Issuu on Google+

MARKETING & KOMMUNIKATION

werbewoche 18 | 07.10.2011

15

#stormporn Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ.

COMPETITIVE

ls Ende August der Tropensturm Irene an der Ostküste Amerikas erwartet wurde, war das Interesse von Millionen betroffener Menschen riesig. Die Angst vor einer neuen «Kathrina» war gross. Auf Schritt und Tritt konnte man ihren Verlauf auf praktisch jedem TV-Sender und im Internet rund um die Uhr live mitverfolgen. Besonders aktiv waren dabei die klassischen Medien. Trotz Syrien- und Libyen-Krise wurde um den Tropensturm ein richtiger Hype aufgebauscht. Kaum ein Sender, der seine Reporter nicht in Gummistiefel steckte und in eine überflutete Strasse stellte. Alle Register wurden gezogen. Blogger @jeffjarvis nannte es #stormporn – eine neue Form der Aufgeilung der Medien an Naturkatastrophen. Er sagte dazu, dass dieses ständige Wiederholen von immergleichen Floskeln und immergleichen Bildern und diese Panikmacherei ohne Informationsgehalt niemandem diene. Am wenigsten den Bürgern. Selbstverständlich sei ein Sturm eine

formationen zu Irene bekannt gab. Zeiten, an welchen der Sturm in New York erwartet wurde und mit wie vielen Meilen pro Stunde er dann unterwegs sein würde, wurden gepostet. Das @NYCMayorsOffice kündigte auch an, welche Brücken gesperrt wurden, dass die Staten Island Ferry nicht mehr fuhr und dass Schulen und Altersheime geschlossen wurden. Gleichzeitig gab es auch Ratschläge, dass man Nahrungsmittel auf Vorrat kaufen sollte, und erstellte eine Liste von Orten, die Obdach für die Evakuierten boten. Genau das ist die Macht und die Einzigartigkeit der Social Media gegenüber den traditionellen Medien: Die unmittelbare, ehrliche, direkte Berichterstattung, welche Behörden, Bürgern, Augenzeugen, Datenerhebern und -nutzern die Möglichkeit bietet, ohne «Zwischenhändler» direkt zu kommunizieren. Jeff Jarvis’ Frage «So the question the journalists should ask is how they can add value to that» ist in Zeiten der Demokratisierung der Information berechtigter denn je. Nicht nur in Krisensituationen, sondern auch im Alltag.

Jede Zweite liest ticinosette.

Eine Anzeige im einzigen Tessiner Wochenmagazin wirkt. Verlassen Sie sich auf eine regionale Reichweite von 49,6 % und nutzen Sie jetzt die Chance, unseren 141 000 Leserinnen und Lesern Ihr individuelles Angebot zu unterbreiten. Mehr Infos: daniel.siegenthaler@publicitas.com oder 044 250 36 65.

ticinosette. Die italienischen Seiten der Schweiz.

A382660

A

ernste Sache, aber die Coverage erinnere mehr an «Der Junge, der Wolf schrie» als an seriösen Journalismus. Als Gegenpol dazu konnte man den Austausch in den Social Media beobachten. Auch hier wurde getwittert, was das Zeug hielt. Auch hier wurden die Vorbereitungen, die Ankunft, die Durchreise und die Verwüstungen als Foto oder Video fleissig gepostet und geshared (entstanden sind dabei zum Teil spektakuläre Bilder, http://bit.ly/qtGVB0 ist eins meiner Lieblinge). Aber irgendwie war es hier anders. Ehrlicher. Direkter. Gigaom.com ging sogar so weit zu behaupten, dass Twitter an Stelle von TV als Werkzeug für Information und Hysterie getreten sei. Wobei dies natürlich einige Fragen aufwirft. Als gut empfinde ich zum Beispiel, dass sich die Betroffenen selbst mit Posts integrieren und austauschen konnten. So konnten sich Leute aus der gleichen Gegend online helfen und beraten. Suboptimal ist, dass Posts oft ohne Kontrolle weitergeshared werden und sich Unwahrheiten sehr schnell verbreiten können (wobei hier festzuhalten ist, dass die Schwarmintelligenz und eine durchdachte Informationspolitik der Behörden in diesem Fall Wunder wirken). Besonders gefallen hat mir in diesem Zusammenhang der offizielle Twitter Account vom NYCBürgermeister Bloomberg, der laufend wichtige In-


Like / Dislike "#stormporn"