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SOMMER 2018 EUR 7

GZ 15Z040302 P

URL AUBS-SPECIAL

URLAUBS-SPECIAL

14 PERFEKTE WOCHENENDEN IN DEN BERGEN WILDER KAISER | WOLFGANGSEE | SCHLERN | FAAKER SEE | ÖTSCHER WATZMANN | GASTEINERTAL | SELLATÜRME | ALTMÜHLTAL NOCKBERGE | GARDASEE | MATTERHORN | FLACHAU | BERNINA

WANDERN KLETTERN BIKEN


FLUSSTAUCHEN

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STUNDEN

LOCARNO

Das Spiel mit der Strömung

Sich treiben lassen: nach links, nach rechts, nach oben, nach unten. Ein Vergnügen – auch wenn das Wasser der Verzasca nur neun Grad hat. Plus: Empfehlungen für genussvolles Aufwärmen. TEXT: ÜSÉ MEYER

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Fra n kre i c h Die Verzasca im Tessin gilt als einer der 100 schönsten Tauchplätze der Welt.

Deutschland Schweiz LOCARNO

Österreich Italien

Locarno, Tessin ANKOMMEN Mit dem Auto von Norden über die Autobahn A2 durch den GotthardStrassentunnel oder über die Alpenpässe Sankt Gotthard, Nufenen, San Bernardino oder Lukmanier. Mit dem Zug sind es von Zürich aus 2 h und 20 min, von Basel oder Bern rund 3 h und 20 min. TRINKEN, ESSEN & SCHLAFEN

FOTO: TICINO TURISMO/M.BLÄTTLER

S

tartet ein Ausflug mit einem Superlativ, dann kann kaum nochetwasschiefgehen.Mit 57 Kilometern ist der 2016 eröffnete Gotthard-Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt. Dank diesem gut 12 Milliarden Franken teuren Bauwerk ist das Tessin der Deutschschweiz um knapp 30 Minuten Reisezeit näher gekommen. Oder anders ausgedrückt: Von Zürich aus ist Locarno heute schneller zu erreichenalsbeispielsweiseArosaoder Grindelwald. Nichts gegen Bündner oder Berner Bergorte – doch gegen die jährlich 2.300 Sonnenstunden in Locarno kommen sie gar nicht an. Kein Wunder, dass hier auch Palmen oder Zitronenbäume gedeihen. Bekannt ist Locarno neben seinem südländischen Flair auch für seine Kulturanlässe – allen voran das Filmfestival mit derVerleihung des «Goldenen Leoparden» und das Musikfestival «Moon & Stars», die beide mitten in der Altstadt auf der Piazza Grande stattfinden. Aber auch Natur- und Sportbegeisterte kommen rund um Locarno auf ihre Kosten: etwa im klaren Wasser der Verzasca oder an den Kletterfelsen rund um Ponte Brolla.>

› THE WAKE INN BAR & GRILL In Tenero am See gelegene Bar mit gemütlichen Sitzgelegenheiten; es gibt Burger und Snacks. www.watersports.ch › RESTAURANT & LOUNGE BLU Feines Essen und ausgeklügelte Drinks in modernem Ambiente direkt am Lido di Locarno. www.blu-locarno.ch › GROTTO AL CAPON Kleines, verstecktes Restaurant in Brione sopra Minusio, etwas oberhalb von Locarno. www.alcapon.ch › HOTEL LA BARCA BLU Unkompliziertes modernes Drei-Sterne-Hotel in Orselina oberhalb von Locarno mit Blick über den See. www.barcablu.ch › HOTEL BELVEDERE Vier-Sterne-Haus in leicht erhöhter Lage in Locarno mit Seeblick und empfehlenswertem Restaurant. www.belvedere-locarno.com INFOS & MEHR › AUSRÜSTUNG/MIETE/KURSE Kajak: Watersports, Tenero www.watersports.ch Tauchen: Scuba Planet, Locarno www.scubaplanet.ch Klettern: Belotti Sport, Locarno www.belottisport.ch › UNTERKUNFT BUCHEN Zimmer buchen, Urlaub planen www.ascona-locarno.com

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01: Paddelschlag um Paddelschlag geht es dem Ufer des Lago Maggiore entlang. 02: Das Ciabatta macht den Burger im Wake Inn speziell.

