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DAN KE!


Editorial Zunächst dachten wir, dass es ein Scherz ist. Ein schlechter, wohl gemerkt. Dann haben wir den Ernst der Lage erkannt. Dann haben wir gedacht, euch fällt doch bestimmt noch etwas ein. Doch eine Weiterführung der Initiative Wissenschaftsjournalismus mit ihren Seminaren, Projekten, Reisen und natürlich der Wissenswerte wird es in der bisherigen Form nicht geben. Wir wollten uns nicht nur einfach verabschieden, uns allen war nach einem besonderen Wort des Dankes an euch. Viel haben wir zusammen erlebt, bewegt, erfahren und vielleicht auch geändert. An Strukturen, Sichtweisen wie auch der persönlichen Biographie. Mancher wäre heute nicht da, wo er ist, hätte er nicht die typische Portion Förderung/Anregung der

Initiative erfahren. Ein paar Eindrücke der zurückliegenden Jahre haben wir in diesem Heft für euch gesammelt. Schnappschüsse, Erinnerungen und kleine Berichte aus allen Winkeln der Welt, von Borneo bis Bottrop. Wir sind gespannt, wie es weiter gehen wird mit dem Wissenschaftsjournalismus. Um die Beibehaltung der Qualität werden wir uns jedenfalls weiterhin bemühen. Die Herausgeber November 2011


FLUG 1600 Moderation: Corinne Benzing und Jan Friese

Corinne: Jan und ich sind dem Weltall ganz nah. Denn im Studio sind zwei, die schon einmal dort waren. Holger Hettwer und Franco Zotta, vor kurzem noch auf der internationalen Raumstation ISS. Willkommen an Bord. Eine Frage vorab: Bringen Sie sich manchmal auch ein Souvenir mit? Ne handvoll Sternenstaub oder nen Asteroiden oder so? Holger: Wir sammeln kleine Kometen, die wir mit unseren Weltraum-Casher einfangen. Kleines Hobby von uns. Franco: So ein kleines Kometen-Quartett. Das haben wir.

Jan: Die sind ja sp채ter auch mal richtig was wert, so als als Sammelobjekt. - Jetzt aber zum Gewinnspiel: Sie wissen ja, wie das l채uft. Es z채hlt die Geschwindigkeit und auch die Richtigkeit der Antworten. Wer zuerst antwortet und richtig liegt, der bekommt von uns einen Stern. Franco: Einen Stern oder einen Kometen? Corinne: Einen Stern, diesmal einen Stern. Holger: Sterne n체tzen uns nichts.


Max Mustermann Officia ima que conserum qui sit, ut et dunt faccae volorro exceatium is reicipsape seriber spelit millestis de omnimet quo ommodis ium la delles corenient alitat aut inim fuga. Nam hicillaute dolecatur a placcuptati quati nonsent faccum faceptiores dolorem pelectia volo et esed magnimu samusap ienimus eum aut lit, occus eum everibus es eaque perundam haris aut faccat laut alibusaero teceri niet minvenda quae sae perersp eruntur aliquiae. At eost, quatur? Uptur? Lenem reperor ibusamenis voluptas voluptam, nonecero dolenis et mos autem rerchic tecto blautem nemquossed qui odit volorectur? Gia preperumqui commod estrum ium qui quaecerum quas aut quatur susandit, sitem consendae voluptas adis estrupt atibuscia as dolupta temqui doluptaquae omnihit volent acercit litataturia nonsenist et exerrovid magnam hariorem repelestibus acearci

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Susan Sch채dlich


„ Andere träumen

davon. Franco, Holger und ihre Mitstreiter machen es einfach. Sie schaffen eine „Marke“. Durch und durch positiv besetzt natürlich.

