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2 | 2014 April | Mai 2014 4,90 Euro

Der Mittelstand. www.bvmw.de

Das Unternehmermagazin

Themenschwerpunkt: Mittelstand und Energie

3.300 G채ste beim BVMW-Jahresempfang

Zukunft der Erneuerbaren h채ngt von der Politik ab......... S. 6

Die Energiewende und Europa............................. S. 22

Reinhard Schneider

Interview mit G체nther Oettinger

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Foto: Silke Borek

Biogas bringt‘s Verlagerung von Produktion und Dienstleistungen ins Ausland nicht mehr aus.

D thjnk definiert keine Überfüllungen. Diese sind vom entsprechenden Dienstleister anzulegen und zu überprüfen.

Der Gipfel kreißte – und gebar eine kleine Maus. So lässt sich frei nach dem römischen Dichter Horaz das Ergebnis des jüngsten Berliner Energiegipfels bei der Bundeskanzlerin zusammenfassen. Gewonnen haben die Bundesländer, für die Verbraucher ändert sich kaum etwas. Strom ist und bleibt teuer.

DU-Termin: 18.03.2014 Medium: Der Mittelstand Profil: 39L

Die Nordländer konnten sich beim Windstrom weitgehend durchsetzen, beim Biogas ist der Bund den Südländern entgegen gekommen. Für Betriebe und Bürger hält Sigmar Gabriel ein Trostpflaster bereit: Der Kompromiss koste die Stromkunden im Jahr 2020 nur 0,2 Cent pro Kilowattstunde mehr.

Kunde: Commerzbank Jobnummer: ACOB01/09/131003C Produkt: MSB Mittelstandsbank Kampagne: MSB Finanzierung Datum: 13.03.14 Format: 210 x 297 (+ 5 mm)

Und bis dahin? Der Höhenflug der Energiekosten setzt sich fort, lediglich das Tempo wird abgebremst. Das hat fatale Folgen für den Standort Deutschland. Schon heute zahlen unsere Unternehmen mit die höchsten Preise für Indus­ triestrom in Europa. Sie liegen 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt, im Vergleich zur Konkurrenz in den USA sind es sogar 60 Prozent mehr.

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Wird die Explosion der Energiekosten nicht gestoppt, droht Deutschland eine Deindustrialisierung. Eine aktuelle Befragung der 400 größten deutschen Familienbetriebe brachte einen alarmierenden Befund. Immerhin ein Drittel schließt die

Doch eine Kostenwende der Energiewende ist nicht in Sicht. Die Lösung kann nur in einer dezentrale(re)n Energieversorgung liegen. Unser Verband hat dazu ein Konzept vorlegt, das ich dem Bundeswirtschaftsminister im persönlichen Gespräch vorgestellt habe. Der Grundgedanke: Strom muss dort produziert werden, wo er auch verbraucht wird. Dezentralität spart Milliarden für den Netzausbau, sichert die Wertschöpfung vor Ort und wirkt als Innovationstreiber im Mittelstand. Dies gilt besonders für den Exportschlager Biogasanlagen. Hier haben deutsche Hersteller im internationalen Wettbewerb die Nase weit vorn. Dabei wird Biogas häufig unterschätzt. Beim Thema Erneuerbare Energien denken auch Politiker in erster Linie an Wind und Sonne.

die energetische Nutzung eines Biomethanmoleküls 23-26 CO2-Moleküle ein, hat also den 23- bis 26fachen CO2Einsparungseffekt und ist somit sogar klimafreundlicher als die Windenergie. Auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen ist durch die Kreislaufwirtschaft durch Anbau und energetische Nutzung ein CO2-0-Kreislauf stets gewährleistet. Biomethan eingespeist in das Erdgasnetz ist der flexibelste erneuerbare Energie­ träger, da er im vorhandenen Gasnetz und in den vorhandenen Gasspeichern einfach zwischengespeichert werden kann und in der Nutzung sowohl in der Strom- und Wärmeproduktion als auch im Mobilitätsbereich als Kraftstoff Verwendung findet. Nicht zu vergessen: Die mittelständisch strukturierte Biogas-Branche hat 40.000 innovative Jobs geschaffen. Alle Erneuerbaren zusammen sichern heute eine halbe Million Arbeitsplätze.

Zu Unrecht: Biomasse liefert fast zwei Drittel der aus Renewables bereitgestellten Energie. Nur ein Sechstel stammt aus Windenergie. Photovoltaik, Wasserkraft und Geothermie spielen eine untergeordnete Rolle. Biogas bietet eine Reihe von Vorteilen: Es ist speicher- und grundlastfähig, vermeidet Treibhausemissionen und kann auch dann produziert werden, wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind weht.

Fazit: Deutschland braucht bezahlbare, sichere und nachhaltige Energie. Dafür steht Biogas und Co. Die Politik muss den Erneuerbaren Energien den Weg ebnen, anstatt neue (gesetzliche) Hürden zu errichten.

Die Nutzung von Biogas / Biomethan hat neben seiner energiewirtschaftlichen Funktion als Speicher- und Regelenergie auch umweltpolitische Vorteile. So spart

Präsident Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und Europäischer Mittelstandsdachverband (CEA-PME), Herausgeber „Der Mittelstand“

Ihr Mario Ohoven


INHALT

POLITIK

POLITIK

14  Energiewende

24 Europa(schicksals)wahl 2014

ohne wenn und aber

30 Deutsch-koreanische Kooperation 31 Deutschlands und Koreas Mittelstand

POLITIK

6 Zukunft der Erneuerbaren hängt von der Politik ab

sichern Gewinn und Wachstum

8  Wir befinden uns in Deutschland

bereits in der Deindustrialisierung

10 Am Puls der Politik

11  Mittelstandsallianz unterbreitet der Bundesregierung Vorschläge für bessere Rahmenbedingungen

12 Wie Bürger und Mittelstand die

„Energiewende von unten“ stemmen

14 Energiewende ohne wenn und aber 16 Glanzvoller Jahresempfang 19 Zukunft sichern durch Export 2 0  Spitzengespräche in Berlin,

KOLUMNE 34  Gedanken über unsere Welt und ihre Bewohner

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Energie in Zahlen

IBWF

36 Windkraft für die Städte 3 8  Staatlich geförderte Beratung 4 0  Verschärfte Verkehrsregeln

Die Energiewende und Europa

24 Europa(schicksals)wahl 2014 26  News aus Brüssel 28  Boomregion Asien

4

Spitzenstandort Litauen

hilft gegen steigende Energiekosten

in Brüssel und in Neapel

2 2

32

SERVICE

42  Handwerk hat goldenen Boden – jetzt erst recht

44 46 Der Mittelstand. | 2 | 2014

Beraten, Fördern, Finanzieren Energieeffizienz im Mittelstand


INHALT

SERVICE

BVMW

50 Ran an die Energiekosten

74 Maßanzüge für Roboter

48 50 52 56 58 60 62 63

72 74 76 78

Genuss mit Nachhaltigkeit Ran an die Energiekosten! Rückbau der Reaktoren Factoring statt Bankkredit

Maßanzüge für Roboter Energiesparen auf Schwäbisch

E x-Premier Koizumi besucht Biogasanlage in Thüringen

Steckbrief gezielt im Netz Macht das Spaß oder tut das weh? EEG-Umlage auf dem Prüfstand

80 Energiewende konkret 82  Kommission Arbeit und Soziales: Mindestlohn und Rentenpaket

82  Energiekommission:

Unternehmerpreise

Reform des EEG

83 Metallhandel und Energie 84  Preise und Auszeichnungen:

KULTUR

64 66 67 68

Auf neuen Wegen zur Gesundheit

Filmkritik: Promised Land DVD-Tipp: Master of the Universe Ökologie auf der Bühne

für, von und mit dem BVMW

85 85 86

Buchtipps

BVMW

70 Kurz vorgestellt 71 Die Hamburger Feuerkasse –

86

Traditioneller Neujahrs­empfang in Erfurt Netzwerken an der Donau Veranstaltungskalender

Impressum

Schutz seit 1676

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POLITIK

Zukunft der Erneuerbaren hängt von der Politik ab Die richtigen Zeichen setzen

Firmenzentrale von Werner & Mertz in Mainz.

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POLITIK

Die deutsche Energiewende ist ein Leuchtturmprojekt und wird über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland mitentscheiden. Das Ziel, unseren Energiebedarf durch Erneuerbare Energien zu decken, ist ambitioniert und im Kreis der Industrienationen einmalig. Nicht umsonst hat es die Energiewende als eines der wenigen deutschen Wörter in den englischen Sprachschatz geschafft. Ob die „German Energiewende“ weitere Nachahmer findet oder in einigen Jahren als Negativbeispiel herhalten muss, ist noch nicht entschieden.

Fotos: Werner & Mertz GmbH, PIELmedia

Ja, die Energiewende birgt Risiken und ist mit Kosten verbunden, jedoch bietet sie auch riesige Chancen für unser Land. Gerade für den exportorientierten deutschen Mittelstand symbolisieren die Erneuerbaren Energien eine Chance auf weltweite Marktführerschaft in strategisch wichtigen Branchen. Den Erneuerbaren gehört die Zukunft, ob diese jedoch auch dem deutschen Mittelstand gehört, hängt von unserer Bundesregierung ab.

werden. Auf den ersten Blick scheinen weniger Ausbau und weniger Vergütung logisch und geeignet, den Strompreisanstieg aufzuhalten. Bei näherer Betrachtung unseres Energiemarktes tun sich Zweifel am langfristigen Nutzen der Reformvorschläge auf. Denn was fehlt sind Anreize, Strom dann ins Netz einzuspeisen, wenn er auch gebraucht wird.

Die Strompreise wirken sich schon heute auf Standortund Investitions­ entscheidungen aus.

Nach langer Zeit des teuren energie­ politischen Stillstands hat Bundes­ minister Sigmar Gabriel nun in Rekordzeit einen Entwurf zur überfälligen Reform des EEG vorgelegt. Der Wille und die Entschlossenheit des Ministers, hier endlich eine tragfähige und zukunftsorientierte Lösung zu finden, nötigt Respekt ab. Bürger und Mittelstand sind angesichts immer weiter steigender Energiepreise mittlerweile an der Schmerzgrenze angelangt. Die Strompreise wirken sich schon heute auf Standort- und Investitions­ entscheidungen aus. Die Bundesregierung hat die Dringlichkeit erkannt, ob sie am Ende auch die richtigen Lösungen anbietet, scheint noch unsicher.

Unser Energiemarkt krankt an einer falschen Anreizsetzung, denn der volatile Charakter der Erneuerbaren ist als Problem zwar erkannt, die Lösung lautet bisher jedoch teurer Netzausbau. Anstatt sich darauf zu verlassen, dass im Norden produzierter Strom aus Windenergie über Netze bis nach Bayern transportiert wird, müssen die Erneuerbaren mehr Systemverantwortung übernehmen. Wird Strom dort produziert, wo er auch verbraucht wird, sparen wir uns Netzausbau, Übertragungsverluste und stärken die kommunale Wertschöpfung. Dieser Logik folgend, brauchen wir aber auch einen weiteren bundesweiten Ausbau der Erneuerbaren und dürfen den Eigenverbrauch, der die Netze entlastet, nicht belasten. Gerade die vorgesehene Deckelung von Wind-Onshore, die günstigste Erzeugungsart unter den Erneuerbaren, gefährdet den Erfolg der Energiewende.

Ein erklärtes Ziel der Reformvorschläge ist der Abbau von Überförderungen und Fehlanreizen. Zu diesem Zweck soll die Vergütung der Erneuerbaren Energien reduziert und der Ausbau gedeckelt

Durch Kombinationen der volatilen Erneuerbaren mit grundlastfähigen Erneuerbaren, wie Geothermie und Speichertechnologien wie Batteriespeicher oder Bioenergie, ist eine bedarfsgerechte

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Einspeisung bereits heute möglich. Auch die Weiterentwicklung kleintechnischer Konzepte zur längerfristigen Energiespeicherung wie zum Beispiel über „Power to Gas“ bietet aussichtsreiche Möglichkeiten. Ein solches dezentrales Konzept bietet eine echte Chance, um für mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu sorgen. Davon können vor allem Mittelständler als Energieerzeuger profitieren. Entscheidend ist, dass die Verbrauchernähe wieder zu einem Entscheidungskriterium wird. Aus der Sicht des Mittelstandes muss dieser Neustart auf einem dezentraleren Konzept basieren. Dazu gehört ein neues Design des Energiemarktes, so dass sich Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit automatisch einstellen.

Reinhard Schneider Geschäftsführer Werner & Mertz GmbH, Vorsitzender der BVMWEnergiekommission www.werner-mertz.de Ausführliches Interview mit Reinhard Schneider in der Broschüre „Der Bundeswirtschaftssenat im Dialog“.

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POLITIK

Wir befinden uns in Deutschland bereits in der Deindustrialisierung Rainer Alzinger, BVMW-Vorstand und Mitglied der BVMW-Energiekommission, im Mittelstand.-Interview

Rainer Alzinger: Der Leitspruch hat das Interesse der Politik gefunden. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel gab ein positives Feedback und lud BVMW-Präsidenten Mario Ohoven zu einem Gespräch (siehe Bericht Seite 20). Die zentrale Komponente bedeutet, dass wir insbesondere für die mittelstän-

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dische Wirtschaft und Industrie verlässliche Kraftwerke als backup benötigen. Die Politik hat verstanden, dass ein neues Marktdesign für deren wirtschaftlichen Betrieb erforderlich ist. Hier braucht es bis auf wenige regionale Ausnahmen keine neuen Investitionen in Kapazitäten. Die Dezentralität wird vor allem in den Bundesländern politisch unterstützt und umgesetzt. Auf Bundesebene muss dieser Leitgedanke noch intensiv vermittelt werden. Im Übrigen stehen die geplanten großen Stromtrassen dazu nicht im Widerspruch, sie sind durchaus erforderlich, um regionale Netze strukturbedingt zusammenzuschalten.

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Als Geschäftsführer Ihres Unternehmens übernehmen Sie die Gesamtplanung von Großprojekten im Energiebereich. Wie wirkt sich der Zickzack-Kurs der Politik darauf aus? Die Energiewirtschaft ist traditionell von den politischen Rahmenbedingungen abhängig. Zuletzt war das Ziel, den 50 prozentigen Anteil an der Gesamtstromerzeugung Co2-ärmer zu machen, indem man alte Kohlekraftwerke durch hochmoderne und emissionsarme ersetzt. Die insgesamt 20 Milliarden Euro Investitionen sind nun getätigt und das Marktdesign durch den rasanten Ausbau der Erneuerbaren

Foto: fotoknips - Fotolia.com

Der Mittelstand.: Eine zentrale Forderung der BVMW-Energiekommission ist es, die Stromerzeugung in Zukunft so dezentral wie möglich und so zentral wie nötig auszugestalten. Wie weit wird dieses Konzept von der Politik bereits getragen?


POLITIK

Energien so verschoben, dass sich diese Kraftwerke nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen. Der Atomausstieg hat weitere Verunsicherung erzeugt. Arbeitsplätze sind verloren gegangen, die Deutschen werden in absehbarer Zeit nicht mehr weltweit als die besten Kraftwerksbauer erfolgreich sein können. Die Änderung der politischen Rahmenbedingungen hat dazu geführt, dass Investoren und Anlagenbauer sehr zurückhaltend sind und viel Geld verloren haben. Unser Unternehmen ist weiter zuversichtlich, muss aber nun Zielmärkte im Ausland bedienen, in denen deutsche Unternehmen einen guten Ruf genießen. Die große Koalition ist auf dem Weg, Politik wieder mit mehr Verlässlichkeit und Berechenbarkeit zu entwickeln. Sie sind Vorstandsmitglied des BVMW und stehen im engen Kontakt zu mittelständischen Unternehmern. Was bedeutet der rasante Anstieg des Strompreises für deren Wettbewerbsfähigkeit? Zum einen führt der überproportionale Anstieg der Stromkosten in Privathaushalten zu Lohnforderungen, zum anderen wird Strom als Kostenfaktor für viele zum Problem: immer teurer und unberechenbarer.

Strom als Kostenfaktor wird für viele zum Problem: immer teurer und unberechenbarer. Die Stromkosten werden auch von den Unternehmen letztlich an die Endverbraucher weitergegeben, doch vor allem beim Mittelstand gelingt das nicht. Das führt zu geringeren Erlösen, auch steigt die Angst vor größeren Produktionsausfällen, also sinkender Versorgungssicherheit. Wir sprechen im Verband bereits vom

Rainer Alzinger gründete 2001 zusammen mit einem Kollegen die Envi Con & Plant Engineering GmbH. Sie entwickelte sich zu einem international agierenden Engineering Unternehmen für thermische Kraftwerke und Abfallverwertung mit heute 220 Mitarbeitern. Weltweit wurden rund 300 Kraftwerke geplant. Als Gründer und Gesellschafter engagiert sich der Energieexperte unter anderem auch in einer Immobiliengesellschaft und im Bereich Pharma und Nahrungsergänzungsmittel. www.envi-con.de

Problem der zu hohen Stromstückkosten. Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen lässt nach, Kosteneinsparungen an anderer Stelle und Betriebsverlagerungen ins Ausland sind die Folge. Wir befinden uns in Deutschland bereits in der De­ industrialisierung. Wie stehen Sie zu der Änderung aus dem Ministerium von Herrn Gabriel, dass Eigenstromerzeuger zukünftig an der EEGUmlage beteiligt werden? Der Minister begründet das mit Solidarität. Diejenigen, die investieren, sollen gleichgestellt werden mit denen, die nicht investieren können. Unser Verband hält das für unhaltbar und sieht Eigenstromerzeugung von Unternehmen als Kernbestandteil der Energiewende, da diese Anlagen alle als dezentral eingestuft werden können. Einerseits ist das ein Bestandteil für höhere Versorgungssicherheit, andererseits Anlass für weniger Netzausbau. Wir appellieren an die Bundesregierung, die EEG-Umlage für Eigenstromerzeugung nicht einzuführen, sondern Eigenstromerzeugung zu unterstützen und vor allem Kraft-Wärmekopplung auszubauen. Wenn man jetzt alle Unternehmen bestraft, die in Eigenstromerzeugung

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investiert haben oder für die Zukunft planen, wäre das der nächste ZickzackSchlenker deutscher Energiepolitik. Wie sieht der deutsche Strommarkt im Jahr 2040 aus? Wir werden einen hohen An­teil der Erneuerbaren Energie an der Stromerzeugung haben, und auch die Unternehmen und Verbraucher werden dann von sinkenden Stromgestehungskosten profitieren. Die Zwangsumlagen des Staates werden hoffentlich zurückgehen, es wird keine Atomkraftwerke mehr geben, und die Nachhaltigkeit der Energieversorgung mit planbaren Kosten wird hoffentlich wieder attraktiv für Investoren sein. Die Energieversorgung wird mehr in Bürger- und Unternehmerhand sein, und wir werden durch Stromspeichermöglichkeiten und Nachfragesteuerung unabhängiger von der Einfuhr von Brennstoffen. Wir werden einen europäischen Strom-Binnenmarkt haben und dort eine starke Rolle einnehmen. Es besteht die Chance, dass wir Deutschen es schaffen, die Energiewende erfolgreich umzusetzen – eine große Chance für den Mittelstand. Das Interview führte Yannick Severin.

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POLITIK

Am Puls der Politik Ob Steuerpolitik, Mindestlohn oder Energiewende – der BVMW vertritt erfolgreich die Positionen des Mittelstandes

Die mittelstandsfreundliche Reform der Gewinn-Thesaurierung ist Top-Thema bei zahlreichen Begegnungen mit Parlamentariern, Regierungs- und Interessenvertretern. Denn eine gute Eigenkapitalbasis macht mittelständische Unternehmen krisenfester und setzt Impulse für Investments. Mit dieser Botschaft forciert der BVMW das Thema im politischen und medialen Raum und gewinnt Verbündete. Die Große Koalition hat einem Vorschlag des BVMW entsprechend einen Prüfauftrag für Thesaurierungs­ regelungen für Einzelunternehmen in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Die Bundesregierung wird nun in die Pflicht genommen, in dieser Legislaturperiode muss sich etwas tun! Weitere politische Erfolge konnten beim Thema Mindestlohn verzeichnet werden. Das Konzept der BVMW-Kommission Arbeit und Soziales, Ausnahmen vom Mindestlohn für Azubis und Praktikanten zu machen, spiegelt sich im Gesetzentwurf des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales wider. Die Bundesregierung will die Gesetzgebung zum Mindestlohn bis zur parlamentarischen Sommerpause abschließen. Getreu dem „Struckschen Gesetz“, nach dem kein Gesetz den Bundestag so verlässt, wie es hineinkommt, wird der BVMW den parlamentarischen Prozess weiter begleiten. Eine der wichtigsten Forderungen ist die Anhebung der Altersgrenze von 18 auf mindestens 21 Jahre für ungelernte Jugendliche. Andernfalls kommt es zu Fehlanreizen in Richtung geringqualifizierter Arbeit statt solider Ausbildung. Nach vielen Schönheitskorrekturen seiner Vorgänger, wagt sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel derzeit an eine grundlegende

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Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Die Reform des EEG birgt viel Zündstoff in sich, so etwa beim Eigenverbrauch. Der BVMW hat sich hierzu bereits in der Vergangenheit klar geäußert: eine Belastung des Eigenverbrauchs gefährdet das Gelingen der dezentralen Energiewende. Durch Gespräche auf höchster Ebene (siehe Seite 20 in dieser Ausgabe) und mit fundierten Stellungnahmen wird der Verband die EEG-Reform weiterhin begleiten. Einen großen politischen Erfolg gibt es bei der Energiepetition zu vermelden. Die vergangenes Jahr mit 50.000 Unterschriften eingereichte Petition wurde vom zuständigen Ausschuss an Bundesregierung und Bundestag überwiesen. Die energiepolitischen Forderungen des Mittelstands werden so direkt in die künftige Energiepolitik einfließen. Während die ersten 100 Regierungstage allerlei Aktionismus und straffe Reformpläne im Bereich der Energie- und Sozialpolitik hervorgebracht haben, fehlt es der Regierung bei anderen Reformbaustellen an jeglichem Engagement. So war es der BVMW, der beide Regierungsparteien an die in den jeweiligen Wahlprogrammen verankerte steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung erinnern musste. Dabei sind die positiven Effekte für Innovation und Wachstum unbestritten. Auch hier wird der BVMW der Forderung des Mittelstands nach einer innovationsfreundlichen Förderpolitik nachdrücklich Gehör verschaffen.

Stefan Waldschmidt, Matthias Schweiger BVMW, Bereich Volkswirtschaft & Politik

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Foto: fotogestoeber - Fotolia.com

Neben der systematischen und kontinuierlichen Entwicklung der politischen Positionen des Mittelstands informiert der BVMW Bundestag und Bundesregierung laufend und umfassend über die Situation der mittelständischen Wirtschaft.


POLITIK

Mittelstandsallianz unterbreitet der Bundesregierung Vorschläge für bessere Rahmenbedingungen Hausaufgaben für die Politik

Den Berliner Reichstag im Rücken: Die Mittelstandsallianz des BVMW überreichte in Berlin fünf Positionspapiere an Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium und Bundesjustizministerin a. D. (Mitte).

„Die Mittelstandsallianz des BVMW hat es geschafft, die Hausaufgaben der neuen Bundesregierung auf nur fünf Seiten zusammenzufassen – aber die haben es in sich“, leitete Mittelstandspräsident Mario Ohoven die dritte Zusammenkunft der Mittelstandsallianz in Berlin ein. Innerhalb weniger Monate ist es dem BVMW gelungen, mit rund 30 mittelständischen Branchenverbänden die Kernthemen der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auf den Punkt zu bringen. In fünf Positionspapieren legten sie den Grundstein für ihre gemeinsame politische Schlagkraft. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und Bundesjustizministerin a. D. Brigitte Zypries diskutierte bei dem Treffen die Positionen der Mittelstandsallianz und gab Einblicke in die mittelstandspolitische Agenda des BMWi. Sie lobte die in der deutschen Verbändelandschaft einmalige Interessenvertretung und hob deren wich-

tige Bedeutung für den Dialog mit der Politik hervor. Als langjähriges Mitglied im Politischen Beirat des BVMW ist Zypries eine Verfechterin für mittelstandsfreundliche Gesetzgebung. Ihr wurden im Anschluss die Positionspapiere offiziell überreicht. Die Positionspapiere spiegeln die Themen wider, die den KMU unter den Nägeln brennen: Arbeitsmarktpolitik, Finanzierung und Steuerpolitik, Energieversorgung, Digitale Agenda und Innovationsstandort Deutschland. Der Mittelstand spürt den Fachkräftemangel bereits deutlich. Über 85 Prozent hatten 2013 Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Die demografische Entwicklung verschärft diese Problematik, der nur durch eine grundlegende Reform der Bildungspolitik entgegengewirkt werden kann. Die zunehmende Digitalisierung von Gesellschaft und Arbeitsumfeld muss mit innovations- und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen flankiert werden. Es muss gelingen, innovative Unternehmen

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durch optimale Standortbedingungen anzulocken und zu halten. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu erhalten, muss verstärkt in Breitbandausbau, Innovationsförderungen, Digitalisierung der Industrie und in Erneuerbare Energien investiert werden. Nur so kann der Wirtschaftsstandort Deutschland für ausländische Arbeitskräfte, Investoren und Unternehmensgründer attraktiv gestalten werden. Mit den neuen Partnern bestätigt sich die zukunftsorientierte und innovative Zielrichtung der Mittelstandsallianz. Mittelstandspräsident Ohoven hob hervor: „Die Zusammenarbeit zeichnet sich durch Kompetenz, Respekt und einen außerordentlich konstruktiven Austausch aus. Das ist in der Verbändelandschaft einzigartig!“

Max Kettner Projektreferent BVMW

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POLITIK

Wie Bürger und Mittelstand die „Energiewende von unten“ stemmen Kommunale Eigeninitiative bei den Erneuerbaren Energien

Das Holzhackschnitzelheizkraftwerk der Samtgemeinde Lathen (Niedersachsen).

Während in Berlin und Brüssel kontrovers über den Weg ins regenerative Energiezeitalter diskutiert wird, nehmen viele Kommunen und Regionen die Energiewende selbst in die Hand – mit maßgeblicher Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft vor Ort und zum Wohle ihrer Bürgerinnen und Bürger. Denn der Aus- und Aufbau regenerativer Energien passiert nicht irgendwo, sondern auf lokaler Ebene, häufig in eher wirtschaftsschwachen Regionen. Hier entstehen Bürgerwindparks, nutzen Gewerbetreibende die günstige Solarenergie, bauen Landwirte Energiepflanzen an, und Bürger machen mit Hilfe ortsansässiger Handwerker ihre Eigenheime energetisch fit für die Zukunft. Der Umbau der Energieversorgung, von einem konzerngetragenen, zentralen System mit wenigen Großkraftwerken hin zur dezentralen Verteilung vieler kleiner und mittelgroßer Energieerzeugungsanlagen geht mit neuen, demokratischen Eigentümerstrukturen einher. Damit bieten

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sich für Kommunen und mittelständische Unternehmen, aber auch für Bürgerinnen und Bürger zahlreiche Möglichkeiten, selber zu Betreibern des regionalen Anlagenparks zu werden. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts trend:research hat die Bürgerenergie im Strombereich beziffert. Demnach liegen gut 47 Prozent der regenerativen Anlagenkapazitäten in Bürgerhand. Der Mittelstand leistet den zweitgrößten Beitrag zur Energiewende in Deutschland: Jeweils rund 14 Prozent der installierten Leistung Erneuerbarer Energien wurden von Gewerbetreibenden und von mittelständischen Projektierern investiert. Zum Vergleich: Der Anteil der vier großen Stromkonzerne an den neu installierten Ökostrom-Anlagen in Deutschland beträgt gerade mal fünf Prozent. Gemeinsam für Erneuerbare Wärme Landwirte werden zu Energiewirten, Stadtwerke verlegen Nahwärmenetze, und Kommunen werden gemeinsam mit ihren

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Bürgern zu Energiegenossen. So wie im niedersächsischen Lathen: In der Samtgemeinde mit ihren 11.300 Einwohnern wurde ein Holzhackschnitzel-Heizwerk gebaut und ein neues Wärmenetz verlegt. Seitdem ist die Wärmeversorgung in Lathen regenerativ, regional und klimafreundlich. Um die Bürgerinnen und Bürger auch direkt zu beteiligen, wurde das Projekt als Genossenschaft umgesetzt – eine besonders demokratische Rechtsform, die hohe Akzeptanz findet (siehe Kasten). Einen Genossenschaftsanteil gibt es in Lathen schon für 100 Euro. Dafür erhalten die Mitglieder den Anschluss ans Nahwärmenetz und müssen je Kilowattstunde Wärme nur noch 4,5 Cent bezahlen, ein Preis, der deutlich unter dem für Erdgas liegt. Insgesamt haben die Energiegenossen 27 Millionen Euro in Lathen investiert. Bürgermühlen in Mühlhausen Aber nicht nur in Norddeutschland blüht die Energiewende von unten: In der mittelfränkischen Marktgemeinde Mühlhausen in Bayern drehen sich vier Bürgerwindräder, geplant und errichtet vom BVMWMitglied juwi, nach eigenen Angaben „Windprojektierer Nummer 1 in Deutschland“. Zwei der Windmühlen können rein rechnerisch bereits die gesamte Marktgemeinde mit Strom versorgen. Mit den anderen Anlagen ist Mühlhausen sogar Stromexporteur. Die Investitionssumme von 20,5 Millionen Euro wurde ausschließlich mit Kapital aus der Region gedeckt. Neben den Anwohnern, die über Bürgergesellschaften an dem Windpark beteiligt sind, kam ein erheblicher Anteil auch von zwei regionalen Banken. Wertschöpfung für die Kommune Erneuerbare Energien bieten den Kommunen vielfältige Möglichkeiten, die Wertschöpfung aus der Energieversorgung in der Region zu halten. Statt große Summen


POLITIK

Energiegenossenschaften Energiegenossenschaften erfreuen sich großer Beliebtheit als Organisationsform für Bürgersolaranlagen, Windparks, regionale Wärme- und Stromnetze. Auch viele Bioenergiedörfer sind genossenschaftlich organisiert. Dies geht aus einer aktuellen Erhebung des Klaus Novy Instituts hervor. Ende 2013 engagierten sich demnach 888 Energiegenossenschaften für den Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland. Damit stieg der Bestand gegenüber 2012 um 142.

