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menschen.management.maschinen.

Maschinenring magazin 02.2012

2,50 €

16 Seite

Grünlandtechnik 2012

Neuentwicklungen, die Fahrer, Traktor und Maschine entlasten

19. Pflanzenschutz

27. Neue Rubrik

Die Reserven stecken im Detail

Kostendeckung – und fertig

Hirn meldet Gefahr!

Leistungsoptimierung und Kostenkontrolle entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg der Ernte

Überbetrieblicher Pflanzenschutz ist heikel, richtig angewendet lässt sich aber viel Geld sparen

Mit neuen, speziell auf Landwirte zugeschnittenen Fahrsicherheitstrainings wollen die Maschinenringe einen Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr leisten

12. Mähdrusch-Management


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Erich Geiersberger ist tot

Foto: Bayerischer Rundfunk /Fred LIndinger

Foto: Bayerischer Rundfunk /Foto Sessner

Er ist am 16. April 2012 im Alter von 85 Jahren gestorben.

Dr. Erich Geiersberger wurde am 17. Mai 1926 in Taubenbach, Landkreis Rottal geboren

Die Maschinenring-Gemeinschaft verliert mit ihm ihren Gründervater und den engagiertesten Vorkämpfer für eine selbstbestimmte Landwirtschaft, den man sich nur vorstellen kann. Für Dr. Erich Geiersberger war seine „Maschinenbank“, wie er die erste Gemeinschaft zur überbetrieblichen Nutzung von Agrartechnik 1958 nannte, mehr als eine neue Geschäftsidee. Es war sein Lebenswerk. Dahinter stand eine leidenschaftlich entwickelte Vision: Die Befreiung der Landwirtschaft von Subventionen und Vorgaben und eine echte Alternative zum Zwang nach stetigem Wachstum der Betriebe. „Der Maschinenring und die nur in ihm und durch ihn mögliche Partnerschaft ist für mich derzeit der einzige gangbare und menschlich zu gestaltende Weg in die Zukunft. Wer einen besseren weiß, soll ihn aufzeigen!“, rief er 1972 bei einem Vortrag. Das Leben als kämpferischer Vordenker war ihm keineswegs in die Wiege gelegt worden. Als zehntes von zwölf Kindern kam er 1926 zur Welt. Sein Vater war Volksschullehrer, das Studium zum Agraringenieur finanzierte er über Darlehen bei zwei Onkeln. Schon in der ersten landwirtschaftlichen Praktikumsstelle sollte sich jedoch zeigen, dass er hier genau richtig war: Aus den ersten Wochen beim Landwirt Alois Berger in Buchhofen wurde wenige Jahre später die gemeinsame Gründung der ersten „Maschinenbank“. Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium

machte Erich Geiersberger Karriere als Pressesprecher der BayWa und als Journalist beim Bayerischen Rundfunk. Den Aufbau der Maschinenbanken hat er dabei nie aus den Augen verloren, sondern vielmehr die Chancen genutzt, die seine umfangreichen Kontakte mit sich brachten. „Durch Betriebsvergrößerung ist der Wettlauf mit der wissenschaftlich-technischen Evolution nicht zu gewinnen“ – was Dr. Erich Geiersberger schon vor über 50 Jahren klar erkannt hat, bestätigt sich heute durch die Entwicklungen der modernen Datenverarbeitungstechnik. Er war seiner Zeit ein Stück weit voraus – und hat es trotzdem geschafft, seine Vision in die Praxis umzusetzen: Nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Ländern wie Norwegen, Brasilien oder Japan sind Maschinenringe heute ein fester Bestandteil der landwirtschaftlichen Praxis. Dr. Erich Geiersberger durfte erleben, dass seine Ideen auf fruchtbaren Boden fielen. Die volle Zufriedenheit war ihm trotzdem nie vergönnt. Die Maschinenring-Gemeinschaften in der ganzen Welt – vor allem aber in seiner deutschen Heimat – gedenken Dr. Erich Geiersberger in großer Dankbarkeit. Ohne ihn wäre diese grandiose Idee wohl nie geboren worden. In den unzähligen erfolgreichen Gemeinschaften lebt die Vision vom friedvollen Nebeneinander der unterschiedlichen Betriebsformen und -größen weiter.


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Rostock

Kiel

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Schwerin Hamburg

Bremen

12. Erntelogistik Getreide Laufen muss er Leistungsfähige Mähdrescher erfordern schlagkräftige Transportlogistik vom Feld ins Silo

hannover

Magdeburg

36. Betriebshilfe Neustart mit Traktorschein Auf einem Einödhof im Allgäu betreut ein Landwirt Jugendliche mit sozialen Schwierigkeiten

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der inhalt

06 Berlin Potsdam

Dresden

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23

19

06. Mähdruschmanagement Die Reserven stecken im Detail Leistungsoptimierung und Kostenkontrolle entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg der Ernte

16. Grünfutterernte Techniktrends 2012 Wir stellen die wichtigsten Neuentwicklungen vor

19. Pflanzenschutz „Kostendeckung – und fertig“ Durch überbetrieblichen Pflanzenschutz lassen sich Kosten senken

23. Feldberegnung Der Regen aus der Erde

35. 360° Leben MR KIDS 42. 360° Leben Interview GPS statt Sternenhimmel Ein Gespräch mit Kapitän Klaus Müller über Psychologie, Beziehungsfähigkeit und moderne Navigationstechniken

44. Wir Neue Produkte und Dienstleistungen Ihres Maschinenringes

16

48. Wir Aus den Ländern 54. Wir Personalien

42

35

27. Fahrsicherheitstraining hirn meldet gefahr! 40. Werkstatt-Tipp Vom richtigen Reifen (Auf)-Druck Tipps zur Beurteilung von Schlepperreifen vom Maschinenring Tuttlingen-Stockach

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06. maschinenring magazin 02.2012

Mähdrusch-Management

Die Reserven stecken im Detail Jeder Landwirt möchte seine Ernte zum optimalen Zeitpunkt einfahren. Es gilt, die kurzen Erntezeitfenster effektiv zu nutzen. Ob das Wetter mitspielt, liegt allein in Gottes Hand. Die Ernteplanung muss der Landwirt selber übernehmen – und zwar lange bevor die ersten Mähdrescher starten Text Friedericke Krick

Getreideernte

Die Ernte entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg eines jeden landwirtschaftlichen Betriebs. Leistungsoptimierung und Kostenkontrolle heißen die entscheidenden Faktoren. Gerade eigenmechanisierte Betriebe dürfen sich „von der Ernte nicht überraschen lassen“. Die rechtzeitige und vernünftige Wartung der Erntetechnik, speziell des Mähdreschers, ist ein unbedingtes Muss, denn technische Ausfälle während des Ernteprozesses werden teuer. Schneidwerk, Lenkautomat, Durchsatzregler & Co. Die Vorbereitungsphase eignet sich, über Möglichkeiten der Technikoptimierung nachzudenken,

denn die Entwicklungen bleiben nicht stehen. Beispiel Schneidwerk: Auch im mittleren Leistungsbereich steht eine Vielzahl technischer Optionen zur Verfügung. „Es macht Sinn, in klein strukturierten Regionen über ein breiteres Schneidwerk nachzudenken“, meint dazu Bernd Seelmeyer, Produktmanager Mähdrescher bei Claas. Kleine Struktur − kleine Schneidwerke, große Struktur − große Schneidwerke, das stimme so nicht. Größere Schneidwerke führen grundsätzlich zu einer höheren Flächenleistung und zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch. Die Zahl der Überfahrten und damit die Energiekosten lassen sich mit größeren Arbeitsbreiten reduzieren. Der Arbeitsbreite sind allerdings da Grenzen gesetzt,


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%

wo Mähdrescher und Schneidwerk nicht mehr zusammen passen. Breitere Schneidwerke reduzieren die Wendezeiten am Vorgewende, ein häufig unterschätzter Gesichtspunkt. In der Regel entfallen je nach Struktur fünf bis 15 Prozent der Gesamtzeit auf die nicht effektiven Wendezeiten. Diese „Leerfahrten“ gehen zu Lasten der Prozesszeit − und nur mit der wird Geld verdient. Natürlich − eine hundertprozentige Prozessarbeit ist illusorisch. Straßenfahrten, Abbunkern am Feldrand, Tanken etc. sind unvermeidbare Zeitfresser. Für mittlere Betriebe dürfte der Idealwert bei ca. 65 Prozent Prozessarbeit liegen, Großbetriebe streben 80 Prozent und mehr an. Ein Vorsatz für verschiedene Fruchtarten eröffnet neue Möglichkeiten in der Arbeitsplanung. Tagsüber Getreide dreschen, in den Abendstunden noch einmal in die Rapsbestände fahren − das geht nur, wenn die Möglichkeit zum schnellen Schneidwerksumbau besteht. Die Hersteller bieten dazu verschiedene technische Lösungen an.

Pflanzenschutzmittel vorsichtig verwenden. Vor Verwendung stets Etikett und Produktinformationen lesen. Warnhinweise und -symbole beachten.

Für mittlere Betriebe liegt der Idealwert für den Anteil der Prozesszeit bei ca. 65 Prozent, Großbetriebe streben 80 Prozent und mehr an.

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04 Ein störungsfreier Gutfluss muss angestrebt werden.

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01 Abbunkern am Feldrand kostet Zeit. 02 Durchsatzverluste sollten vermieden werden. 03 Die Landwirte möchten die kurzen Erntezeitfenster optimal nutzen.

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Eigentlich selbstverständlich sollte der Einsatz eines funktionierenden Messerbalkens am Schneidwerk sein. Nur scharfe Messer können sauber schneiden. Die Schärfe der Werkzeuge hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Schnittqualität, auf die Vorfahrtgeschwindigkeit und somit auf den Energiebedarf sowie auf alle folgenden Arbeitsabläufe im Mähdrescher. Grundsätzlich gilt, dass alle Fehler, die vorne am Schneidwerk gemacht werden, später nicht mehr ausgemerzt werden können. Auch ein zu schnelles Fahren ist eher kontraproduktiv. Geschwindigkeit ist eben nicht alles, vor allem aus energetischer Sicht. Dies gilt auch für den Gutfluss. Das Getreide sollte der Einzugsschnecke möglichst liegend mit der Ähre nach vorne zugeführt werden. Dies erreicht man beispielsweise mit variablen Tischlängen. Vor allem konventionelle Druschsysteme profitieren von dieser Detaillösung.

05

05 In der Regel entfallen je nach Struktur fünf bis 15 Prozent der Gesamtzeit auf die nicht effektiven Wendezeiten.

Erntestart: Jetzt zählt der Fahrer Wenn das Wetter und die Technik stimmen, dann kann es eigentlich nur noch der Fahrer vermasseln. Gut ausgebildete Fahrer sind der wichtigste Garant für einen reibungslosen Ernteverlauf. Ein guter oder schlechter Fahrer, das macht laut Prof. Dr. Thomas Rademacher bis zu 20 Prozent mehr oder weniger Leistung aus. Beim Kauf eines neuen Mähdreschers bieten die Hersteller umfangreiche Maschineneinweisungen an. Darüber hinausgehende Fahrerschulungen sind aber sinnvoll. Nur über versierte Fahrer lassen sich die Potentiale der installierten Leistung tatsächlich realisieren. Beobachten, beurteilen und Rückschlüsse ziehen − dazu noch eine Unzahl mechanischer Dinge beherrschen, der Fahrer stößt immer häufiger an seine natürlichen Grenzen. Allein das Lenken der Maschine bindet 50 bis 60 Prozent der


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Fahreraufmerksamkeit. Laut Klaus Semmler von der Firma AgrarTraining sind die Ursachen dafür die unterschiedlichen Stroh- und Ernte-Bedingungen, das fehlende Fingerspitzengefühl, unbewusste Fahr(er)gewohnheiten und die Befürchtung, mit einer anderen Maschinen-Einstellung die DruschQualität zu verschlechtern. Oftmals führt aber auch der „indirekte Druck“ des Kunden auf den Fahrer zu leistungshemmenden Mähdrescher-Einstellungen. Häufig wechselnde Bedingungen während eines Tages tun das Ihrige dazu. Dem Fahrer müssen darüber hinaus die richtigen Fahrstrategien an die Hand gegeben werden. Günstig auf die Leistung wirken sich Fahrweisen bzw. -wege aus, die lange Vorgewende bzw. ein häufiges Rückwärtsfahren vermeiden. Die nützlichen digitalen Helfer Neben einer intensiven Schulung kann eine entsprechende Software den Fahrer darin unterstützen, seine Kampagne-Leistung zu erhöhen. Für die mittleren Leistungsbereiche stehen derzeit noch nicht die ausgereiften bzw. umfassenden Lösungen wie für die großen Klassen zur Verfü-

gung. Es scheint aber nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch die Leistungsanforderungen mittlerer Betriebe dies erforderlich machen. Die Hersteller haben das längst erkannt und arbeiten an entsprechenden Lösungen. Abgespeckte, aber sehr effiziente Systeme sind auch heute schon zu haben. Ein wirtschaftlich interessanter Einstieg stellt beispielsweise die Nutzung von Spurführungssystemen dar. Sie versetzen den Fahrer in die Lage, seine Aufmerksamkeit der Optimierung der Maschine zu widmen. Die Nachrüstung solcher Systeme ist in der Regel möglich. Softwaresysteme im oberen Leistungsbereich können mehr. Sie erfassen automatisiert eine Vielzahl von Einzeldaten und ermöglichen exakte Fehleranalysen, auf die der Fahrer mit Maschinenanpassungen reagieren kann. Die Entwicklung ist hier aber noch nicht am Ende angekommen. Stillstand ist Verlust Stillstandszeiten des Mähdreschers mit vollem Korntank sind das größte Übel, lange Stillstandszeiten eine Katstrophe, denn der Stillstand mün-

An der Schulung der Fahrer sollte nicht gespart werden.

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03 01 Abbunkern während der Fahrt erhöht den Anteil der Prozessarbeit. 02 Die Logistik muss stimmen.

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03 Soll in hofeigenen Silos gelagert oder direkt an den Handel geliefert werden? Auch das beeinflusst die Logistikplanung.

det unmittelbar in Kosten. 20 bis 30 Prozent Leistungseinbußen sind in der Praxis nicht ungewöhnlich. Leistungsbremsend wirken beispielsweise Überladezeiten am Feldrand. Die sind je nach Gegebenheit zwar unvermeidbar, beispielsweise bei Ernten am Hang, sollten aber dennoch so kurz wie möglich gehalten werden. Es hilft beispielsweise, im Vorfeld die erwartete Erntemenge zu errechnen und darauf die Abfuhrlogistik abzustimmen. Entsprechend müssen gerade beim Lohndrusch genügend Schlepper mit Überladewagen und ausreichend Fahrer bereit gestellt werden, um den zügigen Abtransport zu gewährleisten. Auch sollten die Abfahrtswege (Länge) und Abladeverhältnisse (zeitlicher Aufwand zum Entleeren) vorab geklärt werden. Landwirte, die ihren Mähdrescher im Lohndrusch einsetzen, können auch pflanzenbauliche Aspekte in eine bessere Auslastung der Maschine miteinbeziehen. In Absprache mit den potentiellen Kunden lohnt es sich, über den Anbau früherer und späterer Sorten zu diskutieren, um so das enge Zeitfenster etwas zu verlängern. Auch die Trocknungsmöglichkeiten einzelner Betriebe

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sind zu berücksichtigen. Ein bis zwei Prozent mehr tolerierbare Feuchtigkeit erweitern den Spielraum der Ernteeinsätze. Gerade im letzten Sommer konnten so einige Landwirte durch einen frühen Erntetermin ihren Weizen trotz widriger Witterungsbedingungen mit guten Qualitäten einlagern. Welche Technik passt zu meinem Betrieb? Die Investition in einen Mähdrescher muss gut geplant sein. Welches Dresch- und Abscheidesystem das richtige ist, hängt von den unterschiedlichsten Faktoren ab. Einen guten Kompromiss zwischen Schüttler- und Axialmähdreschern stellen die Hybrid-Lösungen dar. Laut Prof. Dr. Rademacher haben diese einen „deutlichen Leistungsvorteil“. Die Durchsatzverluste sind niedriger als bei konventionellen Druschsystemen und die Gutflussgeschwindigkeit ist erhöht. Egal für welche Mähdreschertechnik man sich aber entscheidet, sie muss zum einen zu den betrieblichen Bedingungen passen, zum anderen müssen alle verfügbaren technischen Möglichkeiten voll ausgereizt werden. Das heißt, dass die Arbeits-

qualität mehr von der Maschineneinstellung als vom Druschsystem abhängig ist. In Verkaufsgesprächen sollte geklärt werden, welche Erwartungen der Landwirt in die neue Technik setzt. Wie viel Hektar pro Tag möchte ich dreschen und welcher Mähdrescher eignet sich dafür am besten? Die Antwort auf diese Frage wird in Mecklenburg-Vorpommern anders ausfallen als beispielsweise in Baden-Württemberg. Wie hoch ist der Anteil der Straßenfahrten? Die Straßenverkehrsordnung setzt hier klare Grenzen. Welche Fruchtarten sollen gedroschen werden? Schnelle Wechselsysteme für das Schneidwerk erhöhen die Flexibilität. Nicht zuletzt spielen ein leistungsfähiger Kundenservice und die reibungslose Ersatzteilversorgung eine wesentliche, vielleicht die wesentlichste Rolle, bei der Kaufentscheidung.

Kurz & Bündig Eine effektive und den Anforderungen angepasste Technik, gut ausgebildete Fahrer und intensive Absprachen im Vorfeld der Mähdruscharbeiten sind wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Getreideernte.

Nicht immer lässt sich das zeitaufwendige Abladen im Stillstand vermeiden.

Haben Sie Anmerkungen zum Artikel? Wir freuen uns von Ihnen zu hören. Diskutieren Sie mit uns: facebook.com/ maschinenring.magazin

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Getreideernte

Überladen während des Dreschens steigert die Schlagkraft des 9 m-Mähdreschers

Erntelogistik Getreide

laufen muss er Text und Fotos Dr. Jürgen Buchholtz

Leistungsfähige Mähdrescher erfordern eine schlagkräftige Transportlogistik vom Feld ins Silo. Wie stimmen Ackerbaubetriebe ihre Transportlogistik ab, damit die Mähdrescher ohne Unterbrechungen laufen? Vor mehr als zwölf Jahren suchte man im Maschinenring Dithmarschen nach Lösungen, um die Abfuhrlogistik bei der Getreideernte zu verbessern und so die Schlagkraft der Mähdrescher zu steigern. MR-Geschäftsführer Thies Siebels schaffte damals für den Ring einen Überladewagen an und führte LKWTransporte von Raps- und Getreidesaat im mittleren Westen SchleswigHolsteins ein. Heute verfügen Lohnbetriebe und MR-Mitglieder selbst

über moderne Überladetechnik. Die Transportgemeinschaft der Maschinenringe Schleswig-Holstein vermietet Muldenkipper aus dem Rübentransport für die Straßentransporte. Enges Zeitfenster für die Ernte In den Kögen an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins findet man verbreitet die sogenannten „MinutenBöden“. Die ton- und schluffreichen Böden brauchen längere Trockenphasen, um für die Ernte befahrbar


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hamburg

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Steckbrief Maschinenring Dithmarschen Mitglieder: 800

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Vorsitzender: Jürgen Reimers suttgart München

Geschäftsführer: Thies Siebels

Angebote: MR Fahrschule, Ackerschlagkartei Internet: www.mr-dithmarschen.de

Foto: HSW Ackerbau GbR

Fortschritt ist Bewegung

zu werden. Im Karolinenkoog wirtschaftet die HSW Ackerbau GbR auf insgesamt mehr als 1.000 ha Ackerflächen. Vor elf Jahren haben die MR-Mitglieder Gustav Hagge, HansPeter Witt und der geschäftsführende Gesellschafter Karsten Schultz ihre Ackerbaubetriebe in einer GbR zusammengefasst. Hauptkulturen sind Winter- und Sommerweizen, Ackerbohnen und rund 200 ha Kohl. Auf spät geerntete Kohlflächen, die im Spätherbst nicht mehr mit Winterweizen bestellt werden können, werden im Frühjahr Sommerweizen oder Ackerbohnen gesät. „Die Weizenernte 2011 war die bisher schwierigste“, erinnert sich Kristin Schultz, Betriebsleiterin für die Sparte Ackerbau. Die 800 ha Weizen auf ca. 130 Schlägen konnten teilweise nur mit einem

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14. maschinenring magazin 02.2012

5 2

Feuchte im Getreidekorn waren in der Ernte 2011 in SchleswigHolstein keine Seltenheit.

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betriebseigene Trocknungs- und Lagerkapazitäten schaffen mehr Flexibilität auch bei der Ernte-Logistik.

Kristin Schultz ist Betriebsleiterin der HSW Ackerbau GbR und koordiniert die Weizenernte von rund 800 ha verteilt auf ca. 130 Schläge.

