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Inhalt Seite 002

Einleitung

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Zeitplan

Seite 010 - 028

Recherche

Seite 030

Konzept

Seite 032 - 043

Sketches

Seite 044 - 055

3D Sketches

Seite 058 - 063

Die Lehne

Seite 064 - 067

Zwischenstand

Seite 076 - 085

Detail LĂśsungen

Seite 086 - 095

Lehne & Sitzfläche

Seite 096 - 099

Test-Sitzen

Seite 100 - 133

Prototypenbau

Seite 134 - 145

Das Finale Design

Seite 148 - 157

Produktfotos

Seite 158 - 159

Shaker Legacy

Seite 162 - 163

Formales

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Einleitung In meiner Diplomarbeit werde ich das Thema “Shaker-Möbel Legacy” behandeln. Was ist die Philosophie hinter den ShakerMöbeln? Was bewegte die Shaker zu ihren gestalterischen Lösungen? Welche Lösungen gab es und wie wurden diese eingesetzt? Inwieweit beeinnusste die Funktion das Design? Welchen Einnuss hatte der hohe Grad an Innovation der Shaker auf ihre Umwelt? Im Laufe meiner Diplomarbeit werde ich mich zunächst durch eine designhistorische Recherche mit dem historischen Aspekt der Shaker-Möbel beschäftigen und Fragen, wie zum Beispiel den obrigen, auf den Grund gehen. Hierbei werde ich mich der gestalterischen Lösung der Möbel selbst widmen, aber auch den damaligen Umgang der Shaker mit technischer Innovation, das Nutzen von örtlichen Materialien und natürlich der Produktion der Möbel

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Wie kann die Philosophie hinter den Shaker-Möbeln in der heutigen Welt nützlich angewandt werden? Diese Frage werde ich im Hauptteil meiner Diplomarbeit klären. Ich werde das im ersten Teil erworbene Wissen nutzen und klären inwiefern die Philosophie der Shaker-Möbel verfolgt werden und durch diese eine neue und zeitgemäße und funktionale Version der Shaker als Design-Konzept entstehen kann. Den Schwerpunkt meiner Diplom-Arbeit wird die Designkonzeption und Design- ausarbeitung sein, aus welcher als Resultat eine funktionale Möbel-Produktfamilie entstehen wird. Über die erabeitung von verschiedenen Varianten werde ich den Entwurf bis zum nalen Ergebnis weiterentwickeln. Um an dieses Ziel zu gelangen, werde ich mit den, für den Designprozess üblichen Mitteln arbeiten, zum Beispiel Moodboards / Skizzen / Illustrator /Photoshop / Rhino / 3D Studio Max / Mock-Ups und Vormodelle. Der Finale Entwurf wird anhand eines Designmodelles bzw. eines Designprototypen präsentieren.


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“Don't make something unless it is both necessary and useful; but if it is both necessary and useful, don't hesitate to make it beautiful.� - Shaker Dictum

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Wie kann die Philosophie der Shaker in der heutigen Welt n端tzlich angewandt werden? Um diese Frage zu beantworten muss erst klar werden was die gestalterische Philosophie der Shaker 端berhaupt ist.

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Was ist die Philosophie der Shaker? Die Philosophie der Shaker ist in erster Linie eine Philosophie der Priorisierung. Hierbei ist die höchste Priorität die Notwendigkeit und die Nützlichkeit eines Produktes. Sind diese beiden Punkte erreicht, so sollte das Produkt gut gestaltet sein und durch diese durchdachte Gestaltung Schönheit ausdrücken. Zudem kann die Philosophie der Shaker durch das Streben nach Fortschritt durch: Innovation, Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, Form Follows Function und Prozessoptimierung beschrieben werden. Alle diese Punkte fügen sich nahltos zur Philosophie der Shaker zusammen. Wie die Shaker arbeiteten, wie sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Materialien umgingen, ihre Produkte durchdachten und diese optimierten um ihr Leben mit diesen zu verbessern.

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Innovation Die Shaker haben stetig versucht durch Innovation die Produkte, mit denen sie sich umgeben haben, zu optimieren. So entstand z.B. der berühmte Chair Tilter, eine einfache Vorrichtung, die das “Kippeln” mit dem Stuhl ermöglicht ohne die hinteren Beine zu sehr zu belasten, oder diese gar zu zerbrechen. Die wohl bekannteste Innovation der Shaker ist die Shaker Leiste. Eine einfache aber brilliante Erfindung, die zum Symbol für die Shaker geworden ist und auch deren Philosophie perfekt ausdrückt. Die Shaker Leiste war in allen Häusern der Shaker zu finden - eine einfache Holzleiste, in regelmäßigen Abständen mit Holzstiften re versehen, an denen zum Beispiel bei der Reinigung der Räume Stühle gehängt wurden um diese ohne großen Aufwand aus dem Weg zu schaffen. Oder auch um Dinge wie Uhren oder Regale an die Wand zu hängen und später dessen Standort einfach zu ändern.

Die Shaker waren die erste Holzverarbeitende Gruppe, die zur schnellen und präziesen Verwertung von Holz auf eine Kreissäge zurückgriffen. Trotz des großen Strebens nach Fortschritt haben die Shaker zum Bau ihrer Möbel fast ausschließlich auf den Werkstoff Holz verwendet und hierbei auch nur lokal zu beziehendes Holz Wert gelegt. Andere Erfindungen der Shaker waren unter anderem: Flatbroom, Kreissäge, Chimney Cap, Revolving Oven, Heurechenn

Es wurden Innovationen, die nur kleine Arbeitsschritte erleichterten, wie das Entkernen eines Apfels, bis hin zu einem riesigen Maßstab, wie der Viehhaltung und somit der Gestaltung einer ganzen Scheune getätigt.

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Prozessoptimierung Da die Shaker vor allem am perfekten Nutzen eines Objektes interessiert waren, traf dieses für sie auch für die Prozesse zu, mit denen sie sich täglich beschäftigen mussten. Dieser Drang nach der perfekten Ausarbeitung von Prozessen führte zu den meisten Innovationen der Shaker. Diese Tatsache war nicht nur bei der Optimierung des Baus der Shaker Möbel der Fall, bei dem vor allem die Einführung der Kreissäge ausschlaggebend war, sondern bei vielen anderen Tätigkeiten. Nehmen wir zum Beispiel das Backen eines Apfelkuchens. Hier wurde sowohl der Apfelentkerner zum schnellen Verarbeiten der Äpfel erfunden als auch der berühmte R evolving Oven. In diesem konnten weit mehr Kuchen gleichzeitig gebacken werden als in den zu der Zeit gängigen Öfen. Eine weitere, einen simplen Prozess optimierende Innovation, ist der Besen wie wir ihn heute kennen. Für Jahrhunderte bestand ein Besen aus grob zusammen gebundenen feinen Ästen oder Getreidehalmen, die Shaker aber erfanden eine Maschine, welche die Halme flachdrückte und zusammennähte. So wurde erreicht, dass mit der

