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SCHWEDEN

IrgendwoZwischen den Wegen

DÄNEMARK

Hamburg

Berlin

Deutschland

SLOWAKEI München

ÖSTERREICH UNGARN SLOWENIEN

SERBIEN

BULGARIEN Mazedonien

Istanbul

Ankara Griechenland Türkei

Athen

Urfa

Izmir Kalymnos

Aleppo

Bodrum Latakia

LIBANON Beirut


ISBN 978-3-00-058350-6


Inhalt Danksagungen...........................................................................................................................................................................................................5 Einklang - Kompass zum Lesen dieses Buches.................................................................................................................................................6 Unterwegs in Pankow..............................................................................................................................................................................................8 Von Unterwegs 2014 zu Unterwegs 2017....................................................................................................................................................... 17 Das sind wir - Irgendwann.................................................................................................................................................................................... 20 Fragmente................................................................................................................................................................................................................. 22 Ein archetypischer Blick........................................................................................................................................................................................ 24 Meer........................................................................................................................................................................................................................... 26 Reise........................................................................................................................................................................................................................... 28 Masken....................................................................................................................................................................................................................... 34 Angst.......................................................................................................................................................................................................................... 40 Tod und Verluste..................................................................................................................................................................................................... 44 Träume....................................................................................................................................................................................................................... 48 Aus der Vergangenheit Kraft schöpfen............................................................................................................................................................ 54 Zurückkommen zum Spiel.................................................................................................................................................................................... 58 Und zu der Schönheit............................................................................................................................................................................................ 60 Ausklänge.................................................................................................................................................................................................................. 64 Projektteilnehmerinnen und Projektteilnehmer............................................................................................................................................ 66


Danksagungen U

nser größtes Dankeschön geht an alle 30 jungen Menschen aus 17 verschiedenen Herkunftsländern, die sich darauf eingelassen haben, in diesen beiden Projekten kreativ mitzuwirken: Abdullah, Abigail, Abudi, Amir, Andrea, Ayham, Bahaa, Cabdiqaadir, Fatima, Fatma, Ferdows, Felin, Hadi, Hamody, Jana, Marem, Maya, Mubera, Nafisatu, Negar, Ngoc Mai, Nyan, Ismail, Omar, Omid, Saif, Samnang Riddh, Sawin, Shadi, Tasnim. Sie haben nachgedacht, gemalt, geschrieben, erzählt, gebastelt, diskutiert, geholfen, geweint und gelacht, sie haben ihre Freizeit geopfert, sie haben sich fotografieren und filmen lassen, sie haben selbst gefilmt und fotografiert, sich geöffnet und uns erlaubt, einen Einblick in ihr inneres Leben und ein Licht auf ihre persönlichen Geschichten zu werfen. Sie alle waren SchülerInnen, die in Willkommensklassen in zwei Pankower Schulen gegangen sind: der Tesla Schule in Prenzlauer Berg und dem Primo Levi Gymnasium in Weißensee. Beiden Schulen und besonders den Lehrern Lothar Knauf und Guido Siegel herzlichen Dank! Wir danken der Lehrerin und Fotografin Anne Bollwahn ganz besonders, dass sie uns erlaubt, die von ihr gemachten Portraitfotos hier nochmals zu veröffentlichen. Wir danken dem Bezirksamt Pankow und der Integrationsbeauftragten des Bezirks Pankow, Katarina Niewiedzial, die beide Projekte kontinuierlich und mit viel Enthusiasmus unterstützte. Gefördert

wurden die Projekte durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Toleranz fördern Kompetenz stärken“ (2014) und durch das Land Berlin im Rahmen des Masterplans Integration und Sicherheit (2017). Herzlichen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen!

Muchisimas gracias an die MitgliederInnen und den Vorstand von MaMis en Movimiento e.V.und insbesondere an die Koordinatorin Marita Orbegoso, die von Anfang an hinter der Idee dieser Projekte stand und das Thema „Geflüchtete“ mit in den Migrantenverein brachte, da auch sie sieht, dass gerade MigrantInnen eine gute Brücke sein können zwischen den deutschen „Ureinwohnern“ und den „Neuankömmlingen“. Queta Hahn von MaMis en Movimiento e.V. verdient einen besonderen Applaus, da sie hervorragend die Finanzen im Blick behielt und uns dadurch beflügelte. José Joaquín Ovalle opferte oft seine Freizeit um die Ausstellung UNTERWEGS auf- und abzubauen und stand uns in tausend anderen wichtigen Angelegenheiten verschiedenster Art stets tatkrätig zur Seite. Muchas gracias ! Herzlichsten Dank an alle für unser unvergessliches gemeinsames Abenteuer!

Jennifer Herbst und Bianca Monroy

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Einklang - Kompass zum Lesen dieses Buches

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ieses Buch ist keine wissenschaftliche Arbeit, kein Bericht, kein Ratgeber, keine Tagebuchaufzeichnung, keine Biografie. Es ist auch kein Roman, kein Gedichtband, keine Sammlung von Briefen und kein Buch voller großer Kunstwerke oder philosophischer Texte. Vor allem hat es nicht den Anspruch, auf akademische Art irgendetwas zu belegen oder zu analysieren. Es ist ein künstlerisches und persönliches Buch, das vielleicht etwas anders ist als viele Bücher. Es ist eventuell auch ein Buch, das nicht alle Menschen, die es in den Händen halten, sofort verstehen werden, es ist in der Hinsicht vielleicht sogar ein herausforderndes Buch. Auf jeden Fall ist es ein Buch mit Herz. Ein Buch, das aus Beobachtungen, Überzeugungen und Emotionen heraus entstanden ist. Es ist ein Buch, in dessen Mitte ihr eine DVD finden werdet mit einem Dokumentarfilm, dem Film DAS SIND WIR – IRGENDWANN. Dieser Film ist Teil des Buches, kann aber auch ohne das Buch verstanden werden. Auf die Worte „irgendwann“ und „irgendwo“ sind wir gegen Ende dieses Projektes gestoßen, weil es zwei Worte sind, die die ProjektteilnehmerInnen immer wieder benutzen und weil sie – zusammen mit „Zwischen den Wegen“ und „Das sind wir“ den universellen Geist dieser beiden Werke ausdrücken. Dieses Buch ist das Ergebnis einer organischen Entwicklung. Es ist entstanden aus den Trouvaille der Projektleiterinnen und Projektmitarbeiterinnen, den Arbeiten der ProjektteilnehmerInnen und der Suche nach einem Format, das so loyal wie möglich den Reichtum der Welt – mal verheißungsvoll, mal schmerzlich – junger Geflüchteter und MigrantInnen in Berlin widerspiegeln sollte. Deshalb befolgt das Buch keine lineale narrative Struktur, sondern es nimmt eher die Metapher von Flashs oder Fragmenten als Ausgangspunkt. Die Erzählung ergibt sich aus einer persönlichen Perspektive, durch Fotos, kleine poetische Texte, Sätze, Worte oder kurze Geschichten. Im ersten Teil des Buches werden Portraitfotos und Texte festgehalten, die eine Wanderausstellung des Projektes „Unterwegs zu einer Willkommenskultur mit neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen“

im Jahr 2014 waren. Jetzt, fast drei Jahre später, arbeiteten wir audiovisuell mit einigen dieser abgebildeten Jugendlichen, woraus der Film DAS SIND WIR – IRGENDWANN entstand. Zwischen März und Juni 2017 arbeiteten wir künstlerisch mit einer Berliner Willkommensklasse, um verschiedene komplexe Themen symbolisch widerzuspiegeln, die wegen hoher emotionaler Intensität zu schwer sind, um mündlich ausgedrückt zu werden. Letztendlich sind die Struktur des zweiten Teils des Buches und die Überschriften der Kapitel die Folge einer qualitativen Analyse der Resultate mit folgenden Kategorien: Meer, Reise, Angst, Tod und Verlust, Träume, Aus der Vergangenheit Kraft schöpfen, Zurückkommen zum Spiel und zu der Schönheit. Das Buch schließt mit einem Kapitel ab, in welchem einige Reflexionen des Projektteams festgehalten werden. Außerdem umfassen diese Werke Beiträge von fünf Frauen, die selbst erlebt haben, was es bedeutet in eine andere oder mehrere andere Kulturen einzudringen und aus dieser Erfahrung gestärkt und bereichert hervorzugehen. Jennifer Herbst, studierte Moderne Sprachen (Spanisch und Italienisch) in Oxford und hat einen Master in Globalisierung und Entwicklungspolitik der Universität London. Sie ist seit fünf Jahren Willkommensklassenlehrerin in Berlin, nachdem sie viele Jahre an chilenischen Universitäten zu den Themen Menschenrechte, Erinnerung und Sozialpolitik arbeitete. Sie hat einen deutschen Pass, lebte aber von 1984 bis 2012 ausschließlich in Italien, England und Chile und fühlt sich somit in mehreren Ländern und Sprachen zuhause. Bianca Monroy, aus Mexiko, Bildende Künstlerin, Muralistin und Kulturmanagerin. Als Tochter einer italienischen Mutter wuchs sie in einer kleinen mexikanischen Stadt, die stark von Geschichten aus einer damals sehr anderen, fernen Welt geprägt war, auf. Sie lebt seit 10 Jahren in Berlin und die Themen, die sie faszinieren und auf die sie sowohl ihre künstlerische als auch ihre freiwillige soziale Arbeit basiert, sind das Suchen nach Identität, Migration und Kulturelle Vielfalt. Ausstellungen ihrer


Kunstwerke sind u.a. in Mexiko, Italien, Frankreich und Deutschland zu sehen. Daniellis Hernández aus Kuba, afrokaribische Dokumentarfilmemacherin und Soziologin ist audiovisuelle Künstlerin, die sich besonders der Rechte von geflüchteten Frauen verschrieben hat und sich selbst vor allem als „Artevista“ sieht, also einer künstlerischen Aktivistin. Marvi Méndez aus Venezuela, Klinische Psychologin, Spezialistin in Psychotherapie und mit einem Master in Kunstästhetik, weiß seit mehr als einem Jahrzehnt, was es bedeutet, in verschiedenen Ländern Lateinamerikas und Europas zu leben. Heute nutzt sie diese Erfahrung, um in Berlin mit dem Thema Migration zu arbeiten. Karina Villavicencio aus Argentinien ist Visuelle Künstlerin, die sich transdisziplinär von dekolonialen Theorien und Feminismus inspirieren lässt. Sie studierte Malerei in Cordoba, Argentinien und lebte und studierte dann viele Jahre in Frankreich wo sie auch einen Master für Forschung im Bereich Kunsttheorie und Kunstpraktiken absolvierte. Sie arbeitet vor allem mit Performance aus einer Gender- und Migrationsperspektive. Zusammen mit Marvi Méndez entwarf sie dieses Buch konzeptionell und war verantwortlich für die künstlerische Gestaltung. Wir hoffen, dass dieses Buch und dieser Film dazu beitragen, weniger offensichtliche Dimensionen zu zeigen über die Erfahrung Jugendlicher, die ihre Heimatländer verlassen mussten oder wollten und absichtlich oder zufällig hier in Berlin gelandet sind. Wir wünschen uns, dass viele Menschen dazu inspiriert werden sich dem Reichtum junger Menschen wie diesen zu nähern und zu erkennen, wie sie uns alle bereichern können und dass sie momentan Geschichte machen.

