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Johann Nesweda


Impressum Diese Publikation für junge Leserinnen und Leser erscheint anlässlich der Ausstellung „Kiesel & Klunker – Vielfalt aus Niederösterreichs Boden“ (18.3.2012 – 17.3.2013) Ausstellungsveranstalter: Niederösterreichische Museum Betriebs GmbH Direktion: Carl Aigner, Erich Steiner Geschäftsführung: Brigitte Schlögl, Peter Weiss Kuratoren: Andreas Thinschmidt, Erich Steiner Autor: Johann Nesweda unter redaktioneller Mitarbeit von Johannes Kritzl Illustration Maskottchen „Gustl Schürfer“: Hanno Baschnegger Grafische Gestaltung: schultz+schultz-Mediengestaltung, 1040 Wien Druck: Druckerei Janetschek GmbH, 3680 Heidenreichstein Medieninhaber: Niederösterreichische Museum Betriebs GmbH, 3100 St. Pölten www.landesmuseum.net © für den Textbeitrag: beim Autor © für die Broschüre: beim Medieninhaber © für die Fotografien: Aboutpixel.de:Kleinschmidt (S. 46), Erhard (S. 46), Fossilienwelt Weinviertel (S. 31), Gamerith (S. 41), Geozentrum der Universität Wien (S. 20), Gießwein (S. 11, 16, 23, 40), Ingenieurbüro Fitz (S. 42), Löffler (S. 10), Müller (S. 21), Naturhistorisches Museum Wien (S. 33), Nesweda (S. 29, 30, 39), Weingartner (S. 3), Wikimedia Commons (S. 10, 11, 15, 17, 18, 19, 20, 21, 27, 28, 30, 34, 35, 36, 37, 38, 46, 47), photos.com. Alle Rechte, auch das des auszugsweisen Abdrucks und das der Reproduktion einer Abbildung, sind vorbehalten. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen, Übersetzungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme.


Hallo, liebe Leute! Mein Name ist Gustav Schürfer, aber nennt mich ruhig Gustl! Ich bin ein richtiger Maulwurf und wohne im Boden einer recht hübschen Wiese. Irgendwie habe ich wieder mal Lust auf ein richtiges Abenteuer! Wollt ihr mich auf einer Schatzsuche durch Niederösterreich begleiten? Ich könnte ein paar gute Augen gebrauchen, meine sind nämlich nicht so gut, müsst ihr wissen… Aber meine Nase wird uns sicher durchs Erdreich führen, das steckt nämlich voller Geheimnisse. Schwierige Wörter, die du vielleicht nicht verstehst, findest du im Heft ganz hinten im Glossar.

Also dann „Glück auf“ und haltet die Augen offen!


SOILart:

Malen

mit den Farben der Erde

Infos unter:

Die Arbeit mit den Farben der Erde zeigt auf künstlerische Art und Weise den bewussten, verantwortungsvollen Umgang mit dem Boden. Nach den vorliegenden Erkenntnissen hat die Anwendung der Erdfarben ihren Ursprung zu Beginn der jungen Altsteinzeit (Jungpaläolithikum, 40.000 bis 8.000 Jahre v. Chr.) in Südfrankreich und Nordspanien. In den Höhlen verborgen sind die Werke der Steinzeitmenschen jahrtausendelang erhalten geblieben.

www.soilart.eu Inserat

Die Website www.soilart.eu bietet künstlerischen Aktivitäten, die den Boden und seine vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten zum Inhalt haben, eine Plattform.

Seit Herbst 2007 haben bereits mehr als 25.000 Kinder und Jugendliche an dem von der Abteilung Landentwicklung initiierten Projekt „Malen mit den Farben der Erde“ teilgenommen.

Mach mit! Im Rahmen der NÖ Bodenschutzkampagne und der SONDAR (Soil Strategy Network in the Danube Region) Projekte gibt es laufend Kreativwettbewerbe, für welche den Teilnehmern der exklusive Malkasten „Mit den Farben der Erde“ - von einem Sozialbetrieb aus österreichischem Pappelholz hergestellt - zur Verfügung gestellt wird.


Liebe Kinder und Jugendliche! Niederösterreichs Boden ist ein Wunder an Leben und Vielfalt Niederösterreich ist „steinreich“! Unter unseren Füssen sind eine Menge Schätze verborgen: In der Erde schlummern Bodenschätze, ohne die unser Leben kaum denkbar wäre. Doch unsere Erde bietet noch viel mehr: In einer Hand voll gesunden Bodens finden sich mehr Lebewesen als es Menschen auf der Erde gibt. Von wegen toter Stein! Steine, Kristalle und Mineralien wachsen auch, allerdings in Tausenden von Jahren. Überreste von Tieren und Pflanzen in Gesteinen berichten vom Leben auf unserer Erde vor Millionen von Jahren. Sowohl Steine und Mineralien als auch der Boden, auf dem wir stehen, können eine ganz lange Geschichte erzählen. Sinnvoll nützen – sorgsam schützen Unser Boden liefert mehr als 90% der menschlichen Nahrung. Man kann den Boden nicht beliebig vermehren, deshalb müssen wir besonders gut auf ihn aufpassen! Mit der Aktion „unser Boden“ versucht das Land Niederösterreich bewusst zu machen, dass wir unsere wertvolle Erde achten und schützen sollen. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Entdecken und Erforschen unseres lebendigen Bodens bei dieser Ausstellung!

Euer Umwelt-Landesrat

Dr. Stephan Pernkopf


i nhalt Einleitung 6 Geologie - die Lehre von der Welt der Gesteine 7 Wollt ihr auch Gesteinsexperten werden? Was ist ein Mineral? Was ist ein Kristall?

8 9 10

Wachsen Kristalle? 11 Hart, härter, am härtesten 12 Kristalle selber züchten! 13 Kristallfarben 15 Diamant 17

Edelsteine - Majestäten unter den Steinen 17 Wie wird aus einem Edelstein ein Klunker? Kristallrätsel

Sagen, Schätze und Legenden

Das Zwergenloch bei Hundsheim

17 19

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Meteorite - Geschoße aus dem All 23 Was ist ein Gestein? Einen Vulkan selber bauen Entstehen und Vergehen Sedimentgestein Kunterbunte Kieselsteine Donaugold Kunterbunte Kieselkäfer Kieseltiere

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Fossilien - Spuren des Lebens Meeresstrand am Alpenrand Perle Sammeln! Die Dinos in Niederösterreich Älter als die Dinosaurier - lebende Fossilien

Fossilien als Brennstoffe

Rabenschwarz wie Kohle Tief unter dem Meer Segen und Fluch des schwarzen Goldes

30 31 31 32 33 34

36 36 37 38

Baustoffe 40 Boden 41

Boden - A B C Malen mit Erdfarben Boden lebt! Bodentiere im Blick Wasserspeicher – Reinigung

42 43 43 44 47

Wortspielerei 48 Lösungen 50 Glossar 51


Einleitung Die Welt der Gesteine, Minerale und Erze ist eine auf den ersten Blick für uns verborgene Welt in den Tiefen der Erde – geheimnisvoll und sagenumwoben. Eine Welt voller Zwerge und Gnome, die im Dunkeln nach kostbaren Edelsteinen und Metallen graben – wie uns von vielen Märchen und Sagen erzählt wird. Dass dies alles auch ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens auf dieser Erde ist, die Grundlage für das Entstehen unserer modernen Zivilisation bildet, wird oft erst auf den zweiten Blick klar. Schaut man auf die kulturelle Entwicklungsgeschichte des Menschen, so ist ein ganzes Zeitalter schon dem Namen nach von den „Steinen“ gezeichnet, die Steinzeit. Schon unsere Vorfahren wussten, dass Stein nicht gleich Stein ist und verwendeten diese auf unterschiedlichste Weise. Vor allem der vielseitige Feuerstein war heiß begehrt. Aus ihm lassen sich rasiermesserscharfe Werkzeuge herstellen. Mit Pyrit aneinander geschlagen, lässt er Funken sprühen um die wichtigste Entdeckung des Menschen, das Feuer, zu erschaffen. Durch die Beherrschung des Feuers begannen die Menschen die Welt zu erobern. Sie entdeckten die Verarbeitung von Erzen und Metallen und begaben sich in den finsteren Bauch der Erde, gruben tiefe Schächte und Stollen, geleitet vom Schein des Feuers, um nach diesen Kostbarkeiten zu suchen. Wie eng unser modernes Leben auf diesem Planeten mit der Welt unter unseren Füßen verbunden ist, versucht diese Ausstellung darzustellen.

