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Saisonchronik 2014/15


SAISON 2014/2015

VORWORT

In der Vorsaison war ein optimistisch stimmender neunter Platz erreicht worden. Allerdings waren dafür nur 44 Punkte nötig gewesen, unterlegt von einem Torverhältnis von 72:70 – was auf exzellente Offensivqualität, aber weniger ausgefeilte Defensivverhältnisse schließen ließ. Um insgesamt mehr Ausgewogenheit zu erreichen, ohne deshalb an Angriffskraft nachzulassen, wurden für die Spielzeit 2014/2015 einige Neuverpflichtungen vorgenommen. Diese siebte Saison Hoffenheims in der obersten deutschen Spielklasse stand denn auch unter dem Zeichen von mehr Spielkontrolle und mehr Ballbesitz, um durch weniger spektakuläre Spiele und höhere Effizienz mehr Punkte einzufahren. Schien der Plan in der Hinrunde noch aufzugehen, knickte die Leistungskurve der Mannschaft in der Rückrunde merklich ab, führte aber immerhin auf Platz 8 der Abschlusstabelle, wieder mit 44 Punkten, aber einem schlechteren Torverhältnis als in der Vorsaison. Vor allem die Offensive, eigentlich das Glanzstück der TSG, konnte nicht mehr an die Leistung der Vorsaison anknüpfen.

IMPRESSUM Herausgeber TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH Dietmar-Hopp-Sportpark Horrenberger Straße 58 74939 Zuzenhausen Tel. 07261-9493-0 Fax 07261-9493-102 E-Mail: info@achtzehn99.de www.achtzehn99.de Autor Alexander H. Gusovius Layout, Satz, Gestaltung gestaltungsWerk, Georg Luippold Druck abcdruck, Heidelberg Fotos Uwe Grün (alle Heimspiele und VfB Stuttgart - TSG 1899 Hoffenheim) dpa Picture-Alliance GmbH (alle anderen Auswärtsspiele)

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Folgende Zugänge konnte die TSG bis zum Transferschluss des Sommers 2014 verzeichnen: Nadiem Amiri (TSG-Jugend), Oliver Baumann (SC Freiburg), Ermin Bicakcic (Eintracht Braunschweig), Janik Haberer (SpVgg Unterhaching), Jin-Su Kim (Albirex Niigata), Marvin Schwäbe (TSG-Jugend), Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt), Adam Szalai (Schalke 04) und Steven Zuber (ZSKA Moskau). Und folgende Spieler verließen die TSG, teils für immer, teils zur Ausleihe: Acquah (Parma), Advincula (Lima), Braafheid (Lazio Rom), Derdiyok (Kasimpasa), Gregoritsch (Bochum), Grifo (FSV Frankfurt), Gyau (Dortmund), Johnson (Gladbach), Joselu (Hannover), Karaman (Hannover), Ludwig (Aalen), Malbasic (Danzig), Musona (Ostende), Nazario (Danzig), Paterok (Worms), Szarka (Cottbus), Thesker (Hannover), Vukcevic (vereinslos), Weis (Bochum), Wieser (Aarau). Im Winter wurden abgegeben: Casteels (Wolfsburg/ von dort Ausleihe Bremen), Hamad (Lüttich) und Vestergaard (Bremen).

Egal wie glücklich oder unglücklich manche Partie in dieser Saison ausging, egal wie erfolgreich oder manchmal auch weniger erfolgreich die Mannschaft war – sie ließ sich niemals hängen. Ihr Kampfgeist übertrug sich darum auch auf die Fans, die voll und ganz hinter der Mannschaft standen und darum mehr als bereit waren, den begonnenen, notwendigen Umbruch in der Spielkultur und Spielphilosophie weit über die Saison hinaus zu unterstützen. Vielleicht war die Saison 2014/2015 ein bisschen so etwas wie das „verflixte siebte Jahr“, aus dem der gesamte Verein jedoch nochmals gestärkt hervorging. Ich wünsche allen Fans und Freunden von 1899 Hoffenheim viel Freude beim Nacherleben dieser etwas wechselhaften, immer spannenden und von großen Ereignissen begleiteten Saison!

Alexander H. Gusovius

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saison 2014/15

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0:9 DFB-Pokal, 1. Hauptrunde » 17. August 2014

USC Paloma Hamburg – TSg 1899 Hoffenheim

Die Konstellation und das Endergebnis waren dieselben wie vor einem Jahr. Hoffenheim trat im hohen Norden an und siegte mit neun zu null Toren: 2013 in Bremen gegen Aumund-Vegesack, diesmal gegen den USC Paloma aus Hamburg. Nach dem immer noch schmerzhaften Erstrunden-Aus gegen den Berliner AK im Jahr 2012 ließ sich die Mannschaft nicht dazu verführen, dem Charme der Gastgeber samt Shanty-Chorgesang und Tauben-Freilassung zu erliegen oder wegen der Fünftklassigkeit des Gegners nur mit halbem Elan an die Arbeit zu gehen. Andere Erstligisten tappten an diesem Wochenende in die „Pokalfalle“ und schieden aus: Paderborn, Mainz, Schalke und Augsburg. Hoffenheim dagegen war von der ersten Minute an konzentriert und hatte die „Palomaten“ jederzeit unter Kontrolle. Selten, dass der Gegner einmal über die Mittellinie kam, die TSG spielte Pressing wie in Erstligapartien. Der Lohn ließ nicht lang auf sich warten. Elyounoussi, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterlassen hatte, ging in der 9. Minute steil und erzielte das 0:1. Vorlagengeber war Schipplock, der für Firmino in die Mannschaft gerutscht war, dessen Halswirbelstauchung vom Saisoneröffnungsspiel gegen Genua noch nicht ausgeheilt war. Ebenfalls verletzt mussten Salihovic und Beck aussetzen, für den Strobl rechts hinten auflief. In der 17. Minute traf Innenverteidiger Bicakcic zum ersten Mal für seinen neuen Verein, den vorausgegangenen Eckball hatte Schwegler getreten, der bei seinem Pflichtspieldebüt später leicht angeschlagen gegen Rudy ausgewechselt wurde. Dann kam die große Zeit von Schipplock, der eigentlich jede der sich ihm bietenden Chancen, ein Tor zu erzielen, nutzte. Dreimal nacheinander, in der 18., 28. und 33. Minute, versenkte er den Ball in den Maschen, vor-​ gelegt von Szalai, Elyounoussi und wieder Szalai.

Nachdem so ein lupenreiner Hattrick aufgelegt war, ließ Schipplock in der 34. Minute Szalai zum 0:6 den Vortritt, ehe er in der 45. Minute erneut zuschlug. Beim Pausenstand von 0:7 zweifelte niemand mehr daran, dass die Partie entschieden war. Nach dem Wiederanpfiff schaltete die Mannschaft dann auch einen Gang zurück, ohne dazu vom Trainer, der Geburtstag hatte, beauftragt zu sein – doch angesichts der klaren Führung wollte sich vor dem Ligastart in einer Woche niemand mehr völlig verausgaben oder verletzen. Nur einer war nicht zu bremsen und erhöhte in der 54. Minute mit dem Kopf – zuvor hatte er alle Tore mit einem Rechtsschuss erzielt – auf 0:8: Schipplock. Als er knapp zehn Minuten darauf gegen Modeste ausgewechselt wurde, kommentierte der Stadionsprecher das mit den Worten: „Gott sei Dank ist er raus…“ In der 70. Minute durfte dann auch Steven Zuber für Volland auflaufen, der wenig Akzente hatte setzen können. Zuber war erst drei Tage zuvor von ZSKA Moskau in den Kraichgau gekommen, nachdem seine Verpflichtung ein Jahr zuvor noch gescheitert war. Dafür, dass er erst einmal mit der Mannschaft trainiert hatte, passte er sich gut ein. Bis zur 90. Minute, in der Modeste den Endstand von 0:9 herstellte, geschah ansonsten nicht mehr viel. Hoffenheim war fast pausenlos in der Vorwärtsbegegnung und ließ manche gute Chance liegen, während Paloma zum ersten ernsthaften Torschuss der Gastgeber ansetzte, der aber neben das Tor ging. Baumann, die neue Nummer 1 im Gehäuse der TSG, hatte an diesem Nachmittag nicht viel zu tun. Sein Kommentar nach dem Spiel: „Wir sind die Begegnung wie ein Bundesligaspiel angegangen. Das ist wichtig und zeigt den Charakter der Mannschaft.“ Sven Schipplock sagte nach seinen fünf Toren: „Für uns ging es darum, weiterzukommen. Von daher gab es keine Gnade.“

USC PALOMA HAMBURG Jonas, Kramer, Brückner, Drews, Krause, Wegner, Gersch (60. Depers), Lohfeldt, Hindersmann, Schiemann (60. Smith), Galica (46. Graf ) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Strobl, Süle, Bicakcic, Kim, Polanski, Schwegler (39. Rudy), Volland (70. Zuber), Elyounoussi, Szalai, Schipplock (63. Modeste) ZUSCHAUER 4.750 (ausverkauft) TORE 0:1 Elyounoussi (9.) 0:2 Bicakcic (17.) 0:3 Schipplock (18.) 0:4 Schipplock (28.) 0:5 Schipplock (33.) 0:6 Szalai (34.) 0:7 Schipplock (45.) 0:8 Schipplock (54.) 0:9 Modeste (90.) SCHIEDSRICHTER Sören Storks (Velen) GELBE KARTEN Kramer, Drews Elyounoussi

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2:0 1. Spieltag » 23. August 2014

TSG 1899 Hoffenheim – FC Augsburg

Trainer Markus Gisdol wäre es lieber gewesen, wenn Augsburg eine Woche zuvor nicht aus dem Pokal ausgeschieden wäre. Wie die Dinge jedoch lagen, erwartete er einen umso giftigeren Antritt der Fuggerstädter – was angesichts der ohnedies körperbetonten, harten Spielweise von Augsburg keine geringe Sorge war. Tatsächlich standen die gegnerischen Spieler den Hoffenheimer Kollegen über 90 Minuten förmlich auf den Füßen. Die Laufarbeit, die dafür nötig war, absolvierten die Augsburger mit Bravour und ließen Hoffenheim dadurch wenig Raum zur Entfaltung. Dass das erste Ligaspiel der TSG in der Folge vergleichsweise wenig Spektakel bot, lag aber nicht nur daran: Markus Gisdol hatte seiner Mannschaft auch ein ausgewogeneres taktisches Konzept verordnet. Die Marschrichtung lautete, hinten sicherer zu stehen, ohne nach vorn an Gefährlichkeit einzubüßen. Dafür waren einige neue Spieler an Bord genommen worden, die mit ihrer Erfahrung bei der Umsetzung hilfreich sein sollten. Schwegler fehlte einstweilen noch leicht angeschlagen, doch Baumann im Tor, Bicakcic und Süle in der Innenverteidigung sowie Szalai im Sturm leisteten hervorragende Arbeit. Auf der Doppelsechs waren wie in der letzten Saison Rudy und Polanski aufgeboten, Letzterer hatte noch am Vormittag seinen Vertrag mit der TSG vorzeitig um zwei Jahre bis 2017 verlängert. In der Defensive gefielen außerdem Beck und Kim, während der Sturm neben Szalai aus Firmino, Volland und Elyounoussi bestand. Der Norweger wurde zu einem der auffälligsten Spieler der Partie und war viel unterwegs, stets gefährlich und für den Gegner nur sehr schwer auszurechnen. »

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Glücklicherweise kam es nicht zur befürchteten, extrem harten Gangart von Augsburg. Die Gäste blieben bei ihrem körperbetonten Spiel alles in allem fair, und so scheute sich Hoffenheim nicht, in die Zweikämpfe zu gehen. Die knapp 24.000 Zuschauer in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena erlebten in der ersten halben Stunde zunächst viele enge Mittelfeldduelle, die ganz großen Strafraumszenen blieben aus. Dazu kam es erst in der 33. Minute, als nach zwei Eckbällen für die TSG Getümmel vor dem Augsburger Tor entstand, das Szalai eiskalt nutzte und aus sechs Metern zum 1:0 einschoss. Nur 90 Sekunden später stand es 2:0 – Hoffenheim hatte seine bislang kontrolliert vorgetragene Offensivpower von der Leine gelassen und nach dem Wiederanstoß schnell den Ball erobert, den Firmino in sehenswertem Lauf über die linke Seite mitnahm und noch sehenswerter mit dem Außenrist im genau richtigen Moment nach innen abgab, auf den mitgelaufenen Elyounoussi, der ungefähr vom Elfmeterpunkt aus unhaltbar scharf ins Tor schoss. Der Schock über diesen Doppelschlag saß bei den Augsburgern tief, bis zum Ende der ersten Halbzeit erholten sie sich davon nicht mehr. Doch auch in der zweiten Halbzeit blieben alle Versuche, die TSG offensiv unter Druck zu setzen, in den Anfängen stecken. Bemerkenswert souverän spulte Hoffenheim das verordnete neue Konzept ab, defensiv sicher zu stehen, ohne nach vorn harmlos zu sein – was zwar zu weniger Konterchancen führte, als man es von der letzten Saison gewohnt war, aber den Vorzug hatte, dass der erste Saisonsieg nie in Gefahr kam. Einmal nur, in der 80. Minute, musste Baumann ernsthaft eingreifen, als er einen von Parker verlängerten Freistoß durch Feulner mit einer Glanzparade aus der Ecke fischte.

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Die Einwechslungen auf beiden Seiten vermochten am Verlauf der Partie nichts mehr zu ändern. Schipplock und Modeste gingen leer aus, Augsburg kam nicht noch einmal gefährlich vors Tor. Hoffenheim verließ als verdienter Sieger den Platz. Markus Gisdol fasste die von ihm genau so gewollten Ereignisse danach zusammen: „Die Balance war sehr gut. Wir haben defensiv gut gestanden und fast nichts zugelassen. Wenn du das erste Spiel mit 2:0 gewinnst, bist du froh.“

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Süle, Bicakcic, Kim, Polanski, Rudy, Volland (90. Strobl), Firmino (67. Schipplock), Elyounoussi, Szalai (79. Modeste) FC AUGSBURG Hitz, Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Baba, Baier, Feulner, Caiuby (55. S. Parker), Altintop (71. Djurdjic), Werner, Matavz (83. Mölders) Zuschauer 23.792 Tore 1:0 Szalai (33.) 2:0 Elyounoussi (35.) schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg) gelbe karten Volland, Polanski Callsen-Bracker, Baier, Werner

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1:1 2. Spieltag » 30. August 2014

Werder Bremen – TSG 1899 Hoffenheim

Vor der Partie in Bremen zeichneten sich die letzten Details der Transferperiode ab: Nazario ging leihweise für ein Jahr nach Danzig, zusammen mit Malbasic, Tobi Weis wurde für ein Jahr nach Bochum verliehen. Hoffenheim musste an diesem Samstagnachmittag weiter auf Schwegler verzichten und auch auf Kim, der sich im ersten Saisonspiel an der Schulter verletzt hatte. Szalai dagegen war wieder fit, während Volland wegen starker Rückenschmerzen nur mithilfe von Spritzen auflaufen konnte.

Nach einem einzigen Sieg der TSG über Bremen in zwölf Liga-Partien war eine gewisse Skepsis angebracht. Danach sah es allerdings in der ersten Halbzeit nicht aus – Hoffenheim übernahm wie gegen Augsburg eine Woche zuvor das Zepter und wehrte nahezu jeden Versuch von Werder, konstruktiv anzugreifen, erfolgreich ab. Umgekehrt konnte Hoffenheim etwa ab der 10. Minute mit immer besseren Offensivaktionen zunehmend Druck aufbauen, der in der 19. Minute zu einer sehenswerten Aktion führte. Rudy sah, dass Firmino sich auf der linken Seite hinter der Bremer

Abwehr freilief, und spielte einen Traumpass über 30 Meter halbhoch in den Strafraum, wo Firmino den Ball noch in der Luft annahm, am herausstürzenden Bremer Torhüter Wolf vorbeispitzelte und zum 1:0 einschob. Hoffenheim marschierte weiter gelassen und abgeklärt nach vorn und parierte souverän alle Bremer Versuche, vor Baumanns Kasten zu kommen. Werder tat sich darum schwer, Tempo aufzunehmen, so eng wurden die Spieler zugelaufen und gedeckt. Leider zahlte sich die technische und taktische Überlegenheit nicht aus, so dass es nur mit 0:1 in die Pause ging. Im Anschluss kam Abraham für den angeschlagenen Strobl, der bis dahin rechts außen verteidigt hatte, während Beck links außen Kim vertrat. Ansonsten schien die Partie so weiterzugehen wie vor dem Halbzeitpfiff: Hoffenheim spielte gefällig, wenn auch ohne offensiven Nachdruck, Bremen versuchte ins Spiel zu finden, blieb jedoch in den Ansätzen stecken. Immerhin kam es nach einer Umstellung von Trainer Dutt jetzt zu einem zahlenmäßigen Bremer Übergewicht im Mittelfeld, das einstweilen noch keine Folgen nach sich zog. In der 53. Minute hatte Süle nach einem Eckball von Rudy das 0:2 auf dem Kopf. Unbedrängt stieg er am langen Pfosten auf und nickte den Ball gegen die Laufrichtung von Wolf wuchtig nach unten Richtung langes Eck – aber der Plan war zu gut ausgeführt, der Ball zog am Tor vorbei. Diese Szene und zwei, drei TSG-Konter zwischen der 50. und 60. Minute, bei denen der Ball im Bremer Mittelfeld viel zu schnell verloren ging, wurden zum Dreh- und Angelpunkt der Partie. In dieser Periode baute sich Bremen innerlich und äußerlich auf und hatte fortan das Sagen.

Den Auftakt dazu bildete in der 60. Minute der Ausgleichstreffer durch Neuzugang Gálvez, der nach einem Ausrutscher von Elyounoussi ein paar Meter frei durch den Hoffenheimer Strafraum gehen konnte und dann unhaltbar ins Tor schoss. Die knapp 40.000 Zuschauer im Weserstadion trieben ihre Mannschaft daraufhin stürmisch voran und wurden zur ligaweit gefürchteten Heimkulisse. Die TSG geriet in dieser Periode völlig aus dem Konzept und ließ Bremen alle paar Minuten zu Großchancen kommen. Erst vergab Gálvez in der 69. Minute per Kopf, dann Petersen in der 79., indem er knapp an einer Hereingabe vorbeirutschte, und noch einmal in der 86., als er nur den Pfosten traf. Dazwischen lagen noch etliche Halbchancen, eine auch für Hoffenheim, doch mit viel Glück fiel in Bremen kein weiteres Tor. Aufgrund der beiden völlig verschiedenen Halbzeiten war das Remis ein gerechtes Ergebnis. Oliver Baumann lag mit seiner Einschätzung kurz nach dem Spiel sicher richtig: „Am Ende können wir mit diesem Punkt gut leben. Ich denke, das Ergebnis geht so auch in Ordnung. Den einen oder anderen Konter hätten wir vor der Pause besser zu Ende spielen können, dann hätten wir vielleicht gar nicht mehr so um den Punkt zittern müssen.“

WERDER BREMEN Wolf, Fritz, Prödl, Lukimya, Garcia, Galvez, Junuzovic, Hajrovic (61. Bartels), Elia, di Santo, Selke (66. Petersen) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Strobl (46. Abraham), Süle, Bicakcic, Beck, Polanski, Rudy (84. Vestergaard), Volland, Firmino, Elyounoussi (73. Salihovic), Szalai ZUSCHAUER 38.900 TORE 0:1 Firmino (19.) 1:1 Galvez (59.) SCHIEDSRICHTER Robert Hartmann (Wangen) GELBE KARTEN Selke, Junuzovic, Galvez

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1:1 3. Spieltag » 13. September 2014

TSG 1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg

Nachdem Schipplock in Bremen nicht zum Einsatz gekommen war, hatte er tags darauf für einen Einsatz in der U-23 gesorgt, um sich vielleicht dadurch für die Startelf zu empfehlen. Trainer Gisdol hielt gegen Wolfsburg jedoch eine andere Lösung parat, mit der er auf die noch nicht ganz auskurierten Rückenbeschwerden von Volland reagierte: Doppelspitze mit Szalai und Modeste. Da Kim inzwischen mit Südkorea zu den Asienspielen gereist war, trat Beck wieder hinten links an, Strobl rechts, Rudy und Polanski gaben die Doppelsechs, Firmino und Salihovic sollten das Spiel offensiv gestalten. In den ersten 20 Minuten ließ sich das auch gut an, Hoffenheim war eindeutig überlegen und kam in der 6. und 7. Minute durch Szalai und Salihovic zu ersten Chancen. Durch engagiertes Pressing blieb die TSG bis etwa zur 25. Minute spielbestimmend, während Wolfsburg vergeblich nach der „höheren Ballsicherheit“ suchte, die Trainer Hecking den Wölfen vor dem Spiel verordnet hatte. Um sich jedoch nicht noch einmal zu früh zu sehr zu verausgaben wie eine Woche zuvor in Bremen, nahm Hoffenheim ab Mitte der ersten Halbzeit etwas Druck aus den eigenen Aktionen. Wolfsburg nutzte die dadurch entstehenden Räume immer geschickter und übernahm allmählich die Partie – ohne wirklich gefährlich vor Baumanns Kasten zu kommen.

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Nach der Pause ersetzte Elyounoussi den angeschlagenen Salihovic und brachte damit mehr Schwung in die Hoffenheimer Offensive, die auch von erneutem schärferem Pressing profitierte. In der 51. Minute hätte Firmino nach Eckball durch Rudy beinahe das 1:0 erzielt, aber ein Wolfsburger Verteidiger rettete für den schon geschlagenen Benaglio auf der Linie. Die zurückgekehrte Frische sorgte dennoch bald für die Führung. Beck hatte in der 55. Minute zu einem Schuss von der Strafraumkante angesetzt, der abgefälscht wurde und sich zu einer Bogenlampe entwickelte – Modeste schaltete gedankenschnell, sprintete in den leeren Raum vor Benaglio und bugsierte den Ball an ihm vorbei in die Maschen. Weitere zehn Minuten drängte Hoffenheim nun mit Macht nach vorn, dann wurde wie in der ersten Halbzeit allmählich der Fuß vom Gaspedal genommen und das Spielgeschehen mehr und mehr Wolfsburg überlassen, mit der Folge, dass die Wölfe zunehmend Torchancen bekamen. In der 65. Minute verzog De Bruyne aus 14 Metern frei übers Tor, kurz darauf wurde Volland für Modeste eingewechselt, konnte aber sichtbar immer noch nicht ganz frei aufspielen. »

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Zwanzig Minuten lang schaffte es die TSG noch, die Partie einigermaßen offen zu halten, dann kam es durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen doch noch zum Wolfsburger Ausgleich. Zunächst entschied sich Trainer Gisdol, der von Bicakcic und von Rudy Verletzungssorgen signalisiert bekam, aber nur noch einmal wechseln konnte, Rudy vom Feld zu nehmen und Zubers Ligadebüt zu ermöglichen.

Wenig später, in der 85. Minute, verletzte sich Bicakcic bei einem artistischen Klärungsversuch mit weit vorgestrecktem Bein ernsthaft und konnte nur noch stark humpelnd seinen Dienst versehen – weshalb er nach vorn an den Mittelkreis beordert wurde, während Polanski in die Innenverteidigung einrückte und Szalai auf die Sechs ging. Die gravierende Umstellung sorgte dafür, dass unmittelbar vor Ablauf der regulären Spielzeit so viel taktische Unordnung entstand, dass Olic frei im Strafraum zum Torschuss kam und unhaltbar verwandelte. Fünf Minuten Nachspielzeit gingen vorbei, ohne dass es beiden Teams gelang, das letztlich gerechte Unentschieden noch zu kippen. Chancen dazu gab es auf beiden Seiten – einen fulminanten Freistoß von Naldo entschärfte Baumann spektakulär, auf der Gegenseite rettete erneut ein Wolfsburger Verteidiger einen Kopfball von Beck auf der Linie! TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Strobl, Süle, Bicakcic, Beck, Polanski, Rudy (83. Zuber), Salihovic (46. Elyounoussi), Firmino, Modeste (69. Volland), Szalai VFL WOLFSBURG Benaglio, Jung, Naldo, Knoche, Rodriguez, Malanda (67. Hunt), Gustavo (76. Guilavogui), Caligiuri, Arnold (74. Bendtner), De Bruyne, Olic ZUSCHAUER 23.813

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TORE 1:0 Modeste (55.) 1:1 Olic (89.) SCHIEDSRICHTER Wolfgang Stark (Ergolding) GELBE KARTEN Polanski GELB-ROTE KARTEN Guilavogui (90. + 3)

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0:2 4. Spieltag » 20. September 2014

VfB Stuttgart – TSG 1899 Hoffenheim

Große Personalsorgen beschäftigten unter der Woche Trainer Markus Gisdol. Bicakcic fehlte nach wie vor verletzt, Kim war immer noch unterwegs bei den Asienspielen, Salihovics Wunde am Knie musste wieder geöffnet und ausgespült werden, so dass er länger fehlen würde, Szalai plagte sich mit einer eitrigen Angina herum, Schipplock hatte sich im Training das Knie verdreht, Süle einen Schlag aufs Knie bekommen. Und Vollands Rückenbeschwerden waren immer noch nicht ganz auskuriert. Auch wenn Süle dann doch auflaufen konnte und Schippo, Volland und Szalai wenigstens auf der Bank Platz nahmen, wirkte die Startaufstellung der TSG stark improvisiert. Weil Schwegler erstmals im Hoffenheimer Ligabetrieb eingesetzt wurde, gab Rudy wie in der Nationalmannschaft den rechten Außenverteidiger und ging Strobl nach innen, während Zuber die Offensive verstärkte. In den Anfangsminuten sah man, dass die Truppe in dieser Formation noch nie zusammengespielt hatte. Dafür legte Stuttgart, denkbar schwach in die Saison gestartet, los wie die Feuerwehr. 15 Minuten lang musste sich Hoffenheim stürmischer Angriffe der Hausherren erwehren, was aber, auch dank Baumann im Tor, ganz gut gelang. Als dem VfB allmählich die Ideen und die Motivation ausgingen, platzierte Rudy beim ersten echten Vorstoß der TSG einen Freistoß vom Halbfeld aus derart genau auf Modeste in der Mitte, dass der französische Stürmer mit einem wuchtigen Kopfball aus etwa 14 Metern das 0:1 erzielen konnte.