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gleichen Menge an Halmen, die für einen normalen Besen verwendet wurde, eine breitere Fläche erschaffen wurde, die somit auch einen größeren Bereich des Bodens reinigen konnte und mit der man auch in die Ecken von Räumen kam. Das macht diese Erfindung zur wohl bekanntesten der Shaker. Zudem waren die Shaker die ersten Amerikaner, die ihre Kleidung in Waschmaschinen wuschen. Ihre Waschmaschine war mit großer Sicherheit nicht die erste Amerikanische Waschmaschine, jedoch die erste, die in kommzerzieller Produktion hergestellt wurde. In Sachen Möbelherstellung optimierten die Shaker ihre Arbeitsschritte so weit, dass sie großen Erfolg mit der schnellen Fertigung, wie zum Beispiel des “Ladder Back Chairs” erzielen konnten. Auch im alltäglichen Umgang mit den von ihnen gestalteten Möbelstücken wurden Prozesse optimiert. So waren Tische klappbar oder hatten Rollen zum schnellen Beiseiteräumen. Nicht zu vergessen ist der extrem hohe Nutzen der Shaker Leiste in diesem Zusammenhang.


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Langlebigkeit “When the elements of the right wood, strong design and sound construction come together, the results are subtle yet lasting.” - Shaker Dictum Durch ihr exzellentes Wissen über Holz und wie dieses am optimalsten verarbeitet wird haben die Shaker eine extreme Langlebigkeit ihrer Möbel erreichen können. Diese Langlebigkeit wurde vor allem dadurch erreicht, gezielt die verschiedensten Holzarten dort einzusetzen, wo ihre Attribute am besten passten. So wurden spezifische Hölzer besonders eingesetzt wo sie eine hohe Resistenz gegen Stöße aufweisen mussten oder auch besonders flexibel sein sollten, um zum Beispiel das Ze brechen eines Stuhlbeines zu verhindern. Ein weiterer Grund, warum Shaker Möbel so lange überlebt haben, ist das Können und Wissen der Shaker im Umgang mit den von ihnen verwendeten Hölzern. Somit haben sie zum Beispiel Rahmen- und Panelkonstruktionen anstatt Plattenbau an Schränken verwendet. Wenn sie Moldings gebaut haben, haben sie die Gehrungsfuge

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geklebt und den Rest zur zusätzlichen Stabilität vernagelt. Ein weiteres Beispiel sind schwebende Schubladenböden und genügend Abstand zum Möbel. So wurde eine ausgezeichnete Langlebigkeit der Möbel erreicht, ohne das Holz durch Hitze oder chemische Hilfe jeglicher Art zu bearbeiten.

“Craft each piece as if you had as long as 1000 years and as little as one day to do it” - Mother Ann Lee Diese Aussage kann so gedeutet werden, dass man sich Zeit nehmen soll um ein Möbelstück so sorgfälltig zu bauen, damit es 1000 Jahre lang hält, aber gleichzeitig so effizent sein sollte es in einem Tag schaffen zu können.


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Form Follows Function Für die Shaker ruhte gutes Design vollkommen auf Nützlichkeit. “That which in itself has the highest use, possesses the greatest beauty.” - Shaker Diktum Dieses Shaker Sprichwort fasst deren handwerkliche Grundhaltung perfekt zusammen - und das so gut wie ein Jahrhundert bevor das Bauhaus oder Frank Lloyd Wright ihre Lehren über Funktionalismus verfasst haben. Den Shakerm war bewusst, dass ein Tisch nicht mit Zierkanten und Löwenbeinen versehen werden musste. “Ein Tisch benötigt nur Beine und eine Tischplatte, intelligent gestaltet und stabil konstruiert.” Die Shaker verwarfen Jahrhunderte des Überflüssigen um das Essentielle an Möbeln zu offenbaren. So sind sich Designer und Möbelhistoriker einig, dass der Shaker Stil den Vorreiter der Moderne darstellt.

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Nachhaltigkeit Zur Nachhaltigkeit tragen bei den Shaker Möbeln viele einzelne Punkte bei. Zunächst wäre da der Punkt des Holzleichtbaues. Hierbei wurde bei jeder Gelegenheit an Holz gespart. Es wurde ein leichtes und stabiles Design angestrebt, ohne die Funktion zu beeinflussen. Ein perfektes Beispiel zur Holzleichtbauweise der Shaker ist der Tripod Stand. Bei jenem wurde eine auf der Drehbank hergestellte Mittelsäule verwendet, in die drei Beine verankert wurden. Wie hier bei einer der ersten Versionen zu sehen, wurden diese drei Beine auch gedreht.

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Als Weiteres hat das Nutzen von hauptsächlich lokal zu findenden Hölzern erheblich zur Nachhaltigkeit der Shaker Möbel beigetragen. So verwendeten die Shaker der Region von Maine und New Hampshire vorzugsweise Pinie, Birke, Ahorn, Kirsche und Esche. Im Gegensatz dazu nutzen die Shaker aus New York und Connecticut vor allem Walnuss, Eiche und Kastanie. Das Nutzen dieser lokalen Materialien war logistisch perfekt. Es musste keinerlei Geld für die Anlieferung exotischer Hölzer aufgebracht werden und die Shaker hatten diese Hölzer immer zur Verfügung. Somit konnten jederzeit direkt an der Quelle Nachschub bekommen, was wiederum Zeit sparte.

War ein Möbelstück nach langer Zeit doch einmal beschädigt oder besonders abgenutzt, machten es sich die Shaker zur Aufgabe diese zu recyclen und für einen neuen Nutzen aufzuwerten. Hatte zum Beispiel ein Schrank im unteren Bereich viele Beschädigungen oder war er verschmutzt, so wurde das Holz hier restauriert und der Schrank dann umgedreht, mit der noch unberührten Seite nach unten. Zum Teil wurden auch Teile von Möbeln ausgetauscht, um diese wieder im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Dieses “Recycling” der Shaker Möbel machte es möglich, dass sie besonders lange im Einsatz waren und selten ganz neu ersetzt werden mussten.

Die Shaker schreckten bei der Verarbeitung dieser Hölzer auch nicht vor der Verwendung vieler verschiedener Hölzer an ihren Möbelstücken zurück. So kam es vor, dass bis zu fünf verschiedene Holzarten an einem Möbelstück zu finden waren, jedes nach einem bestimmten Sinn, für eine bestimmte Aufgabe ausgewählt. Einmal sollte das Holz zum Beispiel besonders weich sein, an einer anderen Stelle besonders biegsam oder belastbar. Die Verwendung derart vieler Holzarten erlaubte den Shakern auch ihre Möbel zu verzieren, ohne sie mit unnützer Ornamentierung zu entstellen.

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Shaker Ansätze noch einmal in der Übersicht

Shaker Ansätze in einem Möbelstück vereint?