Die „Initiative Wissenschaftsjournalismus“ steht und stand für Qualität. Mit Eurem „Zeug“, lieber Franco, lieber Holger, konnte man einfach immer was anfangen. Lehrreiche Workshops, gute Gespräche. Und von der Etablierung der „Wissenswerte“ ganz zu schweigen. Was lag also näher, als für eine monatelange Tour durch Neuseeland und Australien genau darauf zurückzugreifen? Auch wenn es nur der WissenswerteLeinenbeutel war, der mich fast ein halbes Jahr zuverlässig begleitet hat. Aber auch der ein echtes Qualitätsprodukt. ;-) Wie gesagt: mit Eurem „Zeug“ konnte man was anfangen. Egal ob an Rhein und Ruhr oder am anderen Ende der Welt. Danke dafür.“

Marc Scheloske


«

Mit ANTIK verbinde ich dank euch nicht „alt“. Viel mehr: Neustart. Und Abschluss. Und vielleicht: Betten, die für meine stattlichen 1,73 zu kurz sind. Martina Preiner


Von Null auf Knall Urknall-Experiment glückt: Neue Galaxien im Wissenschaftsjournalismus-Raum entstanden. Was Sie über den Big Bang wissen sollten Deutschland, 2002 bis 2011. Ein interdisziplinäres Forscherkonsortium aus Redakteuren und Mentoren betritt Neuland: Unter redaktionellen Laborbedingungen sollen aus Wissenschaftlern Schreiber werden. Ohne Zweifel ein ehrgeiziges Experiment, das nun erfolgreich zu Ende geht. Im Rahmen dieses sogenannten »Mentoringprogramms für junge Wissenschaftler«, simulierten jeweils 12 journalistisch völlig unerfahrenen Probanden einen Punkt verdichteter Wissenschaftsmaterie, die von Chemie über Biologie und Psychologie bis Tiermedizin reicht. Zwar zischte und rauchte es in den Versuchsräumen im Mediapark Köln zunächst. Doch Franco Zotta und Holger Hettwer vom Langzeitlichen Beobachtungs- und Betreuungsdienst Bielefeld-Dortmund gelang es, die Versuchspersonen durch regelmäßiger Zugabe

von Seminaren, Rhabarberschorle und Kaminabenden kontrolliert auf Fachkurs zu bringen und deren Position im Kosmos des Wissenschaftsjournalismus zu stärken. Diesem unermüdlichen Einsatz verdankt die Versuchsreihe ihren Erfolg: In insgesamt vier Durchläufen entstanden viele neue SchreiberUniversen – etwa das Zweigestirn »Wortboten«, das seither in der nördlichen Hemisphäre bei Bremen zu beobachten ist und langsam, aber stetig expandiert. Dieses und viele andere Beispiele bestätigen die lang vermutete, aber anfangs durchaus umstrittene Annahme: »Der nachhaltige Spagat zwischen Wissenschaftler und Journalist kann gelingen. Ein Meilenstein wissenschaftsjournalistischer Experimentiergeschichte“, finden die Ex-Mentees Fanni Aspetsberger und Cornelia Reichert, die herzlichst Danke sagen und zugleich fordern, Zotta und Hettwer »alsbald für den alternativen Nobelpreis zu nominieren«. Cornelia Reichert & Fanni Aspetsberger


Eine meiner allerschönsten Erinnerungen bleibt eine Reise in die traumhafte Basilicata mit meinen Freund Franco Zotta. Die CARieristen in New York Holger Hettwer vor dem Besuch der heiligen Hallen

„Nicht alles wissen diejenigen, die wissen“ Ein wunderbares, bescheidendes Motto für die Arbeit der Initiative Wissenschaftsjournalismus. Danke. Volker Stollorz

Warum Daten Journalisten ganz schön ins Schwitzen bringen können


„Ohne ein gewisses Mentoringprogramm wäre dieses Foto nicht entstanden - Vielen Dank für dieses Sprungbrett“ Michael Stang


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Hanno Charisius* sagt DANKE! * Analysiert immer noch euer Netzwerk...

