Page 1

Religiöse Motive in Werbung und anderen Medien Über den Zweck von Religion in der Werbung – Die „Plattform“ für eine „geistige Zusammenkunft“ zwischen Werbung und Religion bietet der hohe Bekanntheitsgrad der Religion (bzw. im weitesten Sinne religiöse Motive) Wie sind Religion und Medien verbunden? – Religion war schon in frühesten Zeiten eng mit „Medien“ verbunden, waren (und sind) sie doch (neben der mündlichen Überlieferung) der einzige Weg, Gedankengut publik zu machen, und vor allem für spätere Generationen „aufzubewahren“. – Die Medien, auf die zu Zeiten Christi, und lange danach (natürlich auch davor) zurück gegriffen wurde, waren die schriftlichen. Schriftrollen, später Bücher. – Es gibt also einen „überlebenswichtigen“ Zusammenhang zwischen Religion und Medien. Jedenfalls im ursprünglichen Sinne. Wie kommt es, dass Religion in den Medien als „Plattform“ fungiert? – Nur eine verschwindend geringe Zeitspanne widmen wir täglich z.B. Werbeplakaten, wenn wir an ihnen vorübergehen. In dieser Zeit muss das Interesse für das Plakat, bzw. für das Produkt geweckt werden; Außerdem sollen wir eben dieses Produkt möglichst lange im Gedächtnis behalten. Dies gelingt ausschließlich über ein Medium, etwas womit möglichst viele Menschen etwas verbinden können. Aus diesem Grund greift man häufig auf Religion als „Medium“ zurück: Jeder von uns kennt hiervon etwas. Besonderes Wissen/Fachwissen ist nicht nötig, damit beispielsweise RedBull einige Drinks verkaufen kann. Anhand von diesem Beispiel zeigt sich auch, dass das Feld „Religion“ über eine große Bandbreite verfügt. Wenn hier an dieser Stelle die uns allen bekannten Engel als religiöses Motiv gelten. Es soll lediglich erreicht werden, dass sich eben dieses Produkt durch Assoziationen mit etwas, dass bereits bekannt ist, besser in das Gedächtnis des Betrachters einprägen kann. Trotz lückenhaftem Bibelwissen, das in der Bevölkerung weit verbreitet ist, kann jeder mit den Motiven Kreuz, Engel, Teufel usw. etwas verbinden.

Einen Unterschied zu dieser „plakativen“ Form der Religion in der Werbung ist z.B. der Werbeslogan von Toyota: „Nichts ist unmöglich.“ Dass es sich dabei ursprünglich um eine Bibelstelle handelt, ist für die Mehrheit der Fernsehzuschauer garan-


tiert nicht ersichtlich. – Die Medien, die uns alltäglich umgeben, und deren Einfluss, den wir nicht einmal reell wahrnehmen, das Fernsehen und die damit verbundene Werbung, sind quasi das Hauptziel dieses Unterfangens, da es eben diese Medien sind, die sich am schnellsten von allen erneuern und publizieren lassen. – Im „christlich-gläubigen“ stellt dies also keinesfalls eine etwaige Rückbesinnung auf Religion. Es handelt sich vielmehr um eine Verkaufsstrategie, die die Religion von einer „Privatangelegenheit“ zu einem Baustein des Konsums mutieren lässt, wobei Religion hierdurch trotzdem nicht Thema in der Öffentlichkeit ist, sondern vielmehr eine Sache mit meist verkanntem Wert, den die Werbeindustrie als Konsum förderndes Mittel für sich entdeckt hat. – Mehr zum Thema auch auf http://www.glauben-undkaufen.de/ Beispiele für Werbeslogans mit ihrem ursprünglichem Vorkommen (Quelle: http:// www.antjeschrupp.de/werbung.htm): „Nichts ist unmöglich“/Toyota: Matthäus 17,20 & Lukas 1, 37 – „Mein Blut für dich“/DRK: Matthäus 26,28 – „Ihr guter Stern auf allen Straßen“/Mercedes Benz: Matthäus 2,9 – „Auf diese Steine können Sie bauen“/Schwäbisch Hall: Matthäus 16,18 Ein scharfer Kritiker dieses Systems ist der SotsArt Künstler ALEXANDER KOSOLAPOV (*1943 in Moskau; lebt und arbeitet in New York): In seinen Werken kritisiert er auf ironische, aber harte und ehrliche Weise die Wandlung, die Religion im 21. Jahrhundert (in den Medien) durchlaufen hat; sowie die „Schuldigen“, die diese zuließen: Wir. – In unserer Welt, in der Religion scheinbar, und wohl auch weitestgehend von anderen, materiellen Werten abgelöst wurde, wird eine über 2000 Jahre alte Glaubensvorstellung ihres Sinns entleert und zu einem namen- und inhaltlosen Werbeträger umfunktioniert. – Kosolapov kritisiert anhand einer von Konventionen befreiten Ebene, der Kunst, unsere Konsumkultur, und tiefer gehend, die (verschobenen?) Wertevorstellungen der breiten Masse im 21. Jahrhundert nach Christus. – Näheres zu Kosolapov und SotsArt auf www.sotsart.com


