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Der Salzburger Fürsterzbischof Firmian (1727–1744) war ein wissenschaftlich hoch gebildeter und kunstsinniger Mann – allerdings auch verantwortlich für die Vertreibung von 22.000 Protestanten aus Salzburg. Für Salzburg hatte die Ausweisung katastrophale wirtschaftliche Folgen. Nach der Vertreibung der Protestanten teilte Firmian das Salzburger Hoheitsgebiet in vier Missionsgebiete: Augustiner, Kapuziner, Benediktiner und Franziskaner. Um das Ansehen seiner Familie zumindest teilweise zu retten, beauftragte er den schottischen Benediktinermönch Bernhard Stuart mit der Planung des Rokoko-Schlosses Leopoldskron als repräsentativen Familiensitz. Als Firmian 1744 starb, hinterließ er seinem Neffen Laktanz, einem großen Kunstkenner und -sammler, das Schloss. Unter den 570 Gemälden aus Laktanz’ Besitz befanden sich Meisterwerke von Rembrandt, Tizian, Rubens und Poussin. Er selbst verstand sich als Künstler und Mäzen und war einer der ersten Förderer von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit Ende des Erzbistums Salzburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann allerdings der Ausverkauf des Schlosses, nachdem Laktanz’ Sohn ohne jegliches Kunstverständnis Teile der Sammlung seines Vaters nach Leihgaben nicht mehr zurückerhielt. In den Jahrzehnten danach wechselten die Besitzer des Schlosses häufig, wodurch nahezu alle Kunstgegenstände verschwanden. Erst Max Reinhardt gelang es, die verwahrloste Schönheit des Schlosses wieder zum Erblühen zu bringen. Reinhardts „schönste Inszenierung“

Laut Meldeschein zog Max Reinhardt – „geboren am 9. September 1873 in Baden bei Wien […] mosaisch, geschieden“ – am 17. März 1918 nach Leopoldskron bei Salzburg zu. Am 16. April desselben Jahres telegrafierte er an seine Lebensgefährtin und spätere zweite Frau, die Schauspielerin Helene Thimig: „Leopoldvertrag unterzeichnet Gott schenke uns für dieses köstliche Gehäuse die glücklichsten Inhalte“. Übergabe und Übernahme des Besitzes erfolgten laut Kaufvertrag mit 1. Juli 1918. Zwei Jahrzehnte lang war Reinhardt Herr auf Leopoldskron. In diesen 20 Jahren gab er dem Schloss durch einfühlsame Renovierung und Neugestaltung – unter Wahrung des alten Bestandes – seinen früheren Glanz wieder und machte Leopoldskron bald zum internationalen Treffpunkt. Der Elite aus Kultur, Wirtschaft und Politik gereichte es zur besonderen Ehre, bei Max Reinhardt zu Gast zu sein.

Illustre Gesellschaft um Max Reinhardt vor Schloss Leopoldskron (unter ihnen: Lilian Gish, Nino Nino, Fritz von Unruh, Fürst Schwarzenberg, Rudolf Kommer) Foto: Salzburger Festspiele/Karl Ellinger

Das Aufspüren neuer Spielorte ist eines der wesentlichen Merkmale von Max Reinhardts Theaterarbeit. Mit unerschöpflicher Fantasie sah er auf Stadtplätzen und Wiesen, in Kirchen, Hallen und Schlössern ein ungeahntes Reservoir für neue Inszenierungsmög-

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Vorgeschichte

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„Zwei Theaterkritiker stehen zusammen, der eine sagt: ,Einwandfreie Inszenierung vom Reinhardt, alle Achtung, das imposante Schloß, die Lakaien, das Orchester und die 200 bis 300 Schwäne da. Aber ist der Reinhardt jetzt größenwahnsinnig geworden?‘ Sagt der andere: ,Ich kenne den Reinhardt noch aus seinen Anfängen in Berlin. Er hatte nix, eine kleine Mansarde, ein Bett, einen Schrank, einen Tisch, zwei Stühle, 2 oder 3 Schwäne, das war alles!‘“