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Lieber Franco, lieber Holger,

cht Gründliche Einsi r: des Mal noch kla je h sa h sc en M Ein so, wie‘s war. en eb li eb g t is ts h Nic leicht ermisst: ch li em zi er s u Wora , wie‘s grad ist. so ts h ic n ch au t Es bleib enkt er unbeirrt: Ja, heut schon d leiben, wie‘s sein Nichts wird so b wird. (Eugen Roth)

in der wissenschaftsjournalistischen Landschaft Deutschlands hat Euer Wirken Spuren hinterlassen: „nichts ist geblieben so, wie’s war“… Sicher, es wäre noch viel mehr zu tun. Da bleibt die Hoffnung, dass es einen Weg gibt, auf dem Ihr Euer Engagement fortsetzen könnt. Schließlich „bleibt auch nichts so, wie’s grad ist“, und das mag manchmal tröstlich sein … oder Mut machen … oder zur Entspannung beitragen. Euch für manche Gespräche, für Eure Beharrlichkeit beim Verfolgen der Ziele und für das Öffnen mancher Türen, durch die engagierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Weg in den Wissenschaftsjournalismus gefunden haben – ja sogar in Fernsehredaktionen! – herzlichen Dank. Christiane Götz-Sobel


„Guckt mal, mit Eurer Hilfe konnte ich aus diesem Regenwald auf Borneo berichten - ein tolle Erfahrung!! Vielen, vielen Dank dafür, auch für Seminare, Wissenswerte und überhaupt alles!!!!!!!!!!“ Alexandra Hostert


Christina Sartori

Mut zur Lücke Herbst 2005 in New York, 17 Journalisten und drei

Begleiter: Die US Akademie der Initiative Wissenschaftsjournalismus - damals hieß das „Qualifi-

zierungsprogramm Wissenschaftsjournalismus“. Auf dem Programm stehen NY, Boston und das

MIT, Dinner Talks, ein Besuch der New York Times,

der Science Redaktion, des Whitehead Instituts, etc etc. Ein Programm, vollgepackt mit interes-

santen Gesprächspartnern, wichtigen Orten –

und leckerem Essen. Dann geschieht es: An einem Abend in New York wird eine Lücke sichtbar, eine

Lücke in dem engen Zeitplan. Man könnte sich ausruhen, ein bißchen Schlaf nachholen, aber Holger weiß es besser: er weiß – woher auch immer – von einem Konzert der Presidents oft the

United States, in einem Club, mitten in der Stadt: Das Konzert ist phantastisch: Wir trinken Bier aus Plastikbechern, die Raucher gehen für jede Ziga-

rette in die Raucher-Lounge und wir lassen uns

von der lauten Musik das Gehirn durchpusten: Theorie und Praxis des Wissenschaftsjournalismus falten sich ganz klein im Hinterkopf zusammen und machen Platz für die Songs. Eine Denkpause.

Frühling 2011 in Berlin, 10 Journalisten und drei Begleiter: Der CAR Workshop für Freie Journa-

listen der Initiative Wissenschaftsjournalismus.

Vollgepackt mit einem Express-Seminar in Excel, Tabellen und Statistiken, eindrucksvollen Grafi-

ken und einem Dinner Talk mit Experten. Aber wieder macht sich eine Lücke breit: ein freier

Abend in Berlin: In einer Bar mit Blick aus dem

mindestens 10. Stock, mit lauter Musik und coo-

len Cocktails. Plötzlich rede ich mit Franco über

etwas ganz anderes, als die Möglichkeiten und Grenzen des Daten-Journalismus. Die Perspektiven von CAR machen sich ganz klein … und am

Ende stehen neue Erkenntnisse ganz anderer Art. Ein Impuls.

Ob USA Akademie, CAR Workshop und Sum-

mer School oder WissensWerte: Sie gaben mir

Denkanstöße, Zeit zu reflektieren, Möglichkeiten Neues auszuprobieren, Gelegenheit Wissen zu vertiefen: Erstklassig! Einmalig! Und nur möglich durch Holger und Franco, die nicht nur

durch hervorragende Planung der Seminare, sondern auch durch ihre Offenheit und Neugierde, durch ihre Bereitschaft sich auseinander zu setzen so bereicherten.

