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Ka In it

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Kapitel I Das Flirten und die Ehe Karla: Das Flirten ist der Beginn aller Liebesaffären, die oft mit der Ehe enden. Eine Knospe, die sich gerade öffnet, eine frische Blüte, eine kindliche Unschuld, eine jugendliche Lebenslust. Eine Jungfräulichkeit, die durch die besitzergreifende Liebe verleumdet

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it

und durch die Ehe verraten wird. Piep.

Frau Preuß: Firma Becken. Guten Tag Frau Krawalska. Sie hatten

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angerufen wegen einer Atelierfläche. Vielleicht könnten Sie mich diesbezüglich noch einmal anrufen. Vielen Dank. Auf Wiederhören.

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Piep.

Karla: Ich wollte fragen, ob ich in Amerika mit Euroschecks zahlen kann.

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Kosta: Ja.

Karla: Wo sie mir gesagt haben, Sie haben sowieso kein Limit... Kosta: Oh.

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Karla: ...Das Minus ist bei Ihnen. Kosta: Oh....

Karla: Ich war eine Minute nach 4 bei der Bank, mit irgendwelchen Wischs, die ich auf dem Fußboden gefunden habe. Und der Chef persönlich hat mich reingelassen, weil ich meine Karte vergessen hatte, konnte ich nicht rein in die Bank. Und dann hat er mir auf die Schnelle ein Tausend-Dollar-, ne, Tausend-Mark-Traveller-SchecksDispo gegeben. Kosta: Cool...

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Karla: Ja? Kosta: Voll cool.... Karla: Die habe ich in die Hand bekommen, für alle Fälle, damit ich da nicht verhungere. Und ähm, ja und meine Vermieter haben mir heute auf der Wendenstrasse mitgeteilt, dass sie heute ausziehen und die Schlüssel abgeben. Aus hallenden Räumen haben die mich angerufen und mich auch noch gefragt, dass ich die Miete nicht

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bezahlt habe, worauf ich sagte, natürlich hab ich die nicht bezahlt,

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denn man soll ausziehen und ich hab 800 Mark bei euch an Kaution

gut. Worauf die dann irgendsoeinen Quatsch erzählten und vorher mir

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erzählten, dass der eine Raum, der etwas größere, könnte ich umziehen und, und, und. Und jetzt habe ich grade bei den

Wendenstrassen-Vermietern wenigstens soweit das gebracht...

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Kosta: Ja...

Karla: ...dass ich denen das mitgeteilt habe, dass ich da trotzdem drin bleibe.

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Kosta: Ja...

Karla: Und dass der andere Raum... Kosta: Ja...

Ka

Karla: ...der separat zu mieten ist, viel billiger ist! Kosta: Ja...

Karla: Der wird dann 600 Mark kosten, zur Not nehme ich den, oder 650... Kosta: Ja... Karla: ...äh, dass sie mir Vertrag, in der Zeit wo ich weg bin, hier zuschicken. Kosta: Super!

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Karla: Und ich habe diese Nacht gar nicht geschlafen. Wir sind nach Lingen gefahren... Kosta: Super he... Karla: Ja aber, wir sind dem Tod entkommen, während auf der Autobahn eine Karambolage direkt vor unserem Auto, und das war, wie bei Billardspielen, eine Kugel, das Auto wurde an die Dings geschleudert und prallte auf uns gerade zu, wo wir, ne äh, wo sie

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geschleudert haben, ist Kuba nach links schnell gerade gefahren...

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Und dann prallte das an diesen Bordstein von der Autobahn, worauf er dann zurück wieder prallte auf uns und gerade hinten uns nicht

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erwischte. Ja? Um was weiß ich, um... Und dann waren wir noch 10 Minuten schockiert weitergefahren und nicht angehalten! Am Telefon wollten wir ganze Zeit anhalten, sahen aber vor lauter Schock kein

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Telefon, irgendwann doch, wo ich totale Angst hatte, dass diese ganzen Laster, die an uns vorbei fahren, sie mich schleudern. Und danach musste Kuba noch auf der anderen Seite, bei mir vorne

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aussteigen, weil er totale Angst hatte, wir hatten das Baby von Olivia, das Auto wäre voll in das Baby oder in mich reingefallen. Und äh, dann haben wir angerufen, das war ungefähr 10 bis 15 Minuten

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später. Worauf die Bullen da sagten, niemand hat angerufen... Und das war ziemlich großer Unfall! Kosta: Und sind die rausgeflogen dann, die anderen oder so...? Karla: Ja! Da war keiner von der Autobahn! Da war ziemlicher Verkehr! Niemand hat das gemeldet! Kosta: Oh Gott... Karla: Ja!? So lassen die die Leute verrecken! Die waren bestimmt gestorben! Oder ich weiß es nicht... Das war ziemlich schlimm! Und, und, äh, wir sind so spät losgefahren, die Ausstellung bis 5 Uhr

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morgens fotografiert und immer so... und waren wir hier ... und ich hab nicht geschlafen, und äh, und die Nacht davor nämlich auch nur 2,5 Stunden, weil wir hier ne Wahnsinns-Party hatten... Kosta: Die war sicher klasse oder? Karla: Die Party war auch klasse... Jetzt will ich das nur alles in telegrafischer... Kosta: Jaja...

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Karla: Ich muss noch zu Budnikowsky mir Schuheinlagen kaufen.

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Kosta: Jajajajaja.

Karla: Äh ja, und weißt du, wollte dich ganz kurz nur beruhigen. Ich

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hab alles mitbekommen, aber ich konnte nicht, ich bin so durchgeknallt.

Kosta: Das macht überhaupt nichts, ich wollt’ s einfach nur dir sagen.

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Karla: Ja.

Kosta: Ist mir klar, das du jetzt am rumradeln bist. Karla: Nö... aber alles ist toll und ich lebe und ich hab Traveller-

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Schecks und ich hab vielleicht einen Mietvertrag und oder den anderen, erstmal bin ich gesichert damit. Und mit der Theaterförderung hab ich telefoniert.

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Kosta: Sehr gut...

Karla: Das geht absolut, ich mache jetzt nur eine kurze Kalkulation und eine kurze Beschreibung und alles andere kann ich am 10. einreichen. Und für Clubs sehr wohl ja!? Man muss das gar nicht so groß betonen mit Theater. Kosta: Du kannst das ja rausschmeißen... Karla: Nein! Ich wollte nur sagen, ich hab mit dem Typ überredet telefoniert. Und. Ja. Kosta: Sehr gut!

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Karla: Ja? Kosta: Wunderbar! Karla: Ja? Kosta: Fantastico! Karla: Ja! Wie war’s denn in Berlin? Kosta: War lustig. Ich hab da, äh, äh, ´nen langen Spaziergang gemacht und die Stadt war total klasse, mit Christopher, so einem

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Freund von Jens. Und dann mit Jens und mit Anne und mit Baby. Und

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dann haben wir irgendwie so Nino Rota Musik gehört und Baby-

Filme geguckt und Sachen rausgeschrieben und es war total klasse.

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Hat total Spaß gemacht so. Und dann bin ich heut’ zurückgedüst und jetzt bin ich hier. Karla: Gut.

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Kosta lacht.

Karla: Ich hab so eine Glücksträhne im Moment. Ich glaub’ ich hab eine Glücksträhne.

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Kosta: Toll.

Karla: Das mit dem Unfall gehört auch dazu. Kosta: Mannomannomannomann!

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Karla: Ja... das war echt... Das war so ein Film! Mit diesem Unfall! Vor deinen Augen sozusagen bist du dem Tod entkommen! Kennst du, so wie, wenn du am... ach egal! Ich glaube, ich hab dir das sehr deutlich erklärt. Kosta: Ja, ich hab´ s verstanden. Karla: Da war jemand anderer wohl am Steuer eingeschlafen und plötzlich merkt der das und bremste so volle Pulle. Und rutschte dann... Kosta: Und ist dann ausgebrochen... Hilfe, Hilfe, du..

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Karla: Ja... lange Pause... Ja, ich wollte mich melden. Piep. Frau Winkler: Guten Tag, Firma DGS, Winkler. Frau Krawalska, es geht um die Schaben bei Ihnen in der Wohnung. Wir sind das Schädlingsbekämpfungsunternehmen und waren auch schon mal bei Ihnen. Jetzt steht die erste Nachbehandlung an und ich möchte Ihnen gern am Montag, dem 6.12. einen Techniker schicken. Ich bitte Sie

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dringend um Rückruf, falls Sie an dem Montag nicht im Hause sind,

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unter Telefonnummer 75494525. Danke schön. Piep.

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Kosta: Du, warst schon beim Arzt? Ich hab natürlich deine blöde

Karte. Bist Du noch da Karlaaaa...? Hier bin ich... Düdelidüdelidü... Du bist nicht da? Scheiße! Ich hab diese Karte jetzt natürlich

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vergessen, in diesem ganzen Trubel und Eifersüchteleien und Beleidigtsein und diesen ganzen anderen seelischen Krankheiten hab ich völlig diese Hauskrankheitskarte und Halswehkarte völlig mit mir

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hingenommen zur mir auf meinem regnerischen Fahrrad. Du! Ähm, ich bin zu Haus’. Es ist 11. Ich bin vielleicht kurz auf dem Markt, höchstens 20 Minuten oder so. Ich bin hier. Wo bist du? Es war grade

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noch besetzt bei dir... Okay... Ähm, okay, bis, bis, bis, bis später. Ciao! Piep.

Richarda: Ähm, hallo Karla hier ist Richarda, ähm, ich hatte damals deine Perücke mitgenommen und wollte sie an dem Tag auch zurückbringen vor New York und jetzt ist meine Probe sehr lang gewesen und später sprach ich mit Kuba darüber und wollte sie ihm noch bringen sehr spät und er meinte dann, das hätte sowieso keinen Sinn und ich solle es doch lieber, wenn du zurück kommst, machen.

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Und ich hab ihn wirklich auch gefragt, ob er meint, dass es okay ist. Tut mir leid, dass das irgendwie nicht geklappt hat, aber ich bin auch selber so, irgendwie in einer Scheiße gelandet an dem Tag. Na ja. Jedenfalls ähm, kann ich dir die auf jeden Fall bringen jetzt, dass du die zu deinem Auftritt hast. Das wird kein Problem sein. Ruf mich doch einfach an, dann können wir ausmachen, wann du sie, wann ich sie dir irgendwie vorbeibringe, oder wie wir uns treffen ja? Okay,

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danke, Tschüss. Piep.

Kordian: Ja, hi Karla, hier ist Kordian. Ja nun, also bist du wieder da

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oder was? Ich hab dir gemailt. Aber da warst du wohl schon weg, das kam zurück. Beziehungsweise kam ‚ne Antwort zurück. Ja, Mensch ich schwitz hier ganz schön. Ich hab jetzt selbst dieses ISDN Ding

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bestellt, weil die FSK irgendwie nicht fähig waren. Rechnung geht aber erst dort. Du wolltest dich kümmern. Das hast du vorher nicht gemacht, vor New York. Ich hoffe, du machst das dann jetzt. Wenn du

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so toll bist, drin. Und wir sind auch angekündigt, im Radio, worden. Und ja, ich hoffe du kommst auch morgen zu meiner Nowy Jork Show. In die ebenfalls Schilleroper. Also ich muss dir mal sagen,

Ka

Karla, ähm... Unser Radiotermin war, und da kannst du dich nicht beschweren, es war der allerletzte aller drei unglücklichen Termine, die ich jetzt hier habe, der allerletzte, der bekannt wurde, ne, normal hätten wir nämlich nur Radio gehabt. Okay. Das nun mal. Dann schlepp ich das mit Erhard hin, aber wir müssen noch jemanden finden, der, das soll alles ganz einfach sein, aber, der das einschaltet. Ja... Okay. Also Du kommst morgen, hoffe ich. Und ja, bis dahin hab ich auch viel zu tun. Ich hoffe New York war erfolgreich und du

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machst demnächst noch mehr so super Anrufbeantwortersprüche, weil... Piep. Florian: Ja hier ist Florian, hallo. Ich weiß auch, warum das Flirten besser ist als die Ehe, weil die Ehe einen nämlich zu Hause hält! Manchmal. Weil man auf Kinder aufpassen muss und gebunden und gefesselt im Bett liegt und nichts tun kann und sich nicht bewegen

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darf und weint und schreit und eigentlich auf Partys gehen will und

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sich amüsieren und betrinken und Filme gucken und so. Das wollte ich alles am Samstag machen, aber aus eben genannten Gründen

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konnte ich das nicht machen. Karla, ich weiß es sehr zu schätzen, dass du mich eingeladen hast und ich hoffe, dass ich es mir mit dir nicht verscherzt habe jetzt. Weil ich so doof bin und verheiratet bin und

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nicht flirte. Also, tschüss! Piep. Karla: Schwarzer Typ?

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Kosta: Schwarzer in Prag.

Karla: Wieso bist Du mit ihm ins Bett gegangen? Kosta: Weil der hat mich einfach mit ins Bett genommen, das

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Arschloch. Der hat immer gemeint, ich müsste jetzt endlich mal mitkommen und so. Und hat dann einfach, das war so’ n Typ, da bist du aufgestanden morgens irgendwie und dann hat er gleich deine Hose aufgemacht und an deinem Schwanz rumgelutscht und so. Karla: Hat er an deinem? Kosta: Ja, ja. Da tut sich bei mir aber überhaupt nichts, wenn ein Mann an meinem Schwanz rumlutscht, der bleibt einfach unschuldig und klein wie ein junger Vogel. Karla: Er wollte dir den aber hochlutschen.

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Kosta: Ja ja. Und scheint irgendwie sein Ding zu sein. Dann hat er gemeint, dann soll ich an seinem Schwanz rumlutschen. Weil wir eh irgendwie die ganze Zeit immer betrunken oder bekokst oder bei irgendwas waren, war’s auch völlig wurscht und so, hab ich halt an seinem Schwanz rumgelutscht. Karla: Aber seiner war steif geworden? Kosta: Seiner war steif geworden wir Hund.

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Karla: Es war ’n schwuler oder nicht?

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Kosta: Klar war der schwul! Und wie! Das war der schwulste

Schwule, den ich je kennen gelernt hab’ so. Der war schon fünzig

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oder so aber noch total fit. Karla: Lebte der denn da in Prag?

Kosta: Ich glaub, der lebt immer noch in Prag.

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Karla: Aber wie hast du ihn kennen gelernt?

Kosta: Den hab ich... Ich hab da einfach jemanden besucht, äh, Kosta, ja, der heißt auch Kosta. Kosta ist ein junger, ehemals Filmemacher,

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macht so Editing und so Zeug. Und den hab ich da besucht. In Prag. Karla: Atmest du schon so schwer, weil du so aufgeregt bist? Kosta: Ja. Ich atme nicht schwer, ich rauche ’n bisschen und ich lieg

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so ’n bisschen auf’m Bett so auf der Seite. Meine Lunge ist echt im Arsch. So ’ne scheiße. Ich muss wieder mal gesund leben, so. Morgen geh ich, glaube ich, in die Sauna. Karla: Aha. Kosta: Und dann geht’s mir wieder besser. Karla: Und dann hast du den da kennen gelernt. Und hat der dich auch in den Arsch gefickt? Kosta: Nein! Karla: Warum nicht?

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Kosta: Weil ich das nicht wollte! Karla: Du hast ihn gefickt? Kosta: Nein! Karla: Auch nicht? Kosta: Nein! Karla: Nur lutschen? Kosta: Ich kann das nicht. Ich bin da, da bin ich einfach Scheiße. Das

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geht einfach nicht.

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Karla: Aha.

Kosta: Ich krieg da einfach keinen steifen Schwanz da.

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Karla: Aha.

Kosta: Keine Ahnung, wie das wär’s, wenn man das in der Gruppe macht, keine Ahnung, wenn da noch andere Frauen dabei sind, oder

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so, vielleicht würde ich das dann hinkriegen oder so. Aber irgendwie. Karla: Wollte er dich in den Arsch ficken? Kosta: Na logisch! lacht. Der wollte alles. Der hätte auch Autos

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gefickt. Und Fahrräder. Alles hätte er gefickt. Irgendwie so. Karla lacht.

Kosta: Der war total durchgedreht, der Typ so. So’ n Ecstasy -

Ka

Wahnsinniger.

Karla: Aber ihr habt Ecstasy genommen und dann ward ihr so geil! Kosta: Ich hab keins genommen. Aber er hat dauernd irgendwas genommen, so. Wir sind auf allen Feten rum gerannt und so. Und er war so der Partyhengst dort. Karla: Ja, das war der Eine und der Zweite? Kosta: Der zweite Typ, das war’ n Italiener, lacht. Ach, immer so was... Erst so’ n Schwarzer, dann so’ n Italiener. Komm, du! Es war so.

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Karla: Ja, und wie war das? Kosta: Das war ganz schrecklich. Das war furchtbar! Karla: Wieso? Kosta: Ich war ganz jung. Da war ich vielleicht 17 oder so. Oder 18. Und der hat mich dann irgendwie angefaselt an irgend so einem, in, in Palermo! Karla lacht laut: In Palermo!!

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Kosta: Am Bahnhof! Und... Der hat schon so weinerlich ausgesehen

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und hatte so Triefaugen und hat so gebettelt, ob ich nicht mitkomme.

Und dann dachte ich so, ja gut, ging ich halt mit und so. Wie man halt

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so ist. Karla: Wie so?

Kosta: Na ja, man will ja auch nicht so spießig sein und so. Man will

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ja auch mal sehen, ob man das nicht auch kann und so. Und dann bin ich mit ihm mitgegangen in so ’ne grauenhafte Bude. Die war Horror! Horror!

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Karla: Zu ihm oder was?

Kosta: Ja! Und dann haben wir da so’ n bisschen rumgemacht und so. Und dann bin ich wieder abhauen.

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Karla: Geküsst oder was?

Kosta: Ja, geküsst hat er mich auch. Und rumgefummelt. Aber es war einfach schrecklich. O Gott, wenn ich daran denke, buah. Karla: Aber da hast du einen Steifen gekriegt. Kosta: Nein! Karla: Auch nicht... Kosta: Nein. Karla: Aber er. Kosta: Ja!

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Karla: Er wollte dich ficken. Kosta: Ja! Karla: Und du? Kosta: Ich wollte mich aber nicht ficken lassen. Das fand ich total... Das fand ich Horror. Karla: Das war dir dann unangenehm in dem Moment. Zuerst wolltest du...

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Kosta: Nein, ich, ich wollte, ich dachte, vielleicht schaff ich’ s ja,

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vielleicht kriege ich es ja hin.

Karla: Hast du dann mit dem Gedanken gespielt, dass du vielleicht

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schwul bist?

Kosta: Nicht, dass ich schwul bin. Aber ich hab mit dem Gedanken gespielt, das auch zu können. Dass einfach für die andere Hälfte der funktioniert. Karla: Aha.

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Menschheit auch potentiell besitzen zu können. Das hat aber nicht

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Kosta: Das hat einfach nie funktioniert. Auch wenn ich mit Männern und Frauen im Bett war. Das war immer scheiße. Karla: Wenn du mit Frauen im Bett warst?

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Kosta: Nein, wenn ich mit einer Frau und einem Mann im Bett war. Karla: Das klappte auch nicht? Kosta: Das hat geklappt. Aber das war einfach, da hätte ich auf den anderen Mann großartig verzichten können. Karla: Aha. Also du warst mit einem Mann und einer Frau im Bett! Kosta: Ja. Karla: Und wie war’s? Erzähl mir das jetzt! Kosta: Das war betrunken und nicht sehr berauschend irgendwie. Karla: Aber der Mann hat...

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Kosta: Das eine Mal war das ganz klasse, weil das ’ne Frau war, mit der ich unbedingt schlafen wollte. Die fand ich total super. Und der andere Typ hat das irgendwie so... Karla: Eingefädelt? Kosta: Ja, eingefädelt. Karla: Und die war mehr scharf auf ihn oder auf dich? Kosta: Äh, die war eigentlich auf beide scharf. Oh, ich hab noch mal

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mit der... Dreimal hab’ ich das gemacht. Die war äh, die war immer

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scharf. Eigentlich so. Auf alles, so. Und hinterher waren wir dann beide ihre Liebhaber, aber immer getrennt.

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Karla: Aha.

Kosta: Also beide haben dann mit ihr weiter kontaktet und haben sie getroffen.

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Karla: Parallel!

Kosta: Genau. Und das war viel besser. Es wussten auch alle voneinander und es war alles total in Ordnung. Und die war auch

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verheiratet und so.

Karla: Ach so, ach ja. Und mit dem Ehemann hat sie nicht geschlafen?

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Kosta: Mit dem Ehemann, weiß ich nicht, ob sie mit dem so viel geschlafen hat. Karla: Aha.

Kosta: Aber die kennen sich auch schon 160 Jahre. Karla: Wer kennt sich 160 Jahre? Kosta: Die beiden da, die kennen sich schon ewig und so. Karla: Ach so, die anderen. Kosta: Die haben dann irgendwann mal geheiratet. Ich glaub damals war sie noch gar nicht verheiratet. Die haben erst später geheiratet.

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Karla: Aha. Und das war das eine Mal oder, das war das dritte Mal mit einer Frau und einem Mann oder was? Kosta: Jedes Mal mit einer Frau und einem Mann. Karla: Das waren drei Mal. Kosta: Ich war nie mit zwei Frauen alleine. Das kenne ich nicht. Karla: Aha. Ja, ich kenne das nur so. Kosta: Du kennst es nur mit zwei Frauen und einem Mann?

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Karla: Ja, mit einer anderen Frau und mit einem Mann.

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Kosta: Ja siehste, das ist ja genauso blöd. Für dich wär´ s sicherlich auch spannender mit zwei Männern oder so was. mit zwei Männern schon. Kosta: Also auch, beides.

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Karla: Ja, das würde ich auch gerne mal ausprobieren. Doch, och, war

Kosta: Aha.

In

Karla: Ja. Aber der eine war nicht so toll. Halt. Karla: Ja, das ist, einer ist immer... besser.

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Kosta: Ja eben, das ist ja der Scheiß! Karla: Das ist der Scheiß, ne? Kosta: Man ist ja doch wählerisch. Man ist ja doch nicht, wie sagt

Ka

man...

Karla: Ne, aber ich kann mir vorstellen, zum Beispiel, man ist ja mit ja mit einem, mit dem man schon öfter ins Bett geht, scharf auf eine dritte Person. Ja? Kosta: Ja. Karla: Das finde ich ganz gut. Und dann ist es so, dass man den anderen in dem Moment gar nicht anders kriegen kann, nur zu dritt halt. Dann muss man halt zu dritt ins Bett gehen.

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Kosta: Ja, irgendwie ist es immer so ’ne Notlösung oder so was. Find’ ich. Oder irgendwie ist es nie... Also ich finde Sexualität am besten zu zweit, ehrlich gesagt, so. Karla: Jaah... Kosta: Es ist irgendwie am reichsten komischerweise, so. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass mit 20 Leuten zusammen rumzuvögeln so toll ist, oder so. Ich glaube das würde mich eher ablenken.

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Karla: Nein. Ist auch nicht toll. Aber mal ausprobieren.

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Kosta: Ja, ausprobieren ja. Natürlich. Das hab ich auch ausprobiert.

Aber die ganzen Sachen, die ich da ausprobiert habe, hab ich einfach

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ausprobiert, um des Ausprobierens Willen. Damit ich später mal meinen Enkeln sagen kann: ’Ja, der Opa hat auch Gruppensex gehabt.’

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Karla: Wie viele Enkel willst du denn jetzt haben? Wo willst du die denn jetzt herhaben?

Kosta: Also Fritz wird, wenn er nicht schwul wird, was ich nicht

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glaube...

Karla: Ja? Was wird er?

Kosta: ...vielleicht macht der Enkel... Kann doch sein.

Ka

Karla: Aha. Na ja.

Kosta: Vielleicht fünf oder sechs. Karla: Dann lad’ mich doch ein, wenn du Opa wirst. Kosta lacht. Karla: Lad’ mich doch zum Spaziergang ein. Soll ich den Stock schon mitbringen? Kosta: Hm, ja...Vielleicht wirst du früher Oma, als ich Opa. Das weiß man nie. Karla: Ich werde Oma...! Früher!

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Kosta: Weiß der Teufel. Karla: Vielleicht gehen Fritz und Greta miteinander ins Bett. Kosta: Und machen ein Kind! Karla: Und dann sind wir verwandt! Kosta: Das wär’s geil, he? Karla: Ja? Karla: ...Gemeinsam.

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Kosta: Einen gemeinsamen Enkel, lacht.

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Kosta: Das wär’s super! Dann hätten wir irgendwie was...

Karla: Genau! Immerhin!

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Kosta: Auch nicht schlecht die Geschichte oder? Karla: Ja, die Geschichte ist nicht schlecht. Kosta: Der gemeinsame Enkel.

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Karla schreit: Ah, oh Mann!! Der Hörer fällt daneben.

Karla: Ich dachte Wasser läuft über. Im Bad.

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Kosta: Oh, hast Du mich erschreckt! Karla lacht: Ich hab mich doch selber erschreckt. Kosta: Au Mann! hustet. Ich krieg’ grad einen Asthmaanfall vor lauter

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Schreck.

Sirenen sind zu hören. Karla: Das ist die Athmo bei dir? Kosta: Das ist immer meine Athmo hier. Das ist ja, weil die Feuerwache Süd ja hier um die Ecke ist. Karla: Ach so. Kosta: Das ist immer die Feuerwehr, tütü. Und bist du heut’ Abend auf der Schuh-Schuh-Show? Karla: Ja, wieso? Ich bin doch ein Part.

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Kosta: Stimmt, du hast ja gesagt Du bist Dingsbums. Du bist äh ein Part genau. Karla: Bist du da? Kosta: Ja ich bin auch da. Karla: Das ist ja süß. Kosta: Ja ich bin auf jeden Fall da. Karla: Warum?

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Kosta: Ich hab’ Flyer in die Hand gedrückt gekriegt von netten Leuten

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und so weiter. Und ich hab mich schon lang... Wer hat mich noch dazu eingeladen?

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Karla: Na ja... Weiß ich doch, Charlotte. Kosta: Charlotte hat mich eingeladen. Karla: Na, die ist doch auch ein Part. auch eingeladen.

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Kosta: Die ist auch ein Part. Und eine Frau, die Katja heißt, hat mich Karla: Wer ist denn Katja noch mal?

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Kosta: Die sieht aus wie so’ n Troll. Die sieht aus wie... Weißt du, was ’n Troll ist? Diese norwegischen... Karla: Katja ist doch die Freundin von Philipp!

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Kosta: Philipp... Ja genau! Das kann sein! Karla: Die Frau von Philipp. Kosta: Genau! Die sieht aus, wie so n Troll. Wie so’ n norwegischer Waldschrat. Die hat mir ’ne Karte in die Hand gedrückt und noch jemand... Karla: Ja? Haben sie Flyer gemacht? Kosta: Ja. Also ne. Das sind so N und K Flyer. Karla: Dann hat dir Charlotte was in die Hand gedrückt. Ich meine, Chrome.

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Kosta: Jaja. Chrome, Charlotte. Ich kenne nur eine Charlotte. Karla: Na, dann Caroline? Kosta: Carolin! Genau! Die hat mir auch eins in die Hand gedrückt. Drei Weiber, Wahnsinn! Und dann dachte ich, da geh’ ich hin. Wann ist das, um 8 oder so was, ne? Oder später? Karla: Nein. Ich bin da erst um halb 10. Also, das ganze fängt um10 an.

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Kosta: Um 10 fängt´ s erst an. Sehr cool. Dann kann ich ja entspannt

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sein. Karla: Ja.

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Kosta: Ich hab übrigens noch ´nen Job angeboten gekriegt. Karla: Ja?! Kosta lacht.

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Karla: Ja, das ist toll. Auch zum Sprechen?

Kosta: Nee, da müsste ich in einem Pink-Panther-Kostüm über die Bühne rennen.

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Karla: Ja! Also, dann läuft es jetzt ein bisschen. Kosta: Das würde ich machen auch, so. Ist mir scheißegal. Karla: Dann läuft es jetzt ein bisschen. Ach so, du wolltest mich

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anrufen. Hast du nicht.

Kosta: Ich wollte Dich anrufen? Piep. Rolf Suhl: Guten Tag, hier spricht Rolf Suhl von der Kulturbehörde. Leider erreiche ich Sie nicht. Sie hatten noch mehr Fragen zu dem Förderungsantrag. Bitte rufen Sie mich doch zurück, ich bin in der Kulturbehörde zu erreichen unter 42824 und die Durchwahl 223. Ich wiederhole 42824223. Danke und tschüss. Piep.

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Karla: Ich kann nicht... Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Zu dem Ganzen. Kosta: Ja ich meine, zu meiner Frage, zu dem Inhalt ist ja kein Problem was zu sagen... oder so. Aber es hängt halt alles zusammen, so... Karla: Natürlich hängt alles zusammen... Eben... hängt alles zusammen...

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Kosta: Und dir geht’s auch nicht so ganz besonders gut, oder so?

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Karla: Doch... Mir geht’ s schon...

Kosta: Weil Du auch irgendwie so’ n bisschen so... bist bu irgendwie

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so...

Karla: Ich bin krank. Siehst du doch. Ich bin richtig krank. Kosta: Ja?

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Karla: Ach leise, ja ich bin den ganzen Tag rumgelaufen. Kosta: Ja, du kannst ja auch ruhig leise sein. Ist doch total in Ordnung. Ich sag’... Ich merk einfach...

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Karla: Weißt du, ich hab’ dir das gestern gesagt. Wir haben telefoniert miteinander und ich hab gesagt: ‚Ach weißt du, irgendwie hab’ ich Angst.’ Oder ich hatte kein gutes Gefühl.

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Kosta: Das hast du gesagt, ja.

Karla: Ich hatte kein gutes Gefühl. Gestern. So. Manchmal ist das...eh...

Kosta: Ne, manchmal stimmt das dann. Karla: Weißt du, ich bin... ich, ich... ich habe keine, irgendwie, ich hab’ keine Lust immer so’ n Spiel zu machen, als wäre es nichts. Und dann bin ich natürlich irgendwie... eh... sehr gerne mit dir. Und dann, dann gehen wir mal zum Imbiss, na gut... Ansonsten flattern immer ganze Zeit irgendwie diese Fotos rum. Und du bist oft bei mir. Und

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dann ist es nicht so’ n großes Geheimnis jetzt. Ich meine, vielleicht erzähle ich nichts darüber der Welt, dass wir miteinander ins Bett gehen. Aber ansonsten... Sogar Kuba merkt das, ja? Und irgendwann ist es ihm dann zuviel. Und an dieser Kleinigkeit... Er hat das nur jetzt gerade ausgeharrt, dass er sehr empfindlich geworden ist, weil er das natürlich weiß und so. Ja? Kosta: Hm.

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Karla: Dann fühlt er sich so offensichtlich ... eh ... verhornt oder...

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weißt du? Kosta: Mh.

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Karla: Weil er da, was weiß ich, das nicht so toll war für ihn da, an dem Plattenteller zu stehen, oder ich hab keine Ahnung. Weil nicht genug Weiber da hingekommen sind, oder ich weiß es nicht. Ne?

In

Kosta lacht: Na klar. Das hängt natürlich auch damit zusammen. Wenn das irgendwie ’ne berauschende Ballnacht gewesen wäre, wäre das auch völlig anders gewesen.

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Karla: Genau. Wenn da Silvia gewesen wäre... die ihn die ganze Zeit befummelt hätte...

Kosta: Dann wäre das auch völlig anders gewesen.

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Karla: Dann wäre das völlig egal. Kosta: Mh.

Karla: Und dann hat er nie, was weiß ich, sich eifersüchtig gezeigt. Und das war einfach echt das erste Mal im Leben, weißt du? So kannte ich den gar nicht. Und ich hab ihm noch nie, glaube ich, Pommes gebracht. Kosta: Mhm. Karla: Ich hab ihm noch nie was zu essen mitgebracht. Kosta: Mhm.

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Karla: Ich hab’ das erste Mal an ihn gedacht. Dass er da steht und vielleicht Hunger hat. Kosta: Hm. Karla: Ja doch, manchmal schon. Aber jetzt nicht so irgendwie in einer Veranstaltung oder so. Kosta murmelt: Mh. Musik läuft plötzlich laut, hört wieder auf.

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Karla: Was?

be

Karla: Ja das ist komisch gewesen. Und dann finde ich das ein

bisschen doof, weil ich gar nicht das jetzt gebrauchen kann. Oder ich

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möchte das gar nicht, irgendwie, mich jetzt zensieren. Ob ich dich anrufe oder nicht. Kosta: Mhm.

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Karla: Weißt du? Oder irgendwo... Eigentlich will ich mal alles ausleben, statt zu dämpfen. Und wenn ich dann... Na ja... Ein bisschen schlägt das... Weißt du, das ist so wie in der Kunst. In der Kunst kann

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man auch nur verrückt sein, wenn man total frei ist. Man keine Sorgen hat. Und wenn ich hier so Beziehungssorgen auf einmal habe, was weiß ich, um die eine Liebe, dann kann ich mich der anderen gar nicht

Ka

so hingeben.

Kosta: Mhm.

Karla: Das ist doof! Ich will das gar nicht so haben. Aber es wird schon. Glaub’ ich. Kosta: Ich hoffe auch. Karla: Jaha. Kosta lacht: Ich meine, ich wollte einfach wissen, wie es dir geht und so weiter und so fort und so.

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Karla: Irgendwie... Ich wollte heute eigentlich zu dir kommen. Jetzt weiß ich gar nicht. Jetzt fummel´ ich erstmal hier rum. Ich muss mich. Ich muss mich fühlen. Kosta: Und gehst du zu... zu... zu... zu 88 da...? Karla: Zu Gustav? Nein! Kosta: Gehst du nicht hin? Kosta: Weil ich denke, ich geh’ vielleicht da hin.

be

Karla: Ja, geh doch da hin!

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Karla: Ich bin gerade nach Hause gekommen.

Kosta: Und wenn du kommst, würdest du später kommen oder so?

Ar

Karla: Ich würde anrufen, Kosta, mach dir... Also du sollst nicht auf mich warten.

Kosta: Nein..., ich warte nicht auf dich. Ich wollte einfach nur...Ich wann.

In

freu mich halt, wenn ich dich seh’. Und wollte einfach wissen, wenn, Karla: Wir haben noch paar Tage Zeit im Leben.

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Kosta: Ich will dich nicht einfach dumm verpassen wollen. Aber ich geh’ davon aus...

Karla: Ich gehe davon aus, dass... Wenn ich dann... Ne? Beide

Ka

lachen... Dass du vielleicht spät nach Hause kommst. Kosta: Ach ich weiß nicht, ich werde nicht so ewig bleiben dort, glaube ich. So. Weil morgen ist ja auch noch mal so’ n langer FetenTag und so. Karla: Ja, und ich muss mich eigentlich vorbereiten. Weil Kordian macht das nicht für mich. Ich will mir eine Deko ausdenken. Ich muss am Nachmittag einbauen. Und ich wollte... Ach vielleicht doch wollte ich lieber zu Hause bleiben, weißt du? Kosta: Mhm. Und was basteln oder so...?

22


Karla: Jaa... Vorbereiten am Computer, ein bisschen besinnen. Das ist mein erster einziger Abend alleine. Ich war schon ganz lange nicht alleine. WeiĂ&#x;t du? Kosta: Mhm.

Ka

rla

In

Ar

be

it

Karla: Und dieser Jetlag, der schleudert mich immer noch... Piep

23


Liebeskrebs Kapitel II Alles wird seinen Weg Fließen, das ist der Lauf Das Schicksal bringt dich Zu den unbekannten Orten Von oben schaust du in das Tal Der Wind nimmt dir die Luft

Ar

Ich werde ein wenig bei dir bleiben

be

it

Den Berg gehst du jetzt hinauf

Dann muss ich zurück in meine Gruft Ich bin dein Herzinfarkt

In

Dein Krebs, dein Aids, dein Heroin Nimm mich in die Arme

Atme mich ein, atme mich ein

rla

Halte den Teufel drin

Ich sehe mich im Spiegel

Sehe drastisch, dramatisch

Ka

Furchtbar traurig aus

Wann dürfen wir wieder sammeln vom Leben den Applaus, Applaus Wann verlierst du die Angst vor mir Wirst gehen aufs Ganze Wann verlierst du die Fassung Schlägst mich klein zu Boden Verscheuchst im Zimmer die Wanze

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Kuba: Wie heißt der Laden noch mal? Da möchte ich aber auch mal hingehen. Karla: Land unter. Da gehen wir mal hin. Oder du gehst alleine hin. Kuba: Genau. Karla: Das ist so schön, das ist so wie in meinem früheren Garten, weiß du, wo ich noch mit Jason gewohnt habe, eigentlich noch besser. Das gefällt mir total, das ist so richtig schmuddelig. Ich stehe total auf

it

diese... Tut mir leid, aber ich stehe nicht auf Yuppie - Zeug. Ich sitze

be

lieber in so einem Laden. Kuba: Ja. und das ganze so marode.

Ar

Karla: Und mit geilen Leuten, die schick sind, also Leute sind schick, Kuba: Ja das finde ich auch. Ja, na klar, das ist doch dann auch

In

genauso wie in deiner Heimat Karla.

Karla schluckt: Ja! Mh. Und das finde ich immer alles besser, als... Ja!?

rla

Greta schreit im Hintergrund: Ja! Karla: Was ist denn? Ja? Was? Sag doch jetzt 1,2,3, ich unterhalte mich doch gerade. Was denn?

Ka

Greta: Wo ist mein Schülerausweis? Karla: Du, das weiß ich jetzt nicht genau. Brauchst du den? Greta: Ja!

Karla: Ja, ich finde den gleich. Ok. Jetzt unterhalte mich hier, ja, die packt doch hier ganze Zeit, das ist hier irgendwie... Ich hatte schon so Panik, dass ich das nicht finde und das nicht finde. Weißt du, wen ich noch zufällig getroffen habe, da in diesem Land unter? Das glaubst du ja nicht! Diese Sonja von Planet Pussy ja? Kuba: Ach.

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Karla: Sie wollte auch mit ihrem Typen, mit ihrem Freund, gestern Abend kommen, haben sich schon Babysitter besorgt. Und dann haben sie das abgegeben bei ihren, was weiß ich... Hat sie mir alles erzählt gestern, bei den Eltern, von ihm oder von ihr, irgendwo bei den Großeltern, das Kind. Und dann haben sie, meistens ist das so, dass der Streit dann beginnt, wenn sie das Kind weghaben. Kuba: Wieso?

it

Karla: Weiß ich nicht. Dann hatten sie auf einmal Streit. Wenn das

be

Kind weg ist. Ja dann hatten sie Streit und sind nicht hingekommen.

Ar

Piep.

Kuba lacht: Karla, hier ist Kuba. Also, pass mal auf. Pass mal gut auf. Ähm... Wir wollen doch die Sachen abholen jetzt da. Vom Kino. Und

In

ich will das natürlich heute Morgen machen, damit ich dann ins Studio kann. Und, und, und, und wo bist du denn jetzt? Also ich mein, äh, du musst mir ja auch helfen da. Und äh... Ich glaube, wir müssen

rla

doch ‘n Taxi nehmen, weil das ist so umständlich mit den Autos. Hannes kann ich nicht erreichen und von Kordian das Auto ist voll mit Schrott. Und was ist denn jetzt eigentlich los da? Geht doch gar

Ka

nicht alles. Was soll denn das alles. Ne? Das ist meine Meinung. Das ist meine Meinung von der ganzen Chose. Tschüss. Piep. Karla: Ich soll Radio hören? Kuba: Da lief grad’ dieses tolle Stück. Ähm... Dieses von den Cardigans. Was ich so gut finde. Karla: Was ist das? Kuba: Love me, love me. Say that you love.

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Karla: Ach so. Ich hab Radio angemacht. Seitdem läuft nur Schrott da. Arbeitsloseninfo, jetzt läuft Sportinfo und davor irgendwie so Vorträge zur Französischen Revolution. Kuba: Oh je. Karla: War nichts für mich dabei. Kuba: Komm’ setz dich mal hier kurz hin. Kannst mich ‘n bisschen beplappern.

it

Karla: Ich hab gerade geschlafen. Deswegen kann ich dich nicht so

be

gut beplappern... Bin so müde geworden. Ich hab geschlafen. Es ist

jetzt hier 7 oder so was oder halb 8 und ich hab um halb 5 bis... zwei

Ar

Stunden geschlafen. Kuba: Oha.

Karla: Das ist komisch am Nachmittag zu schlafen.

In

Kuba: Ja.

Karla: Ja, weil ich war um 5 aufgestanden, du. Wir sind nicht mehr ins Bett gegangen mit Jason. Und äh... ne? Verstehst du?

rla

Kuba: Mhm.

Karla: Ich war irgendwie um 11, da waren wir schon, hohoho... Ich sag dir, da waren schon so viele Stunden vergangen. Wir waren schon

Ka

voll dabei.

Kuba: Wobei noch mal? Karla: Egal, verschiedene Sachen. Wir haben Greta doch heute Morgen zu diesem Bus gebracht. Kuba: Also jetzt ist Viertel vor 8, ich schätz mal ich brauch ungefähr... Karla: Du, ich geh’ ins Kino und so, ich... Kuba: Ah... Ja und wann kommst du wieder? Karla: Das weiß ich nicht genau.

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Kuba: Dann machen wir das, ähm... Morgen Abend oder so. Karla: Ja. Das wäre schön. Kuba: Das wäre schön, ne? Karla: Jaa, wir könnten mal irgendwas machen und gleichzeitig miteinander... Kuba: Ja. Karla: Ich hab so geile Sexgedichte.

it

Kuba: Sexgedichte?

be

Karla: Von so ’m Polen. Kuba: Ah. Schön.

Ar

Karla: Es gibt so eine deutsch-polnische Zeitschrift, die ist mir schon mal, jemand hat mich irgendwie, da wo ich den Lyrikpreis bekommen habe, weißt du, diese 300 Mark im Literaturhaus, hat mir eine Frau Herausgeberin. Kuba: Ja.

In

einen Zettel gegeben, ich soll die Frau anschreiben, die

rla

Karla: Jetzt hat mir die Übersetzerin diese Zeitschrift gegeben. Weil sie da drin genau diesen Polen übersetzt hat, das ist so geil! Kuba: Toll.

Ka

Karla: Die Gedichte sindso ähnlich wie meine, aber eigentlich noch direkter, also meine sind poetischer. Aber das ist so ’ne Mischung, weißt du so, ‘n bisschen geht es ja wie bei mir im Liebeskrebs oder wie diese ganzen harten Sachen, so mit, ich bin deine Binde, ich... Ne... Du kannst mir mein Schritt sein... So hart! Harte Sachen! Kuba: Ja, ja, ihr Polen ihr habt ´s drauf. Karla: Ja, aber das ist ‘n Mann. Kuba: Ja, ja.

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Karla: Die hat keinen Übersetzerpreis bekommen, weil das zu Anti... äh... Kuba: ...So ´n Schock ist. Karla: Ja. Aber das ist sehr gut das Zeug. Na ja gut. Vielleicht können wir uns morgen Abend treffen, ja? Kuba: Ja, aber am späteren Abend. Weißt du? So um 11 oder so was. Karla: Ja?

it

Kuba: Ja, weil ich mach... Ich muss hier so viele Sachen fertig

be

machen.

Karla: Ah ich hatte noch so ‘ne Idee für diese... Also meine Idee, eine

Ar

Dokumentation über die berühmten Parks Europas zu machen. Kuba: Ja.

Karla: Auf der Suche nach den Exhibitionisten, weißt du?

In

Kuba: Ja. Hajo hat mir erzählt, neulich ist er durch diesen kleinen Park gefahren, der irgendwie bei dieser Brücke ist. Karla: Mhm.

rla

Kuba: Das ist dieser, so’ n ganz komischer grüner, so’ n Minipark, wenn man von der Lombardsbrücke aus Richtung Cinemaxx fährt... Karla: Ah ja, da.

Ka

Kuba: Da lag plötzlich ein ganz dicker Mann... Karla: Mhm.

Kuba: Irgendwie so schön auf dem Rücken, hat er sich da so hingelegt. Hose runter, ne? Karla: Mhm. Kuba: Nicht gewichst oder so, sondern einfach so Hose runter, das Glied schön in die Sonne gehalten so, lag er da einfach. Karla: Tagsüber? Kuba: Ja. Ja so’ ne Art schlafender Exhibitionist.

