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Helden des Winters

Hilfe aus ganz Österreich – und aus Italien

Die Maschinenring-Helfer waren unermüdlich im Einsatz, um eingeschneite Wege wieder frei zu räumen und Dächer abzuschaufeln. 

Der Schnee fiel ab Anfang Jänner, und es hörte nicht auf. Nachdem klar wurde, dass die eigene Mann- und Frauschaft vor Ort Unterstützung brauchte, telefonierten zugeschneite Maschinenringe mit ihren Kollegen in ganz Österreich und darüber hinaus. Hilfe kam schnell und professionell: Schon ab Mittwoch, dem 9. Jänner unterstützten 18 Mitarbeiter vom Maschinenring Kärnten im Pongau und Tennengau. Dachabschaufler aus den Ringen Spittal, Nockberge, Villach-Hermagor und Klagenfurt waren seit den Morgenstunden im Einsatz. Zusätzliche Kräfte wurden vom Landeskoordinator Christian Lippe mit den Verantwortlichen in den einzelnen Maschinenringen aufgestellt und am darauffolgenden Montag nahm dann die doppelte Mannschaft, etwa aus Feldkirchen, den weiteren Kampf mit den Schneemassen auf. Auch aus Niederösterreich kam Hilfe. Damit waren für den Maschinenring Salzburg rund 600 Personen im Dauereinsatz, rund 200 Personen schaufelten Dächer ab. Denn laut ZAMG gab es mit 15. Jänner ungewöhnlich hohe Schneelasten von 200 bis 300 Kilogramm pro Quadratmeter auf den Dächern. Besonders bei Flachdächern und Hallen wurden die Normlasten ausgereizt und teilweise überschritten – dementsprechend häufig wurde das Dachabschaufeln bei den lokalen Maschinenringen angefordert. Denn dort sind Profis mit der richtigen Ausrüstung am Werk. Zum Beispiel Baumpfleger, für die der Umgang mit der Kletterausrüstung zur Sicherung am Dach eine Selbstverständlichkeit ist. In Vorarlberg waren einige Gemeinden nicht erreichbar. Die ÖBB-Züge fuhren durchgehend, hier schaufelte der Maschinenring zum Teil die Bahngleise frei. Auch im Ländle wurden Dächer von der Schneelast befreit und der Schnee abtransportiert. In Oberösterreich waren die Maschinenringe Vöcklabruck, Gmunden und Kremstal-Windischgarsten wochenlang damit beschäftigt, Dächer abzuschaufeln, Straßen zu räumen und Wege durch den hüfthohen Schnee zu fräsen. Auch die Wälder waren betroffen. In Freistadt im Mühlviertel etwa knickten reihenweise Bäume ein. In Kitzbühel und Kufstein halfen Mitarbeiter aus Südtirol, Osttirol, Innsbruck-Land und Wels aus. Insgesamt hielten in Tirol über 500 Maschinenring Dienstleister, großteils Landwirte aus der unmittelbaren Region, Straßen, Gehwege, Bahnsteige und Parkplätze frei und gewährleisteten so ein möglichst sicheres Vorankommen. Nicht nur die Mitarbeiter draußen, auch jene in den Maschinenring Büros waren gefordert. Die Telefone liefen heiß, es wurden unermüdlich Anfragen für Schneeräumungen, Dachabschöpfungen und Schneeabtransporte bearbeitet. Die eingesetzten Mitarbeiter mussten disponiert und zusätzliche Kräfte aufgestellt werden. Zusätzlich war die Streusalz-Ausbringung besonders penibel zu planen, um Engpässe zu vermeiden. Denn die Schneemengen behinderten auch die Anlieferung neuer Streumittel.

