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MARKETING & KOMMUNIKATION

werbewoche 17 | 28.09.2012

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management an der HWZ, Chief Networking Officer bei Centralway. www.about.me/mpn

E

nde August 2012 verkündete Facebook, dass sie gegen Like-Betrug vorgehen würden. Also Likes, die gekauft wurden und nicht aus persönlichem Interesse an einer Person zustande gekommen sind. Aber nicht nur auf Facebook wird mit falschen Freunden geschummelt, auch auf Twitter, YouTube und in anderen Social Media wird Beliebtheit und Bekanntheit vorgetäuscht. Das Prinzip ist eigentlich simpel: Diverse Agenturen bieten für relativ wenig Geld Likes, Freunde oder Follower zum Kauf an. Hinter den falschen Freunden stecken entweder Bots, also automatisch generierte Profile, hinter welchen keine echten Personen stehen, oder richtige Personen, die für ihre Aktivitäten Geld erhalten. Seit Kurzem kursieren auch öfters merkwürdige Videos oder Links. Schaut man sich diese an, wird man automatisch Fan einer Seite, ohne etwas davon zu merken. Zusätzlich heikel beim Freunde-Kauf ist, dass jedermann Freunde kaufen und diese einem x-beliebigen Profil zuordnen/schenken kann, ohne dessen Einwilligung.

Die falschen Freunde sind oft daran zu erkennen, dass innerhalb kurzer Zeit eine grosse Menge neuer Freunde hinzu kommt, von denen oft auch das Datum der Account-Eröffung identisch ist. Die Profile stammen aus fernen Ländern, und bei automatisch erzeugten Profilen sind bisher keine oder kaum eigene Aktivitäten zu sehen. Das primäre Interesse an mehr Freunden, Fans und Bewertungen ist die gesteigerte Beliebt- und Bekanntheit, die vorgetäuscht wird. Dies dürfte auch erklären, wieso jüngst besonders oft Politiker und Parteien beschuldigt wurden, falsche Freunde eingekauft zu haben. Gerade in der Politik wird im Vorfeld von Wahlen stark über die Beliebtheit diskutiert. Für die Medien sind Vergleiche von FollowerZahlen mittlerweile gang und gäbe. Kommt jedoch ans Licht, dass falsche Freunde eingekauft wurden, wirkt sich das nicht gerade positiv auf einen Kandidaten aus. Auch wenn dieser möglicherweise gar nicht selber gehandelt hat, sondern die falschen Freunde von jemandem untergejubelt wurden. Letztendlich bringen falsche Freunde gänzlich wenig in den Social Media, da die Neuen Medien besonders von der Interaktion leben, falsche Freunde aber meist still und inaktiv sind. Mittlerweile kann man jedoch bereits Interaktion kaufen: YouTube-Views und Retweets, auch das gibt es für bares Geld. Nützlich sind die falschen Freunde aber auch hier nicht, sie lassen nur Statistiken hübscher aus-

Unter dem Titel „Werbung in Deutschland“ veröffentlichte der Econ Verlag 1964 erstmals ein Jahrbuch, das „in geschlossener Form die deutsche Werbung [...] detailliert, erläuternd und in einem überblickbaren Zeitabschnitt zusammengefasst“ vorstellte. Als „Jahrbuch der Werbung“

sehen, obwohl sie diese Zahlen letztendlich verfälschen. Was bringen falsche Freunde in den Social Media, wenn die wirklichen Unterstützer im realen Leben dann doch nicht zur Wahlurne gehen und für einen Politiker stimmen? Einmal mehr ist es wie im realen Leben: Stellen Sie sich einen Saal mit 500 Leuten vor, welche Ihre Veranstaltung besuchen. 400 davon wurden jedoch für die Teilnahme bezahlt, und nur 100 sind Ihre wirklichen Interessenten. Weder Sie noch die wirklichen Interessenten werden sich wohl fühlen. Social Media leben vom Dialog. Man sollte sich um diejenigen Personen kümmern, die ein wahres Interesse haben und dort den Austausch fördern und das Vertrauen stärken und nicht das quantitative Anhäufen von Freunden als Ziel vor Augen haben.

AUS „JAHRBUCH DER WERBUNG“ WIRD „DAS JAHR DER WERBUNG“

Bild: Keystone

Falsche Freunde

Judas: vom Freund zum Verräter.

Wir suchen erfolgreiche Kampagnen, die auch von der Auftraggeberseite als solche gesehen werden.

DER WETTBEWERB Zur Einsendung werden in ihren Bereichen bedeuten-

etablierte es sich zu einem Standardwerk der Kommuni-

de Kampagnen und wegweisende Einzelleistungen

kationsbranche, das mit seinem gleichnamigen Wettbe-

aus Kampagnen gebeten. Die Jury zeichnet Arbeiten

werb die besten Arbeiten eines Jahres auszeichnete.

aus, die Signale setzen in einem Markt, der nach Orientierung sucht.

50 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes hat sich die Medienlandschaft grundlegend verändert. Wenn auch das

DIE JURY

generelle Ziel von Werbung gleich geblieben sein mag,

Mit dem neuen Wettbewerb sind in der Jury künftig

die Auswahl an Kommunikationsmitteln und -kanälen hat

Unternehmen (Auftraggeber), verantwortliche Kreative

sich ungleich vergrößert. Für Kreative und insbesondere

und Medien vertreten. Ebenso werden Wettbe-

Auftraggeber bedarf es mehr denn je einer Orientierung

werbsgewinner in die Jury berufen.

in diesem sich stetig wandelnden Markt.

DIE AUSZEICHNUNGEN Zum fünfzigsten Jubiläum folgt der nächste große

Die Jury vergibt den Grand Prix an herausragen-

mehr nur in einem Medium – dem Buch – bieten können.

Schritt: Wir verabschieden uns von der Bezeichnung

de Kampagnen des Jahres, die beispielhaft sind für

2009 stellten wir dem Jahrbuch aus diesem Grund erst-

„Jahrbuch der Werbung“. Publikationen – Buch sowie

kluge Orchestrierung der integrierten Kommunikation

mals eine vollständige und kostenfrei nutzbare Online-

Onlinepräsenz – und Wettbewerb sollen künftig unter

über alle Medien hinweg.

version zur Seite.

dem Namen „Das Jahr der Werbung“ realisiert werden.

A496668

Wir haben verstanden, dass wir diese Orientierung nicht

www.jdw.de

Das Jahr der Werbung macht es sich zum Ziel, den wich-

Die besten Arbeiten in den Einzelkategorien des

tigen Entwicklungen und Kampagnen eine Plattform zu

Wettbewerbs sowie Beiträge, die als Integrierte

bieten. Dabei geht es uns nicht nur um neue kreativ-

Kampagne oder B2B-Kommunikation zusammen-

handwerkliche Ideen und Stilistiken, sondern zuerst um

gefasst sind, werden mit dem Megaphon in Gold,

die erfolgreichen, innovativen Konzepte für die Breite

Silber oder Bronze ausgezeichnet.

der Möglichkeiten in Kommunikation und Werbung.

Falsche Freunde  

Ende August 2012 verkündete Facebook, dass sie gegen Like-Betrug vorgehen würden. Also Likes, die gekauft wurden und nicht aus persönlichem...

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