Mähdrescher mit Raupenfahrwerk geerntet werden. Der betriebseigene Rad-Mähdrescher fuhr sich immer wieder fest. Die Trocknungsanlagen der GbR liefen auf Hochtouren, um das Erntegut mit oftmals 25 % Feuchtegehalt zu trocknen. Transportkapazitäten auf Mähdrescher abgestimmt Die HSW Agrar GbR mietet jedes Jahr zwei 40-Tonner mit einem festen Fahrer von der Transportgemeinschaft. Eigene Fahrer bekommen aus Sicherheitsgründen grundsätzlich eine Einweisung bei der TG in Albersdorf. Zwei 9-Meter-Mähdrescher mit jeweils einem Überladewagen à 10 und 12 Tonnen dreschen im Verband. „Unsere Transportkapazitäten müssen so abgestimmt sein, dass die Mähdrescher nicht stillstehen“, betont Kristin Schultz. „Als Springer setzen wir deshalb zwei Schlepperzüge mit zwei 18-t-Anhängern beson-

ders für die hoffernen Flächen bis zu 25 km ein.“ Bei den hofnahen Flächen werden die Überladewagen durch Muldenkipper ersetzt, die das Getreide direkt am Lager abkippen können. Ein dritter LKW sei bisher nicht wirtschaftlich gewesen, ergänzt die Betriebsleiterin. Die Agraringenieurin rechnet an guten Tagen ohne Lagergetreide mit bis zu 50 ha Druschleistung pro Tag und Mähdrescher. Dabei beginnen „gute Tage“ nach Abtrocknung des Morgentaus gegen 9 Uhr und dauern nicht selten bis Mitternacht und länger. Danach reichen bei idealen Erntebedingungen zehn komplette Erntetage mit zwei Mähdreschern für die gesamte Weizenfläche von bis zu 800 ha aus. Erntelogistik beginnt mit der Sortenwahl Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Weizenflächen wird mit frühen Sorten bestellt, die gleich nach oder parallel

Ernte- und Abfuhrtechnik der HSW-Ackerbau GbR Betriebseigene Technik

Lohnunternehmer bzw. Transportgemeinschaft

Mähdrescher

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Überladewagen

Hawe 12 t

Hawe 10 t

Straßentransport

Schlepperzüge mit 18 t Anhänger als „Springer“

Zwei MAN-Zugmaschinen mit Leichtbau-Muldenauflieger (40 t)

mit der Rapsernte gedroschen werden. Die Flächen für den frühen Drusch liegen dicht beieinander, damit die Drescher möglichst wenig umsetzen müssen. Besonders auf abgelegenen Schlägen wird mittels Ernte-Sikkation die Abreife der Schläge synchronisiert. „Mit diesen Maßnahmen verfolgen wir das Ziel, einerseits das Erntefenster zu verlängern und andererseits ein mehrfaches Anfahren der entfernten Schläge zu vermeiden. Durch ErnteSikkation sind die Bestände gleichmäßig abgereift, sodass die Druschleistung steigt“, begründet Kristin Schultz den Glyphosat-Einsatz. Gute Wege und befestigte Überladeplätze „Für einen reibungslosen Transport sind LKW-geeignete Wege und ausreichend große, befestigte Überladeplätze notwendig“, betont GbR-Geschäftsführer Karsten Schultz. „Wir haben auch mal 20 m Graben verrohrt, um das Überladen ohne aufwendiges Rangieren möglich zu machen.“ Vor der Ernte werden die Flächen mit allen beteiligten Fahrern für eine Einweisung angefahren. Wenn die Feuchtegehalte stimmen, verkauft die GbR einen Teil des Weizens direkt aus der Ernte. Im Erntejahr 2011 musste allerdings fast die gesamte Ernte getrocknet werden. Behelfszwischenlager für nassen Weizen mit Belüftungsrohren waren knapp. Die zwei Durchlauftrocknungen der GbR trocknen jeweils 8 t bzw. 6 t pro Stunde, wenn der Feuchtege-


Fotos: HSW Ackerbau GbR

Die Rüben-LKW der Transportgemeinschaft Schleswig-Holstein e.G. sind Bestandteil von Getreide-Abfuhrketten in Dithmarschen.

halt um 5 % vermindert wird. Zwei Getreidelager mit insgesamt mehr als 4.000 Tonnen Lagerkapazität schaffen Flexibilität bei der Vermarktung. Was machen die Rüben-LKW eigentlich im Sommer? Seit dem Ende der Rübenkampagne 2011 stehen 59 Zugmaschinen und 63 Muldenauflieger der Transportgemeinschaft Schleswig-Holstein e.G. (TG) in den Hallen auf dem ehemaligen Kasernengelände in Albersdorf. Zusammen mit weiteren Miet-LKW haben diese Sattelzüge fast die gesamte Zuckerrübenernte SchleswigHolsteins von 535.000 t Rüben zur Zuckerfabrik Uelzen in Niedersachsen gefahren. Rund 20 Sattelzüge sind nahezu ganzjährig im Einsatz und transportieren zum Beispiel Maissilage oder andere Schüttgüter. Drei Tankauflieger fahren Gülle und Gärrest meist zwischen Biogasanlagen und landwirtschaftlichen Betrieben. „Zur Getreideernte sind unsere Hallen fast wieder leer“, so Frank Krüger, TG-Mitarbeiter und Disponent. Landhändler, Lohnunternehmen und größere Ackerbaubetriebe mieten die LKW teilweise mit den erfahrenen Fahrern. Bis zu 25 LKW der TG laufen allein für den regionalen Landhandel. Kurz & Bündig Zu einer schlagkräftigen Getreideabfuhr gehören Überladewagen, LKW und Schleppergespanne als Springer. Richtige Sortenwahl und Erntesikkation vereinfachen die Logistikplanung.

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16. maschinenring magazin 02.2012

Landtechnik aktuell

Grünlandtrends 2012 Mit der Traktor-Ballenpressen-Automatisierung von John Deere und der Krone Ultima stellen wir zwei wichtige Neuentwicklungen des Jahres vor.

John Deere

John Deere bietet eine TraktorBallenpressen-Automatisierung an. Hier steuert die angehängte Maschine den Traktor.

Traktor-BallenpressenAutomatisierung John Deere hat seine Rundballenpressen der Baureihe 864 Premium und 900R mit einer Traktor-Ballenpressen-Automatisierung ausgerüstet. Hierbei signalisieren Sensoren in der Presse dem Traktor, wie weit der Pressvorgang vorangeschritten ist und geben dem Traktor die erforderlichen Befehle für den Pressvorgang. Voraussetzung für diese Steuerung ist ein ISOBUS System auf dem Traktor und der Presse.

Bei dem ISOBUS-System werden die einzelnen Hydraulikzylinder oder Elektromotoren nicht mehr durch Hebel oder Schalter im Schlepper einzeln angesteuert, sondern es werden über ein einziges Kabel Befehle zum Gerät geleitet. Dort sitzt ein kleiner Computer, der sogenannte „Jobrechner“, der die Befehle empfängt und am Gerät die notwendigen Hydraulikventile steuert oder Elektromotore startet. Der Vorteil dieser Technik ist, zwischen Schlepper und Gerät sind nicht mehr die vielen Kabel und Hydraulikschläuche zu kuppeln, sondern nur noch eine Druckleitung und ein druckloser Rücklauf sowie ein ISOBUS-Kabel, über das der Strom und die Befehle zum Gerät geleitet werden. Verfügt der Traktor

schon über ein ISOBUS-Terminal, entfallen auch die einzelnen Bedienterminals für jedes Gerät. Belastung des Fahrers reduzieren Das Ziel der Traktor-Ballenpressen-Automatisierung ist, die Belastung des Fahrers während der Arbeit zu reduzieren und gleichzeitig die Produktivität zu steigern. Hierzu stoppt der Antrieb des Traktors automatisch, sobald die Kammer der Rundballenpresse gefüllt ist. Wurde der Traktor von der Presse gestoppt, stellt der Fahrer den Fahrhebel auf Neutral. Ab dem Moment läuft das Binden und der Auswurf voll automatisch. Nach dem Auswurf wird der Fahrhebel dann wieder auf Vorfahrt geschoben und das Pressen des nächsten Ballens beginnt. Die Automatisierung funktioniert derzeit nur mit Traktoren von John Deere, die ISOBUS-fähig sind. Bei den John Deere Traktoren müssen elektrische Steuergeräte für die hydraulischen Funktionen vorhanden sein (E-SCV Steuergeräte), die dann von der Presse angesteuert werden können. Weitere Voraussetzungen sind an das Traktorgetriebe gestellt, das als Lastschaltgetriebe, automatisches Lastschaltgetriebe oder stufenloses hydraulisch-mechanisches Getriebe ausgeführt sein muss. Der automatische Stopp

Text Dr. Waldemar Gruber

Bild oben: Auf dem ISOBUS-Terminal werden alle Vorgänge für das Pressen eingestellt und mitverfolgt.

funktioniert allerdings nur, wenn der Traktor mit dem stufenlosen hydraulisch-mechanischen Getriebe (AutoPower) ausgerüstet ist. Mit den beiden anderen genannten John Deere Getrieben muss der Fahrer die Traktor/Maschinenkombination selber anhalten. Die Information über die gefüllte Pressenkammer erhält er durch eine Anzeige auf dem Monitor. An der Rundballenpresse sind folgende Komponenten für die Automatisierung montiet: Ein Jobrechner, der die Messwerte aufnimmt, verarbeitet und auf die Steuerung des Traktors eingreift. Ein Sensor in der Ballenkammer nimmt den Pressdruck auf und ermittelt den Moment, wann das Ballenmaß erreicht ist. Weiterhin wird über Sensoren die Vorfahrtsgeschwindigkeit, Zapfwelle an- oder aus und Klappe geöffnet oder verriegelt ermittelt. Ein weiterer Sensor gibt an, ob ein Ballen auf der Auswurframpe liegt. Derzeit funktioniert die Automatisierung nur an Pressen mit einer Netzbindung, die Automatisierung für die Garnbindung ist in Vorbereitung. Für den Einsatz auf der Rundballenpresse auf Grünland in Zusammenarbeit mit einer Kurzschnitteinrichtung hat die Netzbindung gegenüber der Garnbindung klare Vorteile, da die Netze das kurz geschnittene Pressgut stabiler zusammenhalten. Eine Abwurframpe an der Ballenpresse, die optional gewählt werden kann, bietet in Hanglagen die Möglichkeit, beim Auswerfen der Ballen ein Wegrollen zu verhindern.


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Krone Ultima Wickelballensilage hat in den vergangenen Jahren einen festen Platz in der Verfahrensauswahl zur Silagebereitung eingenommen. Zwar scheint sie auf den ersten Blick im Vergleich zu anderen Formen der Silagebereitung ziemlich teuer zu sein.

Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass unter verschiedenen Bedingungen Wickeballensilage durchaus ihre Berechtigung hat. Vorzüge der Ballensilage sind für kleine Flächen oder für kleine Erntemengen bei spätem Schnitte zu erkennen. Denn für kleine Mengen lohnt es nicht, einen neuen Fahrsilohaufen anzulegen oder einen vorhandenen Haufen wieder zu öffnen und die Kleinmengen darüber zu silieren. Hierfür ist der Aufwand oft zu hoch und das Risiko, dass es zu Fehlgärungen besonders im Randbereich kommt, zu groß. Non-Stop Ballen pressen Werden Ballen separat gepresst und gewickelt sind im Parallelverfahren zwei Traktoren und zwei Fahrer notwendig. Ist das Pressen und ist das Wickeln zeitlich entkoppelt, was seitens der Arbeitsorganisation durchaus sinnvoll sein kann, liegen die gepressten Ballen mitunter sehr lange in der Sonne, was zu einer Nachtrocknung im Randbereich führt und schlechtere Silagequalität zur Folge hat. Hier setzt Krone mit den Rundballenpressen Ultima an. Die Maschine arbeitet Non-Stop. Während der Fahrt und ohne Anhalten werden Ballen gepresst, gewickelt und abgelegt.

somit ist eine theoretische Schnittlänge von 42 mm zu erreichen. Die Ultima hat eine Vorpresskammer in der das Gut bis zu einem Durchmesser von ca. 0,80 m vorverdichtet wird. Von dort gelangt das Erntematerial in die semivariable Presskammer, die bis zu einem Ballendurchmesser von 0,80 m als Festkammer arbeitet. Da sich Durchmesser von Vorpresskammer und Hauptkammer zunächst entsprechen, erfolgt eine reibungslose Übergabe des Erntegutes. An der semivariablen Hauptpresseinheit können Ballengrößen

Die Krone Ultima Rundballenpresse ist in der Lage, einen Rundballen zu pressen und diesen anschließend mit Silofolie zu umwickeln.

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18. maschinenring magazin 02.2012

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zwischen 1,25 m und 1,50 m frei eingestellt werden. Erreicht der Ballen den eingestellten Durchmesser, arbeitet die semivariable Presskammer wieder nach dem Festkammerprinzip, indem der Ballen von außen nach innen intensiv verdichtet wird. Nach dem Erreichen des eingestellten Ballendurchmessers schießt Netz in die Hauptpresskammer ein und umwickelt den Ballen. Anschließend erfolgt die Übergabe des Erntegutes auf den Wickeltisch, auf dem für die Silagebereitung, der Ballen in Silofolie eingepackt wird. Die Verrichtung der beschriebenen Arbeitsgänge ohne anzuhalten ist nur möglich, weil Erntegut in der Vorpresskammer zwischengespeichert wird, während in der Festkammer das Umwickeln mit Netz erfolgt.

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Elektronik steuert Für einen störungsfreien Arbeitsablauf ist die Ultima mit einer umfangreichen Mess- und Steuerelektronik ausgestattet. Hiermit werden die Arbeitsphasen überwacht und Verstopfungen in der Maschine verhindert. Gelangt beispielsweise zu viel Erntegut in die Vorpresskammer, was dann in der Hautpresskammer nicht weiterverarbeitet werden könnte, reduziert die Elektronik die Vorfahrtsgeschwindigkeit des Traktors und verhindert somit Störungen durch zu große Mengen an Erntegut in der Maschine. Die Folienumwicklung für die Silagebereitung übernehmen zwei Wickelarme für 750 mm breite Folienrollen.

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20. maschinenring magazin 02.2012

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02 01 Max-Ulrich Aschhoff verwaltet den in eine GbR ausgegliederten Ackerbau von drei Rittergütern im Werra-Meißner-Kreis. Insgesamt 870 ha. 02 Andreas Kleim bewirtschaftet in der Nähe von Eschwege einen Ackerbaubetrieb mit 150 ha Eigen- und Pachtland. Daneben spritzt er im Lohn weitere rund 100 ha. Diese Dammann-Spritze kaufte der Wasser- und Bodenverband. Die beiden Landwirte sorgen für die Auslastung.

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Wir befinden uns in Nord-Hessen, im WerraMeißner-Kreis an der Grenze zu Thüringen. Kreisstadt ist Eschwege. Der Werra-MeissnerKreis ist eine Region mit mehr oder weniger stark kupiertem Gelände. Mit stärker werdenden Hanglagen gelten Bewirtschaftungsauflagen zum Erosionsschutz. Die Bodenpunkte reichen von Anfang 30 bis über 80.

hannover

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frankfurt

suttgart

Nicht einfach, hier zu wirtschaften Die Niederschläge waren in früheren Zeiten ausreichend (680mm). In den vergangenen drei Jahren litt man allerdings auch hier unter der Frühjahrstrockenheit. Zu allem Überfluss gehört Nord-Hessen 2011 zu den am stärksten von Auswinterungen betroffen Regionen in Deutschland.

Nicht einfach also, hier zu wirtschaften. Die Personen, über die wir berichten, heißen Max-Ulrich Aschhoff und Andreas Kleim. Der eine ist Verwalter von drei Rittergütern, der andere leitet seinen eigenen Betrieb. Gemeinsam betreiben sie den Pflanzenschutz auf rund 1.000 ha. Der Löwenanteil der Fläche entfällt mit 870 ha auf den von Aschhoff verwalteten Ackerflächen der drei Rittergüter. Auf Landwirt Kleim entfallen 150 ha. Weitere 100 ha werden im Lohn gespritzt. „Beide Betriebe haben den Pflanzenschutz bis vor einem Jahr jeder für sich separat erledigt. Mit Anhängespritzen, hier mit einer Arbeitsbreite von 27 m und mein Kollege Andreas Kleim mit einer Arbeitsbreite von 30 m“, berichtet Verwalter Aschhoff. „Beide Spritzen waren abgängig und da wir

München

Die Fruchtfolge Steckbrief LFG Werra -  MeiSSner Mitglieder: 404 Vorsitzender: Peter Feußner Geschäftsführer: Carsten Hollstein

„Wir fahren im Betrieb mehrere Fruchtfolgen parallel. In den hängigen und stark hängigen Lagen, in denen weder Zuckerrüben noch Mais angebaut wird, fahren wir eine Fruchtfolge aus Raps-Weizen-Gerste“, berichtet Aschhoff. „In den Tallagen, wo Mais und Rüben stehen, fahren wir entweder Rüben-Weizen-Weizen oder Mais-Weizen-Mais-Weizen oder Mais-MaisWeizen-Weizen. Da haben wir uns noch nicht 100%ig festgelegt, weil wir Erfahrungen sammeln wollen, inwieweit wir Probleme mit Fusarien bekommen, wenn wir Mais und Weizen im Wechsel anbauen. Auf der einen Seite ist der Fusariumdruck höher, auf der anderen Seite besteht die Problematik Maiszünsler oder eventuell Maiswurzelbohrer. Da versuchen wir im Moment, unseren Weg zu finden, wie die Fruchtfolge auf Dauer am Günstigsten zu gestalten ist.“


maschinenring magazin 02.2012 .21

uns schon etliche Jahre kennen und zum Beispiel bei der Maisernte schon viel zusammengearbeitet haben, überlegten wir uns, gemeinsam eine Spritze anzuschaffen, die in der Lage ist, den gesamten Pflanzenschutz zu erledigen. Zwei Anhängerspritzen ersetzt Aschhoff und Kleim haben sich für eine Selbstfahrspritze entschieden. „Bei unserem stark kupierten Gelände gestaltet sich das Fahren mit einer Anhängerspritze im Hang doch als schwierig. Insbesondere in Ecken, wenn man rückwärts rangieren muss. Auch hat man bei den kleinen Flächen an Vorgewenden viele Bereiche, die überfahren werden, weil die Anhängespritze nicht spurtreu läuft“, so Kleim. Der ziehende Schlepper hing allein in Aschhoffs Betrieb, der sich über 30 km erstreckt, im Jahr fast 800 Stunden nur vor der Spritze. Nachdem die 150 ha von Kollege Kleim dazu kamen, wäre der Schlepper 900 bis 1000 Stunden vor der Spritze gefahren. Da sei irgendwann auch ein neuer Schlepper vonnöten gewesen. Die Selbstfahrspritze von Dammann, für die sich Aschhoff und Kleim letztlich entschieden haben,

Stärkste Reduktionen bei Wachstumsreglern Ausschöpfung der zugelassenen Aufwandmengen in Winterweizen, Wintergerste und Winterraps in den Vergleichsbetrieben in Deutschland in den Jahren 2007 bis 2010. Kultur

Winterweizen

Wintergerste

Winterraps

Kategorie

2007

2008

2009

2010

Herbizide

67 %

69 %

68 %

69 %

Fungizide

58 %

60 %

57 %

57 %

Insektizide

87 %

89 %

91 %

92 %

Wachstumsregler

46 %

44 %

44 %

44 %

Herbizide

60 %

65 %

68 %

70 %

Fungizide

56 %

54 %

52 %

52 %

Insektizide

92 %

95 %

90 %

94 %

Wachstumsregler

50 %

47 %

47 %

49 %

Herbizide

73 %

74 %

75 %

75 %

Fungizide in der Blüte

90 %

85 %

85 %

83 %

Insektizide

97 %

101 %

101 %

100 %

Wachstumsregler / Fungizide bis zur Blüte

48 %

52 %

48 %

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22. maschinenring magazin 02.2012

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wurde vom Wasser- und Bodenverband WerraMeißner gekauft. Hessen ist großflächig von diesen Körperschaften des Öffentlichen Rechts überzogen. Die Wasser- und Bodenverbände erhalten zinsvergünstigte Kommunal-Darlehen. Mit diesen kaufen sie auf eigene Rechnung Maschinen für den überbetrieblichen Einsatz. Allerdings nur, wenn sich vorher genügend Landwirte bereit erklären, eine verbindliche Flächen- oder Stundenzahl zur Auslastung der Maschine zu garantieren. Der Bodenverband Werra-Meißner erledigt die Maschinenverwaltung und betreibt in diesem Falle auch eine eigene Werkstatt in Eschwege, wo die Maschinen gewartet werden.

03

„Am Ende des Jahres werden von den Leuten, die gemeinsam eine Maschine nutzen (oder gemeinsam für eine Maschine gezeichnet haben), die Kosten aufaddiert und auf die bearbeiteten Hektar (oder die gezeichneten Flächen) oder die gezeichneten Stunden umgerechnet und verteilt. Unterm Strich Kostendeckung − und fertig“, so Aschhoff. Günstiger geht’s nicht.

Kurz & Bündig Überbetrieblicher Pflanzenschutz von einem Berufskollegen erledigt und unter dem Dach des Maschinenringes – eine gute Vertrauensbasis.

01 D  ie Einzeldüsenabschaltung bringt deutliche Einsaprungen. 02 Die Spritze hat ein 30-m-Gestänge. 03 A  ndreas Kleim erklärt die umfangreichen Funktionen der Maschine (zum Beispiel Einzeldüsen-Abschaltung) und die GPS-gestützte Fahrhilfe.

Gefällt Ihnen das neue Maschinenring Magazin? Wir freuen uns von Ihnen zu hören. magazin@maschinenringe.com

Resistenzmanagement „Im Bereich Herbizid-Resistenzen können wir uns hier auf dem Betrieb noch glücklich schätzen, denn Ackerfuchsschwanz tritt bei uns bislang kaum auf. Anders sieht es bei Windhalm aus. Doch den haben wir im Griff. Vielleicht auch weil wir schon in den letzten Jahren die Mischungen gewechselt haben. Auf jeden Fall lässt er sich mit den ganz normalen Windhalm-Aufwandmengen noch packen“, berichtet Andreas Kleim. „Generell versuchen wir den Wirkstoff IPU wieder in die Spritzfolge einzubringen, um die

Sulfonylharnstoffe zu entlasten. Der Wirkstoffwechsel ist letztlich das Entscheidende. Ältere Mittel mit dem Wirkstoff Pendimethalin wie Stomp sind da ebenfalls wieder interessant geworden“, so Kleim weiter. „Zum Glück haben wir ja die Möglichkeit, mit dem Glyphosat noch einiges zu bereinigen. Vor dem Hintergrund, dass auch immer mehr Mulchsaat (Erosionsschutzauflagen) verpflichtend wird, halte ich ein mögliches Glyphosatverbot nicht unbedingt für eine vernünftige Entscheidung. Bei sachgemäßer

Anwendung - so wie in der Landwirtschaft Usus – wird es auch nicht problematisch sein“, meint Aschhoff. Im Bereich Fungizide im Getreide ist die Situation bezüglich der Resistenz des Septoria-Pilzes gegenüber dem Wirkstoff Strobilurin „noch nicht so verschärft wie in anderen Regionen“. Auch hier ist der konsequente Wirkstoffwechsel die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung gegen Resistenzen. Außerdem haben beide Betriebe den in der Vergangenheit vorherrschenden Trend zur Reduzierung der Aufwandmengen nicht mitgemacht.


maschinenring magazin 02.2012 .23

Feldberegnung mit Grundwasser

Der Regen aus der Erde

Beregnung sichert hohe Erträge und Qualitäten. Kartoffeln bringen höhere Stärkeerträge und beregnete Zuckerrüben enthalten mehr Zucker. Getreide und Grünland liefern höhere Eiweißgehalte und Silomais sichere und bis zu 30 % höhere Erträge

Foto: Buchholtz

Text Dr. Jürgen Buchholtz

Kreis-Beregnungswagen auf einem 160 ha Grünlandschlag in Mecklenburg. Proteinreiches Gras ersetzt im Milchvieh-Großbetrieb von Jakob Aalberts Soja- und Rapsschrot.