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien (AEE)

Der Vorteil: In eine eingetragene Genossenschaft (eG) können sich viele verschiedene Akteure wie Kommunen, Bürger, Rohstofflieferanten und Unternehmen schon mit überschaubarem finanziellen Einsatz einbringen. Jedes Mitglied hat nur eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Kapitalbeteiligung, weshalb die eG als besonders demokratische Rechtsform gilt. Für die gezeichneten Anteile erhalten die Mitglieder eine jährliche Dividende. Im Vergleich etwa zur GmbH & Co. KG sind Genossenschaften indes weniger gewinnorientiert. Das gemeinsame Interesse der Mitglieder steht hier im Vordergrund. Für Verbindlichkeiten haften die Mitglieder nur mit ihrer Einlage. Allerdings gelten Genossenschaften als besonders insolvenzsicher. Das mag auch daran liegen, dass der zuständige Genossenschaftsverband den Gründungsprozess intensiv begleitet. Weitere Infos sowie ausführliche Berichte zu unterschiedlichen Energiegenossenschaften unter: www.kommunal-erneuerbar.de

Entwicklung von Energiegenossenschaften in Deutschland

Wachstumstrend bei der Gründung von Energiegenossenschaften hält weiter an 1.000

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2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Quelle: Klaus Novy Institut; Stand: 1/2014 Entwicklung der Energiegenossenschaften.

durch den Kauf von importierter – meist fossiler oder atomarer – Energie abfließen zu lassen, wirken die dezentralen Erneuerbaren Energien wie ein Konjunkturprogramm für die eigene Region und viele dort ansässige mittelständische Betriebe. Laut einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung spülen Erneuerbare Energien über elf Milliarden Euro Wertschöpfung in die Kommunen – pro Jahr. Gleichzeitig haben allein die im vergangenen Jahr deutschlandweit erzeugten Mengen regenerativer Energie den Import fossiler Brennstoffe im Wert von 20 Milliarden Euro überflüssig gemacht. Der Erfolg der „Energiewende von unten“ ist also nicht nur eine abstrakte volkswirtschaftliche These. Er ist ein in vielen Regionen, bei tausenden Mittelständlern und Millionen Bürgern messbarer, ganz konkreter Gewinn für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Philipp Vohrer Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) www.unendlich-viel-energie.de

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POLITIK

Energiewende ohne wenn und aber Die Bundesregierung sollte die Erneuerbaren Energien fördern statt behindern

Doch anstatt diesen dynamischen Prozess zu fördern, führt die Große Koalition eine recht kurzsichtige Kostendebatte. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel betont, er wolle mit seiner Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die „Kostendynamik“ bei der Förderung der Erneuerbaren Energien „brechen“.

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Da sollte er sich zunächst einmal Klarheit über die Zahlen verschaffen: Der Minister hat das Ziel ausgegeben, die durchschnittliche Vergütung für Anlagen der Erneuer­ baren Energien von 17 Cent je Kilowattstunde auf 12 Cent zu drücken. Schon heute aber liegen wir bei neuen Anlagen bei 12,7 Cent – der Weg ist also gar nicht so weit, wie manche denken. Außerdem gab es vor wenigen Wochen erfreuliche Nachrichten vom EEG-Umlagekonto: Der Saldo hat sich so positiv entwickelt, dass die begründete Hoffnung besteht, dass

Der Mittelstand. | 2 | 2014

die Umlage im Jahr 2015 konstant bleibt oder sogar erstmals sinken könnte. Das heißt aber keinesfalls, dass der zuständige Minister und wir als Erneuer­ baren-Branche uns jetzt beruhigt zurücklehnen könnten. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hat auf ökonomische Effizienz immer Wert gelegt. Doch gerade dann ist es falsch, ausgerechnet die günstigsten Erneuerbaren Energien, nämlich Windkraft an Land und Photovoltaik, zu deckeln, zu bremsen oder in Korridore einzusperren.

Foto: chones - Fotolia.com

Die Erneuerbaren Energien stehen mittlerweile für ein Viertel der deutschen Stromerzeugung. Darauf kann die Branche stolz sein. Sie übernimmt immer mehr Verantwortung für das gesamte Stromsystem.


POLITIK

Es ist nicht sinnvoll, den Ausbau der Windkraft über starre Mengenziele zu steuern. Neue Windräder erhöhen die Strompreise nicht, sondern stabilisieren sie. Ebenso falsch ist es, den Zubau allein auf die windstärksten Standorte zu konzentrieren. Mit modernen Schwachwindanlagen lässt sich auch an weniger begünstigten Stellen in der Mitte und im Süden unseres Landes sehr wohl Strom ökonomisch produzieren. Außerdem ist eine regionale Verteilung der Windkraft wichtig für das Gesamtsystem. Je gleichmäßiger die Erzeugung, desto geringer die Kosten für den Netzausbau. Deshalb sollten auch die Bayern noch einmal darüber nachdenken, ob sie den Bau von Windrädern durch rechtliche Hürden faktisch ausschließen wollen oder nicht.

Foto: BEE / Bildschön / Marco Jentsch

Auch bei der Photovoltaik (PV) sollte der technische Fortschritt honoriert und nicht sanktioniert werden. Strom aus großen PV-Anlagen kann heute schon für neun bis zehn Cent je Kilowattstunde erzeugt werden – das wäre vor fünf Jahren noch unvorstellbar gewesen. Doch das Degressionstempo bei der EEG-Vergütung ist zu hoch, sodass effiziente PV-Freiflächenanlagen kaum noch gebaut werden. Auch die Einschränkungen bei der Förderfähigkeit dieser Anlagen sollten gelockert und die willkürliche Größenbeschränkung auf zehn Megawatt Spitzenleistung sollte aufgehoben werden – genauso wie der Gesamtdeckel für Photovoltaik von 52 Gigawatt. Eine besondere Gefahr, nicht nur für die Solarbranche, sind die von der Bundesregierung geplanten Regelungen zum Eigenverbrauch. Der Verbrauch von selbst erzeugtem Sonnenstrom trägt im Vergleich zu vergütetem PV-Strom dazu bei, das EEGKonto netto zu entlasten. Eine Belastung des Eigenverbrauchs mit der EEG-Umlage wäre also schlecht für die Gesamtheit der Stromkunden und würde die Bemühungen der Branche konterkarieren, durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle Schritt für Schritt unabhängiger von der EEGFörderung zu werden. Überall im Land entstehen gerade Modelle, bei denen auf die Dächer von Mehrfamilienhäusern PV-Module montiert werden. So profitieren auch Mieter von günstig erzeugtem Ökostrom, was ja von der

BEE – Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. – Dachverband der Erneuerbaren Der Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (BEE) ist der Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland. Er wurde offiziell 1991 gegründet und fungiert als Zusammenschluss der Fachverbände aus den Bereichen Wasserkraft, Windenergie, Bioenergie, Solarenergie und Geothermie. Der BEE vertritt die Interessen der Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Langfristiges Ziel des BEE ist es, die Energieversorgung in Deutschland vollständig auf Erneuerbare Energien umzustellen. Deshalb setzt sich der Verband auf allen politischen Ebenen für bessere Rahmenbedingungen für die Erneuerbaren ein und wirkt auf ihren Vorrang gegenüber endlichen und fossilen Energieträgern hin. Als Dachverband koordiniert der BEE die Aktivitäten der einzelnen Verbände im Bereich der Erneuerbaren Energie. Er organisiert Beratungen mit Politik, Behörden, Instituten und Verbänden, beauftragt Gutachten und erarbeitet Stellungnahmen zu Gesetzgebungsvorhaben. Zurzeit sind 26 Verbände mit mehr als 30 000 Einzelmitgliedern und Firmen Mitglieder des Bundesverbandes. Die Erneuerbaren Energien stehen nach den aktuellsten verfügbaren Berechnungen des Bundesumweltministeriums für insgesamt 378.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Der BEE ist Mitglied der Mittelstands­allianz, einer Initiative des BVMW. www.bee-ev.de Politik immer wieder gefordert wird. Deshalb sprechen wir als BEE uns für eine Bagatellgrenze von 1,25 Millionen Kilowattstunden des ersten selbst erzeugten Stroms aus. Das entspricht 250 Kilowatt Leistung (umgerechnet auf eine Kraft-Wärme-Kopplung Anlage). Und dann muss man sich immer noch vor Augen halten, dass der Eigenverbrauch eines Kohlekraftwerks von 1.000 Megawatt nach wie vor nicht belastet werden soll. Würde die Große Koalition das ändern, könnte sie auch die EEG-Umlage senken. Immer wieder wird gefordert, die Erneuerbaren Energien sollten sich dem Markt stellen. Die Branche hat keine Angst vor dem Markt. Aber der Wettbewerb muss fair sein. Nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums liegen die wahren Kosten einer Tonne CO2-Emission bei 80 Euro. Die CO2-Zertifikate werden aber für rund vier Euro pro Tonne gehandelt, und auch die zaghaften Reparaturen am EU-Emissionshandel werden daran kaum etwas ändern. Und trotzdem sind Windkraft an Land und PV schon heute kostengünstiger als neue fossile Kraftwerke.

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Diese Entwicklung sollte die Bundesregierung unterstützen und nicht behindern. Es kann nicht sein, dass nur drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima jedem Bekenntnis zur Energiewende ein viel größeres „Aber“ folgt.

Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie

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POLITIK

Glanzvoller Jahresempfang Rekord: 3.300 Gäste beim BVMW So viele Gäste wie noch nie: 3.300 Gäste brachten ihre Verbundenheit mit dem deutschen Mittelstand auf dem BVMW-Jahresempfang eindrucksvoll zum Ausdruck. Mehr als 120 Abgeordnete des Bundestags, 40 Botschafter und zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer waren aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen. Der Abend galt dem Austausch zwischen Wirtschaft und Politik. Klare und mahnende Worte richtete Mittelstandspräsident Mario Ohoven im Namen der anwesenden Unternehmer und Unternehmerinnen an die Spitzenpolitik. Er forderte die Bundesregierung unter starkem Beifall der Gäste auf, den Wirtschaftsstandort Deutschland endlich zukunftssicher zu machen: „Explodierende Energiekosten, steigende Sozialabgaben und der geplante Mindestlohn belasten den Mittelstand. Die Politik muss bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und neue Arbeitsplätze in Unternehmen schaffen.“

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Dagegen hatte Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) zuvor die guten Rahmenbedingungen der Unternehmer betont: keine Steuererhöhungen durch die Große Koalition und eine positive gesamtwirtschaftliche Lage. Dennoch fordert auch er, dass energieintensive Unternehmen entlastet werden und Strom bezahlbar bleibt. Konkrete Vorschläge, wie das gelingen soll, blieb er schuldig. Energiewende mache nur Sinn, wenn alle mit anpacken. Deshalb plädierte Günther Oettinger, Energiekommissar der EU, für eine europäische Energiewende, statt eines deutschen Sonderwegs. Zusätzlich riet er Deutschland zu mehr Offenheit gegenüber Fracking, um neue Wege beschreiten zu können. Überraschend kündigte Ohoven am Abend einen weiteren Gastredner an: Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der Bundesaußenminister war erst Stunden zuvor aus Afghanistan zurückgekehrt. In seinem Grußwort verwies er unter anderem auf die Bedeutung der Agenda 2010 für Deutschland. Abschließend bezog

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2 1. In entspannter Atmosphäre verweilten die Gäste bis spät in die Nacht. 2. 3.300: So viele Gäste wie noch nie brachten ihre Verbundenheit mit dem BVMW zum Ausdruck.

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POLITIK

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Guido Kluck

LL.M., Rechtsanwalt und Gründungspartner Kanzlei WK LEGAL, Berlin

» Das Besondere beim BVMW-Jahresempfang ist

die Vielzahl der Unternehmer unterschiedlicher Branchen aus allen Bundesländern, mit denen man sich in angenehmer Atmosphäre austauschen kann.

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Nicolas Scheidtweiler

Inhaber Scheidtweiler PR, Bremen

» Die Rede Günther Oettingers hat mich beeindruckt

und mir näher gebracht, dass es in Brüssel mehr als nur Regulierungswut gibt. Der Weg von Bremen nach Berlin hat sich auf jeden Fall gelohnt. Fotos: Christian Kruppa

«

3. Dr. Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE; BVMW-Präsident Mario Ohoven; Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und Prof. Dr. Maurizio Casasco, Präsident des italienischen Mittelstandsverbandes Confapi (v. li.) 4. Die BVMW-Smart-Flotte.

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5. G  rünen-Chef Cem Özdemir und Dagmar Wöhrl, MdB. 6. Mittelstandspräsident Mario Ohoven, Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier und UNESCO-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven (v. li.) 7. J ournalist und Fernseh-Moderator Cherno Jobatey.

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POLITIK

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Anke Reichenberg

Geschäftsführerin Akademie Reichenberg, Berlin und Wiesbaden

» Ein sehr gelungener Jahres-

empfang 2014. Die Auswahl der Redner sorgte für eine „bunte“ Reise durch die politische Landschaft Deutschlands, oft mit Augenzwinkern auf uns Mittelständler.

«

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Sabine Witte

Training – Coaching – Beratung, Berlin

»

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der Oppositionsführer des Bundestags, Dr. Gregor Gysi, charmant und gewohnt angriffslustig Stellung zu seinen Vorrednern. So seien es beispielsweise die Großkonzerne, die die Energiewende verschlafen haben und nicht die kleinen und mittleren Unternehmen. Deutlich forderte er eine Stärkung des deutschen Binnenmarktes.

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Als Unternehmerin fühle ich mich nach diesem Abend in der Meinung bestätigt, dass die Themen Energiewandel, Fachkräftemangel und Europa im Fokus bleiben müssen, um existenzielle Risiken für den Mittelstand zu vermeiden.

«

In lockerer und entspannter Atmos­ phäre ließen die Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur den Abend ausklingen. Angeregt tauschten sie sich bis zu später Stunde über ihre Erfahrungen und Erwartungen aus. Ohoven resümierte: „Die große Resonanz am heutigen Abend ist ein klares Signal an die Große Koalition.“

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8. Kanzleramtsminister Peter Altmaier. 9. D  r. Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender DIE LINKE. 10. EU-Kommissar Günther Oettinger. 11. Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier. 12. Mittelstandspräsident Mario Ohoven. 13. U  nternehmer nutzten die Gelegenheit zum Austausch.


POLITIK

Zukunft sichern durch Export

Foto: nattanan726 - Fotolia.com

Die Exportinitiative Erneuerbare Energien, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit zahlreichen wichtigen Partnern (wie u. a. dena, GIZ) durchgeführt wird, unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen bei der Erschließung von Auslandsmärkten und dem Export von Erneuer­bare-Energien-Technologien. Die Exportinitiative hat ein auf Schwellen- und Entwicklungsländer abgestimmtes Programm entwickelt. So können interessierte Unternehmen von dem weltweiten Partnernetzwerk der Exportinitiative profitieren und neue Absatz-, Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten gewinnen. Kontakt: celia.nork@bvmw.de www.exportinitiative.de Anzeige

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POLITIK

Spitzengespräche in Berlin, getrieben werden. Dabei muss die Explosion des Strompreises gestoppt werden. Mario Ohoven machte den Vertretern von Regierung und Opposition klar, dass viele mittelständische Unternehmen vor der Entscheidung stehen, Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern, um dem steigenden internationalen Kostendruck zu begegnen.

Vizekanzler Sigmar Gabriel mit BVMW-Energieexperte Rainer Alzinger, Mittelstandspräsident Mario Ohoven und BVMW-Vizepräsident Dr. Hans-Michael Pott (v. li.).

Politik pur: Auch die Monate Februar und März waren geprägt von zahlreichen Begegnungen mit Spitzenpolitikern in Berlin, denn Mittelstands­präsident Mario Ohoven ist ein gefragter Gesprächspartner der Minister und Spitzenparlamentarier. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Forderungen und Positionen des Mittelstands für die Energie- und Steuerpolitik.

Mittelstandspräsident Ohoven mit dem Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Dr. Gregor Gysi, MdB.

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Mit der Kernforderung „so dezentral wie möglich, so zentral wie nötig“, hat der BVMW ein vielbeachtetes Konzept vorgelegt und wurde zur Anhörung des Wirtschaftsministeriums eingeladen. Der BVMW begrüßt den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dieser sollte aber mit Fokus auf einen Erzeugungsmix mit stetiger regionaler Produktion voran-

Gespräch im Bundestag: Mario Ohoven und Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und mittelstandspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

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Ein weiteres zentrales Anliegen in den Gesprächen mit der Politik ist die Stärkung der Eigenkapitalversorgung des Mittelstands. Dazu hat Mario Ohoven mit der Reform der Gewinnthesaurierung einen leicht umsetzbaren Vorschlag gemacht. Für eine steuerliche Entlastung des Mittelstands ist die offene Selbst­ finanzierung oder auch Gewinnthesaurierung ein wichtiges Instrument. Sie stärkt das Eigenkapital, senkt die Kapitalkosten von kleinen und mittleren Unternehmenund ermöglicht ihnen Investionen. Müssen Personenunternehmen ihre Gewinne erst versteuern, wenn sie aus dem Unternehmen entnommen werden, eröffnen sich neue, attraktive Finanzierungsmöglichkeiten.

Stefan Waldschmidt BVMW, Leiter Public Affairs

Energiepolitik im Mittelpunkt: Mario Ohoven mit Dr. Peter Ramsauer, MdB, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie, CSU.


POLITIK

in Brüssel …

Mario Ohoven mit dem tunesischen Industrieminister Kamel Bennaceur in Brüssel.

Unter dem Motto „Tunesien für das Unternehmertum“ fand ein Treffen des gemeinsamen Rates, bestehend aus hochrangigen Vertretern der Europäischen Union und Tunesiens, in Brüssel statt. Ziel war es, die Unternehmen der Nord- und

Süd­anrainerstaaten des Mittelmeeres in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. EU-Kommissar und Kommissions-Vizepräsident Antonio Tajani sowie der Industrie­ minister Tunesiens Kamel Bennaceur hoben in ihren Statements die Wichtigkeit hervor, kleine und mittlere Unternehmen zu fördern, die Verwaltung zu modernisieren, Vorschriften zu vereinfachen und tiefgreifende Reformen umzusetzen sowie maßgebliche Aktivitäten im Bereich der Bildung in Gang zu setzen. Mittelstandspräsident Mario Ohoven betonte, wie bedeutsam der Mittelstand als Rückgrat der Wirtschaft in Deutschland ist und nannte die wichtigsten Anliegen

von KMU: Finanzierung, Fachkräfte und Infrastruktur, die als Leitlinien einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik auch in Tunesien dienen sollten. Tunesien befinde sich auf einem verheißungsvollen Weg. Werden die Potenziale genutzt und die richtigen Schritte getan, so Ohoven, könne Tunesien in Zukunft ein noch stärkerer Partner für die EU in Nordafrika werden. Am Vortag der Zusammenkunft konnten hochrangige Gespräche unter anderem mit dem stellvertretenden Kabinettschef von Handelskommissar Karel de Gucht, Frank Hoffmeister, sowie mit Werner Hoyer, Chef der Europäischen Investitionsbank, und dem FDP-Spitzenkandidaten für die Europawahlen 2014, Alexander Graf Lambsdorff, geführt werden.

und in Neapel Italien – Partner mit Problemen

Didier Herbert, Direktor EU-Kommission; Stefania Brancaccio, Vizepräsidentin Federazione Nazionale dei Cavalerie del Lavoro; Sabino Basso, Präsident Confindustria Campania; Mario Ohoven (v. li.).

Zur „Mission for Growth“ luden EU-Kommissar und Kommissions-Vizepräsident Antonio Tajani und der Präsident der Region Kampanien, Stefano Caldoro, Unternehmen und Verbände zu einer Konferenz nach Neapel ein. Ziel war es, die europäischen Unternehmen über bestehende Geschäftsund Investitionsmöglichkeiten vor Ort zu informieren und mit regionalen Unternehmen in Kontakt zu bringen. Tajani unterstrich, dass Italien vor allem sehr strikte Reformaktivitäten im Bereich Bürokratieabbau vornehmen müsse. Allein zwei Prozent des BIP verschlinge unter anderem das ineffiziente Justizwesen pro Jahr.

Mit 150 Milliarden Euro unterstützte die EU-Kommission zwischen 2014 und 2020 den Mittelstand in Europa, allein 100 Milliarden Euro für Maßnahmen der regionalen Förderung. Für BVMW-Präsident Mario Ohoven, den Tajani in seinen Ausführungen immer wieder als Beispiel für den funktionierenden Mittelstand in Europa ansprach, sind genau diese effizienten Rahmenbedingungen notwendige Voraussetzungen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Zudem müsse Italien seinen Unternehmen besseren Zugang zu Finanzmitteln verschaffen, jedes zweite Unternehmen sieht hier das größte Problem.

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Neben politischer Unsicherheit, fehlendem Wirtschaftswachstum und dem Schuldenberg, prägt vor allem die hohe Arbeitslosigkeit die gegenwärtige Lage in Italien. Besonders stark betroffen ist die Gruppe der 15 bis 24-jährigen: Landesweit sind 39 Prozent, im Süden ist sogar jeder Zweite in dieser Altersgruppe ohne Beschäftigung. Deutschland bleibt für Italien der wichtigste Handelspartner: bei den italienischen Einfuhren mit weitem Abstand zu Frankreich, bei den Ausfuhren dicht gefolgt von Frankreich. Der deutsche Marktanteil, gemessen an den italienischen Gesamtimporten, ist von 2005 bis 2012 von 17 auf 14 Prozent zurückgegangen. Als Absatzmarkt für italienische Ausfuhren hat Deutschland über die letzten zehn Jahre einen relativ konstanten Anteil von rund 13 Prozent an den italienischen Gesamtexporten.

Rainer Ptok BVMW, Leiter Außenwirtschaft

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POLITIK

Die Energiewende und Europa EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Exklusivinterview

Der Mittelstand.: Herr Oettinger, wie stehen Sie zu dem BVMW-Modell einer dezentralen Energieversorgung? Günther Oettinger: Der Strombedarf, und es geht ja in Wahrheit um die Stromversorgung in der deutschen Energiewende, ist so hoch, dass wir beides brauchen, große und kleine Produktionseinheiten, zentrale und dezentrale. Es handelt sich nicht um einen Gegensatz, sondern um eine Ergänzung. Braucht Deutschland einen Netzausbau XXL? Es gibt derzeit kein einziges deutsches Netz von Nord nach Süd. Es werden jetzt drei große Stromtrassen geplant. Bei der Trassenfestlegung und der Genehmigung ist dann die Frage, welcher Strom transportiert werden muss, eher sekundär. Die Akzeptanz oder die rechtliche Durchsetzbarkeit hängt nur eingeschränkt an der Zahl der Leitungen, sondern an den Masten, der Trassenführung und an der Trassenentscheidung insgesamt. Man kann dezentral, natürlich auf kurzem Wege, Strom transportieren. Aber: Die Bahn oder beispielsweise die Aluminiumoder Kupferherstellung, die es auch im mittelständischen Bereich gibt, brauchen große Mengen an Strom. Das Gleiche gilt generell für unsere öffentliche Infrastruktur, so dass man beim Leitungsbau dringend die getroffenen Entscheidungen für überregionale Netze umsetzen muss.

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Versucht Deutschland in der Energiepolitik den Musterschüler in Europa zu spielen, oder sollen wir vielleicht sogar eine Vorreiterrolle einnehmen? Die Energiewende bietet Chancen, aber sie muss richtig gemacht werden. Und das EEG muss reformiert werden. Ich stelle fest, Photovoltaikplatten werden in Deutschland im Prinzip kaum mehr hergestellt. Zudem wird Photovoltaik oftmals an falschen Standorten gefördert, also an Orten, wo die Relation zwischen Kosten und Nutzen nicht stimmt. In Deutschland hat dies zu einem Strompreis geführt, der jedem schadet, dem normalen Privatkunden, dem Handwerksmeister und dem energieintensiven Produzenten von Grundstoffen.

Es gilt, keine neuen Steuern auf Strom zu erfinden und die Steuerlast bei bestehenden Steuern nicht zu erhöhen. Die EU-Kommission fordert, dass der CO 2 -Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent zurückgefahren werden soll. Lässt sich dieses Ziel überhaupt umsetzen in den einzelnen Mitgliedsländern? Wir haben ja unser Emissionshandelssystem, das heißt, CO 2 -Emissionen sind handelbar. Indem wir die Emissionsmengen Jahr für Jahr in kleinen Stufen

Foto: hanseat - Fotolia.com

Auf dem Jahresempfang des BVMW in Berlin hat EU-Energiekommissar Günther Oettinger zu einer europäischen Energiewende Stellung bezogen. „Der Mittelstand.“ hat bei dem profilierten Energieexperten nachgehakt.


Foto: Europäische Kommission

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reduzieren, haben wir eine hohe Sicherheit, dass das Ziel erreichbar ist. Das Ziel für die Reduktion der CO 2 -Emissionen ist Teil des Klima- und Energiepakets für 2030, das die Kommission im Januar präsentiert hat. Die Staats- und Regierungschefs werden nun darüber diskutieren. Wenn sie sich darauf verständigen, wird die Kommission verbindliche Vorschläge vorlegen, die dann im kommenden Jahr vom Ministerrat und dem Europäischen Parlament verabschiedet werden sollen. Dadurch können wir relativ frühzeitig Planungssicherheit für alle Beteiligte schaffen. Denn Emittenten, egal, ob die Energiewirtschaft oder die Industrie, brauchen natürlich Klarheit für ihre Standortentscheidungen. In Deutschland herrscht parteiübergreifend Konsens, dass der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung weiter erhöht werden soll. Besteht die Gefahr, dass der forcierte Ausbau der Erneuerbaren Energien letztlich kleine und mittlere Unternehmen überproportional stark belasten könnte?

Bei unserem Berliner Jahresempfang hat BVMW-Präsident Mario Ohoven die Forderung an die Vertreter der Bundesregierung erhoben, den staatlichen Anteil am Strompreis zu senken, sprich, die Stromsteuer zu senken. Stimmen Sie ihm zu? Staatliche Steuern und Abgaben machen in Deutschland mehr als 50 Prozent des Strompreises aus. Da hat Ihr Präsident zu Recht den Finger in die Wunde gelegt. Es wäre schon einiges erreicht, wenn eine weitere Steigerung von Steuern und Abgaben vermieden werden könnte. Es gilt also, keine neuen Steuern auf Strom zu erfinden und die Steuerlast bei bestehenden Steuern nicht zu erhöhen. Deswegen kommt es auf eine Generalrevision des EEG entscheidend an. Es wäre schon einmal ein großer Fortschritt gegenüber heute, einen Deckel auf die Stromsteuer und Abgaben zu legen.