Marvi Méndez und Jennifer Herbst

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Unterwegs in Pankow 8

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iese Fotos und Texte bildeten die Fotoausstellung „Unterwegs in Pankow“, welche Teil des Projektes „Partizipation in Pankow – Unterwegs zu einer Willkommenskultur mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen“ (2014) war. Portraitiert werden junge Menschen, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oder gemeinsam mit ihren Familien seit 2012 oder 2013 in Berlin leben und gerade eine Willkommensklasse beendet hatten. Die Fotografin Anne Bollwahn arbeitete im Oktober und November 2014 mit den abgebildeten Jugendlichen und entschied gemeinsam mit ihnen, welches Bild in einer öffentlichen Fotoausstellung präsentiert werden sollte. Damals ging es vor allem darum, diese WillkommensklassenschülerInnen mit ihren Talenten und Stärken sichtbar zu machen. Des Weiteren verfassten die Jugendlichen unter Anleitung von Jennifer Herbst einen kurzen Text zu ihrem Bild, wobei

sie folgende Frage inspirieren sollte:„Was möchtest du den Menschen, die die Ausstellung besuchen und dein Bild sehen, mitteilen?“ Die SchülerInnen selbst bestimmten Thema, Form, Worte und Sprache für ihren Text. In der Fotoausstellung waren die Texte von Omar und Ismail auf Spanisch, der Text von Mubera auf Bosnisch und der Text von Abigail auf Englisch. Damit sollte der Betrachter in die Lage versetzt werden, „nicht alles sofort zu verstehen“, so wie die Jugendlichen selbst, als sie ohne Deutschkenntnisse in diesem Land ankamen. Interessant war es damals zu beobachten, dass einige Jugendliche sich eindeutig gegen eine Veröffentlichung ihrer Texte in ihrer Muttersprache aussprachen. Für dieses Buch haben wir die Texte überarbeitet und nur die deutsche Übersetzung beibehalten. Da Abigail allerdings 2014 ihren Text nur auf Englisch kommunizieren wollte, beschlossen wir ihn auch hier so zu belassen.

From “grass to grace” is the story of my life. The kind of life I am leading now is not the kind of life I was leading in Nigeria. There I was kind of locked up, everything felt tight, I could not express my gifts, unfold my talents. I felt empty and uninspired. I just went to school and went back home every day and I did not know who I was. If somebody had told me then that one day I would be able to reach the hearts of people through my singing, I would not have believed them. My journey to grace is connected with coming to Germany. Here I discovered that I am not just an ordinary girl but a girl filled with inspiration and energy. I am blessed. I believe in God so much and I bless his name for all he is doing in my life. I will always be a blessing to everyone on earth. Music is my inspiration. Music heals the body, music makes me forget about the worries in life, through music I reach the heart of people, music heals the broken hearted, music connects, music makes me feel I am somebody. For me, music, God, my family and my studies is all I need in life. Through music and God I have been elevated from a nobody to a somebody. Abigail. 16 Jahre. Nigeria


In meinem Leben hatte ich viele glückliche Tage. Mir kommt es vor, als sei jeder Tag ein glücklicher Tag gewesen, jeder Tag trug etwas Besonderes mit sich. Bis sich eines Tages alles veränderte. Es war der Tag, an dem ich mein Land verließ. Noch ein Jahr bis zum Abitur, noch ein Jahr bis zum Abschlussball. Das sollte einfach sein? Ich verließ an dem Tag nicht nur Bosnien sondern auch meine Freunde, meine Träume, meine Ziele, meine Zukunft. Es begannen die schlechten Tage... die hörten nicht mehr auf. Jeder kommende Tag brachte nur Traurigkeit. Aber es hält mich trotzdem etwas am Leben, etwas gibt mir noch Kraft. Ich weiß selbst nicht, was. Ist es die Hoffnung, daß bessere Tage kommen? Sind es die Menschen, die trotz allem zu mir halten? Sind es mein Trotz und mein Stolz, die mir erlauben meine Traurigkeit zu vergessen? Oder habe ich nur gelernt damit zu leben? Vielleicht... wer weiß... Mubera. 19 Jahre. Bosnien

Teil der Geschichte eines afrikanischen Mädchens ist fast immer Genitalverstümmelung und Zwangsehe. Als das Mädchen mit 13 Jahren ihren fast 60 Jahre alten Bräutigam heiraten sollte, sagte dieser, dass sie nochmal beschnitten werden müsse, weil sie mit vier Jahren nicht „richtig“ beschnitten worden war. Doch das Mädchen hatte den Schmerz noch nicht vergessen, sie erinnerte sich, wie doll es wehgetan hatte und wollte es deshalb nicht nochmal machen lassen. Aber sie hatte keine Wahl. Der Mann sagte „Du musst eine Burka anziehen und dich nochmals beschneiden lassen.“ Die Eltern des Mädchens hielten zu dem Mann. Sie hatte niemanden, der sie unterstützte, verteidigte, auffing, sie war in der Schwebe, im Nichts, ganz allein. Am Hochzeitstag trug sie ein weißes Kleid und hatte einen roten Regenschirm in der Hand. Der rote Regenschirm war geschmückt mit Geldscheinen, dies sollte Glück bringen. Maya. 18 Jahre. Guinea


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Ich war 15 Jahre alt, als sich am 26. Juli 2013 in Deutschland ankam. Nach drei Monaten machte ich eine schreckliche Erfahrung. Eine Frau in der Justiz sagte mir einfach so: „Du bist nicht 15, du musst zum Charité Krankenhaus, du musst dich untersuchen lassen.“ Nach einem Monat bekam ich Post von ihr. Mit meiner Betreuerin musste ich zur Altersfesttstellung in die Charité. Aber das sah nicht aus wie ein Krankenhaus, ich sah keine anderen Patienten sondern nur einen Raum voller anderer junger Männer aus Afrika und Asien. Als ich reinkam, wurde ich sofort fotografiert ohne gefragt zu werden, ob ich das wollte. Dann musste ich in ein Zimmer und da musste ich mich vollständig vor drei Personen ausziehen. Ein Mann mit Arztkleidung schaute ob ich Haare auf der Brust und unter den Armen hatte, kontrollierte mein Gesicht nach Bartstoppeln und schaute mir in den Mund. Es war schrecklich, die Menschen hatten keinen Respekt vor mir und ich hatte große Angst, dass sie mich foltern würden. Es gab keinen Dolmetscher und ich verstand gar nicht, was sie von mir wollten. Es war als sei ich nur ein Objekt für ein Projekt. Dann musste ich noch meine Zähne röntgen lassen. Nach zwei Monaten bekam ich den schrecklichen Brief in dem stand „Du bist über 21 Jahre alt“. Meine Betreuerin und ich überlegten was wir machen können und weil ich wusste, dass ich nicht so alt war, beschlossen wir, dass ich irgendwie meine Geburtsurkunde beschaffen musste. Ich kontaktierte einen somalischen Bekannten in Mogadischu, um ihn zu bitten in mein Dorf Kamsumma zu gehen, um meine Mutter zu finden. Ich wusste, meine Mutter hatte meine Geburtsurkunde. Der Bekannte hat niemanden aus meiner Familie in meinem Dorf gefunden, er ging zurück nach Mogadischu und ging dort zum Bürgeramt um eine neue Geburtsurkunde anzufordern. Im Bürgeramt sagten sie, wenn er wolle, dass die Geburtsurkunde gefunden würde, müsse er 100 EUR zahlen und zwei Wochen warten. Ich habe also die 100 EUR meinem Bekannten geschickt und das Amt hat die Geburtsurkunde gefunden. Wir bekamen sie per Email. Wir haben sie ausgedruckt und der Ausländerbehörde geschickt, aber die Ausländerbehörde sagte zu mir: „Sie müssen persönlich mit nach Brüssel zur somalischen Botschaft gehen, um die Urkunde beglaubigen zu lassen, wir wissen ja nicht, ob sie echt ist“. Das Problem ist, ich kann ja nicht nach Belgien fahren weil ich mich ja nur in Deutschland frei bewegen darf. Wir haben dem Jugendamt von meiner Situation erzählt aber die Frau vom Jugendamt sagte „tun Sie, was die Ausländerbehörde sagt“. Ich fühle mich jetzt total hilflos, ich weiß, dass ich 16 bin, aber auf meiner Aufenthaltsgestattung, die nur bis zum 03.02.2015 gültig ist, steht, dass ich am 01.07.1993 geboren bin. Ich weiß aber, dass ich am 08.09.1998 geboren bin. Ab dem 01.02.2015 bekomme ich keine Jugendamthilfe mehr und deshalb muss ich aus meiner Jugendamt WG Wohnung raus. Ich habe noch keine Ahnung, was dann mit mir ist. Cabdiqaadir. 16 Jahre. Somalia


Ich fühle mich wie ein “multikulti” Junge, weil ich in Senegal geboren bin, meine Mutter kommt aber aus Gambia. Seit ich klein bin, spreche ich Mandinka und Französisch, dann kam ich nach Europa und hier lernte ich Spanisch und Katalanisch und jetzt Deutsch. Überall, wo ich war, habe ich Freundschaften geschlossen, ich hatte Freunde, die wie Brüder waren, und deshalb ist Freundschaft so wichtig. Für uns, die wir von einem Platz zum anderen ohne Familie reisen, sind Freundschaften unentbehrlich. Freunde sind Personen, die immer da sind, die dich lieben. Vor allem aber lassen sie dich fühlen als ob du mit der Familie wärst, weil ein Freund dir in den schlechten Momenten deines Lebens hilft und mit dir zusammen in den guten Momenten lacht. Eine Person ohne Freunde ist wie eine Wüste. Freunde sind die Familie, die man wählt. Freundschaft ist dieses Gefühl von Wohlwollen und Zuneigung. Momentan vermisse ich diese Freunde, die ich in anderen Ländern hatte, sehr, diese Freunde, die wie größere Brüder sind und die mich in den guten und schlechten Momenten unterstützten. Zum Glück gibt es die sozialen Netzwerke und mein Wunsch ist, sie wiederzutreffen irgendwo im Universum. Ismail. 18 Jahre. Senegal


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Ich komme aus Vietnam, dort lebte ich mit meinem Vater, meinem Bruder und mit meinen Großeltern in Hai Duong Stadt. Hier in Berlin Pankow wohne ich mit meiner Mutter, meinem Stiefvater und meinem kleinen Bruder Alexander. Meine Schule in Vietnam war sehr groß, dort waren über tausend Schüler und es gab viele Schülerclubs. Ich war im Tanzclub. In Berlin ist meine Schule sehr cool. An meinem ersten Tag in Deutschland war ich sehr niedergeschlagen. Bald habe ich gesehen, dass es viele schöne Dinge gibt aber als allererstes musste ich Deutsch lernen. Ich war ein Jahr lang in der Willkommensklasse in der Tesla Schule und dort habe ich Deutsch gelernt. Meine Klasse hatte Schüler aus verschiedenen Ländern, deshalb habe ich viele interessante Dinge gelernt. Und die Lehrer dort sind freundlich, sie sind immer bereit mir zu helfen wenn ich etwas nicht weiß. Seit August 2014 bin ich in der Klasse 8c. Dies ist eine schwierige Zeit für mich. Jetzt habe ich keinen Deutschunterricht mehr, sonder muss das Fach Deutsch mit meinen Mitschülern besuchen und auch die Klassenarbeiten schreiben. Außerdem habe ich viele andere Fächer, es ist schwer, aber ich werde es versuchen. Wenn ich mit der Schule fertig bin, möchte ich mit meinen Freunden und meiner Familie um die ganze Welt reisen und später möchte ich gerne Filmemacherin werden. Mein Traum ist, dass meine Großeltern nach Deutschland kommen, um mich zu besuchen und außerdem möchte ich Karate lernen, weil ich eine starke Frau sein will. Ngoc Mai. 17 Jahre. Vietnam