Im Nordosten Niedersachsens werden regional bis zu 80 % der Ackerflächen mit Grundwasser beregnet. Besonders Intensivkulturen wie Kartoffeln und Feldgemüse, aber auch Braugerste, Zuckerrüben, Getreide und Mais bekommen drei bis vier Beregnungsgaben von jeweils im Mittel 25 mm. In Mecklenburg und Brandenburg erzeugen Milcherzeuger eiweißreiche Grassilage auf Beregnungsgrünland, um damit Soja-Eiweiß zu ersetzen. Lohnt sich die Feldberegnung im Zuge des Klimawandels auch auf „besseren“ Standorten? Wann, wie oft und mit welchen Mengen sollten verschiedene Kulturen bewässert werden? Wie können Bau und Betrieb von Brunnen, Pumpen und Leitungssystemen kostengünstig in Nutzergemeinschaften organisiert werden? „Wir müssen unsere Stärkekartoffeln beregnen oder den Anbau einstellen.“ Zu dieser Erkenntnis kamen drei landwirtschaftliche


24. maschinenring magazin 02.2012

Wann lohnt sich Beregnung? Die Betriebe Kaufmann und Kohrs-Lichte verfügen über fünf mobile Rohrtrommel-Beregnungsmaschinen mit Großregner in Nutzungsgemeinschaft – eine Maschine für jeweils 35 bis 40 ha Beregnungsfläche. „Unsere Vollkosten für die Beregnung liegen bei 2,50 € pro mm und Hektar“, rechnet Horst Kaufmann vor. Bei einer Regenmenge von 25 mm sind das 62,50 €/ha für eine Gabe. „Mindestens diesen Betrag müssen wir über Ertragssteigerung erwirtschaften“, so Horst Kaufmann weiter. Stärkekartoffeln reagierten mit 8 bis 10 t/ha Mehrertrag besonders stark auf intensive Beregnung in drei bis vier Gaben – sogar im sommerfeuchten Jahr 2011. Die Knollenansätze stie-

Fotos mitte + rechts: Kaufmann

Betriebe im niedersächsischen Lemgow. Sie bauten im Jahr 2010 unter dem Dach des Beregnungsverbands des „Lüchower Landgraben Niederung“ gemeinsam ein Leitungssystem von 9 km Länge und erschlossen damit 210 ha Ackerflächen für die Feldberegnung. Die landwirtschaftlichen Betriebe Monika Kohrs-Lichte, Holger Busse und die Kaufmann GbR konnten mit viel Eigenleistung bei Erdarbeiten und Hydrantenbau die Kosten auf knapp 1.000 €/ha begrenzen.

Die Betriebsleiter aus dem Pumpbezirk Trabuhn vor dem 2010 gebauten Beregnungsbrunnen. (von links) Horst Kaufmann, Holger Busse, Markus Kaufmann und Ralf Kohrs-Lichte.

gen von 10 - 11 auf 15 - 18 Knollen je Pflanze an. Zuckerrüben reagierten mit höheren Erträgen und Zuckergehalten und Winterweizen mit gestiegenen Eiweißgehalten. Bei Mais und Getreide waren Regengaben während einer Trockenphase zur Kornfüllung besonders ertragswirksam. Auch Pachtflächen wurden im Rahmen des Leitungsbaus mit Zuleitungen und Hydranten angeschlossen. „Voraussetzung sind jedoch langfristige Pachtverträge“, betont der Ackerbauer. Weil die

Mehr als 100 solcher Unterflur-Hydranten installierten die Landwirte im Pumpbezirk Trabuhn mit viel Eigenleistung.

Flächen-Eigentümer Mitglied im Beregnungsverband sind und letztlich Brunnen- und Leitungsbau finanzieren, übernehmen die Pächter den Kapitaldienst oder lösen das Darlehen gleich ab. Rechtlich ist der Beregnungsverband als Körperschaft öffentlichen Rechts Eigentümer der Leitungen. Nicht zu früh beregnen! Sinkt die klimatische Wasserbilanz auf negative Werte unterhalb 30 bis 50 mm, dann wird je nach

Experten-Interview

Ekkehard Fricke

Foto: LWK Niedersachsen

Bei welchen Kulturen lohnt sich Beregnung? Unsere beregnungswürdigsten Kulturen sind Gemüse und Kartoffeln jeder Verwertungsrichtung. Aber auch bei Braugerste oder Zuckerrüben sind zusätzliche Wassergaben in fast jedem Jahr wirtschaftlich. Grundsätzlich gilt, je höher die Anbauintensität und der Deckungsbeitrag einer Kultur, umso höher ist deren Beregnungswürdigkeit auf leichten Böden. Getreide sollten Beregnungsbetriebe nur dann beregnen, wenn gute Produktpreise zu erwarten sind.

Ekkehard Fricke ist Beregnungsberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und Geschäftsführer des Fachverbands Feldberegnung e.V.

Wonach richten sich die Termine für die Beregnung? Entscheidend ist die klimatische Wasserbilanz, die sich aus Verdunstungsdaten des Deutschen Wetterdienstes und kleinräumigen Niederschlagsmessungen berechnen lässt. Beregnungsbetriebe messen die Niederschläge meist selbst und ziehen davon die Verdunstung ab. Empfehlungen dazu gibt der Fachverband Feldberegnung heraus. Wie lassen sich die Bodeneigenschaften dabei berücksichtigen? Die nutzbare Feldkapazität ist der Anteil Bodenwasser in Millimeter, der pflanzenverfügbar ist und gegen die Schwerkraft vom Bodenkörper gebunden wird. Nach einer Faustregel entspricht der Wert dem Dreifachen der Bodenzahl bis ca. 50 Bodenpunkte. Sinkt der Bodenwassergehalt unter 50 % der nutzbaren Feldkapazität, sollte meist beregnet werden. Bei verminderter Beregnungsintensität, zum Beispiel in Getreide, liegt der Grenzwert bei ca. 35 %.

Lohnt sich die Feldberegnung im Zuge des Klimawandels auch auf „besseren“ Standorten? Einen solchen Trend sehe ich derzeit nicht. Aber gerade die stärker ausgeprägten Frühjahrstrockenheiten könnten solche Tendenzen besonders bei Intensivkulturen fördern. Die ersten werden wohl Betriebe sein, die bereits für ihre leichten Flächen die Technik angeschafft haben. Probleme macht allerdings nicht selten der Brunnenbau in diesen Bodenregionen, weil oft keine geeigneten wasserführenden Schichten zu finden sind. Kann die Beregnung im Silomais zu einer Entschärfung der Flächenkonkurrenz beitragen? Viele Biogasanlagen auf den leichten Standorten in Niedersachsen planen die Beregnung gleich mit. Bei hohem Pachtpreisniveau und weniger als 25 Bodenpunkten kann die Beregnung durchaus wirtschaftlich sein. In jedem Fall steigt die Ertragssicherheit. Die größten Ertragseffekte hat die Beregnung in Trockenphasen während der Stärkeeinlagerung. Welche Technik empfehlen Sie für die Beregnung? Die mobile Rohrtrommel-Beregnungsmaschine mit Großregner ist Standard in Niedersachsen. Bei großen Schlägen ab ca. 25 ha kann man auch über Kreis- oder Linear-Beregnungsmaschinen nachdenken. In Kartoffeln werden sehr vereinzelt auch wassereffiziente Tropfbewässerungen eingesetzt.


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Steckbrief Maschinenring Lüchow Mitglieder: 592 Vorsitzender: Heinrich Sasse Geschäftsführer: Hauke Mertens Angebote: ÜMV (Silokette, Maissilage, Grassilage, Zuckerrübe, Mähdruscharbeiten), Handel organischer Dünger, Grüngutsammlung, Winterdienst, Kartoffelfruchtwasser

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Bodenart und Kultur beregnet. Entsprechende kleinräumige Empfehlungen verbreitet der Fachverband Feldberegnung über die Beregnungsverbände. Beregnungsbetriebe messen die Niederschläge meist selbst. Zur Berechnung der klimatischen Wasserbilanz wird von der Niederschlagshöhe in mm die Verdunstung in mm abgezogen. Werte für die Verdunstung stellt der Deutsche Wetterdienst bereit. Damit sich die Kulturpflanzen morphologisch und physiologisch den trockenen Bedingungen besser anpassen, wird die erste Gabe in der Praxis oft um einige Tage hinausgezögert. Die Pflanzen entwickeln dann eine begrenzte Stressresistenz, beispielsweise durch intensives Wurzelwerk und Ausbildung einer kräftigen Wachsschicht auf den Blättern. Horst Kaufmann beregnet seine Böden mit 35 bis 40 Bodenpunkten mit Einzelgaben von 25 bis 30 mm. Auf „leichteren“ Böden unterhalb der Bodenzahl 30 sollten die Gaben wegen der geringeren Feldkapazität geringer sein. 20 % der Grundwasserneubildung wird genutzt Maximal 70 mm jährlich dürfen die Landwirte in Lemgow im Durchschnitt von sieben Jahren für die Feldberegnung dem Grundwasser entnehmen. In sogenannten Grundwasserbewirtschaftungserlassen ist genau geregelt, zu welchem Zweck welche Wassermengen aus einem Grundwasserkörper entnommen werden dürfen. Zuständig ist die untere Wasserbehörde des jeweiligen Landkreises. Insgesamt

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der Grundwasserneubildung wird in Niedersachsen als Trink- und Brauchwasser sowie zur Feldberegnung genutzt.

werden in Niedersachsen von allen Verbrauchern (Trinkwasser, Brauchwasser, Landwirtschaft) rund 20 % der Grundwasserneubildung genutzt. Regional kann dies bei intensiver Beregnung allerdings auch deutlich mehr sein. Grünland - Eiweiß braucht Wasser Top-Futterqualität vom Grünland auf leichten Böden bei Sommertrockenheit – das geht nur mit Beregnung. Proteinreiches Gras ersetzt auf dem Milchviehbetrieb von Jakob Aalberts in Mecklenburg Soja- und Rapsschrot. Mehr als 400 ha Ackergras hat der Großbetrieb im Grenzgebiet zu Brandenburg mit Kreisberegnungsmaschinen ausgestattet. Auf drei Schlägen mit jeweils 110 ha, 146 ha und 160 ha

Foto: Fricke

Jakob Aalberts stammt von einem holländischen Grünlandbetrieb und führt heute einen Milchviehbetrieb mit 1050 Kühen in Mecklenburg.

laufen in Trockenzeiten die imposanten Düsenwagen fast pausenlos. „Die besten Erfahrungen haben wir mit täglichen Gaben von 7 bis 8 mm gemacht“, betont Jakob Aalberts. Fünf Schnitte etwa alle 30 Tage bringen eine durchschnittliche Netto-EnergieLaktation von 6,4 bis 6,7 MJ NEL/kg TM – ein Spitzenwert für die leichten Standorte mit durchschnittlich 22 Bodenpunkten. „Halm für Halm Qualität” „Hohe Rohproteingehalte zwischen 20 und 22 % lassen sich hier nur durch Beregnung erzielen. Das zeigt schon der Vergleich mit 150 ha Grünland, das wegen ungünstiger Schlagstruktur nicht beregnet wird“, betont der aus Friesland stammende Milch-

Von Beregnungsverbänden und Pumpbezirken Beregnungsverbände sind Körperschaften öffentlichen Rechts nach Wasserverbandsgesetz und entsprechen den allseits bekannteren Wasser- und Bodenverbänden, die in Hessen über den Landesverband eng mit den Maschinenringen assoziiert sind. In Niedersachsen betreut ein Beregnungsverband etwa 300 bis 5.000 ha Beregnungsflächen. Pumpbezirke sind eine Art Abteilung innerhalb des Verbands mit eigener Abrechnung. Grundlage für die Abrechnung sind Verbrauchsdaten, die an Brunnen und Beregnungsmaschinen gemessen werden. Der Beregnungsverband beantragt die Wasserrechte für seine Mitglieder. Der Fachverband Feldberegnung e.V. vertritt die Interessen der Beregner und hat als Mitglieder Beregnungslandwirte, Verbände, Ingenieurbüros und Beregnungsindustrie. Er ist bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ansässig. Seine Hauptaufgaben sind die politische Vertretung, die Sicherung der Wasserrechte und Beratung, z.B. das Versenden wöchentlicher Beregnungsempfehlungen.

viehhalter. Spätestens nach zehn Tagen ohne Regen zeige das Gras bereits Qualitätseinbußen, dann müsse spätestens die Beregnung einsetzen. Nicht zuletzt steigende Preise für zugekauftes Soja- und Raps-Eiweiß haben den Grünland-Experten zu der Investition in Beregnungstechnik bewogen. Auch Teile der Maisflächen werden in Trockenphasen durchschnittlich alle fünf Tage mit 15 bis 20 mm durch Kreisberegnungswagen bewässert. Das schaffe mehr Ertragssicherheit, denn Sommertrockenheit in der Hauptwachstumsphase von Mais, das koste Ertrag. Die Beregnungswagen als Kreis- oder Linearberegnung haben sich in der Region rund um Meyenburg bewährt. Die Betriebe, die Beregnung einmal probiert haben, bleiben auch dabei. Nur eine Top-Grünlandnarbe nutzt das Wasser Eine leistungsfähige Grünlandnarbe ist Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit der Beregnung. Nach strengen Wintern werden lückige Grünlandflächen im Frühjahr mit vorwiegend tetraploiden Weidelgräsern nachgesät um wieder eine leistungsfähige Grasnarbe herzustellen. „Wir streben eine hohe Grundfutterleistung an, deshalb muss das Rauhfutter top sein“, betont Jakob Aalberts. Das minderwertige Gras von rund 150 ha nicht beregneten Günländereien wird deshalb nur an Jungvieh und Trockensteher verfüttert. Kurz & Bündig Feldberegnung lohnt sich in Intensivkulturen und bei hohen Erzeugerpreisen, besonders wenn hohe Eiweiß-, Stärke- oder Zuckererträge gefordert sind.


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Fahrsicherheitstraining für Schlepper

Hirn meldet Gefahr!

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„Unfall auf der Bundesstraße: Traktorfahrer unter seinem Gespann eingeklemmt“− nur wenige lässt diese Meldung kalt und etliche erinnern sich mit Unbehagen an selbst erlebte kritische Situationen. Die absolute Sicherheit im Straßenverkehr und im Umgang mit Großtechnik gibt es nicht – aber man kann Risiken minimieren.

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Text + Fotos veronika fick-haas

Im Ringgebiet des Maschinenrings Bayreuth-Pegnitz hatte sich im letzten Jahr ein schwerer Unfall ereignet. Ein 19-jähriger war mit seinem Traktor und angehängtem Güllefass auf der Bundesstraße von der Fahrbahn abgekommen. Beim Zurücklenken stellte sich das Fahrzeug quer und kippte um. Der Fahrer wurde herausgeschleudert, unter dem Führerhaus eingeklemmt und schwer verletzt. „Dies war für uns ein Schock und der endgültige Auslöser, uns in Sachen Sicherheit zu engagieren”, erzählt Johannes Scherm, Geschäftsführer des Maschinenrings. Die Fahrzeuge in der Landwirtschaft haben sich in den

letzten Jahren stark gewandelt: Sie sind größer, schneller und breiter geworden. Gleichzeitig wird heute mehr transportiert, die zurückgelegten Wegestrecken nehmen zu. Die Fahrzeuge sind also häufiger auf öffentlichen Straßen. Damit wächst die Gefährdung – sowohl für den Schlepperfahrer als auch für andere Verkehrsteilnehmer. Studien belegen zudem, dass junge Fahrer überproportional oft in Unfälle verwickelt sind. Die Resonanz war äußerst positiv Zusammen mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth, der Landwirtschaftlichen Berufsgenos-

Steckbrief Maschinenring BayreuthPegnitz

senschaft Franken und Oberbayern und dem Kuratorium Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe wurde ein Fahrsicherheitstraining mit Schleppergespannen konzipiert: Vermittlung von theoretischem Hintergrundwissen mit praktischen Elementen an einem Tag in der Landmaschinenschule und ein weiterführendes Traktor-Training im Fahrsicherheitszentrum des ADAC Nordbayerns in Schlüsselfeld. Die Resonanz der Praktiker auf die zweitägige Schulung war äußerst positiv. So zollte Anton Bodenschatz aus Kirchenpingarten, der mit seinen 50 Jahren zu den älteren Teilnehmern zähl-

Mitglieder: 404 Vorsitzender: Peter Feußner Geschäftsführer: Carsten Hollstein Aufgaben: Klassische Maschinenringarbeit mit Maschinenvermittlung und Betiebshilfe Verrechnungswert: 5,5 Mio. Euro Internet: www.maschinenringbayreuth.de

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Die Organisatoren Martin Gehring vom Kuratorium Bayerischer Maschinenund Betriebshilfsringe (KBM) e.V., Robert Höfer, Wolfgang Schatz, Karl Biburger von Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) Franken und Oberbayern, Roland Rauchbach vom ADAC Fahrsicherheits-Zentrum Nordbayern, Johannes Scherm vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz e.V. und Rainer Prischenk von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Bayreuth (v.l.n.r.) freuen sich über den guten Ablauf des Fahrsicherheitstrainings.

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Foto: LLA Bayreuth

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01 Die 40 Teilnehmer waren von dem erstmals durchgeführten zweitägigen Sicherheitstraining an der LLA Bayreuth und am ADAC Sicherheitsgelände in Schlüsselfeld begeistert. 02 Welchen Einfluss die Geschwindigkeit auf die Fliehkraft und damit auf die Stabilität des Gespannes hat, konnten die Teilnehmer in der Kreisbahn erfahren. 03 ADAC Trainer Gerd Friese mit interessierten Teilnehmern 04 Ein halbherziges Bremsen hat noch keinen gerettet - die Teilnehmer üben den Ernstfall.

te, der Veranstaltung großes Lob: „Das Training war mit dem sehr informativen Teil an der Landmaschinenschule und den praktischen Übungen auf sicherem Gelände absolut auf die Bedürfnisse von uns Landwirten zuschnitten. Das, was man sich hier aneignen kann, lernt man in keiner Fahrstunde. Die Teilnehmer-

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gebühr von 300 € ist gut investiert.“ Gerade als Betriebshelfer müsse man sich mit unterschiedlicher Technik umgehen und bei sicherheitsrelevanten Dingen Bescheid wissen. Gelungenes Konzept mit Highlight am ADAC Sicherheitszentrum „Hirn meldet Gefahr: Fuß an Bremse. Hart und aggressiv bremsen. Ein halbherziges Bremsen hat noch keinen gerettet!“, so die Anweisungen des erfahrenen ADAC Trainers Gerd Friese. Zielgerichtet unterstützt der Coach über Funk die Teilnehmer im Parcours − zunächst im Slalom beim Kurvenfahren, später bei der Gefahrenbremsung aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten sowie beim Ausweichen von Hindernissen oder in der bewässerten Kreisbahn. Langsam tasten sich die Fahrer an die Grenzen des eigenen

%

der Unfallverursacher mit landwirtschaftlichen Zugmaschinen sind junge Fahrer bis zum Alter von 24 Jahren.

