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Migration und Gesundheit Tips für Männer Impressum Herausgegeben von manCheck Berlin, Erich-Weinert-Str. 6, 10439 Berlin, info@manCheck.eu, www.manCheck.eu, Tel. 030 47080930 Text: Felix Gallé Gestaltung: Özlem Gündogdu manCheck ist ein Projekt der Schwulenberatung Berlin und als gemeinnützig angerkannt. Spendenkonto: 3337111 Bank für Sozialwirtschaft Berlin BLZ 10020500 Verwendungszweck: manCheck Migration Wichtiger Hinweis: Hier ist die Vorabversion der Broschüre, die bei der Deutschen Aids-Hilfe seit über drei Jahren auf die Freigabe wartet. Korrekturen nehmen wir gerne unter info@manCheck-Berlin.de entgegen. Wir würden sie gerne übersetzen lassen, haben aber dafür nicht das Geld.

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Inhalt 2 Fit und Gesund bleiben 5 Kontext Migration 8 Werte, Traditionen, Religionen 10 Seelische und mentale Gesundheit 15 KĂśrperliche Gesundheit 21 Safer Sex 24 Sexuell Ăźbertragbare Krankheiten 27 -Verursacht durch Vieren 31 -Verursacht durch Bakterien 33 -Verursacht durch Pilze und andere Erreger

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Du bist Migrant, lebst in Deutschland - und deine Gesundheit ist dir wichtig. Vielleicht bist Du erst seit kurzem hier, oder bereits einige Jahre lang. Vielleicht möchtest du für immer bleiben, oder nur für kurze Zeit. Ob du als Student hierher gekommen bist, als Gastarbeiter oder als Flüchtling, ob du arbeitest oder arbeitslos bist, wie auch immer: Erst einmal ein herzliches Willkommen in diesem Land! Du hast viele Möglichkeiten, dich gesund zu halten und deine Gesundheit zu schützen und zu verbessern. Diese Broschüre richtet sich an Männer mit Migrationshintergrund. Sie enthält Informationen über einige Aspekte der Gesundheitsvorsorge. Sie gibt Tipps darüber, wie man(n) gesund bleiben und wie man bestimmte Erkrankungen vermeiden kann. Sie zeigt auf, wo man Hilfe finden kann, wenn man krank ist. Sie enthält auch Informationen über Sexualität und über sexuell übertragbare Krankheiten - und wie man sich vor ihnen schützen kann.

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Fit und Gesund bleiben Nur wenn du über alle Fragen gut informiert bist, kannst du für deine Gesundheit Verantwortung übernehmen - und vielleicht auch deinem Partner oder deiner Partnerin, Familienangehörigen und Freunden Rat und Unterstützung geben. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern ist um acht Jahre kürzer als die von Frauen; zwei Drittel der Männer sind übergewichtig; Männer sind häufiger chronisch krank; zwei Drittel der Notfallpatienten sind Männer; Männer gehen seltener zum Arzt, aber wenn sie im Krankenhaus liegen, dann länger als Frauen; drei Viertel aller Selbstmörder sind Männer; zwei Drittel aller Schulwiederholer sind Männer; das Verhältnis von Männern und Frauen in Gefängnissen ist 25:1. Männer achten im Allgemeinen weniger auf ihre Gesundheit. Männer gehen seltener zum Arzt und ertragen lieber Schmerzen als sich Hilfe zu suchen. Männer betreiben häufig Raubbau an ihrem Körper und ruinieren so ihre Gesundheit. Es gibt eine weit verbreitete Vorstellung von Männlichkeit: Der „Macho“ ist unverwundbar, dominant und immer aktiv, hat Mut zum Risiko und muss sich gegenüber seiner Umwelt und in der Partnerschaft immer behaupten und durchsetzen. Sich um Körper und Gesundheit zu kümmern, gilt als schwach und feminin. Vielleicht ist es für dich ungewöhnlich, dich aktiv mit deiner Gesundheit zu beschäftigen.

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Was ist Gesundheit? Damit meinen wir, bezogen auf die jeweils eigene konkrete Lebenssituation, einen Zustand des völligen körperlichen, geistigen und seelischen Wohlbefindens. Die Übergänge zwischen Gesundheit und Krankheit können fließend verlaufen. Manchmal wird man von einem Tag auf den anderen krank. Es gibt Infektionskrankheiten, bei denen man infiziert ist, ohne Symptome zu zeigen, und bei denen man dauerhaft, ohne dass man es merkt, die Infektion an andere weitergeben kann. Manchmal, wenn man sensibel ist, kann man krankheitsbedingte Veränderungen des Körpers über Jahre hinweg beobachten. Manche Veränderungen hängen einfach nur mit dem natürlichen Alterungsprozess zusammen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Migration und Gesundheit. Menschen mit Migrationshintergrund sind im Allgemeinen größeren Gesundheitsrisiken ausgesetzt als die Allgemeinbevölkerung. Das hängt mit der besonderen Lebenssituation von Migranten zusammen. Wenn du weitere Informationen suchst oder konkrete Fragen hast, dann nimm’ Kontakt auf mit einer der Beratungsstellen, die im Anhang aufgeführt werden.