FREIHEIT UND SCHÖNHEIT Krio sprechen, Sonne, der Strand Lombly Beach, lachende Menschen, Kinder mit Respekt vor Erwachsenen, Weihnachten in der Kirche, leckerer Fisch und Kochbananen, Schwimmen im blauen Meer, Musik auf der Straße, Freunde, Spiele in der Schulpause ... das alles hatte Schönheit in Sierra Leone. Aber dort war ich nicht frei, ich durfte keine kurzen Hosen und Röcke anziehen, ich durfte nicht mit Jungs sprechen, ich durfte in der Nacht nicht rausgehen, ich durfte nicht mehr zur Schule gehen, ich wurde geschlagen. Ich musste immer putzen und kochen. Ich hatte kein eigenes Bett, ich musste mit 3 Mädchen mein Bett teilen. In Berlin, dieser Stadt voller schöner Gebäude, bin ich frei, ich kann zur Schule gehen und lernen, ich kann rausgehen und nach Hause kommen, wann ich will, ich kann anziehen und kaufen was ich möchte, ich kann tanzen, ich kann singen, ich kenne Menschen aus vielen Ländern, ich habe viele Verehrer, ich kann Krankenschwester werden und heiraten, wen ich möchte, ich fühle mich frei, weil niemand mich kontrolliert! Nafisatu. 17 Jahre. Sierra Leone


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Viele Menschen wissen nicht, was sie mit ihrem Leben tun oder tun sollen. Vielleicht ist es auch nicht so wichtig ob man es schon früh weiß. Es ist auch nicht wichtig, wann man das heraus findet oder wieviel Geld man hat oder welche Farbe die Haare oder die Haut haben. Aber es ist wichtig herauszufinden, was einem das Leben schön macht oder was einem gut tut. Also, man sollte jeden Tag etwas Spaßiges tun und stark sein, sich nicht so dolle mit Arbeit stressen und immer ein bisschen Kind in sich halten, den Moment genießen. Sich auf kleine Dinge, die jeden Tag um einen herum passieren, freuen. Und wenn du das tust, was dich wirklich glücklich macht, das was du willst und dein Leben genießt, dann bist du die beste Version und niemand soll mehr von dir erwarten. Negar. 17 Jahre. Afghanistan

Samnang Riddh ist ein cooler Junge, er kann super Fußball spielen. Als Kind in Kambodscha hat er gerne „Shoes“ gespielt, es war wie Fußballspielen, mit drei bis sechs Personen und drei bis sechs Schuhen und einem kleinen Stein und einer Linie und einem Quadrat auf dem Boden. Das hat er immer in der Schule mit seinen Freunden und mit seinem Bruder gespielt. Aber manchmal hat er auch Fußball gespielt. Er ist in Deutschland, weil sein Vater hier in der Botschaft von Kambodscha in Berlin Pankow arbeitet. Er ist hier mit seinen Eltern, seinem Bruder Reththy und seiner kleinen Schwester Sofia. Sie wohnen alle in Pankow. Samnang Riddh. 14 Jahre. Kambodscha


Danke Mutter, dass du mich nicht verlassen hast. Danke Mutter, dass du mir geholfen hast. Danke Mutter, dass du mich aufgezogen hast, als ich klein war. Danke Mutter, dass du immer bei mir warst. Ich glaube noch immer dran, dass du als Engel in meinem Traum erscheinst. Seit vier Jahren sehe ich dein Gesicht nicht Mutter. Seit vier Jahren vermisse ich dich. Ich möchte das Leben ohne dich nicht mehr führen. Du lässt dich seit langer Zeit nicht mehr in meinen Träumen blicken. Liebst du mich denn nicht mehr? Jeder sollte den Wert seiner Mutter schätzen, bevor es zu spät ist. Ich bin von dir entfernt, aber wo immer du bist, wirst du immer am Leben sein. Abdullah. 17 Jahre. Afghanistan und Iran

Ich bin ein ruhiger Mensch und wenn es was Trauriges gibt, weine ich nicht gleich sondern bin nur von innen ein bisschen traurig, aber ich sage ich bin OK. Ich komme aus dem Iran, aus Teheran. Dort gibt es nicht so viel Freiheit wegen der Religion. Frauen müssen immer ihre Haare verstecken und Männer dürfen keine kurzen Hosen anziehen und die Jungen und Mädchen sind in der Schule geteilt. Es gibt Schulen für Jungen und Schulen für Mädchen und es gibt viele arme Leute, die kein Geld haben, um in die Schule zu gehen und es gibt viele Kinder die gar nicht in die Schule gehen. Im Iran darf man gar keinen Alkohol trinken und kein Schweinefleisch essen. Als ich ein Kind war, habe ich im Fernsehen gesehen, wie Menschen einfach von Motorrädern überrollt wurden und wie viele getötet wurden. Meine Schule war nicht gut, weil manche Lehrer uns geschlagen haben, wir waren 40 Schüler in der Klasse, wir durften nicht mit unseren eigenen Klamotten kommen sondern wir mussten eine Uniform anziehen, wir waren nur Jungs und die Lehrer waren nur Männer. Ich bin Einzelkind, ich habe eine kleine Familie, meine Mutter und Vater kommen beide aus dem Iran, meine Eltern sind jetzt seit ein paar Monaten auch hier in Berlin. Sie wohnen noch in einem Heim in Grünau. Ich wohne immer noch bei meinem Onkel. Aber bald werden wir wieder alle zusammen wohnen. Mein Vater, meine Mutter und ich. Amir. 15 Jahre. Iran


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GLÜCK UND LEBEN Glück ist jemanden zu haben der das ganze Leben bedeutet. Glück ist wenn man stolz auf sein Leben sein kann. Glück ist eine zweite Chance im Leben. Leben ist Glück wenn man den richtigen Weg findet. Leben ist voller Überraschungen und Glück. Leben ist wie ein Glückszug, an jeder Station steigt einer ein, und jemand steigt aus und manch einer ist ausgestiegen und steigt nie wieder ein, ein anderer steigt niemals aus. Glück der Vergangenheit ist vorbei, Glück der Zukunft ist noch nicht da. Lebe dein Glück jetzt und heute. Sei jeden Tag glücklich. Marem. 18 Jahre. Tschetschenien

RESPEKT Ich bin eine Person wie alle, ich bin ein wenig anders, aber am Ende bin ich wie alle. Wir sind alle gleich, aber wir sind auch unterschiedlich, weil jede Person seine Gedanken und seine Gefühle hat. Respekt bedeutet geben und nehmen, wenn du respektierst, werden dich alle respektieren. Wir sind gleich, weil wir alle Menschen sind, das Land, die Sprache, der Stil, die Farbe, die Religion, all das ist nicht wichtig. Die Frauen muss man immer respektieren, die Mütter sind sehr wichtig, weil wir neun Monate lang in ihrem Bauch sind und sie uns beschützen. Respektieren bedeutet nicht über die gerade angekommene Person zu lachen, die noch nicht gut Deutsch spricht, Respekt bedeutet herauszufinden, was die gerade angekommene Person wirklich möchte und nicht einfach anzunehmen, dass sie aus einem armen Land kommt, in dem es noch nicht mal Essen gibt. Respekt kann man nicht zeigen indem man „Dinge“ gibt und indem man denkt, dass man mit diesen Dingen dem armen jungen Menschen „hilft“, der gerade angekommen ist. Ein Kind, was in ein neues Land kommt, braucht Respekt, es muss fühlen, dass es behandelt wird wie eine Person mit Gefühlen, dass es behandelt wird wie eine Person, die ist wie alle. Omar. 17 Jahre. Palästina


Von Unterwegs 2014 N

ach den Sommerferien im Jahr 2014 konzipierten wir, Frauen vom Migrantenverein MaMis en Movimiento e.V. ein Projekt namens „Partizipation in Pankow – Unterwegs zu einer Willkommenskultur mit neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen“. Der Leitgedanke dieses Projektes war, die Willkommensklassen und die SchülerInnen der Willkommensklassen, offiziell „Lerngrupen für Neuzugänge ohne Deutschkenntnisse“ genannt, sichtbar zu machen. Es entstanden im Rahmen dieser Projekte verschiedene Produkte: eine Studie über Willkommensklassen in Pankow, zehn kleine Filme, gemacht von SchülerInnen der Grundschule am Teutoburger Platz und der Tesla Schule und die Portraitfotoserie mit Texten von „Willkommensklassengraduates“. Damals waren wir zehn ProjektmitarbeiterInnen (Jennifer Herbst, Queta Hahn, Paola Sánchez, Bianca Monroy, José Contreras, Rainer Untch, Daniellis Hernández, Anne Bollwahn, Karen Kaltwasser und Dr.Heike Wildemann). Die Portraitfotoserie mit den Texten der 13 jungen Menschen war sehr erfolgreich, anfangs nur entworfen und hergestellt für eine einmalige, kurze Ausstellung im Rathaus Pankow, wurde sie zu einer Wanderausstellung und tourte bis Mitte 2016 durch verschiedene öffentliche und private Institutionen. Die Fotos waren im Format 60 x 90 cm, darunter hingen die Texte und

beides wurde mit kleinen Nägeln auf zwei Meter hohen Holzständern, die man zusammenbauen musste, aufgehängt. Mit Hilfe von und unter der Anleitung von Bianca Monroy, José Joaquín Ovalle und mir bauten sogar SchülerInnen und andere WillkommensklassenlehrerInnen die Ausstellung mehrmals auf und ab und halfen beim Transport. Das zweite Projekt „Unterwegs zu einer Willkommenkultur II: Wir haben es geschafft von der Zukunft zu träumen“ begann im Sommer 2016 zu entstehen. Wir wollten zum einen die Fotoausstellung in einem Format verewigen, welches leichter zu handhaben ist und außerdem herausfinden und festhalten, was denn aus den 13 abgebildeten jungen Menschen geworden war. Unsere Idee war, das neue Projekt, von Anfang an mit ihnen zusammen zu entwerfen. Unsere Absicht war, die Projektteilnehmer von 2014 direkt zu fragen, mit welcher Kunstform sie gerne arbeiten würden, ob sie überhaupt Lust hatten wieder mitzumachen oder nicht. Wollten sie wieder Texte schreiben und Fotos machen? Vielleicht wollten sie dieses Mal malen oder Musik machen? Oder hatten sie ganz andere Vorstellungen? Wir kontaktierten alle, von denen wir noch die Telefonnummern hatten und luden sie mehrmals zu Planungstreffen ein. Doch sie erschienen nicht oder nur einige von ihnen, bis wir uns eingestehen mussten, dass diese 13 natürlich jetzt keine Gruppe mehr waren, sondern sich in den verschiedensten

Lebenlagen befanden und in verschiedenen Stadtteilen wohnten. Also beschlossen wir, auch gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten von Pankow, einen Dokumentarfilm mit mindestens acht der abgebildeten jungen Menschen zu machen, in dem gezeigt werden sollte, was jetzt, drei Jahre später, in ihrem Leben passiert war. Zum Glück war die Dokumentarfilmemacherin Daniellis Hernández Calderón sofort voller Enthusiasmus und mit vielen Ideen dabei. Außerdem war es uns auch noch ein Anliegen, wieder mit einer Willkommensklasse direkt zu arbeiten, vor allem auch um Stimmen, Erlebnisse und Gefühle jener Jugendlichen festzuhalten, die im Jahr 2015 oder 2016 nach Deutschland kamen. Während viele Berliner Willkommensklassen im Schuljahr 2013/2014 noch eine Mischung aus Migranten, Botschaftskindern und Flüchtlingen waren, bestanden viele Willkommensklassen, und auch die am Primo Levi Gymnasium im Schuljahr 2016/2017, zum größten Teil aus SchülerInnen, die allein oder mit ihren Familien mit Schleppern und in Booten über das Mittelmeer geflüchtet waren, monatelang in Turnhallen oder anderen überfüllten Flüchtlingsunterkünften gehaust hatten und zum Teil schwer traumatisiert waren. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir Marvi Méndez und Karina Villavicencio für unser Vorhaben begeistern konnten. Aus diesen zwei Anliegen

