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AUGUST Monatsvorschau

ANDREW M. CUOMO IST UNSER KOPF DES MONATS

OPEN AIR GAMPEL Am 21. August rockt Frontfrau Skin zusammen mit ihrer Band Skunk Anansie die Mainstage des Open Air Gampel (18. - 21. August). Weitere Infos und Programm: openairgampel.ch

RSOMME RE LEKTÜ

HOCHZEITSFLUG Ein Buchtipp von Arcados, dem gay Buchladen in Basel: Der Roman «Hochzeitsflug» von Yusuf Yeşilöz begleitet Beyto, der mit seinen Eltern die Verwandten in einem tscherkessischen Dorf in der Türkei besucht. Er freut sich, die Freunde aus der Kindheit wiederzusehen, obwohl ihm die Trennung von seinem heimlichen Geliebten Manuel nicht leichtfällt. Umso grösser ist sein Schock, als er überraschend mit seiner Cousine Sahar verheiratet wird.

Völlig alleingelassen stürzt Beyto in einen Strudel von Gefühlen. Die grosse Wut auf die Eltern lässt ihn jegliche Ehrfurcht vor ihnen vergessen. Die kindliche Zuneigung zu Sahar, die er nie verloren hat, verwirrt ihn. Die Angst, Manuel gegenüberzutreten, lähmt ihn. Einzig von seiner Lehrlingsbetreuerin Tania bekommt Beyto, der selbst noch fast ein Kind ist, Unterstützung. Zurück im Westen, wo er aufgewachsen ist, findet er langsam wieder etwas Halt. Ironisch und humorvoll nimmt Yusuf Yeşilöz die Leserinnen und Leser mit in eine reiche Welt voller Geschichten, die in einem schmerzhaften Widerspruch steht zur großen Einsamkeit des jungen Beyto. 220 Seiten, Limmat Verlag, CHF 34.50 ISBN 978-3-85791-622-9 Erhältlich bei Arcados, Rheingasse 67, 4058 Basel, arcados.com

Der neue Gouverneur von New York, Andrew M. Cuomo, schafft in seinem ersten Amtsjahr, was Präsident Obama in knapp vier Jahren nicht einmal angesprochen hat. Seit dem 24. Juli dürfen gleichgeschlechtliche Paare im Staate New York heiraten. Obwohl der New Yorker Senat in republikanischer Hand ist, konnte Cuomo genug lobbyieren und so mit 29 Demokraten und sogar 4 Republikanern die Mehrheit erreichen. Ein republikanischer Senator hat einen schwulen Sohn. Für die Einführung der Homo-Ehe hatte Obama nur Lob übrig. Während einer politischen Spendensammlung in Manhatten versprach Obama den Schwulen und Lesben, «ein weiteres Kapitel dieser Geschichte zu schreiben», wenn sie ihn für eine weitere Amtszeit wählen. Fragt sich, ob die Wähler sich noch so lange gedulden.

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MANNSCHAFT monatsvorschau

STREETPARADE 2011

EIN WECKER, DER NICHT UNBELIEBT SEIN WILL

Unter dem Motto «Celebrate the Spirit of Street Parade» steigt am 14. August zum 19. Mal die Zürcher Technoparade. Das Motto fordert ein gewaltfreies Miteinander - egal welcher Rasse, Hautfarbe, Religion oder sexuellen Ausrichtung. Der Umzug beginnt um 14.15 Uhr beim Utoquai und rollt rund um das Zürcher Seebecken via Bellevue, Quaibrücke und Bürkliplatz bis zum Hafendamm Enge. Das Warm-Up beinnt bereits um 13 Uhr auf den 30

fahrenden Lovemobiles und den sieben Bühnen entlang der Route. Trotz Dauerregen, mässigen 23 Grad und Schweinegrippewarnungen pilgerten letztes Jahr rund 650'000 Besucher an die Streetparade. Zu sehen beziehungsweise zu hören gibt es eine breitgefächerte Anzahl nationaler sowie internationaler Acts. Unter anderem Fedde Le Grand, Tocadisco, Paul Kalkbrenner und Moonbootica. Das komplette Line-up mit allen Informationen ist auf streetparade.com abrufbar.

COOLE APPS

CITYMAPS2GO Das eingebaute GPS im iPhone kann immer benutzt werden. Wer aber im Ausland weilt, muss die Karten jeweils herunterladen, was beim Roaming nicht gerade billig ist. Mit CityMaps2Go können über 7'000 Karten heruntergeladen und offline verwendet werden. CHF 1 für iPhone. Zum Ausprobieren gibt's in der Lite-Version eine Karte gratis.

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© Verein Street Parade, Zürich

Wer mag schon seinen Wecker, der einen frühmorgens aus dem tiefsten Schlaf reisst? Der neue Schlafphasenwecker aXbo verspricht einen frischen und ausgeruhten Start in den Tag, als wäre man von selbst erwacht. Jeder Mensch durchläuft mehrere Schlafphasen pro Nacht, in denen sich Tiefschlaf, Leichtschlaf- und Traumphasen abwechseln. Jede dieser Phasen ist durch unterschiedliche Körperbewegungen gekennzeichnet. Ein Frotteearmband mit Sensor wird während dem Schlafen am Handgelenk getragen, der die Bewegungen während des Schlafes registriert und an den Wecker sendet. So wird der optimale Weckzeitpunkt ermittelt, und man wird innerhalb der letzten 30 Minuten vor der gewünschten Weckzeit sanft aus dem Schlaf geholt. Der aXbo-Schlafphasenwecker ist erhältlich für Singles (ab CHF 249) und für Paare (ab CHF 299). So können zwei Personen unabhängig voneinander geweckt werden. axbo.ch

MEIN IPHONE SUCHEN Dieses App lässt alle Paranoiden und Chaoten aufatmen: Wer sein iPhone verloren oder verlegt hat, kann es überall auf der Welt orten, sperren, löschen oder einen Ton abspielen lassen. Man muss sich lediglich auf einem Computer mit seiner Apple-ID anmelden, und schon kann das iPhone auf wenige Meter genau geortet werden. Gratis für iPhone.

FRAGGER Mit Handgranaten vermummte Puppen in die Luft zu jagen, ist politisch etwas brisant, im App Fragger auf Dauer aber unterhaltsam und teils recht knifflig. Obwohl man in den 310 Levels immer nur das Gleiche machen muss, bleibt Fragger erstaunlich lange spielenswert. CHF 1 für iPhone, zwei Levels gibt es als Lite-Version gratis.


EIN NEUES ERLEBNIS IM HOTEL CONRAD

Allegra und herzlich Willkommen...

im Hotel Conrad, dem traditionsreichen und innovativen 3* Hotel am Tor zum Oberengadin. Lassen Sie sich bei uns verwöhnen. Erleben Sie eine der vier reizvollen Jahreszeiten bei uns im Oberengadin und der unvergleichlichen Berg- und Seenlandschaft. Begeistern Sie sich am Angebot unzähliger sportlicher Aktivitäten, je nach Saison. Nach einem aktiven Tag verwöhnen wir Sie mit Gaumenfreuden in unserem “Restaurant Juval”. Geniessen Sie die feine "Schwyzerchuchi" und dazu einen aussergewöhnlichen Wein zum kleinen Preis. Wir freuen uns auf Sie. Ihr Gastgeber und Pächter Chris Blaser & Team

Küche: täglich ab 11.30 bis 22.00 Uhr, Nachmittags kleine Karte. Tagesmenu ab CHF 17.50 inkl. Mineral und Kaffee Via dal Farrer | CH 7513 Silvaplana | Tel. 081 828 81 54 www.hotelconrad.ch | reservation@hotelconrad.ch

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INHALT Mannschaft August 2011

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SOMMER DER LIEBE

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STANDARD

DOSSIER

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Monatsvorschau Editorial Leserbriefe Impressum Modestrecke: Out in the Country

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Kurznews Das Wort von Pink Cross Auf Mykonos ist die Krise kaum spürbar Warum schwule Männer die griechische Trauminsel nicht im Stich lassen Zitiert

FEATURES

LIFESTYLE

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Verein «homo-sapiens» Wie man mit dem Kauf einer Stofftasche die Rechte von Schwulen und Lesben unterstützt

24

Wie bleibt der Märchenprinz gerne in deinem Schloss? 10 Tipps von Personal Coach René Weber

22 Nouvelles Aktuelle Trends mit Branko B. Gabriel 41 Gourmet: Smørrebrød! 43 Reisefieber: Beach De Luxe An den Stränden von Moçambique

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«Ich ruf' dich an sobald ich zu Hause bin» Fernbeziehung = Keine Beziehung? Frank Richter analysiert die Liebe auf Distanz

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Ricky Martin: Ein Mann im Glück Im Gespräch mit dem Latino-Star über das Schwulsein und seine zwei Söhne

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AUSZEIT

54 Fit 56 Neu im Kino 58 DVD-Erscheinungen 60 CD- und Buchtipp 62 Verführung in der Manege Der Liebescircus von Gregory Knie 65 Agenda


RICKY MARTIN

© Omar Cruz

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PORTRAIT

69 Schwulengeschichte: Lederkerle 70 Leserbesuch: Filmemacher This Brunner 72 Kurzgeschichte: Familienfreuden 74 Trash Talk: Liebe Amy Winehouse

Das Sanskrit Mantra auf dem linken Arm symbolisiert die Männlichkeit. Die Lotusblume auf dem rechten Arm steht für die feminine Seite. Mannschaft Magazin trifft Ricky Martin kurz vor seinem Auftritt in Montreux und erfährt dabei mehr als nur die Bedeutung seiner Tattoos.

KOLUMNEN

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Harlekin Deby Hartmann

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MANNSCHAFT editorial

STABIL, SPIRITUELL UND SEXY

Liebe Leser, Ricky Martin verkörpert eine neue Gattung unter den schwulen Weltstars. Keine Sex- oder Drogengeschichten und keine Spur von Allüren oder ausschweifenden Macken. Als alleinerziehender Vater ist er stabil, spirituell und dazu auch noch sexy. Als ich den Sänger kurz vor seinem Konzert in Montreux traf, fiel mir seine Gelassenheit und positive Ausstrahlung auf. Ricky Martin scheint rundum glücklich zu sein. Seine Zwillinge feiern diesen Monat ihren dritten Geburtstag, und sein neustes Album «Música + Alma + Sexo» konnte anfangs Jahr einen weltweiten Erfolg verbuchen. Ausserdem ist er in einer glücklichen Beziehung. Ausschlaggebender Grund dafür ist wohl, dass Ricky Martin mit sich selbst ins Reine gekommen ist und niemandem mehr etwas vormachen muss. Nebst dem Portrait über Señor Martin erwartet dich ein Special zum Thema Beziehung. Frank Richter und René Weber greifen zwei Herausforderungen auf, die eine Beziehung auf Dauer gefährden können: Distanz und Nachhaltigkeit. Um Nachhaltigkeit geht es auch in unserem Reisebericht über Moçambique sowie in unseren Modeseiten. Ich wünsche dir einen schönen Sommer, wo immer du die Mannschaft auch liest, und danke dir für deine Treue. Es grüsst dich, Greg Zwygart Chefredaktor

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Ricky Martin für «Música + Alma + Sexo» Foto: © Sony Music, 2011

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Mannschaft Magazin ist im Abonnement erhältlich: mannschaft-magazin.ch oder abo@mannschaft-magazin.ch


MANNSCHAFT contributors

DEINE MANNSCHAFT IM AUGUST

Ein Test für die wahre Liebe oder zum Scheitern verurteilt? Frank Richter geht dem Mythos Fernbeziehung auf den Grund. Skype ist nämlich nicht der einzige Weg, wie eine Liebe auf Distanz gemeistert werden kann. // Seite 24

Verliebt sein ist schön und gut, wie lässt sich aber eine langfristige Beziehung auf Dauer aufbauen? Gemäss Personal Coach René Weber sind schwule und heterosexuelle Beziehungen gar nicht so verschieden. // Seite 39

Die Inspiration für die aktuelle Modestrecke stammt von Mannschaft-Stylist Pino Zinna. Der RetroLook der siebziger Jahre ist nämlich wieder brandaktuell. Passend dazu die nachhaltigen Labels von Fizzen und Changemaker. // Seite 28

Lebensart

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MANNSCHAFT leserbriefe

LESERBRIEFE

IMPRESSUM © Raffi P.N. Falchi

MANNSCHAFT MAGAZIN AUGUST 2011 HERAUSGEBER Lautes Haus GmbH Postfach 476 CH-3000 Bern 7 Bärenplatz mannschaft-magazin.ch kontakt@mannschaft-magazin.ch redaktion@mannschaft-magazin.ch REDAKTION Greg Zwygart MARKETING & KOMMUNIKATION Thomas Künzi LAYOUT, GESTALTUNG & ILLUSTRATION Greg Zwygart Melanie Carrera

Ob Kritik, Lob oder Verbesserungsvorschlag: Füll das Feedbackformular auf mannschaftmagazin.ch aus oder schick ein E-Mail an redaktion@mannschaft-magazin.ch.

LIEBE DEBY Deine Kolumne ist sehr gut verfasst und spricht mich auch an. Ich fi nde es super von dir, dass du dich so für die Schwulen und Lesben einsetzt. Ich freue mich schon auf die nächste Ausgabe der Mannschaft. Andreas

SCHWULE VÄTER Mit grossem Interesse habe ich den Artikel über schwule Väter gelesen. Es ist sicher so, dass die Männer, die von einer Familie mit Kindern ausbrechen, die Scheidung hinter sich bringen und von einem neuen Leben mit einem Partner träumen, sehr oft alleine dastehen. Die heterosexuelle wie auch die homosexuelle Gesellschaft akzeptiert diese Variante bis heute noch nicht. Es ist sicher richtig, dass es diverse Organisationen und Selbsthilfegruppen gibt, nur können diese leider auch keine Berge versetzen und eine wirkliche Hilfe sind sie auch nicht. Wenn es hart auf hart kommt, stehen einem diese Organisationen auch nicht mit Rat und Tat zur Seite. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man in dieser Angelegenheit oft alleine gelassen wird. Ich es fast eine Frechheit zu behaupten, dass «schwule Väter» mit ihrer Situation

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zufrieden sind! Hallo? Man(n) hat sicher mehr Rollen, die zu erledigen sind, man will aber auch nicht die schwule Welt mit seinen Problemen belasten und bequasseln. Wenn einer eine Scheidung hinter sich hat und noch für Kinder sorgen muss und darf, dann hat er in der Oberflächlichkeit in der schwulen Welt keine Chance, geschweige das Geld für Dolce, Prada, Gran Canaria oder Mykonos. Es ist nach wie vor ein heikles Thema, und ich denke es wird immer noch schlimmer. Auch der Gesetzgeber hat nur Verachtung gegen einen, der sich scheiden lässt. Der Mann ist immer der gelackmeierte. Christian Jäggli

AUSGEGLICHEN UND INFORMATIV Als ich das Cover der neusten Mannschaft sah, dachte ich, oh nein, nicht schon wieder ein Artikel, der in alter schwuler Manier gegen das Militär wettert, aber dann doch den Uniformfetisch in den Himmel lobt. Überrascht hat mich dann der Artikel, der alles andere als subjektiv ist. Als Soldat, der seinen Dienst abgeschlossen hat, kann ich den Schatten- und Sonnenseiten des Militärs nur zustimmen. Es bleibt ein heikles Thema. Philipp Die Redaktion behält sich vor, Texte zu kürzen und/oder aus stilistischen Gründen umzuformulieren.

FOTOGRAFIE Raffi P.N. Falchi Kapuly Dietrich KORREKTORAT Benjamin Altermatt Romeo Garden TEXT Branko B. Gabriel Andreas Gurtner Guy Huracek Christian Kuonen Thorsten Möller

Frank Richter Patrick Schneller Beat A. Stephan David Trachsel Greg Zwygart

ANZEIGENVERKAUF Werner Hulliger, whulliger@inmedia.ch Suzanne Brülhart, sbruelhart@inmedia.ch Tel.: 031 382 11 80 inMedia Services AG Hirschengraben 8 Postfach 6723 3001 Bern inmedia.ch ABOSERVICE Mannschaft Magazin ist im Abonnement (CHF 79/Jahr) sowie im Spezialabo für Studenten/Lernende erhältlich (CHF 49/Jahr). AUFLAGE 10’000 DRUCK Bubenberg Druck- und Verlags-AG Postfach CH-3001 Bern

Jegliche Wiedergabe und Vervielfältigung von Artikeln und Bildern ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion gestattet. Die nächste Ausgabe von Mannschaft Magazin erscheint am 30. August 2011.


DOSSIER 11-19

Kleine Tasche, grosse Wirkung: Der Verein homo-sapiens unterst端tzt mit seinen Stofftaschen die Rechte f端r Schwule und Lesben auf der ganzen Welt. // 16

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NEUE UNO-RESOLUTION ANERKENNT ERSTMALS DIE RECHTE VON SCHWULEN UND LESBEN

GLOBAL Kurnews International

New York Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen ist die Lage von Schwulen und Lesben angesprochen worden. In einer vorsichtig formulierten Resolution drückte die UNO ihre «ernste Besorgnis über die Gewalt und Diskriminierung gegen Individuen in allen Teilen der Welt aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität» aus. Gemäss verschiedenen Organisationen ermöglicht die Resolution einen formellen Ablauf, der Menschenrechtsverletzungen gegen Schwule und Lesben dokumentieren kann. Darunter fallen diskriminierende Gesetze sowie Gewaltakte. Gemäss Amnesty International sind gleichgeschlechtliche Beziehungen in 76 Ländern illegal. Die Resolution ist mit 23 zu 19 Stimmen knapp angenommen worden. Zu den Befürwortern zählen die USA, die EU sowie Brasilien und andere Länder Lateinamerikas. Dagegen stimmten Russland, Saudi Arabien, Nigeria und Pakistan. China, Burkina Faso, Kirgistan und Sambia enthielten sich. Lybien ist schon vor einigen Wochen vom UNO-Menschenrechtsrat ausgeschlossen worden.

18 MORDFÄLLE IN 18 MONATEN San Juan Während auf der ganzen Welt Gay Pride gefeiert wurde, zog man in Puerto Rico eine traurige Bilanz: In den letzten 18 Monaten sind 18 schwule, lesbische und transsexuelle Personen ermordert worden. Der berüchtigste Fall ist der von Jorge Stephen Lopez Mercado, der enthauptet, verbrannt und verstümmelt am Rande einer Strasse in Cayey aufgefunden wurde. Juan Antonio Martinez Matos, sein Mörder, sagt er habe aus Schock reagiert, als er bemerkte, dass Lopez Mercado ein biologischer Mann sei und keine weibliche Prostituierte. Diese sogenannte «Gay Panic» versetzte ihn in eine blinde Wut, die zum brutalen Mord führte. Luis Fortuño, der Gouverneur von Puerto Rico, ist unter heftigen Beschuss geraten, weil er keinen der 18 Mordfälle als Hassdelikt behandelte. Puerto Rico hat seit 2002 ein spezielles Gesetz für Hassdelikte und noch kein einziges Mal Gebrauch davon gemacht.

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ÖFFNUNG DER EHE FÜR GLEICHGESCHLECHTLICHE PAARE Hamburg Ende Juni beschloss das Bundesland Hamburg mit den Stimmen von SPD, Grün-Alternative Liste Hamburg und Die Linke eine Bundesratsinitiative zur Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare zu starten. Einzig die CDU und FDP stimmten dagegen. Kurz darauf folgte ein Gesetzesentwurf zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Bundestag, eingereicht von Bündnis 90 und den Grünen. Soweit wird die Forderung nur von den Linken unterstützt. Seit knapp zehn Jahren gilt in Deutschland das Lebenspartnerschaftsgesetz. Dieses würde ab dem 1. Janaur 2012 aufgehoben, sofern der Gesetzesentwurf angenommen werden würde.

INDIEN BAUT HIV-PRÄVENTION AUS Seit 2008, als Homosexualität in Indien entkriminalisiert wurde, hat sich Indien darum bemüht, die Diskriminierung von Transmenschen und Schwulen aufgrund von HIV/AIDS abzubauen. Obwohl die Infektionsrate in den letzten zehn Jahren um 50% gesunken ist, ist die Diskrepanz zwischen der heterosexuellen Bevölkerung und homosexuellen Männern immer noch gross. 7,3% aller Männer, die Sex mit anderen Männern haben, sind vom HIV-Virus betroffen, im Gegensatz zu 0,3% vom Rest der Bevölkerung. Dank des verstärkten Angebots machen bereits zwei Drittel der schwulen Männer Gebrauch von HIV-Präventionsstellen. Während einer Konferenz im Juli lobte die UNO das Engagement von Indien. Es gehe nun weiter darum, die soziale Diskriminierung von HIV/AIDS abzubauen. «Indien pflegt eine lange Tradition von sozialer Akzeptanz und Gerechtigkeit. Diese muss auch für Transmenschen und Männer, die Sex mit Männern haben, gelten», sagte Michel Sidibé, Direktor von UNAIDS.

