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Puch MUSEUMS-REVUE

Nr. 1/2014

Periodische publikation des Johann Puch Museum graz


IMPRESSUM

Gestaltung nach einem Entwurf von Jörg Vogeltanz, Cover-Konzept von Karlheinz Rathkolb, Printed in Austria Alle Rechte vorbehalten! Für den Inhalt verantwortlich: Karlheinz Rathkolb Verein Johann Puch Museum Graz ZVR-Zahl 924111394

KONTAKT

• Mail: johann.puch@aon.at • Mobil: +43 664 4203640

PUCH MUSEUMS-REVUE

Alle Texte und Bilder, wenn nicht anders angegeben, von Martin Krusche (Kunst Ost: „Kuratorium für triviale Mythen“) www.kunstost.at

JOHANN PUCHSs 100. ToDESTAG

Heuer jährt sich zum hundertsten Mal jener 19. Juli, an dem Johann Puch sein Leben verlor. Am Freitag, dem 4. Juli 2014, treffen wir uns vormittags beim Museum. Vom Einser-Werk, also „heroben“, geht es an diesem Tag dann „hinunter“ zum Zweier-Werk in Thondorf. Wer sich angemeldet hat, ist zu einer Werksbesichtigung eingeladen und wer mit einem Originalfahrzeug kommt, darf auf die legendäre Teststrecke. Abends ist im Museum ein Festakt angesetzt. Am Samstag darauf besuchen wir gemeinsam den Grazer Zentralfriedhof, wo Johann Puch zur letzten Ruhe gebettet wurde.

BESUCHSZEITEN • • • • •

Freitag: 13:00 bis 18:00 Uhr Samstag: 13:00 bis 18:00 Uhr Sonntag: 10:00 bis 18:00 Uhr An Feiertagen geschlossen! Führungen und Sondertermine nach Voranmeldung und Vereinbarung

EINTRITT • • • •

Erwachsene: € 5,00 Pensionisten, Studenten, Behinderte: € 4,00 Kinder: € 2,00 Gruppenpreis ab 15 Personen: € 4,00/Person

INTERNET

www.johannpuchmuseum.at www.facebook.com/jpm.graz

WIR DANKEN • • • •

MAGNA STEYR Stadt Graz Land Steiermark GRAWE: Grazer Wechselseitige


JoHANN & JoHANN STEIRISCHE PERSÖNLICHKEITEN

Die Steiermark hat eine Reihe historischer Persönlichkeiten vorzuweisen, die in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingegangen sind und bis heute große Popularität haben. Blickt man auf den Themenbereich Handwerk und Industrie, dominieren zwei Männer mit gleichem Vornamen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. schen Welt und wurde, gemäß seiner Herkunft, als Kind schon sehr früh, in das Arbeitsleben eingeführt. Er entwickelte sich zu einem exzellenten Handwerker, leistete seinen Militärdienst in Graz ab. Puch ging nach seiner Entlassung in die Reserve kurze Zeit in einige Anstellungen. Der zielstrebige Mann errichtete schließlich südwestlich des Grazer Stadtzentrums jenes Puchwerk, mit dem er zu einem international renommierten Produzenten von Fahrrädern, Motorrädern und Automobilen wurde.

Erzherzog Johann um 1859, Lithographie aus privater Sammlung (Quelle: Tohma)

Ein Aristokrat und ein Keuschler-Bub, jeweils namens Johann. Die Rede ist vom „steirischen Prinzen“ Erzherzog Johann und von Johann Puch, dem Pionier steirischer Mobilitätsgeschichte.

Wenn Sie heute das Johann Puch Museum Graz betreten, befinden Sie sich nicht bloß auf historischem Boden, sie stehen in der letzten noch erhaltenen Halle aus den Tagen des Altmeisters. Hier hat Puch persönlich gewirkt. 

Johann Baptist Josef Fabian Sebastian, Erzherzog Johann von Österreich, hatte sich über weite Bereiche seines Lebens der Verbesserung der Landwirtschaft, dem Bildungswesen, der Eisenbahn und der aufkommenden Industrie gewidmet. Das von ihm initiierte und nach ihm benannte Joanneum in Graz gilt als ein Vorläufer der Technischen Universität und war einst angelegt, verfügbares Wissen zu bündeln, der steirischen Wirtschaft verfügbar zu machen. Johann Puch stammt aus ärmlichen Verhältnissen der agrari-

Das wohl populärste Puch-Portrait befindet sich in einer Werkspublikation des Jahres 1949 und stammt von Karl Schwetz (Quelle: Archiv Johann Puch-Museum)

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KoNZERT DER KONZERNE Puch  Steyr-Daimler-Puch  MAGNA STEYR