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zu Unterwegs 2017 18

heraus entstand also das Projekt „Unterwegs zu einer Willkommenskultur II: Wir haben es geschafft von der Zukunft zu träumen“, welches wir gemeinsam leiteten. Die Kunstworkshops am Primo Levi Gymnasium begannen am 16. März und endeten am 30. Juni 2017. Insgesamt fanden zehn Workshops á drei Stunden statt. Folgende fünf Themen wurden mit den SchülerInnen intensiv behandelt: Eigene Identität (Gipsmasken), Kindheit und Leben im Heimatland (Performance), Reise nach Europa (Fotografie), Mein Leben in Berlin (Performance), Zukunftspläne und Träume (Kreation eines Objektes). Mit Daniellis Hernández arbeiteten wir gemeinsam an der Vorbereitung der Filmtage, wir trafen uns mindestens zweimal mit jedem der im Film DAS SIND WIR -

IRGENDWANN zu sehenden jungen Menschen zum Gespräch und auch noch mit mehreren anderen, die dann doch aus verschiedenen Gründen nicht in diesem Film zu sehen sind. Wir arbeiteten intensiv zusammen und tauchten gemeinsam in verschiedene Welten ein. Unterwegs, und schon inmitten der Filmarbeiten, stoßen wir spontan auf die drei syrischen Jungs, die zwar 2014 nicht auf den Fotos zu sehen waren aber die wir dazunahmen, weil es uns wichtig war, tatsächlich wie versprochen acht junge Menschen zu portraitieren und auch um Stimmen aus dem arabischsprachigen Raum dabeizuhaben. Diese zwei Projektprodukte – das Buch IRGENDWO – ZWISCHEN DEN WEGEN und der Film DAS SIND WIR – IRGENDWANN sind das Resultat der zwei Projekte – Unterwegs I und Unterwegs II –

und wir alle sind gespannt darauf, wie sich die Leben dieser jungen Menschen weiterentwickeln. Wir hoffen, mit diesen zwei Produkten einen kleinen Beitrag zu leisten, um eine Stimme zu sein für diejenigen, über die momentan in der Politik viel diskutiert und in den Medien viel geschrieben und gesprochen wird, die aber nur selten selbst gefragt werden, wie sie in die Geschichte, in die Migrationsgeschichte Deutschlands, Europas und der Welt eingehen wollen oder was sie denken und fühlen. Ausserdem sollen das Buch und der Film anderen jungen Menschen – deutschen sowie denen, die irgendwo anderes geboren sind – Mut machen ihre Träume nicht aufzugeben. Jennifer Herbst und Bianca Monroy


Warum

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wirken einige TeilnehmerInnen von 2014 nicht an der Fortführung des Projektes mit?

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ir haben versucht, alle 13 ProjektteilnehmerInnen von 2014 zu erreichen, um sie einzuladen im Filmprojekt 2017 mitzumachen. Mubera, Abigail, Cabdiqaadir, Maya und Ismail sind dabei, Abdullah, Amir, Nafisatu, Marem, Omar, Negar, Samnang Rhiddh, Ngoc Mai sind diesmal nicht dabei. Wie kam es dazu ? Ngoc Mai antwortete nicht auf unsere Anfragen per WhatsApp und Samnang Rhiddh schrieb uns, dass er zusammen mit seiner Familie und aufgrund der Arbeit seines Vaters nach Kambodscha zurückgezogen sei. Omar lies uns ausrichten, dass er nicht mitmachen möchte und kurz darauf hat er Deutschland auch für eine Weile verlassen. Amir erklärte uns nach langen Überlegungen, dass er zur Zeit nicht über seine Geschichte in Deutschland sprechen wolle. Mit Nafisatu trafen wir uns

zweimal und sie hatte große Lust mitzumachen, sagte aber kurz vor unserem ersten Filmtermin überraschend und aus „persönlichen Gründen“ ab. Anfang Oktober erzählte sie uns dann freudig, dass sie damals so kurzfristig abgesagt hatte, weil sie in genau der Zeit erfahren habe, dass sie schwanger sei. Sie hat ihre Ausbildung als Sozialassistentin erfolgreich abgeschlossen und freut sich jetzt auf die Geburt ihrer Tochter Mitte November. Nach einer kurzen Elternzeit hat sie vor, dann in ihrem Beruf zu arbeiten. Mit Abdullah trafen wir uns auch ein paar Mal, er schrieb einen Teil seiner Geschichte hier in Deutschland für uns auf, wollte aber nicht gefilmt werden, und somit konnten wir ihn dann leider nicht in das Filmprojekt aufnehmen. Marem war anfangs auch Feuer und Flamme und wollte

zusammen mit ihren Freundinnen Mubera und Andrea filmen. Aus persönlichen Gründen und weil die Wohnungssuche gerade sehr anstrengend war, hatte sie am Ende leider keine Zeit mitzumachen. Sie ist mit Omar verheiratet, hat ihren MSA gemacht und befindet sich momentan in ihrer Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Negar überlegte sich lange, ob sie in dem Film mitmachen wollte oder nicht und schrieb uns dann folgende Nachricht: „Ich bin gerade hier an einem Punkt angekommen, dass ich mich so ziemlich wohl fühle. Es ist so, dass ich mich nicht mehr irgendwie als erfolgreicher Flüchtling sehe, sondern als erfolgreicher Mensch. Und ich möchte, dass andere mich auch so sehen.“ Sie hat ihre Ausbilung zur Pharmakantin im Juli 2017 erfolgreich abgeschlossen und bereitet sich momentan auf das Abitur vor.


Das sind wir Irgendwann 20

Dokumentarfilm

Synopsis Exil, Migration, acht Jugendliche, die Entwurzelung erlebt haben oder erleben und die zwischen den Jahren 2012 und 2015 aus verschiedenen Teilen der Erde nach Berlin gekommen sind, teilen mit uns ihre Erfahrungen, die hart, bereichernd, vorbildlich, lebendig, aber vor allem menschlich sind. Konfrontiert mit neuen Lebensweisen und Herausforderungen, denen sie sich alltäglich stellen. Auf der Suche nach ehemaligen und neuen Träumen versuchen sie dem Merkwürdigen eine Bedeutung wiederzugeben. Sie erzählen uns ihre Geschichten. Das erste Wort auf Deutsch, Erfolge, Hürden, Zwiespälte, erste bedeutende Momente. Geschichten, die darum kämpfen, sich einen Platz in dieser Welt zu verschaffen und gehört zu werden.

Regie: Daniellis Hernández Calderón Konzept: Daniellis Hernández Calderón und Jennifer Herbst Kamera und Schnitt: Daniellis Hernández Calderón Link zum Film https://www.youtube.com/channel/UCeKWuoxn4EonLpNCHIkDijQ


Zitate aus dem Film

Was hast du seit 2014 gemacht? Mubera: „Mein Leben hat sich ganz verändert, (...) erstmal hab ich nur Deutsch gelernt (...) in der Tesla Schule, die mir viel geholfen hat. Dann bin ich in (...) eine Vorbereitung für die Ausbildung gekommen, die habe ich acht Monate gemacht und dann habe ich die Ausbildung zur Verkäuferin gemacht, zwei Jahre hat das gedauert und jetzt mache ich mein Fachabi, was ich in nicht vollen zwei Monaten abschließen werde.“

Worauf bist du stolz? Abigail: „Besonders bin ich eigentlich stolz, dass ich den Mut hatte mein Abi zu machen, (...) es bleibt mir jetzt nur noch ein Jahr, dann habe ich es in der Hand. Darauf bin ich besonders stolz, dass ich meine innerliche Stimme gefunden habe.“

Was gibt dir Kraft? Abigail: „Gott gibt mir die innere Kraft (...) Gott und meine Eltern sind meine große Hilfe.“ Cabdiqaadir: „ Die meisten Menschen sagen, dass sie irgendwelche göttliche Hilfe oder

Engel oder irgendwas schützt

ist schwer hier zu leben.“

oder irgendwelche Kraft von

Ismail: „Das Wichtigste ist, (...)

ihren Eltern oder von einem

wenn die hier in Deutschland sind,

Gestorbenem bekommen. Ich

müssen die auch Geduld haben,

finde das lustig aber ich glaube

weil du kommst nicht heute und

einfach nicht daran, dass man

willst morgen schon Millionär

Hilfe von anderen Menschen oder

sein. Es ist nicht so. Es ist soviel

sowas bekommt (...) man muss

arbeiten ... man muss sich viel viel

nur einfach an sich selbst glauben

viel Mühe geben, viel arbeiten,

und wenn man an sich selbst

also ich würde sagen, wenn die

glaubt, dann kann man alles

nach Deutschland kommen,

erreichen was man will. Ja.“

einfach Geduld haben. Und mit

Was sind Hindernisse für neuzugewanderte Jugendliche? Cabdiqaadir: „Ein Hindernis für (...) neuangekommene

der Zeit kommt alles und es wird alles langsam langsam besser.“

Versuchst du zu verstecken, dass du „Flüchtling“ und/ oder „AusländerIn“ bist ?

Jugendliche, die noch keinen Abschluss in Deutschland

Ismail:„Man sollte sich nicht

haben, ist natürlich, dass ich zu

verstecken, aber ja, wir

wenige Flüchtlinge, jugendliche

haben diese Angst, uns so zu

Flüchtlinge im Gymnasium sehe.

präsentieren, wie wir sind.

Oder so gut wie keine. (...) Wenn

Wenn wir das machen, haben

man in ein Gymnasium geht, dann

wir Schwierigkeiten eine

sieht man kaum einen Flüchtling.

Wohnung zu finden oder einen

Und das ist ein großes Hindernis,

Ausbildungsplatz zu finden.“

das man überbrücken muss.“

Bahaa:„Wir sind doch alle

Was würdest du zu Jugendlichen sagen, die nach Deutschland kommen?

Ausländer, alle aus Ländern.“ Abigail: „ Was ich mich auch gefragt habe: Bin ich ein Flüchtling oder eine Ausländerin? (...) und dann habe ich gefragt: „Was ist denn der Unterschied

Maya: „Berlin ist eine schöne

zwischen einer Ausländerin und

Stadt, groß auch, ja... ..... aber es

einem Flüchtling ?“

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Fragmente 22

J

unge Menschen überall auf der Welt stehen, in diesen Übergangsjahren vom Kind zum Erwachsenen, vor der Herausforderung, ihre eigene Identität neu zu definieren. Was aber passiert, wenn zu der innerlichen Herausforderung jener Lebensphase noch andere Umstände hinzukommen, wie Opfer von Gewalt zu sein, Familie oder Freunde zu verlieren oder das eigene Land verlassen zu müssen? Welche Auswirkung hat die Perzeption, selbst Empfänger von Unterdrückung oder Ungerechtigkeit zu sein, über die man keinerlei Kontrolle hat? So wie im Krieg oder wenn man einer verfolgten Minderheit angehört. Was bedeutet es, wenn die Frage „Wer bin ich?“ nicht mit der eigenen Sprache beantwortet werden kann, wenn das soziale Umfeld, welches einen sonst hätte leiten können, einfach zurückgelassen wurde oder sogar verschwunden ist? Besteht möglicherweise die Gefahr, dass der Leitfaden, der orientiert und der in dieser Entwicklung die Zusammenhänge herstellt, zerreist und dass dann das Leben wie eine Serie von Fragmenten gelebt wird? Natürlich hinterlassen Erlebnisse, die mit einem hohen Grad von Emotionen belastet sind, Einschnitte

im Leben derjenigen, die sie erfahren und können sogar das Leben gliedern in ein Vorher und ein Nachher. Dies ist besonders wichtig, wenn die Episode die Person direkt mit dem Tod konfrontiert. Abhängig von der sozialen und familiären Unterstützung und von der inneren Stärke jedes Menschen, kann so eine Erfahrung allerdings auch ausschlaggebend sein für eine bessere persönliche Entfaltung. Dem Tod nah zu sein, kann dazu beitragen, das Leben wertzuschätzen und neue Perspektiven zu erkennen. Und in solchen Fällen ist die Auswirkung auf den Charakter mittel- und langfristig absolut nicht negativ. Deshalb bedeutet für manche Menschen eine solche Situation, sich selbst zu verlieren, aber für andere weckt es das Bedürfnis auszubrechen und die Motivation zu spüren, im Sinne von psychischer Kraft, es zu versuchen. Dieser erste Schritt kann, jedenfalls für fast alle, die aus Kriegsgebieten oder aus Konfliktregionen kommen, einen Pakt mit dem Leben bedeuten. Sie bezahlen den Preis, sich von ihrem Alltag zu trennen und liebevolle Verbindungen hinter sich zu lassen, um sich dem Suchen ihrer Träume zu