FRAGWÜRDIGE KAMPAGNEN IN DER GOLFREGION Dubai Die soziale und politische Emanzipation der Frauen in der arabischen Welt provoziert radikale Reaktionen. Immer häufiger werden Gesetze verabschiedet, welche die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Verhalten vorschreiben. Die städtische Polizei in Dubai hat kürzlich eine Kampagne gegen sogenannte «Boyats» lanciert. Abgeleitet vom englischen boy, bezeichnet der Begriff Frauen, die mit männlichem Verhalten und Aussehen auffallen. Unter dieser arabischen Definition eines «dritten Geschlechts» fallen auch feminine Männer und Transmenschen. In Kuwait ist es 2007 sogar strafbar geworden, Verhalten des anderen Geschlechts zu «imitieren». So sind seither hunderte von Frauen verhaftet und inhaftiert worden. Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Studie von Human Rights Watch müssen diese Frauen Gewalt, Folter und sexuellen Missbrauch über sich ergehen lassen.

Mit solchen Fotos veranstalten arabische Websites eine Hetzjagd auf «Boyats».

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DOSSIER das wort von pink cross

DIE SCHWULENBEWEGUNG HAT ALLES ERREICHT — WIRKLICH? von Pink-Cross-Geschäftsleiter Uwe Splittdorf

© Stougard

Pink Cross ist die nationale Dachorganisation für schwule Männer.

Muslimische Frauen an einem Strand in Singapur. Sommer ist Ferienzeit, ist Reisezeit. Beim Reisen in ferne Länder wird einem klar, was die Schwulenbewegung in vielen westlichen Ländern erreicht hat. «Manche Schwule haben den Eindruck, dass praktisch alles erreicht ist», sagte der Basler Ständerat Claude Janiak Ende Juni auf einer Benefizveranstaltung zu Gunsten der Aidshilfe beider Basel. Die Tatsache, dass lesbische und schwule Paare keine Kinder adoptieren können, werde als Nebensache abgetan. Janiak unterstrich die Tatsache, dass in der Schweiz trotz Diskriminierungsverbot Schwule und Lesben aufgund ihrer sexuellen Orientierung straflos diskriminiert werden können. Das zeigt, dass wir von einer gesellschaftlichen Akzeptanz noch weit entfernt sind.

KULTUR ALS GRUND FÜR DISKRIMINIERUNG Zu denken geben sollte aber auch die heftige Opposition, vor allem aus islamischen Ländern, auf einen Auftrag an das UNO Hochkommissariat für Menschenrechte. Bis Ende Jahr ist dem UNO Menschenrechtsrat über Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung ein Bericht vorzulegen. Warum wehren sich die islamischen und afrikanischen Länder gegen eine solche Studie? Ihre Argumente, es gebe kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen, scheint ziemlich fadenscheinig. Klar gibt und soll es unterschiedliche Kulturen mit unterschiedlichen Lebensauffassungen geben, aber Diskriminierung anderer – und die Rede ist nicht nur von Lesben oder Schwulen – soll und darf nicht als kulturelle Praktik durchgehen können. Trotzdem ist es richtig, gerade jetzt, wenn wieder viele in die Ferien verreisen, dass man kulturelle Unterschiede zu respektieren weiss. Mykonos existiert nicht einfach als Partyloch für schwule Männer. Auf der griechischen Insel gibt es auch noch Menschen, die dort ihren Alltag verbringen. Thailand ist ein weiteres Beispiel, denn was für Heterosexuelle gilt, gilt auch für Schwule: Die thailändische Bevölkerung sind in erster Linie Menschen und nicht einfach nur Lustobjekte. Bei der Begegnung mit an-

deren Kulturen geht es um Respekt, auch wenn Reiseveranstalter alles Mögliche tun, um klischierte Traumvorstellungen anzusprechen. Diese Traumvorstellungen können sehr schnell zu Albträumen werden, wenn man die kulturellen Differenzen nicht kennt. Was in Deutschland geht, kann schon in Griechenland Probleme verursachen; was in der Stadt als selbstverständlich gilt, kann in einem ländlichen Bergtal zu offener Ablehnung führen. Noch schlimmer: Sich in Afrika oder in einem islamischen Land zu benehmen, als wäre man im Schwulenclub auf Beutefang, kann lebensgefährlich sein.

MENSCHENRECHTE SIND NICHT NUR WESTLICHES GEDANKENGUT Der Beschluss, die Menschenrechte auf die sexuelle Orientierung auszuweiten, ist also nicht weit hergeholt. Diese Rechte einzufordern, hat nichts mit westlichem Kolonialismus zu tun. Selbstverständlich muss man auf kulturelle Unterschiede Rücksicht nehmen, solange diese nicht als Vorwand für Diskriminierungen genutzt werden. Es hat also nichts mit Kultur zu tun, wenn den Frauen in Saudi Arabien das Autofahren verwehrt wird oder wenn einvernehmliche homosexuelle Handlungen kriminalisiert oder gar mit dem Tod bedroht werden, wie dies in vielen Ländern Afrikas oder des Nahen Ostens der Fall ist. Dass hier weiterhin politisches Engagement gefordert ist, ist offensichtlich. Erst wenn es in keinem Land mehr Diskriminierungen von Lesben und Schwulen gibt, braucht es das politische Engagement der Community nicht mehr. Doch auch in der Schweiz gibt es noch viel zu tun. Das Adoptionsrecht ist nur ein Beispiel. Diskriminierung von Schwulen und Lesben am Arbeitsplatz ist immer noch straflos möglich. Jeder kennt wohl Beispiele von ganz subtiler Diskriminierung in seinem Alltag. Und selbst wenn auf dem Papier jegliche Diskriminierung von Schwulen und Lesben verschwunden sein wird, ist es noch ein langer Weg, bis Toleranz und Akzeptanz auch in den Köpfen und Herzen Eingang finden.

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DOSSIER infos für den schwulen Mann

HOMO-SAPIENS: WIE EINE TASCHE ZUM GESPRÄCH WIRD Der Schweizer Verein homo-sapiens setzt sich mit einer ungewöhnlichen Methode für die Rechte von Schwulen und Lesben ein: Er verkauft Stofftaschen und spendet den gesamten Erlös an Projekte, die sich für die Rechte von homosexuellen Menschen einsetzen. Text: Guy Huracek

Inspiriert wurde der Verein homo-sapiens von einer jungen Tunesierin namens Leila. Als erwachsene und selbstbewusste Frau lebt sie ihre Sexualität in der Schweiz offen aus: Sie ist lesbisch. Ihre Familie in Tunesien darf jedoch von ihrer Sexualität nichts wissen. «Es sind genau diese zwei Seiten ihres Lebens, die auf zwei Extremen basieren, die uns dazu bewogen haben, den Verein zu gründen. Wir wollen uns für die Rechte und Freiheiten einsetzen, die Leila nur in einem Teil ihres Lebens ausleben kann», sagt Martina Heer. Aufgrund dieser religiösen, kulturellen oder traditionellen Konventionen gehe es vielen anderen ähnlich, auch in Schweizer Familien.

SUBTILES OUTING Martina Heer und Jan Uhlmann sind Vorstandsmitglieder im Verein homo-sapiens. «Es ist schwierig, die Philosophie von homo-sapiens auf einen Punkt zu bringen», sagt Jan und nimmt einen kräftigen Schluck Kaffee. «Wir setzen uns für die Sichtbarkeit, die Rechte und die Freiheiten von homosexuellen Menschen ein.» Doch anders als zahlreiche Organisationen wolle

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man nicht mit der Faust auf den Tisch hauen, erklärt Jan und deutet auf seine Stofftasche. Darauf ist das Vereinslogo homosapiens zu sehen. «Das Logo soll zum Gespräch anregen», erklärt Martina und führt weiter aus: «Wenn man jemandem die Tasche überreicht, kann ein spannender Dialog entstehen.» Das sei effektiver als ein Flyer, den man nur einmal durchliest und dann wegwirft. Der Schriftzug sei bewusst zweifarbig gewählt und auf der einen Seite der Tasche spiegelverkehrt aufgedruckt, so Jan. Homo-sapiens spricht so zwei Leitlinien des Vereins an: Auf der einen Seite will man die Wahrnehmung und Sichtbarkeit von homosexuellen Menschen im Alltag fördern. Auf der anderen Seite zeigt es die Solidarität mit Menschen, die im In- und Ausland ihre Sexualität nicht offen leben können. Übersetzt man «homo-sapiens» auf Deutsch, heisst der gebildete Mensch. «Wir wollen damit sagen, dass Schwule und Lesben sowohl homosexuell als auch einfach Mensch sind», sagt Jan dazu.

INTERNATIONALE PROJEKTE UNTERSTÜTZT Der Erlös vom Verkauf der Taschen kommt Projekten zu, die sich für homosexuelle Menschen einsetzen, wie zum Beispiel Queer Refugees von Queeramnesty. Der Verein plant, weitere Produkte mit dem Logo zu bedrucken. Homo-sapiens scheint mit seinem Konzept Erfolg zu haben. Nach eigenen Angaben hat der Verein Mitte Juli rund hundert Taschen verkauft und findet in der breiten Bevölkerung Anklang. «Eine Frau ist mir an der Pride sogar nachgelaufen, weil sie unbedingt so eine Tasche haben wollte», sagt Martina. Auch die Organisationen Queeramnesty und die Homosexuelle Arbeitsgruppe Bern HAB zeigen sich auf Anfrage von dem Konzept begeistert. Doch kann man während des Verkaufs einer Stofftasche wirklich ein ernstes Gespräch führen? Und gibt es in der Schweiz nicht schon genug Organisationen, die sich für die Rechte von Gays einsetzen? Jan sagt pointiert: «Das ist genau das Ziel von uns. Solche Fragen regen zu spannenden Diskussionen an.» Der Verein habe zwar eine feste Haltung, doch es sei ein grosses Anliegen von homo-sapiens selbstkritisch zu reflektieren.

Die Tasche kann online auf homo-sapiens.ch bestellt werden und kostet 15 Franken. Der Erlös aus dem Verkauf und aus allen Vereinsaktivitäten von homo-sapiens kommt Projekten in der Schweiz und im Ausland zu, die sich für homosexuelle Menschen einsetzen.

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DOSSIER infos für den schwulen Mann

Jahrhundertealte Bauten wie die Kirche Paraportiani verleihen der Partyinsel Mykonos einen unverwechselbaren Charme.

AUF MYKONOS IST DIE KRISE KAUM SPÜRBAR Griechenland geht nicht nur das Geld aus, sondern auch die Touristen. Das Schwulenparadies Mykonos kann sich aber nicht beklagen. Text: Martha Georgiou-Kamfona Es ist mittlerweile überall bekannt: Griechenland ist pleite. Seitdem die Ausschreitungen in Athen drei Todesopfer gefordert hatten, bleiben nun auch die Touristen dem sonst so beliebten Ferienland fern. Gemäss der Hotelierkammer der griechischen Hauptstadt sind seit Mai im ganzen Land Tausende von Annulierungen eingegangen. Und nicht nur Athen: Auch auf den zahlreichen Inseln, die von den Ausschreitungen nicht betroffen sind, klagt man über schwindende Reservierungen – auf Kreta sind es etwa 10%, auf Rhodos sogar 18%. Gemäss den dortigen Hoteliers sind nicht nur die Finanzlage und die Ausschreitungen schuld, sondern auch die vernichtenden Berichte in der Presse. «So etwas haben wir noch nie erlebt», sagte der Hotelier Kostas Spyropoulos aus der Hafenstadt Patras der Nachrichtenagentur dpa.

VERLUSTE VON HÖCHSTENS 5% Nicht so aber auf Mykonos. Dort sind die Auswirkungen der Krise und der Ausschreitungen in Athen dank treuer Kundschaft kaum spürbar. «Wir merken schon, dass ein bisschen weniger Leute hier sind als sonst. Aber das macht höchstens 5% aus», heisst es beim Gay-Hotel Elysium. «Die meisten Gäste kommen aus Grossbritannien oder aus den USA, und

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die haben keine Angst vor irgendwelcher Krise. Sie lieben Mykonos!» In der Tat ist Mykonos im Vergleich zu Ibiza, Gran Canaria und Sitges ein besonderes Pflaster. Hier gibt es nicht nur ein rauschendes Nachtleben und ein breitgefächertes Angebot an gay-friendly Hotels, sondern auch einen direkten Anschluss an die griechische Kultur. Eine imposante Architektur, gutes Essen und charmante Inselbewohner.

MYKONOS IST EINZIGARTIG Dies bestätigt auch Ray Fuhrer, Geschäftsführer von Reiseveranstalter Pink Cloud in Zürich: «Mykonos ist einzigartig. Der Ort hat etwas Magisches und ist deshalb bei schwulen Männern stets beliebt.» Die Attraktivität von Mykonos hat aber auch einen Preis: Die Insel ist oft überteuert, und für ein Nachtessen zahlt man schnell bis zu 40 oder 50 Euros. Früher oder später müssen die Griechen aber ihre Preise senken, meint Ray Fuhrer: «Bald müssen auch die Touristen mehr auf ihr Geld schauen, und diesen Moment dürfen die dortigen Hotel- und Restaurantbetreiber nicht verpassen. Ich empfehle aber sowieso, die Insel nicht unbedingt während der Hochsaison zu besuchen. Mein persönlicher Geheimtipp: Erst im September nach Mykonos gehen!»


“ Jemand hat mich da falsch zitiert. ” Ngozi Uche, Cheftrainerin der Frauen-Nationalmannschaft von Nigeria, gegenüber Die Zeit Online. Zuvor hatte sie gemäss der NewYork Times Homosexualität als «schmutzige Angelegenheit» und als «moralisch verwerflich» bezeichnet. Jetzt bestreitet sie ihre Aussagen. Druck der FIFA?

ZITIERT

“Dass Kinder nicht mit dem Thema Homosexualität

konfrontiert werden dürfen, ist untragbar - als könnten Schwule keine Väter, Brüder oder Verwandte sein.” LEE HALL, Autor des Musicals Billy Elliott, nachdem seine neuste Oper kurz vor der Premiere in England abgesagt wurde. Am sozialen Projekt hätten 280 Schulkinder mitwirken sollen. Hall hatte sich geweigert, die schwule Hauptrolle abzuändern, da sie einigen Eltern sauer aufgestossen war. Somit versanden umgerechnet CHF 230'000 und monatelange Vorbereitungen.

“ Ich hoffe, mein Sohn ist nicht im Dienste von Amerikanern gestorben, die ihm keine Grundrechte zusprechen würden.” JEFF WILFAHRT, Vater von Andrew (Bild), einem schwulen Korporal in der amerikanischen Armee, der anfangs Jahr in Afghanistan ums Leben kam. Seine Eltern setzen sich nun in ihrem Heimatstaat Minnesota für LGBT-Rechte ein. Die Bevölkerung Minnesotas könnte nächstes Jahr gegen die gleichgeschlechtliche Ehe stimmen.

“ In diesem Alter die Verantwortung für

das Heranwachsen ­e ines Kindes zu über nehmen, scheint mir zu gross. ”

KURT AESCHBACHER zum Blick auf die Frage, ob er nie daran gedacht habe, ein Kind zu adoptieren.

AUGUST 2011 // 19


KOLUMNE harlekin

FARBENSTOLZ HARLEKIN@MANNSCHAFT-MAGAZIN.CH

Harlekin über Barcelona: Das tägliche Leben

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Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diesen Juni zum ersten Mal bei einer Gay-Pride mitgelaufen bin. Ich wollte immer in den grossen Metropolen leben, wegen ziemlich vielem, was es da zu erleben gibt, nicht aber wegen jenen paar Tagen im Jahr, wo explizit und kollektiv «Freiheit» zelebriert wird. Ein Stück weit zeigt das, dass ich da, wo ich lebe, alles habe, was für mich persönlich an Freiheit wichtig ist. Ein Stück weit erzählt es davon, dass ich misstrauisch werde, wenn Massen sich mit Schlagwörtern identifi zieren. Vielleicht erzählt es auch von einem Rest Verkapptheit meiner selbst. Ich fand es lange Zeit schwierig, meine Identität innerhalb der «Gay-Community» zu behalten. Die Klischees sind da oft so stark vertreten und manifestiert, dass man selber entweder untergeht oder einfach einverleibt wird, war mein Gefühl. Vielleicht fand ich auch unbewusst, dass ich durch mein Geburtsdorf zu marschieren hätte, nicht durch Zürich, Paris oder Barcelona. Dieses Jahr fragte mich ein Freund, der aus Georgien kommt, ob ich ihn durch den Umzug begleite und Fotos machen könne. Er beantragt Asyl in Spanien wegen Verfolgung homosexueller Identität in seinem Heimatland, ein georgisch-spanischer Präzedenzfall. Es hilft, wenn man seine Homosexualität «dokumentieren» kann, was immer das genau heisst.

So haben wir den Marsch von der Plaça Universitat ab gemeinsam gemacht. Er rief die ganze Zeit «Poster! Poster!», wenn es Gruppen hatte, die Plakate mit politischen Forderungen hochhielten. Ich rannte dann durch 35 Grad Hitze voraus, er posierte, ich knipste – und die Masse hat sich vorwärts bewegt. Irgendwann kamen wir an der Plaça Espanya an und haben gefeiert. Ich ignorierte, dass ich den Moderator auf der Bühne eine Zumutung für die gesamte Menschheit fand, homohetero-trans-und-den-Rest, irgendein drittplatzierter Spanien-Music-Star. Ich habe mir den Spass nicht selber verdorben, auch ich lerne. Der Tag hat mich sehr berührt. Es war schön, M. so glücklich und stolz zu sehen. Ein bisschen habe ich Harvey Milk gespürt auf diesem Marsch. Die Regenbogenfarben habe ich genossen, auch jene, die man uns auf den Oberarm gepinselt hat. (Ich bin immer erheitert, wenn ich das Farbenspektrum anschaue, das war schon so, als ich noch in der Schule Farbschachteln spitzte.) Ich habe mich auch über meinen eigenen Weg gefreut, dass ich es hierhin geschafft habe, trotz all meiner Konfl ikte mit mir in der schwulen Welt. Ich bin ein Teil davon und heute zufrieden damit, gebe meinen Senf zum Ganzen, egal wie gross die Mehrheit, auch jene innerhalb der Minderheit.


LIFESTYLE 21-47

Moçambique: Ein Picknick auf Pantsy Island gehört zu den schönsten Ausflügen, die angeboten werden. // 43

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PIZ BUIN

NOUVELLES von Branko B. Gabriel

Piz Buin hat eine Formel entwickelt, die es ermöglicht, eine schöne Sommerhaut zu bekommen, ohne auf den gewohnten Sonnenschutz verzichten zu müssen. Der Tan Intensifier Sun Spray SPF 30 spendet viel Feuchtigkeit, die das Abschälen der Haut zu verhindern hilft und so für eine länger anhaltende Bräune sorgt. Das Produkt enthält Vitamin E, das die natürlichen Abwehrkräfte der Haut stärkt und so der vorzeitigen Hautalterung vorbeugt. Alle Sprays sind wasserfest.

NESCENS Die neue Anti-Aging-Pflege von Nescens hat es wahrlich in sich! Für den Mann gibt es jetzt die zellaktivierende und zellregenerierende Formel: Basispflege Nacht für Gesicht und Hals. Die zellaktivierende und regenerierende Nescens Technologie wirkt intensiv gegen die Hauterschlaffung und verleiht dem Teint eine neue Strahlkraft. Zudem werden die Barthaare weicher, und das Rasieren wird von Tag zu Tag einfacher. Einfach nach der Hautreinigung am Abend auftragen, der Rest erledigt im Nu die Luxuspflege von Nescens! 30ml für CHF 355, erhältlich in der Privatklinik Bethanien Zürich oder unter nescens-shop.com

LECKER! Dass die Gnüsserei im Puls 5 in Zürich tatsächlich ein Ort des Genusses ist, ist nicht nur Feinschmeckern bekannt. Neben dem eleganten Restaurant gibt es auch einen Shop mit allerlei köstlichen Produkten wie Weine, Spirituosen, Antipasti und feinen Paté und Sugos. Neu und frisch eingetroffen ist der Mozzarella mit echtem Trüffel aus Umbrien. Kombiniert mit bestem schwarzem Sommer-Trüffel passt dieser Mozzarella perfekt zu einem leichten Sommergericht. Herrlich italienisch und unerhört lecker. Jetzt im Gnüsserei Shop und natürlich frisch auf dem Teller im Restaurant. 150g Becher für CHF 9.80, gnuesserei.ch.

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MEANTIME Es gibt sie doch, die kleinen Grossstadt-Perlen! Eine davon ist Meantime. Der Store ist nicht leicht zu finden. Steht man dann endlich vor der riesigen blauen Tresortüre, eröffnet Meantime dem Kunden ein Eldorado aus Vintage Möbeln, Lampen, Geschirr und Wohnaccessoires von den 40er bis in die 90er Jahren. Design soweit das Auge reicht! Aber aufgepasst: unbedingt die Öffnungszeiten beachten, denn Meantime öffnet seinen Schatz immer nur am letzten Wochenende des Monats. Meantime findest du oberhalb der Kornhausbrücke, Stadtauswärts von Zürich. meantime.ch

FASHIONSLAVE In dem neuen Viadukt in Zürich, nähe Escher Wyss Platz, hat sich auch Fashionslave einquartiert. Die drei Mädels, die hinter Fashionslave stecken, wissen, was Mann trägt und halten auf der ganzen Welt Ausschau nach neuen Designern und den neusten Trends. Neben coolen und aufregenden Fashionlabels, legen sie auch viel Wert auf spezielle Accessoires - wie etwa den aussergewöhnlichen Schmuck der belgischen Designerin Natalia Brilli. Und für einen makellosen Haarschnitt sorgt der integrierte Frisiersalon. Von Kopf bis Fuss perfekt gestylt! Menswear & Style Gallery, Viaduktstrasse 29, 8005 Zürich

WILLIAM WHITE Lange ist es her, als William und ich um die Häuser zogen – anzutreffen auch in der Winterthurer BesetzerSzene. Jetzt hat der aus Barbados stammende William endlich den Durchbruch geschafft und ein neues Album im Gepäck: Freedom. Das Album ist eine Hymne auf das Leben und macht einfach Freude. Mit der Single «How Can I Be Free» hat er gleich auch noch einen wunderbaren Sommerhit geschrieben. Weitere Infos und Tourdaten: williamwhite.ch

Branko B. Gabriel ist unser Mann in Sachen Beauty und Lifestyle. Das Zürcher Enfant terrible weiss stets, was gerade hip und trendy ist.