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Karla: Unglaublich. Kuba: Ja, unglaublich. Karla: Hat er vielleicht vorher sich schon gewichst. Kuba: Ja, wahrscheinlich. Wahrscheinlich hat der immer wieder gewichst. Wenn sein kleiner... wieder hart und steif geworden ist. Karla: Mhm. Karla: Na du wirst auch schon geil davon.

be

Kuba lacht.

it

Kuba: Ist ja immer so...

Karla: Du hörst dich schon so an, so richtig... merk’ ich schon. Schon

Ar

so die Hand drunter, so’ n bisschen am Bäuchlein. Oder im Schoss. Guckst du nach, ob’s bei dir auch ‘n bisschen anschwellt. Kuba: Joa.

In

Karla: Ne?

Kuba: Ja, es geht noch. Das ist weil’ s so heiß ist Karla. Karla: Ja ich weiß, total geil alles.

rla

Kuba: Ja.

Karla: Muss man sich mal hinlegen und onanieren. Kuba: Ja.

Ka

Karla: So schwül...Und ähm... Kuba: Du bist mir auch ‘ne Freundin, du. Karla: Wieso?

Kuba: Ferkelchen du. Karla: Ich? Kuba: Du bist so ’n Ferkelchen. Karla: Warum? Kuba: Ja, wie du redest, so richtig ferkelig.

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Karla lacht: Kuba, komm, ich bin doch völlig ungefickt. Zu wenig Sex. Kuba: Jaah... Ja. Wir Männer ham ’s aber auch schwer heutzutage. Karla: Wieso? Kuba: Die Frauen, die fordern das alles richtig so volle Pulle ein. Karla: Ach. Es gibt doch kaum welche, so wie ich, so das... Kuba: Ja, ich finde das auch geil.

it

Karla: Das ist doch überhaupt nicht wahr. Die sind alle so... Für die

be

müsste es gar keinen Sex geben. Auch Männer, auch Männer. Da bin ich auch unglücklich.

Ar

Kuba: Das war so schön, ne Karla? Unser...

Karla: Jaa, ja, ja. Aber wir werden auch noch Sex machen, oder? Kuba: Ja. Kuba: Mhm.

In

Karla: Ja?

Karla: Schön... Wenn wir berühmt sind, dann kommen immer so ganz

rla

nette Groupies, Mädchen und Jungs, die kann man alle durchficken. Kuba: Mhm. Jaha hehe. Das wird doch nie was. Karla: Natürlich wird das was.

Ka

Kuba: Du bist doch ‘ne Angeberin. Karla: Ich bin keine Angeberin. Kuba: Oh doch!

Karla: Also jetzt bist du aber ungerecht! Ich bin überhaupt keine Angeberin! Kuba: Ja, gut. Karla: Das stimmt doch gar nicht! Aber wie machst du denn das immer? So sind wir auf der Premiere und sofort so, wer bleibt hier

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zum ficken? Oder was? Wenn die nicht da bleiben, Kuba. Das ist doch gar nicht so... einfach. Kuba: Das war echt schön... Karla: Ja, wir haben das gut gemacht, wirklich toll. Brauch man sich nicht zu schämen dafür. Kuba: Schämst du dich auch nicht, dass da nicht so wahnsinnig viel Sex drin war wie sonst?

it

Karla: Weiß ich nicht, nöö, gar nicht. Das war mal eine, eine nette

be

Alternative. Kuba: Ja.

Ar

Karla: Das war, weil ich da in Berlin so ‘ne harte Nummer abgezogen hatte, das hat mir totalen Spaß gemacht. War schon so an der Grenze auch zum Sex gewesen. Da waren, da tauchten auch die Sachen Kuba: Mhm.

In

immer auf in diesen Comics.

Karla: Und dann war so, zukünftig gibt’s ja wieder den Sex nicht so.

rla

Es passte in dem Konzept entsprechend. Kuba: Ja.

Karla: Aber irgendwas wieder auch dazu gelernt. Also, das wieder

Ka

mal so ‘ne gelungene Performance. Kuba: Ja.

Karla: Ja. Oh je.

Kuba: Ich lerne. Ich lerne schnell. Karla lacht. Kuba: Die Poesie ist ein Pfeil der Sehnsucht. Mit vager Hand ins Nichts gelenkt. Karla: Wer hat das gesagt? Aber wo hast du diesen Text her? Kuba: Von Robert Stöckel.

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Karla: Wo hat der denn den Text her? Kuba: Ich glaube, den hat er, also entweder hat er den zum Teil selber, aber er hat wahrscheinlich einfach das alles nur zitiert...Wittgenstein und so verschiedene Autoren so. Karla: Ja, das stimmt, dass Poesie eine Sehnsucht ist. Ein unerfülltes Gefühl. Ab da, wo du das nicht hast, dann bist du Prosaist.

Kuba: Ne, wo man die Sehnsucht hat. Karla: Dann ist man Poet.

Ar

Kuba: Ja.

be

Karla: Ja, wo du die Sehnsucht nicht mehr hast.

it

Kuba: Mhm. Poet.

Karla: Das hab ich doch gesagt. Wo man sie nicht mehr hat, dann ist man Prosaist. Karla: Ja? Kuba: Ja.

In

Kuba: Ja, das stimmt.

rla

Karla: Ja. Kuba: Ja.

Karla: Ja. Und äh,... ja.

Ka

Kuba: Ja.

Karla lacht: Ja, ich möchte jetzt ins Kino fahren. Kuba: Was guckst du? Karla: Ja, von Niko die Filmpremiere. Kuba: Ach ja, da wäre ich auch gerne hingegangen. Karla: Ja, da sind auch ganz viele Freunde von mir von früher. Kuba: Ja, genau, die kommen dann dahin und dann feiern sie dich noch mal alle. Karla: Jaaa. Ich möchte mal Gespräche noch haben.

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Kuba: ...genauen Vergleich und so. Karla: Ich ziehe mich heute anders an und... Kuba: Ja, ja genau. Karla: Niedlich. Und... Kuba: Schön und du erzählst mir dann... Karla: Wie sie uns gefeiert haben. Karla: Ja, ich rufe dich entweder heute Nacht an...

be

Kuba: Ja.

it

Kuba: Jah.

Karla: Vielleicht, oder ich weiß es nicht, oder... Karla: Oder morgen. Kuba: Wie du willst. Kuba: Ja. Karla: Tschüss...

In

Karla: Ja?

Ar

Kuba gähnt.

Piep

rla

Kuba: Tschüss...

Ka

Karla: Snupie... Snupiekult. Kosta: Snupiekult.

Karla: Ich beschäftige mich hier mit lustigen Sachen lieber. Kosta: Das ist gut. Ich wird’ jetzt dieses Ding... Ich werd’ das jetzt mal groß, vergrößern dieses eine Foto. Karla: Welches? Kosta: Das, das... Das Snupiekult Foto. Karla: Ah ja, das muss... Kosta: So 30 mal 45 oder so was irgendwie so.

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Karla: Ja? Kosta: Oder mal 50 oder so. Karla: Ah ja. Aber müssen wir vielleicht noch größer machen. Kosta: Noch größer? 40 mal 60? Karla: Ja. Das Größte, was man kriegen kann. Kosta: Das ist so 45 mal 60 oder so. Karla: Und dann brauche ich aber einmal so. Ich hab das nämlich

Kosta: Einmal, einmal äh äh äh... Kosta: Ein Abzug. Oder.

Ar

Karla: Einfach nur so’ n Abzug.

be

kommt in das nächste Radioprogramm.

it

schon eingerahmt hier. Aber ich brauche das einmal so, weil das

Karla: Ja, damit ich das einscanne. Na ja, als Dia hast du es nicht?

In

Kosta: Nein, äh als Film meine ich.

Karla: Als Dia werden wir das auch noch machen. Kosta: Das werden wir auch, aber es ist kein Dia, genau.

rla

Karla: Das ist meine neue Kunstrichtung. Kosta lacht: ...Snupiekult.

Karla: Ja, ich setze gerade hier diesen lustigen Text in so ‘nen kleinen

Ka

Rahmen.

Kosta: Das ist gut. Karla: Ja und...

Kosta: Hast du die Sachen verbessert in dem Text oder lässt du die so? Karla: Nee, ich verbessere die gerade. Damit ich was Nettes mache. Kosta: Find’ ich auch gut. Weil sonst müsste ich den nämlich auch noch mal angucken. Sind so ’n paar kleine... Karla: Ich weiß, Fehler. Sag doch jetzt, was ich ändern... Kosta: Soll ich es sagen?

35


Karla: Ja, wenn du was siehst. Vielleicht habe ich das selber... Kosta: Der Text ist übrigens Klasse. Das weißt du aber selber, gell? Karla: Hehe, ja. Ich meine, ich höre es mir doch gerne an. Hast du schon davon gehört, dass ich Fanpost bekommen habe? Kosta: Nein. Von wem? Karla: Ja, dann habe ich das gemacht mit diesem Snupiekult und dann bin ich angerufen worden gerade vom Sender, also gestern oder wann

it

war das, vorgestern, wann war ich da bei dir das vorbeibringen?

be

Kosta: Vorgestern.

Karla: Ja, und äh...da wäre Paket für mich. Es ist kleiner als eine LP

Ar

aber größer als eine CD. Weil die können immer nur so in DJFormaten denken. Und was war da drin? Da waren Dias drin. Kosta: Mhm. Kosta: Mhm.

In

Karla: Mit so einer Plastikpuppe.

Karla: Die ständig, irgendwie so dreckig, und ständig fotografiert

rla

worden ist. So ’n ganzer Dia irgendwie - Rahmen. Also so ’n Bogen, also 36 Dias.

Kosta: Mhm.

Ka

Karla: Am Ende des Dias Nummer 35 war schon der Junge, der das fotografierte drauf. Ein Christian. Und noch 3 dran. Und dann hat er mir geschrieben, er hätte die letzte Sendung gehört und wenn ich mal einen Gedichtband publizieren würde, dann würde er gerne mir die Fotos zur Verfügung stellen, von dieser Puppe, die so dreckig aussieht. Weißt du so, kennst du das, wenn sie über Winter im Garten überbleiben, die Puppen? Kinderpuppen? Und dann am nächsten Früh... Kosta: Jajajaja.

36


Karla: ...ling. Dann sehen sie so abartig aus. Ja und so eine hat er fotografiert in verschiedenen anrüchigen Stellungen. Kosta: Ja. Karla: Und, ähm... Ja, das würde wohl zu mir passen. Und dann aber, wenn nicht, dann wenigstens, ob ich das in das Radioprogramm dann nehmen würde. Da hatte ich doch schon grade die Idee gehabt, mit diesem Snupiekult und das.

it

Kosta: Mhm.

be

Karla: Das sind auch schöne Plastiktiere. Ist das nicht unglaublich? Das war alles an demselben Tag passiert.

Ar

Kosta: Sehr cool. Karla: Ja. Kosta: Tres cool.

In

Karla: Ja und. Ja, haha, wieso bewegt sich dieser Hond nicht? Ich mache zwischendurch hier formatieren. Spazionieren. Machen wir 24, mal gucken. Hat er nicht genommen, gut. Ja und weißt du, jedenfalls

rla

das ist mir passiert. Ich hatte tatsächlich ihm eine Antwort geschrieben, aber nicht meine Adresse, ich hab die Sender-Adresse genommen. Und das hat er auch zum Sender geschickt. Dass ich, also

Ka

ich hab ihm, da ein bisschen was geschrieben. Ich habe sonst gar nicht den Leuten geantwortet. Aber man muss immer den Fans antworten. Oder?

Kosta: Nicht direkt, nein, nein. Karla: Nicht immer, ne? Kosta: Aber ist schon schön. Karla: Zum Beispiel wie diesem, äh... Kosta: Als Fan kann man nicht erwarten, dass man was zurück geschrieben bekommt.

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Karla: Kennst du noch den, genau den großen, den Idioten, da äh... Irgendwie aus der Anstalt, dem hab ich nicht geantwortet. Kosta: Das war auch gut so. Karla: Mhm. Ne? Ja, ne? Kosta: Genau. Karla: Ja, ja und wirklich. Hast du dein Telefon bezahlt? Kosta: Ja, das hab ich schon wirklich gemacht und dann bin ich

it

zurückgekommen und da war ein Junkie im Treppenhaus.

be

Karla: Bei dir?

Kosta: Ne, bei uns im Treppenhaus gehockt und hat so da rumgefixt Kindern vom Kindergarten... Karla: Welche Mütter?

Ar

und dann sah ich davor grad’ noch die ganzen Mütter mit ihren

In

Kosta: Annette Glosser und Emil und... Karla: Um wie viel Uhr?

Kosta: Äh halb fünf, kurz nach vier.

rla

Karla: Kamen sie vom oder gingen sie zum? Kosta: Kamen zurück... Um vier ungefähr. Karla: Ach so, ja, ja, das ist nicht so schön.

Ka

Kosta: Und ich wollte nicht, dass die so durchs Treppenhaus und da den Junkie sehen. Und dann bin ich noch mal runtergelatscht und hab ihnen gesagt, die sollen noch ein bisschen warten, bis der da fertig ist und so. Karla: Ach so. Kosta: Und deswegen rufe ich jetzt so spät an. Karla: Ach so. Ne, weil bei mir war nämlich schon zwischendurch wieder das Telefon kaputtgegangen. Ich meine, weißt du, dieser Wackelkontakt. Ja? Und dann klingelt hier gar nichts. Ich hab schon

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wieder Telefon repariert. Kannst du dich doch erinnern, letztens hatte ich auch so ’ne Nummer. Kosta: Letztens hattest du auch so ’ne Nummer, ganz genau. Karla: Ach, das ist hier alles, geht drunter und drüber. Aber na gut, ich wollte dich eigentlich hören und außerdem... Kosta: Ich wollte dich auch hören und nebenher liegt hier die Korrektur von dem Text, die ich dir vorlesen...

it

Karla: Immer noch?

be

Kosta: Ja, ja.

Karla: Ach so, das mach...ach so, das machen wir.

Ar

Kosta: Fünf, sechs Sachen oder so was, das sag ich dir nachher schnell durch und dann...

Karla: Ja, sag doch. Sag doch. Sag doch. Sag doch. dritten Zeile...

In

Kosta lacht: Sag doch, sag doch, sag doch... Also, das erste ist in der Karla: Das ist, ne, muss weg?

rla

Kosta: Da, nee, das ist in der fünften Zeile. Karla: Ok. Dritte Zeile, Moment... Kosta: In der dritten Zeile da, beschäftigt sich mit dem Großziehen...

Ka

Karla: Ja?

Kosta: Würd’ ich sagen, beschäftigt sich mit dem Großziehen von Plastiktieren.

Karla: Ach so, von lieber. Kosta: Ja, von Plastiktieren, weil du vorher noch nicht über diese Tiere sprichst. Karla: Das ist ja klar, dann ist es nicht der, sondern die kennen die noch gar nicht. Kosta: Beschäftigt sich mit dem Großziehen von Plastiktieren.

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Karla: Ja, natürlich, da hast du Recht, ja. Ja. Kosta: Dann...äh... äh... äh... Karla: Ja, ich bin... Ich bin ganz Ohr. Kosta: Der nächste Vorschlag ist eventuell spießig, das kannst du natürlich so lassen, wie es ist. Fünfte Zeilen müsste das zwischen Frauenbrüste eigentlich vorrücken. Es müsste heißen, diese werden zuerst von Sektenmitgliedern durch religiöse Rituale, nee, ist richtig.

it

Ist völlig richtig, ich bin... Blödsinn. Egal. Sechste Zeile, das ist, muss

be

raus. Karla: Mhm. Ja?

Ar

Kosta: Und du musst und kannst dort auch nicht sagen, dort wächst ein Plastikfötus mehrere Monate auf. Man müsste sagen... Karla: Perferkt. Ich lese dir jetzt das ganze vor. Ich gehöre einer der

In

seltensten Sekten an. Sie heißt Snupiekult, ist in Polen zu Hause und beschäftigt sich mit dem Großziehen von Plastiktieren. Diese werden zuerst von den Sektenmitgliedern durch religiöse Rituale zum Leben

rla

zwischen Frauenbrüsten erweckt. Dort wächst ein Plastikfötus über mehrere Monate heran. Diese Populationsart ähnelt der Beutelschwangerschaft der Kängurus. Um sich zu finanzieren,

Ka

veranstaltet die Sekte auf Internationalen Müttersymposien so genannte Babyworkshops, in denen Babys aus hoch entwickelten Ländern die zwischen den Brüsten schlummernden Snupies oder andere Plastiktiere hemmungslos und unbegrenzt oft anfassen dürfen. Eine Snupie-Session kann bis zu 24 Stunden dauern. Das Ziel der Sekte ist, alle früheren japanischen und amerikanischen Tierersatzspielzeugerfindungen wie Tamagotchi oder Kismet zu übertreffen. Sollten die Forschungsergebnisse der Snupiekult-Sekte eines Tages international anerkannt werden, so wird sich in der

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Zukunft jede Frau auf der Welt auswählen können, ob sie ein echtes Kind, oder ein Plastiktier zur Welt bringt und es bis zum selbständigen Alter pflegt. Natürlich wird sie auch beide Möglichkeiten in Angriff nehmen dürfen, denn bekanntlich lassen sich zwei Kinderchen besser großziehen als eines. Da die Adoleszenzphase der Plastiktiere, ähnlich wie bei echten Tieren, deutlich kürzer ist als die der Menschen, werden diese in der Zukunftsfamilie mit Sicherheit

it

den Babysitter ersetzen.

Ka

rla

In

Ar

be

Piep.

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Bomb Squad Kapitel III Karla: Heute, heute, heute, heute. Heute bin ich nicht da. Und ich bitte, bitte, bitte, bitte um eine Nachricht nach dem Signal. Piep. Joachim Haffmann: Ja hallo hier ist Joachim Haffmann. Ich wollte

it

gerade ein Fax schicken. Ähm... Ja Karla, ich bin auf der Suche nach

be

Olivia Oliverson... und ich ruf dann später noch mal an. Tschüss! Piep.

Ar

Karla mit Akzent: Ja, ich war er-eckte, ereckte sehen, die Ablichtung in mein Apokalypse in ihre Molotow-Schau. Vielen Dank, ich bin sehr stolz, lacht. Nicht sich Sorgen über Greta im New York. Sie war

In

nicht so unfreundlich, nur schläfrig. Ich hat Bourbone getrinken mit Sie, gelieben, lacht.

rla

Kuba lacht.

Karla: Es war ganz toll mit ihm nämlich zu trinken. Wir haben so viel geplappert, ich kannte ihn vorher nicht.

Ka

Kuba: Ja.

Karla: Und wir haben nonstop, drei Stunden geredet. Kuba: Ja.

Karla mit Akzent: Ich mit meine gebrochene Deutsch, äh äh Englisch, lacht. Zerstörte Englisch, lacht. Vielleicht im Hamburg in Zukunft. Ich bin fertig eine Vertrag unterzeichnet für Bomb Squad. Mit zwei Erzeugeren, lacht. Kuba: Mhm.

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Karla mit Akzent: Die Namen von Andreas Meier-Schmidt habe ich zu eine Erzeugern gegeben. Wer ist er? lacht. Viel Glück mit seine Projekte. Und ich hoffe mit Sie arbeiten eines Tages. Bitte in Zukunft schreiben zu mir hier, lacht. Auf Wiedersehen und na zdrowie! Ben, lacht. Dear Ben. Mein Name ist Kuba Bimbim. I am Karlas loveatom, lacht. She gave you a cd of my music. I am... Karla: Das hast du danach ihm geantwortet.

it

Kuba: Davor.

be

Karla: Ach so.

Kuba: Das hab ich davor geschrieben. Das war ungefähr drei Monate Karla: Ja, weil der hat zu tun. Kuba: Ja.

Ar

alt, jetzt hat er darauf geantwortet.

In

Karla: Der hat eine Werbefirma. Der Chef is´ er. Aber so ´ne kleine. Nich´ so ´n Scheißunternehmer. Kuba: Mhm.

rla

Karla: Der ist sehr bescheiden. Der Typ ist ganz toll. Das ist so ´n ganz kleiner, weißt du, der ist ganz kleiner Jude mit Bart. Und er hat gesagt, ich hab gesagt, ich bin very colurful... äh... colorful, als ich

Ka

ihn angerufen habe. Und er hat gesagt, ich bin very... ähm, small. Und als ich dann kam ins Kino, ich hab das fast vergessen, dass ich mich mit ihm verabredet habe, auf die letzte Minute war es mir doch wieder eingefallen, und dann kam ich und da war so ´n Kleiner, wusste ich dass er das ist. Und das war so lustig. Kuba: Ja. Karla: Und ich hab ihn sofort erkannt, weil er hat gesagt, Du wirst mich nicht erkenne, ich sehe nicht besonders auffällig aus. Aber ich bin klein. Und dann, klar, sofort, das war...

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Kuba: Hat der ‘n Vollbart oder was? Karla: Ja! Kuba: Oh Gott. Karla: Ja! Aber das ist, das ist schon... Also ich mein´, das ´s nicht so ´n Typ jetzt, man kann sich auch in so einen verlieben... Darum geht’s ja nich´, lacht. Der ist einfach so ´n ganz kleiner Mann. Kuba: Mhm.

it

Karla: So ´n kleiner Napoleon.

be

Kuba: Mhm. Karla: Weißt du?

Ar

Kuba: Mhm. Karla: Sehr charmy, charming. Kuba: Mhm.

In

Karla: My name is... I am supposed to tell you, that she ´s very happy about your postcard, that she has atoms on her shoulders and in her head exploding. And me too, by the way. Because of your show on

rla

new years eve, where we will show films, and... lacht... the fact that I, as a scientist, will invent to the atombomb with the help of Jesus Christ, the bomb will bet the material bit of god, on yeart and as it

Ka

gives back to fear of him, that he used to... War das vor der Show noch?

Kuba: Mhm.

Karla: Ach so, in the old... Ich hab ihm dann Fotos geschickt von der Show. Nämlich. But... dedede...so supposed to tell you Mr. Hillman will be very much like your musical idea and it ´s so funny... Das ist toll, dass er den Film macht! Kuba: Mhm.

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Karla: Is´ geil! Freu’ ich mich! Similar idea... Ja... Will drink a vodka on you and atomic cocktail. Bumm! Bumm! Yours, Kuba... Ja schön! Ja danke für das Fax. Danke! Kuba: Ne? Karla: Ja. Kuba: Hab ich mir gedacht, dass dir das gefällt. Karla: Das ist schön, das ist lustig. Meinst du, er hat das selber

it

geschrieben oder er hat durch dieses Ding, äh, genudelt?

be

Kuba: Ne, da bin ich mir nicht ganz sicher, äh, es tauchen Sachen auf, wo ich denken könnte, dass könnte auf jeden Fall Babbelfish

Ar

Programm sein.

Karla: Aber er kann ein bisschen Deutsch.

Kuba: Aber dann würde da nicht immer stehen „seine“. Kuba: Mhm.

In

Karla: Ja genau. Dann hat er das selber geschrieben. Karla: Mit seinem Deutsch.

rla

Kuba: Der kann ´n bisschen Deutsch? Karla: Ja, na siehst du! Is´ auch ein Jude. Kuba: Der hat wahrscheinlich so manche Wörter einfach im Lexikon

Ka

nachgeguckt.

Karla: Ja manche nachgeguckt. Kuba: Und die dann so reingesetzt. Karla: Genau. Kuba: Deswegen passen die nich´ so richtig. Karla: Ja, aber lustig. So soll man immer schreiben. Ja, ich hab ihm ganz langen Brief auch auf Englisch geschrieben. Ja, schöne gebrochene Englisch. So ist das. So, endlich mal macht mir mal jemand ein Kompliment über meine schöne gebrochene Englisch.

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Kuba: Ja. Karla: Ja. Kuba: Ich hab dir doch so schön... Äh, das hat er auch gleich kapiert, dass er, nicht, dass er in seiner eigenen Sprache antwortet... Karla: Ja genau. Kuba: Wie das so dumme Leute machen. Sondern, dass er das auch dann gleich...

it

Karla: Ja!

be

Kuba: Versucht in deiner Sprache. Okay, dann wird ´s auch lustig. Karla: Ja! So können wir uns unterhalten.

Ar

Kuba: Ja. Karla: Genau.

Kuba: Da hat er dir... Deswegen hab ich dir das letzte Nacht um halb Karla: Ach so.

In

eins oder halb zwei, hab ich dir das noch gefaxt.

Kuba: Als lustige Überraschung für den nächsten Tag.

rla

Karla: Das hab ich gar nicht gesehen. Kuba: Ja.

Karla: Das ist nett.

Ka

Kuba: Ja.

Karla: Und dann zwei drei fünf... Denkt er an mich! Ja! Ich schriebe dir auf, jetzt schrieb´ ich, glaube ich, warte ich jetzt, schreibe an dich auf Englisch. Vielleicht macht mir dann mehr Spaß wieder Briefe zu schreiben. Kuba lacht: Oh hohoho. Karla: Jaah! Kuba: Ja. Karla: Liebling! lacht, Darling!

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Kuba: Mhm. Karla: Ja! I want to write to you to Herzhorn in english. Kuba: Oh ja, das... Karla: Yes! Das kannst du vorlesen, lacht. Dann ist der Tag gerettet. Kuba: Ja. Karla: Also, wenn Du soweit bist, wirst Du Dich auf den Tee Kuba: Joa.

be

Karla: Und dann gehen wir auf die Lange Reihe. Kuba: Genau das will ich machen.

Ar

Karla: Okay. Kuba: Ja? Karla: Mhm.

rla

Piep.

In

Kuba: Tschüss. Karla: Tschüss

it

anmelden.

Karla: Wo seid ihr?

Greta: Wir sind hier vor der Disco. Aber es ist so peinlich mit ´m

Ka

Handy rumzustehen.

Karla: Ja, ja gut! Äh, ich wollte dich... Greta: Hör mal, red´ mal lauter! Karla schreit: Ich wollte dich nur zurückrufen! Greta: Jaah! Karla: Mehr nicht! Greta: Ja toll! Karla: Wie, geht ihr in die Disco? Greta: Ja, hier ist so ´ne Dorfdisko oder so.

47


Karla: Ihr guckt... Greta: Da gehen wir nicht richtig hin. Karla: Ihr guckt nur von draußen ja? Mädchen kichern im Hintergrund. Greta lacht: Ja, okay. Karla, hörst du mich noch? Karla: Ja! Greta: Ja?

it

Karla: Ja ich höre dich!

be

Greta: Und wie geht ´s dir? Karla: Gut! Karla: Ja! Greta: Ja?

In

Karla: Ja! Es geht mir gut!

Ar

Greta: Ja?

Greta: Was machst du?

Karla: Weiß ich nicht, rufe dich gerade an!

rla

Greta: Ja, ich bin gerade, wir war´n auf ´m Spielplatz, ne? Karla: Ja!?

Greta: Und dann, auf einmal, nee, und dann war´n wir bei solchen

Ka

Drehdingern, ne? Und guck ma´. Ich kann das so gut und dann Charlie konnte das gar nich´ und ich so, komm mal hierher, ich bin der Profi! Auf einmal fall ich so runter. M: Bist du runtergefallen? Greta lacht: Ja! Karla: Wie geht es deiner Hand? Greta: Ja! Ich hab den Verband gleich abgemacht, das ist besser. Karla: Ja.

48


Greta: Mir geht’s schon besser, schwillt schon ab die Hand, mit dem Finger. Karla: Aha, und hast du noch den Pflaster auf dem Kopf? Greta: Nein! Karla: Nein. Greta: Das war zu peinlich. Karla: Ja und wie ist das? Kocht ihr selber oder was macht ihr?

it

Greta: Ja! Gestern ham´ wir Frikadellen mit türkischem Reis...

be

schreit. Aaaaah! Oh Mann! Annika, Annika, Annika! Da ist ´ne Hummel, da ist ´ne Hummel! Ooh! Oh Mann! Karla?

Ar

Karla: Ja?

Greta: Was hab ich gerade erzählt? Ach so! Und gestern hat Annika Spaghetti mit Lachs – Sahne - Soße gemacht.

In

Karla: Na ja, ist doch cool.

Greta: Oah, Annika, lass mich mal ziehen! Mädchenstimmen im Hintergrund.

rla

Karla: Ist Charlie auch da? Greta: Ja.

Karla: Ist er gar nicht mit den Jungs?

Ka

Greta: Nee.

Karla: Aber er... Greta: Nee, nee.

Karla: Aber er wohnt gar nicht mit euch oder? Greta: Nein. Er wohnt mit Daniel in einem Zimmer. Karla: Mit Daniel? Greta: Ja. Karla: Wer ist Daniel noch mal? Greta: Daniel ist einer aus meiner Klasse.

49


Karla: Den kenn ich gar nicht. Greta: Nö, brauchst du auch nicht. Ist nicht so... Unerheblich. Karla: Ja, ich hab den noch nie gehört, den Namen. Greta: Was? Karla: Den Namen hab ich noch nie gehört. Greta: Ach so. Ja. Karla: Ja und wie geht’s mit Herrn Strand?

it

Greta: Ja gut!

be

Karla: Ich hab einen Brief... Greta: Der hat... was?

Ar

Karla: Ich hab einen Brief von Herrn Krause bekommen. Greta: Ja und was hat er gesagt?

Karla: Ja, wie, ich hab ihm einen Brief geschrieben, ne? Ganz langen Greta: Ja?

In

Brief!

Karla: Jetzt hab ich ihn so rumgekriegt, wie toll deine Skulptur ist,

rla

jetzt schreibt er auch noch mal wie toll deine Skulptur ist. Greta: Ja? Karla: Ja!

Ka

Greta: Das ist ja geil! Karla lacht.

Greta: Charlie will dich ganz kurz sprechen. Karla: Ja, gleich. Greta: Ja? Karla: Gleich gibst du mir Charlie. Greta: Ja. Karla: Und dann im Herbst ist noch mal ein Slam. Da sollst du mitmachen.

50


Greta: Okay. Karla: Der hält dich für eine gute Schauspielerin. Aber du... Er hat glaube ich Angst vor dir. Greta: Ja? Karla: Weil du zu sehr ihn nachaffst. Greta: Da hat er Pech gehabt. Karla: Und weil ihr fertig ihn macht, in der, in dem Kurs.

it

Greta: Das machen die Jungs.

be

Karla: Jaa, und keiner irgendwie konzentriert sich auf ihn. Greta: Auf ihn?

Ar

Karla: Ihr seid alle aufsässig und laut und unkonzentriert. Greta: Ah, sind doch alle in unserem Alter.

Karla: Ja, das hat er auch geschrieben. Und deswegen, er meint, dass Greta: Ja.

In

fast alle, dass ihr alle fast zu Strand zu Schauspiel gehen wird. Karla: Na gut, dann gib mir Charlie und Tschüss.

rla

Greta: Okay, Mama ich liebe dich! Karla: Ja ich liebe dich auch! Ja. Greta lacht. Karla lacht.

Ka

Greta: Okay.

Karla: Tschüss!

Greta: Ja? Tschüss! Ich geb´ dir noch Charlie. Karla: Ja. Greta: Tschüss! Ich liebe dich! Karla: Ja, ja ich liebe dich. Charlie: Hallo Karla. Karla: Ja hallo, wie geht’s? Charlie gelangweilt: Ja gut und dir?

51


Karla: Ja was wolltest du? Nur so hallo sagen? Charlie: Ich wollte hallo sagen und... Ja und wie geht’s dir so? Und so. Karla: Ja ich hab’ eine Postkarte bekommen. Charlie: Von wem? Karla: Von Olivia Oliverson. Und die hat Bock total uns zu dritt zu fotografieren.

it

Charlie: Ja?

be

Karla: Weißt du? Machst du mit?

Charlie: Ja, kann ich machen. Musst du mir nur sagen, wann, ne?

Ar

Karla: Ja wir... Na ja, wenn ihr zurück seid. Mal einen Tag oder so. Charlie: Ja klar. Ich sag dann meinen Eltern Bescheid.

Karla: Ja. Weißt du, dann machen wir so ´ne Session wie hier, mit den Charlie: Ja.

In

Klamotten und so.

Karla: Nicht so zwanghaft. Die macht schöne Fotos.

rla

Charlie: Ja, okay.

Karla: Und ich hab eure Fotos auch gesehen und bestellt, ne? Aber noch nicht abgeholt. Mach ich morgen!

Ka

Charlie: Jaaah?

Karla: Ja, total geil! Du bist total geil. Ich hab für mich auch einen Abzug und für dich einen gemacht. Charlie: Jaah? Karla: Also für dich paar Abzüge und für mich aber extra, weil ich die so super finde. Charlie: Eecht? Karla: Besonders in diesem Mantel mit der blauen Perücke. Charlie lacht: Okay.

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Karla: Tschüss! Charlie: Hast du die... Hast du die auch schon ausgewickelt? Äh, entwickelt? Karla: Ausgewickelt! Ja ich hab die noch nicht ausgewickelt. Ich hab die... lacht. Charlie kichert: Mit Perücke! Karla: Ich hab die bestellt! Ich hab nur den Index gesehen. Weißt du?

it

Die Kontakte.

be

Charlie: Das ist ja geil!

Karla: Ja! Ich hab für dich und für Mandy und für Greta Abzüge Charlie: Geil! Ja, ja, okay. Karla: Ja, bis dann! Karla: Tschüss! Charlie: Tschüss!

In

Charlie: Ja bis dann!

Ar

bestellt.

rla

Piep.

Karla: Mit Kuba im Bett gelegen. Und dann hab ich geträumt, ich

Ka

habe mit dir im Bett gelegen. Und dann irgendwie, Kuba wollte auch kommen. Also aber das war so, dass vorher er hatte mich versetzt. Ja und dann war ich dann bei dir, oder wie auch immer oder du warst bei mir, dann hat er doch angerufen, er kommt in „eine halbe Stunde“ und dann hab ich gedacht, das ist sowieso ´n Witz. Ich sag, ja, ja, du kommst. Und dann hab ich aufgelegt. Und dann hab ich weiter geschlafen, irgendwas geträumt, dass mir so egal alles ist, dann soll er doch mal kommen. Und dann ist er auch gekommen und haben wir

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dann im Bett gelegen. Dann hast du mich angemacht, was soll das Ganze? Kosta: Echt? Ich hab dich angemacht? Scheiße! Karla: Ja, wegen irgendwas! Kosta: Oh... Fuck. Karla: Was soll das Ganze. Kuba hat sich nur lustig gemacht über das Ganze, stöhnt. Dann war ich mit ihm rausgegangen. Und dann war

it

Katia da. Katia, mit Katia hab ich eine Nacht vorher verbracht. Wohl.

be

Wohl, oder irgend so eine andere Katia. Dann hat er gesagt, die frag´

ich mal jetzt! Die stell´ ich zur Rede! Ich sag, ja, ja bitte. Mann, so ´n

Ar

Scheiß hab ich geträumt auf dem Land.

Kosta: Ooh. Das sollst du nicht, so ´n Scheiß träumen! Karla: Ich find’ es echt absurd. Karla: Ja.

In

Kosta: Aber die Wirklichkeit ist besser. Kosta: Das ist doch nur die Angst.

rla

Karla: Nein, das war keine Angst. Das war so ´n Nachgeben. Ich hab gesagt, ich steh jetzt nicht auf. Ich steh jetzt nicht auf. Kosta: Mhm.

Ka

Karla: Okay.

Kosta: Du träumst Zeug. Karla: Ja ne? Kosta: Mhm. Karla: Kommt das davon, dass ich so früh ins Bett geh´? Kosta: Ja. Karla: Ja, weiß auch nicht. Kosta: Das kommt daher. Karla: Ja?

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Kosta: Ja. Karla: Dass ich... Meinst du, das ist falsch? So ´n Rhythmus zu haben? Kosta: Nein, das ist eben grad’ sehr gut, da kommen dann die Träume auch raus. Die sind ja dann auch draußen. Das ist ja gut. Karla: Ja? Kosta: Ja! Die sind dann ausgeträumt. Als hätte man sie rausgepinkelt

it

oder rausge...

be

Karla: Ja und dann träume ich, dass ich um acht Uhr aufstehe. Dann ist es wahrscheinlich sieben. Und dann wache ich irgendwann auf.

Ar

Aber ich hab mich, glaube ich, total gut ausgeschlafen. Ausgeschlafen hab ich mich. Na gut. Dann bis später. Kosta: Dann seh´n wir uns später. Kosta: Tschau.

rla

Piep

In

Karla: Tschüss.

Kuba: Ja hier ist Kuba noch mal. Dein blödes Band, das schneidet einem ja immer die Nase ab! Also ich wollte dir nur sagen, wie die

Ka

französischen Dichter, wie ... nicht Georges Batai, sondern diese, äh, stöhnt, Lautreamont und ähm, ja wie heißt denn der andere mit B...? Ich, der, der die „Blumen des Bösen“ geschrieben hat... Ah, jetzt komm ich nich´ auf den Namen... Bat, Bat... Ich komm nicht drauf. „Die Gesänge des Maldor“. das ist ja Lautreamont, „Die Blumen des Bösen“.... Na ja, auf jeden Fall, ich grüße Dich, ich küsse Dich, ich liebe dich. Bitte versteh´, dass ich hier so, das ich so eine Schlampe manchmal bin, ich hab das, ich mein’ das nich´ so. Ich bin hier irgendwie in so ´m Zeitdruck. Und ich war auch völlig durcheinander,

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als ich heute so lange geschlafen hab, ich hab irgendwie elf Stunden oder so geschlafen, ich bin gar nicht spät ins Bett gegangen, weil mein Kopf so beansprucht wird durch diesen Zeitdruck hier. Ich muss das alles schaffen. Bis nächsten Dienstag muss ich fertig sein. Und, bitte sei mir nicht böse, bitte. Ja? Ich möch... Piep Greta: Habt ihr gestritten?

it

Kosta: Ha...

be

Greta zu Karla: Machst du mir mal kurz was zu essen Mama? Ich verhunger´ gleich! Ich verhunger´ gleich! machen soll.

Ar

Karla im Hintergrund: Ich weiß doch nicht, was ich dir zu essen Greta zu Karla: So ´n Brot mit, mit Krabbensalat!

In

Greta zu Kosta: Und dann?

Kosta: Die hat mich auch nicht mit nach Hause genommen vorgestern. Greta: Ja!

rla

Kosta: Das war fies, he?

Greta: Ja, warum ist sie so hart drauf? Kosta: Ich weiß es nicht, ich hab ´s gleich gemerkt, im Kino hab ich

Ka

schon gemerkt, irgendwie ist sie so stinkig und so... Greta: Ich bin aber aufgewacht nachts, als sie gekommen ist. Kurz bevor ihr gekommen seid, dann bin wach... Dann bin ich wieder eingenickt, dann hab ich euch noch gehört, dann hab ich dich gehört, also von den Schritten her, ne? Weil das ist ´n anderes Klacken, als wenn Karla, das ist ´n anderer Abstand von dem Auftreten. Weil Karla geht ja so, klack, klack, klack. Und bei dir klaaack, klaaack, klaaack. Kosta: Ach komm.

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Greta: Und dann, ähm. War ´s mir soo heiß und ich hab mir gedacht, ich deck mich nicht ab, weil dann ist mir wieder kalt, wenn ich mich abdecke... Hallo? Kosta: Was war das? Greta: Lachst du? Kosta lacht: Überhaupt nicht. Greta lacht: Wieso lachst du denn?

it

Kosta: Ich trink Tee, das ist...

be

Greta: Du lachst doch! Kosta: Nehein!

Ar

Greta: Und dann war mir so heiß. Und dann hab ich eure Schritte gehört. Und dann wollte ich nich´ rausgehen, weil ich wusste ja nich´, ob ihr da jetzt Bora-Bora macht.

In

Kosta lacht: Iih!

Greta: Und dann konnte ich jetzt da nicht, deswegen konnte ich da nicht raus gehen.

rla

Karla schreit im Hintergrund: Du blöde Kuh!... Schon wieder Heizung an.

Greta schreit zu Karla: Ja, Mama macht Heizung wieder höher!

Ka

Karla schreit im Hintergrund: Mann, zieh dich an! Greta schreit zu Karla: Nein! Karla schreit: Greta, ich kann nicht mehr... Ich gehe jetzt! Greta lacht. Karla schreit: Du machst mich fertig! Greta lacht: Hallo? Kosta: Was ist denn jetzt schon wieder los?

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Greta: Weiß ich nicht. Sie hat die Heizung kleiner gemacht... Obwohl sie nur auf 21 war und Karla hat sie jetzt wieder auf 20 gemacht, was auch nich´ viel bringt. Karla: Ich hab doch vorher auf 20 gemacht! Greta: Mama es ist besser 21! M: Ja komm jetzt Gloria! Bitte! Kosta: Das ist ja ein Groove hier im Pulverteich!

be

Greta: Ein Gru?

it

Greta: Oah, besäuft sie sich jetzt?

Kosta: Was habt ihr für ein Weibergroove am Laufen, das ist ja Greta: Ja?

Ar

unglaublich!

Kosta: Was man da für Dramen immer mitkriegt und so. Kosta: Ja?

In

Greta: Ja. Und dann...

Greta: Bin ich wieder eingeschlafen.

rla

Karla schreit: Was du für ein Arschloch bist! Kosta: Ich bin ´n Arschloch?

Greta mit vollem Mund: Danke Mama. Ooh, ist was runtergefallen.

Ka

Karla: Du hast deine Zähne gar nicht geputzt! Das ist nicht gut für den Zahn...

Greta mit vollem Mund: Hä? Mama ich putz die immer! Öfter als du. Das merkst du nur nicht! Kosta: Dann hast du gegen die Wand gehauen? Greta: Mhm. Kosta: Und dann habt ihr euch geprügelt?

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Greta mit vollem Mund: Ne... Dann hab ich gesagt, ich find´ das doof, dass du heute schon wieder weg gehst... Sie ist mit Olivia ins Eisberg gegangen... Grüneberg. Kosta: Ja. Greta: Und dann war sie total sauer auf mich und dann war´n wir wieder im Frieden und dann wollte sie mir ´ne Geschichte im Bett erzählen, hat sie aber irgendwie nich´ geschafft. Weil ihr nichts

it

eingefallen ist. Und dann hab ich gesagt, oh ich find das so doof, dass

be

meine Haare... Ich will die endlich nachfärben. Hätt´ ich das bloß

heute gemacht!. Und dann ist sie total ausgerastet, hat mich gezwickt

Ar

und so, hat dann gesagt, immerr musst du Zicken machen. Und dann hat sie mich gegen die Wand geschmissen und dann hab ich geheult und Karla ist einfach abgehauen. Greta: Doch!

In

Kosta: Nein?!

Karla: Ja, also sag doch, dass du mir einfach Szenen machst, wie so ´n

rla

Ehemann! Ja? Ich hab keinen Bock auf Ehemann! Ich bin ein wildes Tier! Wenn man mich einsperrt, werde ich wütend, werde ich aggressiv! Ja?

Ka

Greta: Ich bin ein Sitzriese. Wenn ich sitze, bin ich klein. Karla: Ja, und ich bin ein Löwe! Ich bin ein... Kosta: Ich bin ein Sitzlöwe! Greta: Nein, ich bin ein Raubtier! Kosta: Ich bin ein Sitzraubtier. Karla: Ich weiß! Greta mit vollem Mund: Mama, wieso stinkt das Brot so? Kosta: Nach Fisch? Karla im Hintergrund: Es stinkt nicht.

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Greta: Ist das Bahnhofsbrot? Kosta lacht. Greta lacht: Dieses Scheiß - Bahnhofsbrot? Du sollst lieber beim Reformmarkt kaufen. Karla: Beim Reformmarkt kann man nicht so ein Brot kaufen, nur so Gummi, so Korngummi. Greta: Hallo?

it

Karla: Also beim Reformhaus...

be

Greta: Was essen wir heute?

Karla: Jason hat mich zum Essen eingeladen, ich esse nichts zu was du willst. Fischstäbchen?

Ar

Hause, ich kann dir was machen. Ich mache einen kleinen Salat und Greta nuschelt mit vollem Mund: Weiß ich nicht.

In

Karla: Jason und ich haben uns total versöhnt. Hat mir 100 Mark gegeben. Von der Lesung, ja?

Greta: Als Geburtstagsgeschenk?

rla

Karla: Nein! Einfach so ´n bisschen Geld, ich meine, der zahlt ja nichts für dich. Der soll mir mal was wieder geben. Greta: Mhm.