Ein lieber Gruß von Christina Sartori


Aus dem Fotoalbu m eines Doktors M und Date njournali ediensmus-Fa ns.... Markus Anhaeus er


Esther Steinmeier, Redakteurin beim Westfalen-Blatt, stieß bei einem Seminar im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zur Initiative Wissenschaftsjournalismus. Schon in der Vorstellungsrunde bestach sie durch äußerst versiertes mediales Arbeiten. Esther schafft es, alles in handliche PPP zu bringen... Esther Steinmeier


Anette LeรŸmรถllmann


Von der Nanofleckparkourzwillingsforschung bis zur Robotermarihuanaleidenschaft, lieber Franco, lieber Holger, Ihr habt die Arbeit der hr2-Wissenschaftsredaktion bereichert, mit Mentees, Ideen, Fragen, Know-how, mit anscheinend unerm端dlichem Elan und Eurer wunderbaren Frische und Herzlichkeit Daf端r dankt Euch Regina Oehler


ich musste ziemlich suchen, bis ich ein passendes Foto für euer Abschieds-Jahrbuch gefunden habe. Warum ich ausgerechnet dieses ausgesucht habe? Weil ich erst einmal laut lachen musste, als es mir in die Hände gefallen ist. Weil ich spontan an eine große Portion Bratkartoffeln denken musste, serviert ungefähr um drei Uhr nachts in einer ranzigen Kölner Kneipe von einer großartigen Wirtin. Weil ich an einen langen, lustigen Abend mit euch denken musste und dann gleich an eine große Menge weiterer langer lustiger Abende. Immer ohne Kamin, aber dafür mit tollen Gesprächen, interessanten Menschen und leckerem Essen! Vielen, vielen Dank an euch beide – nicht nur für die Abende, sondern für das ganze Mentoringprogramm. Und dafür, dass ihr mir alles zugetraut habt. Ohne euch wäre ich heute nicht da, wo ich bin! Ihr wart klasse. Tinka


Die Bilder entstanden während dem Seminar „Wissenschaft Online 2011“ in Dortmund. Dabei verletzte sich erst ein Teilnehmer beim Gruppenfoto am ersten Tag, am zweiten Tag musste dann der Hund der Teilnehmerin versorgt werden. Wir waren sehr froh, dass wir eine ausgebildete Ärztin unter den Teilnehmern hatten. Sehr genial war auch noch das Kamingespräch mit Lars Fischer. Bei der Diskussion, ob man als Journalist twittern solle oder nicht, zückte er sein iPhone und gab folgenden glorreichen O-Ton von sich: „Gebt mir den Namen oder die DOI von irgendeinem Paper und ich habe es noch vor dem Essen!“

Gordon bleibt nur noch zu sagen: „Vielen Dank für glorreiche Momente und hochwertige Seminare!“


„... dankeschön, und dankeschön auch ...!... Und vor allem: VIELEN DANK!!! nochmal...!! Das war total super!...“ (Mentee). Besser kann ich es auch nicht sagen. Also, lieber Franco und Holger, dieser Dank gilt Euch! Irene


E

s war einer dieser unvergesslichen „ Kamin“-Abende in Köln. Er begann im Restaurant und wurde, nach dessen Schließung, in einer Kneipe fortgesetzt.

Lieber Holger, lieber Franco, herzlichen Dank für eine lehrreiche Zeit, den ein oder anderen fröhlichen Abend, die stets offenen Türen und Ohren sowie die großartige Unterstützung auf dem Weg in den Journalismus.

Alles Gute wünscht Euch Maren Peters


Die drei Christinas im ProPublica-Hochhaus in New York bei der schรถnen und inspirierenden Car-Reise nach New York und Missouri im Oktober 2011....


Lieber Holger, lieber Franco „Ich gab neulich ein Interview. Einer Journalistin. Sie wollte meine Meinung über die neuste Literatur wissen. Ich antwortete ausweichend, dass ich noch keine Zeit gefunden hätte, sie zu lesen, weil es mir schwerfalle, mich abends mit der neusten Literatur abzugeben, wenn ich den ganzen Tag selber neuste Literatur produziert habe. Das schrieb die Damen nicht. Sie schrieb: Dürrenmatt liest keine Bücher. Man fällt immer wieder herein. Man nimmt an, Journalisten könnten schreiben, weil sie Journalisten sind. Aber sie sind oft Journalisten, weil sie nicht schreiben können. Sie schreiben, wie jemand zeichnet, der nicht zeichnen kann. Man ist froh, wenn zwischen dem Geschriebenen und dem, was man sagte, eine gewisse Ähnlichkeit festzustellen ist.“ (Friedrich Dürrenmatt)