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Reinhardt hielt sich in der Regel während der Festspielzeit, im Juli und August, in Leopoldskron auf. 1923 schließlich machte er sein Schloss zur Bühne. Aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage war es unmöglich, Festspiele abzuhalten. Um die Kontinuität der noch jungen Institution zu wahren, hatte Reinhardt den rettenden Einfall, Molières Komödie Der eingebildete Kranke mit seinen besten Kräften vor geladenem Publikum in Leopoldskron zu spielen und anschließend einige Vorstellungen im Salzburger Stadttheater zu geben. 1923 tauchte auch erstmals der Plan auf, ein Gartentheater im südlichen Teil des Schlossparks zu errichten. Reinhardt ließ detaillierte Grundrisse für ein derartiges Theater mit terrassenartigen Zuschauerreihen zeichnen. Die tatsächliche Verwirklichung dieser reizvollen Idee erfolgte allerdings erst 1931. Mit der Einstudierung von Shakespeares Komödie Was ihr wollt weihte er am 26. August 1931 sein Gartentheater ein und wollte den Festspielen damit gleichzeitig ein besonderes gesellschaftliches Ereignis und einen glanzvollen Abschluss geben. 250 internationale Gäste waren geladen. Der Theaterzettel kündigte Schauspieler wie Paula Wessely, Alexander Moissi, Helene und Hugo Thimig an. Nur der eigentliche Hauptdarsteller, das Wetter, spielte nicht mit. Dunkle Wolken zogen auf, ein heftiges Gewitter brach mitten in der Vorstellung los, und Publikum und Akteure mussten sich rasch in das schützende Schloss retten, wo das Spiel zu Ende ging. Gerne lud Reinhardt nach einer gelungenen Festspielaufführung zu einem stimmungsvollen Ausklang in sein Schloss. So auch im Sommer 1927, als er für ein „Ensemble-Gastspiel der Berliner und Wiener Reinhardt-Bühnen“ in New York mit Alexander Moissi, Helene, Hermann und Hans Thimig, Hans Moser, Paul Hartmann, Harald Kreutzberg, Dagny Servaes,

Johanna Terwin, Tilly Losch und Lili Darvas Einzel- und Ensembleproben im Schloss ansetzte. Etwa für den Sommernachtstraum, wobei sich der damals 19-jährige Student Herbert von Karajan während der Sommerferien erste Lorbeeren als Korrepetitor verdiente. Bei den Festspielen 1933 kreuzten sich noch einmal die Wege Reinhardts und Karajans, und zwar bei der Faust-Aufführung, bei der der Dirigent die Bühnenmusik in der Walpurgisnacht-Szene leitete. Nach dieser Premiere, bei der Berühmtheiten wie Marlene Dietrich, der Oscar-Preisträger Emil Jannings, Stefan Zweig, Otto Klemperer und Fjodor Schaljapin gesehen wurden, bat Reinhardt abermals zu einem Empfang in sein Schloss. Doch der charismatische Theatermacher und Schlossherr, sein erfolgreiches Festival und die mondänen Gesellschaften auf Leopoldskron riefen auch Neider auf den Plan. „[S]ie hassen ihn, sie hassen ihn drei- und vierfach, als Juden, als Schlossherrn, als Künstler und einsamen Menschen, den sie nicht begreifen“, konstatierte Hugo von Hofmannsthal bereits 1923 in einem Brief an Richard Strauss. Dies lag sicher auch in den schwierigen wirtschaftlichen Gegebenheiten nach dem Ersten Weltkrieg begründet, denn es herrschten Hunger und Inflation. Gegen Kriegsende kam es im September 1918 – einige Monate, nachdem Reinhardt Schloss Leopoldskron erstanden hatte – in der Landeshauptstadt zu Unruhen und Plünderungen durch eine hungrige Volksmenge, zur sogenannten „Hungerdemonstration“ auf dem Mozartplatz. Selbst die erste Aufführung des Jedermann 1920 war von der tristen Wirtschaftslage überschattet: Um eine Genehmigung für die Aufführung auf dem Domplatz zu erhalten, war es Bedingung, die Einnahmen an Kriegerwitwen und -waisen, Heimkehrer und Invalide zu spenden. Die Künstler verzichteten auf ihr Honorar und Hofmannsthal auf seine Tantiemen. „Mangel an Lebensmitteln und Versorgungsgütern beherrschten den Alltag, 1919 und 1922 kam es zum zeitweiligen Einreiseverbot für Touristen. Die breite Bevölkerung war, wohl auch aufgrund dieser Existenzprobleme, dem Tourismus nicht gerade freundlich gesinnt. Die publizistisch geschürte Fremdenfeindlichkeit zeigte im Antisemitismus ihre abstoßende Seite.“ Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Kulturmetropole Salzburg – Der Festspieltourismus der Zwischenkriegszeit, in: Hanns Haas, Weltbühne und Naturkulisse, 1994 Nach Adolf Hitlers Machtergreifung im Deutschen Reich am 30. Jänner 1933 war für den Juden Max Reinhardt die Arbeit in Deutschland verboten. Noch während der Dreharbeiten zum Sommernachtstraum-Film in Hollywood sorgten 1935 in Salzburg Zeitungsmeldungen über angebliche Steuerschulden in Deutschland und über eine eventuelle Zwangsversteigerung von Schloss Leopoldskron für Schlagzeilen. Durch den Verkauf seines Aktienanteils am Theater in der Josefstadt konnte Reinhardt das Ärgste abwenden.

