsexperten das Wissen der technischen Seite fehlt. Diese Vermittler (Wirtschaftsingenieure) sind gerade sehr gefragt. Allerdings sehe ich mich eher auf der Seite der Wirtschaft und nicht der Technik.“ Text & Foto Kim Julia Schöffler

Norman Söngen, 16 Jahre, 11. Jahrgang, Detlefsen-Gymnasium Glückstadt … Glückstadt hatte wirklich Glück und gewann eine Woche Berlin für 2 Personen

Anna-Lena: „Ich habe in der Woche viel gelernt und fand das alles sehr informativ. Ich hatte mir überlegt, erst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren, aber da wurde mir ja indirekt von abgeraten. Mal sehen, was ich machen werde. Da bin ich mir noch nicht sicher. Ich freu mich jetzt erstmal über die super Stimmung bei der Grillparty.“ Oleg: „Ich habe ja das Physik-Profil und auch einen Wirtschaftsingenieur in der Familie. Von daher hat mich der Vortrag von Prof. Dr. Bargel von der FH Wedel besonders interessiert. Und als er sagte, dass auch das Zeichnen noch von großer Bedeutung ist, habe ich mich sehr gefreut. Sein Vortrag hat mich in meiner Meinung noch gefestigt, Ingenieur zu werden. Pläne zu erstellen und zu sehen, wie etwas danach entsteht, das wäre richtig toll.“ Norman: „Für mich hat sich die Woche doppelt gelohnt. Ich habe richtig viel gelernt und gesehen, hatte eine tolle Woche mit Kuchen, Grillen und dem direkten Kontakt mit den Unternehmern. Aber ich habe bei der Tombola auch den ersten Preis gewonnen – eine Reise für zwei Personen nach Berlin. Am besten fand ich aber, dass das hier keine Werbeveranstaltung war. Vor den Sommerferien hatten wir eine Projektwoche und da habe ich das Gefühl gehabt, dass ich nur ein Werbeobjekt bin. Das war hier ganz anders, was ich richtig super finde. Ich komm‘ nächstes Jahr wieder und will auch zum XLAB nach Göttingen fahren.“

Matthes Sierk, 17 Jahre, 12. Jahrgang, Sophie-Scholl-Gymnasium Itzehoe

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LERNEN STATT CHILLEN Die Leuphana Sommerakademie

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anchmal läuft alles schief! In der Schule versteht man nur noch ‚Bahnhof‘, die Mitschüler nerven und zu Hause ist es auch stressig. Kein Wunder, dass die schulischen Leistungen da auf der Strecke bleiben. Was aber tun, wenn es so schlimm wird, dass sogar der Hauptschulabschluss in Gefahr ist? Das hat sich vor ein paar Jahren auch der Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Kurt Czerwenka gefragt. Er hat ein Programm entwickelt, dass genau diese Jugendlichen auf dem Weg zum Hauptschulabschluss und ins Berufsleben unterstützen soll. Dafür opfern die Schüler drei Wochen ihrer Sommerferien und besuchen die Sommerakademie, zum Beispiel am Jugendhof Scheersberg in Quern. Hier wohnen und lernen sie gemeinsam in kleinen Gruppen. Vermittelt werden zum Beispiel Grundlagen in Mathe und Lesen. Wie funktioniert Bruchrechnen? Wie erschließe ich einen Text, um ihn richtig zu verstehen? Aber auch Arbeit am Computer steht auf dem Programm. Das Lernen in kleinen Gruppen bringt Spaß und ist sehr effektiv: „Innerhalb der drei Wochen machen unsere Schüler enorme Fortschritte, besonders beim Lesen“, weiß Prof. Dr. Czerwenka. Fortschritte machen sie auch auf anderer Ebene. Ein Modul, so werden die verschiedenen Unterrichtseinheiten genannt, heißt ‚Auftreten‘. Darin geht es unter anderem darum, wie man sich bei einem Vorstellungsgespräch verhalten soll. Wie oft und wie heftig klopfe ich an die Tür? Wie sage ich, wer ich bin und warum ich da bin? Scheinbar einfache Dinge, die manche Schüler aber erst lernen müssen. Was allen Schülern hier gut gefällt ist, dass sie nicht stumpfsinnig pauken müssen, sondern sich ganz viele Dinge gemeinsam erarbeiten können – da bleibt auch viel mehr hängen. Niemand muss sich schämen, weil er etwas nicht weiß oder für das Lösen einer Rechenaufgabe etwas mehr Zeit benötigt. Hier sitzen alle im selben Boot und unterstützen sich. Die 35 Jugendlichen sehen die Sommerakademie als Chance. Die meisten von ihnen haben nicht nur in der Schule Probleme, sondern auch zu Hause oder im Freundeskreis. Hier können sie sich einfach nur um sich selbst kümmern. Unterstützt werden sie dabei von Therapeu32

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Eine der Lerngruppen mit den Projektleiterinnen Antke Kreft und Maren Voßhage-Zehnder.

ten, Lehrern und Studierenden – Teamer genannt. Die Jugendlichen werden ganzheitlich gefördert, das schließt neben den schulischen auch die persönlichen Fähigkeiten ein. Jeder bekommt genau das, was er benötigt und vor allem das, was er möchte. Nach der Sommerakademie können die Schüler die Hilfe ihrer Teamer noch ein Jahr lang in Anspruch nehmen. Sie sind da, wenn es nötig ist: „Es macht mir und dem Team großen Spaß, diese Veränderungen zu begleiten“, erzählt Maren Voßhage-Zehnder, Projektleiterin der Leuphana Sommerakademie „und wir freuen uns sehr, dass wir diese besonderen Jugendlichen im kommenden Schuljahr weiter begleiten dürfen, um sie bei ihrem individuellen Übergang zu unterstützen.“ Die Teilnahme an der Leuphana Sommerakademie ist für die Jugendlichen dank des Engagements der Agentur für Arbeit und verschiedener Sponsoren kostenfrei. Die Zeit auf dem Scheersberg wie auch die anschließende Nachbetreuung wurde auf Initiative verschiedener Rotary Clubs in Hamburg und Schleswig-Holstein ermöglicht, die auch schon für die nächsten Jahre eine Unterstützung planen - damit auch in Zukunft Jugendliche wie Christin und Ilija diese besondere Chance erhalten.


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Ilija Radanovic, 14 Jahre aus Hamburg 9. Klasse, Kurt-Tucholsky-Schule

Text | Foto Dr. Claudia Kleimann-Balke

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Frau Voßhage-Zehnder Projektbüro Leuphana Sommerakademie Raum Gebäude 1, Raum 306 Scharnhorststraße 1, 21335 Lüneburg

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„Ich habe sehr schlechte Noten, besonders in Mathe und Deutsch. Ich möchte gerne Tierpflegerin werden, weil ich mit Tieren sehr gut umgehen kann. Für meinen Traumberuf brauche ich aber einen guten Abschluss. Deshalb bin ich hier. Ich möchte mich verbessern. Hier habe ich schon Freunde gefunden und das Tanzprojekt macht mir Spaß. Die Teamer sind okay.“

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Christin Grygas, 15 Jahre aus Preetz 8. Klasse, Wilhelminenschule

„Ich habe nicht gerade die besten Noten. Als sich die Teamer von der Sommerakademie bei uns in der Schule vorgestellt haben, habe ich die Chance ergriffen. Seit ich zwölf bin, habe ich einen Computer. Gerne möchte ich auch beruflich damit zu tun haben und IT-Systemtechniker werden. Für diese Ausbildung brauche ich einen Realschulabschluss – ich muss also Gas geben. Das Lernen hier macht Spaß. Die Unterrichtsstunden dauern nur 45 Minuten, das gefällt mir viel besser als die Doppelstunden in der Schule. Ich glaube, dass ich nach der Sommerakademie allein zurechtkomme und die Hilfe der Teamer nicht mehr brauche – aber mal sehen. Ich überlege es mir noch.“

Fon +49.4131.677 1642 Fax +49.4131.677 1688 E-Mail sommerakademie@leuphana.de Web www.leuphana.de/sommerakademie 33


FROM COAST TO COAST Lehreraustausch an der Auguste-Viktoria-Schule

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ast 6.300 Kilometer Luftlinie trennen das norddeutsche Flensburg und Kwale, eine Stadt an der Südküste Kenias. Hier drückte einst Michael Kyalo Titus die Grundschul- und später Hochschulbank. Heute unterrichtet der 25-Jährige selbst – und zwar Deutsch als Fremdsprache an der Kristina Academy in Tiwi. Für einen Monat hat er sein kenianisches Klassenzimmer gegen eines an der deutschen Waterkant getauscht. Da fragen wir mal genauer nach:

Wie ist Ihr Aufenthalt an einer deutschen Schule zustande gekommen? Die Schule, in der ich in Kenia arbeite, wird von einem deutschen Verein namens Asante e.V. getragen (www.asante-ev.org). Dieser Verein ist in Kenia als Asante Tiwi Charitable Trust registriert und betreibt dort das Schul- und Waisenhaus-Projekt. Die Auguste-Viktoria-Schule in Flensburg engagiert sich seit 2009 in einer Partnerschaft für dieses Projekt, dadurch ist mein Lehreraustausch zur AVS zustande gekommen.

Wo und warum haben Sie die deutsche Sprache gelernt? Ich wollte gerne Deutschlehrer werden. Also habe ich im German Embassy Institut in Mombasa Deutsch gelernt – ein Institut, das vom Goethe Institut gefördert wird.

Wie lange hat Ihr Aufenthalt gedauert und wie viel Zeit und Umstände hat die Vorbereitung in Anspruch genommen? Mein Aufenthalt dauerte einen Monat. Es brauchte einige Zeit, um meinen Aufenthalt vorzube-

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reiten, weil die Umstände schwierig waren. Ich benötigte einen Reisepass und dann ein Visum durch die Deutsche Botschaft in Nairobi – und das war tatsächlich ein bisschen kompliziert. Wie gefällt es Ihnen in Norddeutschland – z. B. unser Wetter? In Norddeutschland haben mir viele Dinge gut gefallen. Beispielsweise die schönen und riesigen Gebäude, die tollen Straßen und auch die ganze Umgebung. Das Wetter war auch etwas Interessantes für mich, weil es in Kenia keinen Winter oder Frühling gibt. Obwohl es für mich immer sehr kalt war, war ich sehr glücklich, denn ich habe den ersten Schnee in meinem Leben gesehen und angefasst. Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen der Schule, an der Sie zu Hause unterrichten, und der Auguste-Viktoria-Schule? Es gibt zwei große Unterschiede. Als erstes nimmt der Lehrer im Unterricht in Deutschland weniger Raum ein als in meiner Heimat, dort herrscht eher ein autoritärer Unterrichtsstil nach britischem Vorbild. Hier in Flensburg sind die Schüler sehr viel aktiver am Unterricht beteiligt. Als zweites gibt es in Deutschland die Grundschule von der ersten Klasse bis zur vierten Klasse und dann die Aufteilung in Gemeinschaftsschule oder Gymnasium, wobei man dann acht oder neun Jahre lernt. In Kenia ist das Schulsystem ganz anders. Man besucht acht Jahre die Grundschule (primary) und dann

besucht man vier Jahre die Hochschule (secundary). Später gehen einige Schüler für vier Jahre in die Universität. Wie begegnen Ihnen die deutschen Schüler und Kollegen? Mussten Sie auch negative Erfahrungen sammeln? Ich muss sagen, dass die Schüler und Kollegen immer nett zu mir waren und sie waren auch immer bereit mir zu helfen, wenn ich Hilfe brauchte. Da ich überall so herzlich aufgenommen worden bin, habe ich glücklicherweise keine negativen Erfahrungen macht. Wie ist Ihre Meinung zur Unterrichtsatmosphäre an der deutschen Schule? Meiner Meinung nach ist die Unterrichtatmosphäre an der Schule wirklich gut. Ich kann nur empfehlen, dass sie so weiter macht. Würden Sie diesen Aufenthalt gerne wiederholen? Das ist gar keine Frage. Ich würde sehr gerne diesen Aufenthalt wiederholen, weil ich viele Freunde kennengelernt habe und ich würde sie gerne noch einmal besuchen. Die Stadt Flensburg hat mir auch gut gefallen und ich würde gerne noch einmal dorthin kommen. Was hat Sie am meisten erstaunt/belustigt/ erschreckt oder ähnlich – entweder an der Schule oder im Norden ganz allgemein? Ich war sehr erstaunt, wie schön die Städte sind. Kenia ist ein Entwicklungsland und unsere Städte sind nicht so schön wie Flensburg. Die Stadtbusse haben mich immer amüsiert. Sie sind groß und auch bequem, fast wie ein Flugzeug. Schmeckt Ihnen das deutsche Essen? Das deutsche Essen hat immer gut geschmeckt. Ich habe viel ausprobiert. Zum Beispiel Müsli mit Joghurt und Nürnberger Bratwürste. Ich vermisse das Essen sehr! Haben Sie Mitbringsel gekauft? Ja, ich habe Geschenke für meine Freundin und meine Verwandten gekauft. Ich habe aber auch viele Geschenke von Freunden erhalten. Interessant war unter anderem ein schönes Hemd mit deutscher Flagge. Was heißt „Liebe Schüler, ich freue mich Euch zu sehen!“ in Ihrer Muttersprache? „Wanafunzi wapendwa, ninafurahi kuwaona nyinyi.“ Das ist die morgendliche Begrüßung der Schüler in meiner Muttersprache Kiswahili, hört sich ein bisschen schwierig an, ist aber leichter zu lernen als Deutsch. Text Tina Denecken Foto Auguste-Viktoria-Schue

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inanzkrise, Bankenkrise, Bangster. Die Bankenbranche hat in der letzten Zeit nicht nur ihren guten Ruf, sondern gleich auch hunderttausende Jobs verloren. Kann man heute eigentlich noch Banker werden, fragen sich manche. Und andere sogar, ob wir überhaupt noch Banken brauchen. Mal ganz von vorne. Vielleicht liegt das Grundproblem ja im eigentlichen Geschäftsmodell von Banken. Sie sollen aus etwas Abstraktem, nämlich Geld, mehr von diesem Abstrakten machen. Das nennt man in der Finanzwirtschaft dann „Produkt“. Und das auch, wenn erst mal gar kein echtes Produkt gemacht, geerntet oder als Rohstoff gefördert wurde. So wie in der Realwirtschaft. Geld kann sich also vermehren, ohne dass etwas Reales entsteht. Eigentlich klar, dass die Investmentzocker dann immer weiter versuchten, sich komplett von dieser Realwirtschaft mit allen ihren Störfaktoren abzukoppeln. Im Grunde störte die reale Wirtschaft mit ihren realen Produkten nur beim Geschäfte machen. Und damit verloren sie auch den Bezug zur Realität. Denn ein Kunde ist eben auch real und er denkt nicht abstrakt. Für ihn ist Geld ein Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selbst.