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Wie bleibt der Märchenprinz in deinem Schloss? 10 Tipps von René Weber, wie du deine Beziehung nachhaltig gestalten kannst. Er ist Personal Coach und Inhaber von yourway.ch und yourgay.ch.

Gemäss dem Klischee ist die Halbwertszeit einer Liebesbeziehung zwischen Männern kurz. Jedenfalls wird den schwulen Männern zugeschrieben, viel Abwechslung zu mögen. Und doch scheinen sich viele nach ihrem Märchenprinzen zu sehnen, der hoch zu Ross in ihr Leben reitet. Eine Studie aus Amsterdam (Mai 2003) belegt, dass Männerpartnerschaften im Durchschnitt nicht länger als anderthalb Jahre dauern. Weiter heisst es, dass in dieser Zeitspanne, jeder Partner durchschnittlich noch zwölf andere Sexualpartner (acht Sexualpartner im Jahr) habe. (Quelle: dijg.de) Demgegenüber steht eine Studie aus dem Jahre 2004, wo Herr und Frau Schweizer angeben, insgesamt 9,8 Sexualpartner zu haben. Sind also Schwule weniger bindungsfähig wie Heteros? Oder waren die schwulen Männer bei der Beantwortung der Fragen nur «ehrlicher»? Es ist bekannt, in Umfragen wird kaum mehr geschummelt wie wenn es um Sex geht. Und auf der anderen Seite gibt es Paare wie z.B. Franz Freuler und Jörg Zaugg, die 2009 im Tagesanzeiger bekannten: «Wir sind seit über 35 Jahren ein Paar.» Gibt es ein Patentrezept? Nein, aber patente Rezepte. Solche besprechen wir jetzt.

KABARRETIST STICHT SATIRISCH IN DIE WUNDE Bernhard Ludwig macht, wie er sagt, «Therapeutisches Kabarret». In einem seiner Programme untersucht er positiv

provozierend die Frage, wie Beziehungen rasch beendet werden könnten: Er zitiert Professor Möller. Dieser fand heraus, nach bereits vier Jahren Partnerschaft reduziert sich die sinnvolle tägliche Gesprächszeit auf vier Minuten. Ludwig bissig: «Floskeln wie «Bitte», «Danke», «Hallo» und «Tschüss» sind reine Zeiträuber. Warum jeden Tag – Guten Morgen – sagen? Man(n) sieht doch, wenn es hell wird.» Falls aber die Umfrage stimmt, scheinen wir Schwule immer wieder in Kurzbeziehungen zu landen. Aber warum suchen so viele den Märchenprinzen? Zu sehen ist das in einschlägigen Gay-Sites. Hand aufs Herz, die meisten sehnen sich nach jemandem zum Anlehnen, Kuscheln und Lieben. Miteinander geht vieles leichter und es ist schöner, als wie stundenlang im Internet herumzuhängen, um dann doch oft leer auszugehen, mit oder ohne Date.

HETEROS UND SCHWULE SIND IN BEZIEHUNGEN SO VERSCHIEDEN NICHT Schwule wie Heteros sollten in Beziehungen sinnvolle Gesprächszeit verbringen. Das sind Gespräche darüber, was wir empfinden, was uns bewegt, was wir erlebten, anstatt nur über das Sachliche wie den Einkauf, das Geschäft, die Verpflichtungen, oder über die Anderen etc. zu sprechen. Auf der nächsten Seite findest du zehn Impulse mit denen du in Beziehungen gut ankommst.

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1.

Interessiere dich echt für die Gefühle beider. Verbringt sinnvolle Zeit zusammen. Gemeint sind gemeinsame Aktivitäten, wo es um euch beide geht (z.B. Wanderung, Velotour und vor allem, dabei euch über die eigenen Empfindungen auszutauschen, die jeder hat).

2.

Lasse ihn aufrichtig spüren, dass er gut ist, so wie er ist. Wertschätze seine Stärken, die er in die Beziehung einbringt. Wenn wir die Stärken zusammenspielen lassen, ist es kraftvoll schön.

3.

Begreift Differenzen als Chance fürs Gestalten. Weil jeder einzigartig ist, sind Unterschiedlichkeiten ganz natürlich und sowieso die Regel. Es besteht also keinen Grund, diese zum Problem zu erheben.

4.

Sprecht unterschiedliche Meinungen und Ansichten - angriffsfrei - direkt, offen und klar an. Bleibe bei dir und versuche nicht, den anderen nach deinem Gusto umzubiegen. Ein klares ‹Nein› ist mitunter die liebevollste Antwort, die wir geben können. Weil es ein klares ‹Ja› zu sich selbst ist und damit die Fähigkeit stärkt, sich ganz in eine Beziehung einzulassen, ohne sich darin zu verlieren.

5.

Versprich, was du halten willst und halte, was du versprichst. Offenheit, aufrichtige Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind Beziehungsdünger. Früher statt später zu reden, ist besser als schlechter.

6.

Jeder hat seine Anfälligkeiten. Gehe darin mit dir und deinem Partner liebevoll und klar um. Unterstützt euch mit euren Fähigkeiten, anstatt «Schwächen» des anderen zu dramatisieren.

7.

Zeige ihm, dass du ihn liebst. Es genügt nicht, zu denken, einmal habe ich es gesagt, jetzt weiss er es. Dabei wirkt stark, was authentisch von dir geschenkt ist, ohne Hilfsmittel und ohne Geldeinsatz. Ein lieber Blick verbindet mehr als ein Strauss roter Rosen. Rosen können vielleicht ergänzend passen.

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8.

Frage deinen Partner, was er in der Beziehung von dir besonders gerne mag, wenn er sein Herz fragt. Erstaunlicherweise sind es die leicht zu erfüllenden Kleinigkeiten, die ganz gross ankommen.

9.

Formuliere deine «Anforderungen» an deinen Partner als Wünsche. Bitte um Unterstützung und Hilfe. Und lasse ihn in seiner eigenen Verantwortung, wie du die deine wahrnimmst. Er soll dabei frei ja oder nein sagen können. Zum Beispiel: «Mich hat deine Aussage geschmerzt, ich will mit dir reden, damit ich es ganz verstehen kann. Wie siehst du das?»

10.

Fragt euch: «Was brauche ich mindestens von dir, um für dich ein guter Partner zu sein. Und was bin ich gerne bereit, unterstützend einzubringen, damit du für mich ein guter Partner sein kannst.»

LEICHTER ALS WIR DENKEN... Wenn es funktionieren soll, dann darf der Märchenprinz nicht auf dem hohen Ross herumreiten. Gleichwürdigkeit in Gleichberechtigung ist gefragt. Ohne Firlefanz, einfach von Herzen echt. Das Wesentliche in einer Beziehung ist einfach. Und machmal stehen wir uns quasi selbst im Weg, so dass es uns schwieriger vorkommt, als wir es uns wünschen. Schaffe Klarheit, Verstehen und emotionale Nähe. Ein Zoff gehört mit dazu. Die Coachingpraxis zeigt aber, der Grund für den Beziehungsabbruch liegt selten in den Alltagsproblemen, er zeigt sich nur darin. Das Problem ist oft die Kommunikationsleere, oder weil sich zwei zusammentaten, die nicht zusammen gehören. Würde aber geredet, wäre das Zweite rasch entlarvt und wenn es grundsätzlich passt, könnte im offenen Gespräch oft ein neuer Weg gefunden werden. Das ist (leider) kein «Sonntagsspaziergang», auch wenn weiter unten einer zum Starten empfohlen ist. Es ist Beziehungsarbeit. Das erfordert Reflexion jedes Einzelnen für sich sowie miteinander fürs Gemeinsame.


DER ZAUBER DER REGELMÄSSIGKEIT Es ist tödlich, «nur» einmal wöchentlich das Gespräch zu zelebrieren und sich für den Rest der Woche aus dem Dialog abzumelden. Der tägliche Kurzimpuls bringt‘s - aber klar mehr als vier Minuten. Ludwig zeigt eine weitere Problematik: Viele meinen, der andere verstehe ohne ein Gespräch und ohne Information seine Gedanken und Gefühle. Es wird quasi Telepathie verlangt. Das ist Blödsinn, nicht wahr? Und doch wird es praktiziert. Die Beziehung läuft dauerhaft besser, wenn das Wenige das es braucht, regelmässig mit offenem Herzen gepflegt ist. Es käme ja auch keinem in den Sinn, eine Pflanze mit dem Wasserbedarf eines Jahres zu überschütten. Das wäre lieblos und sie ginge ein.

DER ERSTE SCHRITT Ohne den ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung bliebe alles beim Alten. Macht mal einen Sonntagsspatziergang und stellt euch abwechselnd die Fragen vom 10. Impuls. Hört einfach was der andere sagt - ohne zu diskutieren - also mit liebender Offenheit und annehmender Aufmerksamkeit da sein. Sagt einfach nur «Danke», wenn er das Seine gesagt hat. Danach wechseln und das 2-3 Mal wiederholen. Zum Schluss darüber reden, was sich bewegt hat? Es ist erkannt: Die Schönheit zeigt sich im offenen, achtsamen und dankbaren Dasein. Warum?

STELL DIR VOR: ER VERLIEBT SICH, UND DU BIST NICHT DA Was wäre dann? Dein Märchenprinz sucht von dir unbemerkt oder zu spät bemerkt das Weite. Weil das Licht im Schloss nicht (mehr) brennt. Schade. Also, Licht an - ohne dich grösser oder kleiner zu machen als den Partner - und ihr erkennt euch als Märchenprinzen, und verweilt gerne zusammen im Herzensschloss. Märchen können wahr werden, sicher eher im Gestalten der Beziehung zu dir und dem anderen, als das endlose Warten auf den Märchenprinzen...

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NACHHALTIGKEIT & FAIR TRADE

Photography: Kapuly Dietrich Hair & Make-Up: Pino Zinna, coiffyoursuccess.ch Styling: Deby for Changemaker und Fizzen Models: Linda Miftaraj, Jan Maik Baumann, Gianmarco


Linda tr채gt: Gurt von Avoova Changemaker, CHF 139 Schal von Womennepal Changemaker, CHF 119

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Changemaker steht für soziales und nachhaltiges Engagement. Die beiden Stores in Bern und Zürich verkaufen Produkte von fair entlöhnten ArbeiterInnen und von Kleinmanufakturen, die ihre Verantwortung gegenüber Umwelt und Natur ernst nehmen. Sieben Symbole erläutern die sozialen oder nachhaltigen Eigenschaften des Produktes.


Jan Maik tr채gt: Jeans Shorts Blue, Fizzen Vintage, CHF 29, Schuhe Terraplana, CHF 179 Linda tr채gt: Kette Real Time Trust, Changemaker, CHF 69 Gianmarco tr채gt: The Greenality T-Shirt, Changemaker, CHF 49, Norris Shorts, Fizzen, CHF 79 Accessoires von Changemaker: Decke: Royal Knit, CHF 179, Radio: Good Design, CHF 270, Notizbuch: Nkuku CHF 59, Kissen: Areawear CHF 59, Schalen: Ekobo, CHF 15/29

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Jan Maik tr채gt Hemd von DrDenim, Fizzen, CHF 79 Jeans, Changemaker, CHF 189 Gianmarco tr채gt T-Shirt Thokk Thokk, Changemaker, CHF 49 Gurt Stef Fauser (Velopneu), Changemaker, CHF 69 Jeans, Changemaker, CHF 189


Alle Vintage Produkte von Fizzen werden vom Wäschereiund Textilservice Köniz in liebevoller Handarbeit gereinigt, gewaschen, gepflegt oder geflickt. So werden jährlich 20 Tonnen gebrauchte, jedoch hochwertige Kleidung und Accessoires für den Wiederverkauf veredelt. Der Wäscherei- und Textilservice wird von der Gemeinde Köniz in den Räumen und mit der Infrastruktur von Fizzen im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms für arbeitslose Frauen und Männer betrieben. Linda trägt: Halskette Real Time Trust Changemaker, CHF 69 Long Hippie Skirt Fizzen Vintage, CHF 39 80s Blouse, Fizzen Vintage, CHF 29

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Spitalgasse 38 3011 Bern

Marktgasse 10 8001 Zürich

Pfluggässlein 1 4001 Basel

Ryffligässchen 13 3011 Bern

Löwengraben 15 6004 Luzern

Preyergase 6 8001 Zürich


Jan Maik tr채gt: The Greenality T-Shirt, Changemaker, CHF 49, Jeans, Changemaker, CHF 189 Gianmarco tr채gt: The Greenality T-Shirt, Changemaker, CHF 49, Norris Shorts, Fizzen, CHF 79, Tasche Affentor, Changemaker, CHF 79 Linda tr채gt: Sonnenbrille, Fizzen, CHF 25, Basic Tank Melange, Fizzen, CHF 26, Reworked Skirt, Fizzen Vintage, CHF 35, Tasche Atelier Avanzar, Changemaker, CHF 119


“ich ruf’ dich an, sobald ich zu Hause bin…” Gemäss Langzeitstudien hält eine Fernbeziehungen durchschnittlich zwei Jahre.Während diesen erleben die Beteiligten eine ständige Achterbahnfahrt der Gefühle – eine Mischung aus Vorfreude, Abschiedsangst und Sehnsucht.Warum die Fernbeziehung trotzdem lebenswert ist... Mannschaft Magazin hat mit zwei Paaren und einem Psychotherapeuten gesprochen. Text: Frank Richter

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S

ydney Flughafen, irgendwann als einen Ferienflirt. Du bereist ja nicht ein Ding der Unmöglichkeit. Ihnen bleiim Februar. Michael steht in Down Under, um dir einen Partner zu ben in erster Linie vor allem Gespräche. kurzen Hosen am Gate und suchen.» Seinem Freund ging es ähn- «Im Anfangsstadium der Beziehung wartet darauf, das Flugzeug betreten lich: «Mir hat Michaels Äusseres gut habe ich mich manchmal gefragt, warzu können. Er trägt Flip Flops und ein gefallen, deshalb kamen wir ins Ge- um ich mir das antue», sagt Kirk. «Naspräch. Ich fand es türlich wäre eine Beziehung mit einem blaues Poloshirt, Wenn sich Michael abends interessant, mich mit Freund in der gleichen Stadt einfacher. das trotz Wains Bett legt, klingelt bei einem Schweizer zu Aber heisst einfacher auch zwangsläuschen nach SonKirk am anderen Ende der unterhalten. Alles was fig besser?» Um die ständige Sehnsucht nencreme riecht. Welt der Wecker. ich bisher von der nach dem Partner zu mindern, schicken Noch zwölf MiSchweiz wusste war, er und Michael sich tagsüber Fotos nuten bis zum Boarding. Zwölf viel zu kurze Minuten, dass das Land neutral ist und dass Ro- oder kleine Videobotschaften. Was für bevor er für 21 Stunden in einer Hülle ger Federer aus der Schweiz stammt.» den Aussenstehenden nach einer niedliaus Metall und Elektronik verschwin- Nach zwei Wochen des gegenseitigen chen Banalität klingt, ist für die beiden den wird. Sein Freund Kirk nimmt ihn Kennenlernens reist Michael zurück in elementar. Kirk beim Karaoke singen. ein letztes Mal in den Arm, gibt ihm die Schweiz. Er und Kirk bleiben via Kirks Hund Benji, der versucht seinen einen Abschiedskuss mit auf dem Weg. Videochat in Kontakt. Sie telefonie- eigenen Schwanz zu fangen. Michaels «Melde dich bei mir, sobald du gelan- ren täglich miteinander, schicken sich Blick in den Vorlesungssaal oder auf die det bist», ruft er Michael hinterher. Kurznachrichten und Emails. In den Schuhe, die er gerade in einem Geschäft Dann dreht er sich um und läuft rasch gemeinsamen Gesprächen kristallisiert gekauft hat. Das alles sind kleine Puzzdavon. Gerne hätte er seinem Freund sich bei den beiden schnell heraus, dass lestücke, die das Paar am Leben des jenoch ein letztes Mal zugewinkt, ihm aus ihrer Begegnung mehr als nur eine weils anderen teilnehmen lassen. Oder ein letztes Lächeln geschenkt. Er weiss kurze Romanze werden könnte. Drei ihnen zumindest für einige Minuten die nicht, wann er Michael das nächste Mal Monate später sitzt Michael wiederum Illusion davon vorgaukeln. Denn für den treffen wird. Aber die Vorstellung, dass in einem Flugzeug mit Kurs auf Ozea- Australier und den Schweizer stand von es wieder vier Monate dauern könnte, nien. Doch dieses Mal verlässt er Aus- Anfang an fest: Ihre Fernbeziehung ist tralien nicht einfach nur als Rucksack- Mittel zum Zweck. Sie ist nur vorüberlässt seine Augen wässrig werden. Michael und Kirk leben in einer Fernbe- tourist. Noch am Flughafen Sydney gehend und soll keinen Dauerzustand ziehung. Kennengelernt haben sich die teilt er seinen Kollegen via Facebook bedeuten. Sobald es irgendwie möglich ist, wird einer der beiden ins Heimatland beiden im Dezember vor zwei Jahren. mit: «Michael ist in einer Beziehung.» des Partners ziehen. Seither treffen sie sich in unregelmässigen Abständen, mal in der Schweiz, Mittel zum Zweck mal in Australien, mal irgendwo dazwi- Dass die Fernbeziehung keine Partner- Von Indianapolis nach Zürich schen. Für beide ist es die erste Fern- schaft im Lightformat ist, wird den bei- Das eigene Leben komplett umkrembeziehung. Eine Beziehung, die distanz- den schnell bewusst. Macht es anfänglich peln, für den Partner den Kontinent mässig kaum weiter auseinander liegen noch Spass, früh morgens den Liebsten wechseln: Der 41-jährige Christopher könnte. Mehr als 16'000 Kilometer vor der Arbeit anzurufen, verkommt es aus Inianapolis hat diesen Schritt getrennen Zürich von Sydney. Rund acht nach einigen Monaten zur Pflichtübung. wagt. Seit 2006 wohnt der Leher in Stunden beträgt die Zeitverschiebung. Auf Grund der Zeitverschiebung geht Zürich. In die Schweiz gekommen ist Wenn sich Michael abends ins Bett legt, viel Spontanität der Amerikaner, Macht es anfänglich klingelt bei Kirk am anderen Ende der verloren. Dass Zeitum seinem Partnoch Spass, früh morgens Welt der Wecker. Weder der 27-jährige fenster, dass Kirk ner Markus näher Schweizer Student noch der 33-jährige und Michael zur den Liebsten vor der Arbeit zu sein. Die beiden anzurufen, verkommt es Informatiker aus Australien hatten eine gemeinsamen Verlernten sich 2002 nach einigen Monaten zur Ahnung worauf sie sich einlassen wür- fügung steht, ist bei einem Urlaub Pflichtübung. den, als sie kurz vor Weihnachten 2009 knapp bemessen: es in Manchester kenin einer Disco aufeinanderprallten. beschränkt sich auf nen. Darauf folgten spät am Abend und früh am Morgen. vier Jahre in einer Fernbeziehung. «AnKino- und Restaurantbesuche, gemein- fänglich war unsere Beziehung ziemlich Mehr als eine Ferienromanze Michael erinnert sich an die erste Be- sames Sport treiben oder im Bett ku- ‹casual›», verrät der 35-jährige Markus. gegnung: «Anfänglich sah ich das Ganze scheln, für Paare in einer Fernbeziehung Man habe sich gut miteinander verstan-

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den, aber es sei für beide klar gewesen, Der Beziehungsexperte mit eigener dass man vorerst in einer offenen Be- Praxis für Psychotherapie in Zürich ziehung leben wolle. Die gemeinsamen scheint das Rezept für gelungene FernTelefongespräche fanden vor allem zur beziehungen gefunden zu haben. Der Mittagszeit statt. Christoper und Mar- Schlüssel zum Glück lautet: Kommukus unterhielten sich oft über Bücher, nikation. die sie gelesen hatten. «Als wir unsere «In einer Nahbeziehung müssen beide Fernbeziehung lebten, gab es noch kein Partner ständig Kompromisse aushanFacebook, Videochats waren erst gera- deln. Gehen wir in einen Club oder bleide im Aufkommen», berichtet Markus. ben wir zu Hause? Sehen wir uns eine Komödie oder einen Trotzdem seien «Wichtig ist von Liebesfilm an? Dieden beiden nie die Anfang an festzulegen, ses Aushandeln entGesprächsthemen welches Ziel die fällt in der Fernbeausgegangen. Er Fernbeziehung hat», ziehung», sagt Hof. und sein Freund Dafür sei es um so trafen sich etwa alle drei Monate. Manchmal auch nur für wichtiger, sich an zeitliche Abmachunverlängerte Wochenenden an der Ost- gen zu halten, damit überhaupt Komküste. Die gemeinsame Zeit war jedes munikation stattfinden könne. Diese sei Mal perfekt. Es gab keinen Streit, kei- dann in der Regel intensiver als bei Nahne unerfüllten Erwartungen, aber auch beziehungen. Das macht Sinn. Schliesslich warten die Beteiligten einer Fernbekeinen Alltag. 2006, nach vier Jahren Fernbeziehung, ziehung den ganzen Tag darauf, sich mit schlug Christopher vor, sich bei seinem ihrem Liebsten zu unterhalten. Findet nächsten Besuch in Zürich nach Jo- dann am Abend ein Gespräch statt, hat bangeboten umzusehen. Und er wurde man keine Lust sich, über die verkochfündig: In einem Englisch-Internat im ten Bohnen in der Kantine oder über die Grossraum Zürich war man auf der Su- nervige Chefin zu unterhalten. che nach Lehrern. Wenige Wochen nach Doch nicht nur die Kommunikation in dem Vorstellungsgespräch traf Chris- der Fernbeziehung ist intensiver, getopher eine gewichtige Entscheidung. mäss Hof sind es auch die BegegnunEr verkaufte sein Hab und Gut in den gen. Den Grund sieht er darin, dass beiStaaten und zog in die Limmatstadt. den Partnern jeweils nur ein begrenztes Weder er noch sein Partner haben den Zeitfenster zur Verfügung steht, beiSchritt je bereut. «Ich hätte der Fern- spielsweise ein Wochenende. In diesem beziehung vielleicht noch ein Jahr gege- gilt es so viele Bedürfnisse wie möglich ben», sagt Markus heute. «Es war an der zu befriedigen. Psychologisch betrachtet, ist die Fernbeziehung also die konZeit, Nägel mit Köpfen zu machen.» zentrierte Version der Nahbeziehung. Die Begegnungen sind zwar kürzer, Die Vorteile der dafür aber intensiver und direkt auf die Fernbeziehung Gemäss dem Zürcher Psychotherapeu- Bedürfnisbefriedigung ausgelegt. Hof ten Felix Hof können Männer durchaus glaubt nicht, dass in der Fernbeziehung langfristig zufrieden in einer Fernbezie- mehr fremdgegangen wird als in einer hung leben. «Wichtig ist von Anfang an Nahbeziehung. Auf eine Frage weiss festzulegen, welches Ziel die Fernbezie- aber auch der Experte keine Antwort. hung hat», sagt Hof. «Auch die Frage, ob Wie kann man abschätzen, ob der Flirt man eine offene Partnerschaft leben will, aus dem Sommerurlaub Beziehungsmuss in einem frühen Stadium disku- material ist? «Da muss man sich wohl tiert werden. Ansonsten kommt es später auf sein Bauchgefühl verlassen», antwortet Hof lachend. zu Verletzungen.»