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Geologie - die Lehre von der Welt der Gesteine Die Welt ist voller Steine und Mineralien, sie sind faszinierend und es macht Spaß, sich mit ihnen zu beschäftigen. Steine können zwar nicht sprechen, aber man kann aus ihnen viel über die Vergangenheit des Universums und die Entstehung unseres Heimatplaneten, der Erde, erfahren. Geologen lesen in den Gesteinen wie in einem Buch, und was es da zu lesen gibt, könnte nicht spannender sein. Von der Entstehung des Lebens, urzeitlichen Lebewesen, riesigen Dinosauriern, unvorstellbaren Katastrophen, Vulkanausbrüchen, Meteoriteneinschlägen, Eiszeiten, dem Entstehen und Verschwinden von Gebirgen und nicht zuletzt von uns Menschen selbst ist dort zu lesen.

Die Erde ist ein offenes Buch ein richtiger Krim i!

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Wollt ihr auch Gesteinsexperten werden? Mit ein paar Grundbegriffen für das Verständnis dieses Buches, der Erde, und einer kleinen Grundausrüstung könnt auch ihr bald richtige Gesteinsexperten sein.

Euer Geologenrucksack sollte unbedingt Folgendes enthalten: • Einen kleinen Notizblock und Bleistifte, um wichtige Notizen oder Zeichnungen zu machen. • Falls ihr eine Handykamera habt so ist sie sicherlich auch recht nützlich. • Eine Lupe • Eine alte Zeitung: Zum sicheren Transport eurer Funde. • Hammer, Handschuhe, Schutzbrille: Wenn ihr mit dem Hammer einen Stein bearbeitet, dann bitte immer Handschuhe und Schutzbrille verwenden! Splittergefahr!

Sprecht euch bitte immer mit einem Erwachsenen ab, bevor ihr auf eure geologischen „Expeditionen“ aufbrecht. Oder nehmt zu eurem Ausflug einfach eure Eltern mit. Augen auf! Ihr könnt fast überall nach Steinen und Mineralien suchen. Am Ackerrand finden sich oft alte Lesesteinhaufen1 oder an einem Bach werdet ihr bestimmt fündig. Das Betreten von Steinbrüchen und Bergbauanlagen ist generell verboten und lebensgefährlich!!!

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Was ist ein Mineral? Minerale sind sozusagen „rein“, was ihre chemische Zusammensetzung betrifft! Kochsalz zum Beispiel ist eine Verbindung zweier chemischer Elemente, Natrium (Na+) und Chlor (Cl-), ein Chemiker nennt Kochsalz NaCl oder Natriumchlorid.

Mine Stoffe rale nennt man f , die sche u einheitliche este nd ph chem y Eigen schaf sikalische iten be sitzen .

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Was ist ein Kristall? Die meisten Minerale können regelmäßige Formen (=Kristalle) ausbilden, weil sich die kleinsten Bestandteile, die Atome, Ionen oder Moleküle, von selbst in einem regelmäßigen „Gitter“ anordnen.

Ein Kristallgitter von Kochsalz (Chlor, Natrium), Kochsalz-Kristall

Das Kristallgitter bestimmt auch die äußere Form der Kristalle. Bei unserem Beispiel Kochsalz ist die kleinste Struktur ein Würfel, daher sind auch die Salzkristalle meist würfelig. Bei dem in der Ausstellung gezeigten Beispiel Calcit wird die Sache schon etwas schwieriger! Auch wenn sich die einzelnen Calcit-Kristallformen stark voneinander unterscheiden, so gehören sie zum selben Stoff, dem Mineral Calcit.

Calcit

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Wachsen Kristalle? Viele Kristalle benötigen Jahrtausende um zu wachsen und das bei hohem Druck und sehr heißen Temperaturen, wie sie nur im Erdinneren herrschen. Andere wiederum wachsen innerhalb von Wochen, Tagen oder sogar Stunden. Denkt nur an die Wasser-Eiskristalle, die im Winter auf eurem Fenster wachsen. Oder an Schneeflocken … Aber wachsen Kristalle wirklich? Kristalle „wachsen“ nicht in dem Sinn, wie es Pflanzen tun, sie legen nur durch schichtweise Anlagerung von Kristallstruktur an Größe zu. Seht euch den polierten Maissauer Amethysten genauer an! Wie bei den Jahresringen eines Baumes kann man den Zuwachs der Kristalle besonders gut erkennen, weil sie unterschiedlich gefärbt sind:

„Maissauer Bänder-Amethyst“

Die Kristalle die ihr in den Vitrinen seht, können nicht mehr weiter wachsen. Viele der Mineralien bilden nur winzige Kristalle, unter besonders günstigen Bedingungen können sie aber zu riesigen Gebilden heranwachsen.

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Hart, härter, am härtesten Je nachdem wie stabil die Verbindungen zwischen den Bausteinen im Kristallgitter sind, ist die Härte eines Kristalls verschieden. Der Mineraloge Friedrich Mohs (1773–1839) hat eine zehnstufige Skala zusammengestellt, in der die Mineralien nach steigender Härte geordnet sind. Es gilt folgende Grundregel: „Ein Stoff ist härter als ein anderer, wenn er diesen ritzt.“

Um die Härte eines Stoffes zu bestimmen, versucht man ihn der Reihe nach mit den 10 Mineralien der Mohsschen Skala zu ritzen und ordnet ihn dann entsprechend ein.

Schnelltest

Mohssche Skala

absolute Härte

Mineral

Härte 1

0,03

Talk

Härte 2

1,25

Gips

mit Fingernagel ritzbar

Härte 3

4,5

Calcit

mit Kupfer­münze ritzbar

Härte 4

5,0

Fluorit

Härte 5

6,5

Apatit

Härte 6

37

Kalifeldspat

Härte 7

120

Quarz

Härte 8

175

Topas

Härte 9

1 000

Korund

Härte 10

140 000

Diamant

mit Messer ritzbar

Weil ihr wahrscheinlich nicht alle Minerale der Mohs-Skala besitzt, könnt ihr mit anderen Mitteln die Härte ganz grob bestimmen (Siehe Schnelltest in der Tabelle links).

ritzt Fensterglas

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Welche Gemeinsamkeiten haben ein Bleistift (Graphit) und Diamant?

Kristalle selber züchten! Alles was ihr braucht um eure eigenen Kristalle wachsen zu lassen, ist ein Marmeladenglas, ein Bleistift, ein Stück Nähgarn, 1/4 Liter Wasser, ein kleiner Kochtopf, und jede Menge Salz (Kochsalz oder Alaun-Salz aus der Apotheke). Unsere Kochsalz-Kristalle züchten wir in einer übersättigten Lösung, also einem extrem salzigen Wasserbad, das ihr ganz einfach herstellen könnt: • Füllt das Marmeladenglas mit ganz normalem Leitungswasser und gießt es in den Kochtopf. • Das Salz soll nun im Wasser gelöst werden. Damit ihr möglichst viel Salz im Wasser auflösen könnt, müsst ihr das Wasser in dem kleinen Kochtopf erhitzen. Bittet einen Erwachsenen, euch dabei zu helfen! • Wenn das Wasser heiß ist, könnt ihr Salz löffelweise dazugeben, dazwischen immer gut umrühren, solange bis sich kein Salz mehr im Wasser löst. • Ist die Salzlösung abgekühlt, könnt ihr die klare Flüssigkeit in das Marmeladenglas füllen.

Achtet darauf, dass ihr keine Salzkörner in das Glas füllt. Die Lösung mit Kaffeefilter und Trichter filtrieren!

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Jetzt braucht ihr nur noch einen Keimling2, um eure Kristalle wachsen zu lassen. Schneidet ein kurzes Stück Bindfaden ab und knotet es in der Mitte des Bleistiftes fest und legt ihn anschließend über das Glas. Achtet darauf, dass der Faden bis zur Hälfte in die Flüssigkeit eintaucht. Wenn ihr das Ende des Bindfadens in Klebstoff taucht, könnt ihr ein paar Salzkörner daran festkleben, die dann als Kristall-Keime das Wachstum eurer Kristalle erleichtern. Jetzt braucht ihr nur noch ein wenig Geduld! In ein paar Tagen habt ihr eure eigenen Kristalle gezüchtet. Ihr könnt den Kristallen, die jeden Tag ein Stückchen weiter wachsen, beim Größerwerden zusehen. Die Kristalle lieben ein ungestörtes, warmes Plätzchen. Um besonders große Kristalle zu bekommen, solltet ihr nur ein paar größere Kristalle am Faden lassen und die restlichen entfernen.