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Könnens und der eingesetzten Technik heran und lernen so Gefahren besser zu erkennen, zu vermeiden oder aber bestmöglich zu bewältigen. Der Part am ADAC Fahrsicherheitszentrum ließ bei den Teilnehmern mehrfach den Adrenalin-Spiegel steigen und war für viele ein Höhepunkt des Trainings. Seit Herbst letzten Jahres können in Schlüsselfeld Auto-, Motorrad-, Lkw- und Busfahrer auf einer Fläche von rund 12,5 Hektar ihr fahrerisches Können trainieren. Erstmals standen nun sechs Traktoren von 125 PS bis 230 PS mit verschiedenen Anhängern bereit, um das Beurteilen von Gefahren sowie das Reaktionsvermögen der Fahrer zu schulen. Philipp Minier aus Weidenberg, Junglandwirt und selbst in der Feuerwehr bei Rettungseinsätzen tätig,

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empfiehlt allen Kollegen das Fahrsicherheitstraining. „Wer übt denn schon am eigenen Hof mit einem Schleppergespann das Kurvenfahren oder macht Bremsversuche? Selbst wenn eine Übungsfläche vorhanden wäre, so will doch jeder die eigene Technik schonen und nicht mehr als nötig beanspruchen“, erklärt er. Der 27-jährige ist als Betriebshelfer und Fahrer bei Transporteinsätzen viel unterwegs und zeigt sich von dem Training sehr angetan. „Ein verantwortlicher Umgang mit der Technik ist wichtig. Und da gehören theoretisches Hintergrundwissen über sicherheitsrelevante Einstellungen ebenso dazu wie fahrerisches Können und stetige Aufmerksamkeit. Vieles weiß man, aber trotzdem ist es gut, immer wieder

Risiko von Traktoren im StraSSenverkehr Schlepper oft Hauptverursacher von Unfällen Landwirtschaftliche Zugmaschinen sind auf Deutschlands Straßen zwar vergleichsweise selten, allerdings werden bei Unfällen mit landwirtschaftlichen Zugmaschinen überdurchschnittlich viele Personen schwer verletzt oder getötet. (Quelle: Unfallforschung der Versicherer) Unfallfolge

Landwirtschaftliche Zugmaschine ist

Gesamt

Hauptverursacher

Beteiligter

Unfall mit Personenschaden

62,2 %

38,8 %

73,0 %

Unfall mit Getöteten

57,1 %

42,9 %

2,0 %

Unfall mit Sachschaden

46,2 %

53,8 %

24,9 %

Gesamt

58,1 %

41,9 %

100,0 %


maschinenring magazin 02.2012 .29

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darauf hingewiesen zu werden“, ergänzt Landwirt Martin Höhn aus Seulbitz. Der „Faktor Mensch“ Nicht an jedem Tag ist jeder gleich fit, tausend Gedanken jagen mitunter durch den Kopf − Sorgen, Stress, außergewöhnliche persönliche Situationen belasten, sodass auch die beste Technik nichts hilft, wenn der Kopf nicht frei ist. Der stellvertretende Leiter des LBG Dienstleistungszent-

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rums Prävention, Karl Biburger, rät deshalb: „Organisieren Sie Ihre Arbeit und teilen Sie Ihre Arbeitskraft und Ihre Arbeitskräfte so ein, dass jeder nach seinen Möglichkeiten eingesetzt wird. Wenn es eine Situation erfordert, muss es auch möglich sein, auf Fremdarbeitskräfte oder Dienstleister zurückzugreifen. Auch das kann der Sicherheit dienen.“ Weitere Veranstaltungen geplant Die Nachfrage nach landwirtschaftli-

Ein herzliches Danke an alle beteiligten Firmen Allen voran an die BayWa AG München als Vertriebspartner von Fendt sowie an die CLAAS Main– Donau GmbH & Co KG, die Gebrüder Graf oHG als Händler von John Deere, Otema als Vertretung von New Holland und an die Hersteller Reisch, Demmler und Krampe. Ohne die unentgeltliche Bereitstellung und den An- und Abtransport der Technik wäre das Fahrtraining nicht zu realisieren gewesen. Finanziell unterstützt wurde das Pilotprojekt ferner von der Pickelmann GmbH, Mineralölhandel sowie von mehreren Versicherungsgesellschaften und im besonderen Maße von der LBG Franken und Oberbayern.

chen Fahrsicherheits-Trainings steigt – auch weil sich Landwirte immer mehr der Gefahren und ihrer Verantwortung im Umgang mit Großtechnik bewusst werden. Aus diesem Grund plant das KBM in Neuburg in Zusammenarbeit mit den bayerischen Landmaschinenschulen bereits ab Herbst diesen Jahres ein flächendeckendes Angebot. Auch Leonhard Ost, Präsident des Bundesverbandes der Maschinenringe ist von dem neuen Angebot überzeugt: „Un-

05 Praxisorientierte Informationen zur Anhängelast und dem Bremsverhalten von Fahrzeuggespannen an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten (LLA) Bayreuth. 06 Übungen auf dem ADAC Sicherheitsgelände in Schlüsselfeld.

fälle, die sich nicht ereignen, sind nur schwer in Euro und Cent zu beziffern. Wenn wir aber nur einen Unfall verhindern können, so zahlt sich der Aufwand für die speziell landwirtschaftlichen Fahrsicherheitsschulungen aus“.

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Foto: LBG Franken und Oberbayern – Pressestelle

Foto: MR Bayreuth-Pegnitz e.V.

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30. maschinenring magazin 02.2012

Neue Rubrik im Maschinenring Magazin

Damit nichts schief geht! Mit dieser Ausgabe startet das Maschinenring Magazin eine neue Rubrik zur Sicherheit von Landwirten im Straßenverkehr. Auch wenn man vieles weiß, ist es gut, immer wieder hingewiesen zu werden. In dieser Ausgabe haben wir wichtige Punkte aus dem Training an der LLA für Sie zusammengefasst

Auf Ladungssicherung achten Gefährlich kann es werden, wenn Ladung verloren geht. Deshalb müssen Transportgüter bei Fahrten auf öffentlichen Straßen immer ausreichend gesichert werden, auch wenn der Alltag hektisch und Zeit knapp ist. Verantwortlich sind hierfür Halter, Verlader und Fahrer. Die Folgen fehlender oder ungenügender Ladungssicherung können bei Polizeikontrollen Punkte in Flensburg, Bußgelder oder gar Strafverfahren sein. Dramatisch sind in jedem Falle mögliche schwere Unfälle anderer Verkehrsteilnehmer.

vom Zugfahrzeug getrennt werden. Die Vorratsleitung steht nie allein. Außerdem ist das manuell einzustellende Anhängerbremsventil dem Beladungszustand des Anhängers stetig anzupassen. Ist nämlich die Bremsverzögerung des Anhängers zu gering, wird das Zugfahrzeug über die Hinterachse weggeschoben. Bei der automatischen lastabhängigen Bremse (ALB) ist eine Überprüfung der Funktion unerlässlich. Beleuchtung von Fahrzeugen – zweckmäßige Reflektorfolienstreifen Verdeckte Scheinwerfer (z.B. durch Frontanbauten) oben am Schlepperdach oder am Arbeitsgerät müssen wiederholt werden, wobei jeweils nur ein Scheinwerferpaar eingeschaltet sein darf. Überdies ist dann eine Betriebsgeschwindigkeit von maximal 30 km/h vorgeschrieben. Arbeitsscheinwerfer dürfen nicht während der Fahrt benutzt werden. Bei schlechten Sichtverhältnissen oder nachts ist es für PKW- oder Motorradfahrer schwierig, die Größe eines Schleppergespannes richtig abzuschätzen. Ein Umstand, der fatale Folgen haben

Anhängelast und Bremsverhalten Ein zu hoher Schwerpunkt der Anhängelast und ein schlechtes Bremsverhalten der Fahrzeuggespanne sind neben der nicht angepassten Fahrgeschwindigkeit häufige Unfallursachen bei schnelllaufenden Traktoren mit großen Anhängern. Besonderer Wert sollte deshalb auf die richtige Anhängung des Transportfahrzeuges und der Funktion der Druckluftbremse gelegt werden. Bei Anhängern über 8000 kg zGG ist eine Druckluftbremse vorgeschrieben, wobei nur eine Achse bremsen muss, über 25 km/h jedoch alle Achsen. Zum Anschließen der Druckluftbremsanlage sollte grundsätzlich die Bremsleitung „gelb” als erstes angeschlossen und beim Abschließen als letztes Regelmäßies Auffrischen der Kenntnisse z.B. bei einem Fahrsicherheitstraining fördern die Sicherheit im Straßenverkehr.

kann. Abhilfe können retroreflektierende Folienstreifen, die seitlich und hinten an den Anhängern und Anbaugeräten angebracht werden, schaffen. Weit verbreitet sind solche reflektierenden Bänder z.B. bereits im Zuckerrübentransport. Fahrerlaubnisklassen Zum Führen eines schnellen Traktors ist Klasse T erforderlich. Ab 16 Jahren bis 18 Jahren ist maximal eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH) von 40 km/h erlaubt. Ab 18 Jahren kann der Fahrer land- und forstwirtschaftlicher Zugmaschinen, mit und ohne Anhänger, bis zu einer bbH von 60 km/h sowie selbstfahrende land- und forstwirtschaftiche Arbeitsmaschinen bis zu einer bbH v. 40 km/h fahren. Fährt der Traktor schneller als 32 km/h und wird er zu einem nicht landwirtschaftlichen Zweck benutzt, so ist ein Führerschein der Klasse C (bei Betrieb ohne Anhänger) bzw. CE (mit Anhänger) erforderlich. Fahren ohne Führerschein ist eine Ordnungswidrigkeit. Fahren Sie aber ohne die entsprechende Fahrerlaubnis, egal ob bewusst oder unbewusst, ist das eine Straftat. Informieren Sie sich deshalb bitte entsprechend.

Foto: LBG Franken und Oberbayern – Pressestelle

Lebensgefahr beim Abbremsen von Gespannen mit dem Joystick Vor allem jüngere Fahrer sind mit den MotorGetriebe-Management-Systemen in modernen Schleppern bestens vertraut und steuern viele Funktionen per Joystick. Das ist praktisch und bequem – kann aber beim Verzögern vollbeladener Anhänger mit Druckluftbremsanlage lebensgefährlich werden. Die meisten Schlepper leiten dabei (noch) kein Bremssignal an die Anhänger weiter, sodass sich diese ungebremst auf die Hinterachse des Schleppers schieben. „Bei vollbeladenen Anhängern mit Druckluftbremsanlagen kann dies zum tödlichen Verhängnis werden. Deshalb im Straßenverkehr ausschließlich das Brems- und Gaspedal nutzen“, warnen Experten.


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Techniktest

01

02 Der Claas Xerion ist ein Großtraktor im Leistungsbereich über 300 PS.

Enorme Kräfte im Einsatz

Claas Xerion Im Gebiet des Maschinenringes Artland/Nortrup setzt der Landwirt und Lohnunternehmer Benno Deters seit über zwölf Jahren den Traktor Xerion der Firma Claas ein. Das Maschinenring Magazin hat den Traktor für Sie getestet Schon damals lag ein Schwerpunkt des Unternehmens in der Getreide- und Maissaat. Man suchte eine schlagkräftige und wendige Kombination, um zwei Kreiseleggendrillkombinationen, für die zwei Traktoren und zwei Fahrer erforderlich waren, durch nur eine 6 m breite Einheit zu ersetzen. Derzeit wird eine Bestellfläche von rund 1200 ha im Jahr mit Getreide und Mais bestellt.

Für den Claas Xerion wurde eine klappbare 6 m Kreiseleggendrillkombination von Lemken angeschafft, der Saatguttank wurde auf dem Heckaufbauraum des Xerion aufgesattelt. Für die Maisaussaat wird die Lemken Drillmaschine durch ein Einzelkornsähgerät der Firma Amazone ersetzt. Ebenfalls wird ein 6 m breiter Frontpacker zur Rückverfestigung des Saatbettes in der Kombination gefahren. „Solche schweren Anbaugeräte kann kaum ein anderer Traktor tragen“, so Benno Deters. „Deswegen entschieden wir uns für den Claas Xerion, da er sich durch seine enorme Tragfähigkeit erheblich von den anderen Schleppern unterscheidet.“ Momentan hat der Betrieb Deters einen Xerion 3300 mit 330 PS aus dem Jahr 2004 und einen Xerion 3800 mit 380 PS aus dem Jahr 2009 im Einsatz. Die erste Xerion Reihe 2500 wurde von Claas aufgrund von technischen Problemen vom Markt genommen und gegen neue Maschinen getauscht. Im Jahr 2005 wurde vom Betrieb Deters

01 Durch die lenkbare Hinterachse kann der Schlepper auch relativ kleine Kurvenradien fahren. 02 Thomas Wielenberg, Fahrer in dem Unternehmen Deters, schätzt den Komfort und das Leistungspotenzial des Claas Xerion.

eine Kotte Gülleverteiltechnik mit Schwanenhals und 24 m breiter Verteiltechnik angeschafft. Gewaltige Kräfte Benno Deters erklärt: „Der Xerion ist ein Großtraktor und deswegen nicht so leicht mit Standardschleppern vergleichbar. Er hat eine enorme Motorleistung, entwickelt gewaltige Kräfte am Font- und Heckkraftheber und kann durch seine Rahmenkonstruktion und seine Achsen ein Fahr-


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01

01 B  ei der Saatbettbereitung und Aussaat erzielt die Kombination eine enorme Schlagkraft. Durch die Wendigkeit des Traktors wird auch auf kleineren Feldstücken eine enorme Arbeitleistung erzielt. 02 D  ie zur Grundausstattung gehörende Anhängekugel sitzt sehr tief im Heckanbauraum. Für viele angehängte Geräte muss deswegen eine zweite Kugel angebaut werden, die weiter aus dem Heckanbau hinausragt. 03 F  ür die großen und schweren Anbaugeräte empfiehlt sich die Anbaukategorie 4 für den Dreipunktanbau im Heck zu wählen.

zeuggewicht von 36 t im Feldeinsatz tragen.“ Der Motor des Claas Xerion kommt von Caterpillar und ist eine 6-Zylindermaschine mit Turboaufladung und Ladeluftkühlung. Die 8,8 l Maschine im Xerion 3800 erreicht eine Leistung von 379 PS und entwickelt das maximale Drehmoment bei 1.400 U/min. Der Kraftstofftank weist einen Inhalt von 620 l auf und reicht selbst bei Arbeiten mit hohem Dieselverbrauch für einen langen Arbeitstag. Das

Class Xerion Trac

3800

Motor Nennleistung bei 2100U/min ECE R 120 [PS/KW] Max.Leistung bei 1800 U/min ECE R 120 [PS/KW] Zylinderzahl Hubraum Aufladung Inhalt Kraftstofftank

364/268 388/285 6 8,8 l Turbo/Ladeluftkühlung 620 l

Getriebe Getriebebauart Höchstgeschwindigkeit in beiden Richtungen

stufenloser Fahrantrieb 50 km/h

Hydrauliksystem max. Fördermenge Hauptkreislauf [l/min] max. hydraulische Leistung Hauptkreislauf [kW] max. Fördermenge Leistungshydraulik [l/min] max. hydraulische Leistung Leistungshydraulik [kW] MaSSe und Gewichte Leergewicht [kg] zul. Gesamtgewicht bei 10 km/h [kg] Gesamtlänge [m] Gesamthöhe [m] Wendekreisdurchmesser [m]

190 45 235 90

10200 ohne Bereifung 36000 6.83 3.72 12

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verbaute ZF-Getriebe ist stufenlos über vier Fahrbereiche kraftschlüssig schaltbar. Die stufenlose Schaltung deckt sowohl Vorwärts- als auch Rückwärtsfahren ab. Der Xerion überträgt seine Leistung auf vier gleich große Räder, die bis zu einer Reifenbreite von 900 mm montiert werden können. Allerdings wird bei der breitesten Bereifung auch eine Gesamtfahrzeugbreite von 3,26 m erreicht (bei der Reifendimension 800/70 R 38 beträgt die Fahrzeugbreite < 3 m). Auf die jeweiligen Verordnungen der Bundeslänger bei dem Befahren von öffentlichen Straßen ist hierbei zu achten. Der Xerion verfügt über einen Tragrahmen, auf den der Motor über Silentblöcke aufgesetzt ist. Front- und Heckkraftheber sind in den Rahmen integriert. Der Frontkraftheber schafft bis zu 8,2 t, im Heckkraftheber sind bis zu 11,7 t an maximaler Hubkraft möglich. Nur durch die stabile Rahmenkonstruktion sind die hohen Zuladungen möglich. Selbst bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h ist technisch ein Fahrzeuggesamtgewicht von 24 t möglich. Bis zu einer Geschwindigkeit von 10 km/h dürfen die Achsen sogar bis jeweils mit 18 t belastet werden. Der Traktor verfügt über einen permanenten Allradantrieb und eine 4-Rad-Lenkung. Mit dieser kann im Hundegang gefahren werden, auch ist das Versetzen der Vorder- zur Hinterachse möglich, um bei Feldfahrten den Multipass-Effekt zu vermeiden. Durch das automatische Mitlenken der Hinterachse bei Wendemanövern wird der Wenderadius relativ klein gehalten. Der Unterschied: Die drehbare Kabine Die Traktorhydraulik ist mit zwei Axialkolbenpumpen ausgestattet. Eine Pumpe versorgt die Bordhydraulik, die andere Pumpe die Arbeitshydraulik. Die Pumpen erreichen einen maximalen Betriebsdruck von 200 bar bei einer Ölfördermenge von 150 bzw. 190 l/min. Es können bis zu fünf


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04 B  enno Deters setzt seit 1999 schon Traktoren der Baureihe Xerion ein und hat mit diesen überwiegend sehr gute Erfahrungen gemacht. 05 D  ie Terminals und die Konsole lassen sich bequem vom Fahrersitz bedienen.

Steckbrief MR und BHD Artland

hamburg

berlin hannover

Mitglieder: 1058

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dresden

frankfurt

Vorsitzender: Rold Sandbrink Geschäftsführer: Franz-Josef Fischer Verrechnungswert: 2,214 Mio. Euro

suttgart München

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05

Alles im Blick! Der Xerion wird im Betrieb Deters bis auf die Wintermonate immer eingesetzt. Neben der Aussaat und der Gülleausbringung laufen die beiden Traktoren vor einer Quaderballenpresse und beim Mähen von Gras. Für das Mähen werden die Kabinen gedreht und drei Mähwerke angebaut. Die dann 8,50 m breite Mähkombination ist sehr übersichtlich. Da man von oben steil in den Grasbestand sehen kann, entgeht einem bei der Arbeit nichts, so die Fahrer der Kombination. Stündlich

VITRA der knickgelenkte

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doppelt wirkende Steuergeräte angeschlossen werden, wobei die Öldurchflussmenge je Ventil maximal 110 l beträgt. Die entnehmbare Ölmenge liegt bei 80 l. Der Fahrer Thomas Wielenberg, der den Xerion bei der Gülleausbringung einsetzt, erklärt: „Unser Xerion ist mit einer dritten Hydraulikpumpe ausgestattet, die bei einem Betriebsdruck von 260 bar eine Ölfördermenge von 235 l/min bringt. Zum Befüllen des Güllefasses mussten wir den Förderdruck wegen der Ölhydraulik auf dem Fass auf 180 bar reduzieren. Um auf die Ölmenge für eine schnelle Befüllung zu kommen, muss der Traktor allerdings immer mit voller Motordrehzahl laufen. Es wäre sparsamer, hier drehzahlreduziert das Befüllen vornehmen zu können.” Die Kabine ist geräumig, die Rundumsicht wird von Säulen der Kabine nicht wirklich behindert. Der Führerstand ist voll klimatisiert und es sind ausreichend Ablagemöglichkeiten sowie Kühlboxen vorhanden. Ein merklicher Unterschied zu anderen Traktoren ist die drehbare Kabine. Auf Knopfdruck dreht sich die Kabine um 180 ° und fährt über die Hinterachse des Xerion. Somit hat der Fahrer einen optimalen Blick auf den Anbauraum vor ihm. Da die gesamte Kabine gedreht und verschoben wird, bleiben alle Bedienelemente an dem für den Fahrer gewohnten Platz.

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34. maschinenring magazin 02.2012

Der stabile Rahmen ist für starke Belastungen ausgelegt. Front- und Hekchubwerk sind in den Rahmen integriert.

Tipps und Tricks

können bis zu 9 ha mit der Kombination gemäht werden. Den Anwendern fällt auf, dass der Motor im Teillastbereich relativ viel Kraftstoff braucht. Man erklärt sich dies durch das hohe Maschinengewicht. Deswegen ist die klare Aussage von Benno Deters: „Der Xerion gehört auf die Acker- oder Grünlandfläche, auf der Straße braucht er einfach zu viel Diesel“. Die Erfahrungswerte beim Dieselverbrauch liegen für die Gülleausbringung bei 24 – 27 l/ha, für die Getreide- und Maissaat bei 12 bis 17 l wobei die 12 l/ha nur erreicht werden, wenn beim Pflügen schon ein Packer lief. Für den Grasschnitt werden 5 – 6 l/ha genannt, auf Naturschutzflächen mit hohem Aufwuchs kommen auch 7 l/ha zusammen.

Für die Arbeiten auf dem Maissilo wird ein Verteilschild in die Fronthydraulik gebaut, die Kabine bleibt in der Mitte. Dies ist, so Thomas Wielenberg, für die Übersicht beim Nivellieren besser. Mit dem Xerion lassen sich pro Tag Erntemengen von 28 ha bei einem Ertrag von 55 t/ha verteilen und festfahren. Der Betrieb Deters stattete die Heckkraftheber der beiden Xerion Traktoren mit der Anbaukategorie 4 aus, was bei den großen Anbaugeräten absolut zu empfehlen ist. Kurz & Bündig Der Claas Xerion ist ein Großschlepper, der sich durch seine hohe Motorleistung, seine enormen Kräfte an Frontund Heckkraftheber sowie durch die gewaltige Tragfähigkeit der Achsen von vielen anderen Traktoren deutlich unterscheidet

Wenn der Xerion mit seiner hohen Motorleistung vor der Quaderballenpresse läuft, empfiehlt Benno Deters zwei Strohschwade zu einem Schwad zusammenzuführen. Durch den zusätzlichen Arbeitsgang des Schwadens erreicht man eine bessere Strohqualität, da das Stroh trockner wird. Gleichzeitig reduziert sich der Kraftstoffverbrauch erheblich, da mit geringerer Vorfahrtsgeschwindigkeit gepresst wird. Aufgrund der hohen Motorleistung sind die Fahrer geneigt, bei der Saatbettbereitung die Kreiselegge mit zu hoher Werkzeuggeschwindigkeit zu betreiben. Das macht oft die Bodenstruktur kaputt und lässt den Kraftstoffbedarf deutlich ansteigen.

Nachgefragt

Harmonisches Zusammenspiel der Komponenten Der Xerion benötigt für den hydraulischen Antrieb der Güllepumpe auf dem Betrieb Deters die volle Motordrehzahl, um eine schnelle Fassbefüllung zu erreichen. Ließen sich durch eine größere Hydraulikpumpe am Traktor solche Arbeiten nicht kraftstoffsparender durchführen?

Ingo Ordel Produktmanager Xerion Claas, Harsewinkel

Wir liefern mit der Leistungshydraulik eine Ölmenge von ca. 235 l/ min, 260 bar mit ca. 90 kW. Grundsätzlich liefert die Pumpe schon bei einer Motordrehzahl von 1600 U/min ca. 180 l/min Hydrauliköl, bei 1800 U/min ca. 200 l/min. In den meisten Anwendungen reicht eine Drehzahl zwischen 1400 und 1600 U/min aus, um das Fass mit maximaler Befüllleistung zu befüllen. Im Text erwähnen Sie, dass der Druck aufgrund der Ölhydraulik am Fass auf 180 bar begrenzt werden musste und das ist der Grund, warum hier mit hoher Motordrehzahl gefahren werden muss. Es liegt hier also an der Technik des Fasses. Es gibt Praxisbeispiele, wo mit sehr geringer Motordrehzahl ein Güllefass befüllt werden kann. Grundsätzlich sind die Anwender mit dem Motor und dessen Leistung zufrieden. Sie hätte allerdings lieber einen Motor eines deutschen Herstellers, da somit eine bessere Wartung und Ersatzteilversorgung gewährleistet wäre. Denkt man im Hause Claas darüber nach?