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widmen, das sie mit neuen Möglichkeiten verbindet. Man sollte aber trotzdem wachsam sein. Es handelt sich um eine Entwicklung, die auch manchmal schief gehen kann. Die Konfrontation mit den Realitäten, die zu einer Flucht gehören, das Verlieren aller Beziehungen, und auch die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, eine neue Sprache und Normen zu erlernen, wieder von Null anzufangen, kann für manche eine Herausforderung bedeuten, der sie nicht gewachsen sind. Wenn zu diesen Herausforderungen die Schwierigkeiten der Pubertät hinzukommen und nah miterlebt wird, wie bedeutsame Andere scheitern, dann zeichnet sich ein sehr riskantes Krankheitsbild ab, dass von außen nicht unbedingt leicht erkennbar ist. Dieses Krankheitsbild kann, inmitten all der bürokratischen Forderungen, aus dem Blick verloren gehen, ohne rechtzeitig die nötige Unterstützung zu bekommen. Während dieses Projektes und durch den Kontakt mit den LehrerInnen der Willkommensklassen sind wir uns der schmerzhaften Wirklichkeit einiger der SchülerInnen bewusst geworden, die einige sogar dazu bringt, Selbstmordversuche zu begehen. Zum Glück haben wir aber auch die andere

Seite beobachten können. Wir erlebten in den SchülerInnen jene Seite, die spielen kann, die sich mit Freude verbinden kann und die die Schönheit und das Leben wertzuschätzen weiß. Wir sahen, wie, trotz all der gemeinsamen Schwierigkeiten, viele Schülerinnen und Schüler großen Schwung hatten, um ihre Ziele zu erreichen, auch Dank all dem Wissen und den kreativen Fähigkeiten, die sie in ihrem Gepäck mitbringen. Wir hoffen, dass dies in diesem Buch wahrgenommen werden kann.

Marvi Méndez


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Ein archetypischer Blick

D

iónysos für die Griechen oder Bacchus für die Römer ist der Gott des Weines, der Feste, des Theaters und der Emotionen. Die Psychologie der Archetypen sieht in ihm ein psychisches Bild, welches die Verbindung zwischen Echtheit und Kreativität herstellt. Die Mythologie erzählt, wie dieser Gott mehrmals dem Tod ins Auge blickt oder gar körperlich zu Grunde geht, gefolgt von einer Auferstehung. Aus diesem Grund ist Diónysos oder Bacchus auch ein Bild, das auch in allen Kulturen mit dem Archetypus des Überlebenden und mit dem göttlichen Kind in Zusammenhang gebracht wird. Manchmal ist die Form, in der Diónysos persönlich erscheint, verstörend oder unbequem, weil er die sozialen Konventionen, die allgemein akzeptierten gesellschaftlichen Umgangsformen bedroht und mit dem bekannten Universum bricht. Nichtsdestoweniger ist es genau durch diese Notlage, dass sich sein Beitrag ergibt, etwas Altes muss sterben damit etwas Neues entstehen kann. Auf diese Weise, und als Metapher zu verstehen,

hat seine Anwesenheit in der Psyche oder in einer Gesellschaft implizit immer drei Hauptelemente: Erstens die Konfrontation mit dem Chaos und mit dem „Fremden“, zweitens den Reichtum in der psychischen Entwicklung, wenn man kritische Situationen durchlebt und wenn man es schafft, diese zu meistern und drittens die immer bestehende Möglichkeit, erneut zu beginnen. Aus dieser Perspektive denken wir, dass die Verwendung dieses Bildes relevant ist als integrierende Struktur in der Grundidee dieses Projektes, welches mit Jugendlichen und jungen Menschen arbeitet, die Überlebende von Krieg, Bedrohung oder Verfolgung sind. Außerdem erwies es sich auch als eine wertvolle Ressource, um uns dem dynamischen Verständnis der ProjektteilnehmerInnen zu nähern und war ein Brunnen der Inspiration beim Aussuchen der Aktivitäten und Arbeitstechniken, sichtbar in der Herstellung von Masken und von Performance.

Marvi Méndez


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Meer 26

D

as Meer und das Leben, das Meer und der Tod,

das zusammenbringt oder trennt vom Traum. Es ist voller Versprechen. Oder der wiederkehrende Abgrund.


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Bilder freundlicherweise von Sawin überlassen. Sawins Flucht mit seiner Familie und der Familie seines Onkels über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland und seine Reise durch Ungarn und Serbien zusammen mit seiner Familie und der Familie seines Onkels. Dabei waren auch Sawins behinderter Bruder, der nicht laufen kann, und seine kleine Cousine, die erst 2 Monate alt war und den Namen Jen trägt. Jen ist ein kurdischer Name und bedeutet „Leben“.


Reise 28

E

in umformender, verwandelnder Weg,

auf dem sich das, was man kennt, das eigene Territorium, verliert ... man hinterlässt die Verbundenheit, die Zuneigungen, manchmal die eigene Identität und Unschuldigkeit, aber man beschlieĂ&#x;t, sich auf den Weg zu machen, weil es eine innere Kraft gibt, die auf das Leben setzt.


Objekte, die die SchülerInnen mitbrachten, als Antwort auf die Frage: „Welche Sachen begleiteten dich auf deiner Flucht nach Deutschland?“


alle beteten im Boot alle beteten im Boot 30


31

tagelang nur Thunfisch tagelang nur Thunfisch


Hey, ich bin Hamody. Dies ist meine Geschichte und wie ich nach Deutschland gekommen im Boot. Wir waren auf dem Boot 46 Personen. Wir waren in Griechenland 12 Tage, um u jeden Tag schlechtes Essen. Zehn Tage nachdem wir Griechenland verlassen hatten, ka dem Irak. Ich spreche jetzt über meine Reise nach Europa. Wir sind nach Europa mit ein waren fast 35 Personen im Boot. Das Boot war überfüllt und ich hatte Fußschmerzen. W Zug weitergereist. Der Zug und auch die Straße waren sehr schmutzig und der Zug war z Essen war sehr schlecht und hat nicht geschmeckt. Wir haben auf der Straße geschlafe

ich heiße Nyan, ich bin 16 Jahre alt. Ich komme aus dem Irak. Jetzt wohne ich in Berlin. I bin ich mit dem Boot gefahren. Im Boot waren wir 56 Personen. Ich blieb im Boot 3 Stun 01.10.2015 bin ich nach Griechenland gekommen und wir sind einen Tag lang nur gewan Regen auf der Straße geschlafen und die Straße war sehr schmutzig und auch sehr über Onkel gefahren. Dann sind wir bis in die Türkei, dann nach Griechenland und immer we Wasser trinken konnten. Und die Toiletten waren auch ein großes Problem. Wir waren s musste. Wir sind vom Iran in die Türkei 7 Stunden gelaufen. Wir waren 25 Tage unterwe war nicht gut. Manchmal gab es kein Wasser zu trinken. Manchmal gab es nichts zu esen nicht schlafen. Es gab sehr viel Gewalt und es war sehr gefährlich. Und ich war einen Mo 10.09.2015 habe ich eine Reise gemacht. Die Reise begann in Syrien und endete in Deut Türkei zu fahren, er sollte uns mit in die Türkei nehmen. Aber der Schlepper war ein Lüg Müdigkeit kamen wir in der Türkei an, dann mussten wir nach Griechenland gehen. Nac und wir mussten viel Geld haben. In dem Boot fuhren 55 Leute und das Wetter war kal kein Essen. Und dann in Griechenland mussten wir viel laufen, aber wir sind auch mit de war die schlimmste Reise meines Lebens mit viel Schmutz und Ausnutzung. Ich heiße K 28.09.2015 in die Türkei gefahren. In der Türkei war ich zwei Jahre lang. Dann bin ich mi dem Boot. Das Wasser war sehr kalt und wir hatten kein Essen und kein Wasser.

Diese Texte sind in der Willkommensklasse entstanden, während einer Deutschstunde zum Thema „Reisen und Tourismus“.


n bin. Ich bin aus dem Irak in die Türkei gegangen. Und von der Türkei nach Griechenland unsere Papiere zu bekommen. Und dann sind wir raus aus Griechenland. Und wir hatten amen wir in Deutschland an. Wir waren glücklich. Hallo, ich bin Fatima, ich komme aus

nem kleinen Boot gekommen und die Fahrt war sehr schlecht und ich hatte Angst. Wir Wir haben 4 Stunden im Boot gesessen. Als die Meerreise vorbei war, sind wir mit dem zu voll und das Wetter war sehr schlecht und es war sehr kalt. Es war minus 10 Grad. Das en und es gab Diebe und Schlepper und die Reise war eigentlich sehr gefährlich. Hallo, Ich bin am 28.09.2015 in die Türkei gefahren und ich war zwei Tage in der Türkei. Dann nden, das Wasser war sehr kalt. Und wir haben nur geweint, weil wir Angst hatten. Am ndert. Dann bin ich mit dem Zug gefahren. Das Essen war so schlecht und wir haben im rfüllt. Ich bin Omid. Ich bin von Afghanistan bis in den Iran mit der Familie von meinem eiter ... es war sehr schwer, weil wir nicht gut gegessen haben und weil wir kein gutes sehr müde, weil mein Onkel drei Kinder hat und jeder von uns 50 kg mit Sachen tragen egs bis Deutschland. Hi. Ich bin Ferdows. Wie kam ich hier her. Ich war alleine. Der Weg n. Ich hatte immer Angst und Stress. Ich hatte Angst vor Schleppern. Ich konnte einfach onat unterwegs. Hallo ! Ich heiße Samih, ich bin 15 Jahre alt, ich komme aus Syrien. Am tschland. Am Sonntag, den 10.09.2015 hatten wir vereinbart mit einem Schlepper in die gner und ein Ausbeuter, aber weil wir mehr Geld hatten, gingen wir als erste. Nach viel ch Griechenland sind wir mit einem Boot gefahren. In der Türkei gibt es viele Schlepper lt und schlecht. Wir waren drei oder vier Stunden im Boot und es gab kein Wasser und em Auto, mit dem Bus und mit dem Zug gefahren. Die Polizei hat uns nicht geholfen. Es Kawan und ich bin 15 Jahre alt. Ich komme aus dem Irak und wohne in Berlin. Ich bin am it dem Boot gefahren, wir waren 56 Personen in dem Boot und wir blieben 3 Stunden in


Masken 34

K

eine Erfahrung ist traumatisch an sich, sondern es hängt von der Fähigkeit

oder Unfähigkeit des Einzelnen ab und von der Unterstützung des Umfeldes um zu erlauben, dass diese Erfahrung mehr oder weniger erfolgreich „metabolisiert“ wird. Wir alle tragen Masken, um mit anderen sozial zu interagieren. Die Maske ist das Gesicht, das wir den anderen zeigen, es ist die bidimensionale Facette, sichtbar für die Außenwelt, in die wir mit Maske besser hineinpassen wollen. Die Maske ist verbunden mit dem Theater und mit den Archetypen von Dionysos und dem Überlebenden.


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Fatma im Prozess, der Maske ihre Bedeutung wiederzugeben.