Ka

Karla: Der hat ja gar kein Geld. Immer so knapp. Na ja. Aber ich möchte auch mit Kosta kurz reden. Kosta: Ich möchte auch mal ganz kurz mit Karla reden. Und die soll nicht wieder verhauen, das ist doch... Karla in den Hörer: Ja hallo? Kosta: Ja hallo? Karla: Ja? Kosta: Karla! Karla: Hi Kosta.

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Kosta: Da bist du ja, Du eingesperrtes, ehemännliches, du. Karla lacht. Kosta: Du bist, du gehst auch zu Jack? Das ist ja fantastisch, das trifft sich ja supergut. Karla: Ja ich wollte dich fragen, ob du da auch mit mir gehst? Kosta: Ich geh´ da auch hin. Karla: Okay. Gehst da alleine hin?

Karla: Ja genau. Karla: Ja machen wir auch.

Ar

Kosta: He?

be

alleine hin. Dann treffen wir uns dort.

it

Kosta: Bis jetzt geh ich da alleine hin. Aber du gehst sicher nicht

Kosta: Ich guck ob ich, äh, äh, ich guck, ob ich Jack noch erreiche,

In

dass der uns da auf die Liste setzt, oder so.

Karla: Mach das doch! Weil, äh, Jim wollte mich auch auf die Liste setzen. Aber, jetzt weiß ich nicht, weil Greta kann bei ihm nicht

rla

Babysitten heute, weil sie im Theater Kasse macht. Kosta: Ach wieder bei dem schönen Mario und so. Karla: Und deswegen dachte ich ja vielleicht, aber natürlich wird er

Ka

mich auf die Liste setzen. Weißt du? Kosta: Jim?

Karla: Aber... Ja. Aber vielleicht ist er dann so frustriert. Und so. Oder er geht gar nicht da selber hin. Weil er soll eigentlich bei Jack spielen. Und dann hat er keinen Babysitter auf einmal. Greta im Hintergrund: Der kann die doch mal alleine lassen! Die sind doch fast sieben! Karla: Erzählt Jim, dass er ihn begleitet? Und ich frage mich immer, warum Jim nie Babysitter hat. Weißt du?

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Kosta: Das wundert mich auch. Das ist doch kein Problem. Karla: Ne, der... Kosta: Mit den Kids und so... Karla: Jah... Ich weiß nicht, vielleicht ist das spontan, dass er plötzlich da helfen soll, bei Jack, steht er auch nicht in der Zeitung, dass er bei ihm ein bisschen spielen soll. Und plötzlich hat er keinen Babysitter. Ich weiß auch nie, wo diese Mutter von den Kindern ist.

it

Kosta: Gesa?

be

Karla: Ja, ja, die haben da nämlich immer Stress, mit ihren Kompetenzen. Sie ist gar nicht bereit immer aufzupassen.

Ar

Kosta: Ja, ja, klar.

Karla: Und dann hab ich ihm jetzt aufs Band gesprochen, dann soll er dann doch die Kinder zu Jacks Kindern packen. Ich kapiere das

In

einfach nicht, warum das nicht... Kosta: Zu Lenka? Ja klar!

Karla: Ja. Ja aber weißt du, was der für komische Kinder hat?

rla

Kosta: Ne, doch! Du hast erzählt, die sind ´n bisschen, bisschen bockig und so bisschen.

Karla: Ja, bockig, okay. Die sind einfach verstört.

Ka

Kosta: Ich hab jetzt erfahren, dass der auch oft bei Meike in der Datscha draußen ist, wusste ich gar nicht. Karla: Ja, ja, diese ganzen Hippies! Hast du gelacht? Karla: Ja, ja, das ist super Langeweile da draußen. Da würde ich nie hinfahren. Alles nur Leute mit Kindern. Greta: Wohin denn? Kosta: Da aufs Land irgendwie. Karla: Nein, irgendwie alles so Leute mit, mit, mit, mit verschnäuzten Kindern. So, so in dem Alter, wo ständig... Keiner kann sich mit

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einem unterhalten, weil immer nur Kinder irgendwie... im Vordergrund sind. Greta: Wo denn? Karla: Ja, die haben da alle irgendwelche... Kosta: Das ist ein Haus. Karla: Genau. Greta: Wo denn?

be

Kosta: Ist das nicht Schleswig-Holstein?

it

Karla: Irgendwo draußen, weiß ich doch nicht Greta!

Karla: Ich will mich damit jetzt gar nicht auseinandersetzen. Ich hab

Ar

keinen Bock auf Familien. Ja? Greta: Deswegen muss ich zu Jason!

Karla: Wie?! Du gehst zu Jason am Samstag.

In

Greta: Wieso das denn?

Karla: Wie, du willst nicht nach Herzhorn, dann gehst du zu Jason. Greta: Da seid ihr doch eh an dem Feuer.

rla

Karla: Ja, dann kommst du da mit. Wo ist das Problem? Da sind ganz viele Leute.

Greta: Das ist so langweilig!

Ka

Karla: Ja, letztens war es auch langweilig, weil wir da mit Jason waren! Ne? Oder? Oder war er nicht dabei? Aber ich hab mich heute sehr gut mit Jason verstanden, stöhnt. Wir haben diese Sache abgeschlossen. Ja gut, also pass mal auf. Kosta: Ja, ich rufe... Karla: Du hältst ja schon deinen Mund, ich sehe schon. Du bist gar nicht auf meinem Level! Kosta: Was, ich? Karla: Ja.

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Kosta: Ich hör´ doch nur zu irgendwie, das ist wahnsinnig, ihr redet doch zu zweit, seid immer noch am Sachen verhandeln, die ich... Karla: Ja, ich rede mit dir jetzt. Kosta: ...dazwischenfeuern und so... Äh. äh, ja, wenn du mit mir redest, ist mein Mund auch auf, wie du jetzt gerade merkst und so. Karla: Okay. Kosta: Der plappert und plappert und plappert...

be

Greta ruft irgendwas im Hintergrund.

it

Karla: Okay.

Kosta: Ich hab das Harry Potter Buch fertig, kann sie haben.

Ar

Karla: Okay. Bringst du das hier vorbei oder was? Kosta: Ich überleg, wenn sie zu Hause bleibt... Karla: Weißt du, mein.... wie Sau!

In

Kosta: ...kann ich ´s vorbeibringen, das ist ´n Superbuch, das liest sich Karla: Ja, ihr macht euch dann Fischstäbchen zu essen.

rla

Kosta: Dann komm ich vorbei bei euch. Karla: Ich esse nicht!

Kosta: Und ich bring das Buch mit.

Ka

Karla: Ja und dann kannst du Gloria bekochen. Kosta: Und dann koch ich... Karla: Dann ist sie gnädig. Kosta: Und dann... Wann ist Jack? Um zehn oder was oder wie? Karla: Ja, da steht in der Zeitung um acht, aber das ist doch klar, dass ist nicht so. Frag doch Jack, also ich glaube nicht, dass es um... Kosta: Naa.... Karla: Das es nicht um, also ich glaube nicht, dass es um acht anfängt. Da steht...

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Greta ruft irgendwas im Hintergrund. Kosta: Also, du meinst wenn man um acht da ist, muss man irgendwie zwei Stunden warten? Karla: Na, um neun schon, aber nicht um acht. Ne? Das würde ich mal so, so sagen.. Kosta: Mhm. Ja dann seh´ ich mich einfach, was weiß ich was, um sieben halb acht da bei euch eindriften oder so was, ist das okay? Oder Karla: Jaah, genau.

be

it

zu früh?

Kosta: Also, weil wir müssen dort abhauen, da schon um, äh, äh, halb

Ar

neun oder so was so. Oder? Bei dir?

Karla: Ja. Mit dem Fahrrad oder was? Nee...

Kosta: Es kommt drauf an, wenn du mit dem Fahrrad dahin willst,

In

komm ich gern mit dem Fahrrad.

Karla: Und dann die ganze Chose nach Sankt Pauli, auf den Berg? Kosta: Sonst kann man einfach zu Fuß, nimmt man die U-Bahn oder

rla

S-Bahn, die fährt ja auch dahin. Karla: Das fährt auch dahin.

Kosta: Wir können aber auch das Fahrrad mit in die S-Bahn nehmen.

Ka

Greta ruft irgendwas im Hintergrund. Karla: Eh, kommst du zu mir? Später? Ach weiß ich auch nicht, ob ich dann Lust habe! Ne? Kosta: Eben, das kann man nie wissen, das würde ich jetzt gar nicht... Karla prustet. Kosta: Ich hab keinen Rucksack bei dir irgendwie so was. Das ist äh... Karla: Nimm am besten gar keinen Rucksack mit. Kosta: Am besten gar keinen... Doch, ich muss ja, wegen dem Harry Potter Buch.

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Karla: Ach komm! Das kannst Du in der Tüte mitbringen. Kosta: Das ist immer noch die Entscheidung, ob ich das Fahrrad mitbringen soll, oder nicht. Das ist einfach, ob du Bock hast Fahrrad zu fahren, oder ob du, ob wir das einfach vergessen so. Und einfach dahin... Karla: Soo... Ich hab keinen Bock Fahrrad zu fahren. Kosta: Okay, dann komm ich nicht mit dem Fahrrad.

it

Karla: Mhm. Wir fahren da mit der Bahn, das fährt zehn Minuten

be

nach Sankt Pauli. Kosta: Ja.

Ar

Karla: Und außerdem... Ach, vielleicht hab ich Lust. Jetzt hab ich schon... Vielleicht hab ich Lust. Ich glaube schon. Wenn ich gut drauf... Ja, das ist nicht Kino, weißt du! Dann bin ich etwas

In

extrovertiert. Ich werde immer durchs Kino so total introvertiert. Kosta: Das ist seltsam, du im Kino ist was seltsames. Gell? Karla: Ja ne?

rla

Kosta: Mhm.

Karla: Ist wirklich wahr. Du hast Recht. Also ich werde immer so komisch. Es sei denn, es ist so richtig lustiger Film. Ja?

Ka

Kosta: Ja, das geht irgendwie anders so rein bei dir, das Kino. Karla: Hmm. Ich bin das Opfer. Des Kinos. Kosta: Du bist ´n bisschen ´n Kino-Opfer, ´n Zelluloid-Opfer. Das stimmt. Karla: Aber, guck mal, wenn es ´n lustiger Film ist, das da magst du natürlich nicht... Kosta: Das ist komisch. Da gibt´ s so jeden Scheiß, wenn ich so Louis de Funes Filme mit dir gucke, oder so was... Karla: Ja! Louis de Funes, ne, oder...

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Kosta: Prinzen der Bastion oder so was... M: Auf einmal finde ich die nicht mehr lustig, wenn ich die mit dir gucke. Kosta: Ja, weil ich kann überhaupt nicht dadrüber brüllend lachen. Das ist so komisch bei mir so. Karla: Oder mit Milla Jovovich. Karla stöhnt: Oah.

be

Kosta: Da wird ´s mir dann komisch. So.

it

Kosta: Ja genau. Das ist so fuck irgendwie so.

Karla: Dann schicke ich dich für die Zeit zu Meike in die Datscha.

Ar

Kosta stöhnt: Mmmh.

Karla: Doch! Dann kannst du mal schön den Butler machen da! Für die Babys. Und die ungeschminkten Frauen.

In

Kosta: Du bist hart drauf heute, ne?

Karla: Ich hab total geile Beine in deiner Strumpfhose! Also jetzt reden die Leute gar nicht mehr über mich, sondern nur noch über

rla

diese Strumpfhose.

Kosta: Das ist schön.

Karla: Alle Leute auf der Strasse! Die gucken mich gar nicht mehr an.

Ka

Kosta: Sehr schön.

Karla: Die gucken mir nur die Strumpfhose an! Kosta: Sehr schön. Karla lacht: Ich bin gar nicht mehr existent! Ich überlege gerade, ob ich die heute Abend doch nicht anziehe. Kosta: Vielleicht kannst du sie dir über ´n Kopf ziehen. Und zwei Löcher reinschneiden, oder so was. Karla: So ´ne Frechheit, lacht. Ich ziehe mir Perücke an. Mal sehen was konkurrenzvoller ist, die Perücke oder... hehe

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Kosta: Kannst dir so ´nen goldenen Rahmen um den Kopf machen, oder so was. Karla: Oah, peinlich. Ja, ja, das ist so was für Gesa. Kosta: Ne, Gesa ist Kopftuch. Karla: Also, ne? Okay. Kosta: Du. Also jetzt ruf ich mal Jacken an und guck, wie das aussieht, mit äh, wann er denkt, dass es anfängt und. Wegen

it

Gästeliste...

be

Karla: Wieso, wenn der sowieso vom Verlag feste Gage kriegt, dann

muss es ihm egal sein, ne? Der arbeitet nicht auf Eintritt, dann kann er Kosta: Ich ruf ihn einfach an.

Ar

einen auf die Gästeliste...

Karla: Der kann, der ist dir was schuldig, ne? Dann soll er mich da

In

auf draufsetzen! Vorsichtshalber.

Kosta: Plus eins oder so was, genau.

Karla: Plus eins, genau. Schreib nicht, für wen. Nicht mit wem.

rla

Kosta: Nee.

Karla: Dann kannst du immer noch jemand reinschmuggeln. Greta ruft irgendwas im Hintergrund.

Ka

Kosta: Mich hat doch schon... Andreas... Karla: Das fällt total auf. Kosta: ...Krammer irgendwie gefragt... Karla: Was hat er dich gefragt? Kosta: Im Thalia hab ich den getroffen. Karla: Und was hat er gesagt? Ob du mit mir gehst? Kosta: Ja genau... Ne, ob du noch kommst und so. Sag ich, nee, wieso und so.

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Karla: Ach so, ja? Ja, ja und dann plappert der weiter. Das ist so ein bisschen unangenehm für andere Seiten. Kosta: Ja, ja, aber ich glaube der ist, ich hab da,.... ne komm. Das ist doch eh alles relativ klar. Karla: Okay. Greta, hast du Lust, dass Kosta Lauterbach dir heute Fischstäbchen brät? Greta: Oh ja, Fischstäbchen sind ganz toll.

it

Karla: Ja, wieso?

be

Greta: Und die Fotos, die wollte ich ihm doch auch bringen.

Karla: Die liegen da auf, da wo dieser Stapel ist mit meinen... Okay?

Ar

Kosta: Ich bringe den Harry Potter mit.

Greta: Hast du meinen Brief heute morgen gelesen?

Karla: Ja danke schön... Wir haben uns nämlich geprügelt gestern.

In

Kosta: Ja ich hab schon gehört. Greta: Wo liegen die Fotos?

Kosta: Du hast dich geprügelt, hab ich gehört.

rla

Karla: Oah! Hat sie aber echt, hör mal! Kosta: Sie hat überhaupt nichts gemacht. Sie war wehrlos und hat geheult und so. Und du hast sie immer weiter geschlagen. Und warst

Ka

ganz brutal und so.

Karla: Die hat sich aufgeführt wie so ´n Ehemann also. Ich werde wütend! Weißt du, nur weil ich am Samstag auf die Party nicht gefahren bin, einmal gibt man nach, ja? Kosta: Ja, ja. Karla: Und dann versuchen sie kleinen Finger, zack, sofort die Hand wollen sie haben. Dann darf ich abends irgendwie... Um zehn darf ich doch wohl weggehen? Weißt du, selber sagt sie zu Jim, können nicht seine Kinder dann alleine bleiben? Äfft Greta nach, muss ich denn

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immer auf sie aufpassen? Und selber, weißt du, macht sie mir so Szenen, ja? Hast du zugehört? Kosta: Ich hab zugehört. Karla: Ja, ich weiß, das ist ein bisschen. Wahrscheinlich bist du in ganz anderer Stimmung und kannst du nicht... Kosta: Ja ich komm grad von dieser Theaterprobe noch und so weiter und so, war noch gar nicht richtig angekommen und so.

it

Karla: Ja.

be

Kosta: Das macht aber gar nichts. Das kannst du mir nachher alles noch erzählen.

Ar

Karla wird laut: Ja, dann habe ich aber keine Lust dir das noch mal zu erzählen! Kosta: Ja, stimmt.

In

Karla: Man hat ja... Man kann nicht immer alles so schieben. Kosta: Das soll mir einfach alles Greta erzählen, wenn ich für sie Fischstäbchen brate.

rla

Karla: Okay...

Kosta: Ich denk´ mir dann den anderen Wahrheitsteil dazu. Karla: Okay, ich bin jetzt Karla und lege auf.

Ka

Kosta: Ich bin Kosta und nehme das hin. Karla: Ahh, heiß ist es hier. Kosta: Ich komm dann einfach so... Ja, ja, so sieben halb acht komme ich bei euch vorbei. Karla: So früh? Kosta: Früh? Wenn wir um halb neun weg müssen? Karla: Ja stimmt. Aber ich muss ja mich nicht beteiligen, ich hab ja, ich bin so vollgefressen. Kosta: Das musst Du überhaupt nicht machen.

70


Karla: Genau. Genau. Kosta: Ich geh einfach mit Greta in ihr Zimmer, dann siehst du mich auch nicht. Und... Karla: Wie, da kann man nicht braten. Du. Ich kann dich sehen, stört mich nicht. Kosta: Also. Greta im Hintergrund: Mamaaaaa, meinst du man kann bei dieser

it

Nässe schon Farbe reinmachen?

be

Karla: Ne, noch ein bisschen zu nass. Okay. Tschüss!

Ka

rla

In

Ar

Piep

71


Überleben im Siff Kapitel IV Karla: Die Sitten der Menschen verändern sich. Sehr oft finden Schimmelbegräbnisse statt, da die Bürger keinen Bock mehr haben, ihre Töpfe abzuwaschen. Die Essensreste wachsen als Schimmel ganz hoch bis zum Topfrand, dann werden mit dem Topfdeckel Freunde

it

zusammengetrommelt, um den Schimmel zu begraben. Sie kommen

be

ganz fein in Silber und Grau gekleidet und stellen sich im Kreis auf. Der Gastgeber sucht einen Platz für das Grab. Meistens wird der

Ar

Schimmel draußen an einem Baum begraben, dort wo die Hunde ihre Haufen lassen. Natürlich sucht der Gastgeber einen jungfräulichen Baum aus, an dem noch kein Hund gekackt hat. Die Freunde gehen

In

hinter dem Gastgeber her und singen traurige Lieder über das vergehende Leben. Viele tragen Plastiktüten in den Händen. Sie haben Gummihandschuhe an. Wurde ein jungfräulicher Baum gefunden, es

rla

kann aber auch eine Wiese oder ein sauberer, unbenutzter Abfalleimer auf der Straße oder im Supermarkt sein, beginnt die Zeremonie. Der Gastgeber schaufelt mit einer Kinderschaufel ein Loch in der Erde

Ka

oder er öffnet den Deckel des Abfalleimers. Der Schimmel wird reingekippt. Daraufhin greifen die Trauerfreunde in ihren Plastiktüten nach Essensresten, die sie dem Schimmel hinterher ins Grab werfen. Nun ist der Topf frei und man kann darin wieder kochen und das dann zusammen verspeisen, sowie Freude und Eierkuchen haben. Wer den Topf vor dem Kochen säubert, wird unter den Freunden ausgelost. Auf alle Fälle macht das nicht der Gastgeber. Piep

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Greta: Hallo, das ist jetzt eine normale Ansage. Hat Karla gesagt, ich soll eine machen. Aber... Piep. Und äh, da können Sie dann uns und mich und sie alleine und so erreichen. Piep. Karla: Die Idee Nummer 1 heute war... Greta schreit im Hintergrund.

it

Karla: Das kann ich als Diktafon benutzen! Idee Nummer 1 war, ich

be

will nich’ aus meiner Wohnung raus, aber ich will mich

transportieren, sprich, beamen. Also ich beame mich auf folgende

Ar

Weise woanders hin, dass ich so zu Hause so ’ne Art Toilette, so ’n, so ’ne Kabine habe, am Fenster, steige ich da ein, wie in die Toilette. Das ist so kuschelig und mein Privatleben, wie bei mir zu Hause. Ich

In

erkläre das doch gerade...

Greta: Wir haben Krabbensalat!

Karla: Na dann, iss erstmal das alte auf.

rla

Greta: Ne, ich ess erstmal das Neue. Karla: Das ist ‘n Anderes, das eine ist, sind rote Krabben, das andere ist braune Krabben. Ähm... Und diese Kabine, das ist so was wie

Ka

Toilette, aber ist mehr so ’ne Private. Es könnte auch ‘ne Toilette sein. Das ist so, wie in die Toilette gehen. Und dann tippe ich rein, wo ich hin will. Und das ist so, so was wie Flugzeug auf, jeder hat seine, seine Frequenz, seine Höhe. Und auf dieser entsprechenden Höhe gibt es keine Kollision mit Anderen. Das ist so, wie Telefonleitung. Und dann kann er sozusagen diese Person, wie mit ihrer eigenen Wohnung, also in dieser Kabine, woanders hinkommen. Das dockt dann auch an die andere Wohnung oder Büro einer anderen Person rein. Dann klingelt man da und dann steigt man wie aus der Toilette aus seiner

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Kabine. Vielleicht haben die anderen so ’ne vor, so dass man nicht da direkt im Klo rausgeht. Lacht. Aber vielleicht ist es gar kein Klo, nur ich vergleiche das so mit so was ganz Privatem. Oder so ’n wie, wenn man die andere Wohnung verlässt, dann, äh, dann geht man in die äh... halt auf Klo und so. “Ich muss meine Hände waschen“ und dann sagt man „Tschüss, kann ich noch die Toilette benutzen?“ Und dann geht man wieder rein, in deren eigenen Vorraum, also den

it

Abtransport-Vorraum und an den Abtransport-Vorraum, das ist so wie

be

an den Flughäfen auch diese, diese Schläuche, gehen, äh... wird

wieder angedockt an seine eigene Kabine, also meine eigene Kabine.

Ar

Und dann kann ich wieder mich zurückbeamen, entweder nach Hause oder wo, wo ich hin will. Das ist so ’ne Art Privattaxi. Und das, das ist ziemlich schnell dann. Das Ganze dauert dann irgendwie, dass man

In

irgendwie in einem anderen Stadtteil in 5 Minuten ist, statt halt in halbe Stunde, rechnet man sogar mit Taxi, weil runter gehen die Treppe, und vorher Taxi einsteigen, dann wieder aussteigen, bezahlen

rla

und so. Alles, man muss für alles rechnen irgendwie, na ja, gut, ok, also. Nachts dauert das nur 15 Minuten, aber dann, dann hier mit so ’ner Kabine, dann kann man noch restliche Sachen machen, weil man

Ka

wird da hingeflogen halt. So... So wie in “5. Element“. Das war die Idee Nummer 1. Ich muss ja gleich, hatte ich noch eine andere Idee. Ah, was war denn das für eine Idee? Was hatte ich denn jetzt gerade für eine Idee. Ok. Was war das denn jetzt? Ach, das nimmt weiter mit auf! Ach, das ist ja cool. Ach so, da brauch ich gar nicht zu halten. Ähm. Also Greta hat vorgeschlagen heute, wir machen Kurse “Überleben im Suff“, also im Siff, meinte sie. Also im Suff. Also okay, ich kann auch Kurse “Überleben im Suff“ geben“. Ich kann ganz gut saufen. Aber Greta

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kann noch nicht gut saufen, deswegen können wir nicht “Überleben im Suff“ vorschlagen. Sondern “Überleben im Siff“. Ähm... “Überleben im Siff“ ist ja... Greta ruft was rein... Machen wir zu Hause für Wochenenden. Pro Person 500 Mark. Plus Putzkolonne hinterher. Natürlich darf das Gewerbeamt und Ordnungsamt vor allen Dingen das nicht wissen, weil dann holen sie uns wie Herrn Sonder in den Ochsenzoll ab. Dass wir hier ein bisschen unordentlich sind, das

it

sind total, wie geheime Bunde früher, wie am Anfang des

be

Jahrhunderts die spiritistischen Treffen, gibt es bei uns ganz coole, moderne Sache “Überleben im Siff“. Wenn Leute nämlich das

Ar

Wochenende hinterher bestanden haben bei uns, sozusagen einfach leben, so wie es ist hier, einfach so, nicht aufräumen... sind sie abgehärtet...

In

Greta: Sind abgehärtet!

Karla: ...sind sie abhärtet, dann ist das Leben cooler, das ist so wie, als hätten sie einen LSD-Trip, eine Droge genommen. Dann sehen sie das

rla

alles. Und dann fühlen sie sich auch unwohl, so wie unsereins, wenn sie in so ’n total saubere Wohnung reinkommen, deren eigene Wohnung, dann kriegen sie so ’n Horrortrip. Und dann wollen sie bei

Ka

uns immer die Wochenenden machen. Und äh... sind immer, sind sie unsere Freunde, so hinterher auch noch. Greta: Für 500 Mark! Karla: Für 500 Mark. Hinterher, wenn sie unsere Freunde sind, dann nicht natürlich, wenn sie uns nur so besuchen. Sie können dann gucken, wie die Neuen kommen, dann können sie gucken kommen. Und ein bisschen, hier... Das war die Idee Nummer 2 heute für den Science Fiction Roman. Meine Idee war nämlich, dass... Also ich hab natürlich mit dem Ghostwriter, ich besorge mir Ghostwriter oder ich

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hab 100 Tage Zeit irgendwie erworben, dass ich diesen Roman, diese polnischen Terroristen überfallen Deutschland und machen polnische Wirtschaft, das ist diese Idee. Wenn ich das endlich mal schaffe zu schreiben, aber wie auch immer! Die Ideen muss ich erstmal sammeln und die Idee ist, dass das Begraben des Schimmels, also so aus den Töpfen, das ist so ’ne richtige geile Sitte, das ist so was wie, äh... Ja, so wie auf Bier trinken sich treffen, das gibt ’s immer wieder...

it

Karla zu Greta: Du hast dir aber ganz schön ordentlich asozial viel

be

Krabbensalat draufgemacht! Das finde ich echt... Lacht. Greta spricht unverständlich.

Ar

Karla: Ja, die alte Packung! Ich will aber, das sind andere, bessere Krabben!

Greta: Ich hab die alte angebrochen...

In

Karla: Ok. Und das Begraben des Schimmels, ähm, ist eine so richtige sittliche Angelegenheit unter den Menschen. Die treffen sich immer zum Begraben des Schimmels. Was sich gerade bei denen

rla

angesammelt hat, man guckt sich das so an. Und äh... Greta: Ich glaube, das wächst schon langsam raus aus dem Topf! Karla: Das glaube ich nicht. Das kann nicht rauswachsen, weil es so

Ka

ein mickriger Schimmel war. Ich hab nämlich einen Schimmel gezüchtet... wie ‘n Experiment auch, wie das Leben entsteht! Die machen, die deutschen Wissenschaftler, die machen jetzt auch so Proben, wie das in Ururknallzeiten war, ob aus einer Bakterie das Leben entstehen kann. Die machen jetzt auch so, in so Töpfen, setzen irgendwo so Bakterie rein, in... Aber die machen da so ’ne Situation in dem Ding, wie das im Kosmos ist oder auf dem Mars oder so. Und dann setzen sie eben zufällige Bakterie da rein, ob daraus irgendwie weiteres Leben oder Schimmel oder so, das sind die ersten

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Pantoffelchen, ob irgendwie so Leben entstehen kann. Und dann, also sie verschnellern das Ganze, so Millionenjahren machen sie innerhalb von paar Monate oder so. Und dann, äh, weil sie wollen herausfinden, ob tatsächlich das Le... Also außerirdische Leben entsteht, so. Außerirdische Lebensformen, ob es die irgendwo geben kann, weil die können sie auf diese Weise nämlich erforschen, was die Amerikaner und die Russen und alle versuchen, dass man Sonden dahin schickt...

it

Ich spreche nur so laut, damit sich das gut aufnimmt! Ähm, weil das

be

zu kompliziert noch ist ja? Das dauert zu lange, bis man die Antwort hat, bis die zurückkommen und so weiter. Und diese ganzen

Ar

Lichtjahre. Also versuchen sie das so nachzustellen. Auf der Erde. Dass sie diese Situation in Töpfen halt machen. Ne? Das sind natürlich so andere Töpfe und nicht solche Haushaltstöpfe. Das sind

In

so, äh, Reagenzgläser und so weiter. Aber sie versuchen das auf diese Weise nachzustellen.

Greta spricht unverständlich.

rla

Karla: Was denn? Frage?

Greta: Woher wissen die denn, wie die Situation auf dem Mars ist? Karla: Und da haben sie schon Proben. Da haben sie schon so... äh.

Ka

Also man kann das auch ermessen. Also Temperatur. Sie wissen auch die Temperatur von der Sonne. ja? Also das kann man schon so. Auf Entfernung sogar und... Die können beobachten vom Licht und die hatten doch schon Proben von Mars? Ich bin mir nicht sicher. Aber ich glaube, dass so weit, so weit ist Mars auch nicht. Das dauert dann 70 Jahre bis die Sonde dann wieder zurück ist, aber die haben schon Proben, glaube ich. Glaube ich jedenfalls! Also vom Mond haben sie jedenfalls. Und sie können am Beispiel, das ist wie in der Mathematik... Du musst nicht unendlich weit.

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Greta: Wie lange dauert das denn, wenn man vom Mond fliegt? Karla: Du das dauert heutzutage gar nicht mehr so lange. Das ist auch so, dass es in der Zukunft irgendwie ganz normal man da Urlaub macht, also so Fahrten wird es geben, ja? Nur, ich finde das, nachdem wir da nach New York geflogen sind und zurück, ich finde das ziemlich schredderisch. Also wenn man dann auf dem Mond war, das kannst du echt vergessen. Du bist ein Jahr hin. Deswegen erfinde ich

it

ja dieses, äh, weil die denken immer das von, dass man sich auch

be

irgendwann in der Zukunft beamen kann. Du kannst die Materie nicht dematerialisieren, ja? Das kannst du nicht. Du kannst natürlich

Ar

irgendwie Holz verbrennen und das wird dann zu Asche. Nur äh... Da ist kein Leben mehr, ja? Das ist nur in der Religion so, dass die Leute glauben, da ist noch Leben, ja? Also ab da, wo du, äh, Eiweiß, also

In

dematerialisierst, ja, in eine andere Form bringst, da ist kein Leben mehr. Also so, also das Leben ist in dem Sinne also Moleküle, also so, und äh... Zellen! Zellen zum Beispiel kannst du nicht

rla

dematerialisieren. Du kannst nur Moleküle dematerialisieren, ja? Also die einzelnen Elektroden und so weiter und dann wieder in die andere Form versetzen. Aber wovon...

Ka

Es klingelt an der Wohnungstür. Karla: Nicht aufmachen... Wer weiß, wer das ist! Das ist schon ständig hier, ich bin... Greta: Das ist bestimmt die Brandes. Karla: Woher weißt ’n das? Greta: Geh’ mal kurz da hin, Karla! Da steht sie vor der Tür, ich will nicht mit ihr reden! Karla: Ich will auch mit ihr nicht reden! Greta: Der Schlüssel steckt?

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Karla: Nee. Greta: Na also, dann kommt sie hier rein. Karla: Woher weißt ’n, das sie das ist? Greta: Oh Mann! Das ist die Brandes. Ich geh’ jetzt in mein Zimmer ja? Karla: Ich mache bestimmt die Tür nicht auf! Greta: Doch, du musst jetzt zur Tür.

it

Karla: Nein, ich mache keine Tür auf bei Leuten, die ich nicht weiß,

be

dass sie kommen. Außerdem heute Vormittag hat... Das sind die

Handwerker bestimmt. Weil deren... Weil die Tür zugeht. Und heute

Ar

um Viertel nach elf hat das geklingelt und gestern auch um dieselbe Zeit und ich mache nicht die Tür auf. Und das ist nicht die Brandes. Weißt du? Und die hat hier überhaupt nicht reinzugehen, ja?

In

Greta: Du hast ihr doch ’n Zettel geschrieben.

Karla: Ich hab ihre ‘n Zettel geschrieben, dass sie nich’ reingehen soll, weil die Familie das beseitigt. Und sie kommt nicht. Sie darf

rla

auch nicht. Und sie kann mir einen Zettel machen an der Tür, dass sie mit mir was zu besprechen habe. Ich mache nicht die Tür auf. Seitdem diesem Vorfall mit dem Opa mache ich nich’ mehr überhaupt Türen

Ka

auf! Ich lasse nur Freunde, wenn sie da sich vorher ankündigen, klingeln und so weiter. Ich bin zu paranoid diese Woche. Mach’ ich nicht, da stehen mir nachher irgendwie solche Typen da, ja? Prima! Polizei hilft mir auch nicht. Mach du das auch nicht, Greta. Wir machen einfach nicht mehr die Tür auf. Für Leute, die wir wissen nicht, wer das ist und so weiter. Außerdem, ich vermute, dass das die Handwerker sind, weil sie ständig da reparieren. Und da war noch die Tür zu. Weißt du? War auch schon... Greta: Vielleicht ist das Kosta.

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Karla: Das ist nicht Kosta! Das ist nicht um diese Zeit. Er hat mich darum gebeten, ich hab vorher mit ihm telefoniert, dass du bei ihm aufs Band sprichst, um wie viel Uhr das ist... Jetzt war ich aus dem Pfad rausgekommen! Jedenfalls, die Moleküle, äh, das Leben also, so kann man nicht dematerialisieren in dem Sinne. Das Leben muss irgendwie in einem Zug bestehen. Und Leute, die ins Koma gefallen sind oder so ’n klinischen Tod erlebt haben, die sind ganz daneben.

it

Oder Leute die Gefäng... äh, Gedächtnis verloren haben, wenn du

be

einen Faden verloren hast, des Lebens, also jedenfalls beim

denkenden Wesen wie Mensch, ja, dann bist du völlig anderer

Ar

Mensch. Das heißt, du bist ja schon dematerialisiert gewesen, und du musst immer ‘n Zug haben. Man muss immer einen Zug haben. Und das ist äh... Man muss immer eine Geschichte haben. Das geht nicht

In

mit Beamen und so weiter. Aber um schneller voranzukommen ist das jetzt so, dass ich ja diese, diese, diese, diese Geschichte erfinde für die Zukunft, das man so schneller, also, wie heutzutage man kann ja auch

rla

schneller telefonieren, man Handys hat oder man schneller an Informationen über Internet kommt. So geht das weiter mit dem Transport des Menschen. Und dass er einfach, jeder privat irgendwie

Ka

Flieger hat, sozusagen, die auch gleichzeitig seine fliegende Toilette ist, ja? Und sozusagen so ’ne Privatkabine. Also das ist in der Zukunft. Und wenn die gut ausgestattet ist, kann man sogar auf den Mond damit fliegen. Aber warum sollte man auf den Mond fliegen? Das ist viel zu weit. Was soll man denn da? Ja? Na ja, zum Gucken, da nimmt man natürlich so Organisations-Busse und so Jets und so. Aber für die Stadt hat man immer so ’ne kleine Kabine und die Kabine bringt, wenn du in die andere Stadt willst natürlich, in einen großen, so wie in den Zug. Und das ist der Flieger und so weiter. Das

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ist ganz praktisch. Das gefällt mir ganz gut, diese Idee. Und so eine Kabine ist ja immer für eine, für zwei Personen da, weil mehr als zwei Personen wird der Mensch in der Zukunft eine Familie nicht sein. Man höchstens noch Freund mitnehmen kann. Also, sonst natürlich, okay, du kannst ja noch so, wenn man so ’ne Gruppe, äh, dann jeder bringt seine Kabine mit zum, zum... Wir fahren dann zusammen auf eine andere Party. Das ist doch überhaupt kein Problem. Das ist so

it

Mini wie diese kleinen Autos. Aber Autos, das ist total out. Ich bin

be

total gegen Autos. Das nervt mich und so weiter. So in der Zukunft

oder, das wird elektrisch mit... wie heißen die, ähm... Akkus betrieben.

Ar

Das Modernisieren des alltäglichen Lebens findet fortgehend statt. Nun, ich hab ´s. Da sich die lebendige Materie niemals beamen lassen wird, wird das ganze Transportieren beschleunigt. Ein traumhafter

In

Ersatz fürs Beamen werden sogenannte Privattaxis sein. Die Privattaxis werden Kabinen sein, in die man direkt vom Fenster aus einsteigt. Sie werden gleichzeitig als Bäder und Toiletten dienen. Man

rla

wird immer mit dem Wasserlassen bis man weg muss warten und wird dadurch keine Zeit verliegen. Die Privattaxis werden so was sein, was die Handies früher für die Finnen waren. Sie telefonierten nicht mehr

Ka

in ihren Wohnungen. Sie nutzten dazu die Zeit des Unterwegssein. Sie sagten: „Es ist schade um die Zeit, zu Hause zu telefonieren.“ Im fliegenden Badezimmer wird man wie bei sich Zuhause sein und wird man seinen Lover besuchen können, ohne dass man mit ihm zusammen die Nacht verbringen musste. Man wird noch ganz warm vom eigenen oder Ehebett in das Bett des Lovers kommen, denn das Fliegen innerhalb der Stadt wird gerade pinkelstromlang dauern, mit allem drum und dran vom Losstarten bis zum Ankommen weniger als 5 Minuten. Nach Wunsch wird man die Maschine auch auf langsamer

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stellen können, denn dieses Fluggefühl wird angenehm sein. Man wird während des Fliegens duschen, Zähne putzen, einfach die Morgentoilette erledigen können und wird sich dann entweder anziehen und ab ins Büro oder zum Termin oder in das Bett des Lovers düsen. So einfach wird das sein. Auf alle Fälle wird jede Kabine eine eigene Flugebene haben, damit sie mit den anderen nicht kollidiert. Man wird natürlich keinen Flugschein brauchen, so wie

it

man heutzutage keinen Telefonierschein braucht. Das Pilotieren der

be

Maschine wird das Computerprogramm erledigen. Man wird das Ziel tippen oder sprechen und schon wird es losgehen. Diese Flugleistung

Ar

wird so normal sein, wie früher die Müllschlucker oder heute die

Telefonanschlüsse. Sie wird ein Angebot für die Stadt sein und wenn man anderswohin fliegen wollte, wird man natürlich zum Flughafen

In

gebracht, zum Bahnhof quasi, wo jederzeit irgendwelche Maschinen irgendwohin fliegen werden und die eigene Kabine wird dann mitkommen und in dem Kaff, in dem man ankommen wird, wieder

Ka

rla

einsetzt werden. Piep.

82


Hund, Fahrrad, Radio Kapitel V Karla: Ich bin mit dem Hund spazieren nach draußen. Bitte Nachricht nach Ton oder Fax. Danke. Piep. Karla: Dann hat er irgendwie doch den Hund abgeholt. Von sich aus.

it

Hat er irgendwie nicht angerufen, sondern Fax geschickt an Greta.

be

Dass er den Hund um 18 Uhr abholt. Und dann hat er ein Fahrrad für mich gebracht. Und dann hat er es abgestellt. Das Fahrrad.

Ar

Susanne: Mhm.

Karla: Und dann hat er mir heute Nacht ein Fax geschickt um halb drei muss es wohl gewesen sein, steht auf dem Dings Gute Fahrt. Und

In

dann hat er nicht versäumt, Greta auszurichten, dass er doch Geld bekommt, für das Fahrrad. Susanne: Mhm.

rla

Karla: Weißt du? Susanne: Bitte?

Karla: Dass er doch Geld bekommt für das Fahrrad.

Ka

Susanne: Oh.

Karla: Er hat mir das Fahrrad gebracht. Ich hab mit Greta gar nicht weiter geredet darüber. Er will doch irgendwie Geld haben. Hat er ein Fahrrad hier gebracht. Susanne: Mhm. Karla: Ja. Es musst du dir vorstellen. Susanne: Mhm. Karla: Bei Kordian versucht er auch ein Fahrrad zu verkaufen. Hat er irgendwie vier Gurken da stehen, die er irgendwie gefunden hat,

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repariert hat. Und versucht er die zu verkaufen. Also der sollte doch irgendwie nach Bergedorf fahren. Da zum Fahrradflohmarkt oder so. Und weißt du so, ich hab ihn nur gefragt, kannst du mir die Kette, mir ist die Kette runtergerutscht. Ja? Und dann hab ich ihn gefragt, kannst Du mir ‘ne Kette raufmachen. Ja? Susanne: Mhm. Karla: Das ist irgendwie, das kann er ganz schnell.

it

Susanne: Ja, klar.

be

Karla: Das ist so wie, wenn du jemand fragst, kannst du mir eine Glühbirne eindrehen.

Ar

Susanne: Klar.

Karla: Dann kommt er vorbei, der Mann kann das besser, oder er ist größer, ja? Und äh, ja und dann daraufhin hat er gesagt, imitiert Jason,

In

näh, also so ’ne Scheißgurke! Kannst du doch für 50 Mark ein Ding haben. Wieder mit eigener Stimme, ich sag, ich will kein Fahrrad für 50 Mark. Ne?

rla

Susanne: Mhm.

Karla: Ich hab so ’ne Scheißgurke, sie ist das Beste. Ich muss es nicht mal abschließen. Es nimmt keiner. Ja und jetzt, dann steht jetzt sein

Ka

neues Fahrrad und jetzt hab ich keinen Bock ihn anzurufen, lacht. Ich war gestern so wütend auf ihn, weißt du? Susanne: Dann lass es doch! Karla: Ja, ich mach das auch nicht. Warte mal, das war gestern? Ne, das war vorgestern. Und dann hat er diesen Hund nicht abholen wollen... Ah, wie hat er sich aufgespielt! Susanne: Aha. Karla: Ja? Susanne: Ja.

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Karla: Ja, Mann, wie krieg ich das hin, dass ich gar nichts mit ihm zu tun habe. Er ist nicht mein Papa, nicht dass ich ihn irgendwas fragen muss. Susanne: Ja, aber dann rufst du ihn immer an wegen irgendwelchen Kettengeschichten. Karla: Er bringt Greta immer vorbei mit dem ganzen Krempel. Und dann hab ich ihn gefragt, ob er mir die Kette machen kann.

it

Susanne: Mhm, lacht.

be

Karla: Dann darf ich ihn das nicht fragen. Das ist schrecklich. Susanne: Mhm.

Ar

Karla: Idiot. Mhm. Jedenfalls hab ich jetzt von einer Anwältin so ’n Ding. Ich mache ordentliche Verträge und dann kann er mich am Arsch lecken!

In

Susanne: Ich hab mich das ja auch gefragt, wegen der Sprecherinnen, ne? Also ich hab ja diese Sprecherinnen jetzt für dieses Filmprojekt. Karla: Wieso, du fragst doch ganz normal diese Leute selbst.

rla

Susanne: Ja, ich hab da schon mal gefragt. Karla: Nein, nein, du fragst die doch ganz normal hinterher, ob sie was gegen haben...

Ka

Susanne: Ja.

Karla: Und dann sagst du so und so. Das ist nicht die Sache. Für die ist das, wenn die jetzt sogar das bei Gema haben, dann melden sie selber das an und dann kriegen sie ihre eigenen Gebühren. Susanne: Mhm. Karla: Weißt du, wenn sie bei Gema sind. Susanne: Ja. Karla: Und das ist nicht die Sache. In dem Fall hier, sind das Filmtonausschnitte aus Filmen von mir und Jason.

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Susanne: Mhm. Karla: Wo ich jetzt die Firma übernommen habe mit 50.000 Mark Schulden und ich hab gesagt und ich meine normalerweise hätte er, hat mir Heinz das gesagt, normalerweise dürfte er jetzt gar keine Rechte haben und gar nichts. Keine Einnahmen. Der hat das einfach so Pleite verkauft. Ich hab netterweise, weil der Typ einfach Panne ist, und aus dieser ganzen Produktion nicht, du weißt die ganzen Streits,

it

der ging nicht raus. Und dann habe ich gesagt, okay, ich übernehme

be

die Schulden und du kriegst trotzdem deine Scheißtantiemen,

abzüglich 20 Prozent. Also das ist das netteste überhaupt, nicht so

Ar

aller Vorkosten, so 20 Prozent. Und dann 50 Prozent davon. Und jetzt äh, jetzt mache ich den ganzen Vertrieb und so weiter.

Susanne: Mhm. Und die Tantiemen sind von den Filmen, also wenn Karla: Ja, ja.

In

die im Kino laufen?

Susanne: Aber, ich dachte, das geht sowieso an die Filmförderung

rla

zurück.

Karla: Natürlich. Nein, erstmal müssen deine Vorkosten doch zurückkommen. Susanne, wenn du jetzt äh, kommt immer drauf an,

Ka

wie viel Geld du bekommen hast. Wenn du alles bekommen hast, ja? Susanne: Mhm.