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LIFESTYLE gourmet

SMØRREBRØD! Mannschaft-Gourmet David Trachsel ist hin und weg von den kulinarischen Köstlichkeiten Kopenhagens. — Text & Fotos: David Trachsel

M

eine Freundin Sarah tanzt. Sie tanzt gut und fliegt nach Kopenhagen an eine Audition der «Copenhagen Contemporary Dance School», um ihr Hobby zum Beruf machen zu dürfen. Das Problem ist nur, dass sie nicht die Einzige ist, die das möchte, und die Aufnahmeprüfung hart ist. Ich reise als Glücksbringer mit. Angekommen in Kopenhagen, plagt uns ein leichtes Hüngerchen. Wir besuchen das «Granola» am Værnedamsvej N°5. Ein schmuckes Lokal im Krämerladenstil. Das Essen ist knackig, heimisch und bio. Die Farbauswahl und der Stilmix aus verträumt nostalgisch und strukturiert modern gefällt. Nach ausgiebigem Shopping durch die längste autofreie Einkaufsstrasse der Welt, dem Strøget, zu Deutsch «dem Strich», hüpfen wir früh ins Bett. Sarah muss am Morgen fit sein. Während sie am nächsten Tag in der alten «Carlsberg»-Brauereihalle - welche nun die dänische Tanzschule beheimatet - schwitzt und hüpft, begebe ich mich auf einen Streifzug durch die Stadt, mit dem Velo natürlich, wie die meisten Dänen. Ich strample fünf Stunden durch die geschichtsträchtigen Strassen, entlang des Hafens und durch das alternative Hippie-Dorf «Christiania». Überwältigt von den Sinneseindrücken, vergesse ich fast zu essen. Ich entscheide mich für des Dänen liebsten Imbiss die «Pølsen», die Wurst. Eingeklemmt im Brötchen, mit deftig Senf, Mayo, knusprigen Zwiebel-Krümeln und süss-sauren Gurken obendrauf, bringt einem der Biss in die Kaloriensünde dem Himmel ein Stückchen näher. Am Nachmittag warte ich - mit brennenden Waden - am Nyhavn auf die Tanzmaus. Sie strahlt wie der Nordstern, als sie auf mich zukommt. Sarah hat es geschafft, sie wurde in der Tanzschule angenommen! Das will natürlich gefeiert werden! Wir gehen in das stilsichere «Café Norden» an der Østergade 61. Wir stossen mit einem «Buck-Fizz» (Gin, Orangensaft, aufge-

spritzt mit Champagner) an und «snacken» dazu die legendären Smørrebrød. Die Roggenbrotscheiben werden belegt mit Ente und Rotkohl, Heringsmousse mit Speck und Shrimps mit Sprossen.

45 MINUTEN WARTEZEIT, DIE SICH LOHNT! Fürs Nachtessen spazieren wir in die trendigen Øksnehallen. Dort wird am Tag Fisch, Fleisch und Gemüse für die Restaurants der Stadt umgeschlagen und am Abend auf höchstem Niveau gekocht. Wir wählen die «Kødbyens Fiskebar», die «Meatpacking-District Fish-Bar». Man fühlt sich wahrhaftig in das gleichnamige New Yorker In-Quartier «Meatpacking-District» versetzt und kommt sich unverschämt kosmopolitisch vor. Wir haben Glück und warten nur fünfundvierzig Minuten an der Bar auf einen Tisch. Wir vertreiben uns die Zeit mit einem Rhabarber-Daiquri mit Kamillenblüten. Die Atmosphäre ist bestimmt von kühlen, weiss gekachelten Wänden und tanzenden Lichtreflektionen von den offenen Wasserbecken. Durchbrochen wird die Kühle gekonnt mit zu Möbeln verarbeiteten antiken Schranktüren. Den «Eye-Catcher» liefert ein grosser, runder Glastank mit zwei japanischen Kampffischen. Wir essen Heilbutt. Dazu gibt es Salat, Selleriestock und Mönchsbart mit rotem Klee. Als süssen Abschluss wählen wir Waffeln mit Walnusseis, Moltebeeren-Spiegel und Cidre-Meringue-Stückchen. Ich bin so begeistert, dass ich sofort die www-Adresse bekannt geben muss: fiskebaren.dk. Skål og velbekomme!

David Trachsel ist Innendekorateur, Teilhaber der Bar Volver in Bern und schlemmt für sein Leben gern!

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REISEFIEBER

BEACH DELUXE An den Traumstränden von Moçambique lassen sich Luxus und Nachhaltigkeit in Einklang bringen. — Text & Fotos: Andreas Gurtner

A

Benguerra Island aus der Vogelperspektive.

frika ist bis heute zu Unrecht ein weisser Fleck auf der schwulen Weltkarte. Die wenigen Abenteuerlustigen, die bereits dort waren, kennen in der Regel gerade mal Kapstadt oder Hurghada. Dabei hat der schwarze Kontinent viel mehr zu bieten: Von unberührten Landschaften über eine exotische Tierwelt bis hin zu interessanten Kulturen und Menschen. Neuer Geheimtipp für Ruhesuchende, Naturliebhaber und Taucher ist Moçambique. Die ehemalige portugiesische Kolonie mit einer Küstenlänge von fast 2700 km gilt als eines der letzten Paradiese dieser Erde. Eines der lohnendsten Reiseziele ist das Bazaruto Archipel, welches der Küste vorgelagert ist und wo man völlig intakte Riffe mit beeindruckenden Korallenlandschaften, kilometerlange Sandstrände mit ausgedehnten Dünenlandschaften sowie wunderschöne Lodges vorfindet. Wer also ein exklusives und einzigartiges Ferienziel abseits der grossen Touristen-

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LIFESTYLE reisefieber

Auch in der Hochsaison sind die Strände auf Benguerra Island meist menschenleer.

ströme sucht, ist hier am richtigen Ort. Reisende, die das ultimative Afrika-Feeling erleben möchten, können Moçambique auch ideal mit einer Safari in Südafrika kombinieren.

WIE IM HOCHGLANZPROSPEKT – NUR SCHÖNER! Schon die Anreise zum Bazaruto-Archipel ist spektakulär: In einem kleinen Flugzeug oder Helikopter startet man auf dem Provinzflughafen von Vilanculos und überfliegt bereits nach wenigen Metern die in allen Blau- und Grüntönen schimmernden Sandbänke des Archipels. Nach knapp 15 Minuten rückt plötzlich ein wunderschönes Eiland ins Blickfeld. Es handelt sich um die paradiesische Insel Benguerra, die gerade mal eine Fläche von 25km2 aufweist und gänzlich von weissen Stränden gesäumt wird. Bei der Landung auf Benguerra Island taucht man dann vollends in eine andere Welt ein – ein Reich der Sinne, Schönheit, Harmonie und Genüsse. Auf Benguerra Island ist nachhaltiger Tourismus angesagt, wobei Reisenden gleich drei wunderschöne und sehr un-

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terschiedliche Eco-Lodges mit jeweils einzigartiger Architektur zur Auswahl stehen. In der Benguerra Lodge kommt in den grosszügigen und im Kolonialstil erbauten Villen echtes „Out of Africa“Feeling auf. Das Azura Retreat glänzt mit seinem raffiniert-eleganten Stil und den wunderschönen Infinity-Pools, die den Garten jeder Villa schmücken. Und in der Marlin Lodge geniesst man in den afrikanisch inspirierten Bungalows sehr viel Privatsphäre und wird jeden Tag aufs Neue mit exklusiven Gourmet-Gerichten überrascht. Auf Luxus und alle erdenklichen Annehmlichkeiten muss in keinem der drei Hotels verzichtet werden. Da die grösste Lodge gerade mal über 19 Villen verfügt, sind die Strände hier selbst in der Hochsaison meist menschenleer. Auf der Insel wird eine Vielzahl von Aktivitäten angeboten. So lädt das glasklare Meer mit den über 1‘000 hier vorkommenden Fischarten sowie eindrucksvollen Korallenformationen zum Schnorcheln und Tauchen ein. Ausflüge zu den Fischerdörfern der Insel, Picknicks auf einsamen Sandbänken, Wanderungen durch die weitläufigen Dünenlandschaf-

MOÇAMBIQUE AUF EINEN BLICK Anreise: Mit Lufthansa via Frankfurt nach Johannesburg (ab CHF 899) und dann weiter mit LAM nach Vilanculos (ab CHF 349), lufthansa.ch, lam.co.mz. Beste Reisezeit: In der Trockenzeit zwischen April und Juni sowie September und Oktober. Sprache: Die Landessprache ist Portugiesisch, in allen Hotels auf Benguerra Island wird Englisch gesprochen. Einreise: Schweizer Bürger benötigen einen Reisepass sowie ein Visum, das bereits vor der Abreise in der Schweiz eingeholt werden kann. Alternativ stellen die Behörden auch bei der Ankunft in Moçambique ein Visum aus. Sicherheit: Moçambique ist allgemein ein sicheres Reiseziel. Dies gilt insbesondere für die friedliche Insel Benguerra. Aufgepasst: Malariaprophylaxe bei längerem Aufenthalt empfohlen. Auf dem Festland immer eine Passkopie auf sich tragen. Weitere Informationen: turismomocambique.co.mz.


ten, erholsame Massagen sowie Bootsausflüge mit einheimischen Dhow-Segelschiffen zu den Nachbarinseln sorgen dafür, dass es hier garantiert niemandem langweilig wird.

NACHHALTIGER TOURISMUS ALS ENTWICKLUNGSCHANCE

Die wilde Ostküste von Benguerra Island ist komplett unbewohnt.

Andere Länder – andere Verkehrsmittel.

Die Hotels auf Benguerra Island setzen sich mit viel Herzblut für die Erhaltung der einmaligen Natur auf der Insel ein und haben gleichzeitig Entwicklungsprojekte initiiert, die den Einheimischen ein besseres Leben ermöglichen. So wurde bereits vor einigen Jahren die erste Schule auf der Insel gebaut, womit Kinder nun in den Genuss einer ordentlichen Grundausbildung kommen. Zudem laufen verschiedene Projekte im Bereich Nahrungsmittelanbau. Früher mussten Gemüse wie Kartoffeln oder Mais teuer auf dem Festland eingekauft werden. Dank des vermittelten Wissens betreiben die Inselbewohner heute eigenen Ackerbau – eine erstaunliche Evolution, wenn man bedenkt, dass die Menschen hier früher ausschliesslich vom Fischfang lebten. Heute erhalten die Fischer Kompensationen,

GAY LIFE IN MOÇAMBIQUE Moçambique gehört zu den tolerantesten Ländern auf dem afrikanischen Kontinent, wenn es um die Akzeptanz von Schwulen und Lesben geht. Obschon im Bezug auf Homosexualität offiziell immer noch die veralteten Gesetze aus der portugiesischen Kolonialzeit in Kraft sind, wurde seit der Unabhängigkeit keine einzige Person wegen homosexuellen Handlungen angeklagt oder verurteilt. Seit 2007 sind Diskriminierungen ganz offiziell verboten. Erst zwei weitere Länder in Afrika verfügen bis zum heutigen Zeitpunkt über eine ähnliche Gesetzgebung. Trotz fortschrittlicher Legislatur empfiehlt es sich schwulen Männern, in der Öffentlichkeit Zurückhaltung an den Tag zu legen. In der Hauptstadt Maputo gibt es eine kleine Gay Community, wobei sich das schwul-lesbische Leben hauptsächlich im privaten Umfeld abspielt. Alle drei Lodges auf Benguerra Island sind gay-friendly, weshalb sich auch schwule und lesbische Gäste auf paradiesische Ferientage freuen können.

Die freundlichen Inselbewohner leben grösstenteils vom Fischfang.

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LIFESTYLE reisefieber damit sie nicht in den geschützten Riffen des Bazaruto Marine National Park fischen. In einem weiteren Projekt überwachen Witwen die Reinigung der Strände, und Kinder sammeln auf der ganzen Insel Abfall ein, den sie danach gegen Schulmaterial eintauschen können. Neuste Vorhaben sind der Bau eines Spitals sowie die Verlegung einer Gasleitung vom Festland zur Insel, damit die benzinbetriebenen Stromgeneratoren bald der Vergangenheit angehören und Besuchern sowie Einheimischen saubere Elektrizität zur Verfügung steht. Jeder Gast leistet so während seines Aufenthalts auf Benguerra Island einen persönlichen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der verschiedenen Projekte.

URLAUBSPARADIES MIT BEWEGTER VERGANGENHEIT 1498 erreichte mit Vasco da Gama der erste Europäer diesen Landstrich, der in der Folge von den Portugiesen schrittweise erobert wurde. Im Jahre 1752 wurde Moçambique offiziell in den Status einer portugiesischen Kolonie erhoben. Zu Beginn des 20.

Jahrhunderts entwickelte sich eine erste Widerstandsbewegung gegen die europäische Fremdherrschaft, wobei Proteste und politische Aktionen gewaltsam unterdrückt wurden. 1964 nahm die Unabhängigkeitsbewegung Frelimo den bewaffneten Kampf gegen die Kolonialherren auf. Elf Jahre später wurde Moçambique schliesslich unabhängig, wobei das Land im Gefolge der Befreiung in einen Bürgerkrieg stürzte, der erst 1992 durch einen Friedensvertrag beendet wurde. Dank der anschliessend rasch umgesetzten Demokratisierung und guten Regierungsführung gilt Moçambique heute als ein Hoffnungsträger Afrikas mit einem anhaltend hohen Wirtschaftswachstum und relativer politischer Stabilität. Insbesondere der Tourismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig entwickelt. Jetsetter Andreas Gurtner erkundet für die Mannschaft die schönsten Flecken der Erde.

TIPP & ANGEBOT

Die Villen des Azura Retreats sind elegant und bieten viel Raum zum Entspannen. Die paradiesischen Strände laden zu langen Strandspaziergängen ein.

Bei einer Sunset Cruise und einem Glas Sekt in der Hand lässt sich der Sonnenuntergang besonders gut beobachten.

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Azura Boutique Retreat Dieses elegante Boutiquehotel, welches den höchsten Ansprüchen gerecht wird, verfügt über insgesamt 15 Villen mit eigenem Infinity-Pool. Jeder der grosszügigen und modern ausgestatteten Bungalows bietet ein Höchstmass an Privatsphäre. Das Restaurant liegt direkt am Meer, und wenn immer möglich wird das Essen direkt am Strand serviert. Auf Buchungen bis Ende 2011gewährt das Azura Boutique Retreat einen Nachlass von 10%, vorausgesetzt das Stichwort «Mannschaft» wird bei der Anfrage an reservations@azuraretreats.com erwähnt azura-retreats.com


TIPPS UND ANGEBOTE FÜR MANNSCHAFT-LESER: Marlin Lodge: Diese Lodge liegt idyllisch beim südlichsten Punkt der Insel, wobei alle 19 luxuriösen Villen über einen direkten Strandzugang verfügen. Vom grössten Pool der Insel aus hat man einen herrlichen Ausblick über den langen Sandstrand. Besonders hervorzuheben sind bei der Marlin Lodge das erstklassige Essen und die liebenswürdigen Mitarbeitenden. Das Hotel bietet bei Buchungen bis zum Ende dieses Jahres die vierte Übernachtung kostenlos an. Darüber hinaus gibt’s 15% auf die übrigen Nächte, einen kostenlosen Transfer zum Festland, eine typische Sunset Cruise sowie ein romantisches Picknick an einem einsamen Strand. Angebot gilt, wenn bei Buchungen per E-Mail an reservations@marlinlodge.co.za das Stichwort «Mannschaft» erwähnt wird. marlinlodge.co.za

Die Marlin Lodge verfügt über grosszügige Villen, die viel Privatsphäre bieten.

Die Bungalows der Benguerra Lodge überzeugen durch ihren gemütlichen Kolonialstil.

Benguerra Lodge: Das erste Hotel, das auf der Insel gebaut wurde, verfügt über insgesamt 13 Bungalows im afrikanischen Stil. Wer hier seine Ferien verbringt, geniesst viel Privatsphäre und darf sich auf ausgezeichnetes Essen freuen, das jeden Abend bei Laternenlicht wahlweise im Garten, am Strand oder auf der Veranda der eigenen Villa serviert wird. Ein Butler kümmert sich darüber hinaus während des gesamten Aufenthalts um das persönliche Wohl. Auf Buchungen, die bis Ende 2011 per E-Mail an reservations@benguerra.co.za gerichtet werden, gewährt die Benguerra Lodge einen Rabatt von 10%, sofern das Wort «Mannschaft» erwähnt wird. benguerra.co.za

der liebescircus

präsentiert

Eine Gregory und Rolf Knie Produktion

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K Y M

R IC

«I

hr habt es so wunderschön hier, da kannst du ja richtig stolz sein, hier leben zu können», sagt Ricky Martin zu mir, als er vom Sessel aus den Genfersee betrachtet. Es ist der 6. Juli 2011, kurz vor seinem Auftritt am Montreux Jazz Festival. Obwohl er gerade erst in der Schweiz angekommen ist, wirkt der Weltstar ruhig, erholt und, was kaum zu übersehen ist, rundum zufrieden. Dabei gab es in den letzten Jahren einen gehörigen Wirbel um sein persönliches und berufliches Leben. Der 39-jährige Puertorikaner ist stolzer Vater von Zwillingen geworden und outete sich letztes Jahr als «glücklicher, schwuler Mann». Kurz darauf folgten seine Autobiografie «Ich» und sein neustes Album «Música + Alma + Sexo». Jetzt befindet sich Ricky noch bis Ende Jahr auf seiner Welttournee.

«ICH WILL NUR EIN ZEICHEN SETZEN.»

