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Bank 21118 ­ das Geschäft

boomt Ob soziale Netzwerke oder Crowd funding: Die neuen Geschäftspraktike n im Finanzwesen haben dank ihrer innova tive n Nutzung von Webtec hnologien immer grösseren Erf olg . CamUle Guignet

Sich im Internet Geld leihen, auf den s ozia l e n Netzwerken über Finanzfragen diskutieren, sein Projekt mit der Unters t ützung anderer Interne tnu tzer finanzieren: Die GeschaftspraK ­ tiken im Finanzwesen entwick eln s i h l aufen d weiter , unte rstützt von den neuen Ko mm unika ­ tio nsmitteln und den Tech nologie n des Web 2./iJ . In Europa, den USA und s ogar in aer SChweiz tauchen i mmer mehr Billig - Finanz ­ dienstleister a uf, von denen jeder e in eigene s Bild der Bank der Zukunft ze i chnet. " Die leute haben weniger Vertrauen in die Ban­ ken»' stellt Stephane Garell i , Dozent a m lnter ­ ational Institute for Management Dev elopmen t (IMD) , fest . «Was die Bera tu ng anbelangt, suchen sie sich di e Informationen l ieber selber zusammen. Auf Facebook formieren sich immer mehr Gruppen von Privatanlegern, um mit­ einander zu diskutieren und eine Vo rstellung von mög liChen Geschäften zu bekommen .» «Das traditionelle Bankenwesen ist überholt" , fasst Manuel Nappo, Ökonom und Dozent an der HOChSChule für Wirtschaft ZüriCh (HWZ J zusam ­ men. «Die Peer- to - Peer-Kredite sind Vorstufe n der Bank von morgen. In der Schweiz gibt es immer mehr Banken, die eine Schulung machen wollen, um die sozialen Meaien besser nutzen zu lernen.» Die Praxis des Peer- to - Peer- Kredits, al so des Kredits unter Privatpe rs onen, en ts tana

2(\)(\)6 in den USA und findet viele Nacheifere r. Sie richtet siCh an Personen, die bei einer Bank keinen Kredit erhalten oder bea ntragen wolle n und bringt über ein I nternetportal Me nscnen, die Geld l eihen wolle n, mit Anlegern in Kontakt . DER KREDIT -BOOM UNTER PRIVATPERSONEN

Es gib t zwei Pionie r plattformen in diesem Berelch: Le nd ing Club und Prosper. Seit ihrer Gründung wurden übe r sie jeweils insgesamt 5(\)(\) bzw 37,4 Mio. DOllar a n Krediten abgewi­ ckelt. In der SChweiz existiert bislang nur ein einziges Portal, das dies e Art von Dienst­ leistu ng anbietet: Cashare. Das 2tiltil8 vom ehemaligen Bankangestellt en Michael Borter gegründete Portal hat bisher Kredite von insgesamt 4 Mio. vermittelt und wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter einer Auszeichnung des International Insti ­ tute far Management Oevelopment (IMD J in Lausanne im Jahr 2tiltil 9. Warum s ollte man nun aber über Internet einen Kredit a ufnehmen, anstatt zu einer Bank zu gehen? De r Kredit unter Privatpersonen ist vor allem deshalb attraktiv , weil er für beide Seiten erhebliche Vorteile bringt. sowohl für den Em pfänger als auch für den Geber. Der Zinssatz fü r die Kreditnehrner ist meist tiefer als bei einer Bank; er liegt zwischen 4,5 und 12 Prozent, je nach Kreditw ürdigkeit. Die Transaktionen erfolgen innerhalb von zeh n 59


Swissquote, der Pionier Das Internet machte neue Bankenpralltiken moglich, deren neraus­ ragendstes Belspiel 1n der Schweiz Swissquote 15 . DIe erste Onllne­ Bank des Landes wurde berel s 281111 lanciert und zlihlt derzeit Ober 28111'8111111 Kunden I Foto: SWis5Quote­ Haup sitz 1n Gland I.