Über 100 Jahre glanzvolle Entwicklung des österreichischen Fahrzeug- und Automobilbaues dokumentiert im Grazer Johann Puch Museum. Von Peter Piffl-Percevic Der Standort Graz von MAGNA STEYR repräsentiert modernsten Automobil- und Fahrzeugbau. Die solide Basis dafür ist die mehr als herzeigbare ganz außerordentliche über 100-jährige österreichische und auch altösterreichische Maschinenbau- und Handwerkstradition gerade im Fahrzeugbau. Heute lassen so gut wie alle weltweit namhaften Automobilkonzerne in Graz Fahrzeuge und Antriebsaggregate entwickeln und fertigen. Die auch im Motorsport sowie im Allradbereich so legendären Puch oder Steyr-Puch-Fahrzeuge als Eigenmarke gibt es ja leider seit 1999 nicht mehr. Seit damals ist der Puch G nur mehr als Mercedes G erhältlich. Diese Geländewagen-Ikone wird übrigens seit 1979 also seit demnächst 35 Jahren mit einer Stückzahl von bisher über 240.000 Fahrzeugen erfolgreich in Graz-Thondorf gebaut. Für 2012 ist sogar ein neuer Produktionsrekord zu vermelden: 9.000 Stück! Die Fertigung wurde gerade erst modernisiert und erweitert und gilt zumindest bis 2019 als gut abgesichert. Eine neuerliche Produktionssteigerung für 2013 zeichnet sich ab. Welche automobilen Gene stecken nun wirklich in den Fahrzeugen aus Graz? Diese Frage ist leicht beantwortet. Die Namen der Firmen, die allesamt zunächst in der von Johann Puch 1899 noch als Fahrradfabrik gegründeten Aktiengesellschaft aufgingen, sind im Firmennamen „Steyr-Daimler-Puch“ der Reihe nach aufgefädelt indem jeweils der Name der neu hinzugekommenen Firma vorangestellt wurde. Durch die Fusion mit Austro Daimler in Wiener Neustadt im Jahr 1928 war der Firmenwortlaut Austro Daimler-Puchwerke AG entstanden. 1934 fusionierte diese Firma mit der Steyr-Werke AG zur Steyr-Daimler-Puch Aktiengesellschaft. Und bekanntlich 2001, also 67 Jahre später, ging diese Firma über in die heutige MAGNA STEYR. Das Einser-Werk im Jahr 1916

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Austro Daimler in Wr. Neustadt Austro Daimler ist untrennbar mit den Automobilpionieren schlechthin Gottfried und Paul Daimler und dem Altösterreicher Ferdinand Porsche, später Prof. DDr. Ferdinand Porsche, verbunden. Porsche siegte nicht nur als Fahrer des von ihm konstruierten Autos zusammen mit zwei weiteren Austro Daimler-Fahrzeugen bei der legendären Prinz-Heinrich-Fahrt 1910, sondern war über 17 Jahre von 1906 bis 1923 Chefkonstrukteur und ab 1917 auch Generaldirektor in Wiener Neustadt. 1929/30 bekleidete er dann bei Steyr die Funktion des technischen Direktors unmittelbar bevor er in Stuttgart sein eigenes Konstruktionsbüro eröffnet hatte. Steyr-Werke Die 1934 fusionierten Steyr-Werke hatten sich bis 1916 abgesehen vom Waffenrad und von Flugmotoren überhaupt nicht mit Fahrzeugen bzw. mit dem Automobilbau befasst. Die vorausblickende Entscheidung lag 1917 darin, dass ein außerordentlicher österreichischer Fahrzeugpionier von den Nesselsdorfer Automobilwerken (ab 1923 Tatra-Werke) in Ostmähren an die Ennsstadt Steyr engagiert werden konnte: Der aus Klosterneuburg stammende Hans Ledwinka. Dort blieb er bis 1921, während dieser Zeit wurde ihm auch der Titel Ingenieur zuerkannt. Ledwinka war es, der in diesen vier Jahren erstmals das Automobil und die Fahrzeugproduktion mit großartigen Konstruktionen in Steyr heimisch machte. Bis dahin war Steyr bekannt für seine Waffenproduktion, die Leopold Werndl dort bereits 1821 begonnen hatte. Zurück in Nesselsdorf gelang Hans Ledwinka 1923 der erste erfolgreiche Einsatz des luftgekühlten zwei- und später vierzylindrigen (Viertakt-) Boxermotors in der Serie sowie des Zentralrohrrahmens mit Pendelachsen im Tatra 11. 1944 erhielt er von der Technischen Hochschule in Wien das Ehrendoktorat. Puchstraße: Geniale Familiengene am Konstruktionstisch im Einser-Werk ab 1953 Sein Sohn DI. Erich Ledwinka wurde zum leitenden Konstrukteur des legendären von 1957 bis 1973 in Thondorf produzierten Puch 500. Er brachte ja bekanntlich 1954 den ersten Prototyp, den „U1“, aus seiner bisherigen Wirkungsstätte, dem Werk in Steyr, samt seinem Ingenieursteam in die Puchstraße mit. Hier im Einser-Werk, am damals ausschließlichen Zweiradstandort Graz, wurde in diesem Jahr ganz offiziell die „Gruppe Vierrad“ als Kondstrukteursgruppe gegründet. Als Leiter der Peter Piffl-Percevic, der Autor dieses Beitrages, ist aktiver Versuchsabteilung in Steyr hatte Erich Ledwinka bereits seit 1952 an einem eigenständigen Puch-Pilot mit einem Faible für historische Details. österreichischen PKW-Konzept und dann eben am ersten Prototyp dafür gearbeitet. Schon vor seiner Tätigkeit in Steyr war Erich Ledwinka mit seinem Vater in Nesselsdorf, heute Koprivnice, u.a. maßgeblich an der Entwicklung des richtungsweisenden Stromlinienfahrzeugs Tatra 77 beteiligt gewesen. An der damals noch Technischen Hochschule Graz erfolgte 1974 seine Dissertation zum Doktor der technischen Wissenschaften über das Thema Geländefahrzeuge. 1986 wurde er vom Herrn Bundespräsidenten zum Professor ernannt.

