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Melodien und Texte, die uns von unserem eigenen kleinen Wunderland träumen lassen.

032 Marketing Digest 67

• Autor: Josefin Link

… direkt ins Herz. Ein einziges Lied, eine einzige Melodie oder eine einzige Strophe scheinen manchmal wie ein Mantra in unserem Leben zu sein. Es sind nicht nur Töne. Es sind nicht nur leere Wörter. Oft sind es Geschichten über das Leben. Sätze, die das Schweigen der Gefühle brechen. Melodien, die uns zum Nachdenken, Freuen, Tanzen und Weinen bringen. Musik spricht oft das aus, was wir nicht in Worte fassen können, vertont menschliche Gefühle, schafft Assoziationen, bringt uns zur Entspannung und dient uns der Zuflucht. Schon Neugeborene reagieren auf rhythmische Veränderungen. Warum ist Musik aber das, was sie ist? Für die Macht der Musik ist unter anderem das Belohnungssystem im Gehirn verantwortlich. Jenes Gehirnareal, das zum Beispiel auch positiv auf Rabattaktionen in einem Supermarkt reagiert und uns zum Kauf anreizt. Werden unsere Erwartungen an eine bekannte oder unbekannte Melodie erfüllt, so wird Dopamin ausgeschüttet. Dies ist ein Glückshormon, dass unter anderem auch bei Suchtmitteln ausgeschüttet wird. Beim Hören vertrauter Musik wird mehr Dopamin freigesetzt. Uns bekannte Klänge aktivieren also das Belohnungssystem stärker.

gige Hits komponieren. Sie haben aber nie eine Ohrwurmgarantie. Und dennoch wissen so manche Unternehmen sehr gut, wie das Ohrwurm-Phänomen und eingängige Melodien für die Werbung oder den Verkauf eingesetzt werden können. Beispiele dafür sind in etwa das Soundlogo der Telekom oder das »yippijajayippiyippiyeah« der Baumarktkette Hornbach. Wie das Logo einer Brand selbst oder die Farben tragen auch wenige Töne als ein akustisches Markenzeichen zu einer ganzheitlichen Markenassoziation bei. Welche schließlich die Produktwahrnehmung des Kunden verändert. Audiologo oder Jingle bedeutet dabei Einzigartigkeit und Wiedererkennbarkeit. Voraussetzung ist dabei auch in gewisser Weise, dass die Töne zur Marke und Werbung passen. Mit etwas Glück nisten sich dann die Melodie und damit auch die Marke im Kopf der Hörer ein – und das ganz unbewusst. Doch kein nerviger Ohrwurm der Welt wird uns je vom Musikhören abbringen. Gibt es Menschen die keine Musik mögen? Würde mich wundern. Denn ist es nicht schön, wenn der Interpret gerade genau das ausspricht, was wir fühlen und wenn die Melodie uns aus der Seele spricht und der Bass den Takt angibt? Wir kurbeln das Autofenster runter und krächzen uns die Seele aus dem Leib. Während wir singen oder der Musik einfach nur lauschen, vertiefen wir uns entweder in die Musik selbst und blenden unsere Umwelt aus, finden mehr Gefallen an den Melodien als an der Realität um uns herum oder wir verknüpfen die Texte und Melodien mit unseren eignen Gefühlen und fühlen uns in Gedanken versunken vielleicht doch wieder der Realität sehr nahe. Wenn die Lieder nur einfach unsere Lebensfreude wiederspiegeln, ist der Text oft nebensächlich. Es ist unvermeidlich, dass man, wenn man sich die Songtexte so mancher erfolgreichen Singles anschaut, den Verdacht der menschlichen Primitivität entwickelt. Oft, wenn wir laut mitsingen, ist es nur gut, dass niemand die englischen Texte intuitiv übersetzt. So sangen wir 2013 von unseren Erfahrungen mit einem Secondhand-Laden (Thrift shop), schreien in die Welt, dass wir wie wir sein werden wollten, wenn wir jemand anderes wären (Me too) und rennen bei jeder Party atemlos durch die Nacht. Ob sinnlos oder nicht, es sind oft trotzdem partytaugliche Songs. Egal welche Musikrichtung, egal wie sinnvoll der Text und wie schön die Melodie, sollten wir der Musik doch einfach dafür dankbar sein, dass sie immer für uns da ist. Dank ihr fi nden Lebensfreude, Glück, Hass, Herzschmerz, Hoffnung, Trauer und Liebe Ausdruck. Lieder und Künstler werden zu Symbolen einer ganzen Generation. Haben sich unsterblich gemacht. Erst durch die Technik der Tonaufzeichnung entstand aus der Musik, die davor nur für einen Moment des Spielens existierte, ein Produkt für den Massenmarkt. Ein Produkt, das heute noch mehr als je zuvor fast jederzeit und überall verfügbar ist.