N

TI AR IST EIN MANN IM GLÜCK Text und Interview: Greg Zwygart

«Bitte keine Fragen über, na du weisst schon», sagt mir seine Agentin kurz vor dem Interview. Ich stelle mich dumm und lasse mich nicht beirren. Schliesslich scheint es nicht so, als hätte Ricky irgendetwas zu verbergen. Man sieht es ihm ganz klar an: Er ist mit sich selber ins Reine gekommen. Seit vier Jahren ist Ricky Martin in einer festen Beziehung. Die Identität seines Partners möchte er vorerst noch geheim halten, um ihn vor der Medienaufmerksamkeit zu schützen, die ihn «überrumpeln» könnten. Ricky verrät lediglich, dass sie heiraten wollen. Aber erst, wenn die gleichgeschlechtliche Ehe oder eine Form der eingetragenen Partnerschaft in Puerto Rico eingeführt wird, denn er wolle nur in seiner Heimat heiraten. Ich frage Ricky, was er den Schweizer Politikern sagen würde, die auf das Adoptionsverbot für Schwule und Lesben beharren. Schliesslich entschied er sich 2008 mit Hilfe einer Leihmutter Vater zu werden, obwohl in Puerto Rico die Homosexualität alleine schon von vielen religiösen und konservativen Kreisen verpönt wird. Der Start seiner Welttournee anfangs Jahr wurde von Boykottaufrufen und vereinzelten Medienauftritten von Priestern begleitet, die ihn mit dem Teufel verglichen. Doch all diese negativen Stimmen scheinen Ricky Martin nichts anhaben zu können. «Wer versucht, andere Menschen zu ändern oder zu predigen, macht sich schnell Feinde. Ich will nur ein Zeichen setzen», sagt er. «Kinder grosszuziehen ist ein Menschenrecht und da ist langsam aber sicher etwas im Gange. Meine Familie beruht auf Liebe, Respekt und, vor allem, auf gesundem Menschenverstand. Ich lehre meinen Kindern, sich auf die Gemeinsamkeiten der Menschen zu konzentrieren und nicht auf Unterschiede.»

TOTALE ANONYMITÄT IM LEIHMUTTERSCHAFTSPROZESS Man merkt, dass seine Söhne Valentino und Matteo den Mittelpunkt in Rickys Leben bilden. Bei jeder Gelegenheit schwärmt er von ihnen. «Ich wollte unbedingt Vater werden, das ist vielleicht auch ein Grund weshalb ich mich nicht früher geoutet habe», sagt er. Die Entscheidung, Kinder zu adoptieren kam mit 35 Jahren: «Ich googelte ‹Kindererziehung› und ‹alleinerziehende Eltern› und habe mich so schliesslich über Adoption und Leihmutterschaft informiert. Fast genau ein Jahr später hielt ich meine Kinder in meinen Armen.»


© Omar Cruz

«Wenn ich gewusst hätte, dass ich eine solche Reaktion hervorrufen würde, hätte ich mich schon vor Jahren geoutet.»

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meinen Kindern. Ich will nicht ein beschämter Vater sein, der In seiner Autobiografie «Ich» beschreibt Ricky den ganzen Absich selbst oder sonst irgendetwas in seinem Leben verstecken lauf der Leihmutterschaft. Nachdem er eine Agentur und eine muss. Ich möchte, dass meine Kinder ein schönes und unbeAnwaltskanzlei gefunden hatte, die ihm zusagten, machte er schwertes Leben führen können, so dass sie sagen können: ‹Das sich auf die Suche nach einer Eizellen-Spenderin. Er verbrachist mein Vater. Er ist schwul. Ja, und?›» te eine ganze Woche damit, die vereinzelten Biografien der in Obwohl ihn sein Manager warnte, seine Karriere könne an eiFrage kommenden Frauen zu studieren. «Obwohl ich wusste, nem Outing zugrunde gehen, war Ricky bereit, sich den Medass ich nach einer Frau mit Eigenschaften suchte, die meidien zu stellen. Es war Montag, der 29. März 2010, und Ricky ne eigenen ergänzten, war es sehr schwer, die richtige Person befand sich zuhause in Miami. Über das Wochenende hatte er auszuwählen», sagt er. «Vielleicht wäre es mir, wenn ich mich sorgfältig einen langen Brief an die in jemanden verliebt hätte, nicht Öffentlichkeit aufgesetzt, in dem er so schwer gefallen; wir hätten uns sich nicht nur als einen «schwulen eben geliebt und Babys bekomMann», sondern als einen «glücklimen. Aber das hier war eine anchen, schwulen Mann» bezeichnete. dere Sache, und eine Person allein «Jenes Wochenende schien mir wie auf Grundlage ihres Lebenslaufs eine halbe Ewigkeit», erinnert sich auszuwählen, erwies sich als viel Ricky. «Ich schrieb den Brief am schwieriger, als ich mir das vorgeFreitagabend und wartete dann bis stellt hatte.» Montag, bevor ich ihn veröffentNachdem sich Ricky für eine lichte. Jeder, der für mich arbeiteEizellen-Spenderin entschieden te, sollte wieder im Büro sein und hatte, musste er eine Leihmutter ihn lesen können. Meine Mutter ist finden. Dabei konnte er sich zwisogar aus Puerto Rico zu mir nach schen einer offenen oder einer geMiami geflogen. Ich wollte, dass sie schlossene Adoption entscheiden: in diesem Moment bei mir war. Als In der offenen Adoption kennen ich dann auf ‹Absenden› klickte, sich alle Beteiligten und stehen fühlte ich mich so lebendig wie nie in Kontakt zueinander. Bei einer zuvor.» geschlossenen Adoption hingeNach seinem Outing vervierfachgen möchte die Mutter, die ihr ten sich Rickys Twitter-Anhänger Kind zur Adoption freigibt, keinen von 400'000 auf 1,8 Millionen. Kontakt zu ihrem Kind oder zu Glückwünsche trafen aus aller Welt denjenigen haben, die es grosszieein, auch von anderen Latino-Stars. hen. Die Mehrheit aller Leihmut«Wenn ich gewusst hätte, dass ich terschaften folgen dem Prozess eine solche Reaktion hervorrufen der geschlossenen Adoptionen. würde, hätte ich mich schon vor Sie werden anonym und ohne jegJahren geoutet», sagt er. lichen Kontakt abgewickelt. Auf Anraten seiner Anwälte entschloss sich auch Ricky für die geschlosES WAREN KEINE LÜGEN, Ricky Martin mit seinen Söhnen Matteo und Valentino. sene Adoption. Obwohl der ganNUR MANIPULATION ze Prozess anonym war, stand er Vor seinem Coming-out schrieb während der gesamten Schwangerschaft hindurch in Kontakt Ricky 18 Monate lang an seiner Autobiografie, in der er sich mit ihr und den zuständigen Ärzten. komplett seiner Sexualität widmete. Das spannende Buch «Falls meine Söhne später wissen wollen, wer ihre Eizellen gegewährt einen Blick hinter die Kulissen des sonst so korrekspendet hat, kann ich ihnen Bilder der Frau zeigen. Sie haben ten und braven Latino-Stars. Er erzählt von seinen sexuellen ein Recht zu wissen, wer diese Frau ist. Aber sie wolle in keiErfahrungen mit Männern, die für ihn zu kompliziert waren, nerlei Kontakt zu ihnen treten. Sie habe, sagt sie, mit alldem sowie mit Frauen, die ihm um einiges einfacher schienen. gar nicht so viel zu tun und ausserdem gar nicht unbedingt Schliesslich versöhnt sich Ricky mit sich selbst und gesteht selbst den Wunsch, Mutter zu werden», sagt Ricky. sich seine Homosexualität ein. In seinem Buch schreibt er: «Obwohl ich sagen kann, dass ich auch eine starke Anziehung und Chemie zu Frauen fühlte, ist es ein Mann, der mein insDURCH DIE SÖHNE ZUM COMING-OUT tinktives, animalisches Selbst erweckt.» Obwohl Ricky die Vaterschaft als Grund nennt, wieso er sich Rickys Familie wusste es schon übere mehrer Jahre hinweg. nicht früher geoutet hatte, ist es letzlich wieder die Vaterschaft, Seine Mutter hatte ihn darauf angesprochen, als er noch nicht die ihn dazu bewog, sich zu outen. «Als ich meine Kinder zum einmal fünfundzwanzig war. Trotzdem war es am Anfang für sie ersten Mal in meinen Armen hielt, dachte ich, dass das wohl nicht einfach, seine Sexualität zu akzeptieren. «Es war so cool das faszinierendste Gefühl der Welt sein müsse. Die ganze Welt von ihr zu fragen, ob ich mich in eine Frau oder in einen Mann solle davon erfahren», sagt Ricky. «Aber vorher musste ich ehrverliebt hatte. Aber sie hatte ihre Mühe damit. Sie sagte: ‹Ich lich sein. Nicht ehrlich mit der ganzen Welt, sondern ehrlich mit

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© Omar Cruz

«... es ist ein Mann, der mein instinktives, animalisches Selbst erweckt.»

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liebe dich, mein Sohn. Ich stehe hinter dir.› Und dann hat sie wohl etwas Anderes realisiert: ‹Oh mein Gott, es ist Kiki (sein Spitzname). Es geht um seine Karriere.› Ich bin mir sicher jede Mutter reagiert da anders.» Erste öffentliche Gerüchte über seine Sexualität begannen kurz vor der Jahrtausendwende. Als er von Plus 7 Days Magazine darauf angesprochen wurde, erwiderte er: «Wenn ich schwul wäre, würde ich es zugeben. Warum auch nicht? Ich bin ein normaler Mann. Ich liebe Frauen und Sex. Ich bin ein echter heissblütiger Puertorikaner und habe mich noch nie von einem Mann sexuell angezogen gefühlt.» Im Jahr 2000 fragte die berühmte amerikanische Moderatorin Barbara Walters während eines Fernsehinterviews nochmals, ob er denn den Gerüchten kein Ende setzen wolle. Nein, er fühle sich nicht danach, erwiderte er. Heute ist dieses Fernsehinterview das einzige in ihrer Karriere, das die legendäre TV-Frau bedauert. «Ich habe damals Ricky sehr stark bedrängt, sich zu outen. Er hat es immer so vehement verneint, dass es die Gerüchte nur noch verstärkt hat», sagt Walters. «Viele Leute meinen, dieses Interview habe seine Karriere zerstört. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, finde ich die Frage unangebracht.» «Viele fragen mich heute, wieso ich jahrelang gelogen habe. Ich denke nicht, dass ich gelogen habe. Ich habe Informationen manipuliert», sagt Ricky heute. Schon bei seinem ersten Interview im Jahr 1984, als seine Karriere mit Menudo kurz vor dem Durchbruch war, habe er Informationen manipuliert, als er der Presse sagen musste, dass er elf und nicht zwölf Jahre alt sei.

Das einzige was gezählt habe, war die Frage: Was muss ich als nächstes tun, um die Aufmerksamkeit der Mädchen zu erregen?

MENSCHEN VERÄNDERT Ricky Martins Einfluss als Star mag für europäische und nordamerikanische Verhältnisse nicht riesig erscheinen. In Mexiko, Puerto Rico, Zentral- und Südamerika schlug sein Coming-out jedoch ein wie eine Bombe. Dies zeigt allein der Verkauf seiner Autobiografie «Ich», die ein halbes Jahr nach seinem Outing erschien. Schon nur die englischsprachige Version «Me» erreichte Platz 5 der New York Times Bestsellerliste. Würde man die Verkaufszahlen der Originalversion «Yo» dazuzählen, hätte seine Autobiografie fast so viele Exemplare verkauft wie die Memoiren von US-President George W. Bush. Rickys Coming-Out ist eines von vielen, in Lateinamerika hat er jedoch Welten bewegt. Nebst dem spanischen Filmregisseur Pedro Almodóvar ist Ricky Martin einer der wenigen offen schwul lebenden Persönlichkeiten aus dem lateinamerkanischen Raum. Sein Einfluss auf die spanischsprachige Bevölkerung ist hierzulande fast unvergleichbar. Eine Mexikanerin offenbarte ihm beispielsweise während einer Buchsignierung, dass sie ihren Sohn enterbt und aus dem Haus geworfen habe, als er sich bei ihr geoutet hatte. Nachdem sie Rickys Buch las, habe sie zum ersten Mal den schwierigen Prozess verstanden, den ein Mann durchleben müsse, bis er seine Sexualität akzeptieren könne. Danach sei sie ins Flugzeug gestiegen, ihren Sohn besucht und sich mit ihm versöhnt. Selbst wenn Ricky Martin nur ein Zeichen setzen wollte, hat er es doch geschafft, Menschen zu verändern.

                                                                                                                                       

 

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FIT Text: Thorsten Möller

PUSH IT! OR NOT? Thorsten Möller über die Auswirkungen von pflanzlichen Extrakten und Muntermachern.

Jeder, der regelmässig ins Gym oder zum Training geht, kennt dieses Gefühl: Man ist motiviert und zieht sein bestes und engstes Muscleshirt an (wer weiss, welcher Traumman einem in der Umkleide begegnet). Nachdem man sein «very cool-face» aufgesetzt hat, hebt man die erste Hantel auf und ... nichts!

GRÜNDE FÜR DIE DE-MOTIVATION Es scheint unmöglich, die leichtesten Gewichte hochzuheben. Jegliche Motivation, sein Training durchzuführen, ist verflogen. Man(n) ist kraftlos, hat keinen Antrieb mehr und fühlt sich irgendwie total fehl am Platz. Ein Grund für die plötzlich eintretende Kapitulation des Körpers ist «Over-Training». Der Köper benötigt nach jedem Gang in den Kraftraum eine Ruhephase, denn gerade in dieser Zeit kann sich der Muskel regenerieren. Es gilt also die einfache Regel: eine Muskelpartie niemals täglich trainieren. Am besten konzentriert man sich am nächsten Tag auf eine andere Muskelgruppe oder legt einen Ruhetag ein. Auch nach einem durchzechten Wochenende ist es nicht ideal und kann sogar schädlich sein, den strapazierten Körper Gewichte stemmen zu lassen. Auch eine einseitige Trainingsroutine kann für die dahin schleichende Motivation verantwortlich sein. Als vorbeugende Massnahme sollte man seine Routine häufig wechseln, bevor sich der Körper an die Reihenfolge der verschiedenen Übungen gewöhnen kann. Es ist auch ratsam, die Gewichte für einige Wochen zu reduzieren. So kann sich der Muskel erholen, um danach wieder richtig anzupacken!

TEUFELSMISCHUNGEN AUS DEN 70ER Das Trainieren im Gym wurde erst in den 70er Jahren populär,

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da sich viele Arbeiter keinen «richtigen Sport» leisten konnten. Um sich den nötigen Energieschub zu verleihen, brühte man ein Gebräu aus Kaffee, Aspirin und Vitamin C, das meist auf nüchternen Magen getrunken wurde. Wirksam war es allerdings, jedoch kann eine so potente Mischung auch zu ziemlichen Kreislaufproblemen und Herzrhythmusstörungen führen, ganz zu schweigen von einem übersäuerten Magen. Seither hat sich auch die Industrie stark mit der Trainingsmotivation auseinandergesetzt und Produkte wie den Stacker kreeiert. Stacker regen den Stoffwechsel und somit die Fettverbrennung an. Sie sorgen für einen künstlichen Antrieb, in dem sie das Schmerzgefühl unterdrücken und man sich hellwach, zum Teil sogar euphorisiert fühlt. Die Betonung liegt aber auf künstlich, denn der Energieschub basiert auf verschiedene Substanzen und wirkt nur für eine begrenzte Zeit. Liest man die oft unverständliche Liste der Zutaten, könnte man das Gefühl haben, jedes «stoffwechselstimulierendes» Kraut gerade dazu verdammt wurde, getrocknet und pulverisiert als bunte Pille im Schlund des willigen Käufers zu landen. Die Zutaten sprechen eher den Toxikologen an und mancher Mediziner würde sich erschrocken die Hände vors Gesicht schlagen. Eine zentrale Substanz bei den klassischen Stacker ist das mittlerweile verbotene Ephedrin, das bis vor einigen Jahren vor allem in Bodybuilderkreisen und bei Personen beliebt war, die rasche Gewichtsverluste anstrebten. Ephedrin, das aus der Pflanze Ephedra gewonnen wird, wirkt so stark appetithemmend, dass man über mehrere Tage das Essen schlicht und einfach vergass.


VORSICHT BEI «NATÜRLICHEN» MUNTERMACHERN Wie bereits erwähnt fühlt man sich nach der Einnahme euphorisiert, der Schmerzpegel ist extrem reduziert und man kann Gewichte stemmen, die man vorher nur ängstlich aus dem Augenwinkel wahrnehmen wollte. Nach dem Kick, dem gewollten Push, folgte jedoch sehr schnell auch das meist heftige Down. Nach der Einnahme von Ephedrin ist es nicht ungewöhnlich, unter Stimmungsschwankungen zu leiden, apathisch oder gleich aggressiv zu werden. Dazu kommt noch, dass man zwar die schwersten Gewichte heben kann, nur beim Freund unten hebt sich nichts mehr. Ephedrin macht auf Dauer impotent. Nachdem eine Studie in den USA beweisen konnte, dass die Kombination von Ephedrin mit Koffein zu potentiell lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann, wurde der Vertrieb verboten und Ephedrin wurde auf die Dopingliste gesetzt. Die Supplement-Industrie hat auf dieses Verbot sofort reagiert und Produkte mit der Bezeichnung «Ephedrafree» auf den Markt gebracht, die hochkonzentrierte Extrakte aus Mate, schwarzem oder grünen Tee, Kaffee, Guarana oder Cola enthalten. Auch Bitterorangenextrakte werden im Internet als «natürliche» Ephedrin-Alternative zur Leistungssteigerung angeboten. Vorsicht: Diese Extrakte enthalten Synephrin, das in seinem chemischen und pharmakologischen Aufbau dem Ephedrin sehr ähnlich ist. Die teilweise sehr heftigen Nachteile dieser Produkte, die als Ephedrin-Alternative im Internet angegeben werden, werden durch Angaben wie «mit erprobten Wirkstoffen aus natürlichen, pflanzlichen Quellen» heruntergespielt und geradezu verharmlost. Im Handel und in jedem gut sortiertem Fitnessfachgeschäft gibt es mittlerweile sehr gute und fertige Getränkemischungen, die oftmals eine konzentrierte Menge an Koffein mit den verschiedensten Substanzen wie Aminosäuren (zum Beispiel Tyrosin oder Arginin) enthalten. Auch wenn diese frei erhältlich sind, sollten diese nicht ständig eingenommen werden. Koffein ist eine hochstimulierende Substanz, die- je nach Veranlagung- unterschiedlich verwertet wird. Ein doppelter Espresso vermag den Einen ganz aufzudrehen, während der Andere ohne Probleme danach ins Bett gehen kann. Wer längere Zeit auf Kaffee verzichtet hat, wird nach einer kleinen Dosis den Koffeinkick wesentlich intensiver und bewusster wahrnehmen, als jemand, der jeden Tag seine drei Tassen trinkt. Die Beschaffung solcher Stacker, Pusher oder andere Sachen ist hier vollkommen wertungsfrei. Jeder sollte sich genügend informieren und nicht blindlings alles schlucken, was mit noch so bunten Bildern und muskulösen Jungs angeboten wird. Es lohnt sich, lieber zweimal auf die Packung zu schauen und sich beraten zu lassen, gerade bei Produkten, die einen schnelleren Fettverbrennungseffekt versprechen. Schlussendlich soll alles, was man zu sich nimmt, der Gesundheit, dem Spass und dem Wohlbefinden dienen – gerade im Sport.

Der Fitnessenthusiast Thorsten Möller war lange aktiv in der Leichtathletik und interessiert sich für gesunde Ernährung.

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KINO Text: Patrick Schneller

Eine Gruppe von jungen Teenies will einen Zombie-Kurzfilm auf Super 8 drehen...

SCI-FI ABENTEUER

SUPER 8: ZURÜCK IN DIE VERGANGENHEIT

USA 2011. Regie & Drehbuch: J. J. Abrams. Darsteller: Joel Courtney, Kyle Chandler, Elle Fanning, Riley Griffiths, Ryan Lee, Gabriel Basso. Verleih: Universal. Die Filmindustrie gibt sich gerne nostalgisch. So ist etwa Quentin Tarantinos gesamte Filmografie eine Hommage ans internationale Kino der 60er- und 70erJahre, was er gerne auch stilistisch zeigt. Doch momentan boomt der Retro-Stil regelrecht, vor allem in Hollywood. «X-Men: First Class» zum Beispiel spielt grösstenteils 1961 während der Kubakrise und transportiert trotz moderner Inszenierung das Zeitgefühl von damals mit. Selbst der Prolog des dramaturgisch an sich ultramodernen «Transformers: Dark of the Moon» weist offensichtliche Retro-Attitüden auf, indem er die fiktive Story ebenfalls mit Fakten, dem Wettlauf um die erste Mondlandung, vermischt. Dies unterstreicht Regisseur Michael Bay mit Fernsehbildern von damals. Doch die amerikanischen Retro-Höhepunkte kommen jetzt: «Super 8»,

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... doch dabei läuft ihnen mehr Sci-Fi über den Weg, als ihnen lieb ist! produziert von Steven Spielberg, und «Insidious» (s. Kritik rechts). Der von «Lost»-Erfinder J. J. Abrams geschriebene und inszenierte «Super 8» spielt 1979 und huldigt die meistens übernatürlich angehauchten Jugendabenteuer der 80er-Jahre von «E.T.» über «The Goonies» bis zum (freilich nicht übernatürlichen) «Stand by Me». Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eine Handvoll Jungs und ein Mädel aus einer Kleinstadt in Ohio, alle um die 14 Jahre alt, die zusammen einen ZombieKurzfilm auf Super 8 drehen. Als sie eines Nachts, natürlich ohne Wissen der Eltern, eine Szene am Bahnhof filmen, werden sie Zeugen eines verheerenden Zugunglücks – woraufhin sie von einer Spezialeinheit der Air Force gejagt werden. Gleichzeitig häufen sich die mysteriösen Vorkommnisse im Ort. Was die Teens nicht ahnen: Aus dem Wrack ist

ein Alien entflohen, das von der Armee für Experimente missbraucht wurde. Auch wenn die Story auf Papier womöglich etwas albern klingt: «Super 8» macht grossen Spass, vor allem der Generation, die in den 80er-Jahren selbst Teenager war und die Vorbilder kennt. Dass die Erwachsenen sich als absolut heldenuntauglich erweisen, weshalb die abenteuerlustigen Kids den Tag retten müssen, versteht sich dabei von selbst. Aber auch ein ahnungsloses oder schlicht junges Publikum mit einem Flair für MysteryStoffe von «Akte X» bis «Cloverfield» wird prima unterhalten. Denn trotz allen Zitaten und Anleihen funktioniert «Super 8» einfach so. Und letztlich zeichnet das einen gelungenen Retro-Reisser erst richtig aus. Kinostart: 4. August


RE O TR

GROTESKE

M SO NO KI

BALADA TRISTE DE TROMPETA

!