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Weltweiter Siegeszug der Allradtechnik aus Graz Der Haflinger (in Produktion von 1959 bis 1974) und der Pinzgauer (von 1971 an in Thondorf und zuletzt in Graz bis Mai 2000 in der Puchstraße in der Halle „P“ des heutigen Museums produziert) sind ebenfalls Konstruktionen von Erich Ledwinka ganz nach dem Vorbild der technischen Meisterleistungen seines Vaters Hans. Das „P“ steht seit damals für die letzte Fertigungstätigkeit in dieser Halle, den Turbodiesel-Pinzgauer 716 und 718. Auch am Puch/Mercedes G wirkte er noch konstruktiv mit. [...]  Das ist ein Textauszug! Den kompletten Text von Peter Piffl-Percevic und das Museums-Exposé finden Sie auf unserer Website: www.johannpuchmuseum.at

Fragen Sie an der Kasse nach den Sammelstücken!

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„14/38 Puch-Landaulet-Limusine“ (1916)


ORTE UND HALLEN STATIONEN EINER IDEE

Ein Pavillon war der erste feste Rahmen für das, was heute als Johann Puch Museum Graz besteht. Der vielversprechende erste Schritt Richtung des gegenwärtigen Standortes, seinerseits schon geschichtlicher Boden der jüngeren Zeit. Es handelte sich um den ehemaligen VerkaufsPavillon von Lancia-Fiat der Steyr-DaimlerPuch AG. Das ganze Vorhaben basierte auf der Idee von 2002, im Zusammenspiel der Grazer Stadtbezirke Liebenau und Puntigam eine Bezirksaustellung zu realisieren, die zu einem Johann Puch-Museum führen sollte. Am 22. April 2003 konnte im genannten Pavillon eröffnet werden. Es war das Jahr, da sich Graz als „Kulturhauptstadt Europas“ um internationales Augenmerk bemühte. Auch der nächste Entwicklungsschritt erfolgte noch in privater Initiative des Trägervereins. Die Anmietung der Halle C des einstigen Einser-

Werkes von Johann Puch. So konnte der Bestand an eigenen Exponaten und Leihgaben auf einer größere Fläche präsentiert werden, blieb aber nach wie vor in unsicheren Verhältnissen. Immerhin war diese Praxisphase geeignet, eine zunehmende Beachtung des Themas zu erreichen. Es ging darum, daß die Landeshauptstadt der Steiermark diesen bedeutenden Teil ihrer Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis dahin nirgends adäquat überschaubar gemacht hatte. Im Dezember 2006 befaßte sich dann sogar der Landtag mit der Frage einer Standortsicherung des Museums. Es bestand der Wunsch, von der Halle C in die bedeutendste noch erhaltene Halle zu übersiedeln. Hans Jörg Borstnar hatte für seine Diplomarbeit von 1985 die Lage erhoben. Darin ist der heutige Museums-Standort als Halle P ausgewiesen und liegt in Sichtweite der Halle C. Dazwischen bestand früher die Halle A („Alte Repa“), von der nichts geblieben ist. Das ist in Summe der Komplex westlich des Mühlgangs, einem Flüßchen, von dem das Gelände heute noch durchzogen wird. Ende 2011 waren endlich die Grundlagen gesichert, um in die Halle P zu übersiedeln, in welcher Altmeister Johann Puch noch selbst anwesend und tätig gewesen war.

Halle P und Halle C bestehen noch, Halle A ist Geschichte. (Basierend auf einer Skizze von Hans Jörg Borstnar)

Durch Übereinkünfte mit der Stadt Graz und Sponsor MAGNA wurde dieser Weg geebnet. Im Jänner 2012 blieben dann vierzehn Tage für den Umzug, im Sommer danach wurde neu eröffnet. 

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ZUM EINSTAND LIebe freundinnen und freunde des themas Puch!

Sie haben in einigen Tagen die erste Ausgabe der „Puch Museums-Revue“ vor sich. Dazu gibt es eine lebhafte Vorgeschichte. Als Graz 2003 „Kulturhauptstadt Europas“ war, und Lebensalltag. luden „Siebzehn Grazer Kulturbezirke“ die Bür- Diese Ausstellung blieb über die Dauer des Kulgerinnen und Bürger aus allen Teilen der Bevöl- turhauptstadt-Jahres hinaus bestehen. Im Sinne kerung ein, aktiv mit Projekten in der eigenen der Idee: Kreativität und Realisierbarkeit. Vor und konkreten Alltagswelt am Kulturhauptstadt- allem aber auch in Hinblick auf die ProjektphiloJahr mitzuwirken. Kultur ist immer auch die Ge- sophie: qualitativ hochwertig. staltung der alltäglichen Lebenswelt. Es ging uns um die Schaffung neuer PerspekSie benötigt das Tätigwerden aller Beteiligten. tiven hin zur Alltagskultur, um die Aufbereitung 187 kreative Ideen wurden eingereicht. Eine lokaler Identität, um eine inhaltlich substantielle Auswahl aus dieser Fülle konnte vor Ort ver- Darstellung, die Eröffnung neuer Sichtweisen. wirklicht werden. So kam es zu einem Projekt Zehn Jahre sind seither vergangen. Als einziges der Grazer Stadtbezirke VII Liebenau (Werk Projekt der „Grazer Kulturbezirke“ überlebte das Johann Puch Museum Graz. Thondorf) und XVII Puntigam (Einser-Werk). Das Puch-Museum war geboren Jahre der Entbehrung und schwierige Zeiten lieDas Puch-Werk prägt seit Generationen die Ar- gen hinter uns. Erst im Jahr 2011 gelang uns beitswelt vieler Familien in Graz. Im ehemaligen der lang ersehnte Weg in die „Halle P“. Sie wur„Einser-Werk“ in der Puchstrasse werden heute de 1908 noch unter der Leitung von JOHANN die soziokulturelle und die technische Entwick- PUCH erbaut. lung des Traditionsbetriebes dargestellt. Die STADT GRAZ und MAGNA STEYR sichern Die Ausstellung veranschaulicht das Erinnern vertraglich den Weiterbestand des Museums in der „Puchianer“ und illustriert deren Arbeits- der denkmalgeschützen Halle auf dem Gelände des historischen Werkes in der Puchstrasse in Graz. Dafür möchten wir uns bedanken wie für Ihr anhaltendes Interesse an unserer Arbeit. Karlheinz Rathkolb (Leiter des Museums) P.S.: Vereinsmitglieder erhalten die „Puch MuseumsRevue“ in gedruckter Form zugestellt. Ferner wird sie in elektonischer Form für alle Fans kostenlos im Internet verfügbar sein. 