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Kontext Migration Als Migrant in Deutschland zu leben ist manchmal nicht einfach. Jeden Tag machst du neue Erfahrungen und stehst neuen Herausforderungen gegenüber. Das Zusammenleben ist nicht immer unproblematisch. Vielleicht hast du Fremdenfeindlichkeit und Rassismus schon erlebt, in Konfrontation mit den Nachbarn, auf der Straße oder im Umgang mit Behörden. Viele Menschen – und nicht nur Deutsche - haben Vorurteile und diskriminieren Minderheiten, Andersfarbige oder einfach nur Menschen, die ihnen fremd sind. Anderssein führt häufig zu Ablehnung und Ausgrenzung. Verständlich und nachvollziehbar ist, dass du nach derartigen Erfahrungen gegenüber offiziellen Institutionen und Behörden ein gewisses Misstrauen entwickelst. Du hast direkte persönliche Erfahrungen mit der Einwanderung in Deutschland gemacht. Du bist mit Wünschen und Erwartungen hierher gekommen und hattest Träume und Ideen. Am Anfang war alles neu für dich. Die deutsche Sprache ist schwierig. Sie zu sprechen, ist aber eine der wichtigsten Voraussetzungen, um sich hier wirklich zurechtfinden zu können. Solange du dich nur schwer verständigen kannst, wirst du auch mit dem hiesigen System nicht vertraut werden. Bis du Deutsch gut gelernt hast, vergehen normalerweise, selbst wenn du dir große Mühe gibst, mehrere Jahre.

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In dieser Zeit kannst du dir damit behelfen, dass du Projekte oder Einrichtungen suchst, in denen deine Muttersprache gesprochen wird. In vielen Städten gibt es inzwischen Angebote bei Gesundheitsämtern, Beratungsstellen und Ärzten, die die besonderen Bedürfnisse von Migranten berücksichtigen. Oft werden Dolmetscher zur Verfügung gestellt, um die Sprachbarrieren zu überwinden. Das ist bei schwierigen Entscheidungen über Therapien oder andere evtl. erforderliche Maßnahmen besonders wichtig, damit du genau verstehst, um was es geht. Bei den kassenärztlichen Vereinigungen erfährst du, welche Ärzte deine Muttersprache sprechen. Viele Schwierigkeiten machen sich am Aufenthaltsstatus fest: Mit einem gültigen Aufenthaltstitel hast du immer auch Zugang zu Leistungen des öffentlichen Gesundheitssystems. Du wirst Mitglied in einer Krankenversicherung, die dir finanziellen Schutz im Falle einer Krankheit bietet, unabhängig davon, ob du eine Arbeit hast, selbständig bis oder von Sozialhilfe lebst. Bei Erkrankungen kannst du zu deinem Hausarzt oder zu spezialisierten Fachärzten gehen. Wenn der Arzt es für erforderlich hält, kann er dich in ein Krankenhaus einweisen. Im akuten Notfall kannst du aber auch jederzeit in die Rettungsstelle eines Krankenhauses gehen. Für Menschen, die einen ungesicherten (oder gar keinen) Aufenthaltstitel haben, ist die Situation komplizierter. Im Unterschied zu anderen Ländern gibt es in Deutschland keine offiziellen Angebote für Menschen ohne Aufenthaltsstatus.

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Wenn man im Krankheitsfall mit offiziellen Einrichtungen (z.B. Krankenhäusern) Kontakt aufnimmt, besteht schlimmstenfalls die Gefahr, dass man in Abschiebehaft kommt und ausgewiesen wird. Es gibt in vielen Großstädten Versuche, auch Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus wenigstens eine medizinische Grundversorgung anzubieten. Erkundige dich nach entsprechenden Angeboten, und das am besten bevor der Notfall eintritt. Bei den Flüchtlingshilfen, bei Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt oder der Caritas und bei MigrantenEinrichtungen erfährst du die Adressen dieser Initiativen. Sie sind derzeit die einzige Alternative für das System der sozialen Absicherung, geraten jedoch in komplizierten Fällen leicht an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Deshalb: Neben Geldverdienen, Wohnen und Sprache Erlernen ist für Menschen ohne Aufenthaltsstatus der Kontakt mit diesen Netzwerken wichtig. Du solltest versuchen für deine Gesundheit aktiv zu werden, obwohl in dieser Lebensphase Fragen der Gesundheitsvorsorge normalerweise nicht im Vordergrund stehen.

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Werte, Traditionen, Religion Gesundheit und Krankheit haben nicht nur mit dem Körper zu tun, sondern auch mit der Seele und dem sozialen Miteinander. Vor allem wenn sich dein soziokultureller und sprachlicher Hintergrund sich von der deutschen Kultur deutlich unterscheidet, kann es zu Spannungen und Konflikten kommen, wenn du im Anpassungsprozess an die deutschen Werte mit völlig neuen Verhaltensweisen und Normen konfrontiert wirst. Du versuchst deine Herkunftsidentität zu wahren und dich gleichzeitig vordergründig an die deutsche Kultur anzupassen. Es droht ein Identitätsverlust: In Deutschland wird man als fremdländisch angesehen, in der Kultur der Herkunftsgemeinschaft ist man nicht mehr zuhause. Von deiner Umgebung, der Familie oder dem Bekanntenkreis werden dir Grenzen gesetzt, die du eigentlich respektieren möchtest. Du bist mit bestimmten ethischen und moralischen Grundsätzen aufgewachsen und erzogen worden. Es gibt viele Traditionen und Einstellungen, die sich nicht mit den in Deutschland vorherrschenden Prinzipien vereinbaren lassen. Beispielsweise gründet sich hier das Geschlechterverhältnis auf gegenseitigen Respekt und Gleichberechtigung, und nicht, wie Du es vielleicht gelernt hast, auf die Unterordnung der Frau unter den Mann.