Tagen nac h Einreichung ei nes detailliert en Projektb eschriebs . ,'Wer sich Geld l eihen wi ll , fOllt einen Fragebog en aus, au f dem er den benötigte n Be trag , die Laufzeit des Kredits und den Ma xi malzin s satz , de n er zu zah l en bereit ist , angi bt» , e rklärt Mic hael Bort e r . "Er l egt dar, wofür er dieses Geld benötigt und wie se i ne derz eit i ge Fi nan zl age aus si eht. Dann erte ilen wir der Person, abh ä ng i g von ihrer Bonität, eine Note zwische A und C und s tellen den Kontakt zu den Kredit­ gebern her. » Die beantragten Beträge variie re n im Allge ­ meinen zwi schen 15' t,) t,)t,) und 2t,)'t,)t,)t,) Franke n. Die Darlehensnehme r müssen le diglich ei ne Elnstellge bühr von 1 9 Franken zahlen; a usser­ dem erhält die Fi rma t,J ,75 Proze nt der erhal ­ tenen Darlehenssumme pro Jahr . Um das Ri siko zu senken, werden die Kreditgebe r ermut i gt ihre Investitionen auf versch i e dene Empfänger zu verteilen. ,,95 Prozent der Kred ite werden zurückgezahlt», präzis ie rt Michael Borter. «Die übrigen 5 Prozent fü hren zu einer Betreibung.»

Peer-to-Pee r - Kredite bi eten für I nvestoren vor allem den vor teil, dass sie wä hlen können, wo sie ih r Geld anlegen wollen. Di ese Praxis passt durchaus gut in die heutige Zeit : {(Das I mage der Banken wurde durch die Krise angekratzt und die Leu t e ziehen es heute vor, ihre Zinsen a n eine Priva t pe rson zu zahlen», erzählt MiC hael Borter. PROJEKTE FINANZIEREN ,.UT DER HILFE VIELER «Crowdfunding» !Schwarmfinanzierung) passt perf ekt zu er Vorstellung zu wissen, wohin das eigene Ge ld l'Iiesst. Bei dieser Finanzie­ r ungsart können Personen, die ei n Projekt umsetzen wollen, mithi lfe spezialisierter Web portale dessen Finanzierung durch die In ternetnutzer s ichern. Oie gesammelten Beträge sind kle i n, do ch durch ErreiChen der krit ischen Masse werden am Ende hohe Summen erzielt. Im Geg ensatz zu den Peer-to - Peer ­ Krediten basiert dieses System auf Spenden: We r ein Projekt finanziert, erhält eine symbo ­ l is che Bel ohnung anste l le von Zinsen.


«Crowdfunding ist weltweit auf dem Vormarsch.» Weltweit i st Crowdfunding auf dem Vormarsch. Dem ameriKanischen Ma rktführer KicKstarter ist es bereits gelung en, mehr als 38t» Mio. Dollar zu sam meln , um in novative ProjeKle zu finanzieren. Die Firma will sich bald auch i n Grossbritannien niederlassen. In der De utsch­ schweiz wurden Anfang 2fH 2 zwei Cro wd fun ding­ Plattformen lanciert: wemaKeit.ch für die Finanzierung von künstlerischen Projekten, und HIt» - days.ne t für diverse andere Projekte. Zahlreiche Spezialisten erachten die neuen Geschäftsp raKtiKen als vielverspreChend.

Sie scheinen in Europa und in den USA denn auch auf fruchtbaren Boden 1fü r ihr Wachs ­ turn) z u fallen. In der Schweiz hingegen ist i hre Zuk unft wohl noch nicht gesichert: «Oie grossen Schweizer Banken geniessen das volle Vertrauen der Bevölk erung», stellt Niels Hafner, Dozent für Wirts ch aft am zur Hochsc hul e Luzern gehörigen I nstitut für Finanzdienstleistungen Zug [IFZ), fest. "Angesichts dieser Tradition ist das Interesse für alte rn ative Fina nzierungs systeme noch l ange nich t gewec ktb> Andere Spezialis ten sind jedo ch der Meinung, die umfassende Verbreitung dieses Modells sei nur noch eine Frage de r Zeit. «Der Boom der Billiganbiete r zeigt vor allem die Grenzen des heut i gen Bankenwesens auf», erklärt Manuel Nappa von der Hochsch ule für Wirt­ schaft Zürich ! HWZ) . "Dies muss tiefgreifend verändert werden, was meine r Meinung nach vor a lle m durch eine bessere Nutzung des In ternets und de r sozialen Netzwerke gesche ­ hen wird. » '" 61


Bank 2.0 - das Geschäft boomt  

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