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30. JUNI 2012 Sommersegen

Pfarrer Wolfgang Pucher hat am 30. Juni 2012 die Segnung des Hauses vorgenommen. Er steht hier auf dem Foto zwischen dem vormaligen MAGNA-Vorstand Gerhard Stiegler (links) und dem Grazer Gemeinderat Peter Piffl-Percevic. Unter den Festgästen befanden sich auch viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Steyr-DaimlertPuch AG. Pucher wuchs im Raum Kirchbach in der Oststeiermark auf und erzählte, wie markant er das Puch-Hochhaus in Liebenau, damals noch mit dem großen Logo auf dem Dach, in Erinnerung habe; „Jedes mal, wenn wir nach Graz gekommen sind…“ Der streitbare Geistliche, in sozialen Fragen stets auf der Seite der Schwachen, bekannte bei dieser Gelegenheit, daß er immer noch ein altes PuchMoped besitzt. Auf dem Rücken all der Fahrzeuge des Steyr-Daimler-Puch-Konzerns hat sich eben über Jahrzehnte halb Österreich bewegt.  Die offizielle Briefmarke der österreichischen Post zeigt den Altmeister in der Blüte seiner Jahre und Schaffenskraft. Im Hintergrund einer der wenigen erhaltenen Steyr-Puch Noriker.

BESONDERE TERMINE Kenner machen Programm

Voriges Jahr war in den Archiven des Museums und auf der neuen Website unter „30. Juni 2012“ zu notieren: Die Wiedereröffnung des Grazer Johann Puch Museums am neuen Standort, der denkmalgeschützten „Halle P“ des vormaligen Einser-Werkes, brachte etliche altgediente Puchianer, Männer wie Frauen, auf dem historischen Terrain zusammen. Davor hatte es schon ein paar „Aufwärmrunden“ gegeben, bei denen sich Enthusiasten anschauen konnten, was der Umzug gebracht hat. Am 23. Juni 2012 waren mit einem Jubiläumstreffen „60 Jahre Puch-Roller“ zu feiern. Dazu gehörte eine feine Schau von Originalfahrzeugen aller Variationen und Farben. Volker Edler und Gernot Heigl präsentierten ihre Neuerscheinung, das Buch „Der Puch Roller macht Geschichte“. Außerdem machte die Crew des noch jungen (Puch-) „CLUB-Magazin“ Station auf dem alten Werksgelände. Am 27. Juni 2012 fand im Museum ein „Sonderpostamt“ statt.

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Es war der offizielle Ersttag und die Präsentation der Sondermarke der Österreichischen Post AG genau am Tag des 150. Geburtstages von Johann Puch.

Da der heutige Standort des Museums mit sehr hohen Fixkosten verbunden ist, hat es nun eine Weile gedauert, um auch ausreichende Zonen der Geselligkeit einrichten zu können.

Samstag, der 30. Juni 2012, ist dann das Datum der offiziellen Neueröffnung gewesen. Dabei fanden Altgediente und Neubegeisterte zusammen.

Inzwischen gibt es einen Konferenzraum mit passabler Grundausstattung und die Küche hat praktische Gestalt angenommen. Eine ausreichende Bestuhlung ermöglicht kleine und mittlere Veranstaltungen in der Halle.

Auf dem Vorplatz versammelten sich Privatfahrzeuge von jungen Leuten und alten Herrschaften. Entsprechend der Werksgeschichte waren Mopeds, Motorräder und Automobile aufgestellt, dazwischen rollten ein paar Fahrräder mit Patina herum. Die Momente der Mobilität wurden durch Erzählungen ergänzt.

Weitere Schritte für geselligere Rahmenbedingungen zur Begegnung sind geplant. Wir befinden uns auf dem Weg zu nächsten besonderen Terminen, bei denen wir Sie vielleicht antreffen werden. 

Der Museums-Betrieb lebt sehr wesentlich von der Leidenschaft privater Liebhaber, die alte Fahrzeuge in Betrieb halten und nicht zu „Stehzeugen“ verkommen lassen; wie auch das 60-jährige Roller-Jubiläum bewiesen hat.

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SAMMELN UND ERINNERN Ein haus der mobilitätsgeschichte

Wie viele interessante Aspekte der Jahrhundertgeschichte dieser Steyr-Daimler-Puch AG hätten wir längst verloren, wären da nicht die Liebhabereien unzähliger inspirierter Menschen, dank derer uns detailreiche Kenntnisse und Informationen erhalten bleiben. Ein altes Foto, ein Fetzen Papier, ein Stück Nip- und zwar längst bevor es den VW „Käfer“ gab. pes, eine Plakette, eine Fahrzeugkomponente Aber dieses Auto war für die breite Bevölkeoder ein ganzes Fahrzeug. rung viel zu teuer, unerschwinglich. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein sind nur die wenigsten All das braucht Aufmerksamkeit und schließlich Automobile auf unseren Straßen in Privatbesitz Hingabe, um als Teil eines großen Bildes beste- gewesen, das meiste davon waren Firmen- und hen zu bleiben. Was nun das Puchwerk betrifft, Behördenfahrzeuge. weilen ja zum Glück noch sehr viele der Leute unter uns, die damals gemacht haben, was Das unterstreicht zweierlei: Erstens wie bedeutend der Grazer Zweiradsektor war, damit die Menschen mehr individuelle Mobilität erlangten, und zweitens wie enorm die Rolle der SteyrDaimler-Puch AG bei der Volksmotorisierung und bei der Mechanisierung der Landwirtschaft gewesen ist.