Karla: Zweite Sache. Wenn man Vertrieb macht, dann hast du wieder selber Kosten. Susanne: Mhm. Karla: Ja? Susanne: Ja. Karla: Ja, gut, ganz normal machst du Vertrieb. Also, das sind doch ganz normale Kosten. Da bleibt gar nichts übrig.

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Susanne: Mhm. Karla: Und jetzt geht es hier um was anderes. Also einfach Einnahmen aus den Filmen. Ich meine, normalerweise geht das auch an die Filmförderung. Aber bei diesen Projekten, wir stecken immer so viel selber rein. Susanne: Ja. Karla: Ich hab jetzt gerade auch so Zettel, aber das ist für Vertrieb.

it

Das, das muss ich auch, dann muss ich die Einnahmen wieder und hat

be

Heinz gesagt, das ist sowieso ungerecht, weil ich bin immer die Förderungsempfängerin gewesen.

Ar

Susanne: Mhm.

Karla: Und ich hab die Verträge und gar nicht Jason. Und äh, normal, wenn ich ihm Geld gebe, das ist so wie äh, so was akzeptieren sie ja Susanne: Mhm.

In

gar nicht.

Karla: Das ist alles so ’n Quatsch.

rla

Susanne: Mhm.

Karla: Und das mache ich nur, deswegen will ich das eigentlich nur abschließen.

Ka

Susanne: Mhm.

Karla: Dass er gar nichts mehr bekommt. Susanne: Ja.

Karla: Wenn er sich so aufführt. Verstehst du? Susanne: Mhm. Geht das denn irgendwann? Karla: Ja, ich gehe zur Anwältin... Susanne: Ach so.

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Karla: Und dann frage ich ja, wie man das machen kann. Weil äh, weil damit irgendwie das endlich mal aufhört. Damit ich nicht immer mit ihm ständig abrechnen muss. Susanne: Ah. Karla: Dass er sich nicht aufführen muss. Susanne: Ja. Karla: Weißt du?

be

Karla: Ich muss ihn gar nichts fragen.

it

Susanne: Auf jeden Fall.

Susanne: Damit das irgendwie korrekt geregelt wird.

Ar

Karla: Ja! Aber ich muss ihn auch gar nichts fragen, wirklich. Ich hab, er hat mich auch nicht gefragt. Weißt du? Susanne: Mhm.

In

Karla: Das, ich meine... Ganz einfach. Ich muss ihn doch gar nichts fragen. Wenn er wirklich jetzt äh, was soll ich ihn denn fragen? Dass er irgendwie was, ich meine er bestimmt das gar nicht.

rla

Susanne: Mhm.

Karla: Weil er auch gar nicht den Vertrieb macht! Ich kümmere mich um alles.

Ka

Susanne: Mhm.

Karla: Und das bedeutet, ich muss ihn gar nichts fragen, wenn ich die, die Filmausschnitte irgendwie äh, an Kuba gebe. Weißt du? Susanne: Na ja. Karla: Und dann wird er netterweise erwähnt. Susanne: Mhm. Karla: Und ich meine, wenn ich jetzt Geld kriegte, dann könnte ich sagen, okay, gut. So war ’s bis jetzt die Regelung. Susanne: Mhm.

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Karla: Ja? Dann könnte ich sagen, äh gut, dann wieder mal 20 Prozent der Abzug der Kosten, dann kriegst du 50 Prozent von den Einnahmen. Susanne: Jaah. Karla: Ja? Aber ich krieg’ gar kein Geld. Also was soll ich ihn da fragen. Susanne: Ja. Ja, ich hab ’s auch nicht so richtig verstanden, was er

it

wollte. Ich hab gemeint, ja wieso, wirst du denn dann nicht erwähnt,

be

oder was? Imitiert Jason, ja doch, erwähnt. Na klar, das wär´ ja noch schöner!

Ar

Karla: Ja, der, der, der, ja. Ganz normal. Also ich meine, er wird

erwähnt und ich meine, andere Leute sind auch nicht erwähnt. Der hat genauso ‘n Job gemacht bei Filmton wie andere. Und ich muss mal

In

ehrlich sagen, ich habe Regie aber gemacht und normalerweise wird gar nicht jemand erwähnt, der einfach Filmton angelegt hat. Susanne: Ja. Das meine ich eben auch.

rla

Karla: Und der... Ja, verstehst du? Und der hat immer sowieso so ‘n Stolzproblem. Susanne: Ja.

Ka

Karla: Und äh, er wird dann halt, verstehst du, die ganzen Filme hab ich meistens, ich hab immer Regie gemacht. Ja? Und dann ging ’s immer um diesen Streit. Dann hab ich gesagt, mir ist das scheißegal, dann bist du auch der Regisseur. Ja? Susanne: Mhm. Karla: Weißt du, man kann ja das schreiben. Ist er aber nicht gewesen! Susanne: Mhm. Karla: Ich erwähne auch nicht die Zeichner, weißt du.

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Susanne: Ne. Karla: Kann ich nicht tausend Leute erwähnen. Susanne: Ne, das ist doch scheiße, wenn da so viel drauf steht. K: Und, ach egal. Jedenfalls hat er sich nur aufgespielt. Aber es ging eigentlich nur um dieses Scheißfahrrad. Susanne: Ja. Karla: Weil ich ihm das nicht abgekauft habe. Aber ich hab keine

it

Lust immer auf sein Beleidigsein.

be

Susanne: Mhm.

Karla: Ne. Du hast eine Athmo da hinten. Da ist so laut.

Ar

Susanne: Ja, das ist furchtbar. Karla: Sind das Ausländer oder was? Susanne: Junkies sind das. Susanne: Ja. Karla: Ist ja wie...

In

Karla: Junkies.

rla

Susanne: Die können nicht mal richtig reden. Karla: So ’n Hühnerhaufen. Susanne: Ja.

Ka

Karla: Ja. Das’ echt. Na gut. Also, jedenfalls okay, dann haben wir alles besprochen. Ein Idiot! Susanne lacht: Ja. Dann hätten wir das schon mal besprochen. Karla: Also, ich bin voll sauer auf den. Echt. So sauer auf ihn. Äh, ne, ja, dann kann er mich mal. Also hat er jetzt das Fahrrad abgestellt. Susanne: Mhm. Karla: Und äh, ich will aber gar nicht das Fahrrad fahren. Susanne gähnt: Aah. Karla: Ich nehme jetzt das Fahrrad von Kuba.

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Susanne lacht: Hast du ihn denn gefragt, du willst ‘n neues Fahrrad haben? Ne. Karla: Ne. Susanne: Das kann der doch nicht einfach machen. Karla: Das macht er aber einfach. Du kennst das doch. Susanne: Wenn er dir das schenkt ist ja ok. Fahrt, als hätte er mir das geschenkt schon, ne?

it

Karla: Dann soll er mir das auch ruhig schenken. Da stand Gute

be

Susanne: Das stimmt, das hört sich an wie ‘n Geschenk. Karla: Ja, will ich aber nicht.

Ar

Susanne: Mhm.

Karla: Und hinterher kommt er mir, imitiert Jason, Jaah. Weißt du, so. Karla: Ooh.

In

Susanne lacht: Ja genau. Susanne: Der ist Jungfrau.

rla

Karla stöhnt: Mann. Und was machen diese Scheißjungfrauen? Susanne: Die sind so. Die vergessen Dinge über Jahre nicht. Und summieren das alles im Hinterkopf auf und rechnen das immer wieder

Ka

durch und...

Karla: Wer ist denn noch Jungfrau? Susanne: Ne Freundin von mir war Jungfrau, die genauso wie Jason. Karla: Ja? Susanne: Ja. Karla: Aber Kordian ist auch ein bisschen wie Jason. Ein bisschen ist er schon. Susanne: Ja?

91


Karla: Ja. Warte mal. In irgendwelcher, irgendwie Hinsicht. Bei manchen Hinsichten ist er wie Jason. Also natürlich nicht so ’n Arbeitstier, ne. Bei denen stehen immer noch die Kartons. Das machen die, das wird da irgendwie, ich glaube das wird... nicht gemacht. Es sei denn der Onkel Peppo zahlt wieder Polen. Dass die aufräumen. Irgendwo denk’ ich manchmal, dass er so wie Jason ist. Susanne lacht: Das sehe ich irgendwie nicht so.

it

Karla: Ja, ich sehe das manchmal, weißt du, sehe ich so auf, also bei

be

Kordian habe ich immer so ’n Gefühl, vielleicht ist es ungerecht, aber vielleicht muss er noch sein Leben fühlen. Aber manchmal, also

Ar

immer sich auf so ein fahrendes Auto, so Trittbrettfahrer nenne ich das. Susanne: Mhm.

In

Karla: So bei Kordian, der versucht, also vielleicht unbewusst ne, also immer so, die anderen Personen als Vehikel zu benutzen. Susanne: Mhm.

rla

Karla: Ja? Und jetzt etabliert sich das schon so bei ihm langsam, aber manchmal krieg´ ich das immer mit, also... Er kann immer sehr gut kopieren. Ne?

Ka

Susanne: Mhm.

Karla: Meiner Meinung nach. Susanne: Ja, das stimmt. Das kann er gut. Karla: Ja, also sozusagen auf einer Sache, die schon da ist, auf der Basis. Susanne: Oder auch... Karla: Jason kann ja gar nicht kopieren. Aber er will mitfahren, weißt du? Susanne: Mhm.

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Karla: Also so, da sehe ich das. Und dann wird er irgendwie, immer komisches Schicksal von Jason oder Kordian ist immer, dass sie immer weniger erwähnt werden. Susanne lacht: Ja! Karla: Als die anderen. Man vergisst sie so. Susanne: Mhm. Karla: Und äh, also zum Beispiel, was das Radio angeht, ich mache

it

mit Kordian, und das ist wirklich eine intensive Sache inzwischen

be

geworden, der ist einfach wenig ambitioniert. Und ab und zu mal

schmeiße ich ihn dann raus. Dann kriegt er ein bisschen so Rappel.

Ar

Susanne: Mhm.

Karla: Also so, ja, weiß nicht, habe ich eine Sendung ihn irgendwie ausgesetzt. Weil er wirklich, ich hab immer das Gefühl, das macht Susanne: Mhm.

In

sich von alleine, er kriegt überhaupt mit auch, wie viel ich mache. Karla: Also unterschätzt das. Weißt du? So...

rla

Susanne: Ja, ich glaube, also er ist auch nicht so derjenige, der sich da so vorbereitet, sondern er geht dann da einfach hin und macht das so spontan. Und du bereitest dich ja schon immer auch so vor.

Ka

Karla: Na ja, gut. Aber ich meine, zwischendurch jammert er da, ja, ich würde mal alle Texte schreiben, sag ich ja, machen wir immer abwechselnd. Du schreibst den Text. Und jedes Mal, wenn es Transmitterdings ist, ich rufe da an, ist da der Text drin? Nö. Weißt du? Susanne: Aah. Karla: Und dann muss ich Kordian auch sehr genau die Diskette vor, weißt du noch, am liebsten noch vorbeibringen. Weil es Nachts ist und dann kann er gegenüber dann rüber gehen am Tag. Und dann muss ich

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ihm genau erklären, wie man das macht, weißt du? Und dann sagt er immer, erklär mich das nicht immer, wie man ein Ei kocht! Und dann sage ich, ja du Idiot! Aber wie... Weißt du so? Susanne lacht. Karla: Ja zum Beispiel, wenn wir das auf Video aufnehmen diesen, dieses äh, diese Sendung, ne? Dann muss ich ihm das alles sehr genau erklären. Der schafft das einfach nicht.

it

Susanne: Mhm.

be

Karla: Und dann sage ich, da gehst du runter zu Spar und kaufst du eine Videokassette für 3,95 ja? Und dann ist er total sauer, dass ich

Ar

ihm das alles genau erkläre. Aber so ist das ja! Susanne: Mhm.

Karla: Ich meine, das geht schon manchen Leuten auf die Nerven,

In

wenn ich das so erkläre. Aber irgendwie hab ich manchmal so ’n Gefühl, dann klappt das nicht. Susanne lacht.

rla

Karla: Der hat mich schon mal 2 Stunden auf der Strasse stehen lassen.

Susanne: Hm.

Ka

Karla: Ja? Und das sind so Beweise dafür, wie ernst er das meint, weißt du, wenn ich sage, es ist Viertel vor acht. Ja? Wir müssen noch Greta zur Schule bringen. Weil er sagt, wir fahren da und da hin und da müssen wir pünktlich und los und so. Gut, Viertel vor acht, ich warte unten mit dem ganzen Krempel und mit Greta. Wir warten Viertel vor acht, bis fünf vor acht, die muss zur Schule, ja? Susanne: Mhm.

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Karla: Und dann, äh, dann geht sie los und sagt sie, der kommt Viertel vor zehn. Ich sag ’s dir. Und dann geht sie los und ich gehe nach oben und dann rufe ich ihn an und dann wecke ich ihn! Weißt du? Susanne: Mhm. Schrecklich! Karla: Ooh. Solche Sachen! Ne? Susanne: Mhm. Karla: Also da erinnert er mich natürlich nicht an Jason.

it

Susanne: Nein!

be

Karla: Also da nicht. Susanne: Überhaupt nicht!

Ar

Karla: Da steht Jason immer so schon zwanzig vor acht da.

Susanne: Genau. Der ist nämlich Jungfrau, die sind ganz, ganz superpünktlich. Die kommen 10 Minuten vorher an. Susanne lacht.

In

Karla: Oh, das ist auch scheiße.

Karla lacht: Ich mag das nicht, wenn Leute zu früh kommen.

rla

Susanne: Ne.

Karla: Da war Mercedes gestern auch hier. Statt um eins, kommt sie um halb eins. Das finde ich ganz schrecklich, wenn Leute...

Ka

Susanne: Jaah. Ne, das ist schrecklich. Karla: Ja, ne?

Susanne: Mhm.

Karla: Also zu spät dürfen sie, aber nicht soo spät. Susanne: Ja. Karla: Und das kommt immer auch drauf an, wenn man zum Essen kommt oder so oder ins Kino. Susanne: Das ist doof, wenn man wartet, finde ich, also wenn man jetzt irgendwo auf der Strasse wartet, ist doch total bekloppt.

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Karla: Mir ist letztens was passiert in Leipzig... Susanne: In der Kneipe kannst du immer noch ‘n Bier trinken ‘ne halbe Stunde, das geht. Aber... Karla: Ja, ja. Aber kommt immer auch drauf an, ne. Was für eine Kneipe. Susanne: Ja, genau. Karla: Da hat man manchmal so tausend Anwärter, das ist echt....

it

Susanne: Ja, das ist auch blöd.

be

Karla: Oder in so einer Gegend, stell dir vor, so in, also nee, das war ganz schrecklich in Japan, als da irgendwie die Typen nicht total, Du bist total fremd, ne? Susanne: Mhm.

Ar

gekommen sind. Dann stand ich da mit meinem Riesengepäck, also

Susanne: Ja.

In

Karla: Also erstens ganz anders sieht man aus.

Karla: Und dann sowieso sehe ich anders aus. Und dann noch hatte

rla

ich ein Riesengepäck. Also war schon so total peinlich, weil die alle immer doch total kleine Handys hatten, ja? Also so richtig so wie diese Witze mit, äh, so Rülpsen und so.

Ka

Susanne: Mhm.

Karla: Mir ist ein Fax gekommen. So, ganz klein, die sind ganz klein, die hatten nichts, die hatten ganz kleine Taschen und nirgendwo gab ´s Rolltreppen. Susanne: Mhm. Karla: Und sowieso keine Lifte und sogar. Dass heißt, du hattest irgendwie Riesengepäck... Susanne: Mhm.

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Karla: Oh und dann kommen deine Leute nicht. Das heißt, wenn du irgendwo jetzt anrufen willst, ja wohin denn mit dem Gepäck, ne? Verstehen auch nix. Englisch gar nichts. Und dann, stöhnt, ich, ist ja völlig egal, nimmst Polnisch oder Deutsch, ist egal, man redet einfach auf diese Leute ein, kannst du auf mein Gepäck aufpassen? Ich muss jetzt telefonieren. Und dann nimmst du jemandem aus der Hand irgendwie, reißt du, ich will jetzt auch telefonieren! Weil die ja ganze

it

Zeit nur telefonieren, ja?

be

Susanne: Mhm.

Karla: Und dann habe ich gesagt, ich will jetzt auch telefonieren! Und

Ar

dann hab ich diesen, der ging einfach nicht weg einfach, ne? Susanne: Mhm.

Karla: Weil ich da, weil das war trostlos irgendwo so ’n Telefon zu

In

suchen, weißt du?

Susanne: Echt? Gibt’s da keine? Weil alle Handys haben? Karla: Doch! Irgendwo im sechsten Stock ohne Dings, äh, also da an

rla

manchen Stellen sind sie total unorganisiert, lacht. Susanne: Ja.

Karla: Doch irgendwo im sechsten Stock, mit Lift, aber da musste

Ka

man irgendwie eine Treppe nehmen. Susanne: Hm.

Karla: Also weißt du, ich war so ein bisschen, wie mit Rollstuhl mit diesem Riesengepäck dadurch. Und dann oben gab ´s eine Post und dann beachten sie dich aber auch nicht. Susanne: Mhm. Karla: Also, du stehst da und sobald ein Europäer, so auffällige Frau jetzt da steht, dann gucken sie einfach weg. Und bedienen nur Japaner.

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Susanne: Schön. Karla: Ja, ja. Das war ganz schrecklich. Und irgendwann sagst du, ich möchte jetzt auch bedient werden! Und dann irgendwie gucken sie alle weg und dann einfach, ja, ja, ja, ja, ja. Dann habe ich geklopft, ich war total wütend irgendwann, ne? Und dann, nänänä... Weißt du so, immer dädädädädä... Und dann ich, ja, Telefonkarte! Immer so alles mit Händen, ne?

it

Susanne: Ja.

be

Karla: Und so, und dann, dann geben sie Telefonkarte, es funktioniert aber von vorne bis hinten nicht.

Ar

Susanne: Aha.

Karla: Weil die immer bei jeder Telefonzelle eine andere irgendwie Gesellschaft ist.

In

Susanne: Oah, nein!

Karla: Und dann falsche Telefonkarte gekauft. Oah! Mann das ist ganz schrecklich alles! Und ja, das war wirklich... schrecklich. Wo

rla

war ich denn vorher...

Susanne: Du weißt gar nicht warum Du das erzählt hast. Karla: Ja, weiß ich nicht, wegen Kordian.

Ka

Susanne: Ja genau.

Karla: Ne, wegen Jason oder so. Susanne: Genau, lacht. Karla: Ja, weil ich Kordian das immer alles sehr genau erkläre. Susanne: So, so. Karla: Jetzt hab ich jedenfalls Redaktion gewechselt, das hab ich dir schon erzählt? Susanne: Ja.

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Karla: Dann bin ich jetzt bei Loretta. Jetzt muss ich wieder mich treffen. Jetzt diesmal mit Jessica und Danea. Susanne: Mhm. Karla: Weil die am Donnerstag irgendwie dann hoch und heilig dann irgendwas versprechen werden, was ich angeblich nicht machen werde. Und dann ziehen sie den Antrag zurück die Paulas. Die haben Susanne: Ach, haben sie doch gemacht... Aha.

it

einen Antrag gestellt, ähm, dass ich, meine Sendung abgeschafft wird.

be

Karla: Na ja, das haben sie gemacht. Gestern Nacht habe ich im Pudel fünf oder sechs Leute getroffen, die mein Pamphlet ganz toll fanden.

Ar

Susanne: Ja, das fand ich übrigens auch sehr gut.

Karla: Und äh, ja und dann haben sie immer gesagt und so auf die Schulter geklopft. Trotzdem ist der Antrag da.

In

Susanne: Mhm.

Karla: Und jetzt muss ich mit ja, Danea und Jessica sind meine Anwältinnen, sozusagen.

rla

Susanne: Mhm.

Karla: Die reden mit den Paulas dann. Und ich weiß nicht, was die wollen. Ich muss mich jetzt mit denen treffen.

Ka

Susanne stöhnt genervt.

Karla: Was ich nicht machen werde! Angeblich. Na ja, gut, ich kann mir das anhören, dann kann man sich... Ich kann ja so ’n äh, Flyer verteilen, lacht, dass das eine Wort das andere bedeutet oder so. Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht! Also, das macht nur Spaß eigentlich, diese, diese ganzen Hinderungen. Es macht einen nur kreativ. Susanne lacht. Karla: Ich hab schon so einen geilen Brief jetzt, ich bin bei der nächsten Sendung nicht da und Kordian ist alleine. Und hab ich

99


irgendwie so Mitschnitt gemacht und so ’n Brief, wo ich mich befinde. Und das irgendwie einfach nur lustig ist das Ganze. Susanne: Mhm, lacht. Geil! Karla: Ne? Susanne: Ja. Karla: Ja, ja. Jedenfalls ich weiß nicht, was äh, was sein wird. Aber werden wir sehen. Das jedenfalls ist das schon viel Arbeit gewesen,

it

irgendwie das Ganze. Kann man theoretisch auch sein lassen. Müsste

be

was anderes passieren. Ich weiß es nicht. Also ich meine, jeden... Also es wird jetzt richtig gut eigentlich. Die Ideen sind ja da. Nur, wenn sie gar nicht mehr machen. Susanne: Mhm.

Ar

einen dann nicht senden lassen. Was kann man da machen. Kannst du

In

Karla: Da kannst du gar nichts machen. Das ist halt so, kann man nur mit dieser Sendung vielleicht mal versuchen woanders so, ich weiß es nicht.

rla

Susanne: Mhm.

Karla: Eigentlich wäre das der Grund. Ne? Susanne: Mhm.

Ka

Karla: Aber ich, eigentlich habe ich das nicht vor gehabt. Ich war gar nicht so ambitioniert auf äh, wie sagt man... auf die... ja, so auf... damit man das kommerziell macht. Weißt du? Susanne: Ja. Karla: Ich will es eigentlich gar nicht. Weil man da gar nicht diese Freiheiten hat. Das einzige, wo man die wirklich... Ah jetzt hab ich mir aber so ’n Heft bestellt von Deutschlandradio. Susanne: Mhm.

100


Karla: Ma’ gucken. Weil das, bis man das durchstudiert hat, dann vielleicht findet man dann die Nischen. Susanne: Ja und Radio Eins? Karla: Was ist das? Susanne: Berlin? Karla: Ja, was macht man da? Susanne: Das ist ‘n total geiles Radio.

it

Karla: Ja?

be

Susanne: Ja. Karla: Kriegt man da Geld? Karla: Ja?

Ar

Susanne: Ja.

Susanne: Ja, also es ist so vom Niveau her nicht viel besser als das Karla: Mhm.

In

FSH, sagen wir mal.

Susanne: So wie Offener Kanal oder so. Aber es gibt immer kleine

rla

Honorare da für die Beiträge.

Karla: Ich hatte grade zwei Seiten in der Jungen Welt. Susanne: Mhm.

Ka

Karla: Das ist auch mit Geld. Susanne: Mhm.

Karla: Fand ich ganz toll. Am Samstag zwei Seiten. Ganz dicke Seiten. Das fand ich echt super. Das hat sich ergeben über diese Liv – Ullmann - Show. Dann ist die Redakteurin da und quatscht sie einen an. Susanne: Mhm.

101


Karla: Dann hab ich ihr Texte geschickt. Du kannst ihr Texte schicken. Kata Marsch heißt sie. Sie sucht immer neue Texte. Aber lange! Susanne: So richtig ganz normale Texte, nicht so journalistische Texte? Karla: Nee, nee! Eigene Texte, aber lange. Susanne: Mhm.

it

Karla: Nix kurzes.

be

Susanne: Ja.

Karla: Du musst einen langen Text schicken, oder zwei lange Texte. Karla: Wie viel? Susanne: Zwei?

In

Karla: Nee, länger.

Ar

Susanne: Zwei Seiten oder was?

Susanne: Wie? Lacht.

Karla: So richtig lange Texte.

rla

Susanne: Hab ich gar nicht.

Karla: Ja dann geht das nicht. Sie sagt ja, ich kann dir das gleich sagen, sie sagt immer, 1000 bis 1500 Anschläge. Das sind, äh, also

Ka

eine Seite hat 2000, sind 5 Seiten bis 10 Seiten. Susanne: Ja, aber das kann die doch da nicht alles in dieser Jungen Welt...

Karla: Doch! Auf der Doppelseite hab ich jetzt gerade meine Kimgeschichte abgedruckt. Susanne: Ach so. Karla: Und äh, das ist mein längster Text übrigens, lacht. Ne ich hab ja noch so andere, aber die hab ich ihr nicht geschickt. Und äh, ja das ist das, was sie sucht. Sie sucht immer neue Leute.

102


Susanne: Mhm. Karla: Sie quatscht auch Leute auf Lesungen an und so. Läuft immer rum auf... Die ist ein bisschen blöd, also in ihrer, also die ist nicht blöd, aber die ist in ihrer Art blöd. Susanne: Mhm. Karla: Die macht das total schlecht. Ungeschickt. Die schämt sich dafür, dass sie irgendwie rumläuft und spioniert.

it

Susanne lacht: Ja.

be

Karla: Und dann sagt sie, ääh, es tut mir leid, aber ich... weißt du... könntest du mir nicht schicken... ist mir peinlich jetzt. Ich bin total

Ar

besoffen und ähh, ist mir total peinlich dich anzuquatschen, aber ich arbeite für die Junge Welt und so...

Susanne: Oh Gott! Das ist schrecklich! Susanne: Oh nein.

In

Karla: Ja, so macht sie das.

Karla: Und dann ist sie noch besoffener und dann sag ich, laut, ja,

rla

dann gib mal schon mal deine Adresse her! Susanne: Mhm.

Karla: Sie soll endlich mal einen aufhören zu nerven.

Ka

Susanne: Ja.

Karla: Und soll sich nicht so schämen. Susanne lacht: Fürs Nerven! Karla: Und dann, und dann habe ich ihr aber dann Sachen geschickt. So, ich dachte mal gucken, wie das ist, ne, weil viele Leute quatschen, ich mache eigentlich immer, fast immer Sachen, dass ich Leuten doch was schicke. Susanne: Mhm.

103


Karla: Die fragen mich nach den Lesungen zum Beispiel und dann schicke ich den Leuten einfach, weil es nicht so viel ist, kann man machen. Susanne: Mhm. Karla: Und ähm, dann lerne ich immer so deren Verhaltensweisen, was, wie das hinterher ist. Susanne: Mhm.

it

Karla: Und dann war das wirklich so, ich hab vergessen, glaube ich,

be

meine Telefonnummer dazu zu schreiben, dass sie versuchte meine Telefonnummer herauszufinden an einem der Tage. An demselben

Ar

Tag rief ich aber sie in der Redaktion an, um zu fragen ob sie das bekommen hat. Und... Ja und die hat gesagt, sie hätte mir schon heute morgen Postkarte geschickt! Und ja! Alles ähm, ja, sie will den Text mehr besoffen. Susanne: Mhm.

In

drucken! Und dann war das total irgendwie einfach. Da war sie nicht

rla

Karla: Aber total chaotisch immer noch, so redete gleichzeitig mit jemand anderen oder in ihr eigenes hinein. Susanne: Ja.

Ka

Karla: Und... äh. Aber die hat sehr gut das redigiert. Und meine Werbung, also meine so Termine, die ich da angegeben hab´, hat sie alles brav abgedruckt und meine Bio, die ich selber redigiert hab´, hat sie alles brav abgedruckt. Also sie hat wirklich äh, das gut gemacht und die Fotos von Olivia, die hat Olivia selber dahin geschickt. Hat sie auch abgedruckt. Susanne: Mhm. Karla: Und Olivia kriegt Geld. Also, das ist wirklich sehr, sehr gute Zusammenarbeit. Und total schnell alles.

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Susanne: Aha. Toll. Karla: Irgendwie am Dienstag, Montag, also am Dienstag war sie zurück. Ja und dann am Mittwoch glaube ich, hab ich sie angerufen. Ich weiß es nicht! Jedenfalls am Samstag war schon der Text drin. Susanne: Mhm. Karla: Und ähm... Ja und alles bestens. Und dann Kontonummer muss ich keine Rechnung schicken sondern sie überweisen das Geld. Ah,

it

das sind nur hundertfünfzig Mark für diese 10 Seiten. Also sind

be

sieben, acht Seiten, sieben Seiten. Also 50 Pfennig pro Zeile oder so. Ganz wenig.

Ar

Susanne: Ach so. Karla: Ja, so wie bei der Taz, ne. Susanne: Ach so, so wenig. Susanne: Mhm.

In

Karla: Aber sie zahlen wenigstens, weißt du.

Karla: Und ich hoffe jetzt, dass nach diesem Text sich so ’n cooler

rla

Verlag selber meldet. Susanne: Ja.

Karla: Ja, jetzt müssen sie sich selber melden. Ich schicke nämlich nie

Ka

was zu Verlagen.

Susanne: Ne. Ich mach das auch nicht. Karla: Ich mache das nicht, weil das bringt überhaupt nichts. Habe ich das Gefühl. Susanne: Überhaupt nicht. Karla: Und äh... Ja, jedenfalls das. Und dann einmal hab ich da in der Liv - Ullmann - Show auch so ’n Journalisten kennen gelernt, dieser, ja der Haffmann. Der hat nichts gemacht, dann später. Das ist nämlich so ’n Quatscher.

105


Susanne: Ja. Karla: Aber er hat tatsächlich eine Anthologie rausgebracht, wo er mich unterbracht hat. Susanne: Ach so. Mhm. Karla: Eine Geschichte. Und dann krieg ich auch Geld. Susanne: Mhm. Karla: Krieg ich auch 100 Mark, lacht. Das sind 3 Seiten.

it

Susanne: Mann Karla! Radio Eins!

be

Karla: Ja, Radio Eins. Ich schicke denen mal Mitschnitt von meinem Radio.

Ar

Susanne: Ja, das ist total gut.

Karla: Hiermit bewerbe ich mich um einen Sendeplatz! Oder was? Susanne: Weiß ich nicht. Vielleicht einfach, ja einfach...

In

Karla: Aber an wen? Weil das ist so groß. Weißt du, wenn man zu FSH was schickt, dann ist es auch doof. Weißt du, das ist zu groß. Da muss man schon wissen jetzt.

rla

Susanne: Ja, ich würd’ da erstmal telefonieren. Karla: Okay. Sag doch irgendwie, Radio Berlin, mehr weißt du nicht? Susanne: Doch, das weiß ich, aber das weiß ich jetzt nicht.

Ka

Karla: Wo hast du das?

Susanne: Irgendwo auf’m Zettel stehen. Karla: Ja, wo ist’ n dein Zettel? Susanne: Ich weiß nicht, wo ich den Zettel hab! Lacht. Karla: Vielleicht sind sie dann in der Auskunft? Susanne: Ähm, in der Auskunft weiß ich nicht. Aber im Internet auf jeden Fall. Karla: Internet...! Susanne lacht.

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Karla: Na ja gut, ich hab kein Internet, lacht. Seit Jahren ist mein Computer auch in zwei geteilt. Da ist irgendwie so’ n Wackelkontakt. Und dann hab ich immer nur halbes Bild. Und ich dachte wirklich, ich hab da nämlich, kennst du die Geschichte schon? Susanne: Nee. Ich guck jetzt mal eben nach dem Radio Eins. Karla: Ja okay. Susanne stöhnt.

it

Karla: Also, wenn du einen langen Text hast, dann kannst du mich

be

anrufen wegen dieser Kata Marsch. Oder, es ist jedenfalls Junge Welt. Schreib doch einfach einen langen Text! zusammenquetschen in einen.

Ar

Susanne: Ja, mach ich auch. Ich kann ja auch ganz viele

Karla: Ja, aber es muss einheitlich sein. Die merkt das. Die merkt das!

In

Lacht. Die ist zwar immer besoffen, aber die merkt das. Und immer den besten Text oben drauf legen und den druckt sie dann auch. Die anderen sind sozusagen nur, nicht alles Makulatur, sondern als Kissen.

rla

Die wird sie gar nicht gelesen. Susanne: Mhm...

Ka

Piep.

107


Mister Billig Kapitel VI Karla: Guten Tag, Karla Krawalska ist hier. Ich hab ein Atelier auf der Wendenstrasse. Mauerer: Ja. Karla: Und äh, Sie wollten bei mir die Fenster anmauern. Einmauern. Mauerer: Ja. Karla: Ja?

Ar

Mauerer: Sie sind äh, 42 C, nech?

be

it

Oder...

Karla: Ja, j.. ja. Nee, ich glaube 43c, ja. Mauerer: Nee, 42c.

In

Karla: Ah ja, Sie sehen das so.

Mauerer: Im zweiten Stock richtig?

Karla: Ja, aber das ist 45! Ne? Ist das jetzt ein...

rla

Mauerer: Ja, nee, ja 45c. Ja genau. Karla: Ja. Wann wollten Sie das machen? Und wie lange das dauert? Mauerer: Joah, äh, Freidach! Freidach, äh, äh, vorm... also morgens

Ka

von 8 bis Middach um 11, bis um 12. Karla: Geht das nicht umgekehrt? Von 2? Nee, ne? Mauerer: Nee, Freidach, wir arbeiten ja am Freidach nur bis äh, äh, bis Middach. Karla: Ja. Okay. Mauerer: Um eins is’ Feierabend. Karla: Gut. Weil... Okay, dann muss ich, weil wir da sonst arbeiten müssen auch. Gut, dann frage ich ja nach, also okay, dann... Haben Sie schon die Jalousien zufällig abgenommen?

108


Mauerer: Was ham’ wir? Karla: Jalousien? Mauerer: Nej. Karla: Nee, noch gar nicht. Gut! Mauerer: Nee, äh, wie komm ich dazu Ihre Jalousien abzunehmen? Karla: Ja is’ klar, is’ klar, is’ klar! Ich frage ja nur! Weil dann können wir heute da...

it

Mauerer: Die stör ’n ja nich’. Die sind ja oben anner Wand, ne? So

be

oben.

Karla: Ach so, die stören nicht. Die kann man hochziehen, ne?

Ar

Mauerer: Ja, die zieht man ja hoch und dann...

Karla: Die Maschine okay, ich schiebe, genau, ich schiebe die Ma... Mauerer: Die muss ‘n bischn, ja so ’n Meder Platz, dass wir die

In

Leider hinkriegen.

Karla: Bei der einen Sache! Und auf der anderen Seite, diesen Schrank, den schaffe ich nicht. Aber das geht da. Von der Seite.

rla

Mauerer: Jah, das geht dann schon. Karla: Okay? Ich schiebe das weg. Sie können morgen da rein! Mauerer: Nej, morgen nich’! Freidach!

Ka

Karla: Ah ja. Morgen ist nicht Freitag. Dann am Freitag, okay. Mauerer: Freidach um 8 Uhr muss oben denn die Tür offen sein, dass wir rein könn’.

Karla: Ja! Alles klar! Mauerer: Alles klar. Karla: Tschüss. Danke. Piep. Viktor: Du hast mich eingeladen?

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Karla: Wann hab ich dich eingeladen? Ach so, ich hab gesagt, ich müsste mal Party machen. Ne? Viktor: Nee, nein, nein, es war so irgendwas im Molotow. Karla: Ah ja. Das war, ah ja, das war eine Geschichte gestern. Viktor: Ach Scheißdreck. Karla: Aber mach doch, also äh, solltest du als Künstler auftreten? sehen.

be

Karla: Ah ja, ja, ja. Dann ist nächsten Mittwoch.

it

Viktor: Ich weiß es doch nicht, ich wollte dich da einfach wieder

Viktor: Nächsten Mittwoch. 16. Oder so was?

Ar

Karla: Ja. Genau.

Viktor: Ah gut. Dann hab ich das richtige.

Karla: Das ist doch schön. Ich schreibe dich auf die Gästeliste.

In

Viktor: Ja und auch Oli.

Karla: Wer ist denn noch mal Oli? Viktor: Oli Reier.

rla

Karla: Ah ja. Mit dem gehst du. Ja gut. Viktor: Oder nicht?

Karla: Das ist dann deine neue Freundin.

Ka

Viktor: Meine neue Freundin. Eine hübsche kleine, äh, hat schönen Arsch.

Karla: Jah! Ja, ja. Ja, der hat, also der Arsch ist voll in Ordnung. Viktor: Ja, ja. Nee, ist bisschen faltig schon, lacht. Karla: Ja, oben! Aber der Arsch ist nicht faltig, lacht. Viktor: Der Arsch ist nicht faltig, lacht. Viel besser so, glaube ich. Als wenn da keine Falten im Gesicht, aber am Arsch... Karla: Ja, dann wollten sie alle irgendwie. Viktor: Ja, ja.

110


Karla: ...an ihn ran. Viktor: Ja, an die Falten seines Arsches. Karla: Ich finde auch, dass es umgekehrt noch viel schlimmer wäre. Weißt du, schönes Gesicht und dann so voll faltiger Arsch. Also, das wär´ nicht so schön. Viktor: Das allerschlimmste ist, wenn da voll faltiges Gesicht und da voll faltiger Arsch.

it

Karla lacht: Jahaha. Das ist das Allerschlimmste. Oder was auch noch

be

ganz schlimm ist, ist so ganz glattes Gesicht und ganz glatter Arsch. Viktor: Ooh!

Ar

Karla: Also, ich finde das ganz schlimm, weil das ist dann nix ja! Viktor: Ja. Das ist gar nix mehr.

Karla: Nee. Das ist so ’n Baby dann. Weißt du.

In

Viktor: Dann kannst Du gar nix mehr machen.

Karla: Babys haben aber auch schöne Falten nämlich. Viktor: Ja, ja.

rla

Karla: Ja, also es muss schon irgendwie so, wenn man so Milchgesicht hat, dann müsste man wenigstens faltigen Arsch haben. Ne?

Ka

Viktor: Ja, das ist gut. Dann freut man sich immer, wenn man... Karla: Ja, da ist ja wenigstens was Leben da. Viktor: Aah. Karla: Ja. Viktor: Naja gut, wir probieren das mal. Karla: Ja! Viktor: Faltiger Arsch und... Karla lacht: Ja. Das ist einfach nur so, dass du, dann hast du an mich gedacht und hast du mich jetzt angerufen.

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Viktor: Ja. Karla: Das ist ja nett. Viktor: Genau. Karla: Das freut mich sehr. Gestern war nämlich so ‘ne Vorauswahl, wir haben so ’ne Talenteshow gemacht. Viktor: Aha. Molotow. Und das war sehr lustig. Das war...

be

Viktor: Ja.

it

Karla: Casting. Für Talente. In der Meanie - Bar. Das ist über dem

Karla: Das war, so was kannte ich noch nicht. Weißt du, dass sich

Ar

fremde Leute melden. Viktor: Wirklich?

Karla: Und machen was vor. Manchmal waren total peinliche Sachen,

In

ja? Kennst du so eine Schauspielerin, weiß ich nicht, was sie ist, die nennt sich, äh... Hille? Viktor: Nein.

rla

Karla: Nee. Gut. Die hat da so geweint auf der Bühne, weißt du, als kleines Mädchen, das war echt peinlich. Ja, na gut. Viktor: Äh, pass mal auf. Ich wollte nur noch sagen, dass ich, ich habe

Ka

ein Foto mit Liv Ullmann zusammen. Karla: Jaah?

Viktor: Ich habe sie mal getroffen in Berlin. K: Mann! Du, weißt du was? Ich lade dich ein, du, kannst du nicht einfach äh, kommen, das Foto davon machen wir ein dia, und dann wird das projiziert, und dann erzählst du einfach nur die Geschichte! Viktor: Ja okay. Ja gut. Karla: Jaa?

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Viktor: Also ich muss dieses Foto, eigentlich war das immer da, ich muss es aber vielleicht suchen. Ich hoffe, ich schaff das und dann mache ich ein, ein äh, kannst du da, also als dia. Karla: Ja, man könnte, na ja, weil sonst kann man das nicht zeigen, weißt du. Viktor: Das ist Polaroid. Karla: Ja, weißt du, das müsste man abfotografieren, sonst weißt du,

it

für die Leute kann man das doch nicht zeigen, das ist zu klein, ne.

be

Viktor: Hast du kein, äh, so ’ne Dingsbumsprojektor. Karla: Ja also, äh, Epidiaskop.

Ar

Viktor: Ja. Karla: Ja, das ist so schwach immer. Viktor: Zu schwach.

In

Karla: Ne? Und äh, so Dia davon zu machen ist noch am einfachsten, ne?

Viktor: Ja, da muss ich mal sehen.

rla

Karla: Also finde das doch und wenn du mir rechtzeitig Bescheid sagst, dann könnte ich doch, äh, du könntest mir das, eigentlich warte mal, weil mein Kollege, ja, irgendwo kann man das machen, bei

Ka

Roman auch. Dann könntest du mir das, ich könnte das abholen, oder schicken.

Viktor: Ja.

Karla: Gehst du manchmal zur Post? Viktor: Das mache ich nie mehr. Karla: Ach so, das machst du nicht mehr. Viktor: Besser ist für mich ein Email. Ich schicke das per Email und ihr könnt damit machen, was ihr wollt.

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Karla: Das ist doch gut, das könntest du machen direkt zu Roman Schurkowsky. Da sage ich dir Bescheid. Also ruf mich... Viktor: Pass auf, du gehst zu Roman Schurkowsky oder sprichst mit ihm... Karla: Nee, du kannst das direkt zu ihm per Email, er kann mir davon ein dia machen. Karla: Ja, ja, dann gebe ich dir die Adresse.

it

Viktor: Es geht jetzt immer nur um die Adresse.

be

Viktor: Und am besten immer mir schicken ein Dings. Und du schreibst meine Adresse auf.

Ar

Karla: Genau. Genau. Viktor: So. Karla: Ja.

In

Viktor: Hast du was zum Schreiben?

Karla: Ja! Deine, meinst du jetzt deine Mailadresse? Viktor: Ja, meine Email. Meine!

rla

Karla: Ja, ich schreibe das auf, ich muss jetzt nur einen Stift gucken, ja. Ah, da ist er. Moment! Moment. Okay. Viktor: Also ich heiße Vacharyj.

Ka

Karla: Wie, jetzt heißt du anders? Viktor: Ja, mit einem V vor dem Achary. Karla: Ach so, ach so. Ach ja, ja. Vach...a...ryj. Viktor: Dann kommt ein @. Karla: Ja, ja, ja. Viktor: Und dann csi Punkt. Karla: Ja, de. Viktor: Com. Com. Com. Karla: Ach com!! Also de, com okay.

114


Viktor: Nee. Also csi com. Karla: csi com. Viktor: unkt com. Karla: Ja, eben. Viktor: Ja? Karla: Das ist dann billiger oder was? Oder besser? Viktor lacht: Was soll daran billiger sein?

it

Karla: Weiß ich nicht! Jeder hat eine andere Firma, das nervt mich

be

total.

Viktor: Ja, das csi oder cs-e-i. Das ist Compuserv.

Ar

Karla: Ja, compuserv. Das hast du schon mal... Und du kannst das, äh, reingeben, du hast so ’n Leser oder was? Viktor: Ich kann das, ja.

In

K: Ah, das ist gut.

Viktor: Ich werde das da einfach rüberschicken, wenn du mir eine, du brauchst mir nur ein Email schicken.

rla

Piep.

Karla: Ja also ich rede jetzt. Dann kannst du dir die Kassette mal bei

Ka

Gelegenheit anhören. Und zwar. Ne, die kann ich nicht jetzt hier. Irgendwie hab ich ganz viele Kabel. Jason hustet.

Karla: Einmal mit der Billigfolge geht um... Ja, hustest mich voll oder was? Eine Mister Billig Folge geht um Fahrräder, wie man an Fahrräder kommt und wie man die loswird. Und nix fünf Mark. Nur vielleicht eine H-Milch, aber das muss irgendwie rein. Also es geht um Fahrräder. Jason: Die sind so billig.

115


Karla: Ja, also so immer so, was man aus einer Gurke machen kann oder was weiß ich. Ich weiß nicht, da musst du dir was schon einfallen lassen. Jason: Ja, das ist ja nur ein kurzes Ding. Karla: Ja, das ist immer so ’n kurzes Ding. Und aber, dass er immer eine Zange dabei hat, weil er muss irgendwo was abschrauben immer. Ja? Oder was?

it

Jason: Ja, vielleicht.

be

Karla: Ja, damit er was anderes kombiniert. Und ähm, eine Folge geht um diese Briefmarke. Ja?