Platz für Neuschnee schaffen

Diese riesigen Neuschneemengen kommen - laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) - nur alle 30 bis 100 Jahre vor. So lagen in der ersten Jänner-Hälfte in den betroffenen Gebieten Salzburgs und Oberösterreichs über 250 bis 300 Zentimeter Neuschnee. In Bad Aussee etwa werden nur alle 30 bis 50 Jahre 300 Zentimeter Neuschnee (fielen vom 1. bis 15. Jänner) gemessen, der Rekord-Wert von 168 Zentimeter in Kufstein fällt nur alle 100 Jahre. In Salzburg waren erstmals in der Geschichte 26 Gemeinden nicht erreichbar, am Höhepunkt waren gleichzeitig 17 Orte eingeschneit. Rund ein Zehntel der Bevölkerung war ohne Verkehrsanschluss, 29 wichtige Straßen mussten aufgrund der hohen Lawinengefahr gesperrt werden. Von Vorarlberg über Nordtirol bis Salzburg war es einer der zehn niederschlagsreichsten Jänner der letzten 160 Jahre, so die ZAMG. Auch der Abtransport des zusammengeschobenen Schnees stellte den Maschinenring vor gewaltige Herausforderungen: Die großen Mengen führten auf Straßen und Wegen zu beengten Situationen, an Kreuzungen und bei Ausfahrten beeinträchtigten sie die Sicht. Daher brachten die Winterdienstleister den Schnee schnellstmöglich zu geeigneten Deponien – auch, um für den weiterhin angesagten Neuschnee Raum zu schaffen. Nach Abklingen der Schneefälle ging die Arbeit weiter. Danach transportierte alleine der Maschinenring Kufstein mehrere 10.000 Kubikmeter Schnee in angemietete Schneedepots ab.

Der Neuschnee brachte viele Dächer an die Belastungsgrenze. Sie wurden händisch abgeschauftelt, Unterstützung dafür kam aus ganz Österreich.

Zwei Brüder und ein Routinier

Die zwei Brüder Andreas und Romed Plank vom Bartlhof aus Thaur in Tirol stehen stellvertretend für alle Männer und Frauen, die Anfang Jänner Tag und Nacht im Winterdienst arbeiteten. Die beiden fuhren gemeinsam mit dem Winterdienstroutinier Josef Brunner vom Madleinhof Marathoneinsätze, um die engen und teilweise sehr steilen Gemeindestraßen ihrer Heimatgemeinde rund um die Uhr freizuhalten. Neben der Räumung und Salzstreuung mit ihrem 115-PS-Traktor wurden besonders steile Abschnitte des Thaurer Straßennetzes gekiest und Schneeansammlungen mit dem Kipper abtransportiert. Wegen der besonders großen Neuschneemengen kam entlang der Straßen und Wege die Schneefräse eines weiteren Maschinenring Dienstleisters zum Einsatz. Um möglichst schnell Platz in den engen Gassen zu schaffen und für sichere Straßenverhältnisse zu sorgen. Auch die Verhängung der Schneekettenpflicht gehört zu ihren Aufgaben. „Ein nützliches Hilfsmittel dabei ist das detaillierte Wetter-SMS, das bei relevanten Witterungsverhältnissen mit Niederschlag oder Glättegefahr vom Maschinenring ausgeschickt wird“, erklärt Andreas. Denn mehrmals täglich wird vom Maschinenring die Witterungs- und Wettersituation in Kooperation mit der ZAMG direkt an die Dienstleister weitergeleitet. Durch diese rasche Vorinformation sind die regionalen Wetterverhältnisse absehbar und die Winterdienstleister können schnell reagieren (mehr dazu im Gastkommentar auf Seite 50).

Andreas und Romed Plank sind zwei der vielen Maschinenring Landwirte, die Tag und Nacht fuhren, um die Straßen ihrer Heimatgemeinde freizuhalten.
Bildnachweis: © Mario Webhofer

Über 7.000 Winterdienstleister

Der Maschinenring arbeitet mit lokalen Landwirten und Personal aus dem ländlichen Raum. Diese über 7.000 Männer und Frauen kennen die Gegebenheiten vor Ort und übernehmen alle Aufgaben: Den Räumdienst für Straßen, Gehsteige und Parkflächen, Streudienste oder auch Spezialleistungen wie Tauwetterkontrolle, Dachräumungen oder Schneefräsarbeiten. Jedes Jahr betreuen die Maschinenring Winterdienstleister über 17.000 Kunden, darunter mehr als 1.100 Gemeinden. Rund 80 Geschäftsstellen in ganz Österreich koordinieren und organisieren den Winterdienst 24 Stunden am Tag.