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Die Gefahr besteht, dass jeder über Gebühr belastet wird, weil die Förder­ volumina zunehmen. Wir geben in Deutschland jetzt 23 Milliarden pro Jahr für die Förderung der Erneuerbaren Energien aus. Das fließt in den Strompreis ein und erhöht somit die Basis für die 19-prozentige Mehrwertsteuer auf Strom. Den volatilen Stromproduzenten kann die Zukunft gehören, wenn man Strom in großen Mengen speichern kann. Aber es sieht trotz einiger erster Forschungsprojekte derzeit nicht so aus, dass wir im Laufe des Jahrzehnts Strom in großen Mengen speichern können.

Günther Oettinger, EU-Energie-Kommissar

Goldene Flottina 2012 Erster Platz in der Kategorie „Beliebteste freie Werkstatt“

Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Eberhard Vogt.

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POLITIK

Es geht um die Zukunft der Europäischen Union

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Der Mittelstand. | 2 | 2014

Foto: XtravaganT - Fotolia.com

Europa(schicksals)wahl 2014


POLITIK

Alles neu macht der Mai: Am 25. Mai werden die Deutschen mit über die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments entscheiden. Aus Sicht des BVMW ist die Europawahl 2014 wichtiger denn je. Erstmals in der Geschichte der Europäischen Union (EU) stellen die großen Europäischen Parteien vor der Europawahl ihre Spitzenkandidaten auf, um in den Wahlkampf zu ziehen. Nach dem Willen des Parlaments sollen die Bürger­ innen und Bürger nicht mehr nur über die Zusammensetzung des Parlaments entscheiden, sondern auch Einfluss auf die Besetzung des Amtes des Kommissionspräsidenten haben. Denn mit der Europawahl wird auch die Europäische Kommission neu besetzt. Der Europäische Rat, das Gremium der nationalen Regierungschefs, wird am 27. Mai dem Parlament einen Präsidentschaftskandidaten vorschlagen. Dabei könnte der Spitzenkandidat des Wahlsiegers aus­ sichtsreich sein. Dieses wichtige Amt der EU wird im Juli von den Abgeordneten bestätigt. Der deutsche Politiker Martin Schulz wird für die europäischen Sozialdemokraten antreten. Der langjährige luxemburgische Premier Jean-Jacques Juncker ist das Gesicht der Konservativen, der Europäischen Volkspartei. Einer von ihnen könnte dann im Juli ganz oben stehen.

Foto: Jipé - Fotolia.com

In Deutschland wird es erstmals keine Sperrklausel für die Europawahl geben. Jede abgegebene Stimme hat gleichermaßen Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments. Eine Chance für Kleinparteien – sie könnten die Europapolitik zukünftig mitgestalten. Befürworter hoffen auf eine größere Wahlbeteiligung. Kritiker warnen vor einer Zersplitterung des Europäischen Parlaments und dem Einzug extremistischer Parteien. Laut einem Extremszenario der Deutschen Bank und der Universität Bonn könnten EU-Skeptiker 27 Prozent der Plätze im Parlament einnehmen. Hintergründe Die Europawahl findet seit 1978 alle fünf Jahre in der EU statt. Sie ist eine geheime, freie, unmittelbare und allgemeine Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Vom 22. bis 25. Mai 2014 wählen die EU-Bürger 751 Abgeordnete auf nationaler Ebene. Alle wichtigen Informationen zur Europawahl finden Sie unter: www.elections2014.eu/de

Auf einen Blick Fakt 1: Alle Wahlberechtigten in Deutschland haben eine Stimme, mit der sie eine Partei wählen können. Alle Parteien stellen Bundeslisten auf. Die CDU/CSU arbeitet mit Landeslisten. Fakt 2: Deutschland stellt 96 der 751 Abgeordneten und ist das Land mit den meisten Abgeordneten im Parlament. Fakt 3: Nach einem aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts müssen Kleinparteien keine 3-Prozent-Hürde mehr überwinden. Jede Stimme zählt. Fakt 4: Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen zukünftig die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigung, die Bankenregulierung, die Vollendung des Binnenmarktes, das EU-USA Freihandelsabkommen sowie die demokratische Weiterentwicklung. Fakt 5: In der Vergangenheit hat das Europäische Parlament in der EU zunehmend an Einfluss gewonnen. In immer mehr Politikfeldern trifft es wichtige Entscheidungen, die auch die Bürger der Mitgliedsstaaten betreffen. Fakt 6: Mit der Europawahl wird auch die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der EU, neu besetzt. Nach der Wahl schlägt der Europäische Rat dem Parlament einen Präsidenten vor. Nach dessen Bestätigung schlagen wiederum die Regierungen der Mitgliedsstaaten jeweils einen Kommissar aus ihrem Land dem Europäischen Rat vor.

Friederike Zimmermann, Judith Krause BVMW

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POLITIK

News aus Brüssel Kontrolle von EU-Fördermitteln

Kampf gegen Korruption

Eine erste Bilanz

Hohe Dunkelziffer

Bestechlichkeit und Günstlingswirtschaft sind auch mitten in Europa ein großes Problem. Das hat der erstmals von der EU-Kommission vorgelegte Korruptionsbekämpfungsbericht gezeigt. Besonders anfällige Bereiche sind die Bauwirtschaft, Abfallwirtschaft und Stadtentwicklung. Auf die Frage, ob in den vergangenen zwölf Monaten ein Schmiergeld gefordert worden ist, antworten die Bürger in Litauen zu 29 Prozent positiv. In Rumänien sind es 25, in Polen 15 Prozent. Deutschland (1 Prozent) gehöre bei der Korruptionsbekämpfung „zu den erfolgreichsten Ländern der EU“, lobt EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Sie will in zwei Jahren noch einmal Bilanz ziehen und erst dann eventuell Sanktionen erlassen.

www.ec.europa.eu/anti_ fraud

www.europa.eu/rapid/press-release_ IP-14-86_de.htm

Vergabe öffentlicher Aufträge

Serbien verhandelt über EU-Beitritt

Mehr Rechtssicherheit und Wettbewerb

Schwieriger Kandidat

Das Europäische Parlament hat neuen Bestimmungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge in der Europäischen Union zugestimmt. Sie sollen für mehr Wettbewerb sorgen und das Preis-LeistungsVerhältnis bei Baumaßnahmen verbessern. „Vereinfachung, Flexibilisierung und Rechtssicherheit“ würden damit erreicht, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Künftig müssen für Bauleistungen ab fünf Millionen Euro und Dienstleistungen ab 130.000 Euro die Aufträge EU-weit ausgeschrieben werden. Dabei sollen auch Umwelt und soziale Aspekte berücksichtigt werden können.

Ende Januar haben die Beitrittsgespräche zwischen Serbien und der EU begonnen, nachdem das Land endlich ein Abkommen über die Lösung von Streitfragen mit dem Kosovo unterzeichnet hat. Reichlich optimistisch hofft die Regierung in Belgrad, bis 2018 alle Bedingungen erfüllen zu können. Aber auch hier weiß man um die seit Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise in Europa weit verbreitete „Erweiterungserschöpfung“. Führende Politiker in den Schlüsselländern der EU verlangen eine sorgfältigere Prüfung, ob neue Länder den gestellten Anforderungen an die Wirtschafts- und Wettbewerbsfähigkeit genügen. Die Beteiligten wissen, dass Serbien noch erhebliche Hürden überwinden muss: ungelöste ethnische Probleme, wenig Wirtschaftswachstum, anhaltende Verschuldung, ein hohes Ausmaß an Korruption sowie fragile Beziehungen zu den Nachbarländern.

www.ec.europa.eu/contracts_grants/index_en.htm

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www.auswaertiges-amt.de/DE/Europa/Erweiterung/Serbien.html

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Foto oben: Dooder - Fotolia.com | Foto unten: Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia.com

Die nach wie vor laxe Kontrolle von EUFördermitteln ist den Mitgliedsstaaten, dem Europaparlament und dem Europäischen Rechnungshof schon lange ein Dorn im Auge. Knapp fünf Prozent aller EU-Ausgaben wiesen 2012 Fehler auf. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Erst seit 2014 verlangt die EU-Kommission Nachweise über den strategischen Sinn und den ökonomischen Nutzen von Fördermitteln. Bei ihren Prüfungen für das Jahr 2012 empfahl die Anti-Korruptions-Behörde OL AF Rückforderungen von 284 Millionen Euro. Wieder erwies sich Griechenland als besonders kreativ bei der Erschleichung von EU-Mitteln.


POLITIK

Beihilfen für den Mittelstand

Bis 15 Millionen ohne Prüfung Die EU-Kommission hat neue Beihilfe-Leitlinien für die „Risikofinanzierung“ vorgelegt, die am 1. Juli in Kraft treten. Dadurch können künftig Beihilfen bis 15 Millionen Euro pro Unternehmen ohne Prüfung der Kommission vergeben werden. Obligatorisch vorgeschrieben wird, dass sich auch private Investoren an der Finanzierung beteiligen. In manchen Ländern existiere tatsächlich eine Finanzierungslücke, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Sie wolle man ermutigen, entsprechend konzipierte Beihilfemaßnahmen einzuführen. www.foerderinfo.bund.de/de/168.php

Deutscher Meisterbrief

Widerstand gegen Brüssel Die Bundesregierung hat ein klares Bekenntnis zum deutschen Meisterbrief abgelegt. Dies geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor. Seit einiger Zeit verstärken sich wieder Bestrebungen aus Brüssel, den Zugang zu deutschen Handwerksberufen weiter zu öffnen und damit den Meisterbrief in Frage zu stellen. Die Einflussversuche der

EU basieren auf der Berufsanerkennungsrichtlinie, die die gegenseitige Anerkennung von Berufen zwischen EU-Ländern beschleunigen soll, sowie der Dienstleistungsrichtlinie, deren Umsetzung alle drei Jahre auf den Prüfstand gestellt wird. In einer „länderspezifischen Empfehlung“ der Kommission heißt es zudem, Deutschland solle „Maßnahmen ergreifen, um den Wettbewerb im Dienstleistungssektor einschließlich bestimmter Handwerke, insbesondere im Baugewerbe, weiter zu beleben“. Die Bundesregierung will sich allerdings durch solche Brüsseler Initiativen nicht unter Zugzwang setzen lassen. www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2014/02/59385/

Hilfsprogramme

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Neues Gremium überwacht Schuldenbremse Hilfsprogramme für finanziell notleidende Euro-Staaten sind hinreichend legitimiert. Auf einer Konferenz in Brüssel wies Bundestagspräsident Norbert Lammert darauf hin, dass solche Programme nicht ohne parlamentarische Beteiligung zustande kämen. Zu der Konferenz waren 150 Abgeordnete nationaler Parlamente und des EU-Parlaments zusammengekommen. Sie folgten damit dem Vertrag, mit dem sich 25 EU-Mitgliedsstaaten (Ausnahme Großbritannien und Tschechien) im März 2012 zur Einführung sogenannter Schuldenbremsen verpflichtet hatten. Hauptsächlich geht es dabei um die Überprüfung der nationalen Haushaltsplanungen. Das nächste Treffen wird im Herbst unter italienischer Ratspräsidentschaft in Rom stattfinden. www.ec.europa.eu/europe2020/making-it-happen/index_de.htm

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POLITIK

Boomregion Asien Brigitte Zypries mit dem Bundespräsidenten auf Staatsbesuch in Indien und Myanmar Jahren umfangreiche politische und wirtschaftliche Reformen beschlossen. Höhepunkt der Reise war die Eröffnung des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft durch den Bundespräsidenten, sowie die Teilnahme am ersten DeutschMyanmarischen Wirtschaftsforum in Rangun. Mit der Eröffnung des Delegiertenbüros in Rangun ist Deutschland das erste europäische Land, das in Myanmar einen zentralen Anlaufpunkt zur Markterschließung, vor allem für kleine und mittlere deutsche Unternehmen, geschaffen hat.

Mit einer 15-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitete ich den Bundespräsidenten Joachim Gauck bei seinem Staatsbesuch in Indien und Myanmar. Diese Länder sind für die deutsche Wirtschaft von besonderem Interesse. Deutschland unterhält bereits seit langer Zeit sehr enge wirtschaftliche Beziehungen zu Indien, die wir künftig noch weiter ausbauen wollen. Im benachbarten Myanmar öffnet sich gerade der Markt eines ganzen Landes völlig neu. Für mich war es die erste Auslandsreise in neuer Funktion als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die vielen positiven Rückmeldungen der deutschen Unternehmer und von unseren ausländischen Gastgebern haben gezeigt, dass die Reise nicht nur für mich, sondern auch für die beteiligten Wirtschaftsvertreter ein Gewinn war. Nichts kann den unmittelbaren Eindruck vor Ort ersetzen. Den ersten Teil der Reise verbrachten wir in Indien. Indien bietet enorme Potenziale für eine wirtschaftliche Kooperation, die viele deutsche Unternehmen bereits nutzen. Gleichzeitig wissen wir, dass stabile politische Verhältnisse und ein korruptionsfreier Rechtsstaat wichtige Voraus-

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setzungen für wirtschaftlichen Erfolg sind. Wichtig war daher auch, auf mögliche Handels- und Investitionshindernisse hinzuweisen und auf eine Verbesserung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen hinzuwirken. In unserem dicht gestaffelten Besuchsprogramm standen neben Gesprächen mit hochrangigen Regierungsvertretern in Delhi, Besuche bei deutschen Firmenniederlassungen, einer Schule und der Auto Expo sowie der Austausch mit indischen und deutschen Wirtschaftsvertretern im Mittelpunkt. Auf besonderes Interesse in der Delegation stieß der geplante Bau gigantischer Industriekorridore zwischen verschiedenen indischen Metropolen. Auch im stark wachsenden indischen Energiesektor gibt es bereits eine erfolgreiche deutsch-indische Zusammenarbeit im Indo-German Energy Forum, die noch weiter ausgebaut werden soll. Ein großes Gemeinschaftsprojekt sind die mit deutscher Unterstützung geplanten „green energy corridors“ als Netzinfrastruktur für Erneuerbare Energien. Anschließend besuchten wir Myanmar. Das Land hat in den vergangenen zwei

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Wir wollen durch den neuen Standort die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen und frühzeitig unser unternehmerisches Engagement in diesem Land stärken. Durch das kompakte Programm und viele Gespräche am Rande konnte sich die Wirtschaftsdelegation einen guten Überblick über den myanmarischen Markt sowie die Chancen und Herausforderungen für deutsche Unternehmen verschaffen. Die Reise nach Indien und Myanmar hat uns gezeigt, dass die Voraussetzungen für deutsches unternehmerisches Engagement in beiden Ländern gut sind. Beide Märkte bieten ein großes Potenzial für eine noch stärkere wirtschaftliche Betätigung deutscher Unternehmen. Gleichzeitig dürfen aber die bestehenden Risiken, die mit anderen politischen und rechtlichen Strukturen in diesen aufstrebenden Schwellenländern verbunden sind, nicht unterschätzt werden. Hier empfehle ich, die Instrumente der Außenwirtschaftsförderung des Bundes zu nutzen.

Brigitte Zypries MdB, Parlamentarische Staats­sekretärin beim Bundes­minister für Wirtschaft und Energie. Sie gehörte bis zum Amtsantritt dem Politischen Beirat des BVMW an.

Foto: Bundesregierung, Bergmann

Die deutsche Delegation zu Gast beim indischen Präsidenten in dessen Amtssitz in Neu Delhi (v. re.): Indiens Präsident Pranab Mukherjee, Bundespräsident Joachim Gauck und Lebensgefährtin Daniela Schadt, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und die Parlamentarische Staatssekretärin Birgitte Zypries.


Unbeachtet von erfolglosen Gesch채ftsf체hrern seit 1984.

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RECHNUNGSWESEN

LOHN- UND GEHALTSABRECHNUNG


POLITIK

Deutsch-koreanische Kooperation Den Wandel in der Weltwirtschaft als Chance nutzen Wenn man Koreaner fragt, was sie mit Deutschland verbinden, dann wird als erstes die deutsche Einheit und fast im gleichen Atemzug der deutsche Mittelstand mit seinen Hidden Champions genannt. Korea, das seit dem Zweiten Weltkrieg ein geteiltes Land ist, blickt zur deutschen Wiedervereinigung auf. Auch die wirtschaftliche Entwicklung stellt einen großen Ansporn für Korea dar. Deutschland weist eine ähnlich exportorientierte Wirtschaftsstruktur wie Korea auf und ist damit zu einer der größten Wirtschaftsmächte aufgestiegen. Deutschland kann im Gegensatz zu Großbritannien und den USA seit Jahren eine solide Wirtschaft vorweisen und dabei gleichzeitig die soziale Marktwirtschaft aufrechterhalten. Den Erfolgs­ faktor hierfür sieht Korea in seinem exzellenten Mittelstand als dem Grundpfeiler der deutschen Wirtschaftsstruktur. Dieser Wirtschaftsbereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nimmt in Korea einen noch größeren zentralen Stellenwert ein als in Deutschland, da er 99,9 Prozent aller Unternehmen umfasst und 86,8 Prozent aller Beschäftigten stellt. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU spielt daher eine wichtige Rolle in der Politik Koreas. Mit Einführung des WTO-Systems, der seitdem stetig wachsenden Zahl der Freihandelsabkommen auf der einen, und der progressiven Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie auf der anderen Seite, sehen sich die mittelständischen Unternehmen mit den Herausforderungen des unbeschränkten Wettbewerbs und rasanten Veränderungen konfrontiert. Die weltweite Produktionsteilung und strategische Kooperationen sind daher nicht mehr nur eine Option, sondern ein Muss für das Weiterbestehen und das Wachstum von KMU. Die Zusammenarbeit zwischen Korea und Deutschland bietet die Möglichkeit, den Wandel in der Weltwirtschaft nicht als Krise zu betrachten, sondern vielmehr als Chance zu nutzen. Die ähnliche

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Auftakt zum Ländergipfel: Mario Ohoven mit dem südkoreanischen Botschafter in Deutschland Kim Jae-Shin.

Wirtschaftsstruktur beider Länder ist in diesem Zusammenhang für beide Seiten von Vorteil. Denn der hohe technische Standard Deutschlands und Koreas hervorragende Verfahrenstechnik und Produktivität begünstigen sich gegenseitig. Vor diesem Hintergrund kommt die gemeinsame Absichtserklärung für eine Kooperation zwischen dem BMVW und der koreanischen Ahpek anlässlich des Besuches der koreanischen Präsidentin Park Geun-hye Ende März genau zum richtigen Zeitpunkt. Gleichzeitig starten das Bundeswirtschaftsministerium und das koreanische Ministerium für Handel, Industrie und Energie ein gemeinsames F&E-Förderprogramm für KMU.

S.E. Jae-Shin Kim Botschafter der Republik Korea

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POLITIK

Deutschlands und Koreas Mittelstand sichern Gewinn und Wachstum BVMW vereinbart Kooperation mit dem wichtigsten koreanischen Wirtschaftsverband

Foto: Soeren Stache – dpa

Anlässlich des Staatsbesuchs der koreanischen Staatspräsidentin Geun-Hye Park in Berlin haben der BVMW und der koreanische Unternehmerverband AHPEK (Association of High Potential Enterprises of Korea) ein Abkommen über die künftige Kooperation geschlossen. BVMW-Präsident Mario Ohoven brachte bei einem festlichen Lunch gegenüber dem Staatsgast die hohe Wertschätzung des deutschen Mittelstands für die Innovationskraft der koreanischen Klein- und Mittelbetriebe zum Ausdruck.

wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen und mittelständischen Unternehmen beider Länder den Eintritt auf dem jeweiligen Markt erleichtern. Dem AHPEK gehören unter anderem die rund 500 innovationsstärksten koreanischen Mittelstandsunternehmen an.

Gemeinsam mit dem koreanischen Handels- und Industrieminister Sang-Jick Yoon hatte Ohoven zuvor eine deutsch-koreanische Wirtschaftskonferenz in Berlin eröffnet. In seiner Keynote wies der deutsche Mittelstandspräsident darauf hin, dass Korea für Deutschland einer der führenden Handelspartner in Asien ist, und umgekehrt Deutschland der wichtigste Handelspartner Koreas in Europa insgesamt ist. „Deutschlands und Koreas Mittelstand sichern Gewinn und Wachstum“, betonte Ohoven. Mehr als 500 deutsche Mittelständler sind heute schon in Korea vertreten. Mit der Kooperation wollen BVMW und AHPEK die

Festlicher Lunch mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der koreanischen Staatspräsidentin Geun-Hye Park in Berlin.

Zahlen-Daten-Fakten Bevölkerung: 50 Millionen Einwohner Bruttoinlandsprodukt: 1.1975 Billionen US-Dollar (2013) Pro-Kopf-Einkommen: 23.837 US-Dollar/Jahr

Erfahrungsaustausch im kleinen Kreis mit dem südkoreanischen Minister für Wirtschaft, Industrie und Energie, Sang-Jick Yoon.

Mittelstand in Korea Bekannt vor allem durch seine Konzerne wie Samsung, LG oder Hyundai, hat Korea mit der Übernahme der Präsidentschaft durch Frau Geun-Hye Park das Thema Mittelstand zu einem zentralen Punkt seiner Politik erkoren, um insbesondere die Zusammenarbeit zwischen großen und mittelständischen Unternehmen zu intensivieren und damit Arbeitsplätze auch in der Zukunft zu sichern und aufzubauen. Aktuell gibt es etwa 2.500 Unternehmen, die zu den „Hidden Champions“ in Korea gezählt werden können.

Unterzeichnung des Kooperationsvertrages: AHPEK-Vorsitzender Ho Gap Kang und BVMW-Präsident Mario Ohoven.

KMU werden in Korea als der maßgebliche Wachstumsmotor der Zukunft betrachtet. Vor diesem Hintergrund erwartet sich der BVMW durch eine verstärkte Kooperation mit entsprechenden Mittelstandsverbänden in Korea einen deutlichen Mehrwert für seine Mitglieder.

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POLITIK

Spitzenstandort Litauen

Während die Eurozone insgesamt nur langsam wächst, kann Litauen im abgelaufenen Jahr mit einem BIP-Wachstum von 3,4 Prozent punkten. Inwieweit Litauen diese wirtschaftliche Dynamik einer gezielten Standortpolitik zu verdanken hat, erklärt Milda Darguzaite, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsagentur Invest Lithuania.

Die Weltbank setzt den Wirtschaftsstandort Litauen auf Platz 1 in Mittel- und Osteuropa. 32

Der Wirtschaftsstandort Litauen übt auf deutsche Investoren eine zunehmende Anziehungskraft aus. So entfallen von den kumulierten ausländischen Direktinvestitionen am Standort Litauen in Höhe von 12,1 Milliarden Euro rund zehn Prozent auf deutsche Unternehmen. Deutschland gehört damit schon heute zu den wichtigsten Investorenländern in Litauen. Denn Litauen hat seine Wettbewerbsfähigkeit und damit seine Attraktivität für deutsche Betriebsansiedler in nur wenigen Jahren enorm verbessert. Die Weltbank setzt daher den Wirtschaftsstandort Litauen auf Platz 1 in Mittel- und Osteuropa. Kriterien sind die Abwesenheit staatlicher Barrieren bei der Entfaltung unternehmerischer Aktivität sowie Geschäftsklima und Investitionsbedingungen. Im Vergleich der EU 28 rangiert Litauen auf dem sechsten Platz.

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Foto: Andrius Gruzdaitis - Fotolia.com

Deusche Investoren schätzen Schnittstelle zwischen Ost und West


POLITIK

1.200 deutsche Unternehmen in Litauen vertreten Laut Informationen des Auswärtigen Amts sind rund 1.200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Litauen registriert, darunter eine Vielzahl deutscher Mittelstandsbetriebe. Seit seinem EUBeitritt konnte das Land den Anteil der Auslandsinvestitionen, die ins Land geholt wurden, jährlich um durchschnittlich 13 Prozent steigern. Für deutsche Unternehmen, die Auslandsengagements planen, ist sicherlich die wirtschaftliche Struktur der Märkte, die sie erschließen wollen, von entscheidender Bedeutung. So sind mit einem Anteil von 99 Prozent aller Unternehmen die kleinen und mittleren Unternehmen der bedeutendste Wirtschaftsmotor in Litauen. Ein großer Vorteil Litauens sind die niedrigen Lohnkosten. Die Personalkosten betragen nur etwa 20 Prozent des Durchschnitts in Deutschland. Die Körperschaftsteuer in Litauen ist sowohl für KMU als auch für Konzerne attraktiv: Sie beträgt pauschal 15 Prozent und reduzierte fünf Prozent für Kleinstbetriebe und gehört damit zu den niedrigsten innerhalb Europas. Genehmigungsverfahren für Unternehmensgründungen erfolgen in Litauen innerhalb von durchschnittlich sechs Tagen. Die Weltbank setzt Litauen dafür im Vergleich von 189 Volkswirtschaften auf Platz elf. Gut ausgebaute Logistiknetzwerke Ein weiterer Vorzug des Wirtschaftsstandorts Litauen ist die geografische Lage des Landes. Gut ausgebaute Logistiknetzwerke ermöglichen die Sicherstellung einer nachhaltigen Lieferkette und kostengünstige Transporte sowohl nach Westeuropa und Skandinavien, als auch nach Osten, etwa nach Russland oder in die GUSStaaten. Unternehmen haben von hier Zugriff auf einen Absatzmarkt mit über 750 Millionen potenziellen Konsumenten. Der Anteil des Logistik- und Transportsektors am Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund zehn Prozent. Das Land verfügt über vier internationale Flughäfen, von denen aus die meisten europäischen Metropolen binnen drei Stunden erreicht werden können, sowie über zwei Abschnitte internationaler Trans-Europa-Routen, auf denen 80 Prozent des europäischen Frachttransportes stattfinden. Für den Seehandel hat sich der eisfreie Hafen in Klaipeda (Memel) an der Ostküste des Baltischen Meeres mit einem jährlichen Frachtumsatz von mehr als 32 Millionen Tonnen etabliert. Auf dem Schienennetzwerk werden jährlich 48 Millionen Tonnen Cargo-Güter transportiert.

Litauen gehört zu den unternehmerfreundlichsten Regionen mit dem höchsten Bildungsniveau und der höchsten Lebensqualität innerhalb Europas. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen neben der Logistik- und Transportbranche gehören das produzierende Gewerbe sowie der Groß- und Einzelhandel. Aber auch bei hochwertigen Dienstleistungen sowie Wissenschafts- und Technologiethemen ist Litauen mittlerweile global konkurrenzfähig: Wissensintensive Bereiche wie Informationstechnologie, Finanzwesen und Versicherungen sowie Personaldienstleistungen sind in den letzten Jahren am schnellsten gewachsen und repräsentieren heute 44 Prozent aller neuen Betriebsansiedlungsprojekte im Land. Laut World Competitiveness Yearbook gehört Litauen zu den unternehmerfreundlichsten Regionen mit dem höchsten Bildungsniveau und der höchsten Lebensqualität innerhalb Europas. Zudem wird Unternehmertum im Rahmen der Standortpolitik gezielt gefördert, zum Beispiel durch Investitionsanreize für Forschungsund Entwicklungsaktivitäten. Vor dem Hintergrund der Wachstumsperspektiven wird mit weiteren Direktinvestitionen aus den europäischen Partner­ ländern gerechnet. Besonders deutsche Unternehmen sind herzlich willkommen.

Milda Darguzaite Geschäftsführerin, Invest Lithuania www.investlithuania.com

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KOLUMNE

Gedanken über unsere Welt und ihre Bewohner Guido Augustin: Rettet den Betreff!

Dieses possierliche Tierchen hat schon den Weg von der E-Mail in „modernere“ Formen der Kommunikation nicht geschafft. Eine SMS lebt ohne Betreff, eine Message in Skype, Facebook, Twitter, WhatsApp auch. Und das ist sehr viel bedauerlicher als die penetrante Kleinschreibung oder der Totalverlust der Interpunktion in der digitalen Welt.