Ein paar Tropfen farbige Tusche/Lebensmittelfarbe in die Salzlösung und schon bekommen die Kristalle eine blasse Farbe. In der Natur funktioniert das mit den Farben natürlich ein wenig anders…

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nden die leuchte Seht euch he , die manc Farben an für a esitzen! D n: Kristalle b e h c a rs hrere U gibt es me

Kristallfarben

Jedes Mineral hat eine typische Farbe, die durch die Farbe der chemischen Elemente bestimmt wird: Man nennt das eigenfärbig. Zum Beispiel färbt Kupfer das Mineral Malachit grün. Häufiger jedoch wird die Farbe eines Minerals/Kristalls durch den Einbau von färbigen Fremdsubstanzen (Spurenelementen), Einschlüssen oder durch Lichtbrechung hervorgerufen. Man nennt das fremdfärbig. Es gibt viele Beispiele wo ein und dasselbe Mineral unterschiedlichste Färbungen aufweist. z.B. Quarz

farblos Bergkristall weiß Milchquarz violett Amethyst grau/braun Rauchquarz schwarz Morion gelb Citrin rosa Rosenquarz blau Blauquarz grün Prasiolith rot Eisenkiesel

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Aus welchem Ort stammt die große Amethyst-Stufe, die ihr in der Ausstellung findet?

Der Name Amethyst stammt aus dem Griechischen „amethystos“ (αμεθύστος) und heißt übersetzt „dem Rausch entgegenwirkend“. Es drückt den Aberglauben aus, dass derjenige, der einen solchen Stein bei sich trägt, vom Wein nicht betrunken wird

Amethyst-Medaillon, welches den römischen Kaiser Caracalla zeigt Schatzkammer Sainte-Chapelle (Paris)

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Edelsteine - Majestäten unter den Steinen Wahrscheinlich spielten farbige Steine als Schmuck schon in der Altsteinzeit eine wichtige Rolle. Generell liegt die Schönheit im Auge des jeweiligen Betrachters und so gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichsten Schmucksteinen. Manche Minerale sind aufgrund der Farbe, der Transparenz und der Seltenheit ihrer Kristalle besonders begehrt und werden daher als Edelsteine bezeichnet. Die bekanntesten sind Diamant, Korund (Rubin, Saphir), Beryll (Smaragd, Aquamarin, Heliodor, Morganit ) und Topaz.

Diamant

Beryll

Korund

Smaragd & Aquama

rin

Rubin & Saphir

Topaz

Während im Mittelalter eher farbige Steine einen hohen Wert hatten, also der farblose Diamant wenig beachtet wurde, zählen Diamanten heute zu den begehrtesten und teuersten Edelsteinen.

Wie wird aus einem Edelstein ein Klunker? Das Funkeln eines Kristalls im Licht hat eine Anziehungskraft, der man sich nur schwer entziehen kann. Um dieses magische Lichterspiel zu vollenden, begann man die Edelsteine zu schleifen. Wurden die Steine anfangs eher rund geschliffen (Cabochon), so begann man im 15. Jahrhundert die Steine mit zusätzlichen Kanten – sogenannten Facetten – zu versehen, um ihr inneres Feuer zu erwecken.

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Ein Brillant, ursprünglich aus der französischen Sprache, bezeichnet einen glänzenden, strahlenden Stein: Heute ist ein Diamant mit einem äußerst komplizierten Schliff gemeint. Neben dem Schliff bestimmen auch das Gewicht in Karat (=0,2 Gramm), also die Größe, sowie die Reinheit und die Farbe den Wert eines solchen Klunkers.

geschliffener Amethyst

geschliffener Citrin

geschliffener Smaragd

geschliffener Topas

Besonders große und wertvolle Steine bekommen von ihren „Schöpfern“ sogar einen Namen. Cullinan, heißt der größte, im Jahr 1905 in Südafrika, bisher gefundene Rohdiamant, benannt nach dem Mienenbesitzer Thomas Cullinan. Der Diamant hatte ein sagenhaftes Gewicht von 3106,7 Karat (= 621,34 Gramm). Er wurde in 105 Steine aufgespalten, von denen die neun Cullinan größten Stücke Teil der britischen Kronjuwelen sind. Das größere Stück trägt in seiner geschliffenen Form den schönen Namen „der große Stern von Afrika“.

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Wusstest du, dass das Wort Karat vom afrikanischen Namen des „Karuba“-Baumes (Johannisbrotbaum) stammt? Seine Samen wurden als Gewichte zum Wägen der Edelsteine verwendet, weil sie – nach alter Meinung – alle gleich schwer zu sein scheinen. Das stimmt natür- Samen des Karuba-Baumes lich nicht so ganz und wurde von manchem Händler ausgenutzt um zu betrügen. Beim Kauf verwendete man die etwas schwereren Samen, um weniger Karat bezahlen zu müssen, beim Verkauf hingegen die leichteren.

Kristallrätsel 1 2

5 6 3

7 8 4

1. Geologenwerkzeug 2. Der König der Edelsteine 3. Farbloser Quarzkristall 4. Violetter Quarzkristall

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5. Grüner Edelstein 6. Roter Edelstein 7. Gewichtseinheit 8. Kristallhöhle


Sagen, Schätze und Legenden Viele Sagen ranken sich um gewaltige Schätze: Gold, Silber, Smaragde, Rubine, Karfunkelsteine, die tief verborgen unter der Erde, im Reich von Berggeistern und Zwergen gehortet werden. Von solch einem Schatz – dem Hort3 der Nibelungen – erzählt das mittelalterliche Nibelungen-Brunnen in Tulln „Nibelungenlied“, eine der bekanntesten Sagen aus dem deutschsprachigen und auch niederösterreichischen Raum. Doch woher stammen all diese Fabelwesen? Die Zwerge, Drachen und Berggeister, die unsere Fantasie beflügeln? Sicherlich entstammen viele der Figuren der Fantasie des Menschen zu einer Zeit, als es noch keine wissenschaftlichen Erklärungen für scheinbar unerklärliche Dinge gab. Naturgewalten wie Steinschlag oder Lawinen in den Bergen wurden so den grimmigen Berggeistern und Riesen „in die Schuhe geschoben“. Mancher Fund eines außergewöhnlich großen Knochens, so wie der, welcher beim Bau des Stephansdomes gefunden wurde, galt als Beweis für die Existenz dieser Wesen. Daher der Name „Riesentor“.

Mammut-Knochen vom Riesentor

Die fleißigen Zwerge, die in den Tiefen nach Kostbarkeiten schürfen, nach Erzen und Edelsteinen, die gab es wirklich: Keine Fabelwesen, sondern Menschen – Bergleute – die von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter ihre Stollen in den

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Fels geschlagen haben. Da sich die Bergknappen bei ihrer Arbeit in den niedrigen Bergwerksstollen ducken mussten, kommt es nicht von ungefähr, wenn man von Zwergen spricht! Bis heute begeistern diese alten Sagengestalten, wenn auch in Form von moderner „Fantasy“-Literatur, die Welt. Allen voran wahrscheinlich J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“, in denen er eine fantastische Welt, voll von diesen Sagengestalten beschreibt. Ich hoffe die Leselust ist geweckt. Ob Sage oder Fantasy, mit der richtigen Stimmung und einem guten Buch , z.B. in der Nacht nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, die Höhle unter der Bettdecke erforschend, lässt sich ein tolles Abenteuer erleben!

Das Zwergenloch bei Hundsheim In einem ärmlichen Häuschen in Hundsheim lebte einst ein alter Mann mit seiner Enkeltochter. Eines Tages begegnete das Mädchen beim Schwammerlsuchen auf dem Hexenberg einer Schar kleiner Männchen, den Bewohnern des Höhlenreiches im Hexenberg. Die Zwerge luden das Mädchen ein, zu ihnen in den Berg mitzukommen und versprachen ihr reiche Schätze an Silber und Gold. Sie aber weigerte sich standhaft mitzugehen und eilte nach Hause, wo sie dem Großvater ihr Erlebnis erzählte. Der Alte lobte ihre Klugheit und warnte sie eindringlich vor den Zwergen. Als die Jungfrau im nächsten Jahr wieder einmal auf den Berg gegangen war, traf sie abermals die Zwerge, die ihr diesmal außer Gold auch kostbare Edelsteine, soviel sie nur wolle, prächtige Kleider und ein herrliches, lustiges Leben versprachen. Das war nun des Guten zu viel und ließ das Mädchen seine guten Vorsätze und die Warnungen des Großvaters vergessen. Ohne sich viel zu denken, folgte sie den Zwergen in den Berg. Wie erstaunt sie war, als sie die Pracht in den unterir-