Der Motor ist ein Baustein des gesamten Systems. Der Wirkungsgrad und somit die Betriebswirtschaftlichkeit ist von vielen Komponenten abhängig, u. a. Motor, Getriebe, Fahrwerk, Achsen usw. Der Caterpillar Motor weist eine Leistungscharakteristik auf, die im Zusammenspiel mit den anderen Antriebskomponenten sehr gut harmoniert. Der Ölmessstab ist nur sehr schlecht zugänglich. Sieht man bei den Konstrukteuren von Claas keine Möglichkeit, eine bessere Zugänglichkeit zu diesem täglichen Wartungspunkt zu erreichen? Aufgrund des TRAC Systems mit den großen Reifen (2,05 m im Durchmesser) ist die Zugänglichkeit eingeschränkt. Bessere Möglichkeiten werden natürlich geprüft und in die zukünftigen Entwicklungen miteinbezogen. Der Bildschirm des Bordcomputers lässt sich aufgrund der kleinen Zeichen nur schlecht ablesen, eine Eingabe ist manchmal sehr mühsam. Durch eine Tastatur zur Eingabe könnte laut Fahrer die Bedienung vereinfacht werden. Denkt Claas über eine Modifizierung des Terminals nach? Auch hier wird es in Zukunft innovative Entwicklungen geben!


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Experiment: Biogas selbst herstellen Eine eigene kleine Biogasanlage kann jeder leicht in seinem Zimmer aufbauen. Sie produziert allerdings kein brennbares Methan. Stattdessen entsteht Kohlendioxid. Die nötigen Zutaten finden sich in jedem Haushalt.

Hefe bläst Ballon auf: Der Hefepilz wandelt Zucker in Kohlendioxid um. Weil das Gas mehr Raum braucht als der Zucker, füllt sich der Ballon.

Mr Kids

Das brauchst du Für das Experiment benötigst du 0,1 Liter warmes Wasser, 5 Ess­löffel Zucker, 1 Päckchen Trockenhefe, einen Trichter, eine Glasflasche und einen Luftballon.

01

Fülle Wasser und Zucker in die Flasche und schüttle sie zugeschraubt so lange, bis sich der Zucker aufgelöst hat.

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Flasche aufschrauben und die Hefe in die Zuckerlösung schütten. Das funktioniert am einfachsten mit einem Trichter.

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04

Verschließe die Flasche und schüttle das Ganze stark durch. Dabei kann schon weißer Schaum auf der Flüssigkeit entstehen.

Schraub den Deckel ab und stülpe nun den Luftballon über die Flaschenöffnung. Lass den Ver­suchs-aufbau 20 Minuten stehen. Der Luftballon sollte danach schon ordent­ lich aufgeblasen sein.

Warum funktioniert das eigentlich? Der französische Wissenschaftler Louis Pasteur entdeckte vor über 150 Jahren, dass Hefe ein ganz besonderer Pilz ist. Seine winzigen Zellen wandeln Zucker in das Gas Kohlendioxid um. Wir Menschen erzeugen ebenfalls Kohlendioxid – wir atmen es ständig aus. Das Kohlendioxid lässt den Schaum entstehen, es steigt aus der Flüssigkeit auf. Weil es nicht entweichen kann, bläst es den Ballon auf. Übrigens: Bei dem Experiment bildet sich neben Kohlendioxid auch Alkohol. Entleere den Inhalt des Ballons im Freien und atme ihn nicht ein.

Reste verwerten als Biogas

Wärme und Strom aus Abfall Es klingt wie ein Märchen: Mist, Essensreste und Bioabfälle lassen sich in wertvolle Energie verwandeln. Damit können wir unsere Wohnung heizen oder den Strom nutzen. Wir hier in Deutschland brauchen ebenso wie Menschen in anderen Industrie­ländern jede Menge Energie. Um die Umwelt zu schützen, soll diese Energie in Zukunft aus Rohstoffen entstehen, die sich immer wieder erneuern oder nachwachsen. Solche Stoffe entstehen zum Beispiel in der Landwirtschaft: Die Tiere auf den Bauernhöfen produzieren täglich viel Mist und Gülle. Die enthalten reichlich Energie, die sich nutzen lässt. Dazu braucht es allerdings noch zum Beispiel Speisereste oder den Abfall aus der Bio­tonne. Für die Biogasproduktion wird dies alles zerkleinert und mit der Gülle in einem großen Behälter gemischt. In dieser Masse leben zahlreiche Bakterien, die sich von der Gülle und den Pflanzenresten ernähren. Dabei passiert etwas, das bei uns Menschen zum Glück nur manchmal vorkommt: Die Bakterien müssen andauernd „pupsen“. Sie sondern Biogas ab. Gelangen statt des Bioabfalls sogenannte Energiepflanzen wie

etwa Mais, Chinagras oder ein speziell dafür gezüchteter Weizen in den Bottich, funktioniert die Biogasproduktion noch viel besser. Sogar aus den Schlammresten der Kläranlagen lässt sich Biogas erzeugen. Egal aus welchen Abfällen Biogas entsteht, es enthält hauptsächlich Methan. Und Methan brennt sehr gut. Deshalb eignet sich Bio­gas hervorragend als Treibstoff für Motoren, die Generatoren antreiben und so Strom produzieren. Dabei entsteht auch Wärme, mit der sich Wohnungen beheizen lassen. Immer mehr Anlagen speisen Biogas in das bestehende Erdgasnetz ein. Vorher muss das Biogas allerdings „aufbereitet“ werden, wie Fachleute sagen. Das ist notwendig, weil Biogas neben Methan andere Stoffe enthält, die nicht in die Erdgasleitungen gelangen dürfen. Ein Film im Internet zeigt, wie Biogas entsteht: www.wdrmaus.de/sachgeschichten. Einfach im Menü „A-Z-Liste“ das Thema Bio­gas an-klicken.


36. maschinenring magazin 02.2012

Jugendliche

Bauernhof statt Jugendheim

Neustart mit Traktorschein Markus Höbel ist Theologe, Landwirt, Landmaschinenmechaniker und manchmal auch Maschinenring-Betriebshelfer. Auf einem Einödhof im Allgäu betreut er Jugendliche mit sozialen Schwierigkeiten. Text Katharina Geiger


maschinenring magazin 02.2012 .37

Die Jugendlichen leben bei Markus Höbel in einer familienähnlichen Struktur.

Streicheleinheiten für die Esel. Bild mitte: mit den Hof-Katzen versteht sich David bestens.

Der große Radlader gerät zunehmend in Schieflage. Die Vorderräder arbeiten sich an einem Berg aus Hackschnitzeln hoch, um den Inhalt der nächsten Schaufel möglichst weit oben abzukippen. Am Steuer der 140-PS-Maschine sitzt David Ortmann, 17 Jahre alt und Schützling im intensivpädagogischen „Projekt Katzenloh“. Katzenloh, so heißt ein Einödhof unweit von Altusried. Hier bekommen aus der Bahn geratene Jugendliche inmitten einer aktiv betriebenen Landwirtschaft die Chance auf einen Neuanfang. Betreut werden sie dabei von Markus Höbel, der die Einrichtung vor zehn Jahren gegründet hat, und seiner Lebensgefährtin Martina. Höbel ist auch jetzt bei der Hackschnitzel-Verladung mit dabei und schaut den flotten Fahrmanövern von David entspannt zu. „Er hat die Technik sehr gut im Griff “, sagt er, und als der Junge nach erfolgreich getaner Arbeit mit dem fröhlichen Kommentar „Das macht einfach richtig Spaß“ aus der Kabine steigt, gibt es keine Ermahnungen, sondern einen freundschaftlichen Rat: „Wenn die Maschine so steil steht, dann musst du gut aufpassen, dass sie trotzdem immer genügend Öl bekommt“.

„Ich versuche, bei den Stärken der Kinder anzusetzen. “ Den Jugendlichen etwas zutrauen, das ist für Markus Höbel einer der wichtigsten Grundsätze bei der schwierigen Aufgabe, sie nach meist dramatischen Kindheitserlebnissen und vielen Fehlschlägen bis hin zur Straffälligkeit zu stärken und ihnen Selbstvertrauen zu geben. „Die meisten von ihnen kennen das Gefühl ja gar nicht, dass jemand bedingungslos zu ihnen steht“, so der gebürtige Allgäuer Höbel. Auch David sei bei seinem Einzug in

Katzenloh extrem schüchtern gewesen und habe bei Gesprächen kaum zu antworten gewagt. Schnell habe sich jedoch seine Begabung im Umgang mit Landtechnik gezeigt – erst durfte „der Bua“ den Roller- und Traktorführerschein machen, später schaffte Markus Höbel sogar einen gebrauchten Radlader an. Der Maschinenring Württembergisches Allgäu suchte einen Helfer, der regelmäßig die Container an einem Hackschnitzel-Sammelplatz befüllen sollte. Mit der passenden Technik schien diese Aufgabe perfekt geeignet für David zu sein. Der gebrauchte Volvo BM hat allerdings zu internen Diskussionen in Katzenloh geführt: Martina war gegen den Kauf, damit statt der Arbeit draußen mehr Zeit fürs Lernen bleibt. „Erziehung ist ein mühsame Bastelei und es ist nicht einfach, eine gute Balance zu finden. Man weiß nicht unmittelbar, was richtig oder falsch ist“, meint Markus Höbel dazu. Eines Tages stand der Radlader dann auf dem Hof, und David war begeistert. Bei der Hackschnitzelverladung hat er sich bewährt, und inzwischen ist er auch aus einer zweiten Gemeinschaft nicht mehr wegzudenken: Zwei Bauern stellen eine Ballenpresse, Markus Höbel den Wickler, David fährt die Gespanne. „Durch diese Aufgaben ist er richtig aufgeblüht“, freut sich Markus Höbel, „er bekommt Respekt für seine Arbeit und ist inzwischen fest ins Dorfleben integriert.“ David engagiert sich in der freiwilligen Feuerwehr, und im Herbst fängt er eine Ausbildung zum Landwirt an.

„  Die Tiere spielen oft die Hauptrolle.“ Nicht alle Jugendlichen gehen in der Landwirtschaft so auf wie David, und letztlich ist die Arbeit auf dem Hof auch nur ein Angebot. Wer nicht mitmachen will, der muss das auch nicht. Maximal

Bild rechts: fällt nicht immer ganz leicht: Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitung.

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Steckbrief Maschinenring Oberallgäu Mitglieder: 1898 Vorsitzender: Xaver Huschnitt Geschäftsführerin: Birgit Ahr Angebote: Vor allem Betriebshilfe Die Geschäftsstelle bedankt sich herzlich bei allen Betriebshelfern für die vielen Einsätze auf den Milchviehbetrieben!

Steckbrief MBR Württembergisches Allgäu Vorsitzender: Waldemar Westermayer Geschäftsführer: Dr. Berthold Nuber


38. maschinenring magazin 02.2012

zwei Jugendliche leben mit Markus Höbel und seiner Lebensgefährtin Martina in Katzenloh zusammen, und im Alltag geht es ganz ähnlich zu wie in einer ganz normalen Familie: Gemeinsame Mahlzeiten, Schule, Hausaufgabenzeit, je nach Neigung verteilte Aufgaben im Haushalt und auf dem Bauernhof. Momentan gehört neben David noch der 15jährige Patrick zur Hausgemeinschaft. Er ist erst seit wenigen Wochen in Katzenloh und noch in der Eingewöhnungsphase. „Es ist mir sehr wichtig, dass die Buben oder Mädchen hier in einem klaren Lebensrhythmus zur Ruhe und ein Stück weit zu sich selbst kommen“, erklärt Markus Höbel. Dazu sei es hilfreich, dass es auf seinem Hof viel Rückhalt durch die Betreuer, aber wenig Medienkonsum und keinen Kontakt zu früheren, oftmals destruktiven Cliquen gebe. Stattdessen bietet der Demeter-Ökobetrieb mit Milchkühen, Mutterschweinen, Ochsen, Eseln und Katzen viele Tiere in möglichst artgerechter Haltung. „Wenn man ehrlich ist, spielen sie hier sogar die Hauptrolle und sind oft die besseren Therapeuten als wir Menschen“, meint Markus Höbel. Er beobachtet immer wieder, dass die Jugendlichen durch die unmittelbaren und „aufrechten“ Reaktionen der Tiere viel über das Wesen aller Beziehungen lernten. Das ist wohl auch die wichtigste – und gleichzeitig schwierigste − Aufgabe in Katzenloh: Die tief verunsicherten jungen Menschen dazu zu bringen, sich wieder auf andere einzulassen.

„Das soziale Netz ist ganz wichtig für unser Projekt.“

Der Theologe Markus Höbel hat sich kurz vor der Priesterweihe gegen ein Leben als Pfarrer entschieden.

Mit seinen Schützlingen David und Patrick (rechts).

Wie wichtig soziale Kontakte sind, das lebt Markus Höbel seinen Schützlingen täglich vor. Er pflegt freundschaftliche Beziehungen zu den umliegenden Bauernfamilien und springt ganz selbstverständlich ein, wenn Hilfe gebraucht wird. Beim Maschinenring Oberallgäu zum Beispiel ist er immer wieder einmal als Betriebshelfer im Einsatz. Das letzte Mal erst vor wenigen Wochen, als ein Landwirt aus der Nachbarschaft schwer krank wurde. „Wir leben hier zwar auf einem Einödhof, aber nicht abgeschieden von der Gesellschaft“ sagt Markus Höbel, „ganz im Gegenteil. Ohne unsere tollen Nachbarn und das soziale Netz im Dorf würde unser Projekt überhaupt nicht funktionieren“. Der gute Kontakt ist nicht ganz selbstverständlich, denn nicht immer funktioniert bei einem schwierigen Projekt wie in Katzenloh alles ganz nach Plan: Schon mehrfach in den vergangenen zehn Patrick füttert die Schweine. „Früher waren sie im Stall, aber die Haltung im Freigehege tut ihnen viel besser”, so Markus Höbel.

Jahren kam die Polizei auf den Hof, und manche seiner Schützlinge hätten auch schon betrunken den Heimweg nicht mehr gefunden. „Aber weil sie jeder kennt, hat sie noch immer jemand wohlbehalten hier abgeliefert.“

„Manchmal ärgert es mich, dass wir die allerletzte Station sind.“ Probleme gibt es allerdings immer wieder. Manche Jugendlichen haben den Bauernhof auch schon frühzeitig verlassen. „Es ist schwierig, wenn wir alles wieder gut machen sollen, was in vielen Jahren schief gegangen ist. Wir sind die allerletzte Station, wenn die Ämter keine andere Möglichkeit mehr sehen“, sagt Markus Höbel. Einfach ist seine Aufgabe also sicherlich nicht. Der überzeugte Ökobauer sieht an diesem Frühlingsnachmittag ein wenig erschöpft aus und gibt auch zu, dass wenig Zeit dafür bleibt, selbst einmal Kraft zu tanken. Die tägliche Arbeit im Stall, auf den Feldern und mit den Jugendlichen fordere ihn und seine Lebensgefährtin fast rund um die Uhr. An seiner grundsätzlichen Begeisterung für sein Projekt ändert das freilich nichts. „Es ist ein guter Segen über diesem Hof “, meint Markus Höbel, „wir arbeiten hier nicht im Nichts. Wenn sich ein Jugendlicher so positiv entwickelt wie David, dann ist uns wieder ganz klar, warum wir das alles hier machen.“ Kurz & Bündig Auf seinem Ökobetrieb zeigt Markus Höbel, wie das Leben auf dem Bauernhof zu einer echten Chance für problembeladene Jugendliche werden kann. Der 17-jährige David hat dabei seine Liebe für die Landwirtschaft entdeckt.


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Tipps für Familien auf dem Land

„Tun Sie sich zusammen!“

Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt, vierfacher Vater und erfolgreicher Buchautor. Im Gespräch mit dem Maschinenring Magazin erklärt der 51-jährige, warum er Kindererziehung gerne wieder zur Aufgabe für das ganze Dorf machen würde. Für Herbert Renz-Polster ist das freie Spiel unter Kindern wichtiger als Lernförderung und Computerspiele.

Sie kritisieren, dass Kinder heute in einer immer weniger „artgerechten“ Umwelt aufwachsen. Woran fehlt es Ihrer Meinung nach? Kinder werden heute von den Erwachsenen oftmals geradezu durch die Kindheit geschubst oder gezogen. Eigentlich ist in jedem Kind eine gesunde Entwicklung ganz von selbst angelegt – aber es fehlt häufig am Verständnis und dem Vertrauen in die Kinder. Wie kann die natürliche Entwicklung gefördert werden? Durch viel Nähe in den ersten Lebensjahren, damit die Kinder das nötige Urvertrauen entwickeln können. Wenn ein Baby schreit, dann geht es nicht um Macht oder Launen. Sondern es schreit zum Beispiel, weil es am Körper der Mutter getragen werden will. Das ist eine natürliche, gesunde Reaktion: In früheren Urzeiten wäre es lebensgefährlich gewesen, wenn ein Baby allein am Boden gelegen hätte. Da musste es auf sich aufmerksam machen. Zu viel Zuwendung geht also am Anfang gar nicht? Nein. Feinfühlige Eltern spüren ja, dass die Kleinen nicht nur Nähe fordern, sondern auch den Raum brauchen, um selbst zu erforschen und auszuprobieren. Das wird ab dem dritten Lebensjahr immer wichtiger. Jetzt brauchen die Kleinen die Möglichkeit, mit anderen Kindern in möglichst gemischten Gruppen auf eigene Faust zu spielen. Dabei lernen sie mehr als in allen Förderkursen oder ComputerLernprogrammen. Glauben Sie, dass bei Kindern auf dem Land die Eigenständigkeit prinzipiell mehr geför-

dert wird als in der Stadt? Das würde ich so pauschal nicht sagen. Auch Landkinder leben heute oft nach einem von den Eltern vorgegebenen Zeitplan oder verbringen viel Zeit mit Dingen wie Computerspielen. Einfach mit den anderen Kindern vom Dorf losziehen – das passiert immer seltener. Wie kann man gegensteuern? Ich empfehle allen Eltern, sich zusammenzutun und sich gegenseitig bei der Erziehung der Kinder zu helfen. „Es braucht ein Dorf, um Kinder zu erziehen“, dieses afrikanische Sprichwort trifft auch für uns zu. Stattdessen landen aber gerade junge Familien oft in der Vereinsamung. Daran müssen wir etwas ändern! Wie kann die gemeinsame Erziehung aussehen? Es kann zum Beispiel jeden Freitagnachmittag ein Elternteil mit den Kindern der Nachbarschaft in den Wald fahren – und sie dann dort eigenständig ihr Ding machen lassen! Von diesen Tagen in der Natur nehmen sie unglaublich viel in ihr Leben mit. Was wird denn gefördert, wenn Kinder unter ihresgleichen herumtoben? Die wichtigste Fähigkeit überhaupt: Mit anderen in Beziehung zu treten. Gleichzeitig kann sich jeder einzelne ausprobieren und seine Stärken und Schwächen herausfinden. Ab ungefähr drei Jahren übernehmen andere Kindern eine wichtige Rolle bei der Erziehung, denn zu Zeiten der Jäger und Sammler musste sich die Mutter dann meist um ein neues Baby kümmern. Dieses Programm tragen auch unsere modernen Kinder noch in sich: Ungefähr mit drei Jahren wollen sie nicht nur das Anhängsel der Eltern sein, sondern auch ihr eigenes Ding drehen. Wenn Eltern das verstehen, wird die sogenannte Trotzphase nicht mehr als Machtkampf missverstanden. Die Kinder müssen lernen, sich durchzusetzen, das ist ihre natürliche Aufgabe! Für Eltern ist das oft nicht einfach. Ich plädiere dafür, mehr Verständnis für die Kinder zu entwickeln. Statt bei jeder Trotz-Reaktion gleich einen Tyrannen in dem Kind zu sehen oder ein Förderprojekt zu starten, sollten wir das Verhalten auch als gesunde Entwicklungsphase des Kindes sehen

und akzeptieren. Das gilt auch ganz stark für die Pubertät, da kommt es viel zu oft zu überflüssigen Machtkämpfen. Wie kommt man stattdessen heil durch die Pubertät? Ich glaube, es hilft viel, wenn man den Kindern frühzeitig ihre eigenen Bereiche lässt. Bereiche, wo sie nicht auf eine passive Rolle festgelegt sind, sondern Ideen entwickeln und etwas ausprobieren können. Das kann gerade auf einem Bauernhof sehr gut funktionieren. Aber es setzt natürlich voraus, dass eine stabile Beziehung zu den Eltern da ist, das ist eine wichtige Voraussetzung. Und wenn die Kinder und Jugendlichen gar kein Interesse zeigen? Dann hilft es auch nichts, sie zu drängen oder gar zu zwingen. Grundsätzlich wollen sich Kinder aktiv einbringen, wenn eine gute Nähe zu den Eltern da ist. Diese innere Begeisterung zu fördern, ist sehr wichtig. Es hilft, ihnen ihre eigene Art zu lassen: Sie sollten sich selbst aussuchen, welche Aufgaben sie gerne übernehmen würden, und sie dann auch nach ihren Vorstellungen steuern können. Da geht vielleicht auch einmal etwas schief, aber langfristig entwickeln sie so viel eher eine echte Begeisterung für den Betrieb.

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Bild links: Rolf Seier ist Ansprechpartner für die Maschinenring-Werkstatt.