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Für Stuttgart war das wie eine kalte Dusche. Ohnehin von Selbstzweifeln angenagt, fanden die Schwaben bis zur Halbzeit nicht mehr in den gewünschten Rhythmus – darin aber auch von einer diszipliniert defensiv eingestellten TSG gehindert, die alle Stuttgarter Bemühungen wirkungsvoll unterband. Nach der Pause bot sich dasselbe Bild. Stuttgart versuchte nach bestem Vermögen das intelligente Hoffenheimer Bollwerk aufzubrechen, kam jedoch fast immer nur bis an den Rand des Sechzehners und blieb dann stecken. Mehr und mehr versuchte der VfB sich in Weitschüssen, die ihr Ziel meist in der Höhe verfehlten. Und wenn der Ball doch einmal gefährlicher aufs Tor von Baumann kam, entschärfte der Hoffenheimer Keeper die Schüsse souverän. Allmählich begannen die unzufriedenen schwäbischen Fans ihre Mannschaft auszupfeifen, was deren Selbstvertrauen nicht gerade steigerte. In dieser Phase bekam Hoffenheim zunehmend Konterchancen, die aber alle auf ungewohnt ungeschickte Weise entweder in verlangsamende Quer- oder steile Fehlpässe mündeten und folgenlos blieben.

Erst gegen Ende der Partie gerieten die Konter der TSG griffiger: In der 75. Minute zischte ein Ball von Elyounoussi noch knapp über die Stuttgarter Querlatte, fünf Minuten später setzte Modeste zu einem missglückten Fallrückzieher an, den der inzwischen eigewechselte Volland zu verwerten versuchte. Er traf aber nur den am Boden liegenden Modeste, dribbelte weiter und wurde von den Beinen geholt. Der fällige, erlösende Pfiff des Schiedsrichters samt Elfmeter blieb jedoch aus.

VfB STUTTGART Ulreich, Klein, Schwaab, Rüdiger, Sakai (56. Rausch), Romeu (76. Kostic), Leitner, Gentner, Didavi, Harnik (70. Maxim), Werner

So war es erneut fünf Minuten später Elyounoussi vorbehalten, nach Balleroberung durch Polanski und Steilpass von Volland allein aufs Tor zu gehen und in der 85. Minute „den Sack zuzumachen“. Mit zwei zu null Toren siegte die TSG über den VfB Stuttgart, der damit in der Tabelle die rote Laterne vom HSV übernahm, der nach dem ersten Trainerwechsel der Saison den Bayern ein Remis abgetrotzt hatte.

TORE 0:1 Modeste (15.) 0:2 Elyounoussi (84.)

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck, Polanski, Schwegler (83. Vestergaard), Elyounoussi, Zuber (68. Volland), Firmino, Modeste (86. Schipplock) ZUSCHAUER 44.000

SCHIEDSRICHTER Peter Sippel (München) GELBE KARTEN Rudy, Schipplock

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3:3 5. Spieltag » 23. September 2014

tsg 1899 Hoffenheim – SC Freiburg

Wer zuhause geblieben war, hatte viel verpasst. Denn auch wenn es am Ende nur zur Punkteteilung reichte, erlebten die ca. 25.000 Zuschauer in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena die Rückkehr des Spektakels. In dieser Partie ging es sportlich und emotional bergauf und bergab. Hoffenheim begann stark. Volland war in die Startaufstellung zurückgekehrt und hatte in der 5. Minute die Führung auf dem Fuß. Szalai stürmte in der Mitte für Modeste, während Rudy wieder als rechter Verteidiger agierte, so dass Strobl erneut Bicakcic ersetzen konnte. Vestergaard war überraschend als Sechser-Partner von Polanski aufgeboten worden – was Freiburgs Trainer Streich, als er den Bogen mit den Aufstellungen in die Hand gedrückt bekam, heftig stutzen machte. „Ich muss sofort zurück in die Mannschaftkabine“, sagte er, um neue taktische Anweisungen zu geben. In den ersten 25 Minuten deutete aber auch einiges darauf hin, dass Freiburg trotz der überlegenen offensiven Spielweise der TSG nicht ohne Aussicht auf Erfolg nach Sinsheim gereist war. Zweimal gingen die Südbadener steil auf ihren Ex-Kollegen im Hoffenheimer Tor, in der 18. und 24. Minute klärte Baumann spektakulär in Manuel-Neuer-Manier weit vor dem eigenen Strafraum. Es waren diese präzisen, langen Pässe, die der Hoffenheimer Defensive Kopfzerbrechen bereiteten. Vorbereitend gab es jedesmal Unkonzentriertheiten bei eigenen Pässen, so dass Freiburg immer schneller in Ballbesitz kam – und in der 32. und 33. Minute nach blitzartigen Kontern, jeweils durch Frantz, mit 0:2 in Führung ging.

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Doch die TSG arbeitete sich zurück. Fast unbeeindruckt vom Freiburger Doppelschlag näherte sich Hoffenheim wieder dem Tor von Roman Bürki, bis in der 44. Minute Elyounoussi wie ein Slalomfahrer den Weg von rechts durch die eng gestellte Freiburger Verteidigung in die Mitte fand: Anschlusstreffer! In der zweiten Halbzeit kam Freiburg kaum mehr nach vorn, Hoffenheim spielte jetzt viel konzentrierter und baute zunehmend Druck auf. Und je größer der Druck wurde, umso kopfloser verteidigten die Südbadener. In der 62. Minute, nach zwei erfolglosen Fernschüssen von Rudy und Polanski, die jeweils knapp übers Tor strichen, legte sich Rudy den Ball zum Freistoß zurecht. Die Mauer stand nah, aber Rudy streichelte den Ball mit viel Effet über sie hinweg, so dass er sich rasch absenkte, genau in die Ecke. Bürki kam zwar noch mit den Fingerspitzen heran, konnte Rudys Zauberball aber nicht daran hindern, die Torlinie zu überschreiten: Ausgleichstreffer! »

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TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck (86. Schipplock), Polanski (62. Schwegler), Vestergaard, Elyounoussi, Firmino, Volland, Szalai (71. Modeste) SC FREIBURG Bürki, Mujdza, Krmas, Kempf, Günter, Schuster (67. Guedé), Darida, Schmid, Klaus, Philipp (83. Freis), Frantz (80. Riether) ZUSCHAUER 24.872

Ein einziges Mal kam Freiburg danach noch nach vorn an die Strafraumkante, wo Schmid in der 75. Minute von Strobl im Zweikampf unabsichtlich gefoult wurde – Schiedsrichter Kinhöfer verlegte den Tatort auf die Linie zum Sechzehner und entschied sehr zweifelhaft auf Elfmeter, den Darida dankend verwandelte: Freiburgs erneuter Führungstreffer! Die TSG raffte sich noch einmal auf, unterstützt durch den Platzverweis von Darida, der den für Polanski eingewechselten Schwegler in der 81. Minute mit sehr hohem Bein am Kopf getroffen hatte. Die rote Karte war zweifelhaft, aber schon in der 55. Minute wäre statt der gelben Karte ein Freiburger Platzverweis angezeigt gewesen, nachdem Mujdza Polanski beim Streit nach einem Foul an Beck im Strafraum derb umgestoßen hatte.

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Freiburg konnte sich in der Summe nicht beschweren. Nur wurde für Hoffenheim die Zeit allmählich knapp, die langen Bälle auf Modeste, der inzwischen für den abgekämpften Szalai spielte, brachten kaum Torgefahr. Dann gab es vier Minuten Nachspielzeit. Und erst jetzt besann sich die TSG auf das Rezept des massiven Drucks, der schon einmal zum Torerfolg geführt hatte. Dadurch geriet Freiburg endlich ins Taumeln, Volland tankte sich rechts durch und spielte den Ball in den vollbesetzten Strafraum, wo Süle zum Kopfball aufstieg: Bürki wehrte ab. Strobl setzte zum Nachschuss an: Bürki wehrte ab. Aber mitten im Getümmel machte Vestergaard sein langes Bein noch länger und hielt drauf: Ausgleichstreffer!

TORE 0:1 Frantz (31.) 0:2 Frantz (33.) 1:2 Elyounoussi (44.) 2:2 Rudy (63.) 2:3 Darida (75.) 3:3 Vestergaard (90. + 3) SCHIEDSRICHTER Thorsten Kinhöfer (Herne) GELBE KARTEN Beck, Strobl, Rudy Klaus, Mujdza, Schuster ROTE KARTEN Darida (81., grobes Foulspiel)

Markus Gisdol war über den Punktgewinn in letzter Minute halb zufrieden, halb unzufrieden – seine Mannschaft hätte das Spiel schließlich auch gewinnen können, ohne Spektakel, wenn sie Freiburg in der ersten Halbzeit nicht zu zwei Toren förmlich eingeladen hätte.

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0:0 6. Spieltag » 26. September 2014

FSV Mainz 05 – TSG 1899 Hoffenheim

„Das war kein Leckerbissen“, urteilte Pirmin Schwegler nach dem Spiel in Mainz – und hatte den Nagel auf den Kopf getroffen, ähnlich wie der Mainzer Abwehrspieler Bungert: „Die Highlights kann man in 30 Sekunden zusammenschneiden.“ In einer leidenschaftlich geführten, kampfstarken Flutlicht-Partie freitagabends gelang keiner der beiden punkt- und torgleichen Mannschaften der entscheidende Schlag bzw. der Sprung an die Tabellenspitze über Nacht. Dabei sah es auf dem weichen, nassen Rasen zunächst noch so aus, als könnte sich Hoffenheim rasch aus dem taktischen Korsett des Spiels befreien, bei dem sich zwei konterwillige, eher tief gestaffelte Mannschaften regelrecht belauerten. In der 9. Minute ging Modeste, der für Szalai aufgelaufen war, nach wunderschönem Steilpass von Polanski halblinks allein auf Torhüter Karius, der den zu schwach geschossenen Ball von Modeste aber halten konnte. Danach jedoch zog sich die Partie in die Länge, es dauerte bis zur 33. Minute, ehe Firmino mit einem 18-Meter-Schuss das nächste Mal für Torgefahr sorgen konnte. Karius klärte den Ball gerade noch zur Ecke. Süle setzte den anschließenden Eckball knapp übers Tor, im Gegenzug vergab Duricic die erste Mainzer Großchance, als er, vom Ex-Hoffenheimer Hofmann angespielt, aus 20 Metern vergeblich Baumann mit einem Heber zu überwinden versuchte. Bis zur Pause geschah dann nicht mehr viel, so dass die Zuschauer im Stadion und am Fernseher auf den Wiederanpfiff hofften.

Nach einer Stunde Spielzeit kam es zum letzten echten Höhepunkt des Spiels. Einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld hatte Rudy verlängert, Süle stieg auf, konnte den Ball aber nicht kontrollieren, so dass Firmino rechts außen noch eine Kopfballchance bekam, die er an den Außenpfosten setzte. 30 Minuten lang, bis zum Abpfiff, belauerten sich beide Teams danach wieder, die an diesem Abend auf keinen Fall hatten verlieren wollen – was auch gelang. Unschön zu verzeichnen waren Sprechchöre gegen Torhüter Baumann und heftige Pfiffe gegen den Ex-Mainzer Szalai, der für Modeste eingewechselt worden war. Markus Gisdol fasste die ereignisarme Partie so zusammen: „Der Gegner hatte fast das Gleiche vor wie wir. Beide Teams haben auf gute Kontersituationen gelauert und sich somit weitestgehend neutralisiert. So waren die Torchancen Mangelware. Zum Glück haben wir die Null gehalten, und wir können mit dem Punkt sehr gut leben.“

FSV MAINZ 05 Karius, Brosinski, Bungert, Bell, Diaz, Geis (85. Jara), Moritz, Baumgartlinger, Djuricic (61. Jairo), Allagui (79. de Blasis), Hofmann TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck, Polanski, Schwegler, Volland (73. Zuber), Elyounoussi, Firmino (89. Schipplock), Modeste (67. Szalai) ZUSCHAUER 28.729 TORE

Die zweite Halbzeit begann lebhaft. In der 49. Minute klärte Süle im letzten Moment vor Allagui, in der 51. Minute sorgte erneut Firmino für Torgefahr, konnte aber von der Mainzer Abwehr samt der Nachschussmöglichkeit auf Höhe des Elfmeterpunktes geblockt werden. Und in der 53. Minute war wieder Baumann zur Stelle, als Hofmann aus spitzem Winkel rechts abzog.

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SCHIEDSRICHTER Felix Zwayer (Berlin) GELBE KARTEN Allagui Polanski, Rudy

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2:1 7. Spieltag » 4. Oktober 2014

tsg 1899 Hoffenheim – schalke 04

Wie ein Jahr zuvor war an diesem siebten Spieltag Schalke 04 zu Gast in Sinsheim, vor fast ausverkaufter Kulisse. Anders als letztes Mal erlebten die 30.000 Zuschauer jedoch kein umkämpftes Unentschieden, sondern einen verdienten Sieg der TSG.

Hoffenheim musste immer noch ohne Kim auskommen, der unterdessen mit Südkorea Asienmeister wurde und dafür vom zweijährigen Militärdienst freigestellt wurde. Bicakcic, an dessen muskuläre Verletzung sich eine fiebrige Erkältung anschloss, fehlte ebenfalls. Ansonsten konnte Markus Gisdol voll auf seine zuletzt eingespielte Truppe zurückgreifen. Schalke erwischte den besseren Start. In der ersten Spielminute kam Choupo-Moting nach einer Körpertäuschung von Huntelaar frei im Strafraum an den Ball, den er glücklicherweise nicht unter Kontrolle brachte und ins Toraus vertändelte. Ein paar Minuten lang vermochte Schalke, lautstark angefeuert von tausenden mitgereisten Fans, noch zu beeindrucken, dann übernahm Hoffenheim zunehmend die Partie. In der 12. Minute wurde Szalai gegen seine Ex-Kollegen vom wiedererstarkten Volland auf die Reise geschickt, scheiterte aber von halbrechts noch an Fährmann. Eine Minute darauf machte es Elyounoussi besser und erzielte sein bereits viertes Tor. Nach Balleroberung von Polanski ging es blitzschnell rechts zu Volland, von dort in die Mitte zu Firmino, der auf den mitgelaufenen, ungedeckten Elyounoussi abgab, und von da ins Tor! Schalke erholte sich nur langsam von diesem Nackenschlag. Eigentlich hatten die Knappen das Spiel machen wollen und waren in einen sauberen Konter gelaufen. Als sie die Reihen wieder einigermaßen geordnet hatten, ließ Hoffenheim sich gleich wieder zurückfallen und lauerte auf die nächste Konterchance. Trainer Gisdol, der sah, dass der sich erneut aufbauende Schalker Druck gefährlich zu werden begann, rief in einer Art Auszeit seine Mannschaft an der Seitenlinie zusammen und stellte sie taktisch neu ein, während sich Baumann nach einem vorausgegangenen Signal von Gisdol medizinisch behandeln ließ…

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Zuvor war wieder Choupo-Moting gefährlich vor Baumann aufgetaucht, danach vergaben Firmino und Schwegler aussichtsreich. In der 27. Minute bediente Szalai vor dem Schalker Sechzehner sehenswert Firmino mit einem Hackentrick, der den Ball knapp am Tor vorbeizog. In der 29. Minute war es erneut so weit: Szalai, diesmal umgekehrt von Firmino geschickt, zog aus 13 Metern von rechts bretthart ab, über die Arme von Fährmann zum 2:0 mitten ins Tor! »

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Nachdem in der 36. Minute wieder Szalai Firmino bedient hatte, dessen Schuss Fährmann jedoch mit einer Glanzparade entschärfen konnte, ging es ohne weitere Höhepunkte in die Pause. Schalkes Trainer Keller nahm gleich zwei Auswechslungen vor und brachte Barnetta und Friedrich für Höger und den angeschlagenen Neustädter. Und weiter ging es wie gehabt: Schalke versuchte das Spiel zu machen, blieb aber ein ums andere Mal in der aufmerksamen Mittelfeld-Defensive der TSG hängen und musste sich vorsehen, kein drittes Kontertor einzufangen.

Je weniger Schalke zustande brachte, je mehr häuften sich seitens der Knappen teilweise heftige Frustfouls. Eine Woche zuvor hatte man noch den Derby-Erzrivalen Dortmund besiegt, unter der Woche hatte man in der ChampionsLeague Unentschieden gespielt – und nun das: Hoffenheim führte verdient, Hoffenheim führte Schalke fast schon vor. In der 64. Minute durfte Szalai, der von seiner Grippe immer noch geschwächt war und trotzdem für viel Gefahr sowie ein Tor gesorgt hatte, für Schipplock vom Platz. In der 73. Minute kam es zum Wiedersehen mit Chinedu Obasi, der für den wirkungslos gebliebenen Choupo-Moting eingewechselt wurde. Und ab der 75. Minute spielte Schalke in Unterzahl, nachdem Matip zweimal kurz hintereinander gelbwürdige Fouls hingelegt hatte.

Unterdessen war auf der Videowand der aktuelle Tabellenstand zu sehen, bei dem es auch bleiben sollte, trotz des Anschlusstreffers von Huntelaar in der 83. Minute – der aber irregulär war, weil der „Hunter“ zuvor ungeahndet Polanski mit einem Schlag ins Gesicht aus dem Weg geräumt hatte. In der 87. Minute hätte der für Elyounoussi eingewechselte Zuber das 3:1 erzielen können, scheiterte jedoch am überragenden Fährmann. Dann war das Spiel zu Ende, und Hoffenheim stand auf Platz 2 der aktuellen Tabelle!

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck, Schwegler, Polanski, Volland, Firmino (89. Vestergaard), Elyounoussi (83. Zuber), Szalai (64. Schipplock) SCHALKE 04 Fährmann, Uchida, Matip, Neustädter (46. Friedrich), Fuchs, Höger (46. Barnetta), Aogo, Choupo-Moting (73. Obasi), Meyer, Draxler, Huntelaar ZUSCHAUER 30.000 TORE 1:0 Elyounoussi (13.) 2:0 Szalai (29.) 2:1 Huntelaar (83.) SCHIEDSRICHTER Florian Meyer (Burgdorf) GELBE KARTEN Szalai, Elyounoussi, Schipplock Huntelaar, Aogo, Fuchs GELB-ROTE KARTEN Matip (75.)

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1:1 8. Spieltag » 19. Oktober 2014

hamburger Sv – TSG 1899 Hoffenheim

Mit dem Sieg gegen Schalke hatte Hoffenheim den bislang besten Saisonstart hingelegt. Das folgende Remis in Hamburg erhöhte die Serie ohne Saison-Niederlagen noch. Dass es zu mehr nicht langte, lag möglicherweise auch an der Länderspielpause ohne reguläre Trainingsbedingungen und mit eher frustrierenden Erlebnissen für Rudy, Volland und Firmino. Letzterer war wieder nicht zur Seleçao eingeladen worden, Rudy kam unerwartet kaum zum Einsatz und Volland durfte als Nachrücker unverrichteter Dinge wieder abreisen, weil er zu spät nominiert worden war. In Hamburg konnte Kim immer noch nicht auflaufen, nachdem sich gezeigt hatte, dass er beim Einsatz im Finale der Asienmeisterschaften für Südkorea bereits angeschlagen aufgelaufen war – die muskuläre Verletzung verschlimmerte sich dadurch erheblich. Er sollte Hoffenheim für weitere vier Wochen fehlen. Ansonsten verfügte Markus Gisdol über die zuletzt bewährte Truppe, nur dass Modeste diesmal für Szalai anfing. Bicakcic wurde noch geschont. Die Mannschaft ging als Tabellenzweiter der Liga mit deutlichem Optimismus in die Partie und ließ den HSV in den ersten Minuten gewähren, um auf Konter zu lauern. Schon in der 16. Minute ging das Konzept auf: Schwegler schickte Modeste sehenswert auf die Reise, und der Franzose fackelte nicht lang und schoss den Ball flach durch die Beine von Drobny ins Tor. Der HSV, unter Neu-Trainer Zinnbauer erstarkt, wackelte danach bedenklich. Die hanseatischen Fehlpässe waren kaum noch zu zählen, während die TSG eine Konterchance nach der anderen bekam – aber leider ausließ. Die Folge davon war, dass Hamburg allmählich aus der Schockstarre erwachte und zurück ins Spiel fand. In der 34. Minute gab es dafür die Quittung: Firmino verlor unnötig den Ball im Mittelfeld und Arslan schickte Lasogga steil. Der bullige Stürmer zog halbrechts ab und traf unhaltbar für Baumann in den oberen rechten Winkel.

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Kurz vor der Halbzeit hatte zuerst Westermann die Hamburger Führung auf dem Kopf, setzte den Ball aber nach einer Serie von Ecken denkbar knapp neben den Pfosten. Danach vergab Elyounoussi, von dem bislang wenig zu sehen war, allein vor Drobny. Bald nach der Pause kam Szalai für den angeschlagenen und gelb-rot-gefährdeten Modeste, doch die Konterchancen der ersten Halbzeit blieben nun aus. Hoffenheim ließ sich vom HSV zu weit nach hinten drängen und kam nur in der 56. Minute durch einen Fernschuss von Firmino an den Pfosten zu einer echten Torchance. Dafür drückte der HSV, unterstützt von 50.000 Zuschauern, mächtig auf die Führung. Lasogga scheiterte einmal an Baumann, ein anderes Mal traf auch er nur das Aluminium, ansonsten hatte die Hoffenheimer Defensive die Partie weitestgehend gut im Griff.

Baumann, glänzend aufgelegt wie immer, rettete in der 83. Minute noch einmal vor Stieber, der aus 15 Metern frei abziehen konnte, zwei Minuten darauf verzog Elyounoussi aus ähnlicher Distanz nur knapp, so dass es beim letztlich fairen 1:1 blieb. In den Stimmen danach überwog denn auch die Einsicht, dass es für beide Seiten zu mehr hätte langen können, ohne wirklich verdient zu sein. Kapitän Andi Beck fasste die Geschehnisse angemessen zusammen: „Wir haben wieder nicht verloren. Das ist schon mal sehr gut. Wir wissen aber auch, dass wir besser spielen können – und müssen – als nach der Pause. Die erste Halbzeit war weitestgehend gut. Hamburg hat in der zweiten Hälfte sehr viel riskiert, aber wir konnten das für unser Umschaltspiel nicht nutzen. Das Ergebnis geht in Ordnung.“

HAMBURGER SV Drobny, Diekmeier (30. Götz), Djourou, Westermann, Ostrzolek, Behrami, Arslan (79. Stieber), Müller, van der Vaart (66. Jansen), Holtby, Lasogga TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck, Schwegler, Polanski, Volland (90. + 1 Zuber), Firmino (72. Schipplock), Elyounoussi, Modeste (53. Szalai) ZUSCHAUER 49.003 TORE 0:1 Modeste (15.) 1:1 Lasogga (34.) SCHIEDSRICHTER Peter Sippel (München) GELBE KARTEN Arslan Volland, Modeste, Rudy

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1:0 9. Spieltag » 25. Oktober 2014

tsg 1899 Hoffenheim – sc paderborn 07

Abgesehen von zwei Begegnungen damals in der 2. Bundesliga, die Hoffenheim jeweils gewann, gab es noch keinen Erfahrungshintergrund für Spiele gegen Paderborn. Doch die TSG war gewarnt: Der Aufsteiger, zu Saisonbeginn als sicherer Abstiegskandidat gehandelt, spielte einen überraschend erfrischenden, erfolgreichen Fußball und stand mit 12 Punkten völlig zurecht in der oberen Tabellenhälfte. Für Torhüter Baumann, den Trainer Gisdol unter der Woche als „reif für die Nationalmannschaft“ bezeichnet hatte, war Paderborn ein willkommener Gegner, um zu „zeigen, wie weit wir als Gruppe wirklich sind.“ Denn als Zweiter der Tabelle, punktgleich mit Mainz, wurde Hoffenheim von den Medien inzwischen zunehmend mit Lob überschüttet,

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ohne sich schon als echtes Spitzenteam erwiesen zu haben. Polanski schlug in dieselbe Kerbe, indem er forderte: „Wir sollten mehr ansprechen, was noch nicht läuft. Wir als Mannschaft sollten noch mehr Siegeswillen zeigen als in dem einen oder anderen Spiel bislang.“ Vor 25.000 Zuschauern ging Paderborn bei bestem Fußballwetter die Partie denn auch offen an und kam schon nach 40 Sekunden zur ersten Chance. Baumann lenkte den Fernschuss von Rupp aus 25 Metern über die Latte. Hoffenheim schlug umgehend zurück und bekam in der 4. Minute einen Foulelfmeter zugesprochen, nachdem Brückner Volland im Strafraum zu Fall gebracht hatte. Zum ersten Mal trat Rudy an – und setzte den Ball an den Pfosten, woraufhin Torhüter Kruse ihn unter sich begrub.