Journalisten haben nicht immer einen guten Stand - dass diese Einschätzung besser geworden ist, haben wir im Sektor Wissenschaft besonders euch zu verdanken. Ich persönlich ringe zwar noch ein wenig mit FD, aber auch das werde ich schaffen. Denn wenn ihr etwas könnt, dann motivieren. Die Idee, einen echten Hau-den-Lukas auf die Wissenswerte 2008 zu importieren, um damit der Freien-Studie den nötigen Nachdruck zu verleihen, habt ihr klaglos akzeptiert – für ungewöhnliche Ideen seit ihr ja schließlich immer zu haben! Ich kann nur danke sagen! Ich werde die Initiative, ich werde euch vermissen. Nicola Kuhrt


Massachusetts InstItute of technology

Genetische Basis des SAUJUT-Syndroms Karberg, S.*1§, Stefansson, K. &, Wojcicki, A. $

*Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, MA, USA; § Journalistenlabor Schnittstelle, Berlin, D; &Decodeme, Reykjavik, Iceland; $23andme, Mountain View, CA, USA

Abstract/Einleitung Das SAUJUT-Syndrom (Spitzenmäßiges und AUßerordentliches WissenschaftsJoUrnalismus-Organisations-Talent) ist eine seltene, unheilbare und mit viel alltäglichem Mühsal verbundene Erkrankung. Es befällt in der Regel Personen zwischen dem 32 und 48 Lebensjahr, die urplötzlich ihre gesamte Arbeitskraft unter den Dienst eines absurden, delusionären Ziels („qualitativ hochwertiger Wissenschaftsjournalismus“) stellen, weshalb der volkswirtschaftliche Schaden kaum zu überschätzen ist. Die Patienten bilden sich beispielsweise ein, dass sie mit völlig fremden Wissenschaftsjournalisten Reisen in ferne Länder unternehmen oder ihnen den sinnvollen Gebrauch von Computern für die Recherche erklären müssten. Mitunter steigern sie sich sogar in ihrer Selbstaufgabe in die Illusion hinein, jedes Jahr hunderte von Wissenschaftsjournalisten zwei, drei Tage lang bewirten und beschulen zu müssen. Zu typischen Anzeichen gehört, dass die Erkrankten Anfahrtswege von 1,5 h auf sich nehmen, um ihrem suchtartigen Drang nachzugehen; dass sie in einem verzweifelten Kampf gegen notorische Zeitnot mehrere Armbanduhren tragen; und, ganz typisch, dass sie sich selbst kryptische Nachrichten auf den Anrufbeantworter sprechen, um der mit dem Syndrom langfristig einhergehenden Demenz entgegenzuwirken. In einem Versuch, den genetischen Ursachen dieses als besonders schwer einzustufenden neurologischen Syndroms auf die Spur zu kommen, haben wir zwei Individuen (HH und FZ) übereinstimmend mit den Richtlinien des uninformed consent zwei DNA-Proben entnommen und einer genomweiten SNP-Analyse unterzogen (Single Nucleotide Polymorphisms). Obwohl es sich lediglich um eine Fallstudie handelt, legen die Ergebnisse nah, dass erbliche Faktoren wesentlich zum SAUJUT-