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Es gibt Tabuthemen, über die nicht gesprochen wird. In vielen Kulturen lernen Menschen nie, über das Thema Sexualität zu sprechen: Praktizierte sexuelle Verhaltensweisen kollidieren mitunter mit kulturellen Wertvorstellungen. Es gilt als unmännlich, Kondome zu benutzen; über sexuellen Missbrauch von Kindern wird nicht gesprochen; es gibt eine Doppelmoral, wonach Männer freizügig ihre sexuellen Erfahrungen machen dürfen und sollen, während Frauen ihre Jungfräulichkeit bewahren sollen, und weibliche Sexualität vor der Ehe verurteilt wird. Ein weiteres Tabu ist die Sexualität zwischen Männern, und es ist manchmal so stark verinnerlicht, dass es sich in intoleranter Homophobie äußert oder als Sünde gilt. Aber die deutsche Gesellschaft stellt täglich Anforderungen an dich. Es wird von dir erwartet, dich an die Lebensumstände in Deutschland anzupassen und dich in die Gesellschaft zu integrieren. In diesem Prozess kann es zu Spannungen und Konflikten kommen. Identität ist nichts Angeborenes und Unveränderliches sondern etwas, das sich entwickelt und an dem du arbeiten kannst. Und die Bedingungen, unter denen du in Deutschland oftmals lebst, sind andere: Im Unterschied zu Ländern, in denen der Familienverband das einzige soziale Sicherungssystem ist und nur innerhalb des Familiensystems die Hilfestellungen zu erwarten sind, werden in Deutschland Hilfestellungen durch die verschiedenen sozialen und medizinischen Sicherungssysteme garantiert. manCheck Berlin

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Dadurch dass du diese Systeme in Anspruch nimmst, wirst du freier und unabhängiger von der Unterstützung deiner Herkunftsgemeinschaft. Seelische und mentale Gesundheit Im Laufe deines Lebens wirst du hoffentlich die Erfahrung machen, dass du den täglichen Anforderungen gewachsen bist - ein wichtiges Merkmal seelischmentaler Gesundheit. Bewusste Lebenseinstellung Du bist für dein Leben verantwortlich, und diese Verantwortung kann dir niemand abnehmen. Jede Entscheidung, die du triffst, hat bestimmte Konsequenzen. Es sind deine Entscheidungen, deine Gefühle, deine Fähigkeiten, die du einsetzen kannst, um dein Wohlbefinden zu steigern. Die Selbstachtung, das Akzeptieren von sich selbst als Persönlichkeit, nimmt eine wichtige Stellung im Leben eines Menschen ein. Jeder entscheidet für sich selbst darüber, welchen Platz er der Vernunft, der Ehrlichkeit, der persönlichen Integrität in seinem Leben einräumt. Es liegt an dir, ob du deine Ziele erreichst. Was für den einen gut ist, kann für den anderen schlecht sein. Was den einen stärkt, kann für den anderen unangenehm sein. Nimm dir die Zeit, das für dich Beste herauszufinden.

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Stressverminderung: Stress ist einer der wichtigsten Faktoren, die unser Leben beeinflussen. Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Reize der Umwelt. Wenn du dich erschrickst, ärgerst, fürchtest oder auch sehr freust, antwortet der Körper mit einer Stressreaktion. Das Stresshormon Adrenalin wird ausgeschüttet. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt, die Atmung beschleunigt sich, der Hals wird eng, man bekommt kalte oder schweißnasse Hände. Dieser kurzfristige Energieschub ermöglicht dir rasche körperliche und geistige Reaktionen, z.B. in einer akuten Gefahrensituation rasch wegzulaufen. Stress kann auch helfen, wenn du gute Leistungen erbringen musst, z.B. während einer Prüfung. Stress lässt sich nicht vermeiden, denn jeder von uns steht unter Druck. Wir sprechen erst von ungesundem Stress, wenn dieser Druck als Last empfunden wird, wenn das Gleichgewicht zwischen Belastung und Belastbarkeit gestört ist. Stress wird zur Gefahr für die Gesundheit, wenn er über einen längeren Zeitraum anhält. Es können Beschwerden auftreten wie beispielsweise Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verspannungen und Schlafstörungen. Du kannst lernen, mit Stress besser umzugehen, ihn zu vermeiden oder zu verringern und bewusster zu leben. Du kannst Stress durch einfache Übungen und Entspannungstechniken abbauen. Gönn’ Dir Ruhe und Freiräume. Wenn du ein Problem hast, dann such’ dir jemanden, mit dem du darüber reden kannst. Als „richtiger“ Mann kann man auch mal seine Gefühle zeigen. manCheck Berlin

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Wenn die Seele mal aus dem Gleichgewicht gerät: Fortgesetzter Stress kann zu Depressionen und anderen psychischen Störungen führen. Manchmal geht es dir schlecht, du fühlst dich niedergeschlagen, bist ängstlich und traurig. Du kannst dich über nichts mehr freuen, hast kein Interesse mehr an deiner Umgebung, kannst dich um nichts mehr kümmern und willst dich am liebsten nur noch in eine Ecke verkriechen. Kleinigkeiten können dich aus der Fassung bringen und das Leben erscheint dir völlig sinnlos. Die Gefühle können soweit gehen, dass du nicht mehr leben möchtest. Es ist leicht gesagt: „Heute bin ich depressiv, lasst mich in Ruhe!“ Wenn ein solcher Zustand jedoch über einen längeren Zeitraum andauert und deinen Alltag beeinträchtigt, dann solltest du dir Hilfe suchen. Depressionen können unterschiedlichste Ursachen haben und sich in verschiedenen Symptomen äußern: Deine Konzentrationsfähigkeit kann beeinträchtigt sein, dein Denken verlangsamt, die Stimmung kann schwanken von tiefer Betrübnis bis zu Hyperaktivität. Oder du möchtest einfach immer nur schlafen. Jeder Mensch kann zu jeder Zeit an jedem Ort an einer Depression leiden. Wenn du das Gefühl hast, dass dein psychischer Zustand nicht o.k. ist, dann solltest du das mit deinem Hausarzt oder einem Psychotherapeuten besprechen. Wegen einer depressiven Erkrankung solltest du dich nicht schämen. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten, z.B. mit Psychotherapie oder Antidepressiva.