Dass Firmino, der für die anstehende Europa-Reise der Seleçao nun endlich doch nominiert worden war, den Elfer nicht schießen wollte, lag vermutlich daran, dass er in der letzten Saison wenig Erfolg mit solchen Aktionen hatte. Ohne den rekonvaleszenten Salihovic, so viel wurde deutlich, fehlte es der TSG an Personal in solchen Situationen. Das Spiel gestaltete sich in der Folgezeit äußerst belebt, beide Mannschaften suchten sofort den Weg nach vorn. Nach einer Viertelstunde bekam Hoffenheim die Partie aber immer mehr in den Griff, ohne die tiefgestaffelten und auf Konter lauernden Paderborner entscheidend beeindrucken zu können. Deren enge Zweikampfführung ließ den technisch überlegenen TSG-Spielern wenig Raum zur Entfaltung, so dass es erst in der 40. und in der 44. Minute wieder zu aussichtsreichen Torchancen kam, zunächst für Paderborn durch Kachunga, dann für Hoffenheim durch Firmino, der kurz darauf noch einmal freie Schussbahn hatte. Alle drei Chancen blieben ungenutzt bzw. flogen mehr oder weniger knapp am Tor vorbei. »

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Nach der Pause verlor Markus Gisdol rasch die Geduld mit seiner Offensive und nahm Szalai und Elyounoussi vom Platz, um sie durch Zuber und Schipplock zu ersetzen. Und tatsächlich agierte die TSG jetzt wesentlich druckvoller und begann Paderborn regelrecht einzuschnüren. Bevor Volland in der 73. Minute mit seinem ersten Saisontreffer den Lohn dafür einfahren konnte, galt es in der 62. Minute noch einen Schreckmoment zu überstehen, als Stoppelkamp bei einem Konter halblinks frei auf Baumann zulief und den Ball an ihm vorbei an den Pfosten schob, von wo aus er die Torlinie entlang, aber nicht darüber trudelte.

Mit der Führung im Rücken spielte Hoffenheim die Partie souverän zu Ende und hätte das Ergebnis mit etwas Glück höher schrauben können. Doch die aufmerksame Paderborner Verteidigung oder das Aluminium, wie bei Schipplocks Schuss kurz vor Schluss, verhinderten weitere Tore. Mit dem 1:0 war die TSG jetzt neun Spiele hintereinander ungeschlagen. Für Kevin Volland kam der Siegtreffer zur rechten Zeit. Anfangs der Saison von Schmerzen gehandicapt, bewies er zuletzt immer bessere Form, litt aber noch unter einer sichtbaren Torschuss-Blockade.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck, Polanski, Schwegler (84. Vestergaard), Volland, Firmino, Elyounoussi (58. Schipplock), Szalai (58. Zuber) SC PADERBORN 07 Kruse, Heinloth, Strohdiek, Hünemeier, Brückner, Ziegler, Koc (64. Ouali), Rupp (76. Kutschke), Vrancic (46. Ducksch), Stoppelkamp, Kachunga ZUSCHAUER 25.712 TORE 1:0 Volland (73.) SCHIEDSRICHTER Robert Hartmann (Wangen) GELBE KARTEN Schipplock, Volland Heinloth, Ouali, Kachunga

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5:1 DFB-Pokal, 2. Hauptrunde » 29. Oktober 2014

tsg 1899 Hoffenheim – fsv frankfurt

„Wir lassen uns von Grifo nicht rasieren. Der Bart soll dran bleiben, wir wollen in die nächste Pokalrunde“, lautete die klare Ansage von Tobias Strobl und Kevin Volland vor ihrem Wiedersehen mit Vincenzo Grifo, der für ein Jahr an Frankfurt ausgeliehen war und am Wochenende im Zweitligapunktspiel mit drei Treffern für Aufsehen gesorgt hatte. Und so kam es. Das Spiel wurde standesgemäß gewonnen, die Bärte konnten weiter wachsen. Markus Gisdol hatte seine Truppe – entgegen seiner Ansage – auf vielen Positionen verändert. Vorn spielten Zuber und Schipplock, auf der Doppelsechs Rudy und Vestergaard, hinten rechts Strobl und innen Bicakcic, während Jens Grahl das Tor hüten durfte. Noch nicht mit von der Partie war Neu-Profi Nadiem Amiri, der unter der Woche einen Vertrag mit der TSG bis 2018 unterschrieben hatte. Anders als zu erwarten, spielte der FSV Frankfurt von Beginn an mit. Die zu erwartende Bunkermentalität blieb also außen vor, was Hoffenheim unverhoffte Räume bot. Gut 20 Minuten lang konnte der Zweitligist die Partie einigermaßen auf Augenhöhe mitgehen, dann schlug die TSG zum ersten Mal zu. Nach Balleroberung durch Firmino ging es steil nach vorn, Schipplock wurde seitlich in Szene gesetzt und vollendete ins lange rechte Eck.

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Danach erspielte sich auch Frankfurt eine ansehnliche Chance, von Strobl im letzten Moment vereitelt, bis bei einem Torschuss der Gäste in der 36. Minute Süle und Grahl uneins waren – und der Torhüter, schon am Boden, einen kräftigen Schlag von seinem Innenverteidiger an den Kopf bekam. Minutenlang musste er behandelt werden, war zeitweise auch bewusstlos und wurde dann aus dem ganz still gewordenen Stadion getragen – in das nur 11.500 Zuschauer gekommen waren. Zum Glück erbrachte die Untersuchung im Klinikum „nur“ ein Schleudertrauma.

In der fünfminütigen Nachspielzeit ging Vestergaard zum wiederholten Mal mit nach vorn, wurde von Firmino mustergültig angespielt und setzte den Ball zum 2:0 in die Maschen. Der Hoffenheimer Spielmacher erwies sich auch nach der Pause als hellwach und bestens aufgelegt. Nach einem Flankenlauf von Strobl über die rechte Seite nahm er Strobls butterweiche Hereingabe artistisch mit einem Fallrückzieher an und versenkte den Ball zum 3:0. »

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In der 72. Minute schickte Markus Gisdol Modeste unmittelbar vor einem Eckball für Volland auf den Rasen. Und der Franzose, gerade 13 Sekunden im Spiel, wandelte Rudys Eckstoß in einen Torpedo-Kopfball um und erzielte das 4:0. Damit war die Partie natürlich entschieden. Dennoch hielt die TSG das Tempo aufrecht und kam immer wieder zu aussichtsreichen Chancen, doch in der 80. Minute erzielte Schembri nach einem Freistoß durch Grifo das 4:1 für die Gäste. Es dauerte bis zur 90. Minute, ehe sich Firmino erneut die Ehre gab und nach wunderschönem Anspiel durch Rudy den Endstand von 5:1 erzielte. Markus Gisdol, der vor dem Spiel höchste Konzentration angemahnt hatte, konnte mit dem Ergebnis des Spiels mehr als zufrieden sein, äußerte sich hinterher aber so: „Bei der Verletzung von Jens Grahl war ich erschrocken. Deshalb bin ich mit dem Abend auch nicht völlig glücklich.“

TSG 1899 HOFFENHEIM Grahl (41. Baumann), Strobl, Süle, Bicakcic (59. Abraham), Beck, Rudy, Vestergaard, Volland (71. Modeste), Firmino, Zuber, Schipplock FSV FRANKFURT Klandt, Huber, Beugelsdijk, Balitsch, Bittroff, Kruska, Konrad (84. Kauko), Oumari, Engels (61. Schembri), Grifo, Dedic (62. Kapllani) ZUSCHAUER 11.441 TORE 1:0 Schipplock (23.) 2:0 Vestergaard (45. + 3) 3:0 Firmino (57.) 4:0 Modeste (72.) 4:1 Schembri (80.) 5:1 Firmino (90.) SCHIEDSRICHTER Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) GELBE KARTEN Firmino Oumari, Balitsch

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3:1 10. Spieltag » 2. November 2014

Borussia M’gladbach – TSG 1899 Hoffenheim

Und schon waren die Bärte ab! In einer wenig aussichtsreichen Partie verlor Hoffenheim zum ersten Mal in dieser Saison, so dass Strobl und Volland, der aus Verletzungsgründen nicht mitgereist war, sich gemäß ihrer Bartwette wieder rasieren konnten. Für Eugen Polanski war es indes eine Art Heimkehr: 16 Jahre lang hatte er in Gladbach erst für alle Juniorenteams, dann auch bei den Profis gespielt, ehe es ihn via Getafe nach Mainz und dann nach Hoffenheim zog. Zum Duell der Bayernjäger stilisiert, entwickelte sich das Spiel rasch zum Beweis dafür, dass Gladbach in seiner kontinuierlichen Entwicklung einen entscheidenden Schritt weiter war als Hoffenheim, das diesmal mit Zuber vorne rechts antrat und, inzwischen die Regel bei Auswärtsspielen, mit Modeste auf der Neun. Zuber war es vorbehalten, die erste Torchance zu vergeben, in der 5. Minute flog sein Schuss nach Eckball durch Schwegler von der Strafraumkante hoch übers Tor. Weitere Angriffsbemühungen der TSG fingen die Fohlen durch frühes Pressing ab. In der 12. Minute zeigte Gladbach dann, wie es geht. Schnell und flach das Mittelfeld überbrückend ging Herrmann nahezu ungestört links bis zur Grundlinie durch und flankte auf den langen Pfosten, wo Hahn bereitstand und ungefährdet zum 1:0 einköpfte. Die folgenden Minuten sahen Gladbach im Dauerangriff – Hoffenheim wankte bedenklich und bekam keinen Zugriff mehr auf die Partie. Als die Fohlen in der Folge etwas lässiger agierten, verschob sich das Spielgeschehen allmählich doch wieder in Richtung des Gladbacher Tors. Einige zweifelhafte Abseitspfiffe von Aytekin bremsten den Hoffenheimer Vortrieb noch aus, dann kombinierten sich Firmino, Elyounoussi und Zuber filigran durch die Abwehr, bis sie Modeste halbrechts in Schussposition gebracht hatten. Der Franzose ließ sich nicht lange bitten und vollendete mit einem scharfen Flachschuss zum 1:1.

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Sah es nun so aus, als hätte Gladbach sich eben leichtfertig um den verdienten Lohn gebracht, schenkte Hoffenheim jetzt noch schneller das gute Gefühl des Torerfolgs her. Ein unkonzentrierter TSG-Ball nach vorn wurde im Mittelfeld abgefangen, in umgekehrter Richtung bis zur Grundlinie getrieben und auf Herrmann weitergegeben, der aus kürzester Entfernung nur noch den Fuß hinhalten musste, um die erneute Gladbacher Führung zu erzielen. Bis zur Pause hatten die Zuschauer alles in allem ein ausgeglichenes Match gesehen. Doch kam Gladbach erheblich schwungvoller aus der Kabine und zwang Baumann schon in der 47. Minute zu einer Rettungstat, bei der er Hahns Kopfball aus dem rechten Winkel fischte. Nur vier Minuten später stand es 3:1. Einen flachen Gladbacher Freistoß an der Mauer vorbei hatte Baumann noch parieren können, aber der Ball prallte nach vorn ab, wo Herrmann, der völlig unbewacht war, erneut nur noch einzuschieben brauchte. Gladbach war jetzt wieder drückend überlegen, während Hoffenheim seltsam einfallslos und auch abgespannt wirkte. Alle Versuche, das Spielergebnis dennoch zu verbessern, gingen durch die zugestellte Mitte, wo weder Szalai, der für Modeste kam, noch Hamad etwas bewirken konnten – schon gar nicht Vestergaard, der bereits nach der Pause für Zuber eingewechselt worden war und für noch mehr drangvolle Enge in der Mitte sorgte. Gladbach fiel es in dieser Phase, die bis zum Ende andauerte, denkbar leicht, die Hoffenheimer Bemühungen immer wieder zu unterbrechen und in gefährliche Konter umzumünzen. Zuletzt blieb es beim hochverdienten 3:1 für die Fohlen, nachdem kurz vor Schluss Hamad plötzlich frei vor Torhüter Sommer aufgetaucht war, aber von halbrechts an ihm scheiterte. Die Gladbacher Fans feierten ihren Trainer Lucien Favre, der auch noch Geburtstag hatte – Hoffenheim dagegen musste einsehen, dass die Bäume noch nicht in den Himmel wachsen. Alexander Rosen formulierte es diplomatisch so: „Wir hätten auf perfektem Niveau spielen müssen, um eine Chance zu haben.“

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH Sommer, Korb, Stranzl (79. Brouwers), Jantschke, Alvaro Dominguez, Kramer, Nordtveit, Hahn, Herrmann (87. Traoré), Raffael, M. Kruse (79. Hazard) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Süle, Strobl, Beck, Schwegler (77. Hamad), Polanski, Zuber (46. Vestergaard), Firmino, Elyounoussi, Modeste (68. Szalai) ZUSCHAUER 52.409 TORE 1:0 Hahn (12.) 1:1 Modeste (30.) 2:1 Herrmann (32.) 3:1 Herrmann (52.) SCHIEDSRICHTER Deniz Aytekin (Oberasbach) GELBE KARTEN Herrmann Strobl

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3:4 11. Spieltag » 8. November 2014

tsg 1899 Hoffenheim – 1. FC Köln

Zwei Jahre lang war Köln in der 2. Liga förmlich abgetaucht – und runderneuert wieder aufgestiegen. Die legendäre Unruhe in Verein und Mannschaft gehörte der Vergangenheit an, alle Räder griffen inzwischen lautlos ineinander, so dass der Saisonstart leidlich geglückt war und Köln in der Auswärtstabelle sogar Platz 3 belegte. Dennoch unterschätzte Hoffenheim den Gast vor ausverkauftem Haus. Mit Bicakcic, der in die Innenverteidigung zurückgekehrt war, und mit Strobl statt Rudy als rechtem Außenverteidiger startete die TSG furios in die Partie. Szalai schoss nach drei Minuten zum 1:0 ein. Leider hielt das gute Gefühl nur zwei Minuten an, dann glich Köln bereits aus, mit einem glücklichen Fernschuss von Ostrowski. Unbeeindruckt suchte Hoffenheim die Partie an sich zu ziehen und die starke Kölner Defensive baldmöglich erneut zu überwinden, wurde aber durch den nächsten Kölner Sonntagsschuss in der 12. Minute brüsk darin unterbrochen: Lehmann zirkelte den Ball, unhaltbar für Baumann, zum 1:2 um die Mauer herum in die Maschen. In der 14. Minute scheiterte Szalai an Kölns Torhüter Horn. Danach verflachte die torreiche Anfangsphase etwas, Hoffenheim lief sich in der stabilen Kölner Verteidigung fest und kam erst in der 31. Minute durch Elyounoussi zur nächsten Großchance. Dessen Schuss auf Höhe des Elfmeterpunkts konnte Horn mit einer Blitzreaktion gerade noch abwehren. Doch die Hoffnungen auf baldigen Ausgleich wurden enttäuscht, in der 35. Minute erzielte Köln das 1:3. Ujah nutzte ein Missverständnis zwischen Baumann und Süle, kurvte zwischen beiden hindurch und schob locker ins freie Tor ein. »

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Dann kam die Viertelstunde des Firmino, beflügelt von seiner Nominierung in die Seleçao. Zweimal, in der 39. und 45. Minute, schlug er zu, einmal mit einem Flachschuss ins linke, lange Eck, einmal mit einem Kopfball nach wunderschöner Flanke von Volland. Es war die Belohnung für anhaltenden Kampfgeist und andauernde Offensive – auch wenn Köln bei gelegentlichen Kontern weiter gefährlich blieb. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, der Ausgleich wäre erst nach der Pause gefallen, um den entfesselten Offensivgeist der TSG nicht zu unterbrechen. Köln war nach den beiden Toren deutlich verunsichert – kehrte jedoch wiederaufgerichtet aus der Kabine zurück und widersetzte sich erfolgreich den Hoffenheimer Versuchen, mit strategischen langen Bällen nach vorn den ersehnten nächsten Torerfolg einzuleiten. Das ging 20 Minuten lang so, ohne dass größere Höhepunkte zu verzeichnen waren, Köln stand einfach zu sicher. In der 70. Minute musste dann Bicakcic vom Feld, nachdem ihn Süle bei einem gemeinsamen Luft-Boden-Kampf mit den Stollen am Kopf getroffen hatte. Strobl ging in die Innenverteidigung, Rudy übernahm hinten rechts.

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Allmählich versuchte sich Köln aus der reinen Abwehrschlacht zu befreien, kam aber über gelegentliche Flanken vors Tor von Baumann nicht hinaus, die wenig Gefahr brachten. Umso energischer ging Hoffenheim offensiv zuwerke, um endlich die Führung an sich zu reißen. Trainer Gisdol wechselte zu diesem Zweck Schipplock und Zuber für Elyounoussi und Schwegler ein.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Strobl, Süle, Bicakcic (70. Rudy), Beck, Schwegler (81. Schipplock), Polanski, Volland, Firmino, Elyounoussi (81. Zuber), Szalai

Doch nur zwei Minuten darauf traf Köln zum 3:4! Wieder war es Ostrowski, der mit seinem nächsten Sonntagsschuss von der Strafraumkante aus Baumann überwand, wieder war der Ball unhaltbar. Vorausgegangen war lediglich ein Kölner Einwurf, den Ostrowski unbedrängt angenommen und ein paar Meter geführt hatte, um urplötzlich abzuziehen.

ZUSCHAUER 30.150 (ausverkauft)

Der Schock saß tief. Trotzdem probierte die TSG noch einmal alles. Aber es half einfach nichts, die Kölner Festung war nicht mehr zu bezwingen. Ihre hohe mannschaftliche Geschlossenheit hatte den Gästen den glücklichen, im Letzten aber auch nicht unverdienten Sieg gebracht, während Hoffenheim offensiv zu einfallslos agiert hatte.

1. FC KÖLN Horn, Brecko, Mavraj, Wimmer, Hector, M. Lehmann (82. Maroh), Matuschyk (61. Gerhardt), Olkowski, Vogt, Svento (90. + 3 Osako), Ujah

TORE 1:0 Szalai (2.) 1:1 Olkowski (5.) 1:2 M. Lehmann (12.) 1:3 Ujah (35.) 2:3 Firmino (39.) 3:3 Firmino (45.) 3:4 Olkowski (83.) SCHIEDSRICHTER Günter Perl (Pullach im Isartal) GELBE KARTEN Beck Ujah, Vogt

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4:0 12. Spieltag » 22. November 2014

Bayern münchen – TSG 1899 Hoffenheim

Noch nicht ins Team, aber immerhin ins Training zurückgekehrt waren Salihovic und Kim, der wenigstens auf der Bank Platz nehmen durfte. Ansonsten musste Hoffenheim nur noch auf Polanski verzichten, der einen Pferdekuss aus dem letzten Spiel auskurierte. Wie gewohnt war Modeste auswärts als zentraler Stürmer aufgeboten, Strobl verteidigte rechts, Beck links. Bislang hatten die Bayern zuhause noch kein Spiel verloren. Dennoch schwor Markus Gisdol seine Mannschaft darauf ein, sich nicht zu verstecken und daran zu glauben, dass ein Auswärtssieg gegen die Über-Elf aus München möglich sei. Anfangs sah es sogar ein bisschen danach aus, besonders als Modeste in der 9. Minute einen scharfen Flankenball von Elyounoussi knapp neben das Tor von Neuer setzte. Bis dahin – und auch einige Zeit danach – griff Hoffenheim die spielverliebten Bayern sehr früh an und gewann zunehmend Spielanteile. Das sah nicht nur gut aus, sondern führte auch zu immer mehr gegnerischen Fehlpässen und Balleroberungen der TSG. Um den sichtbaren Vorteil auf dem Rasen in Tore umzumünzen, fehlte es jedoch entweder an Konzentration oder an Kaltblütigkeit. Die Bayern machten es besser. In der 23. Minute nahm Götze nach Anspiel durch Alonso aus ca. 25 Metern Maß und zimmerte den Ball über Torhüter Baumann hinweg in die Maschen. An dieser fast minimalistischen Führung hatte die TSG zu knabbern, die Enttäuschung darüber kostete einiges an Frische und innerer Überzeugung, so dass die Bayern jetzt ihr gewohntes Spiel aufziehen konnten. Immerhin waren sie offensiv mit Robben und Ribéry, mit Götze, Müller und Lewandowski angetreten. Das Fehlen von Lahm und einiger anderer WM-Stars machte sich nicht bemerkbar.

In der 40. Minute zog Müller eine Flanke von links zu weit über den Sechzehner, aber Robben nahm den Ball auf, zog an Beck vorbei und flankte zurück, genau auf den Kopf des sich geschickt hinter Rudy freilaufenden Lewandowski, der das 2:0 erzielte. Damit erlosch kurz vor der Pause die Hoffnung, vielleicht doch noch in die Partie zurückzufinden. Nach der Pause wirkte die Hoffenheimer Körpersprache zunächst wieder frischer und optimistischer. Man gab sich nicht geschlagen, während die Bayern deutlich gelassener zuwerke gingen. Trotzdem musste Baumann in der 55. und 56. Minute zweimal eingreifen, um vor Lewandowski und Götze zu klären. Bis zur 70. Minute hielt Hoffenheim danach das Spiel offen, ohne jedoch zu klaren Torchancen zu kommen. Dann vollzog Markus Gisdol einen Doppelwechsel, Szalai kam für Modeste, Schipplock für Volland. Und schon fünf Minuten später schaffte es Schippo in typischer Manier, einen scheinbar aussichtslosen Ball an der Münchener Grundlinie doch noch mit der Fußspitze zu erreichen und auf Szalai zu spielen – der in der Mitte freistehend aus drei Metern vergab! Es hätte noch spannend werden können in München…

So jedoch überwog erneut die Enttäuschung. Die Bayern dagegen zogen neue Energie aus der Einwechslung von Bastian Schweinsteiger, der seit der WM nicht mehr gespielt hatte. In der 80. Minute fehlte nicht viel zum 3:0, doch Baumann parierte Schweinsteigers Schuss mit dem Fuß. In der 82. Minute war er aber wieder machtlos, nachdem Robben und Lewandowski sich per Doppelpass durch die TSG-Abwehr gespielt hatten und Robben mit einem Lupfer ins Tor traf. Hoffenheim war über weite Strecken des Spiels nahezu ebenbürtig gewesen. Die Bayern wirkten dadurch fast gereizt und ließen deshalb bis zum Schlusspfiff nicht davon ab, den badischen Gegner nach Möglichkeit zu düpieren. Schweinsteiger, der vor Spielfreude glühte, steckte in der 86. Minute den Ball an Rode durch, der sofort knallhart abzog und an Baumann vorbei das Endresultat von 4:0 erzielte. Drei Minuten darauf krachte ein weiterer Schuss von Rohde an die Latte, ehe ein unrühmlicher Tritt von Szalai auf Dantes Fuß den letzten Höhepunkt des Spiels markierte und mit der roten Karte geahndet wurde. Allgemein und zurecht wurde das Endergebnis als zu hoch bewertet, wenn man es mit dem Spielverlauf verglich. Aber das änderte nichts daran, dass die TSG in München ihr drittes Spiel in Folge verloren hatte und damit auf Platz 8 der Tabelle abgerutscht war.

BAYERN MÜNCHEN Neuer, Rafinha, Benatia, Boateng (73. Dante), Bernat, Alonso, Götze (78. Schweinsteiger), Robben, Ribéry, Müller (59. Rode), Lewandowski TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Strobl, Süle, Bicakcic, Beck, Schwegler, Rudy, Elyounoussi (86. Kim), Firmino, Volland (71.Schipplock), Modeste (71. Szalai) ZUSCHAUER 71.000 (ausverkauft) TORE 1:0 Götze (22.) 2:0 Lewandowski (39.) 3:0 Robben (82.) 4:0 Rode (87.) SCHIEDSRICHTER Peter Gagelmann (Bremen) GELBE KARTEN Boateng, Alonso Schwegler ROTE KARTEN Szalai (90., grobes Foulspiel)

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4:3 13. Spieltag » 29. November 2014

tsg 1899 Hoffenheim – hannover 96

Niklas Süle war heiß auf die Partie. Denn sein Gegenspieler und einstiger Mannschaftskamerad Joselu hatte im Vorfeld verkündet, seine Torflaute gegen die TSG beenden zu wollen. Süles Kommentar: „Ich werde seine Tore verhindern!“ Ganz gelang das nicht. Mehr als ein Tor vermochte Joselu nicht zu erzielen, der wegen seiner einstigen Abstellung in die legendäre Trainingsgruppe 2 immer noch schlecht auf Hoffenheim zu sprechen war. Doch hatte er es nicht nur mit Süle zu tun. In der Abwehr spielte Beck wieder rechts, weil Kim in die Mannschaft zurückgekehrt war und links verteidigte. Und ein furioses zweites Debüt gab. Anders als erwartet stand Hannover nicht tief in der eigenen Hälfte, sondern griff früh an und setzte die TSG anfangs sogar stark unter Druck, während Schipplock nach einem Freistoß in der 6. Minute mit einem Lattenknaller die erste Hoffenheimer Duftmarke setzte. Zuber, für Elyounoussi aufgeboten, unterlief dann in der 16. Minute ein Fehlpass, der blitzschnell in eine Vorlage für Joselu umgewandelt wurde. Der Spanier gewann das anschließende Laufduell, schoss jedoch knapp am Kasten von Baumann vorbei. Spätestens jetzt war klar, dass sich der Wunsch der TSG, nach drei verlorenen Spielen in Folge endlich wieder einen Dreier zu holen, so leicht nicht erfüllen würde. Kaum drei Minuten darauf gab Dr. Brych, der nach seiner Phantomtor-Entscheidung vor gut einem Jahr zum ersten Mal wieder ein Spiel in Sinsheim leiten durfte, keinen Strafstoß – und lag erneut falsch, kurioserweise jedoch zum Vorteil der TSG. Denn Volland war zwar klar im Sechzehner gefoult worden, aber Schwegler feuerte den Freistoß dafür umso humorloser an Zielers Mauer vorbei schnurgerade ins Torwarteck. Joselu hatte sich im letzten Moment weggedreht und den Weg freigemacht.