Syndrom beitragen, Umwelteinflüsse insbesondere von Arbeitgeber- und WissenschaftsjournalistenSeite die Penetranz der Mutationen aber erheblich beeinflussen. Material und Methoden Da das SAUJUTSyndrom ein gewisses Misstrauen gegenüber Ärzten und anderen Wissenschaftlern, namentlich Genetikern, mit sich bringt, ist das Einsammeln einer für genetische Analysezwecke geeigneten Gewebeprobe besonders schwierig. Insofern kam anstelle des informed consent das etwas speziellere uninformed consent-Protokoll zum Tragen. Auf einer so genannten „Asia Academy“-Reise nach Bangalore, Hyderabad, Peking und Singapur gelang es, bei tropischen Temperaturen mehrere Liter Schweiß und einige Haare von Testperson HH zu sammeln. Die nötige DNA-Menge von FZ, der sich dieser Reise entzog, musste hingegen mühsam aus den Speichelresten an etwa 200 Cappucino-Tassen mit Hilfe eingeweihter Mitarbeiter gewonnen werden. Die Proben wurden in den von Decodeme- und 23andme-Kits mitgelieferten Puffern gelöst und an die Firmen zur Analyse von über einer Million SNPs geschickt (http:// www.23andme.com oder http://www.decodeme. com) Ergebnisse Nach Analyse von 1.030.000 SNPs bei 23andme sowie 1.000.000 SNPs bei Decodeme stellte sich heraus, dass die Individuen HH und FZ sich durch eine Reihe besonderer SNP-Varianten von der Norm abheben, die – zusammengenommen – eine gute Erklärungsgrundlage für die Absonderlichkeiten des SAUJUT-Syndroms liefern. Hier stellen wir die wichtigsten genetischen Varianten vor:

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Merkmal

SNP bzw. Gen

Patient FZ

Blutgruppe

rs8176746 rs657152 rs7867739

Üblicherweise zeigen diese SNPs die Blutgruppen A, B, AB und 0 an. In diesen beiden Fällen jedoch liegt der extrem seltene Blutgruppentypus WJ vor, der mit gewissen neuropathogenen Zuständen korreliert wird.

Alzheimer

rs4420638 rs11131000

Der übereinstimmende Genotyp von FZ und HH legt nahe, dass das Risiko, an Alzheimer zu erkranken (oder bereits an Alzheimer erkrankt zu sein) hier um etwa 4 Prozent erhöht ist: Während sonst 6 von 100 Menschen Alzheimer entwickeln, entwickeln 10 von 100 Personen dieses Genotyps die Krankheit. Phänotypische Beobachtungen, nach denen Testperson FZ sich selbst Nachrichten auf den Anrufbeantworter spricht, und FZ und HH in der alltäglichen Arbeit immer wieder auf die Unterstützung und Pflege von Mitarbeiterinnen angewiesen waren, bestätigen die genotypische Analyse.

Alcohol Flush Reaction

rs671

Aufgrund von Mutationen im Alkohol Dehydrogenase Gen ADH2 kann es zu Überreaktionen auf Alkoholkonsum kommen (Schwindel, Gesichtsrötung, Kopfschmerzen). Die Analyse ergab, dass FZ und HH intakte ADH2-Gene haben. Diverse verdeckte Interventionsstudien mit Wein, Bier und anderen alkoholischen Getränken bei so genannten „Kamingesprächen“ oder „Wissens-Partys“ bestätigen die volle Alkohol-degradierende, enzymatische Kraft von FZ und HH.

Bitter Taste Perception

rs713598

FZ ist so genannter „Nicht-Schmecker“ des bitter schmeckenden Stoffs Propylthiouracil, der ähnlich wie Bitterstoffe in Kaffee, Broccoli oder dunklem Bier vorkommt. Damit ist es auch nicht verwunderlich, dass FZ Espresso oder Cappucino schlürfen kann, während HH, ein „Propylthiouracil-Schmecker“, seinen Kaffee in Milch ertränkt (bevorzugt Latte Macchiato), um die Bitterstoffe im Kaffee zu verdünnen.

Obesity

Patient HH

Die SNP-Analyse deutet auf ein leicht erhöhtes Obesity-Risiko, dem FZ jedoch, wie berichtet wird, erfolgreich dadurch begegnet, dass er während des Telefonierens im Büro Kilometer um Kilometer zurücklegt.

Auch bei HH ist ein erhöhtes Obesity-Risiko in den Genen verankert. HH begegnet dem offenbar mit einer unorthodoxen Methode: Mit Hilfe von Schals. Ob die wollene Wärme (in verschiedenen modischen oder weniger modischen Farben) allerdings die durchschnittliche Körperwärme und damit den Grundumsatz HHs tatsächlich erhöhen kann, ist in der Forschung heftig umstritten.