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„Ich will nicht, dass die Menschen mich wie einen Killer sehen. Die Finger sind nicht gleich. Ich will echt nicht, dass jemand einen anderen Menschen missbraucht. ” Omid

„Alles, was ich will, ist nur Frieden. Ich hasse Krieg. Ich möchte ein gutes Leben für alle Menschen. Ohne Krieg, ohne Explosionen, ohne Hass und ohne hassen. Ich will, dass Leute frei sind. Alle Leute: Frauen, Kinder, Männer. Das ist mein Traum. Freiheit und Allianz.” Ferdows


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Herstellung der Gipsmasken während des Reflexionsprozesses zur eigenen Identität. Wiederbelebung der Masken, bei denen diesen eine neue Bedeutung erhalten, fotografiert von den Jugendlichen mit ihren Handys am Ufer des Weißensees.


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39

Fotoperformance von Sawin: „Alles, was du über mich weißt“


Angst 40

A

ngst, dass die Flucht niemals endet, dass man nicht gesehen wird

als jemand der Frieden will. Angst, keinen Hafen zu finden, dass der Unterschied zur Barriere wird oder zur Grenze, zu verschwinden in Vorurteilen und sich zu verirren‌.


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„One line“ waren Worte, die SchülerInnen während ihrer Flucht immer wieder und in hartem Ton gehört haben. Sie mussten sich für alles (Toilette, Essensausgabe, Wasser, Antworten auf Fragen, Grenz- und Ausweiskontrollen) in eine Reihe, in „one line“ aufstellen.


SCHWEDEN

DÄNEMARK

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Hamburg Berlin

Deutschland

SLOWAKEI München

ÖSTERREICH UNGARN SLOWENIEN

SERBIEN

BULGARIEN Mazedonien

Istanbul

Ankara Griechenland

Athen

Türkei

Urfa

Izmir Kalymnos

Bodrum

Aleppo Latakia

SYRIEN

LIBANON Beirut

Damaskus As-Suwayda


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: Handy : Zahnbürste : Zahnpasta : Messer : Sim Karte mit Internet : Kabel fürs Handy : Kleidung : Geld : Ich hatte mein Leben, mein Herz in meiner Hand weil ich vielleicht sterben würde. Es war eine sehr riskante Reise : Schuhe : Fotos : Handy : Wasser : Freunde : Schule : Kleidung : Vater und Mutter : Mein Onkel : Geld : Essen : Schmuck : Zwei Hefte : Fotos : Klamotten : Bilder : Geld : Handy : Kosmetika : Brille : Klamotten : Wasser : Tuch ::: Sportschuhe : Make-up : Schal : Essen : Medikamente : Papier : Kuli : Handy : Geld : Mutter und Vater : Meine Erinnerungen : Kleid : Familie : Lehrer : Foto : Großvater : Kopfhörer : Warme Kleidung : Ladegeräte :

Kirkuk

Kabul

Sulaimanyya

Herat

Baghdad AFGHANISTAN

IRAK IRAN

PAKISTAN


Tod und Verluste

M

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anchmal schmerzt ein weiterer Tag zu sehr,

der Gedanke an eine weitere schlaflose Nacht ist unerträglich, die Kräfte schwinden und man schafft es nicht, von einem Morgen zu träumen. Fühlen, wie schwer die Einsamkeit wiegt, einen unendlichen Kampf sehen und sich dann mit denen zu verbünden, die aufgegeben haben.

Während der Durchführung dieses Projektes trafen wir auf sehr schmerzvollen Geschichten vieler dieser Jugendlichen die daran dachten sich das Leben zu nehmen oder sogar versuchten sich selbst umzubringen. Einige mussten sogar mit dem Selbstmord naher Familienangehöriger oder Bekannter fertigwerden, was weiteres Leiden und auch Gefährdung für sie selbst bedeutet. Diese Texte entstanden spontan in den Tagen nach dem Tod des Bruders eines Projektteilnehmers.


, edoT tbi g s E nere i s s eret ni nedname in e i d . n e b e b g i t f e h h c o d e i d d nu , n e h e h c s e g t kr e m e bnu e i D , t s i re s s eb s e l i ew thc i e ll ei v , nu t u z o s . nere i t s i x e t h c in e i s bo s l a .rekarI regnuj niE . t l a e rh a J nh e z nu e N nh o S e t s e t l ä r e D . n r e t s i wh c s e G s h c e s nov . h c o d d n U . t h c i n nh i e t nn a k h c I h c i s e t g n ä h r e rE . e ß ar t S rehc i l t ne f f ö f ua . nilre B nI eilimaF red t ah iez ilo P eiD t h c i n r e mm i h c o n . t g i d n ä h e g s u a r e p r öK n e d m r A m i yb a B t im r et t u M e i D , t e t e b d nu t n i e w t g a l k d nu t n i e w . t n i e w d nu t n i e w h c im t m r a mu e i S r e t t u M uz r e t t u M nov , t g a s d nu , n e mu l B e i d s s a d , e b a h t h c a r b e g t i m rh i h c i e i d . d n i s s e i d a r a P m i i b i b a H n e rh I rü f .rhi t im eniew hc I . n a h c i m t u a h c s r e l üh c S n i e M . nh o S e t s e t l ä r e d r e t s i t z t e J t s br e H r e f i n n e J

Es gibt Tode, die niemanden interessieren und die doch heftig beben. Die unbemerkt geschehen, vielleicht weil es besser ist, so zu tun, als ob sie nicht existieren. Ein junger Iraker. Neunzehn Jahre alt. Der älteste Sohn von sechs Geschwistern. Ich kannte ihn nicht. Und doch. Er erhängte sich auf öffentlicher Straße. In Berlin. Die Polizei hat der Familie noch immer nicht den Körper ausgehändigt. Die Mutter mit Baby im Arm weint und betet, weint und klagt weint und weint. Sie umarmt mich von Mutter zu Mutter und sagt, dass die Blumen, die ich ihr mitgebracht habe, für Ihren Habibi im Paradies sind. Ich weine mit ihr. Mein Schüler schaut mich an. Jetzt ist er der älteste Sohn. Jennifer Herbst

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Wir leben ohne zu denken, ohne zu wissen, ohne uns vorzustellen, was unsere Seelen machen würden, wenn sie sich mit diesen umherstreifenden Gedanken treffen würden, die überall umherschweben. Wir sind alles und nichts, wir sind der Beginn und das Ende, wir sind die Minute Null, in der wir zu allem werden, eine schwingende Melodie komponieren. Diese Musik füllt alles, hat alles, ist voller Rots und Violets, leerer und voller Augenhöhlen, übersät von Grenzenlosigkeit und Leere; von Lachen und Tänzen, die in einer unendlichen Spirale sich immer wiederholen. Wir sind Reisende, wir sind alles und wir sind nichts. Wir sind die Tränen, die von 46 den Wolken tropfen, die, wenn sie zu tosenden Flüssen werden, in irgendein Meer einmünden. Dieses Meer aus Farben, welches immer wieder gegen die Felsbrocken der Küste schlägt und uns den Atem nimmt, es ruft die Nostalgie und klemmt uns die Brust ein. Wir sind der gemeinsame Traum, ein flüchtiger Augenblick, wir sind die Erinnerung von jemandem der uns eines Tages erfunden hat, Hand in Hand sitzend, eine imaginäre Sprache sprechend, während wir auf diesen unbekannten Wegen gehen. Die Erinnerungen schweben wie Wolkenfigürchen und schmücken unsere flache Existenz und füllen sie mit Leben und Zauber. Wir sind die Summe unserer Erlebnisse, der Male die wir uns mit anderen verbinden und mit ihnen weinen; des Zaubers Augenblicke mit Seelen zu teilen, die so voller Liebe und Schönheit sind, die unbekannte Himmel für taube Ohren zeichnen. Ich bat, mich verbinden zu dürfen, ich bat um Antworten und ich fand Schönheit im Chaos, Poesie im Tod, Traurigkeit in diesen jungen Blicken. Ich fand so viel Einsamkeit. Diese Einsamkeit, die alles umarmt und alles zu Asche macht. Werden sie wie Diamanten zum Vorschein kommen, werden ihnen Flügel wachsen und werden sie anfangen zu fliegen? Oder werden sie zu Asche werden und ihr Weg durch unser Leben wird diese staubige Spur in unseren Augen hinterlassen, die in uns brennt und in jedem Pulsschlag erinnert, dass es außer diesem Leben viele Leben gibt, voll von so viel und so wenig, voller Gegensätze und Zukunft und Vergangenheit und Erinnerungen. Und so, so voll von sich selbst, von Farben und Widersprüchen, von Schmerz und Abenteuer, von Lachen und Tränen, laufen sie weiter, blind, auch wenn es ihnen manchmal so schwerfällt zu atmen. Sie sind Boten, sie sind Spiegel, sie sind Salz und Myrrhe und Erde und Frieden. Sie erinnern uns an das Schlimmste und das Beste der Welt, sie sind junge, unruhige und leidenschaftliche Menschen; sie treten unsicher auf diese neuen Wege und mit ihren starken Händen berühren sie mein Leben, ihre tödliche Abwesenheit meine Seele, und das Universum schreit: ihre Existenz verdient es, niemals vergessen zu werden! Bianca Monroy


Schwarze Punkte, die das Leben der Jugendlichen erschüttern, verdunkeln.

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Schwarze Punkte sind die, die spurlos verschwunden sind oder wurden.

Schwarze Punkte, die ihnen wie ein Erdbeben unerwartet den Boden unter den Füßen wegziehen. Schwarze Punkte sind die Sorge um Angehörige, die im Gefängnis sitzen.

Schlagartig befinden sie sich inmitten eines schwarzen Kreises, der alles innere und äußere Licht auslöscht. Inmitten eines dunklen Loches. Sie verstummen für eine Weile oder sind plötzlich mit ihren Gedanken und Gefühlen ganz woanders. Mitunter passiert das mitten im Schulalltag wenn sie über WhatsApp, Snapchat, Facebook, Instagram oder andere soziale Medien die Nachricht erhalten, dass ein Freund oder eine Freundin, ein bester Freund, eine beste Freundin, ein Onkel, eine Tante oder ein Cousin oder eine Cousine im Kampf, nach langer Krankheit oder durch eine Bombe oder eine Granate soeben in der Heimat gestorben ist.

Schwarze Punkte sind all die Verluste, die oft gar nicht auszusprechen sind. Aber sie sind real.


Träume 48

S

ich erlauben zu träumen und sich etwas vorzustellen ...

von der Kraft der eigenen Geschichte trinken, wieder aufblühen an einem sicheren Ort, um den Möglichkeiten, dem Spiel und der Schönheit wieder zu begegnen. Und wie das göttliche Kind erneut zu beginnen!


Glück kommt nicht einfach so. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Die Ringe symbolisieren Gemeinschaft, wenn man zusammen ist, kann man etwas Schönes machen und zusammen stark sein. Die bunten Wollfäden sind schön, wie ein Regenbogen. Ein Regenbogen bringt Glück. Wenn man positiv das Leben anschaut, dann kann man Schönheit sehen. Die Kette symbolisiert Gemeinschaft und Schönheit. Mein Traum ist Frieden und Freiheit überall auf der Welt. Deshalb ist Gemeinschaft wichtig. Wenn man zusammen ist, kann man gegen Probleme und Krieg kämpfen und Frieden schaffen. Ferdows

A

us der Erfahrung heraus, die wir mit den Jugendlichen im Laufe des Projektes machten, schlugen wir eine Aktivität vor, in der die Jugendlichen ein Objekt herstellten, welches symbolisch ihre eigene Persönlichkeit und ihre Wünsche und Träume vereint. Das Objekt sollte ihnen dann Glück und Schutz (ihren Weg nicht zu verlieren) schenken. Die einzige Bedingung war, dass das Objekt leicht zu transportieren sein musste.