Es ist nicht alles Gold, was Glänzt

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DAS GUTE GELD VON NEBENAN Banken sind die Sparschweine der Nation

Deine Hausbank als Retter

Mal zurück auf Start: Die zentrale Rolle der Kreditinstitute ist es, vertrauensvoller und zuverlässiger Mittler zwischen Anlegern und Kreditnehmern zu sein. Bedeutet: Banken sammeln Geld ein, von Kleinstsparern bis Großanlegern, und arbeiten damit, indem sie es an Investoren, den Staat, private Hausbauer oder Autokäufer als Kredite weitergeben. Und dafür bekommen sie Geld. Punkt. Geht nicht ohne Ende, weil sie selbst Reserven behalten müssen. Könnte ja mal sein, dass die Anleger ihr Geld überraschend zurückfordern.

Wenn Unternehmen über eine längere Zeit hinweg immer wieder mit der gleichen Bank Geschäfte machen, können sich engere Beziehungen bilden. Dann wird das Kreditinstitut zur Hausbank. Diese Hausbanken sind enorm wichtig, um Unternehmen mit Kapital zu versorgen. Ganz besonders gilt das, wenn Unternehmen in die Krise kommen. Meist ist nur noch die Hausbank bereit, noch mal einen Kredit oder Geld für eine Sanierung zu geben.

Banken machen das Risiko berechenbar

Banken in der Region haben noch einen entscheidenden Vorteil: Man kennt sich persönlich, oft über Generationen. Egal, ob Betrieb oder Familie oder eben auch Familienbetrieb. Man ist eng verwurzelt mit den Leuten und gibt auch gern etwas zurück. Die guten Banken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein fördern Feuerwehren, Sportvereine, Schulen und Altenhilfen, organisieren Ferienfahrten und haben manchmal bis zu 600 Projekte laufen, die sie mit Eigenleistungen wie Beratung, Sachspenden und Geld unterstützen.

Banken erfüllen aber auch noch andere wichtige Funktionen. Einerseits vergeben sie risikoreiche Kredite an Unternehmen, andererseits ermöglichen sie es den Anlegern, ihre Ersparnisse risikofrei anzulegen. In ähnlicher Weise verändern Banken die Liquidität, also die „Verfügbarkeit über genügend Zahlungsmittel“: Sparer können ihre Einlagen jederzeit abheben, während Kreditkunden das Geld langfristig nutzen dürfen.

Banken wissen mehr Noch wichtiger: Banken beschaffen Informationen darüber, ob Unternehmen kreditwürdig sind. Diese Informationen gäbe es sonst nicht so umfangreich. Das lässt sich besonders an den hunderttausenden kleinen Unternehmen festmachen, die Kredite brauchen. Auf einem anonymen Kapitalmarkt, wo man diese Unternehmen nicht kennt, könnten sich diese Firmen niemals Fremdkapital besorgen. Sie müssten ja sehr viele Menschen darüber informieren, wie es ihrer Firma geht und ob sie kreditwürdig ist. Stattdessen informieren diese kleinen Firmen einfach ihren Bankberater, der sie kennt, und schließen einen Kreditvertrag mit ihm ab.

Man kennt sich. Man hilft sich.

Die Bank der Zukunft ist eine Bank der Kunden Wenn man verstanden hat, dass das Geschäftsmodell der gierigen Geldhäuser ein Auslaufmodell ist, braucht es eigentlich nur eine neue Bankenkultur. In vielen Kreditinstituten in der Region ist das schon angekommen und wird täglich gelebt. Denn nur so kann man sich das Vertrauen der Kunden wieder zurückverdienen. Und das ist eine top Chance und Herausforderung für eine neue Generation von Bankern, die das auch so sehen und dafür sorgen wollen, dass es endlich wieder mehr „Gutes Geld“ für alle gibt.

Text Josh Kasthoenig | Illustration Annemarie Sauerbier

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Schwerpunkt: Banken

KLISCHEE BANKER

WAS FÄLLT EUCH DENN EIN?

Friederike Kay von der Förde Sparkasse räumt mit dem negativen Klischee des Bankers auf

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Friederike Kay, Privatkundenberaterin Filiale S-Finanzzentrum Kiel

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anker sind langweilig und verzocken nur dein Geld? Wir haben mal die Förde Sparkasse gefragt – oder besser: Wir haben voll Assessment-Center-mäßig einfach ein paar Fotos gezeigt und zack spontan antworten lassen. Hier die Testergebnisse...

Das Sparschwein „Das Sparschwein kennt eigentlich jeder. Die meisten hatten mal eines in ihrer Kindheit und viele haben auch heute immer noch eins irgendwo. Ist eigentlich auch klar, denn Sparen macht immer Sinn. Sich für einen Wunsch oder einen Plan ein wenig Geld beiseite zu legen, ist nicht spießig, sondern eigentlich ziemlich schlau. Mit dem Sparen ist natürlich auch die Sparkasse ganz eng verbunden, schließlich ist der Begriff sogar ein Teil unseres Namens.“

Skyline von Frankfurt „Börse, internationale Finanzgeschäfte, Großbanken, Wall Street. In den letzen Jahren ist in diesem Bereich nicht immer alles gut gelaufen. Es gab viele Fehlentscheidungen, die heute dazu führen, dass die gesamte Bankenwelt oft als sehr negativ empfunden wird. Auch Sparkassen sind Kreditinstitute, aber dort ticken die Uhren doch schon anders. Eine Sparkasse hat einen ganz klaren regionalen Bezug, man kennt die Kunden und die Region, in der sie zuhause sind. Hier werden dann auch Entscheidungen vor Ort getroffen – und nicht in Hamburg oder gar in Frankfurt.“

Arrogant wirkende 100%-Banker „Tja, so geht es bei der Förde Sparkasse nun wirklich nicht zu. Steife und arrogant wirkende Mode-Banker wird man bei uns nicht finden. Auch hermetisch abgeriegelte und dunkle Chefetagen, wo der Kunde nicht erwünscht ist, gibt es bei uns nicht. Direkter Kundenkontakt ist wichtig. Die Filialen sind hell und freundlich gestaltet, sodass der Kunde sich auch wohlfühlen kann. Ein fester Ansprechpartner und eine respektvolle Beratung gehören dazu. Gerade wenn es ums Geld geht, ist Vertrauen sehr wichtig, das viele Kunden während der Finanzkrise in die Banken verloren haben.“

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Schwerpunkt: Banken

Geld „Tja, wenn’s ums Geld geht, Sparkasse. Dieser alte, aber immer noch präsente Werbeslogan passt zu diesem Bild wirklich sehr gut. Und er stimmt, denn wir beschäftigen uns wirklich in erster Linie mit Geld. Das erwartet man von einer Bank, egal ob Sparkasse oder Großbank. Wo aber Großbanken einfach nicht mithalten können: Sparkassen unterstützen in ganz Deutschland unzählige Vereine, Institutionen und Projekte vor Ort. Dieses soziale Engagement ist einzigartig und gibt den Menschen viel zurück. Auch die Förde Sparkasse fördert jedes Jahr zwischen 500 und 600 Maßnahmen, direkt in der Region. Ob Kieler Drachenbootrennen, Kiel.Lauf, Eckernförder MTV, Kieler MTV, TSV Plön oder Concordia Schönkirchen – wir tun das einfach gern. Auch in Zukunft.“

Finanzkrise „Ein Bild, das man im Zusammenhang mit der Finanzkrise allzu oft in den Medien gesehen hat. Schnelles und hektisches Handeln, in Sekundenbruchteilen geht es um Millionen. Hedgen – Swaps – Samurai-Bonds – Warenterminkontrakte und das Ganze immer mit immensem Zeitdruck. Für viele gleichbedeutend mit der großen internationalen Finanzwelt. Aber es geht auch anders. Ganz bewusst unterscheiden sich die Sparkassen hier von den Großbanken. Wir verkaufen nur das, was wir auch verstehen und sprechen dabei auch kein Finanzchinesisch, sondern drücken uns auch in Bankangelegenheiten norddeutsch klar aus. So können die Kunden auch jederzeit nachvollziehen, was mit ihren Finanzen geschieht.“

Erbsen zählen „Erbsen zählen gehört sicher nicht zu unserer Arbeit. Aber, wenn es um das Geld unserer Kunden geht, müssen wir schon sehr genau hinschauen und manchmal auch nachzählen. Das gehört einfach dazu, damit wir das Beste herausholen können. Dabei stehen Sicherheit und Transparenz für unsere Kunden an erster Stelle, damit man sich auf uns verlassen kann. Hier gibt es sicherlich auch Unterschiede zu den Großbanken, die weitaus stärker gewinn- und renditeorientiert arbeiten müssen. Wir erstellen unsere Empfehlungen nach bestem Wissen und Gewissen und sind uns dabei unserer Verantwortung voll bewusst.“

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Der gute, alte Schlips „Hier gibt es nun wirklich keine Unterschiede zu anderen Banken, denn der gute, alte Schlips gehört auch bei der Sparkasse schlicht und einfach dazu. Zumindest für die Herren auf jeden Fall. Das liegt auch daran, dass die Kunden von ihren Beratern ein gewisses seriöses und konservatives Auftreten und die damit verbundene Kleidung erwarten. Sicher, für die einen ist die Krawatte spießig, aber für die anderen erscheint sie auch durchaus elegant. Diese zwei Meinungen wird es immer geben. Für uns ist es aber ein Teil des Outfits und nicht mehr wegzudenken. Schließlich erwartet man von einem Arzt auch oftmals einen Kittel, von einem Monteur den ‚Blaumann’ und den Polizisten nimmt man in Uniform auch ganz anders wahr.“

Immobilien „Wenn es um die eigene Immobilie geht, ist die Sparkasse immer der erste und der beste Ansprechpartner. Dabei muss es nicht immer klassischerweise das Haus im Grünen in einer ruhigen Randlage sein. Was auch immer geplant ist, ein Haus für die ganze Familie, eine schicke Stadtwohnung – wir stellen uns auf den Wunsch des Kunden ein. Schließlich träumt wahrscheinlich jeder einmal von den eigenen vier Wänden, ganz unabhängig davon, welche Wünsche und Vorstellungen man dabei hat. Ein entscheidender Vorteil der Förde Sparkasse sind die Berater und Makler, die sich hier in der Region am Markt auskennen.“

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Schwerpunkt: Banken

DIE MENSCHEN HINTER DEN ZAHLEN Die zweite Seite der Banker

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eder hat so seine ganz eigene Vorstellung von Bankern. Man denkt an Schlips und Kragen, Bürohengste, langweilige Besprechungen, spießige Berater oder sogar an windige Spekulanten – nicht zuletzt der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, bei dem auch viele Privatleute ihre gesamten Ersparnisse verloren haben, hat dazu beigetragen. In den Medien kommen die Banker oft nicht gut weg und schließlich sind es wenige ‚schwarze Schafe‘, die den Ruf einer ganzen Branche gefährden – dabei sind Banker ganz anders! Ihr Ziel ist es, ihre Kunden professionell und ganz individuell zu beraten und sie im Leben zu begleiten. Von Anfang an. Vom ersten Lehrgeld bis zum Hausbau oder die Gründung der eigenen Firma, aber natürlich legen auch Banker irgendwann am Abend die Krawatte ab und schlüpfen in eine andere Rolle. Dann sind sie Familienväter, Fußballfan – vielleicht auch Feldjäger.