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Diese Medikamente können dir helfen, wieder in deinen normalen Seelenzustand zurückzufinden. Eine solche Behandlung kannst du aktiv mit Entspannungsübungen, Bewegung und gesunder Ernährung unterstützen. Sucht / Abhängigkeiten: Eine Folge von Stress und Depression können auch exzessive Verhaltensweisen sein, um Leere zu kompensieren. Dies kann sich äußern in Machtsucht, Arbeitssucht, Sportsucht, Sexsucht, der Sucht nach Gewalttätigkeit oder eben auch Drogen- und Alkoholsucht. Die Einnahme von Genussmitteln, Medikamenten und Drogen verändert Wahrnehmungen und Empfindungen. Es gibt stimulierende Mittel, bewusstseinserweiternde Mittel, Beruhigungs- und Schlafmittel und Schmerzmittel. Kaffee, Alkohol und Zigaretten sind gesellschaftlich anerkannt und werden kaum noch als Drogen angesehen. Manche Schmerztabletten, Aufputsch- oder Beruhigungsmittel sind in Apotheken frei erhältlich. Andere, vor allem stärkere Mittel, werden nur vom Arzt verschrieben. Der Besitz von harten Drogen wird nach dem Betäubungsmittelgesetz bestraft. Dir wird rational bewusst sein, dass die regelmäßige Einnahme von Drogen zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen kann. Dennoch gehören diese Substanzen häufig zum Lebensalltag dazu, und man möchte nicht wahrhaben, dass es sich um Abhängigkeit und Sucht handelt.

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Vorsicht beim Umgang mit Drogen, vor allem wenn mehrere Substanzen gleichzeitig eingenommen werden! Manche machen dich leichtsinnig und unvorsichtig. Manche führen zu Appetitlosigkeit und können deshalb auf Dauer zu einem ernsthaften Problem werden. Drogen verlangsamen das Reaktionsvermögen und verändern deine Wahrnehmung, Konzentration und Verantwortungsbereitschaft. Sie setzten Aggressionen frei und beeinträchtigen Koordinationsfähigkeit, Sprache und Urteilskraft. Im Übermaß genossen haben sie immer langfristige Folgeschäden bis hin zum Tod. Überprüfe für dich selbst, ob du Drogen einfach nur zum Entspannen benutzt oder aber um Probleme zu vergessen und zu verdrängen? Schaffst du es, auf Drogen zu verzichten oder deinen Drogenkonsum einzuschränken? Vielleicht möchtest du gerne an deinem Umgang mit Drogen etwas ändern, schaffst es aber nicht alleine? Scheue dich nicht, dir Hilfe zu holen und z.B. eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen.

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Körperliche Gesundheit Beobachte deinen Körper und lerne ihn kennen! Stell‘ dich zu Hause einmal auf die Waage: Bist du übergewichtig oder sehr schlank? Wie fühlst du dich: Frierst du häufig, oder ist dir eher immer zu warm? Hast du Schlafstörungen, oder bist du häufig müde und erschöpft und hast Kopfschmerzen? Bist du eher ein ausgeglichener Typ, oder leidest du unter Stimmungsschwankungen, ständiger Nervosität oder Angstzuständen? Wann hast du das letzte Mal deinen Blutdruck messen lassen oder deinen Puls gefühlt? Sorge für ausreichenden Schlaf und dass dein Körper genügend Ruhepausen und Erholung erhält, vor allem wenn du tagsüber oder nachts sehr aktiv bist. Dein Immunsystem, das die Aufgabe hat Krankheitserreger abzuwehren und unschädlich zu machen, wird dir dafür dankbar sein. Denn der menschliche Körper versucht selbst immer wieder seine Balance zu finden. Wenn du länger andauerndes Fieber hast oder sonstige Symptome – steck’ den Kopf nicht in den Sand sondern geh’ zum Arzt – am besten sofort, und nicht erst, wenn es dir wirklich schlecht geht. Selbst wenn du dich nicht krank fühlst, solltest du dich hin und wieder beim Arzt in einer Routineuntersuchung durchchecken lassen, damit eventuelle Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Die Krankenkassen bezahlen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen der Prostata. manCheck Berlin

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Prostata-Krebs ist die zweithäufigste Todesursache bei Männern nach den Herz- und Kreislauferkrankungen. Gesundheit hat ihren Preis, und du scheust vielleicht Ausgaben, die für Arztbesuche erforderlich werden. An deiner Gesundheit solltest du aber nicht sparen, das könnte sich später als Bumerang erweisen. Hygiene: Grundlegende Hygieneregeln einzuhalten ist die einfachste Form, sich vor Krankheitserregern zu schützen. Besonders in Wohnsituationen, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammen wohnen, ist es für die Gesundheit förderlich, regelmäßig Schmutz und Staub zu entfernen, Abfallbehälter häufig zu leeren und die Räume zu lüften. Händewaschen vor der Zubereitung von Mahlzeiten und nach der Benutzung der Toilette sollte selbstverständlich sein. Körperpflege steigert dein Wohlbefinden und trägt dazu bei, dass du gesund bleibst. Aber: Die Verwendung von zu viel Seife und Desinfektionsmitteln kann den Säureschutzmantel der Haut angreifen. Handtücher und Waschlappen sollten nicht mit anderen Menschen geteilt und regelmäßig gewaschen werden. Deine Rasierklingen und auch deine Zahnbürste solltest nur du allein benutzen.