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dischen Gängen und Sälen sah! Von allen Wänden glitzerten funkelnde Edelsteine, in den herrlichen Zaubergärten, die sie durchschritten, prangten die zierlichsten Blumen, aus Diamanten, Rubinen und Smaragden zusammengesetzt. Sie konnte sich nicht satt sehen an all diesen Herrlichkeiten, vergaß ganz auf Oberwelt, Großvater und Freundinnen und blieb im Reich der Zwerge. Der so plötzlich einsam gewordene alte Mann war untröstlich über den Verlust seiner geliebten Enkeltochter. Er war fest überzeugt, dass sie den Lockungen der Zwerge erlegen sei und ging oft zum dunklen Eingang des Zwergenreiches auf dem Berg, um die Wächter zu bitten, ihm seine Enkelin wieder herauszugeben. Aber diese wollten nichts davon wissen und drohten ihm mit dem Tod, wenn er versuchen sollte, in ihr Reich einzudringen. Ein Jahr hielt sich die Jungfrau schon im Berg auf. Da geschah es einmal, dass sie bei ihren Wanderungen durch die prächtigen unterirdischen Räume in die Nähe des Höhleneinganges kam, wo mehrere bewaffnete Zwerge Wache hielten. Plötzlich sah sie überrascht ein Stück des blauen Himmels in das Dunkel der Höhle hereinleuchten und wurde von tiefer Sehnsucht ergriffen, den lieben Großvater wiederzusehen und auf Erden unter den Menschen zu leben. Sie wollte ins Freie eilen, aber die Wächter hielten sie mit Gewalt zurück und schleppten sie trotz allen Sträubens in das Innere des Berges hinein. Gerade zu dieser Zeit kam der Großvater zum Zwergenschloß, hörte die Hilferufe und erkannte die Stimme seiner Enkeltochter. Flehend bat er die Zwerge, sie möchten sein Kind doch wenigstens für einen Tag auf die Oberwelt zurückkehren lassen. Die Tränen rannen dem alten Mann dabei über die Wangen. Aber die Zwerge blieben hart und unerbittlich und wiesen den Alten vom Eingang fort. Da wurde der Alte von bitterem Schmerz und wilden Zorn überwältigt und stieß eine grimmige Verwünschung gegen die Zwerge und ihr prächtiges Reich aus. Und der Himmel erhörte seinen Fluch und ließ ihn sogleich in Erfüllung gehen. Die Erde erbebte, aus dem Schoß des Berges erklang ein furchtbares Brausen, die Säle des unterirdischen Palastes stürzten zusammen und begruben die Kobolde, mit ihnen aber auch das arme gefangene Menschenkind. Wo früher die prunkvollen Räume des herrlichen Bergschlosses in hellem Glanz erstrahlten, liegen heute die düsteren, wilden Kalksteinhöhlen des Zwergenlochs. Quelle: Die schönsten Sagen aus Österreich, o. A., o. J., Seite 183.

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Meteorite – Geschosse aus dem All Als Meteorit wird ein Himmelskörper bezeichnet, der nicht wie eine Sternschnuppe vollständig in der Atmosphäre verglüht, sondern auf der Erdoberfläche einschlägt. Wir s Kenn ind Stern e t ihr diese nstaub! n Spr uch?

Meteorit

Ohne diese kosmischen Gesteinstrümmer gäbe es gar keine Erde und somit auch uns nicht. Die Ur-Erde war am Anfang nicht viel größer als so ein Gesteinsblock. Nach und nach ist sie gewachsen und hat wie ein Staubsauger in Milliarden Jahren alle „Staubkörner“ auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne in sich aufgenommen. Wenn auch die Erde in den jungen Jahren unseres Sonnensystems – im sogenannten Hadaikum4 – regelrecht bombardiert wurde, sind Meteoriteneinschläge heutzutage sehr selten! In Niederösterreich sind lediglich zwei Meteorite aus jüngerer Zeit bekannt. Meteorit Lanzenkirchen

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Was ist ein Gestein? Ein Gestein ist meist ein Gemenge von vielen verschiedenen Mineralien, kann aber auch aus einem einzigen Mineral bestehen. Je nach der Art ihrer Entstehung werden Gesteine eingeteilt in: Magmatische Gesteine: Sie entstehen beim Erkalten von Lava5 (Vulkanit, oberirdisch erstarrt) oder Magma6 (Plutonit, unterirdisch erstarrt) • Metamorphe Gesteine: Sie werden unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen im Erdinneren aus anderen Gesteinen gebildet. Sedimentgesteine: Sie entstehen durch Verdichtung von abgelagertem Material (Schotter, Sand, Schluff7, Ton,…) Die wohl spektakulärste Art der Gesteinsbildung kann man bei aktiven Vulkanen beobachten, wenn Unmengen von flüssigem Gestein ausgespien werden und man beim Wachsen von Bergen live zusehen kann. Allerdings muss man dafür in andere Regionen der Erde reisen: Dass es in Niederösterreich Gott sei Dank keine aktiven Vulkane gibt, muss nicht weiter erwähnt werden, auch wenn die geologische Vergangenheit unseres Landes nicht immer so ruhig war wie die heutige Situation. Das warme Wasser der Thermalquellen, das im südöstlichen Niederösterreich entlang der Thermen-Linie aus der Erde sprudelt, ist ein Zeugnis für die ungeheure Hitze des geschmolzenen Gesteins, welches dort nicht allzu tief unter der Oberfläche schlummert.

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Einen Vulkan selber bauen Um euren eigenen Vulkan ausbrechen zu lassen, braucht ihr ein Marmeladenglas mit einem Deckel, einen kleinen Trichter, ein zweites Glas, 20 Gramm Zitronensäure und 20 Gramm Natron, also ungefähr je zwei Esslöffel (beides bekommt ihr im Lebensmittelhandel), rote Lebensmittelfarbe, Wasser und Sand. Diesen Versuch solltet ihr unbedingt im Freien durchführen, denn der Ausbruch eures Vulkans kann zu einer unkontrollierbaren „Sauerei“ führen. • In die Mitte des Deckels müsst ihr ein Loch bohren, so groß, dass das Ende des Trichters hineinpasst. Achtung Verletzungs gefahr! Lasst euch dabei von einem Erwachsenen helfen. • Steckt den Trichter in das Loch im Deckel. • Füllt Zitronensäure und Natron in das Glas und schraubt den Deckel drauf. • Jetzt müsst ihr euch noch um das Aussehen eures Vulkans kümmern. Vergrabt das Glas in einem Sandkegel, soweit bis nur noch die Trichteröffnung, der Vulkankrater, zu sehen ist. • Nun ist euer Vulkan „geladen“ und bereit auszubrechen. Füllt in das zweite Glas ein wenig warmes Wasser und färbt es mit der Lebensmittelfarbe schön rot. • Schüttet diese Lava in den Krater und tretet schnell ein paar Schritte zurück.

Rumpel Groll, Donner, . … ht der Und schon bric s! Vulkan au

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Entstehen und Vergehen Der Großteil der Gesteine wird vielleicht nicht auf so spektakuläre Weise geboren, aber es passiert Tag für Tag unter unseren Füßen. Die Zeiträume, in denen das alles passiert, sind so gewaltig, dass wir uns das Ganze nur schwer vorstellen können. Die Bewegung der Kontinente, dieser riesigen Gesteinsplatten, angetrieben von heißen Magmaströmen, die vom Erdkern zur Erdkruste aufsteigen ist der Motor für den Kreislauf der Gesteine. Ihr könnt euch diesen Kreislauf wie ein gigantisches Uhrwerk vorstellen, dessen Zahnräder sich nur sehr, sehr, sehr langsam drehen. Berge werden in den Himmel geschoben und wieder abgetragen. In kilometerdicken Schichten lagern sich diese Sedimente übereinander, werden wiederum zu Gesteinen verdichtet usw. Um z.B. Granit entstehen zu lassen braucht man ganz spezielle Verhältnisse, wie tief im Erdinneren: Erstens sehr hohen Druck, soviel wie ein erwachsener Afrikanischer Elefant -4.600 Kilogramm- auf eine Fläche so groß wie eine Kichererbse (1 cm²) ausübt. Zweitens sehr hohe Temperatur 900 °C, ungefähr fünf- bis sechsmal so heiß wie die Temperatur, die man zum Kuchen-Backen (150 – 175 °C) verwendet. Zu guter Letzt sehr viel Geduld und Zeit, so ca. 100.000 Jahre! Wie lautet das Sprichwort, mit dem man sich die Bestandteile von Granit spielend leicht merken kann? FELD _ _ _ _, Q _ _ _ _ und GL _ M _ _ _, die drei vergess´ ich nimmer!