DER AZUBI – OVE PETERSEN Kontakt zu den Kunden – das ist mein Ding! „Mathematik und Zahlen liegen mir, aber das war eigentlich nicht der Hauptgrund, eine Banklehre zu beginnen. Viel mehr hat es mich gereizt, die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Deshalb habe ich auf dem Gymnasium auch den Schwerpunkt Wirtschaft gewählt. Weil ich mir von unterschiedlichen Berufen ein Bild machen wollte, habe ich mir gezielt Ferienjobs in verschiedenen Bereichen gesucht. So kann man sich am besten einen ganz authentischen Einblick vom Arbeitsalltag verschaffen. Ich habe beim Maurer, Zimmermann und auch im Einzelhandel gejobbt. Für die Zeit hat es mir zwar immer Spaß gemacht, aber es war nichts dabei, was ich mein Leben lang machen könnte. Hier in der Bank ist das ganz anders! Bei meinem Praktikum in der 12. Klasse hat es mir auf Anhieb gut gefallen und ich habe sofort gemerkt, dass eine Ausbildung bei der Bank genau das Richtige für mich wäre. Zugegeben – ich habe auch gedacht, dass es in einer Bank sehr konservativ und steif zugeht, aber das ist gar nicht so. Wir verstehen uns gut untereinander, alle Mitarbeiter sind für uns Azubis bei Problemen ansprechbar und hilfsbereit. Und nur weil hier alle sehr korrekt gekleidet sind, heißt das nicht, dass wir spießig sind. Ganz und gar nicht! Das gepflegte Äußere gehört eben dazu,

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wenn man mit Kunden zu tun hat. Sie stehen bei uns absolut im Mittelpunkt und jeder Einzelne hat es verdient, dass man ihm ordentlich gegenübertritt. Im Laufe der Ausbildung durchlaufen wir alle Abteilungen der Bank. Natürlich auch, weil wir viel mit Menschen zu tun haben. Besonders freue ich mich schon auf die Kreditabteilung, da bewegt sich eine Menge. Langfristig möchte ich gerne dort eingesetzt werden, wo ich mit Kunden arbeiten kann, das liegt mir und macht mir Spaß.“

Alles, was mit dem Ball zu tun hat! „Natürlich laufe ich nicht den ganzen Tag mit einem Anzug herum. Wenn ich ihn nach dem Feierabend ausziehe, ist das schon nicht mehr so ungewohnt wie am Anfang der Ausbildung. Mit meinem Anzug streife ich auch einen großen Teil vom Banker mit ab. Dann werde ich zum Fußballspieler oder zum Fan. Ich spiele, seit ich fünf Jahre alt bin, bei der SG Wiedingharde-Emmelsbüll Fußball, im Sturm. Sehr gerne fahre ich zu den Spielen meines Lieblingsvereins Schalke 04. Das interessiert mich fast noch mehr, als selbst zu spielen. Fußball ist ein Teamsport – das ist

„Fußball ist ein Teamsport – das ist nicht anders als in der Bank.“ nicht anders als in der Bank, wo man sich auch auf seine Kollegen verlassen muss. Wenn da die Bälle ins Rollen kommen sollen, müssen alle ihren Teil dazu beitragen. Wenn ich nicht in Sachen Fußball unterwegs bin, müssen andere Bälle herhalten. Eigentlich spiele ich alles, was mit einem Ball zu tun hat. Ich mag Handball, aber auch Tennis oder Badminton. Um mich fit zu halten, gehe ich joggen. Der Sport ist ein sehr guter Ausgleich zur Arbeit in der Bank, wo man doch öfter mal am Schreibtisch sitzt und sich nicht so viel bewegt. Außerdem treffe ich mich in meiner Freizeit sehr gerne mit meinen Freunden und meiner Familie – übrigens bin ich nicht der einzige aus meiner Familie, der hier in dieser Bank arbeitet. Ich bin sozusagen in guter Gesellschaft. Meine Tante und mein Cousin arbeiten ebenfalls hier. Mein Bruder hat hier gearbeitet und sogar meine Mutter war hier und unser Ausbilder Herr Deussing hat bei ihr gelernt – so schließt sich der Kreis.“

Ove Petersen, 20 Jahre, Bankkaufmann im 2. Lehrjahr (Berufliches Gymnasium Niebüll, Schwerpunkt Wirtschaft, Abitur)

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Schwerpunkt: Banken

DER BANKER – HANS-ADOLF DEUSSING Meine Azubis sind meine Kinder „In den Beruf des Bankers, das kann ich ruhig zugeben, bin ich eher zufällig hineingestolpert. Heute, nach 29 Jahren im Unternehmen, bin ich sehr froh, dass es so gekommen ist, denn dort wo ich bin, ist genau der richtige Platz für mich. Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann habe ich mich intern weitergebildet und mich in Richtung Marketing und Personal orientiert. Seit 1988 kümmere ich mich bei der VR Bank in Niebüll um das große Thema Personal, seit zwölf Jahren bin ich dafür verantwortlich. Besonders genieße ich, dass ich meine Azubis von der Bewerbung bis zur Prüfung durch ihre Ausbildung begleiten kann. Ich bin im Prüfungsausschuss der IHK und deshalb bis zum Schluss

„Denn dort wo ich bin, ist genau der richtige Platz für mich.“

Hans-Adolf Deussing, 49 Jahre Leiter Personalabteilung bei der VR Bank Niebüll

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bei ihnen. Das beruhigt auch meine Azubis, die in der Prüfungssituation zumindest ein bekanntes Gesicht vor sich haben und wissen, dass sie nicht allein sind. Während der Ausbildung geht es darum, die Grundlagen für das spätere Berufsleben zu schaffen. Darüber hinaus geht es auch darum, die Persönlichkeit eines jungen Menschen zu festigen und sich entwickeln zu lassen. Als Ausbilder muss man sich auch darauf verstehen, die Azubis zu führen und ihnen Werte zu vermitteln. Deshalb sind auch Benehmen und der Umgang miteinander schon in der Einführungswoche wichtige Themen. Am Ende dieser Woche unterschreiben sie eine Selbst-Verpflichtungserklärung. Darin stehen Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, es aber leider nicht immer sind. Zum Beispiel, dass man ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ sagt, das Bankgeheimnis wahrt, oder auch alle Kunden gleich gut und freundlich zu behandeln hat. So wird den Azubis klar, was wir von ihnen erwarten. Das hört sich zuerst vielleicht streng an, schafft aber die Sicherheit, die man benötigt, um bei uns viel und mit Spaß zu lernen. Wir fördern sie, fordern aber auch, indem sie mit eigenen Projekten beauftragt werden. Sie gehen in die Schulen und erzählen den Schülern etwas über den Beruf des Bankers oder erarbeiten den Messeauftritt für die Nordjob. Die Azubis machen das eigenverantwortlich und sie machen das großartig! Natürlich habe ich auch bei Problemen ein offenes Ohr für meine Azubis. Ich bin jederzeit für sie erreichbar. Meine Azubis sind meine Kinder!“


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Eine völlig andere Rolle „An 24 Tagen im Jahr bin ich weder Banker noch Ausbilder. Ich tausche meinen Anzug gegen die Uniform eines Feldjägers ein und gebe sozusagen am Kasernentor den Banker ab. Als Reservist schlüpfe ich in eine völlig andere Rolle, und das genieße ich. Reservisten unterstützen die aktive Truppe bei Großveranstaltungen, wie dem Hamburger Hafengeburtstag. Oder in der Zeit, in der aktive Soldaten Urlaub haben oder sich im Auslandseinsatz befinden. Bei den Feldjägern ist so ziemlich alles anders als bei der Bank. Das beginnt mit der Kleidung und geht über in das Sprachniveau, das ein völlig anderes ist. Ein fester Rahmen regelt einfach alles und gibt viele Dinge vor. Auf meine Kameraden muss ich mich verlassen können und sie sich auf mich. Die Zusammenarbeit zwischen den aktiven Feldjägern und mir als Reservist klappt sehr gut und wir lernen voneinander. Ich genieße es, einfach mal nur dabei zu sein und zuzuhören – eine Situation, die ich im Alltag kaum erlebe. Dort bin ich immer derjenige, der redet. Für mich sind die Einsätze bei den Feldjägern Entspannung und ich kann wunderbar abschalten. Dennoch gibt es Parallelen zu meinem Job in der Bank: Ob als Feldjäger oder als Banker – für die Befehle bzw. Anordnungen, die man gibt, muss man die Verantwortung übernehmen. Und als Landespressereferent bin ich dann auch bei den Reservisten wieder in der Rolle desjenigen, der redet. Banker und Feldjäger: Das sind die zwei Welten des Ado Deussing, zwischen denen ich gerne hin- und herwechsel.“

Text Claudia Kleimann-Balke | Foto Jonas Wölk

Ausbildungen bei der VR Bank Niebüll - Bankkauffrau/ Bankkaufmann - Bachelor of Arts in Banking and Finance - Informatikkaufmann/-frau VR Bank eG Personalabteilung Hauptstr. 30 25899 Niebüll

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Für weitere Informationen steht Ihnen unser Ausbildungsleiter zur Verfügung: Hans-Adolf Deussing BILDUNGSI Leiter Personalentwicklung N AUS 04661/939-8500 hans-adolf.deussing@vrbankniebuell.de www.vrbankniebuell.de DIC

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Schwerpunkt: Banken

KEINE BÄLLE? KEIN SPORT? KEIN DING! Volksbanken Raiffeisenbanken verlosen 3000 Bälle in Schleswig-Holstein

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it Ideenreichtum und Witz haben sich Schulen und Sportvereine schon 2011 und 2012 um einen Ballsack mit je neun Bällen beworben. Die erfolgreiche Aktion wollen die Volksbanken Raiffeisenbanken in SchleswigHolstein nun wiederholen. Wer braucht dringend neue Sportgeräte für Fußball, Handball, Rugby oder Volleyball? Ab sofort bis zum 30. September 2013 können sich Schulklassen und Vereine bewerben. In diesem Jahr vergeben die Genossenschaftsbanken über 3000 Lederbälle! Nach dem großen Erfolg in den vergangenen Jahren ist es nun wieder so weit. „Im vergangenen Jahr haben uns Schulen und Sportvereine witzige Bilder und Texte geschickt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen“, berichtet Silke Syben von der Volksbank-Raiffeisenbank im Kreis Rendsburg. Dabei war etwa eine Fußball-Jugendmannschaft des TuS Felde: Die Jungs hatten sich vor lauter platten Bällen postiert. Motto frei nach Kulttrainer Giovanni Trapattoni: „Bei uns sind alle Bälle leer!“ „Wir brauchten dringend neue Bälle für unseren Nachwuchs – doch gutes Material ist nun mal sehr teuer“, berichtet Trainer Thomas Ingwersen. Dank des V+R-Ballsacks kann die C-Jugend nun wieder optimal trainieren, erzählt der Ehrenamtler. Die neuen Fußbälle sind seitdem dauernd im Einsatz. Mit so guten, witzigen Ideen können sich Interessierte nun über das Internet unter www.vr-sh.de sowie in allen Geschäftsstellen der Volksbanken Raiffeisenbanken um die Ballsäcke bewerben. Warum braucht gerade Ihre Schule oder Ihr Verein frische Bälle? Zu gewinnen gibt es Ballsäcke, die wahlweise nur mit Fuß-, Hand-, Volleybällen etc. gefüllt sind, oder Multifunktionssäcke mit einer Mischung aller Bälle. Die witzigsten und tollsten Bewerbungen gewinnen. Zusätzlich erhalten alle, die mitmachen, auf Facebook die Chance, einen Geldpreis von fünf mal 100 Euro zu gewinnen. Die Adresse lautet: www.facebook.com/vr.banken Begleitet wird diese Aktion von den Medienpartnern Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Lübecker Nachrichten, Kieler Nachrichten, Dithmarscher Landeszeitung sowie dem Aktionspartner Landessportverband Schleswig-Holstein. „Wir freuen uns über Bewerbungen von Schülern, Eltern, Lehrern, Schulen, Trainern und Sportlern aus ganz Schleswig-Holstein und sind auf die vielen tollen Bewerbungen gespannt“, so ein Sprecher der Volksbanken Raiffeisenbanken.

Text Joachim Welding | Fotos Jonas Wölk

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ICH WERDE BANKER

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Weitere Infos und Stellenangebote gibt es im Internet unter www.ich-werde-banker.de oder www.karriere.sparkasse.de.

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etzt ist es soweit. Die Prüfungen sind geschrieben und der Tag des Abschlusses rückt näher. „Was soll ich jetzt machen?“, fragt sich fast jeder. Ausbildung, Studium, weiterführende Schule? Bei den Volksbanken Raiffeisenbanken (VR) und der Sparkasse ist diese Entscheidung nicht die „letzte“. Dort gibt es Karrierechancen und auch wenn zunächst die Ausbildung ansteht – das Studium geht nebenbei, danach oder später. Somit ist die Wahl, eine Lehre zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau zu machen, nur der erste Schritt – ein spannender mit viel Kundenkontakt und neuen Herausforderungen.


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Volksbanken Raiffeisenbanken. Die Voraussetzungen.

Sparkasse. Die Voraussetzungen.

Voraussetzungen muss ein Bewerber natürlich mitbringen – und die sind bei den VR-Banken und Banken im Allgemeinen nicht ganz unwesentlich. Für den Beruf als Bankkaufmann oder Bankkauffrau ist der Kontakt mit Menschen unumgänglich. Wer damit nicht gut zurecht kommt oder - schlimmer noch - es nicht liebt und lebt, dem sei ein Job hinter den Kulissen empfohlen. Um die erste Hürde des Bewerbungsverfahrens zu schaffen, ist ein Realschulabschluss oder ein Fachabitur nötig. Die zweite Hürde ist dann im Gespräch zu meistern: Teamgeist und Interesse an wirtschaftlichen Themen werden vorausgesetzt, Offenheit und die Lust auf den Beruf müssen vorhanden sein. Hat man das Gespräch dann erfolgreich hinter sich gebracht, kann es mit der Ausbildung losgehen. Diese dauert drei Jahre und kann auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Geld gibt es natürlich auch: Im ersten Lehrjahr sind das 851 Euro, im zweiten 917 Euro und im dritten Lehrjahr 979 Euro. Dazu gibt es vermögenswirksame Leistungen und kleine Extras bei den Unternehmen der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volkbanken Raiffeisenbanken. Bei den VR-Banken gibt es dank flacher Hierarchien schnelle Aufstiegschancen. So kannst du nach der Ausbildung als Kundenberater im Standardgeschäft in kurzer Zeit Betreuer für vermögende Privatkunden werden. Der Quereinstieg ist für Berufs-Erfahrene und Akademiker ebenfalls gut. Wer Fach- und Führungsaufgaben anstrebt, kann ein berufsbegleitendes Studium beginnen und so seinen Bachelor of Arts machen. Und damit es nicht langweilig wird, gibt es neben der Berufsschule immer wieder spannende Trainings, Seminare und neue Projekte. Das Beste allerdings: Die VR-Banken gewähren den Azubis den höchsten gesetzlich vorgesehenen Urlaubsanspruch – satte 30 Tage. Das sind die kompletten Sommerferien.