Ar

Jason: Ja.

Karla: Das mit einer Briefmarke, wie viele Briefe man schreibt. Dann, was hast du denn noch für immer Empfehlungen gehabt?

In

Jason stöhnt: Ich bin heute nicht fähig.

Karla: Wie? Du hast doch immer so Ideen. Wo man was billig kriegen kann.

rla

Jason: Aber heute bin ich nicht fähig. Karla: Nein. Ich meine, erzähl mir doch aus deinem Leben. Jason: Nein, Karla, ich bin jetzt heute nicht... Ich muss erstmal

Ka

duschen und alles. Bin... platt getreten. Karla: Wieso? Aber erinnere dich doch. Diese Paletten, genau, die man billig... Das ist supergeile Idee! Wie man billig Vermietung macht. So, aus den Paletten so Betten, diese Cage - People Betten. Aus diesen, das ist so hart. Diese Betten. Und äh, und das man... Ja! Dass man in der Küche, wie viele man Asylanten irgendwie schlafen lassen kann. Jason: Ja das ist... Karla: Und dann rechnet man...

116


Jason: Das ist ja leider... Karla: Ja, ist egal. Das kannst du dann ja legetrickmäßig machen. Der schneidet, dann bastelt er ganz schnell, das ist so ’n ganz schneller Trick, so ’n Regal. Hier hab ich ein Regal. Das nimmt soviel und soviel Quadratmeter. Und wie viele Leute können drin schlafen, ja? Jason: Ja, fünf. Karla: Ja, wir haben doch mehr ausgerechnet! Und jeder zahlt

it

dreihundert Mark Miete im Monat. Ja? Und wie viel Miete man dann

be

hat zusammen. Das kannst du alles vorrechnen. Alles in 2 Minuten, ja? Karla: Ja? Gut! Jason: Blöde Geschichte.

Ar

Jason: Ja.

In

Karla: Ja nun! Es ist nicht alles... Am Anfang fängst du drei harmlose, dann wird ’s dann irgendwie so und so und so weiter. Und gibt ’s ja irgendwie noch was äh, mit, na ja, hast du noch so was im Leben?

rla

Jason: Im Moment hab ich gar nichts. Ich kann überhaupt nicht denken.

Karla: Ja, zum Beispiel, was mache ich ja, wenn ich gar kein Geld

Ka

mehr habe, dann finde ich einen Kühlschrank beim äh, er steht da unten im Dings.

Jason: Ja, nech? Oder die Gefriertruhe, nech, für dreißig. Karla: Ja gut. Aber das muss plausibel und international klingen. Damit auch andere Leute das verstehen. Und machst du Stück Kabel und dann bring ich ’s zu Händler, ja. Ist das witzig? Jason: Ja, das muss man witzig machen, nech? Karla: Ja, das musst du mal witzig schreiben. Jason: Ja, eben.

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Karla: Ja? Ne? Jason: Ja. Mhm. Sind schon fünf. Karla: Ja, schaffst du das witzig zu schreiben? Weiß man nicht, ne? Ich mache dir das nicht. Musst du schon selber. Jason: Vier. Karla: Ja, so, ne. Weißt du, du hast immer so Vorschläge. Dann schläft dein Gehirn ein.

it

Jason: Schalt Dein Gehirn ein.

be

Karla: Ja, du hast immer so billig... was für Vorschläge hast du

immer, wo man was billig kriegt. Du kannst auch Johny fragen, weil

Ar

der hat immer super... Jason: Johny ne? Karla: Ja.

In

Jason: Der ist doch billig eigentlich, oder nicht?

Karla: Jaha. Der hat einen australischen Akzent. Du musst einen Schauspieler mit australischem Akzent sprechen lassen.

rla

Jason: Der auch so schnell redet. Karla: Der soll mal mit Johny reden und er hört sich das an, die Art und das ist genau das Richtige.

Ka

Jason: Ja.

Karla: Mister Billig muss auch immer so die Hand halten, so wir Johny.

Jason: Wie hält er die Hand? Karla: Ach, so komisch hält er da immer so die Hand. Das müsste ich dir vorführen. Kann ich jetzt nicht... In Japan, die machen jetzt schon Bildtelefone. Jason: Ja, das hast du mir schon erzählt. In der Uhr.

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Karla: Sogar in der Uhr, ja. Das ist gleichzeitig ein Fotoapparat und eine Videokamera. Jason: Ja, natürlich. Karla: Ja. Und äh, genau. Na gut! Also? Jason lacht: Na gut. Karla: Bis dann! Jason: Tschüss.

be

it

Piep.

Olivia: Hallo Karla, hier ist Olivia. Es ist ja Sonntag und äh, die

Ar

Sonne scheint zwar. Aber ich glaube wir sind immer noch nicht in der Laune es zu machen. Weiß ich nicht, weil du auch noch nicht angerufen hast und ich weiß nicht was die Schlange macht. Ähm, also

In

ich glaube ich würde es gut finden, wenn wir das Dienstag oder Mittwoch machen würden. Und ganz, am allerbesten würde es mir fast Donnerstag passen. Aber auch schon vorher die Tage hätte ich

rla

Lust drauf. Und ähm, du kannst ja mal zurückrufen, was mit der Schlange ist so weit.

Ka

Bis dann Karla. Tschüss! Piep. Karla: Heute mir sind so zwei... das war so unangenehm. Irgendwie gestern war ’s ganz toll, immer war toller Tag, sind wir rumgelaufen mit Greta und Kuba und Greta und Lulu und irgendwie hab ich immer Leute getroffen, die irgendwas von mir mitbekommen haben. Und dann Komplimente, dies und jenes. War total nett. Und irgendwie haben wir uns da auf so ‘nem Straßenfest so schlendern lassen. Und heute, erstens fahre ich da irgendwie in die Hochschule, hab ich Irmi irgendwie die CD ’s gebracht, ne? Dann gebe ich das bei der

119


Hausmeisterin ab, und sag, ja, hier für Frau Truber. Guckt sie mich so desinteressiert an und sagt nur ja. Weißt du so, dieses typische, weißt du so als, ja Frau Truber ist keine Professorin und so als, wie käme ich denn dazu was abzugeben. Ich sage ja, Frau Truber weiß Bescheid. Und dann, ja. Und dann, ja danke schön! Tschüss! Weißt du? So tue ich so, als würde ich nicht merken, aber bekomme so eine Un... Unmut. Du denkst ja, was soll das Ganze!

it

Susanne: Ja klar.

be

Karla: Sitzt sie da. Ich meine, die hat doch nichts zu tun als freundlich zu sein. Ich meine, das ist doch, das ist doch scheißegal. Das ist doch wieder sehen. Keine Antwort. Susanne: Hm.

Ar

keine Arbeit für die. Aber so desinteressiert, ja zu sagen. Und dann, ja,

In

Karla: Ja? Also so unglaublich! Und dann irgendwie hab ich so Schaumstoffflocken, nee warte mal, Styroporflocken, weil ich so ‘ne Schlange hier baue, für so ’n Foto mit dem blöden Kordian,

rla

beziehungsweise für ein Foto mit mir und Kordian kommt mit drauf. Und so. Äh, und dann so ’ne Schlange hab ich jetzt gebaut, so ’ne genähte und dann brauche ich so ’ne Füllung. Also gehe ich da zu

Ka

diesem Laden, der ekelhafteste Laden überhaupt auf der ganzen Welt! Susanne: Auf der Mundsburg? Karla: Ja. Der im Keller. Susanne: Ja? Karla: Ah, den finde ich so eklig. Susanne: Ich war da noch nie drin. Karla: Ich war da noch nie drin! Aber irgendwie fiel mir nichts anderes ein, ich hatte kein Bock zu telefonieren. Und weil ich da an der Hochschule war, dachte ich, ich fahre mal da vorbei.

120


Susanne: Ja. Karla: Okay. 10 Mark irgendwie so ’n Sack Schaumstoffflocken. Gut. Und dann habe ich diese Styroporflocken gesehen. Ja, 25 Mark, gut. Und dann, weißt du so, füllen sie mir das ab, das war superteuer schon. Irgendwie 50 Mark jetzt 2 Säcke, obwohl eigentlich hätte fast einer gereicht. Und dann, weißt du, nehmen sie dann superdünne, also so Säcke, weil sie so sparen, also so richtig im Keller. So, keine

it

Verkaufskultur. Daneben ist dieses teure Ding da, was sie da jetzt

be

gebaut haben. Und da ist so richtig im Keller, so Schaumstoffe. So richtig, als würden sie Abfälle verkaufen. Also, so richtig in den

Ar

Keller musst du so rein. Also oben ist irgendwie so ’n Laden, aber da steht Zettel drauf, man muss in den Keller. Susanne: Ja.

In

Karla: Und dann äh, ja und man merkt doch, schon gleich platzt das Ganze. Ich sage, ja habt ihr nicht irgendwie festere Säcke? Nö. Und dann sage ich, wie soll ich das transportieren auf dem Fahrrad? Ja, nö,

rla

weiß ich nich´.“ Und dann bindet mir das so ganz linkisch irgendwie zusammen.

Susanne: Schrecklich.

Ka

Karla: Und dann sage ich, lassen Sie mal, ich hole mir erstmal beim Supermarkt irgendwie so Müllsäcke. Ne? Damit mir das nicht auseinander platzt, ja? Weißt du so, wenn das platzt, sofort irgendwie diese Ganzen, das ist so elektrisiert und so. Susanne: Mhm. Karla: Gut, das habe ich mir geholt. Das Ganze habe ich mir noch zusammen wieder gebunden auf dem Fahrrad. Ich noch mal runter, haben Sie einen Cutter? Nö. Weißt du, immer so zwei blöde

121


Handwerker, die immer zu zweit gehen. Beide haben vier linke Hände zusammen, ja? Susanne: Ja? Karla: Vier linke Hände! Weißt du? Oh. Und dann frage ich mal, sagen Sie mal, eigentlich wie viele Liter sind das? Weil die sind so leicht, kannst du nicht so leicht nach Kilo... Ja, is’ ‘n Kilo genau. Ich sag, ja und wie viele Liter? Dann quatscht der da so irgendwie, joa,

it

wie viel Kubikmeter. Öh ne? Ich meine, das ist doch egal,

be

Kubikmeter, soll er einfach sagen, nö, ein Kilo genau. Mir ging ’s nur darum, wie viel ich das, wie viel Liter, dann weiß ich, die Schlange, Die sind so dumm! Susanne: Ja.

Ar

wenn die vier Meter lang ist und dann kann man sich das ausrechnen.

In

Karla: Weißt du?! Jetzt machen sie seit Jahren immer das Gleiche, kommen nicht auf die Idee, dass man einfach in Liter das umdenken kann, ne? Also so unkooperativ! Weißt du? Da haben sie mich fünf

rla

Mal rauslaufen lassen, von diesem Keller nach oben zu meinem Fahrrad damit ich mir das endlich mal ordentlich anbinde, damit mir das unterwegs nicht platzt. Ja? Solche Arschlöcher!

Ka

Susanne: Aber weißt du, das sind doch eigentlich auch ganz schöne Geschichten für einen Film finde ich. Da sind schon einige Sachen dabei.

Karla: Ja. Susanne: Für den Film. Karla: Für was für einen? Susanne: Für einen neuen Film. Karla: Ja, du mach das doch. Susanne: Nee, mach du das doch.

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Karla: Ach so ja. Ja was mir alles so passiert, ne? Susanne: So wie mit diesem Schaumstoff. Oben der Laden, der eigentlich relativ freundlich ist, die verkaufen ja auch so Glassachen und so Kerzenleuchter und so. Karla: Ich glaube, ich gebe das an Jason. Der will Mister Billig Film machen. Susanne: Und unten ist dann der Drecksladen, der Schaumstoffladen.

it

Karla: Ja unglaublich! Und man wird wirklich, wie so von Kakerlaken

be

bedient. Susanne: Ja.

Ar

Karla: Und wird auch so behandelt. Und so. Und dann haben sie so ’ne dicke Anzeige in den Gelben Seiten, weißt du, so? Das glaubst du ja nicht, ne, stöhnt. Oh Mann, Mann, Mann, Mann! Ja, eklig alles. Na Susanne: Ja?

In

gut. Aber ganz toll war Christopher - Street - Day hier. Karla: Oh Mann. Das war so geil!

rla

Susanne: Echt?

Karla: Ich musste wieder heulen, weil das so toll war, so bunt. Weißt du? Das war besonders voll und leider konnte ich, also ich fahre...

Ka

Letztes Jahr bin ich immer so mitgefahren so mit Fahrrad so vorbei. Habe mir, im Gegenstrom habe ich mir das angeguckt. Aber jetzt waren so viele Leute, auch so Spießer in der Einkaufs... also so in der Mönckebergstrasse. Die haben das so verstopft. Weil irgendwie. Der Umzug war auch voller, weil das 30 Jahre waren und so. Susanne: Aha. Karla: Und äh, das man da wenig irgendwie so vorbeifahren konnte. Und dann waren wir noch so aufgedonnert mit Greta. Das war so unangenehm. Also, so vor diesen Spießern, die mag ich nicht. Aber

123


die Lange Reihe war so geil. Da konnte man... Weißt du, ich wollte eigentlich nur zu 1000 Töpfe und was kaufen. Konnte man gar nicht Lange Reihe fahren, weil die haben von da Start gemacht. Ja, erstmal um 9 Uhr hier auf dem Pulverteich wurden so 200 Tunten abgeholt, ne? Susanne: Mhm. Karla: Irgendwie mit so Wagen und so. Alles dekoriert, so voll geile

it

Klamotten und Perücken. Oh Mann, das war wie Brasilien.

be

Susanne: Ja.

Karla: Musik und so. War die Hölle los hier. Die Post ging ab, wie

Ar

Greta sagte. Susanne: Was?

Karla: Die Post ging ab. Und die waren alle fast. Manche nackt und

In

haben getanzt und immer so in so Striemen und so, das war wie in der Hölle. Dann wurden die hingefahren zur Lange Reihe. Und viele Lesben und Schwule kamen auch noch vom Schauspielhaus. Na ja, da

rla

ging das Ganze los. Durch die ganze Innenstadt, Mönckebergstrasse und dann so beim Pressehaus und dann wieder zum Rathaus, warte mal, irgendwie beim Vier Jahrezeiten Hotel und dann am Dammtor.

Ka

Piep.

124


Symmetrie und Schönheit Kapitel VII Journalist: Offizielle Begrüßung und dann geht’s los. Karla: Ja klar. Journalist: Am Telefon begrüße ich Karla Krawalska, die zurzeit mit ihrer Ausstellung Symmetrie und Schönheit in der Lingener

be

Karla: Ja, hallo.

it

Kunsthalle zu sehen ist. Hallo Karla.

Journalist: Die Ausstellung Symmetrie und Schönheit ist deine erste

Ar

Einzelausstellung. Wie bist du auf den Titel Symmetrie und Schönheit gekommen?

Karla: Ja, das muss man jetzt so etwas genauer sagen. Die erste große

In

Einzelausstellung. Ja, sie werden immer größer, aber tatsächlich nach vielen Jahren. Aber, ich hab´ tatsächlich noch nicht so eine Riesenausstellung gehabt. Also, die Idee ist ja, dass ich fünf Jahre,

rla

beziehungsweise bis vor einem Jahr, da hab ich eine etwas kleinere Einzelausstellung gemacht, fünf Jahre keine Ausstellungen gemacht habe, davor in Gruppenausstellungen teilgenommen. Weil ich an

Ka

einem Filmprojekt, an einem äh, Zeichentrickfilm von 100 Minuten gearbeitet habe. Und dann habe ich äh, also für mich war das sozusagen wie so ‘ne Wiedergeburt oder Wiederausstellen, nicht nur jetzt Filme machen, dass eine. Das zweite ist, diese direkte Idee ist, dass in diese Ausstellung Symmetrie und Schönheit von den Inhalten, die Inhalte kommen von draußen, das ist die Ursache, da ist es nicht schön und es ist nicht symmetrisch. Das heißt, die Basis. Also jetzt muss man, jetzt so auf die Inhalte, jetzt sofort eingehen, weil die ja halt irgendwie die Basis, das heißt das proletarische, oder das

125


Boulevardmäßige äh, ansprechen. Und jetzt, ich versuche irgendwie mit diesen harten, mit diesen jetzt Straßeninhalten oder sozialen Inhalten oder Themen, oder aus dem Leben dieser Leute irgendwie das zu ordnen. Und in dieser Ausstellung ist es schön und symmetrisch und kann man sich sozusagen irgendwie, das was draußen ist in Ruhe angucken. Journalist: Mhm.

it

Karla: Und jetzt irgendwie die dritte Sache ist ja, das so halt wie so ’n

be

Zitat wirken soll, weil ich irgendwie ästhetisch irgendwie angeregt bin von der Renaissance selbst oder für mich ist das eine der schönsten,

Ar

aus der Kunstgeschichte, Kunstrichtungen, wo der Künstler selbst nicht nur, oder wir haben paar Beispiele, wie haben jetzt, sagen wir mal wir nehmen Da Vinci, wir nehmen Michelangelo. Und dann kann

In

ich mich sozusagen direkt vergleichen, wenn ich ja jetzt nicht nur mit Malerei irgendwie da angehe, oder irgendwie als Künstlerin arbeite. Sondern halt mit Film, oder ich schreibe und ähm... Das sind halt wie

rla

diese mehreren Bereiche, die bei Renaissance-Künstlern irgendwie selbstverständlich waren, und ähm, dass sie das jetzt nicht so gesehen haben, oder wenn Da Vinci jetzt auch noch ein Wissenschaftler war

Ka

und dann äh, als was werde ich mich denn jetzt hier nehmen, also wenn ich doziere oder wenn ich ganz selbstverständlich einfach eine Mutter bin. Oder ich performe auf der Bühne. Also das sind einfach so diese vielen Sachen, warum das „Symmetrie und Schönheit“ heißt. Journalist: Mhm. Welche Rolle spielt denn in dem Zusammenhang die Architektur der Halle 4 in Lingen, besonders der Kunsthalle, für Deine Installation? Karla: Ah die Architektur selbst äh... Also ich kann nur sagen, heutzutage kann man..., eine Kunsthalle sollte so aussehen und ähm...

126


also ich, wenn das jetzt etwas provinizieller wäre, weil es tatsächlich diese eure ganze Kunsthalle da in Lingen eine Oase in der Wüste ist. Also man erwartet das ja gar nicht. Also es geht jetzt nicht nur um die Halle selbst, sondern im Allgemeinen dieses ganze Komplex, das ist wie so eine Oase und dann komme ich auf einmal da an und ähm... Die Halle selbst hat mich einfach nur so angeregt, ich hab tatsächlich mich mit den Räumen auseinandergesetzt, dass ich meine einzelnen

it

Räume entsprechend dafür vorbereitet habe. Also anhand von Plänen.

be

Aber das machen auch viele Künstler, weil sie ja auch halt nicht

halbes Jahr vor Ort sein können, dann äh... Ja oder ich weiß es nicht.

Ar

Also kann ich irgendwie so direkt irgendwie das nicht sagen. Außer irgendwie, dass es eine sehr moderne Architektur ist äh. Also so ’n Rahmen oder so ’ne Basis für Kunst äh, wie man sie heutzutage, in das ist optimal.

In

welchen Räumen man sie ausstellen kann. Da kann ich nur sagen, ja Journalist: Mhm. Ja, kommen wir noch einmal auf die Inhalte der

rla

Ausstellung. Sexualität und Gewalt sind ja so zentrale Themen deiner Arbeit. Äh.... Gibt es einen besonderen Grund, warum die Unhalte der Bilder und vor Allem der Filme ständig um diese Themen kreisen?

Ka

Möchtest du provozieren? Möchtest du aufklären? Oder gibt es vielleicht ganz andere Gründe? Karla: Ach ähm, ich würde nicht das so direkt sagen. Also, das ist ja da, wo jetzt Leute, oder ich meine der ganz normale herkömmliche Zuschauer, und das ist egal jetzt, ob das ein Kunstfreund ist oder jemand, der gar nicht so in der Richtung gebildet ist. Der wird da hängen bleiben, weil Sexualität tatsächlich ein Tabu ist. Wir haben uns zivilisiert und entwickelt weiter weg jetzt von der Sexualität, wir können das regeln indem, dass wir uns verkleiden oder dass wir uns

127


zurückziehen in intime Räume, wo die Tiere das irgendwie anders machen, tatsächlich aber die Triebe dadurch auch sehr oft unterdrückt werden oder in eine schmuddelige Ecke mit Pornografie gepackt werden. Was ich mache ist einfach, wenn ich jetzt eine Szene, Zeichentrickfilmszene, die ein Liebesthema beinhaltet und dann kommt es zu einem Liebesakt, dann zeichne ich ihn weiter. Ein Viertel sagen wir mal, meiner Arbeit, ist am Ende diese, irgendwie

it

jetzt sexuelle Akt. Was ich meine, dass das tatsächlich also... Wie viel

be

schlafen wir? Wir schlafen ein Drittel tatsächlich unseres Lebens.

Davon gehe ich jetzt aus, dass wir wenigstens irgendwie so jetzt in

Ar

Gedanken ein Teil uns mit Sexualität tagsüber beschäftigen, und

gesund, würde ich auch empfehlen erwachsenen Leuten, wenn sie jeden Tag auch Sex haben. Davon also, wenn sie sich Ruhe nehmen,

In

dann werden irgendwie 2 Stunden davon. Also ich rechne das mal auf aktive Zeit, dann wird das schon ein Fünftel oder ein Viertel sein. Und äh, so ist das einfach nur, dass ich genauso essende Personen zeige

rla

oder irgendwie in meiner Arbeit geht es auch um Farben. Um Kräftigkeit der Farben, die irgendwie ganz verschwindet aus der Kunst oder es wird einfach, weil man intellektuell irgendwie

Ka

überhaupt sich distanzieren will, dass man nicht auffallen soll, dass es irgendwie ein Kunstwerk sich eher mit einer Ecke um die Ecke beschäftigt und grau denn grauer. Und ich versuche irgendwie zum Licht, also das ist ja der Grundsatz jetzt von der Malerei selbst, von der optischen Kunst, dass die Farbe halt die Kunst selbst oder das Licht ausmacht. Journalist: Mhm. Ja ähm, eine Ausstellung wird ja oft auch schnell auf die Inhalte reduziert und hier in Lingen ist das so, dass die Ausstellung für Besucher ab 18, erst ab 18 Jahren erlaubt ist. Was

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hältst du denn als Künstlerin, ja im Blick auf dein Werk, von dieser Art Beschränkung? Karla: Also, ich halte das für eher, für einen strategischen Trick. Aber ich muss eine Anekdote dazu erzählen, dass ich jetzt gerade letzten Samstag eine Geschichte, die auch in der Lingener Ausstellung als CD nonstop läuft... äh, gesprochener Text ausgestellt ist... Ein Tag im Regen ist, glaube ich bei einer dieser Gummipuppen und dass

it

sozusagen eine der Gummipuppen hat ein CD-Laufwerk als

be

sprechende Seele. Und Ein Tag im Regen ist ein Text, den ich

vorgelesen habe letzten Samstag in einer Musikveranstaltung und

Ar

Auftritt hatte ich. Meine Tochter hat dem Ganzen beigewohnt, die ist 13 Jahre alt. Und ich hatte jetzt vorgestern eine Präsentation in der Schule auf einer Schulveranstaltung. Und mmh, ich wollte jetzt

In

wissen, welchen Text ich vorlese. An sich habe ich mir so was ganz biederes und mit Oma vorbereitet und so weiter, wie ich meine Oma besuche, und meine Tochter sagte, nein, ich soll diesen Text lesen. Ich

rla

sage, ja vielleicht ist das zu hart für die Schule. Dazu muss man sagen, das ist eigentlich gar nicht jetzt so hart. Aber es spricht irgendwie Doppelgesschlechtlichkeit oder Geschlechtsumwandlung, die Rolle

Ka

der Frau wird ganz anders dargestellt und das verwirrt das Ganze irgendwie Frau-Schwulsein und Klamotten und so weiter. Also man muss sich das anhören. Da kommt auch kein einziger Geschlechtsakt vor in dieser Geschichte, außer dass ich dann da sage, dass auf Oktoberfesten dicke fette Männer wahrscheinlich unter den Tischen ihren verwesten Frauen den Finger in der Arsch stecken und sich anschließend beim laufenden Porno fallieren lassen. Was auch sehr oft im Theater dargestellt wird und, aber es ist ja, Theater ist auch nie ab 18 und dort wird das aber richtig fäkalisch dargestellt. Aber Theater

129


ist halt Kunst und man zensiert da nicht. Jetzt sage ich mal zu Ende. Dass diese Geschichte habe ich dort vorgelesen und ich hab dann anschließend, paar Lehrer waren ziemlich, sagen wir mal, bulleversiert, äh pikiert. Und ich habe dann anschließend die Kinder gefragt, weil dass denen dann so beeinflusst wurde, ob das denen irgendwie zu unangenehm und zu hart war die Geschichte. Und die haben gesagt, nö, uns nicht, aber den Lehrern schon. Und tatsächlich

it

ist das so, dass die Erwachsenen zensieren die Welt und überhaupt wir

be

befinden uns jetzt ähm... Es geht jetzt nicht nur um Kapitalismus, wo man im Auftrag arbeitet, aber diese Ausstellung ab 18 zu lassen ist,

Ar

also gerade irgendwie, ich würde das gar nicht so vertreten, weil die Ausstellung tatsächlich eher für die Jugend und ich würde mal sogar sagen ab 14 und so weiter. Weil also, die Ausstellung hat eigentlich

In

ein sehr infantiles Niveau. Ja? Ich sehe die Welt wie so ’n jugendliches Mädchen. Die Ausstellung hat ein Niveau von Bravo. Und ich gehe bloß manchmal weiter und dass ist etwas

rla

philosophischer und dann wäre das ja schon in der Bravo nicht so demnach. Und dann gehe ich einfach davon aus, dass irgendwie, weil ich ja halt eine erwachsene Person bin und da mache ich mir nicht die

Ka

Grenze, dass ich irgendwie mich jetzt verkaufe wie ein Bravo Stratege oder Bravo – Redakteur, sondern also, die Ausstellung ist vielleicht nicht unbedingt jetzt für erwachsenen Leute, die kein Sex haben oder keine Farben tragen. Die Ausstellung ist gerade für die Zielgruppe, wo er dann geschrieben hat ab 18, ich würde manchmal sogar sagen bis 18! Ja? Manche Arbeiten. Journalist: Also kann man sagen, das versucht die Sprache der Jugendlichen aufzunehmen und in der Kunst weiter zu verarbeiten und weiter zu entwickeln?

130


Karla: Ja, ich lebe damit herum, also ich setze mich damit auseinander, also, ich hab sowohl jetzt als Dozentin mit, was weiß ich, Zwanzig- bis Dreißigjährigen zu tun als auch durch meine Tochter mit den Teenager zu tun und ich weiß einfach, womit sie sich beschäftigen und ganz kleine Kinder... Da habe ich ja mal eine Arbeit gemacht, wo ein Würstchen und ein Brötchen drauf gemalt war und kenne so Sechsjährige, die immer nur so ganze Zeit irgendwie, auf

it

einmal entdecken sie ihre Genitalien und sagen sie immer irgendwie,

be

was weiß ich, Muschi, Pimmel, Muschi, Pimmel. Und das finde ich

mal ganz interessant, dass sie gar nichts anderes sehen. Wenn wir uns

Ar

jetzt dann unterhalten würden über einen Film, der gerade gelaufen ist, die würden abschalten. Aber sobald da ein Wort Muschi auftauchen würde, sofort Ohren auf. Und vielleicht irgendwie mit

In

diesen Mitteln, also ich, ja so würde ich das sagen. Aber vielleicht ist das eben halt so strategisch wichtig in diesem Fall die ab 18 zuzulassen, wobei ich das eher, ich würde eher diese bestimmte ältere

rla

Personen nicht reinlassen. Weil vielleicht eben die verletzt das oder die sehen das, das ist nicht angenehm für die, dass sie auf ihre Sexualität, die ausstirbt, austrocknet, irgendwie angesprochen werden.

Ka

Journalist: Gut. Dann werden wir das Thema hiermit mal beenden. Vielleicht eine letzte Frage von mir. Anfang 2000 wird diese Ausstellung in Luckenwalde, das ist in der Nähe von Berlin, zu sehen sein. Hast du neben dem Projekt noch weitere Projekte in Aussicht? Werden deine Filme noch irgendwo zu sehen sein? Wie sieht die Zukunft für dich aus? Karla: Ja ich gehe gerade auf eine Polen-Tournee, das erste Mal in meiner Heimat, werde ich mein Filmwerk, mein ZeichentrickfilmOeuvre vorstellen, in Warszawa im Zentrum der modernen Kunst, das

131


ist, und in Krakau an der Akademie der schönen Künste. Also, das ist ja so ’ne Anknüpfung zu Symmetrie und Schönheit, weil in manchen Gegenden die Akademie der Künste der schönen Künste genannt wird. Und dann im Dezember gehe ich nach New York. Das erste Mal in USA werde ich einen meiner Filme zeigen, Contr-Contras und da gibt ’s auch große Diskussionen schon seit Jahren, immer wieder werde ich nicht eingeladen und jetzt das erste Mal. Und dann

it

gleichzeitig bereite ich ein neues Filmprojekt, oh ja, jetzt kriege ich so

be

eine heisere Stimme vom vielen Reden, ein neues Filmprojekt vor.

Die Kinder des Teufels nenne ich das. Und dieser Film Contr-Contras

Ar

ist ein Pilot dafür. Ich habe angesprochen aus sechs verschiedenen Ländern Autoren, die mir eine Geschichte schreiben zum Thema, also so ungefähr der Plot ist ja, ein Kind kommt zur Welt, wächst bei den

In

Eltern auf und plötzlich wird ein abgesahnter der Teufels quasi, bringt die Eltern um. Also ich will ja halt diesen Horror zeigen, dass man, dass ist jetzt also eine Gegenantwort zu typischen Familienserien im

rla

Fernsehen, wo das alles so positiv ist, Familie als eine Basis, die auch heutzutage sich auflöst. Ich will etwas aufrütteln, weil eben jedes zweite Kind, also, das kriege ich über die Schule mit und das ist die

Ka

Tatsache in den Großstädten, jedes zweite Kind wächst in getrennten Familien auf, entweder bei Mama und Papa oder irgendwie, was weiß ich, wird geteilt oder wie auch immer. Also es gibt in dem Sinne die Familie ich glaube so in 20 Jahren haben wir keine mehr in dem herkömmlichen Sinne, in diesem Glücksfall ja? Journalist: Das ist eine sehr düstere Prognose. Karla: Ja und wenn ich ja dieses Filmprojekt jetzt beendet habe, vielleicht kann man eine Diskussion damit anleiten.

132


Journalist: Mhm. Ja, dann sehe ich, dass du ja doch noch ‘ne ganze Menge vorhast. Ich wünsch’ dir auf jeden Fall für die Zukunft viel Glück. Und jeder, der jetzt daran interessiert ist mehr über Karla Krawalska zu erfahren, die Ausstellung Symmetrie und Schönheit ist noch bis zum 5. Dezember in der Lingener Kunsthalle zu sehen. Vielen Dank für das Interview Karla. Journalist: So! Das habe ich jetzt mitgeschnitten.

be

Karla: Ja, okay.

it

Karla: Ja vielen Dank für deinen Anruf.

Journalist: Das war doch wunderbar. Ich glaube, da ist gar nicht

Ar

soviel rauszuschneiden. Ist vielleicht etwas lang geworden.

Karla: Ja, kannst du zwischendurch, wenn du gut schneiden kannst, da sind manchmal so, ich weiß es nicht und so weiter, verhaspele ich

In

mich. Ne?

Journalist: Jaah. Ja gut. Okay. Dann wünsche ich dir eine gute Woche.

rla

Karla: Ja, mein Besuch ist noch da geblieben. Alles klar! Journalist: Okay.

Karla: Ich schreibe euch eine Postkarte.

Ka

Journalist: Okay gut. Bis dann. Karla: Tschüss! Piep.

133


Fernsehen Kapitel VIII Karla: Heute musste ich wieder mal nachdenken über mein Snupiekult und ja... ja. Zu Vernissage muss ich eine Performance machen. Karla: Das habe ich erzählt? Mit Drinks?

be

Kosta: Ja weißt du nicht mehr?

it

Kosta: Du wolltest so was mit Drinks machen oder so.

Karla: Nee. und so mit Spiritus.

Ar

Kosta: Du wolltest für Snupiekult so was machen mit Bloody Mary Karla: Ach so, nee, das will ich jetzt nicht.

In

Kosta: Das willst du nicht mehr?

Karla: Nein... Ich hab das jetzt gedacht, weil Snupie ist ja, weißt du, diese Geschichte mit den Tieren, mit den Plastiktieren, mit dem

rla

Kinderersatz. Kosta: Ja.

Karla: Und das ist ein Thema, was mich schon interessiert, das

Ka

Modernisieren der Familie. Kosta: Ja.

Karla: Als Form. Kosta: Ja.

Karla: Und dann dachte ich ja, weil da so ’ne zukünftige Geschichte, kann ich da in die Richtung lieber was machen. Kosta: Aha. Karla: Eventuell noch anschließend einen Zeichentrickfilm zeigen. Kosta: Aha.

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Karla: Dann würde ich ja irgendwie 20 Minuten was machen, erzählen und vielleicht Dias zeigen und irgendwie aus meinen Texten, meinen Vorträgen über Links-Rechts-Erziehung und was weiß ich, irgendwelche so Texte. Und dann vielleicht mal so Übungen, dann werden das Gedichte und dann äh, wie man so Kinderlieder macht heutzutage. Ich weiß nicht, so in diese infantile, also mehr so als eben diese Sekten, so wie so ’n Vortrag ein bisschen.

it

Kosta: Mhm.

be

Karla: Aber so auch gleichzeitig als Performance, wenn das gelesen

wird mit Musik und dann nehme ich mein Tittofon natürlich auch. Da Kosta: Ja, ja.

Ar

kann ich auch Babygeschreie irgendwie...

Karla: ...aufnehmen und vortragen und... oder Gespräche, dann kann Kosta: Mhm.

In

ich mir Bauchfon machen.

Karla: Auch noch so ´n Objekt.

rla

Kosta: Mhm.

Karla: Für so Ersatzschwangerschaften. Das wäre dann auch besser, als für echte Schwangerschaften, weil, da kann man richtig sich

Ka

unterhalten mit dem Kind. Kosta: Genau.

Karla: Und da kann ich doch so ’n Kind, Greta zum Beispiel aufnehmen oder so ’n kleineres Kind, wie es mir... Kosta: Du machst dann Antworten. Karla: Ja. Ich hab nämlich schon ganz früh, das könnte ich jetzt besser produzieren, ganz früh als Greta geboren wurde, hab ich so ’ne Kassette gemacht, wo ich so ’n Interview mit ihr mache. Und sie hat

135


immer so Laute abgegeben, uihu hua, so wie das Babys so machen. Die probieren aus. Und dann hab ich immer das übersetzt halt. Kosta: Mhm. Karla: Und dann wieder, aha, aha, wie ist das mit den Windeln? Und so. Aha, aha. Und schmeckt das Breichen? Aha, aha. Kosta lacht. Karla: Und das ist sehr trashig gemacht. Aber ich hab die Kassette

it

und die ist ziemlich gut. Die Idee ist gut. Und dann muss ich auch

be

noch, jetzt wo ich davon rede, müssen wir auch noch jetzt demnächst dieses Essen machen. Genau. Das machen wir Ende der Woche oder

Ar

so. Endlich mal, wo Greta erzählt diese Geschichte bei den Großeltern.

Kosta: Ja, das machen wir mal, genau.

In

Karla: Fährst du irgendwann weg?

Kosta: Nein, ich glaube ich bleib’ hier. Also, ich wollte eigentlich noch mal in die Schweiz runter, meine Schwester noch mal sehen und

rla

Moira. Aber ich glaub’ ich bleib einfach hier. Karla: Die hat Postkarte wieder verschickt. Und ich kenne die jetzt ein Jahr. Die zieht jetzt um.

Ka

Kosta: Ja.

Karla: Dann vom 1. Januar wieder hat sie dann eine neue Wohnung. Und dann steht da ab 1. März sucht sie wieder eine. Kosta lacht: Ja. Karla: Ist doch Wahnsinn, sind schon fünf Sachen, die ich, in einem Jahr, die ich mitbekomme von ihr. Die ist echt geschlagen, ne? Oder brauch’ sie das so?

136


Kosta: Ach, im Moment macht sie... Die war ja einfach ‘n halbes Jahr weg, weißt du, in Montreal. Und seit die zurück ist, hat sie quasi noch keine feste Wohnung gefunden. Karla: Ach so. Kosta: Die hat immer so Sachen angenommen, aber jetzt. Ich hab auch ‘n Brief von ihr gehabt und so. Und die hat gesagt, das muss total, also die hat geschrieben, dass die total schön ist, die Wohnung,

it

die ist halt sehr groß. Auf der Langstrasse, also auf dieser kultigen

be

Strasse. Karla: Ja.

Ar

Kosta: Diese, wo die ganzen Nutten rumrennen. Karla: Ja.

Kosta: Und diese ganzen verrückten Typen mit Kampfhunden und so. Karla: Ja.

In

Pitbulls und so weiter und so. Ist sicher klasse da so zu wohnen und

rla

Kosta: Aber ich denk ich bleib, äh, äh, ja vielleicht ras’ ich noch kurz runter, wenn die nicht raumkommen kann. Ist besser so. Ich muss die unbedingt sehen, die, wie es der geht und so.

Ka

Karla: Wie, welchen Monat ist sie denn? Kosta: Oh, die muss jetzt irgendwie im Sechsten, die muss schon einen richtig riesigen Bauch haben. Karla: Im Sechsten hat man keinen rieseigen Bauch. Kosta: Doch, die hat schon ‘n großen Bauch. Sie sagt, es sei ganz anders als bei der ersten Schwangerschaft bei ihr. Karla: Ja, das ist schade. Wenn man bei der zweiten... Ah, ich hab Angst vorm großen Bauch. Äh, ich finde das doof. So großen Bauch.

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Kosta: Ne, meine Schwester hat einen riesigen Bauch gehabt. Die ist wie so ’ne Ente so rumgewatschelt. Wahnsinnig groß. Karla: Ja? Kosta: Und sie musste sich selber dauernd kaputt lachen, weil sie so scheiße ausgesehen hat. Karla: Oh ja. Kosta: Schon von Weitem hast du sie unter den Leuten gesehen, weil

it

sie wirklich wie so ‘ne, ja, wie so ‘ne Riesenente ist sie da so, quasi Bauch hing auch zwischen den Beinen.

Ar

Karla: Mhm.

be

mit den Beinen um den Bauch musste sie so raumlaufen, weil der

Kosta: Die hat wirklich einen riesigen Bauch gehabt. Karla: Ich hatte ganz kleinen Bauch.

In

Kosta: Ja, das glaub ich bei dir auch. Du bist ja auch so ‘ne Kompaktversion, so.

Karla: Wieso, deine Schwester ist doch ganz schmal oder nicht?

rla

Kosta: Nein, meine Schwester ist, sagen wir mal... Du hast sie nur kurz gesehen irgendwie, ne?

Karla: Ja, vielleicht habe ich anders in Erinnerung.

Ka

Kosta: Die hat schon viel größere Titten und ‘n viel breiteres Becken, die ist viel, also so, so weibermässiger als du. Du bist ja eher.... Karla: Mhm.

Kosta: Du bist auch weiblich, aber du bist, ich nenn das immer kompakt. Karla: Aha. Kosta: Also Lippen hat sie zum Beispiel auch so große und so. Karla: Mhm. Kosta: Und bei dir ist das alles so zusammen komprimiert.

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Karla: Mhm. Aha. Na gut. Also dann. Ja, vielleicht mal so, weiß ich nicht, vielleicht mal so Ende der Woche, das müsste klappen. Hab ich das Gefühl. Kosta: Also wir sehen uns ja spätestens am Mittwoch. Karla: Ja. Oh vielleicht können wir.... Aha, ach so. Sonst könnte man schon fast am Mittwoch so essen und dann anschließend ins Kino

it

gehen. Das könnte man auch machen. Ich gucke mal. Piep.

Handschuhe abhanden gekommen! So.

Ar

Alois: Ach Maaann!

be

Karla: Nee, vor allen Dingen sind mir sofort in derselben Nacht die

Karla: Ja.

Alois: Wieso das denn? Sind die irgendwie mitgegangen?

In

Karla: Ja, vermute ich, das mein Freund auch Lodz, Jarek der Fetischist, der hat mir schon mal eine Perücke geklaut, dass er die mitgenommen hat.

rla

Alois: Aha, der Fetischist.

Karla: Ich glaube der ist ‘n Fetischist. Alois: Aha.

Ka

Karla: Und äh, ich rufe den gleich an. Und ähm ja also, warte mal, was habe ich vorbereitet, nee, ich hab mich da natürlich vor Ort vorbereitet, ja? Alois: Ja? Karla: Ich hab mir Krempel gekauft. Alois: Ja? Karla: Und dann hab ich immer dazwischen erzählt, mit dem Krempel, das war so ‘ne Hand... Die Handy-Hand, die hatte ich von hier mitgebracht, aber ich sagte, dass ich sie aus dem Film habe.

139


Alois: Aha. Karla: Ja, das war zum Schluss und sonst hatte ich halt angesagt und irgendwelche Anekdoten erzählt, ganz kurz. Und das war sehr gut angekommen. Alois: Super. Karla: Die Leute meinten, ja, ohne das konnten sie sich gar nicht die Filmvorführung vorstellen.

it

Alois: Aha.

be

Karla: Na ja, jedenfalls war alles so ein bisschen wie Las Vegas ohne Kordian, ohne Musik, nur Ansagen und viel kürzer und aber auch

Ar

lockerer, weil ich ja halt sicherer bin, ne? Inzwischen.

Alois: Ja, geil. Und gab ’s keine Probleme mit Pornografie oder was da?

In

Karla: Nö, da nicht.

Alois: Du hattest ja Sorge noch ‘n bisschen. Karla: Da? Ach so...

rla

Alois: Weil zu viel Sex drin vorkommt. Karla: Jaah. Jaah. Weiß ich nicht. Nö, war alles paletti. Alois: Mhm. Das ist doch gut.

Ka

Karla: Ja.

Alois: Du hörst dich jetzt müde an ‘n bisschen. Karla: Ja, weil ich, ich hab nur drei Stunden geschlafen, ich konnte nicht schlafen. Jetzt rufe ich nur Leute an, die früh auf sind. Alois lacht. Karla: Du, ich wollte nur hallo sagen. Wann treffen wir uns? Alois: Nächste Woche kann ich erst. Ich bin bis... Wir fahren am Zweiten... Karla: Wir müssen uns auch gar nicht treffen, erstmal.

140


Alois: Doch, hätte ich Lust. Karla: Na gut! Ich hab, am 28. mache ich eine Party. Alois: Das’ ja gut. Karla: Das ist Sonntag. Hier mache ich eine Fernsehparty. Alois: Wow, geil. Karla: Weil mein Film im Fernsehen läuft. Alois: Wann denn?

it

Karla: Na, am Sonntag, nachts.

be

Alois: Ah, ach so. Geil!

Karla: Also komm mal her, komm mal rum. Karla: Kommt rum!

Ar

Alois: Ja, gerne!

Alois: Ja! Bring ich Nina mit, wahrscheinlich.

In

Karla: Ja.

Alois: Das bietet sich doch mal an, dann müssen wir nur einen Babysitter uns suchen.

rla

Karla: Also spätestens, das ist nächster Sonntag. Alois: Dann bringe ich Wein mit oder so was. Karla: Na bitte!

Ka

Alois: Ja, gut.

Karla: Tschüss!

Alois: Tschüss. Danke. Tschau. Karla: Guten Tag. Karla Krawalska am Apparat. Ich hab von Ihnen jetzt schon zum zweiten Mal einen Brief bekommen. Beamter: Mhm. Karla: Ich bin verreist gewesen und kam nicht dazu, Ihnen diese ganze Finanzlage darzustellen. Ich wollte mich jetzt nur mal melden.