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Sedimentgestein Sedimentgestein entsteht aus Ablagerungen, die nach und nach übereinander geschichtet werden. Durch das allmählich wachsende Gewicht werden sie wieder zu Stein zusammengepresst. Es gibt verschiedene Arten von Sedimenten, die wichtigsten sind: • Klastische Sedimente: Entstehen aus verwittertem Gestein, z.B. Konglomerat, Brekzie, Sandstein,… • Biogene Sedimente: Entstehen aus Ablagerungen von organischem Material oder den anorganischen Skelett-Teilen von Lebewesen, z.B. Kalk, Kreide, Torf, Kohle… Wind & Wasser, Kälte & Hitze: Das sind die Arbeiter der Erosion = Verwitterung. Selbst der härteste Fels wird von diesen Kräften gesprengt und langsam zu immer kleiner werdenden Steinchen zerrieben. Flüsse transportieren wie riesige Förderbänder Schotter und Sand von den Bergen ins Tiefland, immer weiter bis ins Meer. Auch der Wind trägt ganze Berge ab, Sand und Wind wirken über die Jahrtausende wie Schmirgelpapier, dem auch das härteste Gestein nicht wider­ stehen kann. Andernorts werden diese Sedimente wieder abgelagert, z.B. in Form von Sanddünen oder Löss8. Wie bei den Seiten eines Buches liegen diese Schichten übereinander, die ältesten ganz unten, die jüngsten ganz oben. Oft hunderte von Metern dick stapeln sich die Jahrmillionen der Erdgeschichte. Sedimentgestein

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Kunterbunte Kieselsteine Habt ihr euch die wunderschönen Donaukiesel im Hauptraum angesehen? Welch eine bunte Farbenpracht! Schwarze, rote, braune, graue, grüne, weiße, gelbe,… Das Wasser bringt die Farben erst richtig zum Leuchten. Und alle sind sie vom Wasser so schön glatt und rund geschliffen.

Flusskiesel

Wenn ihr Flusskiesel mit einem Taschentuch und einem Tropfen Öl poliert, bleiben sie so schön bunt! Wenn Steine sprechen könnten, hätten sie eine Menge von ihrer abenteuer­ lichen Reise zu erzählen.

Donaugold Zwischen all den Kieselsteinchen und Sandkörnern, die von den Flüssen, z.B. der Donau, Richtung Meer gespült werden, verstecken sich kleine Kostbarkeiten: kleine Goldkörnchen. Ja, richtig gelesen! Auch in der Donau gibt es Gold, Waschgold, aber nur in kleinsten Mengen. Um ein Gramm Gold zu gewinnen, müsstet ihr ca. 4.000 Kilo Donausand durch­ waschen.

Goldsand

Dennoch wurde in der Donau jahrhundertelang Gold gewaschen und mancher „Schatz“ aus Donaugold geschaffen.

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Kunterbunte Kieselkäfer Tiere aus Kieselsteinen sind witzig, tolle Geschenke und ein Hingucker für jeden Garten! Um „Kieselkäfer“ anzufertigen sammelt ihr am besten flache, schön abgerundete Steine. Was ihr sonst noch braucht: Pinsel und gute Farben. Acrylfarbe eignet sich sehr gut und zum Schluss solltet ihr mit transparentem Sprühlack eure putzigen „Glücksbringer“ versiegeln.

Viel Spaß beim Bemalen!

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Fossilien - Spuren des Lebens Fossilien (lat. fossare „ausgraben“) werden alle Spuren und Überreste vergangenen Lebens auf der Erde genannt, die älter als 10.000 Jahre sind. Es gibt: • Körperfossilien: Überreste von Lebewesen • Steinkerne: Entstehen wenn Hohlräume von Lebewesen – z.B. Muscheln oder Schnecken – mit Sediment aufgefüllt werden und versteinern, vom eigentlichen Tier aber nichts übrig bleibt. • Spurfossilien: Zeugnisse tierischer Aktivität. • Einschlüsse: Lebewesen oder Teile von ihnen werden in Baumharz eingeschlossen, das sich mit der Zeit in Bernstein umwandelt. Eigentlich passiert es nur unter bestimmten Umständen, dass Lebewesen oder ihre Überreste nicht verwesen und ihre Spuren nicht verwischen, sondern für „immer“ erhalten bleiben und fossilisieren. Dennoch findet man an manchen Stellen Massen von diesen Zeitzeugen. Die meisten Fossilien sind winzig klein und mit dem freien Auge nicht sichtbar.

Plankton

Dennoch bestehen ganze Berge aus ihnen, z.B. aus Kalk. Kalk besteht aus den Überresten winzig kleiner Meereslebewesen, dem Plankton9. Kalkgestein bildet die höchsten Gipfel Nieder­ österreichs.

Ötschergipfel

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Meeresstrand am Alpenrand Auch in Niederösterreich könnt ihr auf Spurensuche gehen und nach Fossilien suchen. Nicht alle Steine enthalten Fossilien, nur in Sedimentgestein werdet ihr mit etwas Glück fündig werden. Vor allem die Sand- und Tonlagerstätten des Weinviertels, im Alpenvorland und im Wiener Becken sind reich an gut erhaltenen Fossilien der Erdneuzeit. Vor rund 20 Millionen Jahren waren diese Beckenlandschaften Teil eines UrMeeres, der „Parathetys“. Bei einer Suche nach Fossilien im Sand sollte ein altes Nudelsieb in eurem Geologenrucksack nicht fehlen! Damit lässt sich der lose Sand leicht nach Fossilien durchsieben. Die Schalen von Muscheln und Schnecken, sowie die Überreste anderer Meeresbewohner könnt ihr an diesem Meeresstrand entdecken. In der Schatzkammer der Ausstellung findest du viele Fossilien dieses Meeres. In der „Fossilienwelt“ in Stetten bei Korneuburg könnt ihr euch das größte fossile Austernriff der Welt mit der größten fossilen Perle der Welt ansehen. Und als Schatzjäger im Sand selber nach Haifischzähnen und Perlen suchen. Wer weiß, vielleicht findet ihr eine größere!

Größte fossile Perle der Welt

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Sammeln! Um eure geborgenen Schätze richtig zu verwahren, empfehle ich euch eine Sammelbox anzulegen! Was ihr dazu braucht: Schere, Klebstoff, Lineal, eine leere, nicht allzu hohe Kartonschachtel (z.B. ein alter Schuhkarton), Zeichenkarton und Watte. Messt die Größe der Schachtel mit dem Lineal ab: Länge L, Höhe H, Breite B Schneidet euch aus dem Zeichenkarton aus: 2 Streifen mit den Maßen ( L + 4 cm ) x H 5 Streifen mit den Maßen ( B + 4 cm ) x H Messt bei den Kartonstreifen auf beiden Seiten 2 cm ab und faltet die beiden Ecken (hellblau) um. Unterteilt die beiden langen Streifen in 6 gleich breite Teile und schneidet die Streifen bis zur Hälfte ein. Das gleiche macht ihr mit den kürzeren Streifen, diese teilt in 3 Teile. Puh! Fast geschafft! Jetzt könnt ihr die Kartonstreifen ineinander stecken und an den umgebogenen Enden in die Schachtel kleben.

Den Boden der einzelnen Kästchen legt mit einem Wattebausch aus und fertig ist euer Super-Sammelkarton. Da werden eure Schätze –gut sortiert – vor Staub geschützt. Ihr könnt natürlich das Äußere noch farblich gestalten, z.B. mit den Bildern von Fossilien oder Mineralien bekleben. Euer Name darf natürlich auf dem Deckel auch nicht fehlen. Ihr solltet eure Fundstücke jedenfalls mit einem kleinen Zettel versehen, auf dem ihr die wichtigsten Informationen festhaltet.

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Jetzt s eid ihr richtig fürs Samme ln vorber eitet!

z.B.: Mineral/Fossil

Bergkristall

Fundort

Gossam/Melk

Datum

April 2011

Finder

Johann Nesweda

Die Dinos in Niederösterreich Wenn man von Fossilien spricht, dann meinen seit Steven Spielbergs Verfilmung von „Jurassic Park“, viele fast automatisch die spektakulären Funde von „Dinosauriern“ á la T-Rex, Brontosaurus und so weiter. Derartige Funde sind weltweit gesehen jedoch eher die Ausnahme. Aber auch in Niederösterreich hat man Spuren der „schrecklichen Echsen“ gefunden. Im Jahr 1859 stießen die beiden Geologen Ferdinand STOLICKA und Prof. Eduard SUEß, bei einem Ausflug zum Kohlebergwerk im niederösterreichischen Muthmannsdorf - eigentlich auf der Suche nach Pflanzenfossilien - unverhofft auf den Zahn eines Ur-Reptils. Wie sich schließlich bestätigte, waren sie auf die Überreste eines Dinosauriers gestoßen, Struthiosaurus10 austriacus.

Struthiosaurus austriacus

„Struthi“, so wird er liebevoll genannt, ist weltweit einzigartig: Stachelig und stark gepanzert gehört er zur Familie der Ankylosaurier. Der wehrhafte Pflanzenfresser lebte vor rund 90 Millionen Jahren in der Kreidezeit und wurde wahrscheinlich 2 Meter lang.