033 Weitblick

Musik aus den Boxen …

Auf welche Musik man reagiert ist von Mensch zu Mensch und von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedlich. Egal bei welchen Menschen, vermag Musik uns an Gefühle zu erinnern und emotional anzustecken. Deshalb wird Musik meist auch auf Verkaufsflächen genutzt, um eine Atmosphäre zu schaffen, die sowohl Stimmung als auch das Kaufverhalten des Kunden beeinflusst. Da in der weiten Vergangenheit ein Überleben der Menschen nur innerhalb einer Gruppe möglich war, bedienten sich die Menschen schon vor 2 Millionen Jahren dem Tanzen beziehungsweise dem Rhythmus, um den Zusammenhalt und die Erkennung zu unterstützen. Denn aus gemeinsamen rhythmischen »Tanzen« entstand und entsteht auch heute noch ein Gemeinschaftsgefühl. Nach Forscheraussagen war Musik eine frühste Form der menschlichen Kommunikation. Damit liegt die fundamentale Ursache von unseren Reaktionen auf rhythmischen Klängen in unseren Genen. Wenn uns Musik nicht immer und alle zum Tanzen bringt, hinterlässt sie dennoch oft eine Melodie in unserem Kopf. »Und immer wieder … sind es dieselben Lieder …«, die sich als Ohrwürmer einschleichen. Ich denke da an »Tage wie diese«, »Last Christmas« oder die Tetris-Melodie. Woher kommen diese manchmal ganz schön nervigen Melodien? Im sogenannten auditorischen Cortex wird in unserem Gehirn alles Akustische verarbeitet. Dieser Bereich im Gehirn ist damit auch der Ursprung von Ohrwürmern. Also von Melodien, die sich über eine kürzer oder längere Zeit immer wieder in unserem Gehirn abspielen. Dies könne Forschern zufolge, ein Resultat akustischer Ruhezeiten sein. Das heißt, eine Art akustische Überbrückung, wenn keine maßgeblichen Geräusche um uns herum sind oder wir uns langweilen. Diese Annahme entstand, da festgestellt werden konnte, dass wenn eine Melodie (etwa durch das Abschalten eines Radios) abbricht, dass Gehirn die Melodie weiter abspielt. Singen wir innerlich mit, fällt dem Ohrwurm der Weg in unseren Kopf natürlich noch viel einfacher. Die Fortführung der Melodien ohne direktes Hören der Melodie ist möglich, wenn wir eine emotionale Verbindung zu einem Song haben oder wenn wir die Melodie gut kennen. Damit haben Lieder mit vielen Wiederholungen, bekannten Klängen, eingängigen Melodien und Refrains ein hohes Potential, sich für kurze Zeit in unser Gehirn einzunisten. Ein Vorgang, der meist ganz unbewusst geschieht. Doch ist nach dem Abschalten der vertrauten oder eingängigen Musik die Melodie und vor allem der Text hängen geblieben, so bleibt sie uns manchmal länger im Kopf als uns lieb ist. Und oft ist es nur der Refrain aus wenigen Wörtern, den wir in Dauerschleife abspielen. Die Dauer der akustischen Endlosschleife ist von Lied zu Lied und je nach Mensch unterschiedlich. Unterbrochen werden kann sie, durch die bewusste Konzentration auf eine Aufgabe, die eine stärkere Aufmerksamkeit fordert. Musikproduzenten können natürlich besonders eingän-

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Marketing Digest #67  

Die Zeitschrift der studentischen Werbeagentur "Werbeliebe e.V" an der Hochschule Pforzheim.

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