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microNews

Hochschule Luzern - Wirtschaft

Trendwende bei Offshoring Seit 2001 führt die Hochschule Luzern – Wirtschaft, in Zusammenarbeit mit dem Fraunho­ fer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe, eine dreijährliche Erhebung zu Produkt- und Prozessinnovationen bei Schweizer Industrie-Unternehmen (Verarbeiten­ des Gewerbe/Herstellung von Waren) durch. Basierend auf der aktuellen Datenbasis der Erhebung ‚European Manufacturing Survey – Schweiz 2012‘ werden wiederum zu verschie­ denen Themen-Schwerpunkten praxisorientierte Studien erstellt.

Ein Thema, das in Zusammenhang mit der globalen Finanzkrise, der daraus re­ sultierenden Erhöhung des Schweizer Frankens und dessen Auswirkungen auf die Exportindustrie sowie den Denk- und Werkplatz Schweiz interessiert, ist die Entwicklung der Verlagerung von Teilen der Produktion und/oder Forschung und Entwicklung an ausländische Standorte. Im Rahmen der Erhebung 2012 wurden Schweizer Industriefirmen u.a. wiederum nach ihren Verlagerungsaktivitäten be­ fragt. Wie die Zeitreihenanalyse über die letzten zwölf Jahre zeigt, hat sich die Zahl der Betriebe, die Teile der Produktion an eigene oder fremde Standorte im Ausland auslagerten, zwischen 2003 und 2009 um rund einen Drittel reduziert, seit 2009 je­ doch wieder leicht zugenommen (Abb.1).

Diese Trendwende hebt sich von der bisher vergleichbaren Entwicklung in Deutschland ab, wo eine weitere Abnah­ me stattfand. Betrachtet man die Verlage­ rungsdaten differenzierter so zeigt sich, neben dieser Trendwende gegenüber den Vorjahren, auch eine wesentlich stärkere Ausprägung bei Unternehmen mit 200 und mehr Mitarbeitenden. Diese grösse­ ren Unternehmen sind grossmehrheitlich in ausländischen Märkten tätig und haben bereits Niederlassungen oder Zulieferer im Ausland. Dadurch ist eine zusätzliche Auslagerung von einzelnen Produktions­ linien mit relativ geringem Aufwand mög­ lich. Dies wird auch durch die Zunahme des Verlagerungsmotivs «Nähe zu bereits verlagerter Produktion» (Abb.2) bestätigt. Entsprechend hat sich der Anteil an Pro­

25%

20%

15%

10%

5%

0%

1999–2001

2002–2003

2004–2006

Auslagerung MEM-Industrie Auslagerung Gesamt-Industrie

2007–2009

2010–2012

Rückverlagerung MEM-Industrie Rückverlagerung Gesamt-Industrie

Abb.1: Trend Produktions-Verlagerungen Schweizer Industrie-Unternehmen (ab 20 MA) Quelle: European Manufacturing Survey – Schweiz

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duktionsauslagerungen bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitenden, zwi­ schen 2010 und 2012 um 6 Prozentpunkte (von 32% auf 38%) erhöht. Unter Berück­ sichtigung der betroffenen Arbeitsplätze ist dies eine beachtenswerte Grösse. Wie die Antworten auf die Frage nach den Gründen/Motiven der Auslagerungen zei­ gen, ist die Trendwende vor allem auf die Personalkosten zurückzuführen, welche von den befragten Betrieben mit Abstand am häufigsten genannt wurden (Abb.2). Während 2003 die Personalkosten sowie die Erschliessung neuer Märkte relevan­ te Motive für die Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland waren, redu­ zierten sich seit 2003 die Kostennachteile des Schweizer Produktionsstandortes vor allem auch aufgrund der dynamischeren Kostenentwicklung in den Offshore-Län­ dern. So wurden bei der Erhebung im 2. Quartal 2009, also noch vor dem jüngsten Aufwertungsschub des Schweizer Fran­ kens, die Personalkosten noch mit 62 Prozent der befragten Firmen als Auslö­ ser für den Schritt ins Ausland genannt. 2012 nannten jedoch mit 84 Prozent signi­ fikant mehr Betriebe die Personalkosten als Grund für die Verlagerung von Teilen der Produktion. Andere Gründe, wie die Nähe zu Schlüsselkunden, die Markter­ schliessung oder der Mangel an Fach­ kräften haben sich im Vergleich zur letz­ ten Erhebung hingegen nicht signifikant verändert. Es scheint, dass vor allem die Frankenstärke, beziehungsweise die da­ durch ausgelösten Kostennachteile, zur Trendwende bei den Verlagerungen ge­ führt hat.

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microNews Mai 2013  

Mitteilungen aus der Mikrotechnologie-Initiative Zentralschweiz

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