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Der Ex-Hoffenheimer mühte sich in der Folgezeit redlich, den Fehler aufzuarbeiten, verzettelte sich jedoch ein ums andere Mal. Bei einem Hannoveraner Angriff gelang es Polanski, der auskuriert ins Team zurückgekehrt war, den Ball in der 37. Minute an sich zu bringen. Seinen langen Pass in die Mitte verlängerte Schipplock nach links auf Kim, der wieselflink links vorn durchlief und scharf und flach exakt auf den mitgelaufenen Volland flankte. Volland musste nur noch den Fuß hinhalten, um das 2:0 zu erzielen.

Wer glaubte, dass Hoffenheim damit sicher in Führung lag, hatte die Rechnung ohne die TSG gemacht. Hannover brauchte für den Anschlusstreffer kurz vor der Pause allerdings auch noch die Mithilfe des Schiri-Gespanns. Ein Einwurf, der Hoffenheim zugestanden hätte, gelangte am Rand des Strafraums in die Mitte zu Stindl, der den herausgelaufenen Baumann überköpfte und so den Pausenstand von 2:1 markierte. Entsprechend motiviert kehrte Hannover aufs Spielfeld zurück und kam schon nach sieben Minuten zum Ausgleich, durch Joselu, der seine Ankündigung wahrgemacht und sich bei einem langen Ball links in den Strafraum hinter Becks Rücken freigelaufen hatte. Hannover war jetzt mental deutlich im Vorteil, während Hoffenheim nach jemandem suchte, der den Schalter wieder umlegen konnte. Polanski nahm das Zepter gewohnt kampfstark in die Hand und traf genau die richtige Entscheidung, als er nach Vorlage durch Volland in der 62. Minute mit dem schwächeren Fuß wild entschlossen aus gut 20 Metern abzog. Der Ball schlug im oberen linken Winkel ein, die TSG lag erneut in Führung. »

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Und gleich darauf war der alte Abstand wieder hergestellt. Bei einem Freistoß in der 64. Minute durch Schwegler lief Süle als einziger nicht ins Abseits, kam an den Ball und köpfte zum 4:2 ein. Hannover antwortete mit wütenden Angriffen, hier und da auch richtig gefährlich. Doch stand die TSG-Abwehr jetzt sicherer, und Baumann hielt, was zu halten war, warf aber in der 86. Minute, als Hannover dabei war aufzugeben, einen Ball genau in die Füße von Sobiech. Im Zusammenspiel mit Joselu gelangte die Kugel zu Stindl und von dort zum 4:3 ins Tor. Inklusive Nachspielzeit waren noch bange sieben Minuten bis zum Schluss zu überstehen, ehe Dr. Brych die Partie abpfiff und die drei Punkte gerettet waren.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Süle, Bicakcic, Kim, Schwegler (72. Strobl), Polanski, Volland, Firmino, Zuber (61. Elyounoussi), Schipplock (81. Rudy) HANNOVER 96 Zieler, Sakai (46. Prib), Marcelo, Schulz, Albornoz, Gülselam, Schmiedebach (84. Sobiech), Briand (75. Bittencourt), Stindl, Kiyotake, Joselu ZUSCHAUER 22.716 TORE 1:0 Schwegler (19.) 2:0 Volland (37.) 2:1 Stindl (43.) 2:2 Joselu (52.) 3:2 Polanski (59.) 4:2 Süle (63.) 4:3 Stindl (86.) SCHIEDSRICHTER Dr. Felix Brych (München) GELBE KARTEN Bicakcic Sakai, Schulz, Stindl, Joselu

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1:0 14. Spieltag » 5. Dezember 2014

Borussia dortmund – TSG 1899 Hoffenheim

Immer noch waren die Erinnerungen an jenes legendäre Spiel in Dortmund hellwach, als Hoffenheim am letzten Spieltag der Saison 2012/2013 so gut wie abgestiegen war, aber durch den Sieg über den BVB mit zwei Elfmetertoren von Salihovic gerade noch auf den Relegationsplatz sprang. Diesmal lagen die Verhältnisse umgekehrt: Dortmund spielte bislang eine sensationell schlechte Saison und lag auf dem letzten Platz der Tabelle, während Hoffenheim es sich auf Platz sieben gutgehen ließ. Die verbalen Scharmützel im Vorfeld waren von Dortmunder Seite allein darauf ausgerichtet, den inzwischen nervös gewordenen eigenen Anhang wieder geschlossen hinter sich zu bringen. Dafür war Hoffenheim, in Dortmund fast so unbeliebt wie Schalke 04, natürlich ein dankbarer Gegner. Im vollbesetzten Iduna-Park standen die Dortmunder Fans wie eine Wand hinter ihrer Mannschaft. Leider war Hoffenheim diesmal auch sportlich ein dankbarer Gegner, der dem BVB taktisch sozusagen auf den Leim ging. Denn anders als erwartet ließ die Borussia ihr übliches hohes Pressing und schnelle Umschaltspiel ruhen und agierte in echter Abstiegsmanier mit starker Defensive und behäbigem Aufbauspiel. Hoffenheim dagegen hatte sich mit drei Sechsern auf genau jenes Dortmunder Pressing eingestellt und die eigene Offensive dadurch taktisch geschwächt – was sich rächen sollte. In der niemals hochklassigen, selten schnellen Partie spielte sich sehr viel im überbesetzten Mittelfeld ab. Dortmund fiel es dabei deutlich leichter, die Abwehrreihen des Gegners zu durchbrechen als umgekehrt, so dass Hoffenheim defensiv alle Hände voll zu tun hatte. Das geschah weitestgehend ruhig und souverän, mündete jedoch in der 17. Minute in einen Dortmunder Angriff, bei dem Aubameyang rechts durchging, nachdem Kim in einem Zweikampf ausgeschaltet worden war, und so präzise und hoch in die Mitte flankte, dass Baumann knapp unter dem Ball durchsegelte und Gündogan ins leere Tor einköpfen konnte.

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Wenigstens kam Hoffenheim in der 47. Minute zu einem aussichtsreichen Freistoß von halblinks, den Rudy aber allzu sanft über die Dortmunder Mauer hob, so dass Hummels ihn im Zurücklaufen noch zur Ecke klären konnte. Eine Signalwirkung ging indessen auch davon nicht aus, so dass alsbald wieder Dortmund den Lauf der Dinge bestimmte und in der 52. Minute einen regulären Treffer wegen vermeintlichen Abseits abgesprochen bekam. In der Folge hielt Oliver Baumann seine Mannschaft mit einer Glanztat nach der anderen weiter im Spiel. Hoffenheimer Akzente nach vorn waren nach wie vor Mangelware, die Offensive hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Mit der Einwechslung von Elyounoussi gegen Spielende gewannen die offensiven Versuche dann etwas an Struktur – und so war es auch der Norweger, der in der 85. Minute erstmals wieder Gefahr in den Dortmunder Strafraum brachte. Dort wurde er von Subotic allerdings regelrecht abgeräumt, doch der Pfiff des Schiedsrichters blieb aus. Ein weiterer glasklarer Elfmeter wurde nicht geahndet – zusammen mit dem nicht gegebenen Dortmunder Treffer war das aber so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Kapitän Beck fasste die Nicht-Ereignisse treffend zusammen: „Es gibt sehr viel, was wir besser machen müssen. Wir haben uns zu wenige Chancen erspielt. Das reicht dann gegen eine Mannschaft wie den BVB nicht.“

BORUSSIA DORTMUND Langerak, Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer, Kehl, Aubameyang (90. + 2 Immobile), Bender, Gündogan (90. + 1 Ginter), Mkhitaryan, Ramos (83. Großkreutz) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Süle, Bicakcic, Kim, Schwegler (78. Salihovic), Polanski, Rudy (78. Elyounoussi), Volland, Firmino, Schipplock (46. Modeste) ZUSCHAUER 80.000 (ausverkauft) Wie schwach die TSG-Offensive an diesem Freitagabend unter Flutlicht agierte, war daran abzulesen, dass Schipplock in der 36. Minute die einzige halbwegs als Hoffenheimer Torchance zu wertende Szene mit einem Schuss aus ca. 25 Metern weit neben das Tor zog. Alle Hoffnungen richteten sich nun auf die zweite Halbzeit, in der Modeste für den verletzten Schipplock kam – ohne dass sich Grundlegendes änderte.

TORE 1:0 Gündogan (17.) SCHIEDSRICHTER Felix Zwayer (Berlin) GELBE KARTEN Kehl Süle, Schwegler, Salihovic, Polanski

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3:2 15. Spieltag » 12. dezember 2014

tsg 1899 Hoffenheim – eintracht frankfurt

Das nächste Flutlichtspiel stand an, erneut freitagsabends. Zu Gast: Die Eintracht aus Frankfurt, die zuletzt drei Spiele in Folge gewonnen hatte. Unter ihrem neuen Trainer Thomas Schaaf konnten die Hessen schneller wieder Tritt fassen als erwartet und stand in der Tabelle einen Platz vor der TSG. Wesentlichen Anteil daran hatte Alex Meier, der bislang die Torjägerliste der Liga anführte. Für Pirmin Schwegler war es ein Wiedersehen mit den alten Kollegen, auf das er sich freute. Zugleich begrüßte er die Gelegenheit, die Schwarte des verlorenen Heimspiels gegen Köln auszuwetzen. Diese Niederlage nagte an der gesamten Mannschaft immer noch tief. Ein weiteres Wie-

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dersehen der besonderen Art betraf das Frankfurter Tor, das nach den Ausfällen der beiden Stammtorwarte von Timo Hildebrand gehütet wurde, einst auch in Diensten der TSG. Das Spiel war erst wenige Minuten alt, als Niklas Süle in einem Laufduell mit Seferovic umknickte und sich dabei schwer verletzte. Minutenlang wurde er auf dem Rasen behandelt, sein rechtes Knie geschient – dann wurde er vom Feld getragen. Der Verdacht, dass es sich um keine kurzfristige Verletzung handelte, bestätigte sich am nächsten Tag: Süle hatte einen Kreuzbandriss erlitten und würde bis zum Ende der Saison ausfallen!

Für die Eintracht, die offensiv in die Partie gegangen war, eröffneten sich in der Folgezeit gute Gelegenheiten, in Führung zu gehen. Sichtbar geschockt vom Unglück ihres Sportkameraden, der durch Strobl ersetzt wurde, blieb die TSG längere Zeit unter ihren Möglichkeiten, während die Hessen, allen voran Alex Meier, beim Auslassen von Torchancen glänzten. Als Hoffenheim etwa ab der 25. Minute Fahrt aufnahm, verzettelte sich das Spiel aber noch im überbesetzten Mittelfeld. In der 36. Minute schoss Elyounoussi, von Firmino steil bedient, knapp am Kasten von Hildebrand vorbei – bis zur Pause behielt die TSG die Fäden jedoch in der Hand. Dann war es wieder Firmino, der nach Balleroberung durch Schwegler Elyounoussi und Volland halblinks auf die Reise schickte, mit einem sehenswerten Pass in die Schnittstelle. Volland erlief sich den Ball, ließ auch Hildebrand hinter sich und erzielte das 1:0. Frankfurt drängte nach der Pause sofort auf den Ausgleich und baute zunehmend Druck auf, der in der 58. Minute zum 1:1 durch Aigner führte. Kurz danach kam es durch Chandler noch zu einem Lattentreffer für die Eintracht, die jetzt kurz davor stand, das Spiel zu drehen. Aber die Hessen hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht, und der hieß an diesem Abend Firmino. Von Minute zu Minute stärker werdend, setzte Firmino die Frankfurter Defensive zunehmend außer Kraft, bis Schwegler in der 65. Minute mit einem Flachschuss noch an Hildebrand scheiterte. Der für Modeste eingewechselte Szalai staubte jedoch zum 2:1 ab. »

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Wieder und wieder spielte Firmino jetzt die Eintracht schwindlig, was zu zwei Großchancen für Elyounoussi in der 72. und 76. Minute führte. Einmal schoss er knapp vorbei, einmal traf er den Pfosten. Und genau in dieser Phase, als Frankfurt fast schon am Boden lag, erzielten die Hessen wie aus dem Nichts den Ausgleich durch Seferovic. Es blieben nur noch knapp 15 Minuten zu spielen, doch Hoffenheim ließ sich nicht hängen. Eine Angriffswelle nach der andern rollte aufs Tor der Eintracht, die phasenweise völlig den defensiven Faden verlor. Nach einer Ecke mit Gestochere am rechten Pfosten brachte Szalai mit einem kunstvollen Hackentrick den Ball zurück vors Tor, wo ihn Firmino über die Linie drückte. Es war die 87. Minute, und es war der Siegtreffer zum Endstand von 3:2, der in den Nachspielminuten von Baumann allerdings festgehalten werden musste – zweimal kam die Eintracht noch zu guten Chancen! „Der Sieg ist extrem überschattet“, sagte Markus Gisdol im Anschluss wegen der schweren Verletzung von Niklas Süle.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Süle (10. Strobl), Bicakcic, Kim, Polanski, Schwegler, Volland, Firmino, Elyounoussi (87. Schipplock), Modeste (63. Szalai) EINTRACHT FRANKFURT Hildebrand, Chandler, Russ, Anderson, Oczipka, Hasebe, Aigner (90. Kittel), Stendera (82. Madlung), Inui (75. Piazon), Seferovic, Meier ZUSCHAUER 28.331 TORE 1:0 Volland (43.) 1:1 Aigner (58.) 2:1 Szalai (66.) 2:2 Seferovic (77.) 3:2 Firmino (87.) SCHIEDSRICHTER Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) GELBE KARTEN Kim, Beck, Firmino Anderson, Hasebe

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0:1 16. Spieltag » 17. dezember 2014

tsg 1899 Hoffenheim – bayer leverkusen

Und schon gab es das nächste Flutlichtspiel – wegen einer englischen Woche mittwochs ausgetragen. Leverkusen war nach dem Phantomtor vor gut einem Jahr zum ersten Mal wieder zu Gast in Sinsheim und gewann durch ein reguläres Tor. Torschütze – wie gehabt: Stefan Kießling! Der Ausfall des unter der Woche erfolgreich operierten Niklas Süle war dabei nicht mal von entscheidender Bedeutung: Strobl ersetzte ihn effizient, und das, obwohl er bereits in der 4. Minute für eine Nichtigkeit die gelbe Karte gezeigt bekam. Über die gesamten 90 Minuten hinweg war die Leistung von Schiedsrichter Siebert diskussionswürdig, wenn es um Entscheidungen für oder gegen Hoffe ging – möglicherweise hatte Trainer Gisdol sich unter der Woche etwas zu markant über die sogenannten Vierten Offiziellen geäußert, mit denen er in den letzten Spielen immer mal wieder Wortgefechte zu bestehen hatte. Laute Pfiffe hallten durch die nicht ausverkaufte WIRSOL Rhein-Neckar-Arena, wenn Stefan Kießling an den Ball kam. Die Nerven wegen seines Außennetztors lagen bei den Fans also immer noch blank. Viele Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, ergaben sich für ihn jedoch nicht. Beide Mannschaften standen hoch, attackierten früh und grenzten damit das fußballerische Geschehen auf laufintensive 15 Meter diesseits und jenseits der Mittellinie ein. Verbissene Zweikämpfe, zu zweit, zu dritt und zu viert, prägten die Partie. »

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Schön anzusehen war das nicht, aber spannend. Denn es konnte jederzeit zum Durchbruch durch die Linien kommen – wie bei Firmino, der in der 7. Minute Toprak den Ball abjagte und halblinks aufs Tor ging, dort im letzten Moment noch bedrängt wurde und trotzdem abzog. Leno konnte den scharfen Schuss gerade noch abwehren. In der 15. Minute antwortete Baumann mit einer Parade auf einen Schuss von Kießling nach Vorarbeit rechts durch Bellarabi. Nachdem in der 23. Minute erneut Kießling nur knapp verzogen hatte, gewann die Werkself allmählich die Oberhand, während Hoffenheim hinten noch sicher stand, ohne offensiv bislang viel zustande zu bringen. Mit 0:0 ging es in die Pause, kurz nach dem Wiederanpfiff sorgte Hoffenheim für die nächste Begründung zur Einführung der Torlinientechnologie: Volland hatte in der 50. Minute von rechts scharf auf Szalai geflankt, dessen Kopfball von Toprak entweder auf der Linie oder dahinter geklärt wurde. Die Kamerabilder ließen später keine eindeutigen Schlüsse zu, aber der Schiri entschied trotz oder wegen der Hoffenheimer Proteste natürlich auf Weiterspielen.

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In der 57. Minute wurde Elyounoussi, von dem wenig zu sehen war, gegen Zuber ausgewechselt, der über die linke Seite ebenso wenig Farbe ins Spiel zu bringen vermochte. Offensiv ging bei der TSG inzwischen auch sonst nicht mehr viel zusammen, zu vorsichtig agierte man aus Angst, hinten verwundbar zu sein. Dafür drängte Leverkusen mit umso mehr Macht aufs Tor. Dank einer konzentrierten Abwehrleistung und grandiosen Paraden von Baumann stand die Null immerhin bis zur 79. Minute, ehe Kießling doch noch traf. Fast eine Art Powerplay hatte Leverkusen zu diesem Zeitpunkt aufgezogen, zuletzt musste Kießling nach einem wirbelnden Angriff von Castro, Son und Brandt den Ball nur noch über die Linie drücken.

Hoffenheim warf endlich alle Vorsicht über Bord und kam in der 83. Minute durch den freigespielten Szalai zur dritten Großchance, aber der Ungar brachte nicht ausreichend Druck auf seinen Schuss, so dass Leno keine Mühe hatte. Und auch die sehr späte Einwechslung von Schipplock und Modeste vermochte nichts mehr daran zu ändern, dass Hoffenheim gegen Leverkusen wieder mal den Kürzeren gezogen hatte.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Schwegler, Rudy (84. Schipplock), Volland, Firmino, Elyounoussi (57. Zuber), Szalai (87. Modeste) BAYER LEVERKUSEN Leno, Hilbert, Toprak, Spahic, Boenisch, Bender, Castro (85. Rolfes), Bellarabi (90. + 3 Öztunali), Calhanoglu (76. Brandt), Son, Kießling ZUSCHAUER 24.731 TORE 0:1 Kießling (79.) SCHIEDSRICHTER Daniel Siebert (Berlin) GELBE KARTEN Strobl Bender, Boenisch, Hilbert

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0:5 17. Spieltag » 21. Dezember 2014

hertha bsc – TSG 1899 Hoffenheim

Die letzte Partie der Hinrunde führte die TSG in die Hauptstadt – und einer, der dort aufgewachsen war und wegen seiner langwierigen Verletzung länger nicht gespielt hatte, stand natürlich in der Anfangsformation: Sejad Salihovic, nachdem Zuber und Elyounoussi zuletzt nicht ganz überzeugen konnten. Ansonsten war wieder Polanski aufgeboten, Schipplock durfte zentral stürmen. Wie wichtig ein gut disponierter Salihovic war, sollte sich bald zeigen. Zunächst aber ging es gut zehn Minuten lang auf und ab, Berlin startete auf dem ackerähnlichen Geläuf wie erwartet kampfbetont, Hoffenheim hielt energisch dagegen und kaufte der alten Dame Hertha zusehends den Schneid ab. Das ging so bis zur 15. Minute, als Volland nach einer Ecke durch Salihovic im Strafraumgetümmel aufs Tor schoss und Schulz für seinen geschlagenen Torhüter klärte. In der 23. Minute war erneut Volland Auslöser des Geschehens, als er bei einem Konter halblinks bis fast zur Grundlinie ging und scharf nach innen flankte, wo Brooks gar nicht erst abwartete, ob ein Hoffenheimer an den Ball kam, sondern gleich selbst zum Eigentor den Fuß hinhielt. Nur zwei Minuten später war es derselbe Berliner Verteidiger, der im Strafraum Schipplock umsäbelte. Zum unausweichlichen Strafstoß trat an: Sejad Salihovic! Wie manches Mal in früherer Zeit schoss er den Ball knallhart in die Mitte und erzielte das 0:2. Als wäre das noch nicht genug, gab es in der 38. Minute schon wieder Elfmeter für Hoffenheim. Drei Minuten zuvor hatte Kraft noch einen Hammerschuss von Polanski aus gut 30 Metern aus dem Winkel gefischt, jetzt sah er sich wieder Salihovic gegenüber – und blieb stehen! Nur dass Sali diesmal nicht in die Mitte schoss, sondern hart und flach rechts unten zum 0:3 abschloss. Allgemein wurde darüber spekuliert, dass Beck sich in der Szene, die zum Strafstoß führte, ohne Berührung fallen gelassen hätte. Aber das stimmte nicht, er war sehr wohl am Fuß erwischt worden und kam dadurch erheblich aus dem Gleichgewicht. Für den Fortgang des Spiels war das

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alles aber ohne Bedeutung: Hertha BSC war an diesem Tag schwach, Hoffenheim stark, im Grunde war nur noch die Höhe des Endergebnisses von Bedeutung. Die zweite Halbzeit ging Berlin im verzweifelten Willen an, vielleicht doch noch etwas am Lauf der Dinge zu verändern, und kam tatsächlich in der 55. Minute durch Ben Hatira zu einer guten Möglichkeit. Doch der Offensivmann der Hertha, der auf der rechten Angriffsseite an Kim schier verzweifelte, rutschte an der von links geschlagenen Flanke vorbei. In der Folge veranstaltete Berlin ein wahres Fehlpass-Festival, während Hoffenheim sich aussuchen konnte, welche Kontergelegenheit man endlich zur Aufbesserung des leicht negativen Torverhältnisses nutzen wollte. In der 74. Minute war es soweit. Schipplock spielte nach Balleroberung Firmino an, der über den Ball sprang und damit Schwegler ins Spiel brachte. Nach vorn sprintend kam der Ball von Schwegler zurück zu Firmino, der den Kopf hob und sah, dass seitlich Schipplock heranstürmte. Uneigennützig passte Firmino quer, vorbei am geschlagenen Berliner Torhüter, so dass Schippo den Ball nur noch über die Torlinie zu schieben brauchte. Um den höchsten Bundesligasieg der TSG zu besiegeln, brauchte es aber ein weiteres Tor, das erneut Firmino vorbereitete. Nach einem Dribbling durch die halbe Berliner Hintermannschaft verlor er gegen Niemeyer den Ball, war davon sichtbar genervt und stocherte zurück, bis er auf Rudy abgeben konnte, der das 0:5 erzielte. Sven Schipplock brachte die Partie danach auf den Punkt: „Der Trainer hat uns sehr gut auf ein kampfbetontes Spiel vorbereitet. So kamen wir gut rein und haben die Tore in den richtigen Momenten gemacht. Wir haben eine tolle Vorrunde gespielt. Das ist ein gutes Gefühl. Jetzt schnaufen wir über Weihnachten durch und hauen uns in der Rückrunde voll rein.“

HERTHA BSC Kraft, Ndjeng, Hegeler, Brooks, Pekarik (72. Kalou), Niemeyer, Hosogai (59. Stocker), Ben-Hatira, Ronny (72. Wagner), Schulz, Schieber TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Polanski, Schwegler (87. Abraham), Firmino, Volland (77. Rudy), Salihovic (85. Herdling), Schipplock ZUSCHAUER 39.604

TORE 0:1 Brooks (23.) 0:2 Salihovic (26.) 0:3 Salihovic (39.) 0:4 Schipplock (74.) 0:5 Rudy (84.) SCHIEDSRICHTER Peter Sippel (München) GELBE KARTEN Hosogai, Stocker, Ben-Hatira Firmino

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3:1 18. Spieltag » 1. februar 2015

fc augsburg – TSG 1899 Hoffenheim

Nach einer sehr erfolgreichen Vorbereitungszeit in Südafrika und ebenso gelungenen Testspielen sollten die Weichen für einen guten Rückrundenauftakt eigentlich gestellt sein. Dass es anders kam, lag wohl auch am Wetter. Mit Strobl statt Kim, der in Australien mit seiner südkoreanischen Nationalmannschaft im Asien-Cup bis ins Finale vorgedrungen war, dort aber in der Nachspielzeit verlor, trat die TSG bei kaltnassem, windigem Wetter in Augsburg an. Es war die letzte Partie des Spieltags, sonntags um 17.30 Uhr. Über weite Strecken fielen dicke Flocken vom Himmel, die unweigerlich liegenblieben und den Rasen unkalkulierbar machten. Mal glitschten die Bälle über den Schneematsch hinweg, mal wurden sie davon gebremst.

Unter diesen schwierigen Bedingungen fand die TSG anfangs sogar besser ins Spiel und hatte in der 2. Minute eine erste halbe Torchance, als Salihovic, als dritter Sechser aufgeboten, aus knapp 20 Metern abzog. Manninger fing den platzierten Schuss aber souverän ab, wie in der 15. Minute, als ihn Firmino nach schönem Pass-Spiel über Polanski, Schwegler und Modeste mit einem Flachschuss prüfte. Als das Schneetreiben immer dichter wurde, verlegte sich Augsburg auf einen wetterangepassten, simplen Fußball, während Hoffenheim weiter sein Glück in aufwendigem, schnellem Kurzpass-Spiel suchte. Selten gelang es, den Ball dabei über mehr als zwei Stationen zu kontrollieren,

dann rutschten der Ball oder ein Spieler auf dem seifigen Geläuf weg. Augsburg, bis dahin im Angriff dank einer tiefstehenden TSG eher wirkungslos, kam immer wieder gefährlich vors Tor, meist nach weiten Flanken in die Mitte. In der 39. Minute erreichte eine dieser Flanken Altintop, der viel zu ungefährdet einen Aufsetzer-Kopfball anbringen konnte und Baumann keine Chance ließ. Dem 1:0 folgte nach drei Minuten auch noch das 2:0. Werner hatte einen Freistoß von halbrechts in die Mitte geschlagen, der Ball flog an Freund und Feind vorbei, wodurch Torhüter Baumann irritiert wurde, und landete im Netz. Nochmal drei Minuten später nahm sich Hoffenheim ein Beispiel daran. Schwegler gab einen Freistoß auf der Gegenseite hoch in die Mitte, Firmino stieg auf und beförderte den Ball mit dem Hinterkopf unhaltbar ins Tor. Durch den Anschlusstreffer kurz vor der Pause hätte die TSG wieder ins Spiel zurückfinden können. Doch Augsburg kam nach dem Wiederanpfiff weiterhin viel besser mit dem erneut einsetzenden Schneetreiben zurecht und lief sämtliche Räume effizient zu. Fast alle Hoffenheimer Versuche, mit ansehnlichem Fußball nach vorn zu kommen, scheiterten darum schon im Mittelfeld, spätestens an der Strafraumkante. Umgekehrt ließ die TSG den Augsburgern viel zu viel Raum, den sie mit schnellen, einfachen Angriffen nutzten, was in der 71. und 78. Minute beinahe zu Toren führte.

