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30.000 Arbeitskräfte

Wir haben mit Franz Sturmlechner, Geschäftsführer des Maschinenring Österreich, und Gertraud Weigl, Geschäftsführerin Maschinenring Personal und Service, über den Maschinenring als einen der größten Arbeitgeber im Land gesprochen, über die Herausforderungen die das mit sich bringt und die Platzierung unter den 30 besten Arbeitgebern Österreichs.

Franz Sturmlechner, Geschäftsführer Maschinenring Österreich

Land: Wie viele Menschen arbeiten denn eigentlich beim Maschinenring?

Sturmlechner: Es sind jedes Jahr rund 30.000. Wobei wir da klar unterscheiden: Landwirte, die für andere Landwirte beispielsweise Getreide säen, Wiesen mähen oder Rüben ernten sind im Rahmen ihres ureigenen Gewerbes, der Landwirtschaft, selbständig tätig. Wir sind hier Mittler, die die Bauern zusammenbringen und sie beim Verrechnen unterstützen. Dafür wurden wir gegründet. Damals standen ganz klar Auslastung und Nebenerwerb im Fokus sowie ein sicherer rechtlicher Rahmen für die Nachbarschaftshilfe. Heute arbeiten rund 14.000 Landwirte über den Maschinenring für andere Landwirte. Nach und nach kamen landwirtschaftsnahe Dienstleistungen dazu: Winterdienst, Grünraumpflege, Forst, Bioenergie und sonstige Bereiche wie Kompostierung. Damit hatten wir zusätzlich zu den Dienstleistern auch Dienstnehmer, das heißt wir stellten Arbeiter für unsere Einsätze an. So kam das Thema Vollauslastung, Vollbeschäftigung ins Spiel. Wir beschäftigen viele Arbeiter das ganze Jahr, viele aber auch saisonal. Beispielsweise räumen rund 7.000 Landwirte für uns im Winter Schnee in ihren Gemeinden. In dieser Jahreszeit haben sie weniger Arbeit am Hof und Zeit für den Zuverdienst. Insgesamt arbeiten für uns im Service-Bereich über 10.000 Personen. Zusätzlich sind 900 Angestellte in unseren über 80 regionalen Geschäftsstellen in ganz Österreich beschäftigt.

Weigl: Seit 20 Jahren gibt es auch Personalleasing vom Maschinenring, weil unsere geschickten Bauern bei den Firmen gefragt sind. Zuletzt beschäftigten wir über 5.000 Zeitarbeiter. Im Leasing sind wir spezialisiert auf Kurzeinsätze mit geringer Vorlaufzeit, bieten aber auch langfristige Lösungen, teilweise sogar mit vereinbarter Übernahmeoption an.

Land: Welche Herausforderungen gibt es bei so vielen Arbeitskräften?

Sturmlechner: Von Anfang an war die Positionierung des Maschinenring als Arbeitgebermarke eine Herausforderung. Schon unsere Gründerväter mussten den Landwirten erklären, welche Vorteile es ihnen bringt, über den Maschinenring zu arbeiten. Nämlich um ihre Auslastung zu verbessern und etwas dazuzuverdienen. In den 60er Jahren war es nicht selbstverständlich, vom Nachbar-Bauern Bezahlung anzunehmen. Die Landwirte kennen den Maschinenring als Arbeitgeber mittlerweile, weil von den 160.000 landwirtschaftlichen Betrieben in ganz Österreich weit über 70.000 bei uns Mitglied sind. Auch im Service- und Leasing-Bereich setzen wir viele Landwirte ein, die unsere flexiblen Arbeitsplätze schätzen. Ein Einsatz, der nur ein paar Tage dauert, oder ein saisonaler Job lässt sich mit dem Hof oft besser vereinen als eine fixe Anstellung. Gleichzeitig beschäftigen wir sehr viele Personen, die nicht aus der Landwirtschaft stammen. Und hier, außerhalb der Landwirtschaft, können wir unsere Bekanntheit als Arbeitgeber sicherlich noch deutlich steigern.