Tipps vom Reifen-Profi

Vom richtigen (Auf)-Druck Aus seinen Erfahrungen bei der Beratung von Landwirten hat Werkstattleiter Rolf Seier die wichtigsten Tipps für die Beurteilung von Schlepperreifen zusammengestellt Text Katharina Geiger / Fotos Lucia Grill

Der Maschinenring Tuttlingen-Stockach hat seit drei Jahren eine eigene Werkstatt mit drei Mitarbeitern. Das wichtigste Aufgabenfeld der Mechaniker sind Reifen aller Art: Ob es um Schlepper-, LKW- oder Autoreifen geht, ob Reparaturen, Reifenwechsel oder Beratung anstehen – das Team um Werkstattleiter Rolf Seier ist in der Gegend inzwischen längst kein Geheimtipp mehr. Landmaschinenwerkstätten gehören ebenso zum festen Kunden-

Bild rechts: MR-Geschäftsstelle, Fuhrpark und Werkstatt unter einem Dach.

stamm wie Landwirte und Privatpersonen. „Landtechnik ist natürlich eines unserer Kerngeschäfte“, erklärt Rolf Seier, „es vergeht kein Tag ohne Schlepperreifen-Montur und wir modellieen häufig herausgerissene Stollen neu.“ Weil der 44-jährige im Arbeitsalltag immer wieder feststellt, dass teilweise gefährliche Fehleinschätzungen kursieren, hat er für den Werkstatt-Tipp einige der wichtigsten Begriffe und Erklärungen zusammengestellt. Tipp

Montage-Druck

01 „Auf jedem Reifen ist der maximale Montage-Druck eingeprägt. Zu erkennen ist er an dem Warndreieck, das daneben steht. Ich erlebe es sehr häufig, dass dieser Wert von meist 2,5 Bar mit dem empfohlenen Reifeninnendruck verwechselt wird. Die 2,5 Bar betreffen nur den Druck, der bei der Montage nicht überschritten werden darf! Wenn der Wert erreicht ist und der Reifen noch nicht richtig auf die Felge gesprungen ist, muss er noch einmal drucklos gemacht und mit Reifenmontierpaste eingeschmiert werden. Sonst kann er über die Felge springen und im schlimmsten Fall sogar Verletzungen beim Menschen und Schäden an der Montiermaschine verursachen.“


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Tipp

PR-Angabe

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„Es kommen oft Landwirte zu uns in die Werkstatt, die PR-Angaben falsch interpretieren. Diese Angabe stammt aus Zeiten, als es noch Leinwandlagen im Reifen gab und sagt nichts Genaues über die Tragfähigkeit aus. Um die verbindliche Tragkraft eines Reifen zu ermitteln, führt der PR-Wert in die Irre, weil er von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein kann – beispielsweise kann 10 PR eine höhere Tragkraft bedeuten als bei einem anderen Hersteller 12 PR. Um die verbindliche Belastungsfähigkeit des Reifens zu ermitteln, empfehle ich, die Tragfähigkeitskennzeichnung (Lastindex, LI) auf dem Reifen zu beachten. Die Bedeutung der Kennzeichnung finden Sie entweder im Internet oder bei Ihrem Reifenhändler.“

Tipp

04

Reifenaufdrucke verstehen

(am Beispiel 385/65-R22.5) „Die erste Zahl – also 385 – zeigt an, wie breit der Reifen an der dicksten Stelle in Millimeter gemessen ist. Diese Angabe betrifft nicht unbedingt die Aufstandsbreite! Die zweite Zahl – hier 65 – bedeutet, dass die Reifenhöhe vom Wulst bis zur Aufstandfläche 65 Prozent der Reifendicke ausmacht. In unserem Beispiel 385/65 sind 65% der Reifenbreite 250 mm. Durchmesser errechnen Der gesamte Reifendurchmesser ergibt sich, wenn zum Wert von 2 x 250 mm noch der Felgendurchmesser addiert wird. Der Felgendurch-

messer wird durch die letzte Zahl, hier also 22,5, beschrieben. Diese Zahl beschreibt den Felgendurchmesser von Horn zu Horn über die Mitte. Das Horn ist die Stelle, auf der die Wulst des Reifens aufliegt. Achtung, diese Angabe wird in Zoll, nicht in Millimeter, gemacht! Ein Zoll ist 25,4 mm, die Felge hat in unserem Beispiel also einen Durchmesser von 571 mm. Insgesamt beträgt der Reifendurchmesser hier 2 x 250 mm plus 571 mm, also 1.071 mm. „R“ steht für Radialreifen. Fehlt das R, handelt es sich um einen Diagonalreifen. Der Aufdruck „Regrovarable“ bedeutet, dass der Reifen nachgeschnitten werden kann.“

Tipp

Keine alten Schläuche

03 hamburg

„Beim Kauf von neuen Reifen sollten nicht die alten Schläuche verwendet werden. Neue Reifen kommen meist ohne Schlauch aus, sofern es der Zustand der Felgen erlaubt. Als Grundsatz gilt: Schlauchlos bleibt schlauchlos. Einem Fremdkörper ist es beim Eindringen egal, ob ein Schlauch verbaut ist oder nicht.“

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Wichtige Begriffe kurz erklärt

München

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  Implementreifen sind Reifen für gezo gene Maschinen ohne eigenen Antrieb.   MPT-Reifen sind Mehrzweckreifen  für gezogene Maschinen, Schlepper und Baumaschinen.   Tubetype-Reifen sollten nur mit  Schlauch verwendet werden.   Tubeless-Reifen können schlauchlos  betrieben werden, müssen aber nicht.   Die 4-stellige Zahl in einem Oval  bedeutet Herstellungswoche und Jahr (findet man nur auf einer Seite).“

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Interview: Klaus Müller

GPS statt Sternenhimmel

Erwin Ballis, Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland GmbH, hat seinen letzten Urlaub auf einem Segelschiff verbracht: Gemeinsam mit einer Gruppe von Maschinenring-Mitgliedern erkundete er auf der „Star Flyer“ die Pazifikküsten von Costa Rica und Nicaragua.

Text + Fotos Erwin Ballis

Dabei ist die Reisegruppe auch mit dem 74-jährigen Kapitän Klaus Müller ins Gespräch gekommen. Sie erfuhren von ihm einiges über die Beziehungsfähigkeit von Seeleuten, über Psychologie auf einem Segelschiff und über moderne Navigations-Technik.

gen und nach 50 Monaten Fahrzeit ging man zur Seefahrtsschule und machte achteinhalb Jahre lang das erste Offizierspatent. 1962 war ich mit allem fertig und Kapitän. Ein Studium war damals noch nicht vorgesehen. Das ist heute anders, heute müsste ich zur Universität gehen.

Wie sind Sie zur Seefahrt gekommen? Es ist eigentlich eine einfache Geschichte. Es war so, dass meine Lehrer in der Schule immer Probleme mit mir hatten. Als dann die Mittlere Reife immer näher kam, wussten meine Eltern einfach nicht, was sie mit mir anfangen sollten. Da kam dann das Angebot, drei Monate lang als Schiffsjunge zu arbeiten, gerade recht.

Wäre Kapitän auch heute Ihre erste Berufswahl? Ja, sofort. Ohne Einschränkungen. Eigentlich bin ich meinen Lehrern jetzt sogar dankbar, dass sie mir all die Probleme in der Schule bereitet haben. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe in der Schule so gut wie nichts gelernt. Anfang der 1960-er Jahre konnte man zum Glück auch so noch fast jede Karriere machen. Überall wurden Leute gebraucht und jeder konnte sich das aussuchen, was er wollte.

Von wem kam das Angebot? Mein Zwillingsbruder brachte einen Zettel heim, auf dem Informationen über „eine Schiffjungenschule über drei Monate“ standen. Bis dahin hatten wir beide noch nie ein Schiff gesehen. Aber wir haben es trotzdem gemacht und unsere Eltern haben es mitgetragen. Und so fing das alles an. Was kam nach den drei Monaten? Wir haben die damals übliche Ausbildung gemacht. Jeder musste als Schiffsjunge oder als Matrose anfan-

Verträgt sich das Leben als Seemann mit der Ehe? Das ist schon eine harte Geschichte. Vor allem, wenn Kinder da sind, wird es problematisch. Ich habe vor zwei Jahren eine Untersuchung mit fast allen Besatzungsmitgliedern gemacht, da waren Philippiner, Indonesier, Russen, Ukrainer und Kroaten dabei. Ich habe alle möglichen Fragen ge-

stellt: Wie ist das Leben am Bord? Wie ist das Leben zu Hause? Wie kann man es aushalten, mit vier Mann in so einem engen Loch zu leben? Und dabei kam raus, dass eigentlich jeder Mauern in sich aufbaut. Eine Mauer zum Beispiel, damit man von außen nicht gestört wird. Ungefähr wie bei einem Barkeeper. Der wird ja auch öfter mal aggressiv angegangen und muss trotzdem lächeln und darf nichts persönlich nehmen. So geht es auch innerhalb der Besatzung, man kann die eigenen Gefühle nicht zeigen. Es ist schwer, danach wieder daheim anzukommen und umzuschalten. Wie geht es Ihnen persönlich, wenn Sie nach einer längeren Reise heimkommen? Ich brauche 14 Tage, bis ich wieder eingewöhnt bin. Das war früher alles noch viel schwieriger, da war ich meist sechs Monate am Stück unterwegs. So lange Fahrten gibt es jetzt nicht mehr, zudem kann ich jetzt E-mail-Kontakt mit meiner Familie halten und ich telefoniere auch täglich. Wie war das früher, ohne moderne Technik? Da hat man verzweifelt auf einen Brief gewartet. Der nächste Stopp war vielleicht Colombo und alle waren am Zittern, hoffentlich kriege ich Post. Es war ja nicht einfach: Die Briefe mussten in


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Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt zur Post gebracht werden, damit die Briefe nicht zu spät ankamen. Haben sich bei Ihrer Befragung der Besatzung eigentlich Unterschiede bei den einzelnen Nationalitäten ergeben? Nein. Wir sind alle gleich, ob Deutscher, Russe, Philippiner oder Indonesier, unsere Gefühle, unser Sein ist überall gleich. Wir wollen alle ein bisschen Liebe, Freundlichkeit, solche Dinge. Es ist natürlich wichtig, bestimmte kulturelle Hintergründe zu kennen. Was zum Beispiel gar nicht geht, ist einen Philippino vor einem Ostasiaten zu tadeln. Das wäre eine bittere Beleidigung. Wenn jemand aus dem Ruder läuft, dann muss ich ihn in meine Kammer holen und mit ihm allein darüber sprechen. Ich muss auch aufpassen, dass ich allen Nationalitäten eine gleich hohe Aufmerksamkeit zukommen lasse. Gehört Menschenführung zur KapitänsAusbildung? Als ich ausgebildet wurde, haben wir schon ein bisschen über Psychologie gesprochen. Es ist natürlich so, dass jeder seine eigene Art hat. Vieles kann man gar nicht richtig lernen. Heute habe ich den Vorteil, dass ich schon alt bin und viele Dinge nicht mehr so ernst nehme. Vor 20 Jahren habe ich bei Konflikten auch mal zurückgeschrien und versucht, den dicken Mann zu markieren. Das brauche ich heute nicht mehr. Was ist Ihnen wichtig im Leben? Das hört sich vielleicht komisch an, aber am wichtigsten ist mir diese alte Geschichte von Jesus. Liebe, Verständnis, Freude und solche Dinge. Andere annehmen, wie sie sind. Man braucht nicht gleich nervös zu werden, wenn der andere nicht ganz so ist, wie man sich das vorstellt. Das gilt natürlich besonders in einer Beziehung oder Ehe. Vielleicht ist es natürlich in unserem Leben, dass wir als Jüngere eben ein bisschen Dampf brauchen, von innen und außen. Wenn man älter ist, dann kann man das Leben etwas gelassener angehen.

06 01 D  ie ”Star Flyer„ ist 115 Meter lang und hat 4 Masten.

03 Start zu einem Ausflug im schnittigen Motorboot.

05 K  laus Müller führt an Bord das Kommando.

02 S  timmungsvolle Momente bei Dudelsack-Klängen.

04 Blick über den Bug des Kreuzfahrt-Segelschiffes.

06 D  as Schiff bietet Platz für 170 Passagiere.

Haben Sie Pläne für Ihren Ruhestand? Ja klar, teilweise bin ich ja jetzt schon im Ruhestand. Ein Projekt, das ich dann gerne angehen würde, ist zum Beispiel Forschungsarbeit im Schifffahrtsmuseum in Flensburg. Das würde ich gerne mit meinem Bruder zusammen machen. Zu den Sklaventransporten, zur Navigation im 17. und 18. Jahrhundert und solche Dinge. Ich bin ja auch einer der ganz wenigen aktiven Kapitäne, die die Sterne noch praktisch benutzt haben, um den Weg zu finden.

Spielt der Sternenhimmel heute auch noch eine Rolle? Heute ist es natürlich alles anders, heute wird mit GPS navigiert. Deswegen ist aber der Druck nicht geringer geworden, im Gegenteil. Wir müssen heute mehr Leistung bringen. Das stelle ich mir in der Landwirtschaft auch so vor: Da musste man vor 50 Jahren vielleicht körperlich viel härter arbeiten, aber der Druck, der ist heute viel stärker. Man ist ja heute mehr Unternehmer als Bauer. Und so ist es in der Seefahrt auch.


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Landwirt Jakob Späth:

%

„Die haben richtig gute Leute bei RiTec“

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Maschinenring-Mitglieder können deutschlandweit zu Sonderkonditionen bei RiTec agrar bestellen Der Fachgroßhändler RiTec Agrar hat über 100.000 Ersatz- und Verschleißteile rund um den landwirtschaftlichen Fuhrpark im Programm – für alle Fahrzeuge, Marken und Maschinen. MaschinenringMitglieder können dort zu LandBonus-Konditionen einkaufen und erhalten zehn Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. „Wir bestellen fast jede Woche bei RiTec“ meint Milchviehhalter Jakob Späth aus Heidenheim, „der Lieferservice ist schnell und zuverlässig. Wir stehen

Das Ehepaar Späth führt einen Milchviehbetrieb, Sohn Thomas ein Lohnunternehmen.

Gute Stimmung: RiTec-Fachberater Sebastian Heitmann (links) und Jakob Späth.

in der Früh auf und das Material liegt auf dem Hof bereit“. Vor allem im Lohnunternehmen seines Sohnes − das auf Erntetechnik und Winterdienst spezialisierte „Agrarteam Thomas Späth“ – ist der Bedarf an Verschleißmaterial wie Messer, Zinken oder Schmierstoffen groß. Service und Preisgestaltung von RiTec kommen bei Vater und Sohn sehr gut an. „Man hat immer richtig gute Leute am Telefon, die einen kompetent beraten und sich reinhängen, damit man möglichst schnell und preiswert genau das richtige Teil geliefert bekommt“, meint Jakob Späth. Ein bleibendes Erlebnis war für die Familie mitten in der letzten Winterdienstsaison der Ausfall eines Getriebes an einem Streugerät. „Während vom Händler noch nicht einmal ein Angebot da war, hatten wir bei RiTec schon die Bestellung unter Dach und Fach. Die Lieferung ist uns für den übernächsten Tag um 5 Uhr früh zugesichert worden – und genau so war es dann auch. Um 5.30 Uhr ist das Gerät wieder im Einsatz gewesen.“ Jakob Späth ist , seit fast 40 Jahren aktiv im

Maschinenring und ist davon überzeugt, dass die Weitergabe von Einkaufsvorteilen heute zu den wichtigsten Aufgaben im Ring gehört. Ohne seinen Heimatring Ulm-Heidenheim würde es die Kooperation mit RiTec vermutlich gar nicht geben: Auf regionaler Ebene arbeiten Maschinenring und RiTec Agrar schon seit sechs Jahren zusammen. Weil es so gut funktioniert, profitieren mittlerweile die Maschinenringe in ganz Deutschland von der Kooperation mit RiTec agrar. Mehr Informationen dazu im Internet unter www.ritec-agrar.de und www.landbonus.de.

Stromausfall vorbeugen

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Ab dem 01.01.2012 gelten die neuen QSLeitfäden im Bereich Rind und Schwein. Die Änderungen und Neuerungen sind grundsätzlich überschaubar. Das einzige KO-Kriterium ist die Neuerung bezüglich der Gewährleistung von Futter- und Wasserversorgung im Falle eines Stromausfalls. Notstromaggregat für den Notfall Zukünftig muss in allen Ställen ein Notstromaggregat bereitstehen, um im Falle eines Stromausfalls die weitere Versorgung

der Tiere sicherstellen zu können. Unter Versorgung versteht man in diesem Fall nicht nur die Futter- und Wasserversorgung, sondern auch den geregelten Luftaustausch, falls dieser im Stall elektrisch betrieben wird. Um bei Ausfällen schnell reagieren zu können, wird die Installation einer Alarmanlage vorgeschrieben. Die Notstromaggregate und Alarmanlagen müssen in technisch erforderlichen Abständen auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden.


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Motorola Defy+

Smartphone im test

Immer mehr Landwirte fragen beim Team Mobilfunk der Maschinenringe nach einem möglichst unverwüstlichen Allround-Smartphone an. Um hier besser beraten zu können, haben die Mitarbeiter das Modell „Motorola Defy+“ auf Herz und Nieren getestet Test

Wasser -& Staubfestigkeit

01

Testablauf: Zunächst wurde das Defy+ in Staub und Steinen gewälzt. Dann folgte das Eintauchen in einen Eimer mit Wasser, um den Schmutz wieder abzuspülen.

Testablauf: Foto- und Videoaufnahmen. Das Testurteil: Die 5-Megapixel-Kamera lieferte sowohl bei Außenaufnahmen wie auch bei Blitzlicht eine ordentliche Fotoqualität. Die Videoaufnahmen konnten eine höhere Auflösung gebrauchen.

Das Testurteil: Bei beiden Tests erwies sich das Motorola-Gerät als sehr robust. Die Staub- und Wasserbelastung hat es locker weggesteckt. Danach funktionierte es tadellos weiter. Auch das Gehäuse und Display zeigten kaum Spuren des Tests auf. Alle Öffnungen waren durch die Gummiüberzüge ausreichend geschützt. Test

Fotoqualität

Test

03

Akkulaufzeit im Dauergespräch

02

Testablauf: Dauereinsatz im GSM-Netz (normale Sprachtelefonie) und im UMTS-Betrieb (inklusive Datenverbindungen) Das Testurteil: Der 1.700-mAh starke Akku hält, was er verspricht. Im Dauertelefonat hielt er knapp elf Stunden lang durch, und auch im UMTS-Einsatz waren fast vier Stunden Nutzung drin. Test

04 Gesprächsqualität Testablauf: Die Mobilfunk-Mitarbeiter telefonierten während einer Schlepperfahrt. Das Testurteil: Kaum Rauschen, gute Verständlichkeit und eine laute Freisprechfunktion haben uns überzeugt.

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Norbert Binger erklärt, worauf sich Landwirte auf dem Strommarkt einstellen sollten.

LandEnergie vor Ort

Chancen nutzen Norbert Binger, Leiter der Maschinenring Energiemarke LandEnergie erläutert in seiner Vortragsreihe „Energiewende im Strommarkt“ die Lage in Deutschland und ruft bei Maschinenund Betriebshilfsringen zum Energiesparen auf Hohe Energiepreise belasten natürlich auch landwirtschaftliche Betriebe. Andererseits nimmt die Zahl der Energiewirte zu, die aus Biomasse und Photovoltaik-Anlagen Strom erzeugen. In diesem Zusammenhang war Norbert Binger von LandEnergie auch beim Maschinen- und Betriebshilfsring Oberallgäu eingeladen, um im Rahmen der Jahresversammlung die Entwicklung des Energiemarkts zu erläutern. Natürlich habe auch er, so Binger vor 300 Zuhörern im Sulzberger HirschSaal, sich die Folgen der Strommarkt-Liberalisierung im Jahr 1999 anders vorgestellt: Der Strom sei

danach seit 2005 um 40 Prozent teurer geworden. Ein Großteil der Preissteigerung liegt dabei nicht an der reinen Strombeschaffung. Im Gegenteil – durch den sehr milden Winter sowie der immer noch anhaltenden europäischen Schuldenkrise sind die Stromeinkaufspreise an der Leipziger Strombörse zum Jahresbeginn auf das Niveau von 2007 zurückgekehrt. Vielmehr sind die stetigen Steigerungen bei Umlagen und Abgaben Hintergrund für die steigenden Stromendverbraucherpreise. Zuletzt Anfang 2012 durch die Einführung einer neuen Sonderkundenumlage. Im Klartext:

Von den gesamten Stromkosten, die der Endverbraucher bezahlt, entfallen rund 46% auf Steuern und gesetzliche Abgaben, rund 21% auf Kosten für Stromnetze und rund 33% auf die reine Strombeschaffung inklusive Vertriebskosten. Gewaltige Kosten Unterm Strich seien die Kosten der Energiewende „gewaltig“, nichts tun wäre allerdings noch teurer geworden. Eine bedarfsgerechte Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien sowie regionale Konzepte beim Stromtransport könnten hierbei eine Lösung sein, denn die Energieerzeugung von regenerativem Strom findet überwiegend im ländlichen Raum statt. Um langfristig Stromkosten in der Landwirtschaft senken zu können, sollte das Augenmerk aber nicht nur auf dem Strompreis liegen, denn der Strom, der erst gar nicht verbraucht wird, ist immer noch der günstigste. Deswegen würde sich für Landwirte lohnen, mal mit einem Energieberater den Betrieb zu begehen und auf effizienten Stromverbrauch hinzuarbeiten. Bei alten, „Strom fressenden Maschinen“ sei eine Neuanschaffung zu überlegen.

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LandProfi vermittelt Baumpflege-Auftrag

Hoch hinaus

Sebastian Singer ist Ackerbauer und professioneller Baumpfleger. Auf Vermittlung von LandProfi und seinem Maschinenring Starnberg hin hat er sich jetzt den gesamten Baumbestand einer Parkanlage der Deutschen Post AG am Ammersee vorgenommen Ohne Schwindelfreiheit, perfekte Ausrüstung und viel Fachwissen geht bei diesem Job gar nichts. Bis zu 200 Jahre alt sind die Bäume auf dem Gelände des Post-Konferenzzentrums direkt am Ufer des Ammersees, die von Sebastian Singer und seinen Mitarbeitern eine Rundumpflege erhalten haben − um hier die Kronen einzukürzen und Totholz auszuschneiden, mussten die Männer in voller Ausrüstung bis zu 30 Meter hoch klettern. Mehr als ein Zusatzjob Der Landwirtschaftsmeister ist für solche Aufträge bestens vorbereitet: Er ist ausgebildeter Baumpfleger und kann zudem die Fortbildung zum „European Tree Technician“ vorweisen. „Anfangs war es nur ein Zusatzeinkommen, aber inzwischen verbringe ich mehr Zeit mit der Baumpflege als auf meinen Feldern“, erzählt Sebastian Singer. Die außenwirtschaftlichen Arbeiten vergibt der 32-jährige fast vollständig über seinen Maschinenring Starnberg an Kollegen: „Nur das Striegeln mache ich selbst, da ist bei unserer ökologischen Bewirtschaftung der richtige Zeitpunkt einfach sehr wichtig“.