Augenfarbe

rs12913832

sehr wahrscheinlich blaue Augen (87 % braune Augen, 12% grün, 1 % braun)

Laut Genanalyse wahrscheinlich braune Augen (60 % braune Augen, 22% grün, 18 % blau) Dieses Ergebnis erstaunt, da angesichts des manisch verfolgten Arbeitsziels eines „qualitativ hochwertigen Wissenschaftsjournalismus“ ein größerer Anteil Blauäugigkeit erwartet wurde.

Bluthochdruck

rs12413409 rs1378942 rs17367504 rs751891

kein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck feststellbar.

Alle vier SNP-Varianten weisen auf ein erhöhtes Bluthochdruck-Risiko hin. In Verbindung mit den Verwaltungsformularien der Universität Dortmund bzw. der Robert-Bosch-Stiftung soll die Kombination genetischer und umweltbedingter Faktoren schon das eine oder andere Mal zu gesundheitlich bedrohlichen Situationen geführt haben.

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Merkmal

SNP bzw. Gen

Patient FZ

Patient HH

Nikotin-Abhängigkeit

rs1051730

GG-Genotyp, also ein durchschnittliches Risiko, eine Nikotin-Abhängigkeit zu entwickeln. Abhängigkeitserscheinungen scheinen sich bei FZ eher im Zusammenhang mit nichtinvasiven Drogen, insbesondere dem Telefon, zu zeigen.

Halbglatze

rs2223841 rs2180439

Erstaunlicherweise weisen die SNPs sowohl bei HH als auch bei FZ auf kein erhöhtes Risiko hin, frühzeitig eine hohe Stirn zu entwickeln. Die Differenz zu phänotypischen Beobachtungen (zumindest im Fall von FZ) ergibt sich wohl aus dem arbeitsplatzbedingt häufigen Haareraufen. Oder aber auch durch körperliches Nacheifern von Philosophen wie Immanuel Kant.

Kaffee-Konsum

rs2472297

Sowohl FZ als auch HH weisen den TT-Genotyp auf, der mit hohem Kaffeekonsum korreliert ist – wobei der Kaffeekonsum nur Ausdruck eines übermäßigen Aktivitätsdrangs ist.

Flugangst

rs0815

Die Hinweise, dass Flugangst genetische Ursachen haben könnte, verdichten sich. So geht eine Senkung des Serotin-Spiegels möglicherweise mit Angststörungen einher. Tatsächlich weisen FZs Gene auf eine Präferenz zur Bodennähe hin, was angesichts der italienisch-römischen Abstammungsgeschichte FZs nicht erstaunt – schließlich heißt es „veni, vidi, vici“, von „venire“ (gehen, kommen) und nicht „volare“ (fliegen). HHs Genotyp deutet eher auf völlige Angstfreiheit hin,

Muskelleistung

rs1815739

Der untersuchte SNP beweist, dass FZ keine Mutation im ACTN3-Gen hat, so dass seine Muskeln in kurzer Zeit mehr Energie in Muskelkraft umsetzen können. Dieser Genotyp findet sich gehäuft in erfolgreichen Sprintern, scheint aber ein Nachteil für Langstrecken zu sein, weil die vorhandene Energiemenge zu schnell umgesetzt wird. Infolgedessen ist HH, dessen ACTN3-Gen defekt ist, eher der Langläufer-Typ, der seine Energie langsamer und dosierter umsetzt.

Schmerzempfindlichkeit

rs6269

Sowohl FZ als auch HH weisen mit dem Genotyp GG eine deutlich reduzierte Schmerzwahrnehmung auf. Ein typisches Symptom des SAUJUT-Syndroms, weil es die Träger des Gendefekts in die Lage versetzt, selbst dann noch zu arbeiten und sich selbst kasteiend zu Konferenzen, Seminaren oder Vorträgen zu schleppen, wenn andere schon vor Schmerzen schreien würden.