Das Thema gehört in den Betreff und nicht der Text. Denn der Betreff setzt Zeichen, wirft Schlaglichter, öffnet Kladden, in die wir all die vielen Informationen – die meisten davon unnütz – schnell sortieren können. Doch selbst dort, wo der Betreff bis heute überlebt, wird er geschunden. Das Thema gehört in den Betreff und nicht der Text. Dennoch gibt es immer wieder Zeitgenossen, die die zarte Zeile mit Monstren wie „Hallo ich kann heute Abend leider nicht dazu kommen, richtet schöne Grüße aus, bis bald Eure Michaela“ überladen und den eigentlichen Mailtext freilassen, allenfalls durch Werbung des kostenlosen E-Mail-Anbieters garniert. Noch gröber sind die Multimailer ohne Sinn und Verstand. Sie diskutieren in großen Mailverteilern und entwickeln mangels jeder Sorgfalt Betreff-Ungetümer, die nicht nur viel über das Mail-Programm der Anwender verraten, sondern auch über

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ihren unsensiblen Umgang mit dem Inhalt ihrer Nachricht: „RE(AW:)/-Re:(Antwort):AW)(FWD):wg. Der Mail.“ Meine persönlichen Lieblinge: Systemadministratoren, welche ungehemmt die Betreffzeile zum Aufmarschgebiet ihrer Virenscanner erklären gerade im Banken- und Versicherungsbereich sehr beliebt. Original-Zitat: „[FIDUCIA virengeprüft ohne Gewähr, dass alle bekannten Viren und deren Varianten erkannt wurden.] [Viren geprüft durch XXX – ohne Gewähr, dass alle bekannten Viren und deren Varianten erkannt wurden.]“ Danach käme dann das Thema. Doch womöglich gibt es Hoffnung. Denn vereinzelt finden sich noch feine Seelen, die den Betreff respektieren, ihn hegen und pflegen. Sie schätzen die kleine Form und nutzen sie wie eine zufällige Berührung im Gedränge, eine Botschaft, mehr verschwiegen als verraten. „Braver Hannes“ steht da, oder „an Sie denken“, im Erfolgsfall auch „Oh Mann!“ oder „Vertrautheit“. Nur ein oberflächlicher, unwissender Zeitgenosse stutzt hier und glaubt, solche Betreffs gehörten nicht ins Business. Dabei sind Zeilen wie „Dampf machen“, „Wie schön, dass es Sie gibt“ oder „Ja und?“ zarte Lichter im Düstern der Informations­ kanalisation, Leuchttürme in der Datenflut. Dankbar, wer solche Betreffs lesen darf.

Guido Augustin BVMW-Pressesprecher Rheinhessen, Social Media-Experte und PR-Berater www.guidoaugustin.com

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Foto: Heike Rost

Die Souveräneren unter uns jonglieren gekonnt zwischen WhatsApp, Messenger, Telefon, Mail, Skype und SMS hin und her. Dabei gerät eine mächtige und zugleich empfindliche Spezies immer weiter ins Hintertreffen, zu deren Schutz ich hier aufrufe: den Betreff!


Energie in Zahlen

1,9

12,7

Prozent betrug 2012 der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch in Deutschland. Knapp zwei Drittel der bereitgestellten Energie aus Erneuerbaren Energien wird aus Biomasse gewonnen, nur rund ein Sechstel aus Windenergie. Photovoltaik, Solarthermie und Geothermie spielen dabei bisher nur eine untergeordnete Rolle.

Prozent weniger Beschäftigte waren 2012 in der deutschen Energie- und Wasserversorgung tätig als ein Jahr zuvor. Dort sind insgesamt rund 233.000 Personen beschäftigt. Besonders in der Gasversorgung war dieser Rückgang mit 6,5 Prozent deutlich zu spüren, weil die Gassparte nur sieben Prozent der Energieversorger ausmacht. Die meisten Beschäftigten, rund 76 Prozent, waren im Bereich der Elektrizitätsversorgung tätig.

14,88

Struktur der Energiebereitstellung aus Erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2012 Gesamt: 317,8 Mrd. Kilowattstunden

biogene Brennstoffe (Strom)

14,0 %

Cent durchschnittlich kostete im ersten Halbjahr 2013 eine Kilowattstunde Industriestrom in der EU. Am teuersten war Industriestrom in Dänemark mit 24,99 Cent pro Kilowattstunde, am wenigsten zahlten die Unternehmen in Montenegro mit 7,33 Cent. Deutschland ist eines der teuersten Länder. Hier kostete Industriestrom durchschnittlich 18,79 Cent pro Kilowattstunde. Und das auch nur aufgrund der hohen Steuern und Abgaben, denn der Nettopreis ist einer der niedrigen in der EU. Die Preisangaben sind inklusive Steuern, Abgaben und Umlagen.

biogene Brennstoffe (Wärme)

38,7 %

Biokraftstoffe 11,4 %

14,0%% 64,1

Solarthermie 2,1 %

Biomasse

Geothermie 2,8 % 6,8 % 6,8 %

8,3 %

Photovoltaik

Wasserkraft

15,9 % 15,9 %

8,3 %

Windenergie

Quelle: Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg

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Windkraft für die Städte Wie lange bleibt das große Potenzial kleiner Windkraftanlagen unausgeschöpft?

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Der Mittelstand. | 2 | 2014

Foto: cienpiesnf - Fotolia.com

IBWF


IBWF

In Deutschland besteht ein immenses Potenzial für kleine und kleinste Windkraftanlagen (KWKA), welches gerade durch den Mittelstand noch unzureichend beachtet und ausgeschöpft wird. Dabei erfreuen sie sich vielfacher Einsatzmöglichkeiten – sogar in Innenstädten. Unter KWKA versteht man Anlagen mit einer Höhe von bis zu 50 Metern. Kleinstwindanlagen messen unter zehn Metern. Letztere werden regelmäßig nur zur Eigenversorgung verwendet. Das Anwendungsspektrum reicht von der Batterieaufladung über die Eigenstromversorgung bei kleineren oder abgelegenen Gewerbebauten (beispielsweise Labor- oder Fabrikräumen) bis hin zu einer Rand- und Zwischen„befüllung“ in Windparks. KWKA sind variabel installierbar und können nicht nur mit Bodenmast, sondern auch als Dachanlage konzipiert sein. Dabei gibt es die Möglichkeit einer horizontalen wie auch einer vertikalen Ausrichtung der Rotorachse. Einen erheblichen Standortvorteil gegenüber den üblichen Windkraftanlagen stellt daher der Einsatz in der Stadt dar. Damit werden KWKA auch für das Gebiet der Elektromobilität interessant, weil man mittels KWKA die Auffüllung von Elektrofahrzeugen mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen im innerstädtischen Bereich ermöglichen kann. In rechtlicher Hinsicht bleibt allerdings zu bedenken, dass, je nach den Einzelheiten der jeweiligen Landesbauordnungen, eine Baugenehmigung erforderlich ist. Dabei kann neben den stets zu beachtenden bauordnungsrechtlichen Vorgaben (Abstandsflächen, Brandschutz, Schallschutz etc.) das Bauplanungsrecht problematisch sein, wobei insbesondere der Gebietscharakter eines städtischen Innenbereichs der Errichtung und dem Betrieb einer KWKA widersprechen könnte.

Maßgeblich sind mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts letztlich die Bauweise und das Maß der baulichen Nutzung. Entwarnend ist zunächst zu bemerken, dass die Rechtsprechung KWKA auch als untergeordnete Nebenanlagen von Wohngebäuden anerkennen kann. Als solche sind sie im innerstädtischen Bereich zulässig. Dennoch bleibt der Vorbehalt, dass sie sich in den Gebiets­ charakter einfügen müssen. Die konkrete Konzeption bedarf daher stets einer besonderen baurechtlichen Beratung im Einzelfall. Die bauplanungsrechtlichen Hürden liegen jedoch oft gar nicht so hoch wie vom Projektierer angenommen. Wichtig ist, dass selbst in reinen Wohngebieten Windkraftanlagen (insbesondere KWKA) zulässig sein können, wenn sie räumlich untergeordnet dimensioniert sind und dem Wohnzweck des Gebietes dienen. Bei KWKA für die Eigenversorgung eines Wohnhauses ist dies der Fall.

Maßgeblich sind mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts letztlich die Bauweise und das Maß der baulichen Nutzung. Bei jedem Vorhaben müssen Störwirkungen im Sinne des Immissionsschutzrechtes und des baurechtlichen Rücksichtnahmegebotes vermieden werden. Die jüngeren Generationen der KWKA warten hier durchaus mit erstaunlich geringen Immissionswerten auf, sodass zumindest die Installation moderner Anlagen unproblematisch sein dürfte. Dem liegt zugrunde, dass nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz KWKA grundsätzlich gar keiner Genehmigung bedürfen. Sie sind lediglich so zu errichten, dass schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind, und dass unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen minimiert werden. Eine der wesentlichen Immissionen von KWKA liegt in den Rotorgeräuschen. Insoweit ist grundsätzlich die „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm) zu beachten, wonach Geräuschimmissionen bestimmte Pegel nicht übersteigen dürfen. Wenn dies technisch nicht möglich ist, gilt das Minimierungsgebot , umzusetzen mit Hilfe der in der TA Lärm vorgesehenen Maßnahmen: etwa Schallschutz, Abstände oder eingeschränkte Betriebszeiten. Sonstige bei üblichen Windkraftanlagen typischerweise auftretende immissionsschutzrechtliche Probleme fallen bei KWKA kaum ins Gewicht. Dies gilt etwa in Bezug auf Lichtimmissionen wie Licht- und Schattenreflexe sowie optische Belastungen durch die Rotorbewegungen. Die bei üblichen Windkraftanlagen entwickelten Abstandsformeln (das Zwei- bis Dreifache der Anlagenhöhe) gelten für KWKA normalerweise nicht. Insofern muss lediglich ein allgemein ordnungs- und planungsrechtlich angemessener Standort konzipiert werden. KWKA bieten damit neben ihren betriebswirtschaftlichen Vorteilen insbesondere auch rechtliche Vorteile, die sich wiederum günstig auf die Kostenlast und somit betriebswirtschaftlich positiv auswirken. Gerade hinsichtlich ihrer baurechtlichen Zulässigkeit haben KWKA den Vorteil weit weniger strikter, kosten- und zeitintensiver Reglementierungen. Skeptischen Kommunen dürfte es nur dann möglich sein, KWKA zu verhindern, wenn sie diesbezüglich konträre kommunale Planungen vorweisen können. Nach der langjährigen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist eine reine „Verhinderungsplanung“ nicht zulässig. Deren Rechtfertigung durch spezielle städtebauliche Konzepte dürfte allerdings zunehmend schwerer fallen, da nach der Baugesetzbuch-Klimaschutznovelle die Verbreitung und Förderung Erneuerbarer Energien eine baurechtliche Privilegierung genießt. Schließlich stellen dezentrale Lösungen einen besonders klimaverträglichen Gesichtspunkt dar.

Rechtsanwalt Dr. jur. Dr. rer. medic. Simon Alexander Lück Mitglied im IBWF – Institut für Betriebsberatung, Wirtschaftsförderung und -forschung e. V. Busse & Miessen Rechtsanwälte PartG mbB www.busse-miessen.de

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IBWF

Staatlich gefĂśrderte Beratung hilft gegen steigende Energiekosten

Foto: Natis - Fotolia.com

Zertifiziertes Energiesparen

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IBWF

Jedes Jahr aufs Neue steigen die Energiekosten der Unternehmen und werden zu einer immer größeren Herausforderung. Doch kaum ein Unternehmer agiert proaktiv, um gegen diesen Anstieg anzugehen. Dabei gibt es eine einfache und sehr kostengünstige Möglichkeit für Unternehmen, einen Überblick über den Ist-Zustand der Energiekosten und die möglichen Einsparpotenziale zu erhalten. Die Bundesregierung hat dazu die „Energieberatung Mittelstand“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Unternehmern einen Anreiz zu bieten, sich mit dem Energieverbrauch und den möglichen Einsparpotenzialen auseinanderzusetzen und somit den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Für kleine und mittelständische Unternehmen gibt es zudem einen weiteren Pluspunkt: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten für die Beratung.

Wie kann sich die Beratung auf die Kosten eines Unternehmens auswirken? Hier ein Beispiel anhand eines Bäckers bei Hamburg. Vorher: Energiekosten pro Jahr

Summe

Strom

95.000 Euro

Gas

15.000 Euro

Gesamt

110.000 Euro

Nachher: Umsetzung von Maßnahmen aus dem Initialbericht des TÜV Maßnahme

Kosten

Zusätzlich werden alle Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, die über den Spitzenausgleich eine Rückforderung der Stromsteuer geltend machen, in die Pflicht genommen, sich bezüglich ihrer Energieeinsparungen zertifizieren zu lassen, damit sie weiterhin die Stromsteuer zurückfordern können. Lassen diese Unternehmen sich nicht zertifizieren, erhalten sie seit 2013 keine Erstattung mehr.

Energieeffizienzberatung (Initialberatung)

370 Euro

Energieeffizienzberatung (Detailberatung)

1.600 Euro

Wer wird gefördert?

Wechsel Energielieferant

Alle kleinen und mittelständischen Unternehmen, die • weniger als 250 Mitarbeiter haben und • deren Jahresumsatz weniger als 50 Millionen Euro beträgt, oder • deren Bilanzsumme kleiner ist als 43 Millionen Euro. Durchgeführt wird die Beratung durch TÜV Ingenieure, die in den Unternehmen eine Vorortbesichtigung vornehmen, alle Verbraucher (Licht, Heizung, Druckluft etc.) aufnehmen und in einem Initialbericht die Ist-Situation mit den Einsparpotenzialen aufführen. Mit den Resultaten kann geprüft werden, welche technisch machbaren Vorschläge auch kaufmännisch sinnvoll sind. Durch die Testierung des TÜV hat das Unternehmen im weiteren Verlauf einen Anspruch auf bis zu 30 Prozent Zuschuss bei der Umsetzung bestimmter Maßnahmen über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Inhalt der Energieeffizienzberatung ist neben der Auflistung der Verbraucher auch die Überprüfung des Energieeinkaufs. Die Einsparpotenziale der Unternehmen liegen bei den Verbrauchern im Schnitt bei fünfzehn bis zwanzig Prozent und beim Energieeinkauf bei fünf bis fünfzehn Prozent.

Kosten für Heizung und Beleuchtung

15.000 Euro

Zuschüsse der BAFA (30%)

- 4.500 Euro

Gesamt

Einspar­ potenzial p.a.

- 4.500 Euro

0 Euro

- 8.000 Euro

12.470 Euro

- 12.500 Euro

Fazit: Schon nach einem Jahr hat sich die Investition von 12.470 Euro amortisiert, da rund 12.500 Euro Energiekosten eingespart wurden und diese somit nur noch bei 97.500 Euro lagen. Durch zusätzliche Maßnahmen konnten die Energiekosten um weitere acht Prozent gesenkt werden. Die Investition hierfür wird sich in weniger als drei Jahren amortisiert haben. Energiesparen heißt also auch, dauerhaft Geld zu sparen. Weitere Infos zum Thema auf Seite 44.

Peter von Kostka Mitglied im IBWF – Institut für Betriebsberatung, Wirtschaftsförderung und -forschung e. V. Geschäftsführer, Hansa Select www.hansa-select.de

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IBWF

Verschärfte Verkehrsregeln Reform des Verkehrszentralregisters sorgt für mehr Transparenz Am 1. Mai 2014 treten die Vorschriften über das Fahreignungsregister in Kraft. Damit wird das Verkehrszentralregister abgeschafft. Die Reform des Fahreignungs-Bewertungssystems begründet der Gesetzgeber mit drei Stichpunkten: einfacher, gerechter und transparenter.

Allerdings führt die Einführung des Fahreignungsregisters in weiten Bereichen zu einer Verschärfung der Rechtslage im Vergleich zu dem bisherigen Verkehrszentralregister. Dies gilt insbesondere für die Tilgungsfristen und den Punkteabbau. Die Tilgungsfristen werden länger, und ein freiwilliger Punkteabbau ist nur noch in einem geringen Umfang möglich. Akuter Beratungsbedarf bis Ende 2014 besteht daher bei Mandanten • deren Bußgeldverfahren noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist oder

• die bereits eingetragene Punkte abbauen wollen. Hier ist zu prüfen, ob eine Entscheidung der Bußgeldbehörde oder des Gerichts vor dem 1. Mai sich günstiger für den Mandanten auswirken kann, oder ob ein Punkteabbau noch vorher sinnvoll ist.

Gustav Rausch Fachanwalt für Verkehrsrecht Mitglied im IBWF – Institut für Betriebsberatung, Wirtschaftsförderung und -forschung e. V. www.Kanzlei-Rausch.de

Foto: Alberich - Fotolia.com

Tatsächlich werden die Voraussetzungen für die Eintragung und für die Tilgung von Punkten für bestimmte Verkehrsdelikte einheitlicher und übersichtlicher geregelt. Dies gilt auch für Maßnahmen, die die Fahrerlaubnisbehörde bei dem Eintritt eines bestimmten Punktestandes ergreifen kann. Die Grundzüge der Reform werden auf der Webseite des Bundesministeriums

für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) unter dem Stichpunkt „Fahreignungsregister“ erläutert.

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Handwerk hat goldenen Boden – jetzt erst recht

Kleine Unternehmen sind selten glücklich mit der Energiewende. Während zahlreiche Großkonzerne sich komfortabel von der EEG-Umlage befreien lassen, müssen kleine und mittlere Unternehmen oft mehr zahlen, weil sie zu wenig verbrauchen: Sie erreichen die Verbrauchsmindestgrenze nicht. So herrscht vor allem in Handwerksbetrieben Unmut über Atomausstieg, Erneuerbare Energien und Umweltschutz.

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Das haben Dr. Ullrich Kornhardt und Anja Gelzer vom Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh) festgestellt. Für ihre Studie „Handwerksrelevante Zukunftsmärkte“ befragten sie Handwerksbetriebe und analysierten umfangreiches Zahlenmaterial. Das Fazit: Die Handwerksmeister verkennen die Unumkehrbarkeit der Energiewende, denken betriebswirtschaftlich zu kurz-

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Foto: kartos - Fotolia.com

Wie deutsche Handwerksbetriebe von dem Milliardenpotenzial der Energiewende profitieren können


SERVICE

fristig und sind einseitig auf die Kosten fixiert. Und so werden sie blind für die Chancen und Märkte, die sich mit der Energiewende auftun. Die Autoren untersuchten, was Elektromobilität und Erneuerbare Energien an Wertschöpfungspotenzial für das Handwerk bereithalten. Das Ergebnis: eine Menge. Jedenfalls zu viel, um notorisch unglücklich mit der Energiewende zu sein, zumal es gerade ein Jahr her ist, dass das Handwerk für sich selbst als „Ausrüster der Energiewende“ warb. Diesem Anspruch, so die Autoren, wird das Handwerk im Moment nicht gerecht.

schöpfungskette. Planung, Bohrung, Installation und Steuerung können mit 21,8 Millionen Euro für das Handwerk zu Buche schlagen. Ein weiterer Standortvorteil des Handwerks gegenüber Großbetrieben und Konzernen: Es wirtschaftet im regionalen Bereich, und genau das wird es im Wettbewerb mit großen Unternehmen stärken, denn Erneuerbare-Energien-Anlagen sind zu 40 Prozent in Privateigentümerhand. Der Trend zur Dezentralisierung der Energieversorgung hält an, Kundennähe vor Ort wird sich auszahlen.

Keine Energiewende ohne das Handwerk Sogfältig haben die Autoren die Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Deutschland verfolgt (wesentlich auf Grundlage des Zahlenwerks der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien, AGEEStat). Nicht erst seit der politisch proklamierten und als „unumkehrbar“ bezeichneten Energiewende wächst die Bedeutung umweltschonender Ressourcen im nationalen Energiemix. Schon seit 1990 stieg deren Anteil von 1,9 Prozent auf 12,2 Prozent im Jahr 2011. Die klimapolitischen Zielsetzungen lassen eine Investition von 155 Milliarden Euro bis 2020 erwarten, verteilt auf die Sparten Windkraft, Photovoltaik und Solarwärme. Allesamt technologieintensive Bereiche, in denen das Handwerk ohnehin schon gefordert ist oder sich künftig profilieren kann: Produktion, Zulieferung, Anlagenbau und -betrieb sowie Wartung. Auf Grundlage des Investitionsvolumens errechnen die Autoren ein handwerksspezifisches Wertschöpfungspotenzial von 55 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020. Sie gehen von circa 90.000 Betrieben aus, die direkt mit Erneuerbaren Energien zu tun haben und errechnen pro Handwerksbetrieb ein Potenzial von 610.000 Euro!

Elektromobilität – ein weites Feld Es ist zu erwarten, dass die Automobilindustrie im Bereich Hybrid- und Elektroantrieb zügig investieren wird. Ein gutes Zeichen für das deutsche Handwerk, da die Branche von zahlreichen vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen abhängt. Ob Benzinmotor oder Elektroantrieb: Mit Autoteilen wird gehandelt, Autos müssen geliefert, instandgehalten und repariert werden, Ladestationen für E-Autos müssen entwickelt, ausgerüstet, installiert und gewartet werden. Zwar waren im Januar 2012 lediglich 4.541 E-Autos unterwegs, doch richten Kornhardt und Gelzer den Blick in die globale Zukunft: 2020 kann das Marktvolumen weltweit auf bis zu 8,6 Millionen Elektrofahrzeuge steigen. In Deutschland dürfte dieser Trend 2030 ankommen. Vor allem das Elektrohandwerk wird davon profitieren, denn keine Elektromobilität ohne Ladeinfrastruktur. Eine Million E-Autos auf deutschen Straßen bedeuten nämlich 150.000 Ladepunkte im öffentlichen Raum und 770.000 Ladepunkte im privaten Sektor. Es müssen also 920.000 Ladestationen aufgebaut, ans Verteilnetz angeschlossen und gewartet werden; die höchsten Schätzungen für das handwerksspezifische Potenzial belaufen sich auf insgesamt 3,6 Milliarden Euro.

Der Trend zur Dezentralisierung der Energieversorgung hält an, Kundennähe vor Ort wird sich auszahlen. Klempner, Maurer, Dachdecker – viele können profitieren Für zahlreiche Gewerke bedeutet das Wachstumspotenzial. Begehrt sein werden in Zukunft: Elektrohandwerker (Elektrotechniker, Informationstechniker), Handwerker aus dem Sektor Sanitär, Heizung und Klimatechnik (Installateure, Klempner), Metallhandwerker sowie Dachdecker, Maurer und Straßenbauer beim Bau von Windkraft- und Biogasanlagen. Besonders in den Segmenten Solarthermie, Geothermie und Biomasse vermutet die Studie einen Handwerksanteil von 50 Prozent an der Wert-

Nicht klagen, handeln! Kornhardt und Gelzer rufen das Handwerk dazu auf, ihrem eigenen Anspruch als „Ausrüster der Energiewende“ gerecht zu werden und diese Rolle verstärkt nach außen zu kommunizieren. Nicht nur Marketing, sondern Kreativität ist gefragt. Die untersuchten Märkte bieten auch in ihrer Kombination erhebliches Wachstumspotenzial. So können Carports mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach zur Aufladung der Elektrofahrzeuge versehen werden. Solch ein „integriertes Angebot von Energie- und Mobilitätsdienstleistungen inklusive Wartung und Instandhaltung“ ist ein Zukunftsfeld, das auch die großen Wettbewerber vor Augen haben. Doch ohne das Handwerk können Energie- und Automobilindustrie nicht zukunftsfähig werden.

Bernd Ratmeyer Wissenschaftsjournalist und Lektor

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SERVICE

Beraten, Fördern, Finanzieren Der Bund unterstützt kleine und mittlere Unternehmen bei Energiesparmaßnahmen und dem Einsatz moderner Technologien. Ein Überblick. KMU-innovativ: Ressourcen- und Energieeffizienz Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert mit dem Programm Spitzenforschung in zukunftsweisende Technologien von mittelständischen Betrieben. Unterstützt werden die Unternehmen mit Beratungsangeboten, schnellen Verfahren und vereinfachter Bonitätsprüfung. Fristen: Unternehmen können ihre Projektskizzen jeweils zum 15. April und 15. Oktober einreichen. www.kmu-innovativ.de

Förderung Querschnittstechnologien Wer selbst nicht entwickelt, aber in hocheffiziente Technologien investieren möchte, kann sich an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wenden. Das BAFA fördert zum Beispiel den Ersatz von Anlagen durch hoch­effiziente Technologien, seit neuestem auch Beleuchtungsanlagen basierend auf LED-Technik sowie Anlagen zur tageslichtabhängigen Steuerung und Regelung. Eine vorherige Energieberatung ist obligatorisch.

Finanzierung von Energie- und Umweltinvestitionen Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat gleich zwei Förderprogramme für den Mittelstand in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) initiiert. • KfW-Energieffizienzprogramm Das Programm dient Unternehmen, die in Haus-, Energie- und Anlagentechnik, Prozesskälte und -wärme, Mess-, Regelund Steuerungstechnik investieren wollen. Unterstützt werden auch Unternehmer, die die Sanierung oder den Neubau von Gebäuden planen. In diesen Fällen wird ein zinsgünstiges Darlehen gewährt.

• KfW-Finanzierungsinitiative Energiewende Die KfW vergibt Darlehen für Energieeffizienzmaßnahmen, für die Neu- und Weiterentwicklung von Technologien zur Energieeinsparung, -erzeugung, -speicherung und -übertragung sowie für Investitionen zur Nutzung Erneuerbarer Energien von Unternehmen. Die Darlehen sind über die Hausbank an die KfW zu richten. Hinweis: Ein weiteres Förderprogramm der KfW wird auf Seite 38 vorgestellt. www.kfw.de

www.bafa.de (Energie, Querschnittstechnologien)

Foto: Kletr - Fotolia.com

 Förderdatenbank Nicht nur bei Energiesparmaßnahmen oder umweltschonenden Technologien – der Blick in die Förderdatenbank des Bundes lohnt immer. Hier können Unternehmen Anfragen, gefiltert nach Fördergebiet, Förderbereich und Förderart, starten. www.foerderdatenbank.de (Energie und Umwelt, Kredit 242 und Kredit 291)

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MY COACHING DAY 2014

Foto: peshkova - Fotolia.com

SERVICE

IMPeUwLeSgeEn die b

7 TOPSPEAKER

auf einer Bühne an einem Tag! Für Chefs und ihre Mitarbeiter(innen)

Oliver Geisselhart, Gedächtnistrainer • Bernd Osterhammel, Pferdeflüsterer • Isabel García, Kommunikationsexpertin • Boris Schwarz, Gesundheitsmotivator • Monika Matschnig, Körperspracheexpertin • Frank Wilde, Mentaltrainer • Gereon Jörn, Der Menschler • In der ZwischenSpielZeit: Norbert Dickel, BVB-Fußball-Legende • Moderator: Roman Roell

SAMSTAG, 17. MAI 2014 Düsseldorf Flughafen, 9:30 Uhr Beginn, 19:30 Uhr After-Show-Party

Schon jetzt Teilnahme sichern! Der Mittelstand. | 2 | 2014

www.mrd.bvmw.de www.ruhr.bvmw.de 45


SERVICE

Energieeffizienz im Mittelstand Innovative Produkte und Dienstleistungen von BVMW-Mitgliedern Ziel: 100 Prozent Erneuerbare Energie Die juwi AG ist ordentlich vorangekommen. Die weltweit realisierten 2.200 Anlagen erzeugen jährlich 4,5 Milliarden Kilowattstunden und decken den Strombedarf von drei Millionen Menschen. Seit Mitte der Neunzigerjahre plant, projektiert, finanziert und betreibt juwi Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien. Für private und gewerbliche Kunden mit Fokus auf eine unabhängige Versorgung, bietet das Unternehmen deutschlandweit Strom und Wärme aus erneuerbaren Energiequellen. Damit gehört es und zu den wenigen Anbietern von übergreifenden Energielösungen auf regenerativer Basis für Kommunen, Industriebetriebe und Privatkunden. Das Unternehmen entwickelt heute Anlagen in den Bereichen Solarstrom, Windenergie, Bioenergie und Wasserkraft.

ONI GmbH | Lindlar (Nordrhein-Westfalen) | www.oni.de

hit-Technopark – Leuchtturm für Energie-Effizienz Emsiges Treiben herrscht in diesen Tagen im Tempowerkring in Hamburg-Harburg, denn die ersten Mieter beziehen ihre Büros im Haus Nummer 19 des hit-Technopark. Die Fertigstellung des Niedrig-Energie-Komplexes ist ein weiterer Meilenstein des Konzeptes hit goes green!, mit dem Hamburgs größter und einziger Technologiepark für eine ökologische Wende sorgt. Die 120 Unternehmen finden Platz auf mehr als 27.000 Quadratmetern Büro- und Technikumsflächen. „Mit dem Konzept hit goes green! setzen wir einen Leuchtturm in puncto Energie-Effizienz“, s­ agt Geschäftsführer Christoph Birkel. „In drei Jahren werden wir den CO 2 -Ausstoß nahezu auf null gesenkt haben.“

Foto: hit-Technopark

juwi AG | Wörrstadt (Rheinland-Pfalz) | www.juwi.de

Energiespar-Spezialist auf Expansionskurs Seit drei Jahrzehnten entwickeln die Experten des Mittelständlers ONI GmbH Anlagen und Systeme, mit denen Industriebetriebe ihre Energiekosten drastisch senken können. Die Energiesparlösungen sind durch über 4.000 Kunden in 60 Ländern längst zu einem Exportschlager „Made in Germany“ geworden. Ein Erfolgsfaktor des Teams um NRW-Wirtschaftssenator und Unternehmensgründer Wolfgang Oehm ist ein breit gefächertes Wissen um branchenspezifische Prozessabläufe. Das Unternehmen bietet darüber hinaus eine kostenlose Energieberatung und Unterstützung bei der Be­ antragung von Fördermitteln für Energiesparmaßnahmen.