Es ist wichtig zu betonen, dass es unsere Absicht war, im Sinne der Performance weiter zu arbeiten, wie man später sehen wird. Also Arbeit mit banalen Objekten, die, ohne ein vorhergehendes Projekt und dank persönlicher und spontanter Intervention, einzigartig werden.

Karina Villavicencio


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Gold finde ich schön. Ich träume davon Abitur zu machen und Zahnärztin zu werden. Ich träume vom Reisen. Ich möchte überall hinreisen. Ich möchte noch viele neue Sprachen lernen. Ich will meinen Vater sehen und ich wünsche mir, dass er nach Deutschland kommt. Ich wünsche mir, dass endlich der Krieg in meinem Land Irak vorbei ist. Irak blutet – Pray for Iraq (Ich hoffe, dass meine und die Träume aller Menschen wahr werden). Nyan

Diese Farbe Gold finde ich sehr schick. Ich liebe Schönheit und alles was schön ist. Ich wünsche mir, dass ich das Abitur schaffen werde. Ich wünsche mir, Zahnärztin zu werden. Ich wünsche mir, dass meine Mutter wieder gesund wird. Ich wünsche mir, dass meine Schwester nach Deutschland kommt. Ich möchte gerne nach Italien fahren. Ich möchte gerne die türkische Sprache lernen und in die Türkei gehen. Ich wünsche mir, dass niemand traurig ist und dass alle in Frieden zusammen leben. Aber Glücksbringer finde ich gar nicht wichtig. Es gibt kein Glück im Leben. Pray for Baghdad. Fatima


Unsere Glücksbringer sind Freundschaftssymbole. Ein Blatt, weil wir uns im September kennengelernt und angefreundet haben. Kleine schwarze Steine, weil wir einmal nicht gesprochen haben und uns immer geschlagen haben. Die trockenen Blüten symbolisieren, dass wir dann wieder gesprochen haben. Auf dem Blatt Papier steht in Janas Glücksbringer „beste Freundin“ auf Türkisch und auf dem Blatt Papier steht in Fatmas Glücksbringer „beste Freundin“ auf Arabisch. Ein gestempeltes Fragezeichen, weil wir uns immer fragen: „Was macht Jana gerade?“, „Was macht Fatma gerade“? Jana und Fatma

Auf dem Papier steht, ich wünsche mir Arzt zu werden und einen Ferrari zu haben. Ich wünsche mir, dass Gott meiner Mutter und meiner Familie Trost und Frieden bringt. Ich hoffe, dass Gott meinem Bruder alle Fehler, die er gemacht hat, vergibt. Hamody


Die Feder symbolisiert dass ich fliege; mein Kopf war nie hier, nur mein Körper. Das Wort Augen symbolisiert: Augen erzählen alles. Die Blume ist eine sehr spezielle Blume die wir, also unsere Klasse, auf einem Spaziergang gepflückt haben. Ein glücklicher, spezieller Moment. Ein Papier mit drei Buchstaben (S, H, M) S bedeutet mein Name, H und M stehen für einen anderen Namen. Das Wort „schwarz“ weil in dem Moment alles schwarz war. Das Wort „Schmerz“ weil jeder einen Schmerz hat. 31.10.2016 weil es mein erster Schultag war. Nummer 7 und Nummer 10 sind geheim. Ein Foto von Augen, weil ich diese Augen liebe. 12:00 Uhr mittags. Ein Stück von einem Papier mit Nutella. Von der Hand von ihm. Wer ist er? Sawin

Das ist ein weißer Rahmen. Weiß wie Frieden. Für ein Familienfoto. Auf dem meine ganze Familie zusammen und glücklich ist. Viele Sterne in vielen Farben, weil ich möchte, dass mein Leben nicht schwarz und weiß, sondern bunt ist. Die Schleifen finde ich einfach schön. Ich wünsche mir, dass alle Leute lustig sind. Und nicht mehr sterben. Ich möchte, dass es keinen Krieg, keine Bomben und keine Toten mehr gibt. Tasnim

Ich habe die Kamera gebaut, weil ich dachte, wenn ich eine Kamara habe, dann kann ich von meinen Träumen ein Foto machen. Wenn ich das Foto in meiner Kamara habe, dann kann ich allen Menschen zeigen, was ich in meinen Träumen gesehen habe. Ich möchte meine Träume nicht mehr vergessen. Omid


Die drei Stoffstücke sehen aus wie eine Ampel. Grün ist, wenn es mir gut geht. Rot ist, wenn es mir nicht so gut geht. Gelb ist, wenn es mir solala geht. Die Wollfäden sind die Menschen, die ich getroffen habe. Die blauen Fäden sind alle guten Menschen wie zum Beispiel Ahmed aus meinem Heim, Salam aus meinem alten Heim. Die roten Fäden sind schlechte Menschen wie Mohammed und Khaled. Grüne Fäden sind die Menschen, die uns geholfen haben wie Alexander, mein deutscher Freund. Die weißen sind die guten Menschen aber sie haben uns angelogen. Sie haben uns gesagt, dass sie uns helfen, aber sie haben uns nicht geholfen. Die kleinen Papiere symbolisieren, was ich in Deutschland gut mache und was ich schlecht mache. Die silbernen Papierchen zeigen, was ich in Deutschland gelernt habe, zum Beispiel die deutsche Sprache, Regeln, Respekt haben, verschiedene Religionen, neue Spiele wie zum Beispiel Basketball, Rollerfahren, Skateboard fahren, Inlineskaten, Eislaufen, Hockey. Die Holzpapierchen sind die neuen Sachen, die ich in Deutschland bekommen habe. Ein gutes Handy, einen Laptop, Playstation 4, CD von GTA Five, Computerspiele. Das weiße Dreieck bedeutet, dass ich andere Ausländer kennengelernt habe. Zum Beispiel Afghanen, Albaner, Araber aus dem Irak, Araber aus Ägypten, Araber aus dem Libanon, Russen und Türken. Mein Glücksbringer soll mir neue Freunde in der neuen Schule bringen. Ayham

In meinem Glücksbringer ist nix drin, weil ich die solche Sachen dumm finde ... weil ich denke, dass das gar nix bringt. Wer die macht, der ist verrückt. Abudi


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Aus der Vergangenheit Kraft schรถpfen


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„Als ich ein Kind war habe ich immer diese fantastischen Filme gesehen, aus China mit diesen Dingern (Fächer) und diesen (Zentimetermaß). Ich habe immer diese Filme gesehen und dann hab ich immer so gemacht hiermit und damit, ich hab einfach immer mit viel Fantasie gespielt, so habe ich gemacht, und so. Ja, das war mein Spielzeug als ich ein Kind war. Und das hat immer Spaß gemacht.“ Ferdows

Auzug aus der Videoperformance von Ferdows: „Ein Fächer und ein Zentimetermaß“


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Auszug aus der Videoperformance von Hamody: „Die Freude und das Gefühl der Freiheit beim Motorradfahren“


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„Also ja, als ich ein Kind war, war ich in Kabul mit meiner Familie und meine Tante hatte diese Dinge (gehäkelte Spitzendeckchen), sie hat immer genau solche Dinge in Kabul gemacht. Und das war für mich immer großartig und interessant. Und ich hab auch diesen Fächer gefunden, das ist eine fantastische Sache. In Kabul ist das Wetter sehr warm, und die Frauen haben immer einen Fächer dabei und sie machen die ganze Zeit so. Ja, und ich mag ihn. Und ich hatte auch genau so ein Ding (Ratsche) und ich habe die ganze Zeit so gemacht.“ Omid

Auzug aus der Videoperformance von Omid: „Ein Fächer, ein gehäkeltes weißes Spitzendeckchen und eine Ratsche.“


Zurückkommen zum Spiel 58

Fotoserie der Performance von Ayham in der Woelkpromenade: „Ich will Fußballer werden“


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Performance als Ausdrucksmittel

I

ch beschloss, mit Performance zu arbeiten, weil diese Kunstgattung uns mit ihren Besonderheiten erlaubt, der Existenz einen Weg zu öffnen, der das Alltägliche mit Kreativität verbindet. Ich möchte betonen, dass ich Kreativität als einen Akt verstehe, der Antworten oder Konstellationen findet oder entwickelt, angesichts einer bestimmten Wirklichkeit. So verstehe ich das Konzept der „Originalität“ nicht nur als Antwort auf „etwas Anderes“, sondern auch als etwas, welches von dem lateinischen Wort „originalis“ - „ursprünglich“ kommt und also unmittelbar aus einem selbst heraus. In unserem Workshop luden wir die SchülerInnen

ein, ihre Gegenwart, die Objekte, von denen sie umgeben sind, zu beobachten und aufmerksam auf ihre körperlichen Empfindungen zu achten. In den Performances der SchülerInnen waren sie selbst in ihrer Körperlichkeit und in ihren Gegenwärtigkeiten das Visualisierungsmittel dieser Inhalte. Inhalte, die noch nicht in Worte gefasst werden können, weil sie noch mitten im Entwicklungprozess sind oder weil sie, aus unterschiedlichsten Gründen, unaussprechlich, nicht benennbar, unbeschreiblich sind. Karina Villavicencio


und zu der Schรถnheit 60


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„Was hast du in deinem Land gemacht, was du hier in Berlin auch weiter machen kannst?“

Foto Performance von Tasnim und Fatma: „Zöpfe flechten“


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Fotoserie der Performance von Saif und Abudi: „Dabke tanzen im Park“


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Ausklänge 64

D

ie Universität bringt uns bei, den Verstand, das Wissen und Strategien zu nutzen. In der Psychologie wird Neutralität besonders hoch geschätzt. Manchmal aber genügen diese Werkzeuge nicht und dieses Projekt gab mir die Möglichkeit, diesen Ansatz zu erweitern. Um das in dieser Zeit Erlebte zusammenzufassen ist das Wort, an welches ich denke Emotion. Emotion wird symbolisch dem Element Wasser zugesprochen und ich kann sie mir vorstellen als flüssig, durchsickernd duch kleine Ritzen, Besitzer unglaublicher Kraft. Diese Arbeit hatte die Herausforderung mit Jugendlichen zu arbeiten die damit konfrontiert wurden was es bedeutet zu leben oder zu sterben, alles hintersichzulassen und nochmal von vorne anzufangen. Es war ein Kontakt mit dem Wasser welches überfluten oder abschrecken kann. Allerdings, inmitten von Emsigkeit und Intensität, Drama, Traurigkeit, Angst, Liebe, Zweifel, manchmal von ihnen, manchmal von mir, entdeckten wir, wie die Emotion sich entwickelte. Anfangs war die Emotion das, was das Geplante verspätete und sie entwickelte sich mittendrin in gruppale Transformationen und Bewegung in Richtung der gesteckten Ziele. Es war also das Wasser selbst, welches das Feld bewässert und Orte durch sein Fliessen miteinander verbindet. Zum Glück konnte ich Zeit verbringen mit einer Lehrerin, die über ihr Fach hinausgeht und sich der intensiven Freude und dem intensiven Schmerz aussetzt, indem sie Bezugsperson ist inmitten dieser Wege voller Ungewissheit. Ich vertraue darauf, dass dadurch, dass wir uns zeitweise unsere Schutzhülle abstreifen und uns aus dem Zuhören und dem Begleiten heraus nähern, uns erlauben wird, gefährliche Situationen zu erkennen. Meine Einladung ist „Farbe zu bekennen“ und meine Hoffnung ist, dass Lehrerinnen wie sie nicht in diesem Ozean Schiffbruch erleiden und dass sie institutionelle Unterstützung bekommen, wenn es nötig ist. Ich nehme hin, dass ich nicht alles beschreiben kann was ich erlebt habe, das Wasser hat keine Form und es entrinnt zwischen den Fingern ... ich danke diesen Jugendlichen, mich in Kontakt mit dem Fliessen, dem Humor und einem Meer von bedeutsamen Anderen gebracht zu haben. Danke für das frische Wasser, dass ihr bringt.