Am 1. Jänner 1930 warb der Konzern nach seiner Fusonierung für das damals aktuelle Sortiment (Ausschnitt, Quelle: Allgemeine Automobil-Zeitung)

wir heute zeigen können. Was aber von ihrem Wissen, ihren Erfahrungen, nicht aufgezeichnet wurde, bleibt vom Vergessen bedroht.

Das Puchwerk ist eine wesentliche Quelle der Popularität dieses Markenensembles, weil seine enorme Zweiradproduktion schon für Reputation gesorgt hat, als Automobile noch den reichen Leuten vorbehalten waren. Ein kleiner Ausschnitt aus der kontrastreichen Mopedwelt im Museum: Hinter der exquisit restaurierten roten MC 50 das Nachfolgemodell, eine quietschgelbe M50 Cross.

Das Johann Puch-Museum Graz ist so gesehen ein Haus der Mobilitätsgeschichte, denn es geht nicht nur um die Fahrzeuge. Es geht auch um die Zusammenhänge, durch welche sich unser aller Leben so radikal verändern konnte. Bedenken Sie, als das legendäre Steyr „Baby“, der „Typ 50“, ab dem Jahre 1936 auf dem Markt präsent war, ist dieser Klassiker als österreichischer „Volkswagen“ beworben worden;

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Ende der 1920er-Jahre, war Österreich, so André Pfoertner in einem Text über die SteyrDaimler-Puch AG, das einzige Land der Welt, in dem es mehr Motorräder als Autos gab. Das sind Grazer Erzeugnisse gewesen. Im Jahr 1950 kam auf 56 Einwohner ein Motorrad. Bald darauf, 1957, war mit dem „PuchSchammerl“ ein leistbarer Kleinwagen verfügbar, der technisch praktisch alles überflügelte, was zu der Zeit an anderen Winzlingen in den Verkaufsräumen stand. Die Zeit der Rollermobile und Cycle Cars endete, endlich wurden „richtige Autos“ leistbar. 

Das Inserat vom August 1936 zeigt uns den Steyr Typ 50, später „Baby“ genannt. (Quelle: Österreichische Touring-Zeitung)

ERINNERUNGSSTÜCKE suchen und Sammeln

Einige Stücke, die Sie im Museum finden, sind zum Verkauf bereitgelegt. Fan-Artikel. Wir haben diesen Bereich unter das Stichwort „Museums-Shop“ gestellt, denn darunter kann man sich allerhand vorstellen, obwohl wir keinen eigenen Laden betreiben, sondern Ihnen im Eingangsbereich zeigen, was wir gerade haben. Auto-Miniaturen in 1:43 und 1:87. Bildpostkarten, Bücher und Broschüren zum Thema des Hauses. Oder unsere neue Blechtafel-Edition, drei attraktive PuchMotive, von uns exklusiv in Auftrag gegeben.

Die „Stangl-Puch“ als Miniatur in 1:10

In diesem Sortiment gibt es Langzeit-Standards und zeitlich limitierte Angebote. Anders gesagt, viele der Sammelstücke wurden in begrenzten Stückzahlen aufgelegt und sind daher nur einige Zeit zum Ursprungspreis erhältlich, dann werden sie selbst zu Antiquitäten, die anderen Preisentwicklungen unterliegen. Informieren Sie sich also im Bedarfsfall via MuseumsWebsite im Internet, was gerade verfügbar ist und was die Stücke kosten: www.johannpuchmuseum.at

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RADIKALE BEWEGUNGSFREIHEIT Einige takte mobilitätsgeschichte

Betrachtet man, was als Erbe des Johann Puch gelten darf, geht es keineswegs bloß um Technologiefragen. Man könnte etwas kühn behaupten, die individuelle Mobilität eines ganzen Volkes, gestützt auf den Besitz von Fahrzeugen, war ein ebenso radikaler sozialer Entwicklungsschritt wie kurz davor die „Untertanenbefreiung“ von 1848, das Ende der „Erbuntertänigkeit“. Das ist zugleich ungefähr Ein altes Stück aus der Sammlung von Max der Zeitrahmen, innerhalb Reder: Das Tretkurbelrad a la Michaux war dessen sich ereignet hat, ein Komfortgewinn, ist aber aus heutiger was wir heute als selbstverSicht recht schwer und wackelig. ständlich kennen. Auf vielen Ebenen fand ein Aufbruch der Menschen statt. Es heißt, daß Pierre Michaux die Idee gehabt habe, ein Laufrad (Draisine) vorne mit einer Kurbel zu versehen, wie man das von Schleifsteinen kannte. Gehen wir doch davon aus, daß viele Menschen an allerhand Orten mit solchen technischen Möglichkeiten