Bei der Sparkasse sind die Voraussetzungen ähnlich wie bei den VR-Banken. Realschulabschluss oder Fach-Abitur müssen sein, Kundenorientierung und Teamgeist dürfen auch nicht fehlen. Die Sparkasse bietet allerdings mehrere Ausbildungsberufe an: Vertriebskaufleute – Zweijährige Praxisorientierte Ausbildung mit schnellem Einstieg ins Berufsleben und kein Besuch der Berufsschule. Für diese Ausbildung ist Volljährigkeit oder der Besuch einer Berufsfachschule oder eine abgeschlossene Berufsausbildung Pflicht. Bankkaufleute – Dreijährige Ausbildung mit schnellen Karrierechancen, Besuch der Berufsschule und ergänzende Trainings, Seminare und Lehrgänge an der Sparkassenakademie Schleswig-Holstein in Kiel. Kaufleute für Bürokommunikation – Assistenz- und Sekretariatstätigkeit für Azubis mit Interesse an Bürokommunikation und guten Rechtschreibkenntnissen (Berufsschule und drei Lehrgänge an der Sparkassenakademie inklusive). Ausbildung und Studium – Hierfür ist das Abitur notwendig. Das Studium ist international anerkannt und vermittelt Wissen in Betriebswirtschaft, Controlling, Vertrieb, Marketing, Personalwesen und Managementtechniken. Zusätzlich gibt es noch den Informatikkaufmann, denn ohne IT würde auch bei der Sparkasse nichts funktionieren, und die Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Die Vergütung bei der Sparkasse ist regional unterschiedlich.

Text Kim Schöffler | Illustration Annemarie Sauerbier

UND SPARE AUF MEINE KARRIERE


Schwerpunkt: Banken

DOPPELT GUT Christoph Sonnberg, dualer Student Business Administration bei der HSBA und Deutschen Bank

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Text Katharina Grzeca | Foto Teresa Horstmann

HSBA Hamburg School of Business Administration Tel. 040/36 13 8-700 Fax 04036138751 www.hsba.de

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Studenten der Hamburg School of Business Administration kommen in den Genuss von optimalen Lernbedingungen. Gelegen ist die Hochschule in der Hamburger Innenstadt. In direkter Nähe zum Rathaus und Handelskammer werden sie von praxisnahem Lehrpersonal in Kleingruppen unterrichtet. Aufgrund ihrer Größe und ihres Charakters als private Hochschule der Hamburger Wirtschaft haben die Studierenden die Möglichkeit zur Mitgestaltung des Studiums. Darüber hinaus bietet sich ihnen die Gelegenheit zu vielfältigem Engagement, bei dem die Studierenden durch die Hochschulleitung unterstützt werden.

Weitere Auskünfte zum dualen Studiengang Business Administration:

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Wer bald das Abiturzeugnis in den Händen hält, hat die Qual der Wahl: Studium oder Ausbildung? Dr. Uve Samuels, Geschäftsführer der HSBA Hamburg School of Business Administration, rät dazu beide Welten zu verbinden: „Beim Dualen Studium verbringen die Studierenden drei Jahre lang immer rund drei Monate abwechselnd in der Hochschule und bei ihren Ausbildungsunternehmen.“ Danach haben sie den Bachelor und in 90 % der Fälle auch ein Übernahmeangebot „ihres“ Unternehmens in der Tasche. Kein Wunder also, dass das Angebot in den Studiengängen Business Administration, Logistics Management, Maritime Management und Media Management so begehrt ist, dass es in aller Regel wesentlich mehr Interessenten als Studienplätze gibt. Weil viele Unternehmen zudem händeringend Wirtschaftsinformatiker suchen, bietet die HSBA außerdem ab Oktober 2014 den dualen Bachelor-Studiengang Business Informatics an.

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In den ersten beiden Jahren werden uns in den Praxisphasen die gleichen Inhalte vermittelt, die ein Auszubildender zum Bankkaufmann auch bekommt. Wir lernen in den Filialen das normale Tagesgeschäft mit Privat- und Geschäftskunden. Im Sommer habe ich die IHK-Abschlussprüfung absolviert und den ersten von zwei Abschlüssen erreicht. Das dritte Jahr dient der Orientierung und wir lernen andere Geschäftsbereiche kennen. Auch die ersten beiden Studienjahre an der HSBA dienen der Grundlagenvermittlung. In kleinen Gruppen haben wir Seminare zu Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen und Controlling. Im dritten Jahr wählt man einen Schwerpunkt, indem man sich spezialisieren möchte. Ich habe mich für Finanzmanagement entschieden. Durch den Wechsel zwischen Theorie und Praxis kann man das Erlernte gleich umsetzten. Die Studieninhalte und Praxisinhalte sind aufeinander abgestimmt.

Die HSBA

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Für das duale Studium, das ich im August 2011 begann, bin ich von Flensburg nach Hamburg gezogen. Die theoretischen Kompetenzen des Studiengangs Business Administration werden mir an der HSBA Hamburg School of Business Administration vermittelt, die Praxisphasen finden in verschiedenen Filialen der Deutschen Bank im Großraum Hamburg statt.

Ich halte das duale Studium für eine gute Wahl für jeden, der eine Ausbildung mit einem Studium verbinden möchte. Wichtig ist eine gute Kommunikationsfähigkeit, Teamgeist und ein Talent zur Eigenorganisation. Und natürlich eine Leidenschaft für die Materie.

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„Ursprünglich komme ich aus Flensburg und habe während meiner Gymnasialzeit, wie jeder Schüler heutzutage, an zahlreichen Veranstaltungen zur Berufsorientierung teilgenommen. Auf einer dieser Veranstaltungen habe ich die Deutsche Bank gesehen und mir den Flyer zum Dualen Studium Business Administration mitgenommen. Zu der Zeit wusste ich zwei Dinge: Ich wollte auf jeden Fall dual studieren, um die Bereiche Ausbildung und Studium zu kombinieren, und es sollte ein finanzwirtschaftlicher Schwerpunkt sein. Sowohl mein Vater als auch mein Onkel haben eine Bankausbildung gemacht und sind in ihrem späteren beruflichen Leben in unterschiedliche Richtungen gegangen. Als Basis diente beiden eine solide Ausbildung. Dieses stabile Fundament, auf das ich aufbauen kann, wollte ich auch. Ich habe mich bei der Deutschen Bank beworben und innerhalb eines Monats hatte ich meinen Platz sicher.


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ARBEITEN, WO ANDERE URLAUB MACHEN Wer hat davon nicht schon einmal geträumt?

Jürgen Sievers, Gründer und Geschäftsführer von KiteWorldWide, lebt diesen Traum und veranstaltet von einem Büro in Hamburg aus Kitereisen auf der ganzen Welt.

Jürgen, wann hast du angefangen zu kiten? War Kitesurfen dein erster Brettsport? Ich bin früher superviel Snowboard gefahren und habe auch als Snowboardlehrer gejobbt. Meinen ersten Kitekurs habe ich 2001 auf Rügen gemacht. Ich war zwar keiner der Pioniere des Sports in Deutschland, aber einer der Ersten, die einen Kurs absolviert haben. Was macht den Kitesport so toll? Anders als Windsurfen ist Kitesurfen noch eine relativ junge Sportart und sehr einfach zu lernen. Man hat ab dem ersten Tag Erfolgserlebnisse und wenn man einen einwöchigen Kurs richtig durchzieht, kann man nach einer Woche selbstständig und ohne Lehrer fahren. Sprünge mit Kiteboard lernt man auch schnell, wenn man schon einmal Snowboard gefahren ist.

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Leben

Wo können Anfänger gut kiten lernen? Zum Lernen bieten sich im Ausland Ägypten, Fuerteventura und Montenegro an. Hier in Deutschland gibt es an der Nord- und Ostsee unzählige Spots, an denen man kiten kann. An der Nordsee sind St. Peter Ording und Büsum okay zum Lernen, aber nicht so optimal wie Fehmarn und Rügen an der Ostsee. Dort gibt es keine Ebbe und Flut und man kann im Wasser stehen, was am Anfang sinnvoll ist. Wie bist du zum Tourismus gekommen? Ich habe schon während meiner Schulzeit als Reiseleiter für Rainbow Tours, einem großen Jugendreiseveranstalter, gearbeitet. Auf meiner ersten Reise nach Korsika musste ich den Windsurflehrer spielen, obwohl ich gar nicht windsurfen konnte. Mein Chef meinte aber: „Ist kein Problem, Jürgen. Unser alter Windsurflehrer ist noch zwei Wochen da, er bringt dir das bei und wenn du gerade selbst erst Windsurfen gelernt hast, kannst du den Stoff auch besser unseren Gästen vermitteln.” Das klang für mich damals irgendwie logisch. Der alte Lehrer war dann letztendlich nur noch drei Tage vor Ort und ich musste im Anschluss zehn Tage lang Windsurfkurse geben (lacht). Bist du selbst aufs Brett gestiegen und hast den Gästen vorgemacht, wie es geht? Nein, ich habe bloß auf dem Brett gesessen, bin hin und her gepaddelt und habe den Leuten erklärt, was sie machen sollen. Hat einer gemerkt, dass du selbst kaum Windsurfen kannst? Nicht einer (lacht). Du hast für zwei Jahre Tourismuswirtschaft an einer privaten Universität in Heidelberg studiert. Wieso bist du nicht auf eine staatliche Universität gegangen? Weil ich keine Lust hatte, lange zu studieren. Ich wollte lieber die Werkzeuge lernen, die man bei der täglichen Arbeit braucht, wie verschiedene Sprachen, gute IT-Kenntnisse und Zehnfingerschreiben. Lauter Sachen, die man sich heute an der Uni selber beibringen muss, weil man keine richtige Anleitung dafür bekommt. Viele Studenten, die bei uns ein Praktikum machen, wissen häufig nicht, wie man Zahlen mit Microsoft Excel in einer Tabelle zusammenrechnet. Was war dein erster richtiger Job im Tourismus? Im Anschluss an das Studium habe ich für Rainbow Tours als Koordinator in dem tschechischen Wintersportort Spindlermühle und dem Partyort Siofok am Plattensee in Ungarn gearbeitet. Der Job als Koordinator war super! Man war eine Saison lang im Ausland, hat das komplette Freizeitangebot vor Ort auf die Beine gestellt und dabei wirklich gutes Geld verdient. In Siofok haben wir damals den ersten Beachclub am Plattensee gebaut, Parties mit 800 Gästen

auf einer Fähre veranstaltet und bekannte DJ‘s wie die Disco Boys aus Deutschland einfliegen lassen, damit sie für unsere Gäste Platten auflegen. Zufriedene Gäste sind die beste Werbung. Sie erzählen zu Hause ihren Freunden von ihrem Urlaub und kommen gerne wieder. Dafür muss man ihnen allerdings ein unvergessliches Urlaubserlebnis bieten, bei dem alles stimmt. Wie bist du auf die Idee gekommen, den weltweit ersten exklusiven Reiseveranstalter für Kitereisen zu gründen? Über einen Zufall. York, mein Partner bei KiteWorldWide, war gerade in Kenia unterwegs und hat dort einen einsamen Spot mit leerstehenden Bungalows und super Bedingungen zum Kitesurfen entdeckt. Wir haben uns bei einem Glühwein auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt dann kurzerhand entschieden, Kitereisen dorthin zu veranstalten und haben vor Ort eine Kiteschule eröffnet. Das war 2009. Mittlerweile bietet ihr Kitereisen von Rügen, Fuerteventura und Ägypten bis hin zu Brasilien,

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Sansibar und Südafrika an und betreibt mit über 95.000 Fans die größte Kitecommunity auf Facebook. Facebook war ganz entscheidend für unser schnelles Wachstum. Ein Bekannter aus den USA, der die Facebook-Seite der Cartoonserie „South Park” als Social Media Chief Strategist betreut hat, hat uns dazu gedrängt, früh auf Facebook aktiv zu werden und uns dabei geholfen, innerhalb kurzer Zeit über zehntausend Fans zu bekommen. Wegen unserer vielen Fans haben wir uns sehr schnell einen Namen in der weltweiten Kiteszene gemacht und viele Gäste und Geschäftspartner gewonnen. Würdest du sagen, dass du deinen Traumjob gefunden hast? Auf jeden Fall. Mir macht die Kombination aus Selbstständigkeit, Tourismus, Sport und Social Media richtig viel Spaß. Viele in Deutschland träumen davon, auszuwandern und in einem fremden Land an einem schönen Strand zu leben. Ich habe schon sehr viel im Ausland gearbeitet und muss sagen, dass es nicht „den einen Ort” gibt. Viele Orte sind nur in der Hauptsaison cool. Es gibt kaum Orte auf der Welt, die wirklich das ganze Jahr über toll sind und wo man nicht irgendwann durchdreht. In dem einen Ort ist zu viel und in dem anderen Ort ist zu wenig los. In dem einen ist es zu kalt, in dem anderen zu warm. Als wir KiteWorldWide gestartet haben, hatten wir das Ziel, unseren festen Wohnsitz in Hamburg zu behalten, aber zwischendurch immer mal wieder für ein bis zwei Monate im Ausland zu arbeiten. Aber auch nicht viel länger. Ich will nicht vier Monate lang in einer Pension in Brasilien wohnen oder mich längere Zeit in einem Land aufhalten, in dem es kaum richtige Straßen und Supermärkte gibt. Text Slaven Marinovic

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KiteWorldWide bietet fortlaufend Ausbildungs- und Praktikumsplätze in den Bereichen Touristik, Reiseabwicklung, Produktmanagement und Marketing. Bei Interesse einfach eine E-Mail an office@kiteworldwide.com schreiben.

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www.kiteworldwide.com www.facebook.com/kiteworldwide


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MEIN PARADIES George aus Kiel hat es gefunden: sein Paradies, sein Panama, sein El Dorado...