Langlebigkeit

Wie können die Ansätze der Shaker Philosophien in einem Möbelstück vereint werden? Hierzu stellte ich mir folgende Fragen, die auch dazu führen sollten herauszufinden, welches Möbelstück es sein könnte.

Nachhaltigkeit Streben nach Innovation Form Follows Function Prozessoptimierung

Welches Möbelstück kann Nutzen und Schönheit perfekt vereinen und somit die Philosophien der Shaker verkörpern? Welches Möbelstück ist aus dem Alltag nicht wegzudenken? Mit welchem Möbelstück verbringen wir die meiste Zeit? Bei den Shakern war Spaß an der Arbeit wichtig, mit welchem Möbelstück also ist der durchschnittliche Mensch bei der Arbeit hauptsächlich in Kontakt? Welche der Shaker-Möbel sind bis heute unWe vergessen? Welches Möbelstück verlangt handwerkliches Können auf dem Level der Shaker?

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Möbelstück auf dem Mond?

Warum ein Stuhl?

Durch eine einfache Frage, gestellt von Herrn Prof. Kurt Mehnert konnte ich mich näher an die Auswahl des richtigen Möbelstücks annähern: Welches Möbelstück würden verschiedene Menschen am liebsten mit auf den Mond nehmen, wenn sie sich für eines entscheiden müssten?

Warum können die Shaker Philosophien anhand eines Stuhls am besten interpretiert werden?

Ich habe dies eine große Bandbreite an Leuten gefragt, von Studenten bis Senioren und Kindern. Hier war die Antwort eindeutig.

Neben dem Bett war der Stuhl das “Lieblingsmöbelstück” Nummer 1, von dem sich der Mensch nicht trennen möchte! So diente diese abstrakte Frage dem Zweck, das lieblings Möbel des Menschen durch einen etwas anderen Ansatz zu finden.

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In einem Stuhl können die Ansätze der Shaker am besten vereint werden, denn bei einem Stuhl steht die Funktion im Vordergrund. Er muss zunächst einen Menschen tragen, bevor die Gestaltung in Betracht gezogen wird. Um Funktion und Gestaltung perfekt miteinander verschmelzen zu lassen, verlangt der Bau eines Stuhls ein hohes Maß an Verständnis für das zu verarbeitende Material, in diesem Fall Holz. Zudem sollte ein entsprechendes Können im Umgang mit Holz vorhanden sein, um dieses Wissen perfekt in den Bau eines Stuhls mit einfließen zu lassen. Je besser ein Stuhl bedacht ist, desto weniger Teile kommen zum Einsatz, das heisst das jedes dieser Teile in seiner Verarbeitung um so genauer und durchdachter sein muss. So kann im Bau und der Gestaltung eines Stuhles das Verständnis der Shaker über Holz und dessen Verarbeitung in seiner gesamten Bandbreite wiedergegeben werden. Zudem muss in der Gestaltung weitaus mehr bedacht werden als beim Design eines anderen Möbelstückes.

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Wie könnten die Shaker Ansätze in einem Stuhl vereint werden? Um die Philosophien der Shaker in einem Stuhl aufleben zu lassen, könnten folgende Eigenschaften im Stuhl eingebracht werden. Klarer Nutzen Harmonität der Materialien “Recycling” von Einzelteilen, einfacher Austausch von Teilen Lokale Herstellung Nutzung lokaler Materialien (Hölzer) Möglichst einfache Herstellung, um Fertigung in lokalen Betrieben zu ermöglichen Klare Darstellung der Funktionen Optimierung der Prozesse im Bau des Stuhls

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Lokale Herstellung? Ist es möglich den Stuhl in kleineren, lokalen Betrieben, ausschließlich mit lokal zu findenden Hölzern herzustellen? Um den Stuhl von kleineren Betrieben, weit weg von der Massenfertigung herstellen zu können, muss die Gestaltung perfekt auf die Möglichkeiten dieser kleinen holzverarbeitenden Unternehmen abgestimmt werden. Dieses Ziel kann erreicht werden, in dem auf komplizierte Herstellungsverfahren, Formen oder zeitaufwändige Lösungen verzichtet wird. Die einzelnen Bauteile des Stuhles sollten so optimiert werden, dass diese mit für Tischlereibetriebe typische Maschinen hergestellt werden können. Arbeitsschritte sollten optimiert werden um ein mit den jeweiligen Gegebenheiten schnelles Fertigen der Bauteile zu ermöglichen. Das heisst, der Stuhl sollte aus möglichst wenigen und einfach herzustellenden Bauteilen bestehen.

Es muss eine Balance zwischen Design und optimaler Nutzung der örtlichen Gegebenheiten entstehen.

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Wie sieht so ein Unternehmen aus? Wie sieht so ein “lokales” Unternehmen aus? Was für Möglichkeiten bietet es für die Herstellung? Um zu erfahren welche Möglichkeiten ein kleineres Unternehmen bietet, habe ich verschiedene Betriebe aufgesucht und Interviews geführt. Hier nun eines dieser Interviews, mit der Chefin des Betriebes, der mir auf Grund seines einzigartigen Charmes direkt für dieses Projekt geeignet schien. Welche Möglichkeiten der Verarbeitung haben Sie? Wir haben, um die Typischen zu nennen, Sägen, Fräsen, eine Formatkreissäge, eine Tischfräse, eine Drechselbank (Handdrechselbank) und eine Bandsäge. Haben sie sich selbst bei der Möbelherstellung persönliche Arbeitsabläufe optimiert? Ja definititv, so baue ich Vorrichtungen aus Holz um verschiedene Schritte zu vereinfachen, sie zu optimieren und zu beschleunigen. Woher beziehen Sie Ihre Hölzer? Aus einem Sägewerk in der Nähe, circa 3km von unserer Werkstatt entfernt.

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Welche Hölzer können aus der näheren Umgebung bezogen werden?

Ist die Herstellung von handgefertigten Möbelstücken (noch/wieder) rentabel?

Hier wachsen Hölzer wie Eiche, Birke, Buche, verschiedene Nadelhölzer, Kirsche, Pappel und Esche. Der Teutoburger Wald dient hier als große Basis für den Bezug dieser Hölzer, dort werden sie auch entsprechend wieder aufgeforstet.

Ja, natürlich. Menschen möchten Individualität, Qualität und sind wieder bereit mehr dafür zu bezahlen.

Wie bewusst setzen Sie die Hölzer ein, die Ihnen zur Verfügung stehen?

Ja, das wäre er definitiv.

Sehr bewusst, außer der Kunde verlangt nach ausschließlich einem spezifischen Holz. Bauen Sie ihre Möbel mit dem Gedanken später spezifische Teile wieder erneuern zu können? Unterschiedlich, je nach Möbelstück und Preisklasse. Einzelteile wie Türen usw sind immer ersetzbar. Da arbeiten wir entgegen der Massenfertigung, bei der alles fixiert und nicht austauschbar ist. Denken Sie an Nachhaltigkeit? Ja, wir benutzen zur Herstellung unserer Möbel bevorzugt die hier zu findenden Hölzer und verzichten auf Hölzer wie Tropenhölzer hinter denen neben schlechten Dingen wie die sinnlose Abholzungen auch noch ein riesiger logistischer Aufwand steckt. Zudem verwenden wir keine chemischen Lacke oder Sonstiges um das Holz der Produkte zu versiegeln.