Für die Salzburger Festspiele 1938 hätte der Theatermagier und Schlossherr noch große Pläne gehabt. Doch im März 1938 übernahm Hitler auch in Österreich die Macht. Reinhardt emigrierte endgültig nach Amerika. Schloss Leopoldskron wurde ihm als „volks- und staatsfeindliches Vermögen“ mit Verfügung der Geheimen Staatspolizei – Staatspolizeistelle Salzburg vom 16. April 1938 ohne jede Entschädigung entzogen und für das Land Österreich bzw. in der Folge für den Reichsgau Salzburg in das Grundbuch eingetragen.* „In einem Brief an Helene Thimig schrieb Reinhardt am 22. September 1942: ,Ich habe achtzehn Jahre in Leopoldskron gelebt, wirklich gelebt, und ich habe es lebendig gemacht. Ich habe jedes Zimmer, jeden Tisch, jeden Sessel, jedes Licht, jedes Bild gelebt. Ich habe gebaut, gezeichnet, geschmückt, gepflanzt und geträumt davon, wenn ich nicht da war. Ich habe es geliebt im Winter und im Sommer, im Frühjahr und im Herbst, allein und mit vielen. Ich habe es immer feiertäglich geliebt; nie als etwas Alltägliches. Es waren meine schönsten, reichsten und reifsten Jahre und sie trugen Deinen Namen. Es war eines der schönsten, lebendigsten Gehäuse der Welt. Es war nur

ein Gehäuse. Ich habe es verloren, ohne zu jammern. Ich habe alles verloren, was ich hineingetragen habe. Es war der Ertrag meiner Lebensarbeit.‘“ Zit. nach: Gisela Prossnitz, Max Reinhardt – Der große Theatermann und Schloßherr, in: Schloß Leopoldskron, 1994

Gisela Prossnitz/Margarethe Lasinger

* Heute steht Schloss Leopoldskron im Besitz der amerikanischen Institution Salzburg Global Seminar. Das Schloss wird für Bildungsveranstaltungen und private Events genutzt. In den Gästezimmern, die zur Vermietung kommen, kann man die Atmosphäre vergangener Zeiten erspüren. Seit 2007 bespielen auch die Salzburger Festspiele Garten und Säle des Schlosses wieder. Und die Dichter zu Gast residieren in den ehemaligen Gemächern von Max Reinhardt.

Max Reinhardt in der Bibliothek des Schlosses Leopoldskron, um 1930 Foto: Salzburger Festspiele/Karl Ellinger

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lichkeiten. Reinhardts schöpferische Intuition beschränkte sich jedoch nicht nur auf seine Theaterarbeit. Mit derselben Hingabe beschäftigte er sich auch mit der Ausgestaltung seiner Wohnungen und Häuser. Mit seinem absoluten Sinn für Proportionen, Formen und Farben baute er Leopoldskron jahrelang um, richtete es ein und schuf damit seine vielleicht „schönste Inszenierung“ – wobei sich darin beispielhaft seine Vorliebe für die Commedia dell’arte und andere Formen volkstümlicher Schaustellung ebenso wie für barocke Festdekorationen spiegelte. Über Reinhardts Künstlerfreund Egon Friedell ist folgender Scherz überliefert:

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Salzburg’s Prince-Archbishop Firmian (1727–1744) was a highly educated and arts-loving man – but also responsible for the expulsion of 22,000 Protestants from Salzburg. For Salzburg, this expulsion had catastrophic economic consequences. After the Protestants had been banished, Firmian divided Salzburg’s territory into four missionary areas among the Augustinians, Capuchins, Benedictines and Franciscans. In order to restore his family’s honour, at least partially, he commissioned the Scottish Benedictine friar Bernhard Stuart to design the rococo palace Leopoldskron as a representative ancestral home. When Firmian died in 1744, he left the palace to his nephew Laktanz, a great connoisseur and collector of art. Among the 570 paintings from Laktanz’ holdings were masterworks by Rembrandt, Titian, Rubens and Poussin. He saw himself as an artist and patron of the arts, and was one of the earliest supporters of Wolfgang Amadeus Mozart. When the Archbishopric of Salzburg was dissolved early in the 19 th century, the palace began to be sold out, as Laktanz’ son, who lacked all appreciation of art, failed to get parts of his father’s collection back after lending them out. During the following decades, the owners of the palace changed frequently, which led to the disappearance of nearly all the art objects. It was not until Max Reinhardt’s ownership that the neglected beauty of the palace blossomed once again.

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Reinhardt’s “most beautiful production”

According to his registration card, Max Reinhardt – “born on September 9, 1873 in Baden near Vienna […] Mosaic, divorced” – moved to Leopoldskron near Salzburg on March 17, 1918. On April 16 of the same year, he sent a telegram to his partner and later wife, the actress Helene Thimig: “Leopold contract signed – May God grant us the happiest contents for this delicious shell”. According to the purchase contract, the property was handed over on July 1, 1918. For two decades, Reinhardt was the master of Leopoldskron. During these 20 years, he restored the palace to its former glory through sensitive renovations and redesigning – while maintaining its old substance – quickly turning Leopoldskron into an international meeting-place. For the elites of culture, business and politics, it was a special honour to be invited as Max Reinhardt’s guest. Finding new performance venues was one of the most essential marks of Max Reinhardt’s work in the theatre. His endless imagination saw untapped reservoirs of new possible productions

in city squares and meadows, in churches, halls and palaces. However, Reinhardt’s creative intuition was not limited to his theatrical work. He applied the same passionate attention to his apartments and residences. With his absolute sense of proportion, form and colour, he spent years rebuilding Leopoldskron, furnishing it and thus creating what was perhaps his “most beautiful production” – the result reflected his love of Commedia dell’arte and other forms of folkloristic performance as well as baroque festive decorations. Reinhardt’s artist friend Egon Friedell reported the following joke: “Two theatre critics meet, and one of them says: ‘Great production by Reinhardt, really impressive, the monumental palace, the servants, the orchestra and the 200 to 300 swans. But it makes me wonder: has Reinhardt become megalomaniac?’ Says the other, ‘I knew Reinhardt when he was a nobody in Berlin. He had nothing, a small garret, a bed, a table, two chairs, two or three swans, and that was it!’”

Normally, Reinhardt lived at Leopoldskron during the Festival season, in July and August. In 1923, he finally turned his palace into a stage. Because of the difficult economic situation, it was impossible to hold the Festival. In order to maintain the continuity of the institution during its earliest years, Reinhardt had the brilliant idea of performing Molière’s comedy The Imaginary Invalid with his best actors for an invited audience at Leopoldskron, followed by a few performances at Salzburg’s Municipal Theatre. In 1923 he also had the first idea for a garden theatre in the southern part of the palace gardens. Reinhardt had detailed plans drawn up for such a theatre, with terraced rows for the audience. However, this charming idea was not implemented until 1931. He inaugurated his garden theatre with a production of Shakespeare’s Twelfth Night on August 26, 1931 – attempting to give the Festival a special social event and a brilliant finale at the same time. 250 international guests were invited. The programme bill announced actors such as Paula Wessely, Alexander Moissi, Helene and Hugo Thimig. Only the actual main attraction, the weather, did not cooperate. Dark clouds appeared, a ferocious storm broke out in the middle of the performance, and both the audience and actors had to take shelter inside the palace, where the play continued to its end. Reinhardt loved hosting stylish parties after successful Festival performances. For example in the summer of 1927, when he scheduled individual and ensemble rehearsals at the palace for an “Ensemble Guest Performance of the Reinhardt Companies