141


Beamter: Mhm. Karla: Und ähm. Beamter: Sie hatten ja schon eine Mahnung gekriegt von uns, ne? Karla: Ja irgendwas, einen Brief vom 08.11. hab ich hier. Das letzte Mal. Beamter: Also, die zweite Aufforderung, ne? Karla: Die zweite, weiß nicht, das ist der zweite Brief, ja.

it

Beamter: Den ersten müssten sie ja schon gekriegt haben, ich meine,

be

wenn in der zweiten vermutlich steht, ich kann das im PC nachsehen, dass sie da ‘ne Frist gesetzt kriegen, weiß ich nicht, bis wann, ist da

Ar

‘ne Frist drin?

Karla: Hier ist bis zum 23.11. und irgendwie Fragebogen. Beamter: Dann ist das schon der zweite Brief.

In

Karla: Ja. Und, ja, ich habe noch gar nicht meine Steuererklärung für ’98 gemacht, bin quasi dabei. Ähm, zweite Sache ist, dass ich jetzt auch gerade pleite bin und mich arbeitslos melden werde. Und so

rla

wie...

Beamter: Sie sind denn im Angestelltenverhältnis? Karla: Wie? Nein, nein, nein.

Ka

Beamter: Wenn sie sich arbeitslos melden wollen? Karla: Ja, ich würde mich arbeitslos melden, weil ich halt jetzt finanziell nicht mehr weiter weiß. Beamter: Und Sozialhilfe beantragen oder wie? Karla: Ja, genau. Und da wollte ich sowieso bei Ihnen vorbeitanzen. Und ja, sind Sie überhaupt mein Sachbearbeiter oder ist das eine ganz andere Stelle?

142


Beamter: Nee, also ich sitz hier Kurt-Schumacher-Allee, ist schon richtig, und das Sozialamt, das für Sie zuständig ist, das ist hier auch. Und Sachbearbeiter ist dann jemand anders. Karla: Ach so. Beamter: Ich persönlich bearbeite nur diese... Karla: Diese Anliegen. Beamter: Und KR, Kaufmann Richard, das wäre hier Herr Buht, mein

it

Kollege Herr Buht.

be

Karla: Buht. Gut. Also, auf alle Fälle werde ich sowieso die Tage bei ihm...

Ar

Beamter: Aufkreuzen.

Karla: Aufkreuzen und dann wird sich das damit wahrscheinlich klären, weil der wird von mir auch die ganzen Unterlagen verlangen.

In

Beamter: Ja, ja. Und wird auch verlangen, dass Sie sich beim Arbeitsamt melden. Karla: Genau.

rla

Beamter: Und wird vermutlich auch einen Nachweis verlangen, dass Sie sich um Arbeit bemüht haben. Karla: Klar.

Ka

Beamter: So wie ich ihn kenne, der ist nämlich besonders streng. Karla: Ja, muss ich gerade den haben? Lacht. Beamter: Ja. Wahrscheinlich werden Sie auch mindestens noch mal die Einkünfte aus Ihrer selbstständigen Tätigkeit, die sie erzielt haben, vorlegen müssen. Karla: Ja, genau. Ja, das werde ich auch. Beamter: Da Sie als Regisseurin tätig sind, wenn ich mich richtig erinnere.

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Karla: Ja. Genau. Jetzt hab ich überhaupt keine Filme abgeschlossen und gerade Absage bekommen für neuen Film und das dauert jetzt irgendwie ewig, drei vier fünf Monate, dann muss ich mir auch schon Arbeit suchen. Beamter: Haben Sie gar keine Chance bisher gehabt, in Ihrem Beruf im Angestelltenverhältnis irgendwo zu arbeiten. Karla: Najaaah, ja, ich, es wird jetzt eine Professur frei in Offenbach

be

ich ja super Chancen, ich war dort schon Dozentin.

it

für Trickfilm, am 1. April, jetzt hab ich gerade da telefoniert, da hab Beamter: Sie machen Zeichentrickfilme oder was?

Ar

Karla: Ja, ich mache Zeichentrickfilme.

Beamter: Denn ich hab gerade irgendwo einen Artikel über Zeichentrickfilme gelesen, dass es die wir Sand am mehr gibt und

In

nicht mehr so gefragt sind oder was... War das im Abendblatt oder Welt am Sonntag, irgendwo hab ich das gelesen. Diese Tage. Karla: Ja, das ist nicht so rosig und besonders. Ich mache auch so

rla

genanntes Autorenkino, das ist noch schwieriger, aber... Beamter: Ja, gut.

Karla: Ja, jedenfalls wird die frei, die wird ausgeschrieben, dass heißt

Ka

im Oktober, wenn es gut klappt, könnte ich für 5 Jahre da anfangen als Professorin.

Beamter: 2000?

Karla: Ja, 2000. Na ja, bis dahin muss ich irgendwie was anderes machen. Und deswegen aber vorerst, damit überhaupt meine Miete bezahlt wird und meine Tochter was zu Essen kriegt, muss ich wahrscheinlich bei Herrn Buht vorbei kommen. Weil ich gar nicht weiß... Beamter: Sie sagen, Sie waren verreist?

144


Karla: Bitte? M: Sie waren verreist? Karla: Ja, ich war jetzt gerade... Beamter: Was hat Ihre Tochter in der Zeit gemacht? Wenn ich fragen darf? Karla: Ja. Die war bei ihrem Vater. Beamter: Ach, die war bei ihrem Vater?

it

Kosta: Ja. Die ist bei ihrem Vater.

be

Beamter: Der hat ja auch Sozialhilfe beantragt, wieder.

Karla: Ja, ja, ich weiß. Ich krieg auch von dem dann auch gar nichts.

Ar

Beamter: Aber die Verbindung besteht zwischen Ihnen noch? Karla: Ja, klar, wir haben eine Tochter zusammen. Beamter: Ja.

In

Karla: Also, wir sind...

Beamter: Aber er wohnt nicht bei ihnen?

Kosta: Nein, wir teilen uns das nur mit unserer Tochter. Das versuche

rla

ich aufrecht zu halten.

Beamter: Mhm. Na gut. Okay, ja Sie müssen sehen. Und wenn Sie jetzt Sozialhilfe beantragen wollen, dann hier auf jeden Fall

Ka

aufkreuzen und dann müssen Sie das mit Herrn Buht besprechen. Karla: Genau. Also ich wollte mich nur melden bei Ihnen. Beamter: Ich registrier erstmal, dass Sie hier vorbeikommen wollen, in schnellstmöglicher Zeit. Karla: Okay. Danke. Tschüss. Beamter: Aufwidersehen.

145


Kosta: Ich habe Jason angerufen. Karla: Wann denn? Kosta: Abends noch. Da war ewig besetzt, weil er mit seiner Babsi rumgeratscht hat und so. Karla: Mhm, mit der du geknutscht hast. Ist auch deine Babsi jetzt. Kosta: Wir haben ja nur ganz kurz geknutscht, mit pelzigen Zungen Karla: Wieso, ist auch deine jetzt.

be

Kosta: Wähwäh.... Also gut, mit meiner Bärbel.

it

vom Rotwein irgendwie.

Karla: Mit eurer!

Ar

Kosta: Genau. Wir haben also mit unserer Bärbel, die auch von Greta ganz viele Klamotten geerbt hat, also eigentlich auch Gretas Bärbel... Karla: Mhm. Hat sie von Greta Klamotten abbekommen?

In

Kosta: Ja.

Karla: Moment mal! Und ich kriege die nicht oder was? Kosta: Oh! Hab ich jetzt was Falsches gesagt? Nee, das waren

rla

einfach, das ist aber scheinbar mit Absprache mit deiner Tochter, deren Klamotten das ja sind, deren Privateigentum das ist... Karla: Ja, ja. Nur Moment mal. Die kaufe ich doch immer. Ich zahle

Ka

das alles. Ich möchte auch was bestimmen. Kosta: Aber wiederholen ist gestohlen. Karla: Nein, ich werde fragen, was sie da, vielleicht sind das Sachen, die mir sowieso nicht gefallen, aber... Kosta: Das sind sicherlich nur solche Sachen. Karla: Wiederholen! Es wird nix... Wiederholen ist das nicht. Kosta: Und dafür hat Greta aber 30 Mark für den Dom. Karla: Wer hat 30 Mark für den Dom? Kosta: Babsi bezahlt ihr 30 Mark für den Dom, lacht.

146


Karla: Für die Klamotten? Kosta lacht. Karla: Ja? Kosta: Ja. Karla: Hoffentlich hat sie ihr nur das schwarze Zeug hingeschickt. Kosta: Auf jeden Fall hab ich dann noch ganz lang mit Jason gut mit der Ausstellung.

be

Karla: Ja. Hat er was zu tun, der freut sich.

it

rumgeratscht und so und ist gut jetzt so. Finde ich gut. Fand er echt

Kosta: Find ich auch gut so.

Ar

Karla: Der braucht doch auch mal ‘n bisschen.

Kosta: Ja, kann er seine Sachen da zeigen, ist doch super. Kann er Jason trara da machen. Kosta: Und du? Karla: Ich?

In

Karla: Ja.

rla

Kosta: Ja?

Karla: Ja ich hab kaum geschlafen. Ich hab so Säcke. Ich hab glaube ich nur 3 Stunden geschlafen oder so was.

Ka

Kosta: Uuuh.

Karla: Konnte nicht weiter schlafen. Ah, furchtbar ist das. Kosta: Wenig.

Karla: Ja, ich weiß nicht, was los war. Kosta: Wie? Bist du zu früh aufgestanden? Oder was? Karla: Ach... Ja, mit Greta und dann bin ich nicht mehr ins Bett gegangen. Ich war um halb 5 im Bett. Kosta: Um halb 5 warst Du im Bett? Das ist spät.

147


Karla: Ja, und dann schon um kurz vor 7, um halb 7 bin ich schon aufgewacht. Ach, war eine schreckliche Nacht. War traurige Nacht. Und... Kosta: Wieso traurige Nacht? Karla: Ach weiß ich nicht... Kosta: Ooh. Karla: Will jetzt nicht drüber reden. Weil mein Schicksal so

it

kompliziert ist.

be

Kosta: Ooh.

Karla: Moment so verwirrt. Und habe ich jedenfalls telefoniert schon Kosta: Ja?

Ar

ganz früh. Und dann habe ich in Karlsrufe bei Aaron angerufen. Karla: Also die Professur wird am 1. April ausgeschrieben.

In

Kosta: Jetzt 2000 gleich?

Karla: Ja, natürlich. Das ist die, die ich kriegen soll. Kosta: Mhm.

rla

Karla: Und er schickt mir das sowieso. Ich treffe mich mit ihm erstmal am Donnerstag. Und ja, also ich will nur hoffen, dass ich meinem Schicksal entgegen kommen würde. So gerade ein bisschen

Ka

noch so erholen. Dass ich diese Professur im Herbst kriegen würde, weißt du?

Kosta: Das wäre super. Ich meine, das wäre genial. Karla: Das wäre genial. Ich hab eigentlich die allerbesten Chancen von allen. Es spricht eigentlich gar nichts gegen und sowohl der Dekan, wie auch der Präsident, weißt du, wären für mich. Also... Kosta: Mhm. Karla: Wieso, ich hab da einen Lehrauftrag schon gehabt. Weiß ich nicht, also es müsste eigentlich gehen.

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Kosta: Mhm. Und für Animation oder für was? Karla: Ja, für Animationsfilme. Kosta: Mhm. Karla: Ja, ist doch cool. Kosta: Ist wunderbar. Karla: Das ist voll cool. Das ist auch, egal, ich würde auch nie im Leben gerne Malerei unterrichten.

it

Kosta: Nee, hätte ja sein können, ich wusste nicht, hätte ja sein

be

können, dass das auch...

Karla: Na, da hätte ich nicht so große Chance. Beim Animationsfilm

Ar

da hab ich keine Konkurrenz. Kosta: Mhm.

Karla: Nee, so in der Malerei, da könnte sein, dass mich jemand

In

ausstechen würde, weil das sind ganz andere Welten, ne. Was ich vertrete und was die Welt vertritt. Kosta: Ja, klar.

rla

Karla: In Deutschland besonders. Kosta: Ja.

Karla: Nö, im Animationsfilmbereich.

Ka

Kosta: Mhm. Ja, ist doch super. Ist doch genau das perfekte Terrain da für dich.

Karla: Ja. Das wäre echt super. Kosta: Und den triffst du am Donnerstag und dann... Karla: Ach, nur so gehe ich mit dem. Das hat der mir schon alles am Telefon erzählt. Ich brauche mich gar nicht mit ihm zu treffen. Aber ich gehe dahin zum... Deichtorhallen ist da die Vernissage und.... Kosta: Was ist da?

149


Karla: Ach da ist irgendeine Schrott-Vernissage in den Deichtorhallen. Kosta lacht. Karla: Ja ich gehe da mit Aaron hin, Mann! Kosta: Ist das nicht diese Dingsda, eben, Darboven und so weiter, da diese... Kosta: Ich glaub, das ist die. Ja, ja genau.

it

Karla: Das kann sein.

be

Karla: Die macht doch ungefähr einmal im Jahr in den Deichtorhallen eine Ausstellung.

Ar

Kosta: Ja, das sind noch drei, vier andere noch dabei, irgendwie so. Karla: Ja, ja. Ja, ja. Irgendwas. Ja, ja, gut. Das ist nämlich so ’n Treffen.

In

Kosta: Genau. Die eine hab ich noch getroffen. So eine Amerikanerin hab ich noch getroffen und so. Karla: Mhm.

rla

Kosta: Die macht so große Kunstfelsen und so weiter. Und dann hat sie irgendwie so ’n Bild gehabt, wo da so nackte Leute drauf rumhocken. Das sah gut aus das Bild und so. Und dann hat sie gesagt,

Ka

das könnte sie nicht auf den Katalog vorne draufmachen, weil das wäre zu heavy und so. Und dann hab ich auch gedacht, die spinnen die Amerikaner. Das war überhaupt nicht, das war nix irgendwie. Unglaublich du. Karla: Mhm. Kosta: So prüde. Karla: Mhm. Ja ich weiß auch nicht. Die haben das so.

150


Kosta: Ich hab ihr auch einfach gesagt, dass ich finde, dass die Amerikaner echt ein armes Volk sind, irgendwie dermaßen verklemmt sind. Da hat sie mich ganz groß angeguckt so. Karla: Mhm. Kosta: Die ist im Amiland irgendwie total kritisiert worden, weil das, was weiß ich so... Dabei haben die auch Jeff Koons, was weiß ich und so was. Die müssen doch echt nicht rumspinnen. Und so.

it

Karla: Mhm.

be

Kosta: Aber da gehst du auf jeden Fall morgen hin, zu dem? Karla: Nee, ist am Donnerstag.

Ar

Kosta: Ah ja, am Donnerstag.

Karla: Ja ich ziehe mir den Aaron rein. Vielleicht lädt er mich zum Essen ein, was weiß ich. Sauf ich mit dem.

In

Kosta: Nimmt er dich nach 4 Flaschen mit.

Karla: Nee, neem nee, nach Hause gehen wir nicht. Kosta lacht.

rla

Karla: Ich will auch noch auf Kampnagel. Das ist gut. Da ist irgendwie so ‘ne Kunstversteigerung. So ‘ne Quatschversteigerung. Konzeptversteigerung.

Ka

Kosta: Aha. Wann ist das?

Karla: Am Donnerstag. Irgendwie so um 10 auf Kampnagel. Da ist irgendwie so ‘ne neue Bar oder neue Halle und der Ruben macht da Musik. Kosta: Aha. Was wird versteigert? Konzepte? Karla lacht: Jaha. Ist doch lustig oder? Man kann Konzepte kaufen. Kosta: Ist eine gute Idee. Karla: Ja. Kosta: Aber diese abgelehnten Sachen wahrscheinlich oder so.

151


Karla: Keine Ahnung. Er macht da jedenfalls dazwischen Musik, irgendwie so Unterhaltung. Ja? Ist das nicht toll? Kosta: Das ist gut. Finde ich super, wenn Konzepte versteigert werden. Da liegen vielleicht 10.000 überall rum und so, genauso wie unglaublich viele Bilder von irgendwelchen Künstlern, die überall rumliegen und so. Kosta: Das mach ich vielleicht auch. Kosta: Ja. Kosta: D: Ruben. E: Karla.

Ar

Karla: B: Kunst. Und C: Ausgehen.

be

Karla: Ist interessant. Es ist A: dein Haus.

it

Karla: Mhm. Da kannst du hinkommen.

Karla: Ja, ich bin natürlich ganz hinten dran. Na 5: Karla. Na dann. Karla: Ja.

In

Kosta: E

Kosta: Nee, du bist nicht ganz hinten dran.

rla

Karla: Ja, da kommt noch was, ne? Kosta: Da kommt noch. Karla: Kosta?

Ka

Kosta: Ich selber komm noch, genau. Und dann noch mal ich. Dann mein Ego. Und so weiter. Dann meine Sorgen. Karla: Sorgen hast du auch? Kosta: Sorgen hab ich, natürlich hab ich Sorgen. Karla: Was machen die Sorgen? Kosta: Ich hab im Moment so Dings, wie sagt man, einfach so fucking Berufs-Sorgen. Weil ich einfach, weil ich noch nie in 10 Jahren so ’n großes Loch hatte wie jetzt, weißt du, so ’n Arbeitsloch hatte. Karla: Mhm.

152


Kosta: Und das sich auch gleichzeitig mischt mit so ‘nem grundsätzlichen Zweifel, den ich am Theater hege. Den hegst ja nicht nur du, den hege ich ja genauso. Karla: Mhm. Kosta: Und so irgendwie. Das ist im Moment so meine Sorge, die mich so ’n bisschen quält so. Karla: Ja. Du willst dich entscheiden, was du machen möchtest?

it

Kosta: Ja, ich muss einfach überlegen, ob ich weiter Theater machen

be

will und so. Und jetzt hab ich wenigstens angefangen, jetzt hab ich

mir vorgenommen, ich mache jetzt jeden Tag ein Aquise-Brief. Das

Ar

ist super. Jeden Tag. Also jeden Tag wird eine Handlung

unternommen, um sich um einen Job zu kümmern und so. Karla: Und, aber du weißt wohin damit?

In

Kosta: Ja, ja. Ich hab tausend Sachen, ich hab tausend so Zettel, Sachen, die ich mache. Und dann hab ich die letzten paar Wochen überhaupt nix gemacht, weil einfach so viel da zu machen war, dass

rla

ich dachte, da fange ich erst gar nicht an. Weißt du, so Rechnungen und so. Und dann hab ich jetzt gestern den genialen Plan entworfen, jeden Tag eine Sache zu machen.

Ka

Karla: Mhm.

Kosta: Und das mache ich jetzt. Karla: Ja.

Kosta: Und dann mal gucken, was da läuft. Karla: Ja. Verstehe. Kosta: Und dann, wenn ’s wieder läuft, dann läuft auch das andere Zeug wieder. Oder so. Und dann kann ich mir immer noch überlegen, ob ich Theater lasse oder ob ich... was ich weiter...

153


Karla: Na, du kannst doch schon woanders gucken. Aber wenn du irgendwo einen Job kriegst, was soll ’s. Ich meine, warum sollst du ’s nicht machen. Kosta: Nee, wenn ich ‘n Job kriege mach ich ’s auch. Das mache ich auf jeden Fall. Es ist einfach dieses Off-Theater, was ich irgendwie jahrelang gemacht habe und was mir auch Spaß gemacht hat und so weiter und so fort. Das ist ‘n bisschen so tot in meiner Seele

it

geworden, irgendwie so. Das ist nicht mehr so... Das reizt mich gar

be

nicht mehr. Ich renne so hinterher, weißt du, das merke ich. Und die

Sachen mit denen ich gearbeitet habe, die haben sich so ausgelaufen,

Ar

weißt du? Das war so, das hat so angefangen, als ich 30 war oder so was, und dann lief das total super, ich hab Dings und Den gekannt und das und so. Und jetzt mittlerweile hat sich das ausgelaufen. Also

In

entweder sind die Leute weg an den großen Theatern, die haben ihren Job aufgehört. Weißt du, irgendwie läuft das Rad jetzt leer. Dieses Rad. Das steht.

rla

Karla: Mhm.

Kosta: Und entweder muss ich das wieder angekurbelt kriegen. Oder ich muss es einfach stehen lassen. Oder ich muss mir ein anderes Rad

Ka

besorgen.

Karla: Und könntest du dir so zutrauen, hast du nie gemacht so, was weiß ich, Berichterstattung zu machen? So für Sender? Kosta: Du meinst so Features zu machen? Karla: Ja. Kosta: Das würde ich mir auch zutrauen. Karla: Ja musst du mal da hingehen. Kosta: Ja, ich muss mal einfach langsam mal meinen Rüssel da reinstecken. Irgendwie.

154


Karla: Na ja, also das ist eigentlich, mit so kleineren Sachen, ganz einfach. Musst nur immer Ideen haben, worüber du was machen willst. Kosta: Mhm. Karla: Und dir die entsprechende Redaktion suchen. Kosta: Mhm. Karla: Also, erstens Fernsehen, oder zweitens, ich meine durchgucken

it

so ein bisschen, und zweitens einfach immer rumfragen. Und so. Weil

be

andere auch da arbeiten. Oder man macht was über so soziale

Themen. Und das fängt immer so... Das dauert immer auch, bis man

Ar

das aufgebaut hat. Und ist so ungefähr wie, am Anfang man immer nur 1000 Mark im Monat verdient. Ne? Kosta: Mhm.

In

Karla: Na ja gut, also, ich weiß nicht, ob das in deinem Fall angebracht wäre Volontariat zu machen zuerst. Oder einfach sofort so anbieten. Und dann musst du da vorbeitanzen. Also ich hab mal zu tun

rla

gehabt mit dem Sender. Hab erst was per Fax geschickt, halbe Seite, und dann haben sie gesagt, ja kommen Sie mal vorbei. Und bin ich dann vorbeigekommen, mit denen geredet und irgendwie haben sie

Ka

mir sofort eine Produktion, also so ’n Dreh zugesprochen. Kosta: Und was hast du dann gemacht? Karla: Dann haben wir gedreht mit einem Team. Das war so ’n lustiges Thema von Jason eigentlich, haben wir es zusammen gemacht. Das war für diese eine Satire Sendung. Kosta: Ich guck ja nie Fernsehen. Null Ahnung. Karla: Ja. Ja, für diese Satire-Sendung und das Thema war über so ein Unternehmen zu berichten, der Überlebens - Kits für Penner herstellt, Schlafsäcke, Zelte, Bettelschilder, Essensdosen.

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Kosta: Mhm. Karla: Alles für umsonst und voll stylisch. Wie von Ikea. Kosta lacht. Karla: Und na ja, weil das ist so ’ne Satire Geschichte, die machen immer so ernst, ja? Kosta: Und übertreiben sie es dann? Karla: Ja. Nee, das ist so, als gäbe es richtig das, ne.

it

Kosta: Mhm.

be

Karla: Na ja, und dann haben wir gedreht so ‘nen ganzen Tag oder so. Kosta: Aber das habt ihr dann nicht weiter verfolgt oder so was. Das

Ar

habt ihr dann dabei belassen oder wie?

Karla: Nee, nicht deswegen sondern weil irgendwie, da war gerade ein bisschen eng, weil Jason war so stolz auf sein Material und hat

In

dummerweise bei dem Redakteur, und wir haben ziemlich trashig, zum Beispiel, wir waren so überarbeitet, weil wir was anderes, wir haben einen Film von mir gerade zu Ende gemacht. Und eigentlich

rla

haben wir das dann angenommen, diesen Job, aber, also den haben wir selber angeboten, aber dann war da keine Zeit und das mussten wir drehen und mussten wir eigentlich... Und das Geld war eigentlich

Ka

gar nicht im Dreh, irgendwie Requisite-Geld. Und dann mussten wir irgendwie so ganz viele verschiedene Requisite vorbereiten, was weiß ich, irgendwelche Zelte und so weiter, und das haben wir ziemlich trashig gemacht, ne? Weiß nicht, ich war so überarbeitet und Jason sagte, ja das geht ja. Und dann war da das Fernsehteam und dann haben wir das gedreht, das war okay, aber leider haben wir es nicht geschafft auf der Wiese mit einem aufgeschlagenen Zelt zu drehen.... Also guck mal, jetzt würde ich mir viel sicherer sein, damals hab ich das einfach nicht überzeugend genug gesagt, komm wir gehen jetzt

156


raus und drehen. Und immer noch, wenn welche kommen und versuchen einen zu stören, dann egal, denn zack, man hat ja das schon gedreht. Kosta: Mhm. Karla: Und da muss man wirklich so selbstsicher sein. Manchmal. Und dann. Oder mir war ’s peinlich. Aber das war, weil wir auf unserer Wiese drehen wollten, direkt vor unserer Tür. Na gut,

it

eigentlich hatten wir mageres Material und Jason war aber trotzdem

be

so stolz und halbwegs unsicher und dann hat er den Redakteur vorweg das gezeigt.

Ar

Kosta: Mhm.

Karla: Vorweg gezeigt dummerweise und dann hat der Typ das quasi gecancelt. Obwohl wir schon so ’n Schnitt bezahlt hatten. Und zum

In

Schnitt hätte ich aber auch nicht kommen können. Und Jason hat da nicht so ’n Händchen, finde ich, der ist nicht der Filmemacher. Kosta: Mhm.

rla

Karla: Ja? Und das waren diese... Man hätte sich dahinter noch mal klemmen können und so, weißt Du? Noch mal dann sagen, okay, dann drehen wir noch mal, man hat immer Minutengeld, weißt du? Und wir

Ka

waren so drauf damals, uns ging ´s eigentlich gar nicht darum bei Fernsehen zu arbeiten, sondern um Geld zu verdienen. Kosta: Mhm.

Karla: In dem Moment. Also so ein bisschen Schnellgeld. Und dann haben wir uns ausgerechnet, nee, noch mal dasselbe und so weiter, weil du kriegst immer so 400 bis 500 Mark die Minute, ja? Kosta: Und die zahlen pro Minute. Karla: Ja und dann musste aber alles, weißt du, ob du noch mal drehst oder nicht, ist da völlig egal.

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Kosta: Ja klar, die kaufen das Produkt halt einfach, das ist denen Wurscht, wie lange du dazu gebraucht hast. Karla: Na jedenfalls, aber das wäre eigentlich für dich gut, weil du machst dann den Text und kannst du den auch selber, da kommt immer Extra-Geld, selber sprechen, kriegst du auch dann noch mal 90 Mark die Minute oder so. Und ja, musst du einfach so ein bisschen Fernsehen und gucken, wo du was, was passen würde. Also...

it

Kosta: Ich muss ein bisschen mehr Fernsehen gucken und so was.

be

Karla: Ja. Genau. Kosta: Fernsehen gucken.

Ar

Karla: Ja. Schon, also man kann überall was anbieten. Als freier

Autor halt, ist völlig egal, wenn man noch nichts machte, dann ist man freier Autor und dann hab ich hier ‘n Bericht anzubieten. Und die

In

gehen da nicht so ’n großes Risiko ein, wenn da irgendwie mit einem, was weiß ich, ein Feature von anderthalb Minuten erstmal machen. Das heißt, das ist ‘n halber Drehtag und ein halber Schnitt.

rla

Kosta: Mhm.

Karla: Wenn du kompakt weißt, was du drehen willst. Und die merken schon im Gespräch mit dir, ob du Regie führen kannst.

Ka

Kosta: Mhm.

Karla: Mit diesen Leuten. Allerdings ist es auch so, dass die alten Kameraleute sowieso schon immer wissen, was sie machen. Kosta: Ja, klar, die sind ja erfahren. Karla: Das ist auch so ’n Problem, weil die immer Gänge drehen und ist ganz schrecklich. Kosta: Es gibt so bestimmte Bildwelten, die wollen weiter bedient werden und so. Karla: Ja, ja.

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Kosta: Was natürlich zum Teil auch ‘n Vorteil ist, wenn du dich so überhaupt nicht auskennst oder so was, dann können die einfach auch so Grundsachen liefern. Karla: Joa. Kosta: Also so Standardzeug kriegen die immer hin. Karla: Ja. Kosta: Aber dann, wahrscheinlich, wenn ’s dann spannend wird, ist

it

das eher hemmend.

be

Karla: Damals haben sie uns da vorgebeten und da habe ich meinen

Trickfilm gezeigt, weißt du? Ein bisschen aus dem Zeichentrickfilm,

Ar

das war auch okay. Und wenn du dann sagst, ja, ich hatte das und das kuratiert, was weiß ich, erzählst du deine Theaterarbeiten, das erzählst du einfach so. Machst du irgendwie drei Schnittpunkte, wo das, was doch scheißegal. Kosta: Mhm.

In

weiß ich, wo du jetzt umdenkst und willst was anderes machen. Ist

rla

Karla: Oder du warst im Ausland, das klingt auch ganz gut, weil du dann Anschluss verpasst hast. Weißt du? Wenn man zurück ist, dann ist das logischer, es ist immer so komisch, wenn man in der

Ka

Gesellschaft irgendwie nicht einen fließenden Werdegang hat Kosta: Ja, das...

Karla: Aber wenn du sagst, ich will jetzt was anderes machen, klingt bescheuerter, als wenn man sagt, ich hab Theater gemacht und dann war ich weg, was weiß ich, habe ich Roman geschrieben, der wird veröffentlicht und jetzt aber wollte ich was anderes machen. Und habe ich diese Arbeit im Theater, habe aber den Anschluss verpasst. Oder was weiß ich. Jetzt will ich das machen. Weiß ich auch nicht, das ist immer so bescheuert. Du verstehst mich, ne?

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Kosta: Ich versteh’ dich sehr gut. Karla: Man muss immer so ’ne Story, so ’ne plausible Story drauf haben. Sind eigentlich immer nur Geschichten. Das wichtigste im Leben ist immer Lügen zu können. Kosta: Ja. Lügen, Schwindeln, Erfinden und so weiter und so fort. Aber das kann ich auch ein bisschen. Das hab ich auch schon oft machen müssen.

it

Karla: Jaah?

be

Kosta: Ja, sehr oft. Karla: Kannst du?

Ar

Kosta: Jaah. Karla: Jaah?

Ka

rla

In

Piep.

160


Inkas Mayas Teutaken Kapitel IX Karla: Ich zeichne mich. Meine Schulter ist die Kirche. Mein Bauch ist die Wüste. Meine Brüste sind die Berge. Mein Himmel ist der Busch. Mein Rücken ist der Ozean. Meine Beine sind Schlangen. Meine Füße sind Kinder. Ich habe keine Arme. Ich habe keine Finger.

it

Ich habe keinen Hals. Ich habe keine Zunge. Ich habe Hautausschlag.

be

Ich habe Schüttelfrost. Ich habe Tabletten. Ich habe drei Herzen. Im Kopf, im Magen, im Knie. Bin ich die Gipskruste. Bin ich des

Ar

Monsters Keks. Genieße mich heute, genieße den Geschmack der Orange innen. Um zwölft Uhr nachts fährt der letzte Bus, zum Schloss, im Mondschein. Am Tor trinke ich aus dem Brunnen,

In

Strahlen des Abschieds. Aus Gold modelliert die Nacht, Zahnräder, Gebisse und Schienen. Wohin ich verschwinde, dort ist mein Horizont, mein Hirn, mein Zuhause, mein Traum. Mein Hirn, mein

rla

Zuhause, mein Traum. Piep.

Karla: Marko? Hier ist Karla.

Ka

Marko: Hallo.

Karla: Ich habe jetzt meine Abrechnung gemacht für diese Tour. Das bedeutet, ähm...

Marko: Du kriegst noch Geld oder nicht? Karla: Nee, ich kriege kein Geld. Ihr kriegt auch kein Geld. Ich brauche nur Unterschriften. Da wir uns vielleicht gar nicht sehen jetzt. Warte mal, ist heute Samstag oder Sonntag? Marko: Samstag. Karla: Heute ist Arbeitstag.

161


Marko: Heute ist Arbeitstag? Karla: Realität. Marko: Du spinnst. Karla: Oder kommst du heute Abend? Dann muss ich das nicht schicken. Marko: Kann ich noch nicht sagen... Jetzt würde ich zum Beispiel nicht kommen können, weil ich einfach noch keine Möglichkeit habe angewachsen. Karla: Hast du so lange geschlafen?

be

it

zu gehen. Beispielsweise. Meine Beine sind noch nicht wieder

Ar

Marko: Ich musste unbedingt noch kiffen, gestern. Und das hat mir überhaupt nicht bekommen, gähnt. Oh mein Gott. Geht schon wieder. Ich hab fünf Tee getrunken jetzt. Mal gucken, ich weiß noch nicht, ob

In

ich heute Abend komm’.

Karla: Ich brauche nur Unterschriften. Ich hab das jetzt gemacht, fertig alles. Ich rufe dich nur an, ob ich dir das rausschicken soll

rla

oder...

Marko: Nee, wir sehen uns doch auf jeden Fall bald wieder. Karla: Wann denn? Nicht unbedingt. Ich will das erledigen. Und

Ka

deswegen habe ich jetzt nur hier angerufen. Marko: Also, genau, nimm das doch heute Abend mit. Karla: Okay.

Marko: Und wenn ich nicht komme, dann... Karla: Schicke ich das raus. Marko: Genau. Karla: Okay. Marko: Gut. Karla: Bis dann.

162


Marko: Bis nachher vielleicht. Karla: Tschüss. Marko: Setz mich mal auf die Liste auf jeden Fall. Karla: Mach ich. Marko: Okay. Tschüss. Piep.

it

Annikas Vater: Greta, grüß dich!

be

Greta: Ist Annika da?

Annikas Vater: Ja. Augenblick Mal, ruft, Annika!? Annikas Vater: Greta! Annika: Hallo?

In

Greta: Hallo!

Ar

Annika: Ja.

Annika: Hallo Greta!

Greta: Ist Mandy bei dir?

rla

Annika flüstert: Ja, wir gucken grad Sexzeitschriften an. Greta: Ja?

Annika: Ja.

Ka

Greta: Weiß es dein Vater nicht? Annika: Wie?

Greta: Weiß es dein Vater nicht? Annika: Nein. Greta: Weiß er wirklich nicht, dass ihr Sexdinge anguckt. Sex... Annika: Nein. Greta: Zeitschriften? Annika: Ja. Greta: Ach so, he, he. Aha. Okay.

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Annika: Na gut. Greta: Ja, okay. Annika: Bis Montag. Greta: Ja. Annika: Okay. Greta: Okay. Tschüss! Annika: Tschüss. Warte mal, haben wir Montag frei Erste?

it

Greta: Nee.

be

Annika: Nee, okay. Greta: Okay.

Ar

Annika: Gut. Tschüss. Greta: Tschüss

In

Piep. Karla: Karla ist hier. Kuba: Naa?

rla

Karla: Ich bin jetzt nach Hause gekommen. Kuba: Ist ja toll! Karla: Und...

Ka

Kuba: Du warst doch schon die ganze Zeit zu Hause, oder nicht? Karla: Nein. Kuba: Aha!

Karla: Ich war mit Greta und Jason bei diesem Italiener, wo gestern wir nicht reinkamen. Kuba: Piceno? Karla: Ja. Sind wir noch dem großen Streit entkommen. Kuba: Oje, oje. Karla: Und gut. Das sieht jetzt so aus, dass hier...

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Kuba: Na? Karla: Alles so voller Lumpen ist. In der ganzen Wohnung. In der Badewanne wird Wasser eingelassen. Dort wird Greta sich baden, während ich ihr gleichzeitig noch angeblich Haare wasche. Kuba: Angeblich. Karla: Jaha, ist mit aufgetan worden. Kuba: Angeblich.

it

Karla: Ja, das ist mir tatsächlich aufgetan worden. Dass ich angeblich.

be

Und ähm, ja und so und weiß ich nicht. Ja und so und. Hm. Kuba: Du willst damit sagen, es passt nicht? Filme gucken. Ne?

Ar

Karla: Ja, was wolltest du? Du wolltest doch einfach nur ein bisschen Kuba: Ja, ich dachte, du bist cool und guckst Filme.

In

Karla: Ja.

Kuba: Ich mein’, ich hab hier auch sonst andere Sachen zu tun. Karla: Ja, aber, ja ich bade sie und dann geht sie ins Bett. Muss sie

rla

auch.

Kuba: Da gehört sie auch hin! Karla: Um elf und, von mir aus, können wir auch hier Filme gucken.

Ka

Kuba: Ja.

Karla: Diese Kurzfilme würde ich mir gerne angucken. Dann aber hier geht die Schicht morgen los, ich will ziemlich früh... Wenn ich dann Filme gucke, dann schlafe ich dabei ein, bin ich früh ins Bett gegangen, und entweder du haust ab, auf alle Fälle ist es so, das wäre sehr nett und du haust einfach ab, weil wir ganz früh aufstehen. Kuba: Um wie viel Uhr geht ’n das los? Karla: Das Aufstehen? Kuba: Ja?

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Karla: Die erste Chance ist Viertel nach Sieben. Kuba lacht. Karla: Und die zweite Chance ist um Zehn. Kuba: Mhm. Karla: Das heißt, du kannst ja auch weiterpennen, stört ja niemanden, nur ich bin ja neidisch. Kuba lacht: Ja, ich verstehe.

it

Karla lacht: Du musst auch so richtig runterkommen. Du bist gerade

be

von der Tour. Du musst auch zu dir ein bisschen kommen. Zu dir alleine, ne? gekommen, lacht. Karla: War das schön, ne?

In

Kuba: Ja.

Ar

Kuba: Du, ich bin doch heute den ganzen Tag total zu dir und mir

Karla: Das war echt toll.

Kuba: Das war doch den ganzen Tag. Ach gut.

rla

Karla: Hättest du Lust Filme zu gucken? Wir können das machen, wir können das schwarze Sofa ausziehen, ja? Kuba: Mhm.

Ka

Karla: Dann kann man sich hier in dem Raum, dann stört das Greta nicht, wenn sie schläft, dann können wir die Filme gucken. Kuba: Ja also, hätte ich Bock drauf. Ich würde dann abhauen wahrscheinlich wieder. Karla: Ja. Macht nichts. Kuba: Wann soll ich denn kommen? Karla: Weiß nicht, so in eine Stunde, anderthalb. Kuba: Anderthalb Stunden. Karla: Na ja, so in einer Stunde, ja.

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Kuba: Ja okay. Karla: Oder so ungefähr. Kuba: Ja, wenn sie schläft die Kleine. Karla: Mhm. Kuba: Die muss auch mal schlafen gehen. Karla: Na die ist nicht mehr so klein. Willst du die sprechen? Kuba: Ja.

it

Kuba: Greta? Willst du Kuba sprechen? Der hat gesagt, der will auch

be

mal die Kleine. Hast du ‘ne neue Unterhose? Von Charlie, ne? Greta: Nein! Die haben Jason und ich doch neu gekauft.

Ar

Karla: Ach so. Wo denn?

Greta: Zwei von solchen, eine ganz graue und zwei von solchen in braun. Greta: Hallo!

In

Karla: Du hast aber geile Titten, Mann. Okay. Hier. Kuba: Na Schnupfenlady.

rla

Greta: Ich hab Schnupfen. Kuba: Oh. Warum denn?

Greta: Weil ich gestern Kanu gefahren bin.

Ka

Kuba: Ach, Du hast bestimmt gekokst ne? Greta: Nein! Ich hab gar nicht gekokst! Kuba: Warst du mit Charlie unterwegs? Greta: Ja! Ich war gestern mit Charlie auf Kanufahrt. Und mit seinen Eltern. Kuba: Und muss man da nicht total aufpassen, dass man nicht umkippt? Greta: Nein, bei Kanu nicht. Nur bei Kajak.

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Kuba: Ach, das war ’s, deswegen, ich dachte nämlich auch schon, man kippt immer mit dem Kanu um. Ist Kanu dann, einer vorne einer hinten? Greta: Ja aber ich war in der Mitte. Ich hab gar nicht gerudert. Kuba: Ah. Greta: Aber ich hatte keine Jacke an. Kuba: Ja, ja, ja. Das ist, Karla passiert das auch immer. Genau

it

dasselbe. Und wieso hast du jetzt ‘ne neue Unterhose an von Charlie?

be

Greta: Gar nicht von Charlie! Kuba: Von wem denn?

Ar

Greta: Die hab ich neu gekauft. Kuba: Ach so. Was für eine ist ‘n das? Greta: Mit so ’m Army-Muster. Greta: Ja.

In

Kuba: Echt?

Kuba: So ähnlich wie dieses eine Kleid, was Karla hat.

rla

Greta: Ja. Aber in grau.

Kuba: Aha. Und lang oder kurz? Greta: Wie, lang?

Ka

Kuba: Ja, es gibt doch auch diese... Greta: Diese Shorts? Doch, Shorts gibt’s auch für Frauen. Kuba: Ist die gut?

Greta: Weiß ich nicht. Das ist ‘ne normale Unterhose. Ja und dann gibt’s aber noch Strings. Das sind die mit der Arschritze. Kuba lacht: Hast du die auch oder was? Greta: Nein! Die sind doof. Mich nervt das, wenn meine Unterhose in der Arschritze steckt, lacht.

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Kuba: Ist auch scheiße, lacht. Ja und was hast du gemacht, die liebe lange Zeit, während ich weg war? Lacht. Greta: Wie? Kuba: Ach so, das weißt du ja gar nicht. Ich war ja auch auf Tour, ne. Greta: Ja schön, ich hab aber dasselbe gemacht, als wenn du da wärst. Kuba: Nämlich? Greta: Na normal, alles normal.

it

Kuba: Ja, ja, normal, ja, ich frag ja nur, also vielleicht, kann ja sein,

be

dass du irgendwelche Purzelbäume geschlagen hast oder dass du irgend... Was weiß ich, Tätowierung hast oder so. Kuba: Aber das Leben... Greta: Schnupfen.

Ar

Greta: Nee!

In

Kuba: ...verändert sich ja nicht so sehr, ne? Lacht.

Greta: Oh doch, ich hab ganz viele Sachen gemacht. Ich hab ‘ne Fünf in Dingsda, in Geschichte, ‘ne Vier Plus in Englisch, ‘ne Vier Minus

rla

in Französisch... Kuba: Uiuiuiui.

Greta: Ja! Aber ich komm durch, Karla!

Ka

Karla: Ja?

Greta: Wir müssen üben. Na ja, Vieren ist nicht so schlimm! Kuba: Aber vier ist schon hart, ne? Greta: Ja. Fünf ist auch hart. Kuba: Du ja, fünf ist richtig hart Greta. Du bist doch so ’n schlaues Mädchen, das versteh’ ich gar nicht. Du beschäftigst dich im Moment nur... Greta: Oah, ja! Was interessieren mich diese blöden Inkas!

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Kuba: Ja, du, die interessieren mich auch nicht. Obwohl warte mal, die Inkas haben die... ach jetzt hab ich mir hier so ’ne komische Mentholsalbe gemacht hier, oh, oh. Diese Inkas, sind die nicht bei Tim und Struppi auch in der einen Geschichte? Greta: Jaah. Da gibt ’s irgendwie so ’ne Statue, irgendwie „Der Mönch der Inkas“ oder so was. Kuba: Ja genau. Nee, der...

it

Greta: „Der Fetisch“

be

Kuba: „Der Sonnenberg“. Ach, „Der Arumbaja-Fetisch“ Greta: Ja! Greta: Ja, das auch.

Ar

Kuba: Wie, das ist mit Inkas? Ich dachte der „Sonnentempel“. Kuba: Das ist auch mit denen, ne? Kuba: Genau.

In

Greta: Ja. Da sind die doch gefangen.

Greta: Und dann sollen die gefoltert werden und so. Also geköpft,

rla

meine ich.

Kuba: Ja, und geht ’s da auch um Voodoo? Das ist doch toll eigentlich. So Voodoo jetzt und so.

Ka

Greta: Nein! Es ging darum, um die Inkas und Mayas und so. Und wann die vernichtet worden sind und so was. Kuba: Und das ist total langweilig oder was? Greta: Ja! Kuba: Das ist ja scheiße. Karla: Hast du ‘ne schlechte Zensur bekommen? Aber du hast doch geübt mit mir. Greta: Ich hab das falsche geübt. Kuba lacht: Ja ihr müsst besser üben!

170


Greta lacht: Wir haben so viel geübt, wir haben drei Seiten geübt oder so. Kuba: Ah, ihr seid aber auch irgendwie Trottel, ne? Greta: Ja und dann am Morgen, wir hatten in der ersten Stunde die Arbeit. Und dann hab ich Charlie gefragt und dann meinte er, wie, was. Wir sollten was ganz anderes üben. Ganz andersrum. Also, wir haben das umgekehrt gedacht, weißt du?

it

Kuba: Auch Charlie?

be

Greta: Oh Mann!