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Ernährung: Um fit und gesund zu bleiben und um Übergewicht zu vermeiden, benötigt der Körper eine ausgewogene Ernährung. Dazu gehören Proteine, Kohlehydrate, Fette, Milch und Milchprodukte, Früchte und Gemüse, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, die man mit den täglichen Mahlzeiten in ausreichender Menge zu sich nehmen sollte. Ballaststoffe fördern die Verdauung. Achte darauf, dass du ausreichend Flüssigkeit zu dir nimmst, empfohlen werden mindestens 1,5–2 Liter Flüssigkeit pro Tag. Die tägliche Menge an Lebensmitteln hängt davon ab, wie aktiv du bist und wie viel Energie du jeden Tag verbrauchst. Sie ist auch abhängig von deinem Alter und davon, ob du gesund bist. Wenn du viel Sport treibst oder harte körperliche Arbeit machst, wird dein Körper mehr Nahrung benötigen, als wenn du in einem Büro arbeitest oder täglich eher wenig Bewegung hast. Es wird empfohlen, eher salzarm zu essen und Gemüse nicht zu lange zu kochen, um die darin enthaltenen Vitamine nicht zu zerstören. Und nicht zuletzt: Mit anderen zu kochen und dann gemeinsam zu essen, gehört zu den schönsten Beschäftigungen, die es gibt.

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Sport und Entspannung: Bewegung und Sport ist für Menschen in allen Altersstufen gesund. Regelmäßige sportliche Betätigung regt den Kreislauf an, stärkt Herz und Muskulatur und versorgt das Blut mit Sauerstoff. Sport hilft Stress und Aggressionen abzubauen und ruhiger und ausgeglichener zu werden. Nicht zuletzt findet man beim Sport leicht Kontakt mit anderen Menschen, oder kann einfach nur der eigenen Langeweile entkommen. Auch durch Entspannungsübungen können die Belastbarkeit des Körpers gesteigert und auf das Nervensystem regulierend Einfluss genommen werden. Hilfreich sind schon täglich eine halbe Stunde rasches Gehen oder Laufen an der frischen Luft, bis du außer Atem bist oder anfängst zu schwitzen. Oder du konzentrierst dich auf deine Atmung und versuchst langsam so tief wie möglich durch die Nase in den Bauch- und Brustbereich einzuatmen. Du kannst die Übungen bei dir zuhause machen oder auch im Freien oder in einem Fitness-Center. Wenn du nie zuvor Sport gemacht hast, solltest du langsam mit dem Training beginnen und deinen Körper nicht überfordern.

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Sexualität: Erfüllte Sexualität ist ein Teil der Gesundheit. Sex trägt dazu bei, dass du körperlich gesund bleibst. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen von gutem, befriedigendem Sex. Jeder hat seine eigenen Vorlieben. Lust ist wichtig, aber auch Neugier, Fantasie, Verliebtheit oder Liebe. Mach’ dir Gedanken über deinen Körper und deine Sexualität, und versuche dir über deine Gefühle und Bedürfnisse klar zu werden. Die sexuelle Orientierung eines jeden Menschen ist ein wichtiger Teil seiner persönlichen Identität. Es gibt heterosexuelle Männer (Männer, die sich nur von Frauen sexuell angezogen fühlen und nur mit Frauen Sex haben); homosexuelle Männer (Männer, die sich nur von Männern sexuell angezogen fühlen und nur mit Männern Sex haben; bisexuelle Männer (die sich von beiden Geschlechtern sexuell angezogen fühlen und mit beiden Geschlechtern Sex haben), aber es ist oft schwierig, die Gefühle und sexuellen Neigungen von Männern in nur drei Kategorien einzuteilen. Es ist bisher nur wenig darüber bekannt, wie sexuelle Orientierungen entstehen. Es ist weder eindeutig geklärt, warum sich jemand heterosexuell orientiert noch konnte bisher genau festgestellt werden, wie eine homosexuelle Orientierung zustande kommt. Für manche Männer gehören Liebe und Sex zusammen, andere Männer halten beides auseinander; es gibt Männer, die hier lieben und dort Sex machen; Männer, die bloßen Sex suchen und sich urplötzlich verlieben - Überraschungen, die Liebe und Sex immer wieder mit sich bringen. manCheck Berlin

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Alle Formen von Beisammensein und Sex sind okay, wenn sie den Beteiligten Spaß machen und sie befriedigen. Dass Homosexualität bei Männern eine krankhafte Perversion oder eine psychische Störung sei, war eine Annahme früherer Zeiten. Heute wissen wir, dass Homosexualität keine Krankheit und keine Sünde ist. Es gibt beim Sex keine „Sünden“, es gibt keinen „richtigen“ oder „falschen“ Sex, keinen „erlaubten“ oder „verbotenen“, keinen „normalen“ oder „perversen“ – solange du deinen Partner oder deine Partnerin nicht zwingst etwas zu tun, was sie nicht möchten. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Sex ist das, was du daraus machst - und jeder macht etwas anderes daraus. Für deine sexuelle Gesundheit bist du selbst verantwortlich. Beim Sex können Krankheitserreger - z.B. Viren und Bakterien - übertragen werden, einige davon sind weniger gefährlich, andere hingegen sehr. Die meisten dieser Krankheitserreger werden durch Blut, Sperma und Vaginalflüssigkeit übertragen. Es ist wichtig, die Risiken zu kennen und sich zu schützen. Der beste Schutz ist, beim Sex ein Kondom zu benutzen.

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Safer Sex Sex ist geil. Sex macht Spaß. Sex ist gesund. Aber es gibt auch sexuell übertragbare Krankheiten. Wie im sonstigen Leben gibt es aber auch beim Sex keine hundertprozentigen Sicherheiten und keinen totalen Schutz. Es liegt an dir, wann und mit wem du welche Risiken eingehen willst. Safer Sex bietet Schutz vor Krankheit und Verhütung vor ungewollter Schwangerschaft in einem. Safer Sex meint Sexualpraktiken, bei denen Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit und Blut nicht in den Körper des Partners oder der Partnerin gelangen. Die Safer-Sex-Regeln schützen dich zuverlässig vor einer Ansteckung mit dem gefährlichen HI-Virus, dem Immunschwächevirus, das Aids verursacht. Sie senken deutlich das Risiko einer Ansteckung mit den meisten sexuell übertragbaren Krankheiten. Sex ist Kommunikation. Sprich über deine Wünsche und Bedürfnisse, aber auch über deine Unsicherheiten und Ängste. So ein Gespräch schafft etwas Verbindendes und Gemeinsames. Du zeigst damit, dass du dir Gedanken über einen verantwortungsvollen Umgang mit deinem Partner oder deiner Partnerin gemacht hast. Safer Sex heißt konkret: - Bei Vaginal- und Analverkehr immer Kondome und wenn erforderlich reichlich fettfreies Gleitmittel benutzen. manCheck Berlin

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Beim Oralsex kein Sperma in den Mund und kein Sperma schlucken.