Im Zentrum stehen drei Zirkusleute: der traurige Clown Javier (Carlos Areces), der lustige Clown Sergio (Antonio de la Torre) und die Artistin Natalia (Carolina Bang). Sie ist die Freundin von Sergio, wird von ihm aber aufs Übelste misshandelt. Javier, neu zum Zirkus gestossen,

ER

Nicht nur Hollywood mag Retro. Das zeigt unter anderem der neuste Streich von Spaniens Enfant Terrible unter den Filmemachern: Álex de la Iglesia («La Comunidad»). Nach einem Prolog im Jahr 1937 spielt der wilde Genremix, der letzten Herbst in Venedig die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch gewann, im Jahre 1973.

M

E/F 2010, Regie & Drehbuch: Álex de la Iglesia. Darsteller: Carlos Areces, Antonio de la Torre, Carolina Bang, Manuel Tallafé, Alejandro Tejerías.Verleih: Xenix.

Wenn Clowns böse werden: Ein komplexes Beziehungsdreieck artet dramatisch aus. verliebt sich auf Anhieb in sie und will sie von ihrem gewalttätigen Lover – gleichzeitig sein direkter Chef – befreien. Ein unseliges Beziehungsdreieck entsteht, das nur in einer Tragödie für alle enden kann. Es ist einmal mehr unglaublich, was de la Iglesia in einen einzigen Film packt. Bizarre Komödie, hoch emotionale Lovestory, kerniges Polit-Drama (inklusive Schlüsselszene mit dem Faschisten-General Fran-

co!), der blanke Horror und eine Tragödie altgriechischen Ausmasses – «Balada Triste di Trompeta» ist alles und noch mehr. Die Zitate reichen von «Freaks» über Buñuel und Fellini bis hin zu «Cannibal Holocaust». Genau da liegt das einzige Problem: Die Story ist hoffnungslos überladen. Das stört wenig, denn die Groteske strotzt vor Highlights und präsentiert einen Vorspann, der den Begriff Retro fast schon neu definiert. Kinostart: 11. August

«Poltergeist» und «Der Exorzist» in einem: Seitdem der kleine Ty ins Koma gefallen ist, spukt es im Haus der Lamberts. HORROR

USA 2010, Regie: James Wan. Drehbuch: Leigh Whannell. Darsteller: Patrick Wilson, Rose Byrne, Ty Simpkins, Andrew Astor, Lin Shaye.Verleih: Ascot Elite.

James Wan (Regie) und Leigh Whannell (Drehbuch und Darsteller) ist eine Hommage an den klassischen Gruselfilm der 60er-Jahre, vor allem an die britischen Hammer-Produktionen und die italienischen Genre-Vertreter dieser Zeit. Selbstverständlich weht auch ein Hauch von japanischem Geisterhorror mit.

Während «Super 8» und «Balada Triste de Trompeta» ihr Retro-Feeling auch der Tatsache verdanken, dass sie in den 70erJahren spielen, erzählt «Insidious» seine Geschichte in der Gegenwart. Trotzdem ist der Geisterfilm der am konsequentesten auf retro gestylte Streifen des Trios. Denn das neue Werk der «Saw»-Macher

Josh (Patrick Wilson) und Renai Lambert (Rose Byrne) ziehen mit ihren drei Kindern in ein altes Haus ein. Eines Nachts fällt der älteste Sohn Dalton (Ty Simpkins) ins Koma, und plötzlich spukt es im Haus. Als sie umziehen, hört dies nicht auf, und die Lamberts erfahren Erschreckendes: Nicht die Häuser werden

INSIDIOUS

von den Geistern heimgesucht, sondern ihr komatöser Sohn! Schon mit dem unterschätzten «Dead Silence» (2007) huldigten Wan und Whannell dem klassischen Horror, doch in «Insidious» tun sie es noch liebevoller – und landen einen Volltreffer. Es gab schon lange keinen Film mehr, dessen Schocks derart regelmässig für eine wohlige Gänsehaut sorgen. Und dass das 34-jährige Duo dieses Gefühl wieder aufleben lässt, das im Genre zugunsten billiger «Bu!»-Effekte irgendwie verlorengegangen ist, ist grossartig. Kinostart: 21. Juli

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DVD Text: Patrick Schneller

FANTASY-ACTION

SUCKER PUNCH: GEPEINIGTE MÄDCHEN USA/CDN 2011, Regie: Zack Snyder. Drehbuch: Zack Snyder, Steve Shibuya. Darsteller: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung. FSK 16.

Baby Doll (Emily Browning) ist ein renitentes Mädchen. Daher landet sie in der Psychiatrie und sollte eine Lobotomie «erhalten». Doch diese wird im letzten Moment gestoppt, und die Klapsmühle erweist sich als Bordell für notgeile Kriminelle. Baby Doll muss tanzen und flüchtet sich während ihren Darbietungen in kriegerische Traumwelten. In denen kämpft sie mit ihren Leidensgenossinnen gegen Drachen, Zombiesoldaten und Roboter. Gleichzeitig planen die gepeinigten Girls ihren Ausbruch. Mit «Sucker Punch» wollte Zack Snyder («300», «Watchmen») die ultimative Pulp-Fantasy schaffen, und zumindest in Bezug auf die Story und die Schauplätze macht er das auch einwandfrei. Das Problem ist jedoch, dass er den Film auf jugendfrei drehte, wodurch die wichtigsten zwei Elemente einer Pulp-Extravaganza fehlen: frontale Nacktheit und Blut. Somit muss sich «Sucker Punch» einen an sich absurden Vorwurf gefallen lassen: Er ist zu dezent. Trotzdem unterhält der Film ordentlich, und für Blu-Ray-Konsumenten gibt es eine deutlich längere Version als die Kinofassung zu bestaunen. Erscheint am 5. August

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TRAGIKOMÖDIE

BEGINNERS

MYSTERYDRAMA

COMPUTER-TRICKFILM

USA 2009, Regie: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo. Drehbuch: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo, Paul Vosloo, Jakub Korolczuk. Darsteller: Christina Ricci, Justin Long, Liam Neeson. FSK 16.

USA 2011. Regie: Gore Verbinski. Drehbuch: John Logan. Stimmen: Johnny Depp, Isla Fisher, Abigail Breslin, Ned Beatty, Alfred Molina, Bill Nighy, Stephen Root. FSK 6.

Anna (Christina Ricci) erwacht nach einem Unfall in der Halle des Bestatters Deacon (Liam Neeson). Er eröffnet ihr, dass sie gestorben sei. Ist sie wirklich in der seelischen Übergangsphase oder ist Deacon ein Psychopath? Der vorzüglich besetzte Streifen funktioniert auch als Vorlage für philosophische Diskussionen über Leben und Tod. Schade bloss, dass die Regisseurin es nicht wagt, die bizarre Story etwas zügiger und konsequenter zu erzählen. Erscheint am 29. Juli.

Das Chamäleon Rango (Johnny Depp) landet in einer Wildwest-Stadt, die vor allem eins braucht: einen neuen Sheriff. Durch einige Missverständnisse wird Rango prompt Gesetzeshüter der Stadt. Wer nicht immer nur gängige Disneyoder Pixar-Trickfilme schauen will, ist mit dem schrägen Animationsfilm von Gore Verbinski («Pirates of the Caribbean» 1-3) bestens bedient: skurril, originell, temporeich - und doch eine Gaudi für Gross und Klein. Erscheint am 19. August.

SCI-FI-KOMÖDIE

KRIMI

USA/GB 2011. Regie: Greg Mottola. Drehbuch: Alex Nick Frost, Simon Pegg. Darsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Jason Bateman, Kristen Wiig, Sigourney Weaver. FSK 12.

Originaltitel: Inspektor Perrak greift ein, D 1970, Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Manfred Purzer. Darsteller: Horst Tappert, Erika Pluhar, Judy Winter,Werner Peters. FSK 16.

Die beiden englischen Comic-Fans Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost) treffen unterwegs in den USA das schwatzhafte Alien Paul und haben bald die Agenten vom Big Boss (Sigourney Weaver) am Hals. Der äusserst gelungene Mix aus britischem und amerikanischem Humor strotzt vor coolen Gags und ist immer noch der lustigste Film des Jahres. Als Extras gibts Patzer und drei Kurzdokus, die Blu-Ray enthält zudem einen Audiokommentar. Erscheint am 18. August.

Der allein erziehende Perrak (Horst Tappert), Inspektor der Hamburger Sittenpolizei, muss den Mord an einem transsexuellen Stricher aufklären. Dieser unbestrittene Klassiker des deutschen Trashkrimis ist wohl der erste deutsche Film im Transen-Milieu. Vier Jahre vor dem Start von «Derrick» besticht Horst Tappert als schroffer Cop, und die teils rüden Dialoge sind auch zum Brüllen. Dass «Perrak» nun endlich auf DVD erscheint, war höchste Zeit! Erscheint am 5. August.

AFTER.LIFE

PAUL

NEUER SCHWULEN: FILM IM KINO 28.7.

RANGO

PERRAK

USA 2010. Regie & Drehbuch: Mike Mills. Darsteller: Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent, Goran Visnjic, Kai Lennox, Mary Page Keller.Verleih: Universal. Diesmal ein aktueller schwuler Hit: der zweite Spielfilm von Musikvideo-Regisseur Mike Mills, der eine autobiografische Story verarbeitet. Sein Alter Ego heisst Oliver (Ewan McGregor) und hat eine turbulente Zeit hinter sich: Nach dem Tod der Mutter vor fünf Jahren eröffnete ihm sein 75-jähriger Vater Hal (Christopher Plummer), schwul zu sein und einen jungen Lover zu haben. Kurz darauf wurde bei Hal Lungenkrebs diagnostiziert, und nun ist auch er tot. Da lernt der beziehungsunfähige Oliver Anna (Mélanie Laurent) kennen. Die Erinnerungen an Hal und dessen spätes Aufblühen helfen Oliver, endlich eigenes Selbstbewusstsein für eine Beziehung zu entwickeln. Filme über schwule Väter sind keine Seltenheit, aber ein Coming-out mit 75 ist schon speziell. Christopher Plummer ist rührend als Hal, der sich enthusiastisch in die Szene stürzt, ehe ihm die Krebsdiagnose aufzeigt, dass er das neue Leben nicht lange geniessen kann. Ewan McGregor überzeugt als verkrampfter Heti in der Krise, der sich erst lösen kann, als er die schwule Lebensfreude des Vaters richtig verstehen kann. Ein ebenso melancholischer wie humorvoller Streifen, der zu Herzen geht. Film-Guru Patrick Schneller liebt Retro und hat daher am Kinosommer besonders viel Freude. AUGUST 2011 // 59


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MUSIK POP

BLONDIE PANIC OF GIRLS Heiss erwartet ist das neue Comeback-Album von Blondie nicht gerade. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die legendäre Band nur schwer ohne Songwriter und Keyboardplayer Jimmy Destri vorstellen lässt. Mit einem Jahr Verspätung und acht Jahre nach dem letzten Album folgt nun «Panic of Girls». Leider schaffte es die Leadsingle «Mother» nicht, in den Charts grossen Eindruck zu schinden wie 1999, als der Comebackhit «Maria» wie eine Bombe einschlug. Das Album kommt etwas überzeugender daher. So erinnert der Eröffnungstrack

«D-Day» an Blondie der späten 70er Jahre, als sie mit «Heart of Glass» und «Call Me» zeitlose Klassiker geschaffen hatte. Leider scheint es an der Ausdauer zu fehlen, und die bald 40-jährige Band schafft es nicht ganz, ihre Power durch das ganze Album durchzuziehen. Die schlechte Angewohnheit, Elemente von anderen Genres einfliessen zu lassen, funktionierte mit «Rapture» und «The Tide is High». Jetzt sieht es mehr nach Imitation als nach Innovation aus. Erschienen am 15.07.11

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POP

SOUL

ZULU

Anfangs Jahr gab es mit dem Film «Burlesque» ein kleines Cher-Revival. Das bemerkte auch Universal, ihre alte Plattenfirma, und stellt jetzt das neue Cher-Album «Icon» auf den Markt. Fans werden enttäuscht sein, denn neues Material gibt es auf der neuen Platte keins, leidglich eine magere Zusammenstellung ihrer Hits aus den 70er und 80er Jahren. Auch der Hit «Believe» fehlt, hat Cher ihn doch bei der Konkurrenz Warner Brothers aufgenommen. Dazu kommt noch, dass das unspektakuläre Cover nicht wirklich einen Kauf wert ist. Wer sich Chers Hits anhören will, ist besser damit beraten, eine der vielen anderen, umfangreicheren «Best-OfAlbums» zu kaufen. Erschienen am 22.07.11

Über ihren grossen Musikerfolg kann sich die britische Soulsängerin kaum beklagen. Es sind die Plattenfirmen, die ihr viele Sorgen bereiten. Der Streit mit EMI wurde sogar öffentlich ausgetragen. Jetzt hat Joss Stone ihr eigenes Label Stone'd Records gegründet und bringt darauf ihr neues Album «LP1» heraus. Obwohl sie schon vier Alben herausgebracht hat, ist der Titel ein Seitenhieb an ihre ehemaligen Plattenfirmen. «LP1» sei ihr erstes Album, auf dem sie totale kreative Freiheit genossen habe. Stone tat sich mit Dave Stewart von den Eurythmics zusammen und nahm die ganze Platte in nur sechs Tagen auf. Entstanden ist gemäss Stone eine «rock'n'soul musical Odyssey.» Erschienen am 22.07.11

Wer nicht viel mit Fussball am Hut hat, konnte der letztjährigen WM aus dem Weg gehen, nicht aber dem dazugehörigen Song «Helele» von Velile. Er erreichte Platz 1 der Schweizer Charts und wurde mit Gold ausgezeichnet. Velile steht nun mit ihrem zweiten Album «Lion Queen» am Start. Die erste Single «Injabulo» baut auf dem selben Rezept auf wie «Helele»: Viel Rhythmus, Lebensfreude und eine starke Stimme. Trotz grossem künstlerischem Talent bleibt die Frage offen, ob Velile am grossen Erfolg anknüpfen kann. Zu sehr ähneln sich die verschiedenen Tracks dem letztjährigen Chartstürmer. Das fast nur auf Zulu gesungene Album wirkt an manchen Stellen ein bisschen zu eintönig und könnte langweilen. Schade. Erschienen am 22.07.11

CHER ICON

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JOSS STONELP1

VELILE LION QUEEN


BUCH

ROMAN

MICHAEL CUNNINGHAM — IN DIE NACHT HINEIN Peter Harris, eben 44 Jahre alt geworden, lebt mit seiner Frau Rebecca in einer Loft in Soho, New York. Sie haben beide eine ziemlich erfolgreiche Karriere, er als Galerist, sie als Herausgeberin einer Kunstzeitschrift. Ihre Ehe funktioniert gut eingespielt, einander wohlgesinnt. Autor Michael Cunningham («The Hours», «A Home at the End of the World») lässt von Anfang an durchschimmern, dass die perfekte Welt des Paares ins Wanken kommen wird. In jener modernen Form der Perfektion, wo man eigene Fehler eingesteht und diskutiert, wo im Nichtvorhandensein tatsächlicher Entbehrungen ein Begehren schlummert, das diffus erscheint, weil ja alles da ist, was man sich einst wünschte. Die unfassbare Sehnsucht nach Unklarheit, Unsicherheit, Unvorhersehbarkeit. Schon der erste Satz der Geschichte ein vieldeutiger Vorge-

Text: Harlekin

schmack: «The Mistake is coming to stay for a while.» Ethan ist «The Mistake», Nachzügler, kurz genannt «Mizzy», Rebeccas 23-jähriger Bruder, bereits mit abgebrochenem Yale-Studium und Drogenentzug im Gepäck seines jungen Lebens. Mizzy wird für Peter zum Mysterium, zu Fleisch und Blut jener Sehnsucht nach Leben, die kalkuliertes Glück mit sich bringt. Ist es möglich, dass Peter seine gesamte Identität neu erfindet, obwohl das alles nur ein kleiner Anfall von Midlifecrisis gewesen sein könnte? «In die Nacht hinein» ist ein leichtes und amüsantes Buch, das offen, aber sehr bedacht beschreibt, was alles nebeneinander in einem Leben, einer Wohnung, einem Gedanken Platz hat. 220 Seiten, Leuchterhand-Literatur verlag, ISBN 978-3-630-87353-7

Das RCZ Special fü r Mannschafts-Les er finden Sie auf ww w.duparc.ch unter Hotel / Rainb ow Specials. Besuchen Sie uns – wir freuen uns a uf Sie! Römerstrasse 24 5400 Baden T: 056 203 15 15 M: office@duparc .ch

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AUSZEIT ausgehen

VERFÜHRUNG IN DER MANEGE Der Liebescircus Ohlala aus dem Hause Knie rückt die Liebe ins Rampenlicht, mit all ihren Facetten. Interview: Greg Zwygart

Viel nackte Haut und Körperkunst beim Liebescircus Ohlala.

A

m 1. September steigt im Air Force Center Dübendorf die Premiere von Ohlala, dem neuen Liebescircus von Gregory und seinem Vater Rolf Knie. Im Zentrum stehen die Sinnlichkeit des menschlichen Körpers, gepaart mit Circusartistik und natürlich der Liebe. Die Outfits sind knapp, hauteng und sexy, wie in der Zeit vor hundert Jahren, als der Circus als Ort der Sünde beschimpft wurde. Gregory, der Eintritt in den Liebescircus Ohlala ist erst ab sechzehn Jahren.Was gibt es denn zu sehen, was nicht jugendfrei ist? Konkret bringen wir Artistik auf höchstem Niveau. So wie man das von Salto Natale her kennt. Aber anders inszeniert und eingebettet in reizvolle Geschichten und Figuren. Sie regen die Fantasie des Publikums an. Durch den Film mit Christina Aguilera und Cher ist Burlesque wieder in Mode gekommen. Gibt es da eine Verbindung? Die Idee trugen wir schon lange mit uns herum, es ist Zufall, dass gerade jetzt auch die Filmbranche das Thema aufgenommen hat – oder aber es ist ein Zeichen der Zeit, dass die Leute interessiert sind an diesem Thema und bereit sind für unsere einmalige Circusshow. Wie habt ihr euch inspirieren lassen? Die Inspiration kommt von unserem Freund und Cirque-duSoleil-Gründer Guy Laliberté. Er hat in Las Vegas mit «Zu-

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manity» eine ähnlich provokative Show produziert. Wir werden den Liebescircus auf unsere Art inszenieren. Die Idee war ja schon lange geplant.Wäre die Schweiz vor einigen Jahren noch nicht so weit gewesen für ein solches sinnliches Programm? Europa auf jeden Fall. Die Amerikaner gelten ja im Vergleich zu uns als prüde. Die Schweizer sind offen und liberal, ich denke auch für unsere Circusidee. Vor allem, wenn es stilvoll präsentiert wird. Das Publikum ist interessiert an neuen Circusformen, das zeigte sich bereits am grossen Medieninteresse und an den Resonanzen, die wir erhalten haben. Gibt es einen roten Faden oder eine Geschichte, die sich durch den Abend zieht? Der rote Faden ist die Liebe mit ihren vielfältigen Facetten. Ohlala ist aber kein Musical, bei dem die Geschichte im Vordergrund steht, sondern ein Circus, in dem die Artisten das wichtigste sind. Ihr wolltet den Liebescircus zuerst in Zürich durchführen, weshalb hat es nicht geklappt? Wir hätten den Liebescircus schon weit früher in Zürich gezeigt, jedoch begegneten die Limmatstädter den lustvollen Plänen von meinem Vater und mir mit der zwinglianischen Zurückhaltung Zürichs. In Zürich werden jährlich sehr viele Gesuche für neue Veranstaltungen eingegeben, neue Veranstaltungen haben es immer schwierig gegen alteingesessene


«Sich freuen und lachen gehören doch beim Liebemachen dazu, nicht?» Der Circus Ohlala ist der neueste Streich von Rolf und Gregory Knie.