Kuba: Das heißt, du hast die Daten gelernt, statt die Fakten? Oder so

Ar

ähnlich?

Greta: Nein. Nein. Guck mal, wir dachten, die Mayas und Inkas und so, ne?

In

Kuba: Ja?

Greta: Das sind drei verschiedene Völkern, ja? Kuba: Ja.

rla

Greta: Aber das stimmt gar nicht. Weil nämlich, das sind alles ähm, Inkas. Nur Mayas und so, das sind die Berühmtesten. Es gibt noch ganz viele andere, ja? Ja, aber wir dachten, es gibt Inkas, Mayas und

Ka

diese anderen da, ne? Kuba: Ja.

Greta: Und, oh und dann hab ich Charlie gefragt und dann hat er mir das... Karla: Nicht Manuels, die Dritten? Greta: Nee, irgendwie Teutaken. Karla: Ja, Teutaken. Kuba: Teutaken sind die Dritten oder was? Greta: Ja, irgendwie so. Dachten wir. War aber voll falsch.

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Kuba: Ach, das war falsch. Greta: Ja. Kuba: Das Problem ist ja, Karla hat ja auch keine Ahnung. Greta: Nee, die hat keine Ahnung. Kuba: Und was kann man da machen? Greta: Was soll man da machen? Karla: Jetzt habe ich keine Ahnung oder was? Kuba lacht: Also ich meine die... Karla: Hat er denn Ahnung oder was?

Ar

Greta rülpst.

be

it

Greta lacht: Ja.

Kuba: Oh nein! Jetzt rülpst du da? Ekelhaft bei euch! Fies! Greta rülpst noch mal.

In

Kuba: Ekelhaft! Zum Kotzen! Ich finde, wir beenden das Gespräch jetzt. Ich will das Gerülpse nicht mehr hören. Iih. Greta lacht: Wir machen immer Rülps-Chor.

rla

Kuba: Ja, ja. Kann ich mir vorstellen. Greta: Du, ich krieg jetzt immer im Monat 50 Mark Taschengeld. Kuba: Seit wann das denn?

Ka

Greta: Seit morgen.

Kuba: Seit Jason oder was? Greta: Nein. Karla gibt mir das. Karla kriegt auch das Kindergeld. Kuba: Ach, jetzt kriegt sie? Greta: Was! Die kriegt schon immer! Kuba: Aha. Herrlich! Greta: Wieso herrlich? Kuba: Da freue ich mich. Greta: Wieso?

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Kuba: Ja, ist doch schön. Kindergeld ist doch prima. Greta: Das ist aber nur für mich. Kuba: Nee, das Kindergeld ist für sie natürlich. Weil sie dich ernährt. Greta: Ja, aber auch für meine Klamotten. Kuba: Jahaha. Klamotten? Wieso, ich denk Kindergeld kriegt man nur fürs Essen. Greta: Nein!

it

Kuba: Ah, Klamotten, na gut. Na gut. Kannst beim roten Kreuz dir

be

immer so polnische... Greta: Hähä witzig.

Ar

Kuba lacht. Greta: Du, ich muss jetzt baden.

Kuba: Ja, natürlich. Greta, ich wollte doch nur mal deine Stimme

In

hören! Greta: Tschüss! Tschüüüss. Kuba: Ja, ja, tschüss!

rla

Greta: Tschüüss.

Kuba: Ja, mach ’s gut. Ja, ja. Klar. Greta: Tschüss.

Ka

Kuba: Ja, ich sag’s ja. Greta: Tschüss.

Kuba: Natürlich tschüss. Greta: Ja, dann sag doch! Kuba: Ja. Auf Wiedersehen. Greta: Ja. Piep.

173


Mika: Da lief gestern noch so ‘ne tolle Sendung im Fernsehen. Wo so die Biologen und Forscher auch sagen, man muss endlich einsehen, dass die Frau intelligenter ist, gelehrter ist, emotionsvoller ist und, und, und. Karla: Ja. Mika: All diese Momente, wo die Männer dann eben versuchen, Männer zu sein und ich sag mal so, die männlichen Domänen zu

it

erfüllen, das ist doch alles langweilig und stumpf. Guck dir nur unsere

be

Politiker an. Da krieg ich schon so ’nen langen Bart.

Karla: Ja, klar. Na ja. Ich sage mal nur Cicciolina. Das ist irgendwie

Ar

so ’n Beispiel. Auch wenn die dann nur irgendwie, aus einer anderen Branche ist, so würde man sich wünschen sie Politiker, ja? Mika: Nicht unbedingt so, aber ich meine einfach, mit mehr Gefühl Karla: Mhm.

In

beseelt und nicht, also es alles so stumpf und dumm.

Mika: Man wird ja auch irgendwie verarscht von dieser Politik und

rla

von den System und oh nee. Karla: Mhm.

Mika: Deshalb bin ich froh um eine Tochter. Einen Sohn hab ich auch

Ka

schon.

Karla: Hast du. Wärst du näher bei ihm, dann würde es vielleicht anders sein. Obwohl ich das wirklich nicht so toll finde mit den Jungs, wie gesagt, immer so. Und irgendwie läuft das auch, also wenn die hier sind bei Greta, ich finde das ganz blöd, wenn sie so klischeehaft reden und dann wollen sie auch mit Mädchen nichts zu tun haben. Und die Mädchen stellen sich dermaßen an, die wollen die, weißt du so, für sich haben. Da klappt das alles nicht. Die sind einfach so was von, merken gar nichts, ne?

174


Mika: Ja, ja. Karla: Und macht ihr jetzt dann endlich mal das Programm, was ihr vorhattet zusammen? Mika: Doch natürlich, das machen wir schon. Erstmal muss das Kind da sein, weil Eveline, also ich kann mit, wir machen im Moment so Texte. Eveline spricht meine Texte und ich mach ‘ne Regie dafür. Aber so richtig Proben können wir nicht, mit dem dicken Bauch das

it

geht gar nicht.

be

Karla: Ja.

Mika: Wenn die kleine da ist und die erste Zeit vorbei ist, dann. Weil

Ar

ich hab jetzt hier das aufgebaut, ich bin jetzt gerade dabei den Raum so zu machen, das man arbeiten kann. Und dann wollen wir natürlich arbeiten, klar.

In

Karla: Mhm. Mika: Mal schauen also.

Karla: Ja und sonst, geht da nicht dein Job zu Ende oder so?

rla

Mika: Ja der Job... Zu wenig verdien´ ich im Moment. Ich weiß nicht, 1500 Mark im Monat oder so. Karla: Mhm. Mhm.

Ka

Mika: Nee, aber generell ist die Tendenz sowieso hier wegzugehen aus Berlin. Und dafür müssen wir aber ein Paket im Rucksack haben, eigene Arbeit, das heißt irgendwie ein kleines Theaterstück oder ‘n Hörspiel. Also so, dass man irgendwo hingehen kann, wo man dann auch auftreten kann und sagen kann, so, wir sind jetzt hier in ‘ner ruhigeren Gegend. Karla: Ja. Mika: Also weg aus Berlin. Ich hasse diese Stadt.

175


Karla: Ja? Na ja, Berlin finde ich nicht so toll. Aber es gibt ja auch andere Städte. Mika: Nein, also das kann wirklich viel kleiner und ruhiger sein. Und dann mit Kindern, kannst du dir vorstellen. Einfach landschaftlich möchte ich ’s schöner haben. Diese Stadt, auch die ganze Kultur interessiert mich auch nicht mehr so. Karla: Nach Zürich müsst ihr gehen. Ist auch so ’ne Theaterstadt.

it

Mika: Das ist so teuer.

be

Karla: Ja natürlich, aber dann verdienst du dort. Das ist ‘ne

Theaterstadt. Also, die ist wirklich wunderschön, die Stadt, die ist

Ar

nicht so groß und, ich finde die echt klasse.

Mika: Ich war ja in Zürich, ich war ja da mal aufgetreten im Fernsehen, ne?

In

Karla: Ja.

Mika: Und das war total angenehm, wir wurden supergut bezahlt, das Hotel war gut, die Leute waren nett. Alle waren der Kunst sehr

rla

wohlwollend gegenüber. Und das hat mir gut gefallen. Aber du brauchst Geld, um dahin zu gehen oder du musst da irgendwie heiraten oder irgendwie so was.

Ka

Karla: Mhm.

Mika: Man kann nicht einfach so in die Schweiz. Du müsstest da, weiß ich nicht, irgendeine Gastprofessur bekommen, so was. Dann hast du ‘n Einstieg. Karla: Ja. Mika: Ansonsten ist das sehr schwer. Ich kenne einen Bildhauer. Der macht so ganz feine Staubskulpturen. Der ist irgendwann nach Zürich gegangen. Karla: Mhm.

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Mika: Hat aber da auch ‘ne Schweizerin geheiratet und lebt sehr gut. Also, wird unheimlich unterstützt vom Staat, hat so ’ne Kunstinitiative aufgemacht und es geht sehr gut. Karla: Mhm. Mika: Aber du musst irgendwie einen Fuß da hinein kriegen auf vernünftige, irgendwie gut situierte Art und Weise. Karla: Klar.

it

Mika: Da muss man ein bisschen was für tun. Ach immer. Du musst ja

be

immer was tun. Ich meine, auch wenn wir hier weg wollen, wir müssen einfach was tun. Kopf, ne? Mika: Ja. Mika: Ja. Karla: Tschüss!

In

Karla: Und, bis demnächst.

Ar

Karla: Mhm. Klar. Na dann wünsche ich euch jetzt erstmal klaren

Ka

Piep

rla

Mika: Okay, Tschüss.

177


Taubenhaus Kapitel X Karla: Das hab ich doch mit ihr besprochen. Kuba: Nein, die hätte dich nicht angesprochen, das wäre im Nichts verlaufen. Kuba: Du hast doch gesehen, dass sie da sitzt.

be

Karla: Wann denn?

it

Karla: Aber ich hätte doch gar nicht gewusst, dass sie da ist.

Kuba: Die saß doch da mit dir zusammen, da, in diesem

Ar

Backstageraum, Mann. Die saß zwei Meter von dir entfernt.

Karla: Da hab ich die doch gerade kennen gelernt, die ist mir dann erst vorgestellt worden.

In

Kuba: Ich hab ihr gesagt, sie soll sich unbedingt von dir auch mal Texte geben lassen.

Karla: Aber die war doch in der Backstage und da hat, wie heißt die

rla

noch, Barbarella, Babette, Bernadette oder wie die heißt? Kuba: Ist auch egal.

Karla: Wie heißt die Blonde noch mal?

Ka

Kuba: Weiß ich nicht.

Karla: Barbara! Da hat Barbara gesagt, die ist von der Zeitung. Na ja, und dann hab ich gesagt, dann gib mir einfach ihre Adresse und das war alles. Kuba: Na ja. Ist egal! Ich weiß, wie’s gelaufen ist. Scheißegal! Karla, ich freu mich sehr, dass die das abgedruckt haben, freue ich mich wirklich sehr. Karla: Ich will nur eine Sache betonen. Wenn ich nicht weiß, wer das ist, wie kann ich die denn angesprochen haben.

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Kuba: Ich meine, ich hätte auch einfach meine Klappe halten können, nach dem Motto, ich werde doch keinen Schritt tun, um Karla zu fördern, weißt du? Karla: Aber Kuba, wirklich, ich mache immer meine Klappe auf... Kuba: Ich bin sehr, sehr fair, wirklich. Karla lacht: Wenn du mich nicht kennen gelernt hättest! Karla: Das hast du auch oft genug selber gesagt!

it

Kuba: Jaah.

be

Kuba: Und du wärst nicht so gut auf der Bühne, wenn du mich nicht kennen gelernt hättest, Karla.

Ar

Karla: Sag mal rechnen wir jetzt was dagegen? Kuba: Wir machen das Foto am Sonntag.

Karla: Nee, das ist wahrscheinlich zu spät.

In

Kuba: Dann machen wir das Foto morgen. Karla: Wahrscheinlich.

Kuba: Nicht wahrscheinlich, dann machen wir das jetzt morgen.

rla

Freitag wollten wir doch ans Meer fahren. Karla: Das weiß ich. Okay. Alles klar. Kuba: Oder wollen wir das verschieben, ausfallen lassen?

Ka

Karla: Nein! Wenn wir das nicht machen, dann fahren wir nie ans Meer!

Kuba: Außerdem, ich hab das schon alles organisiert, wir kriegen das Auto. Karla: Oh toll. Kuba: Ja. Karla: Das ist ja toll. Kuba: Okay? Karla: Großartig.

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Kuba: Na also. Karla: Ja. Kuba: Sag, gut gemacht Kuba. Karla: Ja, ist toll. Du bist gut. Kuba: Okay, so, ich muss jetzt aufs Klo. Karla: So ‘ne anstrengende Geschichte mit dir. Kuba: Ja.

it

Karla lacht: Findest du auch?

be

Kuba: Ich bin nicht so leicht, natürlich nicht. Mit mir muss man gut

umgehen. Und mir nicht irgendwie Melonen an den Kopf schmeißen.

Ar

Karla: Melone ist doch nicht so schlimm. Ich hab mir doch selber Melone an’ Kopf geschmissen.

Kuba: Na ah ja. Du hast ja, ja. Die siehst jetzt so scheiße aus. Ich kann

In

die eine Hälfte echt wegschmeißen. Kann ich einem Penner auf der Strasse geben, der freut sich. Karla lacht: Vielleicht.

rla

Piep.

Olivia: Hallo Karla, hier ist Olivia. Ich wollte dich was fragen. Und

Ka

zwar, dieses Allegra - Heft, wo der Artikel drin über dich war, ich glaub’ im April oder so, wie viele Ausgaben hast du bekommen? Ich hatte nämlich eine gekauft und festgestellt, dass eine Seite doppelt bedruckt ist und wenn ich das in die Mappe mache, dass ich mich entscheiden muss, sozusagen, weil da immer so ’n schwarzes Blatt zwischen liegt, damit dass so schicker aussieht. Ich hatte eben bei Allegra angerufen und gefragt, ob die mir noch ein altes Heft zuschicken und die gucken auch und es kann aber sein, dass die total vergriffen sind und dann wollte ich doch fragen, ob du irgendwie

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vielleicht mehrere Exemplare damals bekommen hast und irgendwie eins mir noch zur Verfügung stellen könntest. Oder eine Seite jedenfalls, falls das geht. Das wollte ich mal fragen. Kannst mir irgendwann Bescheid sagen. Fotos sind weggebracht. Äh, ja. Dann bis dann. Piep.

it

Karla: Ich versuche immer denjenigen das zu sagen, die zu Jason

be

einen anderen Kontakt haben, als ich. Halt Kontakt überhaupt. Und bei guter Gelegenheit, ich werde immer wieder ausrasten, wenn er

Ar

versucht irgendwelche komische Geldgeschäfte mit mir zu machen. Weiß du, der versucht immer mich irgendwie so anzupumpen auf irgendeiner Weise und so. Dass er immer so bei den Schwachen Alfons: Ja.

In

versucht irgend so einen kleinen Geldvorteil auszuschöpfen. Karla: Und das geht mir so auf die Nerven, weißt du? Und dann bin

rla

ich wieder ausgerastet.

Alfons: Sprichst du von meinem Freund Super - Jason? Karla: Ja, der Super - Jason, versucht er dir nichts zu verkaufen?

Ka

Alfons: Doch, hat er auch versucht. Karla: Ja und was machst du da? Alfons: Dann frage ich ihn, ob er nicht ein Bild von mir kaufen will. Karla: Ja Bild, bei mir versucht er mir irgendso ’n Fahrrad, wo ich ihn einfach nur gefragt habe, ob er mir eins geben kann, weil er so tausend Gurken da stehen hat. Irgendwie repariert er die so aus Langeweile und dann holt er bei mir so Teile, die ich ihm auch immer gerne gebe, weil ich das alles nicht brauche. Und dann, weißt du so, jetzt ist das eine, was er mir neulich, so ’ne richtig superkaputte Gurke, einfach da

181


ist nur die Kette runtergerutscht und dann hab ich nur gesagt, ob er mir die Kette nicht raufmachen kann, ja, wenn er hier ist. Nee, da versucht er mir ein anderes Fahrrad zu verkaufen. Und dann sage ich, na ich will aber kein Fahrrad kaufen, obwohl bei dem Anderen schon der Rahmen halb kaputt ist und ich werde sowieso einen Unfall damit haben und dann das dürfte nicht in seinem Interesse sein. Und dann habe ich gesagt, nein ich kann das nicht bezahlen, ich will kein

it

Fahrrad kaufen, ich will nur, dass die Kette da drauf ist. Gut. Dann

be

kommt er hier und dann will er 50 Mark. Ich sage, nein, ich sage

höchstens 20. Gut. Und er kommt hierher, wir waren uns noch gar

Ar

nicht einig. Und das ist ja schon so paar Tage her und dann hat er ein Fahrrad auf dem Dach, ne? Und dann will er 30 und einen Film. Das sind dann 40 Mark, ne?

In

Alfons: Ja.

Karla: Also dann komme ich vom Einkaufen. Jason und Greta waren schon früher gekommen. Ich sage zum Hund, na hast du neuen

rla

Halsband und streichele den Hund, worauf Jason sagt, sechzehn Mark. Alfons lacht.

Karla: Das interessiert mich null. Neulich, haben mir Leute erzählt,

Ka

Jason wäre da gewesen und hätte erzählt, wie viel das Halsband von dem Hund gekostet hat. Alfons: Das scheint ihn wohl irgendwie zu bewegen. Er hat es wohl irgendwie nicht so dick, ne? Karla: Ja, aber das muss er doch nicht irgendwie erwähnen, oder? Auch vor fremden Leuten. Alfons: Ja, aber du weißt ja, wenn einen da bestimmte Sachen besonders beschäftigen, da hat man auch nichts anderes im Kopf.

182


Karla: Ja, aber ich bin wirklich auch nicht seine Geldgrube, ich arbeite so hart an meinem Image, wo ich da am Ende irgendwo für so ’n Text irgendwie 150 Mark bekomme oder für Auftritt hab ich am Ende 100 Mark, da war ich 2 Tage unterwegs. Und das ist richtig hart, wie ich arbeite. Und wirklich am Rande des Ganzen, irgendwie kämpfe ich genauso, ja? Ich behaupte auch, dass ich viel mehr arbeite als Jason, Ja? Ja. Und da kann er mir nicht so damit kommen, dass er

be

Beträge, ne? Und dann... Ach ich weiß nicht.

it

aus mir immer Geld rauszupumpen versucht. Und dann so kleine Alfons: Du regst dich aber auch immer so auf.

Ar

Karla: Ja aber ich möchte mich nicht aufregen, ich möchte damit nichts zu tun haben. Jedes Mal. Weißt du? Alfons: Ja.

In

Karla: Das ist wirklich eine Unart mit diesem Geld und dem Gelderwähnen und dem Versuchen so anderen irgendwas zu verkaufen, ne? Ja gut, er wird immer wieder, ich weiß nicht, er wird

rla

sich ja nicht ändern oder? Auch wenn jemand anderer ihm das sagt oder?

Alfons: Nö. Wenn er Geld hat, dann ist es was anderes. Aber wenn er

Ka

kein Geld hat...

Karla: Er hat aber im Moment noch Geld bis Ende des Jahres. Alfons: Ja?

Karla: Das ist überhaupt nicht der Fall Alfons. Alfons: Zu mir hat er gerade gesagt, bis September reicht das, nee, bis August reicht sein Geld. Karla: Ja, das ist auch bei mir so, und? Er ist wie so ’n großes Baby, wie so ’n großer Junge, einfach nur undankbar. Ich möchte mir ihm nichts zu tun haben. Dann kann er machen was er will. Er verscherzt

183


es sich sozusagen auch mit mir. Echt, so ’n schlimmer Finger, du! Nee also! Ach ich rege mich so auf. Ich sage, ich will dein Fahrrad nicht haben, ne? Und dann hab ich gar nicht mehr mit ihm geredet und dann hab ich gesagt, ich will nichts von dir hören. Und dann ging er schon. Und hat er versucht Greta ihr Fahrrad wegzunehmen. Weil ich damit gefahren bin. Alfons: Ja. wegnehmen! Alfons: So kenne ich ihn gar nicht.

be

it

Karla: Weißt du? Wo Greta sich total aufgeregt hat. Er wollte ihr das

Ar

Karla: Ja, er wollte seiner Tochter das Fahrrad, dass er ihr vor zwei, drei Monate geschenkt hat, wegnehmen. Ja? Alfons: Ein schlimmer Mensch.

In

Karla: Ja... Es geht einfach darum, dass sich das ändert.

Alfons: Es wird sich nicht ändern. Vor allen Dingen nicht, wenn du es willst. Er wird sich vielleicht dann ändern, wenn du es nicht mehr

rla

willst.

Karla: Ja, aber ich will von ihm wirklich nichts, ich bin immer misstrauisch, wenn er überhaupt mal nett ist und dann was einem

Ka

liefern will und so. Echt. Ich will mit ihm nichts zu tun haben. Alfons: Ich verstehe mich gut mit ihm. Karla: Ja, verstehst du dich immer gut mit ihm. Aber ich verstehe mich mit ihm überhaupt nicht gut. Alfons: Mit dem alten Grantler. Karla: Also echt. Wenn er immer versucht 10, 20 Mark bei mir so abzuzocken. Das finde ich ganz schrecklich! Und da hat sich Roman von ihm auch absolut abgewandt jetzt. Obwohl Roman ihm immer finanziell sehr geholfen hat, ja?

184


Alfons: Ja. Karla: Und irgendwann hat Jason einfach übertrieben. Weißt du, waren sie unterwegs zusammen, hat Roland irgendwo Geld liegenlassen. Jason hat Roman zurückgefahren und dann hat er von Roman Finderlohn abgezockt. Alfons: Echt? Karla: Ja! Wo Freunde zusammen unterwegs sind.

it

Alfons: Hm.

be

Karla: Roman hat sich das sehr wohl gemerkt und dann später bei der nächsten Geschichte, wo er ihn immer für Geld beschäftigt hat...

Ar

Alfons: Ja.

Karla: Hat er ihm auch so viele Bilder abgekauft und so alles und hat er wirklich irgendwann dann, war da so ’n Bruch, seitdem ist nix Jason. Alfons: Ja.

In

mehr. Und ich bin genau in so ‘ner ähnlichen Wut wie Roman. Auf

rla

Karla: Was das angeht.

Alfons: Jason hat ein Stolzproblem. Karla: Ja?

Ka

Alfons: Ja.

Karla: Ach ja. Dass man, dass er sich wichtig fühlen will oder was? Ja aber das können wir ihm nicht geben, das muss er selber mit seiner Person fühlen. Alfons: Ja. Karla: Und nicht irgendwie versuchen zu erzwingen. Alfons: Ja.

185


Karla: Ja gut, das weiß ich. Ich kann mich nur in dem Sinne nicht mehr ärgern, dass ich einfach so wenig wie möglich mit ihm zu tun habe. Das ist alles. Alfons: Hm. Wenn du meinst. Karla: Ja, muss ich. Also, manchmal weißt du so, verstehen wir uns gut und dann verfalle ich irgendwie in so, also so einfach so ’n Gefühl, man kann ja auch mal zusammen ins Kino gehen und so alles.

it

Und dann irgendwie wieder ist es zu eng. Und dann wieder versucht

be

er einen abzuzocken. Alfons: Hm. man von ihm was will. Alfons: Hm. Alfons: Der Gute.

In

Karla: Na gut.

Ar

Karla: Finde ich unmöglich! Unmöglich! Sobald er nur merkt, dass

Karla: Was sagst du?

rla

Alfons: Der Gute.

Karla: Hab ich nicht verstanden. Alfons: Der Gute.

Ka

Karla: Ach so. Wer ist denn der Gute? Alfons: Jason.

Karla: Ach, weiß ich nicht Alfons. Alfons: Ja, was soll ich dazu sagen eben. Karla: Gar nichts, du kannst ja nur ihm das ausrichten, dass es so sein wird. Alfons: Das mache ich. Greta ruft im Hintergrund: Mama komm!

186


Karla: Ja, weiß ich nicht, manchmal hilft das. Dafür sind doch Freunde da. Ich komme gleich! Nein, ich telefoniere und dann komme ich! Alfons: Er weiß es doch sicher. Karla: Was weiß er denn? Alfons: Ach, weißt du, wenn ich da was erwähne, dann fängt er an über dich herzuziehen. Dann muss ich mir das wieder ‘ne halbe

it

Stunde...

be

Karla: Ach so. Oje.

Alfons: Diese blöde Kuh und was weiß ich, was da alles kommt.

Ar

Karla: Wieso bin ich denn eine blöde Kuh? Alfons lacht: Und, ich hab sie aufgebaut.

Karla: Dieser Typ, ne! Und dann hier war er dann, lag so ’ne

In

Doppelseite Artikel, weißt du so, in der Jungen Welt und dann ist er so neidisch immer, ne?

Alfons: Ja, dann muss er mal was machen, ich meine, ich weiß auch

rla

nicht, er muss einfach mal was machen. Karla: Ja, aber ich meine, ist er einfach nur neidisch. Er ist nicht so gönnerhaft.

Ka

Alfons: Wenn man selbst nix zu bieten hat, kann man auch nicht gönnerhaft sein. Karla: Mhm.

Alfons: Er muss einfach mehr machen. Karla: Auf alle Fälle geht es jetzt hier um eine Kleinigkeit mit Jason, dass er einfach nicht immer diese Kleingeldbeträge... Weißt du so, hab ich mich da aufgeregt damit und da hast du auch Recht gehabt, gar nicht darauf eingehen und jetzt mit diesem Fahrrad habe ich

187


dummerweise ihn gefragt. Einfach darauf gar nicht eingehen. Das heißt, nie, nie von ihm was haben wollen. Alfons: Mhm. Karla: Ne? So, würde ich sagen. So mache ich das, ne? Alfons: Ja. Karla: Nichts von ihm haben wollen. Alfons: Hm.

it

Karla: Ne? Ist einfach nix. Und dann kriegt er aber auch nichts immer soll man jemand fördern, ne?

be

zurück. Dachte ich, denke ich mal so, weil, aus welchem Grunde auch

Ar

Alfons: Ich frag mich, warum dich das so tangiert. Du hast irgendwie ein Schuldgefühl. Karla: Mhmh.

In

Alfons: Sonst würde dich das gar nicht so tangieren.

Karla: Nein, mich nervt das, dass jemand versucht mich irgendwie abzuzocken. Und wo Jason genau mein Leben kennt und weiß, wie

rla

hart das ist. Und ich erziehe genauso seine Tochter, wie er sie erzieht, ziehe ich seine Tochter mit auf. Alfons: Aber irgendwie scheint dich das ja doch zu berühren. Das

Ka

kann dich ja auch kalt lassen. So nach dem Motto, lass ihn doch reden. Karla: Ja, aber ich wollte von ihm ein Fahrrad haben und dann ging ’s darum, dass er viel mehr Geld haben wollte als ich ihm geben wollte. Ja? Alfons: Ja. Karla: Darum ging’s doch. Am Ende ging’s um 10 Mark, letztendlich, ja? Alfons: Ja. Karla: Und dann daraufhin hat er...

188


Alfons: Und du wolltest ihm die 10 Mark nicht geben? Karla: Nee. Ich sah das überhaupt nicht ein, dass er überhaupt mir Geld dafür abnimmt. Alfons: Ach so. Karla: Nee, ganz einfach, weil er sich ständig hier irgendwelche Teile für das Fahrrad, für die Fahrräder abholt. Und das gebe ich ihm einfach so und sage ich auch nie, gib mir Geld und so. Ich möchte das

it

alles nicht. Ich kann nicht für jede Sache irgendwie 5 Mark nehmen.

be

Als seine Bilder zusammengeklebt waren, hat er mich gefragt, kannst du mir die restaurieren. Ich handle mit ihm nicht. Ich mache ihm das

Ar

einfach und Schluss. Ich sage nicht, ich will so viel und so viel Geld dafür haben. Aber, verstehst du das, es läuft so darauf hinaus, dass ich seine Art übernehmen muss. Von der ich mich wirklich gelöst habe. abgewandt haben. Alfons: Ja.

In

Wo ich früher auch so ähnlich war wie er und viele Leute sich von uns

rla

Karla: Ich will gar nicht immer darauf achten müssen, dass das, was du für mich machst, muss ich das genauso ausgleichen. Alfons: Ja.

Ka

Karla: Ich dachte ja, er fragt mich, dann mache ich ihm das. Wenn er sagt, kannst du mir das machen, du kriegst so viel und so viel Geld dafür, dann okay, das ist ’n Angebot. Aber ansonsten mag ich das überhaupt nicht irgendwie mit ihm so Verhandeln. Alfons: Ja. Karla: Deswegen berührt mich das, weißt du? Alfons: Ja. Karla: Dass der immer so bei mir Geld abholen will. Dass er nichts merkt und einfach, dass ich nicht die Person dafür bin. Oder zum

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Beispiel stachelt er Greta an, ja? Die ruft mich dann an, irgendwie hat sie Portraits gemacht und die sind wirklich ganz toll, dass man sie überhaupt fördert, weil keiner irgendwie sich der Sache annimmt und die zeichnet wunderbar, irgendwie live, also guckt sie Einen an und zeichnet und dann kommen die Porträts auf ’s Cover, hat sie 50 Mark dafür bekommen. Für ein Kind ist das viel Geld, finde ich. Alfons: Ja.

it

Karla: Und dann war aber ein Portrait noch dazu gekommen, dann hat

be

der Typ ein Foto geschickt und dann haben wir das Greta geschickt und dann rief sie an und dann hat sie schon so eine Argumentation

Ar

drauf gehabt, die nur von Jason gekommen sein muss, pass mal auf Karla, also, das waren doch jetzt statt acht, neun Portraits, das ist ein bisschen wenig für das Geld. Ich meine, die ist 13 Jahre alt und die

In

weiß diese Argumentation nicht. Das heißt, die kommt absolut schon vorgegaukelt von Jason. Und dann habe ich auch Jason darauf angesprochen, hab gefragt, hast du ihr das gesagt. Und er dann, ja, ich

rla

find das auch, es ist zu wenig Geld. Und dann habe ich ihm gesagt, ach ist egal. Hab ich aufgelegt. Hab ich echt aufgelegt dieses Telefon in dem Moment. Hab ich mich gar nicht irgendwie weiter mit ihm

Ka

darüber unterhalten. Ja und so. Und dann hab ich nur Greta gesagt, die soll nicht einfach sich von ihm anstacheln lassen. Du kennst das auch von früher. Ich weiß nicht, ob dir das aufgefallen ist, aber egal wer kam, Greta fragte immer, hast du mir was mitgebracht? Alfons: Das weiß ich noch. Karla: Und das kam immer von Jason. Und dann versucht er immer Leute zu erziehen, irgendwelchen Kindern muss man was mitbringen. Und immer so. Oder du sagst, ich komme vorbei und er dann, kannst du noch bei der Tankstelle das und das kaufen?

190


Alfons: Hm. Karla: Ne? Also, wenn das eine Ausnahme ist, dann ist es okay. Aber, wenn das immer nur so ‘ne Sitte wird. Das ist so seine Sitte, ja? Und ich hab mich, glaube ich, das kommt mir nur so krasser vor, weil ich mich halt davon gelöst habe. Und ich will gar nicht mehr so sein. Ich mag das nicht mehr. Mag ich nicht. Alfons: Aber ich hab das immer eher gar nicht so ernst genommen.

it

Karla: Nee, der war dann auch tödlich beleidigt, wenn du das nicht

be

ernst genommen hast und dann einfach nicht das mitgebracht hast, wo er dir das Bescheid gesagt hat.

Ar

Alfons: Ja.

Karla: Weißt du? So. Na ja gut. Aber ich nehme das immer so ernst. Und wenn ich meine Belange jemandem nicht nenne, dann möchte er

In

doch bitte aus Freundschaft das einfach so achten, oder? Ich meine, geht dir doch auch so, oder nicht? Alfons: Ja.

rla

Karla: Egal, genug davon. Ich hab Hannes getroffen vorm Supermarkt, dann sind wir zu diesem Glashaus gegangen, zu dem, weißt du, wo man draußen sitzt. Und dann kamen immer mehr

Ka

Irgendwelche vorbei. Wir haben immer gesagt, setzt euch zu uns auch hin. Und auf einmal waren wir 10 Leute schon. Alfons: Wer ist Hannes? Karla: Ein Bekannter von mir. Weiß nicht, ob du ihn kennst. Hannes Köster, der Mann von Gesa. Ich hab dir den mal vorgestellt. Dann haben wir immer welche dazu animiert, die man kannte, die haben sich alle dazu gesetzt. Jetzt saßen ganz viele Leute da. Und dann hat noch sogar Einer Eis gehabt und das wollte er nicht mehr aufessen, hat er allen immer einen Löffel zum Essen gegeben. Sogar die Bedienung

191


hat einen genommen. Von diesem Plastiklöffel. War unglaublich. Nette Stimmung. Dass die Bedienung einfach von fremden Leuten vom Löffel isst. Fand ich schon erstaunlich. Alfons: Was? Karla: Na, der hat ja sozusagen seinen Resteis verteilt, die Leute gefüttert damit. Alfons: Was war das für eine Kneipe?

it

Karla: Na, in diesem Glashaus, wo wir manchmal sitzen. Draußen.

be

Und dann haben wir immer gesponnen und gesagt, morgen treffen wir uns wieder hier. Und dann haben wir gesagt, nee, aber lass uns schon

Ar

früher treffen. Das ist so spät. Das war echt so ‘ne schöne

ausgelassene Stimmung. Ich dachte nur, du kommst vorbei, kannst du dich auch dazu setzen.

In

Alfons: Hätte ich auch.

Karla: Hättest du, ne? Weil Susanne Müller zum Beispiel, die ist doch so komisch drauf, die hat sich natürlich nicht dazu gesetzt.

rla

Alfons: Warum nicht?

Karla: Ja weil, hat sie nachträglich noch gesagt, weil sie geweint hat vorher und war sie komisch drauf. Ja. Aber vielleicht vergeht das.

Ka

Dann geht man doch nicht auf die Strasse oder? Ich weiß auch nicht. Ja gut, jedenfalls so war das. Und habe ich dich vermisst da, sozusagen. An diesem Glashaus. Weißt du, dass die einen Keller haben? Alfons: Wer? Karla: Dieses Glashaus? Alfons: Ja, da ist das Klo, ne? Karla: Ja mit Klo und Telefon und Zigarettenautomaten. Alfons lacht: Ja, da kannst du ja ‘ne Ausstellung machen.

192


Karla: Nein, ich will dort keine Ausstellung machen. Wieso soll ich ‘n da eine Ausstellung machen? Ach, Quatsch. Alfons: Das wäre doch gut. Ein unüblicher Ort. Karla: Ja, ja. Ich will aber da keine Ausstellung machen. Alfons: Ach so.

Kuba: Dieses Taubenhaus hat Tatjana gehört?

it

Piep.

be

Karla: Nein, das gehörte mir. Aber ich habe sie netterweise da

übernachten lassen, weil sie obdachlos war, oder ich hab´ sie da

Ar

wohnen lassen, vorübergehend, auch Susanne Müller. Jedenfalls war das davor so, dass du einfach hingegangen bist und dann hast du wohl mit der gefickt. Ja und dann hast du gesagt, nö. Weiß ich nicht. War

In

eigentlich unspektakulär. Aber ich hab sie total verprügelt und rausgeschmissen aus dem Taubenhaus. Und Müller hat auch noch eine drauf bekommen. Für ’s früher. Die war auf einmal da. Und dieser

rla

blöde Oli, der war auch im Traum und der hat immer so getan, als wäre nichts. Und würde alles nicht stimmen. Und ich war mir einfach nur so sicher.

Ka

Kuba: Das hast du wirklich geträumt? Karla: Ja, wieso?

Kuba: Das hört sich so ausgedacht an. Karla: Das hört sich so ausgedacht an? Kuba: Ja. Karla: Warum? Würde ich doch nicht erzählen, wenn das so hanebüchen klingt. Kuba: Das klingt so... Karla: Ja, wie klingt das?

193


Kuba: Ja, hanebüchen. Karla: Hanebüchen? Sind nicht Träume hanebüchen? Kuba: Mhm. Karla: Das war so ‘n bisschen realistisch. Nicht hanebüchen. Jedenfalls hab ich mich da irgendwie total geprügelt und ich glaube, dir hab ich auch noch mal einen draufgehauen. Der war total blöd, der Traum.

it

Kuba: Hm. gar nicht mehr wieder schlafen gehen.

be

Karla: So eklig, so unangenehm, so realistisch, so... Man kann dann

Ar

Kuba: Das ist aber nicht schön, wenn du so was träumst.

Karla: Na nun. Habe ich aber. Ich hatte eigentlich einen sehr schönen Abend. Weiß ich auch nicht. Weil ich das Fenster zu hatte. Aber auch nicht.

In

warum hab ich das Fenster zugemacht? Weil es so kalt war. Weiß Kuba: Ach Karla, das finde ich nicht toll, wenn du solche Sachen

rla

träumst.

Karla: Ja nun. Träum’ ich so was. Kuba: Hm.

Ka

Karla: Träum’ ich doch nicht immer. Man kann nicht immer was fröhliches träumen, ne? Kuba: Ja.

Karla: Und nicht immer sich sorgen. Ja aber, weiß auch nicht. Das kommt schon vor. Ich bin auch so eifersüchtig. Das gehört halt dazu. Na komm, jetzt tust du so, als würdest du selber so was geträumt haben. Kuba: Ich versuche mir das gerade vorzustellen mit diesem Hühnerstall. War ’n das denn Hühner?

194


Karla: Nein, das war ein Taubenhaus. Kuba: Ach so. Karla: Taubenhaus, so was, wie mein Vater hatte, nur ein bisschen anders war das. Da, wo man Tauben züchtet. Mein Vater hat nämlich Tauben gezüchtet und, ich weiß auch nicht, hier ist alles anders. Der hatte so Brieftauben. Aber hier ist immer alles anders. Katzen können nicht Milch trinken. Tauben sind eklig. Alles anders. Auf dem

it

Rathausmarkt füttert Keiner Tauben. Ist ‘ne ganz andere Welt, ganz

be

andere Werte.

Kuba: Nun. Wenn ’s zu viele Tauben gibt, dann füttert man sie nicht

Ar

mehr.

Karla: Hier gibt ’s nicht mehr Tauben als woanders. Kuba: Weiß ich nicht.

In

Karla: Es ist einfach nur so ‘ne komische Einstellung. Aber das ist egal. Ich weiß nicht. Das ist auch alles. Zum Beispiel, wenn man Männer und Frauen nimmt, dann ist es auch immer alles abgeklärt.

rla

Wenn ich mir gestern diese Leute angeguckt habe, die waren alle so... Kuba: Wo warst du denn?

Karla: Ich denke mal so, dass sie überhaupt alle nicht so richtig

Ka

lieben. Die sind irgendwie nur so ihre eigenen Zeituhren. Von da nach da.

Kuba: Wo warst du denn? Karla: Wir waren da beim Glashaus, wir haben uns zufällig so viele angesammelt. Kuba: Und die haben sich nicht geliebt? Karla: Ich hab nicht das Gefühl, dass sie sich lieben. Irgendwie. Vielleicht mal Hannes und Gesa, die haben sich mal geliebt. Und jetzt

195


hängen sie so nur aneinander. Die lieben sich schon, aber anders, nur sorgevoll, so wie man Kinder liebt. Aber nicht so leidenschaftlich. Kuba: Mhm. Karla: Ist nun mal. Das ist so selten, ne, also die sind immer so nebeneinander. Kuba: Ja stimmt. Kuba: Ja doch, aber wenig. Ganz wenig.

it

Karla: Irgendwie fassen sie sich nicht an und so.

be

Karla: Ja ganz wenig, also ich meine, so komisch. Doch manchmal

wahrscheinlich, aber selten. Also zu dem... Na ja und man will immer

Ar

so...

Kuba: Du hast ganz schön oft deinen Westeuropa-Blues, ne? Ist das dein Deutschland-Blues?

In

Karla: Weiß ich nicht. Kuba. Es ist... Das was ich sage, genau das ist nicht, fließt nicht in deinem Blut, ja? Das ist genau das, was dir so auffällt. Jetzt wenn man sagen würde, stören oder nicht, es muss ja

rla

nicht stören, du sagst ja nur, das es so ist. Ich meine, ich finde das alle hier klasse, nur wenn man so manchmal genauer guckt, dann ist es, sind die Leute halt anders. Ist doch ganz einfach.

Ka

Kuba: Mhm. Karla: Ne?

Kuba: Das stimmt. Na ja, ich meine, ich weiß jetzt nicht genau, wie es bei dir war aber... Ja wobei, es ist doch eigentlich so Karla, das gibt nicht, es ist oft so, dass es nicht irgendwo eine Unterentwicklung gibt, sondern, dass sie sich einfach anders äußert. Karla: Nee, ich finde das nicht als Unterentwicklung, das ist im Allgemeinen. Da war so ‘n Foto von einem Theaterstück gestern in der Zeitung, oder vorgestern und das war so ’n Theaterstück, wo Ost

196


und West dargestellt werden, da ging es um Deutschland. Da war so ´ne Unterschrift drunter: die Ossis wollen saufen, die Wessis wollen arbeiten. Also, dass das so ’ne Teilung ist. Die einen, die wollen feiern und die anderen wollen irgendwie so vorankommen. Und dann gibt es überhaupt, na ja, das kann ich nicht so sagen, weil diese Leute, die in die Clubs gehen, die feiern ja schon, die hängen ja nur ab. Sie gehen nach Feierabend hin und freuen sich, wenn sie ‘n bisschen saufen

it

können.

be

Kuba: Ja, die haben ihr ganzes soziales Leben nach außen verlagert.

Aber da passiert eigentlich zu wenig. Ich meine, ich vermisse ja auch

Ar

ganz stark dieses soziale Leben, so ist es ja nicht. Ich vermisse da ja auch ganz stark etwas, aber es ist so. Aber zum Beispiel ich finde, Daniel hat das. Also bei Daniel fühle ich mich eigentlich so...

In

Karla: Ja, der hat jetzt wieder mal aufgeholt.

Kuba: Ich fühle mich bei dem aufgehoben. Der ist jetzt wieder so total irgendwie, so warm und so nett. Ich freue mich immer den zu sehen.

rla

Der ist unheimlich warm und herzlich. Karla: Wieder geworden. Der war zwischendurch nicht so richtig... Kuba: Nein, war er auch nicht, der hat sich total abgekapselt, weil er

Ka

nur noch auf seine Freundin fixiert war. Karla: Mhm.

Kuba: Das was du manchmal so beschreibst, was ich immer so ablehne eben, dass er sein ganzes Sorgegefühl nur noch für seine Freundin hatte. Und nicht mehr für seine anderen Freunde. Karla: Aber das ist nur... Kuba: Das was du manchmal so gut findest, ich finde das nicht gut. Weil er seine ganzen Freunde dabei total stehengelassen hat.

197


Karla: Wieso, du kannst doch alles machen. Das finde ich jetzt nicht, dass man nicht genug Energie hat. Es ist zwar noch irgendwie anders, dass da, wenn die jetzt, wenn die Freunde, wenn sie auch die akzeptieren ja? Dann würde es doch ganz anders sein. Sozusagen meine Freunde sind auch deine Freunde. Also mehr oder weniger. Du versuchst die Leute auch oft irgendwie zusammenzubringen und das funktioniert auch manchmal. Ich finde es immer auch ganz toll, wenn

it

Leute bei mir andere Freunde kennen gelernt haben, dann bin ich

be

eigentlich nie eifersüchtig, wenn sie... Na, es sei denn, das sind

Frauen, dass da ganz konkret was abläuft, aber ansonsten freue ich

Ar

mich immer, wenn sie sich zusammentun. Kuba: Mhm.

Karla: Ich ersuchte immer mit den Partys und mit dem Essen, ich

In

versuche das immer so zu machen. Nur man muss wahrscheinlich viel mehr machen. Oder es ergibt sich von alleine. Aber ich freue mich immer, wenn die, wenn das weitergeht. Wenn du dann mit Johny

rla

telefonierst und dann geht das halt weiter, ja? Dann verstärkt sich eigentlich der soziale Netz, oder dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit der Familie. Was so früher halt nur aus den

Ka

Blutbahnen möglich war. Kuba: Mhm.