Weil er bestens in die Maschinenring-Gemeinschaft eingebunden ist, ist natürlich auch seine Firma „Da Hoizknecht“ dort gut bekannt. Er hat in den vergangenen Jahren schon mehrfach Aufträge vermittelt bekommen und war dann auch erste Wahl, als LandProfi den Zuschlag für das Parkgelände des Management-Zentrums bekommen hatte.

Clemens Lübbecke ist in luftiger Höhe mit Feinarbeiten beschäftigt.

Spaziergänger schützen Die Deutsche Post AG veranstaltet dort vor allem Schulungen und Konferenzen. Damit die Gäste bei ihren Spaziergängen über das Außengelände keinesfalls von abbrechenden Ästen gefährdet werden, standen jetzt die grundlegenden Pflegearbeiten an.

„Es ging vor allem darum, mögliche Gefahren zu erkennen und morsche oder von Pilzen geschwächte Bäume entweder zu fällen oder zu sanieren“, erklärt Sebastian Singer, der in allen Arbeitsphasen vom LandProfi-Außendienstmitarbeiter Karl Seibold unterstützt wurde. 39 Bäume mussten gefällt werden, 13mal stand eine umfassende Kronensanierung an. Vögel schonen Zum Frühlingsbeginn war alles erledigt, die Vögel und anderen Baumbewohner wurden also nicht bei der Aufzucht ihrer Jungtiere gestört. „Es ist klar, dass wir uns an die Vorgaben der Naturschutzbehörde halten, das gehört zur professionellen Arbeit mit dazu“, meint Baumpflege-Profi Sebastian Singer.

Der Auftrag in Inning füllt einen ganzen Ordner.

Sebastian Singer, der Chef der Truppe.

Gefällt Ihnen das neue Maschinenring Magazin? Wir freuen uns von Ihnen zu hören. magazin@maschinenringe.com


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Region Bayern | Moderationstraining

Gemeinschaften weiter entwickeln

Maschinengemeinschaften bleiben nicht auf dem Stand der Gründungsväter. Landwirtschaftliche Betriebe verändern sich – und mit ihnen die Anforderungen an die Gemeinschaft. Um damit professionell umzugehen, bilden sich Mitarbeiter der bayerischen Maschinenringe laufend zu diesem Thema fort.

„Konflikte sind wichtig und brechen festgefahrene Strukturen auf “, sagt Dr. Walter Pfadler, Referent der Fortbildungen. Er zeigt, wie sich mithilfe geeigneter Konflikt- und Gruppenmoderationstechniken Auseinandersetzungen klug entschärfen lassen. „Es hilft sehr, wenn jemand die Gespräche sicher lenkt. Ein Moderator von außen kann Debatten in eine konstruktive Richtung lenken“, ergänzt Dr. Johann Habermeyer, Leiter Beratung im Kuratorium Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe e.V. (KBM). Viele Maschinenringe spielen bei der Gründung und Organisation von Maschinenge-

meinschaften eine wichtige Rolle und stehen zum Beispiel bei Unstimmigkeiten oder bei Re-Investitionen zur Seite. Um Probleme in Gemeinschaften zu erkennen, verstehen und zu lösen, ist es nötig, die jeweiligen Ursachen herauszuarbeiten. Diese können bereits in Fehlern bei der Konzeption liegen. So verursacht eine zu schnelle Abschreibung hohe Kosten und damit Druck auf die Beteiligten. Auch falsche Annahmen der Auslastung können Zündstoff bergen. Wichtig ist die interne Kommunikation. Regelmäßige Einsatzbesprechungen, klare Entscheidungsmechanismen sowie Transparenz bei der Abrechnung zählen zu den wichtigsten Regeln. Die Entwicklungen in den einzelnen Betrieben ergeben neue Ansprüche der Gesellschafter an die Gemeinschaft. Der Generationswechsel schafft weitere Bedürfnisse und Ansprüche und verändert Rangordnung und Rollenverständnis. Dies alles muss besprochen werden.

Bild oben: „Methoden für die Gesprächsführung in Gruppen sind erlernbar und trainierbar”, so Seminarleiter Dr. Johann Habermeyer (rechts stehend) und Referent Dr. Walter Pfadler (rechts sitzend). Bild unten: Bei dem Seminar erarbeiteten die Teilnehmer zunächst gemeinsam das breite Themenfeld. In Kleingruppenarbeit wurden weitere Fragen intensiv diskutiert.

Region Mecklenburg-Vorpommern | Recycling

Altfolien abgeben Der Landesmaschinenring MecklenburgVorpommern e.V. hat das Angebot zur Entsorgung von Altfolien weiter ausgebaut.

Im vergangenen Jahr habe sich der Recyclingmarkt entspannt, sodass den Mitgliedern nun auch die Entsorgung von Stretchfolie und Folienschläuchen angeboten werden könne, so Geschäftsführer Frank Schwarzer. Zur Abholung muss die Altfolie sortenrein sortiert werden und besenrein sowie frei von Fremdstoffen sein.

Nicht alle Silofolien können zu Kunstwerken werden. Kostenfreie Entsorgung ist deshalb hilfreich.

Weitere Informationen zur Organisation der Abfuhr unter www.landesmaschinenring-mv.de.

Für Maschinenring-Mitglieder ist die Entsorgung von Altsilofolie und Folienschläuchen kostenlos, bei Stretchfolie wird eine Zuzahlung von 12 € pro Tonne fällig. Die Transportkosten werden nach beanspruchtem Ladevolumen in m³ abgerechnet. Diese Regelung kommt Landwirten entgegen, die ihre Altfolien selbst pressen oder in Packen bündeln. Damit die Abholung kostengünstig gewährleistet werden kann, müssen pro Beladestelle mindestens 90 m³ einer Folienart geladen werden.


maschinenring magazin 02.2012 .49

Region Sachsen-Anhalt | Reise nach Berlin

Besuch im Ministerium Auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Waltraud Wolff (SPD) reisten im März einige Vertreter der Landesverbandes SachsenAnhalt nach Berlin.

Waltraud Wolff ist Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und betreut den Wahlkreis im Bereich des MR Haldensleben und des MR Elb-HavelWinkel. Zum MR-Landesverband gibt es seit Jahren gute Kontakte, und so kam auch diese Einladung in die Ministerien für Finanzen und für Arbeit uns Soziales zustande. Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales waren die Schwerpunkte der Diskussion Fragen zum Bildungspaket und zum Nationalen Ak-

tionsplan. Im Bundesministerium für Finanzen wurden die Griechenlandfrage und die Kalte Progression angesprochen. Ein Besuch des Reichstags mit Teilnahme an einer Plenarsitzung stand ebenso auf dem Programm wie der Besuch der Ausstellung „Topographie des Terrors“. Im Gespräch mit Waltraud Wolff haben sich die Teilnehmer über die Arbeit der Abgeordneten und über den Ablauf einer Sitzungswoche informiert. Dabei kam ein Problem in der Landwirtschaft zur Sprache, mit dem sich auch der Umweltausschuss befasst: der Anstieg des Grundwassers. Ein Problem, das Landwirte in vielen Regionen betrifft. Hier soll zukünftig über spezielle Leader-Programme Abhilfe geschaffen werden.

14 Maschinenring-Geschäftsführer, Mitarbeiter und Vorstände des Landesverbandes Sachsen-Anhalt waren in Berlin mit dabei und erfuhren dabei einiges über das politische Leben in der Hauptstadt.

Region Westfalen | Neue Anbauverfahren

Dünger exakt in Wurzelnähe platzieren Im Landesverband Westfalen wird derzeit geprüft, ob eine GPSgesteuerte Kombination von Maisaussaat und Gülledepotdüngung Vorteile für die Landwirte bringen kann.

Mais ohne die Zudüngung von Diamonphosphat (DAP) anzubauen, stellt eine Möglichkeit dar, möglichst effizient eigene Wirtschaftsdünger innerbetrieblich zu verwenden und dadurch N- und P-Salden viehintensiver Betriebe zu entlasten. Um die Wirtschaftsdünger so effizient wie möglich auszunutzen, werden in Westfalen-Lippe derzeit neue Anbauverfahren im Maisanbau gestestet. Eines davon ist das sogenannte Strip-Till-Verfahren. Bei der Gülledepotdüngung wird der flüssige Wirtschaftsdünger im Boden bis zu 20 cm tief eingegrubbert. Exakt über diesem Gülleband wird dann die Maisaussaat vorgenommen, um eine Nährstoffplatzierung in Wurzelnähe

sicherzustellen. Durch den Einsatz von GPS-Systemen kann eine exakte Ablage des Maissaatgutes über die zuvor kartierten Güllebänder im Acker gewährleistet werden. Unter der Verwendung von PIADIN (Nitrifikationshemmer) kann die Verfügbarkeit des Stickstoffs gesteuert werden. Besonders in viehintensiven Regionen in Westfalen-Lippe könnte dieses System des Maisanbaus eine zukunftsweisende Möglichkeit sein, um umweltschonend und kostenreduziert Maisanbau zu betreiben. Wie sich das Anbauverfahren weiterentwickelt, werden weitere Versuche und Vergleiche der jeweiligen Anbaumethoden zeigen. Der Landesverband wird weiter daüber berichten.


50. maschinenring magazin 02.2012

Freuten sich über die gute Stimmung bei den Workshops: Der bayerische Gast Gerhard Haag (links) und der Landesvorsitzende Rolf Zobel (rechts).

Region baden-württemberg | Erfolgreicher Start

Plattform fürs Ehrenamt Unter dem Motto „Plattform Ehrenamt – Ideen, Austausch und Inspiration für die Vorstandschaft“ hat der Landesverband der Maschinenringe in Baden-Württemberg nun damit angefangen, sich intensiv um die Vorstände und ihre Stellvertreter zu kümmern.

„Der Austausch mit den Kollegen ist wichtig. Da hört man zum Beispiel, dass bei anderen Ringen 400 Mitglieder bei der jährlichen Versammlung kommen – aber wie machen die das eigentlich?“, erklärt Hansjörg Weber, der Geschäftsführer im Landesverband. Um sich zu solchen praktischen Fragen auszutauschen und mithilfe von MR-erfah-

renen Referenten weiterzubilden, wurde nun die neue Plattform ins Leben gerufen. Der erste Termin verlief vielversprechend. 26 Ehrenamtler waren dabei und zeigten sich durchweg begeistert: „Das gibt neue Motivation“, „Das war schon längst überfällig" und „Die Offenheit war sehr gut“ waren zum Beispiel Rückmeldungen, und ein anderer Vorstand meinte: „Es ist der richtige Weg. Konkurrenz unter Maschinenringen darf es nicht geben. Zusammen sind wir immer besser.“ Bei der ersten Plattform-Veranstaltung gab es Workshops zu Themen wie „Meine Rolle als Vorsitzender: Aufgaben, Verständnis und Schwer-

punkte“ oder „Von A wie Ausflüge bis Z wie Zielplanseminar: Das läuft in unserem Verein“. Der Vorsitzende des MR Mittelfranken, Gerhard Haag, berichtete von seinen Erfahrungen. Trainer und Coach Martin Horneber gab dem Tag mit seiner Moderation Struktur und sorgte für die Konzentration aufs Wesentliche. Rhetorik steht an Wegen der positiven Resonanz wird die Plattform Ehrenamt jetzt zu einer festen Einrichtung. Themen für die Zukunft sind Rhetorik, die strategische Ausrichtung des Maschinenringes und die Kunst, Bilanzen richtig zu lesen.

Region Rheinland-Pfalz/Saarland | MRVV stellt sich vor

Sicherheit für Hof und Familie „Versicherungen? Haben wir genug…!“ Diese Antwort mag oft stimmen – aber passen sie auch? Die MRVV bietet Maschinenringmitgliedern in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und dem Rheinland jetzt einen kostenlosen Versicherungs-Check.

Als Maklergesellschaft hat die MRVV das Ziel, Maschinenring-Mitglieder umfassend und nachhaltig zu beraten, und zwar rund um Hof und Familie. Dabei werden vor Ort alle Umstände wie Eigentumsverhältnisse und Betriebsstruktur besprochen, bevor es zu einem Angebot kommt – damit es dann auch wirklich passt. Bild links: Stefan Neyses Bild mitte: Hilde Pfaff Bild rechts: Gerd Zahnhausen

Stefan Neyses, Geschäftsführer des MR BitburgPrüm, ist als Makler schon seit 2008 tätig. Die beiden neuen Berater Hilde Pfaff und Gerd Zahnhausen kommen ebenfalls aus der Landwirtschaft. Das zeichnet die MRVV aus: Beratung durch Fachleute aus der Branche, die es auch zu versichern gilt. Dazu kommen die eigens ausgehandelten Bedingungen, die etliche Vergünstigungen für Mitglieder bereithalten: Günstigere Prämien und Einstufungen oder eine Fair-Play-Klausel zum Beispiel. Die Berater erläutern auch das Kleingedruckte, denn niemand kann Interesse daran haben, unnötige Verträge abzuschließen. So kann vorgesorgt werden, damit auch nach einem Schadensfall der Betrieb weitergehen kann. Ansprechpartner sind die örtlichen Maschinenringe.


maschinenring magazin 02.2012 .51

Region Niedersachsen | Besuch aus Afrika

„Maschinenringe wären gut für uns“ Von Mali nach Niedersachsen: Francois Sangare, 31, hat im Rahmen eines internationalen Führungstrainings in vier Maschinenringen als Praktikant gearbeitet. „Es war erfrischend“, meint HansJoachim Mencke vom MR Harburg. Wie es dem Gast aus Afrika selbst gefallen hat, erzählt er hier. Stammen Sie aus einer landwirtschaftlichen Familie? Ja. In Mali arbeiten 80 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft, meine Familie auch. Ackerbau und Viehhaltung sind aber nicht mit Deutschland vergleichbar. Tradition ist bei uns entscheidend: Das Wissen wird in den Familien weitergegeben und man arbeitet in jeder Generation genauso wie die Eltern und Großeltern es auch schon getan haben. Das ist ein großes Problem.

Warum? Wenn das Fachwissen fehlt: Hier in Deutschland bekommt jeder Kenntnisse von außen und spezialisiert sich. In Mali ist die Armut sehr groß, es gibt auch nur wenig Maschinen. Könnte eine Organisation wie der Maschinenring hilfreich sein? Das kann ich mir gut vorstellen. Bisher ist es ein Problem, dass die Bauern nicht gut organisiert sind. Ich habe in Deutschland gesehen, dass gar nicht jeder selbst Maschinen kaufen muss. Man kann die Technik gemeinsam nutzen. Ist das Leben in Deutschland so, wie Sie es sich vorgestellt hatten? Ich war erstaunt, dass Lebensmittel hier viel billiger sind als in Mali. Und dass es eigene Geschäfte für Haustiere und sogar Hundefriseure gibt. Das

Region Hessen | Fortbildungswoche in Inzell

Blick nach vorn Mit Zukunftsthemen wie Windenergie, neuen Techniken zur Gülleausbringung und dem Aufbau von Sozialkompetenz beschäftigten sich die hessischen Bodenverbände und Maschinenringe in einer Fortbildungswoche in Inzell.

wäre in Mali unvorstellbar. Womit ich auch nicht gerechnet hatte: Dass die Menschen hier so alleine sind. In Afrika steht jeder mit vielen anderen in Kontakt. Das gefällt mir besser, als alleine zu sein.

Im Rahmen der Regionaltagung Nord gab es für alle eine Führung im Erkundungsbergwerk in Gorleben.

Am Anfang des Bildungsmarathons stand der Ausbau der sozialen Kompetenzen im Maschinenring. Thomas Sindelar von der Firma Landuptodate stellte dabei die größte Herausforderung für die Geschäftsstellen vor: Der Zeitmangel, kombiniert mit einer steigenden Zahl von Aufgaben, mache fast allen zu schaffen. Um hier wirksame Strategien zu entwickeln, wurden alle Teilnehmer mit ihren persönlichen Eigenschaften konfrontiert. Das eigene Handeln und Arbeiten erschien danach in einem ganz neuen Bild.

Die kaufmännische Betrachtung einer Windkraftanlage sah bei Weitem nicht so positiv aus, wie sich viele der Zuhörer dies vorstellten. Das Fazit: Nicht jedes Windrad ist ein Goldesel. Michael Diestel von der Agrokraft in Rhön-Grabfeld faszinierte die Zuhörer mit seiner Idee des Bürgerenergieparks. Es leuchtete allen ein, dass sich die Akteure im ländlichen Raum hier zusammentun sollten. In einem weiteren Workshop wurden die Teilnehmer über die neueste Verfahrenstechnik bei der Ausbringung von flüssigem organischen Dünger informiert. Fazit von Uwe Roth, Geschäftsführer der LAG Hessen: „Die Gülleausbringtechnik braucht neue Impulse, eine wirkliche Lösung ist noch nicht in Sicht“. Es gelte, immer größere Arbeitsbreiten mit Bodenschutz und optimaler Nährstoffverwertung zusammenzubringen.

Windkraft-Projekte Ein weiteres Thema in Inzell war die Frage, ob sich Wasser- und Bodenverbände und Maschinenringe in der Windkraft engagieren sollten. Hierzu informierten Friedbert Agethen von der Firma WestfalenWind und Walter Dersch vom Maschinenring Waldeck-Frankenberg.


52. maschinenring magazin 02.2012

Region Ost | Regionaltagung

Medienarbeit und Haftungsfragen Am ersten und zweiten März fand in Freyburg, mitten im Weinbaugebiet Saale/Unstrut die Regionaltagung der ostdeutschen MR-Landesverbände statt.

Das Haupt- und Ehrenamt der Maschinenringe und Landesvorstände aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und des Landesmaschinenringes Mecklenburg-Vorpommern nutzten das Angebot des Bundesverbandes der Maschinenringe Deutschland e.V. (BMR) zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch. BMR-Präsident Leonard Ost nahm in seinen Ausführungen Bezug auf die Zusammenarbeit des BMR und der MR-Deutschland GmbH mit den ostdeutschen Landesverbänden, den Landesma-

schinenringen und den Maschinenringen vor Ort. Neben den bisherigen Tätigkeitsfeldern im Bereich MR-Klassik rücken Nutzen stiftende Dienstleistungen immer mehr in den Mittelpunkt des Tagesgeschäfts der Maschinenringe. Große Unterschiede und teilweise Defizite gibt es bundesweit in der öffentlichen Wahrnehmung unserer Organisation. Mit der Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit beim BMR in Person von Christian Haschka wurde ein richtiger Schritt getan. In unserer Regionaltagung wurde das neue Konzept der Medienaktivitäten erläutert. Ein erstes sichtbares Resultat sind das neue Erscheinungsbild und die neuen Inhalte unseres MR-Magazins, das alle MR-Mitglieder in den neuen Bundesländern erhalten.

Auch in diesem Jahr ist es den Vorständen der Landesverbände gelungen, interessante Themen für die Regionaltagung zu finden. Die Vorträge von Martin Gehring vom Kuratorium Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe zum Verkehrsrecht und von Andrea Munkert von der MR Deutschland GmbH zu Haftungsfragen im e.V. und der GmbH haben nochmals eindringlich die Verantwortung von Haupt- und Ehrenamt im Verein, aber auch von Betriebsleitern in ihren Unternehmen deutlich gemacht. Nachdem die Haftungsfragen deutlich herausgearbeitet wurden, hat sich die MRVV als Einrichtung und Partner der Maschinenringe in Versicherungsangelegenheiten vorgestellt. Die Möglichkeiten der Absicherung von Risiken des Ehren- und Hauptamtes fanden dabei ein besonderes Interesse.

Region Schleswig-Holstein | Unterstützung ausbauen

Erst Betriebshilfe, und dann …?

Nun gilt es zudem, Forderungen gegenüber dem privaten Berufsunfähigkeitsversicherer durchzusetzen, einen Rentenanspruch korrekt zu beantragen, die psychischen Folgen des Unfalls zu bearbeiten und dann die Versicherungen nach den Krisenerfahrungen anzupassen. Dafür brauchen die gebeutelten Familien einen „Krisenmanager“, der ein offenes Ohr für die Sorgen hat und kompetente Fachleute vom Rechtsanwalt bis zum Psychologen und Versicherungsexperten vermitteln kann – den Maschinenring. Wie das Internet mit Beteiligung der Nutzer zum „web 2.0“ weiterentwickelt wurde, wird auch die Betriebshilfe von den Maschinenringen in enger Zusammenarbeit mit betroffenen Landwirten zu einem ganzheitlichen Krisenmanagement entwickelt – der „Betriebshilfe 2.0“. Schleswig-Holstein ist hier ganz vorn dabei. Einige Ringe tun bereits heute mehr, als nur einen Betriebshelfer zu schicken.

(Grafik: Agrosolvent, Hannover)

Der Betriebshelfer hat seine Arbeit gut gemacht, aber nun ist er weg. Der Betriebsleiter ist zwar wieder einsatzfähig, aber die Arbeit geht ihm nicht mehr so schnell von der Hand. Die ganze Familie ist von der Krise gezeichnet und bräuchte weitere Unterstützung.

Die „MR-Betriebshilfe 2.0“ unterstützt bei Ausfall des Betriebsleiters. Mit dem ganzheitlichen Krisenmanagement vor und während der Krise wird Landwirten und ihren Familien wirksam geholfen.

Besser vorsorgen Auch wenn nichts passiert, gibt es ein sicheres Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Ein Notfallordner mit wichtigen Formularen, Telefonnummern und Dokumenten erleichtert es, das Notwendige

zu veranlassen und nichts zu vergessen. Ein Check von Gesundheitsvorsorge und privater Absicherung sowie Arbeitsorganisation und „Burn-out“-Vorbeugung gehören zum Präventiv-Paket von „Betriebshilfe 2.0“.


