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naue Haltung zu kriegen. Ich kann zumindest verstehen, dass die Kinder der Opfer nach Klarheit suchen. Ich bin nicht stumpf genug, um eine Partei zu ergreifen und zu sagen, da bin ich jetzt und die anderen haben nichts zu sagen. Welchen Bezug hast du zu Salzburg? Ich habe ein paar große Tourabende erlebt in der alten Arge. Ich erinnere mich an den letzten großen Abend im großen Haus, da waren so 240 Leute, die Stimmung war so wahnsinnig aggressiv positiv drückend, und das war so ein Moment, den ich nicht vergessen werd‘. Vor allem bin ich im Vorfeld gewarnt worden „Salzburg ist so rechts und so spießig, da geht nichts“. Wenn dann ein Abend so toll ist, dann bleibt das hängen, weil man es nicht erwartet hat. Würdest du auch bei den Salzburger Festspielen auftreten oder ist da für dich eine Grenze erreicht? Mein sehr guter Jugendfreund Daniel Richter hat mehrfach für die Festspiele gearbeitet. Da war ich schon erstaunt, wie weit man gehen kann. Bei mir hat sich die Frage noch nie gestellt, wenn das passieren würde, dann würde ich da nur unter meinen Bedingungen mitmachen. Was wären das für Bedingungen? Dass ich auf der Bühne veranstalten kann, was ich will. Wenn man mir die Möglichkeit gibt, dann kann man ja auch im System mit dem System oder gegen das System arbeiten, das kann auch interessant sein. Ich mach auch am Schauspielhaus Hamburg Theater und es gibt ‘ne ganze Menge an Leuten, die sagen, das würden sie nie im Leben

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machen. Mit zwanzig hätte ich das wahrscheinlich auch gesagt, aber jetzt ist es für mich anders, weil ich die Regeln bestimmen kann. Du schreibst, machst Theater, Musik, was kannst du eigentlich am besten? Am meisten genieße ich die Arbeit mit Gruppen. Mit ‘ner Musikgruppe bringt das schon Spaß, aber eine Theatergruppe ist weitaus mannigfaltiger in ihren Ausdrucksmöglichkeiten. Da hast du mit Musikern, Schauspielern, Bühnenbildern usw. zu tun. Man überlegt „Geht das, können wir das machen, wie könnt ihr das spielen?“, und dann zeigen die Leute, wie sie es mit ihren Ideen viel besser machen können als ich mit meinen, und ich kann mitschwimmen und Fan sein von dem, was wir da gerade machen. Ich denk‘, wenn man Kunst machen will, gibt es nichts Besseres, als in so einen Austausch zu treten und so viel geschenkt zu bekommen. Mit welchen KünstlerInnen würdest du gerne zusammenarbeiten? Wen ich sehr, sehr verehre, das ist Hader. Ich find den den Besten im deutschsprachigen Raum. In „Hader muss weg“ hab‘ ich ihn das erste Mal in Berlin live gesehen und saß da eineinhalb Stunden mit offenem Mund, weil ich es nicht gerafft hab‘, wie das Tempo da abgefahren hat. Was ist für dich der Unterschied zwischen ÖsterreicherInnen und Deutschen? Das ist echt schwer zu sagen, weil ich dafür die Österreicher nicht gut genug kenn‘. In der Kunst kann ich nur sagen, der Rechtsdrall in den letzten Jahren hat Österreich so wahnsinnig gut getan. Durch Haider

MFK - Magazin für Kultur Ausgabe 03/2011 - Lügen  
MFK - Magazin für Kultur Ausgabe 03/2011 - Lügen  

MFK – Magazin für alternative Freizeitkultur & Kunst widmet sich im DIN-A5-Querformat der lokalen Salzburger Jugendkultur – will aber auch ü...

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