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s ist ein Jahr her, dass ich meine Koffer gepackt habe und alles hinter mir ließ. Ich habe mich von meiner Familie und Freunden aus Kiel verabschiedet und kam in ein Land, welches mir nur aus Filmen und Reisemagazinen bekannt war. Aber alle meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen, nachdem ich es mit eigenen Augen sah...

Ich habe in meinen Schulferien eine Rundreise um die Südinsel unternommen und meiner Meinung nach hat Neuseeland alles, von den hohen Bergen, wo sich die Skifahrer und Snowboarder bekriegen, bis hin zu den Stränden, wo sich das endlose Meer ans Land schmiegt. Es war klar, dass ich mich auf der Stelle in dieses magische Land und seine offenherzigen Bewohner verliebt habe. All dies ist so anders zu jedem Ort, an dem ich vorher gewesen bin. Es hat mir auch viel Freude bereitet, mehr über die Kultur zu lernen. Es ist so einfach „Kiwis“ (ein Spitzname der Neuseeländer) auf Grund ihrer freundlichen Art ins Herz zu schließen. Wie es zum echten Kiwi-Lifestyle gehört, habe ich neue Sportarten ausprobiert. Kaum einer kennt Rugby in Deutschland, aber in Neuseeland… Wehe dem, der es nicht probiert hat. Mich hat das große Angebot an sportlichen und ästhetischen Hobbys beeindruckt. Man muss vieles einfach ausprobieren! Das Training für die Ruderwettkämpfe war sehr anstrengend, aber jeden Sonntagmorgen draußen auf dem See, wenn die Sonne aufging, war es das wert. Was für ein Ausblick. Ich habe sogar Neuseelands Helden Mae Drysdale getroffen. Er gewann eine Goldmedaille bei den olympischen Spielen im Rudern und ich durfte diese sogar einmal halten. Aber was war das beste oder größte Erlebnis? Ich war in verschiedenen Camps für OUE (Outdoor Education). Das war ein Gruppenleiterkurs und ich habe das Camp des 10. Jahrganges mit geleitet. Wir lernten dort eine Menge über die Leitung einer Gruppe, Freundschaften und Überlebenstechniken! Es ist schön, Personen so kennenzulernen, wie es einem bei diesen Camps möglich ist. Ich habe die verschiedenen Wettkämpfe genossen. Wir wurden alle in verschiedene Häuser aufgeteilt, um in den Schulevents, wie Schwimmen, Singen, Athletic oder Tanzen, Punkte für unsere

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Häuser zu sammeln (ein bisschen wie bei Harry Potter). Ich war in Rees untergebracht, die übrigen Häuser waren Haast, Caples und Pyke. Am Ende jedes Vierteljahres wird so der Gewinner des Haus-Pokals ermittelt. Ich weiß nicht mehr genau welcher Wettbewerb es war, der mich packte, aber aus irgendeinem Grund fing ich an, mich sehr intensiv sportlich zu betätigen. Ich habe noch nie vorher Crossfit probiert und jetzt kann ich nicht ohne! Das ist auch so eine Sache: Ihr solltet auf jeden Fall neue Sachen probieren, es könnte euch gefallen. Man lernt sich selbst erst richtig kennen, wenn man solch eine Erfahrung gemacht hat. Also geht hinaus in die Welt und erlebt es SELBST! Es wird euch verzaubern! Ich dachte nicht, dass ich mich so viel verändern würde, aber ich hab mich in jeder Hinsicht zum Besseren verändert! Ich hab viele Sachen zum


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ersten Mal ausprobiert, zu all diesem wäre ich nie gekommen, wenn ich in Deutschland geblieben wäre: Paintball, ein Erste Hilfe-Kurs, eine Dose L&P (neuseeländische Limonade), Marmite und vieles mehr! Aber das größte Highlight war der Formal, unser Schulball und die After-Party. Es war eine magische Nacht. Ich werde euch nicht mehr erzählen, geht da raus und seht, hört, schmeckt, fühlt… Erlebt es selbst! Es ist offensichtlich, dass ich mein Paradies, mein Panama, mein El Dorado oder wie immer ihr es nennen wollt, gefunden habe. Es ist zwar nur ein kleines Dorf in Central Otago, aber es ist das Herz der Südinsel! Und mein Herz hat Neuseeland im Sturm erobert – DANKE KulturLife für die tolle Zeit!“

KulturLife ist eine gemeinnützige Gesellschaft für Kulturaustausch mit Sitz in Kiel. Seit 1995 organisiert KulturLife Kurzaufenthalte, High School-, Work & Travel- und Volunteerprogramme weltweit und gibt damit Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, unterschiedliche Kulturen und fremde Lebensweisen zu erleben. Weitere Informationen und Erfahrungsberichte findest Du auf www.kultur-life.de.

Text | Foto George Rohardt

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WARUM NICHT MAL ZUM APFELPFLÜCKEN

NACH NEUSEELAND? Extra deswegen nach Neuseeland zu fliegen, ist wahrscheinlich etwas übertrieben, aber wenn man schon mal da ist, z.B. im Rahmen eines Working-Holiday-Visa, ist diese Erfahrung dringend zu empfehlen.


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in wenig Vorgeschichte im Zeitraffer: Nach abgeschlossenem Master-Studium und einigen Jahren als Projektleiter in unterschiedlichen Firmen, zog es mich Anfang Oktober 2012 samt Freundin, die ebenfalls nach über fünf Jahren Studium mal raus und unter Menschen wollte, in das gefühlt am weitesten von zu Hause entfernte Land dieser schönen Erde - Neuseeland. 9 Monate dem Alltag entfliehen, im Bus leben, Natur und Menschen erfahren und so viel wie möglich Wellenreiten und Kitesurfen – so der Plan. Dass für diesen Lebensstandard ein gewisses „Kleingeld“ notwendig ist, versteht sich von selbst. Aber woher nehmen, wenn nicht

stehlen? Zwei Jahre Planung und unzählige Nebenjobs machten den Plan möglich. Der Großteil des erwirtschafteten Geldes ging allerdings schon für den Campervan drauf, und so musste bald der erste Job her. Nach 5 Monaten in unserer Wahlheimat auf Zeit und ersten Joberfahrungen in Bar und Sushi-Restaurant ging unsere Reisekasse im Februar 2013 zum zweiten Mal in die Knie und schrie nach Nachschub. Zu dieser Zeit lebten wir zusammen mit Freunden aus unserem „Heimathafen“ Kiel in der Nelson-Region, im Norden der Südinsel. Diese Region ist eine der größten Anbaugebiete für


Äpfel in ganz Neuseeland. Ein Großteil der hier geernteten Äpfel ist für den deutschen Markt bestimmt. Eigentlich hatten wir uns im Voraus geschworen, keine Standard-Backpackerjobs wie „Fruitpicking“ anzunehmen, doch wenn die Kasse drückt und das schnelle Geld winkt, kommt man schnell in Versuchung. Ausschlaggebend für unser Vorsprechen auf den Orchards (Fruchthöfen) der Nelson-Region waren dann unsere dortigen Freunde. Beide waren seit einigen Wochen als Fruit-Picker tätig und verdienten damit gutes Geld. So inspirierten sie uns, den auf den ersten Blick so einfachen Job auszuprobieren. Es folgten Tage der Bewerbung, des Vorsprechens und der Niederschläge. Neuseeland, als von Touristen und Backpackern überschwemmtes Land, ist auf „Ausländer“ als Erntehelfer angewiesen und so etwas spricht sich rum. Das war auch der Grund dafür, dass nahezu alle freien Stellen bereits seit Wochen besetzt waren. So blöd es klingt, begann für uns nun das Hoffen, dass irgendwelche Picker abspringen oder der Arbeit nicht gewachsen sein würden. Nach etwa einer Woche ergab sich für uns die erste Chance. Erste Orchard des Tages und erster Job im Apfelgeschäft. Beginn: Nächster Tag 8 Uhr (kein Problem für uns, da bei einem Leben im Bus der Tagesrythmus im Normalfall nach der Sonne ausgerichtet wird und die geht in Neuseeland schnell und früh unter). Nach den üblichen 12 Stunden Schlaf pro Nacht hieß es für uns endlich: Auf die Leitern… fertig… los! – Denkste. Unser erster Arbeitstag dauerte ungefähr 10 Minuten, in denen unser „Supervisor“ eigentlich nur sehen wollte, ob wir auch tatsächlich erscheinen (uns wurde zum ersten Mal klar, dass es vielleicht einen Grund gibt, warum diese Orchard freie Stellen hatte). Am nächsten Tag ging es dann tatsächlich los. 8:30 Arbeitsbeginn und dann doch nur warten – unbezahltes Warten, warten auf die Sonne. An Stelle von Äpfeln waren an diesem Tag nämlich Birnen dran; und diese Birnensorte war so empfindlich, dass die Schale im feuchten Zustand sehr schnell kaputt geht. Weitere 1,5 Stunden später sollte es dann doch losgehen und was von diesem Tag an für genau eine Woche folgte, war nicht schön: strengste Qualitätskontrollen mit angedrohten Lohnkürzungen, unübersichtliche Bäume, kleine Früchte und Arbeiten auch im strömenden Regen – nicht unbedingt, was wir uns unter dieser Arbeit vorgestellt hatten. Der Plan: kündigen und weitersuchen. Obwohl wir nun wieder am Anfang unserer Suche standen, konnten wir jetzt mit der für einige Jobs erforderlichen Erfahrung aufwarten (dass diese auf nur eine Woche zurückzuführen war, musste ja nicht jeder wissen).

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Durch Gespräche auf unserem Camp erfuhren wir von einer Orchard circa 25 Minuten Autofahrt von uns entfernt. Arbeitsklima und Lohn sollten hier stimmen und auch alles sehr familiär sein – also ab dafür. Hoddys Orchard, so der Name unseres potenziellen neuen Arbeitsgebers, ist eine der größten Orchards Neuseelands und ein reines Familienunternehmen. Dort angekommen fanden wir schon eine kleine „Bewerberschlange“ vor, welche unsere Hoffnungen nicht gerade steigen ließ. Schnell noch den Treckerfahrer gegrüßt und zielstrebig ab ins Büro. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass wir nicht irgendeinen Treckerfahrer gegrüßt haben, sondern den Chef der gesamten Orchard höchstpersönlich. Damit hatten wir schon gleich zu Anfang einen Stein im Brett und 10 Minuten später einen Job (ich liebe diese Neuseeländer). Am darauf folgenden Montag ging es dann wieder los. 7:30 antreten zum Farbblindheitstest (ja ihr lest richtig), danach kurzes Einführungsvideo und dann tatsächlich ab auf die Leitern. 8 Stunden später hatten wir unseren ersten Tag bei Hoddys beendet, waren fix und fertig, aber überglücklich. Endlich gute Arbeitsbedingungen für gutes Geld. In den kommenden Tagen und Wochen lernten wir unsere Gang (unser Pflückerteam, bestehend


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Text | Foto Lars Schwauna

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Apfelsaison: Anfang März bis Mitte Mai N S • BEWI

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Zu mir kann ich sagen: Neuseeland war eine großartige Lebensschule für mich, die ich nirgendwo anders hätte finden können. Schon vor Beginn einer Work-and-Travel-Reise wird man von all den Sachen, die man im Voraus zu regeln (und zu bezahlen...) hat, fast erdrückt. Doch die Vorfreude lässt einen alles schaffen. In Neusee-

land angekommen merkte ich schnell, dass mein Schulenglisch schon bald seine Grenzen fand und auch einfach Leute anzusprechen fiel mir noch schwer. Doch um einen Job zu finden, musste ich beides tun – und plötzlich merkt man, was der Körper und das Gehirn zu leisten im Stande sind. Nach 2 Monaten wurde ich schon für einen Neuseeländer gehalten, ich quatschte hier und da mit jedem, der freundlich aussah und auch Freunde fand ich schnell. Ich kann jedem empfehlen, sich selbst und seine eigenen Stärken und Schwächen während eines Auslandsaufenthaltes, egal wo auf der Welt, neu kennenzulernen. Man muss die Dinge allein in einem unbekannten Land schaffen – und genau das ist die beste Schule des Lebens, die einem niemand sonst bieten kann.

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aus circa 12 Personen, davon viele Kiwis, also Neuseeländer) besser kennen. Ein Franzose, zwei Bulgaren, fünf Kiwis und zwei Thais gehörten zu uns. Eine sehr illustre Runde – besonders die Kiwis. Der Spaß an der Arbeit war vorprogrammiert. Aber nicht nur der Spaß stimmte – wir wurden auch schneller und so stieg auch der Tageslohn an. Bezahlt wird man übrigens pro „Bin“. Ein Bin ist eine Kiste, in die etwa 300 kg Äpfel passen. Pro Bin gibt es zwischen $27 und $40, je nach Sorte. Um den Mindestlohn ($13,25 pro Stunde) zu „erpflücken“, müssen somit zwischen 3 und 4 Bins pro Tag geschafft werden – je mehr Bins, desto höher der Tageslohn. 6 Wochen pflückten wir auf dieser Orchard, 6 Tage die Woche. Sonntags war frei. Die Saison endete für uns Anfang Mai mit einem großen BBQ und Freibier im Garten des Chefs. Alles in allem eine super Zeit mit vielen neuen Freunden. Wenn ihr selbst einmal in der Nelson-Region seid, kann ich euch Hoddys Orchard nur empfehlen. Schaut einfach vorbei und bewerbt euch. Fleißige Hände werden immer gesucht. Doch Vorsicht: Immer schön den Treckerfahrer grüßen – es könnte euer Chef sein!