Bezugsfertig: das Haus Nummer 19 im Technopark. Foto: juwi Service & Solutions GmbH

Die ökologische Strategie gründet hauptsächlich auf einem modernen Blockheizkraftwerk, das im Winter wärmt, im Sommer kühlt und zusätzlich Strom erzeugt. So werden die Nebenkosten für die Mieter gesenkt und auf lange Sicht überschau- und planbar. Neben dem Neubau sind bereits zwei weitere Gebäude an das Blockheizkraftwerk angeschlossen. hit-Technopark | Hamburg-Harburg | www.hit-technopark.de

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Foto: Hessen-Pellets

SERVICE

Energieeffizienz mittels Wettervorhersage Die Quintec Automatisierungs- und Datentechnik GmbH produziert und vermarktet seit 1996 neben individueller und spezialisierter Industrieautomatisierung auch Lösungen zur Einsparung von Energie in Gebäuden und Produktionsanlagen. Die europaweit patentierte Betriebsoptimierung mit Wettervorhersage-Steuerung, MeteoViva Climate, nutzt lokale Wettervorhersagen und senkt damit die Energiekosten. Der Fokus richtet sich dabei auf die Reduktion von Energiekosten von Gebäuden, auf die Erhöhung der Qualität des Raumklimas sowie auf die Erhöhung der Effizienz der Energieerzeugung. So kann die Anlagentechnik vorausschauend optimiert und Gebäude ohne Erneuerung der bestehenden Anlagentechnik nach Bedarf geheizt, gekühlt und gelüftet werden. Dabei werden bis zu 44 Prozent der Energie- und Anschlusskosten eingespart. Das Optimierungssystem ist für alle Gebäudearten ab etwa 2.000 m² klimatisierter Nutzfläche geeignet. Quintec Automatisierungs- und Datentechnik GmbH Pleidelsheim bei Stuttgart (Baden-Württemberg) | www.quintecgmbh.com Das Werk EnergiePellets in Hosenfeld.

Mit neuen Leuchtkonzepten Geld sparen Die LED-Technologie hat Einzug in den gewerblichen Beleuchtungssektor gehalten. Auf LED-Konzepte und Leuchtmittel setzt auch die item deutschland GmbH. Der ursprüngliche Fachhändler für Drucklösungen, Hardware und Verbrauchsmaterial hat sich mit LED-Beleuchtungskonzepten einen komplett neuen Geschäftsbereich geschaffen. „Was vor allem überzeugt, ist die enorm schnelle Amortisation einer LED-Umstellung“, erklärt Petra Friedl-Chowanietz, Geschäftsführerin der Niederlassung in Meerbusch. LEDs sparen Strom, produzieren weniger Wärme als herkömmliche Leuchtmittel, sind sofort hell und halten deutlich länger als Glühbirnen, Halogen- oder Energiesparlampen. Und verglichen mit Glüh- und Halogenlampen benötigen LEDs nur einen Bruchteil an Energie. Item deutschland GmbH | Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) | www.itemde.de

Wo gehobelt wird, da fallen Späne Hessen-Pellets setzt auf nachhaltige Brennstoffproduktion. Der Unternehmer Andy Bohn betreibt gemeinsam mit den Gebrüdern Hosenfeld eine moderne Holz-Pellets-Produktionsanlage. Die Brüder Hosenfeld leiten schon in der vierten Generation ein regionales Sägewerk zur Bearbeitung von frischem Waldholz. Vor zehn Jahren entstand die Idee, die anfallenden Holzreste bis auf den letzten Span zu verwerten. Mit den Holzresten wird ein

modernes Holzkraftwerk betrieben, das bis zu 4.000 Haushalte mit Strom versorgen kann. Die Abwärme wird zur Herstellung von hochwertigen Pellets genutzt, die in modernen Hausheizungen eingesetzt werden. So produziert das Unternehmen rund 40.000 Tonnen Pellets pro Jahr, aus echtem hessischen Holz, ohne Zusatz von Chemie. Hessen-Pellets | Bohn Holz + Logistik GmbH | Schwalmtal-Storndorf (Hessen) www.hessen-pellets.de

Am Ball bleiben − Mannschaft für energieeffiziente Gebäude Die EWT-Ingenieure GmbH setzt als Energiedienstleister hohe Standards für die Planung technischer Gebäudeausrüstung. Planungsprojekte basieren auf Kernelementen der modernen Gebäude- und Dokumentationstechnik. Neben etablierten Standards der Regelungstechnik (MSR) und der Gebäudeleittechnik (GLT) wird parallel zur HOAI-Planung ein Energiemonitoring (EMCS) und eine digitale Liegenschaftsverwaltung (CAFM-System) aufgebaut. Dadurch erhalten Kunden neben der energieeffizienten Sanierung von Gebäudetechnik, einen kostenschonenden Einstieg in die professionelle Liegenschaftsverwaltung im Gebäudebetrieb und haben dadurch nachhaltig die Betriebskosten im Blick. EWT-Ingenieure GmbH | Grebenhain (Hessen) | www.ewt-ingenieure.de

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SERVICE

Genuss mit Nachhaltigkeit

Quelle: Florida-Eis Manufaktur GmbH

Eisherstellung in Zeiten der Energiewende

Die Geschäftsführer der Florida-Eis Manufaktur: Olaf Höhn und Simone Gürgen.

Der Mittelstand.: Herr Höhn, CO 2-neutrale Eisherstellung, was kann man sich darunter vorstellen? Olaf Höhn: Um eine CO2-neutrale Eisproduktion umzusetzen, mussten wir sicherstellen, dass kein CO2-Ausstoß durch Produktionsanlagen, Energieverbraucher oder Heizungen entstehen kann. Die klassische technische Voraussetzung ist eine Photovoltaik-Anlage für die reine Stromgewinnung, eine Gastherme mit einem Wirkungsgrad von 106 Prozent und eine Pelettheizung. Alle Stromverbraucher haben wir so ausgewählt, dass sie der neuesten Generation entsprechen und somit einen möglichst hohen Effizienzgrad haben.

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Unsere Kühlfahrzeuge sind mit einer umweltfreundlichen Kühlung ausgestattet, so dass in den Innenstädten ebenfalls mit null Emission das Eis tiefgekühlt transportiert wird. Hinzu kommt noch ein Stromliefervertrag, der Strom aus Wasserkraft garantiert. Was war für Sie der Anlass, diesen Weg einzuschlagen? Die Kenntnis durch meinen Sohn über die extrem knappen Wasserressourcen auf diesem Planeten war einer der Gründe, sich mit der Umwelt zu beschäftigen. Mir ist die Entwicklung in Bezug auf den CO 2 -Ausstoß, das Abholzen von Regenwäldern, der Klimawandel und die daraus resultierende Trinkwasserknappheit sehr bewusst. Hier haben wir die Verpflichtung einzugreifen.

Foto: michaeljayberlin - Fotolia.com

Kurzinterview mit BVMW-Mitglied Olaf Höhn, Geschäftsführer der Florida-Eismanufaktur in Berlin-Spandau.


SERVICE

Macht sich eine Einsparung bei den Energiekosten bemerkbar? Ein Jahr ist vergangen seit der Inbetriebnahme unserer CO 2 -neutralen Produktion. Wir wissen jetzt, dass sich die Investitionen rechnen werden. Sehen Sie weitere Optimierungsmöglichkeiten bei der Energieeinsparung? Gerade sind wir dabei, eine neuartige Anlage zur Klimatisierung der Produktions­ räume in Betrieb zu nehmen. Die notwendige Energie für diese Technik gewinnen wir aus Restwärme von unseren Kältemaschinen beziehungsweise aus einer Solarthermieanlage. Dieses System der Rückgewinnung macht es möglich, alle Produktionsräume mit null Energie zu klimatisieren.

Der Neubau einer Eis-Manufaktur mit modernster Technik: Gab es Probleme bei der Finanzierung? Wenn man bei einer Finanzierung nur die Mathematik als Grundlage nimmt, ist es mehr als schwierig für einen Lebensmittelhersteller, eine Finanzierung zu bekommen. Es war nicht einfach, hier Überzeugungsarbeit zu leisten. Für mich war wichtig, dass der Erfolg der FloridaEisprodukte in Zusammenhang mit der CO 2 -neutralen Produktion steht. Was sind Ihre nächsten Pläne? Wenn der Erfolg weiter anhält, möchte ich die Produktion erweitern. Zudem möchte ich auch andere Menschen dafür begeistern, einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Das Interview führte Friederike Pfann.

Florida-Eis Manufaktur GmbH Frau und Herr Blotko verkauften 1927 in Berlin-Spandau ihr erstes Eis. Während des Krieges ging der EisVerkauf trotz Zerstörung weiter. Nach dem Wiederaufbau eröffnete Konditormeister Helmut Freund im Jahre 1957 ein kleines Unternehmen unter dem Namen „Café Annelie“. Im Jahre 1984 wurde das Unternehmen von Olaf Höhn übernommen. Seitdem heißt es Florida-Eis. Geschäftsführer/in: Olaf Höhn, Simone Gürgen Anzahl der Mitarbeiter: Manufaktur ca. 60, KG (Caféhäuser) ca. 140 Umsatz: gesamt 8 Millionen Euro Gründung: 1927

Auf dem Dach des Neubaus der Florida-Eis Manufaktur in Berlin-Spandau: die Geschäftsführer Simone Gürgen und Olaf Höhn.

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www.floridaeis.de

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SERVICE

Ran an die Energiekosten! Kleine Unternehmen scheuen Investitionen in Energiesparmaßnahmen

Licht, Wärme, Strom gehen für Betriebe seit der Energiewende so richtig ins Geld. Der TÜV Rheinland hat ausgerechnet, dass allein der Stand-by-Modus elektrischer Geräte deutsche Büros und Haushalte jährlich fünf bis sechs Milliarden Euro kostet. Mit jedem Grad Wärme erhöht sich der Energieverbrauch um sechs Prozent. Der sorgsame Umgang mit Licht kann 20 Prozent Energiekosten sparen helfen. Grund genug für Michael Schwartz von der Forschungsabteilung

der KfW, sich das Energiesparverhalten kleiner und mittlerer Unternehmen in den letzten Jahren genauer anzusehen. Er kann nun bestätigen: Je größer das Unternehmen, desto bereitwilliger investiert der Chef in Energiesparmaßnahmen. Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern setzen das Thema Energiekosten weit oben auf ihre Agenda: • 7 3 Prozent der großen KMU halten Sparmaßnahmen für wichtig • 6 1 Prozent haben solche Maßnahmen bereits eingeleitet • 14 Prozent planen sie. Naturgemäß schwanken die Zahlen je nach Branche: 70 Prozent des verarbeitenden Gewerbes hält das Thema Energiesparen für wichtig. Dienstleister im

Doch der Druck, international wettbewerbs­fähig zu bleiben, herrscht genauso für die Kleinen.

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Wissenssegment sind mit 33 Prozent weniger aktiv als andere Branchen. Ein Faktor mit großer Wirkung Steigende Energiekosten müssen an den jeweils nächsten der Wertschöpfungskette weitergegeben werden, der wiederum dasselbe tut. Dieser Faktor der Teuerungsrate ist nicht genau zu berechnen, aber er mindert langfristig die Umsatzrendite. Das bekommen auch KMU zu spüren, die oft als peripherer Zulieferer oder Dienstleister wirtschaften. Das, so Michael Schwartz, kommt im Bewusstsein vor allem kleiner Mittelständler vielfach nur langsam an. Luft nach oben Bewusstseinsänderung sei das effektivste Mittel, die zu erwartende Energiepreissteigerung abzufedern: „Wir müssen den Wissenstand der Kleinunternehmer kontinuierlich erhöhen. Das kann durch professionelle Beratung geschehen.“ Schließlich können kleine Unternehmen flexibler auf die Energiekrise reagieren als Konzerne. Doch der Druck, international wettbewerbsfähig zu bleiben, herrscht genauso für die Kleinen. Energiesparen ist Standortsicherung. Dennoch hat in den Jahren 2011 bis 2013 nur jedes zehnte Kleinunternehmen eine Energieberatung in Anspruch genommen. Seltsam eigentlich, da gerade die Kleinen deutlich häufiger energieeffiziente Produkte anbieten. Da ist, so Schwartz, noch „Luft nach oben“. Es muss ja nicht gleich eine komplette Gebäudesanierung

Foto: electriceye - Fotolia.com

Wer Energie spart, spart Geld, muss aber auch investieren. Doch nicht jedes Unternehmen ist dazu bereit. Eine aktuelle Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt, dass eine große Lücke zwischen mittleren und kleinen Unternehmen klafft.


SERVICE

Foto: Gina Sanders - Fotolia.com

sein, betont er. „Kleine Maßnahmen wie die Analyse des Energieverbrauchs, Mitarbeiterschulungen, effizientere Leuchtmittel und ähnliches können viel ausrichten.“ Und in der Tat: Viele KMU wünschen sich von der Wirtschaftspolitik eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Beratung. Noch wichtiger indes ist die Forderung nach einer „raschen Klarheit in der Energiewende“. Denn es herrscht seit langem Unklarheit über die Umlagenhöhe, die Kriterien zur Umlagenbefreiung, die Fristen etc. Das führt zu Planungsunsicherheit, die große wie kleine Mittelständler besonders trifft. Die Investorenlücke Insgesamt beobachtet die KfW mit ihrem Mittelstandspanel eine sinkende Investitionsneigung. Je kleiner das Unternehmen, desto unwilliger nimmt es Geld in die Hand. Tendenziell klafft die Schere zwischen großen und kleinen Mittelständlern immer mehr auseinander. Schwartz nennt das die „Investorenlücke“, wobei die Gründe hierfür noch unklar sind. Umso wichtiger erscheint dem Forscher, für intensive Beratung zur Steigerung der Energieeffizienz zu werben. Die Umsetzung hingegen kann das Budget belasten. Deshalb wünschen sich zwei Drittel der befragen KMU auch finanzielle Unterstützung. Ganz oben auf dem Wunschzettel stehen steuerliche Vergünstigungen, gefolgt von Finanzierungshilfen in Form von Förderkrediten und Zuschüssen. Eine klare Forderung an die Politik, der KfW-Chef Ulrich

Schröder nur zustimmen kann. Er hat im Februar angekündigt, 37 Prozent des Ausleihvolumens in den Bereich Klima und Umweltschutz zu investieren.

Tendenziell klafft die Schere zwischen großen und kleinen Mittelständlern immer mehr auseinander. Die Vorteile energieeffizienten Wirtschaftens liegen auf der Hand. Schwartz hat darüber hinaus noch eine andere,

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langfristige Perspektive: Die Energiewende ist politisch gewollt und unumkehrbar, sie wird Kosten erzeugen. Doch die steigenden Investitionen etwa in Sanierungsmaßnahmen und effizientere Anlagen könnten ihrerseits mittelfristig wie ein Wirtschaftsmotor wirken: Es werden mehr Zulieferer, Hersteller und Dienstleister im Energiebereich tätig werden und das sind wiederum in der Mehrzahl Mittelständler. Oder, um es mit Hölderlin zu sagen: „In der Gefahr wächst das Rettende auch.“

Bernd Ratmeyer Wissenschaftsjournalist und Lektor

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SERVICE

Rückbau der Reaktoren

Greifswalder Know-how beim Abriss von Atomanlagen ist weltweit gefragt

Den eigenen Arbeitsplatz abzureißen, ist sicher nicht alltäglich. Hier schon: Ganze Hundertschaften ehemaliger Kernkraftwerker arbeiten an der Zerlegung des Atomkraftwerks Greifswald-Lubmin, einst ein Leuchtturmprojekt der DDR. Denn die Energiewerke Nord (EWN) produzieren keinen Strom, sondern Schrott und Schutt. Brennstäbe und alle verstrahlten Großteile sind draußen, rund 80 Prozent der gesamten Arbeit ist damit schon geschafft. Schon? Ein Jahr nach dem Mauerfall ging Greifswald vom Netz, sechs Jahre später begann der Rückbau. Bis 2015 sollen die meisten Arbeiten erledigt sein, das waren dann fast 20 Jahre und täglich rund 1.000 Mann vor Ort. Ein gigantisches Werk, mit vormals fünf Reaktorblöcken das bis heute größte nukleare Stilllegungsprojekt weltweit. Besser noch 50 Jahre warten? Fast 600 Tonnen hochradioaktive Stoffe stehen noch über Jahre im Zwischenlager auf dem Betriebsgelände, genauso wie rund 30.000 Tonnen schwach- und mittelbelasteter Abfall. Die Endlagerung im Schacht Konrad ist ein ewiger Schiebebahnhof deutscher Atompolitik und steht zumindest in diesem Jahrzehnt noch nicht

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betriebsreif zur Verfügung. Von einem Endlager für Brennstäbe und andere hochradioaktive Abfälle gar nicht erst zu reden. Weit klarer ist da die Stilllegung, und das heißt der Rückbau eines Atomkraftwerks. Das Atomgesetz lässt den Betreibern die Wahl: der sofortige Abbruch des verstrahlten Reaktorgebäudes bis zur grünen Wiese oder der sogenannte „sichere Einschluss“ des leer geräumten Gebäudes über Jahrzehnte. Kobalt-60, das häufigste Radionuklid in einem Siedewasserreaktor, hat sich nach fünf Jahren komplett zerlegt, Cäsium 137 halbiert sich binnen 30 Jahren. Die Greifswalder haben deshalb den Einschluss auf 50 Jahre beantragt, danach wird der finale Abriss der drei leeren Reaktorgebäude deutlich strahlungsärmer. Es ist eine Mammutaufgabe. Vorbilder? Kaum. Denn für Dekontamination und Abriss eines Atomkraftwerks in dieser Größe und Bauart gab es erst mal kaum Erfahrung: „Wir mussten“, sagt die Ingenieurin und Sprecherin Marlies Philipp, „uns vieles Stück für Stück selbst erarbeiten.“ Rückbau, das heißt vor allem verstrahlte Oberflächen von Radioaktivität befreien, mal per Hochdruckwasserstrahl, per Dampfoder Sandstrahler, mal mit Bürsten oder Schleifen, mal mit Säuren. Strahlung haftet in den meisten Fällen nur an der Oberfläche. Ist etwa ein Rohr nur leicht verstrahlt, wird es gewaschen, das verstrahlte Abwasser dann kondensiert.

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Foto: dasglasauge - Fotolia.com

Jedes Atomkraftwerk ist irgendwann ein Fall für die Abrissbirne. Technisch machbar, aber dennoch ein komplizierter Strahlenjob über Jahrzehnte. Das nötige Spezialwissen ist selten und extrem gefragt – auch als deutsche Dienstleistung weltweit.


SERVICE

Stahlschnitt unter Wasser Der Abriss eines Atomkraftwerks ist ein Hightech-Job, und inzwischen stehen auch ein paar neue Techniken „made in Germany“ zur Verfügung. Es sind Innovationen, entwickelt speziell für Reinigung und Zerlegung von verstrahltem Material. So schneidet etwa ein millimeterdünner Strahl aus Wasser und Sand, abgeschossen mit bis zu 2.000-fachem Atmosphärendruck, ganze Stahlträger wie Butter – unter Wasser, denn nur so lässt sich die Strahlung abschirmen. Am Ende müssen vom gesamten ursprünglich verstrahlten Material maximal drei Prozent endgelagert werden, der große Rest ist sauber und lässt sich recyceln. All diese Erfahrungen wollen die Greifswalder nun weitergeben. Die EWN gehören als vormaliges Treuhand-Unternehmen zu 100 Prozent dem Staat, der über ein paar Umsätze extra einen kleinen Teil der über vier Milliarden Euro Rückbaukosten zurückbekäme. Das Ziel: ein staatliches Consultingunternehmen für den Abriss stillgelegter AKW oder, wie es EWN-Chef Henry Cordes formuliert, ein „nuklearer Entsorgungsdienstleister des Bundes“. Ein „Kompetenzzentrum für den Atomausstieg“ will man werden, Experten und TV-Sender aus der ganzen Welt waren schon da, aus Japan natürlich auch.

Atomkraft in Deutschland: Der Zeitplan für den Ausstieg Abschaltung (geplant) Jahr

AKW

Inbetriebnahme

Bundesland

2015

Grafen­ rheinfeld

1981

Bayern

2017

Gund­ remmingen B

1984

Bayern

2019

Philippsburg 2

1984

Baden-Württ.

2021

Grohnde

1984

Niedersachsen

2021

Brokdorf

1986

Schleswig-H.

2021

Gund­ remmingen C

1984

Bayern

2022

Isar 2, Essenbach

1988

Bayern

2022

Neckar­ westheim

1988

Baden-Württ.

2022

Emsland, Lingen

1988

Niedersachsen

Abgeschaltet, aber noch nicht stillgelegt

Foto: Stefan Sauer – dpa - Report

Jahr

AKW

Inbetriebnahme

Bundesland

2011

Neckars­ westheim 1

1976

Baden-Württ.

2011

Philippsburg 1

1979

Baden-Württ.

2011

Isar 1

1977

Bayern

2011

Biblis A

1974

Hessen

2011

Biblis B

1976

Hessen

2011

Unterweser, Esenshamm

1978

Niedersachsen

2011

Brunsbüttel

1976

Schleswig-H.

2011

Krümmel

1983

Schleswig-H.

Nächster Job: alte Atom-U-Boote So haben die EWN inzwischen den staatlichen Hochtemperaturreaktor Jülich übertragen bekommen, genauso wie die WAA in Karlsruhe. Die Aufgabe: die Kontrolle des Rückbaus. Im AKW Obrigheim haben die Greifswalder gerade die Ausschreibung zum Rückbau des Reaktors gewonnen. In ganz Osteuropa werden sie gerufen, genauso wie bei der Entsorgung russischer Atom-U-Boote. Und erst vor wenigen Wochen haben die EWN einen Auftrag zur Zerlegung eines Teils des Forschungsreaktors der TU München erhalten. Demnächst muss am vormaligen Atomforschungsschiff Otto Hahn der Reaktor raus, auch da stehen die Greifswalder bereit. Castor-Behälter, die mit radioaktiven Abfällen aus dem Rückbau des Atomkraftwerkes Lubmin beladen werden.

Neun Meiler sind in Deutschland heute noch in Betrieb, spätestens Ende 2022 soll der letzte vom Netz (siehe Tabelle oben);

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SERVICE

Rückbau: In 4 Phasen bis zur grünen Wiese Phase 1 Abbau möglichst vieler für den Rückbau nicht mehr benötigter Systeme aus dem nuklearen Bereich („Kontrollbereich“): Flutwasserbehälter, Druckspeicher, Regelstabführungen, Regelstabeinsätze sowie weitere kontaminierte Systeme. Abbau verschiedener nicht nuklearer Anlagenteile

Phase 2 Abbau höher aktivierter Teile wie Primärkühlmittelleitungen, Pumpen und Dampferzeuger

Phase 3 Abbau der am stärksten radioaktiv belasteten Komponenten (Reaktordruckbehälter mit Kerneinbauten und Betonabschirmung)

Phase 4 Abbau aller noch verbliebenen Systeme im Kontroll­bereich einschließlich Abwasseraufbereitungsanlage und Abluftanlage. Reinigung und Dekontamination der Gebäudestrukturen. Nach Erfüllung aller Anforderungen an die Freigabe Aufhebung des Kontrollbereichs. Abriss der verbliebenen Gebäude. Entlassung der rückgebauten Anlage aus dem Atomgesetz. 23 Atomanlagen unterschiedlicher Größe sind in Deutschland seit Beginn der atomaren Stromversorgung endgültig vom Netz gegangen, drei davon hat der Stromkonzern RWE zurückgebaut. „Der Rückbau eines Kernkraftwerks ist eine gelöste Aufgabe“, sagt Maschinenbau-Ingenieur Dr. Ralf Versemann, Leiter der zuständigen Fachabteilung bei RWE Power. Gesamtkosten? Kaum zu kalkulieren Doch das kostet: Der Gesamtaufwand zur Stilllegung aller kerntechnischen Anlagen wird in einer früheren Auftragsstudie für das Forschungsministerium auf 15 bis 20 Milliarden Euro geschätzt – Betonung auf geschätzt. Denn auch die Autoren sprechen von zahlreichen schwer zu kalkulierenden Unwägbarkeiten. Andere Prognosen rechnen mit volkswirtschaftlichen Gesamtkosten von 50 Milliarden Euro, zuzüglich der nach Atomgesetz vom Bund zu tragenden Kosten für die Endlagerung.

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Von den Kraftwerken der großen Energieversorger durchlaufen gerade Obrigheim, Würgassen, Stade, Mülheim-Kärlich und Gundremmingen A den Rückbau oder haben ihn fast schon vollzogen. Und wie in Greifswald setzen auch hier die Mitarbeiter auf die Weitergabe ihrer Erfahrungen. In Gundremmingen A, jenem Meiler, der 1977 nach einem schweren Störfall für immer vom Netz musste, läuft der Rückbau schon seit 1983. Der Job ist fast getan, nur die Betonhülle des Druckbehälters steht noch und kann erst abgerissen werden, wenn Konrad in Betrieb geht. „Es gab in den 1980er-Jahren keine Pläne und keine Erfahrungswerte“, erinnert sich der Gundremminger Rückbau-Chef Dr. Helmut Steiner. Steiner hatte an der Universität Hannover eine Methode erforscht, wie sich verstrahlte Teile eines AKW unter Wasser zerlegen lassen. Aber auch andere Ideen kamen in Gundremmingen erstmals zum Einsatz: die inzwischen patentierte Reinigung von kontaminierten Stahlteilen mit Phosphorsäure oder ein 10.000 Grad heißer Plasmabrenner, der Stahl noch in 20 Meter Wassertiefe schneidet. Oder das Eissägen, ein Verfahren, das große Maschinenteile mit einem komplizierten Innenleben wie etwa Dampferzeuger erst mal zu einem einzigen Eisblock fixiert, der sich danach leichter zersägen lässt. Heute sieht sich die Mannschaft als „Wissenszentrum für Rückbauprojekte in aller Welt“. „Unser Know-how“, sagt Steiner, „lernt man an keiner Uni.“ Neues Leben nach der Atomzeit Aber auch anderswo wird munter abgebaut: Im Eon-Kraftwerk Stade, vor zehn Jahren abgeschaltet, läuft seit 2005 die Stilllegung. Für den RWE-Meiler Biblis ist Stilllegung beantragt. Mülheim-Kärlich, das es gerade mal auf 13 Monate Laufzeit brachte, wird seit 2004 abgebaut. Das Maschinenhaus ist schon leer, der 160 Meter hohe Kühlturm steht noch. Derweil hat sich am Standort Greifswald längst ein neuer kleiner Industriepark etabliert. So haben sich in der einen ganzen Kilometer langen vormaligen Turbinenhalle ein Hersteller von Windkraftanlagen und der Kranbauer Liebherr eingerichtet. Am Wassereinlauf steht heute eine kleine Photovoltaikanlage, am vormaligen Kühlwasserauslauf ist ein Industriehafen entstanden. Daneben eine Biodieselanlage und ein Schmierstoffwerk. Und das gesamte Erdgas, das seit 2011 durch die Nord-Stream-Pipeline fließt, wird ab Knotenpunkt Greifswald-Lubmin auf eine Süd- und eine Westpipeline verteilt. Der Arbeitsplatz ist bald endgültig abgerissen, aber eines bleibt: Energie ist am Standort Greifswald auch in Zukunft ein Thema.

Stephan Schlote Cintus Media www.cintus.com

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Factoring statt Bankkredit

Dass Banken nicht unsterblich sind, hat der Bankrott einer Reihe von Finanzhäusern gezeigt. Die Staatsschuldenkrise verunsichert zusätzlich, denn nicht einmal Experten sind sich einig, wie sich das Europäische Wirtschafts- und Finanzsystem weiter verändern wird, und welche Auswirkungen dies im Einzelnen haben kann. Laut jüngsten Studien zu Kreditkonditionen dürfte sich der Zugang zu Bankenfinanzierungen gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aber weiter erschweren. Banken müssen im Zuge von Basel III mit verschärften Anforderungen an die erforderliche Eigenkapitalausstattung rechnen, was die Kredite tendenziell verteuern wird. Vorsorgen durch strategische Planung Die Beziehung zu einer einzigen Hausbank wird damit weiter geschwächt. Künftig werden Unternehmer prüfen müssen, ob nicht mehrere Finanzierungspartner für sie sinnvoll sind, um eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren und die Liquidität fortlaufend zu sichern. Ergänzende Lösungen, auch bankenunabhängiger Institute, gibt es viele am Markt. Leasing, Factoring, Einkaufs­fi nanzierung und Beteiligungen sind einige Beispiele dazu. Je nach Firmenspezifika und Bedarf ist

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der Mehrwert bei den Finanzierungsarten für den Unternehmer jedoch verschieden.