Also wäre ein Markt für einen lokal gefertigten Stuhl dieser Art vorhanden?


Details zum Unternehmen Werkstatt für Gestaltung Dellbrüge, Tischlerbetrieb seit 4 Generationen. Das unternehmen wurde im Jahre 1840 gegründet. Zunächst als Stellmacher, welche Räder, Gestelle und weitere Teile für, in der Landwirtschaft verwendete, Wagen hergestellt haben. 100 Jahre später ließ sich dann der Meister im Jahr 1950 als Tischler umschulen, da diese mehr benötigt wurden als die Stellmacher, welche durch den Umschwung auf motorisierte Traktoren immer weniger gebraucht wurden. Die heutige Chefin des Betriebes war die erste in der langen Tradition, die von Beginn an als Tischler ausgebildet wurde. Von diesem Zeitpunkt an wurden vielerlei Produkte gefertigt. Von per Hand hergestelltem Holzspielzeug für Kinder, über Fenster und Türen, bis zur Produktion von Möbeln.

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Shaker vs Deutsche Tischler Um zu sehen wie die Shaker im 18. Jahrhundert und die Tischler im heutigen Deutschland an den Umgang mit Holz herangegangen sind, habe ich mir angeschaut wie beide zum Beispiel Verbindungen oder weitere Einzelheiten gebaut haben. Durch diese Recherche konnte ich sehen, welche Mรถglichkeiten ich habe meinen Stuhl sinnvoll zu konstruieren.

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Das Konzept Gestaltung eines, auf die Fertigung in kleinen mittelständischen Tischlereibetrieben optimierten, Stuhles. Unter Berücksichtigung der für die Shaker typischen Philosophien zur Gestaltung eines Möbelstückes. Anhand dieses Konzeptes bin ich nun in die Gestaltung des Stuhles gegangen. Mit weiteren kleinen Recherchen und des eigentliches Designes

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Sketches Um f端r mich eine grobe Richtung zu finden, in die ich formal mit dem Design des Stuhles gehen wollte, habe ich zun辰chst schnelle Sketches gemacht. Unter diesen Sketches fanden sich dann Schl端sselsketches, Ideen die ich als umsetzungs w端rdig gesehen habe. Anhand dieser Sketches wurden dann von mir schnelle 3D Sketches konstruiert oder auch Mock-Ups aus Pappe gebaut.

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Schl端sselskizze / Konstruktion aus flachen Teilen

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Schl端sselskizze / Konstruktion aus Lamellen

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Schl端sselskizze / Konstruktion aus flachen Teilen als X

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Schl端sselskizze / Konstruktion mit gedrechselten Beinen

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Schl체sselskizze / Form der Sitzfl채che und Lehne

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Schl端sselskizze / Konstruktion mit X und gedrechselten Beinen

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Notizen über Durchschnittsmaße bei Stühlen

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3D Sketches Nachdem ich die ersten Ideen anhand von Sketches aufs Papier gebracht hatte, habe ich im Anschluss meine Schlüsselskizzen 3D konstruiert. Aus diesen schnellen Sketches habe ich wiederum einige ausgewählt um diese näher zu verfolgen, eventuell Details auszuprobieren und eine Übersicht über meine besten Lösungen zu haben.

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Holz Mock-Up einer Lamelle, zur Maß - Überprüfung

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Details Nachdem ich die ersten groben Ideen anhand von Sketches auf das Papier gebracht hatte, habe ich im Anschluss meine Schlüsselskizzen 3D konstruiert. Aus diesen schnellen Sketches habe ich wiederum einige ausgewählt um diese näher zu verfolgen, eventuell Details auszuprobieren und eine Übersicht über meine besten Lösungen zu haben.

Details für Querschnitt gerader Beine nach Holz Mock-Up

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Erste Tests am Modell f체r Kreuz Winkel und L채nge

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Ă„nderung der Richtung Wechsel von kantig zu rund. Nach einigen Varianten wurde mir Folgendes bewusst: sobald ich anfing Details an "eckigen" Beinen zu gestalten verloren diese automatisch ihr von mir gewĂźnschtes zeitloses Aussehen. So fing ich an mehr mit runden Beinen zu experimentieren, da diese meiner Meinung nach eine zeitlosere Erscheinung haben.

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Erster Test der anhand der Skizzen erforschten Lehne

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Schwebend Zunächst wollte ich in meiner Gestaltung einen “schwebenden” Charakter für die Sitzfläche gewinnen. Dadurch entstand ein mittleres Kreuz, dessen Schenkel nach einer kurzen und geraden Strecke nach unten zeigten. So konnte zudem zusätzlich Stabilität für das Untergestell gewonnen werden. Da sich nun, auf Grund des Winkels, unter Belastung, das Kreuz in Richtung der Beine schiebt und de Stand des Stuhls sich so verfestigt. Folge des nach unten geneigten Kreuzes ist, dass die Sitzfläche etwas von den Beinen entfernt ist und somit über ihnen “schwebt”.

Die schwebende Lösung der Sitzfläche gab nach reiflichen Überlegungen jedoch keinen Sinn. Die Sitzfläche würde nur in der Mitte aufliegen. Sobald diese auf der vorderen Kante belastet werden würde, würde die Sitzfläche in der Mitte hohen Kräften ausgesetzt werden und könnte unter Umständen dann sogar nachgeben und brechen.

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Festigkeit Um optimale Festigkeit der Sitzfläche zu erlangen, habe ich diese durchbrochen. Würde die Sitzfläche von den Beinen und sowohl der Lehne durchbrochen werden, würde diese an diesen Punkten gehalten und aufliegen. Bei dieser Version hätte die Sitzfläche fünf Auflagepunkte. Sie könnte bei unregelmäßiger Belastung nicht weichen und wäre immer gekontert. Das Durchstoßen der Sitzfläche durch die Drechselteile der Lehne wurde allerdings wenig später aus ästhetischen Gründen verworfen. Die Sitzfläche wurde so optisch zu lang und wirkte zu plump.

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Die Lehne Angepasst an den Körper Während meiner Skizzenphase skizzierte ich eine Lehne, die den Rücken des Menschen perfekt aufnimmt, nur durch wenige “Knicke” in der Gestaltung. Der Rücken würde anliegen und durch die beiden äußeren “Flügel” mittig platziert werden. Das gleiche Prinzip könnte bei der Sitzfläche angewandt werden. Somit würde der Stuhl den Sitzenden “aufnehmen”.