Bewerbung: Mitte Februar oder einfach hinfahren Arbeitszeiten: 6 Tage die Woche à 8 Stunden pro Tag (Samstags meistens kürzer) Lohn: Mindestlohn $13,25/ Stunde (entspricht 3-4 Bins). Alles was über Minimum ist, steigert euren Stundenlohn Sprachkenntnisse: Eigentlich nicht zwingend notwendig, aber der Spaß steigt mit dem Vokabular

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FAST FÜR SICH ALLEIN Vögel zählen im Naturschutzgebiet Oehe-Schleimünde Jonas erzählt von seinen Erfahrungen im FÖJ

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onas Fischer machte sein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf der Lotseninsel in Schleimünde. Er ist als Vogelwart Ansprechpartner für Touristen in der Vogelwärterhütte. Seine Wohnung ist im Lotsenhaus auf der Lotseninsel. Maasholm/Schleimünde – Die Luft ist kühl und feucht an diesem Morgen in Maasholm. Das Gras und die Veranda vor der Vogelwärterhütte im Naturschutzgebiet Oehe-Schleimünde sind nass – es hat den ganzen Tag und die halbe Nacht geregnet. Noch ist es dunkel – nur am Horizont und in der Hütte des Vogelwärters ist schon ein Lichtschein zu sehen. Jonas putzt Zähne. „Strom gibt es hier nicht, oder nur ein wenig von den Solarzellen. Aber nur, wenn die Sonne scheint”, sagt Jonas Fischer, während seine elektrische Zahnbürste vibriert. Der 20-Jährige ist der zuständige Vogelwart beim Verein Jordsand, oben an der Küste, wo die Schlei in die Ostsee mündet – als FÖJler. Seine Aufgabe: Vögel zählen. Hilfe bekommt Jonas ab und zu von Studentin Fiona Langenbach, die einen Teil ihrer Semesterferien als Praktikantin im Naturschutzgebiet verbringt. „Wir haben acht Zählpunkte an verschiedenen Wasserflächen, an denen wir gucken, welche Vögel dort

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sind”, erklärt Fiona. Mit Spektiv und einer Liste zum Eintragen der verschiedenen Vögel geht es raus in den Sonnenaufgang. Pünktlich anzufangen sei wichtig, denn gerade in den Sommermonaten fange die Luft früh an zu flimmern und erschwere dann das Zählen und Erkennen der Tiere. „Es gibt hier sehr viele Vogelarten, die in Deutschland selten sind – wie den Austernfischer. Der brütet manchmal sogar hier”, sagt Jonas. Er selbst lernt die Arten noch kennen und nimmt zur Sicherheit ein Vogelbestimmungsbuch mit, denn „nach so kurzer Zeit kann man noch nicht alles wissen”. Nach dem Abitur wusste Jonas noch nicht, was er studieren soll. Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) schien ihm eine gute Möglichkeit, sich zu orientieren und Erfahrungen zu sammeln – das geht übrigens nach jedem Schulabschluss, nicht nur nach dem Abitur. Jonas wollte gerne ans Meer und hatte sich daher auf drei Stellen in Schleswig-Holstein beworben. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich hier gelandet bin”, sagt Jonas. „Ich bin als Vogelwart für das Naturschutzgebiet verantwortlich. In den Sommermonaten, von April bis Oktober, betreue ich die Ausstellung in der Vogelwärterhütte, mache Öffentlichkeitsarbeit und Führungen jeden Morgen um 10 Uhr für Touristen – außer montags, da ist frei”. Die Führungen


Leben machen ihm besonders viel Spaß – mit Menschen über die Natur ins Gespräch zu kommen, gefällt ihm. Das Schulfach Biologie habe ihm zwar immer Spaß gemacht, aber von Ornithologie habe er keine Ahnung gehabt. „Ich komme halt aus der Stadt und wollte mal etwas komplett Neues ausprobieren”. Vorher sei er zur Schule gegangen, habe bei seinen Eltern und Geschwistern gewohnt, und dann „ist man plötzlich ganz alleine, hat viel Verantwortung und muss selbstständig vieles organisieren”. Ungewohnt sei das gewesen am Anfang, aber „man wächst mit seinen Aufgaben und ich habe mich schnell daran gewöhnt.“ Seine Wohnung ist im Lotsenhaus auf der Lotseninsel. Dort ist er – zumindest im Winter – so gut wie alleine. Denn dann legen keine Segler mehr an, die „Giftbude”, die einzige Gastronomie auf der Insel, ist geschlossen und die Fähre, die sonst die Touristen bringt, fährt nicht mehr. Über eine schmale Landzunge kommt Jonas dann nur noch zu Fuß durch das Naturschutzgebiet zur Vogelwärterhütte und in den Ort. Auch seine Einkäufe muss er dann zu Fuß nach Hause bringen – rund drei bis vier Stunden braucht er dafür: „Ich genieße es, dass ich meine Ruhe habe, ich habe damit kein Problem. Und wer hat das schon – eine ganze Insel für sich allein? Da muss man sich halt selbst beschäftigen können.“

Text | Foto Simone Viere / Evangelische Zeitung

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Das Freiwillige Ökologische Jahr Koppelsberg in Schleswig-Holstein (FÖJ-Koppelsberg) ist einer von zwei Trägern in Schleswig-Holstein und hat Meer (Nordsee und Ostsee) & mehr (Binnengewässer und Bauernhöfe) zu bieten. Die Einsatzstellen liegen auf den Inseln, auf einem Schiff, an den Küsten von Nord- und Ostsee sowie in zahlreichen Einrichtungen von z.B. ANU, BUND, NABU, Kirche, Stiftungen und vielen anderen Umwelt-Bildungsträgern. Der Träger des FÖJ-Koppelsberg ist ein kirchlich geprägter Jugendverband mit vielen Kontakten und Projekten in Europa und darüber hinaus. Das Bewerbungsverfahren und weitere Informationen gibt’s unter www.oeko-jahr.de, www.jordsand.eu, www.lotseninsel.de und www.lighthouse-foundation.org.

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Leben

ES IST ÜBERFÜLLT, VIEL ZU LAUT UND ERST RECHT VIEL ZU DRECKIG. MAN TRINKT ZU VIEL, ERNÄHRT SICH SCHLECHT, SCHLÄFT ZU WENIG UND ES RIECHT STRENG.

ACH, FESTIVALS SIND WUNDERVOLL!

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acken ist seit einem Monat vorbei und ihr wollt wissen, wieso wir darüber berichten? Erstens: Es war so genial, wie können wir nicht darüber berichten! Zweitens: Wir haben so viele gute Bilder gemacht, die wir euch unbedingt zeigen wollen. Drittens: Nach Wacken ist vor Wacken – und das bedeutet, es ist immer eine gute Zeit, darüber zu berichten. Viertens und am wichtigsten: Wir haben eine angehende Verwaltungsfachangestellte begleitet, die im Rahmen ihrer Ausbildung auf dem Festival arbeitete. Und diese Geschichte habt ihr im Zusammenhang mit dem Metal-Festival noch nicht gelesen.


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Leben

Hanna rules Stellt euch vor: gefühlt das ganze Land samt eurer Freunde und Familie feiert – und ihr müsst arbeiten! Eigentlich eine Horrorvorstellung, aber weit gefehlt. Hanna Hesse ist im dritten Lehrjahr zur Verwaltungsfachangestellten beim Amt Schenefeld. Die gebürtige Wackerin tauschte für drei Tage das Amtszimmer mit der größten Heavy-Metal Bühne der Welt. Sie arbeitete auf W:O:A! Wie diese vermeintlich am weitesten voneinander entferntesten Dinge, sprich ein Heavy-Metal-Festival und ein Ordnungsamt zusammenpassen? Ganz einfach: Ohne Ordnung geht’s auch auf Wacken nicht.

Publikum. Nur selten kommt es zu unangenehmen Vorfällen, die bei ähnlichen Großveranstaltungen vorgekommen sind. Man nehme zum Beispiel das schreckliche Ende der Love-Parade in Duisburg 2010. Der reibungslose Ablauf hat aber nur bedingt etwas mit der Gutmütigkeit seiner Besucher zu tun. Hinter den Kulissen arbeiten über 500 Menschen, die es überhaupt möglich machen, diese Menschenmassen zu versorgen. Polizei, Zoll, Feuerwehr, Notärzte, Sanitäter, Security sorgen rund um die Uhr für die Sicherheit und den reibungslosen Ablauf des Festivals.

Der 1.800-Seelen-Ort Wacken ist das gesamte Jahr der Inbegriff der ländlichen Idylle inmitten von Schleswig-Holstein. Grüne Wiesen, weite Felder, grasende Kühe und Schafe prägen normalerweise das Bild des Ortes nahe Itzehoe. Doch ein Mal im Jahr, immer zum ersten Augustwochenende, pilgern über 75.000 „Metalheads“ in das Dörfchen und übersäen seine Äcker mit Zeltplätzen, Fressbuden, Containerduschen und Bühnen.

Aber zurück zu Hanna. Zu ihren Aufgaben gehört die Kontrolle der unzähligen Verkaufsstände. Neben Essen und Trinken werden auch viele Merchandise-Artikel und Wacken-Souvenirs an den Mann gebracht. Hanna schaut, ob alle die Vorgaben des Amtes erfüllen. Auch außerhalb des Festivalgeländes ist viel los. In jedem zweiten Vorgarten stehen Verkaufsbuden, bei Regen mit Gummistiefeln und Regenschirmen, bei Sonne mit Sonnenbrillen und Sonnencreme, bei jedem Wetter mit Bier, Kohle, Grillanzünder und Grillwurst. Auch diese müssen allesamt genehmigt werden.

Das W:O:A ist nach Angaben der Organisatoren das größte Heavy-Metal-Festival der Welt. Rund 120 Bands standen auf dem Programm. Musikalische Höhepunkte des Festivals waren in diesem Jahr die Auftritte von Rammstein, Deep Purple und Alice Cooper. Das Festival, welches in diesem Jahr zum 24. Mal stattfand, hat einen hervorragenden Ruf, das zeigt auch die hohe Akzeptanz bei den Anwohnern. Die Feierfreudigen gelten als friedliches

Und was sagt Hanna zu ihrem Einsatz auf W:O:A? „Ich kenne das Festival schon lange. Als Wackerin habe ich jedes Jahr freien Eintritt. Die Atmosphäre ist einfach gigantisch und die Leute sind einfach gut drauf. Nur die Musik ist nicht ganz die meine. Aber daran habe ich mich mit den Jahren gewöhnt.“

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Ăœbrigens: Das Festival fĂźr 2014 ist ausverkauft. In weniger als 48 Stunden wurden alle 75.000 Tickets unter die Metalheads gebracht.

Text Katharina Grzeca | Foto Teresa Horstmann

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Ein Interview mit Matthias Heinze, dem Gründer von Jimdo

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enn Startups Erfolg haben, beziehen sie gerne protzige Lofts aus Glas und Stahl und parken ihre nagelneuen Audis und BMWs auffällig vor der Haustür. Das Hamburger Startup Jimdo ist da anders. Die Firmenzentrale sitzt nicht in der teuren Hafencity, sondern in einem schlichten und unprätensiösen Fabrikgebäude in Hamburg-Altona und vor der Tür parken bloß Lieferfahrzeuge vom benachbarten Wein-Outlet. Dabei zählt Jimdo zu den weltweit führenden Anbietern von Website-Baukästen und beschäftigt 160 Mitarbeiter in Hamburg, San Francisco und Tokyo. Matthias, wenn man durch euer Büro geht, erinnert einen die Atmosphäre sehr an eine große WG. Es riecht nach Essen, Hunde rennen durch die Flure und es wird viel gelacht. So sind wir einfach (lacht). Viele Startups ähneln sich sehr und kopieren sich gegenseitig, wir dagegen gehen unseren eigenen Weg und gucken, was für uns funktioniert. Als wir 2007 angefangen haben, unseren Website-Baukasten zu entwickeln, haben wir uns nicht einen einzigen Wettbewerber angeschaut, sondern einfach das gemacht, wovon wir meinten, dass es für den Benutzer Sinn machen würde. Wir haben komplett bei Null angefangen und uns nicht fremde Denkmuster abgeguckt. Das Ergebnis war, dass wir weltweit der erste Baukasten mit einer sehr einfachen und klar strukturierten Benutzeroberfläche waren. Diese Herangehensweise ist untypisch für Deutschland. Hier plant man gerne alles durch und geht ungern ein Risiko ein. Das stimmt. Aber meine Mitgründer Fridtjof (Detzner) und Christian (Springub) hatten schon immer ein gesundes Selbstbewusstsein und Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Als die beiden noch zu Schulzeiten angefangen haben, Webseiten für Freunde und kleinere Unternehmen zu bauen, haben sie regelmäßig Aufträge angenommen, die für ihr damaliges Wissen zu schwer und kompliziert waren. Fridtjof und Christian dachten sich aber, dass sie das schon irgendwie hinkriegen. Sie wussten, dass etwas technisch machbar ist, aber nicht genau wie und haben sich dann die Lösung Schritt für Schritt selbst beigebracht. Man kann heute mit dem Programmieren von Webseiten noch viel Geld verdienen. Wie kommt man auf die Idee, einen Website-Baukasten zu entwickeln, mit dem jeder User seine eigene Homepage selbst bauen kann? Wir wollten eigentlich immer ein eigenes Produkt entwickeln und nicht bloß Webseiten für Unternehmen erstellen. Und als es damals mit dem Web 2.0 losging, sind viele Freunde auf uns zugekommen, die ihre eigenen Webseiten bauen wollten. So entstand Jimdo. Eine

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der ersten Seiten, die mit unserem Baukasten gebaut wurde, war ein Reisetagebuch von einem Freund, der zusammen mit zwei Kumpels von Kiel aus nach Sydney gesegelt ist. Er hat jeden Tag via Satellitentelefon Bilder und Geschichten von der Reise auf seiner Homepage gepostet. So konnten seine Eltern und Freunde immer hautnah erleben, was auf dem Segeltörn passiert ist. Wie seid ihr auf den Namen „Jimdo” gekommen? Wir wollten einen kurzen und einprägsamen Namen haben, der international funktioniert und keinen Schweinkram in irgendeiner Sprache bedeutet. Irgendwann kamen wir auf den Satz „Jim can do” und die Kurzform „Jimdo”. Alles andere war belegt oder hat sich komisch angehört. Mit dem Namen kann man viel falsch machen. Einer unserer Hauptwettbewerber aus den USA hat da einen Riesenbock geschossen: Er heißt „Wix” (lacht). Viele Startup-Gründer wollen schnell ganz viel Geld verdienen. Was motiviert euch, was treibt euch an? Wir drei sind überhaupt nicht geldgetrieben

und träumen auch nicht von einem teuren und extravaganten Lifestyle. Geld ist für uns nicht wirklich wichtig. Wir wollen ein innovatives, nachhaltiges und international führendes Unternehmen aufbauen. Das ist unsere Motivation. Als wir angefangen haben, dachten wir auch, dass es toll wäre, die Firma irgendwann mit Gewinn zu verkaufen oder einen großen Investor ins Boot zu holen. Mit der Zeit hat dieses Ziel aber seinen Reiz verloren. Diese Firma macht einfach zu viel Freude und wir


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wollen unsere ethischen Standards und unsere Unternehmenskultur nicht über Bord werfen, nur um profitabler zu werden oder Quartalszahlen zu erreichen. Ihr habt euren Website-Baukasten eine Zeit lang über den Internet-Provider 1&1 angeboten, die Kooperation aber schnell wieder beendet. Die Zusammenarbeit mit 1&1 war sehr lehrreich. Wir haben da gemerkt, wie wir nicht werden wollen. Wir legen sehr viel Wert auf das Produkt und eine gute Beziehung zu unseren Kunden und Mitarbeitern. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter lange und gerne bei uns arbeiten. Ein Laden wie 1&1 tickt da anders. Die können andere Sachen gut.