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Österreichweit ist Muthmannsdorf - am Fuße der Hohen Wand - die einzige bedeutende Dinosaurier-Fundstätte. Weiters wurden noch kleine Fossilien­ reste eines Flugsauriers und eines Raubsauriers gefunden.

Älter als die Dinosaurier - lebende Fossilien Manche Lebewesen, die heute auf der Erde leben, haben eine steinalte Geschichte: Sie haben es geschafft, seit vielen Millionen Jahren bis heute nahezu unverändert zu überleben. Seht euch dieses fossile Blatt an! Es gehörte einem Ginkobaum, der vor rund 290 Millionen Jahren gewachsen ist. Heutzutage gibt es nur mehr eine einzige Ginko-Art (Ginkgo biloba) von ca. 250 fossilen Arten. Bis heute hat sich die äußere Form des Blattes kaum verändert!

and In welchem L heutigen wachsen die e wild??? Ginko-Bäum

Triops cancriformis ist ein richtiger Urzeitkrebs, den es schon vor mehr als 220 Millionen Jahren in der Trias gab. Dieser bis zu 12 cm lange Blattfußkrebs gilt als eine der ältesten lebenden Tierarten der Welt. Heute kann man dieses Tier im Osten Niederösterreichs

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entlang der March und im Burgenland finden. Der Lebensraum dieser Tiere sind flache Tümpel und Lacken auf Überschwemmungs-Wiesen. Diese sind im Frühjahr nach der Schneeschmelze mit Wasser gefüllt und bis zum Sommer meist komplett ausgetrocknet.

So gut diese Krebsart an diesen extremen Lebensraum angepasst ist, so gefährdet ist die Art heute. Es gibt nur mehr wenige natürliche Vorkommen wie die „Blumengang-Senke“ an der Donau bei Marchegg. In der Ausstellung findest du ein Aquarium mit diesen faszinierenden Tieren!

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Fossilien als Brennstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas sind heutzutage die wichtigsten Energie- und Rohstofflieferanten für unser modernes Leben. Sie sind Treibstoff für Autos, Flugzeuge und Schiffe, spenden Wärme, liefern Strom und werden zu allen nur erdenklichen Produkten des täglichen Lebens verarbeitet.

Rabenschwarz wie Kohle Die Kohle war der Brennstoff für die „Industrielle Revolution“ im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Dampfmaschinen.

Anthrazit

Im Buch der Geschichte der Erde gibt es ein Kapitel mit dem Namen Karbon. Vor 360 – 300 Millionen Jahren war es in Europa viel wärmer und feuchter als heute. Das Land war von dichten Sumpfwäldern aus urzeitlichen Baumriesen (Schachtelhalmen, Baumfarnen und Schuppenbäumen) bedeckt. Aus diesen ursprünglichen Wäldern entstand im Laufe von Jahrmillionen die Kohle. Graphit

Nummeriere die Rohstoffe in der richtigen Reihenfolge ihrer Entstehung, also nach ihrem Alter, beginnend beim Jüngsten!

Pflanzen Braunkohle

Torf Anthrazit Steinkohle

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Die Lagerstätten der Kohle, sogenannte Kohleflöze11, sind zwischen Schichten von Sedimentgesteinen eingekeilt und lagern oft tief unter der Erde. Dort, wo sie nahe genug an der Oberfläche liegen, können sie durch Kohlebergbau genutzt werden: Wie zum Beispiel in der kleinen Gemeinde Grünbach, in der es ein Steinkohlebergwerk gibt. Braunkohle, die im Tagebau abgebaut wurde, findet man z.B. in Riegersburg im Waldviertel.

Kohleflöz

Tief unter dem Meer Petroleum, so der alte Name für Erdöl, setzt sich aus den Wörtern „petra“ = Stein/Fels und „oleum“ = Öl zusammen. Schon bei den alten Hochkulturen der Babylonier und Römer war dieses Öl bekannt und wurde als Lampenöl oder zum Abdichten von Schiffsrümpfen (Teer) verwendet. Erdöl und Erdgas entsteht überwiegend aus abgestorbenem Meeres-Plankton, das auf den Grund der Ozeane sinkt. Dort werden unter sauerstoffarmen Bedingungen die Kohlenwasserstoffe dieser Organismen im Sediment gespeichert. Im Laufe von Jahrmillionen wird aus dem Sediment Sedimentgestein und aus den fossilen Organismen werden Erdöl und Erdgas. Auch in Niederösterreich gibt es Öl- und Gas-Lagerstätten, etwa im Marchfeld.

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„Das Erdöl ist eine nutzlose Absonderung der Erde - eine klebrige Flüssigkeit, die stinkt und in keiner Weise verwendet werden kann.“ So lautete eine Verlautbarung der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg im Jahr 1806. Wenn die ehrenwerten Herren gewusst hätten, wie sehr sie sich in dieser Sache geirrt haben!

Segen und Fluch des schwarzen Goldes Erdöl ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken! Es ist nicht nur Energielieferant, sondern auch Ausgangsstoff für eine Vielzahl von Dingen, die wir jeden Tag gebrauchen!

Wo steckt Erdöl drin?

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Manche Leute sprechen vom Plastikzeitalter, in dem wir heute leben, andere wiederum vom Müllzeitalter. Und beides stimmt leider! „Alle bisher produzierten Plastiksackerl würden ausreichen, um die gesamte Erde in ein riesiges Plastiksackerl zu stecken, nicht nur einmal sondern gleich sechsmal!“ (Dokumentation:„Plastic Planet“) Von den vielen Kunststoffen landet leider vieles als Müll irgendwo in der Natur! Plastiksackerl, PET-Flaschen, usw. brauchen Jahrtausende, um zu verrotten! Na, das sind ja schöne Fossilien, die wir Menschen unseren zukünftigen Generationen zum Sammeln hinterlassen!

Darum lieber Papier- statt Plastiksackerl! Und richtig Müll trennen, damit ein Großteil des „Plastik“-Mülls recycelt und wiederverwertet werden kann!

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Baustoffe Gesteine und Mineralien sind aber nicht nur Sammlerstücke viel wichtiger sind die Verwendungsmöglichkeiten für Bauwesen und Industrie. Verbinde die Rohstoffe mit den jeweiligen Produkten! Kalkstein

Glas

Granit

Mörtel

Quarzsand

Ziegel

Ton

Kopfsteinpflaster

Lehm

Skulpturen

Gips

Keramik-Fliesen

Marmor

Gipsverputz

Die verschiedenen Gesteinsarten haben unterschiedliche Eigenschaften und werden daher für verschiedene Zwecke verwendet. Marmor, Sandstein und Kalksandstein sind bei Bildhauern sehr beliebt, weil sie eine sehr gleichmäßige Struktur haben und relativ weiche Gesteine sind. Schaut euch diese fein behauene Fiale12 des Stephansdoms an! Früher wurde fast ausschließlich mit Naturstein gebaut. Das Behauen der Steine ist eine mühselige, oft aber sehr kunstfertige Arbeit. Heute wird oft nur ein bestimmtes Gemisch verwendet, das in Form gegossen wird. Wie nennt man dieses graue Gemisch aus Sand, Zement und Wasser, das selbstständig aushärtet? Fiale Stephansdom

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Boden Nicht nur Wasser und Wind, Hitze und Kälte sind in der Lage Fels zu sprengen und im Laufe der Zeit zu Sand zu zerreiben. Auch Lebewesen können den Gesteinen ordentlich zusetzen. Man nennt das biologische Verwitterung. Die Wurzeln von Pflanzen suchen in kleinsten Felsspalten Halt. Wenn die Wurzeln dann in die Dicke wachsen, können sie den Fels zersprengen. Flechten und Algen bohren sich mit Hilfe von Säuren in das Gestein. Ein ganzes Heer von Lebewesen „nagt“ sprichwörtlich am Fels. Das Endergebnis sind kleinste Gesteinspartikel, vermischt mit Humus, pflanzlichen Überresten, Wasser und Luft: BODEN! Der Boden ist einer unserer größten Schätze überhaupt! Es dauert oft Jahrzehnte, bis sich die ersten höheren Pflanzen13 auf nacktem Gestein ansiedeln, und es dauert Jahrtausende bis der Boden soweit ist, dass ein Bauer seinen Acker pflügen kann. Der Boden liefert uns und unseren Nutztieren Nahrung.

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Verwitterter Fels


Boden - A B C Was wir als Boden bezeichnen ist eigentlich nur die oberste Schicht von mehreren. Diese Schichten werden Boden-Horizonte genannt.