Fertiggungstechnisch waren ein Mittelteil und zwei Flügel zunächst die optimalste Lösung. Eine organische aber doch minimalistische Form war so gewährleistet. Der technische Aufwand, um die Lehne und Sitzfläche herzustellen, würde so gering gehalten werden. Winkel könnten durch einfache Schnitte gefertigt werden und auf Formholz kann vollkommen verzichtet werden.

Durch diese Überlegungen könnten, wie durch das Konzept vorgesehen, eine große Bandbreite an Unternehmen die Sitzfläche und die Lehne fertigen.

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Winkel an den Kanten der Lehne diesen als optische Verkleinerung


Tests für Größe, Ergonomie und Ästhetik von Lehne / Sitzfläche

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Vergleich der Proportionen anhand von anderen St端hlen

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Test: Ist angeschr채gt bequemer als gerade?

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Zwischenstand Nach den Experimenten am Holz, Pappe und der Entwicklung im CAD hatte ich ein Design, das nun die Basis für weitere Fortschritte liefern konnte. Das Design des Stuhls bestand zu diesem Zeitpunkt aus sechs gedrechselten Teilen, dem Kreuz in der Mitte und den Teilen der Rückenlehne und der Sitzfläche. Folgende Details waren ausgearbeitet: Die Sitzfläche sollte von in den Beinen verankerten Zylindern durchstoßen werden, so würde die Sitzfläche vorn an zwei Punkten gehalten werden und zudem wäre sie fest auf der Oberkannte der Beine aufliegen. Die Rückenlehne liegt in Fräsungen in den zwei hinteren Drechselteilen auf. Die Lehne würde mit jeweils zwei Dübeln an diesen befestigt werden. Die Drechselteile schließen bündig mit der Oberkante der Rückenlehne ab, so werden die vorderen Kreise der Sitzfläche an der oberen Kante des Stuhles wieder aufgenommen. In der Lehne befindet sich ein Griff in Form eines Holz Inlays, dieses dient zum ersten den Stuhl bequem tragen zu können und zum zweiten dem optischen “aufgreifen” der sichtbaren Kreise der durchstoßenen Sitzfläche.

Schrägen an Sitzfläche und Rückenlehne verkleinert optisch die großen Flächen beider. Die Füße des Stuhls sind optisch vom Rest der Beine getrennt, denn sie sollten durch ihre Funktionen als abgesetztes Teil erscheinen. Die Füße sollten abnehmbar und

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auswechselbar sein, so dass sie je nach Art des Bodens anpassbar sind. Das heisst bei einem weichen Boden könnte spezielle Füße mit Filz angebaut werden, oder Holzfüße bei Fliesen-, Teppich- oder Hartholzboden. Alle Bauteile des Stuhls waren bereits so optimiert, dass sie von den örtlichen Gegebenheiten von mittelständischen Tischlereibetrieben gefertigt werden könnten.


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Mock-Up Bau: Das Gestell Um die Stabilität und den Aufbau des Stuhlgestelles zu überprüfen, habe ich nun ein Mock-Up gebaut, an welchem ich verschiedene Fragen klären konnte. Weitere Fragen, die ich mir durch das Mock-Up erhoffte, waren neben der allgemeinen Stabilität auch Fragen zu den von mir vorgesehenen Verbindungen, Material Stärken, wie zum Beispiel die des Kreuzes, die ich genau überprüfen wollte.

Zudem galt es fertigungsbedingte Fragen, wie das Fräsen der Nut zur Verbindung von Bein und Kreuz, zu klären. Natürlich sollte das Mock-Up auch zur Überprüfung der Proportionen dienen. Später sollte es dann als eine weitere Plattform zum Testen des Sitzkomforts bereit stehen.

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Fazit Durch die Erfahrungen mit dem Bau des Gestell Mock-Ups, konnte ich mich nun den Details der Gestaltung des Stuhlgestells widmen. Hier waren mir vor Allem die Verbindungen der Beine mit dem Kreuz wichtig, denn diese würden später das Gewicht des Sitzenden zu tragen haben. Natürlich beriet ich mich stetig mit meinem Unternehmspartner über technische und statische Fragen und die späteren Umsetzungsmöglichkeiten der Bauteile.

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Detail Lösungen Durch die Erfahrungen mit dem Bau des Gestell Mock-Ups, konnte ich nun in die Detailgestaltung des Gestells gehen. Hier waren vor allem die Verbindungen der Beine mit dem Kreuz wichtig, denn diese würden später das Gewicht des Sitzenden tragen. Während der Entwicklung dieser Verbindung habe ich stetig mit meinem Unternehmespartner Rücksprache gehalten, um direkt Feedback über meine Vorstellungen zu bekommen und die Konstruktion entsprechend dieser Erfahrungen anzupassen.

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Dübel vs Feder Das Verbinden von Bauteilen per Dübel oder Feder lag bereits durch meine Recherche der Holzbauprinzipien der Shaker und Tischler auf der Hand und ich konnte das Dübeln in meinen Experimenten nachvollziehen. Nun hieß es jedoch diese beiden Techniken gegeneinander abzuwägen, um so die sinnvollere Lösung der beiden zu finden. Der Dübel verlangt schon in der Vorbereitung große Präzision, was nur wenig Raum für eventuelle kleinere Ungenauigkeiten lässt, die im Bereich der Holzverarbeitung per Hand durchaus auftreten können. Die Bauteile müssen von Anfang an genau aufeinander abgerichtet sein, damit die Bohrungen für die Dübel perfekt aufeinander passen. Ist dies nicht so, wird die Verbindung schief und hat nicht die gewünschte Festigkeit.

Durch diese präzise Fassung liefern Dübel allerdings eine sehr feste Verbindung. In meinem Design hatte ich vorgesehen, die Dübel durch die Beine / Lehne durchstoßen zu lassen. Dies ist rein ästhetisch sehr wirkungsvoll, in Sachen Fertigung macht es allerdings wenig Sinn, denn die Dübel müssten auf der Seite, an der sie sichtbar sind präzise an die Rundung der gedrechselten Teile angepasst werden. Dieses würde somit bei

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vielen Dübeln eine enorme Zeitspanne der Produktion umfassen.

Die Voraussetzungen für eine funktionale und feste Verbindung durch eine Feder ist weniger von diesem hohen Maß an Präzision geprägt. Die Grundlage hier liefert eine Nut, welche über die gesamte Spanne der Verbindung läuft. Diese Nut ist sehr schnell gefräst und bietet trotzdem die entsprechende Präzision. Das Gegenstück zu dieser Nut ist die Feder, welche ebenfalls schnell gefertigt werden kann.

Die Feder liefert durch ihre großflächige Verbindung zwischen Kreuz und Bein / Lehne extrem viel Fläche für Kontakt und Leim. Da diese spezielle Verbindung ein statisch wichtiges Teil mit sich liefert, überschreitet sie die Stabilität der Dübel Verbindung.