FC AUGSBURG Manninger, Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Feulner, Baier, Höjbjerg (72. Kohr), Esswein (44. Ji), Altintop, Werner (88. Caiuby), Bobadilla TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Abraham, Bicakcic, Strobl, Schwegler, Polanski (79. Schipplock), Salihovic (56. Elyounoussi), Firmino, Volland, Modeste (61. Szalai) ZUSCHAUER 27.090 TORE 1:0 Altintop (39.) 2:0 Werner (42.) 2:1 Firmino (45.) 3:1 Bobadilla (90. + 3) SCHIEDSRICHTER Florian Meyer (Burgdorf) GELBE KARTEN Feulner, Höjbjerg Abraham, Szalai, Firmino

Erst in der Nachspielzeit gelang es Hoffenheim, dauerhaften Druck auf das Augsburger Gehäuse auszuüben. Nach einem Eckball köpfte Abraham ins lange Eck, aber Manninger machte sich lang und fischte den Ball noch aus dem Winkel. Fast im Gegenzug gelang Bobadilla das finale 3:1, als er einen Konter im Alleingang durch die Hoffenheimer Abwehr wuchtig in die Maschen setzte. Markus Gisdol beschrieb die Szenerie in höflichen Worten so: „Wir haben gut angefangen, aber als die Bedingungen schwieriger wurden, hatte Augsburg mehr Klarheit in den Aktionen.“

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1:2 19. Spieltag » 4. februar 2015

tsg 1899 Hoffenheim – werder bremen

Werder Bremen, ebenfalls im Jahr 1899 gegründet, feierte an diesem 4. Februar Geburtstag – ein großes Banner im Gästeblock gab davon Kunde. Und die ca. 1.000 mitgereisten Bremer Fans sollten die lange Geburtstagsfahrt in den Kraichgau nicht bereuen, anders als die ca. 22.000 Unterstützer der TSG, die lieber einen Heimsieg als die zweite Niederlage in Folge gesehen hätten. Dafür gab es ein Wiedersehen mit Casteels und Vestergaard, die im Winter beide nach Bremen gewechselt waren. Markus Gisdol stellte seine Elf wieder nach gewohntem Muster auf: Elyounoussi und Volland als linke und rechte Offensive, Firmino zentral auf der 10, Szalai als Stürmer bei Heimspielen, auf der Doppelsechs Polanski und Schwegler, hinten Beck, Strobl, Bicakcic und Kim, der einen Tag nach seiner Rückkehr bereits wieder eingesetzt wurde. Und das mit Gewinn, solange er bei Kräften war. Von Beginn an hatte die TSG sichtbar Probleme mit der Bremer Rautenformation, die Gäste wirkten anfangs deutlich frischer und geistesgegenwärtiger. Das führte bereits in der 8. Minute zum Führungstreffer, den der wiedergenesene di Santo besorgte. Nach einer unklaren Abwehrsituation passte Selke, früher in Hoffenheims U-19 tätig, auf den schnellen Bremer Stürmer, der Baumann bei seinem 150. Bundesligaspiel keine Chance ließ.

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Bremen stand hoch, attackierte früh und konsequent – und ließ Hoffenheim weiterhin nicht zur Entfaltung kommen. Das ging so bis zur 17. Minute, dann setzte Volland, der ansonsten nicht seinen besten Tag erwischt hatte, ein Zeichen. Seinen scharfen Schuss von halbrechts konnte Wolf im Tor aber parieren. Nach 25 Spielminuten hatte die TSG die Partie dann im Griff, Bremen schwankte bedenklich und fand sich mit dem schnellen Hoffenheimer Kurzpassspiel nicht mehr zurecht. Der Lohn der fortgesetzten Angriffe kam in der 34. Minute nach einem Eckball durch Schwegler, den Bicakcic ungefährdet einnicken konnte, nachdem Vestergaard am Ball vorbeigeflogen war. »

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In der 39. und 42. Minute hatten Strobl und Firmino jeweils gute Gelegenheit, den Führungstreffer zu erzielen, dann ging es mit 1:1 in die Pause. Zum Wiederanpfiff wechselte Bremen den unauffälligen Uwe-Seeler-Sohn Öztunali gegen Felix Kroos ein, den Bruder von Weltmeister Toni, der gleich eine gelbe Karte kassierte. Überraschenderweise knüpfte die TSG zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht an die Leistung vor der Pause an, sondern überließ erneut Bremen die Initiative. Und Werder nutzte den gewährten Spielraum in der 52. Minute zum 1:2. Wieder war di Santo daran beteiligt, der einen Einwurf von rechts an Bargfrede weitergab, dessen scharfer Schuss von Bartels noch umgelenkt wurde. Baumann hatte erneut keine Möglichkeit, den Ball abzuwehren. Nachdem Hoffenheim bis zur 65. Minute keinerlei kreative Reaktion zeigte, wechselte Markus Gisdol Schipplock und Modeste für Szalai und Elyounoussi ein – aber davon wurden die nervösen, immer verspannteren Angriffsversuche der TSG nicht besser. Nach etlichen Ballverlusten schon im Aufbauspiel und noch mehr Ballverlusten im Offensivbereich versuchte es Markus Gisdol ab der 78. Minute mit Rudy statt Schwegler als Ankurbeler des Spiels. Die Folge davon war, dass noch weniger zusammenlief.

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Am Ende stand es immer noch 1:2, Hoffenheim hatte in der zweiten Halbzeit keine einzige saubere Torchance herausspielen können und mit zwei Niederlagen in Folge einen klassischen Fehlstart in die Rückrunde hingelegt. Dabei hatte man sich so viel vorgenommen. Doch statt den Anschluss nach oben zu halten oder sich vielleicht sogar höher zu orientieren, blieb die TSG auf dem siebten Platz stehen und kam dabei in Tuchfühlung mit der von unten aufstrebenden Konkurrenz.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Schwegler (78. Rudy), Polanski, Volland, Elyounoussi (65. Schipplock), Firmino, Szalai (65. Modeste) WERDER BREMEN Wolf, Gebre Selassie, Galvez, Vestergaard, Garcia, Bargfrede, Fritz, Bartels, Öztunali (46. Kroos), di Santo (89. Hajrovic), Selke (81. Sternberg) ZUSCHAUER 23.631 TORE 0:1 di Santo (8.) 1:1 Bicakcic (34.) 1:2 Bargfrede (52.) SCHIEDSRICHTER Guido Winkmann (Kerken) GELBE KARTEN Rudy Kroos, Garcia, di Santo, Bartels

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3:0 20. Spieltag » 7. februar 2015

vfl wolfsburg – TSG 1899 Hoffenheim

Zwei Personalien sorgten für Aufsehen: Auf Hoffenheimer Seite durch Nadiem Amiri, den 20-jährigen Stürmer aus der U-23, der nach intensivem Training mit den Profis auflaufen durfte und Modeste verdrängte, dessen Position in der Mitte Volland einnahm. Auf Wolfsburger Seite jedoch klickten die Kameras unablässig in Richtung von André Schürrle, den die Wölfe für viel Geld von Chelsea losgeeist hatten. Kaum in Wolfsburg angekommen und alsbald ins Training integriert, wurde er schon in der 3. Minute gefährlich, indem er von der linken Seite scharf nach innen flankte, von wo aus Dost den Ball aus kürzester Distanz an Baumann vorbei ins Tor spitzelte. Die Hoffenheimer Abwehr wirkte in diesem Moment nicht sonderlich sortiert, während Wolfsburg, auch im Folgenden, einen bärenstarken Auftritt hinlegte. Anfangs wehrte sich die TSG noch so gut es ging, brach aber ab der 10. Minute immer mehr ein.

De Bruyne in der 11. und Schürrle in der 16. Minute verpassten herausragende Chancen, auf 2:0 zu erhöhen. Schürrle überzeugte aber auch immer wieder mit grandiosen Diagonalpässen über die halbe Hoffenheimer Mannschaft hinweg, meist exakt in den Lauf seines Mitspielers – so dass es danach aussah, als ginge Wolfsburg einem ungefährdeten Sieg entgegen, zumal die Gegenangriffe der TSG allesamt etwas harmlos blieben. Die Überlegenheit der Wölfe wurde noch zählbarer, als in der 28. Minute Schürrle einen überraschenden Drehschuss abfeuerte, unerreichbar für den vorbeifliegenden Baumann. Der Ball krachte von der Latte mitten in den Sechzehner zurück, wo De Bruyne stand und den Ball per Kopf unbedrängt über die Linie befördern konnte. Angesichts des 2:0 agierte Hoffenheim jetzt bissiger und setzte häufiger zu leider etwas hektischen Angriffen an, während Wolfsburg sich zurücknahm und dem Gegner mehr Raum anbot. Nur dass es nicht zum ersehnten Anschlusstreffer kam, auch nicht nach der Pause. Zuber spielte dann für Elyounoussi, was spürbar mehr Druck von der linken Angriffsseite brachte. Insgesamt wirkte der Hoffenheimer Antritt aber weiterhin zu hektisch, von der Angst getragen, hier vielleicht das dritte Spiel in Folge zu verlieren. Wolfsburg wiederum machte den Fehler, sich angesichts der deutlichen Überlegenheit der ersten Halbzeit zu sehr auszuruhen und die TSG damit ab der 55. Minute zusehends besser ins Spiel zu bringen. Die Schwierigkeiten der Wölfe, eine immer entfesselter angreifende TSG zu kontrollieren, nahmen sichtbar zu. Als Volland in der 59. Minute im Strafraum von den Füßen geholt wurde, blieb die Pfeife von Dr. Drees jedoch stumm. Markus Gisdol bot nun Modeste für den angeschlagenen Schwegler auf und sorgte für noch mehr Angriffspotential. Zweimal hintereinander, in der 69. und 71. Minute, hatten erst Modeste und dann Firmino den Anschlusstreffer auf dem Fuß, scheiterten aber beide am bestens aufgelegten Benaglio. Im Strafraumgetümmel kam es dabei zu einem klaren Handspiel von Knoche – und wieder blieb die Pfeife stumm.

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Es war zum Verzweifeln. Hoffenheim hätte jedoch auch ohne den Schiedsrichter gut und gerne zum Ausgleich kommen können, stattdessen stellte Wolfsburg in der 80. Minute das Endergebnis von 3:0 her. Strobl hatte einen riskanten langen Ball flach aus der Abwehr gespielt, Schürrle sich dazwischen geworfen und auf Dost gepasst. Der gab mit viel Übersicht rechts auf De Bruyne weiter. Der Belgier ging in höchstem Tempo ein paar Schritte, zog ab und ließ Baumann keine Chance. Die Ernüchterung war allen Hoffenheimern anzusehen. Man hatte viel investiert, stand aber trotz guter Chancen zuletzt mit leeren Händen da. Dieter Hecking fasste die Partie am besten zusammen: „Wir haben in der ersten Halbzeit sehr effizient gespielt und hatten die Kontrolle über das Spiel. Nach der Führung haben wir zu viele Räume frei gegeben. In der zweiten Hälfte waren wir noch unkonzentrierter und haben Hoffenheim eingeladen. Diego Benaglio hat heute aber sehr gut gehalten. Das war in der zweiten Halbzeit unser Glück gegen eine starke Hoffenheimer Offensive.“

VFL WOLFSBURG Benaglio, Vieirinha (73. Guilavogui), Naldo, Knoche, Rodriguez, Arnold, Gustavo, Caligiuri (65. Jung), De Bruyne (86. Schäfer), Schürrle, Dost TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Polanski, Schwegler (65. Modeste), Amiri, Elyounoussi (46. Zuber), Firmino, Volland ZUSCHAUER 26.356 TORE 1:0 Dost (3.) 2:0 De Bruyne (28.) 3:0 De Bruyne (84.) SCHIEDSRICHTER Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) GELBE KARTEN Schürrle, Guilavogui Polanski

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2:1 21. Spieltag » 14. februar 2015

tsg 1899 Hoffenheim – vfb stuttgart

Unter der Woche hatte die Mitgliederversammlung der TSG einstimmig den Weg für Dietmar Hopp frei gemacht, die Stimmenmehrheit an der Spielbetriebs GmbH zu übernehmen – eine entsprechende Entscheidung von DFB und DFL hatte die Grundlage dafür geschaffen. Was von außen besehen immer noch für leises Stirnrunzeln sorgte, war für die TSG und ihre Fans die pure Selbstverständlichkeit. Das Derby gegen den VfB Stuttgart sollte im Gefolge dieser zukunftsweisenden Entscheidung nun möglichst nicht zur vierten Niederlage hintereinander werden. Was auch nicht geschah. Eine von der ersten Minute an fest entschlossene TSG nahm das Heft in die Hand und ließ es buchstäblich bis zur letzten Minute nicht mehr los. Dabei musste der Ausfall von Polanski, Szalai, Zuber und Strobl kompensiert werden. Amiri rückte deshalb wieder in die Startelf, Rudy kehrte ins Team zurück und Abraham übernahm die Position des Innenverteidigers, während Schipplock in der Sturmmitte seine Kreise zog. Teils wurde mit zwei Stürmern und zwei Viererketten gespielt, teils im 4-1-4-1-System mit Raute, je nachdem, ob Stuttgart unter Druck gesetzt werden oder an der Entwicklung nach vorn gehindert werden sollte.

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Denn der VfB war in der ersten Halbzeit durchaus bemüht, seine zuletzt schwachen Offensivleistungen zu verbessern, die ihn als Tabellenletzten hatten anreisen lassen. Und defensiv hatte Trainer Huub Stevens die Schwaben inzwischen besser aufgestellt, so dass die Angriffe der TSG meist schon im engen Mittelfeld hängenblieben. Für eklatante Benachteiligung sorgte der Schiedsrichter, der ein ums andere Mal kleinlich zugunsten des VfB pfiff. Angesichts der beiderseits hart umkämpften Wege nach vorn waren ruhende Bälle das probateste Mittel, für Torgefahr zu sorgen. Und so kam es in der 30. Minute nach einem Freistoß von Schwegler zu einigem Getümmel im Strafraum der Gäste, den Firmino mit einem scharfen Schuss zur Führung für die TSG abschloss. Neun Minuten später ergab sich eine ähnliche Szene auf der Gegenseite, nur dass Sakai den Ausgleichstreffer allein mithilfe von Bicakcic erzielte, den er so hart anschoss, dass der Ball unhaltbar rechts statt links über die Linie ging. In der zweiten Halbzeit hatte Schiri Welz sich und seine Pfeife besser im Griff. Hoffenheim konnte jetzt flüssiger agieren und setzte den VfB zunehmend unter Druck, der seinerseits fast nichts mehr nach vorn brachte und sich auf die Verteidigung des Pausenstands von 1:1 verlegt zu haben schien. Als um die 60. Minute Salihovic für Amiri ins Spiel kam, wurden die Hoffenheimer Angriffe endlich ideenreicher – und auch gefährlicher, als um die 70. Minute herum Modeste für Schipplock eingewechselt wurde. Die TSG drängte jetzt pausenlos auf die Führung, scheiterte aber immer wieder an der eigenen Schussungenauigkeit oder an Ulreich im Schwabentor. »

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Immer schneller verrannen die Minuten, ohne dass der ersehnte Führungstreffer fallen wollte. Dann wurde der heiße Angriffsrhythmus der TSG auch noch gebrochen, als Toljan für den verletzten Abraham auflaufen musste. Und so ging es in die drei Minuten Nachspielzeit, in der Modeste sich auch noch an einem Zuspiel per Hackentrick versuchte und prompt den Ball verlor. In die darauf folgende Stuttgarter Spieleröffnung warf sich Rudy förmlich hinein, Volland nahm den Ball auf und trieb ihn halbrechts energisch nach vorn, während Rudy rechts von ihm mitlief und im genau richtigen Moment von Volland angespielt wurde. Rudy sortierte noch kurz seine Schritte und schob dann, in der 93. Minute, den Ball mit eisernen Nerven seelenruhig an Ulreich vorbei in die Maschen. Die fast ausverkaufte WIRSOL Rhein-NeckarArena glich daraufhin einem Tollhaus, während Rudy unter einer Traube von Spielern, Ersatzspielern, Trainern und Betreuern begraben wurde. Er kam aber unverletzt darunter hervor und durfte kurze Zeit später auf dem Zaun „Gib mir ein H“ usw. anstimmen.

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TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Abraham (83. Toljan), Bicakcic, Kim, Rudy, Schwegler, Volland, Amiri (57. Salihovic), Firmino, Schipplock (72. Modeste) VFB STUTTGART Ulreich, Sakai, Baumgartl, Niedermeier, Hlousek, Romeu, Klein (78. Ibisevic), Leitner (69. Maxim), Gentner, Harnik (87. Dié), Werner ZUSCHAUER 29.309 TORE 1:0 Firmino (30.) 1:1 Sakai (39.) 2:1 Rudy (90. + 3) SCHIEDSRICHTER Tobias Welz (Wiesbaden) GELBE KARTEN Schwegler, Schipplock, Abraham Werner, Niedermeier, Gentner

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1:1 22. Spieltag » 21. februar 2015

sc freiburg – TSG 1899 Hoffenheim

So ist der Fußball: Sebastian Rudy, im letzten Spiel noch der Matchwinner, war diesmal durch eine Unaufmerksamkeit entscheidend am gegnerischen Tor beteiligt. Im Baden-Derby gegen den SC Freiburg sprang deshalb nicht mehr als ein Unentschieden heraus. Doch ist an Ergebnissen nie ein Spieler allein schuld und kann auch nie als einziger den Verdienst an etwas beanspruchen. Hoffenheim hätte die Partie bei besserer Chancenauswertung durchaus gewinnen können. Von Frank Kaspari

selber durch schnelle Gegenangriffe zu Toren zu kommen, gelang aber nur teilweise. Freiburg machte zunehmend das Spiel, dafür war Hoffenheim offensiv kaum zu sehen. Für einen war die Partie etwas ganz Besonderes: Oliver Baumann. Zum ersten Mal lief er in Freiburg, bei seinem alten Verein, für den er seit der Jugend gespielt hatte, in den Farben der TSG auf. Fortwährende Pfiffe von den Rängen waren der unschöne Dank für die vielen Jahre im Breisgau. Die enttäuschten Fans wedelten außerdem mit nachgemachten Geldscheinen, vermutlich um auszudrücken, dass sie selber niemals im Leben eine interessante berufliche, dazu noch besser bezahlte Chance ergreifen würden.

vorbereitet, weil Markus Gisdol der grassierenden Grippe zum Opfer gefallen war, bot besonders die zweite Halbzeit ausreichend Gelegenheit dazu. Beim Spiel selbst war Markus Gisdol allerdings schon wieder fit genug, um an der Seitenlinie zu stehen bzw. immer noch geschwächt meistens zu sitzen. In der ersten Halbzeit ging die TSG im ungewohnt defensiven 4-4-2-System zuwerke. Der zugrunde liegende Plan, Freiburg tief stehend zu Angriffen förmlich zu nötigen, um

Der treffendste Kommentar zum Spiel kam von Sky-Kommentator Markus Meinert: „Es gab schon prickelndere Derbys auf diesem Planeten.“

Wenn sie allerdings glaubten, den Hoffenheimer Keeper damit verunsichern zu können, lagen sie falsch: Baumann war sofort zur Stelle, als sich in der 9. Minute Darida und Riether per Doppelpass durchspielten und der Tscheche in die lange Ecke abschloss. Auf der Gegenseite sorgte Modeste, der auswärts wieder stürmen durfte, erst in der 15. Minute für einen Anflug von Gefahr, aber Bürki konnte seinen 20-Meter-Schuss problemlos halten. In der 25. Minute kam es zur oben angesprochenen Szene. Hoffenheim verursachte durch viele hautnahe Zweikämpfe etliche gegnerische Freistöße, von denen einer von halbrechts über die gesamte Abwehr hinweg segelte und in Höhn, der sich aus Rudys Bewachung fortgeschlichen hatte, einen dankbaren Abnehmer fand. Baumann hatte keine Chance, den in der Luft abgenommenen Ball von links außen zu parieren. Bis zur 39. Minute gab es nur einen einzigen, missglückten Versuch der TSG, die Freiburger Führung auszugleichen. Dann jedoch legte Modeste einen jener inzwischen typischen langen Bälle nach vorn seitlich ideal auf Volland ab, der Vollspann aus 25 Metern Entfernung draufhielt und in den linken oberen Winkel traf. Das Tor fiel wie aus dem Nichts und war zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaft.

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Das sollte sich nach der Pause ändern. Hoffenheim attackierte jetzt viel früher und setzte Freiburg zunächst gehörig unter Druck. Polanski war noch kurz vor der Halbzeit für den stark gelb-rot gefährdeten Schwegler gekommen und setzte in der 52. Minute einen Fernschuss aus 23 Metern krachend gegen den Pfosten, wobei Bürki noch die Fingerspitzen dranhatte. Ab der 60. Minute kämpfte sich Freiburg aber zurück, erst etwa ab der 70. Minute war Hoffenheim wieder am Drücker, ohne zu den ganz großen Torchancen zu kommen. Für finale Aufregung sorgten in der 90. Minute zwei rote Karten, mit denen Schiri Gagelmann zuerst Torrejón nach grobem Foul in die Kabine und danach dessen Trainer Streich auf die Tribüne schickte. Letzterer war erbost, dass Kim auf Hoffenheimer Seite der Gerechtigkeit halber nicht wenigstens Gelb-Rot gesehen hatte – nicht ganz zu Unrecht. Andererseits war die Verletzungsgefahr bei Kims Foul erheblich geringer, weil sein Gegenspieler ihn von der Seite hatte kommen sehen.

