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MARKETING & KOMMUNIKATION

werbewoche 13 | 08.07.2011

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Ticketcorner

I

mmer wieder kommen grossartige, internationale Künstler in die Schweiz. Tickets der meisten Acts sind exklusiv über Ticketcorner.ch zu kaufen. Und das war eigentlich auch immer ok. In jüngster Zeit steht hier die Kirche aber nicht mehr im Dorf. Wieso? Am 12. Dezember 2011 spielte die deutsche Rockband Rammstein im Zürcher Hallenstadion. Tickets konnte man übers Internet ergattern, in Callcentern oder über die 1450 Vorverkaufsstellen. Theoretisch. Denn wie so oft in letzter Zeit waren an den offiziellen Verkaufsstellen von Ticketcorner die Karten immer innert Minutenfrist ausverkauft – um wenig später zu teils massiv überhöhten Preisen im Internet wieder aufzutauchen. Gemäss den Infos auf 20Minuten.ch liegt das an einer Handvoll TicketDealers, die den Markt aushebeln. Mag sein. Das interessiert die Fans wenig, die fühlen sich betrogen.

Wie es sich für ein modernes Unternehmen gehört, fordert auch Ticketcorner die Kunden auf: «Folgen Sie Ticketcorner bei Facebook und Twitter.» Da liegt es auf der Hand, dass sie das tun und natürlich diese Plattformen auch nutzen, um mit Ticketcorner in Kontakt zu treten. Besonders dann – wen überrascht es –, wenn sie enttäuscht sind. Und das sind sie jetzt offenbar. Auf Facebook findet man auf der Seite, auf der Rammstein angekündigt wird, hunderte von Beschwerdekommentaren (http://on.fb.me/j9uO5A), welche die Ticketverkäufe betreffen. Fans, die sich um acht Uhr morgens sofort bei Vorverkaufsbeginn bei den Verkaufsstellen angestellt haben, gingen leer aus. Members, die trotz Memberbeitrag nicht profitieren konnten, usw.... Fans, die vor den Kopf gestossen wurden, verlangen eine öffentliche Stellungnahme von Ticketcorner. Und was bekommen sie? Einen unpersönlichen Post, der identisch auf allen Seiten erscheint, auf dem Beschwerde eingereicht wurde. «Vielen Dank für die vielen Feedbacks… Aufgrund grosser Anfrage konnten nur wenige VIP und Member profitieren...» Immer das Gleiche. Schaut man auf Twitter, ist die Situation übrigens nicht minder desolat. Auch hier finden sich nur standardisierte Ansagen. Von Dialog keine Spur. Es geht mir an dieser Stelle nicht darum, ob

Schwarzmarkt gut oder schlecht ist. Auch will ich Ticketcorner keinesfalls unterstellen, sie hätten was damit zu tun. Aber was wir hier sehen, ist ein klarer Social-Media-Kommunikations-Faux Pas. Offenbar kennt niemand bei Ticketcorner den – mittlerweile schon legendären – TelDaFax Case (http://on.fb.me/mcObhg). Würden sie es tun, dann hätten sie daraus gelernt. Wenn man sich auf Social Media engagieren will, muss man bereit sein, einen Dialog zu führen. 180 Kommentare (bei 1415 Fans eine beeindruckende Zahl) schreien nach einer persönlichen Antwort, sie schreien danach, dass man sie ernst nimmt. Die Copy&Paste Posts als Antwort gehören nicht dazu. Im Gegenteil. Sie machen alles noch viel schlimmer. Denn wenn Social Media uns etwas lehrt, ist es, dass – wie es Thomas Knüwer sagt – «zum ersten Mal der Kunde tatsächlich irgendwie so etwas wie der König ist».

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Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ.

Like / Dislike "Ticketcorner"  

Kolumne "Like / Dislike" in der Werbewoche zum Thema "Ticketcorner"

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