Hintergründige religiöse/spirituelle Motive in der Werbung – Nicht allein christliche Motive werden oft in der Werbung sinnentfremdet. Längst hat man entdeckt, dass sich die Menschen im Alltag nach Spiritualität und Kultur/ Kult sehnen. – Der Philosoph Norbert Bolz über dieses Phänomen: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3486 Konsum als moderne Religion: Trink Wellness - Vita Mineral Daily - Liquid Wellness - Optimal bioverfügbar – Längst hat der Markt erkannt, dass man heutzutage keine für sich selbst sprechenden Produkte mehr verkaufen kann. Nicht der Gebrauchswert, sondern der Inszenierungswert von Waren zählt. Der Mineralwasserkult etwa ist mit der reinen Produktqualität nicht zu begründen. Für Genuss und Absatz sorgt der spirituelle Mehrwert, den Werber mit den Wässerchen verbunden haben. Wassertrinken verheißt Selbstfindung und Glückseligkeit und wird zur Ersatzreligion. – Marketing heute heißt Produkte kultisch oder rituell aufzuladen. Statt nur einen fettigen Burger zu essen, frönen die Leute mit Fastfood dem Trash-Kult, der schon fast wieder Haute-Couture-Qualitäten hat. Und wer Biokost kauft, pflegt eigentlich den Kult des Reinen und Sauberen. – Die Konsumwelt wird zum Schauplatz der Verzauberung. Ideen und Werte, die etwa die Religion nicht mehr liefert, besetzen jetzt Werbung und Marketing. Getränke versprechen Selbstfindung und Individualität, Eier, Milch und Jogurts versprechen die Rückkehr zur Natur. Nicht die Kirchen, sondern die Konsumtempel sind der Ort moderner Religiosität. Um das Produkt geht es dabei nicht mehr. Das Produkt ist nur die Beigabe zum spirituellen Mehrwert, der beworben wird und den wir kaufen. – Mehr zum Thema: Konsum und Religion (Quelle: http://www.blog.pro-medienmagazin.de/2007/07/19/bibelaction-figuren-bei-wal-mart-usa/) In Amerika schon seit einigen Jahren bekannt sind Bibel-Actionfiguren. Hiermit scheint es nun spielend einfach, selbst die kleinsten Kinderzimmer zu missionieren und den christlichen Glauben in die nächsten Generationen weiterzugeben. Das gelingt schon ab 5 Dollar. Zu bestellen gibt es dieses „Spielzeug“ bei http://www.one2believe.com

Text: Johanna Wolz

Religiöse Motive in Werbung und anderen Medien  

Projektarbeit von Johanna Wolz (11. Klasse) im Kurs Katholische Religion 2008/09 an der Winfriedschule Fulda

Advertisement