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TAG 1 17  : 00

IM KAJAK AUF DEM LAGO MAGGIORE

Wer in Tenero am Sandstrand steht, inmitten braun gebrannter Menschen auf ihren bunten Badetüchern, und über das glitzernde Wasser des Lago Maggioreblickt,verspürtunweigerlich südländisches Ferienflair. Nach der langen Bahnfahrt tut Bewegung gut: Kajak mieten und raus auf den See. Am Anfang ist das noch ein etwas kippeliges Gefühl, jedoch bald gleitet man sehr genussvoll über das Wasser. In gemächlichem Tempo geht es vorbei an den Badestränden der Campingplätze und weiter zum NaturschutzgebietBollediMagadino,einem der letzten natürlichen Flussdeltas der

Schweiz. Verzasca und Ticino münden hier in den See. In die Wasserstrassen des Naturschutzgebietes darf mit dem Kajak nicht gefahren werden – überhaupt gilt ein Mindestabstand zum Ufer von 50 Metern. Aber auch aus dieser Entfernung ist die Auenlandschaft einnehmend: Schilf, Trauerweiden, Pappeln und Weisserlen bieten der reichhaltigen Tierwelt einen natürlichen Lebensraum. Mit etwas Glück ist vielleicht ­eine Nachtigall, ein Eisvogel oder ein Kormoran zu sehen. Letzterer jagt nicht nur im See, sondern kennt auch bestens die fischreichen Abschnitte der Flüsse Verzasca und Maggia. Bis zu erstaunlichen 50 Kilometern legt er auf seiner täglichen Jagd zurück, weiss Marco Spiller vom Kajak-Vermieter Watersports.

 19:00

03. In der Wake-Inn-Bar lässt es sich bestens chillen.

IN DER TIEFSTEN

BAR DER SCHWEIZ

Nach dem Ausflug zu Wasser geht es ins Wake Inn, der Bar von Marco. Als «The lowest bar in Switzerland – 194,80 meters above sea level» vermarktet er sein Lokal, das direkt an den Strand anschliesst. Hier kann man den Tag ganz hervorragendausklingenlassen:imLiegestuhl mit Blick auf die Gipfel des Monte Gambarogno und des Monte Tamaro, die in der Abendsonne leuchten. Aus den Lautsprechern dröhnt bei Marco keine Bumbum-Musik, sondern gepflegter Rock. Und für Verpflegung ist natürlich ebenfalls gesorgt. Marco empfiehlt den «SpiloBurger». Das Spezielle daran: Das Fleisch klemmt zwischen einem knusprigen Ciabatta.

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01: Das einfallende Sonnenlicht sorgt für faszinierende Stimmungen auf den Felsen in der Verzasca.

FOTOS: TICINO TURISMO/VON HOLDERBERG, WAKE INN (2), TICINO TURISMO/M.BLÄTTLER

 22:30

TESSIN IM COCKTAIL SCHMECKEN

Im Wake Inn ist um 22 Uhr Schluss. Wen es auf dem Weg ins Hotel noch nach einem Absacker gelüstet und wer ausserdemvomSeeblicknochnichtgenug hat, der macht einen Abstecher in die Blu-Lounge. In dieser noch jungen Bar lässt man sich in die weichen Sessel sinken und geniesstdankeinemPanoramafenster den Ausblick über den Lido di Locarno bis hin zum See. Dunkles Holz, moderne Stoffmöbel und warmes Licht verleihen der Lounge eine gemütliche Atmosphäre. Für viele Drinks verwendet Barmann Fausto Zutaten aus dem Tessin. Auch wer es lieber ohne Alkohol mag, findet hier Lokalkolorit: mit dem kultverdächtigen Mineralwasser Fizzy

Gazzosa Ticinese aus der Leventina – etwa mit Zitronen- oder Mandarinengeschmack.