SC FREIBURG Bürki, Riether, Höhn, Torrejon, Günter, Darida, Sorg, Klaus, Schmid, Guedé (80. Schahin), Philipp (72. Mehmedi) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Abraham, Bicakcic, Kim, Rudy, Schwegler (45. Polanski), Volland, Firmino, Salihovic (90. Elyounoussi), Modeste (85. Szalai) ZUSCHAUER 23.800 TORE 1:0 Höhn (25.) 1:1 Volland (39.) SCHIEDSRICHTER Peter Gagelmann (Bremen) GELBE KARTEN Philipp, Guedé Schwegler, Kim, Salihovic ROTE KARTEN Torrejon (90. + 2, grobes Foulspiel)

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2:0 23. Spieltag » 28. februar 2015

tsg 1899 Hoffenheim – fsv mainz 05

Und wieder kam es zu zwei grundverschiedenen Halbzeiten, diesmal vielleicht noch krasser. Das lag möglicherweise auch daran, dass Mainz unter seinem neuen Trainer Schmidt schwer auszurechnen war – und Hoffenheim sich gegen den Karnevalsverein ohnedies meist schwer tat. Strobl war zurück in der Innenverteidigung, Salihovic spielte vorne links, Szalai versuchte sein Glück im Sturm und Rudy und Polanski gaben die Doppelsechs. Genau genommen sah es in der ersten Halbzeit danach aus, als würde die TSG ihren ersten Heimsieg gegen Mainz auch diesmal verpassen. Tief stehend, defensiv, passiv, unschlüssig – so ging die TSG in die Partie. Mainz schien ebenfalls nicht darauf aus zu sein, das Spiel zu machen, ergriff die sich bietenden Räume aber beherzter und kam dem Tor der TSG ein ums andere Mal gefährlich nah. Insgesamt jedoch war die erste Halbzeit über weite Strecken von Fehlpässen auf beiden Seiten und technischen Defiziten geprägt. Etwa ab der 20. Minute erhöhte sich die Mainzer Torgefährlichkeit dann doch – und es war schon einiges Glück dabei, dass Hoffenheim allein nach den Riesenchancen von Malli und Clemens zur Pause nicht mit zwei Toren zurücklag. Eigene schmale Chancen gab es anfangs auch, bestehend aus einem Kopfball von Volland und einem Fernschuss von Salihovic, die beide von Karius geklärt werden konnten. »

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Und so pfiff die Südkurve ziemlich laut und verdrießlich, als es zur Pause ging – und musste auch nach dem Wiederanpfiff noch eine Mega-Torchance von Mainz aushalten, bis die TSG endlich das Spiel an sich riss und Fußball Marke Hoffenheim zelebrierte. Es begann in der 50. Minute: Szalai, in der Sturmmitte angespielt, schien den Ball erst zu verstolpern, setzte aber noch zu einem nicht ganz platzierten Schuss an, den Karius halten konnte. Das war der Auftakt. In der 55. Minute ging dann ein TSG-Konter Richtung Mainzer Tor, der die Fans elektrisierte – Firmino trieb halblinks den Ball von der Mittellinie voran, während Szalai sich zurückfallen ließ, da er abseits stand, und Volland in Höchsttempo halbrechts mitlief. Zweimal hob Firmino den Kopf, dann passte er zwischen Karius und zwei Mainzer Verteidigern hinüber präzise zu Volland, der mit einem satten Schuss ins rechte untere Eck abschloss. Mainz stand von da an unter Dauerdruck und geriet defensiv arg ins Wanken. Großen Anteil daran hatten auch Schwegler, der zur Pause für Salihovic gekommen war,

und Schipplock, der ca. ab der 60. Minute Szalai ersetzte. Hoffenheim spielte jetzt wie aus einem Guss und erzielte in der 76. Minute auch noch den zweiten Treffer. Diesmal war Beck im Zusammenspiel mit Volland rechts auf die Grundlinie durchgegangen, hatte weit über die Mainzer Abwehr hinweggeflankt und Polanski gefunden, der förmlich durch den Sechzehner flog und den Ball mit Wucht unhaltbar einköpfte. Die vorher noch durchwachsene bis kritische Stimmung auf den Rängen war jetzt natürlich gelöst bis euphorisch. Die letzte Viertelstunde lief ab, ohne dass Mainz noch etwas reißen konnte, dann war der erste Heimsieg der TSG über den FSV perfekt. Markus Gisdol hatte in seiner Pausenansprache offenbar den Grundstein gelegt dafür, dass Hoffenheim in der zweiten Halbzeit zu sich zurückfand. Alexander Rosen verriet den zentralen Satz seiner Ansprache: „Wir spielen unsere zweitbeste Saison. Es gibt keinen Grund, vor irgendetwas Angst zu haben. Spielt jetzt einfach mal!“

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Polanski, Rudy, Volland, Salihovic (46. Schwegler), Firmino (88. Abraham), Szalai (64. Schipplock) FSV MAINZ 05 Karius, Brosinski, Bungert, Bell, Bengtsson, Geis, Park (78. Hofmann), Clemens (72. Jairo), Malli (86. Soto), de Blasis, Okazaki ZUSCHAUER 24.310 TORE 1:0 Volland (55.) 2:0 Polanski (76.) SCHIEDSRICHTER Peter Sippel (München) GELBE KARTEN Kim, Salihovic, Polanski

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0:2 DFB-Pokal, Achtelfinale » 3. märz 2015

vfr aalen – TSG 1899 Hoffenheim

Erste präzisere Gerüchte um Interessenten für Firmino machten die Runde. Das war vor einem Jahr ähnlich, aber die Zahl von 30 Mio. Euro, die durch die Medien kursierte und Arsenal London zugeschrieben wurde, ließ doch aufhorchen. Für die Pokalbegegnung in Aalen, die vierte Südwestpartie in Folge, spielte das keine Rolle. Hier waren eher die Platzverhältnisse geeignet, sich Gedanken zu machen. Das Geläuf war zwar weniger tief und schwer als erwartet, aber ausreichend zerfurcht, um dem damit vertrauten Zweitligisten einen gewissen Vorteil zu verschaffen. Markus Gisdol lag darum sicher nicht falsch, mit drei Sechsern zu starten und dem wendigeren Schipplock vor Auswärtsstürmer Modeste den Vorzug zu geben. Im Tor konnte endlich wieder Jens Grahl zeigen, welchen Rückhalt er darstellt, und auf der linken Defensivbahn durfte Jeremy Toljan den überbeanspruchten Kim entlasten. Weil Aalen in der Runde davor immerhin Hannover 96 aus dem Pokal geworfen hatte, war die TSG gewarnt. Und so legte sie sich von Beginn an ins Zeug, auch wenn es nicht leicht fiel, auf dem mitgenommenen Rasen fein zu kombinieren. Über den vorhandenen Kampfeswillen ließ sich das aber gut kompensieren. Aalen hielt jedoch munter dagegen und kam in der 12. Minute zu einer großen Chance, als Toljan eine Flanke unzureichend klärte und Kaufmann aus zehn Metern volley abzog.

Der Ball zischte weit genug übers Tor, um Grahl nicht in Gefahr zu bringen. Vier Minuten später belohnte sich dann die nie nachlassende TSG, indem Volland rechts durchging, nach innen flankte und Polanski den leicht abgefälschten Ball wie einen Strich zum Führungstreffer in die Maschen jagte. Hoffenheim hatte mehr als eine erste Duftmarke gesetzt. Aalen versuchte den drohenden Lauf der TSG jetzt durch rüdere Fouls zu bremsen, was zu entsprechenden Reaktionen und den ersten beiden gelben Karten führte, eine für Aalen, eine für Hoffenheim. Torchancen gab es auch, auf beiden Seiten, deren wichtigste Volland in der 32. aus spitzem Winkel vergab und Kaufmann in der 36., als er den Ball an die Latte setzte. Nach der Pause ging es ohne Auswechslungen weiter, der VfR bemühte sich um aktiven Zugriff aufs Spiel, die TSG um Kontrolle. Die sich wieder ergebenden zähen Zweikämpfe hatten zwei weitere gelbe Karten zur Folge – und ein weiteres Tor für die TSG, die wacher und entschiedener wirkte, wenn es darauf ankam. Diesmal brachte Schwegler den Ball nah an die Gefahrenzone und gab auf Schippo ab. Und Hoffenheims Nr. 9 setzte im genau richtigen Moment Volland ein, der wuchtig abzog und in der 56. Minute das 0:2 erzielte. Aalen blieb am Drücker, versuchte vieles, war aber gegen Hoffenheim nicht cool genug, um die sich hier und da ergebenden Chancen zu verwerten. Dass es zu insgesamt drei Strafraumszenen kam, in denen ein weniger souveräner Schiedsrichter irgendwann doch einmal auf Foul gegen die TSG entschieden hätte, erboste die 8.000 Zuschauer in der Scholz-Arena so sehr, dass Jens Grahl mit dem, was ihm von den Rängen um die Ohren flog, eine kleine Feuerzeugsammlung hätte anlegen können. Gegen Ende durften noch Zuber für Firmino und Amiri für Volland aufs Feld, dann war das Viertelfinale zum insgesamt siebten Mal erreicht. Die höhere Qualität hatte sich durchgesetzt – auf der Basis großer Kampfbereitschaft.

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VFR AALEN Bernhardt, Ofosu-Ayeh, Barth, Mockenhaupt, Feick, Hofmann, Kaufmann, Ludwig, Gjasula, Klauß (79. Ademi), Quaner (87. Leandro) TSG 1899 HOFFENHEIM Grahl, Beck, Strobl, Bicakcic, Toljan, Rudy, Schwegler, Polanski, Volland (90. + 1 Amiri), Firmino (73. Zuber), Schipplock (76. Modeste)

ZUSCHAUER 8.252 TORE 0:1 Polanski (16.) 0:2 Volland (56.) SCHIEDSRICHTER Sascha Stegemann (Niederkassel) GELBE KARTEN Quaner, Gjasula, Feick Beck, Volland

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3:1 24. Spieltag » 7. März 2015

schalke 04 – TSG 1899 Hoffenheim

Nachdem 30 Mio. Euro Ablösesumme für Firmino durch die Medien gegeistert waren, machten nun 20 Mio. für Volland die Runde. Der wuchtige TSG-Stürmer hatte in letzter Zeit seine Klasse wiedergefunden und in jedem Spiel ein Tor geschossen – was ihm auch auf Schalke gelingen sollte. Im Vorfeld hatte Trainer di Matteo durchblicken lassen, dass er an seiner Fünferkette festhalten könnte, mit der er eine Woche zuvor in Dortmund noch Schiffbruch erlitten hatte. Und Hoffenheim ging in die Falle. Denn was als Fünferkette auf dem Papier stand, waren in Wahrheit drei stabile Verteidiger samt zwei mobilen Außenverteidigern, ihrerseits eher Teil des Mittelfelds. Folglich traf Hoffenheim stattdessen auf ein Fünfer-Mittelfeld und hatte mit zwei Sechsern wenig dagegen aufzubieten. Von Beginn an setzte Schalke Hoffenheim unter extremen Druck, umgekehrt war vorn mit Modeste einer zu viel unterwegs und hing meist im Leeren. Die Räume, die Schalke dafür offensiv freistanden, konnten von der TSG nur mit Mühe und Not geschlossen werden. Immer öfter lief man den ballführenden Schalkern hinterher – und ins Verderben. In der ersten Halbzeit sah das phasenweise fast hilflos aus. Die einzige Chance, die es gegen das sich abzeichnende Verhängnis gegeben hätte, wären eigene Treffer gewesen – aber bei der Konfusion, die Schalke taktisch angerichtet hatte, regierten vorn die fehlerhaften statt der tödlichen Pässe. Allen voran wusste Modeste nicht, was er mit dem Ball anfangen sollte, und verlor ihn meist ebenso schnell, wie er ihn zugespielt bekommen hatte. Solch eine Szene ging auch dem 1:0 in der 12. Minute voraus, das bezeichnenderweise der Schalker Außenverteidiger Fuchs aus dem linken Rückraum erzielte. Schon in der 36. Minute wurde er stark gelb-rot gefährdet ausgewechselt.

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Für den Rest der Halbzeit stand Hoffenheim das taktische Wasser weiter bis zum Kinn, und in der 41. Minute fiel das 2:0 durch Meyer nach glänzender Vorarbeit durch ChoupoMoting, der sich von rechts durch die halbe TSG-Abwehr getankt und im richtigen Moment abgegeben hatte. In der Pause ging Markus Gisdol endlich daran, seine taktische Aufstellung zu korrigieren. Dazu nahm er Modeste vom Feld und brachte Abraham für Strobl als Innenverteidiger. Indem Strobl nun als dritten Sechser agieren konnte, hätte die Gefahr eigentlich gebannt sein müssen – nur dass sich die beiden offensiven Schalker Außenverteidiger auf einmal aus dem Mittelfeld zurückzogen und mit dem defensiven Drilling jetzt jene Fünferkette bildeten, die Hoffenheim ohne Stoßstürmer kaum knacken konnte. Es dauerte eine gute Viertelstunde, dann korrigierte sich Gisdol taktisch zum zweiten Mal und wechselte Zuber für Szalai aus. Von diesem Moment an wurden die Angriffe der TSG, die sich auch vorher schon viel für die zweite Halbzeit vorgenommen hatte, besser. Der vorbereitende Pass auf Volland, der in der 73. Minute knallhart ins rechte untere Eck einschoss, kam passenderweise von Szalai. Aber leider war, wieder durch Meyer, in der 53. Minute schon das 3:0 gefallen und Vollands Treffer somit nur noch eine Art Ergebniskorrektur.

Trotzdem legte sich Hoffenheim weiter mächtig ins Zeug, erarbeitete sich hier und da sogar die Chance, weiter zu verkürzen, musste sich jedoch der überlegenen Schalker Taktik geschlagen geben. Und das war bitter: Statt mit Schalke offen die Kräfte zu messen, war man ständig bemüht, überhaupt Zugriff aufs Spiel zu finden. Statt mit Schalke die Plätze zu tauschen, klebte man weiter auf Platz 7 fest und sah sich, das merkte man den enttäuschten Spielern an, im entscheidenden Moment schmerzhaft außerstande, den Traum der internationalen Plätze zu realisieren. Einen Tag später wurde dann der BVB als Pokalgegner ausgelost, samt Dortmunder Heimspielrecht. Angesichts der übrigen Losgegner und der Dortmunder Wackeleien in dieser Saison hätte es leichtere, aber auch schwierigere Aufgaben geben können.

SCHALKE 04 Wellenreuther, Höwedes, Ayhan, Nastasic, Barnetta, Fuchs (36. Uchida), Neustädter, Höger (56. Goretzka), Meyer, Choupo-Moting, Huntelaar (84. Matip) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Schwegler, Polanski (82. Amiri), Volland, Firmino, Zuber (62. Szalai), Modeste (46. Abraham) ZUSCHAUER 60.607 TORE 1:0 Fuchs (12.) 2:0 Meyer (41.) 3:0 Meyer (53.) 3:1 Volland (73.) SCHIEDSRICHTER Bastian Dankert (Rostock) GELBE KARTEN Fuchs Strobl

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3:0 25. Spieltag » 14. März 2015

tsg 1899 Hoffenheim – hamburger SV

Unter der Woche gab es bei der TSG etliche Verletzungssorgen, am Wochenende waren sie bereits verflogen. Fast alle außer Niklas Süle waren an Bord. Anders der HSV: Lasogga fehlte weiter, Jansen und andere ebenfalls, allein Holtby stand für einen Kurzeinsatz zur Verfügung. Ein anderes Thema erhitzte am Spieltag die Gemüter aber noch viel mehr: Ralf Rangnick, einst Trainer in Hoffenheim, jetzt Sportdirektor bei RB Leipzig, hatte Markus Gisdol als neuen Trainer für Leipzig ins Gespräch gebracht. Wie belastbar die vielfachen Dementis waren, würde die Zukunft zeigen. Die Befürchtung von Markus Gisdol, dass der HSV wie zuletzt öfters geschehen überhart einsteigen würde, erwies sich glücklicherweise als falsch. In einer beiderseits fair geführten Partie gab Hoffenheim den Takt an und setzte Hamburg von Beginn an unter Druck. Die Mannschaft hatte sich etwas vorgenommen, das war klar zu sehen, allen voran Volland und Polanski, der diesmal die offensive linke Seite als Aufgabengebiet zugeteilt bekam.

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Nach einigen guten Momenten von Strobl und Schipplock und haarsträubenden Fehlern des HSV beim Spielaufbau brachte die 19. Minute eine spielentscheidende Szene. Nach grandiosem Zuspiel von Strobl ging Schipplock steil in den Strafraum, legte den Ball am herausstürzenden Drobny vorbei – und wurde gefoult. Neben dem fälligen Elfer gab es auch die rote Karte für den Hamburger Schlussmann. Es dauerte drei Minuten, ehe Adler, für Gouaida eingewechselt, Drobnys Platz eingenommen hatte. Doch gegen Polanskis Gewaltschuss ins rechte untere Eck vermochte er nichts auszurichten, auch wenn er mit den Fingerspitzen noch am Ball war. In der Folgezeit war Polanski immer wieder an gefährlichen Angriffen der TSG beteiligt, aber die Mannschaft tat sich gegen 10 Hamburger fast schwerer als zuvor, die ihrerseits tief und eng gestaffelt wenig Raum für die TSG-spezifischen schnellen Ballstaffetten ließen. So stand es auch zur Halbzeit noch 1:0 – was eine Weile weiter so bleiben sollte. Hier und da suchte Polanski mit abgewehrten Bällen nach Standards aus dem Rückraum sein Glück, die aber weit übers Tor flogen. Die größte Tugend der TSG war zu dieser Zeit die Geduld, mit der Angriff auf Angriff sorgfältig vorbereitet wurde, gerne auch mittels längerer, ruhiger Ballweitergabe über viele Stationen. Das sah nicht sehr spektakulär aus, hielt aber den HSV vom eigenen Sechzehner fern. Als Hamburg gegen Ende der Partie auf einmal die Schlagzahl erhöhte, um vielleicht doch noch ein Remis zu erreichen, spielte Hoffenheim die sich ergebenden Kontermöglichkeiten klug zuende. »

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Zunächst trieb in der 81. Minute Schwegler den Ball energisch nach vorn und gab auf Polanski weiter, der ins rechte lange Eck unhaltbar einschoss. Dann zog Volland in der 88. Minute über rechts auf und davon, verzichtete aber darauf, selber zu schießen, und flankte scharf nach innen, wo Rudy den Fuß hinhielt und das 3:0 erzielte. Da parallel Augsburg gegen Mainz verlor und Schalke gegen Hertha nur unentschieden spielte, war mit diesem Sieg die Chance auf die europäischen Plätze gewahrt. Die Spieler gaben nach der Partie unumwunden zu, dass ihr Ehrgeiz auch genau in diese Richtung ginge. Die nächste Partie in Paderborn würde darüber entscheiden, wie realistisch das war.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Rudy, Schwegler, Polanski (88. Salihovic), Volland, Firmino (86. Szalai), Schipplock (79. Elyounoussi) HAMBURGER SV Drobny, Diekmeier, Westermann (70. Kacar), Cleber, Ostrzolek (80. Holtby), Behrami, Jiracek, Ilicevic, Stieber, Gouaida (22. Adler), Olic ZUSCHAUER 30.150 (ausverkauft) TORE 1:0 Polanski (22., Foulelfmeter) 2:0 Polanski (81.) 3:0 Rudy (87.) SCHIEDSRICHTER Günter Perl (Pullach im Isartal) GELBE KARTEN Schwegler Ilicevic, Jiracek ROTE KARTEN Drobny (20., Notbremse)

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0:0 26. Spieltag » 21. März 2015

sc paderborn – TSG 1899 Hoffenheim

Immer mehr Gerüchte um Firmino, Beck und Volland sowie Trainer Gisdol sorgten für zunehmende Unruhe. Vielleicht lag es daran, dass Hoffenheim in Paderborn einen schwachen Auftritt hinlegte. Die grauen Trikots der TSG waren zudem wenig dazu angetan, Spielfreude zu entwickeln, konnten aber nicht als Ausrede gelten. Durch die Gelb-Sperre von Schwegler nach der fünften gelben Karte war Polanski wieder als klassischer Sechser unterwegs, neben Rudy, der erneut eine Einladung zur Nationalmannschaft erhalten hatte – anders als Volland, dessen herausragende Leistungen in den letzten Spielen

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mindestens ebenso sehr dazu berechtigt hätten. Im Sturm durfte wieder Schipplock ran, Elyounoussi besetzte die linke offensive Seite. Von Beginn an wirkte Paderborn frischer und zielstrebiger, verfügte aber auch über deutlich schmalere spielerische Mittel, von denen die Ostwestfalen jedoch zielstrebigen Gebrauch machten. Bei der TSG wirkte dagegen vieles bemüht, nach vorn verkrampft, ohne innere Überzeugung vorgetragen. 55% Ballbesitz bis zur Halbzeit spiegelten insofern keine Überlegenheit wieder, denn echte Torchancen blieben hüben wie drüben Mangelware.

Das sollte sich nach der Pause ändern, nur dass Hoffenheim immer noch nicht beherzt zur Sache ging, sondern Paderborn im jetzt einsetzenden dichten Regen deutlich mehr offensiven Ehrgeiz entwickelte. Mit Folgen, weil in der 55. Minute Bicakcic die gelbe Karte nach etwas zu rüdem Einsteigen gegen Vranic sah. Kurz darauf brachte Markus Gisdol Szalai für Schipplock, der sich redlich abgemüht hatte, aber angesichts extrem vieler Ballverluste seiner Kollegen ohne durchschlagende Effizienz geblieben war. Mehr Torgefahr strahlte Hoffenheim durch den Wechsel immer noch nicht aus, während Paderborn die Chance witterte, nach völlig verpatztem Rückrundenstart etwas zu reißen. Das umso mehr, als in der 65. Minute Bicakcic erneut heftig einstieg, diesmal gegen Rupp, und bei enger Regelauslegung nicht ganz zu Unrecht die zweite gelbe und somit insgesamt die rote Karte sah. Zwar müssen Mannschaften in Unterzahl nicht zwingend schwächer spielen, aber die TSG schaffte es nicht, den Schalter umzulegen – was sicher nicht daran lag, dass Abraham für Elyounoussi kam, um die Lücke in der Innenverteidigung zu schließen. Die Paderborner Angriffe rollten jetzt fast im Minutentakt aufs Hoffenheimer Tor, meist unter Beteiligung von Lakic, der zwei Jahre zuvor eine unglückliche Halbserie für Hoffenheim absolviert hatte. Doch was die Ostwestfalen auch aufs Tor brachten, Olli Baumann sprang, faustete, hechtete, blockte – und hielt das magere Unentschieden für seine TSG fest. Ohne Baumann, der sich als einziger Hoffenheimer an diesem Tag in Höchstform präsentierte, wäre in Paderborn nicht mal ein Pünktchen drin gewesen. So jedoch verkürzte die TSG den Abstand auf Platz 6 auf nur noch einen Zähler, musste aber das Ziel, die europäischen Plätze zu erreichen, nach äußerst durchwachsener Leistung mindestens relativieren.

SC PADERBORN Kruse, Heinloth, Lopez, Hünemeier, Brückner, Ziegler, Wemmer (70. Koc), Rupp (77. Saglik, (90. + 2 Kachunga), Vrancic, Meha, Lakic TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim, Rudy, Polanski, Volland, Firmino (90. Modeste), Elyounoussi (67. Abraham), Schipplock (59. Szalai) ZUSCHAUER 14.401 TORE SCHIEDSRICHTER Markus Schmidt (Stuttgart) GELBE KARTEN Rudy, Modeste GELB-ROTE KARTEN Bicakcic (65.)

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1:4 27. Spieltag » 4. april 2015

tsg 1899 Hoffenheim – Borussia M’gladbach

Jede Serie hat irgendwann ein Ende. Noch nie zuvor konnte Gladbach in Sinsheim gewinnen, diesmal war es soweit, gegen eine allerdings ersatzgeschwächte Hoffenheimer Mannschaft, die ohne den gelbrot gesperrten Bicakcic und die verletzten Polanski und Schwegler auskommen musste. Die vakante Doppelsechs wurde durch Rudy und Amiri ausgefüllt, wobei letzterer dazu neigte, mit Firmino eher eine Doppelzehn zu geben – was sich anfangs auch richtig gut anließ. Mit Zuber auf der linken offensiven Seite und Volland auf rechts, mit Schippo in der Sturmmitte setzte die TSG Gladbach 20 Minuten lang enorm unter Druck und erzielte in der 6. Minute schon den Führungstreffer. Nur dass der allenfalls mittelmäßige Schiedsrichter Kinhöfer den regulären Treffer aberkannte, weil sein zwei Meter zurückhängender Seitenassistent eine Abseitsstellung von Zuber erkannt haben wollte. Hoffenheim ließ sich von der Fehlentscheidung nicht irritieren und kam in der 17. Minute doch noch zur verdienten Führung. Zuber hatte halblinks Firmino geschickt, der weltmeisterlich auf Schipplock in die Mitte flankte, so dass der Torschuss nur noch eine Formsache war. Leider überließ die TSG danach das Spiel zunehmend den Fohlen vom Niederrhein, die sich das nicht zweimal sagen ließen und alsbald ihrerseits ein offensives Feuerwerk abbrannten. Dabei war unübersehbar, wie ballgewandt und passsicher Gladbach agierte. Etliche lange Bälle hebelten die nach wie vor hoch pressende Hoffenheimer Elf wirkungsvoll aus. Dass es innerhalb von zehn Minuten zu gleich drei Treffern für Gladbach kam, lag allerdings auch wieder am Schiedsrichter. Bei einem Gladbacher Angriff gab es einen völlig absichtsfreien Kontakt von Abrahams mit Johnsons Fuß und zu dessen anschließendem Sturz. Beide waren ohne Ball unterwegs, beide in völlig verschiedener Richtung. Aber der Elfer wurde gegeben. Und Baumann ließ sich verladen.

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Dann folgte der Doppelschlag in der 31. und 36. Minute durch Hermann und Raffael – und war das Spiel so gut wie entschieden. Zu keinem Zeitpunkt der noch fast eine Stunde andauernden Partie konnte man den Eindruck gewinnen, dass Hoffenheim dem Champions-League-Aspiranten richtig gefährlich werden könnte, zumal Gladbach kurz nach dem Seitenwechsel auch noch das 1:4 erzielte. »

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Einige wertvolle Erkenntnisse gab die Partie aber her. Da war zum einen der elegant-wendige Auftritt von Amiri, zum anderen der wilde, kluge Antritt von Zuber. Beide erwiesen sich als echte Bereicherung des Kaders. Dann gab es, weniger befriedigend, die unbestreitbare Gladbacher Überlegenheit zu bewundern. Das technische Reservoir der Fohlen war um eine Klasse besser einzuordnen als die entsprechenden Möglichkeiten der TSG. Und drittens wurde klar, dass ein reines Umschaltspiel, wie es Hoffenheim praktiziert, an ihr Ende kommt, wenn eine Mannschaft wie Gladbach, die ja ebenfalls Konterfußball spielt, damit umzugehen weiß. Der Gladbacher Sieg war völlig verdient, daran zweifelte nach der Partie niemand. Aber man hatte auch keine Zeit, sich der Niederlage lang zu widmen. Denn drei Tage später stand das Pokal-Viertelfinale in Dortmund an, gegen eine Mannschaft, die in dieser Saison das Siegen verlernt hatte und sich nicht mehr in jenen Rausch spielen konnte, der sie in den letzten Jahren von Erfolg zu Erfolg getragen hatte. Drei Punkte daheim wären schön gewesen, aber der mögliche Einzug ins Halbfinale wog schwerer.

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TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Abraham (72. Toljan), Kim, Amiri, Rudy, Volland (68. Modeste), Firmino, Zuber, Schipplock (68. Salihovic) BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH Sommer, Jantschke, Brouwers, Alvaro Dominguez, Wendt, Kramer, Xhaka (76. Nordtveit), Herrmann (66. Traoré), Johnson, Raffael (71. Hazard), Kruse ZUSCHAUER 30.150 (ausverkauft) TORE 1:0 Schipplock (17.) 1:1 Kruse (26., Foulelfmeter) 1:2 Herrmann (31.) 1:3 Raffael (36.) 1:4 Herrmann (51.) SCHIEDSRICHTER Thorsten Kinhöfer (Herne) GELBE KARTEN Kim, Abraham, Rudy Xhaka, Kramer

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3 : 2 n.V. dfb-pokal, viertelfinale » 7. april 2015

borussia dortmund – TSG 1899 Hoffenheim

Es roch von Anfang an nach Krimi. Umso erstaunlicher war es, dass Hoffenheim souverän in die Partie ging und bis zum Ende völlig abgeklärt spielte. Anders als der BVB, der nervös agierte wie schon die ganze Saison. Dabei machte sich das Fehlen von Reus und Hummels, die seit dem Liga-Wochenende muskuläre Probleme auskurierten, gar nicht so bemerkbar. Hoffenheim dagegen bekam durch die Rückkehr von Schwegler und Polanski und durch die Rückkehr zur Tripel-Sechs, also ein 4-3-3-System, viel Stabilität und ließ die konfusen Dortmunder erstmal anrennen. Und so war es reines Pech, dass Subotic nach einer Ecke in der 19. Minute das 1:0 für Dortmund erzielte. Aber weil Volland zwei

Minuten darauf, ebenfalls nach einer Ecke, das 1:1 schoss, agierte der BVB weiter so verunsichert wie zuvor – allen voran Subotic, der in der 28. Minute einen leichten Ball vertändelte und damit Firminos unwiderstehliches Solo samt Lupfer ins Tor ermöglichte. Jetzt brauchte es „nur“ noch den dritten Hoffe-Treffer, und Dortmund wäre am Boden gelegen. Aber Hoffenheim wollte nicht zu viel riskieren und den BVB am Ende noch zu Kontern einladen. So blieb es beim 1:2 zur Pause. Den danach zu erwartenden Dortmunder Sturmlauf fing die TSG zunächst noch gut ab, war aber anscheinend zu sehr aufs Verteidigen eingestellt, um offensiv selber noch Akzente zu setzen. Dortmund wurde dadurch immer stärker.