Fazit ist also, dass die Benutzung von Nut und Feder sowohl in der Statik des Stuhles, als auch in der fertigungsbedingten Hinsicht besser als die Dübel Verbindung ist. Demzufolge habe ich die weitere Gestaltung der Konstruktion des Stuhlgestelles auf die Nutzung von Nut und Dübel abgestimmt.


Die Feder Die Feder war nun die von mir gewählte Art um die verschiedenen Teile meines Stuhls sicher miteinander zu verbinden. Sie kann nun je nach Wunsch aus dem perfekten Holz für das jeweilig verwendete “Hauptholz” des Stuhls angefertigt werden. Für das im Mock-Up von mir verwendete Holz für das Kreuz würden nun 6mm starke Federn genutzt werden, welche in eine ebenso breite Nut gesteckt und dann verleimt werden. Die Seite der Feder,die den Drechselteilen, wie zum Beispiel der Lehne zugewandt ist, ist entsprechend an die Winkel / Form des Kreuz-Endes angepasst. Auf die Gründe für diese spezielle Konstruktion werde ich später noch näher eingehen.

Die Feder liefert nun entsprechende Stabilität der Verbindungen, sowohl für eine ausgelichene Statik als auch für den festen Stand des Stuhls.

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Das Kreuz Das wichtigste Bauteil - der Mittelpunkt des Stuhls Das Kreuz, als zentraler aber einfacher Bestandteil des Stuhls, erfüllt viele Zwecke. In ihm sind die Beine, die Lehne und die Sitzfläche verbunden, so dass es Kontakt mit jedem Bauteil des Stuhles hat.

Das Kreuz ist aus zwei Teilen gefertigt und hält sich selbst, es werden also keine zusätzlichen Teile benötigt um diese Basis des Stuhl zu fixieren. Zudem besteht es aus zwei identischen Teilen, dies ist in der Fertigung äußerst praktisch, da bis zu dem Punkt, an dem die mittige Steckverbindung hergestellt werden muss, nur ein Bauteil gefertigt werden muss. Es sind zur weiteren Vereinfachung keinerlei Fräsungen, außer der Nut, für die Feder vorhanden. So kann eine Seite des Kreuzes mit Hilfe einer Kreissäge einfach aus dem vollen Holz gewonnen werden. Durch die Verwendung des Ho vollen Holzes hat das Kreuz eine optimale Festigkeit und Belastbarkeit, da vollkommen auf Leim oder sonstige Verbindungen verzichtet werden kann.

Die geschnittenen Winkel an den Enden jedes Kreuzschenkels dienen zwei Zwecken. Sie erleichtern die Fertigung der Beine, da diese innen nicht extra winkelig gefräst werden müssen, sondern einfach eingespannt und gefräst werden können. Diesen Schritt machen die Schrägen am Kreuz überflüssig, da diese einfach gesägt werden können und dann den Beinen den entsprechenden Winkel vorgeben.

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Steck-, und Leimverbindung der Kreuz Teile. Schenkel / Federn

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Detail der Verbindung zwischen Kreuz und vorderem Bein

Vom Kreuz zum Bein Die Fräsung des Beines nimmt passgenau das gesamte Ende eines Kreuzarmes auf. Zusammen mit der Feder wird jedes Ende des Kreuzes direkt in das Stuhlbein gesteckt. Gestärkt wird diese Verbindung durch die zusätzliche Fläche der Feder. Die Fräsung ist so angelegt dass sie ohne großen Aufwand gefertigt werden kann. Das Drechselteil muss nur gerade eingespannt werden, so wird dann zunächst die 17mm breite Fräsung vorgenommen, anschließend die 6mm breite Fräsung für das korrekte Einstecken der Feder in das Drechselteil.

Die Fräsung ist bei den Drechselteilen für die Lehne, den Beinen hinten und den Beinen vorne genau gleich und kann immer gleich angelegt und gefräst werden. Somit würden pro Stuhl zunächst sechs identische Drehteile angefertigt werden, in die dann sechs identische Fräsungen kommen. Ein weiteres Detail, welches ich nach Versuchen am Mock-Up des Gestells testen konnte war der Treffpunkt vom Kreuz auf Lehne und Bein. Zunächst hatte ich das Bein unterhalb von Kreuz und Lehne angesetzt, nun laufen Bein und Lehne mittig in der Achse des Kreuzes zusammen. So können diese drei Bauteile direkt miteineinder verbunden werden und stützen einander ab.

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Detail der Verbindung zwischen Kreuz hinterem Bein und Lehne

Der mittig gesetzte Schnitt fixiert Bein, Lehne & Kreuz perfekt

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Montage aller Verbindungen an eine Seite des Kreuzes.

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Alle Leim-, und DĂźbel Verbindungen im Ăœberblick

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Lehne und Sitzfläche Um die Gestaltung der Rückenlehne und der Sitzfläche weiter voran zu treiben, baute ich erneut Mock-Ups aus Holz um meine Lösungen aus dem CAD zu überprüfen und zu einer optimalen Lösung zu kommen. Desweiteren würden diese Mock-Ups dazu dienen, vor dem finalen Design, das zum Prototypen Bau führen sollte, Dinge wie die Sitzhöhe, Bequemlichkeit und kleinere Details, wie Radien und Winkel am Holz selbst zu testen und zu bestätigen.

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Fazit Der Bau der Rückenlehne und der Sitzfläche aus Holz erwies sich erneut als aufschlussreich. Die Änderungen führten zu weiteren kleinen Änderungen, wie zum Beispiel die Radien an den Seiten. An der Rückenlehne konnte ich die Größe des Griffen mit verschiedenen Probanden testen und mich ebenso davon überzeugen ob der Griff einfach zu fertigen ist.

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Test-Sitzen! Nachdem ich nun die Form und die technischen Einzelheiten der Sitzfläche und der Rückenlehne beim Mock-Up Bau weiter entwickelt hatte, musste jetzt das Sitzen selbst getestet werden. Für diesen Test war das bloße Zusammenstecken der Komponenten genug, um bequem Platz zu nehmen. Diese Erkenntnis zeigte mir, dass die Konstruktion mehr als genügend Stabilität aufweisen würde, sobald alle Bauteile des Stuhls präzise gebaut und fest miteinander verbunden sein würden. Ich konnte ebenfalls die Länge der Sitzfläche testen. Als Ergebnis wurde sie noch um 20mm verlängert. Das Sitzen war angenehm und die Beine lagen in einem guten Winkel auf der Sitzfläche auf. Die Konstruktion des Stuhl Mock-Ups trug ohne Probleme das Gewicht eines großen Probanden und das Sitzen erwies sich als komfortabel. Für große wie auch kleine Probanden. Der Griff in der Lehne war für einfaches tragen in der richigen Höhe und der Stuhl war angenehm zu tragen.

Die Höhe und die Form der Rückenlehne erwies sich als korrekt gestaltet und ergonomisch gut, denn sie legte sich bequem an den Rücken an.