TAG 2  11:30

ABTAUCHEN

IN DIE VERZASCA

Mit gutem Gewissen ausschlafen: Das darf, wer einen Tauchgang in der Verzasca geplant hat. Denn erst um die Mittagszeit sorgt die hochstehende Sonne für optimale Lichtverhältnisse unter Wasser. Dann geht es von der Ponte dei Salti bei Lavertezzo gegen den Strom aufwärts. Im glasklaren türkisblauen Wasser blubbert die AtemluftlangsamhochzurOberfläche,währendmaningelassenemTempovorbei an den ausgewaschenen Felsen mit ­ihrer geschwungenen mehrfarbigen

2 Zeichnung taucht. «Am schönsten ist es aber zirka drei Tage nach starkem Regen», verrät Heinz Müller, Präsident des lokalen Tauchclubs Delta­ divers. Dann habe die starke Strömung die Felsen von den Algen befreit. Da und dort zischt vielleicht eine Forelle oder eine Grundel vorbei. Gegen oben wird der Fluss enger, die Strömung dadurch stärker. Wer etwas ausruhen möchte, der schwimmt hinter einen grossen Stein in dessen Strömungsschatten. Beim Wasserfallangekommen,giltesumzukehren. Nun beginnt das Spiel mit der Strömung: Links, rechts, hoch, runter – scheinbar schwebend treibt man flussabwärts.WiederbeiderschöngeschwungenenSteinbrückeangekommen, heisst es auftauchen, raus aus dem rund neun Grad kalten Wasser und an die wärmende Sonne. >

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01: Seen, Wälder, Berge – das Pano­ rama von der Plattform bei Cardada. 02: Die berühmte Wallfahrtskirche Madonna del Sasso in Orselina. 03: Im einem typischen Tessiner Grotto geniesst man als Vorspeise gerne knusprige Bruschette.

16  :00

HOCHFAHREN AUF DEN BERG

Locarno macht es einem einfach: Im kleinen Städtchen mit seinen rund 16.000 Einwohnern liegt das meiste gleich um die Ecke. So etwa auch die Standseilbahn, die einen nach Orselina bringt, wo die berühmteWallfahrtskirche Madonna del Sasso auf einem Felssporn thront. Schon von hier bietet sich ein schönes Panorama über ­Locarno und den See. Wer mehr Ausblick geniessen möchte, geht noch höher: mit der vom Tessiner Stararchitekten Mario Botta entworfenen Seilbahn nach Cardada. Auf 1.340 Metern befindet sich hier unter anderem eine scheinbar ins Nichts hinausragende Aussichtsplattform, von wo sich ein 180-Grad-BlicküberdasazurblaueSeewasser, die dicht bewaldeten grünen

Hügelzüge bis ins Centovalli und das Maggiatalbietet.ZurückgehteszuFuss auf dem Sentiero dell’Abete Bianco in etwas weniger als zwei Stunden nach Locarno-Monti, von wo aus ein Bus ins Stadtzentrum fährt. 22:30

ABENDESSEN IN ­EINEM GROTTO

Ein typisches Tessiner Essen in einem typischen Grotto darf selbstverständlich auch nicht fehlen. Hierfür geht es nochmals etwas den Berg hoch, bis in das kleine Dorf Brione sopra Minusio. Hier befindet sich das Grotto al Capon. Geführt wird das Lokal vom 64-jährigenPeter«Pesche»Lüdi,einem Berner, den es vor zwanzig Jahren hierher verschlagen hat. Im schmucken ­Innenhof wird zur Vorspeise etwa ein Teller mit Bruschette serviert: mari-

nierteTomatenwürfelaufgetoastetem Sauerteigbrot vom Bäcker in Losone. Danach empfiehlt der Patron das Kaninchenragout. Das Fleisch holt Pesche eigens vom Metzger im Maggiatal – denn dieser liefert es ihm ohne Knochen. Und als Beilage gibt es dampfende Polenta vom Holzofenfeuer.