in Berlin and Vienna” in New York, featuring Alexander Moissi, Helene, Hermann and Hans Thimig, Hans Moser, Paul Hartmann, Harald Kreutzberg, Dagny Servaes, Johanna Terwin, Tilly Losch and Lili Darvas. For example for A Midsummer Night’s Dream, during which the then 19-year-old student Herbert von Karajan was noticed for the first time as répétiteur during his summer vacation. Reinhardt and Karajan crossed paths again during the 1933 Festival, when Karajan conducted the stage music for the Walpurgis Night scene in the Faust production. After this premiere, at which stars like Marlene Dietrich, Oscar winner Emil Jannings, Stefan Zweig, Otto Klemperer and Feodor Chaliapin were spotted, Reinhardt once again held a reception at his palace. However, the charismatic theatre impresario and palace owner, his successful festival and the sumptuous parties at Leopoldskron also caused jealousy. “They hate him, they hate him three and four times over, as a Jew, as the palace owner, as an artist and lonely man whom they cannot understand,” Hugo von Hofmannsthal wrote in a letter to Richard Strauss as early as 1923. This was certainly due to the difficult economic circumstances after World War I, when hunger and inflation were rampant. Towards the end of the war, in September 1918 – a few months after Reinhardt had bought Leopoldskron Palace – the state capital witnessed disturbances and looting by a hungry mob, the so-called hunger demonstration on Mozart Square. Even the first performance of Jedermann in 1920 was overshadowed by the depressed economic situation: in order to receive permission to perform on Cathedral Square, it was necessary to donate the proceeds to war widows and orphans, repatriates and invalids. The artists performed without fees and Hofmannsthal waived his royalties. “Daily life was dominated by a lack of food and supplies; in 1919 and 1922 there were temporary bans on tourists entering the city. Presumably due to these existential problems, the general population was not favourably inclined towards tourists. This xenophobia, encouraged by the press, showed its disgusting face in anti-Semitism.” Ulrike Kammerhofer-Aggermann, Kulturmetropole Salzburg – Der Festspieltourismus der Zwischenkriegszeit, in: Hanns Haas, Weltbühne und Naturkulisse, 1994 After Adolf Hitler seized power in the German Reich on January 30, 1933, the Jew Max Reinhardt was banned from working in Germany. Even during the shooting of the Midsummer Night’s Dream movie in Hollywood in 1935, there was a scandal in

Salzburg due to his supposed tax delinquencies in Germany and a possible foreclosure auction of the Leopoldskron Palace. Reinhardt was able to prevent the worst by selling his share of stock in the Theater in der Josefstadt. The theatre magician and palace owner had grand plans for the 1938 Salzburg Festival. However, in March of 1938 Hitler also came to power in Austria. Reinhardt emigrated to America for good. The Leopoldskron Palace was seized through an edict of the Secret State Police dated April 16, 1938 as “assets of an enemy of the people and state” without any remuneration; subsequently it was entered in the land register as property of the State of Austria and later of the District of Salzburg.* “In a letter to Helene Thimig, Reinhardt wrote on September 22, 1942: ‘I lived in Leopoldskron for eighteen years, really lived there, and I made it come alive. I lived every room, every table, every armchair, every light and every painting. I built, sketched, decorated, planted and dreamed of it when I was absent. I loved it in winter and in summer, in the spring and the fall, by myself and together with many others. I always loved it as a holiday; never as something quotidian. They were my most beautiful, my richest and my most mature years, and they bore your name. It was one of the most beautiful, vivacious shells of the world. It was only a shell. I lost it without complaining. I lost everything I brought into it. It was the harvest of my life’s work.’” Quoted from: Gisela Prossnitz, Max Reinhardt – Der große Theatermann und Schloßherr, in: Schloß Leopoldskron, 1994

Gisela Prossnitz/Margarethe Lasinger Translated by Alexa Nieschlag

*Today the Leopoldskron Palace is owned by the American institution Salzburg Global Seminar. It is used for educational seminars and private events. In those guest rooms that are rented out one can sense the atmosphere of times past. Since 2007, the Salzburg Festival has used the garden and halls of the palace again. Its Poets in Residence stay in Max Reinhardt’s private rooms.

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