experimentiert haben. Es schafft bloß nicht jeder. in die Geschichtsschreibung zu gelangen. Zu jener Zeit sind überdies Dokumentationen und Datierungen nicht so genau, wie wir das heute schätzen. Die bedeutende Rolle von Vater und Sohn Michaux ist in der Sache unbestritten. Bei der Pariser Weltausstellung von 1867 wurden zwei ihrer neuen Velocipedes gezeigt und erregten großes Aufsehen. Von da führte die Entwicklung zum Hochrad, das teuer und gefährlich war. Mit Hochrad aus der der Idee, die Tretkurbel vom Vorderrad zu tren- Sammlung von Max Reder. nen, wurden neue Konstruktionsweisen möglich. Das führt in die Ära der Niederräder, auch Safeties genannt, also Sicherheitsräder. Wir haben ein frühes Beispiel dafür im Haus. Es hat noch keinen stabilen Diamantrahmen, sondern den etwas labileren Kreuzrahmen. Die Verbindung zwischen Tretkurbel und Hinterrad ist ohne sogenannten Freilauf, was bedeutet,

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daß die Pedale permanent kreisen, wenn das Rad rollt. Dieses Rad aus dem späten 19. Jahrhundert haben uns übrigens junge Menschen der HTBLA Weiz als Maturaarbeit nachgebaut. Ein Glück, weil wir uns ja vor allem von sehr alten Leihgaben immer wieder trennen müssen. So bleibt uns das Kreuzrahmen-Rad als 1:1-Replik auf jeden Fall erhalten. Doch derzeit können Sie noch beide Fahrzeuge bei uns sehen.  Handwerker Franz Tantscher (rechts) nimmt das Kreuzrahmen-Rad in näheren Augenschein. Links der Museumsleiter Karlheinz Rathkolb

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Ein Prachtstück voller interessanter Kleinigkeiten. Technologiegeschichte im Detail: Zu jener Zeit waren Freilaufnaben noch nicht üblich. Die Pedale rotierten mit dem laufenden Hinterrad. So bot dieser Fußraster wenigstens einem Fuß ein Ruhelager und war zugleich Aufstiegshilfe beim Anfahren.


DAS HANDWERK ERHALTEN Man muss den jungen Menschen zeigen wie es geht

Karl Haar ist ein engagierter Ingenieur, der einserseits mit Leidenschaft Automobile aus der Zwischenkriegszeit restauriert, andererseits als Lehrer an der HTBLA Weiz seine Kompetenzen auch weitergibt. So hat er mit seinen Kollegen junge Menschen begleitet, die für uns dieses alte Fahrrad 1:1 nachgebaut haben. Daher können wir zeigen, welcher konstrunktiver Zwischenschritt vom gefährlichen Hochrad zum stabilen Sicherheitsrad mit modernem Diamantrahmen geführt hat. Im Text zu dieser Maturaarbeit wurden die technischen Anforderungen genau beschrieben und der historische Hintergrund ausgeleuchet. So zeigen die Studierenden, was sie in Theorie und Praxis gelernt haben. Es lohnt, sich das Ergebnis im Museum sehr genau anzusehen. Die Details sind beeindruckend.  Von links: Anja Donolo, Alexander Steinbauer und Elisabeth Schreck

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MINIATUREN-MIX Unikate und Massenware

Auf dem großen Foto ganz unten sehen Sie ein Holzmodell aus dem Werk, das den 500er mit dem 700er vergleicht, also Limousine mit Kombi. Solche Modelle, wie auch das vom U3, sind sehr rar. Andere, wie der Postbus ET13, kommen aus aktueller Massenproduktion, aber in limitierter Stückzahl. Und manchmal kupfert sich ein geschickter Bastler seinen Fiat 500 auf einen Puch um. Solche Fiat-Modifikationen gibt es in allen erdenklichen Maßstäben, auch aus Serienproduktion. 

Die „Einheitstype“ von 1913

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Der Prototyp U3

Puchisierter Fiat


DER EINZIGE SEINER ART Haben sie je den puch s gesehen?

Tut mir leid, aber da müssen Sie schon zu uns kommen. Andernorts gibt es keine Chance auf eine Begegnung. In Graz steht der einzige erhaltene Puch Spider. Es ist ein offener Zweisitzer in italienischem Gewand. Die feine Linie aus dem Hause Vignale wirkt heute noch keineswegs veraltet. Das Fahrzeug hatte leider keine Chance, je in Produktion zu gehen und auf den Markt zu kommen. Die ökonomisch erdrückende Konkurrenz kam nicht nur aus Italien und Großbritannien. Denken Sie etwa an die elegante Caravelle/Floride von Renault. 

Im Heck dieses Spider steckt eine Rarität, ein original Vierzylinder Boxer von Puch.

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RÄDER SIND DER ANFANG Davon haben wir reichlich!

Die Puch-Geschichte beginnt mit Fahrrädern. Aus den Praxis dieser Branche bezog die Automobilindustrie wichtige Grundlagen. Johann Puch machte Graz zu einem bedeutenden Ort der Fahrradindustrie. Dieser Zusammenhang ging später um ein Haar verloren, als der Unternehmer und Börsenspekulant Camillo Castiglioni den Standort Graz schließen wollte. Er sandte Giovanni Marcellino als Liquidator. Doch der umtriebige Ingenieur sah in Graz ein großes Potential als Zweirad-Standort. Im Jahr 1987 wurde die Fahrradproduktion in Graz eingestellt. Piaggio übernahm, die Marke Puch blieb auf den Straßen präsent und viele Fans nehmen es den Konzernleuten bis heute übel, daß es so gekommen war. Daran ändert nichts, daß die Fahrradmarke seit 2012 wieder offiziell auf dem Markt ist. 