Wer investiert in die Zukunft der Landwirtschaft – wenn nicht wir?

Züchtungsfortschritt ist der entscheidende Erfolgsfaktor für die Getreidewirtschaft. Denn konsequent verbesserte Sorten sorgen für wachsende Erträge und können Arbeits- und Betriebsmittelkosten senken. Deshalb arbeiten wir hart daran, hochwertiges Saatgut zu entwickeln, das auch strengsten Anforderungen gerecht wird. Zertifiziertes Saatgut zeichnet sich durch mehrfach geprüfte Spitzenqualitäten, eine hohe Keimfähigkeit und maximale Sortenreinheit aus. So wird Z-Saatgut zum Garanten für steigende Wettbewerbsfähigkeit und schafft die Grundlage für betriebswirtschaftliche Erfolge. Mehr Infos finden Sie auf www.z-saatgut.de


54. maschinenring magazin 02.2012

Cindy Nowatzki leitet neue Doppel-GmbH

Gerhard Röhrl und Erwin Ballis verabschieden Bernd Bense in den Ruhestand.

Abschied nach vier Jahrzehnten Bernd Bense wurde während der diesjährigen Mitgliederversammlung des BHD/MR Ahaus e.V. am 28.03. feierlich verabschiedet. Fast 39 Jahre lang war er als Geschäftsführer des Maschinenring und Betriebshilfsdienst Ahaus im Landkreis Borken (Westfalen-Lippe) tätig. Jetzt geht der 61-jährige Agraringenieur aus Schöppingen in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger Markus Bitter ist als neuer Geschäftsführer für die Geschicke des BHD/MR Ahaus e.V. verantwortlich. Markus Bitter (rechts) ist der Nachfolger von Bernd Bense. Mit Ulli Hessel (mitte) übergab er ein Abschiedsgeschenk.

Gemeinsame Maschinenring-GmbH mit neuer Geschäftsführung: Die jeweiligen MR Agrar-Service GmbHs aus Gütersloh und Herford haben sich zum 01.04. zur Maschinenring GmbH Gütersloh-Ravensberg-Lippe zusammengeschlossen. Neue Geschäftsführerin der von den beiden BHD/MR Gütersloh und Ravensberg-Lippe e.V. gemeinsam betriebenen GmbH ist Cindy Nowatzki (32) aus Ostwestfalen-Lippe. Cindy Nowatzki hat an der Universität Göttingen Agrarwissenschaften studiert und war bisher in den Bereichen Schweinezucht und Düngervermittlung tätig.

Gefällt Ihnen das neue Maschinenring Magazin? Wir freuen uns von Ihnen zu hören. magazin@maschinenringe.com

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Saat-Gut!

VERLAGSBEILAGE DES GEMEINSCHAFTSFONDS SAATGETREIDE (GFS)

Der Newsletter des Gemeinschaftsfonds Saatgetreide · 01/2012

Erfolg konsequenter Züchtung: Höchste Backqualität bei Weizen Züchtungsfortschritt bringt Selbstversorgung

Wer heute in ein Brötchen beißt, wird sich nicht immer bewußt sein, dass es ein Sinnbild für erfolgreiche Weizenzüchtung ist. Aber genau so ist es: Dass wir heute Weizensorten mit hoher Backqualität anbauen, verdanken wir intensiver züchterischer Arbeit. Wie die Qualitätsgeschichte im Projekt QualityNet fortgeschrieben wird, erläutert Dr. Lorenz Hartl von der LfL Freising im Interview. Zudem betrachten wir den Weg der Sortenentwicklung und die Kostenanteile bei der Weizenproduktion. Neu ist der Kommentar zum Thema – dieses Mal von Thomas Blumtritt, dem Beiratsvorsitzenden des Gemeinschaftsfonds Saatgetreide (GFS), der pointiert Stellung zu der Frage bezieht, warum Lizenz- und Nachbaugebühren für die Refinanzierung der Züchtungsanstrengungen gleichermaßen angemessen wie unverzichtbar sind. Zuletzt eine herzliche Einladung an den Stand des GFS auf den DLG-Feldtagen – wir sehen uns in Bernburg! Ihre

Belinda Giesen-Druse

Foto: LfL/Seemann

Weizenzüchtung im Fokus

Durch konsequente Züchtung stehen den deutschen Getreideanbauern heute Weizensorten mit hervorragenden Eigenschaften zur Verfügung. Dabei ist die Backqualität neben hohem Ertrag und wirksamen Resistenzen der wichtigste Parameter für die Vermarktung.

A

E

B

C

Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts dominierten im deutschlandweiten Anbau Winterweizensorten mit geringerer Backqualität. Zur Verbesserung der Mehle wurden bis Ende der siebziger Jahre Weizen aus Kanada und USA mit sehr hohen Proteingehalten und -qualitäten importiert. Der Import von Qualitätsweizen war nahe den Seehäfen im Norden relativ preiswert.

Sorten mit verbesserter Eigenbackfähigkeit Durch Einkreuzung von russischem und französischem Material in den ertragreichen, aber schlecht verbackenden englischen Squarehead-(Dickkopf)Weizen entwickelten die privaten Getreidezüchter erste Sorten, die eine vernünftige Eigenbackfähigkeit aufwiesen. In der Folge wurden Backqualität und hohe Ertragsleistung bei kürzerem Wuchs immer besser kombiniert. Anfang der siebziger Jahre waren dann die Sorten Jubilar, Caribo und

Diplomat marktbeherrschend, deren Mehle auf Boder A-Niveau verbackten.

Umfassende Sortenvielfalt Mit der gesteigerten Ertragsleistung und Qualität war gegen Ende der 1970er Jahre die Selbstversorgung erreicht. Die 1976 zugelassene Sorte Monopol, die bis heute als Mischungspartner für hochwertige Mehle eingesetzt wird, unterstreicht dies eindrucksvoll. In den 1980er Jahren stieg die Zahl ertragreicher A- und E-Weizen weiter an. Die konsequente Qualitätszüchtung bietet dem Landwirt heute eine umfassende Vielfalt mit mehr als 150 zugelassenen Weizensorten für unterschiedliche Anbau- und Vermarktungsstrategien.

Qualitätsgruppen dominieren Die Leistungsfähigkeit der deutschen Qualitäts- und Eliteweizen wird auch durch den kontinuierlich gestiegenen Anteil dieser Qualitätsgruppen am Gesamtanbau deutlich (siehe Infografik). Seit einigen Jahren wird in Deutschland mehr als die Hälfte der Weizenanbaufläche mit A- und E-Weizen bestellt. Insbesondere das spezifische Backvolumen relativ zum Proteingehalt konnte züchterisch laufend verbessert werden – an der Erforschung der genetischen Hintergründe arbeitet das Projekt QualityNet (siehe Interview und Infografik, Seite 2). Als Resümee zeigt sich, dass die konsequente Beachtung der Backqualität durch die Weizenzüchter ein breites Sortenangebot geschaffen hat, das im Hinblick auf die Qualität voll befriedigen kann und im Ertragsniveau, den Resistenz- sowie den übrigen agronomischen Eigenschaften weiterentwickelt wurde. GFS, mit Informationen von Dr. Lorenz Hartl/LfL

Anbauanteil der Qualitätsklassen in Deutschland Relative Häufigkeit in % 100

Der Benzinverbrauch in Deutschland lag 2011 bei 19,60 Millionen Tonnen (2010: 19,63). Der Jahresverbrauch 2011 beinhaltete 1,24 Millionen Tonnen Ethanol.

E

80

A

60

EU

B C unbekannt

40 20 0 2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Erntejahr

Quelle: BEE, MRI, Detmold

Kurz notiert


VERLAGSBEILAGE DES GEMEINSCHAFTSFONDS SAATGETREIDE (GFS)

„Gezielte Selektion der positiv wirkenden Gene“ Dr. Lorenz Hartl, LfL Freising, im Interview mit „Saat-Gut!“ über das Projekt QualityNet Foto: GFS

men von 600 ml/100 g Mehl. Die Mehle der A-Weizen erbrachten Volumen von über 650 ml/100 g Mehl, die E-Weizen von 700 bis 740 ml/100 g Mehl.

Welche genetischen Grundlagen der verschiedenen Qualitäten haben Sie entdeckt? Wir haben erkannt, dass der sogenannte Wildtyp eines bestimmten Gens für eine weiche Kornstruktur verantwortlich ist und vor allem in den alten Sorten zu finden ist. Moderne Qualitätsweizen enthalten Genvarianten, die vom Wildtyp abweichen und die typisch härtere Kornstruktur zeigen. In härteren Körnern werden beim Mahlvorgang die Stärkekörner mechanisch stärker beschädigt und können deshalb mehr Wasser aufnehmen. Letztendlich wird auch ein höheres Backvolumen erzielt.

Welches Forschungsziel verfolgen Sie mit dem QualityNet-Projekt? Wir möchten das Merkmal Backqualität von der Genetik her verstehen. Schwerpunkt des Projektes ist die Charakterisierung des Erbguts, der DNA aller verwendeten Sorten. Dazu haben wir 100 Winterweizensorten an sieben Standorten in einem Parzellenversuch angebaut und das Erntegut im Backlabor verbacken.

Welche qualitätsrelevanten Merkmale haben Sie zudem untersucht? Die Qualität und Menge der Kleberproteine sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Diese Merkmale werden bereits von den Züchtern zur Selektion eingesetzt. Um sehr schnell voran zu kommen, können die Tests an einzelnen Körnern vorgenommen werden.

Welche Entwicklung beobachten Sie im Weizensortiment? Im Vergleich zu den ältesten Sorten im TestSortiment, die 1961 und 1968 zugelassen wurden, schaffte es die Züchtung, neben dem Ertrag auch die Backqualität in erheblichem Umfang zu steigern.

Welchen praktischen Nutzen kann das QualityNet-Projekt in Zukunft bringen?

Wie groß sind die Backvolumina im Versuch?

Mit den Ergebnissen rückt die genomische Selektion ins Blickfeld, wie sie bereits in der Tierzucht angewandt wird. Auf Basis der DNA-Marker wird eine gezielte Selektion und

Die alten Sorten und die heutigen B-Weizen erreichten in unserer Versuchsserie Backvolu-

Kombination der positiv wirkenden Gene in Weizensorten ermöglicht.

Wie verhindern Sie, dass höhere Qualität auf Kosten des Ertrags geht? Der Proteingehalt ist für die Backqualität ein entscheidender Parameter, leider steht er in negativer Beziehung zum Kornertrag. Wir konnten allerdings Genorte identifizieren, die sich positiv auf den Proteingehalt auswirken, ohne die Backqualität entscheidend zu verbessern. Diese sind sozusagen nutzlos und sollten zugunsten eines höheren Ertrags eliminiert werden. Entwicklung des spezifischen Backvolumens E-, A- und B- Weizensorten Backvolumen/Rohproteingehalt in ml/%RP

Aron

57

Borenos Kanzler

55

Borneo Pamier Skagen Alidos Toras Adler

Bussard 53

Monopol Disponent

Privileg Akteur Cubus

51

Batis Caribo

Tommi

Flair Dekan

49

Jubilar 47

Ritmo Kronjuwel

1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005

Quelle: LfL Pflanzenbau

Der lange Weg zur neuen leistungsfähigen Sorte 1

Grundlagenforschung an Modellorganismen

2

Anwendungsorientierte Forschung an Kulturpflanzen

5 JAHRE

Neue Sorten sollen einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Sortenniveau bringen – das ist seit jeher das Ziel der Pflanzenzüchtung. Der Weg bis zu diesem Ziel ist lang und anspruchsvoll. Von der ersten Kreuzung bis zum Eintrag in die Sortenliste

3

Angewandte Gemeinschaftsforschung

5 JAHRE

vergehen oft zehn bis fünfzehn Jahre. Bis zu 12 Jahren dauert zusätzlich die Grundlagen- und Gemeinschaftsforschung, die der Sortenentwicklung vorangeht (1-3). Zu Beginn der Kreuzung legen die Züchter die Züchtungsziele wie Ertrag, Qua-

3 JAHRE

4

Unternehmensforschung

2 JAHRE

lität, Resistenz sowie neue Inhaltsstoffe fest und suchen geeignete Kreuzungseltern (4). In vielen Schritten und an verschiedenen Orten selektieren Züchter über mehrere Jahre die Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften (5). Wenn der auf-


VERLAGSBEILAGE DES GEMEINSCHAFTSFONDS SAATGETREIDE (GFS)

Zwei Prozent mit großer Wirkung

DER KOMMENTAR

2%

Foto: GFS

Anteile an den Gesamtkosten bei der Weizen-Produktion pro Hektar 18%

Züchter

Pflanzenschutz (inkl. Beize)

6% Saatgutkosten (ohne Beize)

20%

7%

variable Maschinenkosten

Trocknung

2% Versicherung

15%

30%

Maschinenring/Ernte

Düngemittel

Quelle: LfL, DLG-Mitteilungen 8/2010

Der Anteil der Lizenzgebühren für Z-Saatgut an den Gesamtkosten, die für die Produktion von Weizen entstehen, liegt bei nur zwei Prozent. Ein kleiner Betrag mit großer Wirkung, denn allein über 50 Prozent des Ertragsfortschritts sind auf Pflanzenzüchtung zurückzuführen. Diese ist wiederum auf eine angemessene Refinanzierung ihrer aufwendigen Forschungsund Entwicklungsarbeit angewiesen. Seit Beginn der systematischen Pflanzenzüchtung im 19. Jahrhundert konnten die Erträge und Qualitäten aller Getreidearten deutlich gesteigert werden. Bei Weizen sind die mittleren Felderträge in Deutschland in den vergangenen 100 Jahren von 20 auf 80 Dezitonnen pro Hektar gewachsen. Deutschland ist vom Nettoimporteur zum Exporteur von Backweizen aufgestiegen. Hintergrund der positiven Entwicklung ist vor allem die vorausschauende und erfolgreiche Arbeit der Pflanzenzüchter. Im Schnitt investieren sie 10 bis 15 Jahre und ein bis zwei Millionen Euro in die Entwicklung einer neuen Sorte. Damit dieses Erfolgsmodell auch in Zukunft funktioniert, brauchen die Züchter einen fi-

7 5

Sortenentwicklung

8 JAHRE

6

Sortenprüfung

3 JAHRE

wändige Prozess erfolgreich ist, folgen die amtliche Prüfung und die Sortenzulassung sowie die Erteilung des Sortenschutzes (6, 7). Ausgehend von wenigen Pflanzen in den Zuchtgärten wird schließlich qualitativ hochwertiges Z-Saatgut für

nanziellen Rückfluss ihrer Investitionen in Form von Z-Saatgut-Lizenz- und Nachbaugebühren.

VON THOMAS BLUMTRITT

Nicht nur ein Gebot der Fairness

Bei der Produktion von Weizen machen die Z-Saatgut-Lizenzgebühren im Mittel nur zwei Prozent der Aufwendungen aus (siehe Infografik). Dies entspricht Kosten von durchschnittlich 10 bis 15 Euro pro Hektar, dessen Gesamtproduktion 774 Euro kostet. Das ist vergleichsweise wenig und optimal investiertes Geld – angesichts der Tatsache, dass die Züchter bei Erträgen, Resistenzen und Qualitäten kontinuierlich Verbesserungen erzielen. So sind über 50 Prozent des Ertragsfortschrittes der Züchtung zuzuschreiben.

Um was geht es bei der Diskussion um den Schutz geistigen Eigentums in der Pflanzenzüchtung? Bei Winterweizen geht es beispielsweise um einen Anteil von zwei Prozent oder von 10 bis 15 Euro der Gesamtaufwendungen für die Produktion auf einem Hektar. So viel – oder besser: so wenig – fließt in Form von Lizenzgebühren für Z-Saatgut an die Züchter, die die Sorten nach vielen Jahren intensiver Züchtungsarbeit bereitstellen. Allein dieses Verhältnis von Aufwand und Ertrag sollte Anlass zum Nachdenken geben.

Der konsequente Einsatz von Z-Saatgut trägt dazu bei, dass die Züchter auch künftig in Forschung und Entwicklung investieren können. Denn darin sind sich Wissenschaftler einig: In unseren heutigen Nutzpflanzen schlummert noch viel genetisches Potenzial für weitere Fortschritte. Aber nur bei einer ausreichenden Refinanzierung ihrer Leistungen wird die Pflanzenzüchtung dieses Potenzial auch zukünftig erschließen können.

Aber natürlich geht es um mehr als die zwei Prozent. Es geht um die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Getreideanbaus in Deutschland. Nur wenn Landwirte in Z-Saatgut investieren – oder im Fall von Nachbau die zugehörigen Nachbaugebühren entrichten – werden Züchter auch langfristig Züchtungsfortschritt liefern können.

Sortenzulassung und Sortenschutz

8

Saatgutproduktion

2 JAHRE

den Einsatz in der Landwirtschaft vermehrt und anerkannt (8).

Es ist nicht nur ein Gebot der Fairness, dass diejenigen, die mit investitions- und zeitintensiver Züchtungsarbeit an neuen und besseren Sorten arbeiten, über Lizenz- und Nachbaugebühren ihr gerechtes Stück vom Kuchen abbekommen. Ich wünsche mir, dass Entscheidungsträger aus der Agrarwirtschaft und Politik dies erkennen und sich zum Wohle einer zukunftsfähigen Landwirtschaft entsprechend öffentlich positionieren. Allzu kurzfristiges Denken hat langfristig fatale Folgen! Thomas Blumtritt ist Beiratsvorsitzender des Gemeinschaftsfonds Saatgetreide und Vertriebsleiter der KWS Lochow GmbH für Deutschland und Polen.


VERLAGSBEILAGE DES GEMEINSCHAFTSFONDS SAATGETREIDE (GFS)

Siegeszug begann im Zweistromland Weizen hat weltweit größte Anbaufläche

Eingang Ost

P

Foto: GFS

Bus

Eingang Nord

F 25

P

GFS auf den DLG-Feldtagen

Einkorn im Demonstrationsversuch bei den DLG-Feldtagen – die Urform des heutigen Weizens

Weizen ist die Fruchtart mit der weltweit größten Anbaufläche und ein Musterbeispiel für erfolgreiche Züchtung. Der Siegeszug reicht von den Urformen Einkorn und Emmer, über die Ursprünge der Kreuzungszüchtung bis zur immer besseren züchterischen Kombination von Qualität, Ertrag und Resistenzen. Im Jahr 2011 konnten global 650 Millionen Tonnen Weizen geerntet werden. Die Wiege des Weizenanbaus steht im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Dort kultivierten frühe Siedler die Urformen Emmer und Einkorn. Ausgehend von diesen Ansätzen haben Generationen von Züchtern den Weg zu leistungsfähigen Weizensorten bestimmt. Seit über 100 Jahren verfolgt die Pflanzenzüchtung bei Weizen die Züchtungsziele Ertrag, Qualität und Resistenz für den Erfolg der Getreideanbauer – und der kann sich sehen lassen: Weizen ist wegen seiner vielfältigen Verarbeitungsund Verwertungsmöglichkeiten heute weltweit eine wichtige Getreideart. Die jährliche Produktionsmenge lag 2011 bei 650 Millionen Tonnen. Das sind fast 100 Kilogramm pro Kopf der Weltbevölkerung von 7,0 Milliarden Menschen.

Weltproduktion Weizen 2011 in Millionen Tonnen

Erträge in Deutschland über Durchschnitt Die globale Weizen-Anbaufläche umfasst ungefähr 223 Millionen Hektar, der Durchschnittsertrag liegt damit bei circa 30 Dezitonnen pro Hektar. Global haben sich seit den 1950er-Jahren die Erträge pro Hektar mehr als verdreifacht. Dieser Wert wird in Deutschland übertroffen: Bei guten Bedingungen werden durchschnittliche Erträge von 80 Dezitonnen bis über 100 Dezitonnen pro Hektar geerntet. Für mehr als die Hälfte dieser Steigerung ist züchterischer Fortschritt verantwortlich. Außerdem wirken sich moderne Anbautechnik sowie Düngung und Pflanzenschutz positiv aus.

Europa ist Spitzenregion Die 27 EU-Staaten und China erzeugen die größten Anteile an der Welt-Weizenproduktion (siehe Infografik). Nach Frankreich (34 Millionen Tonnen) war Deutschland 2011 mit fast 23 Millionen Tonnen größter EU-Weizenproduzent. Über 20 Millionen Tonnen Weizen wurden im Inland verwendet und verarbeitet, davon 47 Prozent als Futtermittel und ungefähr 36 Prozent direkt für die menschliche Ernährung.

EU-27 136,9 Argentinien 16,1 Kasachstan 9,7

China 115,2 USA 60,1 Russland 41,5

Indien 80,8 Indie

Quelle: Toepfer International, März 2012

Ukraine 16,8

Kanada 23,2

Impressum Herausgeber: GFS Gemeinschaftsfonds Saatgetreide Kaufmannstraße 71-73 53115 Bonn Tel. 0228-9858110 Fax 0228-9858119 info@z-saatgut.de www.z-saatgut.de

Sonstige nstige 123,4

Australien 27,9

Die Vorbereitungen für die größte pflanzenbauliche Schau dieses Jahres laufen auf Hochtouren: Vom 19. bis 21. Juni finden in Bernburg-Strenzfeld in Sachsen-Anhalt die DLG-Feldtage statt. Auf dem Versuchsfeld werden eine einzigartige Vielfalt aller gängigen Kulturpflanzen und neueste Anbaustrategien vorgestellt. Die Verantwortlichen erwarten 20.000 Besucher und 300 Aussteller. Unter ihnen ist auch der Gemeinschaftsfonds Saatgetreide (GFS), der in einem Weizenschauversuch im direkten Vergleich von 13 historischen und modernen Sorten Züchtungsfortschritt erlebbar macht. Mehrmals täglich führt der Züchtungsexperte Dr. Erich Knopf durch den Demoversuch und erläutert im Kontext der beeindruckenden Züchtungsleistung der vergangenen 100 Jahre die spezifischen Eigenschaften der Sorten sowie die Bedeutung des Betriebsmittels Z-Saatgut für künftigen Züchtungsfortschritt. Zusätzlich informiert am Stand die Initiative www.diepflanzenzuechter.de.

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