O Horizont Humusschicht A Horizont Oberboden

B Horizont Unterboden

B-C Verwitterungshorizont

C Horizont Ausgangsgestein

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Hast du bei einem Spaziergang schon einmal genauer auf den Boden geachtet? Auf seine Farbe und Konsistenz? Wahrscheinlich eher nicht. Höchstens wenn man irgendwo in den Matsch gestiegen ist, dann sieht man diese Bodeneigenschaften anhand der schmutzigen Schuhe.

Malen mit Erdfarben Böden sind hinsichtlich Farbe und Zusammensetzung sehr unterschiedlich. Schaut euch die ausgestellten Bodenprofile an: Da gibt es ja eine richtig bunte Palette an verschiedenen Bodentypen, Schwarzerde, Braunerde und so weiter. Wie bunt Erde sein kann zeigt auch ein Projekt der Initiative des Landes Niederösterreich „unser Boden“. Zusammen mit der Emmaus-Gemeinschaft St. Pölten wird ein Erdfarben-Malkasten produziert. Ihr könnt euch eure eigenen Erdfarben auch ganz einfach selber herstellen: Ihr benötigt dazu verschiedenfarbige Erde, die ihr möglichst gut abtrocknen lassen solltet. Am besten die Erde dünn auf ein paar Lagen Zeitungspapier verteilen und ein zwei Tage trocknen lassen. Ist die Erde trocken, solltet ihr die Klumpen mit einem Mörser zerkleinern und anschließend mit einem möglichst feinen Sieb durchsieben. So einfach kannst du dir tolle Erdpigmente herstellen.

Boden lebt! Der Boden ist dicht von den Wurzeln der höheren Pflanzen durchwachsen, aber davon einmal abgesehen, gibt es unter euren Füßen eine Vielzahl von Lebewesen, die da in der Erde leben. In einer Handvoll guter Humuserde leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Den Großteil dieser Bodenbewohner, rund 80%, könnt ihr mit freiem Auge gar nicht sehen. Bakterien, Pilze und Fadenwürmer sind mikroskopisch klein, die Riesen des Erdreichs sind Maulwurf, Wühlmaus und Co.

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Je nach der Größe der Lebewesen unterscheidet man: • Mikrofauna (< 0,2 mm): Amöben, Wimpertierchen, Fadenwürmer • Mesofauna (< 2 mm): Milben, Springschwänze • Makrofauna (< 20 mm): Asseln, Spinnen, Regenwürmer, Käfer und andere Insekten • Megafauna (> 20 mm): Wirbeltiere wie Maulwürfe, Wühlmäuse und Spitzmäuse Der Boden ist ein kompliziertes Ökosystem14. Jedes Lebewesen hat seinen Platz und auch eine ganz spezielle Aufgabe (ökologische Nische). Für uns Menschen spielen vor allem die „Kompostierer“ eine besonders wichtige Rolle. Sie sind richtige Recycling-Weltmeister! Sie verwandeln Blätter und Pflanzenreste in wertvollen Humus: Den besten Pflanzendünger, den es gibt!

Bodentiere im Blick

Wer ist wer? Kannst du mir helfen, die Steckbriefe dieser Bodentiere den Bildern zuzuordnen?

1

Regenwurm Zwitter, der bis zu 35 cm lang wird Lebt in selbst gegrabenen, bis zu eineinhalb Meter tiefen Gängen. Regenwürmer ziehen abgestorbene Pflanzenteile in ihre Gänge und kompostieren sie dort, um sie – nachdem sie von Bakterien und Pilzen besiedelt wurden – zu fressen. Der Wurm lockert die Erde und liefert mit seinem Kot wertvollen Humus.

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2 Maulwurf

Bis zu 20 cm großer Kleinsäuger Gräbt seine Gänge auf der Suche nach Würmern und Insekten und deren Larven in die Erde. Die meisten Gänge liegen eher oberflächennah in 10 bis 20 Zentimeter Tiefe, manche gräbt er auch bis zu einem Meter tief. Das Aushubmaterial bringt er an die Oberfläche, wo er die typischen Maulwurfshügel anlegt.

3

4

5

Mistkäfer Es gibt viele verschiedene, zum Teil sehr große Arten. Spielen eine wichtige Rolle bei der Beseitigung tierischer Hinterlassenschaften. Ohne diese Müllabfuhr würde manche Wiese im Dung der Tiere ersticken. Sie sind fürsorgliche Eltern und legen für den Nachwuchs eigene Kammern in der Erde an. Zur Versorgung der Käferlarven hat jede Kammer einen Dung-Vorrat. Assel Landasseln, wie die Mauerassel oder der Saftkugler, sind an Land lebende Krebstiere. Sie besitzen zehn Beinpaare und sind recht stark gepanzert. Versteckt in der Laubstreu weiden sie Pilze und Bakterien von Blättern und morschem Holz ab. Asseln betreiben Brutpflege und benötigen Feuchtigkeit, um ihre Kiemen, die sie trotz ihrer Lebensweise an Land immer noch haben, feucht zu halten. Springschwanz Winzige, nur wenige Millimeter große Insekten, die zu Tausenden pro Quadratmeter die Humusschichte des Bodens bewohnen. Sie gehören zu den wichtigsten Humusbildnern und ernähren sich von den Bakterien und Pilzen, die verrottendes pflanzliches Material besiedeln. Bei Gefahr können sich die Tiere mit Hilfe einer Sprunggabel bis zu zehn Zentimeter weit weg katapultieren.

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Pseudoskorpion

6 Sieht zwar auf den ersten Blick gefährlich aus, ist aber im Gegensatz zu den echten Skorpionen kein Spinnentier, sondern ein Insekt und hat nur sechs Beine. Ein Teil der Mundwerkzeuge dieser nur wenige Millimeter großen Tiere ist zu einem Paar Greifzangen umfunktioniert, mit denen Beutetiere wie Milben oder Springschwänze festgehalten werden können. Die Nahrungsaufnahme ist der der Spinnentiere nicht unähnlich, die Beute wird nämlich ausgesaugt.

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Wasserspeicher – Reinigung Neben der Landwirtschaft hat der Boden für uns Menschen noch andere wichtige Funktionen. Eine der wichtigsten ist die Speicherung und Reinigung von Wasser. Somit gewährleistet der Boden unsere Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Ein gesunder Boden kann sich wie ein Badeschwamm regelrecht mit Wasser vollsaugen. Bei humusreichen Böden kann das Wasser das Vielfache des eigentlichen Bodenvolumens ausmachen. Das Wasser, das im Boden gespeichert ist, ist ein immenser Wasservorrat! Weltweit sind es rund 8.062.000 Kubikkilometer Wasser, das entspricht 22,3 % der gesamten Süßwasservorräte (Eis 77 %) oder der 36-fachen Wassermenge aller Flüsse und Seen der Welt zusammen! Die zahllosen Mikroorganismen15, die im Boden leben, entfernen dabei die schädlichen Stoffe aus dem Wasser und reinigen es.

n wichtiges, Der Boden ist ei empfindliches aber auch sehr sorgsam Ökosystem. Geh diesen te hü d damit um un Schatz!

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Wortspielerei Oje, was soll denn das bedeuten? Kannst du mir helfen die folgenden Redewendungen der jeweiligen Bedeutung zuzuordnen? (Füge die jeweilige Ziffer ein!)

1. Auf Granit beißen 2. Auf Sand gebaut 3. Bei jemandem einen Stein im Brett haben

4. Den Stein ins Rollen bringen

5. Stein und Bein schwören 6. Ein Tropfen auf dem heißen Stein

7. Mir fällt ein Stein vom Herzen

8. In Stein gemeißelt sein 9. Nur einen Steinwurf weit weg

10. Steter Tropfen höhlt den Stein

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Gemeint ist damit, etwas in Bewegung setzen oder den Anstoß zu etwas geben. Ist es einmal in Bewegung, dann lässt es sich – genauso wie ein Stein, der den Hang hinab rollt – nicht mehr aufhalten… Wenn etwas unveränderlich erscheint, dann spricht man: Es ist in Stein… Wenn etwas unbedeutend oder zu wenig erscheint, dann verdampft es wie ein… Die Redewendung bedeutet, jemandem sehr sympathisch zu sein. Der Ursprung stammt von einem mittelalterlichen Brettspiel mit Namen „TrickTrack“ oder „Wurfzabel-Spiel“. Bei dem Spiel kommt es darauf an, seine Steine auf dem Brett gut zu platzieren. Ein guter Freund, der einem zur Seite steht, wird als „guter Stein im Brett“ bezeichnet. Diese Redensart verwendet man, wenn etwas ganz in der Nähe ist. Wenn etwas sehr unsicher ist und nicht von langer Dauer sein kann, sagt man es ist auf… gebaut. Ein Ausdruck von starker Erleichterung nach großer Anspannung. Geduld lohnt sich! Wer ausdauernd genug ist, wird schlussendlich sein Ziel erreichen. Sich buchstäblich die Zähne an etwas ausbeißen, an etwas scheitern. Etwas mit großem Nachdruck geloben.