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DER PUCH LKW Muskelkraft gefordert

In den frühen Jahren hatten PKW und LKW die gleiche Basis, die Chassis erhielten einfach unterschiedliche Aufbauten. Sie ahnen, man mußte Mumm in Armen und Beinen haben, um diese Fuhren sicher zu bewegen. Eines dieser Fahrzeuge aus dem Jahr 1914 können Sie bei uns in Augenschein nehmen. Wenn Sie Glück haben, ist Puch-Pilot Peter Pfill-Percevic grade vor Ort und bietet Ihnen eine profunde Erläuterung des Fahrzeugs. 

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BAU DIR EIN PUCHERL Prächtige FlachWare

Man muß ein wenig Konzentration aufbringen, um den Direktlink einzutippen, findet dort aber zur Belohnung einige feine PDF-Dateien mit Bastelbögen mit Pucherl-Miniaturen zum Selbermachen: www.the-daily-rust.com/kontakt/papercarmodelsbastelboegen/fiatpuchmodels/index.php Runterladen, drucken, ausschneiden, los geht’s, Apropos! Fragen Sie an der Museums-Kasse, dank des Schrauber-Magazins „The Daily Rust“, denn da gibt es gratis einen gelben Haflinger mit langem Radstand zum Verschicken und Ausdas kostenlos im Internet verfügbar ist. schneiden; als Postkarte. Ein klassisches Sollten Sie allerdings am Basteln mit den Gra„Fanzine“, also tisbögen Geschmack gefunden haben, könnten „Fan-Magazin“. Sie ein paar Euro in die Hand nehmen, genauDer Name läßt er neun Euro, um sich im Museum das “Puchden Hang zum Buch“ zu holen. Britischen erahnen, die RostDas ist ein Album in kräftigen Farpflege gilt hauptsächlich dem ben, welches Ihnen eine knapp geMini und Konsorten, was ja auch faßte Geschichte der Steyr-Daimfür Puch-Fans interessant ist. ler-Puch AG bietet. Doch längst widmet man sich in Außerdem eine Serie von neun Basder Rust-Redaktion der Kleinwatelbögen mit den wichtigsten Autos genwelt ganz generell und dabei der Zeit nach dem Zweiten Weltwerden die Pucherln als geselkrieg; inklusive dem orangen Monolige Verwandtschaft laufend beposto, dem ersten Magna Mila. trachtet und gewürdigt.  Wem die Bastelei gar nicht liegt, dem bleiben die Ausschneidebögen als interessante Bilder, aus denen man sich zum Beispiel kuriose Postkarten schneiden kann.

Die Bastelbögen von Michael Toson beinhalten auch den Prototyp Puch U3 (links) und den kompakten Haflinger.

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ANDERE SCHÄTZE Gustostücke der Nachbarschaft Die Jahrhundertgeschichte des Mischkonzerns Steyr-Daimler-Puch ist so komplex, daß kein einzelnes Haus sie umfassend darstellen kann. Wenn Sie sich ein wenig umsehen, finden Sie Anlässe zu vergnüglichen Ausfahrten an sehr unterschiedliche Orte, wo sich Fahrzeuge befinden, über welche die Geschichte Schritt für Schritt überschaubar wird. So lohnt sich ein Besuch des Feuerwehrmuseums im weststeirischen Groß St. Florian auf mehrfache Art. Neben einem amtlichen Steyr 380 und einer ebenso feuerroten Puch 250 SG können Sie dort eine besondere Rarität sehen, einen Austro Daimler mit Sonderaufbau. Wer sich für Mobilitätsgeschichte interessiert, wird auch die exquisiten Fuhrwerke mögen, die zur Brandbekämpfung eingesetzt wurden, bevor Automobile allgemein verfügbar waren. Zusätzich bietet das Feuerwehrmuseum stets Kunstausstellungen, die den Besuch zusätzlich lohnen.

Sehenswertes Exemplar: Ein stattlicher Steyr 380 im Feuerwehrmusuem von Groß St. Florian.

Imposante Fahrzeuge, in denen noch sehr viel Holz verbaut wurde, bilden den historischen Kern der Sammlung. Sie teilten sich unsere Straßen mit Fuhrwerken und Fahrrädern längst ehe es Automobile gab, die durch Graz fuhren. Die Exponate stellen mehr als hundert Jahre dieser Geschichte dar und sind zum Teil handwerkliche Glanzstücke. Details: www.tramway-museum-graz.at Links oben ein Austro-Daimler mit Sonderaufbau in Groß St. Florian. Unten ein Blick in die Haupthalle des Tramway-Museums in Graz.

Details: www.feuerwehrmuseum.at Wir waren 2012 zu Gast bei Kollegen, die ein sehr spezielles Themenfeld pflegen. Pferdekraft und Elektrizität sind ja – neben Dampf – die wichtigsten Triebkräfte der frühen Geschichte von Massenmobilität. Die Museumsremise des Tramway Museum Graz sollte auf Ihrer Liste keinesfalls fehlen.