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AUSZEIT ausgehen

Auch Drag kommt beim Liebescircus nicht zu kurz. Gregory Knie (rechts) mit dem Ohlala-Team. – das ist normal. Eher per Zufall hat sich nun die Platzsituation in der Nähe des Fliegermuseums in Dübendorf ergeben. Wir sind allen Beteiligten, insbesondere den Behörden der Stadt Dübendorf und dem Militär, dankbar für den unbürokratischen und liberalen Weg, uns eine Bewilligung zu erteilen. Werden sich schwule Männer vom Liebescircus genauso angesprochen fühlen wie heterosexuelle Pärchen? Auf welche Art und Weise? Ob Mann oder Frau, ob homo-, hetero- oder metro-sexuell – unsere Show wird alle faszinieren, denen Ästhetik, hochstehende Artistik, Musik, Tanz, Licht und Kostüme wichtig sind. Die französische Akrobatin Ludivine wird bestimmt für viele HeteroMänner der Hingucker werden. Auf welche Attraktion können sich schwule Männer ganz besonders freuen? Der feurige Latino Alex aus Kuba wird bestimmt viele in seinen Bann ziehen. Rodin lässt grüssen! Der englische Komiker Steve Rawlings führt mit seiner englischen Art durch den Abend. Wie lassen sich ein Komiker und der Liebescircus miteinander verbinden? Lachen ist etwas vom Wichtigsten in jedem Circusprogramm. Das Publikum wird nicht zwei Stunden lang gebannt und mit angespanntem Hintern auf den Stühlen sitzen bleiben. Der Komiker Steve Rawlings wird mit feiner englischer Art für Muskelentspannung sorgen und das Programm ganz schön aufmischen. Sich freuen und lachen gehören doch beim Liebemachen dazu, nicht? Was lag dir mit der Realisation dieses Projekts besonders am Herzen? Neue Ideen auszuleben, das ist doch reizvoll. Der Circus muss sich immer wieder neu erfinden, damit er auch in Zukunft ein Publikum hat. Wir haben bereits mit Salto Natale den Circus modernisiert und Jahr für Jahr weiterentwickelt. Und unser stetig grösser werdendes Publikum ermutigt uns, etwas Neues auszuprobieren. Der Liebescircus ist die Fortsetzung dieses innovativen Weges– mit einem anderen Thema: Wir werden auch hier alles versuchen, damit unsere Zuschauer erstklassig unter-

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halten werden. Und vielleicht gelingt es uns ja, Menschen in den Circus zu bewegen, die bisher nie da waren. Es ist wie im Kino: Nicht jeder mag Actionfilme oder Krimis. Einige bevorzugen Komödien, andere Liebesfilme. Kannst du schon etwas über die Kostüme verraten? Wer entwirft sie? Die Kostüme werden von unserer Kostümschneiderin Stela Verebceanu in Moldawien kreiert und massgeschneidert. Die Kostüme sind farbig, sexy, verrückt und einzigartig. Aber nicht nur die Artisten erhalten tolle Kostüme, auch alle restlichen MitarbeiterInnen im Circus werden speziell für Ohlala eingekleidet. Lasst euch überraschen! Was erwartet den Besucher nebst der Show? Wir bieten im Foyerzelt ein feines Catering an mit erlesenen Speisen und Getränken. Das Angebot ist vielfältig und auf hohem Niveau. Wichtig ist aber auch das ganze Ambiente – der Zuschauer soll ab dem ersten Moment einen tollen Abend erleben können – dazu zählen neben der Show die Dekoration im Foyerzelt sowie die kulinarischen Genüsse. Liebe geht schliesslich auch durch den Magen – und durchs Auge. Am Merchandisingstand findet man zudem Originelles und Aussergewöhnliches zum Verschenken oder selber behalten. Mindestens an zwei Abenden lassen wir nach der Vorstellung eine Party mit bekannten Party-Labels und DJs starten.

OHLALA - DER LIEBESCIRCUS Vorhang auf für Ohlala! Der Liebescircus findet vom 1. September bis zum 2. Oktober auf dem Air Force Center Dübendorf statt. circusohlala.ch, Tickets: Tel. 0900 66 77 88 (CHF1.15/ Min., Festnetztarif) oder info@circusohlala.ch. Mit dem Stichwort Mannschaft offeriert Gregory Knie eine kleine Überraschung.


PARTYS

Fr, 29.07.11 LUZERN

AGENDA

The Mykonos Edition, Dresscode:White

Frigay Night –The LOFT CLUB Haldenstrasse 21, 6006 Luzern // Ab 22 Uhr

August 2011

SA, 30.07.11 ZÜRICH Club, House

S0, 14.08.11

Boyahkasha! Acqua Club Mythenquai 61, 8002 Zürich // Ab 22 Uhr

ZÜRICH

S0, 31.07.11

Frigay Night - Mykonos Edition, The Loft, Fr. 29.07.11

BASEL

ZÜRICH

House

gaytime.ch

Splashing Boys Club En Vogue

GayTime Labor-Bar

Clarastrasse 45, 4058 Basel // Ab 23 Uhr

Schiffbaustrasse 3, 8005 Zürich // Ab 22 Uhr

LAUSANNE

FR, 05.08.11

Jungle presents

ZÜRICH

MOUSSE MAD Route de Genève 23, 1002 Lausanne // Ab 22 Uhr

Progressive, TribalHouse, TechHouse

STREETPARADE afterhour XCES Albulastrasse 40, 8048 Zürich // Ab 04 Uhr

SA, 20.08.11 BASEL Mixed, House

Rainbow – Feel the Heaven Bar Rouge Messeplatz 10, 4058 Basel // Ab 22 Uhr

Madonna

All About Madonna T&M Club Marktgasse 14, 8001 Zürich // Ab 21½ Uhr

WilSCH tanze

ds Verein WILSCH gliedert in verschiedene Interessengruppen, Der Der Verein WILSCH gliedert sichsich in verschiedene Interessengruppen, ys & frien ga l e s b iaber r durchführen, welche einerseits eigene aber zusammen welche einerseits eigene Aktivitäten auchauch zusammen t y f odurchführen, r Aktivitäten pa e einzelnen T heinzelnen Feste feiern. Gruppen gehen den Bedürfnissen der verschiedenen Feste feiern. Die Die Gruppen gehen den Bedürfnissen der verschiedenen rthur te i nund in W Vereinsangehörigen und vertreten diese. So gibts für jede jeden Vereinsangehörigen nachnach vertreten diese. So gibts für jede undund jeden richtige Angebot! das das richtige Angebot!

DJ Muh-Muh

nce Beats

SA, 06.08.11 BASEL Elektro, House, Dancefloor, Dresscode:White

White Mykonos Warmup Party Club En Vogue Clarastrasse 45, 4058 Basel // Ab 22 Uhr

BIEL/BIENNE

Synthetic Da

DJ SBajra

itzzz Raegebogebii zbar 120-145 BPM Tan

n of See Bahnh eg vom Fussw arkplätze h e+ p nzfläc Gratis e Bar + Ta at t Separ ich mi nbere Ausse lich) erhält ill SB-Gr an der Bar (Würs

te

Surprise DJs

11 23.Juli 20 2011 27. August

Lightfire se 2a Harzachstras ur 8404 Winterth

gaypirinha.ch

ue Ne tion ca

Gaypirinha im Zelt La Péniche Streetparade Afterhour, Club XceS, So. 14.08.11

Barkenhafen, Nidau // Ab 21 Uhr

15.-

hr / CHF 1 2 1 b i s 4 UE i n t r i t t a b 1 8 J a h r e n

Lo

WILSCH tanze, Lightfire, Sa. 27.08.11

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SA, 20.08.11

LANGENTHAL

ZÜRICH

Jeden letzten Dienstag im Monat

Manessestrasse 170, 8045 Zürich // 23 Uhr

SA, 27.08.11 BERN

OCEAN LOUNGE Flurstrasse 4, 8048 Zürich

SOnDERBAR La Piazzetta

pigalle-bar.ch,

DI, 09.08. SONDERBAR goes Sommerkino Langenthal FILM: «The Kids Are All Right»

Marktgasse 14, 8001 Zürich // ab 18 Uhr

offstream.ch

Offstream Abart

oceanlounge.ch

Mehr Infos und Reservationen unter sommerkino.ch

LUZERN

tolerdance.ch

Sommer Tolerdance ISC CLUB

Jeden Dienstag

Neubrückstrasse 10, 3011 Bern // Ab 22 Uhr

Geissensteinring 14. 6005 Luzernl // Ab 20 Uhr

UFERLOS 9.

WINTERTHUR

OLTEN

Verein Winterthurer Lesben und Schwule presents

Jeden Freitag, amlounge.ch

WILSCH TANZE LIGHTFIRE

AM – Bar & Lounge

Harzachstrasse 2a, 8404 Winterthur // Ab 21 Uhr

Klarastrasse 1, 4600 Olten // ab 20 Uhr

PIGALLE BAR

predigerhof.ch, 044 251 29 85

PREDIGERHOF Mühlegasse 15, 8001 Zürich // ab 14 Uhr

VEREINSLEBEN

WILSCH Badgasse 8, 8401 Winterthur, badgasse8.ch

MO, 01.08. 1. August-Weekend mit WILSCH, Queerdom und HOT WILSCH-HOT-Queerdom laden ein zum traditionellen Wanderausflug am Nationalfeiertag.

9.

BARS

BASEL

SOLOTHURN

DO, 04.08. LesBiGay and Friends Bar, 19½H- 23H

032 622 43 40

Der erste Donnerstagabend im Monat für die ganze

BUDDHA BAR

Community.

Kreuzgasse 7, 4500 Solothurn 9.

061 692 54 69

Elle&LUI

ZÜRICH barfuesser.ch, 044 251 40 64

ZISCHBAR KaBAR KAserne

Dresscode: Beachwear/Pirat ab. 19.30 Uhr, Vereinslokal der HOT, Wilerstr. 5

Rebgasse 39, 4058 Basel // 18-03 Uhr Jeden Dienstag, zischbar.ch

SA, 06.08. Caribbean Night in der HOT

BARFÜSSER Spitalgasse 14, 8001 Zürich

Klybeckstr. 1b, 4057 Basel // ab 19 Uhr

9545 Wängi TG

Do, 11.08./18.08./25.08 MÄNNERBAR, 19½H- 23H

Jeden Donnerstag!

BEHAVE REVIER Hohlstrasse 18, 8004 Zürich // Ab 22 Uhr

SA, 13.08. «We are Family Nachtessen Summertime», Ab 17h

031 312 73 74

cranberry.ch, 044 261 27 72

Geniessen und den Sommer erleben, am «We are

AUX PETITS FOURS

CRANBERRY BAR

Family Nachtessen» alles inklusive. Das nächste

Kramgasse 67, 3011 Bern // 17-00½ Uhr

Metzgergasse 3, 8001 Zürich // ab 17 Uhr

Nachtessen findet am Samstag 10.09. statt. Anmel-

comebackbar.ch, 031 311 77 13

dynastyclub.ch, 044 251 47 56

COMEBACK BAR

DYNASTY CLUB

Rathausgasse 42, 3011 Bern // ab 18 Uhr

Zähringerstrasse 11,8001 Zürich // ab 17 Uhr

samurai-bar.ch, 031 311 88 03

Jeden Mittwoch

SAMURAI

HELDEN BAR PROVITREFF

Aarbergergasse 35, 3011 Bern // ab 20 Uhr

Sihlquai 240, 8005 Zürich // ab 20 Uhr

BERN

dung erforderlich bis 11. 08. bei Deinem nächsten

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Besuch oder auf badgasse8.ch


PORTRAIT 67-74

Der Leserbesuch findet diesen Monat bei This Brunner statt. Der Filmemacher und Kunstsammler 端ber die Provokation und die sexuelle Befreiung.// 70

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KOLUMNE deby hartmann

DAS SCHWULE CHAT APP DEBY@MANNSCHAFT-MAGAZIN.CH

Deby Hartmann über Freud und Leid, die beste Freundin eines Schwulen zu sein.

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Als ich neulich aus berufl ichen Gründen ans Arsch der Welt reisen musste, kam ich vor lauter Sehnsucht nach meinen Schwulen fast um. Da ich aber mit der neusten Technik gesegnet wurde und stolze Besitzerin eines iPhones bin, ging es nicht lange und ich nahm den Kontakt via «Whatsapp» auf. Gesegnet sei die Technik, mit der ich und vier meiner schwulen Freunden einander Nachrichten schicken können, auch Gruppenchat genannt! Es gibt doch nichts Schöneres,als wenn das iPhone im Minutentakt vor sich hin vibriert und man weiss, dass man nicht der einsamste Mensch auf der Welt ist. Natürlich will ich dir nicht vorenthalten, was wir alles in unserem Chat berichten... Es fi ng eigentlich alles mit dem Liebeskummer des einen schwulen Freundes an. Er hatte wohl das gleiche Bedürfnis wie ich: Aufmerksamkeit. Er fühlte sich einsam und wollte in kürzester Zeit so vielen Freunden wie möglich mitteilen, dass er der ärmste und einsamste Mensch weit und breit sei. Wir gaben uns alle sehr Mühe ihn zu bemitleiden. Eigentlich dachte ich nach der erfolgreichen Bemitleidung würde unsere Chatgemeinschaft wieder in der Versenkung verschwinden. Weit gefehlt. Wir fünf sind jetzt schon seit fast zwei Monaten daran, 50 bis 100 Nachrichten hin und her zu schicken! Ich muss zwar sagen: Das Meiste, was da geschrieben wird, ist schlicht und einfach Schrott, aber Schrott der einem auf eine amüsante Art und Weise das Leben versüsst.

Als ich neulich, wie schon erwähnt, am Arsch der Welt kein Akku mehr hatte, konnte ich es kaum erwarten, nach der Rückkehr mein geliebtes iPhone mit Strom zu füttern. Wie erwartet blinkte und vibrierte es wie wild vor sich hin, nachdem es wieder genügend Saft intus hatte. Es waren insgesamt 50 Nachrichten, die nur so darauf warteten, gelesen zu werden. Normalerweise wurde im Chat Themen wie Sex oder schöne Typen besprochen. Oh ja, Bilder von gutaussehenden Typen werden in unserem Chat regelrecht hin und her geschoben. Die sexuelle Fantasien von meinen schwulen Freunden wurden auch ausführlich geschildert. Natürlich auch hier teils mit Bilder, das macht das Ganze etwas anschaulicher. Leider war es diesmal aber keine gute Nachricht. Das Meerschweinchen von meinem schwulen Freund wurde von einem bösen Marder zu Tode gebissen. Ich musste trotz der schlechten Nachricht doch ein bisschen vor mich hingrinsen, vor allem als ich las, dass er sich nun nicht wie ihr jetzt bestimmt denkt, ein neues Meerschweinchen anschaffen will. Nein, er wünscht sich jetzt ein Pferd zum Geburtstag! Da aber unser Budget nicht so gross ist, haben wir ihm jetzt das «Glitter-PferdeBarbie-App» geschenkt. Jaja, meine Lieben, da soll noch jemand sagen, wir Menschen würden den sozialen Kontakt durch die heutige Technik verlieren! Hoch sollen sie Leben die sozialen Netzwerke!


SCHWULENGESCHICHTE.CH mit beat a. stephan

LEDERKERLE Loge 70, der Verein für Männer, die dem Fetisch Leder huldigen. Text: Beat A. Stephan Bilder: schwulengeschichte.ch

Lederklamotten sind mehr als sinnliche Kleidung. Mit Leder verknüpft ist ein bestimmtes Bild seines Trägers, das der Künstler Tom of Finland wesentlich geprägt hat: Der ideale Lederkerl ist unendlich maskulin, stark gebaut von der breiten Schulter bis zum Schritt. Er ist selbstsicher, erfahren, animalisch. Ein reifer Mann. In sexueller Hinsicht kann ihn nichts erschüttern. Soweit das Ideal. Aber natürlich hüllen sich auch Milchbubis zuweilen in Leder. Ist ja nicht verboten. Bloss macht sie das noch lange nicht zu Ledermännern.

HARTER SEX FÜR HARTE MACKER Mit der Lederszene assoziiert werden auch lange verpönte Sexpraktiken der härteren Art. Sadomasochistische Rituale von Dominanz und Unterwerfung, Bestrafung, Lustschmerz und Fesselungsspiele finden Platz in dieser Welt. Partner für ungewöhnliche bis bizarre Sexpraktiken fand man früher vor allem in geschlossenen Zirkeln. Die Loge 70 (Schweiz), Verein und Club für Ledermänner, suchte ihre Mitglieder 1973 denn auch sehr diskret: «Loge 70 ist eine neue (HAZ-) Arbeitsgruppe für sexuelle Minoritäten innerhalb sexueller Minoritäten. Wer Interesse hat an Leder / Jeans / Stiefel / etc. und den sich für seine Sexualität daraus ergebenden Konsequenzen, wende sich bitte an (Zabriskie-) Release, Kennwort Loge 70, oder schreibe an …». Angegeben war ein Postfach. Wie’s der Name schon sagt, war die Loge ein exklusiver Bund für Eingeweihte. Wer beitreten wollte, musste von zwei Mitgliedern empfohlen werden und danach eine Probezeit von bis zu einem Jahr bestehen.

ENGAGIERT IN DER AIDSPRÄVENTION Da die Lederszene sich auch über Virilität und sexuelle Aktivität definierte, wurde sie von der Aidskrise stark betroffen. Die Loge 70 engagierte sich deshalb schon in den Achtzigerjahren intensiv in HIV-Information und -Prävention. 1990 veröffentlichte die Loge die bahnbrechende Broschüre «Safer Sex für Ledermänner», die sie aus dem vereinseigenen Aids-Fonds finanziert hatte. Die Nachfrage war riesig, die erste Auflage schnell vergriffen. Auch im Ausland fand die Broschüre grosse Beachtung: Sie wurde mehrfach übersetzt.

Da offensichtlich ein grosses Bedürfnis nach Aufklärung bestand, entschloss sich die Aids-Hilfe Schweiz noch im selben Jahr, mit Geldern aus dem Bundesamt für Gesundheit BAG eine zweite Auflage zu finanzieren. «Safer Sex für Ledermänner» spricht eine deutliche Sprache und nennt Pisse und Fisten beim Namen. Damit sorgte die Broschüre natürlich bei manchen Politikern für Empörung. Der von den VPM-Fundamentalisten beeinflusste CVPBundesrat Flavio Cotti liess das nunmehr mit Bundesgeldern finanzierte Werk einstampfen. Dass Klartext bei ihnen nicht ankommt, ist logisch bei Volksvertretern, die selber die Kunst des Verwedelns und Lavierens pflegen. Die Bigotten konnten die Broschüre einstampfen, aber nicht verhindern: Zwischen 1992 und 1996 erschienen weitere Auflagen. Da sie jedoch von Privaten und der Loge 70 finanziert waren, konnte die Politik nicht mehr eingreifen.

DISKRETE TARNUNG ALS MOTORRADCLUBS SM- und Ledervereine tarnten sich oft mit dem unverfänglichen Titel Motorsportclub (MSC). Bei solcher Diskretion ist es nicht verwunderlich, dass junge Schwule kaum etwas von Tittentrimm, Wachs- und Zigarettenspielen, Bondage oder Rimming mitbekamen und vor allem reifere Männer in der harten Szene zu finden waren. Wer sich heute jedoch in Gay-Foren umschaut, sieht einen neuen Trend: Nun fahren auch manche junge Schwule auf die harte Tour ab. Da schreibt ein schmächtiger Jüngling, dass ihm keiner mit romantischem Blümchensex zu kommen brauche, ein 21-Jähriger mag es «kinky», ein 22-Jähriger «rough and dirty», ein 19-Jähriger will gar zum Sklaven abgerichtet werden.

FREIE VERFÜGBARKEIT VON HARTEM SEX Der Hauptgrund für diese Verjüngungstendenz dürfte das Internet sein, wo härteste Sexspiele frei einsehbar sind. Fragt sich bloss, wie junge Männer, die für ihre sexuelle Erregung bereits extreme Reize brauchen, ihr sexuelles Erleben noch steigern wollen. Vielleicht haben sie mit 25 ja schon genug von Sex und winken nur müde ab: «Habe ich alles schon erlebt. Heute langweilt mich Sex nur noch.»