Marvi Méndez

I

rgendwie hat diese Arbeit in diesem Projekt eine Erfahrung fortgeführt die ich schon zweimal gemacht hatte, das erste Mal als ich nach Frankreich kam und das zweite Mal als ich nach Deutschland kam. Auch wenn ich dieses Mal nicht die Neuangekommende war, so hatte ich doch bei jedem Treffen das Gefühl, als hätte ich etwas Neues über mich gelernt. Die Workshops führten wir in einem typischen berliner Klassenzimmer durch, im Klassenzimmer der Willkommensklassen. Und dort, zwischen Landkarten, Tafeln und Pausenklingeln hatte ich immer das Gefühl in einen anderen Raum und in eine andere Zeit einzutreten, ausserhalb des alltäglichen Rhythmus meines Berufes. Oft kam ich mit einem Vorschlag für eine Tätigkeit von der ich glaubte, sie sei einfach und die dann zu der Herausforderung des Tages wurde. Andere Male, ganz im Gegenteil, konnten schwierige Aufgaben ganz einfach bewältigt werden. Für mich war es mit dieser jugendlichen Energie zu arbeiten (oder dionysischen Energie wie Marvi Mendez sie nennt) und die mich ständig dazu einlud während des Workshops die Organisation der geplanten Aktivitäten neu zu entwerfen oder mich selbst neu zu orientieren. An sich selbst zu zweifeln, und auch, sich den Raum von Flexibilität und Meinungsänderungen zu geben sind keine Eigenschaften zu denen geraten wird wenn man Tätigkeiten anleitet. In einer Grundhaltung der Offenheit dem anderen gegenüber existiert das Risiko die eigentlichen Rollen zu schwächen. Wir als Team wollten dieses Risiko eingehen und ein offenes Ohr für die Schülerinnen und Schüler haben. Wir beschlossen, nicht mit vorgegebenen Antworten zu kommen und sie auch nicht zu erwarten. Es schien uns interessanter uns zu bemühen einen Dialog zu öffnen, einen Raum des gemeinsamen menschlichen Daseins, mit all den Einschränkungen, Abwesenheiten und einer bewusst wahrgenommenen Gegenwärtigkeit. Unsere Herausforderung bestand darin all dies irgendwann irgendwo – zwischen den Wegen anzunehmen.

Karina Villavicencio


D

ie Arbeit mit Geflüchteten kam zu mir. Sie klopfte an meine Tür vor ein paar Jahren, von verschiedenen Seiten und mit entschlossenem Schritt. Meine erste Erfahrung wurde zu diskreten Tränen als ich aus der Schule trat und starkem Weinen als ich nach Hause kam. Nicht aus Mitleid, sondern aus Traurigkeit; aus einer unendlichen Traurigkeit heraus so wenig tun zu können um ihrer verwirrten Existenz zu helfen. Ich lernte diese Erfahrungen zu verdauen, auf eine flexible und fröhliche Art zu arbeiten und zu versuchen zu teilen wer ich bin und zu hoffen, dass ich somit ein wenig zu ihrer herausfordernden Welt beitragen könne. Diese Begebenheit war eine Überraschung für mich, ich sollte eigentlich nur koordinieren oder planen aber eines Tages kam ich in einen Workshop, voller Angst und offenherzig zugleich und jeden Zeitraum, den ich mit ihnen verbrachte war wie eine weisse Leinwand auf der alles vorher geplante keine Logik hatte und die Gruppe pulsierte in ihrem eigenen Rhythmus mit einer fast chaotischen Schönheit. Ich habe mich mit ihnen verbunden und ich habe mich tief verbunden. Mit ihrer Adoleszenz, mit ihren Herzenswünschen, mit ihrer Konfusion und der Kraft ihrer Jugend. Sie waren grosse Meister, Spiegel, Brisanz. Diese Begegnungen haben Worte, Kunstwerke, Reflexionen und emotionale Reinigung in uns allen erweck. Sie haben mich intensiv bewegt und haben mich so viel Schönheit finden lassen in den kleinen und grossen Geschichten die ich die Ehre hatte zu hören. Die Zeit ist wenig aber die Spuren sind tief. Es war eine grossartige Reise. Die erste von vielen weiteren Reisen, falls ich das Glück habe.

Bianca Monroy

A

usklang ... ich wünsche mir, dass die Stimmen dieser jungen Menschen niemals ausklingen, sondern dass sie Teil eines großen Chores werden, der weiter schwingt und singt und dazu beiträgt, dass Licht in diese Welt scheint. Dankbar bin ich für dieses große Abenteuer, dass ich mit euch allen erleben durfte. Wie viel habe ich von euch allen gelernt. Selber bin ich als Kind und als Jugendliche zweimal entwurzelt worden, einmal mit sieben, und dann nochmals mit dreizehn Jahren. Soweit ich mich erinnere, war damals keinem von uns klar, dass auch unsere Eltern mit uns migrierten, dass wir vielleicht auch mal darunter leiden würden, die Frage „Woher kommst du?“ nicht leicht beantworten zu können. Mit achtzehn beschloss ich, selbst aus Europa aufzubrechen um in eine ganz andere Welt einzutauchen. Viele Jahre lang lebte ich zwischen Extremen, zwischen den Kontinenten, zwischen den Wegen und zwischen den Welten. Bevor ich 2012 nach Berlin zog, hatte ich mich in England und in Lateinamerika intensiv mit den Themen Erinnerung, Menschenrechtsverletzungen, Migration, Exil und Armut befasst und landete dann eher zufällig als Lehrerin an einer Schule in Berlin. Es waren die Jugendlichen und ihre Geschichten, ihre Augen und ihre Erlebnisse, ihr Mut und ihre innere Kraft, ihr Durchhaltevermögen und ihre Resilienz, die mich von Anfang an faszinierten. Jeder Arbeitstag in dem kleinen Klassenzimmer der Willkommensklasse ist aufregend, intensiv, voller Leben und Überraschungen und oft ganz nah dran am Weltgeschehen. Ohne Cabdiqaadir, der mir an meinem 38. Geburtstag im Jahr 2014 einen langen Text mit seiner erschütternden Fluchtgeschichte schenkte, würde es dieses Buch und diesen Film vielleicht nicht geben. Mit ihm begann alles und durch ihn wurde mir klar, dass ich umrandet von vielen jungen Helden und Heldinnen bin und dass es viele Geschichten gibt, die erzählt werden wollen, dass ich ihnen zuhören will und davon träume, sie in die weite Welt hinauszutragen.

Jennifer Herbst

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Projektteilnehmerinnen und Projektteilnehmer

2014:

2017:

Fotoausstellung:

Workshops:

Abdulah, Afghanistan Abigail, Nigeria Amir, Iran Cabdiqaadir, Somalia Ismail, Senegal Marem, Tschetschenien Maya, Guinea Mubera, Bosnien Nafisatu, Sierra Leone Negar, Afghanistan Ngoc Mai, Vietnam Omar, Palästina Samnang Ridd, Kambodscha

Abudi, Syrien Ayham, Syrien Fatima, Irak Fatma, Türkei Ferdows, Afghanistan Hamody, Irak Jana, Syrien Nyan, Irak Omid, Afghanistan Saif, Irak Sawin, Syrien Tasnim, Syrien und Palästina Dokumentarfilm - Hauptdarsteller Abigail Aigbe, Nigeria Bahaa Adas, Syrien Cabdiqaadir Muuse, Somalia Hadi Adas, Syrien Ismail Barro, Senegal Maya Ly, Guinea Mubera Dino, Bosnien Shadi Dari, Syrien Dokumentarfilm – Nebenrolle und Stimme Andrea Adamovic, Serbien Felin Nurieva Selimova, Bulgarien


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Respekt oder Mitleid? Migrant oder Flüchtling? Schweigen oder erzählen? Echos 69 oder Geflüster? Lehrer oder Berater? Sicherheit oder Ungewissenheit? Realität oder Träume? Ordnung oder Chaos? Erfahrung oder Vorurteil? Mitgefühl oder Distanz? Lachen oder weinen? Lebendig oder tot? Liebe oder Ablehnung? Abschiebung oder Asyl? Zerstückelt oder in einem Stück? Regeln oder Freiheit? Wissen oder Zuhören? Planung oder Flexibilität? Heim oder Wohnung? Nähe oder Angst? Hier oder da? Jobcenter oder LaGeSo? Ramadan oder Weihnachten? Begleiten oder retten? Veranwortung oder spielen? Druck oder Entscheidung? Erinnerung oder Gegenwart? Struktur oder Offenheit? Mitschwingend oder taktlos? Gegenwart oder Zukunft? Helfen oder zusammenarbeiten? Faszination oder Schmerz? Schwäche oder Stärke? Lernen oder lehren? Vorschlag gegen Vorschlag? Sportlich oder schön? Interesse oder Langeweile? Autorität oder Augenhöhe? Bescheidenheit oder Besserwissen? Kairos oder Chronos? Das oder irgendwas? Genauigkeit oder irgendwie? Berlin oder irgendwo? Jetzt oder irgendwann?


IMPRESSUM

Herausgeber: MaMis en Movimiento e.V. Immanuelkirchstr. 24 10405 Berlin Deutschland Projekt: „Unterwegs zu einer Willkommenskultur II: Wir haben es geschafft von der Zukunft zu träumen“ Webseite: www.mamisenmovimiento.de Email: mem.unterwegs@gmail.com Editorinnen: Jennifer Herbst und Bianca Monroy Buchkonzept: Karina Villavicencio, Jennifer Herbst, Marvi Méndez Filmkonzept: Daniellis Hernández Calderón und Jennifer Herbst Film: Regie: Daniellis Hernández Calderón Kamera und Schnitt: Daniellis Hernández Calderón Produktion, Übersetzung, Erzählung: Jennifer Herbst Coverdesign: Karina Villavicencio Buch: Gestaltung, Layout und Illustration: Karina Villavicencio www.karinavillavicencio.com Redaktion und Übersetzungen: Jennifer Herbst Korrektur: Helga Kuipers Texte: Marvi Méndez (Seiten 26, 28, 34, 40, 44, 48, 54, 58, 60) Karina Villavicencio, Bianca Monroy, Jennifer Herbst, ProjektteilnehmerInnen Fotos: Die Portraitfotos auf den Seiten 8- 16 sind Copyright © Anne Bollwahn, Webseite: www.bollwahn.eu Alle anderen Fotos entstanden im Rahmen des Projektes und gehören dessen internen Archiv. Dank an Karina Villavicencio, Daniellis Hernández Calderón, Jennifer Herbst, Guido Siegel, Fatma, Sawin, Saif, Fatima, Omid, Hamody, Ayham, Fatma dass sie ihre Fotos für die Fotodokumentation des Projektes zur Verfügung gestellt haben. Fotos der Performances und Objekte wurden von Karina Villavicencio gemacht und sie hat auch die Auswahl und Bearbeitung aller Fotos vorgenommen. Druck und buchbinderische Verarbeitung: PinguinDruck Marienburger Strasse 16 10405 Berlin

Berlin, November 2017 © 2017 MaMis en Movimiento e.V. Erste Auflage – 250 Stück ISBN 978-3-00-058350-6

Masterplan Integration und Sicherheit


IRGENDWO – ZWISCHEN DEN WEGEN  

Im rahmen des Projektes „Unterwegs zu einer Willkommenskultur II: Wir haben es geschafft von der Zukunft zu träumen“ Projektträger: MaMis...

IRGENDWO – ZWISCHEN DEN WEGEN  

Im rahmen des Projektes „Unterwegs zu einer Willkommenskultur II: Wir haben es geschafft von der Zukunft zu träumen“ Projektträger: MaMis...

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