TAG 3  10:00

KLETTERGLÜCK IN PONTE BROLLA

Perfekter Gneis, nach Süden ausgerichtet, unzählige bestens abgesicherte Kletterrouten in den einfacheren Schwierigkeitsgraden, in nur 15 Minuten Fussmarsch vom Bahnhof zu erreichen. Angesichts derart vielerVorzüge braucht es dann keine hellseherischen

FOTOS: SWITZERLAND TOURISM/I.SCHOLZ (2), PICTUREDESK.COM/FOOD COLLECTION/R.WHITROW

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FOTO: TICINO TURISMO/R.STEINEGGER

Vom grünen Gipfel des 1.816 Meter hohen Monte Bar in Capriasca schweift der Blick Richtung Nordwesten.

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Klettern & Tauchen TAG

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Unsere Empfehlungen

01: Der Klettersteig «3 chiodi» in Prato Leventina lohnt, wenn es Fels statt Baden sein soll. 02: Die Maggia muss sich neben der Verzasca nicht verstecken, auch sie bietet herrliche Badeplätze.

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F­ ähigkeiten, um zu erahnen, wie voll es an einem Wochenende an den Felsen um Ponte Brolla werden kann. Also lieber in der Nebensaison und besser an Wochentagen. Darauf verzichtet sollte jedenfalls nicht werden. Zu schön ist es hier: Gesichert werden kann im Schatten der Kastanienbäume, und wer am heissen Fels über den Baumwipfeln in der Sonne schwitzt, hat dafür den Ausblick hin­über nach Locarno und zum Lago Maggiore. Die Auswahl an Ein- und Mehrseillängenrouten im vierten und fünften Schwierigkeitsgrad ist riesig – kein Wunder, dass hier Familien und Anfänger gerne klettern. Oder auch Bergkameraden, die sich amVorabend den Bauch im Grotto etwas zu voll geschlagen haben und es heute etwas gemüt­ licher angehen wollen.

15:00

BADEN IM NATURPOOL

Nach Stunden am heissen Fels ruft ­einen die kühle Maggia. Von Ponte Brolla folgt man knapp zehn Minuten zu Fuss der Hauptstrasse in Richtung Vallemaggia bis zur rostigen Eisenbahnbrücke, auf der einst die Maggiatalbahn über den herrlichen Fluss rumpelte. Hier, im kristallklaren Flusswasser, gibt es eine willkommene Erholung für die schmerzenden Füsse, die geschundenen Fingerkuppen und all die verhärteten Muskelfasern. Abkühlen im Wasser, Aufwärmen auf den warmen Steinen am Ufer – dieses Spiel liesse sich endlos wiederholen. Müsste man nicht irgendwann wieder durch den langen Tunnel zurück in den Norden.

› Beim Restaurant Grüner Aff in Selzach (SO) befindet sich der Einstieg in die Aare. Mit etwas Glück gibt es hier ein Treffen mit Welsen. www.about-diving.ch › Bei Melchsee-Frutt (OW) am südseitigen Boni-Felsband finden PlaisirKletterer in über 7 Sektoren mehr als 160 Routen mit Längen von bis zu 60 Metern. Danach gibt es eine Abkühlung im nahen See. www.melchsee-frutt.ch › Die Kalkplatten bei Varenna in Italien ragen direkt aus dem Lago di Lecco – einem Seitenarm des Comer Sees. Dieses kleine Klettergebiet bietet viele Routen in den Schwierigkeitsgraden zwischen 4a und 6a. www.eccolecco.it › Wer lieber etwas höher hinaus möchte, findet rund um die Bergseehütte (UR) im Gotthard-Gebiet Sektoren mit leichten Kletterrouten. Der namensgebende Bergsee ist gleich unterhalb der Hütte zu finden. www.sac-angenstein.ch

FOTOS: TICINO TURISMO/G.CUGINI, SWITZERLAND TOURISM/C.SONDEREGGER, TOURISMUS NEUACHTEL

› Der Tauchplatz in der AreuseSchlucht (Bild oben) bei Boudry (NE) gilt als eines der schönsten Gewässer in der Schweiz. Vom strömungsfreien Einstieg taucht man in einer maxi­ malen Tiefe von 9 Metern. Zu s­ ehen sind auch versunkene Bäume. www.subsport.ch

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