Auf welche Weise Debitoren gemahnt werden sollen, wird mit dem Kunden im Vorfeld abgestimmt.

Factoring ist die Finanzierung von Forderungen. Unternehmen verkaufen fortlaufend ihre Rechnungen an ein Factoringunternehmen und erhalten dafür sofort Liquidität. Bei der klassischen Variante des Full-Service-Factoring sind die Forderungen zudem gegen Ausfall abgesichert, und der Factor übernimmt das Forderungsmanagement.

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick 1. Direkte Liquidität 2. Absicherung von Forderungsausfällen 3. Entlastung im Mahnwesen durch Debitorenmanagement 4. Vorteile beim Einkauf durch Ein­ räumen von Skonti oder Rabatten 5. Wettbewerbsvorteile durch flexiblere Zahlungsziele für Kunden 6. Finanzierung passt sich auch wachsenden Umsätzen an 7. Verkürzte Kontokorrent­in­anspruchnahme 8. Keine Stellung banküblicher Sicherheiten 9. Minimierung der Außenstände 10. Geringere Kreditabhängigkeit durch weiteren Finanzierungsbaustein

Als Sicherheit behält der Factor in der Regel einen Teil der Rechnungssumme ein, der nach Begleichung der Rechnung wieder teilweise an den Kunden ausbezahlt wird. Factoring passt sich als flexibles Instrument zur Finanzierung von Wachstum automatisch den Umsätzen im Unternehmen an – ohne zusätzliche Sicherheiten. Auslagerung Forderungsmanagement Die Auslagerung des Forderungs­ managements ist ein weiterer Nutzen beim Einsatz von Factoring. Die innerbetrieblichen Fixkosten lassen sich meist senken, und es wird ein professionelles Debitorenmanagement mit einem festgelegten Mahnwesen sichergestellt.

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Stefan Almberger Geschäftsführer der AVV-Factoring AG www.avv.li

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Wie KMU Liquidität gewinnen und Kosten senken können


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Steckbrief gezielt im Netz Azubimarketing und die aktive Mitarbeitersuche in den Neuen Medien Fachkräftemangel wohin man sieht. Vor allem der Mittelstand sieht mit besorgter Miene in die Zukunft. Der Nachwuchs besonders in den Bereichen IT und Ingenieurwesen wird hart umkämpft sein. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen gilt: In Zukunft muss stark um die Berufseinsteiger geworben werden – ein regelrechter Paradigmenwechsel. Daher wird gutes Personalmarketing für Berufseinsteiger immer wichtiger, für manche Unternehmen sogar zur Überlebensfrage. Gute Kandidaten werden nicht nur von großen Unternehmen mit höherem Bekanntheitsgrad umworben, sondern auch von Konkurrenten gleicher Größe und Präsenz auf dem Markt. Vor allem muss der Nachwuchs aber nach der Ausbildung langfristig im Unternehmen gehalten werden.

Junge Menschen, die ihre Berufs­ entscheidung noch vor sich haben, benötigen Orientierung.

Junge Menschen, die ihre Berufsentscheidung noch vor sich haben, benötigen Orientierung und für sie passende Informationen, die für sie leicht erreichbar sind. Daneben spielt eine klare Positionierung der Arbeitgebermarke eine entscheidende Rolle. Wofür steht man als Arbeitgeber, und warum arbeiten Mitarbeiter gerne im Unternehmen? Was macht ein Unternehmen attraktiv und für junge Leute zum idealen Ausbilder? Eine erfolgreiche Arbeitgebermarke positioniert sich mit einem starken Markenkern am Markt, bietet Benefits für Auszubildende und Mitarbeiter und erreicht mit einem maßgeschneiderten Personalmarketing-Mix eine hohe Aufmerksamkeit bei ihrer Zielgruppe. Berufsstarter sind heute sogenannte „Digital Residents“. Sie verbringen einen guten Teil ihres Lebens in der digitalen Welt. Daher ist der zentrale Anlaufpunkt für junge Leute zuerst die Karrierewebsite eines Unternehmens, das sie schon kennen oder das sie interessant finden sollen. Effizientes Azubimarketing nutzt alle Kanäle der digitalen Welt und leitet den Nachwuchs geschickt auf die Unternehmenskarriereseite. Im richtigen Mix muss die Kommunikation klar, strukturiert, informativ und nicht zu komplex sein – vor allem aber lebendig und authentisch. Damit dies funktioniert, müssen Azubimarketing und -rekrutierung strategisch geplant werden und nicht ad hoc nach Bedarf. Neben einer klaren Zielstellung sind für die richtige Ansprache des Nachwuchses die klassischen fünf W-Fragen entscheidend: • WER ist der ideale Kandidat? • WAS ist der zu kommunizierende Kern der Arbeitgebermarke? • WANN sollen zukünftige Kandidaten pro-aktiv angesprochen werden? • WO trifft man den Nachwuchs und kommuniziert die richtige Botschaft? • W IE sehen die Medien aus, die für die Ansprache genutzt werden (Online Stellenanzeige, Social Media Auftritt, Werbebanner auf klassischen jugendfrequentierten Webseiten, Youtube-Clips)?

Sabine Pohl Marketingleiterin com + com media group GmbH & Co. KG www.compluscommedia.de

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Foto: peshkova - Fotolia.com

Mit dieser Strategie ist jedes Unternehmen einen wesentlichen Schritt weiter, die richtigen Kandidaten für sich zu gewinnen.


SERVICE

Wir aktivieren Potenziale

Investitionschancen nutzen Finanzierungskonzepte für neue Energien. Intelligent. Zukunftssicher. Reaktionsschnell. Wir aktivieren Potenziale. Immobilien. Transport. Energie. www.dal.de

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SERVICE

Macht das Spaß oder tut das weh? Wie Gamification die Werbung unterhaltsam macht und zum Umsatztreiber werden kann Der Begriff Gamification wurde zwar schon 2008 eingeführt, ist aber noch relativ unbekannt. Doch inzwischen etablierte sich der Begriff in Fachkreisen als neues Marketingwort. Gemeint ist die Anwendung von Spielmechanismen und -elementen in spielfremden Umgebungen. Das Thema an sich ist nicht neu, Aktionen wie Prämienpunkte sammeln beim Einkaufen oder Meilen beim Fliegen kennt jeder. Und in Unternehmen ausgehängte Ranglisten (auch Rennlisten genannt) von Vertriebsleuten sind seit langer Zeit üblich. Durch die digitalen Möglichkeiten hat sich das Anwendungsfeld jedoch deutlich vergrößert, und es ist viel einfacher möglich, dem Teilnehmer sofort Feedback zu geben beziehungsweise von ihm zu erhalten. Gamification findet sich mittlerweile im e-Commerce und der Kundenbindung, in Lernspielen zur Wissensvermittlung und in der Mitarbeitermotivation. Aber auch in das Privatleben halten spielerische Anwendungen Einzug und sorgen für eine Art Wettbewerb: Wer hat die meisten Freunde bei facebook oder google+? Wie oft wird ein Twittereintrag retweetet? Und sogar Joggingrunden machen vielen Menschen nur noch dann Spaß, wenn via Lauf-App auf dem Smartphone anschließend Zeit und Kilometer in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und von anderen „geliked“ werden. Warum Gamification funktioniert Gespielt wird, seitdem es Menschen gibt. Spielerisch entwickeln und erproben wir als Kind unsere Fähigkeiten. Unser Gehirn braucht Reize, um zu lernen und damit letztendlich auch überlebensfähig zu werden. Aber nur wenn ständig neue und positive Impulse kommen, entwickeln wir uns wirklich weiter. Darin liegt auch der Erfolg von Gamification: Je mehr Spaß es macht, etwas zu lernen, desto größer und nachhaltiger ist der Lernerfolg.

Und Lust auf etwas Spielerisches haben wir alle, nicht nur Kinder. Ein Blick auf den Online- und Videogamesbereich zeigt, dass allein in Deutschland über 25 Millionen mehrmals die Woche ein Spiel spielen, dabei liegt das Durchschnittsalter bei 32 Jahren. Auch spielen inzwischen fast genauso viele Frauen wie Männer.

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Foto: venimo - Fotolia.com

Vereinfacht gesagt, stellt sich unser Gehirn ständig die Frage: „Macht das Spaß, ist das gut für mich, langweilt es mich oder tut das weh?“ Denn wenn etwas Freude bereitet, lässt unser Gehirn die Information ins Langzeitgedächtnis, belohnt uns mit Glückshormonen und speichert es als positive Erfahrung. Andernfalls wird die Information blockiert.


SERVICE

Drei Tipps zum Einsatz von Gamification: Führende Forschungsinstitute wie Gartner aus den USA sagen voraus, dass in diesem Jahr 70 Prozent der global agierenden, innovativen Unternehmen mindestens eine Gamification-Anwendung haben werden. Gamification wird als ein überaus starkes Werkzeug gesehen, um Mitarbeiter, Kunden und die Öffentlichkeit zu einem veränderten Verhalten zu bewegen, Fähigkeiten zu fördern und zu entwickeln sowie Innovationen voranzutreiben. Hier einige Beispiele: • Gamification im Tourismus: Der Tourismusverband Norwegen ließ für seine Skiregion Holmenkollen ein simples Skisprung­spiel für die Webseite entwickeln, bei dem User den optimalen Zeitpunkt für Sprung und Landung eines Skispringers per Klick herausfinden müssen. Man kann seine Sprünge auch in einer Highscoreliste eintragen. Dieses Spiel bescherte der Webseite bis heute sechs Millionen Klicks zusätzlich und ist das wichtigste Marketingtool für die Region. www.games.visitnorway.com • Gamification im Alltag: Volkswagen untersuchte in mehreren Aktionen, ob und wie man das Verhalten von Menschen durch Gamification positiv beeinflussen kann, zum Beispiel, dass mehr Menschen Treppen laufen, statt die Rolltreppe zu benutzen. Das gelang, indem man die Treppenstufen wie ein Piano mit einzelnen Tönen unterlegte. Weil die Menschen dadurch auf spielerische Weise Melodien erzeugen konnten, nutzte kaum jemand mehr die Rolltreppe. www.thefuntheory.com • Gamification im Supermarkt: Target ist nach Wal-Mart der zweitgrößte Discounteinzelhändler der USA. Das Unternehmen gamifizierte die Kassensysteme in einigen Filialen, das heißt, die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Kassierer wurde ermittelt und dies unmittelbar nach jedem Kassiervorgang in Form eines visuellen Feedbacks mit Tönen und grünen Lichtern zurückgemeldet. • Gamification auf Fruchtgetränke-Webseite: „Kauf einen Smoothie und rette eine Biene!“ Diese Aufforderung findet man auf der Innocent-Webseite, wenn man oben im Menü auf „langweilig?“ geht. Von dort gelangt man auf eine Pinnwand mit allerhand unterhaltsamen und wissenswerten Infos rund um das Unternehmen. Und wer auf das dort angepinnte Bienenbild klickt, gelangt auf eine Seite mit Spielen und interaktiven Fragen und Antworten zum Thema Naturschutz. www.innocentdrinks.de

1. Ein Spiel oder spielerische Elemente auf Ihrer Webseite (möglichst natürlich mit Bezug zu Ihrer Dienstleistung oder Ihrem Produkt) kann die Aufenthaltsdauer der Besucher deutlich verlängern. Neben dem positiven Effekt, dass Ihr Unternehmen dadurch sympathischer wirkt, sorgt dies für ein besseres Ranking bei den Suchmaschinen. 2. Für einen möglichst hohen Spaßfaktor sind leicht verständliche Regeln und eine intuitive Bedienung wichtig. 3. Bauen Sie auch in interne Schulungen oder Kunden-Präsentationen in kurzen Abständen eine spielerische Überprüfungsmöglichkeit des Lernerfolgs mit Belohnungsfaktor ein.

Schokoladenfreunde lädt die Milka-Webseite zum Daueraufenthalt in der „Kuh-Munity“ mit Spielen, Verlosungen und Downloads ein. www.milka.de • Gamification für Biertrinker: Berliner Pilsener hat zahlreiche Spiele auf der Webseite wie zum Beispiel „SchrebergartenSchnipper“, „Tresen-Quiz“ oder das Taxispiel „Wer-weiß-wo?“. Die Punktezahl kann man mit Freunden teilen und gleichzeitig mit ihnen das eigene Berlin-Level steigern, welches von Tourist bis 100-Prozent-Berliner reicht. www.berlin-wunderbar.de • Gamification in Azubiwerbung: Die Commerzbank sucht Auszubildende und hat dafür eine eigene Webseite mit einem spielerischen Self-Assessment eingerichtet, wo interessierte Jugendliche selbst testen können, ob sie für eine Karriere bei der Bank geeignet sind: www.probier-dich-aus.de • Gamification als Messewerbung: „Fahre den Prototypen zur Automechanika nach Frankfurt“, so lautete der Auftrag zum Spielbeginn auf der Webseite oder der App. Das demolierte Fahrzeug muss mit Pfeiltasten über verschiedene Stationen von Werkstatt bis Waschanlage zur Leitmesse für Fahrzeugteile gesteuert werden. Rund 18.000 Spielaufrufe auf der Webseite und 2.000 heruntergeladene Smartphone-Apps verzeichnete die Messe Frankfurt bei einer Verweildauer von durchschnittlich 5,5 Minuten. www.automechanika-racer.com

• Gamification für Zielgruppe Kinder: Naheliegend ist es, Produkte für Kinder auch mit spielerischen Komponenten zu bewerben. Und zwar so, dass es sich nicht wie offensichtliche Werbung anfühlt. Eine Vielzahl von kleinen Spielen gibt es auf der Webseite von Lego. Geschickt werden hier die Produkte in Handlungen eingebaut. www.lego.com HARIBO geht sogar noch weiter und lädt zum Besuch in die HARIBO-City. www.haribo.com

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Siegbert Mattheis Geschäftsführer mattheis. Werbeagentur GmbH www.mattheis-berlin.de

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SERVICE

EEG-Umlage auf dem Prüfstand Steigende Energiekosten bedrohen die Wettbewerbsfähigkeit

Derzeit prüft die EU-Kommission, ob die teilweise Entlastung von stromintensiven Unternehmen durch die besondere Ausgleichsregelung nach den §§ 40 ff EEG als unzulässige Beihilfe anzusehen ist. Die Regelung sieht vor, dass Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die einen Stromverbrauch von mehr als einer Gigawattstunde pro Jahr haben, und deren Stromkosten vierzehn Prozent der Bruttowertschöpfung übersteigen, eine geringere EEG-Umlage zahlen müssen. Neben dem Prüfverfahren laufen Verhandlungen der Bundesregierung mit dem zuständigen EU-Kommissar Joaquin Almunia zur zukünftigen Ausgestaltung der Förderung von Erneuerbaren Energien in Deutschland. Dies beeinflusst insbesondere das Verfahren zur Novellierung des EEG. Dessen Kabinettsentwurf soll bis zum 9. April 2014 vorliegen, damit die Regelungen bereits am 1. August 2014 in Kraft treten können. Offen bleibt, welche Auswirkungen dies für die vorwiegend mittelständischen Unternehmen hat, die derzeit von der besonderen Ausgleichsregelung Gebrauch machen.

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Auch für nicht stromintensive Unternehmen bedeutet die EEGUmlage eine erheb­ liche Kostenbelastung. Die EEG-Umlage stellt für stromintensive mittelständische Unternehmen eine Zusatzbelastung dar, die Wettbewerber im Ausland nicht zu tragen haben. Wenn die besondere Ausgleichsregelung entfällt, werden Unternehmen wegen der zusätzlichen Kosten zum Teil ihre Produktion einstellen oder verlagern müssen. Dies läuft dem Klimaschutz zuwider, denn bei einer Abwanderung der Produktionsstätten käme es zu einem Wettlauf um die geringsten Klimaschutzstandards, da sich die Unternehmen letztlich dort ansiedeln würden, wo die Stromkosten am günstigsten sind. Dadurch drohen industrielle Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in der Bundesrepublik Deutschland und auch im EU-Wirtschaftsraum wegzufallen. Auch für nicht stromintensive Unternehmen bedeutet die EEG-Umlage eine erhebliche Kostenbelastung. Umso entscheidender ist es, die vorhandenen Einsparpotenziale und Fördermöglichkeiten auszunutzen. Beispielsweise können auch nicht stromintensive mittelständische

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Unternehmen die Energiekosten durch individuelle, dezentrale Versorgungskonzepte deutlich senken. Auch eine EEGumlagefreie Eigenversorgung kann derzeit noch in Anspruch genommen werden. Oft lassen sich durch kombinierte Konzepte zur Versorgung mit Strom, Wärme oder Kälte in Bürogebäuden und Produktionsstätten langfristig erhebliche Einsparungen erzielen. Bei weiter ansteigenden Energiekosten ist es deshalb für jedes mittelständische Unternehmen sinnvoll, den Energieverbrauch und die Energiekosten eingehend zu analysieren und individuell zukunftsfähige Energieversorgungskonzepte zu entwickeln.

Juliane Kaspers, LL.M. (Philadelphia) Rechtsanwältin Attorney at Law www.beckerbuettnerheld.de

Dr. Benjamin Weiler Rechtsanwalt Mitglied im IBWF www.zl-legal.de

Die BVMW-IBWF-Rechts­hotline erreichen Sie: Mo bis Fr 10.00 – 17.00 Uhr Tel.: 030 / 533206-63 Fax: 030 / 533206-50 rechtshotline@bvmw.de

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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist aufgrund der stetig steigenden Umlagekosten in aller Munde. Bei der Diskussion über die Verteilungsgerechtigkeit wird immer wieder vorgetragen, dass sich zahlreiche Unternehmen unsolidarisch verhielten, indem sie die besondere Ausgleichsregelung in Anspruch nähmen oder in die Eigenversorgung zu Lasten der übrigen Stromverbraucher flüchteten.


SERVICE

Unternehmerpreise

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Über ausgezeichnete Unternehmen schreibt die Presse gerne. Und die Preisgelder sind auch nicht zu verachten. Hier stellen wir Ihnen einige der aktuellen Unternehmerpreise vor.

Technology Fast 50 Award Mit diesem Award werden die am schnellsten wachsenden Technologie-Unternehmen Deutschlands aus den Bereichen Kommunikation oder Netzwerkbetrieb, Internet, Computer/ Peripherie, Life Sciences, Neue Technologien oder Software in drei Kategorien ausgezeichnet.

Familienunternehmer des Jahres 2014 Die Intes Akademie für Familienunternehmen zeichnet gemeinsam mit dem Unternehmer-Magazin impulse jährlich Unternehmer aus, die sich um das gelebte Familienunternehmertum besonders verdient gemacht haben. Ausgezeichnet wird dabei vorbildliches inhaberstrategisches Verhalten.

Bewerbungszeitraum von April bis Juli 2014

Nominierungen bis 17. April 2014

www.fast50.de

www.familienunternehmer-des-jahres.de

Deutscher Nachhaltigkeitspreis Dieser zweiteilige Wettbewerb konzentriert sich auf Erfolge und Erfolgsperspektiven nachhaltigen Wirtschaftens. Unternehmen werden für innovative nachhaltige Strategien ausgezeichnet, und Sonderpreise werden in den Kategorien „Deutschlands nachhaltigste Marken” und „Ressourceneffizienz” vergeben.

European Business Awards In zehn Kategorien können Unternehmen sich für die European Business Awards bewerben. Abgedeckt werden dabei Bereiche von Import, Export, Nachhaltigkeit und Innovation bis hin zu Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Natürlich gibt es auch den Preis für den besten Unternehmer auf gesamteuropäischer Ebene.

Bewerbungen vom 1. bis zum 30. April 2014

Bewerbungen bis 21. Juni 2014

www.deutscher-nachhaltigkeitspreis.de

www.businessawardseurope.com

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KULTUR

„Promised Land“: Kein Film zur Energiewende

Konzernmanager Steve Butler (Matt Damon) und Öko-Aktivist Dustin Noble (John Krasinski) im Gespräch.

Steve Butler (Matt Damon) arbeitet für den milliardenschweren Energiekonzern Global Crosspower Solutions. Steve kauft Farmern Land ab, damit sein Konzern Bohrtürme errichten kann. Mit der umstrittenen Fördertechnik Fracking will er Erdgas aus dem Farmland pressen. Seine Chefs, aalglatte Anzugträger, lieben Steve. Denn er ist ihr Chefeinkäufer, ihr Marketinggenie, ihr ländlicher Darling. Wenn Steve und seine Kollegin Sue Thomason (Frances McDormand) am Ort der Konzernbegierde eintreffen, diesmal die Kleinstadt McKinley in Pennsylvania, besorgen sie sich erst einmal ihre Arbeitskleidung. Keine Anzüge, sondern karierte Flanellhemden, schwere Schu-

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he und einen Pickup. Keinen teuren. Einen alten mit Gangschaltung. Denn Steve und Sue sind Profis. Sie wissen, wie sie beim Landvolk Vertrauen schaffen. Regisseur Gus van Sant ist klug genug, aus den Konzernlakaien keine Witzfiguren zu machen. Wir mögen Steve und Sue, wie sie mit Männern, Frauen und Familien reden; ihnen ihre Zukunft ausmalen. Wir sehen keine pittoreskverblödete Idylle gesunden Landlebens. Die Wirtschaft hier muss durchsubventioniert werden, und doch wandern Unternehmen ab. Steve kennt das alles. Er hat selbst eine Provinzbiographie auf dem Buckel. Und er glaubt an das, was er sagt. An ein besseres Leben, viel Geld und Jobs durch die Förderung einer

Der Mittelstand. | 2 | 2014

sauberen Energiequelle aus heimischem Boden. Gut für das Dorf, gut für die USA. Doch dann kommt Öko-Aktivist Dustin Noble (John Krasinski) in die Stadt und schürt die latenten Ängste der Dörfler. In einem anderen Ort, den der Konzern gekauft hat, brannte das Leitungswasser! Dustin hängt Poster auf, die verendetes Vieh zeigen. Dustin hält Vorträge. Dustin ist beliebt. Und Dustin hat Schlag bei Alice, der hübschen Dorflehrerin, der Steve eigentlich schon so nahe gekommen ist. Die Stadt ist entschieden zu klein für die beiden Männer. So entsteht ein Kampf zwischen High-Tech und Umweltschutz, zwischen Geldgier und Landliebe. Im durchaus originellen Finale dieses Öko-Westerns wird Steve ganz im Sinne des liberalen Hollywoods geläutert. Er schwört dem Fracking ab, entdeckt das Landei in sich, legt seine Anzug-Träger-Existenz ab und wird glücklich. „Promised Land“ ist solide erzählt und hinterlässt doch ein leises Bedauern. Denn das eigentliche Thema: „Wie kann sich ein Land durch eine Energiewende unabhängig machen?“ behandelt er letztlich nicht. Schade. Bernd Ratmeyer

Promised Land USA 2012 Drama, 106 Minuten, FSK 6 Regie: Gus van Sant Mit Matt Damon, John Krasinski, Frances McDormand. Als Blu-Ray und DVD erhältlich.

Foto: Universal Pictures

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Filmkritik


KULTUR

DVD-Tipp

Der Mittelstand.: Wie kamen Sie dazu, einen Dokumentarfilm zu drehen, der sich mit der Finanzwelt beschäftigt? Marc Bauder: Wenn ich unsere Gesellschaft und ihre Strömungen besser verstehen will, muss ich mich auch zwangsläufig mit dem Finanz- und Wirtschaftssystem beschäftigen. Vor zehn Jahren habe ich beispielsweise einen Dokumentarfilm über vier Absolventen einer privaten Wirtschafts-Eliteuniversität gedreht, die Unternehmensberater werden wollten. Damals war man noch erstaunt über diese auf Perfektionierung getrimmte Art der Mitarbeiterführung. Inzwischen sind das Standards in allen Unternehmen. Zum anderen gibt es auch einen sehr persönlichen Grund für diesen Film: Ich bin während der Lehman-Krise Vater geworden. Seitdem werden in immer kürzeren Abständen Rettungspakete geschnürt. Die wahren Kosten werden erst in zehn oder zwanzig Jahren bezifferbar sein. Als Vater hat diese Tatsache für mich plötzlich eine viel größere Bedeutung bekommen Wie sind Sie vorgegangen, um einen Gesprächspartner wie Rainer Voss zu finden? Ich habe zunächst Anzeigen in einschlägigen Zeitungen geschaltet, aber schnell gemerkt, dass man ohne Kontakte keinen Zugang in diese hermetisch abgeschottete Parallelwelt bekommt. Bei Recherchen für ein Spielfilmprojekt bin ich auf einen Abgeordneten im Bundestag gestoßen, der nebenbei erwähnte, dass er sich bei speziellen Kapitalmarktfragen Rat von einem hochrangigen Investmentbanker einholt. Und dann ging alles sehr schnell, fast so, als ob wir beide schon lange aufeinander gewartet hätten. Ich bin sofort mit einem Tonbandgerät nach Frankfurt geflogen und es ging los. Bei diesem Treffen hat mir Rainer Voss zum Beispiel die Geschichte vom „two-nighter“, also dem Arbeiten über drei Tage ohne Schlaf, erzählt, die schließlich die Eröffnungsszene des Filmes wurde. Für mich war relativ schnell klar, dass dieser Mann, der komplexe Zusammenhänge bildhaft und einfach erklärt, einen Film alleine tragen kann. Ich bin sehr froh, dass der Hessische Rundfunk das Projekt dann auch sofort unterstützt hat. Wie war die Zusammenarbeit mit Rainer Voss? Die Eckpunkte für die Zusammenarbeit waren relativ unkompliziert: keine Namen von Mitarbeitern, keine Namen von Banken,

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für die er gearbeitet hat. Während des Interviews hatte er das Recht, jederzeit Stopp zu sagen oder aber Fragen nicht zu beantworten, was man im Film auch sehr deutlich sieht. Sobald ein Drehtag aber vorbei war, hatte ich freie Hand, mit dem Material zu arbeiten. Manchmal haben wir allgemeine Oberthemen Regisseur Marc Bauder. vorab besprochen, aber vieles ist dann auch mitten im Dreh entstanden. Zum Beispiel als wir den verlassenen Handelsraum entdeckt haben und er sofort begann, davon zu erzählen, wie das so war, sich als Master of the Universe zu fühlen. Nachdem Sie intensiv in das Thema Finanzwesen eingetaucht sind, wo sehen Sie Handlungsbedarf in der Politik? Man sollte nicht alles auf die Politik abschieben. Es hat viel mit jedem Einzelnen von uns zu tun, mit Bildung und Erziehung. Jedes Individuum hat die Wahl und kann Verantwortung übernehmen. Es ist aber auch so, dass Frau Merkel versäumt hat, die Bevölkerung in Bezug auf die Rettungspakete richtig aufzuklären. Ihr ist es nicht gelungen, ihr Handeln wirklich plausibel zu machen. Ich denke, man müsste die Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene ändern. Oder gar ein eigenständiges System etablieren, vielleicht sogar abgekoppelt von Weltfinanzsystem. Vielleicht gibt es eines Tages auch ein europäisches Finanzsystem mit Gütesiegel? Alles ist möglich. Das Interview führte Friederike Pfann.

MASTER OF THE UNIVERSE Deutschland/Österreich 2013 Dokumentarfilm, 85 Minuten Regie: Marc Bauder Hauptpreis der Jury, Festival Semaine de la Critique, Locarno 2013 Preis der deutschen Filmkritik – Bester Dokumentarfilm 2013 Ab 11. April als DVD erhältlich www.master-of-the-universe-film.de

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Fotos: www.arsenalfilm.de/master-of-the-universe/index.htm © Börres Weiffenbach/bauderfilm 2013

Der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss jonglierte einst mit Millionen. In Marc Bauders Dokumentarfilm verrät er, wie es in der Finanzwelt zugeht, von all ihren Abgründen und Gesetzmäßigkeiten. Mit diesem Film ist dem Regisseur ein spannender und faszinierender Einblick in die Welt der Großbanken gelungen.

Foto: Jens Kalaene – dpa

Master of the Universe


KULTUR

Ökologie auf der Bühne Mit Fahrrad fahren spielend Strom erzeugen

Foto: Stephen Cummiskey

Die britische Regisseurin Katie Mitchell untersucht in ihrer neuen Ins­zenierung an der Berliner Schaubühne private und globale Konflikte am Beginn des neuen Jahrtausends. Und setzt die Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten künstlerisch mit radikaler Konsequenz um: Erstmals erzeugen die Schauspieler den gesamten für die Aufführung benötigten Strom selbst.