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Prototypenbau Nach allen in der Werkstatt der Universität ausgeßbten Tests und der daraus resultierenden Ausarbeitung des Entwurfs ging es nun in mein Partnerunternehmen um einen Prototype des Stuhls zu bauen. Dieser Prototyp sollte ein letzter Schritt sein um weitere kleine Änderungen vorzunehmen und den Stuhl so auf die Produktion einer kleinen Serie vorzubereitenn

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Zuschnitt des Holzes in sechs Teile pro Sitzfl채chenseite

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Fein gehobelte Teile, bereit zum verleimen


Verleimen der Teile f체r Sitzfl채che und R체ckenlehne

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Zuschnitt der Teile f체r das Kreuz des Stuhles

Einschnitt in das Kreuz, f체r die sp채tere Steckverbindung

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Vorrichtung für das präzise Bohren der Drechselteile

Fest eingespannt können die Teile nun gebohrt werden

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Halterung f端r das korrekte Ausrichten des Beines

Schnitt am Drechselteil. Nun ist es ein hinteres Bein.

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Ein erstes Stecken der einzelnen Komponenten

Anpassung der Federn an der hinteren Seite des Stuhls

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Hobeln der Sitzflächen für spätere gerade Ausrichtung

Vorrichtung für das abtragen der Schräge im Hobel

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Einschieben der Vorrichtung mit Bauteil in den Hobel

Pr채zise abgehobelter Winkel der Sitzfl채che / R체ckenlehne

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Präzises Zuschneiden der Sitzfläche / Rückenlehnen Teile

Stecktest für das spätere Verleimen der Lamellos

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Fr채sen der Slots f체r die Verbindung via Lamello

Stecktest f체r das sp채tere Verleimen der Lamellos

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Vorrichtung für das Anlegen und Fräsen der Sitzfläche

Fräsen der Rundung an der Sitzfläche mit der Vorrichtung

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Beide Teile der Sitzfl채chen mit gefr채sten Radien

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4 Hälten für die Rückenlehne gewonne aus 2 Sitzflächen

Rückenlehnenhälfte im Einheitsteil zum Fräsen der Radien

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Schneiden der Schräge an die Rückenlehnenhäflte

Fräsen der Radien an die Rückenlehnenhäflte


Die R체ckenlehne, noch ohne Fr채sung f체r den Griff

Nun werden Lamello-Slots in die Lehne gefr채st

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Die Vorrichtung f체r das Fr채sen der Schr채ge, nun zum Schleifen

Schleifen eines Sitzfl채chen Teils an der SChleifmaschine

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2 Kreuz-Schenkel werden gleichzeitig geschliffen


Oberfl채chenarbeit an einem Schenkel des Stuhl-Kreuzes

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Einschlagen der mit Leim eingestrichenen Lamellos

Verleimen beider Sitzfl채chen-Elemente

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Anzeichnen des Griffes f체r sp채teres Fr채sen

Verleimen der 2 Teile der R체ckenlehne

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Ausstechen der Form f체r das sp채tere Einstecken des Kreuzes

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Oberfl채chenbearbeitung an der R체ckenlehne

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Erstes Zusammenstecken aller Stuhlkomponenten

Verbindungen werden ausgiebig 端berpr端ft

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Verleimen und Fixieren des Stuhlkreuzes

Einsatz und Leimen der Federverbindungen

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Sicheres Anbringen der Klemmen f端r eine saubere Verbindung

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Verleimen der R端ckenlehne mit den 2 Drechselteilen

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Testen der Tonit채t der Holzbeize an einem Musterteil

Beizen mit der R체ckenlehne mit wasserbasierender Beize

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Fazit Im Prototypenbau wurden erneut viele Erfahrungen für die eventuelle spätere Umsetzung des Stuhls mit einem Tischlereibetrieb gewonnen. Ich hatte einen Umfangreichen Eindruck in die Vorgänge des Möbelbaus in einem mittelständischen Betrieb. So konnte der Prototyp so gebaut werden, dass er das Endergebnis meiner Diplomarbeit darstellte, bereit für den Schritt in die Produktion einer Kleinserie durch den Betrieb.

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Das Finale Design Der Bau des Prototypen brachte ein Design hervor, welches nun für eine Kleinserie ausgereift war. Die Basis für die Fertigung in einem kleinen Betrieb liegt darin, die Gestaltung an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Somit wird der Stuhl nun aus 3 Basis Komponenten konstruiert: Einem Drechselteil für Beine und Lehne, eine Leiste für das Kreuz und eine S eite der Sitzfläche, die dann später so zerlegt werden kann, dass die zwei Seiten der Rückenlehne daraus entstehen.

Weitere Details in der Präsentation und finalen Doku.

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Das Kreuz Die Fertigung des Kreuzes ist schnell und vor allem unkompliziert. Das Kreuz wird aus zwei ineinander steckbaren Leisten konstruiert. Diese Leisten sind wie die anderen Teile des Stuhls am Anfang noch gleich. Zunächst wird eine Eichenholzleiste von 17mm Tiefe aus dem vollen Holz geschnitten. Diese wird dann winkelig mit der Aussparung für die spätere Steckverbindung versehen. Dann werden die Schrägen geschnitten, die den Winkel für die Beine und die Rückenlehne vorgeben. Nun wird jedes Ende der Kreuzschenkel noch mit einer Federnut versehen und die Bauteile für das Kreuz sind nach einer kurzen Oberflächenbearbeitung bereit zum Ineinanderstecken und Verleimen. Der Feinschliff der Kreuzschenkel wird mit Hilfe der selben Vorrichtung getätigt, in der zuvor auch die Sitzflächen- und die Rücklehnenteile geschliffen wurden. So konnte diese Vorrichtung zum Hobeln und Schleifen aller flachen, im Stuhl verwendeten, Teile eingesetzt werden.

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Das Drechselteil Aus einem genormten Drechselteil werden alle Beine und die Stützteile der Rückenlehne gefertigt. Zur Herstellung von Bein und Lehne werden zunächst sechs identische Drechselteile aus Eiche gefertigt. Dieses Bauteil dient nun als Grundlage für die zwei vorderen Beine, die zwei hinteren Beine und die zur Lehne laufenden Teile. Das Normteil wird nach dem Drechseln in eine Vorrichtung eingespannt, die das Bein exakt und horizontal hält. Somit können die Fräsungen für das Einstecken von Kreuz und Feder schnell und präzise erledigt werden. Die Vorrichtung wurde aus Holz konstruiert, es ist also kein teurer Werkzeugbau aus Metall nötig. Me

Die Fräsung in dem Drechselteil ist für alle späteren Teile gleich. Nun werden die Komponenten für den hinteren Teil des Stuhls in eine Vorrichtung eingespannt, die die Bauteile so hält, dass mit der Kreissäge, der für die spätere Konstruktion richtige Winkel von den Teilen abgeschnitten werden kann. Nun sind bereits alle fertigungstechnischen Schritte für die Drechselteile abgeschlossen.