Kondome haben viele Vorteile: Sie brauchen nur im Bedarfsfall angewandt zu werden. Sie haben keine schädlichen Neben- und Nachwirkungen. Sie sind ein konkurrenzlos preiswerter Lebensschutz. Mit Safer Sex kannst du dich am nächsten Tag noch wohl fühlen, ohne Sorgen und belastende Gefühle. Kondome schützen nur, wenn sie richtig angewendet werden: -

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Öffne die Packung vorsichtig, damit du das Kon dom nicht beschädigst. Achtung: Spitze Fingernägel, Zähne oder andere scharfe oder spitze Gegenstände können Kondome beschädigen. Ziehe die Vorhaut des Penis zurück. Das Kondom wird vor dem Sex soweit wie möglich über den steifen Penis gerollt. Beim Überrollen drückt man das Kondom an der Spitze mit den Fingern zusammen, damit Platz für das Sperma bleibt. Nach dem Orgasmus ziehe den Penis vor dem Erschlaffen heraus. Damit das Kondom nicht abrutscht, solltest du es am Gummiring festhalten. Danach Penis und Hände säubern, damit keine Samen mehr ihm (Nach-) Spiel ist. Jedes Kondom kann nur einmal benutzt werden!

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Kondome und Gleitmittel: -

Kondome gibt es in Automaten (Toiletten von Res taurants, Kneipen, Bars, Diskos), ebenso in Apothe ken, Drogerien, Supermärkten und Sexshops. Benutze nur Kondome, auf deren Packung die Buchstaben „CE“ aufgedruckt sind. Achte auf das Verfallsdatum auf der Kondompa ckung. Benutze keine Kondome, bei denen das Verfallsdatum schon abgelaufen ist. Benutze nur wasserlösliche Gleitmittel, du erhältst sie ebenfalls in Apotheken, Drogerien und Sex shops. Bei fetthaltigen Gleitmitteln können Kondome durchlässig werden.

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Sexuell übertragbare Krankheiten Sexuell übertragbare Krankheiten (STDs, vom Englischen: Sexually Transmitted Diseases) können beim Sex weitergegeben werden. Grundsätzlich kann jede Art von Sex ein Ansteckungsrisiko bedeuten, manchmal reicht schon der einfache Körperkontakt für eine Ansteckung. Es kann sein, dass du infiziert bist, und ohne es zu wissen die Infektion an deinen Partner oder deine Partnerin weitergibst. Vorbeugung: Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, einer Ansteckung mit einer STD vorzubeugen: -

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Gegen Hepatitis A und B kannst du dich impfen lassen. Das Einhalten der Safer-Sex-Regeln verringert nicht nur das Risiko einer HIV-Infektion, sondern auch das Risiko, sich mit einigen der anderen STDs anzustecken – aber bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Wenn du Rötungen oder entzündliche Hautverän derungen bei dir oder bei deinem Sexualpartner beobachtest, solltest du die betroffenen Hautpartien meiden.

Ansonsten gilt, was in den Abschnitten über Hygiene, Ernährung und Sport beschrieben wurde: Denn ein starkes Immunsystem kann sich gegen Erreger besser schützen.

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Erkennung: Manche STDs haben keine direkten Symptome. Es gibt mehrere Anzeichen, die auf eine STD hindeuten. Dazu gehören: -

Ausfluss aus dem Penis oder dem Hintern; Schmerzen, Rötungen oder weiße Beläge im Mund, auf dem Penis, an den Hoden oder am Hintern; Brennen beim Wasserlassen; Offene Geschwüre, die sich an den Infektionsstellen, aber auch am ganzen Körper befinden können; Juckreiz an den Schamhaaren oder an anderen behaarten Körperstellen; Ungewöhnliche Hautausschläge.

Das Auftreten solcher Symptome muss nicht in jedem Fall ein Zeichen einer sexuell übertragbaren Krankheit sein. Aber wenn du diese Anzeichen beobachtest, suche einen Arzt auf, damit die Ursache für die Krankheitsbilder abgeklärt und gegebenenfalls die notwendige Behandlung eingeleitet werden kann. Sexuell übertragbare Krankheiten sind häufiger als du denkst. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu empfehlen. Verhältnis zu deinem Arzt: Zur Behandlung einer STD kannst du entweder zu deinem Hausarzt gehen oder zu einem Facharzt, z.B. einem Dermatologen oder einem Urologen. Du kannst einen Termin ausmachen, oder auch direkt in die Sprechstunde gehen. manCheck Berlin