Man spürt in eurem Büro ein starkes Gemeinschaftsgefühl - fast wie auf einer Klassenreise. Ja, wir haben hier alle jeden Tag richtig viel Spaß und treiben Jimdo gemeinsam mit viel Herzblut voran. Unsere Jahresausflüge heißen übrigens auch “Klassenfahrten” (lacht). Wir haben einen Bauernhof in Cuxhaven, wo unsere Mitarbeiter für ein paar Tage hinfahren können, um dort in Ruhe an einzelnen Projekten zu arbeiten. Es gibt da keine Störfaktoren von außen, bloß ganz viel Natur. Wie stellt ihr sicher, dass die Leute, die ihr einstellt, auch wirklich zu euch passen? Wir überprüfen immer, ob ein Bewerber fachlich und auch kulturell zu uns passt. Wir lassen

Leute dafür immer einen Tag zur Probe arbeiten. Das ist für beide Seiten gut: der Bewerber lernt uns besser kennen und wir sehen, was er kann. Man erlebt da manchmal total positive Überraschungen. Am Ende entscheidet unser Bauchgefühl. Wenn wir uns nicht zu hundert Prozent sicher sind, stellen wir jemanden nicht ein. www.jimdo.com / www.3founders.com Jimdo bietet eine Ausbildung zum Fachinformatiker und Systemadministrator an. Bei Interesse könnt ihr einfach eine E-Mail an Fridtjof (fridtjof@jimdo.com) schicken. TEXT Slaven Marinovic FOTO Jimdo

Eine der ersten Seiten war das Reisetagebuch eines Freundes, der mit zwei Kumpels von Kiel nach Sydney gesegelt ist 73


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Interview mit Niels-Peter Jensen, ehemaliger Mountainbike-Profi & Gründer von Liberta Motorcycles

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iels-Peter Jensen alias NPJ ist ein Tausendsassa. Als Mountainbike-Profi war er Vizeweltmeister, Europameister, japanischer Meister und mehrfacher King of Freeride. Er hat mit seinem Fahrrad einen Bungeesprung vom 136 Meter hohen Hamburger Fernsehturm gemacht und ist einen aktiven Vulkan auf Bali heruntergefahren. NPJ war Werbepartner für McDonalds, Red Bull, Swatch, Nutella und Suzuki, er hat eine Sendung auf MTV moderiert und sogar sein eigenes Sony-Playstation Computerspiel („No Fear Downhill Mountainbiking“) produziert. Heute ist NPJ der kreative Kopf der Hamburger Firma Liberta Motorcycles, die Mopeds im Look der 1960er Jahre baut. Niels, erinnerst du dich noch, wie du zum Radfahren gekommen bist? Die Begeisterung für Fahrräder ist bei mir Anfang der 1980er Jahre aufgekommen, als ich „E.T.“ gesehen habe. In dem Film flieht eine Gruppe von Jugendlichen auf BMX-Rädern vor der Polizei und rettet so einen Außerirdischen. Mein Vater hat mir damals aus den Ver-

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einigten Staaten ein Original E.T. BMX-Rad mitgebracht, das vorne sogar einen Korb hatte – genauso wie in dem Film. Ich bin von da an 19 Jahre lang jeden Tag Fahrrad gefahren. Erst BMX-Räder und später dann Mountainbikes. Du hast in der Zeit an 600 Rennen teilgenommen und hast es ganze 487 Mal in die Top-3 geschafft. Wo stehen die ganzen Pokale? Du wirst es nicht glauben, aber ich habe fast alle Pokale gegen einen riesigen antiken Gartentisch eingetauscht (lacht). Ich bewahre zu Hause nur noch die 30 wichtigsten Trophäen auf. Du hast den Prototypen für Liberta selbst entworfen und zusammengebaut. Woher kommt deine Leidenschaft für das Schrauben? Mein Vater ist als Kapitän zur See gefahren und war relativ selten zu Hause. Meine Mutter hat außerdem nachts als Krankenschwester gearbeitet. Ich habe deshalb schon früh im Haushalt mitgeholfen und Arbeiten am Haus erledigt. Wir hatten in unserer Garage eine Werkbank und dort habe ich zusammen mit Nachbarskindern allen möglichen Schnickschnack gebaut, ein Floß, ein U-Boot und irgendwann auch ein Skateboard.

Du wurdest früh zur Selbstständigkeit erzogen. Ja, und irgendwie hat sich bei mir damals auch der komische Ehrgeiz entwickelt, dass ich besonders dann motiviert bin, wenn mir jemand sagt, dass etwas nicht machbar ist. Ich will dann alle Welt von dem Gegenteil überzeugen. Diese Eigenschaft hatte in vielen Situationen schon Vorteile, hat mir aber auch Probleme eingebrockt. Beim Mountainbiken wollte ich

Das ist ein Freiheitsgefühl wie auf einer echten Maschine z.B. immer der Erste sein, der irgendwo rüberspringt. Das hat oft gut geklappt, bei einem World Cup in Österreich ging aber einiges schief. Es gab da einen schwer einschätzbaren Hügel und ein französischer Profi und ich haben uns vor den anderen Fahrern darum gebattelt, wer als Erster da herunterfährt. Am


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Schluss bin ich als Erster losgefahren, allerdings viel zu schnell. Bei der Landung habe ich mir das Handgelenk, die Schulter, die Hüfte und sieben Rippen gebrochen. Und ich lag drei Wochen lang im Koma. Danach ich habe ich den Profisport an den Nagel gehängt. Wie bist du darauf gekommen, Mopeds im 1960er Retrolook zu bauen? Aus einer Laune heraus. Ich war mit Jared von der Bloodhound Gang und dem Schauspieler Oliver Korittke auf einer langweiligen Party in Berlin und da kamen wir auf den Gedanken, dass es doch toll wäre, gemeinsam eine Motorradtour von Hamburg nach Norwegen zu machen. Das Problem war aber, dass keiner von uns einen Motorradführerschein hat und auf eine Vespa wollten wir uns auch nicht setzen. Wir haben uns dann selbstständig Mopeds gebaut, die aussehen wie die Motorräder aus dem legendären Bikerfilm „Easy Rider“, die man aber mit einem normalen Autoführerschein fahren kann. Aus dieser Idee ist dann Liberta entstanden. Ja, mir ist irgendwann klar geworden, dass es ganz viele Leute gibt, die zwar keinen Motorradführerschein besitzen, aber trotzdem das Freiheitsgefühl wie auf einer echten Maschine erleben wollen. Die Freiheit, die man auf einem Motorrad erlebt, wenn man durch die Stadt oder über das Land cruist, ist einfach unbeschreiblich. Dazu passt auch unser Name. „Liberta“ ist das italienische Wort für „Freiheit“. Auf einer Liberta fühlt man sich wie auf einem richtigen Motorrad. Die Liberta hört sich an wie ein echtes Motorrad und ist für jeden zwischen 16 und 60 einfach zu len-

ken. Wir haben zwei Versionen im Angebot. Die kleinere Maschine hat 50 ccm Hubraum und kann mit jedem Autoführerschein gefahren werden, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde. Die größere Maschine hat 125 ccm Hubraum. Dafür braucht man entweder einen Motorradführerschein der Klasse A1 oder einen Autoführerschein, der vor dem 1. April 1980 ausgestellt wurde. Wo soll die Reise mit Liberta hingehen? Ich will die coolsten Mopeds auf diesem Planeten bauen. Und ich stelle mir vor, dass Liberta irgendwann im selben Atemzug genannt wird wie Vespa und dass es in ein paar Jahren normal ist, wenn man eine Liberta auf der Straße sieht. Ich weiß noch, wie vor zehn Jahren alle geguckt haben, wenn ein Smart auf der Strasse gefahren ist und heute ist es völlig normal. www.liberta-motorcycles.com www.facebook.com/LibertaMotorcycles Die Liberta Motorcycles Garage findet Ihr am Lohseplatz 2 in 20457 Hamburg. Die Garage ist wochentags von 12.00 – 19.00 Uhr und am Samstag von 12.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Wollt ihr eine Liberta testen? Dann meldet Euch unter 040/822 233 464 oder testride@libertamotorcycles. com für eine Probefahrt an.

TEXT Slaven Marinovic FOTO Niels-Peter Jensen

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Wie ein Braumeister zu einem der ältesten Handwerksberufe gekommen ist.

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ier wird in Deutschland seit dem Erlass des Reinheitsgebotes im Jahre 1516 ausschließlich aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser hergestellt. Der eigentliche Brauprozess ist seit fast 500 Jahren derselbe geblieben. Zwar helfen moderne Maschinen, doch auch die allerwichtigsten „Zutaten“ ist sind heute gleich: die Brauer, die modernes Wissen und Handwerkstraditionen kombinieren – und so ganz besondere Biere machen. Einer von ihnen: Werner Sauer, Privatbrauerei Sauer & Hartwig in Flensburg. „Ich bin über einen Bekannten dazu gekommen. Der hat mir damals empfohlen, etwas ‚Anständiges’ zu lernen, bevor ich studiere. Und dann habe ich mir seinen Rat zu Herzen genommen und habe zwei Jahre lang Brauer und Mälzer bei der Königsbacher Brauerei in Koblenz gelernt. Meine Entscheidung war genau richtig. Nachdem ich als Brauer und Mäl-

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zer angefangen habe, hat mir sehr gut gefallen, dass man aus nur vier Rohstoffen hervorragende Produkte machen kann. Nach Abschluss der Lehre und zwei weiteren Gesellenjahren, habe ich dann aber doch noch in Weihenstephan an der TU München studiert. In der Ausbildung lernst du neben der mathematisch-naturwissenschaftlichen Theorie vor allem die handwerklichen Fertigkeiten, um ein Bier zu brauen. Von der Pike auf. Die Malzherstellung, also der Vorgang wie aus Gerste Malz wird. Das Malz im Sudhaus mit Wasser zu mischen (das Maischen), mit Hopfen zu versetzen und daraus die diversen Biersorten zu brauen. Kurz: Gären, Lagern und Abfüllen – bis zum fertigen Fass beziehungsweise Flasche. Während meiner Ausbildung gehörte auch noch das Reinigen der Leitungen in der Gastronomie dazu. Also praktisch die Pflege vom Halm bis zum Glas. Die Braukunst ist in der


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Ich liebe es, aus nur vier Rohstoffen hervorragende Produkte zu machen Regel heute kein körperlicher Kraftakt mehr. Früher musste man dagegen die Fässer und Tanks noch von Hand reinigen. Das nannte man in der Fachsprache „pichen“. Die Tanks hatten – und haben – eine Beschichtung aus einer Wachs-Teer-Masse. Und die musste hin und wieder runtergekratzt und neu aufgebracht werden. Auch ich durfte während meiner Ausbildung mit Schrubber und Besen in die Tanks. Da wusste ich anschließend aber genau, was ich getan hatte. Damals wie heute zeichnet die Qualitätsarbeit der Brauer neben Fachwissen vor allem Hygiene und Sorgfalt aus. Um heute den ganzen komplexen Bereich vom Sudhaus bis zur Abfüllung komplett zu beherrschen, braucht man mehrere Jahre. Als ich gelernt habe, war das Berufsbild doch noch sehr handwerklich geprägt. Aber auch damals fing die Automation an und heute ist das Berufsbild des Brauers und Mälzers entsprechend geändert worden. Die heutigen Brauer und Mälzer kennen sich auch in den Bereichen

des Maschinen- und Anlagenbaus und der modernen Steuerungstechnik aus, weil gerade in den größeren Brauereien alles vollautomatisch abläuft. Darum haben viele Brauereien neben der großen Anlage noch eine kleine Versuchsoder Hausbrauerei, damit die handwerkliche Ausbildung nicht zu kurz kommt.

TEXT Katja Möller FOTO Sauer & Hartwig

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Der Poetry Slamer Tim Stafford im Interview

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iel. Er kommt aus Chicago, ist 34 Jahre alt und liebt mexikanisches Essen, aber in Deutschland kann er nicht genug von Bratwurst bekommen, sogar zum Frühstück. Tim Stafford hat sich 2003 dem Poetry Slam verschrieben und tourt seither in der ganzen Welt. Warst du schon einmal in Kiel? Und wie gefällt es dir? Ja, das war ich. Allerdings nur kurz. Aber es ist das erste Mal auf der Bühne. Kiel ist toll. In Chicago haben wir einen See, aber wenn ich hier zum Hafen gehe und die großen Schiffe fahren sehe, werde ich zum kleinen Jungen.