Karla: Das ist das, was als Familie verschwunden ist, dass man sich das wiederholt, denn ich bin immer der Meinung, dass der Mensch wirklich... Du kannst immer erzählen, er braucht Luft, er braucht Brot, der braucht das einfach. Und dann können die Menschen so modern sein, wie immer. Natürlich, man will ja emanzipiert sein und sich nicht was sagen lassen. Nur man erwartet in der auserwählten Familie, dass sie so gleich denken, also so gleich offenen Geist haben und so

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weiter. Und dann ist es klar, in so einer Familie kannst du auch dein Wesen ausleben. Oder deine Macken können dir dann genannt werden. Ja? Kuba: Ja. Karla: Also, das ist nicht jetzt, weil es oft auch so ist in den Familien, dass Leute nicht im positiven Sinne jetzt umhüllt werden, sondern auch deren Macken so richtig vertuscht werden. So wie bei deiner

it

Mutter. Also mit deiner Mutter. Dein Vater vertuscht diese Macke,

be

statt die eigentlich, na ja gut, vielleicht geht das auch nicht anders, aber...

Ar

Kuba: Nee, also der macht das schon, also da lass ich nix drauf kommen, der macht das schon ganz toll. Karla. Ja gut, dann.

In

Kuba: Der macht das schon ganz toll. Weil sonst kommt sie nämlich in psychiatrische Behandlung. Karla: Mhm.

rla

Kuba: Er ersetzt den Psychiater. Darum macht der das. Karla: Ja gut, dann das ist ja ein falsches Beispiel. Aber so, wenn mein Vater gesoffen hat und dann wird die Familie, statt irgendwie

Ka

die ganze Familie, weil meine Mutter hat immer so Hilfe gesucht bei den Eltern von meinem Vater, weil die Mutter, also meine Großmutter ziemlich starken Einfluss hatte so, oder auch Großvater, die haben was zu sagen gehabt. Und aber, zu wenig, weißt du, so haben sie Einfluss auf meinen Vater genommen, die hätten nämlich viel mehr sagen können als meine Mutter selbst, ja? Die hätten einfach so richtig, auch wo er dann schon voll erwachsen und 30 und 40 war, die brauchten eigentlich immer nur ihn zu beschimpfen und zur Sau zu machen. Und das hat total funktioniert. Das haben sie aber einfach zu

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wenig gemacht. Und da sage ich, da macht die Familie auch was falsch. Ja? Kuba: Mhm. Karla: Das ist genauso, wenn man sich verschlampt. Wenn der andere da, so dein Nächster einfach sich nicht in dem Sinne, ich meine nicht kümmert, so einen aus der Kneipe rausholen, sondern einfach sagen, nee, also dann bleibe ich mit dir 2 Wochen und du säufst nicht, ja?

it

Kuba: Ja.

be

Karla: Also wenn man sich so, bei Kindern macht man das, wenn ich mir vorstelle Greta fängt an, irgendwie Drogen zu nehmen oder zu

Ar

saufen oder sonst was. Dann muss man sich Zeit nehmen. Kuba: Ja.

Karla: Da muss man einfach ganze 24 Stunden immer mit dieser so weiter. Kuba: Ja.

In

Person sein und dann schon so, ja, mehr Aufmerksamkeit geben und

rla

Karla: Und dafür sind halt so jetzt Freunde... Kuba: Könntest du dir das zeitlich leisten, das mit jemandem so zu machen? Oder jetzt so, zum Beispiel dass ich jetzt sage, okay, dann

Ka

muss ich jetzt... Ich merk jetzt Timo Braun, der fällt jetzt wieder, der verliert wieder den Boden unter den Füßen, dann muss ich jetzt 2 Wochen mit dem zusammen leben. Würdest du so was machen? Karla: Ja, hab ich auch früher mit meinem Bruder gemacht. Dass ich gesagt habe... Kuba: Ja... Karla: Nein, ich hab gesagt, der muss dann bei mir wohnen eine Zeit. Ganz einfach. Und das man immer nachschaut und guckt. Das hab ich

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immer meinem Bruder dann gesagt, dann bleib doch erstmal hier paar Tage. Kuba: Aber später hast du deinen Bruder... Karla: Ich hab ihn irgendwann ab... Kuba: Hart abgestoßen. Karla: Ich hab ihn abgestoßen ab da, wo er meinen Vater geholt hat. Da wollte ich nichts mehr mit ihm zu tun haben. Dachte, dann kann

it

sich mein Vater um ihn kümmern. Ich mag meinen Vater nicht und

be

ich fand das nicht richtig, dass mein Vater nach Deutschland kommt.

Ja? Der kann da verrecken, wie viel er will. Und weil ab da, wo mein

Ar

Vater da ist, dann hab ich nicht nur meinen Bruder, sondern meinen Vater am Hals. Und dazu hab ich null Bock. Ja?

Kuba: Komm, du hast doch deinen Bruder schon vorher immer

In

abgestoßen.

Karla: Nein! Überhaupt nicht. Das stimmt doch gar nicht. Das stimmt doch nicht. Und da ist mein Vater gekommen, dann haben sie die

rla

Wohnung runtergewirtschaftet, dann ist er dann rausgeschmissen worden und das ist alles so zusammen nacheinander gekommen. Kuba: Hm.

Ka

Karla: Das ist schon so ein bisschen längerer Prozess gewesen. Ab da eigentlich schon hab ich mich von meinem Bruder abgewandt, wo meine Schwester gestorben ist. Weil er da einfach abgehauen ist. Kuba: Ja. Karla: Und das fand ich ekelhaft. Und dann ist er auch nicht zum Begräbnis gekommen, was auch nicht so schlimm ist, sondern weil er irgendwie so getan hat, als soll ich ihn anrufen und unbedingt will er kommen und so weiter. Und dann war ich da mit dieser Leiche und allem und dieses Arschloch ist nicht gekommen. Ja?

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Kuba: Mhm. Karla: Auf alle Fälle... Kuba: Das Begräbnis das war für dich so richtig... Karla: Das war das Ende der ganzen Familie. Das war dann vorbei. Weil ich das einfach so deutlich gesehen habe, was so passiert, wenn einer... Die war schon depressiv meine Schwester, jahrelang und dann hat sie immer Tabletten geschluckt und so alles. Und gesoffen und

it

dann ach, die war schon fertig und so, dass sie irgendwie alle dahin

be

kommen, um Leiche zu sehen, aber wo waren die denn, wo sie lebte, ja?

Ar

Kuba: Hm.

Karla: Da frage ich mich, ne? Wieso kommen sie denn zum Begräbnis alle.

In

Kuba: Aber du hast dich auch nicht viel um sie gekümmert, ne? Oder? Karla: Ich hab die immer besucht. Wo ich da war, do viel ich konnte. Schon.

rla

Kuba: Hm.

Karla: Ne? Und mochte auch wieder ihren Mann nicht. Ich kann das immer so schlecht, mich um jemand kümmern...

Ka

Kuba: Ja, das geht mir auch so. Karla: ...wenn da zwei Leute sind, weißt du diese andere Person überhaupt nicht magst. Sobald die dann wieder alleine sind, dann geht alles. Es ist so komisch. Aber man kann das nicht. Ne? Kuba: Ja. Karla: So wie, was weiß ich, Mika hat da jetzt wieder geheiratet mit dieser Frau und die mag ich nicht besonders, ne? Kuba: Diese angeberische Laber-Schauspielerin?

202


Karla: Ja. Und der Mika ist auch ver채ndert jetzt. Der hat keinen Witz mehr drauf. Ja?

Ka

rla

In

Ar

be

it

Piep.

203


Alles kaputt Kapitel XI Klempner: Sie haben gesacht äh, morgen wär´ Ihnen Recht, das schaff’ ich aber nich’. Karla: Ah, wann schaffen Sie denn? Klempner: Ähm, joa, Freidach.

it

Karla: Freitag?

be

Klempner: Freidach, joa.

Karla: Warten Sie mal. Ich muss ja nachgucken.

Ar

Klempner: Joa.

Karla: Hm, heute haben wir Dienstag, Freitag erst?! Hm! Hm, hm. Klempner: Ja morgen is’ Mittwoch.

In

Karla: Ja, ja.

Klempner: Morgen kann ich auf kein’ Fall, weil morgen hab ich schon verplant. Ähm, das kann ich jetzt nich’ alles wieder umstoßen, ne,

rla

nee, das kriech ich jetzt nich’ mehr hin. Karla: Hm. Mhm. Klempner: Ne?

Ka

Karla: Sind Sie immer in einem anderen Stadtteil unterwegs? Klempner: Joa. Joa. Joa, bin ich. Karla: Und ja... Und morgen Abend? Klempner: Nee das schaff ich nich’. Karla: Mhm. Hm, hm. Klempner: Nee, nee. Karla: Und... Klempner: Ich kann höchstens versuchen...

204


Karla: Ja, gut, dann machen wir mal Freitag, aber bis 11, ja? Oder was? Klempner: Bis 11. Karla: Na ja! Klempner: Joa, joa, is’ gut. Joa, dann... Karla: Kommen Sie mal um 10 rum. Oder so. Das ist nich’ viel. Da ist nur Dichtung, glaube ich.

it

Klempner: Joa, wenn ich so’ne Dichtung dann hab, ne? Vielleicht

be

muss ich die ja erstma’ besorgen. Ich weiss ja nich’ wat für ‘ne

Dichtung das is’, ne, da gibt’s ja tausende verschiedene Stück, ne?

Ar

Hm.

Karla: Na ja. Sie sind ja auch der Klempner. Sie müssen ja auch wissen.

In

Klempner: Joa. Äh, joa. Wat soll’ n wir machen.

Karla: Joa. Ja also, Sie gucken sich das an und zur Not können Sie zwischendurch noch...

rla

Klempner: Joa. Karla: Ne?

Klempner: Ich kann auch um 9 komm’.

Ka

Karla: Um 9 ist nicht so gut. Um 10 ist gut. Ich kann sonst, wenn Sie dann zwischendurch wegmüssen und dann ich muss aber auch schon weg, dann kann ich Ihnen Schlüssel lassen, können Sie in den Briefkasten werfen. Klempner: Joa. Karla: Ne?! Klempner: Gut. Dann bin ich Freidach um 10 Uhr. Karla: Okay! Tschüss. Klempner: Bis denn. Tschüss.

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Karla: Was hast du gerade gesagt? Sag doch, sag doch, sag doch! Greta: Ich weiß, warum Kinderarbeit scheiße ist. Karla: Warum ist Kinderarbeit scheiße? Musst du mal lauter sagen. Greta: Weil Kinder keinen Bock da drauf haben. Hör doch auf! Du hast da immer den Knopf an, ja?! Karla: Mir ist das egal, weiß du?

it

Greta: Mir ist das egal.

be

Karla: Du bist so verwöhnt. Greta: Du bist so verwöhnt. Öh.

Ar

Karla: Weil die Erwachsenen vor dem Computer sich die Birne wegraspeln. Das hast du gesagt? Das hast du wirklich gesagt? Greta: Ja.

In

Karla: Aber wieso? Mir macht das total Spaß. Greta: Ja, sag ich doch. Karla: Nee.

rla

Greta: Ich krieg schon nach ‘ner halben Stunde Kopfschmerzen. Karla: Ja, aber dann musst du dir so eine Arbeit... Greta: Bei dir ist das, du bist auch schon so... blöde geworden.

Ka

Karla: Ja und du bist kluge geworden! Du musst dir eine Arbeit suchen, die dir Spaß macht. Ja? Nicht vielleicht Babysitten, vielleicht macht das dir keinen Spaß, dann musst du dir eine andere Arbeit suchen. Greta: Ja, was denn?! Karla: Zum Beispiel, es macht dir immer so Spaß, äh, Klamotten anzuziehen, ne? Dann musst du dir einen Modeljob suchen. Ja? Oder nicht? Stimmt ’s? Lange Pause

206


Karla: Und dann, das war’s ja? Du bist ja sehr gesprächig! Greta: Ich brauch 30 Mark. Karla: Ja, das weiß ich nicht, wo Du die hernimmst. Ja? Weiß ich nicht. Lass dir was einfallen. Ah, Gesa wollte mit dir einen Film drehen. Greta: Worüber? Greta: Und da krieg ich 30 Mark? Greta: Ja, das ist nicht diese Woche!

Ar

Karla: Wieso, frag sie doch!

be

Karla: Ja, die gibt dir bestimmt 30 Mark.

it

Karla: Weiß ich nicht. Mit dir als Hauptdarsteller.

Greta: Frag sie doch. Nein! Hab ich keine Lust! Karla: Nein?

In

Greta: Nein! Das macht mir keinen Spaß mit dieser Tunte zu reden! Karla: Das ist keine Tunte, das ist eine Tante. Greta: Die zieht sich wie ‘n Mann an.

rla

Karla: Nein. Tunte. Greta: Eine Kotze! Karla: Kotze?

Ka

Greta: Putzfrau!

Karla: Das ist eine Putzfrau? Greta: Ja, eine langweilige Putzfrau. Hannes ist auch eine Putzfrau. Karla: Ja? Greta: Ja. Karla: Hä? Wie du die Welt siehst. Greta: Ja und? Karla: Oder soll ich dir doch was zu essen machen? Greta: Nein.

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Karla: Neeiin! Greta: Neein. Karla: Du kannst Kosta anrufen. Vielleicht hat er eine Idee. Man was äffst du denn nach jetzt? Blöde Kuh. Piep. Karla: Ja, ich freue mich, dass du mich anrufst. Immer wenn du mich

it

nicht anrufst, dann ist es unten. Dann denke ich dran an dich, dann

be

geht’s hoch. Und dann geht’s runter, ich muss mich doch abreagieren, weil ich kann ja nicht immer nur hoch gehen, ne? Dann gehe ich aus

Ar

der Atmosphäre raus. Bin ich aber darauf gar nicht vorbereitet. Und dann beruhige ich mich und dann jetzt hast du wieder angerufen. Obwohl ich eigentlich am Schreiben bin und normalerweise total

In

introvertiert. Jetzt...

Alfons: Aber du kannst ja auch nur schreiben, weil Magic Alfons dir geholfen hat.

rla

Karla: Ja, nee. Ich hab da nichts gemacht. Der ist ja schon am Abkratzen. Ich hab Moment kein Geld für solche Scherze und ich finde mich damit ab, weißt du? Ich drucke jetzt nicht zu Hause. Und

Ka

die Batterie ist einfach im Sack, weißt du, ne? Aber nun. Ich rauche sowieso wegen dieses ganzen Computers. Das Problem ist ja ganz woanders. Ich hab auch einen Wackelkontakt im Schirm. Das würde auch vielleicht zwei-, dreihundert Mark kosten. Alfons: Ja. Karla: Und da ist noch was, warte mal, diese Batterie. Und was bedeutet, dann müsste ich den eigentlich für, wie heißt das, ich will einen Email-Anschluss haben. Alfons: Ja.

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Karla: Und dann müsste ich den aufrüsten. Also es lohnt sich nicht Da kaufe ich mir einen gebrauchten, neuen, wo Uhr geht, ne? Für 500 oder so. Alfons: Ja. Karla: Und vielleicht kann ich den als Speicherplatz benutzen, wie auch immer. Oder ich kaufe mir ganz neuen und dann bei... Jetzt Moment ist das nicht aktuell. Du hast mir nur geholfen, dass ich weiß,

it

wo der Scherz ist.

be

Alfons: Ja.

Karla: Und das weiß ich und das läuft so weit wie vorher. Ich kann

Ar

bloß nicht drucken. Auf Freunde bin ich angewiesen.

Alfons: Du kannst ja mit einer Diskette woanders hingehen. Karla: Ja, zu meinem Nachbarn und zu Kuba, sie sind alle Sankt

In

Georg. Ich hab auch in der Morgenpost gelesen, das kann man übereinstimmen, dass die Mac-Besitzer sehr hilfsbereit zueinander sind.

rla

Alfons: Ja?

Karla: Ja, also im Gegensatz zu PC-Besitzern. Alfons: Und Sankt Georg ist in Mac-Hand?

Ka

Karla: Ja, ich kenne ungefähr, weiß nicht, sechs, sieben Leute in Stadtteil, wo ich jederzeit rein kann, ne? Ne? Zu dir, zum Beispiel, wollte ich auch mal nachmittags, weil ich keinen erreicht habe und du warst nicht da. Und da spreche ich auch nicht drauf, weil das muss dann... Und komischerweise, ich weiß nicht, ich hab noch bei Kaffai nicht probiert, aber ich hab mal probiert, zum Beispiel in Altona ist so ganz beschissen, wenn du vom Mac was ausdrucken willst im Copyshop, da wollen sie 3 Mark die Seite. Alfons: Ach so.

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Karla: Idioten. Da ist auch so ’n Kopieshop bei Jason, wo 50 Pfennig für die Kopie genommen wird. Und dann hatte ich das in Clarisworks und das kann normal jederzeit fast jede große Maschine umformatieren, dann geht das, je? Du kannst das in Simple Text übertragen. Und der Typ sagt, nein, geht nicht. Weißt du so, weil er keine Arbeit sich machen will. Alfons: Ja, ja.

it

Karla: Und dann bin ich...

be

Alfons: Bei Jason?

Karla: Nee, bei Jason, ja, wir wollen mal das Thema auslassen, weil

Ar

äh, ne? Alfons lacht.

Karla: Das zieht auch gar nicht mehr bei mir, weil meine Wut ist Alfons: Schade.

In

abge...

Karla: Ich sehe das jetzt auch alles anders. Dann bin ich gegenüber zu

rla

Kurzfilmagentur und dann haben sie mir das ausgedruckt. Du kannst bei jedem vorbeikommen, ne? Und so. Alfons: Hm.

Ka

Karla: Und bei meinem Nachbarn, wenn er das Programm nicht hat, dann geht das in dem anderen Programm. Das geht auch alles. Muss auch gehen irgendwie. Und Moment hab ich eben die Kohle nicht. Alfons: Ja. Karla: Also für solche Scherze und es muss ein bisschen... Alfons: Bald kommt sie wieder. Piep.

210


Karla: Und dann hab ich gesagt, ja die Heizung geht nicht, ne? Und dann hab ich so gedacht, na ja, wenn ich schon so anrufe, rufe ich denn anderen Klempner auch an. Jason: Ja? Karla: Und das war so ’n Idiot. Na gut, wollte heute, weiß nicht, um 10 wollte er da sein. Ich hab nichts gehört, dass er geklingelt hat. Und ja und dann, kommt er aber gestern, weil er sagte, es geht nicht,

it

schafft er nur am Freitag. Gut. Und gestern klingelt einer um halb 11.

be

Ich sag, Herr Hempel? Und er, nein der Klempner. Ich sag, hä, Sie

wollten doch am Freitag kommen? Und er, nein, ich bin von Herrn Für jeden Pups einen anderen.

Ar

Hempel der Klempner. Okay. Die haben nämlich mehrere Klempner. Jason: Und was macht der jetzt? Heizkörper nicht.

In

Karla: Der hat irgendwas gemacht. Bei Greta im Zimmer ging der Jason: War Luft drin?

rla

Karla: Nee, Luft war auch nicht drin. Hat er alles überprüft. Irgendwie ging dieser Dreher nicht. Jason: Ach so.

Ka

Karla: Hat jemand kaputt gemacht, oder so. Und dann kommt er rein, ich zeige ihm das Rohr im Klo, ne? Jason: Ja.

Karla: Er dann, wie, das soll Heizung sein? Ich sag, Heizung? Ja, gut, kommen Sie mit. Jason: Das Rohr, ist das kaputt im Klo, oder was? Karla: Das ist irgendwie ‘n bisschen undicht. Ich hab mal Drano reingemnacht und das ätzt so, jetzt hat sich wieder zugeätzt, glaube

211


ich, mit dem Dreck. Aber jetzt tropft ’s nicht mehr. Aber immer, wenn ich Drano reinmache, dann tropft ’s. Jason: Mhm. Karla: Ne? Und dann müssen sie eigentlich neue Dichtung, glaube ich, da rein machen. Jason: An der Toilette oder wie? Karla: Ja.

it

Jason: Na lecker.

be

Karla: Ja, wieso? Da hab ich mit nichts zu tun. Das macht der Klempner. Da gehe ich raus.

Ar

Jason lacht: Ja.

Karla: Pass mal auf, aber er kommt, ich zeige ihm den Heizkörper. Er sagt, wie Heizkörper? Sie haben Heizung gesagt. Ich sage, wie

In

Heizung? Ich meine auch Heizung. Und er, ja, aber das ist Heizkörper. Jason: Da war er nicht für zuständig?

Karla: Ja, war er nicht... Und dann sage ich, passen Sie mal auf, hier

rla

ist die Heizung. Wenn ich an dem Rad drehe, dann geht die an, in Allen, nur da nicht. Können Sie nicht mal nachgucken? Weil der andere hat auch gesagt, wenn er kommt, er weiß nicht, ob er alle

Ka

Dichtungen hat. Jason: Aha.

Karla: Dann sagte ich, passen Sie mal auf, dann kommen Sie zeitig, können Sie runter gehen und eine kaufen, bei Wal Markt. Jason: Oder bei Tausend Töpfe. Karla: Ja. Irgendwas, weißt du, das sind Typen, ja? Hat er aber gemacht, hat er aber gemacht. Jetzt, aber der andere ist immer noch nicht gekommen. Ich hab jetzt geschlafen, und die Klingel geht nämlich auch nicht, hier ist jede Sache in dieser Wohnung Schrott.

212


Jason: Alles kaputt. Karla: Alles geht, aber alle Stecker haben eine Macke. Jason: Ach so. Karla: Alle! Vom Fernseher, vom Eingang zum Videorekorder, Computer, diese Heizung, also alle Stecker. Am Telefon. Alle Stecker, das ist wie, weißt du so, hier mit Steckern, das ist schwierig. Karla: Und jetzt habe ich einen neuen Computer.

be

Jason: Wie neuen Computer?

it

Jason: Ah ja.

Karla: Ja, Hannes hat mir einen gegeben. Der lag da bei ihm.

Ar

Heutzutage liegen Computer, weißt du, rum. Jason: ‘N Laptop?

Karla: Genau so einer wie meiner.

In

Jason: Aha.

Karla: Er hat eigentlich auch schon diesen Navigator für Email und ich müsste mir Anschluss holen.

rla

Jason: Ja. Dann hast du noch ’n Stecker, der wackelt dann. Karla: Weiß ich auch nicht, wie ich das machen soll. Ich trau mich nicht, lacht. Ich trau mich nicht. Jedenfalls ist dieser, den du mir da

Ka

repariert hast, voll im Sack. Deswegen kann ich nicht mehr meinen Laptop benutzen, weil mein Stromgerät nicht läuft. Das ist irgendwie glaube ich...

Jason: Das muss man neu löten. Karla: Ich glaube ja. Jedenfalls, das ist das Problem. Muss man neu löten. Alles muss man neu löten. Jason: Du kannst doch löten. Karla: Ja, ja. Ich geh da nicht ran. Ich hab jetzt ein anderes Stromgerät, kann ich immer hin und her gehen.

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Jason: Ach so. Na also. Karla: Ich hab jetzt zwei Computer. Jason: Na toll. Muss man sie noch verbinden miteinander. Karla: Ich weiß nicht, wie das geht. Jason: Ja, mit einem Extrastecker. Karla: Ja, komm jetzt nicht damit! Jason lacht.

it

Karla: Ich muss jetzt zum Arbeitsamt und zur Schufa.

be

Jason: Ja, schön.

Karla: Jetzt darf ich nichts aufs Konto kommen lassen, so lange ich jetzt Schufa-Auskunft. Jason: Mhm.

Ar

Sozialhilfe kriege, ach ich mache ein anderes Konto auf. Ich mache

In

Karla: Ich kriege von der Kulturbehörde vielleicht dieses Plakatgeld. Das kann ich mir als, wie heißt das, als Scheck abholen, dann hole ich das in bar ab. Das Geld.

rla

Jason: Die haben doch ‘ne Kasse da, bei Kulturbehörde. Karla: Aber ich will erstmal Sozialgeld haben. Oh, das wird unangenehm.

Ka

Jason: Das wird hart. Das ist nicht einfach im Moment. Karla: Aber ich bin eine Frau, vielleicht mal besser. Jason: Das interessiert die ‘n Dreck. Karla: Ich hab auch ein Kind zu betreuen. Jason: Ja. Karla: Der Herr Grimm, ich hab ihn auch angerufen, der hat er mich schon nach dir gefragt, na und wenn Sie verreist waren, wo war denn das Kind? Ich sage, beim Vater. Er, ach, haben Sie doch ein bisschen Kontakt? Ich sage, ja, natürlich habe ich ein bisschen Kontakt, ich

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halte das aufrecht. Mann! Hab ich ihm gesagt. Und dann hab ich ihm gesagt, ja, wissen Sie, ich muss sowieso zum Sozialamt. Und er, da ist Herr Buht für sie zuständig, der schärfste Hund der Stadt. Hat er gesagt! Der schärfste. Lacht. Jason: Ja. Karla: Aber der Buht ist gar nicht für mich zuständig. Jason: Ach so.

Jason: Na warte mal. Jason: Ja? Die Schelling? Karla: Ja.

Ar

Karla: Eine Frau ist für mich zuständig.

be

Das heißt, wird nicht so schlimm sein, ja?

it

Karla: Schärfer als Buht geht nicht. Und das war mein Sachbearbeiter.

In

Jason: Schelling? Die ist widerlich. Karla: Woher kennst du die?

Jason: Die hab ich früher mal gehabt.

rla

Karla: Ja, die ist für mich zuständig. Jason: Die ist schlimmer als Buht. Du, die ist widerlich. Karla: Oh Mann.

Ka

Jason: Die hat drei Kinder. Die wohnte in der Nähe von uns, die hab ich da öfter gesehen. Die kenn ich noch von früher. Karla: Na was denkst du denn, wenn man Leben lang drei Kinder hat, der Mann hat sie sitzen lassen. Jason: Weißt du, wo die Schelling war? Als wir in dem anderen Atelier gewohnt haben, da hatte ich dir untervermietet, da haben sie mir alles gecancelt, wegen, wieso können Sie da Frau Krawalska untervermieten, Sie haben doch ein Kind zusammen. Das war Frau Schelling. Lacht. Wenn du dich erinnerst?

215


Karla: Die wird sich erinnern. Jason: Die wird sich nicht erinnern. Du warst ja nie bei ihr. Karla: Ja, am Namen. Die haben nichts Besseres zu tun, als den Namen zu behalten. Jason: Frau Schelling ist ‘ne widerliche Ziege. Und neben ihr ist Herr Werner... Karla: Na gut, dass du mich so nett vorbereitest, nämlich, ich erwarte

Karla: Nur mein Geld will ich haben.

be

Jason: Ja, ja.

it

auch jetzt gar nicht viel, weißt du?

und da will ich hin. Karla: Ja. Ja das ist mir klar.

Ar

Jason: Man muss da nur das im Auge haben, da vorne ist die Kasse

In

Jason: Das muss man im Auge haben. Ich muss jetzt bei der Wohnungsgesellschaft anrufen.

Karla: Ja, warum? Ach so, wegen Räume! Ich rufe jetzt bei Becken an

rla

und ich will einen Termin haben, ich stelle meine Situation dar. Jason: Ja genau. Karla: Tschüss.

Ka

Jason: Tschüss. Piep.

Karla: Ich hab nichts gehört. Meine Klingel hat sowieso so ’n leichten Aussetzer. Der ist zu dumm wahrscheinlich fest zu drücken. Und äh, na, weiß ich nicht, bin um 11, kurz vor 11 aufgewacht. Kosta: Mhm. Karla: Vorher natürlich auch, muss ich immer, ich hab meine Schlafinterruptus hier mit Greta.

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Kosta: Aber du bist wieder ins Bett gegangen nachher, oder? Karla: Ja, ich mache das immer eigentlich. Das war nur... Kosta: Doch in letzter Zeit hast du’s paar Mal nicht gemacht. Karla: Ein Mal, ja. Wo ich Stress habe, dann mache ich das auch nicht. Dann drängt die Zeit. Sag mal, hast du nicht Bock mit mir nach Berlin zu fahren? Nach Lückenwalde? Am Samstag? Da ist eine Ausstellungseröffnung. Ach nee, du hast Besuch! Ah! Ja, das hab ich

it

schon vergessen.

be

Kosta: Ich hab Besuch am Samstag, oder was ist das, äh, fährst du Samstag Abend oder was?

Ar

Karla: Ja, um 17 Uhr müsste man da hin.

Kosta: 17 Uhr fängt das an. Und du, wann fährst du zurück? Karla: Dann fahre ich Abends noch zurück, was denkst du denn? Das

In

ist doch gar kein Problem. Ich hab nicht so Zeit.

Kosta: Das ist schon relativ ein Problem, weil der letzte Zug von Berlin nach Hamburg fährt, glaube ich, um 20 Uhr 30, so.

rla

Karla: Was? Ja, das schaffe ich doch. Ich bin da um 17 Uhr. Und dann muss ich dann zusehen, eben. Kosta: Mhm.

Ka

Karla: Waas? Das ist so dumm. Ja, dann so zur Not müsste ich in Berlin übernachten. Aber das ist auch nicht so ’n Problem. Das würde mir dieses Hotel bezahlen, der Typ. Kosta: Ja und sonst kannst du in Jens’ Wohnung, die haben ja zwei Wohnungen. Karla: Ach. Das mache ich nicht, ich hab auch genug Freunde in Berlin. Kosta: Nein, das ist nur so, du brauchst kein Hotel oder so, denke ich, oder so.

217


Karla: Na ja, ich bin dann in Lückenwalde. Nein, ich fahre um 17 Uhr, bespreche das mit ihm, dann ist die Ausstellungseröffnung um 18 Uhr, um 19 Uhr kann ich wieder weg, nach Berlin, 40 Minuten bin 20 Uhr in Berlin, nehme ich 20:30 den Zug. Kosta: Mhm. Karla: Ach nee. Hab ich nicht so Zeit. Und ja, ich dachte, könnten mal genau vergessen und sofort mich daran erinnert.

be

Kosta lacht: Im selben Moment.

it

zusammen da hinfahren. Aber du hast Besuch. Gut, jetzt hab ich das

Karla: Und so. Na ja.

Ar

Kosta: Ich überleg ’s mir. ‘Ne kleine Chance hat das noch, weil ich find ’s immer witzig durch die Gegend zu fahren und so. Karla: Das ist genau dein Ding.

In

Kosta: Hä?

Karla: Ich dachte, das ist genau dein Ding. Kosta: Lückenwalde?

rla

Karla: Richtig nach Berlin, ja, dann von da noch nach Lückenwalde. Kosta: Und dann wieder zurück zu rasen, irgendwie so. Karla: Nee, man könnte natürlich da, ach nee... in Berlin übernachten,

Ka

aber. Weiß ich nicht. Könnte man dann machen, wenn man zusammen ist. Sonst fahre ich einfach zurück. Kosta: Ich guck mir das nachher noch mal auf dem Plan an, ob das irgendwie Sinn macht. Und ich frag’ diese Ladies mal, wie lange die überhaupt hier sind oder so. Karla: Ja, aber wenn sie nur einen Abend sind. Kosta: Nee, die sind nicht nur einen Abend da. Wie ich das weiß. Ich hab das irgendwie versäumt die zu fragen, wie lange die überhaupt bleiben. Die bleiben sicher übers Wochenende.

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Karla: Ja. Das ist Wochenende. Kosta: Genau, was ist das? Samstag ist der 19., glaube ich. Ich muss mir das erstmal auf ’m Plan angucken, ich hab noch gar keine Peilung, irgendwie. Karla: Nee, ist nicht 19. Kosta: Heute ist der 18. Schon. Karla: Ja.

be

Karla: Donnerstag. Samstag ist der 20.

it

Kosta: Was ist heute?

Kosta: Genau, da kommen die. An meinem Geburtstag. Kosta: Ja.

Ar

Karla: Du hast Geburtstag? Jetzt am Samstag?

Karla: Ja Mensch! Willst du dir nicht zum Geburtstag eine

In

Ausstellung angucken?

Kosta lacht: Eben, das hab ich mir überlegt, dann könnte ich hier abhauen.

rla

Karla: Aber sonst...

Kosta: Weil ich hasse immer so Geburtstag feiern und so ’n Scheiß, das mach’ ich überhaupt nicht gerne.

Ka

Karla: Am 20. Gestern hatte mein Bruder Geburtstag. Jetzt fällt ’s mir ein, wo du das erzählst. Kosta: Stimmt, das hast du auch mal gesagt und dann haben wir rausgefunden, dass wir an ähnlichen Tagen Geburtstag, in ‘ner ähnlichen Zeit Geburtstag haben. Karla: Gestern ist er 28 geworden. Kosta: Wie alt ist der geworden? Karla: 28. Kosta: So jung? Was bin ich für ’n alter Sack.

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Karla: Ja, der ist 10 Jahre jünger mein Bruder, ich hab den doch groß gezogen. Kosta: Das Nesthäkchen, so. Karla: Ja, groß gezogen und dann abgestoßen. Das nimmt der mir übel, der meint, das ist der Grund seiner psychischen Krankheit. Kosta: Aha. Karla: Die er nicht hat.

it

Kosta: Fast alle Männer glauben übrigens, dass der Grund ihrer

be

Krankheiten oder ihres sozialen Verfalls, irgendwie, dass das Frauen sind.

Ar

Karla: Ja, die Mutter. Ja, ich bin ja wie Mutterersatz. Das ist ja... Kosta: Oder die weggelaufene Ehefrau.

Karla: Ja das ist bei Jason der Fall. Beide lachen. Ja, ja. Sie sind sehr

In

lange gebunden, noch länger als die Frauen selbst, weißt du, die gebären und sozusagen dadurch entbinden sie sich selbst. Kosta: Schön gesagt, genau. Durch die Entbindung entbinden sie sich.

rla

Karla: Sie werden erwachsen, wenn sie Mütter werden. Und Männer haben diesen ewigen Babyprozess, das ist, weil Menschen sowieso so lange brauchen, bis sie erwachsen werden, das ist die längste

Ka

überhaupt in der Evolution.

Kosta: Ja eben. Der große Vorteil des Menschen. Karla: Ja, der wird ja nie erwachsen, der Mann. Wenn es schlimm kommt. Kosta: Kann man so sagen, genau. Der bastelt und spielt immer weiter. Karla: Ja, ja. Die gehen immer in die, wie heißt das, da sieht man sie immer in diesen, kleinen Modellbahnläden. Kosta: Uiuiuiui.

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Karla: Da sind sie alle. Kosta: Klasse, du. Karla: Die Typen, ne, die da drin sind? Kosta: Da hab ich mal einen wunderschönen Film gesehen aus Österreich, irgendwie so ’n Abschlussfilm von der Filmschule. Wo sich so acht ältere Säcke irgendwie, die treffen sich da immer in so ’m Keller, so eine riesige Anlage aufgebaut ist, da machen sie richtig

it

Dienst, also die müssen da richtig 3 Stunden lang da arbeiten und

be

Züge hin- und herfahren lassen und so. Und rangieren und so ’n Zeug. Und wenn sie nicht kommen können, müssen sie Strafe zahlen. Und Leben gelebt im Keller. Karla: Mhm.

Ar

so. Und das ist wirklich Wahnsinn, die haben da ‘n total eigenes

In

Kosta: In dieser kleinen, schnuckeligen, nazimäßigen Berglandschaft haben sie dann so die Züge hin und her rangiert und mussten genaue Fahrpläne einhalten und, weißt du, Wahnsinn, Wahnsinn...

rla

Karla: Ja, es gibt doch auch, ich weiß nicht von wem der Film ist, vielleicht von David Lynch oder so ’n ähnlicher amerikanischer Film, das ist so am Highway, irgendwo ’n Typ, son ’n Verrückter, der seine

Ka

Mutter sucht, oder so was, wird da mitgenommen von sonem... Also der ist jedenfalls abgehauen und irgendwie die Mutter hat so ’n anderen Lover, oder das ist sein Vater, weiß nicht, der spielt immer mit der Bahn, hat so ’n richtigen... Der Junge, der schon 20 oder 22, der darf gar nicht damit spielen. Und der haut dann ab und hiket, trampt, fährt Autostop am amerikanischen Highway, da wird der mitgenommen von sonem Lastfahrer, der ihm schon so merkwürdig vorkommt und der Typ dann auf einmal, so sein Hemd aufmacht und zeigt, und lacht dazu so dreckig, hahahaha, da steht tätowiert drauf

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mother. Und der Typ dann wieder mal paranoid abhaut irgendwie, trinkt da in sonem Imbiss am Highway, oh das ist so ’n Horrorfilm, der irgendwie wirklich alle abknallt später. Oder hat er sowieso seine Mutter umgebracht, ich weiß es nicht. Kosta: Mhm. Karla: Und immer dieses Symbol irgendwie, seines Vaters, wird gezeigt, der mit der Bahn immer so, paranoid reinkommt, genau, das

it

ist Michael Cane, nee, ja, glaube ich, spielt, oder nee, der andere, so ’n

be

total bekannter Schauspieler, du kennst den Film nicht, du würdest

mir sagen, was das für einer ist. Der geht dann immer wieder in seiner

Ar

Arbeitshose, der ist Doktor glaube ich, geht er rein, legt er sich hin, auf so ‘ne Liege. Und dann kommt natürlich die Krankenschwester mit roten Handschuhen und klopft ihm erstmal seinen Pop aus. So

In

zum geil werden, oder so. So, weil er böse war. Der kleine Junge. So alles so Symbole, weißt du, so diese, das kennt man alles. Und das hat, weiß nicht, den hab ich gesehen ziemlich früh im Fernsehen, weiß

rla

nicht, wo ich Anfang 20 war. Es hat mich sehr beeindruckt, sehr beeindruckt, der Film. Der ist bekannt der Film, ich weiß nicht von wem. Mother heißt der vielleicht, oder so. Keine Ahnung. Was kratzt

Ka

da so?!

Kosta: Wo?

Karla: Im Telefon! Kosta: In deinem? Karla: Hörst du das nicht? Jetzt ist weg. Kosta: Ach so. Das ist wie ‘n Dampfkochtopf. Karla: Ja. Ja. Ja, warte mal, ja gut. Okay. Also? Kosta: Ich überleg mir das noch kurz, äh, äh, weil ich lieg noch im Bett und lese hier so. Bin noch gar nicht richtig in den Tag

222


reingewurschtelt, guck ’s mal auf dem Plan an. Und eventuell ruf ich die, wie heißt die schon wieder, Susan, noch mal an und frag, wie lang die bleiben und so weiter. Vielleicht verpiss ich mich einfach am Samstag. Karla: Wieso, wenn wir zurückfahren, dann bist du auch schon um 23 Uhr wieder da. Aber dann, ach so. Kosta: Ja, aber wir bleiben doch, das...

it

Karla: In Berlin, ne?

be

Kosta: Ich überleg mir das, he? Und ich ruf dich nachher noch mal an

und sag, ob ’s Sinn macht oder keinen Sinn macht. Aber auf jeden Fall

Ar

willst du am 20., ne? Am... Hallo? Test?

Karla: Ja hallo, ich meine sowieso, am Samstag wollte ich eigentlich mit dir ins Bett gehen. Karla lacht. Telefon knistert.

In

Kosta: Von Freitag auf Samstag wolltest du mit mir ins Bett gehen. Karla: Ja, ich hab mich, glaube ich vertan, was war denn von Freitag auf Samstag? Doch, doch, da geht Greta zu Hannes, stimmt. Stimmt,

rla

stimmt.

Kosta: Freitag auf Samstag, ne? Karla: Ja, ja.

Ka

Kosta: Genau, das hab ich schon richtig mitgescannt, so. Karla: Jaaah.

Kosta: Das ist doch super, dann kommst du mit mir in meinen Geburtstag rein, fantastisch, genial. Karla: Wo feiern wir? Karla lacht: Mmmh, wirst du 41? Kosta: Genau. Karla: Was hast du denn letztes Jahr gemacht? Man feiert doch immer, wenn man 40 wird.

223


Kosta: Hallo? Ich war doch unterwegs mit dieser Theatercrew. Karla: Hast du mit denen gefeiert? Kosta: Sozusagen. Das war irgendwie in Lüdenscheidt, weiß der Geier wo das liegt, ich wusste gar nicht, wo das liegt, bin da einfach mit dem Zug hingefahren. Und hinterher in so, kannst dir vorstellen, in so ’n Kaff, ne Kleinstadt irgendwie so. Und danach irgendwie in so ’ner Bierbrauerei irgendwie.

it

Karla: Hast du Bier ausgegeben?

be

Kosta: Die hieß dann auch Die Brauerei oder so. Und da sind wir

dann rumgehockt und so. Und paar Leute dann, der Cyran der hat ‘n

Ar

Handy gehabt, und paar Leute wussten seine Nummer und haben

angerufen und mir gratuliert, so. Aber es war recht mau, irgendwie so. Aber wie gesagt, ich bin eh nicht der Geburtstagfeierer, ich hab in

In

meinem Leben noch nie wirklich Geburtstag.

Karla: Das ist nicht gut! Du musst deinen Geburtstag feiern! Kosta: Ach, weißt du. Ich drück’ mich davor lieber, irgendwie so.

rla

Karla: Das ist nicht gut!

Kosta: In dem Kulturkreis, aus dem ich komme, feiert man eigentlich keinen Geburtstag. Das kennt man eigentlich dort gar nicht.

Ka

Karla: Das ist schrecklich. Bei meinem Vermieter ist gerade Mittagspause. Kosta: Ja? Karla: Ja. Kosta: Hast du den angerufen da den Typ, den Heini von der Firma Becken? Karla: Ja, ja. Also Chef kriege ich nicht sofort. Frau Preuß erstmal. Kosta: Mhm. Karla: Mal gucken.

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Kosta: Gut. Karla: Ja. Ich muss jetzt zum Arbeitsamt und zur Schufa, Selbstauskunft. Kosta: Oh. Karla: Ja, am Dienstag hab ich beim Sozialamt einen Termin. Kosta: Mhm. Kosta: Echt? Au weia.

be

Karla: Hat Jason gesagt. Jason kennt die.

it

Karla: 12 Uhr 30. Bei Frau Schelling. Das ist die Schärfste.

Kosta: Ja, aber die Schärfste muss nicht unbedingt auf Männer und

Ar

Frauen gleich reagieren und so.

Karla: Ja, das kann sein. Die hat drei Kinder. Vielleicht reagiert sie gut auf mich als Frau. Auf Jason hat sie immer schlecht reagiert. Hat Kosta: Mhm.

In

er mir erzählt. Der kennt sie schon seit Jahren.

Karla lacht: Obwohl ich dachte, ich bin bei Herrn Buht.

rla

Kosta: Herr Butt?

Karla: Nee, Buht, Buht, ich glaube wie der Fisch. Kosta: Ach Butt.

Ka

Karla: Butt. Und. Ach so, andersrum t-h. Und nicht h-t. Kosta: Oder...

Karla: Ach, das weiß ich nicht. Kosta: Egal! Auf jeden Fall ein Fisch, ein Plattfisch. Karla: Denk ich mal. Kosta: Und du dachtest, du wärst bei dem, jetzt bist du bei Frau Schelling? Karla: Ja, weil ich stehe dem Arbeitsamt zur Verfügung, dem freien Arbeitsamt. Äh, Markt. Markt. Ja, ich bin nämlich 38, stehe dem

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Arbeitsmarkt zur Verfügung. Und ich bin nicht gebrechlich. Ich muss mich dann gebrechlich machen lassen, muss zum Arzt dann. Arbeitsunfähig. Kann ich nicht schwere Arbeiten machen. Am besten wäre, wenn ich jetzt schwanger wäre, das wäre das coolste. Ist nix. Kosta: Das ist das coolste? Karla: Ja wieso, dann hätte ich doch einen Grund zu Jammern. Vergeht so schnell.

it

Kosta: Hoho. Stimmt und dann noch Mutterschutz und so weiter.

be

Karla: Ja! Schon sofort, ne?

Kosta: Absolut, sofort Mutterschutz, 10 Jahre lang.

Ar

Karla: Ich gehe sofort zum Gynäkologen, oh mir geht’s so schlecht, uargh uargh. Hab ich zuviel gesoffen, uargh uargh. Oh, können Sie schreiben, oh mein Magen, mein Bauch. Okay.

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Kosta: Okay. Ich ruf dich später noch mal an und überleg mir dieses Lückenwalde Angebot.

Karla: Und dann gehen wir am Freitag ins Kino?

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Kosta: Ja...

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Piep.

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KARLA KRAWALSKA (In Arbeit)