Das 2:2 in der 57. Minute war die logische Folge. Aubameyang stieg bei einer Flanke am höchsten und köpfte unhaltbar ein. Dortmund wollte jetzt die Führung und drückte weiter, von den 80.000 Zuschauern nach vorn gepeitscht. Es gelang dem BVB zwar nicht, sich in einen Rausch spielen, aber der anhaltende Sturmlauf reichte aus, die TSG weiter einzuschnüren – auch weil in der 60. Minute mit Toljan und Schwegler zwei der besten Hoffenheimer verletzt vom Spielfeld mussten. Bis in die Schlussphase schaffte es Hoffenheim nicht, aus der selbstverordneten defensiven Spielkontrolle auszubrechen, als Dortmund auf einmal nachließ und Räume öffnete, so dass es um ein Haar zum Sieg in den letzten Minuten gelangt hätte: Polanski in der 85. und Firmino in der 87. Minuten vergaben zwei Riesenchancen zum 3:2. Und so kam es zur Verlängerung, aber die Zuschauer sahen kein reguläres Spiel mehr. Einerseits waren beide Mannschaften gerannt bis zum Umfallen und wirkten entsprechend geschlaucht, so dass ein Glücks- oder Meisterschuss von Kehl in der 107. Spielminute die Partie entschied, aus 20 Metern per Dropkick durch die halbe TSG-Abwehr, unhaltbar knapp neben den Innenpfosten. Und andererseits gab es danach etliche Dortmunder Mätzchen, die zu langen Spielunterbrechungen führten und auch führen sollten und durch die gewährten drei Minuten Nachspielzeit nicht angemessen ausgeglichen wurden. Das war ziemlich unfair, lag aber auf der Linie des Publikums mit seinen Schmährufen gegen Dietmar Hopp. Wie es ebenfalls nicht fair war, dass Schiri Aytekin eine Serie gelber Karten gegen Hoffenheim austeilte und die Dortmunder bei ähnlichen Aktionen weitgehend ungeschoren ließ – und außerdem zweimal gegen Hoffenheim auf Abseits erkannte, wo keines vorlag.

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Kevin Volland fasste die dramatischen Ereignisse so zusammen: „So ein Sonntagsschuss tut richtig weh. Wir hatten zum Ende der regulären Spielzeit zwei dicke Chancen. Am Ende verlieren wir das Ding. Das muss nicht sein. Es war ein schönes Tor von mir, aber das hilft uns jetzt auch nicht. Wir haben heute sehr leidenschaftlich gespielt und vor allem in der ersten Halbzeit auch spielerisch überzeugt.“

BORUSSIA DORTMUND Langerak, Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer, Bender (62. Kehl), Gündogan, Blaszczykowski, Kagawa, Mkhitaryan (101. Kampl), Aubameyang (113. Ramos) TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Toljan (61. Kim), Schwegler (60. Amiri), Rudy, Polanski, Volland, Firmino, Schipplock (101. Zuber) ZUSCHAUER 80.667 (ausverkauft) TORE 1:0 Subotic (19.) 1:1 Volland (21.) 1:2 Firmino (28.) 2:2 Aubameyang (57.) 3:2 Kehl (107.) SCHIEDSRICHTER Deniz Aytekin (Oberasbach) GELBE KARTEN Blaszczykowski, Kehl Schipplock, Schwegler, Volland, Firmino, Bicakcic

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3:2 28. Spieltag » 12. April 2015

1. fc köln – TSG 1899 Hoffenheim

den Ball falsch ein, worauf es bei seinem Versuch des Ballstocherns im Sechzehner zu einer Art Foul kam, das mit einem Strafstoß geahndet wurde. Lehmann schoss scharf in die Mitte durch Baumanns Füße ins Tor. Was danach bis zum Pausenpfiff geschah, wirkte wie ein Rückfall in alte Zeiten: Hoffenheim lief völlig neben sich her, die Mannschaft glich einem aufgeschreckten Hühnerhaufen – und die vermeintlichen Kölner Defensivkünstler erarbeiteten sich eine Chance nach der andern. Hoffenheim wurde hier und da auch gefährlich, kam aber an Torhüter Horn nicht vorbei oder blieb in der Enge der Kölner Defensive stecken. Was war vor dem Spiel am Sonntagnachmittag nicht alles gesagt worden! Kölns Trainer Stöger hatte sich bspw. listenreich als Bewunderer der Hoffenheimer Spielweise geoutet, während Trainer Gisdol vor einer stabilen Leistung der Kölner im eigenen Stadion warnte, wo die Geißböcke seit sechs Spielen ungeschlagen waren. Außerdem war allgemein viel von der großartigen Leistung der TSG bei der Pokalschlacht in Dortmund die Rede gewesen. Leider war von beidem nicht viel zu sehen. Außer in den ersten paar Minuten. Da legte die TSG einen Blitzstart hin und hätte schnell mit zwei Toren vorn liegen können. Köln überstand die furiosen Minuten jedoch – und ging dann geordnet ins Spiel, während Hoffenheim nachließ und der Meinung zu sein schien, trotzdem sicher wieder zu guten Torchancen zu kommen und das Versäumte eben später nachzuholen. Was sich als träumerische Hoffnung erweisen sollte, durchkreuzt auch von einer taktischen Vorgabe. Denn nach dem Strohfeuer der frühen, vergebenen Chancen erinnerte sich die Mannschaft daran, dass sie geduldig sein und kontrollierte Pässe spielen sollte, um Köln nicht zu Kontern einzuladen. Das ging gleich doppelt schief – zum einen erwies sich Hoffenheims Passspiel wie schon öfters als nicht sicher genug. Zum anderen brauchte Köln gar nicht zu kontern, sondern musste in der 18. Minute durch Osaka nur einem Befreiungsschlag hinterherlaufen. Bicakcic schätzte

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Überhaupt war das der entscheidende Unterschied: Hoffenheim wurde offensiv extrem eng angelaufen und gedeckt, Köln spazierte munter durch die Reihen der TSG. Nach der Pause, soviel war klar, würde es zu gravierenden Änderungen kommen müssen. Kam es aber nicht, auch wenn Amiri kurz nach dem Wiederanpfiff durch Zuber ersetzt wurde und die TSG jetzt vom 4-3-3 zum 4-2-3-1 überging. Gleich darauf fiel das 2:0 für Köln, Ujah wurde unbedrängt steil geschickt und ließ Baumann keine Chance. Wieder einmal hatte der Gegner der TSG einen Strich durchs taktische Kalkül gemacht. Statt hinten drin zu stehen, ließ sich Köln die Einladung zur Offensive nicht entgehen und griff im eigenen Stadion munter an. Wenn noch etwas helfen konnte, dann der Versuch, alles nach vorn zu werfen – so dass Trainer Gisdol in der 62. Minute Szalai und Modeste für Kim und Schippo einwechselte und Hoffenheim jetzt ein improvisiertes 3-2-3-2 spielte.

Durchaus mit Erfolg, vor allem Modeste wirkte agil und torhungrig und wurde in der 69. Minute im Sechzehner gelegt. Polanskis trockener Schuss in die Mitte machte noch einmal Hoffnung, zumal Köln jetzt nur noch neun Feldspieler hatte. Trotzdem marschierte Hector als Symbol für die Kölner Willensleistung in der 78. Minute mutterseelenallein durch die halbe TSG und erzielte das 3:1.

1. FC KÖLN Horn, Olkowski, Maroh, Wimmer, Hector, Lehmann, Vogt, Nagasawa (72. Brecko), Risse, Osako (81. Bröker), Ujah (75. Matuschyk)

Das 3:2 kurz vor Schluss durch Modeste war nur noch eine Ergebniskorrektur, Köln hatte völlig verdient gewonnen. Nach dem Spiel war darum viel Selbstkritik zu hören, die Spieler suchten nicht nach Ausreden, sie stellten sich der schwachen Gesamtleistung. Trainer Gisdol ging ungewohnt hart mit seiner Mannschaft ins Gericht und sprach wegen der Niederlage sogar von einer „gerechten Strafe“.

ZUSCHAUER 45.000

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Kim (62. Modeste), Rudy, Amiri (52. Zuber), Polanski, Volland, Schipplock (62. Szalai), Firmino

TORE 1:0 Lehmann (20., Foulelfmeter) 2:0 Ujah (54.) 2:1 Polanski (70., Foulelfmeter) 3:1 Hector (78.) 3:2 Modeste (88.) SCHIEDSRICHTER Peter Sippel (München) GELBE KARTEN Maroh, Vogt, Lehmann, Bröker Bicakcic, Beck ROTE KARTEN Olkowski (69., Notbremse)

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0:2 29. Spieltag » 18. april 2015

tsg 1899 Hoffenheim – bayern münchen

Stark ersatzgeschwächt und ein verlorenes ChampionsLeague-Spiel im Rücken, reiste Bayern München nach Sinsheim. Es fehlten Schweinsteiger, Lahm, Robben, Ribéry und Alaba, um nur die Wichtigsten zu nennen. Und es fehlte Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt! Der lange schwelende Streit zwischen Pep Guardiola und dem Mannschaftsarzt der Bayern sowie der deutschen Nationalmannschaft, einer Ikone, war wenige Tage vor dem Spiel eskaliert, so dass „Mull“ seine Ämter bei den Bayern niedergelegt hatte. Insgesamt war dadurch ein leichter Anstieg der Hoffenheimer Zuversicht, gegen die Bayern gewinnen zu können, zu verzeichnen. Mindestens wollte man sich nicht verstecken und hatte mit der vor dem Spiel verkündeten Vertragsverlängerung von Markus Gisdol bis 2018 selber auch ein Pfund auf die Waage zu legen. Dennoch ging die TSG betont defensiv ins Spiel, um sich nicht, wie der Trainer nach dem Spiel sagte, „schnell fünf, sechs Dinger ins Nest“ legen zu lassen. Mit Rudy, Polanski und Schwegler auf der Triple-Sechs, mit Toljan als linkem Verteidiger und Modeste in der Sturmmitte stand Hoffenheim in der ersten Halbzeit also extrem tief, hielt aber den daraus folgenden, permanenten Bayern-Angriffen gut stand. Dabei war der Bayern-Sturm mit Götze, Müller und Lewandowski trotz all der Ausfälle keinesfalls schwach besetzt. »

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Das Ziel, mit eigenen Kontern Nadelstiche zu setzen, wäre auch fast aufgegangen. In der 29. Minute rutsche Dante ein Ball unter der Schuhsohle durch, Modeste ging steil und hatte es nur noch mit Torhüter Neuer zu tun. Aber der Hüne im Tor der Bayern ahnte, wohin Modeste schießen würde, stellte das Bein aus und verhinderte die Hoffenheimer Führung.

Die viel zu passive Hoffenheimer Spielweise machte es den Bayern nicht schwer, das Ergebnis zu halten. Baumann musste ein paar Mal sogar noch in höchster Not eingreifen, allein zweimal in der 60. Minute nach Schüssen von Thiago und Müller! Polanski wiederum glänzte in der 63. ebenfalls mit einem gefährlichen Torschuss, doch der Ball zog knapp am Winkel vorbei.

Ansonsten schalteten die Bayern jedoch fast nach Belieben, kamen zügig an oder in den Sechzehner der TSG, blieben aber immer wieder in den dichten Hoffenheimer Reihen stecken – bis zur 38. Minute. Da schoss Müller halbrechts von der Strafraumkante aufs Tor, Baumann parierte, Lewandowski legte zurück, so dass Rode an den Ball kam und ihn unhaltbar oben rechts in den Winkel schlenzte. Nur drei Minuten später wurde der TSG mal wieder ein klarer Elfer verwehrt, als bei den endlich einsetzenden eigenen Angriffen Polanski vom Torschützen von den Beinen geholt wurde. Schiri Stieler gab später zu, sich geirrt zu haben, immerhin. Am Pausenstand von 0:1 änderte das natürlich nichts. Für die zweite Halbzeit erwartete das Publikum in der ausverkauften WIRSOL Rhein-Neckar-Arena jetzt deutlich gesteigerte Offensivaktionen der TSG, die aber weiter recht tief stand und die Bayern vielfach agieren ließ, trotz sofort drohender Gefahr: Lewandowski hob den Ball in der 48. Minute auf die Latte.

Dann war Schluss für ihn und Modeste, ohne dass Zuber und Szalai zusätzliche Gefahr in die matten Angriffsaktionen brachten. In der 84. Minute schoss Rudy immerhin einen Freistoß knapp an Neuers Gehäuse vorbei, danach kam Schipplock für Toljan – und spielte die TSG jetzt mit einer Dreierkette hinten. Die Bayern spulten die letzten Minuten trotzdem souverän herunter und erhöhten in der Nachspielzeit sogar noch auf 0:2, wobei Kapitän Beck unglücklich aushalf, indem er in einen nicht mehr gefährlichen Ball rutschte und ihn ins Tor lenkte. Damit hatte Hoffenheim in der Rückrundentabelle immer noch nicht mehr als 11 Punkte eingefahren und untertraf damit sogar die Seuchensaison 2012/2103 um einen Zähler!

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TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Bicakcic, Toljan (85. Schipplock), Schwegler, Rudy, Polanski (69. Szalai), Volland, Firmino, Modeste (69. Zuber) BAYERN MÜNCHEN Neuer, Rafinha, Dante, Badstuber, Weiser, Gaudino (57. Thiago), Rode, Bernat (46. Boateng), Müller, Götze, Lewandowski (89. Pizarro) ZUSCHAUER 30.150 (ausverkauft) TORE 0:1 Rode (38.) 0:2 Beck (90. + 3, Eigentor) SCHIEDSRICHTER Tobias Stieler (Hamburg) GELBE KARTEN Rudy, Beck, Volland Müller, Dante, Rafinha

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1:2 30. spieltag » 25. april 2015

hannover 96 – TSG 1899 Hoffenheim

Zudem fehlten Beck und Volland wegen Gelbsperre. Trainer Gisdol änderte daraufhin seine taktische Aufstellung und brachte mit Modeste und Szalai zwei zentrale Stürmer, während Toljan wieder links und Rudy rechts außen verteidigte. Das neue Konzept sollte sich als ziemlich erfolgreich und durchschlagskräftig erweisen. Und zwar gleich zu Beginn! Es war die 2. Spielminute, die TSG inszenierte ihren ersten Angriff über Firmino, der mit einem wunderschönen Pass in die Mitte Modeste freispielte, der noch wenige Meter mit dem Ball ging und dann abzog und unhaltbar für Zieler ins Tor traf. Dass er bei der Ballabgabe leicht im Abseits gestanden war, übersahen die Schiedsrichter. Mit frühem Pressing setzte Hoffenheim Hannover weiterhin unter Druck. Die 96er mussten angreifen, ob sie das so geplant hatten oder nicht, fanden aber nicht wirklich ins Spiel, weil Hoffenheim aggressiv in die Zweikämpfe ging, die Räume zulief und mit Bicakcic und Abraham zwei aufmerksame Innenverteidiger besaß. Knapp eine halbe Stunde ging das gut, dann brachte Strobl Schmiedebach im Strafraum ungeschickt zu Fall – Elfmeter! Kapitän Stindl ließ sich die Chance nicht entgehen und schob den Ball rechts unten zum Ausgleich ins Tor. Inzwischen war sogar von einer Krise der TSG die Rede, nach vier Pflichtspielniederlagen in Folge kein Wunder. Und der 7. Tabellenplatz, auf dem die TSG monatelang beinahe heimisch zu sein schien, war einstweilen verloren. Da kam Hannover gerade recht, auch wenn die abstiegsgefährdeten 96er unter ihrem neuen Trainer Frontzeck schwer einzuschätzen waren und die norddeutschen Ultras nach einem Kompromiss mit Präsident Kind den Weg zurück ins Stadion gefunden hatten, was zu 90 Minuten Dauerbeschallung führte.

Hannover wollte nun den Motivationsschub nutzen und nachlegen, verfing sich aber weiterhin in der konzentrierten Hoffenheimer Defensive. Umgekehrt suchte die TSG den Weg nur dann nach vorn, wenn er aussichtsreich genug schien, was in der 33. Minute einmal wieder der Fall war. Rudys Freistoß aus dem Mittelfeld landete aufs Strobls Kopf, ging von dort an den Innenpfosten und trudelte dann die unbewachte Torlinie entlang. Ganz knapp nur verfehlte Modeste diese herzliche Einladung zur erneuten Führung.

Gleich darauf nahm Markus Gisdol Modeste vom Platz und brachte Schipplock, ohne die Spielanteile beider Mannschaften damit großartig zu ändern: Hannover mühte sich nach Kräften, blieb aber meist schon im Mittelfeld stecken, Hoffenheim beschränkte sich auf wenige Gänge nach vorn. Einer davon, eingeleitet durch Szalai, der seinem Gegenspieler den Ball weggespitzelt hatte, endete spektakulär. Der Ungar ging mit dem Ball bis an die linke Grundlinie und hob ihn dann derart gefühlvoll und präzise in die Mitte, dass der mitgelaufene Schipplock ihn nur noch über die Linie zu nicken brauchte. Hannover schaffte es nach diesem Nackenschlag in der 83. Minute nicht mehr, das Spiel zu drehen oder wenigstens den Ausgleichstreffer zu erzielen. Souverän spielte die TSG die letzten Minuten herunter und hatte die Zweifler eines Besseren belehrt – Platz 7 war zurückerobert! Ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte sich Dietmar Hopp zu seinem 75. Wiegenfest kaum wünschen können, das einen Tag später anstand.

HANNOVER 96 Zieler, Schmiedebach (90. Felipe), Marcelo, Schulz, Albornoz, Sané (72. Karaman), Andreasen, Stindl, Prib, Ya Konan (79. Schlaudraff), Joselu TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Abraham, Bicakcic, Toljan, Strobl, Schwegler, Polanski, Firmino (90. Salihovic), Modeste (73. Schipplock), Szalai (90. + 4 Zuber) ZUSCHAUER 46.200 TORE 0:1 Modeste (2.) 1:1 Stindl (24., Foulelfmeter) 1:2 Schipplock (83.) SCHIEDSRICHTER Günter Perl (Pullach im Isartal) GELBE KARTEN Sané, Schmiedebach, Zieler, Joselu, Stindl Strobl, Bicakcic

Nach der Pause ging das Spiel ähnlich zweikampfbetont und ausgeglichen weiter. Hier und da kam es zu guten Ansätzen mit Torgefahr, die aber fast immer in Fernschüsse mündeten und allesamt mehr oder weniger knapp das Tor verfehlten. In der 72. Minute rettete Baumann nach einer Ecke vor Karaman, dem gerade eingewechselten ExHoffenheimer.

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1:1 31. Spieltag » 2. mai 2015

tsg 1899 Hoffenheim – borussia dortmund

Kurz vor Saisonende wurden erste vertragliche Neuerungen bekannt. So verlieh die TSG ihr Abwehrtalent Akpoguma für zwei Jahre nach Düsseldorf, während Gregoritsch endgültig zum VfL Bochum transferiert wurde. Ansonsten hofften die Fans und Verantwortlichen, dass Dortmund nach erfolgreichem Pokalfight samt Elfmeterschießen gegen die Bayern ausgelaugt genug wären, um sie im dritten Aufeinandertreffen endlich besiegen zu können. Auch wenn das nicht gelang, spielte die TSG ihr bislang bestes Spiel der Saison und kehrte damit auf der Zielgerade zurück in die Erfolgsspur. Mitverantwortlich war dafür, dass Trainer Gisdol an der Doppelstürmerlösung festhielt und wieder Szalai und Modeste gemeinsam auflaufen ließ. Der zurückgekehrte Beck übernahm die linke Verteidigerposition, Toljan die rechte und erwies sich dort als noch besser platziert. Sein Talent, das in den letzten Spielen immer sichtbarer wurde, glänzte heller und heller. Unter der Leitung von Dr. Drees, der Hoffenheim durch seine klugen und mutigen Entscheidungen zwei Jahre zuvor in der Liga gehalten hatte, ging die TSG die Partie offensiv an und hätte wie in Hannover erneut früh in Führung gehen können. Wieder war es Modeste, der allein aufs Tor zulief, aber Langerak reagierte glänzend. In der folgenden halben Stunde sahen die 30.150 Zuschauer in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena viel technische und taktische Feinarbeit der TSG, die den BVB zu keiner einzigen echten Torchance kommen ließ, aber selber ordentlich Gefahr vor den Kasten von Langerak brachte. In der 33. Minute kam es dadurch zum 1:0. Volland hatte Schmelzer rechts versetzt, zog dann ein kleines Stück nach innen und feuerte den Ball unhaltbar ins lange Eck.

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Im Gegenzug bekam Dortmund einen Eckball zugesprochen, den Hummels im Netz versenkte. Aber das Tor war irregulär – zum einen hatte Hummels im Stil eines Eishockeyspielers vor seinem Kopfball die halbe TSG-Abwehr abgeräumt, zum anderen war Aubameyang im passiven Abseits gestanden. Dass Dr. Drees und sein Assistent all das nicht mitbekamen oder anders bewerteten, war aufgrund ihrer enormen Verdienste vielleicht zu verschmerzen. Das Tor aber zählte, es stand 1:1. »

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Nach der Pause drängten beide Teams auf die Führung und riskierten infolgedessen auch mehr. Dortmund kam dadurch deutlich besser in Fahrt, versiebte aber einige Chancen nach langen Bällen, während Modeste auf der Gegenseite innerhalb von zwei Minuten (59. und 61.) doppelt vergab. In einem unglaublich intensiven Spiel kamen die Fans beider Lager voll auf ihre Kosten. Eine Viertelstunde vor Spielende wurden Immobile und Schipplock eingewechselt. Beide Stürmer schafften es nicht, ihre jeweilige Mannschaft zum Sieg zu führen, wozu Immobile deutlich mehr Gelegenheit bekam – und verschenkte. Umgekehrt erwies sich Oliver Baumann einmal mehr als Geschenk für die TSG, indem er hielt, was teilweise gar nicht mehr zu halten schien. So blieb es beim 1:1, das beiderseits nicht unverdient war. Hoffenheim hätte in der ersten Halbzeit mehr aus der klaren Überlegenheit machen müssen, um die Partie zu gewinnen. In der zweiten Halbzeit war Glück dabei (und Oliver Baumann!), sonst wäre der BVB noch als Sieger vom Platz gegangen.

108

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Toljan, Abraham (81. Kim), Bicakcic, Beck, Schwegler (90. + 1 Salihovic), Polanski, Volland, Firmino, Modeste (75. Schipplock), Szalai BORUSSIA DORTMUND Langerak, Durm, Subotic, Hummels, Schmelzer, Gündogan, Kehl, Blaszczykowski (41. Kampl), Kagawa (74. Immobile), Mkhitaryan, Aubameyang ZUSCHAUER 30.150 (ausverkauft) TORE 1:0 Volland (33.) 1:1 Hummels (35.) SCHIEDSRICHTER Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) GELBE KARTEN Firmino Kehl, Kampl, Durm

109


3:1 32. spieltag » 9. mai 2015

Eintracht frankfurt – TSG 1899 Hoffenheim

Nach dem hochklassigen Auftritt gegen Dortmund in der Vorwoche dachte jeder, dass Hoffenheim in Frankfurt den nächsten Schritt Richtung Europa machen würde. Weit gefehlt... An der nötigen Unterstützung lag es aber nicht, dass die TSG bei der Eintracht förmlich unter die Räder kam. Trotz bundesweiten Bahnstreiks gelang es, 500 Fans nach Frankfurt zu bringen. Der Fanverband organisierte Busse in ausreichender Zahl. Hoffenheim trat ohne Salihovic an, auf der Gegenseite fehlte vor allem Alex Meier, der Frankfurter Torgarant. Toljan musste diesmal auf der Bank Platz nehmen, Rudy löste ihn als rechter Außenverteidiger ab. Beck verteidigte wieder links, Modeste und Szalai bildeten das Sturmduo. In den ersten Minuten schien Hoffenheim die gute Form aus dem letzten Spiel noch in die Partie einbringen zu können, dann brachen alle Dämme. Statt einer verunsicherten Eintracht-Abwehr Sorgen zu bereiten, überließ man Frankfurt derart viele Räume, dass die Hessen schon nach 18 Minuten zum Führungstreffer kamen. Oczipka hatte einen etwas fragwürdigen Freistoß über die Mauer gehoben, Oliver Baumann den Ball zu spät gesehen. In der 23. Minute hätte Firmino mit einem Kopfball den Ausgleich erzielen können, setzte ihn aber in Rückenlage zu hoch an. Vier Minuten darauf schlug die Kugel erneut auf der Gegenseite ein: Stendera passte auf Seferovic, der unbemerkt abseits stand, den Ball aber locker an Bicakcic vorbeibrachte und auf Baumann loszog. Der Hoffenheimer Keeper hatte beim folgenden Außenristschuss keine Chance.