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Dein behandelnder Arzt wird dich völlig vertraulich behandeln. Keiner wird von deiner Krankheit oder deinen sexuellen Aktivitäten etwas erfahren: Nicht deine Familie und auch nicht deine Freunde. Die Informationen werden ohne deine Zustimmung die Arztpraxis nicht verlassen. Ärzte haben Schweigepflicht. Bei manchen STDs ist es jedoch ratsam, dass von dir auch deine Sexualpartnerin oder dein Sexualpartner von einer Diagnose informiert wird und sich auch untersuchen und gegebenenfalls mitbehandeln lässt. Versuch’ im Kontakt mit deinem Arzt so aufrichtig wie nur möglich zu sein. Du hilfst deinem Arzt dadurch, dir möglichst konkrete Ratschläge und Anweisungen zu geben. Du solltest einen Arzt haben, dem du dein völliges Vertrauen schenken kannst. Und wenn du tatsächlich unzufrieden sein solltest mit der Art wie du behandelt wirst, dann kannst du immer noch den Arzt wechseln und dir einen anderen suchen. Behandlung: Die gute Nachricht ist, dass die meisten STDs behandelbar sind, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Du kannst also vollständig geheilt werden. Bakterielle Infektionen, wie z.B. Tripper oder Syphilis, lassen sich mit Antibiotika therapieren. Infektionen mit Viren, wie z.B. die HIV-Infektion oder die Infektion mit dem HepatitisVirus, sind vergleichsweise komplizierter und nebenwirkungsreicher. Viren können nicht mehr aus dem Körper entfernt werden, es können lediglich Krankheitssymptome unter Kontrolle gehalten und abgemildert werden.

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Je früher eine STD erkannt wird, umso einfacher ist die Behandlung. Wenn sie nicht behandelt wird, können sich die Erreger in deinem Körper „verstecken“ und die Erkrankung kann chronisch, und damit schwerer behandelbar werden. Einzelne STDs, wie z.B. die Syphilis, durchlaufen verschiedene Stadien, so dass nach Abklingen der ersten Krankheitszeichen die Krankheit später, teilweise auch noch nach Jahren, wieder ausbrechen kann. Durch Viren verursachte Krankheiten: HIV-Erkrankung / Aids: Erkrankung des körpereigenen Abwehrsystems, ausgelöst durch das menschliche Immunschwächevirus HIV. Übertragung: Blut und Sperma von HIV-Infizierten enthalten das Virus in hoher, Scheidenflüssigkeit und Muttermilch in geringerer Konzentration. HIV kann übertragen werden, wenn eine dieser Körperflüssigkeiten in die Blutbahn eines nichtinfizierten Menschen gelangt. Ansteckung ist daher möglich beim Vaginal- und Analverkehr, aber auch beim Oralsex, wenn Sperma in den Mund gelangt. HIV-infizierte Frauen können das Virus während der Schwangerschaft, während der Geburt und beim Stillen auf das Kind übertragen. Sehr hoch ist das Infektionsrisiko, wenn beim Drogengebrauch Spritzen gemeinsam benutzt werden. HIV wird in Alltagssituationen nicht übertragen.

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Krankheitsbilder: Zunächst verläuft eine HIV-Infektion meist ohne Krankheitszeichen. Mit der Zeit beginnt das Virus jedoch, das Abwehrsystem zu schwächen. Verschiedene Krankheitserreger, mit denen ein intaktes Abwehrsystem leicht fertig wird, können sich ausbreiten und zu schweren Erkrankungen führen. Zum Krankheitsbild Aids gehören verschiedene Infektionskrankheiten, z.B. eine besondere Form der Lungenentzündung, sowie Tumoren und Allergien, die, wenn sie nicht behandelt werden, zum Tode führen können. Diagnose / Behandlung: Eine Infektion mit HIV lässt sich durch den HIV-Antikörpertest („Aids-Test“) nachweisen. Nach einer Infektion dauert es etwa drei Monate, bis HIV-Antikörper nachgewiesen werden können. Ein positives Testergebnis bedeutet, dass eine Infektion stattgefunden hat. Ein Testergebnis ist negativ, wenn keine HIV-Antikörper festgestellt werden. Ein positives Ergebnis sagt nichts aus, wann oder wie sich jemand mit HIV angesteckt hat. Er sagt auch nichts aus, ob oder wann jemand an Aids erkrankt. Der Test kann nicht vor einer Ansteckung mit HIV schützen. Behandlung: Bisher gibt es kein Medikament, mit dem man eine HIV-Infektion heilen kann. Es gibt aber immer bessere Behandlungsmöglichkeiten. Wer HIV-infiziert ist, bleibt lebenslang für andere ansteckend. Vorbeugung: Das einzig wirksame Mittel gegen eine HIV-Infektion ist Vorbeugung, z.B. durch das Benutzen von Kondomen beim Sex.

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-Hepatitis A, B und C: Viruserkrankung der Leber, ausgelöst durch Hepatitis-Viren. Übertragungswege: Hepatitis A wird übertragen durch Lebensmittel und Trinkwasser. Das Virus befindet sich auch im Stuhl und kann so bei anal-oralem Sex übertragen werden. Hepatitis B: Das Virus findet sich in fast allen Körperflüssigkeiten, in Blut, Sperma und Speichel. Es ist sehr viel leichter übertragbar als etwa das HIV. Übertragung bei Vaginal-, Anal- und Oralverkehr, durch Blut-BlutKontakt (z.B. durch gemeinsam benutzte Spritzen beim Drogengebrauch), während der Schwangerschaft und der Geburt. Hepatitis C: Übertragung durch Blut-Blut-Kontakte. Krankheitsbilder: Der Verlauf ist unterschiedlich schwer. Zu den Symptomen gehören Grippegefühl, Müdigkeit, leichtes Fieber, Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel (z.B. Fett, Alkohol), bei manchen Menschen färbt sich der Urin dunkel und der Stuhl wird grau-weiß, die Haut und das Augenweiß verfärben sich gelb. Diagnose / Behandlung: Der Nachweis einer Infektion erfolgt über eine Blutuntersuchung. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Im Akutstadium Ruhe und Alkoholverbot. Die Hepatitis A heilt vollständig aus. Die Hepatitis B und besonders die Hepatitis C können aber auch chronisch werden. In diesem Fall treten immer wieder Symptome auf, der Betreffende kann lebenslang für andere ansteckend bleiben und an den Spätfolgen – Leberzirrhose und Leberkrebs – sterben. manCheck Berlin