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Sitz und Lehne Um die Sitzfläche und die Rückenlehne zu fertigen, ist nur ein Basisteil nötig. Dieses Bauteil ist aus drei 24mm starken Eichenleisten verleimt. Nachdem das Teil entsprechend vorbereitet wurde, wird es in eine Vorrichtung gelegt, um es auf einer Seite auf 14mm zu reduzieren. So wird die Schräge der Lehne und Sitzfläche gefertigt. Der Winkel, der später den Winkel der zwei Seiten der Sitzfläche und der Rückenlehne zueinander bestimmt, kann einfach am Abrichter gefräst werden. Nun kann entschieden werden ob das Bauteil für die Lehne oder die Sitzfläche bestimmt ist. Für den Sitz bleibt es in einem Stück, für die Lehne wird es in der Mitte getrennt um dann die zwei spiegelgleichen Teile zu bekommen. An alle Bauteile wird anschließend nun die gleiche Schräge geschnitten. Diese Schräge bringt mehr Dynamik in das Bild des Stuhls. Alle Hälften werden nun in die Vorrichtung für das Fräsen der Rundungen gelegt. Diese Vorrichtung kann für die Bauteile der Sitzfläche als auch der Rückenlehne benutzt werden weil beide den gleichen Winkel an den Seiten aufweisen. So wird nur eine Vorrichtung benötigt. Sie ist ebenfalls aus Holz,

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um dem Betrieb hohe Kosten für ein Metallwerkzeug zu ersparen. Für die Oberflächenbearbeitung werden Lehnen- oder Sitzflächenteile in die Vorrichtung gelegt, die zuvor für das Hobeln der Schräge verwendet wurde, um diese dann an der Schleifmaschine präzise horizontal auszurichten.

So kann eine einzige Vorrichtung für zwei Fertigungsschritte genutzt werden. Nach diesen Schritten können die zwei Hälften der Sitzfläche verleimt werden. In die Hälften der Rückenlehne wird nun noch der Griff gefräst, dann kann diese auch verleimt und gefinished werden.


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Auf den Leim Beim Zusammenbauen des Stuhls werden alle Komponenten ineinander gesteckt und verleimt. Der Stuhl hält nur durch seine eigenen Steckverbindungen, Federn aus Holz und Leim, es werden keine Metallteile oder Schrauben benötigt. Das heisst, es sind keine Mittel nötig, die der Fertigungsbetrieb nicht selber herstellen könnte. Zunächst wird das Gestell des Stuhls verleimt. Erst das Kreuz, dann die Beine gefolgt von den Bauteilen der Lehne. Später werden dann Sitzfläche und Rückenlehne aufgesetzt und ebenfalls durch Leim verbunden. Die Leimflächen sind so aufeinander ausgerichtet, dass maximale Verbindungsfestigkeit erreicht werden kann.

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Die Oberfläche Nach dem Feinschliff wird gebeizt. Wurde die Oberfläche durch das grobe und das feine Schleifen behandelt, kann gebeizt werden. Es werden für farbliche Akzente, sowie für das klare Finish des Stuhls ausschließlich wasserlösliche, biologische Beize und Lacke verwendet. Diese Finishes werden zum Beispiel bei der farblichen Verzierung von Kinderspielzeug verwendet und in Deutschland streng kontrolliert. Nachdem die Teile des Stuhls einmal gebeizt wurden, werden sie noch einmal fein abgeschliffen, denn die Feuchtigkeit der Beize rauht das Holz erneut auf. Es wird also zweimal gebeizt und dann lackiert. Ein weiterer Vorteil der wasserbasierenden Beize ist, dass das bereits gebeizte Holz ohne Probleme verleimt werden kann, denn die Beize beinhaltet keine Mittel, die den Leim beeinflussen könnten. So ist es möglich alle Komponenten zu beizen, um sie anschließend zu verleimen.

Dadurch muss der Tischler nicht den Stuhl verleimen und dann aufwendig abkleben, um die einzelnen Teile sauber zu Beizen. Dies erspart Zeit und somit Geld.

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“If it is not useful or necessary, free yourself from imagining that you need to make it. If it is useful and necessary, free yourself from imagining that you need to enhance it by adding what is not an integral part of its usefulness or necessity. And finally: If it is both useful and necessary and you can recognize and eliminate what is not essential, then go ahead and make it as beautifully as you can.� - Shaker Dictum

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Shaker Legacy? Inwiefern spiegelt der Stuhl nun die Philosophien der Shaker-Möbel wider? Die Ansätze der Shaker werden in mehreren Punkten aufgegriffen. Als erstes wäre die Simplizität zu betrachten, welche unter anderem eine Folge aus der Optimierung der Fertigung ist. Zudem wurden im Gestaltungs-Prozess sehr viele Details wieder verworfen, da sie für die Funktion des Stuhls unnütz waren. Somit hat der Stuhl nicht viele kleine “Gimmiks” sondern eine schlichte aber wohl durchdachte Erscheinung. Der Schwerpunkt wurde auf die Arbeit mit der Oberfläche und den von Grund auf nötigen Teilen gelegt, wie die Shaker es zu ihrer Zeit getan hätten. Langlebigkeit wird durch erstklassigen handwerklichen Umgang mit dem verwendeten Holz erreicht, welches ausschließlich Massivholz für die höchst mögliche Qualität des Stuhls ist. Durch das Verwenden von nur in der Umgebung zu beziehendes Holz ist ein großer Punkt für die Nachhaltigkeit des Stuhls. Hinzu kommt die Verwendung von natürlichen, wasserlöslichen Farben für ein umweltfreundliches Finish des Stuhls.

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“Beauty rests on utility.” - Shaker Dictum

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Quellenverzeichnis: Seite 003: Library of Congress / http://www.loc.gov/ Seite 007: Library of Congress / http://www.loc.gov/ Seite 009: Library of Congress / http://www.loc.gov/ Seite 010: http://shakerworkshops.com

Ich versichere an Eides Statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbst채ndig und ohne fremde Hilfe verfasst habe. Ich habe nur die angegebenen Quellen benutzt. Ich versichere, dass ich dieses Diplomarbeitsthema bisher weder im In- oder Ausland einem Begutachter oder einer Begutachterin in irgendeiner Form als Pr체fungsarbeit vorgelegt habe.

Seite 013: Library of Congress / http://www.loc.gov/ Seite 015: Library of Congress / http://www.loc.gov/ Seite 018: Shaker Legacy / Buch Seite 021: Shaker Legacy / Buch http://bauhausfactory.com http://youaretheriver.com http://shakerworkshops.com Seite 029: Shaker Legacy / Buch Seite 157: Library of Congress / http://www.loc.gov/

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Essen den, 13.03.2012


Vielen Dank! F端r die Unterst端tzung an: Christin Krause, Birgit Amhoff, Ute Dellbr端gge und Marcelino Cardoso

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Diplom Shaker  

Von Lars Amhoff

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