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Lösungen Seite 13 Beide bestehen aus reinem Kohlenstoff, nur das Kristallgitter ist verschieden, so ist Graphit ein sehr weiches Mineral, während Diamant das härteste Mineral ist. Seite 16 Dieser Amethyste stammt aus dem Ort Maissau. Dort kann man in der „Amethystwelt“ den weltgrößten freigelegten Amethyst-Gang bestaunen. Seite 19 1. Geologenwerkzeug: 2. Der König der Edelsteine: 3. Farbloser Quarzkristall: 4. Violetter Quarzkristall: 5. Grüner Edelstein: 6. Roter Edelstein: 7. Gewichtseinheit: 8. Kristallhöhle:

HAMMER DIAMANT BERGKRISTALL AMETHYST SMARAGD RUBIN KARAT KLUFT

Seite 26 FELDSPAT, QUARZ und GLIMMER, die drei vergess´ ich nimmer! Seite 34 Die einzige Ginkoart wächst in China wild und wird heute als Parkbaum auf der ganzen Welt angepflanzt. Seite 36 Pflanzen, Torf, Braunkohle, Steinkohle, Graphit, Anthrazit Seite 38 PET-Flasche, Kerze, Zahnbürste, Spielzeugauto, Handy, Lippenstift Seite 40 Kalkstein-Mörtel; Granit-Kopfsteinpflaster; Quarzsand-Glas; Ton-Keramikfliesen; Lehm-Ziegel; Gips-Gipsverputz; Marmor-Skulpturen Seite 40 Beton Seite 44-46 1. Regenwurm, 2. Springschwanz, 3. Assel, 4. Mistkäfer, 5. Maulwurf, 6. Pseudoskorpion

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Glossar Lesesteinhaufen: Die Bauern haben früher in mühseliger Arbeit ihre Felder von Steinen, die den Pflug beschädigen oder die Arbeit erschweren, gesäubert. Diese aufgelesenen Steine wurden dann oft zu großen Haufen am Ackerrand zusammengetragen.

1

Ein Kristall-Keim ist ein Feststoff an dem das Wachstum eines Kristalls durch Anlagerung beginnt. Das kann z.B. ein Staub- oder Sandkorn in der Luft sein, an dem die Eiskristalle der Schneeflocken zu wachsen beginnen!

2

Ein Hort ist die alte Bezeichnung für einen Schatz. Wenn jemand sehr aufmerksam seine „Schätze“ verwahrt und bewacht, spricht man heute noch von horten (= hüten). 3

Hadaikum: Dieses Wort stammt vom griechischen Hades, der griechischen Vorstellung nach die Bezeichnung für die Unterwelt, wo unter anderem auch die Hölle untergebracht war. „Hölle auf Erden“, beschreibt die Frühzeit unseres Planeten (4,6-4 Milliarden Jahre) sehr treffend, ein durch und durch lebensfeindlicher Ort und doch der Anfang von allem. Die ältesten bekannten Minerale sind Zirkone, die unfassbare 4,4 Milliarden Jahre alt sind!

4

Lava nennt man die flüssige Gesteinsschmelze, die bei Vulkanausbrüchen aus der Erdoberfläche austritt.

5

Magma: Im Unterschied zur Lava ist die flüssige Gesteinsschmelze im Erdinneren (genauer des äußeren und inneren Erdmantels) gemeint 6

Schluff: in der Geologie bezeichnet Schluff ein Sediment mit einer Korngröße von 0,002 – 0,063 Millimeter. Bei einer Korngröße kleiner als 0,002 Millimeter spricht man von Ton, über einer Größe von 0,063 Millimeter spricht man von Sand. 7

Löss ist ein vom Wind transportiertes und abgelagertes Sediment, das vor allem aus Schluff besteht.

8

Plankton: Dieses Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „das Umhertreibende“. Gemeint sind damit vor allem mikroskopisch

9

51


kleine Lebewesen, wie Algen oder Kleinkrebse, aber auch größere Organismen wie Quallen, die wie Passagiere mit den Strömungen treiben und nicht wie Fische oder Wale selbst bestimmen können, wohin sie schwimmen. Struthiosaurus heißt übersetzt Straußenechse, angeblich wegen des relativ kleinen und straußenähnlichen Kopfes. 10

Eine kohleführende Schicht, die zwischen zwei Sandsteinschichten eingelagert ist, wird von den Bergleuten - den Knappen - auch Kohleflöz genannt.

11

Eine Fiale ist ein türmchenförmiger Schlussstein eines Pfeilers. In der Gotik wurden diese besonders fein gearbeitet und zahlreich beim Bau von Kirchen, Kathedralen und Domen verwendet.

12

Zu den niederen Pflanzen zählen Moose, Flechten und Algen, die übrigen Samenpflanzen, Bärlapp-Gewächse und Farne - zählen zu den höheren Pflanzen, auch Gefäßpflanzen genannt.

13

Ein Ökosystem ist ein schwierig zu erklärender Begriff. Gemeint ist die Summe aller Lebewesen und Umweltfaktoren, in einem bestimmten Gebiet und deren Wechselbeziehungen zueinander. Alle Lebewesen (Pflanzen, Tiere, Pilze, Bakterien) eines Lebensraumes sind untereinander vernetzt - das eine hängt vom andern ab und umgekehrt - und diese Gemeinschaft (Biozönose) wird von der Umwelt - Klima, Niederschlag, Wind etc. - beeinflusst.

14

Mikroorganismen sind mit freiem Auge nicht sichtbar. Algen, Bakterien, viele Pilze, Einzeller wie Amöben oder Wimpertierchen und viele mehr zählen dazu. 15

Ich hoffe die Ausstellung hat euch gefallen! Bis zum nächsten Mal!

52


Sonntag im Museum Jeden 1. Sonntag im Monat

epage Sonntag finden Sie auf der Hom Das Programm zum jeweiligen er/termine-sonntag-im-museum www.landesmuseum.net/kalend

Nur ein paar Gründe für einen Sonntag im Museum Den Sonntag mit der ganzen Familie im Museum verbringen…. Ins Museum eintauchen… Aktiv tätig sein bei den Kreativstationen für Groß und Klein… Bei Führungen zu wechselnden Themen Hintergründe erfahren… Staunen über Kleines auf der großen Leinwand beim MikroLabor… 13–17 Uhr Kreativstationen „Spielerisch entdecken“ lautet das Motto der Kreativstationen. Passend zu den Ausstellungen des Landesmuseums sind Groß und Klein eingeladen, kreativ tätig zu werden!

13.30– 14.30 Uhr Museumstour – Familienführung

3

Termine 2012/1 Uhr Jeweils 13 –17 ril 1. Ap 6. Mai 3. Juni 1. Juli 5. August

Viel zu entdecken – viel zu erfahren! Unsere Museumstour lädt ein auf eine Reise zu ausgewählten Exponaten und gibt einen Einblick in die Sonderausstellungen.

2. September 7. Oktober 4. November 2. Dezember

15–15.45 Uhr MikroLabor – Winzigkleines ganz groß

6. Jänner 3. Februar 3. März

So klein und doch so groß: Das MikroLabor bietet die Möglichkeit, im hauseigenen Kino „Livebilder“ aus dem Mikroskop ganz groß auf der Leinwand zu betrachten. Fachkundig erklärt, erschließt sich mit eindrucksvollen Bildern eine kleine Welt, die sonst nicht sichtbar ist.


zur Ausstellung KIESEL & KLUNKER Vielfalt aus Niederösterreichs Boden

n e s s i W

www.landesmuseum.net Di bis So von 9 bis 17 Uhr

Sonntag, 21. Oktober 2012, 9 - 17 Uhr Ein Boden-Fest für die ganze Familie! • Kreativstationen zum Mitmachen • MikroLabor zum Staunen • spannende Familienführungen u.v.m.

16. bis 19. Oktober 2012: Abenteuer Wissen für Schulklassen - Eine Woche voller informativer Workshops und Vermittlungsaktionen für Schüler/innen aller Altersstufen! Detailinformationen ab Juni 2012: E: info@landesmuseum.net I T: +43-2742 90 80 90

Fotos: Pappkameradin Carla, G.Navara I Salat, Austrian Resarch Centers GmbH. I Kerbelrübe, Arche Noah I Apfel, Kirsche, Ribisel, pixelio.de

Foto: Rita Newman © Landesmuseum Niederösterreich I Kulturbezirk 5 I 3100 St. Pölten

l a v i t Fes enteuer Ab

16. bis 21. Oktober 2012


Kiesel und Klunker  

Kinderkatalog zur Ausstellung

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