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Vorbeugung: Vor Hepatitis A und B kannst du dich mit einer Schutzimpfung schützen. Kondome verringern das Ansteckungsrisiko mit dem Hepatitis-C-Virus. - Herpes: Viruserkrankung verursacht durch das Herpes-Virus. Übertragungswege: Herpes im Genital- und Analbereich wird, ebenso wie der Herpes am Mund, durch direkten Hautkontakt mit den Herpesbläschen und durch Schmierinfektionen übertragen. Krankheitsbilder: Zuerst Juckreiz im Genital- und Analbereich bzw. um den Mund herum, kurz danach entwickeln sich Bläschen, die Lymphknoten können anschwellen. Behandlung: Behandelt wird mit virushemmenden Salben oder Tabletten. Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich. Vorbeugung: Kondome können das Ansteckungsrisiko etwas verringern. Ein absolut sicherer Schutz ist nicht möglich. Du solltest den direkten Kontakt mit sichtbaren Bläschen vermeiden. - Feigwarzen bzw. Genitalwarzen: Viruserkrankung verursacht durch das Papillomavirus. Übertragungswege: Durch Vaginal- und Analverkehr, durch direkte Übertragung und Schmierinfektion Krankheitsbilder: Kleine Warzen am Penis oder Anus. Unbehandelt werden sie immer größer.

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Behandlung: Nötig ist mehrmaliges Behandeln durch Vereisen oder Ausbrennen. Der Sexualpartner sollte mitbehandelt werden. Vorbeugung: Kondome verringern das Ansteckungsrisiko. Durch Bakterien verursachte STDs - Syphilis: Bakterielle Infektion mit dem SyphilisErreger Treponema – pallidum. Übertragungswege: Beim Vaginal-, Anal- und Oralverkehr, durch Kontakt mit dem Syphiliserreger oder durch Schmierinfektion. Krankheitsbilder: 3 bis 6 Wochen nach der Infektion treten an den Genitalien und/oder am Anus Geschwüre auf, die meist nicht schmerzen und von selbst wieder verschwinden (Stadium 1). Ohne Behandlung kommt es einige Monate später zu juckenden Hautausschlägen (Stadium 2). Wenn die Syphilis dann nicht behandelt wird, verursachen die Syphiliserreger nach mehreren Jahren ernste Schäden im Gehirn, Wirbelsäule und Nervensystem, die zum Tode führen können (Stadium 3). Diagnose / Behandlung: Der Erreger wird durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen. Der Sexualpartner sollte mitbehandelt werden. Behandelt wird mit Antibiotika. manCheck Berlin

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Vorbeugung: Kondome verringern das Ansteckungsrisiko. - Gonorrhöe („Tripper“): Bakterielle Infektion mit Gonokokken. Übertragungswege: Beim Vaginal-, Anal- und Oralverkehr und bei oral-analem Sex, durch direkten Kontakt mit dem Bakteriensekret. Krankheitsbilder: 2 bis 10 Tage nach der Infektion treten Symptome auf. Genitaltripper verursacht eitrigen Ausfluss aus dem Penis und Brennen beim Wasserlassen. Analtripper macht sich bemerkbar durch Jucken am Anus sowie Blut oder Schleim im Stuhl. Mundtripper zeigt sich durch Belag im Mund oder Rachen. Wird Tripper zu spät behandelt, kann er zu Zeugungsunfähigkeit führen. Diagnose / Behandlung: Behandelt wird mit Antibiotika. Der Sexualpartner sollte mitbehandelt werden. Vorbeugung: Kondome verringern das Ansteckungsrisiko. - Chlamydien: Infektion mit bakterienähnlichen Mikroben. Übertragungswege: Beim Vaginal-, Anal- und Oralverkehr, durch direkten Kontakt mit dem Erreger. Krankheitsbilder: Chlamydien können zu einer Entzündung der Harnröhre führen. Manchmal kommt es zu Schmerzen beim Wasserlassen und zu Ausfluss aus dem Penis.

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Wird eine Chlamydien-Infektion zu spät behandelt, kann sie zu Zeugungsunfähigkeit führen. Diagnose / Behandlung: Behandelt wird mit Antibiotika. Der Sexualpartner sollte mitbehandelt werden. Vorbeugung: Am besten schützen Kondome.

Durch Pilze und andere Erreger verursachte Krankheiten Pilze treten im Mund und im Genital- oder Analbereich auf. Sie können beim Vaginal-, Anal- und Oralverkehr übertragen werden. Pilze zeigen sich als weißer Belag im Mund oder als rötliche, juckende Stellen im Genitalund Analbereich. Sie können mit Salben oder Tabletten behandelt werden, der Sexualpartner sollte jedoch mitbehandelt werden. Trichomonaden sind Parasiten, die beim Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr übertragen werden können. Eine Infektion mit Trichomonaden kann zu einer Entzündung der Harnwege führen, die sich durch Schmerzen beim Wasserlassen und Ausfluss aus dem Penis bemerkbar macht. Sie können mit Antibiotika behandelt werden, der Sexualpartner sollte jedoch mitbehandelt werden.

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Krätze ist eine durch Krätzemilben verursachte Infektionskrankheit. Sie werden durch engen Hautkontakt übertragen. Typisch für die Infektion sind stark juckende rote Flecken, vor allem zwischen den Fingern, aber auch an anderen Körperstellen. Bettwäsche und Kleidung werden mit chemischen Mitteln gereinigt. Behandelt wird mit krätzemilben-abtötenden Mitteln. Sexualpartner sollten mitbehandelt werden. Filzläuse nisten sich in den Schamhaaren des Genitalund Analbereichs ein. Die Bisse der Läuse verursachen Juckreiz, Hautflecken und kleine Blutungen. Neben laustötenden Mitteln ist eine gründliche Reinigung der Bettwäsche und der Kleidung notwendig. Sexualpartner sollten mitbehandelt werden.

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