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GENERALRESTAURATION ich und meine Puch Frigerio F4T 504

Ich bin kein besonderer Fachmann was das Restaurieren von Motorrädern betrifft. So wird sich der Leser des Öfteren über eine eigenartig komplizierte Vorgangsweise meiner Arbeitsschritte wundern. Auch fahre ich mit dem Rest der fachmännischen Restaurierungswelt in Bezug auf die Detailoriginalität nicht auf der gleichen Schiene. Von Nikolaus Tschubi Ich neige sehr stark dazu, ein aufzuarbeitendes Motorrad in den nach den gebotenen Möglichkeiten schönsten Zustand zu versetzen, der machbar ist. Dies führt dann immer zur totalen „Überrestauration“. Aber ich bin halt der Meinung, dass das Ergebnis einer Restauration nicht nach ungeschriebenen Gesetzen erfolgen soll, sondern dass jeder Motorradbesitzer das aus seinem Motorrad machen soll, was ihm persönlich am besten gefällt. Ich hielt im Jahr 1988 erstmals das allseits begehrte „PUCH-Buch“ von Ing. F. Ehn in der Hand und studierte dieses von vorne bis hinten. Schon immer verspürte ich eine starke Neigung zu den geländegängigen Motorrad-Typen. Als ich dann das Foto der Frigerio 4-Takter erblickte und erfuhr, dass dieses Motorrad so gut wie das letzte seiner Art war, das noch vom damaligen Puch-Werk in Österreich verkauft wurde, wusste ich: Dieses Motorrad möchte ich unbedingt haben. So machte ich mich in der damaligen noch nicht digitalen Gebrauchtwaren-Plattform „Fundgrube“ auf die Suche nach der F4T. Leider vergeblich. Auch Such-Inserate meinerseits blieben ohne Erfolg. Der Zufall wollte es, dass ich im Zuge einer Autofahrt durch Graz plötzlich im Bereich Wetzelsdorf ein Motorrad unter einem Schuppen-Vordach lehnen sah, welches in mir sofort den Verdacht erweckte, dass es sich um mein begehrtes Stück handeln könnte. Ich hielt sofort an, stieg aus meinem Pkw aus und näherte mich

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dem Grundstückszaun. Von dort aus stellte ich bereits fest: „Sie ist es!“ Da am Motorrad kein Kennzeichen montiert war, hegte ich die Hoffnung, dass es sich um ein verkäufliches Objekt handeln könnte. Ich klingelte. Ein älterer Mann kam aus dem Haus. Diesem teilte ich meine Hoffnungen mit und er gab an, dass es sich bei der Frigerio nicht um sein Eigentum handelt, sondern er dem Besitzer lediglich die Möglichkeit geboten hat, das Motorrad einzustellen. Er


gab mir die Telefonnummer des Besitzers und ich nahm mit diesem Kontakt auf. Er war zum Verkauf des Motorrades gleich positiv gesinnt. So vereinbarten wir einen Zeitpunkt, zu dem wir uns beim Motorrad trafen und ich das Objekt meiner Begierde aus der Nähe begutachten konnte. Es bestätigte sich, dass es die gesuchte F4T war. Auch war der Typenschein (Einzelgenehmigungsbescheid) vorhanden. So weit, so gut. Das Motorrad ließ sich sogar starten und ich führte illegaler Weise gleich eine kurze Probefahrt ohne Kennzeichentafel durch. Es funktionierte offenbar alles so einigermaßen. Doch der Allgemeinzustand war nach näherer Betrachtung wohl eher dürftig. Der (Noch-)Besitzer rechtfertigte das damit, dass er mit der F4T nur mehr im Gelände „herumgehobelt“ sei und der Pflege des Gefährtes keine Bedeutung mehr beimaß. Aber trotzdem: Ich musste sie haben. Wir feilschten einige Zeit am Preis herum und wurden uns dann einig. Ich konnte das Motorrad mit einer geborgten blauen Kennzeichentafel zu mir nach Hause bringen. Ich führte erst einmal eine Generalreinigung durch, wechselte Motor-Getriebeöl, ersetzte die nicht mehr funktionierenden Glühlampen und brachte danach das Motorrad zu einer damals noch in Betrieb befindlichen Motorrad-Werkstätte, welche von einem mir schon lange bekannten Meister im Raum Hausmannstätten betrieben wurde. Dieser hatte schon jahrelang einen Bezug zu Geländemotorrädern und den Marken PUCH und KTM. Es galt das Motorrad „pickerltauglich“ zu machen.

metechnischen Verzug ausgesetzt und das Hinterrad lief nicht senkrecht, sondern in Schräglage. Aber der Fachmann meinte, ein Fahren ist dennoch möglich. Der Umstand sollte aber irgendwann beseitigt werden. Naja. Außerdem würde der Motor übermäßig Öl verbrauchen. Er raucht wie ein 2-Takter. Aber abermals: Ein Fahren ist trotzdem möglich (…). Danach ging’s zur Zulassungsbehörde und ich erhielt die Kennzeichentafel. Montiert, losgefahren, stolz gewesen, Freude gehabt. Bemerkenswert ist, dass ich mich in der „Fundgrube“ auf die Suche nach einer neuen bzw. intakten Hinterradschwinge machte und ich gleich am ersten Tag nach Erscheinen des Such-Inserates erfolgreich war. Telefonisch meldete sich ein äußerst netter Mann, der, wie sich herausstellte, in der damaligen PUCH-Werkssportabteilung eine ganz wichtige Größe war. Dieser hatte zufällig eine funkelnagelneue Schwinge zu Hause. Ich war überglücklich. Die Schwinge habe ich dann gleich getauscht und mich über den wiederhergestellten Geradestand des Hinterrades gefreut. Nach einigen Ausfahrten stellte ich immer fest, dass meine gesamte Kleidung wie ein Ölbrenner roch. [...] 

Das ist ein Textauszug! Den kompletten Text von Nikolaus Tschubi finden Sie auf unserer Website:

Jetzt kamen die ersten schockartigen Ansagen des Meisters: Die Hinterradschwinge war gebrochen und wurde unfachmännisch repariert. Deshalb war sie einem wär-

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Puch Museums-Revue Heft #1