Als Kind wollte ich Stuntman, Archäologe oder Rockstar werden. Wie kamst du zum Poetry Slam? Ich habe schon immer viel gezeichnet. Ich war dabei meinen Weg zu finden, studierte auch Grafi k-Design, aber kurz vor Schluss hatte ich keine Lust mehr. Und dann lernte ich diese Poetry Slams kennen. Du arbeitest mit Marc Kelly Smith, dem Erfinder des Poetry Slams, in einer Gruppe. Wie ist das? Als ich damit anfing, wusste ich nicht, dass er der Erfinder ist. Das wurde mir bei einem

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Auftritt klar, als alle ins Schweigen verfielen, sobald sein Name fiel. Er ist eben auch nicht dieser Typ, der sich anbeten lässt. Marc ist witzig und sagt immer, dass wir ihn jung halten. Hast Du ein Idol? (überlegt) Ja, Kurt Vonnegut. Als Kind habe ich nicht wirklich gelesen. Doch seine Bücher haben so viel Humor und Satire. Sie haben mir gezeigt, dass Lesen wirklich Spaß machen kann.

Was wolltest du werden, als du ein Kind warst? Als erstes Stuntman, das war cool. Dann auch Archäologe, weil ich auf Dinosaurier stehe. Rockstar wäre auch gegangen. Was war dein peinlichster Moment als Slammer? Ich war auf einem Slam in Zürich. Es gab viele Runden und wir kamen gerade mit dem Flieger an. Als ich dann mein Solo machen sollte, kam


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mein Jetlag hoch. Ich hatte alles vergessen. Gerettet hat mich die Übersetzung auf Schweizer-Deutsch. Da stand das Wort Costa Rica zwischen all dem Schweizer-Deutsch. Da fiel es mir ein Glück wieder ein. Welchen Themen widmest du dich in Deinen Gedichten am liebsten? Ich mag lustige Themen. Ich schreibe mittlerweile auch viel über die Erfahrungen in meinem Klassenzimmer. Ich unterrichte nämlich.

Wie es war mit Heavy-Metal-Musik aufzuwachsen, ist ein Thema bei meinen Gedichten - und auch Skateboards. Was erwartest du von deinem Auftritt? Dass ich gewinne und mich das Publikum auf den Schultern durch die Straßen von Kiel trägt. TEXT Kim Schöffler / shz FOTO Tim Stafford

Ich schreibe viel über die Erfahrungen in meinem Klassenzimmer 79


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Die zweifache Wakeboardweltmeisterin Sophia Marie Reimers im Interview.

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No. 3 das Wasser gezogen zu werden und dabei die verrücktesten Tricks zu machen. Hattest du davor bereits eine Leidenschaft für Wassersportarten? Allerdings. Ich war Leistungsschwimmerin und habe 5-7 Tage in der Woche trainiert. Deswegen waren meine Eltern anfangs ein wenig schockiert, als ich komplett mit dem Schwimmen aufhören wollte um Wakeboard zu fahren. Wir haben allerdings einen guten Kompromiss gefunden: Ich habe mein Schwimmtraining reduziert und hatte genug Zeit für das Wakeboarding. Wie waren deine Anfänge bei dem Sport? In meiner ersten Saison bin ich noch viel ins Wasser gefallen. Ich musste mich erst an die verschiedenen Anlagen gewöhnen. Jede hat einen anderen Zug und eine andere Höhe. Man wird mit etwa 30 Km/h durch das Wasser gezogen und es braucht schon seine Kraft und Erfahrung, bis man alle Tricks auch stehen kann. Aber reinfallen gehört anfangs immer dazu. Du bist bei deinem ersten Wettkampf direkt auf das Siegerpodest gestiegen. Wie war das nach so kurzer Zeit möglich? Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und habe dafür auch wirklich hart trainiert. Von nix kommt nix. Ich habe ziemlich schnell mit den Inwerds, so nennt man die Airtricks, angefangen und sie so lange wiederholt, bis ich jeden stehen konnte. Bei den Sprüngen an den Hindernissen war es genau so. Am schlimmsten hat es mich bestimmt auf meiner ersten EM getroffen. Da bin ich zweimal im Finale reingefallen und ich hätte easy die Chance gehabt zu gewinnen. Da habe ich bestimmt zwei Tage geheult. Ich bin wirklich überehrgeizig. Wenn etwas nicht klappt, dann bin ich nicht sauer auf andere sondern auf mich selbst. Deswegen bin

ich vielleicht so weit gekommen. Im Moment ist es schon besser. Ich heule nicht mehr, wenn ich nicht gewinne, was zum Glück auch nicht so häufig vorkommt. Mann kann immer reinfallen, das ist einfach so. Und dein größter persönlicher Erfolg? Mein größter Erfolg ist es immer, einen neuen Trick zu stehen und dass ich immer noch gesund bin. Worauf ich auch besonders stolz bin ist meine Ma, die mich immer so toll unterstützt hat. Hätte sie das nicht gemacht, dann wäre ich jetzt nicht soweit, wie ich es bin. Sie hat immer hinter mir gestanden und auch viel investiert. Ich finde es einfach nicht selbstverständlich, wenn man hunderte von Euros zahlt, damit das Kind überall hinfahren kann. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Mittlerweile muss sie nicht mehr dafür zahlen, das machen nun meine Sponsoren. Aber soweit muss man es erst einmal schaffen. Also ist Wakeboarden dein Beruf? Im Moment ja. Ich bin sehr viel dafür unterwegs und fahre neben den Meisterschaften auch noch auf vielen anderen Events mit. Es macht unglaublich viel Spaß. Ich fahre für Liquid Force, O´Neil, Rixen Cableways und werde noch von den Wasserskianlagen in Jargel

Mein größter Erfolg ist es immer, einen neuen Trick zu stehen.

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ophia ist gerade einmal 20 Jahre alt und hat in ihrem Leben bereits sehr viel erreicht. Mit 14 Jahren hat sie mit dem Wakeboarden angefangen und ihren ersten Wettkampf, die Deutsche Meisterschaft, direkt gewonnen. Inzwischen ist sie fünffache Deutschland-, dreifache Europa- und zweifache Weltmeisterin und fährt im A-Kader für Deutschland. Wie bist du zum Wakeboarden gekommen? Durch eine Freundin. Sie hat mich zur Anlage mitgenommen und ich wurde sofort infi ziert. Ich war total mitgerissen und wollte sofort eine eigene Ausrüstung haben. Dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich. Mit dem Board durch

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SEP T EM BER 2013 und Damp sowie Hamburg und Pinneberg unterstützt. Das ermöglicht mir schon sehr viel. Was hat dir dabei am besten gefallen? Als ich letzten November bei der Weltmeisterschaft auf den Philippinen bei den Open Ladies den Titel geholt habe. Davor bin ich meistens nur bei den Junior Ladies gefahren. Ich bin ganze 6 Wochen dort geblieben und bin nach dem Tournier noch rumgereist. Das Land ist wunderschön und ich habe viele exotische Orte und Tiere gesehen. Das klingt nach einer Menge Spaß. Wie viel Arbeit steckt dahinter? Mehr als die meisten vermuten. Besonders bei den Meisterschaften ist der Erfolgsdruck sehr hoch. Schließlich fährt man dort für sein Land und möchte natürlich auch gewinnen. Mein Trainer und natürlich ich selbst möchten an meine vorhergegangenen Erfolge anknüpfen und diese auch übertreffen. Wir werden auch als Team bewertet und da möchte man seine Teammitglieder nicht enttäuschen. Man macht auch viel für die Sponsoren. Wenn ich unterwegs bin schreibe ich immer Berichte und schicke auch Bilder mit. Außerdem muss jedes Mitglied des A-Kaders immer seinen Aufenthaltsort angeben, falls eine unangekündigte Dopingkontrolle gemacht wird. Als Profisportlerin bewegt man sich auf einem anderen Niveau. Aber ich möchte gerade um nichts auf der Welt etwas anderes machen. Und man wird häufig interviewt. Ist das

Von nix kommt nix auch ein wenig lästig? Nein. Ich mache das sehr gerne. Es hilft mir, mich bekannter zu machen und was noch wichtiger ist, es pusht den Sport nach vorne. Und das ist immer gut. Du hat ja nun jeden Titel bekommen, denn man gewinnen kann. Was willst du noch erreichen? Ich hätte gerne ein eigenes Signitureboard. Ein Board also, bei dem ich den Shape und das Design selbst aussuchen kann. Ich möchte, dass die Menschen mein Board fahren. Optisch müsste es irgendwas mit Pink sein. Da bin ich ein richtiges Mädchen. Was machst du, wenn du nicht auf dem Wasser bist? Da es jetzt wieder wärmer ist, kommt es selten vor, dass ich nicht Wakeboard fahre. Aber ich bin gerade dabei, mein Abitur zu machen. Ich mache es per Fernstudium, weil ich es nicht

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schaffe, auf eine normale Schule zu gehen. Dafür bin ich zu oft unterwegs. Ich bin im September fertig und werde dann eine Ausbildung anfangen. Leider ist der Sport noch nicht so weit, dass ich nur davon leben könnte. Im Moment reicht mir das aus. Aber wenn ich eine eigene Wohnung haben wollte, dann verdiene ich mit den Preisgeldern nicht genug. Wir Frauen bekommen auch weniger Preisgeld als die Männer. Hast du Tipps für Anfänger? Viel Ehrgeiz, Ausdauervermögen und Spaß an dem Ganzen. Man darf nicht gleich aufgeben, wenn es nicht beim ersten Mal funktionieret, sondern dranbleiben und es locker nehmen. Es

macht ja superviel Spaß. Wer noch nie Wakeboard gefahren ist, sollte mit Wasserski anfangen. Man hat auf den beiden Skiern mehr Gleichgewicht und man fährt ein oder zwei Runden um ein Gefühl für die Anlage zu bekommen. Dann stellt man sich auf das Wakeboard, da braucht man mehr Balance. Das schwierigste bei Anfängern ist der Start. Man braucht viel Körperspannung und ist in der Hocke, es ist nicht ganz leicht. Aber es ist noch kein Meister von Himmel gefallen.

TEXT Katharina Grzeca


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Illustration Sonja Klements, Sally Elena Milota, Annemarie Sauerbier

29, 25813 Husum Fotografie + 3Neustadt iTunes Karten à 15 € Tel.: (04841) 66 83 991 Jonas Wölk, Teresa Horstmann, Udo Zilm, E-Mail: redaktion@brand2media.de Dr. Claudia Kleimann-Bahlke, Julia Eickmeyer, Sönke Dwenger, Joachim Weding, Kim Schöffler + 3www.me2be.de Jugend-Knigge für Berufsstarter www.facebook.com/me2bemag ME2BE JOB.BOX im App Store und bei Google play

Titelbild Teresa Horstmann

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Schulbetreuung Kerrin Petersen Vertrieb Kerrin Petersen E-Mail: kerrin.petersen@brand2media.de Druck westermann druck GmbH Georg-Westermann-Allee 66, 38104 Braunschweig © 2013 für alle Beiträge BRAND PUBLISHERS GmbH & Co. KG ME2BE, HIERGEBLIEBEN und THE NØRD TIMES werden kostenlos an Schulen verteilt. Nachdruck, Aufnahme in Onlinediensten und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern jeglicher Art – auch auszugsweise – nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlages. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Videos, und übernimmt keinerlei Haftung für die Richtigkeit der jeweiligen Anbieter. Anzeigenpreise auf

DEINE MISSION: Textredaktion Tina Denecken, Katharina Grzeca, Anzeigenverkauf JOB.BOX downloaden, in der App „England-Praktikum“ Dr. Claudia Kleimann-Balke, Slaven Marinovic, BRAND2MEDIA GmbH & Co. KG Malz, KatjaInfos Möller, finden Kim Schöffler, Feldscheide 24814 Sehestedt mit Jule weiteren und das nächste Level 2,entern Joachim Welding, Lara Felsch, Andrea Stange – good luck! Anzeigenleitung/Verlagsmanagment Schulredaktion Tina Denecken

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Onlineredaktion Büroleitung Teilnahmebedingungen: Lars Schwauna Antje Kelz, 04841-66 83 991Der Gewinner wird nach Abschluss des Gewinnspieles ermitMitmachen kann jeder, der im Zeitraum der Reise 16 - 20 Jahre altTelefon und EU-Bürger ist. E-Mail: antje.kelz@brand2media.de telt und per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, ebenso eine Barauszahlung des Gewinns. Teilnahmeschluss: 15.10.2013


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Auch in diesem Jahr verlosen die Volksbanken Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein über 300 mit neun Bällen gefüllte Ballsäcke. Bewerben können sich interessierte Schüler, Lehrer und Sportvereine vom 12. August bis 30. September 2013 über das Internet unter www.vr-sh.de und in allen Geschäftsstellen der Volksbanken Raiffeisenbanken. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgerufen zu zeigen, warum gerade ihre Schule oder ihr Sportverein einen Ballsack gewinnen soll. Die witzigsten und tollsten Texte gewinnen. Weitere Informationen erhalten Sie in den Volksbanken Raiffeisenbanken vor Ort und unter: www.vr-sh.de

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei. ce: Zweite C han

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* Jeder Spielteilnehmer auf Facebook erhält die Chance auf den Gewinn von 100,– Euro. Das Los entscheidet. Der Betrag wird an die durch den Gewinner bzw. seine Erziehungsberechtigten festgelegte Schule oder den festgelegten Sportverein im Land Schleswig-Holstein ausgezahlt.

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