Weigl: Zusätzlich bieten wir über 300 verschiedene Jobs an, vom Leasing-Hirten bis zum Gärtner, vom kletternden Baumpfleger bis zum Buchhalter. Das ist herausfordernd, weil nur wenige wissen, dass wir für fast jeden das Passende bieten. Diese Vielfalt auf den Punkt zu bringen ist nicht einfach. Gleichzeitig ist das natürlich ein großer Vorteil, durch den wir uns von vielen anderen Organisationen unterscheiden. Bei uns kann man vom Gewerbe-Bereich, etwa Garten, ins Büro wechseln, oder umgekehrt. Wir haben für jede Lebensphase, für jedes Interesse den passenden Job.

Land: Gibt es den typischen Maschinenring-Mitarbeiter, die typische Maschinenring-Mitarbeiterin?

Weigl: Nein. Für uns arbeiten alle Altersgruppen, Lehrlinge ebenso wie Studenten, die im Sommer bei uns jobben. Wir haben auch 70-jährige Pensionisten, die ihr Pensionskonto durch unsere Jobs aufbessern. Viele unserer Arbeiter sind männlich, aber gerade im Bereich der Industrie beschäftigen wir viele Frauen, die in den Fertigungslinien von Firmen wie Internorm arbeiten. Auch Umsteiger, die vom Bürojob ins Handwerk wechseln wollen, haben wir. Parallel sprechen wir alle Bildungsschichten an: Hilfskräfte, Facharbeiter aus Handwerk und Landwirtschaft, Absolventen landwirtschaftlicher Fachschulen, Personen mit Matura- und Universitätsabschluss.

Gertraud Weigl, Geschäftsführerin Maschinenring Personal und Service eGen

Land: Was bietet der Maschinenring seinen Mitarbeitern, außer vielfältigen Jobs? Wodurch hebt er sich ab?

Sturmlechner: Flexibilität ist sicherlich einer unserer großen Vorteile. Wir bieten auch in den Büros sehr viele individuelle Teilzeit-Lösungen, damit unsere Mitarbeiter ihre Betreuungspflichten erfüllen, ihren landwirtschaftlichen Betrieb parallel führen oder ihre Hobbies intensiv leben können. Unsere Regionalität ist auch etwas Besonderes. Wir haben über 80 regionale Organisationen, die Jobs ausschreiben – damit sparen sich unsere Arbeitskräfte das Pendeln, sie finden einen Arbeitsplatz ums Eck. Wir leisten damit einen Beitrag für den Erhalt eines lebenswerten ländlichen Raums, in dem es ausreichend attraktive Jobs gibt. Und unsere Kunden profitieren von den lokalen Arbeitskräften, die sich in der Region auskennen und Wert darauf legen, dass etwa der Rasen vor dem Altersheim in der Nachbargemeinde sauber gemäht oder der Weg zur Schule sauber geräumt ist.

Weigl: Wir pflegen eine offene Gesprächskultur, nehmen unsere Mitarbeiter ernst. Weil wir in so viele kleine Einheiten gegliedert sind, ist unsere Hierarchie sehr flach. Wir sind alle per du, bis zum Bundesgeschäftsführer. Und jeder kann, darf und soll ihm sagen, wo der Schuh drückt. Bei uns gilt noch die Handschlagqualität, wir Vertrauen den Menschen, die mit uns arbeiten. Auch Ausbildung ist bei uns ein wichtiges Thema, persönliche Weiterentwicklung, Wissenserwerb. Wir werben nicht umsonst mit dem Slogan „Die Profis vom Land“, unsere Mitarbeiter sind es auch. So machen etwa Leasing-Mitarbeiter immer wieder über uns den Staplerschein oder den LKW-Führerschein. Auch die meisten unserer 130 Baumpfleger haben wir selbst ausgebildet.

Land: Sie wurden ja auch ausgezeichnet als einer der besten Arbeitgeber Österreichs?

Sturmlechner: Ja, das freut uns natürlich sehr! Wir erreichten den 30. Platz im Ranking von trend, Statista, Xing und Kununu unter mehr als 1.000 untersuchten Organisationen mit mehr als 200 Mitarbeitern. Dabei haben wir viele renommierte Unternehmen überholt. Umso stolzer sind wir, dass die vielen positiven Bewertungen unserer Mitarbeiter uns in diesen Rang gehoben haben. Das zeigt, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind und dass wir in den Augen der Mitarbeiter unser Versprechen einlösen.