Lucy Wirth und Christoph Gawenda treten in die Electric Pedals.

»Electric Pedals« nennt sich die Erfindung von Colin Tonks, mit der gleichmäßiger Strom mobil und unabhängig vom Stromnetz durch das Treten von Standfahrrädern, die mit einem Generator verbunden sind, erzeugt wird. Tonks, der auf diese Weise unter anderem ganze Kinovorführungen in Afrika

bestreitet, baute nun auch die Fahrräder, auf denen sich Katie Mitchells Darsteller Lucy Wirth und Christoph Gawenda während der Aufführung buchstäblich bis zur Erschöpfung abarbeiten: an ihrer Beziehung, ihrem Kinderwunsch und der Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Planeten.

Atmen Regie: Katie Mitchell Nächste Vorstellungen am 13., 19. und 28.04.2014 Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin www.schaubuehne.de www.electricpedals.com

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Darf’s ein bisschen Liquidität mehr sein?

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das einzige Finanzkonzept, das mit Ihrem Unternehmen mitwächst. Sie stellen die Rechnung, wir übernehmen die Forderung. Ihr Vorteil: Sie erhalten Liquidität innerhalb von 24 Stunden und Planungssicherheit durch einen 100%-igen Forderungs-Ausfallschutz. Vertrauen Sie auf den bankenunabhängigen Factoring-Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung. Sichern Sie sich Ihr Mehr an Liquidität! arvato Financial Solutions Stefan Bendt Telefon: 05241 80-43342 stefan.bendt@bertelsmann.de


KULTUR

Für immer aufgeräumt – auch digital Jürgen Kurz räumt wieder auf! Nachdem er tausende Schreibtische von Stapeln befreit hat, nimmt er sich jetzt die Computer vor und kombiniert clever Papier und Elektronik. Denn Untersuchungen belegen: Ordnung und Produktivität gehören zusammen – aber circa zehn Prozent der Arbeitszeit werden durch ständiges Suchen nach dem richtigen Dokument in chaotischen Dateiverzeichnissen verschwendet. Das Buch schafft Abhilfe mit zahlreichen Tipps, Beispielen, Checklisten, Selbsttests und farbigen Praxis-Fotos. Das Spektrum umfasst die effiziente Verarbeitung von E-Mails, die Struktur einer sinnvollen

Dateiablage oder die Verbesserung der Effizienz von Besprechungen. Fazit: Der Autor macht Schluss mit dem Datenchaos auf Computer, Tablet und Smartphone und zeigt, wie es sich in der virtuellen Welt entspannt arbeiten lässt. Jürgen Kurz Für immer aufgeräumt – auch digital So meistern Sie E-Mail-Flut und Datenchaos GABAL 128 Seiten

19,90 €

Mehrwert Die Kunst, gefragt zu sein Verkauf? Igitt. Dabei ist Verkaufen zutiefst menschlich! Und jeder macht es deutlich häufiger, als er vielleicht meint, wenn es zum Beispiel darum geht, Kollegen für die gemeinsame Sache zu gewinnen, wichtige Geldgeber zu überzeugen oder das eigene Kind dazu­ zukriegen, früher ins Bett zu gehen. Täglich sind wir bestrebt, uns und unsere Anliegen bestmöglich zu verkaufen und etwas voranzutreiben. Fazit: New-York-Times-Bestsellerautor Daniel Pink eröffnet eine völlig neue Perspektive auf die Kunst des Verkaufens

und erklärt nicht nur dessen grundlegend neue Bedeutung für uns alle, sondern auch, warum das schlechte Image des Verkäufers längst überholt ist. Er zeigt, wie jeder lernen kann, seine Nachfrage zu erhöhen, mit einem Stil, der im Einklang mit den eigenen Werten steht. Daniel H. Pink Mehr Wert Die Kunst, gefragt zu sein ecowin 304 Seiten

23,95 €

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KULTUR

Die Billionen-Schuldenbombe Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht zu Ende ist Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat uns seit fünf Jahren fest im Griff. Wie konnte es dazu kommen und weshalb findet die Politik keine Lösung? Können wir auf einen glücklichen Ausgang hoffen oder steht das dicke Ende im wahrsten Sinne des Wortes noch bevor? Die Antwort auf diese Fragen gibt der Krisenexperte Daniel Stelter, gemeinsam mit dem bekannten Thriller-Autor Veit Etzold sowie Ralf Berger und Dirk Schilder, auf spannende, einfache, verständliche, aber auch schonungslos offene Weise. Die Krise musste kommen. Zu lange hat die Politik in den westlichen Industrieländern geglaubt, alle Probleme ließen sich mit immer mehr Schulden bewältigen. Seit 1980 hat sich die Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten mehr als

Persönliche Empfehlung von Mario Ohoven!

verdoppelt. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich dieser Trend beschleunigt, weil Regierungen aus Furcht vor einem Absturz stützend eingegriffen haben. Das Buch verdeutlicht die Dimensionen des Problems und dass es keine einfachen Lösungen geben wird. Es hilft, die Vorschläge der unterschiedlichen Parteien besser zu beurteilen. Daniel Stelter, Veigt Etzold, Ralf Berger, Dirk Schilder Die Billionen-Schuldenbombe 1. Auflage 2013 Wiley-VCH 250 Seiten

19,90 €

Thomas R. Köhler

Jürgen Gietl

Christoph Giesa, Lena Schiller Clausen

Der programmierte Mensch Wie uns Internet und Smartphone manipulieren

Value Branding Vom hochwertigen Produkt zur wertvollen Marke

New Business Order Wie Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern

Frankfurter Allgemeine Buch 224 Seiten

Haufe 224 Seiten

19,90 €

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 316 Seiten

39,95 €

19,90 €

Christian Geinitz

Niklas Reisinger

Martin Gaedt

Chinas verborgene Schätze – Wie wir am nächsten Aufschwung mitverdienen

Green-IT-Strategien für den Mittelstand: Nachhaltige Lösungen in der IT und durch IT-Unterstützung

Mythos Fachkräftemangel: Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft Mythos Fachkräftemangel

MARTIN GAEDT

Frankfurter Allgemeine Buch 311 Seiten

Diplomica 96 Seiten Niklas Reisinger

Green-IT-Strategien für den Mittelstand

itsmarkt schlands Arbe Was auf Deut fläuft gewaltig schie

Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA 240 Seiten

Nachhaltige Lösungen in der IT und durch IT-Unterstützung

24,90 €

39,99 €

Reihe Nachhaltigkeit Band 59

19,99 €

Diplomica Verlag

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Kurz vorgestellt Hier bieten wir Mitgliedern unseres Verbands die Möglichkeit, ihr Unternehmen vorzustellen asecos GmbH Sicherheit und Umweltschutz

CP-Pro Software & Services Clausen KG

Dach-Solartechnik & Energie­ beratung und Diagnose am Bau

Hauptsitz: Gründau (Hessen) www.asecos.com

Hauptsitz: Dormagen (Nordrhein-Westfalen) www.cp-pro.de

Hauptsitz: Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) www.solar-dachprofi.de www.diagnose-am-bau.de

euro engineering AG

JTS Job-Travel-Solution GmbH

Nadella GmbH

Hauptsitz: Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) www.ee-ag.com

Hauptsitz: Leipzig (Sachsen) www.jts-eu.com

Hauptsitz: Nufringen (Baden-Württemberg) www.nadella.de

NETFORMIC GmbH

sbu Sterzenbach Steuerberatungs­ gesellschaft mbH & Co. KG

Werkstatt Constantin-Bewatt Werkstatt für behinderte Menschen

Hauptsitz: Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) www.sbu-steuer.de

Hauptsitz: Bochum (Nordrhein-Westfalen) www.werkstattconstantin-bewatt.de

Die euro engineering AG gehört zu den Top Ten der Engineering-Dienstleister in Deutschland. Das 1994 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit mehr 2.100 Mitarbeiter in über 40 Niederlassungen. Von der Forschung bis zur Projektabwicklung deckt das Unternehmen das gesamte Leistungsspektrum des Engineering ab. Kernbranchen sind Automotive, Maschinen- und Anlagenbau, Feinwerk- und Elektrotechnik, Bauwesen und Medizintechnik.

Die NETFORMIC GmbH ist eine E-CommerceAgentur mit Standorten in Stuttgart und Berlin. Sie entwickelt ganzheitliche, individuelle Online-Lösungen wie umsatzstarke Onlineshops, nachhaltige Online-Marketing Strategien oder effiziente Multichannel Systeme. 2002 gegründet setzt die Agentur auf Professionalität und langjährige Erfahrung als Basis einer guten Zusammenarbeit zwischen dem 60-köpfigen Expertenteam und ihren Kunden. Hauptsitz: Stuttgart (Baden-Württemberg) www.netformic.de 

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CP-Pro Software & Services Clausen KG entwickelt seit 20 Jahren professionelle Software­ lösungen für Unternehmen. Im CP-Pro Gerüstbau-Office-Millenium-Paket für Gerüstbauer sind technischer und kaufmännischer Bereich zusammengefasst. Projektdokumentation, Kalkulation und Betriebsorganisation ebenso wie das Erstellen von 3-D-Gerüstmodellen bietet die Software, die in permanenter Zusammenarbeit mit der Branche entwickelt wurde.

Die JTS Job-Travel-Solution GmbH bietet individuelle Lösungen im Bereich Travel-Management mit großer Erfahrung im Bereich Hotellerie und internationalem Tourismus. Bei der Organisation und Koordination geschäftlicher Gruppenreisen kümmert sie sich um Unterkunft und Verpflegung, Transfer und Shuttle sowie eine persönliche Betreuung, auf Wunsch auch rund um die Uhr und in unterschiedlichen Sprachen für internationale Teams.

Die mittelständische sbu Sterzenbach Steuerberatungsgesellschaft mbH & Co. KG, mit Sitz in Mülheim an der Ruhr, zählt zu ihren Schwerpunkten neben der klassischen Steuerberatung, Jahresabschlusserstellung und Finanzbuchführung auch die Existenzgründer- und die Unternehmensnachfolgeberatung. Die inhabergeführte Kanzlei ist Gründungsmitglied der sbu Gruppe, die Steuer- und Rechtsberatung in fünf Städten in Deutschland anbietet.

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Der Dachdeckermeisterbetrieb blickt auf mehr als 30 Jahre Berufserfahrung zurück. Die Schwerpunkte liegen im Bereich Bauklempnerei, Fassadenbau, Solaranlagenbau – Fotovoltaik beziehungsweise thermische Solaranlagen. Insbesondere ist der Betrieb im Bereich der Bauüberwachung, Schadensanalyse, Bewertung und Energieberatung tätig. Dies wird gemeinsam mit seinem Partner, dem Institut für Baudiagnostik, bewerkstelligt.

Die Nadella GmbH ist als mittelständisches Unternehmen Spezialist für die mechanische Bewegungstechnik. Der Fokus liegt auf Produktion und Vertrieb von Linearführungen, Linearachsen und Nadellagern, auch in Sonderausführungen nach Kundenwunsch. Neben technischer Beratung vor Ort und klassischer Projektbegleitung zählen zu den Leistungen ebenso weltweiter Export, Ersatzteileversorgung und Lebensdauerberechnungen.

Die Werkstatt Constantin und ihre Zweigwerkstatt Bewatt sind anerkannte Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Als Partner für Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungsbereich übernimmt sie Auftragslohnarbeiten in der Blech- und Metallbearbeitung, erbringt Dienstleistungen wie Großwäscherei, Montage und Verpackung und ist Hersteller von Eigenprodukten in den Bereichen DesignMüllkammerboxen und Kabeltrommeln.

Foto: José Carlos Pires Pereira - istockphoto.com

Das Gründauer Unternehmen asecos hält über 1.700 technische Möglichkeiten zum Umgang mit und der Lagerung von Gefahrstoffen bereit. Das Unternehmen bietet zudem Lösungen im Bereich Raumluftreinigung an und hat sich auf die Herstellung von feuerwiderstandsfähigen Sicherheitsschränken spezialisiert. Ein vielfältiges Service-Angebot rund um Wartungen und Instandhaltung der Sicherheitstechnik ergänzt die Produktleistungen.


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Die Hamburger Feuerkasse – Schutz seit 1676 Verbundenheit aus Tradition in der Hansestadt Sie gilt als die älteste Versicherung der Welt und ist eine von Hamburgs ersten Adressen, Hab und Gut vor Bränden und anderen Katastrophen zu schützen: die Hamburger Feuerkasse. Nach zahlreichen Bränden 1676 von Rat und Bürgerschaft als städtische Einrichtung gegründet, hat sie die Stadt und ihre Einwohner durch viele Höhen und Tiefen begleitet. Dazu zählen der große Brand von Hamburg 1842 genauso wie unzählige Stürme und schwere Sturmfluten. Die Verbundenheit mit der Hansestadt blieb auch erhalten, nach dem die bis 1994 geltende Pflicht für eine Feuerversicherung aufgehoben wurde.

Seit 1997 ist die Hamburger Feuerkasse Teil der Provinzial Versicherungsgruppe. Über viele Jahre hinweg traten diese beiden Unternehmen in der Hansestadt gemeinsam auf. Dabei bewahrte das Traditionsunternehmen aber seine Identität. Die 2012 gefällte Entscheidung, das Regionalprinzip und die Hamburger Feuerkasse als Marke wieder zu stärken, war darum eine logische Konsequenz. „Unser Unternehmen ist in der Hansestadt wie kaum eine andere Institution fest verankert“, erklärt dazu Vorstand Stephan Lintzen. Die 205 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen derzeit circa 200.000 Kunden.

Foto: rdnzl - Fotolia.com

„Unser Unternehmen ist in der Hansestadt wie kaum eine andere Institution fest verankert.“ Doch es ist nicht nur reine Tradition, die die Hamburger mit „ihrer“ Feuerkasse verbindet, sondern auch das Verantwortungsbewusstsein des Unternehmens. Ein Beispiel dafür ist das vom Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik entwickelte Katastrophenwarnsystem KATWARN. „Zusammen mit der Stadt stellen wir dieses System den Hamburgerinnen und Hamburgern kostenlos zur Verfügung“, so Lintzen. „Wenn die Elbe über die Ufer tritt oder ein Großbrand die Anwohner bedroht, erhalten alle Einwohner, die sich beim KATWARN angemeldet haben, kostenlos postleitzahlengenaue Warninformationen per SMS.“

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Stephan Lintzen Vorstand, Hamburger Feuerkasse

Im Zuge der Neuausrichtung hat der einst reine Gebäudeversicherer sein Angebot den Kundenbedürfnissen entsprechend angepasst und um eine private Haftpflichtversicherung, die Hausratversicherung für Mieter und Pächter und eine private Unfallversicherung erweitert. „Auch nach der Angebotserweiterung bleibt die Gebäudeversicherung das Zugpferd der Hamburger Feuerkasse“, erläutert Stephan Lintzen. Doch natürlich hat das Traditionsunternehmen auch konkrete Pläne für die Zukunft. „Unser Slogan ‚Versicherung für uns in Hamburg’ ist unser Anspruch und zugleich unser Ansporn. Wir setzen unsere Tradition fort und bauen unsere Präsenz in Hamburg kontinuierlich aus. Schließlich sind wir selbst ein Stück Hamburgs.“

Ingrid Hausemann BVMW-Pressesprecherin Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein

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Auf neuen Wegen zur Gesundheit centrovital: Ort der Entspannung und Rehabilitation für Körper und Geist

Das centrovital liegt an der Havel im Nordwesten Berlins.

Im Berliner Norden, unmittelbar an der Havel und dem Altstadthafen BerlinSpandau gelegen, befindet sich das Gelände der ehemaligen SchultheissPatzenhofer Brauerei. Die historischen Backsteingebäude bilden heute ein in sich geschlossenes Quartier, das zahlreiche Wohnungen, eine Seniorenresidenz, Gastronomie und seit nun zehn Jahren das centrovital beherbergt. Ob jung oder alt, ob gesund oder krank, ob von nah oder fern, verschiedene Gäste kommen, um das Angebot des centrovital wahrzunehmen. Zum Wohl der Gesundheit wurde das Haus 2004 eröffnet. Es wird von drei Säulen getragen: einem Gesund-

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heitszentrum, einem Sport- und Wellnessbereich sowie einem Viersterne-Hotel – ein einmaliges Konzept, betont Geschäftsführer Jürgen Goerißen. Im Gesundheitszentrum, einem hellen atriumartigen Ärztehaus auf vier Etagen, werden Patienten aller Krankenkassen ärztlich versorgt. Zahlreiche Rehabilitationsmaßnahmen im orthopädischen Bereich werden hier angeboten. Das Personal sorgt zugleich für das leibliche Wohl der Patienten. Im Sport- und Spa-Bereich betreut auch medizinisches Fachpersonal die Gäste. Im Hotel übernachten nicht nur Urlaubsgäste, sondern auch Geschäftsleute, die auf Dienstreise sind oder vor Ort die Räumlichkeiten für Seminare und Tagungen nutzen.

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Obwohl jeder der drei Bereiche eigenständig für sich geführt wird, verfolgen sie alle ein gemeinsames Ziel, nämlich ein Ort zum Wohlfühlen und Entspannen zu sein. Dahinter steckt ein ganzheitlicher Ansatz, denn Goerißen ist überzeugt, dass sich körperliche und geistige Gesundheit gegenseitig bedingen. „Das ist auch ein Grund, weshalb sich das centrovital direkt am Wasser, nahe der Insellandschaft des Spandauer Sees befindet. Besucher können hier die Natur genießen und gleichzeitig Berlin erkunden und Kultur erleben“, so der Geschäftsführer. So lockt das centrovital nicht nur Gäste und Patienten aus Spandau und Umgebung,


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sondern aus ganz Deutschland. Das Hotel bietet gemeinsam mit dem Gesundheitszentrum Präventionsmaßnahmen an. Deutschlandweit können Patienten je nach Krankenkasse unterschiedliche Aktionspakete für einen mehrtägigen Aufenthalt buchen. Im centrovital würde man sich freuen, wenn diese Form des Gesundheitstourismus in Deutschland stärker gefördert würde. Denn aufgrund der demografischen Entwicklung steht das deutsche Gesundheitssystem vor Herausforderungen, die bewältigt werden müssen.

Entspannung bei ayurvedischer Massage.

Im centrovital steht der Mensch mit seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden im Mittelpunkt. Um die Qualität des vielfältigen Serviceangebots zu wahren, ist es hier selbstverständlich, die Anregungen der Gäste aufzunehmen und möglichst umzusetzen. Zur Qualitätssteigerung werden außerdem die Mitarbeiter weitergebildet. „Ich schätze es, meinen Mitarbeitern gewisse Entscheidungsfreiräume überlassen zu können, denn sie sind die Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Meine Aufgabe dabei ist, die Zusammenarbeit untereinander so zu gestalten, dass alle an einem Strang ziehen und das centrovital voranbringen“, erklärt Goerißen.

Physiotherapie: Rückenübung am Pezziball.

Weitere Standorte in Deutschland sind erst einmal nicht geplant. Vielmehr wird zukünftig die Etablierung des centrovital vor Ort sowie die Verbesserung des Angebots im Fokus stehen, um die Synergien voll auszuschöpfen. Die Euphorie von vor zehn Jahren zum Thema gesundheitliche Prävention hat etwas nachgelassen. Zu oft fehle der nachhaltige Blick, kritisiert Goerißen. So möchte das centrovital verstärkt im Bereich der

SPA & Sportclub im centrovital.

Fotos: centrovital

Dass Goerißen heute Geschäftsführer des centrovital ist, ist kein Zufall. Im Sektor der Gesundheitsdienstleister kennt er sich aus. Von 1992 bis 2010 führte er ein eigenes Unternehmen zur stationären Rehabilitation Suchtkranker in Köln. Bereits 2001 kam er nach Berlin und übernahm die Leitung der heute benachbarten Seniorenresidenz. Von dort aus beobachtete er, wie das centrovital entstand. Überzeugt von dem Konzept, wechselte er zehn Jahre später als Geschäftsführer zum centrovital. Seitdem hat er den Ausbau des Hauses vorangetrieben. So entstand auch das detailgetreu eingerichtete und ausgestattete Ayurveda Center. Drei Spezialisten und Therapeuten aus Sri Lanka behandeln dort nach der traditionellen Heilkunst des indischen Kulturkreises Körper, Geist und Seele der Gäste zum Erhalt der Gesundheit.

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Jürgen Goerißen, Geschäftsführer centrovital.

Betrieblichen Gesundheitsförderung aktiv werden. Im BMW-Werk um die Ecke beispielsweise unterstützen Ergotherapeuten des Spandauer Unternehmens die Mitarbeiter am Fließband. Sie zeigen ihnen, wie sie gleichförmige Bewegungen gesundheitsschonend ausführen. Außerdem wird die Zusammenarbeit mit dem nahen Vivantes Klinikum Spandau intensiviert, um das bisher ausschließlich orthopädische Angebot mit internistischen und kardiologischen Kompetenzen zu erweitern – ein weiterer Schritt in Richtung Gesundheitstourismus in Deutschland. Damit gehen auch Bestrebungen einher, die Attraktivität der Spandauer Neustadt zu erhöhen. Dazu gehört nicht nur die Mitarbeit in verschiedenen Gremien und Initiativen zum Thema Stadtentwicklung vor Ort, sondern auch das Knüpfen von Kontakten in der Nachbarschaft. Seit vergangenem Jahr engagiert sich das centrovital im Bereich Sport und Gesundheit und unterstützt verschiedene Berliner Laufevents. In diesem Jahr steht jedoch erst einmal die Feier des zehnjährigen Bestehens an.

Judith Krause BVMW

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Maßanzüge für Roboter Die gelernte Schneiderin Andrea Ammerich Geier erobert eine unternehmerische Nische

Andrea Ammerich Geier näht in ihrer eigenen Werkstatt Schutzhüllen für Roboter.

Beim Maßnehmen für den neuen Anzug halten sie still, posen lediglich, um ihre Beweglichkeit zu demonstrieren. Die Models der gelernten Damenmaßschneiderin Andrea Ammerich Geier sind keine Zicken. Bei ihnen geht es nicht um Mode, sondern um schützende Arbeitsbekleidung. Denn es sind hochmoderne Roboter, die auf die besondere Dienstleistung der 41-jährigen Unternehmerin aus Wefensleben in Sachsen-Anhalt angewiesen sind. Roboter brauchen im täglichen Einsatz Hüllen, die vor Spänen, Schmutz, Farbresten oder dem Funkenflug in einer Gießerei schützen. Während der ersten Anprobe muss sich beweisen, ob alle Nähte und

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eingearbeiteten Öffnungen für Schläuche oder Kabel den künftigen Anforderungen entsprechen. So verpasst Andrea Ammerich Geier Robotern in der Industrie den richtigen Anzug aus einem für die konkrete Belastung passend ausgesuchten Material.

Die Kunden kommen inzwischen aus ganz Deutschland, Polen, Ungarn und Österreich. Der Mittelstand. | 2 | 2014

Eine möglichst lange Lebensdauer für die teuren Geräte ist das Ziel. Reinigungszyklen lassen sich verlängern, Stillstandszeiten minimieren. In einer Lackiererei halten die Anzüge nur eine Woche, im Maschinenbau muss mitunter erst nach einem Jahr die komplette Hülle gewechselt werden. Der Nutzen für die Anwender ist augenscheinlich und zahlt sich in klingender Münze aus. Die Kunden kommen inzwischen aus ganz Deutschland, Polen, Ungarn und Österreich. Auch Aufträge für russische Kunden wurden im Dorf nahe der Grenze zu Niedersachsen schon realisiert. „Mein Mut vor drei Jahren, mich selbstständig zu machen, hat sich ausgezahlt“,


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Fotos: Klaus-Peter Voigt

sagt Ammerich Geier mit einem fröhlichen Lächeln. Nein, bereut habe sie diesen Schritt nicht, auch wenn die ersten Monate eine echte Herausforderung waren. Ohne Kredite, nur mit Eigenkapital sei ihr der Start gelungen. Geholfen habe zudem der Gründerzuschuss der Arbeitsagentur, den es heute so nicht mehr gibt. „Für Existenzgründer ist das negativ. Ein Fehler der Politik.“ Die Unterstützung der Familie und der finanzielle Rückhalt durch das Einkommen von Ehemann Mario halfen mit, die erste Zeit zu überstehen. Nach mehr als einem Jahr zahlte sich die Firmenchefin ihr erstes kleines Gehalt, war stolz darauf, dass ihre Geschäftsidee funktionierte. „Knall auf Fall“ hatte sie sich dazu entschieden, war sich sicher, mit ihren beruflichen Erfahrungen auf dem Markt bestehen zu können. Als kurz nach der Wende ihr Ausbildungsbetrieb in Magdeburg aufhörte zu existieren, fanden alle fünfzehn Schneiderlehrlinge in Handwerksbetrieben eine Perspektive oder konnten zumindest die Lehre abschließen. Für Andrea Ammerich Geier begann nun ein wechselhaftes Leben. Sie fand einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Textilrestaurierung. Das machte riesigen Spaß und erforderte Fingerspitzengefühl. Dann kam der krasse Wechsel in eine Industrienäherei, die unter anderem für ei-

nen großen Automobilhersteller lieferte. Dort ging es um Stückzahlen. Hinzu kam die Herausforderung, mit großen Nähmaschinen und schweren Planen für Abdeckungen zu hantieren. Später folgte eine Anstellung in einem Unternehmen, das sich neben anderen Dingen mit „Roboterkleidung“ beschäftigte. Mittlerweile hatte sich die rastlose Frau bereits eine eigene Werkstatt eingerichtet und arbeitete von zu Hause aus für ihren Arbeitgeber, für den sie im Außendienst Kunden in ganz Deutschland besuchte.

Es geht spürbar aufwärts, der Gründermut hat sich ausgezahlt. Stets fiel Ammerich Geier auf, dass die Anbieter für das spezielle Roboterzubehör auf die Industrie ausgerichtet waren. „Da sah ich meine Chance, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und mich an Mittelständler mit ihren individuelleren Aufgaben zu wenden“, berichtet sie. Prototypen und kleine Serien eröffne-

ten eine Nische mit einem erheblichen Potenzial an Kunden. Bei denen schlüpft die Jungunternehmerin in einen grauen Overall, misst die Roboter aus und sucht nach den richtigen Lösungen für die Verkleidungen, die vor allem in der Bewegung halten müssen. Schmutz und enge Räume machen ihr nichts aus. Zupacken ist angesagt und Hände lassen sich waschen. Das Geschäft floriert, über einen Mangel an Arbeit klagt die Schneiderin nicht. Mit Schutzhüllen für Werkzeuge, welche die Roboter nutzen, hat sie sich eine weitere Nische erobert. Größere Serien gibt sie inzwischen an Dienstleister weiter, während sie sich selbst vor allem der Anfertigung von Mustern, Prototypen und kleineren Mengen widmet. Für dieses Jahr plant Andrea Ammerich Geier die Einstellung einer ersten Mitarbeiterin. Es geht spürbar aufwärts, der Gründermut hat sich ausgezahlt. www.safety-cover.de

Klaus-Peter Voigt BVMW-Pressesprecher Sachsen-Anhalt

Von der Firmenchefin eingekleidete Roboter im Einsatz.

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Energiesparen auf Schwäbisch Baden-Württembergs Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller und Grünen-Bundestags-Fraktionsvize Kerstin Andreae bei KBA-MetalPrint

KBA-MetalPrint lieferte das innovative Wärmespeichersystem für das Solarturm-Versuchskraftwerk in Jülich.

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Alle reden von der Energiewende – beim Stuttgarter Unternehmen KBA-MetalPrint gehört sie zum Produktions- und Innovationsalltag. Herausragende Erfindungen im Bereich der Energieeffizienz und der Energiespeichertechnologien weckten das Interesse der Landes- und Bundespolitik.

Zum Portfolio von KBA-MetalPrint gehört nicht nur die Herstellung von Blechdirektbedruckungsmaschinen. „Der Vorteil für unsere Kunden liegt darin“, so Gumbel, „dass wir als Systemlieferant komplette Druck- und Lackierlinien, innovative Trocknungstechnik sowie modernste Abluftreinigungsanlagen aus einer Hand anbieten. Unsere KBA-CleanAir-Produkte unterstützen durch hochinnovative Wärmespeicher zeitgemäßes Energiemanagement. Das bedeutet Einsparungen bis zu 70 Prozent.“

Metal-Print-Präsentation: Dynamische Hochtemperatur Wärmespeicherung, Schmelzerei mit Wärmespeicher und Vorwärmer.

