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kultur & leben

musik

Vorsehung oder Zufall?

Bespielte Welten

Hochzeitszeremonie einzustudieren. „Leonce und Lena“ ist Georg Büchners einziges Lustspiel – ein sozialkritischsatirisches Stück. In der Inszenierung von Torsten Schilling (Koproduktion Dekadenz Brixen und Carambolage Bozen) kommt nie Langweile auf. Auch wenn Lena etwas zu märchenhaft-naiv wirkt, die absurd-komische Sozialkritik etwas zu komisch und etwas zu wenig sozial. Ein lohnenswerter Theaterabend allemal. Eine Lektüre des Stückes vorab wäre zu empfehlen. Um die Klugheit der Büchner’schen Sprache noch mehr genießen n zu können.

Foto: Dekadenz Brixen

(aa) Im kleinen Königreich Popo liegen Valerio (Hannes Holzer) und Prinz Leonce (Bálint Walter) faul in der Sonne, als letzterer vor vollendete Tatsachen gestellt wird: Der König (Peter Schorn) will ihn mit Prinzessin Lena (Sophie Berger) vom Königreich Pipi verheiraten. Die Ehe aber mag der Prinz nicht eingehen, er flüchtet mit Valerio nach Italien. Unterwegs treffen sie Lena und deren Gouvernante (Ingrid Maria Lechner), Prinz und Prinzessin verlieben sich – freilich ohne zu wissen wer sie sind. Die hungernde Bevölkerung in Popo wird derweil gezwungen, eine

Hannes Holzer (Valerio), Peter Schorn (Polizeidiener), Bálint Walter (Prinz Leonce): lohnenswerter Theaterabend

Kinderbuch

Magische Verwandlung (ct) Alle Nuancen des Aufbruchs und der Verwandlung beschreibt Nikolaus Heidelbach sprachlich und illustratorisch in „Wenn ich groß bin, werde ich Seehund“ (Beltz & Gelberg 2011, 32 S., 16 Euro). Darin geht Heidelbach der Legende von den Seehunden nach, die an Land gehen, das Fell abstreifen und wieder ins Meer zu-

rückkehren, wenn sie genug Mensch gewesen sind. Sphärische Bildräume und geheimnisumwitterte Wasserstimmung tragen das Buch, eine eigenartig ambivalente Anziehungskraft zeichnet Heidelbachs Bilder aus: Nähe bewirkt ja auch Distanz, weit blickt der Autor und Zeichner in die Gen fühlswelt hinein. 

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Foto: Ivan Poletti

theater

Spiel zwischen Clubkontext, Raum, Kunst: WupWup plays transart (im Bild Life-set von Lois Lane, WupWup)

(ji) Schaukeln gehören zu der Art von Gebrauchsgegenständen, deren magische Anziehungskraft auch im fortschreitenden Alter erhalten bleibt. Der Sinn des Spielplatzgeräts vor dem Eingang zum angekündigten Clubbing blieb dem Besucher vielfach fremd, ebenso wie die Quelle der helikopterähnlichen Geräusche. Benutzt wurde die interaktivkinetische Installation (Karla Spiluttini) dennoch – und damit dem Konzept des Abschluss-Clubbings der 11. Transart-Ausgabe Rechnung getragen. Unter dem Motto „Playground“ wurde das ExAlumix nicht nur musikalisch bespielt, sondern zur Spielwiese erklärt. Techno, Jazz und moderne Klassik, die zu einem Soundgebilde verschmelzen, als wären sie immer schon eins gewesen: Die Berliner Formation Brand Brauer Frick, einer der beiden Hauptacts des Abends, vollzog gar die Synthese aus Club und Konzertsaal in der ehemaligen Industriehalle. Atmosphärisch-treibende Klangwelten (Nadipebi, Lois Lane),

vertraut wirkende Sounds, die dennoch in keines der gängigen Genres passen (Stimming): Wer Mainstream erwartet hatte, ging leer aus. Auch die Konzeption von Clubbings als Veranstaltungen mit reinem Vergnügungscharakter haben die Kuratoren von WupWup, einem genrewie ortsgrenzen-überschreitenden Kollektiv, hinter sich gelassen – musikalisch ebenso wie räumlich: generativ erzeugte Bilder, dynamische Projektionen, performative Lichtinstallation (Bartholomäus Traubeck, Ivo Francx). Das Alumix als Landebahn eines Ufos aus Holz (Thomas Reichegger), der youyeuristische Blick auf eine Horde Frauen bzw. Models im Gitterkäfig-Wohnzimmer (Noëmi Ceresola, Matthias Waldhard) – die bespielte Welt hinterlässt Spuren, ohne dass es ein kulturintellektuelles Motiv brauchen würde, um sie zu betreten. WupWup plays transart hat das Ausgehvolk auf eine spielerisch-unvoreingenommene Entdeckungsreise gen schickt.  No. 40 / 2011

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Bespielte Welten  

ff - Südtiroler Wochenzeitung 40/2011

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