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AA-Genotyp, also ein überdurchschnittliches Risiko, eine Nikotin-Abhängigkeit zu entwickeln. Wenn kein Zigarettenkonsum möglich ist, dann macht sich die genetische Veranlagung durch Ersatzhandlungen bemerkbar: Im Fall von HH äußert sich das durch exzessives Annagen diverser Schreibwerkzeuge.


Massachusetts InstItute of technology Diskussion Die genetische Analyse zweier Patienten, bei denen unabhängig voneinander das SAUJUT-Syndrom festgestellt wurde, hat interessante Hinweise ergeben, welche Gene in die Entwicklung dieser schwer zu diagnostizierenden und bislang noch immer unbehandelbaren Erkrankung involviert sein könnten. So könnte die Kombination von Genen, die u.a. abnormem Kaffee-Konsum, Schmerzunempfindlichkeit, Augenfarbe, Alzheimer und vor allem die merkwürdige WJ-Blutgruppe beeinflussen, charakteristisch für das SAUJUT-Syndrom sein – was allerdings in einer größeren Studie mit mehr SAUJUT-Patienten bestätigt werden müsste. Die Chancen, in Zukunft viele hundert SAUJUT-Erkrankte in die genetischen Analysen einbeziehen zu können, stehen indes nicht schlecht. Es

scheint so zu sein, dass in den letzten vier Jahren die Zahl der SAUJUT-Patienten drastisch gestiegen ist (womit Kritiker widerlegt sind, dass es sich beim SAUJUT-Syndrom um ein diagnostisches Artefakt bzw. gar Disease Mongering handeln könnte). Noch ist unklar, ob es sich um eine per biologischem Agens (viral oder bakteriell) übertragene Infektion handeln könnte, die die Erkrankung triggert, oder ob womöglich die Aktivitäten von FZ und HH Umweltbedingungen geschaffen haben, die das Syndrom bei genetisch vorbelasteten Individuen anstößt. Aufgrund der steigenden SAUJUT-Fälle ist es umso dringender, die Suche nach Therapien zu intensivieren oder zumindest geeignete Pflegemaßnahmen zu entwickeln und zu finanzieren, damit Patienten wie FZ und HH mit dem Syndrom besser leben können.

Disclaimer: Die Autoren Steffansson, K., und Wojcicki, A., weisen darauf hin, dass ihre wissenschaftlichen Untersuchungen vor allem der Ausbeutung diffuser Ängste ihrer Kunden dienen, ihr Leben und ihre Gesundheit sei von Genen vorherbestimmt. Autor Karberg, S., weist darauf hin, dass er keinerlei Aktien oder sonstige finanzielle Beziehungen zu Firmen wie 23andme und Decodeme hat. Jedoch sei Karberg mitunter etwas zu sehr von den neuen Möglichkeiten der Genomforschung fasziniert, so dass die hier dargestellten Korrelationen zwischen den Genvarianten FZs und HHs und ihren absonderlichen Verhaltensweisen möglicherweise hier und da geringfügig überinterpretiert wurden und nicht unbedingt kausale Zusammenhänge widerspiegeln. Im übrigen übernehmen Stefansson, Wojcicki und Karberg keine Garantie dafür, dass es sich bei der untersuchten DNA tatsächlich um Erbgut von FZ oder HH handelte. Literaturliste und SOM über karberg@jb-schnittstelle.de

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Projektassistentin

Danke Hilfe

Alles Gute Organisation Unterstützung Antworten vor Ort

Planung

Sonja Hunscha


DANKE! (Initiative Wissenschaftsjournalismus, Holger & Franco Edition) Technische Universität Dortmund, Erich-Brost-Haus, Erich-Brost-Haus (www.brost.org), Otto-Hahn-Str. 2, 44227 Dortmund Redaktion: Nicola Kuhrt, Lisa Niederau et. al. Layout: Janna Lichter, Anna Regelin, Clara Hollweg Erklärungen zu potenziellen Interessenkonflikten siehe Impressum im Internet. „DANKE!“ erscheint einmal anlässlich des letzten Abends der Initiative Wissenschaftsjournalismus, Wissenswerte 2011, 22.11.2011 © 2011, Kuhrt Kommunikation, Düsseldorf



Danke