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PORTRAIT leserbesuch

FILMEMACHER MATTHIAS BRUNNER Interview: Christian Kuonen Fotos: Christian Kuonen, Walter Pfeiffer

Leser Matthias Brunner entführt Mannschaft Magazin in die grosse Welt der Kunst und des Films. Der passionierte Filmmann ist trotz Pensionierung alles andere als im Ruhestand. In deinerWohnung hast du sehr viele Bilder.Was bedeutet dir Kunst? Kunst hat mir seit meiner frühesten Jugend sehr viel bedeutet. Ich ging bereits im Primarschulalter mit meiner Grossmutter oft ins Kunsthaus in Chur. Sie musste allerdings einiges ertragen. Als Kind gefielen mir nebst den Giacomettis und Segantinis vor allem Wettrennen mit meinem Bruder in den Museen und dies machte natürlich einen fürchterlichen Lärm auf den harten Marmorböden. So wie ich dann im weiteren Lebenslauf Geschichte erlebte, hat auch jedes Bild, welches ich gesammelt habe, eine lange Geschichte: von den ersten Bildern von Andy Warhol bis zum jüngsten Werk von Walter Pfeiffer oder Wolfgang Tillmans. Zu praktisch allen Künstlern, die ich sammle, haben sich enge Freundschaften entwickelt. Kino und Film sind für dich ein wichtiger Bestandteil in deinem Leben. Sicher, ich schwänzte die Schule und Pfadiübungen um Filme zu schauen. Wie alle Kinder habe ich als erstes auch Hänsel und Gretel geschaut. Damals gab es leider noch nicht «Hänsel und Hänsel»... Dann - mit 14 Jahren - habe ich den ersten James Dean Film gesehen, und von da an war’s um mich geschehen... Wusstest du schon damals, dass du zum Film wolltest? Ja, aber ich war vorsichtig und glaubte nicht, dass sich dies realisieren liesse. Es gab damals kein Filmfach an der Uni. So schlug ich – als Basis – den Weg der Werbung ein und hatte das grosse Glück, nach der Handelsschule unter die Fittiche der versierten Werbeikone Max Wiener zu kommen. Was ich dort gelernt habe, war für meine ganze spätere Berufsbahn

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entscheidend. Via Werbung, Arbeit als Filmkritiker und Mitgestalter der Filmfestivals von Locarno und Los Angeles kam ich schliesslich zur Filmproduktion und wurde später Geschäftsführer eines Filmverleihs und der Arthouse Kino Gruppe. Und kurz vor der Pensionierung wurden viele Bemühungen mit diversen Preisen honoriert. Allerdings sagte mal Billy Wilder: «Mit den Auszeichnungen ist es wie mit den Hämorrhoiden. Mit dem Alter bekommt sie jeder!» Ist der Film einfach Unterhaltung? Mir war Engagement und innovative, visuelle Umsetzung immer sehr wichtig. 08/15 Unterhaltungskino hat mich nie interessiert, hingegen das Autoren-Kino aus der ganzen Welt. Aus diesen Film-Kreisen, die zu den spannendsten überhaupt gehören, ergaben sich über die Jahre tiefe Freundschaften mit zahlreichen RegisseurInnen, ProduzentInnen und SchauspielerInnen. Selbstverständlich habe ich mich auch bereits mit meinen ersten Filmschritten aufs Glatteis begeben und bin auch nicht immer an Gerichtsverhandlungen vorbeigekommen. Dies wegen als Obszönität interpretierter Darstellungen namhafter Autoren wie John Waters, Nikki de St. Phalle und Pier Paolo Pasolini. Dass ich mich früh auch für das schwul-lesbische Kino engagierte, war für mich eine Selbstverständlichkeit, obwohl mir auch diesbezüglich oft das Geschäftsleben schwer gemacht wurde. Wann hast du für dich entschieden, dass es genug ist? Das war vor zwei Jahren, aber nur um mich umso leidenschaftlicher in die Welt des Films zu stürzen. Ich besuche nach wie


vor alle Festivals und freue mich über die vielen Ehrenämtern, die man mir anbietet. Dazu arbeite ich an verschiedenen Filmproduktionen, für die ich mich gerne engagiere. Zusätzlich kommt noch meine Funktion als Kurator für Film für die «Art Basel» und «Art Miami».

Hat dich deine Homosexualität in deinem Leben fest geprägt? 1968 war ich 23 Jahre alt und «sexual liberation» feierte - Gott sei dank – Hochkonjunktur! Aber natürlich gab es schon vor dieser Bewegung eine grosse Aufbruchstimmung in der Subkultur und so hatte ich nie Schwierigkeiten mit meiner Homosexualität. Ich habe mich deswegen auch niemals benachteiligt gefühlt.

Was ist dir neben dem Film wichtig? Was würdest du einem Jungen raten, wie er mit seiner HomosexuGutes «mid-century design» und «contemporary art» interesalität umgehen soll? sieren mich seit meiner Studienzeit sehr, das sammle ich ja Möglichst «straight forward», selbstbewusst und engagiert auch. Und dann gibt es diese rare Schnittstelle zwischen mosein Leben leben, so wie er sich hoffentderner Kunst, Video-Art und Film, die ich besonders liebe. Zudem bin ich besessen «Ich finde es etwas grotesk, dass lich auch fühlt. Also sich sicher nicht vervon anspruchsvoller amerikanischer Lite- schwule Paare oft so krampfhaft stecken! Ich habe Mühe mit Extremisten aller Art inklusive Gays und Lesben, die ratur und habe auch einige amerikanische meinen, Heterobeziehungen übertrieben provozieren, obwohl es in Freunde, die hervorragende Schriftsteller nachahmen zu müssen.» unserem Kulturkreis doch schon längst sind, wie Edmund White oder Michael nichts mehr zu provozieren gibt. Das ist nur Ignoranz. Cunningham. Freundschaften gut zu pflegen braucht natür«Shock value» für die Füchse, schadet letzlich der Bewegung lich auch Zeit und Muse, aber diese Freundschaften sind mir und wirkt auf mich persönlich lächerlich. – da ich ausser meinem Freund und meinem Hund keine Familie habe – das Wichtigste im Leben überhaupt. Viele wollen heute provozieren. Provokation ist so schnell ausgereizt, dies ist auch im Film Hattest du nie den Wunsch nach einer Familie? und in der Kunst so. Schwulsein war für mich noch nie Nein, nie. Der Ausblick auf eine grössere eigene Familie abendfüllend. Wer nur ein Minimum belesen ist, weiss, dass war mir zu belastend. Ein Desaster pro Leben genügt! Unschon vor 90 Jahren - von Künstlern des Surrealismus – Prosere Familie war ziemlich «dysfunctional» was, wenn man’s vokation viel radikaler gelebt wurde. Mich beeindrucken genau nimmt, die meisten Familien sind. Ich finde es auch junge Gays viel mehr, wenn sie mit beiden Beinen im Leben etwas grotesk, dass schwule Paare oft so krampfhaft meinen, stehen, sich früh für einen «gay cause» engagieren – wie zum Heterobeziehungen nachahmen zu müssen. Natürlich ist es Beispiel im Network-, gute Freundschaften pflegen und sich wichtig, dass Homosexuelle die gleichen Rechte haben wie Mühe geben, auch etwas über den schwulen Horizont hin«Hetis». Jedoch sollten Schwule nicht denken, dass sie nur aussehen zu können. gleichwertig sind, wenn sie die Beziehung ihrer Vorfahren imitieren. «Imitation of life». Das finde ich fragwürdig. Lebst du in einer Beziehung? Ja, ich habe nach einer 20-jährigen innigen Beziehung mit dem Kunsthändler Thomas Ammann - und einer längeren Pause wieder einen wunderbaren Freund. Er ist ein lebenshungriger, knackiger Akademiker in Biologie und Statistik mit völlig anderen Interessen als ich und einiges an Jahrringen ärmer. Aber das Schöne an unserer Beziehung ist, dass wir trotz der grossen Gegensätze hervorragend harmonieren. Ich liebe seine jugendliche Neugier, seine männliche Geradlinigkeit und Abenteuerlust. Wohnt ihr zusammen? Nein, wir fühlen uns beide wohler, wenn wir trotz unserer sechsjährigen Beziehung getrennte Wohnungen haben. So nimmt man nichts für selbstverständlich. Ökonomisch gesehen ist dies ein grosser Luxus, der sich aber für die Intensität der Beziehung bezahlt macht. Begleitet dich dein Freund an die Filmfestivals? Ja, natürlich war er mit mir schon in Cannes, Locarno oder Berlin, aber er ist glücklicherweise alles andere als ein Groupie, der den Glamour der Filmwelt sucht. Ich kann ja mit seiner hohen wissenschaftlichen Akrobatik auch nicht viel anfangen (lacht). Dafür habe ich umso grösseren Respekt vor seinem immensen Wissen!

LESERBESUCH BEI DIR ZU HAUSE? Lass von dir hören auf redaktion@mannschaft-magazin.ch

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PORTRAIT kurzgeschichte

FAMILIENFREUDEN Eine Kurzgeschichte von Harlekin, harlekination.com

Die Röthlisbergers und die Di Giacobbos sind Nachbarsfamilien. Ihnen gemeinsam ist der Strassenname, der Wohnort, die Postleitzahl, die Hausnummer nicht. Manchmal liegen Welten zwischen drei und fünf und einem Zaun, wenn auch kleine. Die Supermarktauswahl im Ort besteht aus «Migros» und «Coop». Es soll ein «Aldi» kommen, unterhalb der Landstrasse, welche die Dörfer des Tals erschliesst. Das munkelt man zumindest im Bahnhofbuffet, das seit der Neueröffnung «Train’s Heaven» heisst, neonblau und sehr modern der Schriftzug. Das Bahnhofbuffet ist gar kein Bahnhofbuffet mehr, sondern eine Snackbar mit Kaffee aus Pappbechern, aufgewärmten Gipfeli und Bier aus Büchsen.

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Die Röthlisbergers sind stolze «Migros»-Anhänger, die Di Giacobbos klassische «Coop»-Kunden. Annaliese Röthlisberger sagt gerne herablassend, dass jene, die nicht wirklich viel haben, das wenige, was da sei, für Lebensmittel, auf denen ein Markenname stehe, ausgeben. Margrit Di Giacobbo leidet unter dem Namen ihres Mannes, der seit über zwanzig Jahren auch der ihre ist. Es ist nicht der Nachname selber, sondern der Ausdruck «Secondos», der an Frau Di Giacobbo, geborene Müller, nagt. Sie begann, Markenartikel zu kaufen, nachdem sie ihren Mann geheiratet hatte, und plötzlich zu den «Italienern» gezählt wurde, wenn sie in der «Migros» günstig einkaufte.


Frau Di Giacobbo hadert nach wie vor mit der Tatsache, dass sie nicht zu jenen «Emanzen» gezählt werden wollte, als es darum ging, ihren Mädchennamen hinter den Namen ihres Mannes zu setzen, als sie geheiratet hatten. Wenn Frau Di Giacobbo heute sieht, wie frivol Frauen ihren eigenen Namen behalten, wird ihr ganz anders zu Mute. «Diese Emanzen!», ruft sie dann verächtlich. Frau Di Giacobbo wird sich mit alledem erst wieder auseinandersetzen, wenn ihre Tochter, die älteste von drei Kindern, heiraten wird. Das wird in siebzehn Jahren geschehen. Die dann 33-jährige Regina Di Giacobbo wird ihren eigenen Namen behalten und keine Kinderpläne haben. «Wegen seiner Papiere», wird sie als Heiratsgrund kühl anfügen. Der Ehemann wird aus Äthiopien stammen. Dieses Szenario liegt gottlob in ferner Zukunft. Natürlich herrscht ein reger Konkurrenzkampf zwischen den Familienoberhäuptern Röthlisberger/Di Giacobbo. Die Männer haben derweil nicht viel zu melden. Die Kinder hätten theoretisch dafür zu sorgen, dass Siege nach Hause gefahren werden: Mit fehlerfreien Mathematikklausuren, gewonnenen Fussball- und Tennisspielen, und nicht zuletzt im musischen Bereich, in Tat und Wahrheit am alljährlichen Konzert der Musikschule. Man musiziert mit allerhand Flöten, C-, Alt-, Querflöte, dem Klavier, von Beethoven bis Chopin und zurück, in zwei- und vierhändigen Stücken. Letzteres endet in taktlosen Streitereien zwischen den Kindern. Bis zur Geigenstunde brachten es weder die Di Giacobbo- noch die Röthlisbergerkinder. Hier hat man sich unter stillem Einvernehmen beider Familien darauf geeinigt, dass das etwas für «Mehrbessere» ist, wie der berüchtigte Jean-Richard, Sprössling der Klaas-Eggenbergers, des Zahnarztehepaars im Ort. Die Familien Di Giacobbo und Röthlisberger schlagen sich ähnlich durch ihren eigenen Stammbaum. Die Eltern lehnten sich gegen die Grosseltern auf, die eigenen Kinder nun machen mehr oder weniger enthusiastisch weiter. Sie bringen leider nur selten die Leistungen, die Margrit Di Giacobbo oder Annaliese Röthlisberger gerne sehen würden, ähnlich wie das die beiden Ehemänner, zwei Seklehrer, und ihr Monatseinkommen tun. Sie verdienen nicht schlecht, aber können eben doch nicht da mitspielen, wo sich zum Beispiel Zahnarzt Klaas mit der modernen, ja extravaganten Frau Eggenberger bewegt. Margrit und Annaliese, so oft sie sich auch vergleichen und konkurrieren, haben einander eigentlich sehr gerne. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann halten sie zusammen, schliesslich kennen sie die Kraft des «im-gemeinsamen-Boot-Sitzens»: an Lehreressen mit PartnerIn, der Schulweihnacht, beim jährlichen Konzert der Musikschule, wenn am Ende der junge Jean-Richard Klaas Eggenberger seinen Geigenauftritt hat, als einziges Kind im Dorf mit einem derartigen Spektakel. Und nicht nur in der Eifersucht, tatsächlich auch in Kummer und Leid stehen sie einander bei, ohne irgendetwas davon gegen aussen zu tragen. Diese zwei Frauen würden weder vor ihren Männern, noch vor Dritten zugeben, dass sie diese

Gefühle kennen. Aber wenn sie zum Frauenarzt müssen, Frau Eggenberger sie durch ihr blosses Auftreten deprimiert, oder eine neue Diät im Jojo-Effekt endet, dann machen sie das in gegenseitiger Unterstützung. Das einzige, was sie nicht teilen, sind die persönlichen Glückserlebnisse. Man möchte fast glauben, dass sie deshalb so selten sind. Ist es vielleicht gar schöner, gemeinsam den Misserfolg zu teilen, als alleine zu gewinnen? Nie ist eine der beiden Frauen so erfolgreich, dass die andere unter Druck gesetzt würde. Man beklagt sich viel lieber gemeinsam über Schwindel und Betrug der neuen «Annabelle-Diät», über «Orangenhaut» an den Oberschenkeln, oder die «mehr-bessere Eggenberger». Von den Männern Di Giacobbo und Röthlisberger gibt es wenig zu erzählen. Man geht samstags gemeinsam fischen und bringt selten einen Fang nach Hause. Man arbeitet pflichtbewusst und verlässlich, «unsere Stier-Männer», wie die Frauen sagen. Paulo und Peter selber kümmern sich nicht um Sternzeichen. Sie sitzen aber stets nebeneinander an der Lehrerkonferenz; nicht etwa weil sie dieselben Fächer unterrichten, «in die Fachschaften integrieren sie sich einfach zu wenig!», wie sich Hans, der führungsschwache Schulleiter und Kommunikationschef, bei seiner Frau Edith zu Hause oft beklagt. «Modernes Zeug.», sagen da die beiden Stier-Männer. Sie sitzen nebeneinander, weil sie sich sehr gut verstehen, aber das scheint in der Welt der Teamfähigkeit keinen Platz mehr zu haben, brummeln sie kopfschüttelnd. «Bergli» unterrichtet Geographie und Mathematik, «DG» Italienisch und Französisch, obwohl er theoretisch nicht die Ausbildung hat, die in der Schweiz dafür verlangt wird. In schwachen Momenten fordert Frau Röthlisberger von ihrem Mann, dass er dem Schulleiter feiner abgestufte Lohnklassen vorschlagen müsse, denn er, Peter Röthlisberger, war an der Universität Zürich und hat den «Seklehrer» gemacht. Peter bleibt wie immer ruhig, sagt: «Ja, das sollte ich Hans sagen.» Alle Beteiligten wissen, dass er, Peter, niemals etwas in diese Richtung unternehmen wird. Annaliese Röthlisberger nennt es «Feigheit», Margrit Di Giacobbo «schampar sympathisch», Hans verdrängt die Tatsache, dass da etwas nicht in den geschätzten «geregelten Bahnen» abläuft, ist aber vor allem froh, dass dies niemand im Team anzusprechen wagt. Peter und Paulo freuen sich jährlich auf das Skiwochenende, das Hans, der Schulleiter, seit fünfzehn Jahren im Februar, am ersten Wochenende der Sportferienwoche, für seine LehrerInnenschaft organisiert. Hans hat gelernt, «LehrerInnenschaft» auf das Infoblatt zu schreiben, denn Mirjam Stecher, die «Fachlehrerin Textil», fuhr ihm, dem Kommunikationschef, damals, als er sein Team noch profan «Lehrerschaft» nannte, derart an den Karren, dass er ein für allemal gelernt hat, Frauen nicht mehr zu diskriminieren. Peter und Paulo, Margrit und Annaliese freuen sich jährlich auf das Skiwochenende. Die Frauen machen «Beauty-Wochenende à la Annabelle» und lachen darüber, dass sie sich so schön machen, ohne dass die Männer im Haus sind. Und die Männer, die teilen immer das Zimmer im Hotel und geniessen es in vollen Zügen.

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PORTRAIT trash talk

LIEBE AMY WINEHOUSE Text: Frank Richter, frank@mannschaft-magazin.ch Illustration: Raffi P.N. Falchi Eigentlich hättest du am 15. Juli in Locarno auf der Bühne stehen sollen, wären da nicht die bösen Drogen dazwischen gekommen. Wegen denen wurde deine Europatournee vorzeitig abgeblasen. Der erste und gleichzeitig letzte Auftritt fand im Juni in Belgrad statt. Eine krasse Blamage, zumindest was davon auf Youtube zu sehen ist. Der Start ging schon mal ziemlich in die Hose, als du die anwesenden Belgrader mit «Hallo Athen» begrüsstest. Danach folgte eine 70 minütige WackelPerformance mit Lallen und Textaussetzern. Halt das ganze Programm der Peinlichkeiten, wie man es von Whitney Houstons Comebacktour kennt. Oder anders gesagt: Unsere Dorfmatratze sang «Rehab» am Karaoke-Contest im FC-Zelt besser als du. Und das will was heissen! Die Gute hatte 2,5 Promille intus und balancierte einen Masskrug auf der Stirn. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, Amy, aber ich glaube das war’s mit deiner Karriere. Vielleicht reichts noch für ein Featuring auf der nächsten DJ Antoine Platte, aber solomässig wirds von dir wohl vorerst nichts mehr zu hören geben.

innern als ich zum ersten Mal «Rehab» im Radio hörte. Da hatte ich Gänsehaut am ganzen Körper. Wie deine Bandmitglieder vor dem Konzert in Belgrad, als sie dich Backstage mit der Crackpfeife hantieren sahen. Jedenfalls habe ich mir überlegt, womit du in Zukunft deine Brötchen verdienen könntest, wo doch die Karriere als Sängerin vor dem Aus steht. Nachdem ich mir für 15 Sekunden den Kopf zermartert hatte, kam mir eine grandiose Idee. Was tun erfolglose Sänger und Sängerinnen, die auf der Popularitätsskala irgendwo zwischen Fusspilz und Asbestvergiftung rangieren? Richtig, die werden Juror in einer Casting Sendung. Eine Stelle, die wie für dich geschaffen ist. Du musst nur ein Mal pro Woche für zwei Stunden deinen knochigen Hintern in einen Sessel pressen und Leuten beim Singen zuhören. Ich helfe dir sogar dabei, deinen Podex zu in diesen Sessel zu bekommen. Schneide einfach die unten verfasste Bewerbung aus und schicke sie an Deutschland sucht den Superstar mit dem Vermerk «Porto zahlt Empfänger». Ich verabschiede mich an dieser Stelle schon Mal und wünsche dir viel Glück.

Schade ist das. In Zeiten in denen glitzerbemalte Trash-Blondinen dank Autotune einen Top Ten Titel landen, könntest du den talentierte Gegenpol darstellen. Ich kann mich noch gut daran er-

Grüsslichst Frank

Hello Dieter Bowlen Ich möchte mich um einen Juryposten bei DSDS bewerben. Die Sendung finde ich fantastisch. Dich übrigens auch. Immer stylisch gekleidet und schön braun gebrannt, das kenn ich von den Afrikanern aus meiner Band. Nur die Musik, die du und der schwule Indianer zusammen in den 80’ern produziert habt, war unter aller Sau. «Cheri Cheri» Lady oder «Geronimo's Cadillac», auf so grauenhafte Texte und Melodien würde ich nicht mal im schlimmsten Rausch kommen. Jedenfalls wäre ich ab September für DSDS verfügbar, insofern die Aufzeichnungsdaten nicht mit meiner 8 tägigen Entzugskur kollidieren. Zu meinen Qualitäten: Ich besitze ein musikalisches Gehör und kann Stylings als auch Performances beurteilen. Wenn man mir genug Schminke ins Gesicht klatscht, gehe ich durchaus als Frau durch. Mein graziles Äusseres wird durch die kürzlich chirurgisch gepimpten Brüste unterstrichen. Ich weiss, dass du auf dicke Möpse stehst. Beim letzten Entzug hab ich so ne Verrückte namens Naddel getroffen, die hat’s mir verraten. Da ich selbst Songs schreibe würde ich anbieten, für den DSDS Gewinner 2012 den Siegertitel zu komponieren. Du könntest dir die 15 Minuten im Studio also sparen und statt dessen schon mal die Liste mit den 18-jährigen Bewerberinnen abtelefonieren. Gib mir Bescheid, wann ich anfangen kann. Regards, Annemarie Weinhaus


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Konzept und Gestaltung: komet.ch, Fotografie: chouchoux.ch

N O ‘I M ! E R I F


Zum Beispiel mit der Cornèrcard Community – der individuellen Kreditkarte für Ihren Club. Mehr vom führenden Anbieter innovativer Prepaid- und Kreditkarten:

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Mannschaft Magazin August 2011  

das stilvolle Magazin für den schwulen Mann - Ricky Martin im Gespräch

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