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MARKETING & KOMMUNIKATION

werbewoche 08 | 10.05.2013

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm

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as offline für Freude und Entzückung sorgt, ist auch online nicht anders. Auf Facebook und Twitter wird über die Champions-League-Spiele geliked, ge-shared und re-tweetet, was das Zeug hält. Einverstanden, das allein wäre natürlich noch keine Social-Media-Kolumne wert. Immerhin sind wir im 2013, und dass die starken Fussball-Clubs wie Real Madrid, FC Barcelona, Borussia Dortmund und FC Bayern München auch eine starke Social-Web-Präsenz haben, dürfte selbstverständlich sein. Nota bene sind Real Madrid und Barcelona Nummer 2 und 3 der «Most Valuable Soccer Teams» (und Dortmund auf Platz 14). Das ist aber ein anderes Thema... Thema hier ist, wie die diesjährigen ChampionsLeague-Halbfinale, auch von der Social-Media-Ecke her betrachtet, einen klaren Sieger hervorbrachten. Doch von Anfang an: Real Madrid hat auf den Plattformen Facebook und Twitter gut 50 Millionen

Fans. FC Barcelona hat um die 58, Bayern München hat knapp 7 und Borussia Dortmund nicht mal 3 Millionen Fans. Die Spanier sind diesen Zahlen folgend den Deutschen um Social-Längen voraus. Qualitativ betrachtet aber, spielen die Deutschen in einer anderen Liga, auf dem Rasen und im Social Web. Wieder einmal zeigt sich, zahlreiche Gefällt-mirAngaben und hohe Follower-Zahlen sind nicht Beweis für hervorragende Social-Media-Aktivitäten. Das Gegenteil ist leider allzu oft der Fall, und die Grössten sind nicht immer die Besten. Betrachte ich die Twitter Streams der Spanier, überkommt mich Langeweile. Ihre Monolog-orientierte Art und Weise zu kommunizieren, erinnert mich an Online News, und ich könnte sie genauso gut über Blick.ch oder so lesen. Social Media ist aber dafür da, Hintergrundinformationen zu bringen, zum Beispiel der treuen Fan Base «Backstage-Fotos» zu liefern und vor allem mit der Community in einen Dialog zu treten. D. h. auch den Fans antworten und ihre Tweets rezitieren. Zum tausendsten Mal – it’s Social, not Media. Während Bayern München eifrig Hashtags kreiert und die Community auffordert, via Second Screen auf Twitter Freude zu teilen, zum Beispiel «Where are you watching tonight,s big clash? Tweet us a pic using #Packmas» oder Fotos von Fans aus aller Welt

Foto: Keystone

UEFA-Champions-League-Finale 2013 – und kein Spanier geht hin

unter #Miasinmia re-tweetet, kommt von Barça nichts, was auf ein gesellschaftliches Vergnügen hindeutet. Auch die Engagement-Rankings widerspiegeln mein Gefühl; der Eintrag mit der grössten Engagement-Rate während den Halbfinal-Spielen brachte Borussia Dortmund (4,3 %), und der zweite kam von Bayern (4,0 %). Lustig ist, dass der MadridBeitrag mit Ronaldo nur 0,5 % Engagement erzeugen konnte, obwohl er, auf den ersten Blick, mehr als doppelt so viel ge-liked wurde. Die Zeit des selbstgerechten kommunikativen Tiki-Taka ist vorbei. Wer es mit seinem Social-Media-Auftritt schafft, Bedeutung zu stiften und die virtuelle Fangemeinde derart zu begeistern vermag, kann auch offline zum Sieger erkürt werden.

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Champions-League-Finale 2013  

Die beiden Finalisten Dortmund und Bayern sind auch im Social Web den Spaniern von Barcelona und Madrid um Längen voraus.

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