110

Die Eintracht-Fans hatten bald wieder Anlass zum Jubeln. In der 34. Minute kam es im Anschluss an eine kurze Ecke zu einer Flanke in den Strafraum der TSG, wo Chandler am höchsten stieg und so nah am Innenpfosten einköpfte, dass Baumann schon wieder das Nachsehen hatte. Das Spiel seiner Mannschaft war zuvor förmlich auseinander gefallen, Hoffenheim schaffte es zu keinem Zeitpunkt, die eigentlich reichlich vorhandenen PS auf den Rasen zu bringen.

Mit dem 3:0 ging es in die Pause. Wer danach auf ein Feuerwerk der TSG gehofft hatte, sollte sich wundern. Zwar hatte Markus Gisdol, der mächtig gefrustet wirkte, gleich drei Spieler ausgewechselt und defensiv auf eine Dreierkette umgerüstet, aber Hoffenheim war außerstande, die leidenschaftliche defensive Gesamtleistung der Hausherren in Verlegenheit zu bringen. Das Problem war, dass die TSG trotz zahlenmäßigen Übergewichts im Mittelfeld weiter alles durch die Mitte spielte, wo zu viele Füße die Räume so eng machten, dass außer einem fulminanten Freistoß von Volland in der 51. Minute nichts Zählbares mehr gelang.

Die eingewechselten Zuber und Elyounoussi wirkten übermotiviert, Firmino schien geistig zunehmend abwesend, Volland blieb Mal um Mal in seinen Gegenspielern hängen. So kam gegen Ende Frankfurt wieder stärker ins Spiel, aber Baumann verhinderte mit einer sensationellen Flugeinlage in der 90. Minute das drohende 4:1. Woran es gelegen hatte, dass Hoffenheim derart enttäuschte, vermochte anschließend niemand zu sagen. Die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen vom Platz, Trainer und Manager übten sich in teils scharfer Kritik: Europa, von Markus Gisdol vor dem Spiel zum Traumziel erkoren, war geplatzt. Recht deutlich äußerte sich Kevin Volland, dessen Wechsel zum Saisonende immer wahrscheinlicher wurde: „Desolat! Das war viel, viel zu wenig. Das ist Einstellungssache. So kann man in kein Bundesligaspiel gehen!“

EINTRACHT FRANKFURT Trapp, Chandler, Zambrano, Russ, Oczipka, Medojevic (36. Flum), Hasebe, Aigner (71. Djakpa), Stendera (84. Inui), Ignjovski, Seferovic TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Rudy, Abraham, Bicakcic (46. Strobl), Beck, Polanski (46. Elyounoussi), Schwegler, Volland, Firmino, Szalai, Modeste (46. Zuber) ZUSCHAUER 50.600 TORE 1:0 Oczipka (18.) 2:0 Seferovic (27.) 3:0 Chandler (34.) 3:1 Volland (51.) SCHIEDSRICHTER Daniel Siebert (Berlin) GELBE KARTEN Seferovic, Russ, Aigner Volland, Polanski, Firmino

111


2:0

In der 86. Minute erarbeitete sich Hoffenheim nach vergebener Großchance von Leverkusen durch Bellarabi eine gute Gelegenheit, wenigstens den Anschlusstreffer zu erzielen, doch Szalai entschärfte den schnellen Konter, indem er, statt selber aussichtsreich abzuziehen, den Ball auf Volland abzugeben versuchte und einen völlig verunglückten Pass spielte. Damit blieb es beim standesgemäßen 2:0 des Champions-League-Qualifikanten Leverkusen gegen den Euro-League-Aspiranten Hoffenheim, der damit aber keine Aussicht mehr auf den angepeilten europäischen Tabellenplatz hatte.

33. spieltag » 16. mai 2015

bayer leverkusen – TSG 1899 Hoffenheim

Markus Gisdol stritt danach ab, Europa jemals als Ziel ausgegeben zu haben: „Das lassen wir uns nicht aufsetzen. Ziel war ein Platz zwischen 8 und 12.“ „Wenn man so oft so nah dran ist“, gab jedoch Alexander Rosen später zu, „dann ist es bitter. Aber wir haben’s in der Rückrunde auch nicht verdient.“

Bei einem Sieg in Leverkusen hätte Hoffenheim immer noch gute Aussichten auf einen europäischen Platz gehabt. „Oft sind Spiele nicht zu berechnen, es können außergewöhnliche Dinge geschehen“, beschwor denn auch Trainer Gisdol vor der Partie den Fußballgott, leider vergeblich. Dabei machte sich das Fehlen von Firmino am wenigsten bemerkbar. In den letzten Spielen beinahe untergetaucht, diesmal wegen seiner fünften gelben Karte nicht dabei, wirkte die Hoffenheimer Offensive ähnlich zaghaft und mitunter fast ratlos wie schon öfter in der Rückrunde. Dabei hatte Hoffenheim die erste Chance der Partie! Elyounoussi zwang Leno im Leverkusener Tor in der 3. Minute zu einer Glanzparade, nachdem Volland ihm den Ball nach Freistoß per Kopf aufgelegt hatte. Danach übernahmen die Hausherren aber sofort das Spiel und drückten Hoffenheim weit zurück vors eigene Tor. Zug um Zug befreite sich die TSG dann aus der drohenden Umklammerung und dem glanzvollen Leverkusener Kurzpassspiel. In der 17. Minute prüfte Modeste erneut Leno, der seinen Schuss aus knapp 20 Metern gerade noch parieren konnte. Fünf Minuten darauf bewies Baumann sein Können, als er einen Freistoß von Calhanoglu aus dem Eck fischte – später war wieder Leno an der Reihe, dann erneut Baumann – die Torhüter konnten sich über mangelnde Chancen, ihre Klasse unter Beweis zu stellen, nicht beklagen. Hoffenheim spielte von Beginn an extrem hoch, suchte das Risiko und dadurch den Sieg. Die 45. Minute machte alle Hoffnungen vorerst zunichte. Aus 35 Metern schoss Calhanoglu einen Freistoß nach unnötigem Hoffenheimer Ballverlust im Mittelfeld direkt aufs Tor. Der Ball senkte sich flatternd unmittelbar vor Baumann herab, setzte nochmal auf – und flog über seine vorgestreckten Hände zum 1:0 ins Tor. Das sah nicht gut aus, war aber eher ein Unglücksfall als ein Fehler.

112

BAYER LEVERKUSEN Leno, Hilbert (81. Boenisch), Jedvaj, Toprak, Wendell, Rolfes (77. Castro), Reinartz, Bellarabi, Calhanoglu, Son (59. Brandt), Kießling TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Abraham, Kim (76. Szalai), Polanski, Schwegler, Rudy (61. Amiri), Elyounoussi (62. Salihovic), Volland, Modeste ZUSCHAUER 29.072 TORE 1:0 Calhanoglu (45. + 1) 2:0 Kießling (61.) SCHIEDSRICHTER Robert Hartmann (Wangen) GELBE KARTEN Toprak, Rolfes

Offenbar war die Halbzeitansprache in der Leverkusener Kabine zielführender. Denn nach dem Wiederanpfiff erhöhte Leverkusen nochmal die Taktzahl, während Hoffenheim tiefer als zuvor stand und keinen Zugriff mehr aufs Spiel bekam. Und so dauerte es nur eine Viertelstunde, bis Kießling den Ball zum 2:0 über die Linie brachte. Calhanoglu hatte einen langen Ball von Hilbert perfekt angenommen und auf Kießling weitergeleitet – und die TSG-Abwehr schlecht aussehen lassen.

Markus Gisdol brachte jetzt Salihovic und Amiri, das Spiel seiner enttäuschten Mannschaft wurde davon aber nicht besser, eher im Gegenteil. Auch die Hereinnahme von Szalai für Kim, worauf Hoffenheim hinten wieder mit einer Dreierkette agierte, sorgte nicht für den erhofften Druck nach vorn. Wenn jemand gute Angriffe inszenierte, dann die Hausherren, die in der 82. Minute Simon Rolfes vom Feld nahmen, um das Ende seiner langjährigen Karriere zu zelebrieren.

113


2:1 34. Spieltag » 23. mai 2015

tsg 1899 Hoffenheim – hertha bsc

In der Pressekonferenz vor dem letzten Spieltag hatte Trainer Gisdol Klartext gesprochen und seiner Enttäuschung über die schwache Rückrunde Ausdruck verliehen. Gleichzeitig kündigte er an, alle Positionen seiner Mannschaft genau zu durchleuchten und im Bedarfsfall Neuverpflichtungen anzustreben. Immerhin räumte er ein, dass er des Öfteren unter der Woche möglicherweise zu hart habe trainieren lassen, so dass die im Spiel nötige Fitness darunter gelitten hätte. Vor allem aber, sagte er, müsse die Mannschaft selber mehr Verantwortung übernehmen.

114

Rein theoretisch hätte Hoffenheim doch noch auf die europäischen Plätze vorrücken können, bei einem Sieg mit 11 Toren Unterschied. Für die Hertha stand da schon mehr auf dem Spiel, die mindestens ein Unentschieden brauchte, um vor sämtlichen Abstiegssorgen sicher zu sein. Entsprechend mutig ging Berlin ins Spiel und brachte die Abwehr der TSG anfangs einige Male deutlich in Verlegenheit – bis Modeste nach glänzendem Pass von Firmino in der 8. Minute steil ging und scharf ins rechte untere Eck zum 1:0 einschoss. Das frühe Tor war umso bedeutsamer, als die beiden Berliner Vierer-Abwehrreihen eng geschlossen standen und diszipliniert verschoben, so dass kaum ein Durchkommen war: Hertha BSC unter Pal Dardai hatte sich zu einer Art Festung entwickelt. Berlin musste jetzt kommen, schaffte es aber nicht, die TSG nachhaltig zu erschüttern. Bis zur Pause sahen die Fans ein munteres Spiel ohne ganz große Höhepunkte, das von vielen kleinen Unterbrechungen und erfolglosen Standardsituationen geprägt war. Nach der Pause hatte zunächst wieder Hoffenheim mehr vom Spiel, zweimal vergab Modeste Chancen zum Ausbau der Führung (47. und 53. Minute). Zäh und beharrlich kämpfte sich Hertha BSC jedoch ins Spiel zurück, strahlte zunehmend Gefahr aus und schaffte es in der 72. Minute tatsächlich, das 1:1 zu erzielen. Der zehn Minuten zuvor eingewechselte Beerens nutzte einen der nur noch seltenen Momente von Unaufmerksamkeit in der TSG-Defensive und profitierte dabei noch von einem abgefälschten Ball! »

Wie zum Beweis saß Markus Gisdol fast während des ganzen Spiels auf der Bank, während er in den Spielen zuvor fast ununterbrochen an der Seitenlinie unterwegs gewesen war und sein Ensemble dirigiert und instruiert hatte. Und die Maßnahme schien Wirkung zu zeigen, das Spiel der TSG wirkte wieder geschlossener und vor allem auch entschlossener. Was aber auch daran liegen konnte, dass die Stimmung in der ausverkauften WIRSOL Rhein-Neckar-Arena blendend war, nachdem die Fans unmittelbar vor Spielbeginn erfahren hatten, dass Kevin Volland seinen Vertrag vorzeitig bis ins Jahr 2019 verlängert hatte.

115


Das war aber nicht nach dem Geschmack von Mannschaft und Trainer, der in der 80. Minute endlich von seiner Bank aufstand und Abraham zu einem Freistoß aus knapp 25 Metern Entfernung hin orderte. Der Argentinier trat an, doch der Ball prallte von der Berliner Mauer zu ihm zurück. Abraham zog volley gleich noch einmal ab, Kraft im Tor der Berliner konnte den Ball nur noch seitlich wegklatschen – wo Firmino bereit stand und den Ball in die Maschen jagte. Bei seinem Torjubel im neuen Trikot nahm er das aufgenähte holografische Wappen der TSG zwischen die Zähne, was jeder im Stadion als ehrlich-sentimentalen Abschiedsgruß von Hoffenheim verstand. Die Gerüchte um seinen Wechsel zu einem der ganz großen europäischen Vereine hatten sich in den letzten Wochen fast zur Gewissheit verdichtet.

Mit dem knappen Sieg konnte eine unglückliche Rückrunde zuletzt doch noch positiv abgeschlossen worden. Beim Dank der Mannschaft, die zuerst eine Stadionrunde drehte, riefen die Fans Kevin Volland auf den Zaun und stimmten mit ihm das unvermeidliche Humba-Humba-Täterä an. Wie in der Vorsaison hatte die TSG 44 Punkte eingespielt, was diesmal zu Platz 8 auf der Abschlusstabelle reichte. Bayern München stand schon länger als Deutscher Meister fest, im bis zuletzt spannenden Abstiegskampf zogen sich der VfB und der HSV gerade noch aus der Affäre, letzterer wie ein Jahr zuvor erst in der Relegation. Den bitteren Gang in die Zweite Liga traten Paderborn und Freiburg an.

TSG 1899 HOFFENHEIM Baumann, Beck, Strobl, Abraham, Toljan, Schwegler, Polanski, Rudy, Firmino (87. Amiri), Volland, Modeste (82. Elyounoussi) HERTHA BSC Kraft, Pekarik, Heitinga, S. Langkamp, Plattenhardt, Skjelbred, Lustenberger, Haraguchi (85. Wagner), Stocker (78. Hosogai), Schulz, Kalou (64. Beerens) ZUSCHAUER 30.150 (ausverkauft) TORE 1:0 Modeste (8.) 1:1 Beerens (72.) 2:1 Firmino (80.) SCHIEDSRICHTER Knut Kircher (Rottenburg) GELBE KARTEN Strobl, Rudy Stocker, Burchert

116

117


statistik

118

119


abschlusstabelle saison 2014/15

fieberkurve – saisonverlauf 2014/15 1

Verein

Sp g u v t gt d

p

1 Bayern München

34 25 4 5 80 18 62

79

1

2 VfL Wolfsburg

34 20 9 5 72 38 34

69

2

3 Borussia Mönchengladbach

34 19 9 6 53 26 27

66

3

4 Bayer 04 Leverkusen

34 10 10 7 62 37 25

61

4

5 FC Augsburg

34 15 4 15 43 43 0

49

5

6 FC Schalke 04

34 13 9 12 42 40 2

48

6

7 Borussia Dortmund

34 13 7 14 47 42 5

46

7

8 TSG 1899 Hoffenheim

34 12 8 14 49 55 -6

44

8

9 Eintracht Frankfurt

34 11 10 13 56 62 -6

43

9

10 SV Werder Bremen

34 11 10 13 50 65 -15

43

10

11

34

40

11

1. FSV Mainz 05

9

13

12

45

57

-2

12 1. FC Köln

34 9 13 12 34 40 -6

40

12

13 Hannover 96

34 9 10 15 40 56 -16

37

13

14 VfB Stuttgart

34 9 9 16 42 60 -18

36

14

15 Hertha BSC

34 9 8 17 36 52 -15

35

15

16 Hamburger SV

34 9 8 17 25 50 -25

35

16

17 SC Freiburg

34 7 13 14 36 47 -11

34

17

18 SC Paderborn 07

34 7 10 17 31 65 -34

31

18

3

4

5

6

7

8

9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34

unentschieden

2

1

niederlagen

tore (durchschnittlich pro Spiel)

gegentore (durchschnittlich pro Spiel)

Bayern München

4

1

Bayern München

0,53

1

Bayern München

2,35

1

Bayern München

0,53

FC Augsburg

4

2

Borussia Mönchengladbach

0,76

2

VfL Wolfsburg

2,12

2

Borussia Mönchengladbach

0,76

3

Borussia Dortmund

7

3

Bayer 04 Leverkusen

1,09

3

Bayer 04 Leverkusen

1,82

3

Bayer 04 Leverkusen

1,09

4

TSG 1899 Hoffenheim

8

4

VfL Wolfsburg

1,12

4

Eintracht Frankfurt

1,65

4

VfL Wolfsburg

1,12

Hertha BSC

8

5

FC Schalke 04

1,18

5

Borussia Mönchengladbach

1,56

5

FC Schalke 04

1,18

Hamburger SV

8

1. FC Köln

1,18

6

SV Werder Bremen

1,47

1. FC Köln

1,18

VfL Wolfsburg

9

7

Borussia Dortmund

1,24

7

TSG 1899 Hoffenheim

1,44

7

Borussia Dortmund

1,24

Borussia Mönchengladbach

9

8

FC Augsburg

1,26

8

Borussia Dortmund

1,38

8

FC Augsburg

1,26

FC Schalke 04

9

9

SC Freiburg

1,38

9

1. FSV Mainz 05

1,32

9

SC Freiburg

1,38

7

VfB Stuttgart

9

10

Hamburger SV

1,47

10

FC Augsburg

1,26

10

Hamburger SV

1,47

11

Bayer 04 Leverkusen

10

11

Hertha BSC

1,53

11

FC Schalke 04

1,24

11

Hertha BSC

1,53

Eintracht Frankfurt

10

12

TSG 1899 Hoffenheim

1,62

VfB Stuttgart

1,24

12

TSG 1899 Hoffenheim

1,62

SV Werder Bremen

10

13

Hannover 96

1,65

13

Hannover 96

1,18

13

Hannover 96

1,65

Hannover 96

10

14

1. FSV Mainz 05

1,68

14

Hertha BSC

1,06

14

1. FSV Mainz 05

1,68

SC Paderborn 07

10

15

VfB Stuttgart

1,76

SC Freiburg

1,06

15

VfB Stuttgart

1,76

16

1. FSV Mainz 05

13

16

Eintracht Frankfurt

1,82

16

1. FC Köln

1,00

16

Eintracht Frankfurt

1,82

1. FC Köln

13

17

SV Werder Bremen

1,91

17

SC Paderborn 07

0,91

17

SV Werder Bremen

1,91

SC Freiburg

13

SC Paderborn 07

1,91

18

Hamburger SV

0,74

SC Paderborn 07

1,91

120

121


Torschüsse (durchschnittlich pro Spiel)

Torschuss-Tor-Quote (in Prozent)

Tore über auSSen (absolut)

Tore über auSSen (relativ)

1

Bayern München

17,35

1

Hamburger SV

43,28

1

Borussia Dortmund

54

1

Hamburger SV

81,80

2

Borussia Dortmund

16,76

2

SC Paderborn 07

43,26

2

Borussia Mönchengladbach

52

2

SV Werder Bremen

78,30

3

Bayer 04 Leverkusen

16,32

3

Borussia Dortmund

35,66

3

VfL Wolfsburg

43

3

VfB Stuttgart

75,60

4

VfL Wolfsburg

15,29

4

1. FC Köln

31,74

4

SV Werder Bremen

36

4

Hannover 96

71,10

5

TSG 1899 Hoffenheim

14,82

5

SC Freiburg

31,61

5

VfB Stuttgart

31

5

FC Schalke 04

65,00

6

FC Augsburg

13,47

6

FC Augsburg

31,33

Bayern München

31

1. FSV Mainz 05

65,00

7

SC Paderborn 07

13,41

7

TSG 1899 Hoffenheim

30,24

Eintracht Frankfurt

30

7

SC Freiburg

63,30

8

1. FSV Mainz 05

12,91

8

FC Schalke 04

29,48

Bayer 04 Leverkusen

30

8

VfL Wolfsburg

62,30

9

9

9

7

Borussia Mönchengladbach

12,65

VfB Stuttgart

28,86

Hannover 96

27

FC Augsburg

59,50

10

Eintracht Frankfurt

12,53

10

1. FSV Mainz 05

28,69

10

FC Schalke 04

26

10

Eintracht Frankfurt

56,60

11

FC Schalke 04

12,38

11

Hannover 96

28,15

1. FSV Mainz 05

26

11

SC Paderborn

53,30

12

SV Werder Bremen

12,24

12

Bayer 04 Leverkusen

26,32

12

FC Augsburg

22

Borussia Dortmund

53,30

13

VfB Stuttgart

12,12

13

SV Werder Bremen

24,48

13

TSG 1899 Hoffenheim

19

13

Borussia Mönchengladbach

50,00

14

SC Freiburg

11,38

14

Hertha BSC

24,33

SC Freiburg

19

Hertha BSC

50,00

15

Hannover 96

11,26

15

Borussia Mönchengladbach

23,87

15

Hamburger SV

18

15

Bayer 04 Leverkusen

48,40

16

Hamburger SV

10,82

16

Eintracht Frankfurt

22,38

16

SC Paderborn

16

16

1. FC Köln

43,30

17

1. FC Köln

10,79

17

Bayern München

21,69

Hertha BSC

16

17

TSG 1899 Hoffenheim

42,20

18

Hertha BSC

8,76

18

VfL Wolfsburg

21,24

18

1. FC Köln

13

18

Bayern München

41,90

122

9

123


pässe (durchschnittlich pro Spiel)

passquote (in Prozent)

Foul/hand gespielt (durchschnittlich pro Spiel)

gefoult worden

(durchschnittlich pro Spiel)

1

Bayern München

737,79

1

Bayern München

87

1

Bayern München

12,21

1

TSG 1899 Hoffenheim

17,24

2

Borussia Mönchengladbach

552,12

2

Borussia Mönchengladbach

83

2

Borussia Mönchengladbach

12,24

2

Eintracht Frankfurt

16,94

3

Borussia Dortmund

523,71

3

VfL Wolfsburg

80

3

1. FC Köln

12,41

3

SC Paderborn 07

16,09

4

VfL Wolfsburg

501,41

4

FC Schalke 04

77

4

Borussia Dortmund

13,29

4

FC Augsburg

15,56

5

FC Schalke 04

458,74

Borussia Dortmund

77

5

VfL Wolfsburg

13,35

5

1. FSV Mainz 05

15,32

6

Hannover 96

443,06

6

FC Augsburg

75

6

SC Paderborn 07

14,18

6

Hertha BSC

15,29

7

FC Augsburg

438,53

7

1. FSV Mainz 05

74

7

SC Freiburg

14,47

7

VfB Stuttgart

15,18

8

1. FSV Mainz 05

423,18

Hannover 96

74

8

1. FSV Mainz 05

14,59

8

Bayer 04 Leverkusen

15,12

9

TSG 1899 Hoffenheim

418,88

VfB Stuttgart

74

VfB Stuttgart

14,88

9

SV Werder Bremen

14,74

10

Bayer 04 Leverkusen

415,53

SC Freiburg

74

10

FC Schalke 04

15,24

10

Hannover 96

14,47

11

VfB Stuttgart

414,26

11

TSG 1899 Hoffenheim

73

11

FC Augsburg

16,26

11

Hamburger SV

14,44

12

Eintracht Frankfurt

414,18

Eintracht Frankfurt

73

12

Hannover 96

16,71

12

FC Schalke 04

14,24

13

SC Freiburg

413,32

1. FC Köln

73

13

Eintracht Frankfurt

16,74

13

SC Freiburg

14,12

14

1. FC Köln

402,24

14

SC Paderborn 07

71

14

SV Werder Bremen

17,29

14

Bayern München

13,88

15

Hamburger SV

389,15

15

Bayer 04 Leverkusen

70

15

Hertha BSC

17,32

15

VfL Wolfsburg

13,26

16

SC Paderborn 07

367,29

Hertha BSC

70

16

TSG 1899 Hoffenheim

17,71

16

Borussia Mönchengladbach

13,15

17

SV Werder Bremen

349,44

17

Hamburger SV

69

17

Hamburger SV

18,21

17

Borussia Dortmund

12,59

18

Hertha BSC

343,88

18

SV Werder Bremen

67

18

Bayer 04 Leverkusen

19,91

18

1. FC Köln

12,24

124

9

125


LAUFLEISTUNG (durchschnittlich pro Spiel; in km)

BALLBESITZ (durchschnittlich pro Spiel; in Prozent)

1

Borussia Mönchengladbach

118,69

1

Bayern München

70

2

Borussia Dortmund

118,41

2

VfL Wolfsburg

55

3

SC Freiburg

118,05

Borussia Dortmund

55

4

1. FSV Mainz 05

117,27

4

Borussia Mönchengladbach

53

5

VfB Stuttgart

117,17

5

Bayer 04 Leverkusen

52

6

SC Paderborn 07

117,00

FC Augsburg

52

7

Hamburger SV

116,89

FC Schalke 04

51

8

FC Schalke 04

116,40

Hannover 96

51

9

7

TSG 1899 Hoffenheim

116,40

Eintracht Frankfurt

50

10

1. FC Köln

116,39

10

TSG 1899 Hoffenheim

49

11

Hannover 96

116,30

1. FSV Mainz 05

49

12

Hertha BSC

115,82

12

SC Freiburg

48

13

SV Werder Bremen

115,67

13

VfB Stuttgart

47

14

VfL Wolfsburg

115,48

Hamburger SV

47

15

Bayer 04 Leverkusen

114,45

15

SV Werder Bremen

43

16

FC Augsburg

114,06

1. FC Köln

43

17

Eintracht Frankfurt

113,73

SC Paderborn 07

43

18

Bayern München

112,97

18

Hertha BSC

41

ZWEIKAMPFQUOTE (in Prozent)

1

VfL Wolfsburg

53

2

Bayern München

52

3

Borussia Mönchengladbach

52

4

FC Augsburg

52

5

Borussia Dortmund

51

6

TSG 1899 Hoffenheim

51

7

Hannover 96

51

8

SC Paderborn 07

51

9

Bayer 04 Leverkusen

50

10

FC Schalke 04

49

11

Eintracht Frankfurt

49

12

SV Werder Bremen

49

13

1. FSV Mainz 05

49

14

1. FC Köln

49

15

VfB Stuttgart

49

16

Hamburger SV

49

17

Hertha BSC

48

18

SC Freiburg

47

126

9

Saisonchronik 14/15  

Die Saisonchronik der TSG für die Saison 14/15

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