Der Integration des Wärmesektors als unterstützendem Faktor bei der Energiewende wird in der Gruppe „Agora Energiewende“, deren Mitglied Minister Franz Untersteller ist, große Bedeutung zugesprochen. Untersteller betonte in der Diskussionsrunde: „Rund ein Viertel der Umwelttechnologien stammt aus BadenWürttemberg, und wir werden als Landesregierung weitere Unterstützungsmaßnahmen treffen, um gerade den kleinen und mittleren Unternehmen Anreize für mehr Energieeffizienz zu offerieren.“

Foto: Gerd Bergmann

Grafik: KBA-MetalPrint

Franz Untersteller, Baden-Württembergs grüner Umwelt- und Energieminister, und Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag mit Wahlkreis in Freiburg, besuchten das Tochterunternehmen von Koenig und Bauer, des weltweit zweitgrößten Druckmaschinenherstellers. Geladen hatte der fast vollzählig vertretene BVMW-Landeswirtschaftssenat Baden-Württemberg, dessen Mitglied KBA-MetalPrint-Geschäftsführer Ralf Gumbel ist.

Bereits seit 2008 ist das weltweit erste Solarturmkraftwerk mit einem 12 MWh Hochtemperatur-Wärmespeicher der Firma KBAMetalPrint erfolgreich in Betrieb. Die beweglichen Spiegel konzentrieren das Sonnenlicht in der Turmspitze. Die darin bis 700 Grad Celsius aufgewärmte Umgebungsluft wird zur Dampferzeugung genutzt. Der Dampf treibt wiederum einen Stromgenerator an, der bis zu 1,5 Megawatt Strom erzeugen kann – genug, um 500 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Auf einer MetalStar-Blechdruckmaschine (v. li.): Ralf Schechowiz, Geschäftsführer KBA-MetalPrint; Dr. Helmut Baur, Vorstand BVMW; Franz Untersteller, Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg; Kerstin Andreae, MdB, stellv. Fraktions­ vorsitzende Bündnis 90/DIE GRÜNEN; Ralf Gumbel, Geschäftsführer KBA-MetalPrint und Dr. Ulrich Köppen, BVMW-Landesbeauftragter.

KBA-MetalPrint, ein Unternehmen der Koenig und Bauer Gruppe, ist der führende Systemlieferant im Bereich Blechdruck. Knapp 200 Jahre Kompetenz, basierend auf dem Knowhow der renommierten Firmen Koenig & Bauer, Mailänder und LTG, machen das Unternehmen zum Marktführer. Am Standort Stuttgart sind heute rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. www.kba.com

Das besonders große Potenzial zur Energieeinsparung besteht in der Speicherung und Rückführung der HochtemperaturAbwärme in Produktionsprozesse. Gumbel erläuterte das an einem Beispiel: „Von KBA-CleanAir wurde ein Konzept zur Modernisierung einer bestehenden Ofenanlage mit einem neuen Energiemanagementsystem ausgearbeitet. Dieses Konzept der intelligenten Wärmespeicherung ermöglicht eine Einsparung von rund 150.000 Kubikmetern Gas im Jahr.“ Das entspricht jährlich 60.000 Euro.

Dr. Ulrich Köppen BVMW-Pressesprecher Baden-Württemberg

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Ex-Premier Koizumi besucht Biogasanlage in Thüringen Japaner auf Energie-Entdeckungstour

Aus Biogas Strom und Wärme: Kernstück der Anlage ist das Blockheizkraftwerk.

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Energieträger und komplexe technologische Verfahren erfolgen. Mit diesem Vorhaben liefert Deutschland ein innovatives Beispiel von internationalem Interesse. So überraschte es nicht, dass eine japanische Delegation unter der Leitung des ehemaligen Premierministers Jun’ichiroō Koizumi die Biogasanlage der Firma Biocraft Nohra GmbH & Co. KG im Landkreis Weimar Land besuchte. Der Ex-Premier war

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Fotos: Joachim Lange

Die Havarie des Kernkraftwerkes in Tschernobyl und die Katastrophe in Fukushima verstärkten den Willen der meisten Deutschen, bei der Energieerzeugung aus der Atomkraft auszusteigen. Bereits acht Atomkraftwerke sind abgeschaltet. Die Politik bezeichnet den Umbau des Energiesystems als die wichtigste Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Der vollständige Ausstieg aus der Kernenergie soll 2022 abgeschlossen sein. Die Strom- und Wärmeerzeugung soll durch alternative


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Die japanische Delegation mit Ex-Regierungschef Koizumi (vorne rechts) interessierte sich für die deutsche Energiewende. Geschäftsführer der Biocraft Nohra, Andreas Kellner (li.), erläuterte die Vorteile der Biogasanlage.

in Begleitung von Energieexperten der japanischen Atomlobby. Die Delegation hatte sich im Vorfeld über die Wirkungsweise des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vertraut gemacht, wie die präzisen Fragen Koizumis während des Rundgangs durch die Anlage und die abschließende Fragerunde deutlich machten. Bereits seit 1990 wurde in Deutschland aufgrund des weltweit gestiegenen CO 2 -Ausstoßes und der Vereinbarungen des Kyoto-Abkommens zur Bekämpfung des Klimawandels mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien begonnen. Auch in Japan sei der Energiebedarf erheblich gestiegen. Folge davon sei die Verknappung der fossilen Energieträger und damit ein drastischer Anstieg der Energiepreise. Japan hatte deshalb auf den Ausbau der Kernenergie gesetzt. Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima sei es aber zu einem grundlegenden Umdenken gekommen. „Der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland kann als Beispiel für unser Land dienen“, resümierte Koizumi nach der Besichtigung der Biogasanlage. Der japanische Gast zeigte sich begeistert von den Vorteilen von Biogas. Geschäftsführer Andreas Kellner (Mitglied der BVMW-Energiekommission) hatte zuvor den Mitgliedern der Delegation die Abläufe der Anlage erläutert. Großes Interesse fand die Nutzung der Abwärme für den angrenzenden Fleischverarbei-

tungsbetrieb. „Damit wird die wirtschaftliche Rentabilität der Biogasanlage sowie der Umweltschutz positiv beeinflusst“, antwortete Kellner auf Fragen aus der Delegation. Die Japaner verschafften sich darüber hinaus auch durch den Besuch eines Windparks und Anlagen der Stromerzeugung durch Photovoltaik einen Einblick in die Möglichkeiten der Energieerzeugung auf der Basis von Bioenergie. Schließlich kommt es auf die breite Palette an. Sowohl Wasserkraft, Wind, Solarthermie, Geothermie und Biomasse gehören zum Energiemix der deutschen Energiewende. Wichtig für den japanischen Erkenntnisprozess war, dass die Biogastechnologie als Grundlast zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit dient. Nicht nur für Japan ist das Gelingen der Energiewende von Bedeutung. Der Erfolg dient dem Export von deutscher Ingenieurtechnik und der Realisierung weltweiter Klimaziele.

Günther Richter BVMW-Landesgeschäftsführer Thüringen

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Energiewende konkret Wirtschaftssenat des Landesverbandes Berlin-Brandenburg besuchte „50 Hertz Transmission GmbH“ findet die Energiewende im Netzbereich der 50 Hertz Transmisson GmbH statt, so der Energieexperte. Schon 2012 wurde hier ein Anteil von 35 Prozent Erneuerbarer Energien erreicht, also jenes Volumen, das sich die Bundesregierung für das Jahr 2020 zum Ziel gesetzt hat. Zu den Ergebnissen gehört aber auch: „Bei Stürmen wie Xaver laufen wir buchstäblich über.“ Hatte im Jahr 2000 die 50 Hertz Transmission GmbH eine installierte Leistung Erneuerbarer Energien von 2.100 Megawatt, so war es 2012 bereits das Zehnfache. Im Jahr 2024 rechnet das Unternehmen mit 44.800 Megawatt. Derzeit laufen Windkraftanlagen mit einer Leistungskraft zwischen jeweils 1,5 und fünf Megawatt. „Die 7,5-MegawattAnlagen kommen jetzt, die Zehn-Mega­ watt-Anlagen befinden sich auf dem Reißbrett“, so Scheibner.

Die Energiewende finde statt, im Land Brandenburg, in Ostdeutschland, das unterstrich Gunter Scheibner, Leiter Systemführung bei der 50 Hertz Transmission GmbH in Neuenhagen bei Berlin. Das Unternehmen betreut mit seinen 757 Mitarbeitern das insgesamt 9.800 Kilometer lange Höchstspannungsnetz von 400-Kilovolt- und 220-Kilovolt-Leitungen mitsamt 70 Umspannwerken auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und der Hansestadt Hamburg. Das ist knapp ein Drittel des Bundesgebietes. Im vergangenen Jahr wurden 400 Millionen Euro in dieses Netz investiert. „Geschuldet ist dies

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der Energiewende und der Einspeisung durch Erneuerbare Energien“, erläuterte Scheibner den Wirtschaftssenatoren des BVMW-Landesverbandes Berlin-Brandenburg bei ihrem Besuch. Die von Dr. Dieter Kapell vorgetragene Forderung des BVMW, Strom so dezentral wie möglich und so zentral wie nötig zu produzieren, sieht Gunter Scheibner längst nicht verwirklicht. „Tatsächlich wird der Strom vor allem dort produziert, wo er produzierbar ist, und nicht dort, wo er verbraucht wird. Hier besteht ein deutliches Missverhältnis.“ Deshalb

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Henry-Martin Klemt BVMW-Landesgeschäftsführer Thüringen

Foto: Henry-Martin Klemt

Gunter Scheibner erläutert die Entwicklung in der Energieerzeugung im Netzbereich der 50 Hertz Transmission GmbH.

Auch wenn die hiesige Windvorratsfläche bereits weitgehend genutzt wird, gibt es einen erheblichen Zuwachs durch die neuen Anlagen. „Man sollte die Technologie weiterentwickeln, die am effektivsten ist. Bei uns ist das die Windenergie.“ Gleichzeitig weist der Experte aber auch darauf hin, dass die Energiewende nicht umsonst zu haben ist. „Die kostet richtig Geld, nicht nur als Anschub zur Durchsetzung der Technologie, sondern auch zur Sicherung des Betriebes mit entsprechenden Technologien.“ Das Interesse am technologischen Umgang mit einer umweltfreundlicheren Stromerzeugung ist groß. Selbst aus Japan kommen Besucher zur 50 Hertz Transmission GmbH (siehe Beitrag Seite 78). „Auch dort werden entsprechende Gesetze geplant“, weiß Gunter Scheibner.


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Nils und Julian Stentenbach. Ihr junges Unternehmen Voltavision prüft Batterien für Elektrofahrzeuge und hilft so, den Weg ins elektromobile Zeitalter zu ebnen. Die ganze Erfolgsstory auf www.nrwbank.de/weitsicht

Wir fördern das Gute in NRW. Die Weitsicht, mit der nachhaltige Unternehmen die Energiewende meistern. Weitsicht ist die Basis für eine aussichtsreiche Zukunft unserer Region. Für die NRW.BANK Grund genug, neue Wege mitzugehen. Zum Beispiel mit attraktiven Fördermitteln für Elektromobilität und mehr Energieeffizienz in der Produktion. Sprechen Sie mit uns, damit die Energiewende Realität wird. Das NRW.BANK.Service-Center erreichen Sie unter 0211 91741- 4800. Oder besuchen Sie uns auf www.nrwbank.de/weitsicht Der Mittelstand. | 2 | 2014

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Kommission Arbeit und Soziales: Mindestlohn und Rentenpaket Staatssekretärin Anette Kramme aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) diskutierte mit der BVMW-Kommission Arbeit und Soziales das Tarifautonomiestärkungsgesetz, auch Mindestlohngesetz genannt. Der Mindestlohn gilt ab dem 1. Januar 2015. Ausnahmen sind durch entsprechende Tarifvereinbarungen bis Ende 2016 möglich. Die Kommission plädierte dafür, neben Rentnern alle im Ausbildungsverhältnis stehenden Personen, wie Praktikanten und Auszubildende, vom Mindestlohn auszuklammern. Für Jugendliche sind Ausnahmen sinnvoll, damit Hilfsarbeit nicht attraktiver erscheint als eine Ausbildung. Die aktuelle Rentenreform diskutierte die Kommission mit dem stellvertretenden

Vorsitzenden des Ausschusses Arbeit und Soziales im Bundestag, Prof. Dr. Matthias Zimmer, und mit der Referatsleiterin im BMAS, Dr. Natalie Brall. Wichtigste Neuerungen sind die Rente mit 63 und die Mütterrente. Neu ist weiterhin die Möglichkeit, Zeiten des ALG I-Bezuges auf die Beitragsjahre anrechnen zu lassen. Stimmen Bundestag und Bundesrat zu, könnte das Rentenpaket am 1. Juli 2014 in Kraft treten. Das könnte eine Frühverrentungswelle auslösen. Die Kommissionsmitglieder bemängelten fehlende wissenschaftliche Studien, die Auswirkungen abschätzen. Klar sind dagegen bereits die Kosten. Bis 2030 summieren sich diese auf 233 Milliarden Euro.

Friederike Zimmermann BVMW

Die Energiekommission begrüßte unter Leitung von Reinhard Schneider, Geschäftsführer der Werner & Mertz GmbH, die SPD Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer. Gemeinsam diskutierten sie die Reformvorschläge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Nach aktuellen Plänen soll das reformierte EEG am 1. August 2014 in Kraft treten. Die Kommission begrüßte den Vorstoß der Bundesregierung, mit der Direktvermarktung mehr

Marktwirtschaft zu wagen. Der BVMW setzt sich seit langem dafür ein, dass sich die Erneuerbaren Energien am Strommarkt beweisen müssen. Darüber hinaus wurde die Zusammenlegung der Energie-Kompetenzen in das Bundesministerium für Wirtschaft befürwortet. Dass Eigenstromerzeuger zukünftig an der EEG-Umlage beteiligt werden sollen, stieß jedoch auf Kritik. Dies verringert den Anreiz, Strom dezentral dort zu produzieren, wo er auch verbraucht wird. Die Kommission bedauerte zudem, dass die Bundesregierung die Systemrelevanz einzelner Technologien noch immer nicht erkennt. So wird der Ausbau der Regelenergie Biomasse fast komplett gestoppt. Statt auf einen klugen dezentralen Mix aus Erneuerbaren Energien zu setzen, werden neue Anlagen weiterhin dort gebaut, wo sie enorme Netzausbaukosten verursachen. Die Chance, die Marktmacht der großen Erzeuger zu brechen, bleibt ungenutzt.

Yannick Severin BVMW

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Energiekommission: Reform des EEG


BVMW

Metallhandel und Energie

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BVMW-Partner Verband Deutscher Metallhändler e. V. Seit 1907 vertritt der Verband Deutscher Metallhändler (VDM) die Interessen des Nichteisen-Metallgroßhandels und der NEMetall-Recycling-Wirtschaft. Dazu gehören Neumetalle, Altmetalle sowie Strategische Sondermetalle. Seine über 220 Mitglieder repräsentieren etwa 700 Unternehmen und decken rund 90 Prozent des Metallmarktes in Deutschland und Österreich ab. Hinzu kommen zahlreiche Unternehmen aus anderen europäischen Staaten. Hütten- und Schmelzbetriebe sind ebenso Mitglied wie Händler, Recycler, an der Londoner Metallbörse tätige Broker und andere Spezialisten der Metallwirtschaft. Die Mitglieder des VDM generieren jährlich einen Umsatz von 25 bis 30 Milliarden Euro, bewegen etwa 20 Millionen Tonnen Metalle und beschäftigen rund 25.000 Mitarbeiter.

Die Energieintensität zeigt sich zum Beispiel bei der Herstellung einer Tonne Primäraluminium, für die 13,5 MWh Strom notwendig sind. Gerade das Recycling spielt in Zeiten steigender Rohstoffknappheit eine wichtige Rolle im Rahmen der Ressourcensicherung. Altmetalle kann man mit Fug und Recht als dauerhafte Energieträger bezeichnen. Die Energie, die erforderlich ist, um Metall aus Erzen zu gewinnen, muss nur einmal aufgewendet werden und bleibt im Metallkreislauf erhalten. Doch auch Recycling muss bezahlbar bleiben.

Vor allem für die Kupfer- und Aluminiumproduzenten, aber auch für viele mittelständische Unternehmen aus der Recyclingbranche ist Energie angesichts immer weiter steigender Kosten ein zentrales Thema.

Der VDM ist Mitglied der Mittelstands­ allianz unter dem Dach des BVMW.

Die Mitgliedsunternehmen des VDM haben daher ein besonderes Interesse an einer zukunftssicheren und bezahlbaren Energieversorgung.

www.metallhandel-online.com

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Der Mittelstand. | 2 | 2014

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BVMW

Preise und Auszeichnungen: für, von und mit dem BVMW Handelsblatt Hall of Fame der Familienunternehmen

Preisverleihung Scopus Award: Erich Sixt, Iris Berben, Regine Sixt und Menahem Ben-Sasson, Präsident der Universität Jerusalem (v. li.).

Preisverleihung Hall of Fame: Ehepaar Sixt und mit Hans-Jürgen Jakobs, mit dem Chefredakteur des Handelsblatts (rechts).

Regine und Erich Sixt haben die höchste Auszeichnung der Hebräischen Universität Jerusalem erhalten: den Scopus Award 2014. Die Universität zeichnete das Ehepaar in Anerkennung seiner Jahrzehnte langen Verdienste gegenüber dem Staat Israel, seines bedeutenden gesellschaftlichen und sozialen Engagements aus. Darüber hinaus ehrte sie das besondere unternehmerische Geschick von Regine und Erich Sixt, die den Sixt-Konzern in dritter Generation zu einem leistungsstarken internationalen Mobilitätsdienstleister aufgebaut haben. Sie gehören dem Bundeswirtschaftssenat des BVMW an.

In Anerkennung ihrer wertvollen Verdienste um die deutsche Wirtschaft wurden Regine und Erich Sixt in die Hall of Fame der Familienunternehmen des „Handelsblatts“ aufgenommen. Mit der Auszeichnung würdigte die Jury, der unter dem Vorsitz von „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart hochrangige Persönlichkeiten wie die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler, der Münchner Wirtschaftsprofessor Dr. Horst Wildemann oder Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, angehören, die außerordentliche Lebensleistung des Ehepaares.

Hochschulpreis der Binder Optik GmbH verliehen

KYOCERA-Umweltpreis vergeben

BVMW-Vorstandsmitglied Senator E.h. Dr. Helmut Baur, Preisträgerin Helene Djadjun und der Rektor a. D. der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Aalen, Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering (v. li.).

Bundesumweltminister a. D. Prof. Dr. Klaus Töpfer.

Für ihre herausragende Abschlussarbeit wurde Helene Djadjun aus Kasachstan mit dem Hochschulpreis der Binder Optik GmbH ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1994 in zweijährigem Turnus verliehen. Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider lobte bei der Preisverleihung die innovative praxisnahe Arbeit. Glückwünsche überbrachten Senator E.h. Dr. Helmut Baur als Geschäftsführender Gesellschafter der preisstiftenden Binder Optik GmbH sowie der ehemalige Rektor Prof. Dr. Dr. Ekbert Hering und Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle. In ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Aalen hat Helene Djadjun eine Möglichkeit entwickelt, mit handelsüblichen 3D-Fernsehern Stereo-Sehtests durchzuführen.

Im Rahmen des Zukunftsforums wurde in Stuttgart der vierte KYOCERA-Umweltpreis vergeben. Die Expertenjury um den ehemaligen Bundesumweltminister Prof. Klaus Töpfer zeichnete nachhaltige Unternehmen in vier Kategorien mit einem Preisgeld von jeweils 25.000 Euro aus. Überdies vergab die Jury einen mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis für den „Grünsten Fachhändler“ an die printvision AG. Unterstützt wird der KYOCERA-Umweltpreis von hochkarätigen Partnern: dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem Bundesarbeitskreis für Umweltbewusstes Management e. V. (B. A. U. M.), dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sowie der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

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Foto: KYOCERA Document Solutions Deutschland GmbH

Foto: Sixt

Foto: argum/Einberger

Scopus Award 2014 an Regine und Erich Sixt


BVMW

Traditioneller Neujahrsempfang in Erfurt

Fotos: Michael voigt

Zahlreiche Gäste aus Thüringens Wirtschaft und Politik folgten wieder der Einladung des BVMW.

Bereits zum sechsten Mal in Folge traf sich der Thüringer Mittelstand zum BVMW-Neujahrsempfang im Atrium der Stadtwerke Erfurt. Neben Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gaben auch BVMW-Vizepräsident Willi Grothe und der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Andreas Bausewein, wichtige Impulse für 2014. Der Leiter der BVMW-Wirtschaftsregion Mittelthüringen, Gerald Bitter-

berg, wies auf die Herausforderungen der Energiewende, des Fachkräftebedarfs und der Konjunkturschwankungen hin. Dennoch zog Lieberknecht eine positive Zwischenbilanz zu Beginn des Jahres: „Thüringen steht hervorragend da. Die Unternehmer verdienen den Dank der Landesregierung für die positive Wirtschaftsentwicklung und den deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit.“

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht beim BVMW-Jahresempfang in Erfurt, Thüringen.

Netzwerken an der Donau

Foto: Tobias Rrocholl

Virtuelle, soziale Netzwerke sind angesagt – die persönliche Faceto-Face-Begegnung ist jedoch unersetzlich. Menschen müssen sich begegnen, wenn sie sich vertrauensvoll austauschen und Geschäftsbeziehungen aufbauen wollen. Das ist seit 15 Jahren das Erfolgsrezept des Ulmer Unternehmertages. Rund 120 Aussteller und über 1.000 Besucher sind Beleg dafür, dass dieser Marktplatz der Informationen, den Karl-Heinz Raguse vom BVMW auch in diesem Jahr wieder organisierte, hohe Attraktivität besitzt. Zur Eröffnung in der Donauhalle sprachen hochkarätige Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik, darunter Dr. Beate Merk, Bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen, sowie die Oberbürgermeister Ivo Gönner, Ulm, und Gerold Noerenberg, Neu-Ulm. Die beiden Redner waren sich einig: „Der Unternehmertag hat sich zu einer echten Marke entwickelt“. Senator und BVMW-Vorstandsmitglied Dr. Helmut Baur lobte den Unternehmertag als Aushängeschild für die Region: „Wer sich auf dem Unternehmertag umsieht, erkennt sofort, warum diese Region zu den 20 Top-Standorten der Europäischen Union zählt.

Die Mischung macht’s: Innovationsstärke, Unternehmergeist, Exportorientierung, Tradition und zugleich Aufgeschlossenheit für Neues, all das zusammen bildet die Grundlage für den beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolg.“ Neben der Podiumsdiskussion zum Thema Bildung gab es zahlreiche spannenden Vorträge.

Veranstalter Karl-Heinz Raguse, Dr. Beate Merk, Bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen, und BVMW-Vorstand Dr. Helmut Baur (v. li.).

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BVMW

Veranstaltungs­­ kalender Eine Vielzahl erstklassiger Veranstaltungen wird in den kommenden Monaten vom BVMW auf Bundesebene und in den Regionen vor Ort veranstaltet. Unternehmer und Unternehmerinnen sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, Netzwerke zu spannen, sich einzubringen und sich unterhalten zu lassen. Eine Auswahl wichtiger Veranstaltungen ist nachfolgend aufgelistet. ikn 2020 – mobile Economy Donnerstag, 10. April 2014, 09.30 Uhr Osnabrücker Schloss Neuer Graben, 49074 Osnabrück

Forum Führung Donnerstag, 24. April 2014, 15.30 Uhr VIP Bereich der Imtech-Arena Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg

[MittelstandsForum] Personal 2014 Dienstag, 13. Mai 2014, 18.00 Uhr Südwestpark-Forum Südwestpark 37/41, 90449 Nürnberg

Gesprächsrunde mit Wirtschafts­ minister Ralf Christoffers (DIE LINKE) Montag, 14. April 2014, 19.00 Uhr Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde Alfred-Möller-Straße 1, 16225 Eberswalde

Erneuerbare Energien / Energieeinsparungen Dienstag, 29. April 2014, 18.00 Uhr Direkt Marketing-Center der Post, Bremen Grazer Str. 2c, 28359 Bremen

My Coaching Day 2014 – 7 TOPSPEAKER Samstag, 17. Mai 2014, 08.30 Uhr Airporthotel Düsseldorf Van der Valk Am Hülserhof 57, 40472 Düsseldorf

4. Jenaer Industrietage Mittwoch, 7. bis 8. Mai 2014, 09.00 Uhr Sparkassen-Arena Jena Kesslerstraße 27, 07745 Jena

Fachkräftemangel und die andere Art der Geldanlage Dienstag, 20. Mai 2014, 17.30 Uhr Brunel GmbH Hermann-Köhl-Str. 1, 28199 Bremen Antrieb Mittelstand Dienstag, 27. Mai 2014, 09.30 Uhr Dolce München Andreas-Danzer-Weg 1, 85716 Unterschleißheim

Foto: kange_one - Fotolia.com

Mittagsakademie Mittwoch, 16. April 2014, 12.00 Uhr German Graduate School of Management and Law Dammstraße 1, 74076 Heilbronn

Besichtigung des Raumfahrt-Zentrums Mittwoch, 7. Mai 2014, 15.00 Uhr Airbus Group Bremen Airbus Allee 1, 28361 Bremen

Weitere zahlreiche Veranstaltungen werden unter www.bvmw.de angekündigt. In der Rubrik „Standorte“ können die Veranstaltungskalender der jeweiligen Regionen abgerufen werden.

Impressum Der Mittelstand. Unternehmermagazin des BVMW Herausgeber BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e. V. Präsident Mario Ohoven Mosse Palais, Leipziger Platz 15 10117 Berlin www.bvmw.de Dieser Ausgabe liegen die Broschüren „Der Bundeswirtschaftssenat im Dialog“ mit Uli Mayer-Johanssen und Reinhard Schneider bei.

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Redaktion Tel.: 030 / 53 32 06-16 Fax: 030 / 53 32 06-50 mittelstand@bvmw.de Eberhard Vogt (Chefredakteur) Rotger H. Kindermann (Korrespondent) Judith Krause Chiara Ohoven Friederike Pfann Sabrina Mielke Titelbild: Henry-Martin Klemt, Christian Kruppa Verlag mattheis. werbeagentur gmbh Kastanienallee 4 10435 Berlin Tel.: 030 / 34 80 633-0 Fax: 030 / 34 80 633-33 info@mattheis-berlin.de www.mattheis-berlin.de

Layout und Gestaltung, Mediadaten, Vermarktung v. Anzeigen & Beilagen mattheis. werbeagentur gmbh Tel.: 030 / 34 80 633-0 Fax: 030 / 34 80 633-33 bvmw-anzeigen@mattheis-berlin.de Rechnungsstelle BVMW Servicegesellschaft mbH Mosse Palais, Leipziger Platz 15 10117 Berlin Tel.: 030 / 53 32 06-26 Fax: 030 / 53 32 06-50 theresa.collberg@bvmw.de Druckerei Möller Druck und Verlag GmbH Zeppelinstr. 6, 16356 Ahrensfelde

Der Mittelstand. | 2 | 2014

Das Magazin „Der Mittelstand.” ist das offizielle Organ des BVMW. Mitglieder des Verbandes erhalten das Magazin im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge sowie Selbstdarstellungen von Unternehmen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Nachdruck und Verbreitung mit Angabe der Quelle gestattet.

Druckauflage: 30.000

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Dell GmbH, Main Airport Center, Unterschweinstiege 10, 60549 Frankfurt am Main. Geschäftsführer: Doris Albiez, Barbara Wittmann, Jürgen Renz, Mark Möbius. Vorsitzende des Aufsichtsrates: Benedikte Leroy. Eingetragen beim AG Frankfurt am Main unter HRB 75453, USt.-ID: DE 113 541 138, WEEE-Reg.-Nr.: DE 49515708. Es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Dell GmbH. Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. Dell™, das Dell Logo, Dell Venue 8 Pro und Dell Venue 11 Pro sind eingetragene Marken von Dell Corporation oder ihrer Tochtergesellschaften in den USA und anderen Ländern. Ultrabook, Celeron, Celeron Inside, Core Inside, Intel, Intel Logo, Intel Atom, Intel Atom Inside, Intel Core, Intel Inside, Intel Inside Logo, Intel vPro, Itanium, Itanium Inside, Pentium, Pentium Inside, vPro Inside, Xeon, Xeon Phi, und Xeon Inside sind Marken der Intel Corporation in den USA und anderen Ländern. Microsoft®, Windows® und Windows 8 sind eingetragene Marken oder Marken der Microsoft Corporation in den USA und/oder in anderen Ländern.


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DER MITTELSTAND Ausgabe 2-2014  

„Der Mittelstand“ ist das moderne Unternehmermagazin des Bundesverbandesmittelständische Wirtschaft (BVMW). Es erscheint 6 x p.a. in einer I...

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