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Fotos (3): Florian Peter Schutz für eine jüdische Touristengruppe im palästinensischen Hebron.

des Grenzwalls, fahren zu den Freitagsdemos, die sich gegen die nun schon über vierzig Jahre andauernde israelische Besatzung der Westbank richten und werfen die gesammelten Infos ins weltweite Netz. Diesmal brauchen sie Internationale, die sie in die South Hebron Hills begleiten, es geht um einen Zwischenfall mit militanten SiedlerInnen. Ein palästinensischer Bauer sei von einem Siedler mit einem Messer in die Brust gestochen worden und das dort stationierte Militär ließ den Tatbestand – wie so oft – unter den Tisch fallen. Mit einem Solidaritätsmarsch soll auf den Fall aufmerksam gemacht werden und gezeigt werden, dass die AktivistInnen Übergriffe von Militär oder SiedlerInnen registrieren und öffentlich kritisieren.

10 | wahrheiten hinter mauern

Von Jerusalem geht’s in drei Kleinbussen los in Richtung Hebron im Süden der Westbank. Wir, eine zum Großteil amerikanische und israelische Gruppe, passieren den ersten Checkpoint (2) bei Bethlehem problemlos. Nach einer Stunde Fahrt gibt uns das Späher-Auto die Info, dass ein flying Checkpoint, der nur für ein paar Stunden oder Tage aufrecht erhalten wird, die Straße blockiert. Eifrig wird überlegt, wie wir den SoldatInnen ausweichen könnten, die wohl kaum Spaß daran hätten, einer vierzigköpfigen AktivistInnengruppe freies Tun zu gewähren. In der Kurve vor den abgestellten Soldaten verlassen wir die Fahrzeuge, umrunden im Gänsemarsch den Checkpoint, stapfen durch Olivenhaine und begrüßen die verwirrten palästinensischen Bauern – den Gesichtern nach ein seltenes Schauspiel. Inzwischen passieren die leeren Busse problemlos den Checkpoint. Als wir ein paar hundert Meter nach dem Checkpoint wieder auf die Straße zurückkehren, nehmen wir wieder Fahrt auf, ziehen vorbei an Schafherden und Wachtürmen, die verloren in der Steppe herumstehen. Am Ziel angekommen, ist es noch eine Stunde Fußmarsch zu dem Hirtendorf auf einem der vielen kahlen Hügel hier in den South Hebron Hills.

Militärisches Sperrgebiet Die Sonne brennt herunter, dank einer frischen Brise wird es aber erträglich. Als die Brise würziger wird, wissen wir, dass wir angekommen sind. In dem kleinen Dorf aus Steinhäusern, Zelten und Schafställen werden wir gebeten, Platz zu nehmen, auf Steinen oder Matratzen, denn hier wird einfach gelebt. Während uns der Bruder des angestochenen Hirten von den Siedlerübergriffen der letz-

MFK - Magazin für Kultur Ausgabe 03/2011 - Lügen  
MFK - Magazin für Kultur Ausgabe 03/2011 - Lügen  

MFK – Magazin für alternative Freizeitkultur & Kunst widmet sich im DIN-A5-Querformat der lokalen Salzburger Jugendkultur – will aber auch ü...

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